Windpocken BEI erwachsenen

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WindpockenIndikationenInfektionskrankheitenKinderkrankheitenBei den Windpocken handelt es sich um eine hochansteckende Infektionskrankheit, die vom Varicella-Zoster-Virus verursacht wird. Sie tritt in den westlichen Ländern hauptsächlich bei Kindern unter 10 Jahren auftritt und beginnt mit erhöhter Temperatur und Müdigkeit. Innert eines Tages bilden sich vor allem am Rumpf und im Gesicht Bläschen, die aufbrechen, verkrusten und stark jucken. Der Verlauf bei Kindern ist in der Regel gutartig und die Erkrankung geht von alleine wieder vorbei. Es sind aber schwere Komplikationen möglich, insbesondere bei Erwachsenen, bei Immungeschwächten und Schwangeren. Bei Kindern steht die Behandlung des Juckreizes mit äusserlich angewendeten Arzneimitteln im Vordergrund. Bei Erwachsenen werden auch Arzneimittel gegen die Viren eingesetzt. Zur Vorbeugung steht ein Impfstoff zur Verfügung.

synonym: Wilde Blattern, Spitze Blattern, Schafblattern

Symptome

Die Erkrankung beginnt mit Symptomen, die einer Erkältung oder Grippe ähneln, mit erhöhter Temperatur, Fieber, Krankheitsgefühl, Schwäche und Müdigkeit. Innert 24 Stunden tritt der typische Hautausschlag am ganzen Körper auf, der sich innert weniger Tage entwickelt („Sternenhimmel“). Der Ausschlag ist zunächst fleckig und anschliessend bilden sich gefüllte Bläschen, die aufbrechen und verkrusten. Der Ausschlag ist von einer Rötung umgeben und von einem lästigen und starken Juckreiz begleitet. Er bildet sich vor allem am Rumpf und im Gesicht und weniger an den Extremitäten. Innert etwa 5 Tagen können weitere Bläschen entstehen. Nach einigen Wochen ist der Ausschlag wieder verheilt.

© Lucille Solomon, 2011 http://www.lucille-solomon.com

Ursachen

Es handelt sich um eine virale Infektionskrankheit, die vom Varicella-Zoster-Virus verursacht wird. Das Virus kann zwei Krankheiten auslösen. Erstens Windpocken bei der Erstinfektion im Kindesalter und zweitens die Gürtelrose bei einer Reaktivierung im Erwachsenenalter, vor allem bei älteren Menschen.

Übertragung

Die Erkrankung ist hoch ansteckend und es gibt in Europa eine hohe Durchseuchung der Bevölkerung. Über 90% der Erwachsenen sind seropositiv. Die Ansteckung erfolgt von Person zu Person über Atemwegssekret oder über die Flüssigkeit, welche aus den Bläschen freigesetzt wird. Windpocken können auch von Patienten mit Gürtelrose übertragen werden, also zum Beispiel vom Grossvater auf die Enkelkinder. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt zwischen 8 bis 28 Tagen. In Tagesheimen, Kindergärten und Schulen kommt es häufig zu lokalen Ausbrüchen.

Dauer der Ansteckungsfähigkeit

Die Kinder können wieder zur Schule oder in den Kindergarten, wenn das letzte Bläschen verkurstet und ausgetrocknet ist und keine neuen Hautausschläge mehr auftreten.

Komplikationen

Bei Kindern im Vorschulalter verläuft die Erkrankung in der Regel mild und geht von alleine wieder vorbei. Trotzdem sind Windpocken nicht harmlos, da als Folge schwere Komplikationen auftreten können. Ein schwerer Verlauf ist bei Erwachsenen, bei Schwangeren, Immungeschwächten, bei älteren Menschen und bei Menschen aus südlichen Ländern häufiger. Zu den möglichen Komplikationen gehören zum Beispiel bakterielle Infektionen, eine Lungenentzündung, Störungen des zentralen Nervensystems wie eine Gehirnentzündung, eine Hirnhautentzündung und ein Befall innerer Organe. Bei Schwangeren ist eine Übertragung auf das ungeborene Kind möglich und Schwangere haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Diagnose

Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung meist aufgrund des klinischen Bildes gestellt. Dabei müssen eine Reihe von Hauterkrankungen ausgeschlossen werden, die mit Windpocken verwechselt werden können.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Gegen Juckreiz helfen kalte Umschläge, Bäder und Waschungen. Die Nägel sollen kurz geschnitten werden, damit sich die Kinder nicht kratzen können. Beachten Sie auch den Artikel Juckreiz für ausführliche Informationen.

Medikamentöse Behandlung

Das Risiko für bakterielle Infektionen kann mit einer guten Hautpflege (Bäder, Waschungen, Verbände und juckreizstillende Mittel) verkleinert werden. Gegen Juckreiz werden traditionell die folgenden Mittel eingesetzt, welche in Apotheken und Drogerien erhältlich sind:

  • Weisse Schüttelmixtur (z.B. Tanno Hermal® Schüttelmixtur)
  • Gerbstoffe
  • Antihistaminika, z.B. Dimetindenmaleat-Tropfen oral verabreicht gegen Juckreiz (Feniallerg® Tropfen) → Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Menthol: Mentholpuder, Menthol-Schüttelpinselung 1%, Mentholhaltige Haufpflegemittel, z.B. Excipial Pruri Lotio® → Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Weitere Zinkoxid-Zubereitungen, z.B. Zinksalben
  • Diphenhydramin + Kampfer + Zinkoxid (Caladryl®) → Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern aufgrund des Kampfers

Zur Behandlung der erhöhten Temperatur ist Paracetamol (z.B. Dafalgan®, Acetalgin®) das Mittel der 1. Wahl. Kindern mit Windpocken darf kein Aspirin® (Acetylsalicylsäure) verabreicht werden und Ibuprofen (z.B. Algifor®) wird ebenfalls nicht empfohlen.

Antivirale Arzneimittel wie Aciclovir (Zovirax®, Generika) oder Valaciclovir (Valtrex®, Generika) werden vor allem bei Erwachsenen und Risikopatienten eingesetzt. Sie müssen so früh wie möglich beim Ausbruch der Erkrankung verabreicht werden, ansonsten sind sie wirkungslos. Sie können die Dauer und die Stärke der Beschwerden reduzieren. Die Anwendung bei Kindern ist umstritten, weil der Verlauf in der Regel gutartig ist.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung soll der Kontakt mit Erkrankten vermieden werden. Kinder mit Windpocken sollten nicht in den Kindergarten oder zur Schule, bis der Hautausschlag verkrustet ist. Es stehen Impfstoffe zur Verfügung (z.B. Varivax®), siehe unter → Windpockenimpfung.

Manche Eltern lassen ihre Kinder absichtlich mit Erkrankten spielen, damit sie sich anstecken und die Windpocken durchmachen. Solche „Windpocken-Partys“ (Chickenpox Parties) sind aber vor allem in den USA geläufig.

siehe auch

  • Windpockenimpfung
  • Gürtelrose

Literatur Autor

Dr. Alexander Vögtli vom PharmaWiki Team. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Abbildung: Lucille Solomon http://www.lucille-solomon.com

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Gürtelrose (Herpes zoster): Spätfolge von Windpocken

Letzte Änderung: 13.08.2019
Verfasst von Astrid Clasen • Medizinredakteurin
Geprüft von Dr. med. Frauke Gehring • Allgemeinärztin Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

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Gürtelrose (Herpes zoster) tritt meistens in höherem Lebensalter auf. Sie kann aber auch früher zuschlagen – vor allem, wenn das Immunsystem geschwächt ist. In jedem Fall ist es ratsam, Gürtelrose schnell zu behandeln.

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Was ist Gürtelrose?

Gürtelrose ist eine Hauterkrankung, die als Spätfolge einer Infektion mit dem Erreger der Windpocken auftritt – dem Varicella-Zoster-Virus (VZV). Das Virus wird auch humanes Herpes-Virus Typ 3 (HHV 3) genannt. Denn Varicella-Zoster-Viren beziehungsweise Varizellen gehören zur Gruppe der Herpesviren. Entsprechend bezeichnet man Gürtelrose auch als Herpes zoster oder einfach als Zoster.

Anders ausgedrückt: Keine Gürtelrose ohne Windpocken! Einen Herpes zoster können nur diejenigen entwickeln, die in der Vergangenheit eine – manchmal unbemerkte – Windpocken-Infektion durchlebt haben.

Gürtelrose

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In der Regel tritt eine Gürtelrose (Herpes zoster) bei Menschen über 45 Jahren auf. Am häufigsten trifft es Menschen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.

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Eine Gürtelrose kann nur bekommen, wer einmal eine Windpocken-Infektion durchgemacht hat. © Christian Grzimek/OKAPIA

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Ursache für eine Gürtelrose sind die sogenannten Varicella-Zoster-Viren, auch Varizellen genannt, – also dieselben Erreger, die auch Windpocken auslösen.

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Nach einer (manchmal auch unbemerkt) durchgemachten Windpocken-Infektion bleiben einige Viren in Nervenknoten nahe dem Rückenmark zurück.

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Ist die Immunabwehr geschwächt, können die Varizellen wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Da im Alter das Immunsystem schwächer wird, tritt eine Gürtelrose meist erst bei älteren Menschen auf.

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Ein Gürtelrose-Ausbruch macht sich anfangs nur durch allgemeine Beschwerden bemerkbar. Betroffene fühlen sich unwohl, sind müde und haben leichtes Fieber.

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Wenige Tage später kommen in dem Bereich der infizierten Nervenzellen brennende Schmerzen und Empfindungsstörungen hinzu.

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Typisch für eine Gürtelrose ist ein schmerzhafter Hautausschlag. Meist bildet sich dieser nur auf einer Seite und auf einem begrenzten Gebiet des Körpers – entlang der Nervenbahnen, in denen die Viren bis dahin überdauert haben. © Leonard Lessin/Science Source/OKAPIA

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Am häufigsten bildet sich der Ausschlag an Brust und Bauch. In der Regel beginnt er an der Wirbelsäule und breitet sich von hier gürtelförmig um den Körper herum aus. © Lineair-Siegfried Kramer/Imagebroker/OKAPIA

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Die betroffene Hautregion schwillt dabei an, rötet sich und bildet kleine, flüssigkeitsgefüllte Blasen. © Okapia/imagebroker/Siegfried Grassegger

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Wer früh zum Arzt geht und die richtigen Medikamente bekommt, kann mögliche Schmerzen und Hautrötungen meist lindern.

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Richtig behandelt nimmt die Gürtelrose einen leichten Verlauf und ist nach spätestens vier Wochen ausgeheilt.

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Schonen Sie sich in dieser Zeit und gönnen Sie Ihrem Körper eine Ruhepause.

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Eine Gürtelrose ist nur wenig ansteckend, besondere Maßnahmen sind daher nicht notwendig. Infizieren können Sie sich nur über den direkten Kontakt zum Inhalt der Bläschen (Schmierinfektion) – und das auch nur, wenn Sie noch keine Windpocken hatten.

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Falls Sie sich über eine Gürtelrose mit dem Varicella-Zoster-Virus anstecken, bekommen Sie keine Gürtelrose, sondern Windpocken (sofern Sie diese noch nicht hatten). © Christian Grzimek/OKAPIA

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Windpocken stellen für schwangere Frauen ein Risiko dar. Schwangere, die noch keine Windpocken hatten oder nicht dagegen geimpft sind, sollten deshalb den Kontakt zu Gürtelrose-Patienten vermeiden.

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Falls Sie glauben, Anzeichen einer Gürtelrose bei sich zu entdecken: Je früher Sie zum Arzt gehen und behandelt werden, umso schneller entwickelt sich die Gürtelrose in der Regel wieder zurück.

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Für über 60-Jährige gibt es seit Kurzem eine Schutzimpfung gegen Gürtelrose. Diese kann das Erkrankungsrisiko um über 50 Prozent senken. Tritt trotzdem eine Gürtelrose auf, verläuft sie deutlich milder als bei ungeimpften Menschen. Zum Gürtelrose-Quiz …

In Deutschland erkranken jedes Jahr schätzungsweise 300.000 Menschen an Gürtelrose. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herpes zoster.

Gürtelrose (Herpes zoster): Ansteckung

Ist Gürtelrose ansteckend?

Auch wenn Windpocken und Gürtelrose durch dieselben Erreger entstehen – das Risiko einer Ansteckung ist bei Herpes zoster geringer.

Anders als bei Windpocken, die sich auch durch Tröpfcheninfektion (z.B. durch Husten oder Niesen) übertragen, ist Gürtelrose nur ansteckend, wenn es zu direktem Kontakt mit dem Inhalt eines Bläschens kommt (Schmierinfektion).

Allerdings ist Gürtelrose nur für diejenigen ansteckend, die sich vorher noch nie mit Varicella-Zoster-Viren infiziert haben. Eine solche erste Infektion mit Varizellen verursacht auch keine Gürtelrose, sondern Windpocken. Wer bereits Windpocken hatte, muss selbst bei engem Kontakt zu Menschen mit Gürtelrose keine Ansteckung befürchten.

© Okapia Der Inhalt der Bläschen bei Gürtelrose ist ansteckend. (© Okapia/imagebroker/Siegfried Grassegger)

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Wie lange ist Gürtelrose ansteckend?

Bei Gürtelrose besteht Ansteckungsgefahr, solange die Bläschen mit Flüssigkeit gefüllt sind. Dieser ansteckende Bläscheninhalt ist anfangs klar oder weiß. Nach zwei bis fünf Tagen beginnen die Bläschen einzutrocknen: Die Flüssigkeit wird trüb und eitrig, dann bildet sich eine gelbliche Kruste.

Sobald die Bläschen eingetrocknet und verkrustet sind, ist Gürtelrose nicht mehr ansteckend. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist die Haut in der Regel vollständig abgeheilt.

Gürtelrose in der Schwangerschaft: Ein Risiko fürs Baby?

Für das Ungeborene ist eine Gürtelrose der Frau in der Schwangerschaft nicht ansteckend. Doch wenn die Schwangere nicht gegen Varizellen immun ist (weil sie nie Windpocken hatte und auch nicht dagegen geimpft ist), kann sie sich über den Inhalt der Herpes-zoster-Bläschen anstecken und Windpocken bekommen. In seltenen (1-2 von 100) Fällen infiziert sie dann ihr ungeborenes Baby über die Plazenta. Das kann ein schweres Gesundheitsrisiko für das Kind sein.

Darum sollten Menschen mit Gürtelrose engen Kontakt zu schwangeren Frauen vermeiden, wenn eine Ansteckungsgefahr nicht sicher auszuschließen ist.

Inkubationszeit

Für Gürtelrose lässt sich keine Inkubationszeit angeben: Wie viel Zeit von der ersten Ansteckung mit Varizellen bis zum Ausbruch der Krankheit vergeht beziehungsweise ob sich überhaupt jemals ein Herpes zoster entwickelt, ist nicht vorhersagbar.

Wer sich allerdings bei einem Menschen mit Gürtelrose oder Windpocken zum ersten Mal mit Varizellen ansteckt, bekommt in der Regel nach 14 bis 16 Tagen Windpocken. Die Inkubationszeit kann aber auch nur 8 Tage oder bis zu 28 Tage dauern.

Video: Windpocken

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Gürtelrose (Herpes zoster): Ursachen

Gürtelrose (Herpes zoster) hat dieselben Ursachen wie Windpocken: Beide Erkrankungen entstehen durch Varicella-Zoster-Viren beziehungsweise Varizellen.

Zwei Krankheiten, derselbe Erreger: Wie geht das?

Wer sich zum ersten Mal (meist in der Kindheit) mit dem Erreger ansteckt, bekommt normalerweise Windpocken – und keine Gürtelrose. Ursache für Herpes zoster ist eine erneute Aktivierung von schon im Körper vorhandenen Varicella-Zoster-Viren.

Und das geht so: Sind die Windpocken überstanden, wandert das Varicella-Zoster-Virus entlang der Nervenfasern zu bestimmten Nervenknoten der Wirbelsäule (Spinalganglien). Das Virus kann auch bis zum Gehirn in die dortigen Nervenknoten (Hirnganglien) vordringen.

  • In den Nervenknoten nistet es sich lebenslang ein und schlummert vor sich hin, ohne zwangsläufig eine Erkrankung zu verursachen.
  • Bestimmte Umstände können das schlummernde Varicella-Zoster-Virus jedoch reaktivieren – dann entwickelt sich eine Gürtelrose.

