Zu kurzes zungenbändchen baby

Paisley wurde mit der Zunge eines Erwachsenen geboren. Da sie viel zu groß war für das kleine Mädchen, konnte sie weder richtig essen, trinken und auch den Mund nicht schließen.

Die kleine Paisley Morrison-Johnson aus dem US-Bundesstaat South Dakota wurde mit dem Beckwith-Weidemann-Syndrom (BWS) geboren, einer Wachstumsstörung. Etwa jedes 13 000. Neugeborene ist davon weltweit betroffen, wie der britische Telegraph online berichtet.

Die vergrößerte Zunge, die in etwa doppelt so groß war als es normal wäre, verhinderte, dass sie trinken und essen konnten. In den ersten Monaten musste sie daher mit einer Nasensonde versorgt werden.

Paisley kam mehr als 10 Wochen zu früh auf die Welt. Die Geburt war dramatisch. Sie musste intubiert werden, schrie nicht. Ihre Eltern hatten große Angst um sie: Alles passierte unglaublich schnell, niemand wusste, was genau passierte, berichtet Paisleys Mutter Madison.

Drei Wochen nach der Geburt wurde das Mädchen positiv auf das Beckwith-Weidemann-Syndrom getestet. Es folgten Monate mit zahllosen Untersuchungen, Operationen und Therapien.

Beckwith-Weidemann-Syndrom

► benannt nach den Medizinern Hans-Rudolf Weidemann und J. Bruce Beckwith

► das Großwuchstum ist genetisch bedingt

► Fehlbildungen und Tumore von Organen (z.B. Leber, Nieren) oder der Zunge

► auch Fehlbildungen der Bauchwand und ein Nabelbruch sind möglich

► nach dem achten Lebensjahr verschwinden die Symptome häufig

► häufig tritt auch Unterzuckerung, daher muss der Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrolliert werden

In mehreren Eingriffen wurde ihre Zunge verkleinert. Die Ärzte hoffen nun, das dies genügt und sie keine weiteren OPs mehr benötigt. Heute ist Paisley 16 Monate alt und sie kann endlich lächeln. Ihre Eltern sind überglücklich.

EntwicklungspsychologieZunge raus, Zunge rein – imitieren Babys oder nicht?

Ein vergnügtes Baby. Jede Mutter und jeder Vater kann bestätigen: Schon mit Neugeborenen kann man kommunizieren. Sie registrieren und reagieren. Aber imitieren sie auch? Ob Neugeborene tatsächlich Gesichtsausdrücke, Gesten oder Laute gezielt wiederholen, ist keine Nebensächlichkeit, so Dr. Janine Oostenbroek von der University von York in England.

„Imitation ist ein Verhalten, das uns Menschen von anderen Arten unterscheidet. Imitation könnte auch wichtig sein für die Empathie, das Verständnis für andere und die Kooperationsbereitschaft. Deshalb ist es wichtig, die Wurzeln der Imitationsfähigkeit zu verstehen.“

Seit den Siebzigern galt es bei den Psychologen als ausgemacht, dass Babys von Geburt an imitieren, dass sie ihre eigene Zunge rausstrecken, wenn sie die Zunge ihrer Eltern oder eben von Forschern sehen. Das zeigen berühmte Studien, die allerdings nur wenige Babys untersucht hatten und nur wenige Gesten, vor allem eben das Zunge zeigen. Janine Oostenbroek hat diese Versuche jetzt auf breiter Basis wiederholt. Mit mehr als 100 Neugeborenen, die mehrfach im Abstand von einigen Wochen zu Hause getestet wurden. Die Kinder saßen auf dem Schoß der Forscherin. Janine Oostenbroek streckte ihnen nicht nur die Zunge heraus, sondern machte auch den Mund weit auf, zeigte mit dem Finger oder sagte „aaa“ oder „eee“. Viele Neugeborene sahen interessiert zu, einige schliefen auch einfach ein oder fingen an zu schreien. Die Reaktionen der Babys wurden jeweils auf Video aufgezeichnet und von Studenten bewerten, die nicht wussten, was die Forscherin direkt vorher gemacht hatte.

„Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, dass Neugeborene Gesten, Gesichtsausdrücke oder Laute imitieren, zu keinem der vier Zeitpunkte. Sie strecken durchaus die Zunge heraus, aber nicht nur, wenn ich meine Zunge herausgestreckt hatte, sondern auch, wenn ich vorher zum Beispiel mit dem Finger gezeigt hatte.“

Reaktionen anderer Forscher geteilt

Vielleicht strecken die Babys die Zunge einfach heraus, wenn sie aufgeregt sind. Mit echter Imitation hätte das nichts zu tun. Weil frühere Studien zu wenig Kontrollen hatten, konnten solche Störeffekte das Ergebnis verzerren, vermutet Janine Oostenbroek. Das will Prof. Andrew Meltzhoff vom Institut für Lernen und Hirnforschung in Seattle nicht auf sich sitzen lassen. Er war an einer der ersten Studien zu diesem Thema beteiligt. Das Foto, auf dem er und ein Baby die Zunge herausstreckten, ging damals durch die Presse. Ein Interview wollte er nicht geben, aber in einer E-Mail listet er sieben methodische Kritikpunkte an der Arbeit von Jannie Oostenbroek auf. So sind Neugeborene noch gar nicht in der Lage, einen „eee“ Laut zu produzieren, können ihn also auch nicht imitieren. Sein Fazit lautet: „Ich erwarte, dass diese Arbeit von künftiger Forschung wiederlegt wird, weil sie die Babys unterschätzt.“

