Wie steckt man sich mit windpocken an

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Windpocken

Wie lässt sich eine Ansteckung mit Windpocken vermeiden?

(PantherMedia / Anatoliy Samara) Windpocken sind sehr ansteckend. Wer noch keine Windpocken hatte und auch nicht geimpft ist, steckt sich beim Kontakt mit einem erkrankten Menschen fast immer an. Der wichtigste Schutz ist eine frühe Impfung und Vorsicht im Umgang mit Erkrankten.

Windpocken werden von Varizella-Zoster-Viren verursacht, die zu den Herpes-Viren gehören. Um das Risiko für eine Erkrankung zu verringern, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut die Schutzimpfung. Erkrankt man selbst oder jemand in der Familie, können einige Maßnahmen vor einer Ansteckung schützen.

Besonders wichtig ist es, dass Erkrankte den Kontakt mit Menschen vermeiden, die noch keine Windpocken hatten und bei denen sie einen schweren Verlauf nehmen können. Hierzu gehören vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Neugeborene und ungeschützte Erwachsene. In der Schwangerschaft können die Viren das Ungeborene schädigen, für Neugeborene können sie lebensbedrohlich sein. Ansonsten gilt: Eine Windpocken-Erkrankung ist zwar unangenehm, hat aber bei ansonsten gesunden Kindern nur selten ernste Folgen.

Wie lange sind Windpocken ansteckend und wie werden sie übertragen?

Wer an Windpocken erkrankt, ist schon 1 bis 2 Tage ansteckend, bevor der typische Hautausschlag zu sehen ist. Meist treten dann schon Kopf- und Gliederschmerzen auf. Es besteht Ansteckungsgefahr, bis die letzten Bläschen eingetrocknet und die Krusten abgefallen sind.

Übertragen werden Windpocken über winzige Speicheltröpfchen, die Erkrankte beim Atmen und Husten, Niesen oder Sprechen über die Luft verbreiten (Tröpfcheninfektion). Durch direkten Kontakt, über Gegenstände oder Kleidung können die Viren ebenfalls übertragen werden.

Was viele nicht wissen: Mit Windpocken anstecken kann man sich auch bei Menschen, die an Gürtelrose erkrankt sind. Sie können Varizella-Zoster-Viren durch direkten Kontakt (Schmierinfektion) übertragen. Eine Tröpfcheninfektion über die Luft ist hier aber nicht möglich. Die Gürtelrose ist eine Folgeerkrankung von Windpocken, die noch Jahrzehnte nach der Infektion auftreten kann.

Für wen wird eine Windpocken-Schutzimpfung empfohlen?

Seit August 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für alle Kinder die Windpocken-Schutzimpfung (Varizellen-Impfung). Die STIKO rät zu einer ersten Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten und zu einer zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten. Je nach verwendetem Präparat sollte zwischen den beiden Impfungen ein Mindestabstand von 4 bis 6 Wochen liegen. Der Impfstoff wird gespritzt. Die Windpocken-Impfung ist gleichzeitig mit der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) möglich. Es gibt aber auch einen Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV-Impfung).

Jugendlichen, Frauen mit Kinderwunsch und Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie einer starken Neurodermitis wird die Impfung ebenfalls empfohlen, wenn sie noch keine Windpocken hatten. Weitere Informationen zur Varizellen-Impfung und zu den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission bietet die Internetseite des Robert Koch-Instituts.

Wie bei anderen Impfungen kann es auch bei einer Windpocken-Impfung zu Nebenwirkungen kommen, wie etwa einer geröteten Einstichstelle oder leichtem Fieber. Sie klingen nach wenigen Tagen wieder ab.

Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Dies ist aber selten, und normalerweise verläuft die Krankheit dann milder. Auch das Risiko für Komplikationen ist geringer.

Was kann ich tun, wenn ich nicht geschützt bin und Kontakt mit Erkrankten hatte?

Wer noch keine Windpocken hatte und auch nicht geimpft ist, kann die Impfung nach Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person innerhalb von fünf Tagen nachholen. Studien mit insgesamt 110 gesunden Kindern, deren Geschwister an Windpocken erkrankt waren, zeigten:

  • Ohne Impfung: Etwa 78 von 100 gesunden Geschwistern, die nach Kontakt nicht geimpft wurden, erkrankten an Windpocken.
  • Mit Impfung: Etwa 23 von 100 gesunden Geschwistern, die nach Kontakt geimpft wurden, erkrankten an Windpocken.

Die nachträgliche Impfung bewahrte also 55 von 100 Kindern vor den Windpocken. Bei den geimpften Kindern, die dennoch erkrankten, verlief die Erkrankung meist milder als bei den nicht geimpften Kindern.

Während einer Schwangerschaft kann sich eine Frau nicht gegen Windpocken impfen lassen. Eine Schwangere, die weder geimpft noch immun ist und Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person hatte, sollte rasch zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Es besteht die Möglichkeit, sich innerhalb von vier Tagen nach dem Kontakt speziell gegen das Virus gerichtete Antikörper verabreichen zu lassen. Diese passive Immunisierung kann den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder zumindest ihren Verlauf abschwächen. Sie ist auch bei Neugeborenen möglich, deren Mutter in den Tagen um die Geburt herum an Windpocken erkrankt ist. Durch die passive Immunisierung wird versucht, das Kind vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen.

Wie lässt sich im Alltag eine Ansteckung verhindern?

Wenn ein Familienmitglied an Windpocken erkrankt ist, können einige Vorsichtsmaßnahmen helfen, das Risiko für eine Ansteckung zu verringern:

  • Bei Verdacht auf Windpocken zunächst in der Arztpraxis anrufen, den Verdacht mitteilen und fragen, wie man sich in der Praxis am besten verhält. Meistens wird man in ein separates Wartezimmer geführt, um andere nicht anzustecken. Vielleicht ist auch ein Hausbesuch möglich.
  • Den Kontakt von Erkrankten mit Personen, die noch keine Windpocken hatten, möglichst vermeiden. Dazu gehört, sich nicht längere Zeit gemeinsam in einem Zimmer aufzuhalten, da Windpocken auch über die Luft übertragen werden können.
  • Erkrankte Kinder dürfen weder den Kindergarten noch die Schule besuchen. Während einer Windpocken-Erkrankung sollten sie auch nicht mit anderen Kindern spielen.
  • Ein Aufkratzen der Bläschen möglichst vermeiden, da die Bläschenflüssigkeit ansteckend ist. Es kann hilfreich sein, Kindern die Fingernägel kurz zu schneiden und Babys und Kleinkindern Baumwoll-Fäustlinge anzuziehen.

Quellen

Macartney K, Heywood A, McIntyre P. Vaccines for post-exposure prophylaxis against varicella (chickenpox) in children and adults. Cochrane Database Syst Rev 2014; (6): CD001833.

Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber: Varizellen (Windpocken), Herpes zoster (Gürtelrose). 13.12.2018.

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Schlagwörter: B01, B02, Gürtelrose, Immunsystem und Infektionen, Kind und Familie, L29, Varizellen, Windpocken, Z23, Z24, Z25, Z26 Aktualisiert am 6. November 2019 6. November 2019
Erstellt am 30. Juni 2014
Nächste geplante Aktualisierung: 2022
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Über die Autoren und das Institut

Windpocken: Ansteckung

Verantwortlich für eine Windpocken-Infektion sind Varizella-Zoster-Viren. Das sind hochansteckende Herpesviren, die ausschließlich beim Menschen vorkommen. Die Gefahr einer Windpocken-Ansteckung ist in den Winter- und Frühlingsmonaten besonders groß. In dieser Zeit häufen sich deshalb die Varizellen-Infektionen.

Übertragen werden die Erreger meist durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion:

  • Bei einer Tröpfcheninfektion gelangen winzige, virushaltige Speicheltröpfchen von Infizierten durch Ausatmen, Sprechen, Niesen oder Husten in die Umgebungsluft und werden dann von Gesunden eingeatmet.
  • Die Schmierinfektion erfolgt durch direkten Kontakt mit der virushaltigen Flüssigkeit aus den charakteristischen Hautbläschen der Patienten – etwa wenn man den Erkrankten mit der Hand berührt und sich dann unbewusst an den Mund oder die Nase greift. Sobald die Viren auf Schleimhäute gelangen, können sie leicht ins Innere des Körpers eindringen.

Schon ein bis zwei Tage, bevor der typische Hautausschlag sichtbar wird, besteht Ansteckungsgefahr! Sie endet erst, wenn alle Bläschen verkrustet sind. Das ist in der Regel fünf bis sieben Tage nach dem Auftauchen der ersten Bläschen der Fall.

Ganz selten werden Varizellen von einer Schwangeren auf das ungeborene Kind über den Mutterkuchen (Plazenta) übertragen. Eine solche Windpocken-Infektion im Mutterleib kann zum sogenannten fetalen Varizellensyndrom führen. Ebenfalls möglich ist eine Windpocken-Infektion bei Neugeborenen, wenn die Mutter selbst kurz vor oder nach der Geburt an Varizellen erkrankt ist.

Eine Ansteckungsquelle stellen auch Gürtelrose-Patienten dar: Gürtelrose ist die Zweiterkrankung, die Varizellen-Viren auslösen können – auch noch Jahre nach der durchlebten Windpocken-Infektion. Patienten können die Erreger ab dem Auftreten des Hautausschlags bis zum vollständigen Verkrusten der Bläschen (meist fünf bis sieben Tage nach Beginn des Ausschlags) an Gesunde weitergeben. Wenn diese nicht gegen Varizellen geimpft sind und noch keine Windpocken hatten, können sie in der Folge erkranken – an Windpocken, nicht an Gürtelrose. Allerdings sind Gürtelrose-Patienten weniger ansteckend als Windpocken-Patienten.