Warum genau es zur Reaktivierung der schlummernden Varizellen kommt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Auffällig ist jedoch, dass ältere Menschen und solche mit geschwächtem Immunsystem häufiger Gürtelrose bekommen. Mögliche Ursachen für eine gestörte Körperabwehr sind zum Beispiel:

  • bestimmte Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (z.B. Zytostatika)
  • Krebserkrankungen
  • AIDS

Allerdings können auch jüngere Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche, die ansonsten völlig gesund sind, eine Gürtelrose entwickeln.

Weitere mögliche Auslöser für die Reaktivierung der Varizellen mit nachfolgendem Herpes zoster sind:

  • UV-Strahlung (z.B. Sonneneinwirkung)
  • Röntgenstrahlung
  • giftige Substanzen
  • Infektionen
  • Stress
  • seelische Belastungen

Übrigens: Nicht nur eine Windpockenerkrankung kann eine Gürtelrose nach sich ziehen. Auch wer gegen Varizellen geimpft wurde, kann nachfolgend Herpes zoster entwickeln. Bei geimpften Kindern ist das Risiko für Gürtelrose aber bis zu 12-mal geringer als bei ungeimpften!

Gürtelrose (Herpes zoster): Erste Anzeichen

Schon bevor sich der Hautausschlag bei Gürtelrose (Herpes zoster) bildet, treten erste Anzeichen der Erkrankung auf. Meist besteht im Anfangsstadium von Gürtelrose ein allgemeines Krankheitsgefühl:

  • Die Betroffenen fühlen sich müde, frösteln und haben manchmal leichtes Fieber.
  • Einige verspüren, bevor die Gürtelrose sichtbar ist, auch Schmerzen im Rücken oder Zahnschmerzen.
  • Etwa zwei bis drei Tage später treten teils heftige, brennende Schmerzen und Empfindungsstörungen in dem Körperbereich auf, den der infizierte Nerv versorgt.
  • Dann erst tritt in der Regel der Hautausschlag auf.

Dass Gürtelrose als erste Anzeichen eher allgemeine Beschwerden auslöst, liegt vor allem daran, dass es ein paar Tage dauert, bis sich die Reaktivierung der Varicella-Zoster-Viren deutlich bemerkbar macht.

Gürtelrose (Herpes zoster): Typische Symptome

Die Bezeichnung Gürtelrose (Herpes zoster) geht auf die typischen Symptome der Erkrankung zurück: Es bildet sich ein Hautausschlag, der sich meist von der Wirbelsäule gürtelförmig entlang der infizierten Nervenbahn um den Körper herum ausbreitet.

  • Dabei schwillt die Haut an,
  • färbt sich rötlich und
  • auf der Oberfläche entstehen gruppenförmig angeordnete Knötchen.
  • Im weiteren Verlauf wandeln sich die Knötchen in stecknadelkopfgroße bis erbsengroße Bläschen um, die eine wässrige oder blutige Flüssigkeit enthalten können.

© Jupiterimages/iStockphoto Der Ausschlag bei Gürtelrose beginnt häufig mit gruppierten Hautbläschen, die sich rasch ausbreiten.

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Anders als Windpocken, die sich über den ganzen Körper ausbreiten, verursacht Gürtelrose örtlich begrenzte Symptome: Der Bläschenausschlag zeigt sich nur auf einer Körperseite und nur in dem Gebiet, das der betroffene Rückenmarks- oder Hirnnerv versorgt (in der Regel sind das Brust, Bauch und Rücken). Gelegentlich fehlen die Hautveränderungen allerdings: Eine solche Gürtelrose ohne Ausschlag bezeichnen Mediziner als Zoster sine herpete.

© Okapia Der für Gürtelrose typische Ausschlag breitet sich meist gürtelförmig auf einer Körperseite aus. (© Lineair-Siegfried Kramer/Imagebroker/OKAPIA)

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Wenn sich Varicella-Zoster-Viren in den Hirnnerven befinden, kann Gürtelrose auch im Gesicht entstehen. Besonders häufig ist der Gesichtsnerv (Nervus trigeminus) befallen. Ist sein erster Ast (Nervus ophtalmicus) betroffen, spricht man von Zoster ophthalmicus: Dann treten die Symptome an Auge, Nase, Stirn und behaarter Kopfhaut einer Gesichtshälfte auf. Bildet sich an der Hornhaut oder der Regenbogenhaut des Auges ein Geschwür, kann es zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung kommen.

© Okapia Gürtelrose kann auch im Gesicht auftreten. (© Science Source/OKAPIA)

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Hingegen führt ein Herpes zoster im Bereich des Ohrs (Zoster oticus) bei bis zu 60 Prozent der Betroffenen zu einer Gesichtslähmung (Fazialisparese), die sich jedoch in den meisten Fällen vollständig zurückbildet. Auch wenn sich eine Gürtelrose am Hals bildet, können im Gesicht Symptome einer Muskellähmung auftreten.

Gürtelrose (Herpes zoster): Diagnose

Eine Gürtelrose (Herpes zoster) kann der Arzt fast immer anhand der typischen Symptome feststellen. Nur in Einzelfällen ist es nötig, das ursächliche Varicella-Zoster-Virus nachzuweisen, um die Diagnose zu stellen – etwa dann, wenn eindeutige Symptome fehlen.

Auch eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf eine Gürtelrose liefern: Wer mit dem Varicella-Zoster-Virus infiziert ist, bildet Antikörper gegen das Virus. Diese erhöhte Antikörperzahl kann man im Blut feststellen.

Löst Gürtelrose Symptome wie Bewusstseinsstörungen oder Lähmungen aus, kann dies auf einen Gehirn- oder Rückenmarksbefall hinweisen – dann ist eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquor) empfehlenswert. Denn bei einer Infektion mit Varizellen vermehren sich die Zellen in der Hirnflüssigkeit und der Eiweißgehalt nimmt leicht zu. Verläuft Herpes zoster unkompliziert, ist die Untersuchung der Hirnflüssigkeit jedoch nicht notwendig.

Häufig tritt Gürtelrose bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf. Daher ist es grundsätzlich ratsam, bei Herpes zoster auch nach Grund- und Begleiterkrankungen zu suchen.

Gürtelrose (Herpes zoster): Behandlung

Bei Gürtelrose (Herpes zoster) zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern und die Dauer der Erkrankung zu verkürzen. Normalerweise heilt die Erkrankung dann nach spätestens vier Wochen aus.

Wer frühzeitig Medikamente gegen Herpes zoster bekommt, bei dem bessern sich die Schmerzen und die Hautrötungen meistens schneller. Darum gilt: Gehen Sie bei den ersten Anzeichen für Gürtelrose so schnell wie möglich zum Arzt, damit die Behandlung optimal wirken kann. Umso besser ist die Chance, dass sich die Symptome schnell wieder zurückbilden.

In der Regel verschreibt der Arzt bei Gürtelrose Medikamente, die gezielt gegen Herpesviren wirken: Diese Virostatika bekämpfen die Viren, indem sie deren Vermehrung hemmen. So eignen sich zur Behandlung des Herpes zoster zum Beispiel die Wirkstoffe

  • Brivudin,
  • Aciclovir,
  • Famciclovir oder
  • Valaciclovir.

Zusätzlich können Schmerzmittel zum Einsatz kommen, um die brennenden Schmerzen bei Gürtelrose zu behandeln: zum Beispiel nicht-steroidale Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen. Nehmen Sie die Schmerzmittel konsequent ein, damit es nicht zu postherpetischen Schmerzen kommt. Diese starken Schmerzen können als Folge von Herpes zoster auftreten und über lange Zeit anhalten.

Neben der ärztlichen Herpes-zoster-Therapie gibt es auch einiges, was Sie selbst gegen Gürtelrose tun können:

  • In erster Linie sollten Sie sich ausruhen und Ihrem Körper eine Ruhepause gönnen.
  • Zudem ist es ratsam, die entzündete Haut sorgfältig zu pflegen.
  • Um zu vermeiden, dass sich die Hautbläschen mit Bakterien infizieren, ist es wichtig, dass Sie
    • auf ausreichende Hygiene achten (z.B. Hände, Kleidung und Bettwäsche regelmäßig waschen) sowie
    • die Bläschen auf gar keinen Fall aufkratzen, aufstechen oder aufscheuern.

Es gibt auch verschiedene Lösungen, die die Beschwerden bei Gürtelrose lindern können. Fragen Sie am besten Ihren behandelnden Arzt oder einen Apotheker: Diese können Ihnen entsprechende Mittel empfehlen.

Mehr zum Thema:

  • Rezeptfreie Medikamente gegen Gürtelrose
  • Rezeptpflichtige Medikamente gegen Gürtelrose

Gürtelrose (Herpes zoster): Dauer & Verlauf

Gürtelrose (Herpes zoster) verläuft überwiegend harmlos und hat eine gute Prognose: Zwei Drittel der Fälle heilen folgenlos aus. Meist heilt Gürtelrose auch nach einer Dauer von zwei bis vier Wochen von alleine.

Allerdings kann der für Gürtelrose typische Hautausschlag auch bei mildem Verlauf Spuren hinterlassen: Ist der Herpes zoster abgeheilt, bleiben häufig pigmentierte Hautbereiche zurück. Die betroffene Haut ist dann entweder stärker gebräunt oder hat ihre Tönung verloren.

Außerdem hängt der Verlauf von Herpes zoster vom Alter der Betroffenen ab: Bei Kindern verläuft die Erkrankung in der Regel unkompliziert. Bei Erwachsenen hingegen kann Gürtelrose teils starke Schmerzen verursachen. Eine konsequente Schmerztherapie ist wichtig, um anhaltende postherpetische Schmerzen zu vermeiden.

Komplikationen

Gürtelrose kann mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein. So kommt es in seltenen Fällen zu bleibenden Lähmungen, die zum Beispiel das Gesicht, aber auch das Zwerchfell betreffen können. Weitere mögliche entzündliche Komplikationen von Herpes zoster sind:

  • Zoster-Enzephalitis, wenn das Gehirn (Encephalon) beteiligt ist
  • Zoster-Meningitis: wenn die Gehirnhäute (Meningen) beteiligt sind
  • Zoster-Myelitis: wenn das Rückenmark beteiligt ist

In manchen Fällen kann sich bei Gürtelrose eine Polyneuropathie oder ein Guillain-Barré-Syndrom entwickeln: Bei Letzterem treten oft Muskelschwächen auf, die von den Beinen aufsteigen und nachfolgend bis zu einer Lähmung der Arme und Beine führen können. In seltensten Fällen kann auch das Zwerchfell bei Herpes zoster mitbeteiligt sein und die Atmung ausfallen – dies macht eine Beatmung der Betroffenen notwendig.

Treten bei Gürtelrose Komplikationen in Gehirn und Rückenmark mit Halbseiten- oder Querschnittsyndromen auf, kann die Erkrankung zu einem ernsthaften Zustand führen – die Betroffenen benötigen dann eine intensivmedizinische Behandlung.

In seltenen Fällen kann sich Gürtelrose auf den ganzen Körper und die inneren Organe ausbreiten (Zoster generalisatus) – dabei handelt es sich ebenfalls um eine lebensbedrohliche Komplikation. So schwerwiegend kann Herpes zoster besonders bei Menschen verlaufen, die eine Immunschwäche haben oder deren Immunsystem durch Medikamente (Immunsuppressiva) unterdrückt ist.

In etwa 10 bis 15 von 100 Fällen bestehen die mit Gürtelrose einhergehenden Nervenschmerzen über längere Zeit (Post-Zoster-Neuralgie oder postherpetische Neuralgie) – bei über 60-Jährigen ist davon jeder zweite betroffen. Eine Post-Zoster-Neuralgie kann Monate bis Jahre andauern. Eine rechtzeitige Schmerzbehandlung kann dazu beitragen, weitere Komplikationen zu verhindern. Eine besonders wirksame Schmerztherapie besteht in der Kombination aus Schmerzmitteln (Analgetika) und bestimmten Arzneimitteln gegen psychische Erkrankungen, die auch gegen chronische Schmerzen wie bei Herpes zoster wirken (trizyklische Antidepressiva ).

Gürtelrose (Herpes zoster): Vorbeugen durch Impfung

Einer Gürtelrose (Herpes zoster) können Sie durch eine Impfung vorbeugen: Seit 2018 ist für Personen ab 50 Jahren ein Totimpfstoff zugelassen, der vor Gürtelrose und deren Komplikationen (wie die Post-Zoster-Neuralgie) schützt.

Der neue Totimpfstoff bietet – anders als der schon länger verfügbare Lebendimpfstoff – auch im höheren Alter einen guten Schutz vor Gürtelrose: Die Impfung kann bei über 70-Jährigen Herpes zoster zu 90 Prozent verhindern.

Seit Dezember 2018 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung mit dem Totimpfstoff als Standardimpfung gegen Gürtelrose für

  • alle Personen ab 60 Jahren bzw.
  • Personen ab 50 Jahren, wenn das gesundheitliche Risiko erhöht ist – z.B. durch:
    • eine angeborene oder erworbene Immunschwäche
    • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
    • eine HIV-Infektion
    • rheumatoide Arthritis
    • systemischen Lupus erythematodes
    • eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa )
    • COPD oder Asthma bronchiale
    • chronische Niereninsuffizienz
    • Diabetes mellitus

Video: 4 Impfmythen im Check

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Auch für Menschen, die schon einmal Gürtelrose hatten, kann die Impfung sinnvoll sein, um eine erneute Erkrankung zu verhindern. Der Herpes-zoster-Impfstoff kann jedoch nicht den Varizellen-Impfstoff gegen Windpocken ersetzen.

Um eine ausreichende Schutzwirkung gegen Gürtelrose aufzubauen, sind zwei Impfungen mit dem Totimpfstoff nötig. Zwischen den beiden Impfterminen sollten mindestens zwei und höchstens sechs Monate liegen. Den Impfstoff bekommt man in den Oberarmmuskel gespritzt.

Die Impfung gegen Gürtelrose gilt als sicher – mit schweren Nebenwirkungen ist nicht zu rechnen. Vorübergehende Impfreaktionen kommen allerdings oft vor. Sie sind aber nur von kurzer Dauer – nach ein bis zwei Tagen verschwinden sie von selbst. Typisch sind:

  • örtliche Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle
  • systemische Reaktionen wie Fieber, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen

Gürtelrose-Quiz

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Quellen

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2019

Gürtelrose. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 21.1.2019)

Wissenschaftliche Begründung zur Empfehlung einer Impfung mit dem Herpes zoster-subunit-Totimpfstoff. Epidemiologisches Bulletin 50/2018. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 13.12.2018)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: November 2017)

Hof, H., Dörries, R.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014

Rassner, G.: Dermatologie. Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Gürtelrose (Herpes zoster)“:

  • Zoster

Onmeda-Lesetipps:

  • Windpocken: Symptome, Behandlung, Impfung
  • Fragen zum Thema Haut & Körperpflege? Holen Sie sich Rat in unserem Forum!
  • Gürtelrose-Quiz: Wie gut kennen Sie sich aus?

Letzte inhaltliche Prüfung: 25.04.2019
Letzte Änderung: 13.08.2019

Herpes ZosterGürtelrose: Bilder und Symptome

Gürtelrose auf dem Rücken (Foto: Anukool Manoton | )

Alles Wichtige zur Gürtelrose:

  • Behandlung, Dauer, Heilungschancen
  • ▷︎ Was ist eine Gürtelrose?
  • ▷︎ Die Symptome der Gürtelrose
  • ▷︎ Bilder der Gürtelrose
  • ▷︎ Was tun bei Verdacht auf Gürtelrose?
  • ▷︎ Wo am Körper tritt die Gürtelrose auf?
  • ▷︎ Spätfolgen der Gürtelrose
  • ▷︎ Wie wird die Gürtelrose behandelt?
  • ▷︎ Welcher Arzt behandelt die Gürtelrose?

Was ist eine Gürtelrose?

Herpes Zoster (umgangssprachlich Gürtelrose) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Varicella-Zoster-Virus ausgelöst wird. Typisch ist der oft gürtelförmige blasige Hautausschlag, der meist einseitig und schmerzhaft in Erscheinung tritt. Dem Ausschlag liegt eine Nerven-Entzündung zugrunde, die sich in das Hautgewebe ausbreitet.

Das Virus ist auch Auslöser der Windpocken. Nach einer Windpocken-Infektion verbleibt es im Körper und kann in Form des typischen Ausschlags wieder in Erscheinung treten. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. Inzwischen ist eine Schutzimpfung gegen die Gürtelrose verfügbar.