Unter deutschen Entwicklungspsychologen sind die Reaktionen geteilt. Manche Forscher geben Meltzhoff in seiner Kritik recht. Andere, wie Prof. Markus Paulus von der Universität München, sehen zwar ein paar Probleme, halten die grundsätzliche Schlussfolgerung aber für berechtigt. „Also man kann von diesen vielen Verhaltensweisen, die dargeboten wurden, ein paar herausnehmen und das diese nicht imitiert wurden, ist nicht verwunderlich, allerdings andere Verhaltensweisen müssten eigentlich schon imitiert werden und die wurden nicht imitiert. Von daher würde ich sagen, die Kritik hat ’nen Punkt, aber sie ist nicht vollständig überzeugend.“

Vor allem imitieren die Eltern ihre Babys

Zumal es schon kleinere Studien gab, die ebenfalls keine Imitation direkt nach der Geburt belegen konnten. „Manche Modelle sagen, auch die Fähigkeit, dass wir sozial lernen können, also die Fähigkeit zum Imitieren zum Beispiel, ist selbst wiederum sozial erlernt. Sie fußt sozusagen oder ergibt sich aus den frühesten Interaktionen, die Kinder mit ihren Bezugspersonen haben.“

Denn es sind vor allem die Eltern, die ihre Babys imitieren und ihnen so dieses soziale Spiel vormachen. Erst mit sechs bis acht Montanen beteiligen sich die Kleinkinder dann auch ihrerseits und machen die Erwachsenen nach. Das zeigen weitere Beobachtungen von Janine Oostenbroek, die ihre Studienkinder inzwischen bis zum vierten Lebensjahr begleitet hat. „Wir bezweifeln nicht, dass Eltern und Babys über das Imitieren eine engere Bindung aufbauen. Aber das entwickelt sich eben erst nach und nach.“

Große Zunge durch Backwith-Wiedemann

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Stillprobleme 

Viele Leute meinen, Stillen sei die natürlichste Sache der Welt und müsse deshalb eine instinktive, angeborene und bei Bedarf abrufbare Eigenschaft des weiblichen Körpers sein. Aber das Stillen funktioniert nicht von selbst, sondern ist eine Fähigkeit, die erlernt werden muss. Viele Frauen geben zu schnell auf, wenn das Baby schreit und den Eindruck macht, es würde nicht satt an der Brust. Sie werden sicher einige Wochen brauchen, bis sich sowohl hinsichtlich der Stillzeiten als auch der richtigen Haltung und Anlege-Technik eine Routine eingestellt hat, die für Sie und Ihr Kind individuell richtig ist. Aber haben Sie Vertrauen darauf, dass Sie als Mutter instinktiv wissen, was für Ihr Baby richtig ist. Auch wenn es einige Zeit dauert: Sie müssen sich schliesslich erst aufeinander einspielen.

Greifen Sie nicht sofort zur Schoppenflasche, wenn Probleme wie starker Ansaugschmerz, Brustverweigerung (Stillverweigerung), wunde Brustwarzen bis hin zur Brustentzündung oder ein Milchstau auftreten. Und wenn Sie ständig müde sind und Sie die Müdigkeit auf das kräftezehrende Stillen zurückführen: Denken Sie daran, dass auch Flaschenkinder nachts gefüttert werden müssen. Die Schoppenbereitung in der nächtlichen Küche ist viel aufwändiger, als das Baby im Halbschlaf an die Brust zu legen.

Lassen Sie sich Ratschläge geben – aber nur von Fachleuten! Bitten Sie erfahrene, aber noch junge Mütter in Ihrer Umgebung um Hilfe, die vor kurzem erst in derselben Situation waren und nicht (wie die eigene Mutter, Schwieger- oder Grossmütter) jahrzehntelangen Abstand und entsprechende Erinnerungslücken haben. Immer für Sie da sind auch die Mütterberaterin oder Stillberaterin. In den meisten Geburtskliniken gibt es heute Hebammen und Pflegefachfrauen, die sich auf die Stillberatung gleich nach der Geburt spezialisiert haben und in den ersten und wichtigsten Tagen des Wochenbetts wertvolle Hilfestellung geben. In der Zeit danach können Sie während der Hausbesuche Ihrer Hebamme eventuelle Probleme erörtern. Die Krankenkassen bezahlen die Hebammenbetreuung nach einer ambulanten Spital- oder Hausgeburt. Ausserdem hat jede junge Mutter Anrecht auf drei Stillberatungen durch eine Fachfrau.

Beachten Sie!