Windpocken: Inkubationszeit

Windpocken können sich 8 bis 28 Tage nach der Ansteckung mit ersten Symptomen bemerkbar machen. Im Durchschnitt beträgt diese Inkubationszeit 14 bis 16 Tage. Die Krankheit bricht aber nur aus, wenn man noch nie die Windpocken hatte und nicht dagegen geimpft ist. Nach einer durchlebten Infektion ist man lebenslang immun gegen die Windpocken-Viren.

  • Windpocken – „Jeder sollte sich impfen lassen!“

    Drei Fragen an

    Prof. Dr. Jörg Schelling,
    Facharzt für Allgemeinmedizin

  • Prof. Dr. Jörg Schelling

    Die Ansteckung mit Windpocken erfolgt in mehr als 90 Prozent der Fälle über die Luft. Man kann sich also nicht schützen. Nur eine Impfung hilft, wenn natürlich nicht zu 100 Prozent. Windpocken sind auch keine „harmlose Kinderkrankheit“. Oft bleiben gerade bei Kindern unschöne Narben durchs Kratzen zurück oder es kommt zu einer Superinfektion mit Bakterien. Und ich wünsche es auch keinem Erwachsenen, an Windpocken zu erkranken!

  • Prof. Dr. Jörg Schelling

    Komplikationen sind Gott sei Dank relativ selten. Am häufigsten dabei sind bakterielle Superinfektionen meist durch Staphylokokken, kleinhirnbedingte Koordinationsstörungen (Ataxie) oder die sogenannte Sepsis, also eine bakterielle körperweite Infektion. Schlimmstenfalls kann eine Windpockenerkrankung ohne Impfung aber auch tödlich enden, laut einer Schweizer Studie passiert das in einem von 100.000 Fällen.

  • Prof. Dr. Jörg Schelling

    Ja. Dringend empfehle ich eine Impfung aber für jedes Kind und für jeden Jugendlichen. Zudem für jede Frau im gebärfähigen Alter, die nicht immun ist. Gerade in der Schwangerschaft kann eine Windpockenerkrankung zu schwerwiegenden Folgen für die Schwangere und das ungeborene Kind führen. Im Zweifelsfall können Patienten über eine sogenannte Titer-Bestimmung beim Hausarzt abklären lassen, ob sie immun sind.

  • Prof. Dr. Jörg Schelling,
    Facharzt für Allgemeinmedizin

    Gründungsdirektor am Institut für Allgemeinmedizin der LMU München und Mitglied der bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Impfen. Als Impfexperte bildet er Hausärzte beim Impfen weiter.

Schutz vor Ansteckung

Wer noch keine Windpocken-Infektion durchgemacht hat und nicht dagegen geimpft ist, gilt als ungeschützt gegenüber den Windpocken-Viren. Die Ansteckungsgefahr ist dabei sehr groß: In neun von zehn Fällen erkranken Ungeschützte nach dem Kontakt mit Patienten ebenfalls an Windpocken. Ungeschützte sollten deshalb den Kontakt mit Erkrankten vermeiden. Besonders wenn im häuslichen Umfeld jemand an Varizellen erkrankt ist, sollte man möglichst Abstand halten und sich nicht längere Zeit im gleichen Raum mit dem Erkrankten aufhalten. Das gilt vor allem für Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Ansonsten sind im Allgemeinen keine speziellen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Manchmal ist in Absprache mit dem Arzt allerdings eine sogenannte postexpositionelle Impfung gegen Windpockensinnvoll: Sie kommt zum Beispiel für Schwangere, immungeschwächte Menschen und Neugeborene in Frage, die Kontakt mit Erkrankten hatten und sich dabei (möglicherweise) angesteckt haben. Mit „Kontakt“ ist hier zum Beispiel gemeint, dass die Betroffenen im gleichen Haushalt wie Erkrankte leben oder sich mindestens eine Stunde im gleichen Raum aufgehalten haben oder dem Patienten sehr nah gekommen sind („face-to-face“, engl. face = Gesicht). Sie können sich innerhalb von fünf Tagen nach einem solchen Kontakt oder bis zu drei Tage nach dem Auftreten des typischen Hautausschlags den aktiven Impfstoffe gegen Windpocken erhalten. Das kann einen Ausbruch der Erkrankung verhindern beziehungsweise ihren Verlauf abschwächen.

Statt der aktiven Impfung können als postexpositionelle Impfung auch fertige Antikörper gegen Varizellen verabreicht werden. Diese passive Impfung sollte möglichst innerhalb von drei Tagen (maximal bis zu zehn Tagen) nach der möglichen Ansteckung erfolgen.

Wenn Krankenhauspatienten die Windpocken haben, werden sie von anderen Patienten isoliert. Das soll eine Ausbreitung der Infektionskrankheit verhindern. Das gleiche Ziel verfolgt man bei einem Krankheitsausbruch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten: Alle, die an Windpocken erkrankt sind, müssen vorerst zu Hause bleiben. Die anderen erhalten manchmal vorsorglich eine Impfung gegen Varizellen, wenn sie ungeschützt sind (Riegelungsimpfung). Erkrankte dürfen erst nach einer Woche, wenn die Ansteckungsgefahr weitgehend gebannt ist, die Einrichtungen wieder besuchen. Ein ärztliches Attest ist dafür nicht nötig.

Windpocken sind meldepflichtig. Ärzte müssen die Namen von allen Patienten ans Gesundheitsamt weitergeben, bei denen der Verdacht auf Windpocken besteht oder die Erkrankung tatsächlich ausgebrochen ist. Auch der Tod druch Windpocken muss gemeldet werden.

Wie unsere Kinder als Oma und Opa aussehen, werden wir nie erfahren. So will es nun mal die Natur. Forscher der Universität Washington (USA) halten dagegen. Sie behaupten:

Unser Programm zeigt, wie euer Baby später aussieht!

Und das angeblich sehr zuverlässig. Bewiesen haben die Wissenschaftler das anhand von alten Baby-Fotos, indem der Morph mit dem inzwischen tatsächlich gealterten Gesicht verglichen wurde.

Die Software ist aber kein Spaß für neugierige Eltern, sondern sie hat einen handfesten Nutzen: Mit ihr kann die Polizei etwa das Gesicht lange verschwundener Kinder realistisch altern lassen. So lässt sich viel besser nach ihnen suchen als mit alten Babyfotos. Zwar lässt man seit langem Gesichter künstlich altern – aber nicht so zuverlässig wie mit diesem Programm.

Der Wandel der Fotos im Video (links das Ausgangsfoto, rechts die künstliche Alterung):

Wie die Software das macht?

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Im Grunde löst sie dazu eine Reihe von Rechenaufgaben. Und die sind ziemlich schwierig. Sie greift zu auf Baby- und Erwachsenen-Fotos aus dem Internet sowie auf zusätzliche Infos (wie jeweiliges Alter und Geschlecht).

Mit diesen Fotos vergleicht das Programm das Babyfoto, das künstlich altern soll. Es vergleicht die Anordnung einzelner Bildpunkte (Pixel) vergleichbarer Fotos und sagt dann die Veränderung des Babygesichts voraus.

Und das kann die Software ziemlich gut.

Das hat ein Versuch der Forscher bewiesen. Darin zeigten sie einer Testgruppe künstlich gealterte Baby-Fotos erwachsener Personen. Außerdem zeigten sie unverfälschte Fotos der Personen. Die Tester konnten die gemorphten Fotos der passenden Person zuordnen. Und zwar genau so gut wie die unbearbeiteten Bilder.

Die Morph-Fotos seien so glaubhaft, dass man sie nicht von echten Bildern unterscheiden könne, sagt der Mitentwickler Professor Steven Seitz im britischen „Telegraph“.

Und die Software hat noch einen Vorteil: Sie arbeitet sehr schnell. 30 Sekunden braucht sie für ein Foto. Kein Phantombild-Zeichner kann da mithalten.

Zum Ausprobieren für Neugierige ist sie (zumindest derzeit) zwar nicht verfügbar. Dafür gibt’s aber schon andere Möglichkeiten.

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Dein Kind auch nicht.

Über Toyah Diebel

Mir ist es sehr wichtig, immer selbst entscheiden zu können, welche Informationen ich von mir preisgeben möchte und welche nicht. Fast jeder kennt das Gefühl, ein Bild von sich selbst online zu sehen, das man nicht online sehen möchte. Egal, ob es mit oder ohne Absicht im Internet gelandet ist, dieses Bild dann wieder aus dem Internet raus zu bekommen, ist leichter gesagt als getan.

Woher wollen wir wissen, wer das Bild schon runtergeladen oder einfach Screenshots gemacht hat? Seitdem ich auf Instagram aktiv bin, sind mir relativ schnell Bilder aufgestoßen, bei denen abgebildete Personen definitiv nicht an der Entscheidung der Veröffentlichung beteiligt gewesen sind. Das gilt vor allem für Kinder.

Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto tiefer taucht man in die Abgründe des Internets ab. Von vermeintlich süßen, vollgekotzten Kindern bis hin zu geschminkten Babys in Strapsen mit eindeutig anzüglichen Kommentaren darunter gibt es scheinbar nichts, was nicht legal und für jedermann öffentlich verfügbar wäre.

Ich werfe nicht allen Eltern bewusstes, fahrlässiges Verhalten vor, aber genau das ist das Problem. Oft fehlt es an Medienkompetenz und Weitsicht, was achtlos gepostete Bilder der eigenen Kinder anrichten oder wozu sie missbraucht werden können. Getoppt wird das nur von Eltern, die ihre Kinder für ein paar Likes oder Euro inszenieren und vermarkten und das Ganze dann als großen Spaß fürs Kind verkaufen wollen. Es muss unbedingt mehr Bewusstsein und Sensibilität für das Thema entstehen.