Die Symptome der Gürtelrose

Das Leitsymptom von Herpes Zoster ist der schmerzhafte Hautausschlag, der sich häufig – den Nervenbahnen folgend – gürtelförmig um eine Körperseite schlingt. Zusätzlich kann folgende Begleitsymptomatik auftreten:

Die typischen Symptome der Gürtelrose

örtliche begrenzter Hautausschlag

Schmerzen (Brennen, Stechen oder dumpf)

leichtes Fieber

Juckreiz

Hautrötung

Blasenbildung auf der Haut

Müdigkeit

Abgeschlagenheit

Krankheitsgefühl

Hautschwellung

Taubheitsgefühl des betroffenen Hautareals

Kribbeln auf der Haut

Berührungsschmerz (häufig ausstrahlend)

Grippesymptome

Kopfschmerzen

Rückenschmerzen

Die Gürtelrose äußert sich in den meisten Fällen zunächst mit einer schmerzhaften Hautstelle, die noch keine äußerlichen Veränderungen zeigt. Erst nach 2-3 Tagen entwickelt sich der charakteristische Ausschlag, der den Hautveränderungen der Windpocken gleicht.

Es bilden sich kleine Flecken, die zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen heranreifen, eitern, aufbrechen und dann verschorfen. Der einseitige Ausschlag ist relativ gleichmäßig und schmerzhaft. Innerhalb von 7 bis 10 Tagen bildet er sich wieder zurück. Die Flüssigkeit im Inneren der Bläschen ist hoch-infektiös.

Differenzialdiagnosen

Krankheiten, deren Symptomatik in Teilen der der Gürtelrose ähnelt:

  • Coxsackievirus
  • Herpes Simplex (Ekzema herpeticatum)
  • Rippenfellentzündung (Schmerzgeschehen)

Bilder der Gürtelrose

Typischer Ausschlag der Gürtelrose (Foto: Phadungsak photo | ) Gürtelrose: Kruste im Heilungsprozess (Foto: supersaiyan3 | ) Gürtelrose im Gesicht mit Infektion der Augen (Foto: ARZTSAMUI | ) Gürtelrose an Bauch und Rücken (Foto: Anukool Manoton | ) Gürtelrose / Herpes Zoster Infektion im Gesicht (Foto: ARZTSAMUI | ) Gürtelrose an der Hand (Foto: Angel Simon | ) Kruste einer Gürtelrose (Foto: joloei | ) Gürtelrose auf dem Rücken (Foto: Anukool Manoton | ) Gürtelrose (Foto: SneSivan | ) Gürtelrose am Arm (Foto: docter_k | ) Gürtelrose (Foto: santol | ) Gürtelrose am Arm (Foto: Myibean | ) Gürtelrose an der Hand (Foto: Myibean | ) Gürtelrose / Herpes Zoster (Foto: Douglas Olivares | ) Gürtelrose am oberen Rücken (Foto: Mumemories | ) Gürtelrose an Bauch und Seite (Foto: Trybex | ) Gürtelrose nach einer Woche (Foto: Jarut | ) Gürtelrose am Arm (Foto: Angel Simon | ) Varizella-Zoster-Virus löst erst Windpocken und später Gürtelrose aus (Abb. Alila Medical Media | )

Bilder der Gürtelrose in verschiedenen Krankheitsstadien (Frühstadium, Blasen, Abheilen, Verschorfung) und an verschiedenen Körperstellen (Rücken, Arme, Hand, Gesicht, Auge).

Was tun, wenn Symptome auftreten?

Wer den Verdacht hat, unter einer Gürtelrose zu leiden, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der Hautarzt ist hierfür die richtigen Ansprechpartner.

Die Gürtelrose sollte frühzeitig behandelt werden, um das Risiko bleibender Nervenschäden zu reduzieren. Im Bereich der Sinnesorgane ist besondere Vorsicht geboten. Eine Gürtelrose in der Nähe der Augen kann zur Erblindung führen. Auch in Ohrnähe sind gefährliche Komplikationen möglich. (Verlust des Hörsinns / Gleichgewichtsstörungen)

Behandelt wird mit antiviralen Medikamenten. Symptomatisch wird oft zusätzlich ein Schmerzmedikament verabreicht.

So dringend ist die Behandlung:

Wie dringend die frühe Behandlung durch einen Arzt ist, beschreibt Hautarzt Professor Gerd Gross von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in der Apotheken Umschau: Der Experte rät dazu beim Auftreten von Symptomen am Wochenende nicht bis Montag zu warten, sondern sofort ins Krankenhaus zu fahren und mit der Therapie zu beginnen. Die gewonnenen Stunden oder Tage können dafür sorgen, dass dem Patienten jahrelange Dauerschmerzen (Post-Zoster-Neuralgie) erspart bleiben

Wo am Körper tritt die Gürtelrose auf?

Lokalisation Bezeichnung
Blutsystem Zoster Disseminatus
Gehörgang und Ohrmuscheln Zoster Oticus
Genitalien Zoster Genitalis
Gesicht und Augen Zoster Ophtalmicus
Nervensystem Zoster Generalisatus
Rückenmark Zoster Myelitis

Die am häufigsten betroffenen Körperstellen sind der Rücken, die Brust, der Hals und der Kopf. Auch Arme und Beine sind typische Lokationen. Eine im Gesicht auftretende Gürtelrose wird auch als „Gesichtsrose“ bezeichnet.

Die Spätfolgen der Gürtelrose

Das Tückische an der Gürtelrose: etwa 10 Prozent der Patienten leiden auch Monate oder sogar Jahre nach dem Abklingen der Gürtelrose an den Folgen. Schmerzen und Missempfindungen nach Therapieende sind die typischsten Folgen. Die chronischen Schmerzen werden auch „postzosterische Neuralgie“ genannt.

Typische Symptome einer „postzosterische Neuralgie (PZN):

  • dumpfer, brennender Dauerschmerz
  • elektrisierende Schmerzattacken
  • Überempfindlichkeit
  • Sensibilitätsstörungen
  • Missempfindungen
  • gesteigerte Schmerzempfindlichkeit
  • Berührungsschmerzen

Therapie: Wie wird die Gürtelrose behandelt?

Die Gürtelrose lässt sich in frühen Stadien mit antiviralen Medikamenten – wie Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir – behandeln. Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können diese Medikamente intravenös gegeben werden, um die Wirkung zu beschleunigen.

Zusätzlich kommen Schmerzmedikamente zum Einsatz. Ein schneller Therapiebeginn senkt das Risiko von bleibenden Nervenschäden und chronischen Schmerzen.

Welcher Arzt behandelt die Gürtelrose?

Der beste Ansprechpartner für Herpes Zoster ist der Hautarzt. Ist das Gesicht betroffen, wird er eventuell weitere Kollegen – wie einen Augenarzt oder einen Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO) – hinzuziehen. Gegebenenfalls wird er auch an einen Neurologen weiterverweisen.

Inhaltsverzeichnis

  • Behandlung, Dauer, Heilungschancen
  • ▷︎ Was ist eine Gürtelrose?
  • ▷︎ Die Symptome der Gürtelrose
  • ▷︎ Bilder der Gürtelrose
  • ▷︎ Was tun bei Verdacht auf Gürtelrose?
  • ▷︎ Wo am Körper tritt die Gürtelrose auf?
  • ▷︎ Spätfolgen der Gürtelrose
  • ▷︎ Wie wird die Gürtelrose behandelt?
  • ▷︎ Welcher Arzt behandelt die Gürtelrose?
  • Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie (PDF)
  • Antivirale Therapie des Zoster: Frühzeitige Behandlung entscheidend für den Therapieerfolg
    Wutzler, Peter; Gross, Gerd; Doerr, Hans Wilhelm, Dtsch Arztebl 2003; 100(13): A-858 / B-725 / C-678
  • Herpes Zoster – Empfehlungen der konsensbasierten Europäischen Leitlinie
    Ricardo Niklas Werner, Lisa Eisert, Alexander Nast, Dtsch med Wochenschr 2017; 142(20): 1508-1513 DOI: 10.1055/s-0043-114605
  • ICD-10: B02
  • Kategorie: Infektionskrankheiten
  • Typ: virale Infektionen
  • Erreger: Varizella-Zoster-Virus (VZV)
  • Synonyme: Gürtelrose, Wundrose, Herpes Zoster, Zoster, Kopfrose, Gesichtsrose
  • Englisch: Shingles
  • Im Artikel erwähnte Experten: Prof. Dr. Gerd Gross – Deutsche Dermatologischen Gesellschaft

Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Onlinemedien. Er engagiert sich ehrenamtlich in BOINC-Projekten zur Krebsforschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.

Gürtelrose: Herpes Zoster – gemein und gefährlich

Sie fühlen sich nicht wohl in Ihrer Haut, sind angeschlagen und mit Ihren Nerven am Ende. Ein dumpfer Schmerz meldet sich links in Ihrer Brust, er strahlt langsam aus und droht Sie zuzuschnüren. Ein paar Tage später blühen rote Flecken an Ihrer Brust auf, die sich zu einem Band oder Gürtel gruppieren. Spätestens jetzt ist klar: Sie haben eine Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt.

Schuld an dieser schmerzhaften Krankheit ist ein bestimmter Erreger, das sogenannte Varicella-Zoster-Virus (VZV). Stecken Sie sich das erste damit Mal an, bekommen Sie Windpocken. Das geschieht meist in der Kindheit. Haben Sie die Krankheit überstanden, sind Sie zwar ein Leben lang vor Windpocken geschützt. Aber Sie können sich ein zweites Mal mit dem Erreger infizieren und eine Nervenentzündung bekommen – eben die berüchtigte Gürtelrose.

Die Viren tricksen das Immunsystem aus

Dass Ihr Immunsystem die Varicella-Zoster-Viren nicht aus Ihrem Körper verbannen kann, liegt an einem ganz gemeinen Trick: Während die Windpocken wüten, nistet sich das Virus in den Nervenknoten ein, die in der Nähe des Rückenmarks liegen. In diesen sogenannten sensorischen Ganglien schlummern die Erreger dann ein Leben lang. Normalerweise hält Ihr Immunsystem sie in Schach.

Ist die Körperabwehr aber geschwächt, weil Sie zum Beispiel zu viel Stress haben, starke Medikamente nehmen müssen oder gar an einer Immunschwäche wie Aids leiden, können die Viren wieder aktiv werden und eine Gürtelrose auslösen. Die Erreger vermehren sich dann wie wild und dringen in die Nervenzellen ein. Diese entzünden sich, und Sie verspüren dort Schmerzen. Dann wandern die Viren weiter in die Haut, wo sie großen Schaden anrichten: Sie sehen rote Flecken, die sich später in Bläschen verwandeln.

Patienten dürfen die Bläschen in keinem Fall aufkratzen: Die Flüssigkeit darin ist hochansteckend und außerdem können sich so Narben bilden. Eine Gürtelrose ist ansteckend, bis der Ausschlag komplett abgeheilt ist. Meiden Sie daher Körperkontakt zu anderen Menschen – vor allem zu Schwangeren, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und solchen, die nicht vor Windpocken geschützt sind.

Herpes zoster bekommen meist Ältere

Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland rund 400.000 Menschen an Gürtelrose, viele Betroffene sind älter als 60 Jahre. Die Viruskrankheit kann Sie aber trotzdem in jedem Alter treffen. Da die Windpockenerreger die Gürtelrose auslösen, sollten Sie auf sich und Ihre Familie Acht geben – wer die Kinderkrankheit noch nicht hatte, kann sich jetzt ganz schnell infizieren und bekommt dann Windpocken.

Bei der Hälfte der Schmerzgeplagten tritt die Gürtelrose am Rumpf auf, bei jedem Fünften am Kopf. Sie kann aber überall ausbrechen – an den Armen, am Hals, im Innenohr oder im Auge. Im Sehorgan können die Zoster-Viren die Binde- und Hornhaut so stark schädigen, dass Sie unter Umständen erblinden.

Symptome und Krankheitsbild

Plötzlich geht es los: Sie spüren einen brennenden Schmerz, meist in Ihrer Brust oder unter Ihren Rippen. Manchmal kribbelt oder juckt es auch nur. Den Schmerz fühlen Sie nur auf einer Körperseite, aber er strahlt langsam aus. Denn die Viren wandern nach und nach die Nervenbahnen entlang und entzünden dort die Zellen. Außerdem fühlen Sie sich angeschlagen und matt, als würden Sie gerade eine Grippe ausbrüten. Manchmal bekommen Sie dazu auch noch leichtes Fieber.

Nach drei bis fünf Tagen werden die Schmerzen immer stärker. Der Erreger erreicht jetzt die Zellen Ihrer Haut, und Sie entwickeln einen Ausschlag – und zwar dort, wo Sie das Brennen zuerst verspürt haben. Typisch für den Hautausschlag sind rote Flecken, die meist wie ein Band oder Gürtel angeordnet sind.

Innerhalb von ein bis zwei Tagen werden diese zu Bläschen, die eine wässerige oder blutige Flüssigkeit enthalten. Nach weiteren zwei bis vier Tagen wachsen die Bläschen zusammen. Sie enthalten den Windpockenerreger, der extrem ansteckend ist und sich leicht über die Luft und die Schleimhäute überträgt. Nach zwei bis vier Wochen sind die Bläschen meist abgeheilt.

Fast immer bricht die Gürtelrose nur einseitig aus. Ganz selten überschreitet sie die Körpermitte. Bloß in Einzelfällen treten die Bläschen an mehreren Stellen auf beiden Köperseiten auf. Warum die Gürtelrose diesem eigenwilligen Muster folgt, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass sich die Viren nach einer Windpockeninfektion in allen Nervenknoten des Rückenmarks und des Gehirns einnisten können.

Der Keim kann die Gesichtsnerven lähmen

Als wäre eine Gürtelrose allein nicht genug, können auch noch Komplikationen auftreten. Siedeln sich zum Beispiel Bakterien auf der verletzten Haut an, droht Ihnen eine sogenannte Superinfektion: Die Stelle entzündet sich zusätzlich, sie vernarbt, und Ihre Haut kann sich sogar dauerhaft verfärben.

Haben sich die Zosterbläschen auf Ihrer Stirn oder Ihrer Kopfhaut gebildet, kann der Erreger vorübergehend Ihre Gesichtsnerven lähmen. Ist das Virus in die Zellen Ihrer Augennerven gekrochen, zerstört es möglicherweise die Binde- und Hornhaut. Unter Umständen können Sie erblinden.

Die schmerzhafteste Folgekrankheit trifft vor allem Menschen, die über 50 Jahre alt sind: Sie leiden unter starken Nervenschmerzen, die länger dauern als die Gürtelrose selbst – meist vier Wochen, manchmal aber auch monate- oder gar jahrelang. Es kann auch passieren, dass die Dauerschmerzen erst vier Wochen später auftreten, nachdem die akuten Beschwerden abgeklungen sind. Ungefähr jeder siebte, der eine Gürtelrose überstanden hat, entwickelt diese sogenannte postherpetische Neuralgie.

Diagnose der Gürtelrose

Zeigt sich zum Beispiel auf Ihrem Rücken ein rotes Band mit kleinen Bläschen, erkennt Ihr Arzt die Krankheit meist auf den ersten Blick. Trotzdem wird er Sie fragen, an welchen weiteren Beschwerden Sie leiden und wann diese aufgetreten sind. Denn er möchte sicherstellen, dass er die Gürtelrose mit keiner anderen Krankheit verwechselt.

Ist die Gürtelrose in einem frühen Stadium und die Haut noch nicht gerötet, ist es allerdings schwierig, die Viruskrankheit eindeutig auszumachen. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Ärzte Fehldiagnosen stellen. Tut Ihnen zum Beispiel die Brust weh, liegt der Verdacht nahe, dass die Beschwerden vom Herz ausgehen.

In Ihrem Blut schwimmen Antikörper gegen die Viren

Es gibt verschiedene Labortests, um das Virus nachzuweisen. Üblich sind vor allem drei Methoden: Ihre Ärztin nimmt Ihnen Blut ab und schickt die Probe ins Labor. Dort bestimmen Laboranten die Anzahl der Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus, die sich in Ihrer Blutprobe finden lassen. Ist ihre Menge hoch, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie eine Gürtelrose haben: Ihr Immunsystem versucht gerade, den Erreger in Schach zu halten.

Ihre Ärztin kann aber auch einen Abstrich von Ihren frischen Bläschen machen, den Laboranten dann auf eine Zellkultur übertragen. Lassen sich darin die Viren heranzüchten, ist der Beweis erbracht: Sie haben eine Gürtelrose.