Weitere Infos

Die häufigsten Fragen zum Thema Stillen

Linksammlung „Stillberatung

Adressen: Rund um’s Stillen

Viele junge Mütter geniessen auch die Gemeinschaft mit anderen stillenden Müttern bei den regelmässigen Treffen von Stillgruppen, in denen natürlich nicht nur über das Stillen geredet wird! Die Teilnahme an solchen Stillgruppen ist übrigens schon in der Endphase der Schwangerschaft eine gute Vorbereitung auf das Stillen! Adressen von Stillgruppen bekommen Sie in der Geburtsklinik, von Hebammen, Mütterberaterinnen und Kinderärzten, Kinderärztinnen. Ausserdem empfehlen wir Ihnen einen Besuch im swissmom-Forum „Stillen und Babyernährung“. Dort werden Sie sehen, dass alle jungen Mütter dieselben Probleme haben oder hatten und sich gegenseitig wertvolle Unterstützung geben.

Ein hervorragendes Adressverzeichnis zu Stillberatung und Stillgruppen finden Sie auch im BabyGuide (www.babyguide.ch) , dem regionalen Fachratgeber für werdende/junge Eltern, der auf Rezept kostenlos in den Apotheken erhältlich ist. Eventuell haben Sie Anrecht auf ein Stillgeld nach 10 Wochen Stillzeit. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse danach.

Häufige Fragen zum Thema

Habe ich zuwenig Milch?

Mein Baby schläft beim Stillen immer ein. Was kann ich da tun?

Video

Das korrekte Anlegen – Ihr Baby weiss, wie es geht!

Ein Informations- und Schulungs-Film von ARDO in Kooperation mit dem Deutschen Hebammenverband e.V.

Newsticker

Muttermilch-Talk | 16.04.2019

Regelmässige, unterstützende Telefongespräche zwischen frischgebackenen und erfahrenen Müttern führen zu längeren Stillzeiten. Das zeigt eine australische Studie, an der mehr als 1200 Frauen teilnahmen. 75 Prozent der Mütter, die regelmässig telefonisch von erfahrenen Müttern unterstützt wurden, gaben ihren Babys im Alter von sechs Monaten noch Muttermilch. Unter der üblichen Gesundheitsfürsorge nach der Geburt waren es nur 69 Prozent. Auch das Feedback der erfahrenen Mütter, die sich freiwillig gemeldet hatten, war überwältigend positiv. Sie hatten eine kurze Schulung erhalten und betreuten zwei bis zehn Mütter mit ihrem ersten Kind. Mit jemandem sprechen zu können, der selbst mindestens sechs Monate lang gestillt hat und darauf trainiert wurde, zuzuhören und einfühlsam zu sein, motiviert Stillanfängerinnen zum Durchhalten.

Stillprobleme? Beim Stillen trinkt Ihr Baby oft unruhig, es schnalzt viel mit der Zunge oder lässt die Brust immer wieder los? Dies kann an einem verkürzten Zungenbändchen liegen. Auch schmerzende Brustwarzen beim Stillen deuten darauf hin. Etwa eins von zwanzig Babys wird mit solch einer harmlosen kleinen Fehlbildung geboren – die aber deutliche Auswirkungen hat: Das Baby kann kein Vakuum erzeugen, das zum Trinken unerlässlich ist. Wenn Ihr Baby die Zunge herausstreckt, könnten Sie sehen, dass der Zug die Zunge vorne herzförmig einkerbt. In diesem Fall sollten Sie Ihr Baby beim Kinderarzt oder bei der Kinderärztin vorstellen und über eine Korrektur sprechen. Denn ein sehr kurzes Zungenband kann das Sprechenlernen behindern, speziell bei Lauten, die mit der Zunge gebildet werden, wie D, T, L, N und S. (swissmom Newsticker, 13.9.15)

Letzte Aktualisierung : 26-11-19, BH

Schnalzt beim Stillen mit der Zunge

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Orale Restriktionen wie kurze Lippen- und Zungenbändchen im Fokus meiner Beratung

Im ersten Schritt sollten die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Stillen gewährleistet sein. Dabei steht auch bei einer Zungenbandthematik das Optimieren des Stillmanagements, der Anlegevorgang und die Milchbildung im Fokus meiner Beratung. Gegebenenfalls können mit einigen Anpassungen kleine Verbesserungen ertzielt werden, die auch die Zeit überbrücken, bis eine Trennung des Zungenbandes vorgenommen werden kann. Oftmals sind diese Anpassungen und weitere Übungen essenziell für den späteren Stillerfolg und keiner der in unserem Netzwerk tätigen Ärzte trennt daher ohne vorherige Stillberatung und deren Zuweisung. Dies gilt auch für Kinder mit bestehnder Zungenbandthematik, die nicht mehr an der Brust ernährt werden. Denn gerade in diesen Fällen kommt der Vorbereitung der Muskulatur und das Durchführen spezieller Nachsorgeroutinen eine besondere Bedeutung zu, dass sich eine neue Beweglichkeit der Zunge auch in ihrer Funktion integriert.

