Woran erkennt man intelligenz baby

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Woran erkennt man intelligente Babys?

Von Geburt an sind Menschen unterschiedlich: Das eine Baby döst die meiste Zeit und reagiert kaum auf seine Umwelt, das andere ist hellwach und an allem Neuen sehr interessiert. Lässt sich aus solchen frühen Neigungen etwas über den zukünftigen Werdegang des Sprösslings schlussfolgern? Kann man gar vorhersagen, ob er einmal hochintelligent oder von eher schlichtem Gemüt sein wird?

Da man kleinen Kindern keinen IQ-Test vorlegen kann, muss man ihr Verhalten beobachten, um herauszufinden, wie schlau sie sind. Tatsächlich gelten etwa Lebhaftigkeit und ein erhöhtes Interesse an Objekten und Personen als Hinweise auf eine kognitive Begabung. Doch nicht nur der aktuelle geistige Entwicklungsstand von Säuglingen ist spannend, sondern natürlich auch mögliche Vorhersagen über den IQ im Jugend- und Erwachsenenalter. Sie wären zum Beispiel wichtig, um Kinder mit Entwicklungsstörungen optimal zu fördern. Aber geht das überhaupt?

Die gängigen Säuglingstests können zwar die kognitive Leistungsfähigkeit der Kleinen erfassen, sagen die spätere Intelligenz allerdings nur sehr eingeschränkt vorher. Ein alternativer Ansatz ist das so genannte visuelle Habituations-Dishabituations-Verfahren. Es nimmt bloß wenige Minuten in Anspruch und nutzt die Tatsache, dass Säuglinge eine Vorliebe für alles Neue haben. Das Baby wird zunächst mit einem Reiz, zum Beispiel mit einem bestimmten Gesicht, vertraut gemacht. Dazu zeigt der Versuchsleiter dem Kind das Gesicht so lange mehrmals hintereinander, bis es das Interesse daran verliert und immer kürzer hinschaut. Diesen Vorgang nennt man Habituation oder Reizgewöhnung.

Nun präsentiert der Versuchsleiter das Gesicht nochmals, jedoch zusammen mit einem neuen Gesicht. Sieht das Baby wieder interessierter hin und inspiziert das unbekannte Gesicht, kann man davon ausgehen, dass es die Gesichter unterscheiden kann. Die vermehrte Blickzuwendung nennt man Dishabituation. Mit ihrer Hilfe konnte man nachweisen, dass bereits sehr junge Babys Gesichter ziemlich sicher erkennen und auseinanderhalten.

Hochbegabung beim Baby erkennen

Besondere Begabung – besondere Förderung

Die Förderung hochbegabter Kinder – wie die Förderung jedes Kindes – stellt besondere Anforderungen an Eltern und alle, die an der Erziehung und Bildung der Kinder beteiligt sind.

Das frühzeitige Erkennen der Anzeichen für Hochbegabung ist deshalb wichtig, weil man das Kind sonst nicht oder nur unzureichend fördern kann und Förderpotentiale verloren gehen.

Bereits im Kleinkindalter zeigen außergewöhnlich begabte Kinder (beim Spielen mit dem Baby oder normalen Umgang) Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die und vielleicht überraschen, eventuell sogar erschrecken oder beunruhigen. Es sind oft frühe Anzeichen besonderer Begabungen, die einzelne oder sogar mehrere Bereiche betreffen können.

Wie können Eltern eine Hochbegabung erkennen?

Eltern haben es nicht leicht bei der Feststellung, ob ihr Kind hinter den Kinder gleicher Altersklasse besonders weit zurückbleibt oder besonders weit voraus ist. Besonders schwer ist zu beurteilen, ob das „anders sein“ ihres Kindes spezielle Maßnahmen erforderlich macht oder ob es nur ein besonderes Ereignis war und die weitere Entwicklung in Ruhe abgewartet werden kann.

Aus diesem Grund sind Berufsgruppen, die mit kleinen Kindern arbeiten (Erzieherinnen, Kinderärzte, Lehrer) und Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kindern haben, besonders gefragt, die Anzeichen für eine Hochbegabung zu kennen.

Im Fordergrund steht dabei nicht, die intellektuellen Fähigkeiten des Kindes möglichst intensiv auszubilden (die kreativen und körperlichen Fähigkeiten werden sowieso eher akzeptiert als auch nicht so wichtig genommen), sondern rechtzeitig und mit den richtigen Mitteln eingreifen zu können, wenn das Kind wegen der Hochbegabung Konflikte mit anderen Kinder seines Alters oder anderen Menschen hat.

Unser Buchtipp: Prof. Dr. Franzis Preckel/Dr. Tanja Gabriele Baudson: Hochbegabung: Erkennen, Verstehen, Fördern – Gibt es „von Natur aus“ hochbegabte Kinder? Wie und woran lassen sie sich erkennen? Preis: 23,59 Euro (D)

Früherkennung von Hochbegabung

Zweifelsfrei lässt sich eine Hochbegabung nicht erkennen, das es keinen definierten Maßstab dafür gibt. Die nachfolgenden Hinweise dienen lediglich der Orientierung. Am wichtigsten ist, dass man eine besondere Begabung überhaupt erkennt, egal, wie hoch sie ausfällt.

Doch, je früher eine Begabung erkannt wird, desto besser. Sie können nur so spätere Frustrationen und Fehlentwicklungen ihres Kindes vermieden, das Selbstbewusstsein, Freude und Gesundheit des Kindes stärken und ihm dadurch den Weg zu einem glücklichen Leben bereiten.

Unser Buchtipp: Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel? – Etwa zwei Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene (!) in Deutschland gelten als hochbegabt. Sie können nicht nur intellektuelle Höchstleistungen in verschiedenen Bereichen erbringen, sondern sind in der Regel auch auf emotionaler und sensorischer Ebene überdurchschnittlich empfindsam. Was sind die Besonderheiten des emotionalen Erlebens, der Sinneswahrnehmung, der sozialen Beziehungen und der Bewältigung des Alltags? Preis: 23,59 Euro (D)

Beobachtungen beim Baby oder Säugling

Die allerersten Anzeichen für besondere Begabungen können bereits im Säuglingsalter beobachtet werden:

Vielleicht fällt Ihnen auf, dass Ihr Kind bereits vor dem 5. Lebensmonat ein geringes Schlafbedürfnis besitzt, eine allgemeine oder auffällige Lebhaftigkeit und besonders hohes Interesse an seinem Umfeld besitzt. Das „Streben nach freiem Blick“, starke Reaktionen auf seine Wahrnehmungen und Erlebnisse und eine besondere Neigung zum Körperkontakt, können als Indizien für eine Hochbegabung gewertet werden.

Um Hochbegabung nicht mit Hyperaktivität zu verwechseln, sprechen Sie einfach Ihren Kinderarzt darauf an. Er wird sich vor allem für die Reaktionen auf visuelle Reize interessieren.

Hochbegabung beim Kleinkind erkennen

Später sollten Sie dann auf emotionale, geistige, körperliche und soziale Auffälligkeiten des Kindes achten. Sollte Ihr Kind besonders „rege“ in diesen Bereichen sein, gilt das als Indikator für besondere Begabungen. Vergleichen Sie dabei immer mit gleichaltrigen Kindern. Manche Auffälligkeiten bieten direkte Hinweise auf eine Hochbegabung hin (besondere geistige Leistungen), andere können nur indirekt gewertet werden.

Besondere Verhaltensweisen können aus nicht erkannter bzw. nicht geförderter Begabung des Kindes resultieren. In vielen Fällen bedeutet eine besondere Begabung auch ein Unterschied zwischen geistiger und sozialer Reife. Doch bewahren Sie Ruhe, oft sind es die Eltern, die bei einigen Indizien etwas „panisch“ reagieren, Ihre Umwelt „nerven“ und selber zu Überreaktionen beim Umgang mit Ihrem Kind tendieren. Bis zum 6. Lebensjahr oder innerhalb der ersten Klasse der Grundschule sollte die Früherkennung jedoch abgeschlossen sein.