Kontakt

Wilde Blattern (Windpocken)

Wilde Blattern (Windpocken, spitze Blattern, Schafblattern, Varizellen) werden durch das Varicella-Zoster-Virus verursacht. Sie sind verwandt mit dem Dreitagefieber und den ebenso Herpesvirus-bedingten Fieberblasen (Lippenherpes). Sie sind hochgradig ansteckend. 80 bis 90 Prozent aller Kinder stecken sich an, wenn sie Kontakt mit einem erkrankten Kind hatten – und oft schon, bevor dieses Kind die typischen Bläschen zeigt. Ein umfassender Schutz vor einer Ansteckung ist daher gar nicht möglich.

Wie verbreiten sich Windpocken?

Der Name „Windpocken“ erinnert daran, dass sie zu den „fliegenden Infektionen“ gehören, die sich auch auf dem Luftweg und nicht nur direkt von Körper zu Körper verbreiten können. Die Viren fliegen nicht nur durch offene Türen, sondern überwinden im Aufwind von Treppenhäusern und sogar an Hauswänden mühelos Entfernungen von zehn Metern. Deshalb ist es kaum zu verhindern, dass sich die ungeimpften Geschwister eines Windpockenkranken oder ungeimpfte Kinder in der Nachbarschaft oder in der KiTa anstecken.

Als Tröpfcheninfektion werden die Wilden Blattern vor allem durch Niesen, Husten, Sprechen übertragen. Andererseits können die Viren in der trockenen Raumluft nur etwa 10 Minuten überleben. Eine Übertragung nur über Kleidungsstücke von Erkrankten ist eher unwahrscheinlich.

Wie verlaufen die Wilden Blattern?

Bei Kindern im Vorschulalter verläuft die Erkrankung in der Regel mit milden Symptomen, mit wenig Juckreiz, relativ schnell und ohne Komplikationen. Nach zwei bis drei Tagen mit Fieber und Unwohlsein und mehr oder weniger starkem Juckreiz ist der Spuk nach fünf bis sieben Tagen meist vorbei.

Wie behandelt man ein Kind mit Windpocken?

Ein Arztbesuch ist bei Windpockenverdacht eigentlich nicht nötig. Sollten Sie aber aus irgendwelchen Gründen trotzdem ärztliche Hilfe brauchen, ist es wichtig, die Praxis bereits vorab über den Windpockenverdacht zu informieren. Das Kind wird dann in einem abgesonderten Bereich warten, damit es keine anderen kleinen Patienten ansteckt.

Ausser zur Fiebersenkung sind Medikamente zur Behandlung von Windpocken selten notwendig. Nur wenn das Kind sehr unter Juckreiz leidet und bei sehr schwerem Verlauf ist ein juckreizstillendes Medikament angebracht. Auch Hausmittel lindern den Juckreiz für einige Stunden. Kürzen Sie die Fingernägel Ihres Kindes, damit es die Bläschen nicht so leicht aufkratzen kann. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion der aufgekratzten Bläschen, kann der Kinderarzt, die Kinderärztin auch ein Antibiotikum verschreiben.

Welche Komplikationen können bei Windpocken auftreten?

Auch wenn sie meist glimpflich verlaufen, sind Windpocken nicht harmlos, da als Folge schwere Komplikationen auftreten können. Ein schwerer Verlauf ist bei Erwachsenen, bei Schwangeren (s.u.), Immungeschwächten, bei älteren Menschen und bei Menschen aus südlichen Ländern häufiger. Zu den möglichen Komplikationen gehören zum Beispiel bakterielle Infektionen: Die Kinder kratzen mit schmutzigen Fingernägeln die juckenden Bläschen auf und es kommt zu zusätzlichen Entzündungen durch Bakterien. Relativ häufig ist eine Lungenentzündung, seltener sind Störungen des zentralen Nervensystems wie eine Gehirnentzündung (Encephalitis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und ein Befall innerer Organe.

Gibt es einen Nestschutz?

Neugeborene und junge Säuglinge (bis etwa zum dritten Lebensmonat, bei gestillten Babys etwas länger) erkranken nur an wilden Blattern, wenn sie keinen Nestschutz mitbekommen haben – das heisst, wenn die Mutter bisher keine Windpocken durchgemacht hat oder sich so spät in der Schwangerschaft angesteckt hat, dass noch keine schützenden Antikörper entwickelt werden konnten. Da aber 95% der Frauen gegen Windpocken immun sind, ist das sehr selten der Fall.

Lebenslange Immunität – aber Grosi bekommt die Gürtelrose

Die Krankheit hinterlässt einen lebenslangen Schutz vor Windpocken. Allerdings ruht der Erreger nur in den Nervenzellen des Rückenmarks und kann Jahrzehnte später, oft bei einer Immunschwäche oder im Alter, wieder aktiv werden. Diese Zweiterkrankung an Windpocken, ein sogenanntes endogenes Rezidiv, nennt man Gürtelrose (Herpes Zoster). Sie ist für Nicht-Immune genauso ansteckend wie die Windpocken. Kinder können sich also ohne weiteres bei der Grosi mit der Gürtelrose anstecken!

Ab wann und wie lange sind die spitzen Blattern ansteckend?

Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen im Extremfall nur 8 Tage, aber höchstens 28 Tage. Der Durchschnitt liegt bei etwa 14 Tagen. Ansteckend ist ein Kind bereits einen Tag vor Ausbruch der Bläschen und bis zu deren Eintrocknen – in deutlich absteigender Intensität. Die Ansteckungsgefahr ist also am grössten zu Beginn der Erkrankung (auch wenn noch gar keine Bläschen zu sehen sind) und am kleinsten, wenn die ersten Tage vorbei sind. Hochinfektiös ist der Inhalt frischer, gerade aufgeplatzter Bläschen.

Die Krankheitsphase dauert zwischen fünf und maximal zehn Tage. Da die Kinder ab dem 7. Krankheitstag kaum noch ansteckend sind – auch wenn die letzte Kruste noch nicht abgefallen ist – kann das Kind wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. WICHTIG: Es sollten sich in derselben Einrichtung keine gefährdeten immungeschwächten Kinder befinden (z.B. nach Krebstherapie oder Organtransplantation). Die Eltern solcher Kinder (bei Schulkindern auch der Schularzt) müssen vom Personal informiert werden.

Schwangerschaft und Windpocken

Auch Schwangere, die nicht immun sind, sollten keinen direkten Kontakt haben. Denn wenn Frauen während der Schwangerschaft zum ersten Mal an Varizellen erkranken, weil sie sich bei einem erkrankten Kind oder einem Erwachsenen mit Gürtelrose (Herpes Zoster) angesteckt haben, ist der Verlauf wesentlich schwerwiegender als bei einer Infektion im Kindesalter und kann sogar eine Lungenentzündung zur Folge haben. Darüber hinaus kann eine Varizelleninfektion der Schwangeren in seltenen Fällen zu Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beim Kind führen. Gefährlich ist auch eine Ansteckung in der Spätschwangerschaft, bei der das Neugeborene sehr schwer erkranken kann.

Die Windpocken-Impfung

Die Impfung gegen Varizellen gehört in der Schweiz nicht zum Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder. Sie wird erst Jugendlichen von 11 bis 15 Jahren empfohlen, wenn die Windpocken noch nicht durchgemacht wurden. Eine Impfung ist auch sinnvoll bei chronisch Kranken mit geschwächtem Immunsystem und deren Angehörigen, dabei werden bereits Kinder ab neun Monaten geimpft. Kinder mit Neurodermitis, deren Haut besonders empfindlich ist und für die juckende Bläschen eine zusätzliche Qual bedeuten würden, sind ebenfalls Impfkandidaten. Für einen langfristigen Schutz wird die Impfung nach vier bis sechs Wochen wiederholt.

Häufige Fragen zum Thema

Wie erkenne ich, ob mein Kind die Windpocken hat?

Folgende Kriterien sprechen für eine Windpocken-Erkrankung (wilde Blattern):

  • Die Bläschen finden sich über den ganzen Körper verteilt, auch zwischen den Haaren.
  • Das Kind hat mehr als 30 typische Windpocken, d.h. dünnwandige Bläschen mit einem schmalen roten Hof, die schon bei ganz leichtem Fingerdruck…

vollständige Antwort lesen Unsere Grosse hat Windpocken. Wann brechen sie beim kleinen Bruder aus?

Dass der kleine Bruder auch Windpocken (wilde Blattern) bekommt, ist wahrscheinlich (80 – 90 % der Kinder stecken sich bei Erkrankten an), aber nicht sicher. Zudem verläuft die Erkrankung bei sehr jungen Kindern in der Regel mild, mit wenig Juckreiz, relativ schnell und ohne Komplikationen. Es kann…

vollständige Antwort lesen Wie lange besteht „Nestschutz“ gegen Krankheitserreger?

Gegen einige Krankheiten wird das Baby bereits im Mutterleib „geimpft“: Es enthält über das Blut der Mutter Abwehrstoffe, die es nach der Geburt noch mehrere Monate vor bestimmten Infektionen – hauptsächlich den „klassischen“ Kinderkrankheiten – schützen. Voraussetzung: Die Mutter hat die jeweilige…

vollständige Antwort lesen Unsere einjährige Tochter hat seit vier Tagen Windpocken, aber es geht ihr schon recht gut. Wann darf ich sie wieder in die Krippe geben?

Nach den Empfehlungen der Kantonsärztinnen und -ärzte in der Schweiz (VKS) gibt es keinen vernünftigen Grund, Kinder mit einer Infektionskrankheit wie Mumps, Röteln oder Windpocken vom Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippen, Kindergärten und Schulen auszuschliessen. Sie sollten aber…

vollständige Antwort lesen Wann kann ein Windpockenkind wieder in den Kindergarten gehen?

