Wie schmerzhaft ist eine geburt

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Wie schmerzhaft ist eine Geburt?

Schmerzfreie Geburt – ist das überhaupt möglich?

Menschen, die von einer schmerzfreien Geburt reden, kannst du nicht ernst nehmen? Denkst du, die bilden sich das ein oder haben eben ein anderes Schmerzempfinden? Immerhin weißt du ja genau, was du selbst schon erlebt hast oder unzählige Male gehört, gelesen und gesehen hast. Genauso ging es mir auch vor meiner zweiten Schwangerschaft, als ich zum ersten Mal davon hörte, dass eine Geburt schön, entspannt und eben auch schmerzfrei sein soll bzw. kann. Ich konnte es nicht wirklich glauben!

Wenn du das also für unmöglich hältst, bist du in bester Gesellschaft. Denn schließlich gehört es quasi zum Allgemeinwissen, dass eine Geburt nun einmal schmerzhaft ist. Das haben wir schon als Kinder mitbekommen. Äußerungen wie „wenn das Baby erstmal da ist, dann vergisst du sofort alle Schmerzen“ und „eine Geburt ist eben nun einmal schmerzhaft, das gehört dazu, dafür hast du dann ein Baby!“ kennen wir sicher alle und diese Annahmen sitzen tief in uns verankert fest. Alles andere scheint erst einmal absurd. Doch oft ist es eben nicht so, dass der Schmerz jemals vergessen wird. Viele Mütter prägt das ein Leben lang. Ich zeige dir aber, dass es auf jeden Fall auch anders geht!

Schmerz in der Geburtsvorbereitung

Vielleicht hast du das auch schon erlebt, dass Hebammen die Frauen in Geburtsvorbereitungskursen gewissenhaft darüber aufklären, wie schmerzhaft die Geburt werden wird. Genau das habe ich auch erlebt. Mir wurde während des Geburtsvorbereitungskurses erst klar, wie schmerzhaft es sein wird und wie lange ich mich da möglicherweise quälen muss. Vor allem wurde mir auch klar, dass es offenbar nichts gibt, was ich dagegen tun kann, außer mich mit Medikamenten betäuben zu lassen. Ich bin überzeugt, die Hebammen tun diese Schmerz-Aufklärung aus gutem Grund. Sie wollen die Frauen „gut“ vorbereiten, sie wollen nicht riskieren, dass die Frauen während der Geburt von den schlimmsten Schmerzen ihres Lebens überrascht werden. Sie sollen sich darauf einstellen und gedanklich vorbereiten.

Warum tun sie das? Weil sie in ihrer Ausbildung gelernt haben, dass eine Geburt schmerzhaft ist und es nie in Frage gestellt haben. Sie haben es schon immer so weitergegeben. Es ist eben gültiges Allgemeinwissen! Jeder weiß, eine Geburt ist schmerzhaft, Punkt! Da braucht man gar nicht drüber diskutieren. Darüber hinaus haben die Hebammen vermutlich selbst schmerzhafte Geburten erlebt und beobachten genau diese schmerzhaften Geburten auch täglich in ihrem Job, auf die sie die Frauen vorbereiten. Da ist der Wunsch nach Aufklärung groß, Frauen darauf vorzubereiten, damit sie nicht überrascht werden. Doch die meisten Hebammen wissen einfach nicht, dass es noch andere Wege gibt und eine Geburt eben nicht schmerzhaft sein muss.

Was passiert während der Geburt?

Während der Geburt geht es um Muskelarbeit der Gebärmutter. Die verschiedenen Muskelfasern der Gebärmutter arbeiten – im besten Fall miteinander – um den Muttermund zu öffnen. Damit Muskeln gut arbeiten können, müssen sie locker und entspannt sein. Wir brauchen also Entspannung. Daher ist es dein oberster Job, während der Geburt locker zu lassen und zu entspannen.

Was passiert bei Anspannung?

Angespannte Muskeln können nicht gut (miteinander) arbeiten. Versuch mal deinen angewinkelten, angespannten Arm auszustrecken. Das ist schwierig bis unmöglich, wenn du ihn richtig anspannst. Wenn Muskeln permanent angespannt sind, verkrampfen sie und durch die Anspannung und Verkrampfung entsteht Schmerz.

Woher kommt die Anspannung?

Wenn eine Frau während der Geburt nicht weiß, was da in ihrem Körper passiert und sie darüber hinaus im Vorfeld ausführlich darüber informiert wurde, wie schmerzhaft eine Geburt ist, dann wird sie vermutlich in einer gewissen Anspannung sein. Das ist auch ganz normal. Wenn wir wissen, uns steht etwas Unangenehmes, Schmerzhaftes bevor, dann sind wir unsicher, angespannt und haben mehr oder weniger Angst.

Angst ist ein wichtiger Schutzmechanismus unseres Körpers, der dafür sorgt, dass wir im Ernstfall überleben. Die Geburt ist allerdings kein Ernstfall, sondern ein vollkommen natürlicher Prozess. Durch die Angst spannen wir also unsere Muskeln an, was dazu führt, dass unser Körper unter einer gewissen Anspannung steht. Dies wiederum führt dazu, dass unsere Muskeln, in diesem Fall auch die Muskeln der Gebärmutter, nicht mehr miteinander, sondern gegeneinander arbeiten. Und was passiert, wenn Muskeln gegeneinander arbeiten? Genau, Schmerz entsteht! Frauen, die Schmerzen während der Geburt spüren, bilden sich das ja nicht ein, sie erleben es tatsächlich. Die Frage ist vielmehr, warum genau erleben sie es so? Was passiert da in ihrem Körper und in ihrem Geist?

Wie ist das mit dem Schmerz?

Neben der Angst und der Anspannung und dem daraus resultierenden Schmerz kommt noch eine weitere, viel wichtigere Komponente hinzu. Wir wissen, dass es schmerzhaft sein wird. Wir wissen, dass wir erst in die Klinik fahren sollten, wenn wir es vor Schmerzen nicht mehr aushalten können (denn sonst ist die Geburt noch nicht weit genug fortgeschritten). Wir wissen ebenso, es braucht Schmerz für die Geburt, es ist halt einfach unausweichlich und wir müssen da durch. Wenn wir so sehr darauf warten und so sehr darauf fokussiert sind und bei jeder Empfindung, die wir wahrnehmen bewerten, wie schmerzhaft es denn ist, dann ist es nur natürlich, dass wir Schmerz empfinden. Es heißt immerhin je schmerzhafter, desto weiter ist die Geburt fortgeschritten und genau das wollen wir ja. Dann werden wir natürlich auch nichts anderes erleben (können). Unser Gehirn kennt keinen Unterschied zwischen realem Erleben und intensiver Vorstellung!

Was kann ich dagegen tun?

Du kannst bereits während deiner Schwangerschaft deine Wahrnehmung trainieren. Sobald du eine Empfindung in deinem Körper wahrnimmst, spüre hin und nimm wahr, was das wirklich ist, was sich dir da gerade zeigt. Nimm wahr, wie sich das anfühlt, was da gerade ist. Ist es ein Druck, ein Ziehen oder eine andere Empfindung? Trainiere deine Wahrnehmung, nimm genau wahr was es wirklich ist, anstatt sofort „Aua, Schmerz, tut weh“ zu denken. Denn oft ist es kein Schmerz, sondern eben Druck, ein Ziehen, eine Anspannung oder was auch immer. Vielleicht verschwindet diese Empfindung sofort, wenn du einmal tief durchatmest und den Bereich bewusst locker lässt. Diese andere Wahrnehmung hilft dir ebenfalls, während der Geburt auftretende Impulse als das wahrzunehmen was sie wirklich sind.

Wenn du weißt, du wirst keinen Schmerz erleben, sondern vielleicht ein Ziehen spüren, wenn sich die Muskeln der Gebärmutter dehnen, oder ein Druck, wenn dein Baby im Geburtsweg ist, dann gehst du mit einer geänderten Haltung an die Geburt heran und wirst viel eher genau das erleben, was du dir vorher immer wieder vorgestellt hast. Genauso kannst du dir auch vorab überlegen, wie wohl und wie entspannt du dich während der Geburt fühlen willst. Du wirst das erleben, von dem du ausgehst. Es ist deine Entscheidung! (Es sei denn, es tritt der unwahrscheinliche Fall eines medizinischen Notfalls ein.)

Was passiert, wenn wir diese Vorstellung einfach drehen?