Nachfolgend einige Fragen (Merkmale), deren mehrfach-positive Beantwortung die auf eine Hochbegabung bei einem Kind hinweisen können:

Geistige Fähigkeiten – Lernt es besonders früh und eigenmotiviert Sprechen, Lesen oder Rechnen?
– Besitzt es einen überdurchschnittlichen Wortschatz und hohes Detailwissen?
– Ist die Auffassungs-, Beobachtungsgabe und die Merkleistung besonders hoch?
– Neigt es zu schnellen Problemlösungen und Versagen bei Routineaufgaben?

– Beschäftigt es sich mit Themen Erwachsenen (Philosophie, Wissenschaft, etc.)?

Charaktermerkmale – Neigt es zu Ehrgeiz und Perfektionismus?
– Ist Selbständigkeit und Selbstkritik besonders ausgeprägt?
– Ist es ungeduldig, aufsässig und hartnäckig?

– Oder, gelangweilt, lustlos, vielleicht auch besonders empfindlich und weinerlich?

Sozialverhalten – Zieht es Umgang mit Älteren vor, neigt zur Besserwisserei und Belehrung?
– Können Sie oft Taten- oder Selbstversunkenheit erkennen (basten, malen, etc.)?
– Ist Ihr Kind menschenscheu oder besonders ängstlich?

– Neigt es zur Dominanz in der Gruppe und ist organisatorisch geschickter als andere?

Körperliche Fähigkeiten – Ist es besonders aktiv, vital, ausdauernd und belastbar?
– Zeichnet es sich durch besondere Geschicklichkeit und Feinmotorik aus?

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Ob ein Kind hochbegabt ist, kann man nicht an den Schulnoten ablesen. Was Hochbegabung bei Kinder bedeutet und wie sie sich äußern kann, erfahren Sie hier.

Was ist Hochbegabung?

Hochbegabte Kinder weisen eine sehr hohe Intelligenz auf und verfügen somit über eine außerordentliche Denkfähigkeit und eine schnelle Auffassungsgabe. Damit sind sie in ihrer geistigen Entwicklung Gleichaltrigen oftmals weit voraus. Hochbegabung ist nicht gleichzusetzen mit Hochleistung. Denn ob ein hochbegabtes Kind mit dem Potenzial zu außergewöhnlichen Leistung diese auch erbringt, hängt von der Förderung ab. Die Intelligenzforschung spricht von einer Hochbegabung, wenn ein Kind einen Intelligenzquotienten (IQ) von über 130 Punkten erreicht. Zum Vergleich: Der normale IQ liegt zwischen 85 und 115. So kann erst ein entsprechender IQ-Test Aufschluss über eine tatsächliche Hochbegabung geben.

Einige Merkmale für Hochbegabung

Jedoch können erkennbare Anzeichen schon auf eine höhere Begabung oder Hochbegabung hinweisen. Hier finden Sie eine Liste einiger Merkmale, die oft bei hochbegabten Kinder beobachtet werden:

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  1. Hochbegabte Kinder lernen sehr früh aus eigener Motivation heraus Sprechen, Lesen und Rechnen.
  2. Sie verfügen früh über einen großen Wortschatz.
  3. Das logische Denken ist sehr stark ausgeprägt.
  4. Sie beobachten ihre Umgebung sehr detailliert und erforschen ganz unterschiedliche Bereiche.
  5. Sie eignen sich sehr schnell Wissen an und verfügen über eine hohe Merkfähigkeit.
  6. Durch ihre hohe Auffassungsgabe sind sie gleichaltrigen Kindern weit voraus.
  7. Sie freuen sich über schwierige Aufgaben und können diese sehr schnell lösen.
  8. Leichte und rountinerte Aufgaben verweigern sie oder scheitern an diesen.
  9. Sie sind lustlos und langweilen sich schnell, wenn sie nicht gefordert werden.
  10. Sie interessieren sich für Bücher und Themen, die ihre Altersstufe weiter überschreiten.
  11. Sie sind oft perfektionistisch veranlagt und äußerst ehrgeizig.
  12. Sie sind sehr selbstkritisch und selten mit sich zufrieden, da sie ihren hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Das kann zu Wutausbrüchen führen.
  13. Sie werden allgemein schnell ungeduldig und unbequem.
  14. Sie haben Schwierigkeiten Anschluss an Gleichaltrige zu finden und sich in Gruppen zu integrieren. Sie schließen sich lieber Älteren an.
  15. Gleichzeitig sind sie oft menschenscheu und ängstlich.
  16. Sie neigen zur Belehrung und Besserwisserei.
  17. Sie wollen jede Situation unter Kontrolle haben und diese bestimmen. Somit ordnen sie sich ungern unter und stellen Autoritäten infrage.
  18. Sie verfügen über organisatorisches Geschick.
  19. Sie weisen eine hohe Aktivität bei hoher Ausdauer und Belastbarkeit auf.
  20. Oft sind sie auch körperlich sehr geschickt.

Informationen und Diagnostik

Diese und weitere Merkmale sowie weiterführende Informationen zum Thema Hochbegabung finden Sie auf der Internetseite der Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V. und der Hochbegabtenförderung e. V.

Diese Liste gibt nur Orientierungspunkte. Selbst wenn Ihr Kind viele Aspekte der Liste im Charakter aufweist, ist das kein definitives Zeichen. Haben Sie die Vermutung, dass Ihr Kind hochbegabt sein könnte, wenden Sie sich an entsprechende Stellen, z. B. an eine darauf spezialisierte Psychologin bzw. einen darauf spezialisierten Psychologen, um eine eindeutige und umfassende Diagnostik zu erhalten.

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Genetik: Wie Ihr Kind auf jeden Fall intelligent wird

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Mütter sind manchmal gnadenlos, wenn es darum geht, ihre Sprösslinge zu fördern. Da wird der ungeborene Fötus mit Mozart beschallt, Dreijährigen das Einmaleins eingebläut, Sechsjährige mit Vokabeln malträtiert. Ein Aktionismus, der oft mehr schadet als er nutzt. Denn was das Denkvermögen der Kinder angeht, sind mit der Geburt schon die Weichen gestellt, sagt der Leipziger Humangenetiker Volkmar Weiss.

Die Intelligenz eines Menschen hängt von der Geschwindigkeit ab, in der das Hirn Informationen auswertet und speichert. Je schneller der Gedankenfluss, umso höher der so genannte Intelligenzquotient (IQ). Braucht beispielsweise ein Schüler mit einem IQ von 100 – das entspricht dem deutschen Durchschnitt – für das Lösen einer Mathematikaufgabe vier Minuten, dann schafft sie sein hochbegabter Banknachbar mit einem IQ von 130 in weniger als zwei Minuten. Denn die mentale Leistungsfähigkeit verdoppelt sich jeweils nach 30 IQ-Punkten. Man nimmt an, dass nicht die Größe oder Faltung des Gehirns über den IQ entscheidet, sondern die Qualität – oder bildlich ausgedrückt – die „Oktanzahl“ der Botenstoffe. Offen ist, welche und wie viele Gene den Hirnenergiestoffwechsel bestimmen.

Volkmar Weiss vertritt in seinem Buch „Die IQ-Falle“ die These, dass wahrscheinlich nur ein „Hauptgen“ über den IQ entscheidet. Als das Werk vor sieben Jahren erschien, galt diese Ansicht noch als sehr strittig. PISA-Tests und neue Studien aus Großbritannien und Finnland zu intellektuellen Leistungsunterschieden in Europa haben inzwischen die Diskussion versachlicht. Und es gibt erste Konsequenzen. So ist es ein Ziel des Elterngeldes, Akademikerinnen (30 Prozent von ihnen sind noch mit 39 Jahren kinderlos) die Entscheidung für eine Schwangerschaft zu erleichtern. Eine Vorzugsbehandlung, die gesellschaftspolitisch Sinn macht, wenn man von einer Erblichkeit der Intelligenz ausgeht. Und damit, so Volkmar Weiss, werde seine Theorie indirekt gestützt: „Familienministerin von der Leyen ist promovierte Ärztin und ihr Mann Genetiker. Sie wissen freilich, dass sich die Mendelschen Vererbungsgesetze nur anwenden lassen, wenn die Intelligenz an ein Gen gebunden ist.“

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Nehmen wir also an, die Sache mit dem „Hauptgen“ stimmt. Dann könnten Menschen mit Kinderwunsch den IQ-Wert ihres Nachwuchses tatsächlich beeinflussen. Was aber unter Umständen mit Opfern verbunden wäre, denn die Liebe muss dann womöglich hinter Bildungsabschlüssen zurück stehen. Fünf Tipps für das „designte“ Baby:

Lesen Sie auchUmweltschutz

1. Etwa 15 Prozent der Deutschen haben einen IQ unter 85. Eine Partnerschaftswahl in dieser Gruppe sollten Sie nach Möglichkeit ausschließen. Denn die Chance auf ein klügeres Kind mit einem IQ um 105 liegt bei null Prozent – sofern Sie selber auch minderbemittelt sind. Der Nachwuchs würde zwar davon profitieren, wenn Sie zur zweiten und größeren Bevölkerungsgruppe gehören (30 Prozent) mit einem IQ von durchschnittlich 110. Doch suchen Sie Ihren Partner lieber gleich in diesen Kreisen, denn hier sind Sie – genetisch gesehen – gut aufgehoben. Nicht nur, dass das Denkvermögen für Abitur und Studium ausreicht, auch drei Ihrer Kinder können diesen Weg gehen, wobei eines sogar überdurchschnittlich begabt sein dürfte.