Mit dem dritten Verfahren können Spezialisten den Windpockenerreger direkt in einem Abstrich aufspüren. Dabei wenden sie die sogenannte PCR-Methode (Polymerase-Ketten-Reaktion) an, mit deren Hilfe sich kurze Schnipsel des Erbguts vervielfältigen lassen. Dadurch reichen selbst kleinste Mengen der Viren aus, um den Erreger nachzuweisen. Die PCR-Methode gilt heute als das sicherste Verfahren – sie erkennt die Krankheit zu 94 Prozent. Im Vergleich dazu ist es aufwendig und mühsam, die Viren in einer Zellkultur anzuzüchten. Laboranten gelingt das nur bei jedem fünften Abstrich von Herpes-Zoster-Bläschen.

Erkennt Ihr Hautarzt die Gürtelrose auf den ersten Blick, ist ein Labortest überflüssig. Ist Ihr Immunsystem aber geschwächt oder haben Sie starke Ekzeme auf der Haut, sind die Krankheitszeichen nicht eindeutig. Auch bei Schwangeren oder Neugeborenen, die noch an einer weiteren Viruskrankheit leiden, können sich uncharakteristische Symptome zeigen. In solchen Fällen sollte Ihr Arzt unbedingt einen Test machen, um alle Zweifel auszuräumen und seine Diagnose abzusichern.

Therapie

Bei jungen Menschen, die eine Gürtelrose am Rumpf, an den Händen oder Beinen haben, heilt die Viruskrankheit meist ohne größere Probleme aus. Eine Gürtelrose am Kopf kann allerdings in jedem Alter gefährlich werden.

Damit die wunde Hautstelle sich nicht weiter entzündet und weniger wehtut, wird Ihnen Ihre Ärztin ein paar Arzneien verordnen, die Sie auf die Haut auftragen können. Auch juckreizstillende Lotionen können helfen. Stehen Sie am Anfang der Krankheit, und der Hautausschlag bildet sich gerade erst, helfen feuchte Umschläge. Blühen die Bläschen schon, trocknet eine sogenannte Zinkoxid-Schüttelmixtur sie aus. Krustenlösende Mittel lassen die verletzte Haut schneller abheilen. Außerdem wird Ihnen Ihre Ärztin Schmerzmittel verschreiben, etwa Paracetamol.

Virushemmer lindern das Leid

Menschen ab dem 50. Lebensjahr trifft eine Gürtelrose manchmal doppelt schwer. Die Nervenschmerzen sind dann so heftig, dass es Sie wochenlang aus der Bahn wirft und Sie sich von kleinsten Kleinigkeiten überfordert fühlen. Ärzte sollten Ihnen dann virushemmende (antivirale) Mittel verschreiben. Denn diese sogenannten Virustatika verhindern, dass sich der Zostererreger in Ihrem Körper immer weiter vermehrt. Außerdem halten diese Medikamente auch die Schäden und Schmerzen in Grenzen, die das Virus in Ihren Nervenzellen anrichtet.

Aber auch in anderen Fällen sind Virustatika die Mittel der Wahl – ganz gleich, wie alt Sie sind: Wenn Sie zum Beispiel eine Gürtelrose an Ihrem Kopf oder Ihrem Hals haben, Ihr Immunsystem durch Aids geschwächt ist oder Sie unter schweren Ekzemen auf Ihrer Haut leiden.

Generell gilt: Es muss schnell gehen

Gehen Sie schon bei den kleinsten Anzeichen auf Gürtelrose zum Arzt. Warten Sie nicht ab, weil Sie sich nicht ganz sicher sind. Denn jeder Tag, den Sie verstreichen lassen, ist ein verlorener Tag für eine rechtzeitige Behandlung. Auch die Antivirusmittel sollten Sie so früh wie möglich nehmen. Am besten innerhalb von 24 bis 72 Stunden, nachdem die Bläschen aufgebrochen sind. Nur dann schlägt die Therapie gut an.

Am besten aufgehoben sind Sie im Krankenhaus, denn hier kann Ihnen der Arzt mehrmals täglich eine Infusion mit dem Virustatikum Aciclovir verabreichen. Außerdem sollte der Arzt täglich Ihre Haut kontrollieren – zumindest so lange noch Bläschen auftreten und die Gefahr besteht, dass sich die wunde Stelle weiter entzündet. Nach sieben Tagen ist die Behandlung meist abgeschlossen.

Ganz selten wird Ihr Arzt die Therapie noch nach 72 Stunden beginnen: Wenn Sie zum Beispiel an Aids leiden, wenn der Zostererreger auch Ihre inneren Organe, Ihr Ohr oder Auge entzündet hat.

Expertenrat

Hautärztin Mirjana Ziemer antwortet

Was macht es für Hautärzte so schwer, eine Gürtelrose zu identifizieren?

Zum einen kann man die Krankheit vor allem im frühen Stadium leicht verkennen, weil am Anfang oft noch keine Bläschen sichtbar sind. Besonders schwierig kann die Diagnose zu stellen sein, wenn ausschließlich die Mundschleimhaut, das Innenohr oder das Auge betroffen sind.

Woran merke ich, ob meine Augen betroffen sind oder nicht?

Eindeutig diagnostizieren kann das nur ein Augenarzt. Es gibt aber ein paar typische Hinweise. Zum Beispiel hat man neben starken Schmerzen ein Fremdkörpergefühl im Auge, weil bei einer Infektion die Hornhaut des Auges in der Regel mit betroffen ist. Zudem kommt es meist zu einer Lidschwellung. Erhärtet sich der Verdacht, sollten Sie oder Ihr Arzt unbedingt einen Augenarzt einschalten. Er kann mit Hilfe seiner Geräte eindeutig erkennen, ob die Augenstrukturen mit betroffen sind oder nicht.

Kann ich eine Gürtelrose in den Augen auch ambulant weiter behandeln lassen?

Nein, solche problematischen oder schweren Formen von Gürtelrose lassen sich nicht mehr gut ambulant behandeln. Unter anderem deshalb, weil die erforderlichen Medikamente intravenös und über mehrere Stunden verabreicht werden müssen. Das ist nur im Krankenhaus möglich.

Forschung

Forscher suchen schon seit längerem nach Impfstoffen gegen die Gürtelrose. Denn besonders die mitunter jahrelangen Nervenschmerzen können zermürben und Menschen recht lange arbeitsunfähig machen.

Einen Impfstoff gegen Herpes Zoster hat das einstige Pharma-Unternehmen und Joint-Venture Sanofi Pasteur MSD entwickelt. Seit 2016 gehen Sanofi Pasteur und MSD jedoch getrennte Wege. Eine groß angelegte Studie für die amerikanische Shingles Prevention Study Group zeigte damals: Die Impfung senkte das Risiko, dass eine Gürtelrose überhaupt ausbricht, um die Hälfte. Bei den Testpersonen, die trotzdem Herpes Zoster bekamen, waren die Beschwerden leichter; die Fälle von nachträglichen Nervenschmerzen gingen um zwei Drittel zurück. Der Untersuchung zufolge haben die Testpersonen die Impfung gut vertragen, bei zwei Prozent traten jedoch stärkere Nebenwirkungen auf.

Verblüffend: Den Impfstoff zu entwickeln, war gar nicht so schwierig. Schon seit Jahren gibt es einen Windpocken-Impfstoff für Kinder und Erwachsene, der lebende, abgeschwächte Erreger enthält. Diese Mittel haben die Forscher weiter entwickelt, indem sie die Konzentration der Impfviren um das 14-Fache erhöhten. Fachleute gehen davon aus, dass die Geimpften mindestens 48 Monate lange vor einer Gürtelrose geschützt sind.

Seit Ende 2013 ist der Impfstoff Zostavax in Deutschland verfügbar. Er eignet sich für Menschen ab 50 Jahren und senkt das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, um etwa die Hälfte. Außerdem reduziert er bei Geimpften das Risiko für schwere Nebenwirkungen durch eine Gürtelrose. Für immungeschwächte Menschen eignet sich der Impfstoff allerdings nicht. Auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gibt es derzeit nicht.

Windpocken: Das sollten Sie über die Krankheit wissen

Windpocken sind sehr ansteckend: Der Name verrät, dass die Erreger durch die Luft von Kind zu Kind wandern. Es sind Varicella-Zoster-Viren, die die Krankheit auslösen. Die Erreger suchen sich meist zwei- bis sechsjährige Kinder aus. Befallen sie deren Körper zum ersten Mal, bilden sich plötzlich überall auf Bauch und Rücken rote Flecken.

Innerhalb von Stunden werden aus diesen Flecken linsengroße Bläschen. Sie sind mit klarer Flüssigkeit gefüllt und umgeben von einem roten Saum. Sie jucken entsetzlich und platzen bei Berührung auf. Die Haut nässt. Allmählich breiten sich die Bläschen über Arme und Beine aus, wandern ins Gesicht und verteilen sich sogar auf Kopfhaut, Mundschleimhaut oder dem Genitalbereich. Meist hat das Kind anfangs leichtes Fieber.

Spielzeug kann ansteckend sein

Das Varicella-Virus überträgt sich nur von Mensch zu Mensch. Die Viren sind mikroskopisch klein, aber äußerst widerstandsfähig. Außerhalb des Körpers überleben sie bis zu zwei Tagen. Während dieser Zeit können sich viele Kinder anstecken. Berührt etwa ein gesundes Kind ein verseuchtes Spielzeug, kann es sich leicht infizieren. Mit noch größerer Wahrscheinlichkeit steckt es sich an, wenn es mit einem bereits infizierten Spielkameraden oder gar mit dessen nässenden Bläschen in Berührung kommt. Kinder mit Windpocken dürfen daher weder in den Kindergarten noch zur Schule gehen – so lange, bis die letzte Blase verschorft ist.

An die Auslöser der Windpocken, die Viren, kommt der Kinderarzt nicht heran. Die körpereigene Abwehr des Kindes wehrt sich aber von ganz allein gegen die Eindringlinge. Der Arzt kuriert nur den Ausschlag und den Juckreiz. In aller Regel hat das Immunsystem die Erreger etwa nach einer Woche unter Kontrolle. Die Pusteln heilen ab. Die Viren dagegen bleiben ein Leben lang im Körper. Doch vorbeugen ist besser als krank werden. Mediziner empfehlen daher eine Schutzimpfung.

Symptome

Ohne Vorboten bilden sich rote Flecken auf der Haut. Wie Pickel sprenkeln sie Bauch und Rücken des Kindes. Sie jucken fürchterlich. Allmählich werden die Windpocken größer und breiten sich über Gesicht, Kopf, Arme und Beine aus. Mitunter befallen sie sogar die Mundschleimhaut und/oder den Genitalbereich.

Angesteckt hat sich das Kind bereits zwei oder drei Wochen bevor die ersten Symptome auftreten. Jetzt bilden sich vor allem in den ersten fünf Tagen immer mehr dieser Papeln. Schon bei leichtem Druck platzen sie auf und nässen. Das Kind fiebert währenddessen leicht. Dann trocknen die ersten Bläschen ab und verkrusten. Nach etwa sieben bis zehn Tagen ist meist alles überstanden.

Schon vor dem Ausschlag sind Kinder ansteckend

Ansteckend sind Kinder mit Windpocken bereits etwa zwei Tage, bevor sie überhaupt Ausschlag bekommen. Ohne es zu wissen, übertragen sie die Viren auf andere, entweder durch Körperkontakt oder indem sie einen Gegenstand berühren. Die Erreger verbreiten sich auch in Windeseile in der Luft. In kleinsten Tröpfchen eingeschlossen, werden sie beim Husten oder Niesen weit durch die Luft geschleudert.

Die Pusteln auf der Haut heilen normalerweise problemlos. Gefährlich wird es nur, wenn Bakterien in die nässenden Stellen eindringen. Das geschieht vor allem, wenn das Kind sich kratzt. Die Haut entzündet sich dann großflächig. Daraus können große Abszesse entstehen, die hässliche Narben hinterlassen.

Bläschen gehen, Viren bleiben

Ist die Haut nicht mit Bakterien besiedelt, trocknen die Bläschen schnell und verschwinden. Die mikroskopisch winzigen Viren aber bleiben im Körper. Sie wandern die Nervenbahnen entlang und setzen sich in Schaltzellen der Nerven nahe dem Rückenmark fest, in den so genannten Spinalganglien. Dort warten sie auf günstige Bedingungen: auf Stress oder ein geschwächtes Immunsystem. Dann tauchen sie wieder auf – als schmerzhafte Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt.

Kinder mit Neurodermitis erkranken oft viel heftiger an Windpocken. Myriaden von Bläschen überziehen ihre Haut. Schlimmstenfalls ist die Haut vor lauter Ausschlag kaum noch zu sehen. In so einem Fall hinterlassen die Windpocken mit Sicherheit Narben.

Babys bekommen fast nie Windpocken. Sie sind geschützt durch die Antikörper – spezielle Elemente des Immunsystems – der Mutter. Hat diese jedoch nie Windpocken durchgemacht, kann es gefährlich werden. Erkrankt die Mutter einige Tage vor oder kurz nach der Geburt, fehlen dem Baby die schützenden Antikörper. Es kann sich anstecken und muss dann sofort gegen die Viren behandelt werden.

Kinder mit einem schwachen Immunsystem sind besonders schnell krank. So eine Schwächung ist angeboren, durch eine Krankheit erworben oder durch Medikamente bedingt. Leukämiekranke Kinder sind am stärksten gefährdet. Brechen bei ihnen Windpocken aus, müssen sie sofort behandelt werden. Die Infektion kann für sie sonst tödlich enden.

Diagnose

Dem Kinderarzt genügt ein Blick, um Windpocken zu erkennen. Wie Sterne am Nachthimmel verteilen sich die Bläschen auf der Haut. Daher nennen Mediziner dieses Krankheitsbild auch Heubner-Sternenkarte.

Will der Kinderarzt über die Blick-Diagnose hinaus ganz sicher gehen, öffnet er ein Bläschen, entnimmt Flüssigkeit und untersucht sie unter dem Mikroskop. Findet er Varicella-Viren, hat sich das Kind angesteckt.

Da die Diagnose bei Windpocken so leicht zu stellen ist, raten Mediziner von Bluttests ab. Schließlich ist es unangenehm und tut weh, wenn die Arzthelferin Blut abnimmt. Der Kinderarzt sollte das Blut daher nur dann untersuchen lassen, wenn die Diagnose zweifelhaft ist.

Bei Windpocken kann der Arzt nur die Symptome behandeln. Denn das Immunsystem des Kindes kann die Viren alleine bekämpfen. Hat das Kind die Krankheit überstanden, bekommt es zeit seines Lebens nie wieder Windpocken: Es ist immun.

Dennoch raten Fachleute, eine Ansteckung von vorneherein auszuschließen. Eine Impfung erspart Kindern eine schwere Infektionskrankheit. Außerdem: Je älter ein Mensch ist, umso heftiger verläuft die Krankheit. Jugendliche oder junge Erwachsene haben mitunter so viele Bläschen, dass ihre Haut kaum noch zu erkennen ist. Dazu gesellt sich tagelang Fieber.

Die ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Schutzimpfung gegen Windpocken für alle Kinder ab elf Monaten. Eine einzige Spritze mit abgeschwächten Viren genügt, um vor der Krankheit zu schützen. Dabei tauchen höchstens einige Tage nach der Impfung ein paar Bläschen auf der Haut auf; sie heilen schnell wieder ab.

Zinklotionen trocknen die Pusteln aus

Hat sich Ihr Kind angesteckt und leidet unter den Pusteln auf seiner Haut, können Sie mit zinkhaltigen Lotionen und farbigen Lösungen mit Gerbstoffen helfen. Diese trocknen die Blasen aus und verhindern, dass sich die nässende Stellen entzünden. Zugleich lindern sie den Juckreiz. Lässt der nicht nach, kommt zusätzlich ein so genanntes Antihistaminikum in Frage, es kann das Jucken stillen. Gegen das Fieber verschreibt der Arzt Schmerzmittel, beispielsweise Paracetamol. Haben sich die nässenden Papeln entzündet, weil Bakterien in ihnen nisten, empfiehlt er ein Antibiotikum. Dieses Medikament tötet die Bazillen ab.

Nur selten wird die Kinderärztin die Windpocken-Viren selbst bekämpfen: etwa, wenn sich Neugeborene bereits im Mutterleib mit den Keimen angesteckt haben oder wenn sich ein Kind ansteckt, das Leukämie hat. Dann hilft Aciclovir, dieses Mittel hält die Viren davon ab, sich weiter zu vermehren.