Was wäre, wenn wir die massive Aufmerksamkeit, die wir auf das Thema Schmerz geben für genau das nutzen, was wir erreichen wollen? Und zwar Entspannung und Schmerzfreiheit. Wenn wir uns in der Vorbereitung der Geburt darauf einstimmen, dass eine Geburt schmerzfrei ist, dass eine Geburt entspannt und vollkommen sanft ist, dass eine Geburt ein kraftvoller, ganz natürlicher, normaler und schmerzfreier Prozess ist, können wir mit diesen Gedanken viel mehr erreichen. Was wäre, wenn wir das zu unserem neuen Wissen machen? Was ist dann möglich? Ja, das kollektive Allgemeinwissen mag stark sein und gleichzeitig ist es deine Entscheidung, was du erleben willst, was du glaubst, worauf du dich fokussierst und was du dir immer und immer wieder vorstellst. Du hast es in der Hand, deine Gedanken und Überzeugungen werden deine Realität!

Ist es wirklich so leicht?

Veränderung ist meistens nicht ganz leicht. Wir sind Gewohnheitstiere und verändern uns per se erstmal ungern. Denn Veränderung bedeutet, wir gehen aus unserer bisherigen Komfortzone heraus und tun etwas Neues, Ungewisses, das wir vielleicht noch nicht kennen. Das braucht Mut und starken Willen und/ oder einen gewissen Leidensdruck.

Es ist eine Entscheidung

In erster Linie ist es eine Entscheidung. Denn du entscheidest über das was du erlebst bzw. erleben möchtest und zwar bewusst und unbewusst. Häufig stehen uns ja jede Menge Glaubenssätze im Weg, die wir im Laufe unseres Lebens adaptiert haben. Gerade dieses „kollektive Allgemeinwissen“ über die Geburt beinhaltet ganz viele Glaubenssätze, die verändert werden dürfen – in der Art, wie du es möchtest und in der Art, wie du es für möglich hältst. Denn einen neuen Glaubenssatz, den du nicht für möglich hältst, wirst du nicht erfolgreich in dir verankern können.

Was brauche ich noch für Schmerzfreiheit?

Die sogenannte Mindset-Arbeit, die Veränderung deiner Glaubenssätze, die Veränderung von dem, wovon du ausgehst, was du über Geburt denkst, was dir wiederfahren wird oder auch nicht, ist ein wesentlicher Schritt. Eine weitere Methode ist das Erlernen von Entspannung und Selbsthypnose.

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist es dein Job, während der Geburt einen vollkommen entspannten Körper zur Verfügung zu stellen. Das braucht in der Regel Übung, es sei denn, du bringst dich bereits täglich mit Leichtigkeit selbst in (tiefe) Entspannung. Es ist etwas, was dir sehr gut tun wird und für die meisten leicht und kurzfristig erlernbar ist. Eine weitere Methode ist die „richtige“ Selbsthypnose mit Codewort.

Wie funktioniert Selbsthypnose mit Codewort?

In meinen Kursen (online und offline) bringe ich die Frauen – nach entsprechender Vorbereitung – in sehr tiefe Entspannung bzw. Hypnose. Hypnose ist im HypnoBirthing gleichgesetzt mit sehr tiefer Entspannung. Etwas anderes als Entspannung wollen wir hier nicht von der Hypnose. Ich bringe dich in eine Tiefe, in der du so entspannt bist, dass dein Schmerzempfinden vollständig ausgeschaltet ist. Du fühlst dich dort, als hättest du eine künstliche Betäubung bekommen. Du wirst vollkommen entspannt, losgelöst, locker, unempfindlich und schmerzfrei. Du nimmst weiterhin Bewegungen und Druck in deinem Körper wahr, allerdings keinerlei Schmerz.

In diesem tiefen Zustand der Entspannung verankere ich dir dein Codewort. Mit diesem kannst du dich von nun an selbst in Sekundenschnelle in diesen tiefen Zustand der Entspannung bringen. Es ist eine enorme Abkürzung in die Entspannung und du bist sofort da, wo du hin willst. Für die Geburt ist das von unschätzbarem Wert, denn du kannst dich in Sekundenschnelle so tief bringen, wofür du sonst viele Minuten brauchen würdest und womöglich auf dem Weg dorthin abgelenkt werden könntest.

Aus meiner Erfahrung ist es die wirkungsvollste und effektivste Methode, die du für deine Geburt nutzen kannst. Es macht dich so unabhängig von allem, was um dich herum passiert. Du bist damit ganz in deiner Macht, in deiner Kraft, in deiner Stärke und in genau der Entspannung, die dein Körper und dein Baby brauchen, um die Geburt ganz sanft und natürlich zu vollbringen.

Und wie war es jetzt bei mir?

Ich habe nach meiner anfänglichen Skepsis, ob die Geburt anders sein kann, als ich es erlebt habe begonnen, mich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen. Ich habe Bücher gelesen, einen HypnoBirthing-Kurs besucht und mich mit einer ganz anderen Haltung und Einstellung auf die Geburt vorbereitet. Ich habe eine vollkommen entspannte, selbstbestimmte und tatsächlich schmerzfreie Geburt erlebt. Obwohl ich die Selbsthypnose mit Codewort zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte.

Die Wirksamkeit der Selbsthypnose haben mir viele Frauen nach ihrer Geburt bestätigt. Da ich immer gerne selbst die Erfahrung mache und keine Geburt vor mir hatte, habe ich diese Methode beim Zahnarzt getestet und mir einen Weisheitszahn ohne künstliche Betäubung ziehen lassen. Vollkommen schmerzfrei – ich weiß, dass es funktioniert!

Geburt: Sechs Frauen berichten von ihren Erfahrungen

Jede werdende Mutter versucht sich vorzustellen, wie die Geburt ihres Kindes sein wird und welche Schmerzen auf sie zukommen. Der Geburtsverlauf ist etwas sehr Individuelles – genauso wie die Schmerzen, die Frauen erleben. Lesen Sie die Erfahrungsberichte von fünf Müttern.

Die Berichte spiegeln die Individualität des Gebärens wider: Hausgeburt, Wassergeburt, PDA, Notkaiserschnitt, Blasensprung – das gesamte Spektrum haben die Frauen erlebt. Bei einer vergingen zwei Tage von der ersten Wehe bis zur Geburt. Bei einer anderen dauerte die Geburt nur wenige Stunden. Auffallend ist, dass die Frauen zwar zum Teil sehr heftige Schmerzen hatten, diese aber direkt nach der Geburt wieder vergessen sind. Anders bei den beiden Frauen, deren Geburten im Notkaiserschnitt endeten. Sie bedauern, die Geburt und die ersten Stunden mit ihrem Baby verpasst zu haben. Auch waren die zweiten und dritten Geburten oft weniger schmerzhaft oder dauerten kürzer.

Natasa: „Ich war unheimlich stolz auf mich“

Bei der ersten Geburt waren die Schmerzen unerträglich. Du fragst dich immer wieder „Wann ist der Horror endlich vorbei, wann darf ich endlich pressen?“ Ich habe gedacht mein Bauch zerreißt. Obwohl ich mir vorher fest vorgenommen hatte, keine PDA zu nehmen, hätte ich in dem Moment alles gemacht, dass es nicht mehr so weh tut (hab’s dann aber doch noch ohne geschafft). Als Maida dann da war und auf meiner Brust lag, waren die Schmerzen zwar nicht vergessen, aber sie erschienen mir nicht mehr so schlimm. Außerdem war ich unheimlich stolz auf mich. Meine erste Geburt war deshalb sehr schön, abgesehen von der doofen Hebamme.

Bei meiner zweiten Geburt musste ich zum Einleiten ins Krankenhaus. Kian war zehn Tage überfällig. Ich wusste „Heute geht´s los!“ Die Hebamme war sehr nett und hat mich auch vorher gefragt, ob ich eine PDA möchte und wo und wie ich gebären will. Als es mit den Wehen losging, waren die Schmerzen sogar noch viel heftiger als beim ersten Mal. Was mir geholfen hat ist, dass ich mir immer wieder gesagt habe „Du schaffst das“. Die Geburt war zum Glück sehr schnell, aber auch anstrengend, weil ich nicht viel Verschnaufpause zwischen den Wehen hatte. Wie bei der ersten Geburt waren auch hier die Schmerzen wieder fast vergessen, als Kian auf meiner Brust lag und ich habe auch diese Geburt als sehr schön empfunden.