Lediglich ein Spross fällt den Mendelschen Gesetzen zufolge intellektuell zurück. Das heißt, bekommen Sie nur ein Kind, könnte es das „dümmste“ der vier sein.

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2. Keinerlei Risiken gehen Sie ein, wenn Sie einen IQ um 130 haben. Dann müssen Sie nur noch einen ebenso klugen Partner finden, was bei einem Bevölkerungsanteil von lediglich fünf Prozent aber schwer werden kann. Hinzu kommt:

3. Nicht jeder, der ein Telefonbuch auswendig aufsagen kann, ist hochbegabt. Vielmehr könnte es sich um einen „Inselbegabten“ handeln. So werden Menschen bezeichnet, die einzelne kognitive Höchstleistungen vollbringen, abgesehen davon aber nur über eine durchschnittliche bis schwache Intelligenz verfügen.

4. Bis 1990 ist der durchschnittliche IQ-Wert in Deutschland um 15 Punkte gestiegen, seither allerdings wieder um 5 Punkte zurückgegangen – eine Entwicklung, die in großen Teilen Europas zu beobachten ist. Eine Ausnahme sind die skandinavischen Länder. Wenn Sie ohnehin auswandern wollen, dann empfiehlt sich also der Norden, zumal Kälte dem Denken förderlich ist, meinen Wissenschaftler. Als optimale Umgebungstemperatur gelten 24 Grad Celsius. Werte, die es hierzulande wohl bald nur noch im Winter gibt.

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5. Wenn Sie bereits ein Kind haben und Sie an seiner Intelligenz zweifeln, weil es Schwierigkeiten beim Formulieren ganzer Sätze hat und durch übersteigerten Machtwillen auffällt, lassen Sie trotzdem einen Intelligenztest machen. Auch US-Präsident Georges Bush hat bekanntlich solche Wesensmerkmale und trotzdem einen IQ von 129.

Unser letzter Rat: Nehmen Sie all das nicht zu ernst. Selbst Volkmar Weiss geht davon aus, dass das „Hauptgen“ in frühestens zehn Jahren gefunden wird. Wenn überhaupt. Und vielleicht stellt sich ja irgendwann heraus, dass nicht die Gene, sondern die Sterne unser Schicksal bestimmen. Apropos: Haben Sie es schon mal mit einem Geburtshoroskop versucht?

Die PISA-Studie zeigt mal wieder: Bildung ist in Deutschland nicht gleich verteilt. Kinder in Bayern und Baden-Württemberg lesen besser als der Rest, ostdeutsche Schüler könne schlechter Englisch als westdeutsche. Auf die Schule ist bei der optimalen Förderung also nicht unbedingt Verlass, deshalb fragen sich nun viele besorgte Eltern: Wie wird mein Kind schlau?

Dazu wurde in den vergangenen Jahren viel geforscht, mit teils verblüffenden Ergebnissen.

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Teil 1: Schlau durch Schlaf

Vor kurzem sorgte eine britische Studie für Aufsehen. Ihr Ergebnis: Kleinkinder, die mindestens 11 Stunden pro Nacht schlafen und das zu regelmäßigen Zeiten, entwickelten sich weitaus schneller als ihre Altersgenossen, die weniger schlummerten.

Die Wissenschaftler vom Forschungsinstitut SRI im britischen Westchester verfolgten dafür die Entwicklung und Schlafgewohnheiten von 8000 Kindern, die am Anfang der Studie neun Monate alt waren und an deren Ende vier Jahre.

Die Langschläfer waren bei Hörverständnis, Alphabetisierung und frühem Mathematikverständnis deutlich weiter als ihre Altersgenossen, die weniger und ohne festen Rhythmus schliefen.

„Eltern, die feste Bettgeh-Zeiten festlegen, können die Entwicklung der Alphabetisierungs- und Sprachfähigkeiten ihrer Kinder stark fördern“, sagte Studienleiterin Erika Gaylor.

Und nicht nur der Schlafrhythmus zählt, auch die Dauer. Mindestens elf Stunden Schlaf pro Nacht müssen Kinder im Vorschulalter abbekommen, damit sich Körper und Geist optimal entwickeln können. So empfiehlt es das amerikanische Institut für Schlafmedizin.

Dr. Avi Sadeh von der Universität Tel Aviv stellte in einer Untersuchung fest, dass Sechstklässler nur noch die Leistung von Viertklässlern bringen, wenn sie unausgeschlafen sind.

Wie wirkt zu wenig Schlaf auf das Gehirn?

  • Schlafmangel führt dazu, dass die Nervenzellen im Gehirn keine neuen synaptischen Verbindungen bilden. Ohne diese Verbindungen können sich Kinder nicht an soeben Gelerntes erinnern. Außerdem ist bei unausgeschlafenen Kindern die Verarbeitung von Blutzucker – ein wichtiger Energielieferant – gestört.
  • Im Schlaf verarbeitet das Gehirn Eindrücke, die es am Tag gewonnen hat. Die Neuronen werden miteinander vernetzt, Gelerntes verfestigt sich. Ist der Schlaf zu kurz oder nicht tief genug, bleiben Lerninhalte nur lückenhaft im Gedächtnis haften.

Wollen Sie auch noch wissen, warum zu wenig Schlaf dick und dumm macht? Lesen Sie hier weitere überraschende Wahrheiten über Erziehung:

  • Was Sie noch nicht über Ihre Kinder wussten

    Mehrere internationale Studien hatten ein weiteres erschreckendes Ergebnis: Kinder, die nachts weniger als acht Stunden schlafen, sind mit einer 300 Prozent größeren Wahrscheinlichkeit fettleibig als Kinder, die zehn Stunden schlafen. Ein möglicher Grund: Schlafmangel regt den Körper zur Bildung des Stresshormons Cortisol an, das wiederum regt die Bildung von Fettreserven an.

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Buch-Tipp: Was Kinder schlau und glücklich macht von Michaela Axt-Gadermann und Peter Axt! Herbig-Verlag, 144 Seiten, 17,95 Euro.

Hochbegabung bei Kindern: Erkennen und richtig Fördern

Spiele wie „Mensch ärgere Dich nicht“ finden sie viel zu einfach, stattdessen jonglieren manche Kinder bereits im Kindergarten mit Zahlen und Buchstaben und verschlingen schon in der Grundschule Romane, während andere kaum lesen können. Grund für einen solchen Entwicklungsvorsprung kann eine überdurchschnittlich hohe intellektuelle Begabung sein – eine Hochbegabung. „Von der spricht man klassischerweise ab einem IQ von 130. Diesen Wert erreichen nur etwa zwei Prozent der Deutschen“, sagt Karsten Otto von der Hochbegabtenförderung in Bochum.

Oft zeigt sich schon im Kleinkindalter, dass Mädchen und Jungen besonders helle Köpfe sind. Etwa daran, dass sie Dinge wie Sprechen oder Laufen viel früher als Gleichaltrige lernen oder sehr kreativ sind.