Tipps

Geben Sie Ihrem kranken Kind keine Tabletten mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Denn diese Substanz – in vielen Schmerz- und Fiebertabletten enthalten – kann in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen haben: Dann kann Ihr Kind das Reye-Syndrom bekommen.

Das Jucken ist vermutlich das Schlimmste an den Windpocken. Die Kinder kratzen sich rauf und runter. Das erleichtert zwar im ersten Moment. Aber sie reißen sich auch die Bläschen auf, und an diesen Stellen kann sich die Haut entzünden. Am Ende bleiben Narben. Helfen Sie Ihrem Kind, dem Juckreiz zu widerstehen:

  • Halten Sie die Fingernägel kurz, damit sich Ihr Kind weniger verletzt.
  • Lenken Sie Ihr Kind vom quälenden Juckreiz ab.
  • Erklären Sie geduldig, warum es so schlimm juckt.
  • Vertreiben Sie gemeinsam die Juckgespenster: Kinder können sich die Quälgeister lebhaft vorstellen.
  • Bieten Sie Kratz-Dummys an: Indem das Kind eine Puppe oder ein Stofftier kratzt, kann es in seiner Vorstellung den starken Juckreiz nach außen übertragen.
  • Ein Schlafanzug mit eingearbeiteten Hand- und Fußteilen kann verhindern, dass die Kinder sich nachts die Haut malträtieren.

Gerhard Gaedicke, Professor für Kinderheilkunde an der Berliner Charité, antwortet:

Wie sicher ist die Schutzimpfung gegen Windpocken?

Eine einzige Impfung schützt Ihr Kind sein ganzes Leben lang gegen Windpocken. Vor allem für Kinder mit geschwächter Immunabwehr können die Viren gefährlich werden. Die Impfung hilft. Der Impfstoff enthält abgeschwächte Viren. Gegen diese zieht die körpereigene Immunabwehr zu Felde. Der junge Körper bildet Antikörper, die die Erreger zeitlebens bekämpfen.

Wann kann ich meine Tochter wieder in die Schule schicken?

Solange die Windpocken wüten, muss das Kind daheim bleiben. Das Risiko, andere Kinder zu infizieren, ist zu groß. Erst wenn die letzte Pustel verheilt ist, sind die Viren unter Kontrolle, das Kind steckt niemanden mehr an. Erst dann darf es wieder in den Kindergarten oder in die Schule. Das dauert in der Regel eine Woche bis zehn Tage.

Zum Weiterlesen: Was ist bei einer Gürtelrose zu tun?

Windpocken (Varizellen): durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder betrifft und typischerweise in den Wintermonaten oder im Frühjahr ausbricht.

Windpocken sind so ansteckend, dass 90 % aller 10-Jährigen die Erkrankung durchgemacht haben. Sie hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Leitbeschwerden

Die Beschwerden scheinen zuzunehmen, je älter das Kind bei der Erkrankung ist.

  • Uncharakteristisches Vorstadium mit Müdigkeit und Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber (selten über 39 °C) für 3–5 Tage
  • Charakteristischer, unangenehm juckender Hautausschlag von Kopf und Rumpf ausgehend
  • Anfangs hellrote Knötchen, später flüssigkeitsgefüllte Bläschen
  • Nach einigen Tagen und für einige weitere Tage: immer wieder platzen Bläschen, trocknen aus und heilen ab.

Inkubationszeit. 11–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Von 1–2 Tagen vor Ausbruch des Ausschlages bis zum Eintrocknen der letzten Blase.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind Windpocken oder eine andere Krankheit hat.
  • Sie den starken Juckreiz bei Ihrem Kind selbst nicht in den Griff bekommen (siehe „Was Sie als Eltern tun können“).
  • sich die Haut stark entzündet (Sie bemerken dann zunehmende Schwellung, Rötung und Eiterung).
  • Ihr Kind unter 6 Monate alt ist.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt oder teilnahmslos wird, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
  • Hintergrund­informationen anzeigen

    Gesundheitsprobleme im Jugendalter

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Übertragung

Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es wird v. a. durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Husten, Niesen, Sprechen oder Schmusen.

Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Hauptsächlich verbreiten sich die Viren durch das Aufkratzen der Bläschen, oder wenn diese von selbst aufplatzen und der Gesunde mit der Bläschenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Es ist praktisch fast unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern: Ist ein Familienmitglied an Windpocken erkrankt, stecken sich 80–90 % der anderen Familienmitglieder an, sofern sie durch eine vorherige Infektion noch keine Antikörper gebildet haben.

Verlauf

Normalerweise ist der Verlauf der Windpockenerkrankung bei Kindern milde. Bei Kleinkindern, Erwachsenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem verläuft sie schwerer. Am stärksten sind Fieber und Krankheitsempfinden bei Erwachsenen ausgeprägt.

Der juckende Ausschlag beginnt meist am Rumpf und breitet sich auf den behaarten Kopf, das Gesicht und die Extremitäten aus. Die Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Der Ausschlag besteht zwischen 10 und mehr als 1000 einzelnen Blasen, da die einzelnen Blasen meist nach und nach entstehen. Während manche Blasen schon von Schorf bedeckt sind, sind andere noch mit Flüssigkeit gefüllt (sog. Sternenhimmel).

Diagnosesicherung

Die Diagnose „Windpocken“ ist eine Blickdiagnose, d. h. der Arzt erkennt die Erkrankung anhand des typischen Hautausschlages relativ eindeutig.

Da dieser anfangs Mückenstichen ähnelt, sollte man einen Tag warten und prüfen, ob die Anzahl der roten Flecken zugenommen hat. Windpocken unterscheiden sich von anderen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach und Röteln dadurch, dass bei diesen zwar auch rote Hautflecken, aber keine Bläschen zu sehen sind. Ergänzende Untersuchungen sind selten nötig.

Blutuntersuchung. Im Zweifelsfall wird der Arzt spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Erregernachweis. Aus dem Bläschensekret lässt sich das Virus durch PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion) schnell nachweisen, allerdings ist diese Methode nur in Einzelfällen notwendig, beispielsweise wenn bei einer werdenden Mutter die Geburt wegen einer Windpockenerkrankung künstlich ein paar Tage hinausgezögert oder eine besondere Therapie eingeleitet werden muss.

Für sonst gesunde Kleinkinder sind Windpocken nur selten gefährlich. Stecken sich ältere Kinder und Erwachsene mit Windpocken an, verläuft die Erkrankung oft mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und auch starkem Hautbefall.

Auch bei Kindern mit einer Neurodermitis kommen wegen der bereits vorgeschädigten Haut schwere Verläufe vor. Abwehrgeschwächte Kinder, z. B. Kinder mit einer Leukämie, können sogar lebensbedrohlich erkranken.

Narbenbildung. Manchmal entzünden sich die Bläschen, beispielsweise wenn ein Kind die Bläschen aufkratzt. Es bleiben dann kleine Narben zurück.

Lungenentzündung (Pneumonie). Diese ernste Komplikation kommt extrem selten vor und tritt etwa 3–5 Tage nach Krankheitsbeginn auf. Erwachsene sind von einer Lungenentzündung deutlich häufiger betroffen als Kinder.

Herz- und Nierenbeteiligung. Diese Komplikationen sind sehr selten.

Entzündung des Großhirns (Enzephalitis) oder Kleinhirns (Zerebellitis). Auch diese ernsten Komplikationen kommen extrem selten vor.

Varizellenembryopathie. Gerade Schwangere Frauen sollten kranke Kinder meiden, denn eine Infektion mit Windpocken bedeutet eine Gefahr für das ungeborene Kind. V. a. vor der 20. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko bei 1 %, dass es bei Ungeborenen zu Hirnschäden, Fehlbildungen der Gliedmaßen, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star (Katarakt) kommt. Ebenso besteht die Gefahr eines Schwangerschaftsabbruchs (Abort).

Neugeborenen-Varizellen. Junge Säuglinge erkranken in der Regel nicht an Windpocken, da sie durch die von der Mutter in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe (Antikörper) geschützt sind. Wenn eine bisher nicht an Windpocken erkrankte Mutter aber 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt, fehlt dem Neugeborenen dieser Nestschutz, und es erkrankt möglicherweise sehr schwer. Aus diesem Grund müssen sie noch vor Ausbruch der Bläschen mit Antikörpern und virenhemmenden Mitteln (Virostatika) behandelt werden.

Mögliche Folge: Gürtelrose

Wie bei allen Herpes-Viren besteht die Gefahr, dass auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung im Körper bleibt. Im Laufe des Lebens besteht die Möglichkeit, dass es reaktiviert wird und eine Gürtelrose (Herpes Zoster) verursacht.

Hiervon sind besonders Krebspatienten betroffen. Sie erkranken etwa doppelt bis 8-mal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.

Da beide Erkrankungen – Windpocken und Gürtelrose – vom gleichen Virus ausgelöst werden, ist es möglich, dass z. B. die an Gürtelrose erkrankte Großmutter ihren Enkel mit Windpocken ansteckt.

Behandlung

Bei sonst gesunden Kindern ist keine Therapie erforderlich.

Pharmakotherapie

Eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten (Aciclovir) ist nur notwendig, wenn die erkrankte Person über 20 Jahre alt ist, an einer Immunschwäche leidet, eine schwere Neurodermitis hat oder wenn Komplikationen auftreten.

Stört der Juckreiz sehr, verschreibt der Arzt Lotionen (z. B. Tannosynth® oder Anaesthesin®) oder in schweren Fällen Antihistaminika als Tropfen. Diese helfen gegen den Juckreiz und machen zudem etwas müde und sorgen damit für einen besseren Schlaf. Die Anwendung bietet sich deshalb für den Abend an.

Entzünden sich aufgekratzte Bläschen eitrig, verordnet der Arzt Antibiotika. Lokalanästhetika mit Polidocanol helfen ebenfalls gegen akuten Juckreiz, können aber zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen.

Der Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Isolation.

Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule solange nicht besuchen, bis sie fieberfrei sind und der Ausschlag trocken ist, d. h., bis die Blasen von Schorf bedeckt sind.

Zinklotionen.

Hauptproblem ist bei Windpocken meist der Juckreiz, der mit frei verkäuflichen Lotionen aus der Apotheke (z. B. Lotio alba) gelindert wird. Gleichzeitig trocknet die Lotion die Bläschen aus und verhindert, dass sich die nässenden Stellen entzünden.

Kleidung.

Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern.

Kühle Umschläge und Waschungen.

Auch kurz aufgelegte kühle Umschläge lindern den Juckreiz. Ebenso wirken kühle Waschungen oder ein kurzes Abbrausen mit kühlem Wasser. Auf Bäder sollte verzichtet werden, da die Bläschen im Bad aufweichen und dann leichter aufgekratzt werden (begünstigt die Narbenbildung).

Kühle Zimmertemperatur.

Das Zimmer sollte nicht zu warm temperiert sein, denn Wärme und Schwitzen verstärken den Juckreiz.

Windelwechsel.

Säuglinge und Kleinkinder sollten häufiger als sonst gewickelt werden, da das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert.

Hautpflege.

Kratzen sollte möglichst vermieden werden, um eine Hautinfektion zu verhindern. Um dies zu vermeiden, schneiden Sie am besten die Fingernägel des Kindes kurz. Evtl. helfen auch Handschuhe, damit sich Ihr Kind nicht kratzt.

Geeignete Medikamente

Bei Fieber empfehlen sich Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin

Homöopathie.

Klassische Mittel der Homöopathie bei Windpocken sind bei Fieber Belladonna D4 und Rhus toxicodendron.

Prävention

Aktive Impfung.

Die Impfung gegen Windpocken ab einem Alter von 11 Monaten gehört zu den empfohlenen Regelimpfungen. Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, vorzugsweise als Kombinationsimpfung (4-fach-Impfung) gegen Masern, Mumps und Röteln (MMRV).

Seit Juli 2012 wird empfohlen, die Erstimpfung nicht als 4-fach-Impfung zu verabreichen, sondern den Varizellen-Impfstoff simultan mit dem MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen zu impfen. Damit soll das leicht erhöhte Risiko für Fieberkrämpfe vermieden werden.

Viele Kinderärzte sehen die Impfung gegen Windpocken jedoch kritisch: Zu befürchten ist, dass natürliche Windpockeninfektionen immer seltener auftreten und sich dadurch Kinder, die nicht geimpft werden, erst spät anstecken, evtl. sogar erst im Erwachsenenalter oder in der Schwangerschaft. Der Verlauf der Krankheit ist dann schwerer, und es drohen eher Komplikationen.

Die STIKO gibt folgende Impfempfehlungen gegen Windpocken, aufgeteilt nach Lebensalter:

  • 11.–14. Lebensmonat: Erstimpfung erfolgt zeitgleich mit der 1. Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder frühestens 4 Wochen danach.
  • 15.–23. Lebensmonat: 4–6 Wochen nach der Erstimpfung wird die 2. Impfung durchgeführt, möglich auch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfstoff). Die Impfung wird nur dann verschoben, wenn eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.

Passive Impfung.

Neben den Aktivimpfungen, die auf die Ausbildung eines Abwehrgedächtnisses zielen, gibt es noch die Passivimpfungen (Passivimmunisierung). Dabei werden dem Körper direkt die fertigen Antikörper (Immunglobuline) gespritzt, die das Immunsystem des Spenderorganismus (Mensch oder Tier) zur Abwehr des Erregers produziert hat.

Während es bei der Aktivimpfung oft Monate dauert, bis der Impfschutz erreicht ist, greifen Passivimpfungen schon nach wenigen Stunden bis Tagen. Sie werden daher v. a. dann eingesetzt, wenn z. B. ein abwehrgeschwächtes, nicht geimpftes Kind oder eine Schwangere Kontakt zu einem Windpockenkranken hatte und nicht abgewartet werden darf, bis der Körper selbst ausreichend Antikörper gebildet hat.

Der Nachteil der Passivimpfung ist allerdings, dass sich die gespritzten Immunglobuline im Blut auch schnell wieder abbauen und der Impfschutz nicht länger als wenige Wochen anhält.

Autoren

Dr. med. Herbert Renz-Polster in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung der Sektionen „Beschreibung“, „Symptome und Beschwerden“, „Wann zum Kinderarzt“, „Die Erkrankung“, „Ihr Apotheker empfiehlt“, „Ärztliche Behandlung“ und „Prävention“: Dagmar Fernholz | zuletzt geändert am 07.10.2019 um 09:40 Uhr

Tipps gegen den juckenden Ausschlag

Windpocken — Symptome und Behandlung

Versuchen Sie in erster Linie Ihr Kind vom Juckreiz abzulenken – spielen Sie viel zusammen, lesen Sie vor, machen Sie zu Hause gemeinsame Tätigkeiten. Um zu verhindern, dass Ihr erkranktes Kind die Bläschen aufkratzt, schneiden Sie die Fingernägel Ihres Kindes kurz, denn durch das Aufkratzen kann es zu einer bakteriellen Hautinfektion und Hauteiterung kommen. Ganz selten kann es ebenfalls zu einer Gehirnhautentzündung kommen, bei der Kopfschmerzen, starkes Fieber, Erbrechen und ein steifer Nacken zum Vorschein kommen.

Meiden Sie den Kontakt mit der Sonne, solange sich die roten Flecke auf der Haut zeigen, die Sonneneinstrahlung führt an den betroffenen Stellen zu hässlichen, braunen Flecken. Gehen Sie Schwangeren aus dem Weg, denn der Virus ist gefährlich für das Ungeborene. Sollte sich Ihr Baby angesteckt haben, ziehen Sie Socken über die Hände, um ein Kratzen zu vermeiden. Auch Baden und Wadenwickel sind in der Zeit nur erlaubt, wenn sich schon Krusten gebildet haben, da sich die Bläschen sonst zu leicht infizieren. Ihr Kind benötigt in der Zeit weiche Unterwäsche, damit keine Reibung an den Pusteln entsteht. Handelt es sich um ein Neugeborenes, sollten die Windeln besonders oft gewechselt werden oder ganz wegbleiben, da sich der Virus dort besonders gern aufhält.

Ist die Mundschleimhaut ebenfalls von den roten Punkten betroffen, hilft eine schmerzlindernde und zugleich desinfizierende Mundspülung aus der Apotheke.