Mirjam: Zwei super-unkomplizierte Geburten

Nach zwei „super-unkomplizierten“ Geburten kann ich nur sagen, dass ich diese nicht als sehr schmerzhaft empfunden habe. Lag es vielleicht daran, dass ich beide Kinder per Wasser-Geburt auf die Welt gebracht habe? – Könnte sein. Auf jeden Fall konnte ich, sobald ich im Wasser, lag die Wehen viel besser „wegatmen“ als vorher „an Land“. Und in den Wehenpausen konnte ich sehr gut entspannen und wieder neue Kräfte tanken.

Nicole: Die Pausen brachten kaum Erholung

Bei der Geburt meines ersten Kindes war ich 33 Jahre alt. Sie begann mit einem Blasensprung am frühen Morgen. Der verursacht erst mal gar keine Schmerzen. Um 21 Uhr waren immer noch keine Wehen in Sicht, deshalb setzte die Hebamme Akupunktur ein. Als dies die Geburt auch nicht weiterbrachte, bekam ich ein wehenförderndes Mittel gespritzt. Die Wirkung setzte schnell ein und die Schmerzen auch. Im Verlauf der Geburt waren meine Schmerzen so groß, dass mir zwischendrin ein Wehenhemmer gespritzt wurde. Auszuhalten waren die Schmerzen im Liegen gar nicht. Die meiste Zeit verbrachte ich abwechselnd im Stehen und hielt mich an einem herabhängenden Tuch fest oder im Sitzen auf dem Petziball.

Die Geburt meiner jüngeren Tochter zweieinhalb Jahre später verlief anders. Auch hier begann die Geburt mit einem Blasensprung, diesmal setzten die Wehen allerdings von alleine ein. Auch hier waren sie schmerzhaft, aber die Pausen waren ohne den Einsatz von wehenfördernden Medikamenten viel erholsamer. Diesmal war es eine Wassergeburt, insgesamt mit viel weniger Schmerzen und einer viel angenehmeren Atmosphäre.

Sandra: „Jede Geburt ist ganz anders“

Meine drei Geburten waren ganz verschieden – auch die Schmerzen. Die Schmerzen der ersten Geburten sind mir am meisten in Erinnerung geblieben. Bei meinem ältesten Sohn hatte ich einen Notkaiserschnitt, weil die Plazenta ihn nicht mehr gut versorgt hat, denn er war zehn Tage übertragen. Nach der Geburt hatte ich die ganze folgende Nacht unerträgliche Schmerzen. Meinen Sohn habe ich in dieser Nacht nur kurz gesehen. Obwohl jetzt schon zwölf Jahre vergangen sind, habe ich noch immer das Gefühl, entscheidende Stunden verpasst zu haben.

Bei meinem zweiten Sohn wollte ich nicht noch mal das Gleiche erleben. Ich habe ihn zu Hause bekommen, unterstützt von einer Hebamme. Sie ist ruhig geblieben und so konnte auch ich ruhig bleiben. Nachts um halb fünf wurde ich von der ersten Wehe geweckt. Als ich in die Badewanne gegangen bin, ging es plötzlich so heftig los, dass wir schnell die Hebamme gerufen haben. Dann hat es noch siebeneineinhalb Stunden gedauert, zwischendurch hatte ich so dolle Schmerzen, dass ich dachte, es nicht aushalten zu können. Ungefähr eine Stunde vor der Geburt kam die zweite Hebamme dazu. An diese Zeit habe ich nur bruchstückhafte Erinnerung. Es war eine sehr anstrengende, aber unkomplizierte Geburt. Und das Wichtigste: Als unser Sohn geboren war, waren die Schmerzen sofort vergessen. Sie spielen einfach keine Rolle mehr, denn ich war so froh, das gesunde Kerlchen in den Armen zu halten.

Die Geburt unserer Tochter war komplett anders. Weil ich am neuen Wohnort keine passende Hausgeburts-Hebamme gefunden habe, habe ich sie ambulant im Krankenhaus entbunden. Das meiste haben mein Mann und ich alleine gemacht. Als wir im Krankenhaus waren, bin ich in die Badewanne gegangen, dort wurden die Wehen innerhalb von einer Minute so heftig, dass ich es kaum geschafft habe, meinen Mann auf mich aufmerksam zu machen, um die Hebamme zu rufen. Als ich aus der Wanne raus war, öffnete sich der Muttermund von zwei auf zehn Zentimeter. Das war sehr sehr schmerzhaft, ich dachte, es zerreißt mich und mit ein paar Sekunden Pause ging es in die Austreibungsphase. Dafür hatte ich diese Phase in einer Wehe erledigt. Schmerzen hatte ich nur für ungefähr eine halbe Stunde. In dieser letzten halben Stunde hat mir auch die Erfahrung mit den anderen Geburten nicht geholfen.

Yvonne: „Beim nächsten Kind wird alles anders“

Die Geburt meiner Tochter wurde eingeleitet, weil sie 14 Tage überfällig war. Zuerst hat man mich an einen Wehentropf gehängt. Dadurch wurden sehr starke Wehen ausgelöst. Es fühlte sich an, als wäre ein LKW über meine Beine gefahren. Mein ganzer Körper hat gezittert und die Schmerzen kamen innerhalb weniger Minuten. Nach 20 Minuten hat man mich vom Tropf genommen und gehofft, dass die Wehen von alleine kommen. Weil das nicht geschah, gab man mir ein Wehengel. Dies verursachte aber nur sehr schwache und unregelmäßige Wehen, wie Regelschmerzen. Erst mehrere Stunden später setzten die Geburtswehen ein. Diese waren sehr stark und kamen ohne Pausen. Die Hebammen haben nach vier Stunden festgestellt, dass ich einen Wehenkrampf habe und mir die Badewanne empfohlen, um die Krämpfe zu lindern.

Kaum war das Wasser eingelassen, haben die Hebammen mit der zuständigen Ärztin entschieden, eine PDA zu legen, damit ich bei der Geburt nicht zu entkräftet bin. Dies war dann ein wenig entspannend, weil man wirklich keine Schmerzen mehr spürt. Leider habe ich dann erfahren, dass das Baby die Prozedur der Geburt ganz alleine durchstehen muss. Das hat mich dann schon sehr traurig gemacht. Ich fand es damals sehr egoistisch von mir.

Die PDA hat leider nicht allzu lange angehalten, schon nach 2,5 Stunden habe ich nach einem Nachschlag gebettelt, habe ihn aber erst bekommen, als ich wieder starke Dauerkrämpfe hatte. Gegen 6 Uhr morgens hat man dann entschieden, einen Kaiserschnitt zu machen. Diesen mussten die Ärzte unter Vollnarkose durchführen, weil ja schon zu viel von der PDA in meinen Rückenkanal war. Als ich dann wieder zu mir kam lag mein kleiner Sonnenschein auf meiner Brust und war total erschöpft. Durch die Vollnarkose war ich fast den ganzen Tag benommen und bin immer wieder eingeschlafen. So habe ich den ersten Tag meines Babys gar nicht richtig mitbekommen. Am nächsten Tag hat mir die Ärztin erklärt, dass meine Tochter nicht richtig gelegen hat (hoher grader Stand) und sie gar nicht ohne Kaiserschnitt zur Welt hätte kommen können. Ich finde es sehr schade, da ich gerne mit bekommen hätte, wie meine Tochter zur Welt kommt ist. Aber bei der nächsten Geburt lasse ich so etwas vorab überprüfen und versuche auch auf die PDA zu verzichten. Beim nächsten Kind wird alles anders.

  • Geburtsschmerzen : PDA kann die Geburt um mehr als zwei Stunden verlängern
  • Kult-Hebamme Ingeborg Stadelmann: “Angst dominiert heute wie früher“
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Protokoll einer Geburt

Die Geburt eines Kindes ist das Ende der Schwangerschaft und der Beginn des Mutter-Seins. Bis Sie Ihr Baby in den Armen halten dürfen, kommt aber einiges auf Sie und Ihren Körper zu. Doch gerade Erstgebärende haben oft eine falsche, viel zu schlimme Vorstellung vom Geburtsvorgang. Das Protokoll einer Geburt …

1. Die Vorbereitung beginnt

Schon etwa um die 30. SSW beginnt Ihr Körper mit dem Training für die Geburt, nämlich mit den sogenannten Übungswehen. Dabei zieht sich die Gebärmutter immer wieder zusammen und übt so für die echten Wehen. Sie werden davon nur wenig mitbekommen, außer dass Ihr Bauch vorübergehend hart wird.