„Sie entwickeln meist sehr früh ein Verständnis für komplizierte Sachverhalte und die Fähigkeit, sich selbstständig etwas beizubringen“, erklärt Christian Fischer, Professor für Erziehungswissenschaft an der Uni Münster. Als hochbegabt werden die Kinder aber nicht zwingend erkannt. Stattdessen gehen die meisten ganz normal zur Schule, ohne dass ihr Potenzial auffällt.

„Von 100 Hochbegabten fallen etwa 80 durchs Raster, weil sie sich mit ihrem Umfeld arrangieren und es ihnen die Anregung, die sie brauchen, quasi instinktiv bietet“, sagt Manuela-Angelika Mahn von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind in Berlin. Die übrigen 20 fielen auf. Teils durch extremen Wissensdurst, teils aber auch negativ: So entwickeln Hochbegabte, die nicht das Glück haben, dass ihre Umgebung sich auf ihre Bedürfnisse einstellt, oft psychische Probleme. Das können beispielsweise Versagensängste, ein gestörtes Sozialverhalten, Depressionen und Wutstörungen sein. Dazu kommen Leistungsverweigerung und schlechte Noten.

Bei Verdacht auf Hochbegabung IQ-Test veranlassen

„Das zeigt, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse hochbegabter Kinder einzugehen. Sie brauchen herausfordernde Denkaufgaben und Projekte, sonst sind sie schnell gelangweilt“, so Fischer.

Wenn der Verdacht auf Hochbegabung besteht, sollten Eltern dem also unbedingt nachgehen. Klarheit bringt die Untersuchung bei einem Experten, der ausführlich mit dem Kind spricht und einen standardisierten IQ-Test macht. Ist das Ergebnis positiv, heißt es fördern und fordern.

Auch ein hochbegabtes Kind ist ein Kind

Eltern zerbrechen sich schnell den Kopf darüber, was das genau heißt. „Viele sind sehr unsicher und fühlen sich überfordert. Dabei ist das alles gar nicht so dramatisch“, sagt Mahn. Im Grunde brauchen Hochbegabte dasselbe wie alle Kinder: genügend Zuwendung und Aufmerksamkeit, ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse und Lernanreize, durch die sie ihre Fähigkeiten entfalten können. Der Unterschied ist nur, dass sie etwas mehr Anregung brauchen. Außerdem sollten sich Eltern bei der Wahl der Lern- und Spielmaterialien nicht am Alter des Kindes orientieren.

„Was zählt, ist der individuelle Entwicklungsstand. Wenn ein Kind etwa schon früh lesen oder rechnen lernen will, sollte man es ihm ermöglichen“, sagt Fischer. Gleiches gilt, wenn es wissen möchte, wie ein Flugzeugmotor funktioniert oder welche Planeten zum Sonnensystem gehören. Wichtig ist vor allem, dass es das, was es lernt, auch emotional verarbeiten kann: „Ein hochbegabtes Kind ist vom Kopf her weiter, es ist aber immer noch ein Kind und manches, was es versteht, verkraftet es vielleicht noch gar nicht“, warnt Otto.

Die richtigen Aktivitäten finden

Wissen Erwachsene nicht, wo sie die Grenze ziehen sollen, kann eine Hochbegabten-Beratungsstelle weiterhelfen. Die Fachkräfte vor Ort haben einen großen Erfahrungsschatz, um geeignete Lernanreize für die kleinen „Genies“ zu finden. Neben Büchern und Lernspielen können das kindgerechte Lerngruppen und Kurse sein, die man unter anderem über Vereine für Hochbegabte findet. „Das alles sollten die Kinder aber auch wollen. Es ist nicht gut, sie zu etwas zu drängen, nur weil man weiß, dass sie einen hohen IQ haben“, sagt Mahn.

Generell sollten Eltern sich nicht auf die Hochbegabung ihres Kindes fokussieren, sondern ihm vielfältige Erfahrungen ermöglichen: Etwa durch Ausflüge in die Natur, die Mitgliedschaft in einem Sportverein oder das Lernen eines Instruments. „Es sollte nicht unter einer Käseglocke aufwachsen und ständig nur von Hochbegabten umgeben sein“, erläutert Otto. Besser ist ein gemischtes Umfeld: So macht es die Erfahrung, dass es noch mehr Menschen wie es selbst gibt, ist aber gleichzeitig in die normale Welt integriert.

Besser in die Regelschule gehen

Das bedeutet auch, sein Kind besser nicht auf eine Spezialschule für Hochbegabte zu schicken, sondern auf eine Regelschule. Voraussetzung dafür ist, dass man dort soweit auf seine Bedürfnisse eingeht, dass es sich nicht chronisch unterfordert fühlt. Möglich ist das etwa, indem Mädchen und Jungen eine Klasse überspringen oder einzelne Fächer in einer höheren Stufe belegen.

Das Überspringen von Klassen ist Hochbegabten in der Regel an allen Schulen möglich. Andere Förderangebote, wie ein spezieller Stundenplan oder Projektgruppen werden leider nicht überall angeboten. Kommen sie trotz Anregung der Eltern bei der Schulleitung nicht zustande, kann ein Schulwechsel sinnvoll sein.

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Anzeichen für eine Hochbegabung

Einige hochbegabte Kinder können schon lesen bevor sie
in die Schule kommen – Foto: © Cora Müller

Inhaltsverzeichnis dieses Artikel:

  • Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind eventuell hochbegabt sein könnte?
  • Hochbegabung im Babyalter erkennen
  • Natürliche Begabung
  • Soziale Aspekte

Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind eventuell hochbegabt sein könnte?

Dass Eltern von den Talenten ihrer Kinder überzeugt sind, ist kein Staatsgeheimnis.

Stolz zeigen sie die ersten Zeichnungen ihrer Söhne und Töchter vor und sind verblüfft, dass ihr Gegenüber die eindeutige Illustration einer Katze auf dem Sofa aus dem Gewirr von Strichen und Punkten nicht erkennen kann. Doch Eltern hochbegabter Kinder erleben die Besonderheit ihres Nachwuchses auf ganz eigne Art und Weise. Sie wissen: Mein Kind ist anders, dennoch können sie oft nicht sicher deuten, woran es liegt.
Streng wissenschaftlich betrachtet gilt ein Kind als hochbegabt, wenn sein getesteter Intelligenzquotient gleich oder über 130 liegt. Bis Eltern an dem Punkt angelangen, an dem sie eine eindeutige Diagnose mit bestätigten Testergebnissen in der Hand halten, ist es oft ein weiter Weg. Der erste Verdacht auf eine eventuelle Hochbegabung kann schon in ganz jungen Jahren auffallen oder erst, wenn es vielleicht Probleme in der Schule gibt. Schlimmstenfalls wissen Eltern und oft auch Pädagogen die Symptome gar nicht zu deuten. Eines haben jedoch alle gemeinsam. Ihr Kind unterscheidet sich in einer ganz seltsamen Weise von anderen Kindern, die nur schwer zu beschreiben ist.

Anzeichen für eine Hochbegabung bei Kindern könnten sein:

  • großer Wissensdrang / Neugierde
  • großes Interesse an Erwachsenenthemen
  • schnelle Auffassungsgabe
  • Hochbegabte Kinder spielen gerne mit älteren Kindern
  • hoher Grad an Selbstständigkeit
  • großer Wortschatz

Hochbegabung im Babyalter erkennen

Schon als Baby bekommen Eltern die genetisch veranlagte Hochbegabung ihrer Kinder oft zu spüren, ohne es zu wissen. Die Kinder brauchen häufig nur wenig Schlaf und sind über das normale Maß hinaus anstrengend. Sie wollen nie allein liegenbleiben, wollen alles sehen. Laute Geräusche sind ihnen unangenehm, sie wachen leicht aus dem Schlaf auf. Geduld war schon als Baby nicht ihre Stärke, dies setzt sich mit zunehmendem Alter fort. Auch wichtige Entwicklungsschritte im Babyalter, wie das Krabbeln, können einfach übersprungen werden und das Kind geht direkt zum Laufen über. Oder es entwickelt sehr zeitig und schnell einen großen Wortschatz, den es auch gern und ausgiebig anwendet. Natürlich treffen diese Eigenschaften auch auf viele normal begabte Kinder zu, dennoch zeigt sich, dass diese Eigenschaften bei Kindern mit einer Hochbegabung rückwirkend betrachtet, gehäuft auftreten.