Nach den Empfehlungen der Kantonsärztinnen und -ärzte in der Schweiz (VKS) gibt es keinen vernünftigen Grund, Kinder mit einer Infektionskrankheit wie Mumps, Röteln oder Windpocken vom Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippen, Kindergärten und Schulen auszuschliessen. Sie sollten aber…

vollständige Antwort lesen Ich bin Kindergärtnerin und habe natürlich ständig mit kranken Kindern Kontakt. Worauf soll ich jetzt in der Schwangerschaft besonders aufpassen?

Wenn durch eine Blutuntersuchung (Antikörperbestimmung) festgestellt wird, dass Sie noch nicht immun sind gegen die in der Schwangerschaft gefährlichen Kinderkrankheiten Windpocken, Röteln, Zytomegalie und Ringelröteln (Parvovirus B19), ist der Kontakt mit Vorschulkindern für Sie gefährlich. Davor…

vollständige Antwort lesen Ich bin ganz frisch schwanger – und mein Sohn hat wilde Blattern bekommen. Gilt mein Schutz von der letzten Schwangerschaft (damals ein Titer von 1:1100) jetzt auch noch?

Da Sie damals einen hohen Antikörper-Titer hatten, sind Sie vor einer Windpockenerkrankung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit geschützt.

Zweitinfektionen mit dem Windpockenvirus führen dann praktisch ausnahmslos zu einer Gürtelrose (Herpes Zoster), die für das Ungeborene nicht gefährlich ist.

vollständige Antwort lesen Ich habe mich unglücklicherweise in der 10. SSW mit Windpocken angesteckt. Was kann man jetzt noch tun?

Wenn die Windpockenviren in der ersten Schwangerschaftshälfte tatsächlich auf Ihr ungeborenes Kind übergehen, kann das sehr schwere Schäden hervorrufen. Das ist aber sehr, sehr selten!

Um das sehr geringe Risiko auszuschliessen, empfehlen Fachleute sorgfältige Ultraschalluntersuchungen. Ausserdem…

vollständige Antwort lesen Sind Windpocken auch in den letzten Schwangerschaftswochen noch schädlich für mein Baby?

Ja, aber auf andere Art als in der ersten Schwangerschaftshälfte, in der es sehr selten zu angeborenen Fehlbildungen beim Kind kommen kann. Bei einer Erstinfektion der Schwangeren weniger als 5 Tage vor der Geburt kann das Neugeborene lebensbedrohlich an Windpocken erkranken. In solchen Fällen…

vollständige Antwort lesen Ist eine Gürtelrose in der Schwangerschaft gefährlich?

Gürtelrose (Herpes Zoster) nennt man die Zweitinfektion mit dem Windpockenvirus (Varizellen-Virus). Eine Gürtelrose kann man also nur bekommen, wenn man vorher schon Windpocken gehabt hat.

Wenn Sie während der Schwangerschaft an einer Gürtelrose erkranken, ist das zwar sehr schmerzhaft und…

vollständige Antwort lesen

Wissen

Impfung gegen wilde Blattern?

Forum

Windpocken-Thread

Newsticker

Windpocken-Impfung | 07.07.2019

Die Gürtelrose (Herpes Zoster) ist eine Zweitinfektion mit denselben Viren, die bei der Erstinfektion Windpocken (wilde Blattern) verursachen. Sie ist für Nicht-Immune genauso ansteckend wie die Windpocken – Kinder können sich also ohne weiteres beim Grosi mit Gürtelrose anstecken! Eine US-Studie von Daten aus den Jahren 2003 bis 2014 von mehr als 6,3 Millionen Kindern konnte jetzt zeigen, dass gegen Windpocken Geimpfte ein um 78 % niedrigeres Risiko für Herpes Zoster hatten als ungeimpfte Kinder, und es ist anzunehmen, dass ihnen dieser Schutz auch lebenslang bleiben wird. Bei Kindern kommt Gürtelrose nur selten vor, und die Symptome sind meist weniger stark als bei Erwachsenen, die in der Regel an sehr schmerzhaften, brennenden und blasigen Hautausschlägen leiden. Die Impfung gegen Varizellen gehört in der Schweiz NICHT zum Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder. Sie wird erst Jugendlichen von 11 bis 15 Jahren empfohlen, die noch keine Windpocken hatten, chronisch kranken Kindern mit geschwächtem Immunsystem und Kindern mit Neurodermitis.

Letzte Aktualisierung : 06-11-19, BH

Was sind Windpocken?

Windpocken oder Varicellen sind eine sehr ansteckende Krankheit, die von einem Herpes-Virus verursacht wird. Es gibt viele verschiedene Viren in der Herpes-Familie, aber eines haben sie alle gemeinsam: Nach der ersten Infektion können sie jahrelang im Körper „schlafen“ bis sie wieder ausbrechen. Die Zweitkrankheit, die ein erwachtes Windpocken-Virus auslöst, ist die Gürtelrose. Sie kommt zum Vorschein, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Wie sehen Windpocken aus?

Windpocken beginnen als rote Flecken auf der Haut. Sie entwickeln sich zu linsengroßen roten Erhebungen – dann sehen sie aus wie Mückenstiche. Nach und nach füllen sich die Erhebungen mit Flüssigkeit und sind dann wässrig gefüllte Bläschen. Sie beginnen meistens auf dem Rumpf und können sich sehr schnell über den ganzen Körper ausbreiten – selbst zwischen den Kopfhaaren. Nur Hände und Füße bleiben meist frei. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen auf und es bildet sich darauf eine Kruste. Ganz typisch ist der sogenannte „Sternenhimmel“, was bedeutet, dass Bläschen in unterschiedlichen Stadien auf der Haut zu sehen sind.

Wie verbreitet sich die Krankheit?

Wie der Name Windpocken bereits andeutet, handelt es sich um eine „fliegende Infektion“. Das Virus überträgt sich durch die Luft per Tröpfcheninfektion, also zum Beispiel durch Niesen und durch engen Körperkontakt. Die meisten Kinder bekommen Windpocken, wenn sie noch sehr jung sind. Üblicherweise verläuft die Krankheit ohne besondere Komplikationen, wogegen sie bei Teenagern und Erwachsenen in der Regel viel schwerwiegender ist. Die Inkubationszeit, gerechnet vom Einfangen des Virus bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt zwischen zwei und vier Wochen. Ansteckend ist das kranke Kind bereits zwei Tage bevor sich die ersten roten Flecken zeigen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem keine neuen Bläschen mehr auftreten, also etwa sechs Tage nach dem Auftreten des Ausschlages.

Sind Windpocken gefährlich für Schwangere?

Es ist wichtig, ein ansteckendes Kind von werdenden Müttern, die keine Windpocken hatten, fernzuhalten, denn das kann das ungeborene Baby gefährden. Besonders gefährlich sind Windpocken für Neugeborene, wenn die Mutter kurz vor der Entbindung Windpocken bekommt. Ganz kleine Babys ohne mütterliche Leihimmunität und Kinder, deren Immunsystem nicht auf Hochtouren arbeitet, sind ebenfalls gefährdet.

Wie krank wird sich mein Kind fühlen?

Manche Kinder werden erhöhte Temperatur haben, andere werden einfach nur ein wenig bleicher. Der Ausschlag beginnt mit kleinen roten Punkten, auf denen sich innerhalb weniger Stunden Bläschen bilden. Üblicherweise zeigen sich diese Bläschen erst im Gesicht und auf dem Rumpf, dann breiten sie sich weit verstreut über den ganzen Körper aus. Manchmal gibt es so viele Punkte, dass sie miteinander zu verschmelzen scheinen. Besonders schmerzhaft sind sie auf der Kopfhaut, im Mund und um die Scheide herum. Aber auch die anderen Bläschen jucken fürchterlich.

Kann man die Krankheit behandeln?

Paracetamol-Zäpfchen senken das Fieber und lindern die Schmerzen. Gegen das Jucken der Bläschen helfen beruhigende Hautlotionen, Gels und Puder oder eine Natron-Lösung. Dafür nehmen Sie gewöhnliches Backpulver und lösen Sie es in ein wenig Wasser auf. Manche Homöopathen empfehlen Sulfur, um das Immunsystem des Kindes zu stärken. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind so wenig wie möglich kratzt – es können sonst Narben fürs Leben zurückbleiben.
Wir können heutzutage durch eine Impfung die Krankheit verhindern. Die Impfung sollten sich auch Erwachsene geben lassen, wenn sie nie Windpocken hatten. Schwangere sollten sich nicht impfen lassen, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, sondern erst nach der Geburt ihres Kindes.

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Artikelinhalt

  • Windpocken: Symptome und Verlauf
  • Windpocken: Impfung und Behandlung

Windpocken gehören zu den häufigsten Kinderkrankheiten und sind äußerst ansteckend. Seit 2004 kann ihnen mit einer Impfung vorgebeugt werden. Das typischste Symptom, das auf eine Windpocken-Erkrankung hindeutet, ist ein roter, stark juckender Hautausschlag. Dieser lässt sich gut mit kühlenden Kompressen sowie Lotionen, die den Juckreiz lindern, behandeln. Während die Erkrankung bei Kindern meist einen harmlosen Verlauf nimmt, geht sie bei Erwachsenen oft mit Komplikationen einher. Besonders gefährlich sind Windpocken während der Schwangerschaft.

Ansteckende Windpocken

Die Windpocken (Varizellen) sind eine äußerst ansteckende Viruserkrankung, die durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen übertragen wird. Einerseits kann man sich mit den Viren folglich durch einen direkten Kontakt mit der hoch ansteckenden Flüssigkeit in den Hautbläschen infizieren. Andererseits ist auch eine Ansteckung beim Husten, Niesen oder Sprechen möglich, da die Varizella-Zoster-Viren in der Luft einige Meter zurücklegen können. In der Luft verlieren die Viren jedoch nach etwa zehn Minuten ihr Ansteckungspotential, deswegen ist eine Übertragung über Bett- oder Spielsachen nicht zu befürchten.