Wesentlich deutlicher werden Sie die sogenannten Senkwehen spüren. Die sorgen dafür, dass Ihr Baby allmählich tiefer in den Beckeneingang geschoben wird und in die richtige Geburtsposition rutscht. Die Senkwehen setzen meist um die 35. SSW oder 36. SSW ein. Wie sie sich anfühlen, ist schwer zu beschreiben. Denn egal, welche Mutter Sie fragen, Sie bekommen vermutlich keine eindeutige Auskunft, jede Frau empfindet die Wehen anders: Eine vergleicht sie mit sehr starkem Menstruationsschmerz, bei der anderen zieht es im Rücken, einige spüren einen Druck im Becken.

2. Der Körper gibt das Startsignal

Anders als Übungs- und Senkwehen geben die echten Wehen wirklich das Startsignal. Das Baby will jetzt auf die Welt kommen. Aber wie erkenne ich echte Wehen? Eine Frage, die vor allem Erstgebärende nervös macht. Denn auch echte Wehen können sich zunächst recht ähnlich anfühlen wie die Senkwehen. Es gibt dennoch ein paar deutliche Unterscheidungsmerkmale, anhand derer Sie echte Wehen erkennen können. Echte Wehen lassen sich in ihrer Schmerzintensität und Dauer nicht beeinflussen. Das heißt, es ist egal, ob Sie die Position wechseln und herumlaufen, sitzen oder stehen – der Schmerz bleibt gleich. Außerdem werden sie von Mal zu Mal stärker, dauern länger an und die Zeitabstände verkürzen sich.
Bemerken Sie außerdem bräunlich gefärbte Blutungen in glasigem Schleim, dann ist das ein deutliches Anzeichen für die Geburt. Die Blutungen sind ein Zeichen dafür, dass der Zervixpropf, der den Gebärmutterhals bisher verschlossen hat, sich gelöst hat und quasi den Weg für das Baby freigibt.

Schwangerschaft

Anzeichen für die Geburt: Wann geht es endlich los?

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Die Fruchtblase platzt bei den meisten Schwangeren aber wirklich erst in den ersten Phasen der Geburt. Nämlich dann, wenn der Muttermund sich weitet und bereits Wehen vorhanden sind. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Frauen aber schon im Krankenhaus.
Faustregeln – Wann ins Krankenhaus/Geburtshaus?
➤ Die Wehen kommen in einem Abstand von fünf bis sieben Minuten
➤ Die Kontraktionen dauern länger als 20 Sekunden und werden schmerzhafter
➤ Blasensprung (unabhängig davon, ob Wehen vorhanden sind)

Wie groß werden die Geburtsschmerzen?

Dass die Geburtsschmerzen zu den intensivsten Schmerzen gehört, die man erleben kann, braucht man nicht zu verschweigen. Machen Sie sich dabei bewusst, dass der Schmerz einen wichtigen Sinn erfüllt: Er schützt Sie und Ihr Baby. Lesen Sie hier, was damit gemeint ist.

6. Ja, es wird sehr schmerzhaft …

Haben Sie schon mal beobachtet, dass die meisten Frauen nach der Geburt schöner, reifer und weiblicher wirken? Ein intensives Geburtserlebnis hat auf diese Entwicklung großen Einfluss. Dass der Geburtsschmerz zu den intensivsten Schmerzen gehört, die man erleben kann, braucht man nicht zu verschweigen. Allzu große Angst müssen Sie davor aber nicht haben. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Ihr Körper Ihnen nicht mehr zumuten wird, als Sie aushalten können. Machen Sie sich dabei bewusst, dass der Schmerz einen wichtigen Sinn erfüllt: Er schützt Sie und Ihr Baby und führt Sie sicher durch die Geburt hin zu Ihrem Kind und sorgt dafür, dass Sie ihm nach seiner Ankunft die notwendige Geborgenheit geben können. Wie genau das funktioniert?

Grundsätzlich ist es so: Schmerzen signalisieren dem Körper, „Aufgepasst, hier passiert etwas, das deine ganze Konzentration erfordert.“ Bei einer Geburt übernehmen bestimmte Hormone diese wichtige Rolle und rufen eine Stresssituation hervor. Als sogenannte Botenstoffe stellen sie eine enge Verbindung zwischen dem Gehirn und den Nervenzellen her, sodass der Körper ständig mit Informationen darüber versorgt wird, was in dieser Situation nötig ist.

7. Körpereigenes Betäubungsmittel

Das Oxytocin beispielsweise ist dafür verantwortlich, dass die Geburt eingeleitet wird. Verstärkt ausgeschüttet wird das Hormon durch die spürbaren Kontraktionen des Gebärmutterhalses während der Wehen. Das Oxytocin sorgt aber auch dafür, dass die Produktion von Endorphinen angeheizt wird. Diese wirken wie ein körpereigenes Betäubungsmittel. Sie steuern den Schmerz während der Wehen und in den Pausen so, dass er für Sie erträglich bleibt.
Zudem bewirken Endorphine gegen Ende der Eröffnungsphase eine Art Bewusstseinserweiterung, die Sie in einen tranceähnlichen Zustand und damit in die Lage versetzt, Ihre große Aufgabe bewältigen zu können. Sie werden sehen: Wenn Sie Ihre Grenzen überschreiten, werden Sie ungeahnte Fähigkeiten an sich entdecken. Auf diese werden Sie sicher später gerne zurückgreifen, wenn Sie Ihrem Baby erst einmal auf die Welt geholfen haben.
Und noch etwas: Auch wenn die Wehenschmerzen immer wieder als unglaublich starke Schmerzen beschrieben werden. Kaum ist das Baby da, sind die Schmerzen auch vorbei. Und dank des Zusammenspiels von Hormonen und dem unglaublichen Glücksgefühl, das Baby endlich in den Armen zu halten, sind sie auch schnell wieder vergessen. Ja mehr noch, Sie werden sich später daran sogar positiv erinnern. Die Geburt ist ein besonders intensives Erlebnis und letztedlich hat Sie auch der Schmerz Ihrem Baby auf ganz besondere Art und Weise näher gebracht. Doch noch liegt ein gutes Stück Arbeit vor Ihnen, bis das Baby kommt.

Die verschiedenen Phasen der Geburt

Die Wehen sind der Auftakt für die Geburt und das Warten auf das Baby beginnt. Was im Krankenhaus genau passiert und wie die verschiedenen Phasen der Geburt ablaufen.

3. Platz da, jetzt komm ich

Spüren Sie die ersten Wehen und hat sich der Zervixpropf, der den Gebärmutterhals bisher verschlossen hat schon gelöst, dann wird es Zeit ins Krankenhaus zu fahren. Aber Sie müssen keine Angst haben, zu spät zu kommen. Direkt in den Kreissaal kommen Sie nur, wenn die Geburt schon bevorsteht. Das ist aber allermeist nicht der Fall. Vor allem Erstgebärende fahren häufig lieber zu früh als zu spät in die Klinik. Aber das ist auch völlig in Ordnung. So fühlen Sie sich zumindest sicher und gut vorbereitet, wenn es dann endlich richtig losgeht. Wenn Sie einen Blasensprung hatten, bringt das meist auch die Wehen in Gang. Das muss aber nicht zwingend der Fall sein. Wenn die Wehen nicht innerhalb einer gewissen Zeitspanne (meist 24 Stunden) einsetzen, raten Ärzte häufig zur sogenannten „Geburtseinleitung“. Sie bekommen Medikamente (Tabletten oder Zäpfchen), die die Wehen auslösen. Länger als die meist üblichen 24 Stunden sollte man mit der Einleitung der Geburt nicht warten, da es sonst zu einer Infektion kommen kann. Durch den Blasensprung besteht zwischen Scheide und Gebärmutter eine offene Verbindung, über die Keime in die Gebärmutter eindringen können.
Ganz wichtig: der Mutterpass. Kontrollieren Sie unbedingt, ob Sie ihn eingepackt haben, bevor Sie ins Krankenhaus fahren. Die Hebamme wird – sobald Sie in der Klinik sind – einen Blick in den Mutterpass werfen. Außerdem stellt Sie ihnen einige Fragen, um sich ein Bild zu machen, wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist. Sie wird wissen wollen, ob schon Fruchtwasser abgegangen ist, wie regelmäßig die Wehen sind und wie es Ihnen geht. Dann folgt eine gründliche Untersuchung: Blutdruck und Körpertemperatur werden gemessen, Ihr Bauch wird abgetastet. Per CTG wird untersucht, wie die Wehentätigkeit und die Herztöne Ihres Babys sind. Bei der anschließenden vaginalen Untersuchung überprüft die Hebamme, wie weit Ihr Muttermund geöffnet ist. Danach dürfen Sie sich im Krankenhausgarten oder auf dem Flur noch ein bisschen die Beine vertreten. Und warten, bis ihr Baby sich noch ein bisschen weiter vorgearbeitet hat.