Natürliche Begabung

Diese kleinen Anhaltspunkte werden durch weitere einzelne Verhaltensweisen mit den Jahren ergänzt. Auffällig und gut erkennbar sind natürlich Begabungen, die Kinder gleichen Alters nicht zeigen. Zum Beispiel, wenn das Kind bereits vor der Einschulung allein lesen, schreiben oder rechnen gelernt hat, die Uhr beherrscht oder großes Detailwissen in einzelnen Fachbereichen zeigt. Andere Zeichen sind schwieriger zu deuten. Alle Kinder stellen viele Fragen, um ihre Welt zu verstehen. Die Anzahl der Fragen hochbegabter Kinder geht jedoch weit über das normale Maß hinaus und unterscheidet sich auch in der detaillierten Art der Fragen. Oft interessieren sie sich für Themen, die normalerweise eher Erwachsenen vorbehalten sind. Beginnt ein Sechsjähriger sich über Politik ausführlich zu unterhalten, fangen Eltern an, das Verhalten ihres Kindes skeptischer zu betrachten. Wissbegierige Kinder – Wie damit umgehen?

Soziale Aspekte

Kinder mit Hochbegabung finden oft schlecht Anschluss unter Gleichaltrigen und sind in ihren sozialen Gruppen nicht voll integriert. Sie zieht es meist zu älteren Kindern hin, die in ihrer Entwicklung bereits viel weiter sind. Ebenso interessieren sie sich oft für Bücher, die über ihre Altersstufe hinaus gehen. Routinearbeiten empfinden hochbegabte Kinder als äußerst langweilig. Vielmehr suchen sie nach schweren Aufgaben und versuchen dabei, die grundlegenden Prinzipien zu erforschen.

Eltern staunen bei hochbegabten Kindern immer wieder, wie diese Ursachen und Wirkung erforschen, wie genau sie Dinge – die für sie interessant sind – beobachten und analysieren, deren Funktion erforschen und sich dazugehörige Fakten merken. Hochbegabte Kinder beobachten das menschliche Verhalten und vertreten auch gegenüber Autoritäten ihre Interessen und Ansichten. Sie sind in der Regel perfektionistisch veranlagt und oft mit sich selbst unzufrieden, da sie ihren Erwartungen noch nicht gewachsen sind, zum Beispiel in der Motorik. Dies endet oft in Wutausbrüchen.
Durch ihren hohen Gerechtigkeitssinn setzen sich hochbegabte Kinder oft für Schwächere ein, kümmern sich um andere. Sie bleiben auch bei ihrer Meinung, selbst wenn sie einer Minderheit angehören und laufen selten mit dem Strom, sondern verfolgen ihre eigene Linie auf Biegen und Brechen. Dies führt dazu, dass hochbegabte Kinder gern die Situation unter Kontrolle haben und in jeder Lage bestimmen wollen.

Anzeichen für eine Hochbegabung nur auf einem Teilgebiet?

Nur zu oft zeigt sich eine Hochbegabung bei einem Kind nicht allgemein, sondern vielmehr in einem oder manchmal mehreren Teilgebieten, etwa in Musik oder Mathematik. Sobald Eltern den Verdacht auf eine Hochbegabung hegen, gilt es zu handeln und sich an die richtigen und qualifizierten Stellen zu wenden, um eine gefestigte Diagnose zu erhalten. Denn je eher ein hochbegabtes Kind gefördert und gefordert wird, desto besser kann es sich entfalten und eventuelle Probleme vermieden werden.
Text: C. D. / Stand: 02.02.2020

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1. Hochbegabte Kleinkinder erkennen: Schnelles Lernen schon als Baby

Die Veranlagung zur außergewöhnlichen Intelligenz ist angeboren. Zwar braucht es noch ein förderliches Umfeld, damit diese Veranlagung sich zur Hochbegabung entwickelt. Aber das Potenzial dazu können bereits Babys und Kleinkinder zeigen. Hochbegabte Kleinkinder erkennen Sie beispielsweise daran, dass sie ganze Entwicklungsphasen überspringen. Die Kleinen fangen beispielsweise gleich an zu laufen, ohne sich vorher mit Krabbeln aufzuhalten.

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Hochbegabte Kleinkinder sind ihren Altersgenossen weit voraus und zeigen einen außergewöhnlichen Wissensdurst.

Hochbegabte Babys sind besonders aufmerksam und zeigen früh ein großes Interesse an ihrer Umgebung. Möglich ist auch, dass Kleinkinder auffallend früh anfangen zu sprechen, einen großen Wortschatz zu entwickeln oder sich für Zahlen, Buchstaben und Symbole zu begeistern. Dabei gilt: Hochbegabung hat viele Gesichter. Manche Kinder sind kleine Sprachgenies, andere herausragend im mathematisch-logischen Bereich oder außergewöhnlich musikalisch. Einige weisen in mehreren Bereichen eine Hochbegabung auf.

2. Verhalten hochbegabter Kleinkinder: Neugierige Fragen als Symptom

Zum Verhalten hochbegabter Kleinkinder gehört eine außergewöhnliche Neugier. Alle Kinder sind neugierig und stellen viele Fragen – aber Kinder mit Hochbegabung sprengen das normale Maß. Ihr Wissensdurst kennt keine Grenzen. So zeigen sie zum Beispiel auch Interesse an Themen, die als nicht altersgemäß gelten, zum Beispiel Politik oder Wissenschaft. Dabei gehen viele hochbegabte Kinder den Dingen gern selbst auf den Grund. Oft bringen sie sich dabei vor der ersten Klasse bereits Lesen, Schreiben oder Rechnen bei.

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Eine schier unbändige Neugier treibt hochbegabte Kinder an – sie möchten am liebsten alles erforschen.

3. Hochbegabung: Merkmale in der Schule

Im Schulunterricht fällt auf, dass hochbegabte Kinder eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und ein ausgezeichnetes Gedächtnis haben. Bei intellektuellen Herausforderungen blühen sie auf und können sich stundenlang darauf konzentrieren, ein kniffliges Problem zu lösen. Im Gegenzug lässt ihre Leistungsbereitschaft zu wünschen übrig, insbesondere, wenn es um Routine- oder Wiederholungsaufgaben geht, deren Sinn sich ihnen nicht erschließt.

Hochbegabte Kinder neigen außerdem zu Perfektionismus und übertriebener Selbstkritik. Sie haben es nicht immer leicht, Freunde und Anschluss in ihrer Klasse zu finden. Das liegt daran, dass sie geistig ihren Altersgenossen weit voraus sind und sich eher von älteren Kindern oder Erwachsenen verstanden fühlen. Das kann sie zu Außenseitern machen.

4. Langeweile als Anzeichen für Hochbegabung

Da hochbegabte Kinder im Schulunterricht unterfordert sind, kommt es schnell zu Langeweile. Wie sich diese Langeweile äußert, ist eine Frage der Persönlichkeit. Einige Kinder verhalten sich aggressiv, wenn sie geistig nicht ausgelastet sind. Andere werden zum Klassenclown und stören wiederholt mit Scherzen oder Zwischenrufen den Unterricht. Manche hochbegabten Schulkinder ziehen sich frustriert in sich zurück, neigen schlimmstenfalls sogar zu Depressionen.

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Hochbegabte Kinder sind im Schulunterricht oft hoffnungslos unterfordert – quälende Langeweile ist die Folge.

Um das zu verhindern, ist es wichtig, mit Ihrem Kind zur Frühförderung und zum Kinderpsychiater zu gehen, wenn Sie eine Hochbegabung vermuten. Ein Intelligenztest kann dann zeigen, ob Ihr Nachwuchs wirklich außergewöhnlich schlau ist – oder ob womöglich etwas anderes hinter den Verhaltensauffälligkeiten steckt, zum Beispiel ADHS.

Disclaimer: Dieser Text enthält nur allgemeine Hinweise und ist nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung geeignet. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Alle individuellen Fragen, die Sie zu Ihrer Erkrankung oder Therapie haben, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt.