An Windpocken erkranken in erster Linie Kinder im Kindergartenalter – deswegen werden Windpocken genau wie Masern oder Röteln zu den typischen Kinderkrankheiten gezählt. Bis zum 14. Lebensjahr haben etwa 90 Prozent aller Kinder die Windpocken durchgemacht. Als typische Windpockenzeit gelten der Winter und der Frühling.

Wer einmal an Windpocken erkrankt ist, ist in der Regel für den Rest seines Lebens gegen die Erkrankung immun. In Ausnahmefällen können Windpocken jedoch auch ein zweites Mal auftreten: Dies ist meist dann der Fall, wenn der erste Ausbruch der Erkrankung nur sehr leicht war oder früh in der Kindheit stattgefunden hat.

Windpocken: Symptome

Charakteristisches Symptom der Windpocken ist ein roter, stark juckender Hautausschlag. Meist bilden sich die roten Flecken in mehreren Schüben überall am Körper. Im Zentrum der Flecken entstehen mit der Zeit kleine Bläschen, die mit einer klaren, hoch ansteckenden Flüssigkeit gefüllt sind. Nach einiger Zeit platzen die Bläschen auf und die Flecken verkrusten.

Der Großteil der Bläschen bildet sich an Bauch und Rücken sowie im Gesicht. Auch an den Beinen und Armen entstehen rote Flecken, allerdings meist deutlich weniger als am Rumpf. In seltenen Fällen können auch die Schleimhäute an Mund und Nase sowie der Genitalien und des Afters betroffen sein.

Teilweise treten zusätzlich zu dem Hautausschlag auch noch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Müdigkeitsgefühl auf. Meist machen sich diese Symptome bereits bemerkbar, bevor der Hautausschlag ausbricht.

Wichtig ist, dass gerade bei Kindern darauf geachtet wird, dass diese nicht an den Windpocken kratzen. Denn durch das Kratzen können sich die Bläschen entzünden und es kann zu schweren Hautinfektionen, die bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) reichen können, kommen. Deswegen sollten kleineren Kindern die Fingernägel möglichst kurz geschnitten werden. In besonders schlimmen Fällen können dünne Baumwollhandschuhe Abhilfe schaffen.

Windpocken: Dauer und Verlauf

Die Inkubationszeit bei Windpocken beträgt in der Regel zwischen 14 und 17 Tagen – in einigen Fällen kann sie aber auch einige Tage kürzer oder länger ausfallen. Eine Ansteckungsgefahr besteht nicht etwa erst ab dem Ausbruch der Erkrankung, sondern bereits etwa zwei Tage zuvor.

Sind die Windpocken erst einmal ausgebrochen, dauert es meist zwischen fünf und zehn Tagen, bis die letzten Bläschen verkrustet und die Erkrankung somit nicht mehr ansteckend ist. Bevor die Windpocken abgeheilt sind, sollten Erkrankte möglichst nicht mit gesunden Personen, die noch keine Windpocken hatten, in Kontakt kommen.

Windpocken nehmen in der Regel einen harmlosen Verlauf, vereinzelt können jedoch auch Komplikationen auftreten – dies ist insbesondere bei Kindern unter einem Jahr sowie bei Erwachsenen über 16 Jahren der Fall: So kann in seltenen Fällen eine Hirnhautentzündung oder eine Lungenentzündung ausgelöst werden. Vereinzelt kann es durch Windpocken auch zu Todesfällen kommen, betroffen sind dann meist Personen mit Immundefiziten oder Schwangere.

Windpocken in der Schwangerschaft

Windpocken treten während der Schwangerschaft relativ selten auf, da nur etwa drei von 100 schwangeren Frauen keine Antikörper gegen die Erkrankung besitzen. Für diese drei Prozent stellen die Windpocken jedoch eine gefährliche Erkrankung dar, denn sie gehen bei Schwangeren häufig mit Komplikationen einher. Schwangere, die Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person hatten, sollten deswegen zur Sicherheit Antikörper gegen das Virus gespritzt bekommen (Immunprophylaxe).

Erkrankt eine Frau während der Schwangerschaft an Windpocken, können die Erreger über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden – dies passiert allerdings nur in etwa 25 Prozent der Fälle. Das Risiko, dass das Kind dann durch das Virus tatsächlich geschädigt wird, liegt noch deutlich niedriger – es beträgt je nach Zeitpunkt der Übertragung zwischen ein und zwei Prozent.

Besonders gefährlich ist eine Infizierung zwischen der 8. und der 20. Schwangerschaftswoche, da sich in dieser Zeit die Gliedmaßen und Organe des Kindes entwickeln und es durch die Windpocken zu Missbildungen kommen kann. Es können unter anderem Hautdefekte, Schädigungen des Nervensystems, Augenerkrankungen sowie Fehlbildung am Skelettsystem auftreten. Im schlimmsten Fall kann die Infektion eine Fehlgeburt zur Folge haben.

Windpocken bei Babys

Kritisch für Neugeborene ist es besonders, wenn die Mutter kurz vor oder nach der Geburt an Windpocken erkrankt. Das Kind bekommt von der Mutter dann keine Antikörper mehr übertragen und verfügt so bei einer Ansteckung nicht über einen ausreichenden Immunschutz.

Da das Immunsystem des Neugeborenen noch keine eigenen Antikörper bilden kann, nehmen die Windpocken in solchen Fällen häufig einen schweren Verlauf. Um dies zu verhindern, werden dem Neugeborenen bei einer Erkrankung der Mutter in der Regel Antikörper gegen die Varizella-Zoster-Viren gespritzt (Immunprophylaxe).

Windpocken bei Erwachsenen

Eine Erstinfektion mit Windpoken im Erwachsenenalter ist äußerst selten. Tritt sie auf, nimmt die Erkrankung meist einen schwereren Verlauf als bei Kindern. So treten bei Erwachsenen in der Regel deutlich mehr juckende Flecken auf, die sich über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen immer wieder neu ausbilden können.

Häufig wird der Hautausschlag von Fieber, das auf über 40 Grad ansteigen kann, begleitet. Auch Komplikationen wie eine Leberentzündung, eine Lungenentzündung, eine Gehirnhautentzündung sowie Magen-Darm-Beschwerden treten bei Erwachsenen – besonders bei Erwachsenen mit einem geschwächten Immunsystem – deutlich häufiger auf als bei Kindern.

Aktualisiert: 25.01.2013 – Autor: Kathrin Mehner

Die Frage: Gürtelrose-Ansteckungsgefahr – wie lange besteht sie? beantwortet sich vor allem durch Beobachtung. Weist ein an einer Gürtelrose erkrankter Mensch gefüllte Hautbläschen auf, ist die Erkrankung für seine Mitmenschen ansteckend.

veröffentlicht von: Anna Nilsson, medizinische Kontrolle: L. Schnurbus.

Herpes zoster – Gürterose Behandlung.

So geschieht die Übertragung

Die Übertragung geschieht durch Schmierinfektion infolge direkten Körperkontaktes, den Betroffene der Sicherheit zuliebe vermeiden. Die Ansteckung verursacht in der Regel keine Gürtelrose.

Sie löst bei zuvor mit dem Varizella-Zoster-Virus noch nicht in Kontakt gekommenen Menschen die Windpocken aus. Menschen, welche diese Krankheit bereits durchmachten, unterliegen einer stärkeren Gefahr, an einer Gürtelrose zu erkranken. Sie tragen das schlafende Varizella-Zoster-Virus in sich.

Eine direkte Ansteckung mit der Gürtelrose geschieht nicht. Bei ausgeheilter Gürtelrose besteht für Mitmenschen keine Ansteckungsgefahr mehr, doch das Virus ist latent vorhanden. Dieser Zustand ist mit Latenz-Zeit zu bezeichnen. Kommt ein Mensch mit dem schlafenden Virus erneut in Kontakt, reaktiviert er sich. Die Ansteckungsgefahr besteht erneut.

Tatsächliche Ansteckungsgefahr, Vorbeugung und Verlauf

Um Ansteckungsgefahr und Virus nicht entstehen zu lassen, ist Vorsorge wichtig. Wer den direkten Kontakt mit dem Virus meidet, sorgt für Schutz. Eine weitere Möglichkeit ist die Impfung, die das Varizella-Zoster-Virus von Gürtelrose und Windpocken bekämpft. Sie ist bei einer vermuteten Ansteckung möglich, um den Ausbruch der Viren zu verhindern.

Der Arzt impft keine schwangeren Frauen. Zwischen der Impfung und der Schwangerschaft sind drei Monate Abstand wichtig. Wer vermutet, mit dem Virus infiziert zu sein, holt sich ärztlichen Rat ein. Vor allem bei erkrankten Kindern ist dies zu empfehlen. Der Betroffene oder die den Kranken betreuenden Personen informieren das Umfeld über den ärztlichen Befund. Der Mitteilung bedürfen vor allem kinderbetreuende Einrichtungen und Schulen. Bei Infektion im Erwachsenenalter informiert die betreuende Person oder der Erkrankte den Arbeitgeber.

Die leitende Person der Einrichtung meldet die vermutete oder ausgebrochene Erkrankung umgehend an das zuständige Gesundheitsamt. Die Frage: Gürtelrose Ansteckungsgefahr – wie lange besteht sie? erlangt nun Bedeutung für öffentliche Einrichtungen.

Erst nach Ablauf der Ansteckungsgefahr ist es Erkrankten erlaubt, die Einrichtung oder den Arbeitsplatz wieder zu besuchen. Das Auftreten mehrere Fälle bedingt eine vorübergehende Schließung der Einrichtung.