Diese Trennung des Bandes – Frenotomie genannt – wird durch erfahrene Ärzte innerhalb unserers Netzwerkes vorgenommen. Diese beurteilen vor der Trennung ebenfalls die Zungenbeweglichkeit und informiert über mögliche lokale Betäubungen und welches Verfahren zur Trennung zu empfehlen ist (Schere oder Einsatz von Laser). Eine Vollnarkose ist bei einer Zungenbandtrennung nicht nötig. Zudem direktes Stillen nach der Trennung Mutter und Baby in vielfältiger Hinsicht hilft. Um eine ideale Wundheilung zu erlangen ist aktives Wundmanagement der Zunge unerlässlich und wir üben dieses im Rahmen meiner Vorbereitung gemeinsam vor dem Eingriff, so dass die Eltern und ihre Kinder Vertrauen in den Vorgang fassen. Der Verlauf der Wundheilung, wie auch Veränderungen im Stillen sollten mit dem beandelnden und begleitendem Team engmaschig ausgetauscht werden.Hierbei bin ich als Eure Beraterin das Bindeglied zwischen den Ärzten und den weiteren Therapeuten, so dass ihr mit mir auf dem weiteren Weg der Nachsorge betreut seid.

Die Zusammenarbeit zwischen Stillberaterin, den behandelnden Ärzten und den Körpertherapeuten ist die Basis einer guten Begleitung. Der Körper hat je nach Darstellung der anatomischen Gegebenheiten bisher kompensiert und je nach Dauer, die die Restriktion schon besteht, auch körperliche Veränderungen erfahren. So empfiehlt sich eine zusätzliche Unterstützung durch Körperarbeit um die neue Beweglichkeit in die bestehenden Sturkturen zu integrieren, weshalb in unserem Netzwerk spezialisierte Osteopathen, Cranio-Sacral-Therapeuten und Logopäden angegliedert sind.

Zu kurzes Zungenbändchen

Ein verkürztes Zungenbändchen kann das Stillen erschweren (© andesign101)

Manchmal liegen Still- und Saugschwierigkeiten nicht am ungünstigen Anlegen, sondern an einem angeborenen verkürzten Zungenbändchen (sog. Ankyloglossia oder Frenulum linguae breve), das die Beweglichkeit der Zunge einschränkt. Betroffene Babys könne ihre Zunge kaum über die Lippen hinaus schieben. Durch diese eingeschränkte Beweglichkeit kann das Baby nur ineffektiv saugen – dadurch erhält es weniger Milch, gedeiht schlechter und die Dauer der Milchmahlzeiten verlängert sich. Die Brustwarzen der Mutter können beim Stillen schmerzen oder sogar wund werden.

Das zu kurze Zungenbändchen kommt bei etwa 2-10% aller Neugeborenen vor und ist erblich. Jungen sind dreimal so oft betroffen wie Mädchen. Dabei sind nicht alle Kinder mit Ankyloglossia gleichermaßen betroffen. Manche können ohne Probleme an der Brust saugen. Es wird geschätzt, dass etwa jedes achte Neugeborene mit Stillproblemen ein verkürztes Zungenbändchen hat.

Symptome, die auf ein verkürztes Zungenbändchen hinweisen können:

  • Schwierigkeiten beim Anlegen und längeren Saugen an der Brust, das Baby lässt die Brust oft los
  • Frustriertes, unruhiges Baby an der Brust, oder das Baby schläft an der Brust ein, bevor es satt ist
  • Lange und/oder sehr häufige Stillmahlzeiten, das Baby nimmt trotzdem zu viel ab bzw. nicht ausreichend zu
  • Das Stillen ist für die Mutter dauerhaft schmerzhaft, die Brustwarzen werden beim Stillen gequetscht, evtl. Entwicklung von wunden Brustwarzen
  • Zu wenig Milch, da das Baby die Brust nicht ausreichend entleeren kann und somit die Milchbildung nicht genug anregt. Die unzureichende Milchbildung kann bald nach der Geburt oder erst einige Wochen später bemerkbar werden.
  • Die Zunge des Babys wird nie außerhalb des Mundes gesichtet. Evtl. reicht die Zunge bis zu den Lippen, aber nicht über die Lippen hinaus, was zum effektiven Stillen jedoch erforderlich wäre.
  • Evtl. Saugbläschen an der Lippe: das Baby versucht die Brustwarze mit den Lippen festzuhalten
  • schnalzende Geräusche beim Stillen (Baby verliert den Saugschluss)
  • hoher und schmaler Gaumen (entsteht noch im Mutterleib wegen dem verkürzten Zungenbändchen)
  • besondere Zungenformen

In einem Kurzfilm zeigt der Laktationsberater Dr. Jack Newman das erschwerte Trinken mit einem verkürzten Zungenbändchen: https://www.youtube.com/watch?v=rKEwa6QGaRU. Man erkennt das oberflächliche Trinken, dass die Lippen nicht nach außen, sondern eingestülpt sind, die schnappenden, kauenden Bewegungen des Kiefers und die herauslaufende Milch.