Aus: BMW Group (Hrsg.): Kleine Kinder – Große Begabung. Hoch begabte Kinder erkennen und fördern. Möglichkeiten und Grenzen des Kindergartens. München: BMW Group 2000, S. 25-37

Hochbegabung im Kleinkindalter – Erkennen und Handeln

Franz J. Mönks

Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit der systematischen Erforschung von Veränderungs- und Umformungsprozessen in den Motiven und den Verhaltensweisen von Menschen. Sie will wissen, welche Verläufe kontinuierlich bzw. diskontinuierlich sind und unter welchen Bedingungen. Verhaltensveränderungen ereignen sich über die gesamte Lebensspanne. Die Entwicklungspsychologie will vor allem erforschen, welche Zusammenhänge zwischen Bedingungsfaktoren – genetischer oder sozialer Art – und dem tatsächlichen Verhalten eines Menschen bestehen. Veränderungsprozesse sind die Folge von Interaktionen des Individuums mit seiner Umgebung, d.h. dass Entwicklung immer zweiseitig bestimmt ist, von der Natur (Anlage) und der Umgebung. Die verhaltensgenetische Forschung (behavioral genetics) hat nachgewiesen (Thompson & Plomin, 2000), dass menschliche Entwicklung zwar in hohem Maße von der Umgebung mitgeprägt wird, dass aber das genetische Potential aktiv nach Umgebungen „sucht“, die zu diesem Potential (Genotypus) passen. So suchen wir beispielsweise Freunde und Freizeitaktivitäten, die mit unseren eigenen Neigungen übereinstimmen. Unter Einbeziehung dieser Gesichtspunkte definieren wir psychische Entwicklung wie folgt:

„Psychische Entwicklung ist ein dynamischer und lebenslanger Prozess. Die Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen individuellen Anlagen und sozialer Umgebung bestimmen, welches Verhalten (Handeln) und welche Verhaltens- bzw. Handlungsmotive geweckt und manifestiert werden. Das Kalenderalter ist hierbei keine unabhängige Variable, sondern als Zeitdimension ein Rahmen für das Ordnen der Entwicklungsdaten“ (Mönks & Knoers, 1996, S. 14).

Das Kalenderalter ist als soziale Richtschnur gerade für hoch begabte Kinder oft ein Entwicklungshindernis. Bereits 1936 kritisierte der niederländische Psychologe Luning Prak den normativen Gebrauch des Kalenderalters. Unter dem Stichwort „der Wahnsinn des Kalenderalters“ prangert er die dogmatisierte Anwendung des Kalenderalters an. Gerade intellektuell hoch begabte Kinder seien auf Grund ihres Entwicklungsvorsprunges nicht nach chronologischem Alter einzuteilen. Seit eh und je ist das Kalenderalter oft das einzige Kriterium für die Einschulung in die Grundschule. Intellektuell frühreife Kinder „dürfen“ erst ab sechs Jahren zur Grundschule zugelassen werden. Das ist eine Tatsache, die nahezu weltweit Gültigkeit hat. Warum sollen Schulgesetze, die sich am Durchschnitt orientieren, auch für Kinder gelten, die einen deutlichen Entwicklungsvorsprung haben?

Jedes Individuum lebt in einer je spezifischen Epoche, in einer bestimmten sozial-kulturellen Umgebung, in einer gegebenen Familienkonstellation. All diese und noch viele andere Umgebungsvariablen können die individuelle Entwicklung im positiven, aber auch im negativen Sinne beeinflussen. So ist im Grunde die Kreativität und Anstrengungsbereitschaft von Eltern und anderen Erziehern oft entscheidend dafür, ob sich beispielsweise ein musikalisch oder intellektuell hoch begabtes Kind so entwickelt, dass es entsprechende Leistungen (Leistungsexzellenz) zustande bringt. Eltern müssen gute Lehrer finden, geeignete Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung stellen, und sie müssen vor allem das Kind so erziehen, dass es motiviert bleibt, sich anzustrengen und Leistungen zu erbringen. Entscheidend ist nämlich, dass das Kind von sich aus keine Anstrengungen scheut und auch Entbehrungen nicht aus dem Wege geht. Hier liegt der Kern für die intrinsische Motivation: die Anstrengungsbereitschaft entsteht nicht aus Zwang, sondern aus Freude, d.h. ein Ziel wird nachgestrebt, weil man die Verwirklichung gerne erreichen will. Diese Zielerreichung muss dann oft gegen Widerstände oder entgegen ungünstigen Bedingungen durchgesetzt werden. Wenn das Motiv innerlich stark genug ist, sind Ziele auch erreichbar. Jede Begabung braucht fördernde und stimulierende Entwicklungshilfe! Diese allgemeine Feststellung stimmt natürlich immer und für alle Kinder. Die Frage, die hier jedoch im Hinblick auf begabte Kinder auftaucht ist: haben sie – verglichen mit durchschnittlich begabten Kindern – andere sozial-emotionale Bedürfnisse und wie können Erzieher diesen Entwicklungsbedürfnissen in befriedigender Weise entgegenkommen?

Einige Aspekte der kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern

In der Entwicklungspsychologie unterscheidet man im Allgemeinen zwischen Persönlichkeitsentwicklung, sowie kognitiver und sozialer Entwicklung. Die Persönlichkeit eines Menschen wird oft als das verbale, kognitive und emotionale Verhalten in einem sozialen Kontext betrachtet. Es ist möglich, einen Unterschied zwischen sozialer und kognitiver Entwicklung zu machen, aber es ist nicht möglich, sie voneinander zu trennen. Die kognitive Entwicklung hat in der kindlichen Entwicklung einen zentralen Stellenwert im Hinblick auf die soziale Entwicklung. Ein gutes Beispiel ist hier das erste Bindungsverhalten des Neugeborenen. Bindungsbeziehung und Bindungssicherheit (attachment) als erster sozialer Bezug im Kleinkindalter ist grundlegend für die weitere sozial-emotionale Entwicklung eines Menschen (s. Themenheft „Bindung“, Psychologie in Erziehung und Unterricht, 3, 47. Jg., 2000). Für die Entwicklung des Bindungsverhaltens muss das Kind in der Lage sein, das Gesicht seiner Mutter (oder einer anderen Sorgeperson) von anderen Gesichtern zu unterscheiden (to discriminate) und gleichzeitig muss das Kind dazu fähig sein, die Mutter wieder zu erkennen (to recognise) als dieselbe Person, die sie gestern und an vielen anderen Tagen vorher gesehen hat.

Dieses Beispiel macht deutlich, dass die kognitive Entwicklung im Bereich des Unterscheidens und Wiedererkennens (discrimination and recognition) nicht die Ursache der sozial-emotionalen Entwicklung bildet, sondern eine notwendige Voraussetzung ist. Es gibt viele direkte Verbindungen zwischen kognitiven Fähigkeiten und der sozialen und emotionalen Entwicklung des Kindes. Das bedeutet, dass der Sozialumgang eines Kindes durch seine kognitiven Fähigkeiten eingeengt oder erweitert wird. Hochbegabte Kinder mit einem kognitiven Entwicklungsvorsprung werden in ihrem sozialen und emotionalen Verhalten „anders“ sein als Normalentwickler. Wissenschaftliche Forschungsdaten diesbezüglich gibt es kaum.

Die Forschungsliteratur belegt, dass Neugeborene sich von Anfang an in mindestens drei Verhaltensgebieten voneinander unterscheiden: Aktivitätsniveau, Reizbarkeit (Irritabilität) und Responsivität (Bee, 1995). Forschungsdaten belegen immer wieder, dass in diesen Verhaltensgebieten bereits früh Persönlichkeitsunterschiede bei Neugeborenen festgestellt werden können. Es gibt allerdings keine gesicherten Forschungsergebnisse, ob und inwiefern sich hoch begabte Neugeborene in dieser Hinsicht anders verhalten.

Viele Einzelfallstudien und Mitteilungen von Eltern im Hinblick auf das frühe Verhalten hoch begabter Kinder stimmen weitgehend darin überein, dass diese Kinder ein hohes Aktivitätsniveau zeigen und in erhöhtem Maße reizbar sind. Auffallend ist jedoch, dass Reizbarkeit nicht in allen Berichten über hoch begabte Neugeborene erwähnt wird. Unter erhöhter gegenüber geringer Reizbarkeit wird Folgendes verstanden: manche Neugeborene sind nervöse Schreihälse, andere wiederum nicht; manche Babys sind unruhige Schläfer und scheinen keine Zeit zum Schlafen zu haben, andere dagegen sind ausgezeichnete Schläfer; manche Babys sind fortwährend damit beschäftigt, die Umgebung zu „erkunden“, andere verhalten sich so, als ob die Umgebung sie nicht interessiere.