Um schnell zu gesunden, hält der Erkrankte Bettruhe ein und sucht den regelmäßigen Kontakt zu seinem Arzt. Dieser beobachtet den Krankheitsverlauf, um eventuellen Komplikationen frühzeitig entgegenzuwirken. Bereits rund 90 Prozent der Bevölkerung weisen Immunität gegen das Varizella-Zoster-Virus auf. Für sie ist die Frage: Gürtelrose Ansteckungsgefahr – wie lange besteht sie? nicht von Belang. Für Menschen, die nie die Krankheiten Windpocken oder Gürtelrose durchlebten, besteht die Infektionsgefahr bei Erstkontakt mit dem Virus. Was der Patient nach der Diagnose „Windpocken“ oder „Gürtelrose“des Arztes beachtet, fasst die folgende Auflistung zusammen:

  • Beobachtung der Hautbläschen,
  • Kontakt, vor allem direkten Hautkontakt, mit anderen Menschen meiden (Ansteckungsgefahr),
  • Melden des Verdachts oder der Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virusbei der Einrichtung (Kindergarten, Schule, Arbeitsplatz).
  • Prüfung der Möglichkeit, eine Impfung nachzuholen, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern,
  • Erneuter Besuch der Einrichtung erst bei Ausheilung der Infektion (Abfallen der Hautschuppen)

Die Frage: Ansteckungsgefahr bei Gürtelrose – wie lange besteht sie? erhält keine klare Antwort.

Jeder Krankheitsverlauf scheint individuell und ist nicht klar einzugrenzen. Die Ansteckungsgefahr besteht, solange die Bläschen Flüssigkeit beinhalten. Die Zeit bis zur vollständigen Verkrustung der Bläschen nutzt der Patient zu seiner Genesung. Bettruhe begünstigt den Verlauf. Auf eigene kontinuierliche Beobachtungen sowie ärztliche Untersuchungen verzichtet der Patient nicht. Damit sind der Verlauf und die Ansteckungsgefahr einzuschätzen.

Informationen zu Gürtelrose – die Krankheit im Überblick

Das Varizella-zoster-Virus (VZV) ist ein weltweit verbreitetes DNA-Virus aus der Familie der Herpesviren. Der Mensch ist das einzige bekannte Erregerreservoir. Das Virus kann zwei unterschiedliche klinische Krankheitsbilder verursachen: Die exogene Erstinfektion (von außen auf den Körper einwirkend) erfolgt in aller Regel im Kindesalter und manifestiert sich in Form von Varizellen (Windpocken). Bei endogener Reaktivierung (im Körper selbst entstehend) entwickelt sich eine Gürtelrose (Herpes Zoster), gehäuft ab 50 Jahren.

Infektionsweg, Infektiosität und Inkubationszeit

Varizellen sind hochinfektiös. Nach einer Exposition erkranken über 90 von 100 empfänglichen Personen (Kontagionsindex zwischen 0,9 und 1,0). Die Übertragung erfolgt aerogen durch Tröpfcheninfektion oder durch virushaltigen Bläscheninhalt in Form einer Schmierinfektion. Die Inkubationszeit liegt zwischen 8 und 21 Tagen, in den meisten Fällen zwischen 14 und 16 Tagen.

Beim Herpes Zoster ist nur der virushaltige Bläscheninhalt infektiös. Durch Abdecken der betroffenen Hautregion kann die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung deutlich verringert werden. Außerdem können sich nur Personen anstecken, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren (also z. B. die noch ungeimpften Enkelkinder)

Erkrankt eine Schwangere zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche an Windpocken, kann eine VZV-Infektion auf das ungeborene Kind übertragen werden und zum fetalen Varizellensyndrom führen. Eine Erkrankung der Mutter fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt stellt ebenfalls ein gesundheitliches Risiko für das Baby dar. Eine Gürtelrose hingegen birgt keine Gefahr für das Ungeborene.

Das Varizella-zoster-Virus persistiert lebenslang in den Spinal- bzw. Hirnnervenganglien. Bei einer Reaktivierung sind die Hautregionen betroffen, die von den befallenen Nerven versorgt werden. Auf Grund dieser Tatsache kommt es zur typischen gürtelförmigen, einseitigen Ausprägung der Gürtelrose.

Klinik

Bei der Erstinfektion treten die Windpocken auf. Nach einem unspezifischen Prodromalstadium mit Unwohlsein, Kopf-und Gliederschmerzen, beginnt die Erkrankung mit einem juckenden Exanthem am Rumpf und Fieber. Im weiteren Verlauf breitet sich das Exanthem am ganzen Körper aus, wobei je nach Stadium Roseolen, Papeln, Bläschen und verkrustete Bläschen vorhanden sind. Die häufigsten Komplikationen sind die bakterielle Superinfektion aufgekratzter Bläschen und die Varizellenpneumonie. Seltene aber schwerwiegende Komplikationen sind eine Meningitis, Enzephalitis, Myelitis transversa, ein Guillain-Barré-Syndrom oder ein Reye-Syndrom.

Bei der endogenen Reaktivierung beginnt die Erkrankung nach einem unspezifischen, grippalen Vorstadium häufig mit heftigen neuralgischen, meist einseitigen Schmerzen. Es folgt ein segmentgebundenes bandförmiges Exanthem. Nach einigen Tagen beginnt das Abtrocknen und Verkrusten der Bläschen. Am häufigsten tritt das Exanthem im Brust- oder Lendenbereich auf. Weitere Formen sind:

Eine gefürchtete Spätfolge ist die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) mit andauernden neuralgischen Schmerzen, auch nach Abheilung des Exanthems.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt, sowohl bei den Varizellen als auch beim Herpes Zoster, durch das klinische Bild. Atypische oder generalisierte Krankheitsverläufe treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten auf. Spezifische Diagnostik sollte bei Infektion von Schwangeren oder Neugeborenen, bei Varizellenpneumonie und Erkrankungen des zentralen Nervensystems durchgeführt werden.

Behandlung

Bei den Varizellen erfolgt die Therapie meist symptomatisch. Begleiterscheinungen wie Juckreiz können gelindert und Komplikationen (z. B. Superinfektion) verhindert werden. Bei immungeschwächten Patienten ist eine antivirale Therapie möglich.

Bei der Behandlung von Gürtelrose vor allem der schnelle Behandlungsbeginn innerhalb von drei Tagen nach Auftreten des Exanthems für den Behandlungserfolg entscheidend. Antivirale und Schmerzmedikamente können auch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Post-zoster-Neuralgie verringern.

Prävention

Zur Vorbeugung der Varizellen gibt es eine von der STIKO empfohlene (Lebend-)Impfung, die ab 11 Monaten verabreicht werden kann. Zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen sind für einen guten Impfschutz notwendig.

Zur Vorbeugung von Gürtelrose stehen derzeit zwei Impfstoffe (ein Lebendimpfstoff und ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff) zur Verfügung. Beide Impfstoffe sind als Impfung gegen Gürtelrose von Personen ab 50 Jahren zugelassen.

DE/HRZ/0016/18, Jun18; DE/HRZ/0017/18, Jun18; DE/HRZ/0022/18, Jun18; DE/HRZ/0029/18, Jul18

Herpes

Der erste Kuss und dann das: Herpes!

Meist ist es ein erster Kuss, die erste große Liebe, und dank der Aufregung zeigt er sich dann blutrot und mit schmerzhaften Bläschen: der Lippenherpes. Anders als allgemein angenommen ist der Herpes nicht zwangsläufig eine Geschlechtskrankheit. Die Ansteckung erfolgt in der Mehrzahl der Fälle bereits im Baby- oder Kindesalter durch einen Kuss der Eltern. Einmal infiziert, werden Mann und Frau das Virus zeitlebens nicht mehr los. Es schlummert tief im Inneren des Körpers in sogenannten Ganglionzellen des Nervensystems. Stress, Sonnenlicht oder eine erkältungsbedingte Immunschwäche lösen häufig einen Rückfall aus. Dr. Schulte Beerbühl, Dermatologe aus Dortmund, brachte dies einmal sehr treffend auf den Punkt: „Immer wenn der Junge eine neue Freundin mitbringt, wird auch das Herpesvirus wieder aktiv. Es will dann sehr gern auch die Neue kennenlernen.“ Für die Betroffenen dauert es allerdings etwa zwei bis drei Wochen bis es mit dem nächsten Kuss klappt, denn solange brauchen die Bläschen, um abzuheilen.


Herpes labialis (Lippenherpes)

Woran erkennt man Herpes?

Die Gruppe der Herpesviren umfasst viele verschiedene Viren, die aber eines gemeinsam haben: Sie verursachen mehr oder minder abgewandelte rote Hautbereiche mit charakteristischen und schmerzhaften Bläschen. Die mit Abstand am häufigsten auftretenden Herpesviren sind Herpes Typ I („Lippenherpes“), Herpes Typ II („Genitalherpes“) und Herpes Zoster („Gürtelrose“).

Herpes Typ I und II haben noch eine Besonderheit im großen Reich der Herpesviren. Herpes Simplex Typ I kommt eigentlich vornehmlich im Bereich des Gesichtes vor und verursacht dort die charakteristischen Erscheinungen „nach dem übereifrigen Küssen“. Herpes Simplex Typ II hingegen war bis vor Jahren allein auf den Genitalbereich (Penis, Scheide, After) begrenzt. Aufgrund von einer freizügigeren Anwendung diverser sexueller Praktiken kam es aber nun zu einer Durchmischung der früheren „Siedlungsbereiche“. So ist der ungeschützte Oralsex beispielsweise dafür verantwortlich, dass sich Herpes Simplex Typ I am Genitale findet, wie umgekehrt Herpes Simplex Typ II auch im Mund und an den Lippen.