Übrigens, nicht alle der oben gelisteten Symptome kommen ausschließlich beim verkürzten Zungenbändchen vor, sie können auch auf eine Reihe weiterer Probleme wie suboptimales Anlegen, zu viel Milch, zu wenig Milch oder andere Ursachen für Saugprobleme hinweisen (mehr dazu in den Artikeln Das korrekte Anlegen, Abschnitt hartnäckige Anlegeprobleme, Wunde Brustwarzen, Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett). Besondere Zungenformen allein rechtfertigen ebenfalls keinen Eingriff. Die Variabilität von natürlich vorkommenden Zungenformen ist groß – hat ein Baby keine weiteren Symptome und trinkt gut, kann auch eine außergewöhnliche Zungenform ihre Funktion erfüllen. Insbesondere eine Kombination von auffälligen Zungenformen mit anderen Symptomen ergibt ein eindeutiges Bild, nachdem andere Ursachen für Stillprobleme ausgeschlossen worden sind.

Verschiedene Ausprägungen des zu kurzen Zungenbändchens

Das zu kurze Zungenband wird in zwei Formen eingeteilt:

Anteriores und posteriores zu kurzes Zungenbändchen

  1. Das vordere, „anteriore“ zu kurze Zungenband beginnt an der Zungenspitze, welche eine Herzform hat (s. Foto oben und Grafik). Man sieht einen weißlichen, dünnen Bindegewebsstrang (Membran), der bis zur Zungenspitze reicht.
  2. Das hintere, „posteriore“ zu kurze Zungenband beginnt weiter hinten an der Unterseite der Zunge und reicht bis zum Zungengrund. Die Zungenspitze bleibt rund. Das posteriore zu kurze Zungenband ist nicht immer sichtbar. Man erkennt dieses oft nur an der schlechten Beweglichkeit der Zunge, an besonderen Zungenformen, und dicken, straffen, tastbaren Sehnen am Zungengrund. Möglicherweise kommt das Kind bei nur leicht geöffnetem Mund mit der Zunge über die Zahnleiste, sodass eine normale Zungenbeweglichkeit angenommen wird. Wenn das Baby zum Stillen den Mund weit öffnet, dann zieht das Zungenbändchen die Zunge in den Mund zurück. Eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit kann sich auch über das Sog. Cupping der Zunge bemerkbar machen: Beim Weinen wölben sich die Spitze und die Seiten nach oben, aber der mittlere Teil der Zunge bildet eine Grube. Die Zunge kann mitunter eine Rutschbahnform einnehmen.

Die Diagnose des posterioren Zungenbands ist meist schwieriger und weniger eindeutig als die des anterioren Zungenbands und unter Fachleuten noch umstritten. Gerade bei Erstgebärenden können Stillprobleme trotz Erstverdacht auf posteriores Zungenband häufig auf suboptimale Stillposition und Anlegetechnik sowie kontraproduktive „Stillregeln“ zurückgeführt werden und durch die Optimierung des Anlegens und durch Stillen nach Bedarf bereits behoben werden. Bei erfahrenen Stillmüttern, die ältere Kinder schon lange und problemlos gestillt haben, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es tatsächlich eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit ist, welche beim Baby die hartnäckigen Stillschwierigkeiten verursacht.

Gleichzeitig können auch anatomische Variationen anderer oraler Strukturen wie Kiefer, Gaumen, Rachen oder Kehlkopf die hartnäckigen Anlegeprobleme verursachen (mehr dazu im Artikel Das korrekte Anlegen).

Zurzeit gibt es zwei anerkannte Beurteilungsinstrumente für verkürzte Zungenbänder für medizinisches Fachpersonal. Das Bristol Tongue Assessment Tool (BTAT) eignet sich für eine erste Einschätzung in der Geburtsklinik oder durch Nachsorgehebammen. Eine neue Version von BTAT (Abkürzung: TABBY, Tongue-tie and Breastfed Babies) enthält auch Bilder zur Illustration. Auch für Eltern kann dieses Instrument bei der Entscheidung hilfreich sein, ob sie zur weiteren Abklärung eine Zungenband-Expertin aufsuchen sollen. Nach der Einschätzung mancher Zungenband-Experten werden jedoch bei der Anwendung von BTAT / TABBY manche Formen des verkürzten Zungenbands übersehen.

Ein umfassenderes Assessment-Instrument ist das Hazelbaker-Tool (Hazelbaker Assessment Tool for Lingual Frenulum Function, HATLFF). Das Hazelbaker-Tool braucht eine Einschulung und ist zur weiteren Abklärung durch Stillfachkräfte geeignet.

Die Behandlung des zu kurzen Zungenbändchens

Babys mit zu kurzem Zungenbändchen profitieren von besonderen Anlegetechniken. Sie schaffen es manchmal mithilfe des „Laid-back-Nursing“ die Brust zu erfassen, während andere Stillpositionen nicht so gut funktionieren. Vor allem das so genannte asymmetrische Anlegen ist bei ihnen besonders hilfreich. Dabei nimmt das Baby mehr vom unteren Teil des Brustwarzenhofs in den Mund (zum Kinn hin) als vom oberen Teil (zur Nase hin). Die Nase gräbt sich nicht in die Brust, sondern bleibt frei (Mehr zum asymmetrischen Anlegen im Artikel Das korrekte Anlegen). Auf diese Weise ragt die Brustwarze am tiefsten in den Mund des Babys hinein und nimmt die beste Position ein. So lässt sich das kurze Zungenband ein Stück weit kompensieren. Doch, diese Positionierung reicht je nach Ausprägung nicht immer aus, damit das Baby effektiv trinken kann. Dann muss das Zungenbändchen durchtrennt werden.