Dieses wechselhafte Verhaltensbild macht deutlich, dass es schwierig ist, „gesicherte“ und feststehende Verhaltensbilder von begabten Kleinkindern zu zeichnen. Als feststehende Tatsache gilt jedoch, dass es für die sozial-emotionale Entwicklung eines jeden Kindes äußerst wichtig ist, dass Erzieher und Eltern von früh an „richtig“ eingehen auf die individuellen Persönlichkeitsmerkmale von Kindern. Insbesondere im Umgang mit begabten Kindern ist das keine leichte Aufgabe, weil sie oft Energiebündel sind, die nicht müde werden, eindringliche Fragen zu stellen. Die Frage, die sich hieraus ergibt lautet: wie können wir die charakteristischen (kognitiven) besonderen Fähigkeiten von hoch begabten Kindern erkennen und welche Erziehungs- oder Umgangsprobleme können hieraus entstehen. So kann ein hohes Energie- und Aktivitätsniveau beim Neugeborenen die größten Erziehungsschwierigkeiten erzeugen, wenn Eltern unfähig sind, mit dieser individuellen Eigenart umzugehen. Wenn Eltern unfähig oder unwillig sind, den spezifischen Entwicklungsbedürfnissen eines solchen Kindes entgegenzukommen, kann das Kind „erziehungsschwierig“ werden oder es kann sich zu einem unsicheren und unselbständigen Individuum entwickeln.

Der amerikanische Psychologe Webb (1993) hat versucht, die charakteristischen Verhaltensmerkmale von hoch begabten Kindern und die sich möglich daraus ergebenden Verhaltensauffälligkeiten systematisch darzustellen (siehe Tabelle 1). Hier werden nur die Verhaltensmerkmale aufgeführt, sofern sie zutreffend sind für Kleinkinder.

Tabelle 1: Übersicht über charakteristische (kognitive) Verhaltensmerkmale bei hoch begabten Kindern und möglich daraus entstehenden Verhaltensauffälligkeiten (Bearbeitung nach Webb, 1993, S. 528)

Verhaltensmerkmale Mögliche Verhaltensprobleme
1 Schnelle Informationsaufnahme und -verarbeitung. Wird ungeduldig, wenn andere langsamer sind; Wiederholung wird abgelehnt.
2 Forschendes Verhalten und intellektuelle Neugier; intrinsische Motivation; der Sache auf den Grund gehen. Dickköpfig; widersetzt sich Vorschriften; scheint unzählbare Interessen zu haben; erwartet Ähnliches von andern.
3 Es macht Spaß, Probleme zu lösen und intellektuell aktiv zu sein. Details werden für unwichtig gehalten; sieht den Sinn von Übung und Wiederholung nicht ein.
4 Ordnet und strukturiert gerne Menschen und Dinge: Neigung zum Systematisieren. Wird erfahren als dirigistisch, dominant oder unwirsch.
5 Großer Wortschatz und kann gut formulieren; großes Wissen über verschiedene Sachgebiete. Gebraucht verbales Talent, um unangenehmen Situationen aus dem Wege zu gehen; Schule und Altersgenossen werden als langweilig erfahren; wird von anderen als „Besserwisser“ gesehen.
6 Kreativ und erfinderisch; liebt es, Dinge „ganz anders“ zu tun. Was schon bekannt ist, braucht nicht aufs Neue getan zu werden; andere erfahren dies als unangepasstes und negatives Verhalten.
7 Sehr intensive Konzentration; große Aufmerksamkeitsspanne für Gebiete, die als interessant erfahren werden; zielgerichtetes Verhalten und Ausdauer. Duldet keine Unterbrechung; in Perioden mit erhöhter Aufgabenzuwendung werden Pflichten und Menschen vernachlässigt; wird als dickköpfig erfahren.
8 Empfindlich und großes Einfühlungsvermögen; verlangt danach, von anderen akzeptiert zu werden. Empfindlich gegenüber Kritik und Abweisung durch Altersgenossen; Verlangen nach Anerkennung; Gefühl der Verfremdung, „anders zu sein“.
9 Hohes Maß an Energie, Aufmerksamkeit und Aktivitätsdrang; Perioden mit extrem hoher Anspannung. Nichtstun, Inaktivität führt zu Frustration; Aktivitätsdrang kann andere stören; kann als hyperaktiv und dadurch störend erfahren werden, fortwährende Suche nach neuen Anregungen.
10 Hohes Maß an Selbstständigkeit; bevorzugt individuelles Arbeiten; großes Selbstvertrauen. Kann Anregungen von Seiten der Eltern als „unnötig“ abweisen; legt unkonventionelles Verhalten an den Tag.
11 Viel Sinn für Humor. Erkennt die Absurditäten von Situationen; Humor wird oft nicht von Erwachsenen und anderen Kindern im Kindergarten als solcher erkannt; kann möglicherweise zum Klassenclown werden, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Nochmals sei betont, dass bestimmte Verhaltensweisen hoch begabter Individuen zu problematischen Sozialbezügen führen können, es ist keine notwendige Folge. Da jedoch die genannten Verhaltensmerkmale in verstärktem Maße bei hoch begabten Kindern anwesend sind, ist die Wahrscheinlichkeit von Störverhalten auch eher gegeben.

Webb (1993) hat wie viele andere auch versucht, endogen bestimmte Kerneigenschaften von hoch begabten Kindern darzustellen. Nachfolgende fünf Merkmale werden immer wieder genannt.

  1. Lernbegierde: der innere Antrieb nach Wissen; ausgeprägtes Erkenntnisstreben.
  2. Perfektionismus: der Drang, alles genau und vollständig wissen zu wollen; eine Arbeit muss bis ins kleinste Detail stimmen.
  3. Kreativität: die Fähigkeit, neue und verschiedenartige Lösungswege zu entdecken und anzuwenden.
  4. Persönliches Engagement: emotionale Bezogenheit, starke Gefühle der Empathie; sich ganz für eine Sache einsetzen wollen.
  5. Idealismus: stark entwickeltes moralisches Empfinden; das Wohlergehen menschlichen Daseins verlangt persönlichen Einsatz. Dieses Verhaltensmerkmal tritt mehr im Jugendalter in den Vordergrund.

Die ersten vier genannten Kerneigenschaften sind schon bei Kleinkindern wahrnehmbar. Die dargestellten Kerneigenschaften sind inter- und intraindividuell verschieden stark ausgeprägt. Ein treffendes Beispiel für die 2. und 4. Verhaltenseigenschaft ist das Kindergartenkind Jutta. Mit vier Jahren war sie Zeuge, wie eine Katze im Straßenverkehr getötet wurde. Tagelang wollte sie alles über Tod und Leben wissen. Sie ließ nicht locker, bis dass sie zu dem Schluss kam: was ist der Sinn meines Lebens und als Folge davon hatte sie Todeswünsche (s. Mönks & Ypenburg, 2000, S. 61f.). Hochbegabte Kleinkinder haben oft ein sehr stark ausgeprägtes Mitempfinden und können auch so folgerichtig denken, dass Eltern – wie im Falle von Jutta – zutiefst erschrecken und Hilfe von Fachleuten suchen.

Viele Eltern machen auch die Erfahrung, dass das Merkmal Kreativität in Zusammenhang mit starkem persönlichem Engagement dazu führen kann, dass hoch begabte Kinder oft unrealistisch hohe Ansprüche an sich selber stellen. Ein zu hohes Anspruchsniveau kann für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung schädlich sein. Dennoch ist es wichtig, dass gerade im Kleinkind- und Kindergartenalter die Kreativität des Kindes nicht eingeengt wird. Eine gute Anleitung bietet in dieser Hinsicht das Buch Was in Kindern alles steckt (Becker-Textor, 1997).

Beobachtungen bei hoch begabten Kleinkindern

Wie mehrfach betont wurde, gibt es gerade für hoch begabte Kleinkinder kaum gesicherte entwicklungspsychologische Forschungsdaten. Im Nachfolgenden werden Beobachtungsdaten wiedergegeben, die wir im Laufe der Jahre sammeln konnten. Es handelt sich um neun Verhaltensgebiete. Sätze in Anführungszeichen, sind wörtliche Aussagen von Kindern.