Das am besten bewährte Mittel gegen den Juckreiz ist das regelmäßige Betupfen der betroffenen Stellen. Als Tipp: Besonders gut hilft das rezeptfreie Arzneimittel Lotio alba aus der Apotheke.

Windpocken bei Erwachsenen: Ansteckung, Symptome, Behandlung

Fast jeder Mensch erkrankt in seinem Leben an Windpocken. Im Erwachsenenalter taucht die Erkrankung seltener auf, doch verläuft sie dann oft schwerer als bei Kindern. So können Sie sich vor einer Ansteckung schützen.

Windpocken (Varizellen) werden durch Varizella-Zoster-Viren ausgelöst und sind hoch ansteckend. Meist erkranken Kinder an Windpocken, doch auch Erwachsene können sich infizieren. Entweder durch eine Erstinfektion oder weil schlummernde Viren wieder aktiv werden. Dann kann die Erkrankung zum Gesundheitsrisiko werden.

Windpocken bei Kindern zeigen sich durch einen Hautausschlag mit kleinen juckenden und mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen sowie Fieber. Die Varizella-Zoster-Viren (VZV), die Windpocken verursachen, gehören zur Familie der Herpesviren. Sie sind nicht nur hoch ansteckend, sondern lassen sich auch nicht so leicht vertreiben. Nach überstandener Erkrankung verbleiben sie im Körper und können Jahre später wieder aktiv werden. Dann zeigen sie sich erneut als Hautausschlag: meist in Form der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster).

Was sind Windpocken?

Die Windpockenimpfung hat die Erkrankung in Deutschland reduziert, dennoch zählen Windpocken nach wie vor zu den häufigsten Kinderkrankheiten. Auch Erwachsene können Windpocken bekommen. Gürtelrose ist ebenfalls häufig: Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge erkrankt jeder fünfte Erwachsene im Laufe seines Lebens daran.

Bei der Gürtelrose zeigen sich die Bläschen meist gürtelförmig am Rumpf auf einer Körperseite. Seltener sind Hals und Kopf betroffen. Meist heilen die Bläschen nach zwei Wochen wieder ab, doch es können auch Komplikationen wie Gehirn- und Nervenentzündungen auftreten.

Windpocken-Ursachen: Wie werden Windpocken übertragen?

Windpockenviren sind hoch ansteckend und – wie der Name vermuten lässt – selbst über mehrere Meter hinweg über die Luft übertragbar. Meist gelangen die Erreger durch das Einatmen kleinster Speicheltröpfchen in die Atemwege. Laut BZgA führt fast jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Erkrankten zu einer Ansteckung. Ebenfalls hoch ansteckend ist die Flüssigkeit, die sich in den Bläschen des Hautausschlags befindet.

Gürtelrose wird über Schmierinfektion übertragen

Die Gürtelrose ist weniger ansteckend als Windpocken. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt, findet bei ihr keine Übertragung über Tröpfchen in der Atemluft statt, sondern über die Flüssigkeit der Gürtelrosebläschen. Der Hauptübertragungsweg bei der Gürtelrose ist daher die Schmierinfektion. Die Viren werden über die Hände weitergetragen und können auf Oberflächen wie Türgriffen, Wasserhähnen und Treppengeländern mehrere Tage überleben. Wer noch nicht an Windpocken erkrankt und auch nicht geimpft ist, kann sich mit Gürtelrose anstecken und eine Windpockeninfektion bekommen.

Windpocken in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind Windpocken ein großes Risiko für das Ungeborene. Es kann zu Fehlbildungen, neurologischen Krankheiten oder Augenschäden beim Kind kommen. Um den Geburtstermin herum kann eine Windpockeninfektion für das Neugeborene sogar lebensbedrohlich werden. Laut BZgA sterben 30 Prozent der Kinder. Von einer Gürtelroseerkrankung der Mutter geht hingegen keine Gefahr für das ungeborene Kind aus.

Windpocken-Symptome: Windpocken auf der Haut erkennen

Die Windpockenerkrankung beginnt langsam. Zunächst verspüren die Betroffenen über ein bis zwei Tage hinweg ein leichtes Krankheitsgefühl, das von Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Unwohlsein begleitet sein kann. Dann bilden sich die juckenden Bläschen und breiten sich über den gesamten Körper hinweg aus. Das Fieber steigt. Nach drei bis fünf Tagen heilen die Bläschen unter Krustenbildung ab. Kratzen kann den Heilungsverlauf verzögern und zu kleinen Narben führen.

Begleiterkrankungen von Windpocken

Schwere Windpockenverläufe sind vor allem bei Kindern, älteren Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zu finden. Neben bakteriellen Infektionen der Haut bricht schätzungsweise bei jedem fünften Erwachsenen eine Lungenentzündung als Begleiterkrankung der Windpocken aus. Sie zeigt sich meist drei bis fünf Tage nach Ausbruch der Windpocken. Der Verlauf kann schwer sein. Gefährlich ist die Lungenentzündung besonders für schwangere Frauen.

Weitere mögliche Begleiterkrankungen von Windpocken sind:

  • Herzmuskelentzündung
  • Hirnhautentzündung
  • Arthritis
  • Hepatitis
  • Blutungsneigung
  • Nierenentzündung

Windpocken: Wie lange ist man ansteckend?

Die Inkubationszeit von Windpocken beträgt zwischen einer und vier Wochen nach Ansteckung. Betroffene sind bereits ein bis zwei Tage vor Bildung des Hautausschlags ansteckend. Die Ansteckungsgefahr ist erst gebannt, wenn alle Bläschen verkrustet sind. Das gilt auch für die Gürtelrose.

Wie oft kann man Windpocken bekommen?

Wer eine Windpockenerkrankung überstanden hat, ist in der Regel immun – kann aber Jahre später an einer Gürtelrose erkranken.

So sieht die Therapie von Windpocken aus

Die beste Behandlung bei Windpocken ist Bettruhe, weil der gesamte Körper Ruhe braucht. Medikamente gegen Windpocken gibt es nicht. Es können lediglich die Symptome behandelt werden. Eine wichtige Rolle hierbei spielen juckreizlindernde Salben und Bäder, um Kratzen, Narbenbildung und bakteriellen Infektionen vorzubeugen. Da Windpocken durch Viren ausgelöst werden, sind Antibiotika wirkungslos. Antivirale Medikamente finden meist bei immungeschwächten Personen Anwendung.

Windpocken vorbeugen: Impfung als wichtigste Schutzmaßnahme

Die beste Vorbeugung stellt die Impfung dar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Kindern die Erstimpfung ab einem Alter von elf Monaten. Frauen, die schwanger werden möchten und noch nicht geimpft sind, wird ebenfalls zur Impfung geraten. Ebenfalls impfen lassen sollten sich Personen, die

  • im Gesundheitsdienst oder Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind,
  • ein geschwächtes Immunsystem haben,
  • vor einer immunsupressiven Therapie oder einer Organtransplantation stehen oder
  • starke Neurodermitis haben.

Aber: Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Dies ist aber eher selten und die Erkrankung verläuft dann meist milder.

  • Meldepflicht: Diese Kinderkrankheiten sind für Erwachsene gefährlich
  • Varizella-zoster-Virus: Wer sich gegen Gürtelrose impfen lassen sollte
  • Impfausweis: Acht Fragen und Antworten zum Dokument

So schützen Sie sich und andere

Wichtige Schutzmaßnahmen neben der Windpockenimpfung im Überblick:

  • Ist Ihr Kind an Windpocken erkrankt, informieren Sie die entsprechende Einrichtung und lassen Sie Ihr Kind zu Hause.
  • Meiden Sie als Erwachsener den Kontakt mit an Windpocken erkrankten Personen, wenn Sie selbst noch keine Windpocken hatten.
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände, um mögliche Viren, die Sie über Händeschütteln, Türgriffe und so weiter aufgenommen haben, abzuspülen.
  • Schwangere und abwehrgeschwächte Personen sollten sich mit einem Arzt in Verbindung setzen, wenn sie mit infizierten Personen Kontakt hatten. Dann ist die Gabe von Antikörpern möglich.
  • Nach Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person können Sie sich noch innerhalb von fünf Tagen impfen lassen. Dies kann den Ausbruch verhindern oder zumindest den Verlauf der Erkrankung abschwächen. Schwangere können sich jedoch nicht mehr impfen lassen.
  • Sind Sie selbst an Windpocken erkrankt, bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt mit noch nicht erkrankten Personen.
  • Rufen Sie vor einem Arztbesuch in der Praxis an und teilen Sie den Verdacht auf Windpocken mit.

Windpocken (Varizellen): Symptome, Impfung, Windpocken bei Erwachsenen

Letzte Änderung: 31.07.2019
Nächste Aktualisierung von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

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Windpocken (Varizellen) gelten als klassische Kinderkrankheit. Aber nicht nur Babys und Kinder, auch Erwachsene können sich anstecken. Typische Symptome sind leichtes Fieber sowie ein juckender Hautausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Gut zu wissen: Mit einer Impfung kann man Windpocken vorbeugen.

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  • Überblick
  • Ursachen
  • Symptome
  • Diagnose
  • Therapie
  • Verlauf
  • Vorbeugen
  • Quellen

Was sind Windpocken?
Windpocken sind eine hochansteckende Infektionskrankheit. Sie wird vom Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht, der zu den Herpesviren gehört.

Kinderkrankheit Windpocken

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Windpocken zählen zu den typischen Kinderkrankheiten. Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus.

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Charakteristisches Symptom ist der Hautausschlag – kleine, runde oder ovale rote Flecken, Hauterhebungen, Bläschen und Schorf, die sich über Rumpf, Gesicht, Arme und Beine ausbreiten. © Horst-Jürgen Schunk/OKAPIA

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Varizellen führen außerdem zu starkem Juckreiz am ganzen Körper.

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Als weitere Symptome treten Kopf- und Gliederschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl …

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… und leichtes Fieber auf.

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Windpocken sind hochansteckend – sie werden per Tröpfcheninfektion durch Husten oder Niesen …

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… oder durch direkten Kontakt mit dem ansteckenden Inhalt der Bläschen (Schmierinfektion) übertragen.

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Aber nicht nur Kinder erkranken – auch Erwachsene können sich noch mit Windpocken anstecken.

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Bei Erwachsenen kommen Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder eine Hirnhautentzündung im Zusammenhang mit Windpocken häufiger vor.

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Die Ansteckung mit Windpocken geht sehr schnell und einfach. Besonders der enge Kontakt mit Infizierten birgt ein Übertragungsrisiko (sog. face-to-face-Kontakt).

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Schon der gemeinsame Aufenthalt in einem Raum für eine Stunde kann ausreichen, um sich mit dem Varizella-Zoster-Virus zu infizieren.

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Für die Diagnose Windpocken reicht meist ein Blick auf den typischen Hautausschlag durch den Arzt. © Christian Grzimek/OKAPIA

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Das Varizella-Zoster-Virus verbleibt nach der Infektion in Nervenendigungen des Körpers und kann nach vielen Jahren eine Gürtelrose auslösen. © Lineair-Siegfried Kramer/Imagebroker/OKAPIA

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Verschiedene Maßnahmen mildern bei Windpocken die Beschwerden. Dazu gehören Bettruhe, …

© Jupiterimages/Design Pics

… luftige Kleidung, um den Juckreiz des Ausschlags nicht zu verstärken, …

© Okapia

… und Juckreiz stillende Mittel in Form von Medikamenten, Lotionen oder mit Kamillentee getränkten Tüchern. Zum Austrocknen der Windpocken-Pusteln eignet sich eine seit Langem bewährte Zinkschüttelmixtur. © Christian Grzimek/OKAPIA

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Durch die Zinkschüttelmixtur sehen die eigentlich roten Pocken weiß aus. © Christian Grzimek/OKAPIA

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Recht häufig infizieren sich aufgeplatzte oder aufgekratzte Varizellen-Bläschen mit Bakterien (sog. bakterielle Superinfektion) – dies kann Narben hinterlassen.

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Um das Aufkratzen zu verhindern, schneiden Sie ihrem Kind die Fingernägel kurz, wenn es an Windpocken erkrankt ist.

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Seit dem Jahr 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin eine Windpocken-Impfung generell für alle Kinder.

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Auch eine spätere Windpocken-Impfung ist jederzeit möglich und wird vor allem für ungeimpfte 9- bis 17-Jährige ohne vorherige Varizellen-Erkrankung empfohlen.

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Bekommt eine Schwangere Windpocken, überträgt sie in etwa einem Viertel der Fälle die Viren über den Mutterkuchen auf das Ungeborene. Eine Infektion im Mutterleib kann beim Kind zum fetalen Varizellensyndrom führen.

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Wenn Sie ein Kind planen, lassen Sie deshalb beim Arzt überprüfen, ob Sie Antikörper gegen das Varizellen-Virus haben.

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Frauen mit Kinderwunsch, die noch keine Windpocken hatten – also nicht gegen Varizellen immun sind – sollten einer Erkrankung in jedem Fall mit einer Impfung vorbeugen. Zur Bildergalerie Kinderkrankheiten

Häufigkeit

Bevor die Windpocken-Impfung offiziell von der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfohlen wurde, erkrankten pro Jahr in Deutschland etwa 750.000 Menschen an Windpocken. Seit Einführung der Impfung ist diese Zahl zurückgegangen. Der Großteil der Kinder macht die Erkrankung bis zum 15. Lebensjahr durch, wobei die meisten Fälle in der Gruppe der 2- bis 6-Jährigen auftreten. Die meisten Infektionen erfolgen im Winter und Frühjahr.

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Windpocken (Varizellen): Ursachen

Windpocken (Varizellen) werden durch Varizella-Zoster-Viren ausgelöst, die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden. Windpocken sind hochansteckend.

Ansteckung mit Windpocken

Mit Windpocken kann man sich vorwiegend auf zwei Wegen anstecken:

  1. Tröpfcheninfektion: z.B. durch Husten oder Niesen
  2. Schmierinfektion: direkter Kontakt zu dem ansteckenden Inhalt eines Bläschens

Besonders der enge Kontakt mit Infizierten führt schnell zu einer Übertragung der Viren. Trifft ein Mensch mit gesundem Abwehrsystem auf eine Person, die an Varizellen erkrankt ist, besteht in folgenden Situationen eine Ansteckungsgefahr:

  • gemeinsamer Aufenthalt in einem Raum für mindestens eine Stunde
  • sehr enger Kontakt (sog. face-to-face-Kontakt, engl. face für „Gesicht“)
  • Haushaltskontakt (z.B. innerhalb einer Familie)

Abwehrgeschwächte Menschen stecken sich noch schneller mit Windpocken an.

Auch eine Übertragung des Varizella-Zoster-Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind während der Schwangerschaft ist möglich, kommt jedoch nur sehr selten vor.

Die Inkubationszeit – also die Zeitspanne zwischen der Ansteckung mit Windpocken und den ersten Symptomen – liegt zwischen 8 und 28 Tagen nach dem Kontakt mit einer infizierten Person. Wer sich angesteckt hat, entwickelt im Schnitt nach etwa 2 Wochen erste Beschwerden oder Hautveränderungen.

Wie lange sind Windpocken ansteckend?

  • Eine mit Windpocken infizierte Person kann bereits etwa 24 bis 48 Stunden vor Ausbruch des Ausschlags (Exanthem) ansteckend sein, also noch während der Inkubationszeit.
  • Danach sind Windpocken etwa über die Dauer von 7 bis 10 Tagen nach Bildung der ersten Bläschen beziehungsweise etwa 5 bis 7 Tage nach Auftreten der letzten Hautveränderungen ansteckend.

Bis dahin sollte die erkrankte Person nicht in Kontakt mit anderen kommen – vor allem nicht mit Personen, die bisher keine Varizellen hatten oder abwehrgeschwächt sind.

Was haben Windpocken mit Gürtelrose zu tun?

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) gehört zur Gruppe der Herpesviren. Dieses Virus ist ebenfalls der Erreger der Gürtelrose (Herpes zoster), die eine Folgekrankheit der Windpocken darstellt.

Das geschieht folgendermaßen:

  1. Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus: Der Erreger breitet sich im Körper aus.
  2. Es entstehen Windpocken mit den typischen Symptomen.
  3. Der Erreger lagert sich an Nervenansammlungen an und verbleibt dort „schlafend“ (latent) lebenslang im Körper.
  4. Unter bestimmten Umständen wird der Erreger reaktiviert.
  5. Es entsteht eine Gürtelrose.