4. Warten auf das Baby: die Eröffnungsphase

Und dann heißt es: warten! Die Hebamme wird in regelmäßigen Abständen kontrollieren, wie weit der Muttermund sich schon geöffnet hat und ob es Ihrem Baby gut geht. Zu Beginn der Eröffnungsphase sind es vielleicht nur zwei Zentimeter, im weiteren Verlauf muss er sich auf etwa zehn Zentimeter weiten. Bis dahin können Sie nur Warten. Tun Sie also das, wonach Ihnen gerade zumute ist: Musik hören, lesen oder spazieren gehen. Viele Kliniken sind mit Partnerräumen ausgestattet, in denen Sie und Ihr Partner sich ausruhen können. Jetzt ist außerdem der richtige Zeitpunkt, um mit der Hebamme und/oder dem Arzt über eventuelle Schmerzmittel zu sprechen.

5. Der Muttermund ist offen

Gegen Ende dieser noch relativ „entspannten“ Eröffnungsphase werden die Wehen jedoch schmerzhafter. Ihr Baby versucht nun, mit aller Macht seinen Weg zu finden. Je tiefer sein Köpfchen dabei ins Becken rutscht, desto stärker weitet sich der Muttermund. Die Wehen kommen nun etwa regelmäßig alle drei Minuten und können 60 bis 90 Sekunden andauern.

Nutzen Sie die Pausen dazwischen, um Kraft zu schöpfen. Um Ihr Baby brauchen Sie sich nicht zu sorgen, die Hebamme wird immer wieder mittels CTG kontrollieren, ob es ihm gut geht. Wahrscheinlich ist spätestens jetzt die Fruchtblase gesprungen, und das klare Fruchtwasser fließt. Durch den nachlassenden Druck in der Gebärmutter kommt es oft zu einer längeren Wehenpause. Sie und Ihr Baby können sich jetzt etwas ausruhen. Nutzen Sie die Zeit auch, um etwas zu trinken und vielleicht eine Kleinigkeit zu essen. Die Geburt wird (leider) noch anstrengender. Angst vor den Geburtsschmerzen brauchen Sie allerdings nicht haben – die Natur hat dafür gut vorgesorgt.

Es ist geschafft: Das passiert nach der Geburt

Die Geburt ist geschafft – das Baby ist da. Und sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, beginnt endgültig das Leben außerhalb des Mutterleibs. Lesen Sie hier, was nach der Geburt passiert.

11. Durchtrennen der Nabelschnur

Sobald Sie sich bequem hingelegt haben, wird man Ihnen Ihr Baby auf den Bauch legen. In einigen Kliniken wird nun auch gleich die Nabelschnur durchtrennt. Besser ist es aber, zu warten, bis sie aufhört zu pulsieren, denn so kann sich Ihr Baby an die eigene Lungenatmung gewöhnen. Für ein spätes Abnabeln sprechen noch andere medizinische Gründe: Kanadische Gynäkologen haben bei der Auswertung von 15 Studien mit fast 2000 Neugeborenen herausgefunden, dass Kinder, die frühestens nach zwei Minuten abgenabelt wurden, unter anderem stärker gefüllte Eisenspeicher als die Kinder der Vergleichsgruppe hatten.

So lange haben Sie also in jedem Fall Zeit zum ersten „Beschnuppern“. Dann dürfen Sie entscheiden, wer die Nabelschnur durchtrennt. Für den frischgebackenen Papa ist das ein bewegender, symbolischer Akt, denn erst die Abnabelung gilt als Zeitpunkt der Geburt. In diesen Momenten haben die meisten Frauen schon vergessen, wie mühsam und schmerzhaft die Geburt gewesen ist. Stattdessen sind sie von Hochgefühl erfüllt.

12. Die Nachgeburt

Nach der Geburt Ihres Kindes kommt es noch zu einer zweiten Geburt, nämlich die der Plazenta, die Ihr Baby während der Schwangerschaft mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt hat. Sie wird nach dem Abnabeln durch erneute Kontraktionen von der Gebärmutterwand gelöst und abgestoßen. Das kann noch einmal unangenehm werden, mit Blutungen verbunden sein und einige Zeit in Anspruch nehmen.
In einigen Kliniken werden routinemäßig Kontraktionsmittel gegeben, um die Ablösung der Plazenta zu fördern und so die Nachgeburtsblutung zu verringern. Wichtig ist nur, dass die Plazenta vollständig geboren wird, um Entzündungen vorzubeugen. Schließlich wird die Hebamme vorsichtig Ihren Damm untersuchen und entscheiden, ob er genäht werden muss. Nun werden Sie noch etwa zwei Stunden zur medizinischen Überwachung im Kreißsaal bleiben.

13. Erster Gesundheits-Check

Jeder gönnt Ihnen diese intensive Zweisamkeit, doch die Gesundheit des Babys ist ebenso wichtig. Die Hebamme wird es kurz entführen und „auf Herz und Nieren prüfen“. Zunächst einmal wird sie die Atemwege in Nase, Mund und Rachen von dem Schleim befreien, der sich dort gesammelt hat. Zudem wird sie nach jeweils einer, fünf und zehn Minuten mittels des APGAR-Tests lebenswichtige Reflexe Ihres Kindes kontrollieren. Danach haben Sie auch die Gewissheit über die Frage, die jeder Mama auf der Seele brennt: Ist mein Baby gesund?

14. Zeit zum Kuscheln

Aber dann ist ganz viel Kuscheln angesagt. Kosten Sie diese süßen Augenblicke unbedingt aus, denn durch Ihr vielleicht noch ungläubiges Staunen und die ersten Berührungen wird das lebenslange, enge Band zwischen Ihnen und Ihrem Kind geknüpft. Experten bezeichnen diesen intensiven Vorgang als Bonding. Auch wenn es noch so schön ist, sein Kleines so in den Armen zu halten, irgendwann wird Ihr Baby unruhig – es hat Hunger. Zeit für die erste Muttermilch. Die ist für Neugeborene besonders wichtig, denn sie enthält jede Menge Abwehrstoffe, die das Baby vor Infektionen schützen und sein Immunsystem anregen. Außerdem ist sie leicht bekömmlich und bringt die Verdauung in Schwung. Kurzum, sie sorgt für einen guten Start ins Leben.
Jetzt wo das Baby da ist, kommt wieder viel Neues auf Sie zu. Auch dann helfen wir gerne mit Tipps und Tricks weiter. Einen kleinen Einblick, was Sie erwartet, finden Sie in unserem Babyentwicklungskalender. Oder Sie klicken sich durch unsere Themenseiten z.B. „Leben mit Baby“.

Das Baby kommt!

Das Baby kommt! Gleich haben Sie es geschafft. In der letzten Phase der Geburt ist ein enges Zusammenspiel mit Ihrer Hebamme besonders wichtig. Vertrauen Sie ihr voll und ganz, sie wird Ihnen sagen, was zu tun ist.

8. Das Baby kommt!

Wenn die Wehenpause vorbei ist, bedeutet das für Sie wieder harte Arbeit. Denn jetzt beginnt die sogenannte Austreibungsphase, in der Sie das Baby Stück für Stück aus dem Geburtskanal pressen. Die Wehen werden jetzt heftiger und kommen in immer kürzeren Abständen. Unabhängig davon, für welche Gebärhaltung Sie sich entschieden haben – das Wichtigste ist jetzt, dass Ihr Körper und Ihr Baby optimal mit Sauerstoff versorgt sind. Wie Sie atmen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Hauptsache, Sie holen bei jeder herannahenden Wehenwelle tief Luft und lassen diese auch wieder heraus. Dieser bewusste Atemrhythmus lockert auch die Gebärmuskulatur und mindert so den Schmerz. Das ist wichtig, denn die Kontraktionen treten nun minütlich auf.

Ab einem gewissen Punkt werden Sie auch einen Druck auf den Darm spüren. Das ist der Kopf Ihres Kindes. Das mag sich zunächst unheimlich anhören, doch ist von der Natur genau so gewollt und erleichtert Ihnen sogar die Geburt. Denn durch diese Reizung des Enddarms entsteht im Körper ein natürlicher Drang zu Pressen. Ihre letzten Kraftreserven werden für den Endspurt also ganz automatisch mobilisiert.