1) Motorische Entwicklung:

  • können oft schon im Alter von weniger als 10 Monaten laufen;
  • frühzeitige Entwicklung der Feinmotorik: blättern bereits vor dem Alter von 10 Monaten vorsichtig die Seiten von einem Buch mit Daumen und Zeigefinger um (charakteristisch für das Alter von 18 Monaten);
  • hohes Energieniveau;
  • etwa 20% der hoch begabten Kleinkinder benötigen weniger Schlaf, während rund 20% Langschläfer sind und etwa 60% sind normale Schläfer.

2) Realistisches Selbstkonzept:

  • Im Alter von ungefähr drei Jahren kennen sie schon die Stärken und Schwächen ihrer Leistungsfähigkeit.
  • Sie setzen ihre eigenen Fähigkeiten in Beziehung zu anderen Kindern und erkennen die Unterschiede.
  • Sie beschäftigen sich schon sehr früh mit ihrer eigenen Identität, setzen sich mit ihr auseinander, was normalerweise eine zentrale Frage im Jugendalter ist.

3) Produktives/unabhängiges Denken:

  • Es sind schon sehr früh Indikatoren für unabhängiges Denken erkennbar (geradlinig, keine Wiederkäuer).
  • Das Denken ist logisch-fortschreitend und intuitiv.
  • Die personelle und physikalische Umgebung wird in Kategorien eingeteilt. Sie äußern spontan ihre Zuneigung und Abneigung: Sie fühlen sich zu bestimmten Menschen, die sie kaum kennen, hingezogen; andere hingegen mögen sie nicht. Schon im Alter von vier Monaten verfügen die Kinder über Kategorien von Farben und Formen, mit weniger als 1 Jahr haben sie eine Vorstellung von Tag, Nacht und Licht („Lampen geben Licht“).
  • Sie reflektieren schnell über ihre Umgebung und habituieren sie. Sie verfügen über ein hohes Maß an aufgebautem Wissen über ihre personelle und physikalische Umwelt.
  • Das Wissen um ursächliche Beziehungen ist schon in der präverbalen Periode vorhanden, z.B. die Beziehung zwischen Schalter und elektrischem Licht; mit 1 ½ Jahren ist die Beziehung zwischen Handschuhen und ihrer Funktion bekannt: Schutz vor Kälte.
  • Oft können die Kinder sehr früh lesen und/oder zeigen eine frühe arithmetische (nicht immer) – intellektuelle Neugier.

4) Metakognition (Fähigkeit, über eigenes Denken zu reflektieren, Bewusstheit und Kontrolle kognitiver Prozesse):

  • Im Alter von drei Jahren sind die Kinder fähig, über ihr eigenes Denken zu reflektieren (Kind: „Ich kann denken“.).
  • Im Alter zwischen drei und vier Jahren verfügen sie über Konzepte was „alt“ und „jung“ ist. Sie setzen das in Beziehung zu physischem Stärke und kommen zu dem Schluss, dass der Gipfel der physischen Stärke in der Mitte des Lebens (Erwachsenenalter) liegt.
  • Sie erleben bewusst, dass Prozesse kontinuierlich ablaufen. (Konzept der Kontinuität).

5) Rollenübernahme/Empathie (Fähigkeit, sich in Motive, Gefühle und das Verhalten anderer Personen hineinzuversetzen):

  • Es wird unterschieden zwischen perzeptiver, begrifflicher und emotional/ motivationaler Rollenübernahme.
  • Sie sind schon im zweiten Lebensjahr dazu fähig, die Rolle anderer Personen/Tiere/Objekte zu übernehmen. („Der Hund bellt, weil er nicht mag, an der Leine gehalten zu werden.“; „Die Puppe träumt gerade von angsteinjagenden Tieren.“)

6) Persönlichkeit:

  • Hochbegabte Kinder sind selten übertrieben geschäftig und konfus.
  • Sie haben Humor.
  • Sie vertreten ihren eigenen Standpunkt, sind beharrlich und haben Mühe, sich der Meinung anderer anzuschließen.
  • Von einem Moment zum anderen können sie sehr erwachsen wirken und plötzlich in eine typisch kindliche schlechte Laune verfallen.

7) Erforschen und Erkunden:

  • verbunden mit Aufmerksamkeit und Wachheit: alles sehen wollen, Geräuschen folgen, Interesse an klassischer Musik, hoher Grad an Neugier.
  • erforschen mehr und gründlicher als gewöhnlich.
  • fähig, verschiedene Signale zur selben Zeit aufzunehmen.

8) Aufgabenkonzentration/Motivation:

  • hohes Maß an Konzentration.
  • sehr interessiert und konzentriert, wenn neues Spielzug angeboten wird (gutes Spielgut hat möglichst wenig Bestandteile und möglichst viele Möglichkeiten; modernes Spielzeug hat meistens ein Maximum an Bestandteilen und ein Minimum an Möglichkeiten).

9) Sprachliche Entwicklung:

  • generell frühzeitiges Sprechen, reicher Wortschatz, richtiger Gebrach der Grammatik.
  • verfügen oft schon im Alter von 10 Monaten über einen passiven Wortschatz von mehr als 100 Worten (normalerweise im Alter von 1 ½ – 2 Jahren).
  • Die Entwicklung von Ein- zu Zwei-Wort-Sätzen beginnt früher (mit weniger als einem Jahr) und vollzieht sich schneller.
  • zwei Varianten: 1. Der aktive Gebrach der Sprache beginnt früh und mit schnellem Fortschritt. 2. Der aktive Gebrauch der Sprache beginnt spät, aber dann mit vollständigen und richtigen Sätzen (Hinweis auf Perfektionismus)

10) Motorische Entwicklung:

  • können oft schon im Alter von weniger als 10 Monaten laufen
  • frühzeitige Entwicklung der Feinmotorik: blättern die Seiten von einem Buch mit Daumen und Zeigefinger bevor sei 10 Monaten alt sind (charakteristisch für das Alter von 18 Monaten).
  • hohes Energieniveau.
  • benötigt weniger Schlaf (über 20 % der begabten Kinder: 20 % schlafen lange und über 60 % sind normale Schläfer).

Zusammenfassend können wir sagen, dass im Kleinkindalter menschliches Verhalten oft grundlegend geprägt wird. Gesicherte entwicklungspsychologische Aussagen über die frühkindliche Entwicklung von hoch begabten Kindern können nur mit Einschränkung gemacht werden. Autoren, die über begabte Kinder schreiben, sind sich darin einig, dass ein hervorstechendes Merkmal dieser Kinder ein allgemeiner Entwicklungsvorsprung ist. Die bestehenden Lehrbücher der Entwicklungspsychologie vertreten allgemeine Entwicklungsverläufe, d.h. sie sind auf die „Normalentwicklung“ gerichtet. Der amerikanische Entwicklungspsychologe David Feldman vertritt die Auffassung, dass für die Erforschung der Entwicklung begabter Kinder die universalen Theorien, auf die „Normalentwicklung“ gerichtete, untauglich sind. Eben weil sich begabte Kinder nicht mit den „Normalmassstäben“ beurteilen lassen, brauchen wir eine nicht-universale Theorie, eine Theorie, die sich auf die Einzigartigkeit eines Individuums richtet (Feldman, 2000). Deutlich ist, das gerade im Hinblick auf die Entwicklung begabter und talentierter Kinder ein großer Forschungsbedarf besteht. Die in diesem Artikel wiedergegebenen Beobachtungsdaten, können wichtige Ausgangshilfe leisten.

Literatur

Becker-Textor, I. (1997). Was in Kindern alles steckt. Freiburg i.Br.: Herder.

Bee, H. (1994). Lifespan Development. New York: Harper Collins.

Mönks, F.J. & Knoers, A.M.P. (1996). Lehrbuch der Entwicklungspsychologie. München: Reinhardt.

Mönks, F.J. & Ypenburg, I.H. (2000). Unser Kind ist hoch begabt. München: Reinhardt.

Autor

Prof. Dr. Franz J. Mönks
Universität Nijmegen
Zentrum für Begabungsforschung

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