Das verkürzte Zungenbändchen kann durch einen einfachen und kaum schmerzhaften Schnitt (sog. Frenotomie) durch darin ausgebildete Ärzte behoben werden. Manche Fachleute sprechen sich gegen eine Frenotomie aus und sind der Auffassung, dass sich das verkürzte Zungenbändchen mit der Zeit auswächst. Systematische Untersuchung deuten jedoch darauf hin, dass dies selten der Fall ist. Unbehandelt erschwert eine Ankyloglossie nicht nur das Stillen, sondern kann im späteren Leben auch zu einer Störung der Aussprache, zu Essproblemen, Zahnproblemen und Mundatmung führen.

Bislang existieren nur wenige systematische Untersuchungen darüber, wann eine Frenotomie indiziert ist und bei welcher Zungenbandform welche Schnitttechnik die besten Ergebnisse liefert. Bislang gibt es unter Behandlern intensive Kontroversen hierüber. Manche Ärzte schneiden nur so wenig wie möglich (hierbei entsteht keine Wunde unter der Zunge), andere – wie u.a. Dr. Darius Moghtader – plädieren dafür, den vollständig klinisch erreichbaren Anteil des Zungenbands durchzutrennen. Hierbei entsteht eine rautenförmige Wunde.

Dr. Moghtader plädiert dafür, nach der Frenotomie ein aktives Wundmanagement mit Dehnübungen und Training für die Zunge nach der so genannten 4–6-Regel (über 4–6 Wochen, mindestens 4–6-mal in 24 Stunden, im Abstand von 4–6 Stunden für 4–6 Sekunden) durchzuführen (s. Video), damit die volle Beweglichkeit der Zunge erhalten bleibt. Ergänzend sollte laut Moghtader und Kollegen Osteopathie, Oraltherapie und kontinuierliche Stillbegleitung stattfinden.

In den ersten drei Lebensmonaten kann eine Frenotomie unkompliziert durchgeführt werden. Bei älteren Babys oder Kindern besteht schon die Herausforderung, dass sie während des Eingriffs nicht ruhig bleiben und eine Anästhesie brauchen.

Im Folgenden können Sie in zwei Kurzfilmen von Dr. Jack Newmann, einem international anerkannten Laktationsberater, sehen, wie ein vorderes Zungenbändchen durchtrennt wird und das Baby gleich anschließend an der Brust trinken kann:

  1. Durchtrennen des Zungenbändchens
  2. Stillen gleich nach dem Durchtrennen des verkürzten Zungenbändchens

Laut Dr. med. Skadi Springer, Kinderärztin, Neonatologin und Still- und Laktationsberaterin IBCLC, sollte das verkürzte Zungenbändchen idealerweise noch am Tag der Diagnose, am 2.–5. Lebenstag, im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U2 durchtrennt werden. Wird die Frenotomie früh erkannt und behandelt, dann werden langwierige und komplexe Probleme von vorne herein vermieden. Wird das Zungenbändchen erst später durchtrennt, dann muss das Baby das Stillen mitunter erst neu erlernen.

Der Eingriff gehört in den Zuständigkeitsbereich eines Arztes. Die Abrechnung bei der Krankenkasse kann unter dem Posten „kleiner chirurgischer Eingriff“ erfolgen. Das Baby kann sofort nach dem Eingriff an die Brust genommen und gestillt werden. Das Stillen wirkt beruhigend und schmerzlindernd auf das Baby. Viele Mütter berichten, dass das Stillen plötzlich nicht mehr Weh tut, das Baby saugt auf einmal effektiv an der Brust. Babys, die stark an Gewicht verloren haben, holen wieder auf. Bei älteren Babys machen sich die Auswirkungen der Therapie erst allmählich bemerkbar. Denn die Zunge muss das neue Funktionsmuster erlernen und die Muskulatur aufbauen.

Was Eltern tun können, damit die Stillprobleme behoben werden:

  • Eine erfahrene Still- und Laktationsberaterin IBCLC kontaktieren, die sich zum Thema fortgebildet haben (siehe z.B. unser IBCLC-Verzeichnis). Sie kann das Andocken beobachten, bei der Positionierung helfen, die Gewichtsentwicklung des Babys untersuchen, bei der Zufütterung und der Aufrechterhaltung der Milchbildung beraten, und an weitere Experten verweisen. Auch nach dem Eingriff hilft sie beim Erlernen des Stillens, bei der Beobachtung der Gewichtsentwicklung oder der Positionierung.
  • Wenn die Brust durch das Baby nicht effektiv entleert werden kann, dann muss die Milchbildung auf andere Weise in Gang gebracht und aufrechterhalten werden. Die Brust kann z.B. nach dem Stillen noch abgepumpt werden. Eine elektrische Doppel-Milchpumpe aus der Apotheke ist in solchen Fällen oft hilfreich. Die abgepumpte Milch wird ans Baby verfüttert.
  • Dem Baby möglichst abgepumpte Muttermilch mit alternativen Fütterungstechniken geben (siehe im Beitrag Stillfreundliche Fütterungsmethoden), damit es nicht zu einer Ablehnung der Brust kommt. Leider kann ein zu kurzes Zungenbändchen in manchen Fällen auch das Saugen an der Flasche erschweren. Falls die Milchbildung aufgrund der Saugprobleme noch nicht ausreicht, sollte zur Ernährung des Babys kurzfristig und ergänzend künstliche Säuglingsmilch zugefüttert werden. Die Zufütterung von Mutter- oder Säuglingsmilch findet idealerweise in der Nähe der nackten Brust oder direkt an der Brust (mit einer Nahrungssonde oder dem Brusternährungsset) statt, damit die Fokussierung auf die Brust erhalten bleibt. Das Kind erhält die Milch dann direkt an der Brust, als würde es stillen. Obwohl es nicht in der Lage ist, die Brust effektiv auszumelken, kommt aus dem Schlauch genug Milch, damit das Baby satt wird und gut zunimmt.
  • Dem Kinderarzt ggf. Fachliteratur zur Verfügung stellen (z.B. das Protokoll Nr. 11 der Academy of Breastfeeding Medicine (Ankyloglossia)). Falls der behandelnde Kinderarzt den Eingriff nicht selbst durchführt, können sich die Eltern an weitere Fachärzte wenden, die sich im Bereich der Frenotomie fortgebildet haben, z.B. an einen HNO-Arzt, Zahnarzt, Kieferchirurg, Kinderchirurg, Frauenarzt, usw. Viele Hebammen und Stillberaterinnen kennen Adressen von Ärzten und Kliniken, die eine Frenotomie durchführen.

Quellen:

  • Moghtader D: Frenotomie des Frenulum linguae beim Säugling mit Ankyloglossie. Laktation & Stillen 2019;3
  • Weissmann G, Dubester David Y: Ankyloglossie: Jüngste Forschungsergebnisse. Laktation & Stillen, 2018/03.
  • Duglas P: Making Sense of Studies That Claim Benefits of Frenotomy in the Absence of Classic Tongue-Tie. Journal of Human Lactation
    2017;33(3):519–523.
  • Guóth-Gumberger M, Karall D: Das zu kurze Zungenband. Laktation & Stillen 2016/02.
  • Springer S: Das Zungenbändchen: harmlose Anomalie oder Still-Hindernis? 10. Still- und Laktationskongress, Berlin, 2015.
  • Wilson-Clay B, Hoover K: The Breastfeeding Atlas. LactNews Press, 2013, 5. Aufl.
  • Academy of Breastfeeding Medicine (ABM): Protocol # 11: Guidelines of the evaluation and management of neonatal ankyloglossia and its complication in the breastfeeding dyad, 2004.
  • WEITERFÜHRENDE LITERATUR:

  • Europäisches Institut für Stillen und Laktation (EISL): Das zu kurze Zungenband – ein Thema für die Stillberatung
  • Guóth-Gumberger M, Karall D: Das zu kurze Zungenband. Laktation & Stillen 2016/02.
  • Academy of Breastfeeding Medicine (ABM): Protocol # 11: Guidelines of the evaluation and management of neonatal Ankyloglossia and its complication in the breastfeeding dyad, 2004.
  • Regine Gresens: Hat mein Baby ein zu kurzes Zungenbändchen?

Bei Bos letzter Routine-Untersuchung beim Kinderarzt war, wie die Male davor auch, alles super. Trockene Haut, ja, die haben wir aber alle, das kann uns nicht mehr schocken. Aber dann, bei einem Blick in Bos Mund, wurde der Kinderarzt plötzlich stutzig. Das Zungenbändchen sei viel zu kurz, ob uns das bisher noch niemand gesagt hätte?

Äh – nein?!

Diagnose: Zungenbändchen zu kurz

Danach hörte ich nur noch „Probleme beim Essen“, „Schwierigkeiten beim Sprechen lernen“ und „Ich rate Ihnen, das Zungenbändchen durchtrennen zu lassen, aber keine Sorge, das ist ein ganz kleiner Eingriff.“.

Dass die restliche Untersuchung absolut einwandfrei war, spielte danach in meinem Kopf erstmal keine Rolle mehr, ich dachte nur „OP, Narkose, mein kleines Baby!“ und das erste, was ich meinem Freund schrieb, war: Ich lass ihn auf gar keinen Fall alleine!

Ja, so bin ich halt, ich weiß, viele werden vermutlich genervt die Augen verdrehen und denken: schon wieder so eine Helikopter-Mutter – einige andere verstehen mich aber vielleicht doch. Ich kann die Kinder halt nicht alleine lassen bei sowas, ich behalte sie während der Impfung auf dem Arm, ich sage ihnen, dass es kurz weh tut und dass das aber auch schnell wieder vorbei geht. Und ich bilde mir ein, dass es nur halb so schlimm ist, wenn ich sie sofort danach fest an mich drücken und trösten kann.