9. Ich kann das Köpfchen sehen

Die Geburtswehen treten weiter im Minutentakt auf. Aber vermutlich ist Ihnen diese Zeitangabe ohnehin nicht wichtig. Weil Sie so sehr auf die Geburtsarbeit konzentriert sind, wird Ihnen jegliches Gefühl für Raum und Zeit abhandenkommen. Sie werden vielleicht denken: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.“ Aber in diesem Augenblick sind Sie bereits kurz vor dem Ziel – der Geburt Ihres Kindes!
Auch Ihr Kopf hilft Ihnen jetzt dabei, die letzte Phase der Geburt zu überstehen. Endorphine zwingen Ihren Kopf auf „power off“ zu schalten. Es bleiben nur diejenigen Gehirnareale aktiv, die Ihnen helfen, das Geschehen mitzugestalten. Vertrauen Sie jetzt voll und ganz auf Ihre Hebamme. Sie wird Ihnen sagen, was zu tun ist. Sie beobachtet ganz genau ob der Muttermund ganz geöffnet ist und wann das Köpfchen Ihres Babys richtig liegt.
Sobald es sich durch das enge Becken schraubt und genau in der Beckenmitte liegt, genügen wenige Presswehen, um Ihr Kind vorsichtig herauszuschieben. Ihre Hebamme wird Sie dabei unterstützen, möglicherweise auch bremsen, wenn sich das Gewebe beim Herausschieben des Köpfchens zu stark dehnt. Dadurch kann ein Dammriss verhindert werden. Geschieht es dennoch, machen Sie sich keine Sorgen – Sie werden es nicht spüren. Denn die Verletzung entsteht während einer Presswehe. Zu diesem Zeitpunkt ist das Dammgewebe nicht durchblutet, dadurch nimmt Ihr Gehirn den Riss nicht als Schmerz wahr.

10. Noch einmal Pressen

Jetzt schüttet Ihr Körper ein wahres Füllhorn an Hormonen aus, und Sie sind in der Lage, Ihr Kind völlig eigenständig zu gebären. Dabei kommt Ihnen wieder das Adrenalin zu Hilfe. Es mobilisiert Ihre Kraftreserven und unterstützt Sie bei der Stressbewältigung, indem es die Herzfrequenz erhöht und die Bronchien erweitert.
Sobald das Köpfchen ganz zu sehen ist, ist eine kurze Verschnaufpause angesagt. Nun wird die Hebamme es ganz vorsichtig in beide Hände nehmen und sanft drehen, damit der Körper Ihres Kindes leichter „durchrutschen“ wird. Nach einer kurzen Wehenpause schieben Sie die Schultern, Arme und Beine Ihres Babys mit einer großen letzten Wehe hinaus. Es ist geschafft – der lang ersehnte Moment ist gekommen: die Geburt Ihres Kindes!

Anke Kieltyka vom Bund Deutscher Hebammen erklärt, wie Sie Ihren Damm durch sanfte Massagen auf die Geburt vorbereiten können.

Verschiedene Techniken können helfen, die Geburtsschmerzen besser zu verkraften. Unterstützend wirken eine für die Frau angenehme Umgebung, eine seelische und liebevolle Unterstützung durch Begleitpersonen, Motivation durch Klinikpersonal, aber auch bewusste Atem- und Entspannungstechniken. Oftmals ist es hilfreich, wenn die Frau versucht, sich auf das Ziel, nämlich die Geburt ihres Kindes, zu freuen und darauf hinzuarbeiten. Die Geburt sollte nach Möglichkeit nicht nur als schmerzendes und schlechtes Ereignis, sondern auch als positives, freudiges Erlebnis gesehen werden. Dies kann sich sehr positiv auf die Schmerzwahrnehmung der Frau auswirken. Die Euphorie über die Geburt des Kindes lässt viele Frauen auch im Anschluss an die Geburt die schlimmen Schmerzen vergessen.

  • Atemtechniken: Eine regelmäßige Atmung ist während der Geburt sehr wichtig für Mutter und Kind. Nur so kann die optimale Sauerstoffversorgung des Babys gewährleistet werden. Außerdem führt eine unregelmäßige Atmung zur vorzeitigen Erschöpfung der Mutter. Durch die Geburtsschmerzen und die Erschöpfung durch lange dauernde Geburtsvorgänge kann es schnell zur Hyperventilation kommen, wobei die Frau zu schnell und zu lange einatmet, aber nur kurz ausatmet. Dies führt zu Schwindelgefühlen, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Die Frau sollte sich daher auf ihre Atmung konzentrieren und darauf achten, dass die Phase des Ausatmens etwa dreimal so lange dauert wie die Einatmung. Oft ist es hilfreich, wenn bei der Ausatmung die Stimme eingesetzt wird. So wird die Atmung bewusster. Zwischen Ein-und Ausatmung kann eine kurze Pause eingelegt werden, um beide Phasen bewusst voneinander zu trennen. Während der Austreibungsphase sollte die Luft nicht angehalten werden. Dies wird manchmal empfohlen, führt jedoch schnell zu Sauerstoffmangel im kindlichen Kreislauf. Stattdessen sollte die Gebärende am Anfang der Wehe tief einatmen und die Luft dann während des Pressaktes langsam entweichen lassen. Dies mindert zudem den Druck in der Dammregion, was sehr entlastend ist.
  • Wenn das Köpfchen des Kindes geboren wird, darf nicht mehr aktiv gepresst werden. In dieser Phase bietet sich eine hechelnde Atemtechnik an, die dazu dient, den Druck im Bauchraum möglichst zu reduzieren und keinen zusätzlichen Druck auf das Kind auszuüben. Ansagen durch die Geburtshelfer/innen können für viele Frauen hilfreich sein, wenn es ihnen durch die Aufregung und Schmerzen nicht möglich ist, in einen geregelten Atemrhythmus zu finden.

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  • Geburtsposition: Eine für die Frau angenehme Geburtsposition ist sehr wichtig für eine erträgliche Geburt. Am besten kann die Gebärende selbst herausfinden, in welcher Position sie die Schmerzen am ehesten verkraften kann. Für viele Frauen ist eine Wannengeburt angenehm, da das warme Wasser entspannend und entkrampfend auf die Muskulatur wirkt. Dadurch können die Schmerzen erträglicher gemacht werden. Eine liegende Position kann angenehm sein, da in dieser Position eine gute Entspannung in den Pausen zwischen den Wehen erreicht werden kann. Im Sitzen hilft die Schwerkraft dabei, das Kind frühzeitiger in den Geburtskanal einzubringen, manchmal ist diese Position jedoch auch schmerzhafter als andere Stellungen, da der Druck auf den Beckenboden höher ist.
  • Bewegung: Bewegung zu Beginn des Geburtsvorganges kann die Schmerzen lindern. Viele Schwangere werden dazu animiert, etwas umherzulaufen oder ihr Becken kreisen zu lassen. Dies fördert die Muskelentspannung, hilft aber auch gleichzeitig dem Baby, den Eintritt in den Geburtskanal zu finden.
  • Körpereigene Endorphine: Der Körper setzt während der Geburt Endorphine frei. Diese wirken sozusagen als körpereigene Schmerzmittel. Sie sorgen dafür, dass der Geburtsschmerz für die Frau besonders zwischen den Wehen erträglich bleibt. Außerdem lösen sie gegen Ende der Geburt bei der Frau einen trance-ähnlichen Zustand aus, der einer Bewusstseinserweiterung gleicht. Die Frau wird dadurch dazu befähigt, die Geburt abzuschließen und den Geburtsschmerz zu ertragen. Auch die Euphorie beim ersten Anblick des Kindes wird der Wirkung der Endorphine zugeschrieben. Das Hormon Oxytocin wird ebenfalls unter der Geburt freigesetzt. Es ist besonders für die Bindung zwischen Mutter und Kind wichtig und fördert zusätzlich die Bildung der Endorphine, sodass diese in ausreichender Menge in den Kreislauf der Frau ausgeschüttet werden.
  • Akupunktur: Manche Frauen entscheiden sich für eine geburtsvorbereitende Akupunktur. Diese Methode hilft jedoch nicht jeder Frau in gleichem Maße. Sie kann jedoch die Produktion der körpereigenen Endorphine ankurbeln und dadurch auf natürliche Art und Weise zu einer Linderung der Schmerzen beitragen. Auch eine Massage von Nacken und Schultern durch eine Begleitperson kann der Frau während der Geburt etwas von ihrer Anspannung nehmen. Besonders sehr aufgeregten und verkrampften Frauen kann dies gut tun

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Die Geburt: Eine Mutter erzählt

Dienstag, 17. September

15:30 Uhr: Ich sitze am Schreibtisch und lese. Laut errechnetem Termin sind es noch knapp vier Wochen bis zur Geburt. Plötzlich spüre ich, dass mein Sitzkissen nass ist. Sofort schießt mir durch den Kopf: Die Fruchtblase ist geplatzt! Mit gepackter Krankenhaustasche neben mir rufe ich meine Hebamme an, um ihr mitzuteilen, dass es jetzt soweit ist. Meine Hebamme stattet mir einen Besuch ab und untersucht mich genau. Mittels eines pH-Teststreifens stellt sie fest, dass die Flüssigkeit auf dem Sitzkissen kein Fruchtwasser war, sondern etwas Flüssigkeit aus meiner Blase. Mein Kind lag so in meinem Bauch, dass es auf meine Blase gedrückt hat. Fehlalarm.