Windpocken (Varizellen): Symptome

Windpocken (Varizellen) verursachen folgende Symptome:

  • allgemeines Krankheitsgefühl: Kopf- und Gliederschmerzen
  • leichtes Fieber (selten über 39°C)
  • typischer Hautausschlag (Exanthem): kleine, runde oder ovale, rote Flecken, Hauterhebungen, Bläschen und Schorf, die sich über Rumpf, Gesicht, Arme und Beine ausbreiten, aber auch die Schleimhäute (etwa des Mundes) und die behaarte Kopfhaut betreffen können – die Hautveränderungen treten in verschiedenen Stadien zur gleichen Zeit auf und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Aufgrund des Aussehens dieser Hautveränderungen sprechen Ärzte auch von einem „Sternenhimmel“.
  • starker Juckreiz am ganzen Körper

Die verschiedenen nebeneinander bestehenden Hautveränderungen (Flecken, Erhebungen, Bläschen, Schorf) bei Windpocken bezeichnen Mediziner auch als Sternenhimmel. Die Beschwerden bestehen etwa zehn Tage lang, bevor sie abklingen.

© Okapia Hautausschlag bei Windpocken. © Christian Grzimek/OKAPIA ×

Windpocken (Varizellen): Diagnose

Die Diagnose erfolgt bei Windpocken anhand des charakteristischen Hautausschlags. Dieses sogenannte Exanthem kann sich in roten Flecken, Hauterhebungen, Bläschen sowie Schorf äußern.

Es ist außerdem möglich, den Erreger der Varizellen, das Varizella-Zoster-Virus (VZV), direkt im Bläscheninhalt nachzuweisen. Ein Bluttest kann die Diagnose bestätigen: Bei einer Infektion mit Windpocken enthält das Blut des Betroffenen Virusbestandteile oder vom Körper gebildete Antikörper gegen das Virus.

Windpocken (Varizellen): Therapie

Erkrankt ein ansonsten gesundes Kind an Windpocken, verläuft die Erkrankung meist mild. Eine Therapie ist in diesem Fall nicht nötig, da die Varizellen mit der Zeit selbstständig abheilen. Um den Juckreiz zu verringern und Infektionen mit Bakterien zu vermeiden, die entstehen können, wenn das Kind die Bläschen aufkratzt oder aufschürft, können jedoch verschiedene Maßnahmen ergriffen werden:

  • Juckreiz stillende Mittel in Form von Medikamenten oder Lotionen
  • sorgfältige Hautpflege
  • luftige Kleidung, um den Juckreiz (wegen zu enger Kleidung) nicht zu verstärken
  • Bettruhe

Zum Austrocknen der Windpocken-Pusteln eignet sich zum Beispiel eine Zinkschüttelmixtur.

Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder anderen Risikofaktoren für einen schweren Verlauf der Erkrankung sollten in Rücksprache mit dem Arzt frühzeitig ein virenhemmendes Medikament, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Aciclovir, einnehmen. Dies tötet die vorhandenen Varizellen-Viren zwar nicht ab, verhindert aber deren Vermehrung.

© Okapia Auftragen einer Zinkschüttelmixtur. © Christian Grzimek/OKAPIA ×

Das können Sie selbst tun:

  • Die Bläschen nicht aufkratzen, da es sonst zu zusätzlichen, bakteriellen Infektionen (Sekundärinfektionen) kommen kann.
  • Kindern mit Windpocken sollten die Eltern daher die Fingernägel kurz schneiden.
  • Achtung! Bei Kleinkindern darf das Fieber nicht mit Medikamenten gesenkt werden, die den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) enthalten. Die Einnahme von ASS während einer Viruserkrankung kann zu einem schweren Krankheitsbild führen, dem sogenannten Reye-Syndrom (mit Erbrechen, Verwirrtheit, Krampfanfällen bis zum Koma). Auch Ibuprofen ist für Kinder mit Windpocken nicht geeignet. Falls nötig, sollte man Fieber- und Kopfschmerzmittel ohne ASS verwenden. Geeignet sind etwa Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol.

Windpocken (Varizellen): Verlauf

In den meisten Fällen haben Windpocken (Varizellen) im Kindesalter einen komplikationslosen Verlauf und heilen folgenlos ab.

Recht häufig infizieren sich jedoch aufgeplatzte oder aufgekratzte Varizellen-Bläschen mit Bakterien (sog. bakterielle Superinfektion) – dies kann Narben hinterlassen. Treten die Windpocken erst bei Erwachsenen auf, ist der Verlauf häufig schwerer als bei Kindern. Es bilden sich oft mehr Bläschen und Komplikationen sind häufiger.

Kann man mehrfach Windpocken bekommen?

  • Wer einmal an Windpocken erkrankt ist, hat in der Regel eine lebenslange Immunität, das heißt, dass man in den meisten Fällen nur einmal im Leben an Windpocken erkrankt.
  • Es gibt jedoch auch Beispiele, dass Menschen zweimal an Varizellen erkrankten, etwa wenn die Ersterkrankung sehr früh oder relativ schwach aufgetreten war.
  • Unabhängig davon kann bei jedem, der die Windpocken hatte, im Laufe des Lebens als Zweiterkrankung eine Gürtelrose (Herpes zoster) auftreten.

© Jupiterimages/Brand X Pictures Windpocken jucken extrem unangenehm.

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Mögliche Komplikationen

In seltenen Fällen können bei Windpocken Komplikationen auftreten – sie betreffen häufiger Erwachsene, Schwangere und Säuglinge. Mögliche Komplikationen sind:

  • Lungenentzündung (Varizellen-Pneumonie)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)

Auch, wenn Windpocken als Kinderkrankheit gelten: Erwachsene können sich ebenfalls leicht anstecken:

  • Treten Windpocken bei Erwachsenen beziehungsweise älteren Personen auf, bilden sich meist mehr Varizellen-Bläschen als bei jüngeren Betroffenen.
  • Die Erkrankung nimmt bei Erwachsenen häufig einen schwereren Verlauf als bei Kindern.
  • Auch Komplikationen wie eine Lungenentzündung durch Varizellen (sog. Varizellen-Pneumonie) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) sind bei Erwachsenen häufiger. Daher muss bei ihnen besonders auf Komplikationen geachtet werden.

Eine Infektion mit Windpocken in der Schwangerschaft ist selten, da die meisten Menschen bereits in ihrer Kindheit eine Varizellen-Erkrankung durchmachen und daher als Erwachsene immun gegen das Virus sind.

Erkrankt eine Schwangere trotzdem an Windpocken, überträgt sie das Virus in nur etwa einem Viertel der Fälle über den Mutterkuchen auf das ungeborene Kind. Das Risiko, dass die Infektion das Kind schädigt (sog. fetales Varizellensyndrom), ist weitaus geringer als das Risiko einer Übertragung: Es beträgt bis zur 13. Schwangerschaftswoche (SSW) weniger als 1 Prozent, in der 13. bis 20. SSW 2 Prozent und liegt danach nahezu bei null, ausgenommen die Zeit um die Geburt. Prinzipiell sollten Schwangere, die nicht gegen Varizellen immun sind, den Kontakt mit infizierten Personen meiden.

Menschen, die nicht geimpft sind, oder die laut Labortests noch keine Windpocken-Erkrankung hatten, also keine Antikörper gegen das Varizellen-Virus besitzen, heißen in der Fachsprache „seronegativ“. Eine seronegative Schwangere, die Kontakt zu einem Varizellen-Erkrankten hatte, sollte möglichst schnell Antikörper bekommen (passive Immunisierung) – dies gilt für die gesamte Dauer der Schwangerschaft. Ziel ist es, sowohl der Mutter als auch dem Kind eine Erkrankung und mögliche Komplikationen zu ersparen.

Windpocken in der Schwangerschaft können besonders dann problematisch sein, wenn eine Frau in den letzten Tagen vor oder wenige Tage nach der Geburt erkrankt: Entwickelt eine werdende Mutter in einem Zeitraum von fünf Tagen vor bis zu zwei Tagen nach der Entbindung Symptome, besteht für das Neugeborene ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung. Das liegt daran, dass der kurze Zeitraum bis zur Geburt für die Mutter nicht reicht, um genug schützende Antikörper herzustellen und auf das Kind zu übertragen. So kommt das Neugeborene ohne jeglichen Schutz auf die Welt. Das unreife Abwehrsystem des Neugeborenen ist nicht in der Lage, die Varizellen ausreichend zu bekämpfen, sodass sie häufiger schwer und mit Komplikationen verlaufen.

In solchen Fällen ist für das Neugeborene eine passive Impfung mit Antikörpern besonders wichtig.

Vorbeugen per Windpocken-Impfung

Windpocken lassen sich gezielt mittels einer Varizellen-Impfung vorbeugen. Abgesehen von der Impfung ist es schwer, sich sicher zu schützen, da die Viren hoch infektiös sind. So sind Personen, die an Varizellen erkrankt sind, bereits ein bis zwei Tage ansteckend, bevor der Hautausschlag oder andere Symptome auftreten.

Prinzipiell hilft es, wenn Sie den Kontakt mit Infizierten meiden. Außerdem sollten Erkrankte möglichst zu Hause bleiben und nur Menschen treffen, die bereits an Windpocken erkrankt waren und daher immun sind, sich also nicht mehr anstecken können.

Frauen mit Kinderwunsch, die noch keine Windpocken hatten – also nicht gegen Varizellen immun sind – sollten einer Erkrankung in jedem Fall vorbeugen. Erkrankt eine Schwangere an Windpocken, kann sie die Viren über den Mutterkuchen auf das Ungeborene übertragen. Eine Infektion im Mutterleib kann beim Kind zum sogenannten fetalen Varizellensyndrom führen. Dieses tritt aber wesentlich seltener auf, als dass eine Übertragung der Viren auf das Kind stattfindet.

Für den Fall, dass eine Mutter fünf Tage vor oder bis zwei Tage nach der Geburt an Windpocken erkrankt, kann die sogenannte Immunprophylaxe schweren Verläufen einer Windpocken-Infektion beim Kind vorbeugen. Das Kind bekommt dann Antikörper vom Arzt gespritzt, welche die Viren bekämpfen sollen.

© Okapia Wer Windpocken hat, sollte zu Hause bleiben. © Horst-Jürgen Schunk/OKAPIA ×

Windpocken-Impfung (aktive Immunisierung)

Grundsätzlich soll die Windpocken-Impfung bewirken,

  • dass weniger Menschen an Windpocken erkranken,
  • dass weniger durch Windpocken ausgelöste Komplikationen auftreten und
  • dass weniger Säuglinge, Schwangere und Personen mit einem erhöhten Risiko für einen ungünstigen Verlauf erkranken.

Seit dem Jahr 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin die Windpocken-Impfung generell für alle Kinder – sie gehört zu den Standardimpfungen im sogenannten Impfkalender der STIKO. Seit Sommer 2009 setzt sich die Windpocken-Impfung aus zwei Einzelimpfungen zusammen (vorher nur eine):

  • 1. Impfung: im Alter von 11-14 Monaten (oft zusammen mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln, sog. MMRV-Impfung)
  • 2. Impfung: im Alter von 15-23 Monaten

Auch eine spätere Windpocken-Impfung ist jederzeit möglich und wird vor allem für ungeimpfte 9- bis 17-Jährige ohne vorherige Varizellen-Erkrankung empfohlen. Auch sie erhalten zwei Impfungen gegen Windpocken. Kinder und Jugendliche, die bisher nur eine Windpocken-Impfung erhalten haben, sollen eine zweite Impfung nachholen.

Darüber hinaus gilt die Empfehlung für weitere Personengruppen:

  1. Frauen mit Kinderwunsch, die keine Antikörper gegen das Varizellen-Virus haben (sog. seronegative Frauen)
  2. seronegative Menschen, denen eine Organverpflanzung (Transplantation) oder eine immunsuppressive Therapie (Behandlung, die das Abwehrsystem unterdrückt) bevorsteht
  3. unter bestimmen Umständen seronegative Menschen mit Blutkrebs (Leukämie)
  4. empfängliche Menschen, die an schwerer Neurodermitis leiden
  5. empfängliche Personen, die engen Kontakt zu Menschen mit einem geschwächten Immunsystem haben

Empfänglich bedeutet, dass entweder keine Windpocken-Impfung, keine bekannte Erkrankung an Windpocken in der Vorgeschichte oder – im Falle eines Bluttests – keine Antikörper gegen das Varizellen-Virus gefunden wurden. Dieser Begriff schließt also alle seronegativen Personen mit ein.

Darüber hinaus kommt die Windpocken-Impfung für seronegative Angehörige folgender Berufsgruppen infrage:

  • im Gesundheitsdienst Tätige, besonders in den Bereichen Kinderheilkunde (z.B. Säuglingsschwestern), Onkologie, Frauenheilkunde/Geburtshilfe, Intensivmedizin und bei der Betreuung von Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr
  • Personen, die einen Job in einer Gemeinschaftseinrichtung für das Vorschulalter beginnen

Alle Personen erhalten zwei Impfungen, die in einem gewissen Abstand (mind. vier bis sechs Wochen) erfolgen.

Darüber hinaus empfehlen Ärzte die Impfung gegen Windpocken für besonders gefährdete, empfängliche Personen sowie deren Kontaktpersonen.

Windpocken trotz Impfung?

Es kann vorkommen, dass Menschen trotz Imfpung an Windpocken erkranken. Dies kommt aber sehr selten vor. Dann verläuft die Erkrankung meistens in abgeschwächter Form und auch das Risiko für Komplikationen sinkt bei bestehender Impfung.

Vorbeugen mit Antikörpern

Wenn man keine Impfung gegen Die Vorbeugung mit Antikörpern (sog. passive Impfung, passive Immunisierung oder Immunprophylaxe) gegen Windpocken beziehungsweise gegen das Varizella-Zoster-Virus sollte innerhalb von 96 Stunden nach Kontakt zu einem Erkrankten erfolgen. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von „postexpositioneller“ Gabe. Sie kann den Ausbruch einer Erkrankung verhindern oder deutlich abschwächen.

Die Empfehlung gilt für Personen mit erhöhtem Risiko für Varizellen-Komplikationen, dazu zählen:

  • nicht geimpfte Schwangere ohne bekannte Windpocken-Erkrankung in der Vergangenheit bzw. bei der keine Antikörper im Blut vorhanden sind (sog. seronegative Frauen)
  • Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem mit unbekanntem oder fehlendem Schutz (Immunität) gegen Windpocken
  • Neugeborene, deren Mutter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Varizellen erkrankte.

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Windpocken (Varizellen)“:

  • Varizellen
  • Alles über Impfungen
  • Impfkalender für Kinder
  • Tauschen Sie sich im Forum Kinderkrankheiten mit anderen Eltern aus
  • Reye-Syndrom: Warum Acetylsalicylsäure (ASS) bei Kindern meist ungeeignet ist

Quellen:

Windpocken. Online-Informationen des Instituts Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 22.3.2017)

Schutzimpfung gegen Varizellen: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 16.2.2017)

Epidemiologisches Bulletin 34/2016: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Robert Koch-Institut, Berlin (August 2016)

Windpocken, Herpes zoster (Gürtelrose). Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 20.3.2016)

Hahn, H. et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2016

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 21.3.2015)

Epidemiologisches Bulletin 1/2013: Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Evaluation der Varizellen-Impfempfehlung durch die STIKO. Robert Koch-Institut, Berlin (7.1.2013)

Letzte inhaltliche Prüfung: 16.05.2017
Letzte Änderung: 31.07.2019

Gürtelrose: Ursachen und Risikofaktoren

Die Gürtelrose (Herpes Zoster) wird durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Der Erreger gehört zu den Herpesviren und ist sehr ansteckend. Er löst neben der Gürtelrose noch eine andere Krankheit aus: die Windpocken (Varizellen). Diese Kinderkrankheit tritt als Erstinfektion auf. Das heißt:

Infiziert sich jemand zum ersten Mal mit dem Varizella-Zoster-Virus, bekommt er die Windpocken. Nach Abheilen dieser Kinderkrankheit verbleiben die Viren im Körper. Sie ziehen sich in die sogenannten Spinalganglien zurück. Das sind Ansammlungen von Nervenzellkörpern entlang des Rückenmarks. Hier können die Viren lebenslang inaktiv „schlummern“.

Sie können aber auch wieder aktiv werden, und das auch noch Jahre oder Jahrzehnte nach der Windpocken-Erkrankung. Dann breiten sich die „aufgewachten“ Viren entlang von Nervenbahnen aus und sorgen auf ihrem Weg für eine Entzündung des betroffenen Nervengewebes. In dem betreffenden Hautbereich entwickelt sich als Reaktion der typische schmerzhafte Hautausschlag der Gürtelrose.