Die Übertragung der Herpes Viren erfolgt in der Regel über Haut- und Schleimhautkontakte, aber auch mittels Schmierinfektion. Herpes wird durch den direkten Kontakt mit der höchst ansteckenden Flüssigkeit aus den Herpesbläschen weitergetragen. Selbst wenn die Bläschen und Geschwüre wieder verheilt sind, ist die Ansteckung je nach betroffener Stelle immer noch über Speichel, Vaginal- oder Prostatasekret und Sperma möglich. Grund dafür ist, dass die Herpes Viren nach Abheilung der Bläschen in den infizierten Bereichen von Haut und Schleimhaut schlummern. Dennoch ist die Gefahr sich anzustecken bei den aktiven Bläschen sehr viel größer. Die Schmierinfektion meint zudem, dass die Herpesviren beispielsweise bei der gemeinsamen Benutzung von Gläsern übertragen werden. Diese Schmierinfektion ist darüber hinaus ein recht häufiger Weg, über den der Herpes seinen Weg in die Augen findet. Dort führen die Herpes Viren dann unter Umständen zu Hornhaut- und Bindehautentzündungen. Befinden sich die Herpesbläschen an Lippen oder im Mund, wird die Erkankung auch beim Küssen auf den nächsten / die nächste übertragen.

Wenige Tage nach der Ansteckung bilden sich die kleinen roten Bläschen, die zum einen schmerzen, zum anderen sehr leicht aufplatzen können. Die regionalen Lymphknoten sind nicht selten geschwollen. Die Herpesbläschen heilen unter Krustenbildung nach zwei bis drei Wochen wieder ab. Immunsuppremierte und HIV-Patienten neigen in der Regel auch zu schweren, langwierigen und wiederholten Verläufen. In seltenen Fällen können Herpesviren ebenfalls die Augen befallen, was insbesondere bei Neugeborenen die Gefahr der Erblindung bedeutet.

Anders als der Lippen- und Genitalherpes führt der Herpes Zoster zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Wer als Kind an Windpocken litt, trägt das Varizella-Zoster-Virus dauerhaft in sich. Im Alter, aufgrund einer Immunschwäche oder auch stressbedingt, wird das in den Spinalganglien schlummernde Virus erneut aktiv und wandert dann entlang der Nervenbahnen bis in die Haut. Dort verursacht es eine flächige Rötung mit unzähligen Bläschen, den sogenannten Zoster („Gürtelrose“). Neben diesen Hautreaktionen kommt es ebenfalls häufiger zu Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie leichtem Fieber. Die akute Zostererkankung heilt nach einigen Wochen wieder ab, meist werden Schmerzmittel und Virostatika verabreicht, um die Symptome bis zur Ausheilung etwas zu lindern. Viel schwerer wiegen jedoch die Monate bis Jahre nach dem Zoster. Die Post-Zoster-Neuralgie verursacht selbst lange Zeit nach Abheilung der Gürtelrose noch schlimme Schmerzen in Muskeln und Gelenken und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Herpes Zoster (Gürtelrose)

Wie wird Herpes behandelt?

Die Behandlung von Herpes in jedweder Form (Herpes Labialis, Herpes Genitalis, Herpes Zoster) kann nur rein symptomatisch erfolgen. Eine Heilung durch Medikamente ist auch heute noch nicht möglich. Nach Abklingen der Hauterscheinungen schlafen das Simplex Virus oder auch das Varizella-Zoster-Virus im Nervengewebe und warten bereits auf ihren nächsten großen Auftritt.

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die Symptome zumindest abzumildern. Die Verfahren reichen dabei von der Hausapotheke bis zum antiviralen Wirkstoff. Am geläufigsten ist die Behandlung mit Aciclovir einem virenhemmenden Medikament, welches die Virusvermehrung hemmt. Gegen ruhende Viren in den Ganglienzellen vermag Aciclovir allerdings nichts auszurichten. Aus der Hausapotheke können ergänzend pflanzliche Präparate gewählt werden, die mitunter antivirale und antibaktierielle Wirkung haben. Bei schweren Verläufen, z. B. infolge eines Immundefektes, sind antibakteriell wirksame Substanzen sehr hilfreich, da sie eine Superinfektion der Herpesbläschen mit Bakterien verhindern können.

Honig ist seit jeher ein erprobtes Mittel gegen Entzündungen. Und tatsächlich haben moderne Studien nachweisen können, dass Honig heilsame Eigenschaften besitzt und sowohl gegen Bakterien (antibakteriell) als auch gegen Viren (antiviral) wirkt.

Ganz ähnliche Wirkungen entfaltet der Schwarze Tee. Sein hoher Gehalt an Tanninen (Bitterstoffen, Gerbsäuren) ermöglicht es, Viren abzutöten und gleichzeitig Entzündungen zu hemmen. Den Tee zu trinken, wird dafür jedoch wenig hilfreich sein. Vielmehr sollte ein kalter oder warmer Teebeutel Schwarzen Tees auf die betroffenen Herpesbläschen gelegt werden.

Ein anderes Wirkprinzip der Haumittelchen beruht auf der Austrocknung der Herpesbläschen. Hier sind zum einen ätherische Öle (z. B. Hagebuttenöl, Johanneskrautöl, Jojobaöl, Melissenöl, Ringelblumenöl, Teebaumöl) zu nennen, aber ebenso sind Zahnpasta oder Backpulver wirksam.

So schützt man sich vor Herpes

Die Infektion mit Herpesviren zu verhindern, ist bei einer Durchseuchung in der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen. Lediglich im Falle des Varizella-Zoster-Virus, welches die Windpocken und die Gürtelrose verursacht, kann durch das gezielte Impfen von Kleinkindern ein gewisser Schutz erreicht werden. Doch diese Impfung verhindert eben nur die Ansteckung mit dem Zoster-Virus. Andere Simplex Viren werden dadurch nicht beeinflusst.

Gegen Labialherpes kann man sich eher schlecht schützen, da ein Kuss oder ein Speichelkontakt oft ausreicht, um das Virus zu übertagen. Kinder bekommen die Viren meist über die Fürsorge und einen Kuss der Eltern übertragen.

Anders sieht es aber bei Genitalherpes (Herpes Genitalis) aus. Hier empfehlen Ärzte und Gesundheitsexperten aus Deutschland im Gleichklang mit den Ideen des gesunden Menschenverstands:

  • Kondome sind Pflicht, schon vor dem ersten Eindringen des Penis in Scheide oder Po und erst recht beim Vaginalsex (Penis in der Scheide) und Analsex (Penis im Po).
  • Kondome helfen auch, Sexspielzeuge sauber zu halten und gemeinsam zu nutzen. Jede Partnerin und jeder Partner erhält dafür ein neues Kondom.
  • Der Kontakt mit den Bläschen und nässenden Hautstellen sollte vermieden werden, um die Ansteckung zu unterbinden.
  • Sind an Penis, Scheide oder Lippen Bläschen und/oder kleine Geschwüre zu finden, ist das ein No-Go in Bezug auf Oralsex. Der Weg zum Arzt (Dermatologe) ist dann die sicherste Wahl.
  • Einen hundertprozentigen Schutz vor Herpes gibt es nicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bietet für Interessierte anonyme Online- und Telefonberatungen an.

Welche Prognose hat eine Herpesinfektion?

Die Prognose, also die Wahrscheinlichkeit, wie gut oder schlecht ein Herpes ausheilt, hängt von individuellen Faktoren des Betroffenen ab. In der Regel heilt die lokale Lippenherpes rückstandsfrei ab. Ebenso ist der Genitalherpes meist harmlos, wenn auch sehr schmerzhaft. Allerdings erhöhen die oft entzündlichen Herpesbläschen das Risiko, sich leichter mit anderen Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Vor allem in Bezug auf Syphilis, HIV und Gonorrhoe stellen die Herpesbläschen beim Herpes Genitalis ein höheres Risiko dar, denn die Erreger nutzen die angeschlagene Schleimhaut- oder Hautoberfläche, um bis ins Blut vorzudringen. Bei Immunschwäche oder HIV-Funktion können zudem sehr schwere Krankheitsverläufe auftreten, die als systemische oder generalisierte Herpesinfektion bezeichnet werden. Dann droht z. B. die Virusenzephalitis (Hirnhautentzündung), die mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist. Sonst überwiegend gesunde Menschen mit funktionierendem Immunsystem stecken die Herpes-Erkankung aber in der Regel sehr gut weg und diese heilt ohne sichtbare Folgen wieder aus.

Welche weiteren Viren aus der Gruppe der Herpesviren gibt es?

Die eigentliche Kuss-Krankheit („Kissing-disease“) wird durch einen nahen Verwandten des Herpes Simplex Virus verursacht, das Eppstein-Barr-Virus (kurz EBV). Die Übertragung erfolgt mittels Speichel und brachte der Krankheit dadurch ihren Namen als Kuss-Krankheit ein. Die Erkrankung, welche dieses Virus verursacht, ist auch unter dem Namen „Pfeiffersches Drüsenfieber“ oder als infektiöse Mononukleose bekannt. Bei der Erstinfektion, meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, treten zuerst grippeähnliche Symptome auf. Es kommt zu Fieber, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl und Halsschmerzen, aufgrund der stark geschwollenen Lymphknoten. Kopfschmerzen, Husten und Schüttelfrost sind ebenso häufige Begleiterscheinungen.