Donnerstag, 10. Oktober

17:30 Uhr: Wir sind zu einem indischen Essen bei Freunden eingeladen. Schon während des Essens spüre ich krampfartige Schmerzen. Wehen können es ja eigentlich nicht sein, denn die Schmerzen, die ich habe, sind absolut aushaltbar. Außerdem zwickt es momentan ja auch überall: im Rücken, im Becken, warum also nicht auch im Bauch?

20:00 Uhr: Irgendwie fühle ich mich nicht mehr nach Gesellschaft. Mein Freund und ich gehen schon früher nach Hause. Als mein Freund um 23 Uhr schlafen geht, bleibe ich auf dem Sofa. Ich bin irgendwie unruhig, habe immer noch Bauchschmerzen und finde nicht in den Schlaf. Auf dem Sofa liegend sind die Schmerzen nicht mehr so stark und ich kann mich ganz auf das Einkleben der Fotos in mein Schwangerschaftsalbum konzentrieren. Um 5 Uhr morgens gehe ich schlafen. Müde bin ich zwar immer noch nicht, aber ich denke, dass mir etwas Schlaf schon gut tun wird. Nach ein paar Mal hin- und herwälzen schlafe ich ein.

Freitag, 11. Oktober

8:00 Uhr: Drei Stunden später wache ich schon wieder auf: Mein Bauch rumort und ich fühle mich nicht gut. Wahrscheinlich ist mir das indische Essen doch nicht so gut bekommen. Die Schmerzen werden immer schlimmer. Und zwischen den Schmerzen sind kurze Pausen.

9:30 Uhr: Ich rufe meine Hebamme an. Sie kommt sofort vorbei und untersucht mich. Langsam wird mir klar: Das sind Wehen. Es sind eigentlich noch fünf Tage bis zum errechneten Geburtstermin. Meine Hebamme sagt, der Muttermund sei drei Zentimeter geöffnet. Ich bekomme Panik. Ich will doch das Kind nicht zu Hause auf die Welt bringen, aber die Klinik ist 45 Minuten mit dem Auto entfernt.

10:15 Uhr: Obwohl ich inzwischen durchgehend Wehen habe, steige ich ins Auto. Die Hebamme gibt uns noch Ratschläge, welche Klinik auf unserem Weg liegt. Mein Freund sitzt am Steuer. Er versucht, mich zu beruhigen. Jede rote Ampel kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich winde mich auf dem Beifahrersitz hin und her, Strecke die Beine aus und ziehe sie wieder an mich und kann nur an eines denken: Bitte lass es mich nicht im Auto bekommen.

11:00 Uhr: Geschafft! Ich schleppe mich in den Eingangsbereich. Unter normalen Umständen wäre es mir wahrscheinlich unangenehm gewesen, alle paar Meter an die Wand gestützt stehen zu bleiben und laut zu stöhnen und zu atmen. Aber das ist mir gerade egal, die Schmerzen sind so stark.

13:35 Uhr: Ich habe so schlimme Schmerzen und würde am liebsten pressen. Aber die Hebamme sagt, ich muss es noch zurückhalten. Der Muttermund ist noch nicht so weit. Um die Krämpfe zu lindern, lässt die Hebamme mir Wasser in eine Badewanne ein. Mein Freund sitzt daneben und hält meine Hand. Die Schmerzen lassen ein wenig nach. Oder bilde ich mir das nur ein? Mir wird ganz schummrig von der heißen Luft und dem warmen Wasser. Nach 20 Minuten hilft mir die Hebamme aus dem Wasser. Der zuständige Arzt setzt mir einen Wehenhemmer und eine leichte PDA, damit ich Kräfte sammeln kann für die Geburt. Das Mittel wirkt schnell und ich komme ein bisschen zum Verschnaufen. Ich bin müde und erschöpft, habe ja seit gestern kaum geschlafen.

15:30 Uhr: Die Wehen setzen langsam wieder ein. Ich glaube es geht jetzt los. Aber ich habe keine Angst, sondern bin durch die Wehenpause wieder zu Kräften gekommen und will endlich mein Baby sehen. Der Muttermund ist inwzischen zehn Zentimeter geöffnet. Die Hebamme sagt, dass auch die Fruchtblase schon geplatzt sei. Ich habe das gar nicht mitbekommen. Vielleicht ist es in der Badewanne passiert. Egal. Ich darf endlich pressen. Jetzt geht es los.

18:00 Uhr: Ich stehe im Vierfüßlerstand auf dem Krankenhausbett, die Arme stütze ich auf dem hochgefahrenen Kopfteil der Matratze ab. Ich presse. Und es tut richtig weh. Ich versuche den Schmerz aus meinem Körper heraus zu atmen. Mit der nächsten Wehe wird der Druck beinahe unerträglich. „Das war das Köpfchen“, sagt die Hebamme hinter mir. Nach der zweiten Wehe, wird der Druck etwas weniger. Ich höre meinen Freund sagen, dass unser Kind schon bis zum Hals draußen ist. Ich bin schweißgebadet und konzentriert.

Die dritte Wehe ist schmerzhaft. Ich presse, halte die Luft an und atme lange und tief aus. Dann spüre ich, dass die Geburt jetzt vorbei ist: Mein Sohn ist da. Weil ich im Vierfüßlerstand stehe, kann ich ihn erst nicht sehen. Ich höre kein Schreien. Und dann niest jemand zaghaft: „Hatschi“. Das ist er! Als er auf meiner Brust liegt, sehe ich ihn ganz genau an. Ich traue mich kaum zu atmen. Er ist so klein und zart. Ich bin stolz auf meine Leistung und bin voller Endorphine. Und eines weiß ich jetzt schon ganz genau: Das könnte ich wieder machen!

Ursachen von Geburtsschmerz

Viele Frauen machen sich vor der Geburt Sorgen, wie sie den erwarteten Schmerz verkraften. Zu wissen, welchen Sinn Wehen für die Geburt haben und was die Schmerzempfindungen auslöst, kann helfen, sie besser zu bewältigen.

© BZgA/HN/Eichhöfer

Wehenschmerzen sind nicht mit Schmerzen vergleichbar, wie man sie zum Beispiel von Unfallverletzungen oder Erkrankungen kennt. Sie weisen nicht auf eine Wunde oder Krankheit hin, sondern auf eine natürliche, aktive Reaktion des Körpers. Wehenschmerzen sind Muskelschmerzen, die durch die kräftigen, rhythmischen Kontraktionen der Gebärmutter ausgelöst werden. Dabei ziehen sich die Gebärmuttermuskeln nach oben und öffnen so den Muttermund. Der Druck der Muskelarbeit schiebt das Kind gleichzeitig nach unten.

Neben den Wehen schmerzt die Dehnung der an der Geburt beteiligten Gewebe und Organe. Der schmerzempfindliche Muttermund ist vor der Geburt verschlossen. Damit das Köpfchen des Kindes hindurchpasst, muss er sich bis auf einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern öffnen. Auch die normalerweise straffen Muskeln und Bänder des Beckenbodens sowie der Damm werden während der Geburt weit gedehnt.

Schmerzwahrnehmung und körpereigene Schmerzlinderung

Die Wahrnehmung der Geburtsschmerzen ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich, denn jede hat eine andere Schmerzgrenze. Verschiedene Faktoren beeinflussen, wie der Schmerz wahrgenommen und verarbeitet wird: neben der körperlichen Konstitution und seelischen Verfassung der Frau auch die äußeren Umstände der Geburt.