Mechanismus der Gürtelrose Bei Gürtelrose werden schlummernde Viren aktiv. Sie verursachen Bläschen und können zu Nervenschäden führen.

Ansteckungsgefahr & Infektionsweg

Das bedeutet, dass nur jene Menschen eine Gürtelrose bekommen können, die zuvor die Windpocken hatten. Das ist wichtig zu wissen, wenn es um die Gürtelrose-Ansteckungsgefahr geht. Denn letztlich ist die Infektiosität der Windpocken entscheidend, und die ist extrem hoch: Von 100 ansteckungsfähigen Menschen erkranken 90 an den Windpocken, wenn sie Kontakt mit einem Erkrankten hatten. Ansteckungsfähig ist man, wenn man die Kinderkrankheit noch nicht hatte und auch nicht dagegen geimpft ist.

Was bedeutet aber „Kontakt mit einem Erkrankten“? Im Falle der Windpocken bedeutet es, ein ansteckungsfähiger Mensch hält sich im Umkreis von mehreren Metern eines Erkrankten auf. Die Varizellen werden nämlich über eine sogenannte Tröpfcheninfektion weitergegeben. Das bedeutet, dass die Erreger über den Luftweg übertragen werden. Man muss einen Erkrankten also nicht einmal berühren, um sich anzustecken. Es genügt, die winzigen, virushaltigen Tröpfchen einzuatmen, die der Patient etwa beim Atmen oder Husten in der Umgebungsluft verbreitet.

Auf einem anderen Wege ist Gürtelrose ansteckend: Die Varicella-Zoster-Viren werden über den direkten Kontakt mit dem virushaltigen Inhalt der Hautbläschen übertragen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Gesunder den Ausschlag eines Patienten berührt. Auch beim Anfassen von Gegenständen, die der Patient vorher in seiner verunreinigten Hand hatte, können Viren übertragen werden (indirekter Kontakt). Der Betreffende bekommt dann die Windpocken, sofern er sie noch nicht hatte und auch nicht dagegen geimpft ist. Eine direkte Ansteckung mit Gürtelrose ist nicht möglich, da diese erst ausbrechen kann, wenn in Nervenzellen eingenistete Viren reaktiviert werden.

Viele Menschen bekommen keine Windpocken, weil sie gegen die Kinderkrankheit geimpft wurden. Sie können aber ebenfalls eine Gürtelrose entwickeln, wenn sie mit einem Lebendimpfstoff immunisiert wurden. Die Impfviren können sich dann in den Nervenzellen einnisten und später im Leben aktiv werden. Das passiert aber seltener als bei Menschen, welche die Windpocken durchgemacht haben. Zudem verläuft die Erkrankung dann milder. Meist zeigt sich die Gürtelrose dann in der Nähe der ursprünglichen Impfstelle.

Gürtelrose-Patienten sind ab dem Auftreten der Hautbläschen bis zu deren vollständigem Verkrusten ansteckend. Im Allgemeinen dauert dies fünf bis sieben Tage.

Zum Vergleich: Windpocken-Patienten sind schon ein bis zwei Tage vor Auftreten des Ausschlags ansteckend. Die Ansteckungsgefahr besteht bis zum Verkrusten der Hautbläschen. Auch hier dauert dies meist fünf bis sieben Tage nach Auftauchen der ersten Bläschen.

Was kann eine Gürtelrose auslösen?

Wie oben erklärt, können prinzipiell nur jene Menschen eine Gürtelrose bekommen, die zuvor schon die Windpocken hatten. Die in ihnen „schlummernden“ Varicella-Zoster-Viren werden normalerweise vom Immunsystem in einem inaktiven Zustand gehalten. Wird die Körperabwehr geschwächt, können die Erreger „aufwachen“ und eine Gürtelrose auslösen. Die Gründe für eine Immunschwäche und damit die Risikofaktoren für eine Gürtelrose sind vielfältig. Die wichtigsten sind:

  • großer Stress (auch seelische Belastung)
  • UV-Strahlung: In zu hohen Dosen kann UV-Strahlung eine Gürtelrose auslösen. So kommt es durchaus vor, dass der Herpes Zoster einem starken Sonnenbrand folgt.
  • andere Infekte, die dem Herpes Zoster vorausgehen: Sie können eine Gürtelrose begünstigen. Da reicht manchmal schon ein grippaler Infekt.
  • AIDS: Bei diesem durch das HI-Virus hervorgerufenen Syndrom werden bestimmte Zellen des Immunsystems zerstört (T-Zellen).
  • Krebserkrankungen: Diese schwächen oft das Immunsystem.
  • Chemotherapie: Die Medikamente, mit denen man Krebserkrankungen bekämpft, ziehen unter anderem auch die Abwehrzellen in Mitleidenschaft.
  • Medikamente, die das Abwehrsystem des Körpers dämpfen (sogenannte Immunsuppressiva): zum Beispiel TNF-Blocker im Rahmen einer Rheumatherapie.
  • angeborene Immundefekte: Hier sind von Geburt an bestimmte Komponenten der Körperabwehr reduziert oder fehlen ganz.

Dass die Gürtelrose meist erst in einem Alter ab 40 Jahren auftritt, hängt ebenfalls mit dem Immunsystem zusammen: Mit dem Alter wird die Körperabwehr weniger leistungsfähig. Eine Gürtelrose bei Kindern oder jungen Erwachsenen ist selten.

Gürtelrose: Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit ist die Zeitspanne zwischen der Ansteckung mit einem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Symptome. Im Falle der Gürtelrose gibt es aber keine Ansteckung: Der Krankheitserreger ist ja schon seit der Windpocken-Infektion im Körper eingenistet. Von einer Inkubationszeit kann man also nur bei den Windpocken sprechen. Sie beträgt hier in der Regel 14 bis 16 Tage.

Inwiefern kann eine Gürtelrose am Bein auftreten?

Die Gürtelrose ist eine besondere Form einer Virusinfektion, die mit Hautreaktionen einhergeht. Die Gürtelrose kann am Bein auftreten und zeigt normalerweise die typischen Symptome der Erkrankung. Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zuvor im Leben die Windpocken hervorruft und bei der Gürtelrose wieder aktiv wird.

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Infektion findet nur einmal im Leben statt

Herpes Zoster (so wird die Gürtelrose in der Fachsprache genannt) gehört zu den Viruserkrankungen, mit denen sich der Mensch nur einmal infiziert. Die Folge der Infektion sind zuerst Windpocken. Der Erreger bleibt nach durchgemachter Windpockenerkrankung ein Leben lang im Körper. Er befindet sich innerhalb von dem Knoten von Nerven (den Ganglien). Dort verhält er sich beim gesundheitlich stabilen Menschen aber „still“. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, wird das Virus erneut aktiv und die Erkrankung bricht aus. Es kommt zu einer Gürtelrose.

Anzeichen einer Gürtelrose am Bein

Die Gürtelrose am Bein wird häufig erst erkannt, wenn der typische Hautauschlag auftritt, wovon im Normalfall einer der Oberschenkel betroffen ist. Für gewöhnlich zeigt sich die Erkrankung nur an einem Segment des Oberschenkels. Die Rede ist hier von einem Dermatom. Es zeigt sich eine Rötung, gefolgt von Knötchenbildung, die zu Bläschen werden. Diese Bläschen können erbsengroß werden, sie jucken und sind schmerzhaft. Durch das Anschwellen platzen sie schließlich auf und es kommt zu einer Krustenbildung. Mit dem Aufplatzen lassen Juckreiz und der Schmerz für gewöhnlich nach.

Bei der Gürtelrose am Bein zeigt sich der typische streifenförmige Verlauf der Rötung. Die Form erklärt sich durch die Lage der Rückenmarksnerven und dem Verlauf ihrer Verzweigungen. Weil die Viren Nerven befallen, die aus dem Rückenmark ins Bein ziehen, besteht die Gefahr, dass die Gürtelrose mit einem Hexenschuss verwechselt wird. Die Schmerzen betreffen genau diesen Bereich. Bis zum Auftreten der Rotfärbung muss gegebenenfalls auch ein Bandscheibenvorfall ausgeschlossen werden.

Verschiedene allgemeine Symptome sind häufig

Bei der Gürtelrose am Bein bleibt es nicht bei den sichtbaren und lokal wahrnehmbaren Anzeichen. Weitere Anzeichen sind das Krankheitsgefühl und Fieber ist möglich. Außerdem sind die betroffenen Hautstellen druckempfindlich. Schon eng anliegende Kleidung kann dann schmerzhaft sein. Diese Empfindlichkeit stört auch den Schlaf, was wiederum die Erholung erschwert. Kribbeln und Jucken an den sichtbar betroffenen Stellen stören das Allgemeinbefinden erheblich.

Ist die Gürtelrose am Bein ansteckend?

Wer an einer Gürtelrose am Bein erkrankt, hatte zu einem früheren Zeitpunkt Windpocken. Die Gürtelrose ist immer eine erneute Aktivierung der Viren im Körper. Die Gürtelrose ist für andere Personen ansteckend, entsprechend gilt das für die Gürtelrose mit Hautreaktionen am Bein. Die Voraussetzung für eine Ansteckung ist aber, dass die Kontaktperson sich als Kind oder später noch nicht mit Windpocken infiziert hat. Nach einer Windpockeninfektion besteht kein Risiko einer Ansteckung für die Person, die mit dem Gürtelrose-Patienten in Kontakt kommt.

Entsprechend können sich sowohl Erwachsene ohne Immunität mit dem Virus anstecken als auch Kinder. Dieser Erstkontakt führt zu einer Windpockenerkrankung. Aus diesem Grund ist bei einer Gürtelrose vor allem beim Kontakt mit kleinen Kindern Vorsicht geboten. Die Viren werden von Patienten mit einer Gürtelrose per Schmierinfektion übertragen, und zwar über den Inhalt der aufgeplatzten Bläschen. Das sollten Betroffene berücksichtigen, wenn sich der Kontakt nicht vermeiden lässt. Das Risiko ist folglich erhöht, wenn die Personen in einem Haushalt leben.

Erhöhtes Risiko der Erkrankung

In Deutschland erkranken jedes Jahr zwischen 350. 000 und 400.000 Menschen an der Gürtelrose. Die meisten sind älter als 50 Jahre. Besonders gefährdet sind auch chronisch kranke Menschen mit geschwächter Abwehr. Dazu zählen vor allem HIV-positive Patienten, Krebskranke, Empfänger von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken sowie die Patienten, die regelmäßig Cortison erhalten.

Zur Diagnose

Der Arzt erkennt die Gürtelrose anhand der typischen Symptome. Treten die Hautreaktionen bereits auf, ist eine Fehldiagnose eher unwahrscheinlich. Eine Verwechslung mit Windpocken ist nicht ganz auszuschließen, da sich die Gürtelrose in seltenen Fällen ausbreiten kann. Im Normalfall treten die Hautreaktionen bei der Gürtelrose scharf abgegrenzt und lokal auf – zum Beispiel an einem Bein.

Heilung der Gürtelrose am Bein

Die Gürtelrose heilt von allein ab. In den meisten Fällen ist davon auszugehen, dass die Symptome nach 14 Tagen deutlich abklingen. Eine Behandlung kann über Virostatika erfolgen – Mittel wie Aciclovir oder Brivudin, die die Viren bekämpfen. Unterstützende Maßnahmen sind aber möglich, vor allem zur Schmerzbehandlung. Eine antibiotische Behandlung empfiehlt sich, wenn es auf der betroffenen Haut zu Sekundärinfektionen mit Bakterien kommt, die einen schweren Verlauf auslösen können. Schmerzmittel können notwendig werden. Die schmerzenden Hautstellen lassen sich außerdem durch Salbenverbände lindern, die zugleich die Entzündungen reduzieren.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen treten vor allem bei Patienten im höheren Lebensalter auf. In solchen Fällen kann es zur Ausbildung der Post-Zoster-Neuralgie kommen, die anhaltende Nervenschmerzen verursacht. Dies kann eine langwierige spezielle Behandlung erfordern. Außerdem kann sich am Narbengewebe nach einer Gürtelrose am Bein Taubheit einstellen oder eine besondere Empfindlichkeit. Bei einem äußerst schweren Verlauf der Gürtelrose kann die Haut schwarz werden und absterben. Eine solche Nekrose ist allerdings ausgesprochen selten.

Gürtelrose: Erste Anzeichen und Symptome

Erste Anzeichen

Die für die Gürtelrose typischen brennenden und bohrenden bis schneidenden Schmerzen, die auch Schwankungen in ihrer Stärke aufweisen, können sich bereits Tage vor der Bläschen-Bildung bemerkbar machen. Jucken und Berührungsüberempfindlichkeit im betroffenen Hautareal sind häufig auch vorhanden. Begleitend können Krankheitsgefühl, Fieber und Abgeschlagenheit auftreten.

Symptome bei Gürtelrose

Akute Hauterscheinungen

Im Bereich der schmerzenden Hautpartie entwickeln sich zeitgleich mit den ersten Schmerzen oder bis zu 7 Tage später rötliche Hautausschläge (Flecken, Papeln), die sich alsbald in flüssigkeitsgefüllte Bläschen umwandeln. Sie stehen typischer Weise in kleinen Gruppen zusammen.

Grundsätzlich kann die Herpes-zoster-Erkrankung jede Nervenwurzel befallen. Neben dem häufigsten Vorkommen am Rumpf sind Arme, Beine, Hals und Gesicht betroffen. Beim Befall des so genannten Nervus trigeminus (Trigeminusneuralgie) werden Auge, Nase, Stirn und die behaarte Kopfhaut einer Gesichtshälfte in Mitleidenschaft gezogen. Es kann dann zu einer Entzündung der Bindehaut (Conjunctiva) und der Hornhaut (Cornea) des Auges oder selten auch des Sehnervs mit Sehstörungen kommen. Ist der Gehörgang betroffen, spricht man von Zoster oticus, wobei eine Gesichtslähmung, Schwindel und Hörprobleme auftreten können. Tritt die Erkrankung im Gesichtsbereich auf, ist in jedem Fall ein therapeutisches Eingreifen sinnvoll.

Ansonsten heilt die Gürtelrose ähnlich wie die Windpocken bei einem normalen Verlauf nach 2-4 Wochen ab. Eine frühzeitige Behandlung ist allerdings in den meisten Fällen – vor allem bei Schmerzen – ratsam. Die flüssigkeitsgefüllten Bläschen dürfen wie bei Windpocken nicht aufgekratzt werden, damit keine bakteriellen Entzündungen auftreten und unter Umständen Narben zurückbleiben.

Die Gürtelrose kann auch in mehreren Hautarealen nebeneinander auftreten. In ganz seltenen Fällen kommt es neben der Gürtelrose auch zu Entzündungen der Hirnhäute und des Gehirns. Bei immungeschwächten Personen wie Krebs-Patienten, Aids-Patienten oder Organtransplantierten können sich die Viren unkontrolliert ausbreiten und lebensbedrohliche Verläufe verursachen, bei denen auch Organe wie das Gehirn, die Lunge und die Leber befallen sind. Die Gürtelrose kann bei diesen Patienten sogar am ganzen Körper auftreten, sie kann dann nicht von einer primären Windpockenerkrankung unterschieden werden.

Post-Zoster-Neuralgie (PZN)

Einige Menschen verspüren monatelang in dem bereits abgeheilten Hautbereich Schmerzen. Die Beschwerden rühren von einem Nervenschaden in dem peripheren Nerv her, der vorher von der Gürtelrose betroffen war. Vor allem ältere Patienten sind gefährdet, 50-75% der Betroffenen sind zwischen 60 und 70 Jahre alt.

Der Schmerz entwickelt häufig erst nach dem Abheilen der Bläschen größere Intensität und kann mit der Zeit schlimmer werden. Den Schmerz (griech.: „algos“) nach (lateinisch:„post“) Abklingen des Zosters bezeichnen Ärzte als Post-Zoster-Neuralgie (PZN).

Beim PZN-Schmerz unterscheiden Ärzte drei Formen:

  • einen brennenden, bohrenden Dauerschmerz
  • kurze, einschießende Schmerzattacken
  • heftigste Berührungsschmerzen. Die Schmerzen breiten sich häufig in benachbarte Hautregionen aus, die nicht von der Gürtelrose befallen waren.

Fast alle PZN-Patienten haben einen hohen Leidensdruck und sind verzweifelt. Ihre Schmerzen belasten meist sehr.

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