Als eine der Komplikationen können im weiteren Leben, sogar Jahrzehnte nach der Ausheilung des Primärinfektes, Tumorerkrankungen auftreten. So ist bekannt, dass das Eppstein-Barr-Virus in bis zu 80 Prozent der Nasen-Rachen-Tumoren nachweisbar ist. Das Pfeiffersche Drüsenfieber kann als virale Krankheit nicht kausal, sondern nur symptomatisch behandelt werden. Zum Einsatz kommen fiebersenkende und schmerzreduzierende Mittel, ebenso wie Antibiotika, sofern eine bakterielle Superinfektion im Bereich der entzündeten Mandeln oder Lymphknoten vorliegt. Ganz wichtig ist es, zum Auskurieren die verordnete Ruhe streng einzuhalten, denn sonst drohen Komplikationen, wie z. B. Herzmuskelentzündungen, Hirnhautentzündung oder sogar ein Milzriss als Folge einer starken Vergrößerung des Organs.

Ein ebenso weitverbreiteter Vertreter der Herpesviren ist das Cytomegalievirus (Herpesvirus 5, Humanes Cytomegalievirus). Es kommt weltweit nur beim Menschen vor. Während die Durchseuchung der erwachsenen Bevölkerung bei uns etwa 40 Prozent beträgt, erreicht das Virus in der Dritten Welt Raten bis 100 Prozent. Die Infektion erfolgt meist bereits schon im Kindesalter und schlummert dann unbemerkt im Inneren des Körpers. Die Übertragung passiert über Speichel und andere Körperflüssigkeiten, sodass das Küssen sowie der sexuelle Verkehr ab dem Jugendalter zu den Hauptübertragungswegen zählen.

Die Infektion mit dem Cytomegalievirus wird in fast 90 Prozent der Fälle gar nicht bemerkt. Der Arzt sagt dazu, dass die Infektion asymptomatisch ist. In den anderen seltenen Fällen ommt es zu Krankheitserscheinungen wie Fieber und Lymphknotenschwellungen. Insgesamt ähnelt die Cytomegalie dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Für Menschen mit intaktem Immunsystem ist die Krankheit gut zu beherrschen und heilt in der Regel folgenlos wieder aus. Besonders gefährdet sind aber Schwangere und die noch ungeborenen Kinder.

Infiziert sich eine Schwangere erstmals mit dem Cytomegalievirus, hat das Kind ein etwa 40-prozentiges Risiko, ebenfalls angesteckt zu werden. Die Folge sind meist schwere Missbildungen des Kindes, wie Herzmuskelschäden, Darmstörungen, Hörschäden und Bewegungsstörungen. Da dieses Herpes Virus oft nur unklare, grippeähnliche Symptome bei der Mutter verursacht, bleibt die Infektion und damit die Gefahr für das Kind zu häufig unerkannt.

Eine zweite Gruppe von Risikopatienten sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dazu zählen Transplantierte (haben ein neues Spenderorgan erhalten) sowie HIV-Infizierte und AIDS-Kranke. Bei diesen Patienten kann das Cytomegalievirus systemische Entzündungen auslösen, von denen die Lungenentzündung die gefürchtetste ist. Die Behandlung der Cytomegalie ist wie bei allen anderen Herpesinfektionen auch eine rein symptomatische. Fiebersenkende Mittel gehören ebenso dazu wie Antibiotika gegen bakterielle Begleitinfektionen und Virostatika, um die Viruslast der Erkrankung etwas zu senken.

Schützen kann man sich gegen dieses Herpesvirus nicht. Es gibt keine Schutzimpfung und auch keine besondere Schutzmaßnahme, die die Ansteckung verhindern könnte. Schwangeren wird allerdings empfohlen, sich und ihren Partner auf eine Cytomegalie-Infektion untersuchen zu lassen. Mögliche Ansteckungsquellen zu finden und für den Zeitraum der Schwangerschaft ein wenig zu vermeiden, ist noch der effektivste Schutz gegen Cytomegalie. Der Test auf Antikörper gegen das Cytomegalie Virus ist derzeit noch immer keine feste Kassenleistung zur Schwangerenvorsorge. Deshalb fällt er unter die Selbstzahlerleistungen. Mit etwa 13 € ist der Cytomegalie-Virus-Test aber nicht zu teuer und eine gute Investition, die im günstigsten Fall das Risiko für das Kind reduzieren kann.

Für weitere Hilfe und eine umfassende Beratung zum Thema „Herpes & Co.“ geben Hautärzte und Gynäkologen sehr gern Auskunft.

Gefahr aus den Ganglien

Zahlreiche Medikamente beeinträchtigen das Immunsystem und erhöhen dadurch die Gefahr einer VZV-Reaktivierung. Das Risiko steigt in Abhängigkeit von Intensität und Dauer der T-Zell-Suppression.

Um einen Zoster-Ausbruch zu verhindern, kann die prophylaktische Einnahme von Aciclovir sinnvoll sein. Sie wird beispielsweise für Krebspatienten empfohlen, die mit Alemtuzumab, Proteasom-Inhibitoren und Purin-Analoga behandelt werden (11). Dies gilt auch für Patienten mit Multiplem Myelom, die Bortezomib oder Carfilzomib erhalten (12, 13). Vermutlich erhöhen auch weitere Arzneistoffe das Risiko, Herpes zoster zu entwickeln, beispielsweise Thalidomid, Fingolimod und TNFα-Hemmer (14, 15, 16).

Gefürchtete Spätfolge PHN

Nach Untersuchungen des RKI entwickeln etwa 5 Prozent der Zoster-Patienten eine Spätkomplikation in Form der postzosterischen oder postherpetischen Neuralgie (PHN) (1). Die Autoren einer aktuellen Review-Arbeit schätzen, dass 12,5 Prozent der Zoster-Patienten ab 50 Jahren innerhalb von drei ­Monaten nach Abheilen der akuten Erkrankung eine PHN entwickeln (17). Das Risiko steigt mit dem Lebensalter. Die Häufigkeit liegt bei Patienten über 55 Jahren bei 27 Prozent, bei Patienten über 60 bei 47 Prozent. Bei den Über-70-Jährigen müssen fast drei Viertel mit einer PHN rechnen. Menschen, die bereits in der Akutphase des Herpes zoster schwere Schmerzen hatten oder eine große Zahl von Bläschen aufwiesen, haben zudem ein höheres Risiko. Dagegen scheint Immunschwäche das PHN-Risiko nicht zu erhöhen (3).

Als Ursache wird diskutiert, dass die durch die VZV-Reaktivierung hervorgerufene Entzündung zu einem Untergang von Nervenstrukturen und Neuronen in den sensorischen Ganglien geführt und Signalverläufe im zentralen Nervensystem verändert hat. Die starken Schmerzen, die über Monate oder gar Jahre andauern können, sind schwer therapierbar, da die typischen Analgetika oft nicht ansprechen oder nicht ausreichend wirken. Trotz spezialisierter Schmerztherapie gelingt es nicht immer, den Schmerz befriedigend zu beherrschen.

Für die orale Therapie werden neben Opioiden Co-Analgetika wie trizyklische Antidepressiva (TCA) oder die Antiepileptika Gabapentin und Prega­balin eingesetzt. Dabei ist eine Kombination, beispielsweise Gabapentin plus Nortriptylin oder Opiat plus Gabapentin, effektiver als die Monotherapie. Corticosteroide haben keinen Effekt bei PHN (4).

Die Dosierung der TCA liegt in der Regel unterhalb der antidepressiven Dosis, da andere Wirkmechanismen zum Tragen kommen (18). Unter anderem wird das aus dem Hirnstamm ­absteigende Schmerzhemmsystem verstärkt. Darüber hinaus wird die analgetische Wirkung der TCA auf eine Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle zurückgeführt (19). Die Wirkung tritt innerhalb von vier bis acht Tagen ein. Antiepileptika unterdrücken durch Interaktion mit präsynaptischen spannungsabhängigen Calciumkanälen die Glutamat-Freisetzung. Letztlich wird die Weiterleitung peripher entstandener Schmerzimpulse vermindert.

Zur topischen Behandlung eignen sich Lidocain und Capsaicin. Das Lokalanästhetikum Lidocain verhindert über eine Blockade von Natriumkanälen die Entstehung von Schmerzimpulsen im Bereich hautnaher Nerven. Bei lokal begrenzten peripheren neuropathischen Schmerzen wird es als Pflaster angewendet, das zwölf Stunden auf dem betroffenen Areal verbleibt. Danach folgt eine mindestens zwölfstündige Behandlungspause.

Auch der Inhaltsstoff der Chilischote, Capsaicin, ist gut wirksam bei peripheren lokal begrenzten neuropa­thischen Schmerzen. Der Wirkstoff wird einmalig 30 bis 60 Minuten als Pflaster appliziert und führt zur Aktivierung von C-Fasern mit lokaler Hyperthermie, gesteigerter Durchblutung und steigendem Schmerz. Nach etwa einer Woche tritt für etwa zwölf ­Wochen eine Schmerzlinderung ein, bis sich die Nozizeptoren regeneriert ­haben (20).

Eine Metaanalyse von 229 Studien zur Behandlung neuropathischer Schmerzen (nicht nur PHN) kam zu dem Schluss, TCA, selektive Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren sowie Prega­balin und Gabapentin zu empfehlen. An zweiter Stelle stehen Lidocain- und Capsaicin-Pflaster sowie Tramadol. Stark wirksame Opioide rangieren als dritte Wahl (21).

Gut beraten in der Apotheke

Wenn Kunden in der Apotheke über Schmerzen und Brennen in einem eingeschränkten Hautareal berichten, sollten Apotheker und PTA an ein mögliches Prodromalstadium des Herpes zoster denken – vor allem bei älteren Menschen, Krebspatienten und Immunsupprimierten. Die Kunden sind direkt an den Arzt zu verweisen. Das gilt auch bei allen unklaren Beschwerden am Auge und im Gesicht.

Gerade für alte Menschen und für Schwerkranke ist Herpes zoster eine schwere Erkrankung. Sie sollten möglichst umgehend mit Analgetika und Virustatika behandelt werden, um Komplikationen und Spätfolgen zu verhindern. /

Literatur

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