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  • Angst vor der Geburt

Während der Geburt setzt die Natur wirksame Mittel ein, die helfen, mit den Schmerzen umzugehen:

  • Die Wehen sind zeitlich begrenzt: Auf jede Wehe folgt in der Regel eine Pause, in der sich der Körper immer wieder kurz erholen und neue Kraft sammeln kann.
  • Die Ausschüttung von Hormonen und körpereigenen Schmerzmitteln, den sogenannten Endorphinen, verringert die Schmerzen während der Geburt.
  • Bei vielen Frauen lässt die Vorfreude auf das Kind die Schmerzen immer wieder in den Hintergrund treten.

Auch Angst verursacht Schmerz

Angst vor den Schmerzen kann zu Verkrampfung führen, die schmerzverstärkend wirkt, die Entspannung zwischen den Wehen verhindert und die Geburt verlängert. Die Spirale aus Angst, Verkrampfung und Schmerz kann aber unterbrochen werden: Das Wissen um die Bedeutung des Schmerzes, Vertrauen in die eigene Kraft, liebevolle Begleitung während der Geburt sowie bewusste Entspannung und Atmung helfen, die Schmerzen besser zu bewältigen.

Auch der Gedanke daran, dass die Geburt keinesfalls nur ein schmerzhaftes Ereignis ist, kann helfen, Ängste vor Geburtsschmerzen abzubauen. Viele Mütter berichten, dass sie während der Geburt eine innere Kraft entwickelt haben, mit deren Hilfe sie die Wehen besser bewältigen konnten.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 04.04.2014

GeburtswehenSchmerzhaft, aber unausweichlich

Klinikum Leverkusen, Kreißsaal, 6 Uhr morgens. Vor wenigen Minuten hat eine 38-jährige einen 3.500 Gramm schweren Jungen entbunden. „Das ging relativ schnell, sie hat einen guten Spontanpartus gehabt, Mutter und Kind sind wohlauf“, erklärt Hebamme Christina Schädlich. „Wir warten jetzt noch auf die Nachgeburt und schauen da natürlich nach Rissverletzungen und nach Blutungen bei der Mutter und dass es dem Kind gut geht.“

Der Apgar-Score zeigt mit neun Punkten fast ideale Werte, weitergehende Untersuchungen sind nicht notwendig. Die Mutter wird auf ihr Zimmer gebracht, wo sie ein paar Stunden später erschöpft, aber glücklich mit ihrem Kind im Arm in den Kissen sitzt.

„Na ja, heute Nacht ging es eigentlich schnell, innerhalb von vier Stunden war der Kleine auch da. Die Wehen haben angefangen, dann sind wir eigentlich auch direkt losgefahren mit unserem Krankenhauskoffer, und innerhalb von vier Stunden war er da.“

„Man ist quasi ausgeliefert“

Es ist ihr zweites Kind, sie wusste, was Wehen sind. „Das sind wirklich so ganz starke Krämpfe im Unterleib, die teilweise auch an den Beinen richtig ziehen. Mehr als hoffen, dass die Wehe bald vorbei ist, kann man halt nicht mehr machen. Man ist quasi ausgeliefert. Und wenn die Wehen halt sehr häufig hintereinander kommen, ist es halt superanstrengend, überhaupt wieder Kraft zu tanken und dazwischen zu pressen, also ich fand es sehr, sehr anstrengend.“

Fast alle gebärenden Frauen empfinden so: Wehen sind schmerzhaft! Wehen sind unerbittlich!

„Wehen an sich heißt ja nichts anderes, als dass sich die Gebärmutter in gewissen Abständen immer wieder zusammenzieht und entspannt“, sagt Dr. Gabriele Fries, Oberärztin im Kreißsaal am Klinikum Leverkusen, „und damit letztlich dafür sorgt, dass der kindliche Kopf im besten Fall sich dem mütterlichen Becken einpasst und anpasst, dass schrittweise der untere Anteil der Gebärmutter, der ja eigentlich verschlossen ist und durch den Druck des kindlichen Kopfes sich langsam aufweitet, aufweicht, verkürzt und sich dann eröffnet. Und am Schluss, wenn er vollständig eröffnet ist, ist das nächste Ziel der Wehen, dass das Kind tiefer tritt, ins Becken eintritt, durchs Becken durchtritt und entbunden wird. Ohne Wehen kommt kein Kind.“

Wehen erfüllen mehrere Funktionen

Selbst bei Kaiserschnitt-Entbindungen raten Ärzte, zunächst die ersten Wehen abzuwarten. Für die Mutter ist das zwar etwas stressiger, für das Kind aber besser. In den letzten Wochen wird es eng in der Gebärmutter mit der Folge, dass das Kind in eine Beugeposition geht, um durch den Geburtskanal zu kommen. So ganz nebenbei führt diese Position aber auch dazu, dass sich der Brustkorb zusammenpresst und Fruchtwasser aus der Lunge gedrückt wird. Bei zu frühem Kaiserschnitt, wenn die Wehen noch nicht eingesetzt haben, hat das Kind mitunter Probleme, erst das Fruchtwasser auszustoßen, um anschließend Luft einzuatmen. Ein Problem, dass entbindende Frauen nicht haben, dafür müssen sie sich mit den Wehen auseinandersetzen.

„Das Schwierige ist für die Frau, zu unterscheiden, sind es schon Geburtswehen, sind es noch Senkwehen, sind es Wehen in der frühen Eröffnungsphase, das heißt, wenn der Körper sich überhaupt erst drauf einstellt, dass die Wehen so langsam kommen, die teilweise noch unregelmäßig sind, die Frauen ja auch teilweise überraschend treffen, gerade die Erstgebärende, die noch gar nicht weiß, was Wehen eigentlich sind, die völlig von den Socken ist durch diesen Schmerz.“

Schmerzerleichterung, dass die Gebärende mitgehen kann

Gesteuert werden Wehen durch Hormone. „Das bekannteste Hormon ist das Oxytocin“, umgangssprachlich auch „Kuschelhormon“ genannt, ein aus neun Aminosäuren bestehendes Neurohormon, das die Hirnanhangsdrüse ins Blut ausschüttet, um die Geburt einzuleiten, „das sind einfach Reifungsprozesse, da gibt es verschiedene Mediatoren, die dazu führen, da kommen wir jetzt zu den Senkwehen, schon gegen Ende Schwangerschaft hin vereinzelt, auch mit Stress assoziiert zum Beispiel Kontraktionen auftreten, viele Frauen haben das abends, wenn sie zur Ruhe kommen, dann sagen sie, Mensch, seit drei, vier Tagen und in der Nacht ein paar Stunden, zieht sich die Gebärmutter zusammen, ich dachte schon es geht los, aber dann schläft es wieder ein.“

Senkwehen bringen das Kind in die richtige Startposition für die Geburt. Sie sind sanfter, viele Frauen spüren sie als Spannung und Druck verbunden mit einem Ziehen im Rücken und allgemeinem Unwohlsein. Die Geburtswehen selbst sind weitaus schmerzhafter, so die die Leverkusener Geburtsmedizinerin Gabriele Fries.

„Man kann in die Wanne gehen, wir können Schmerzmittel geben, immer in Absprache mit dem Geburtshelfer, mit der Patientin, mit der Hebamme, die die Frau ja viel länger betreut als der Geburtshelfer, wir kommen ja immer nur sporadisch dazu, um noch mal zu überlegen, ist das vielleicht der richtige Zeitpunkt, um noch mal eine richtige Schmerzerleichterung zu schaffen, damit die Frau sich wieder bewegen kann, damit sie mitgehen kann, damit sie vielleicht noch mal in eine aufrechte Position kommt oder das Becken kreisen kann, was dem Kind wieder ermöglicht, sich zu entspannen und ins Becken einzutreten.“

Wehen sind bald vergessen

Ob mit Schmerzmittel oder ohne, irgendwann setzen die echten Geburtswehen ein und befördern gemeinsam mit der Mutter das Kind auf die Welt. Die Wehen sind anschließend rasch vergessen, erschöpft, aber glücklich hält die 38-jährige Leverkusenerin ihr Baby in den Armen. Schon ein paar Stunden später beschäftigt sie die nächste wichtige Frage: Wem sieht der Kleine mit den schwarzen Haaren denn nun ähnlicher, der Mutter oder dem Vater?

„Der Papa meinte, das erste Kind kam wirklich so nach mir, ich hab es gesehen und dachte mir, das bin ich, aber beim zweiten hat er einen Joke gemacht und meinte, ist das vielleicht vom Milchmann, ich sage, nee, das glaube ich eher weniger, ich weiß nicht nach wem er kommt, ich kann es noch nicht beurteilen.“

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