Deswegen war es für mich auch eine ziemlich unschöne Vorstellung, dass das Zungenbändchen bei Bo womöglich in Vollnarkose durchtrennt werden müsste – ich hatte natürlich sofort Tante Google um Rat gefragt, aber immer nur irgendwelche komischen Foreneinträge gefunden, mal eine Studie dazwischen, aber die ganze Zeit hatte ich das Gefühl: nix genaues weiß man nicht.

Erfahrungsbericht und Arzt-Empfehlung

Deswegen dachte ich mir im Nachhinein: falls jemand mal wieder nach dem Suchbegriff „Zungenbändchen zu kurz“ und „Baby“ sucht, soll er lieber einen Erfahrungsbericht finden, in dem steht, wie das bei uns so war. Inklusive einer Empfehlung für einen Kinderchirurgen für alle, die aus Hamburg kommen.

Wir haben nämlich, nachdem ich ein paar Tage (oder ein bisschen mehr) gebraucht habe, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, einen Termin bei Dr. Hesse gemacht und sind wirklich begeistert, wie das alles gelaufen ist. Die Sprechstundenhilfe war schon am Telefon so nett, wie ich es selten erlebt habe – und dieser Eindruck hat sich am Tag, als wir in der Tagesklinik für Kinderchirurgie ankamen, mehr als bestätigt.Wir wurden sehr freundlich begrüßt, hatten kurz Zeit, uns auszuziehen und wurden dann von Dr. Hesse abgeholt. Im OP wurde uns von ihm erklärt, dass das Zungenbändchen, das Frenulum linguae, eigentlich nicht zu kurz ist, sondern zu weit vorne angewachsen. Durch diese Fehlbildung, bzw. die daraus resultierende eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge, können Probleme beim Schlucken und bei der Sprachentwicklung auftauchen, außerdem seien Eis lecken und knutschen später ziemlich schwierig.

Zungenbändchen durchtrennen – so lief es ab

Logisch, dass wir Bo weder zum Logopäden schleppen noch ihn neidisch zugucken lassen wollen, wenn Lotta Eis isst (ja, und natürlich soll er auch knutschen können). Also war klar, das Zungenbändchen muss dran glauben.
Glücklicherweise brauchte Bo keine Narkose, das wird, zumindest in der Praxis von Dr. Hesse, meistens erst notwendig, wenn die Kleinen Zähne haben.

Glücklicherweise stand nie zur Debatte, ob wir während des kleinen Eingriffes im Raum bleiben durften, wir wurden nur kurz gefragt, ob wir rausgehen möchten. Wollten wir natürlich nicht, also habe ich Bo auf den OP-Tisch gelegt, die Arzthelferin hat seinen Kopf festgehalten, André und ich jeweils seine Arme und Beine. Mit einem gespaltenen Spatel hat Dr. Hesse die Zunge zurückgehalten und innerhalb von wenigen Sekunden war das Zungenbändchen durchgeschnitten.

Mit einem Tupfer in seinem Mund, um die kleine Blutung zu stillen, konnte ich ihn sofort wieder auf den Arm nehmen, trösten und auch gleich stillen, um ihn zu beruhigen. Insgesamt würde ich die Schmerzen für ihn ähnlich wie bei einer Impfung beurteilen.

Zungenbändchen zu kurz – Eingriff schnell und unkompliziert

Wir konnten uns alle Zeit lassen, die wir brauchten, wurden nicht gehetzt, bekamen wenige Minuten später den Arztbrief und standen sage und schreibe 20 Minuten, nachdem wir die Tagesklinik betreten hatten, wieder angezogen unten auf der Straße. Mit einem so guten Gefühl, wie ich selten eine Praxis verlassen habe – und das, nachdem ich diesem Termin wirklich mit gemischten Gefühlen entgegen geblickt hatte.

Falls ihr in Hamburg wohnt und das Zungenbändchen eurer Babys durchschneiden lassen sollt, kann ich euch also Dr. Hesse wirklich vorbehaltlos empfehlen.

Den Nachmittag über hatte Bo überhaupt keine Probleme, gegen Abend schien er dann aber doch Schmerzen zu bekommen – bei jedem Anlegen fing er sofort an zu weinen, wehrte sich und trank nicht. Mit einem Paracetamol-Zäpfchen waren die Schmerzen schnell weg, ich konnte ihn wieder stillen, die Nacht war super und damit war die ganze Geschichte auch erledigt.

Zungenbändchen: check.

Ich hoffe, dieser Post ist interessant und informativ für alle Eltern, die die Diagnose Ankyloglosson für ihr Kind bekommen. Genau wie bei der äußeren Wendung hat mir so ein Erfahrungsbericht gefehlt, deswegen hab ich ihn geschrieben.

Mir ist wichtig, noch mal darauf hinzuweisen, dass das nur unsere Erfahrung ist, die ich hier beschrieben habe. Dieser kleine Eingriff kann natürlich bei anderen Ärzten ganz anders ablaufen und bei anderen Kindern einen anderen Verlauf haben. Es handelt sich bei dem Post auch nicht um Werbung für Dr. Hesse, ich habe nur unseren individuellen, sehr positiven Eindruck beschrieben.

P.S. Bitte entschuldigt die wenigen Fotos, während unseres Termins hab ich an viel gedacht, aber nicht daran, Fotos zu machen.

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