Wie lange schmerzen nach geburt

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Wochenbett: Die ersten Tage nach der Geburt

Wer Schmerzen beim Wasserlassen hat, stellt sich am besten einen Messbecher mit kaltem Kamillentee oder einer Arnikalösung bereit und lässt die Flüssigkeit während des Toilettengangs über Scheide und Damm fließen.

Beckenboden: Anfangs nicht schwer heben

Übernehmen sich Mütter in den ersten Tagen nach der Entbindung, merken sie das meist sehr schnell: Sie spüren ihren Beckenboden. Deshalb sollten sie viel Zeit im Bett oder auf der Couch verbringen, um die geschwächte Muskulatur zu entlasten. Außerdem: „Nichts Schweres heben“, sagt Jahn-Zöhrens. „Generell liegt die Grenze bei fünf bis sechs Kilo – aber natürlich kommt das auf die Art der Geburt an.“ Nach einem Kaiserschnitt sollten Frauen das besonders streng einhalten. Für andere gilt, falls es sich nicht vermeiden lässt, schwer zu heben: den Beckenboden dabei anspannen und den Bauch anziehen.

Zwischen zwei und vier Wochen nach der Geburt können Wöchnerinnen im Liegen mit leichten Übungen beginnen, die den Beckenboden stärken. Was sich eignet, erklärt die Hebamme. Ein Beispiel: das Steißbein nach oben ziehen und wieder lockerlassen. „Frühestens vier bis sechs Wochen nach der Geburt kann die Frau dann zum Rückbildungskurs“, sagt Jahn-Zöhrens.

Hämorriden: Salben helfen meist

Viele Frauen entwickeln während der Schwangerschaft Hämorriden, ohne dass sie diese bemerken. Durch das Pressen bei der Geburt treten sie meist in Erscheinung und bereiten dann Probleme. „Jetzt helfen Salben mit gerbenden Bestandteilen, die auf die Schleimhaut aufgetragen werden“, sagt Apothekerin Dr. Ilsabe Behrens aus Hamburg. Die Schmerzen gehen dadurch zurück, das Gewebe zieht sich zusammen. Auch Mütter, die stillen, können diese Salben verwenden. Halten die Beschwerden an und bilden sich die Hämorriden nach sechs bis acht Wochen nicht zurück, sollten Frauen ihren Gynäkologen aufsuchen.

Verstopfung: Oft Nachwirkung des Klinikaufenthalts

Die Angst vor Schmerzen, aber auch die fremde Umgebung in der Klinik bewirken bei Wöchnerinnen häufig, dass sie nicht auf die Toilette gehen können. „Manche Frauen haben bei der Geburt auch so viel Stuhlgang, dass es danach ein paar Tage dauert“, sagt Jahn-Zöhrens. Betroffene sollten sich ballaststoffreich ernähren, ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen und viel trinken. „Angst davor, dass ihre Naht nicht hält, brauchen Frauen aber nicht haben“, beruhigt Jahn-Zöhrens. „Nur in den sehr seltenen Fällen, in denen der Schließmuskel betroffen ist, kann es da Probleme geben.“ Betroffene Frauen bekämen ein entsprechendes Abführmittel.

Hält die Verstopfung mehr als fünf Tage lang an, empfiehlt sich ein Klistier, um die Darmentleerung in Gang zu bringen. „Klistiere sind nebenwirkungsfrei und beeinträchtigen daher auch das Stillen nicht“, erklärt Behrens. Lassen Sie sich zu geeigneten Produkten in der Apotheke beraten. Sanfte Abführmittel mit Lactulose oder Macrogol (bitte mit dem Frauenarzt besprechen) eignen sich ebenfalls.

Wassereinlagerungen: Oft erst nach mehreren Wochen weg

Wer in den letzten Schwangerschaftswochen Wasser in den Beinen eingelagert hat, verliert es nicht gleich mit der Geburt. Oft kommt sogar um den zweiten, dritten Tag nach der Entbindung neues hinzu. „Das Wasser geht aber dann in der Regel von selbst weg, das ist ein körpereigener Vorgang“, sagt Jahn-Zöhrens. Zwei Wochen dauert es meist, bis die Wassereinlagerungen zurückgehen, oft sind sie erst nach fünf Wochen völlig verschwunden. Auf entwässernde Maßnahmen verzichten Betroffene besser, da sonst für den Körper wichtige Stoffe ausgeschwemmt werden können, etwa Elektrolyte. „Hat die Frau nach fünf oder sechs Wochen immer noch Probleme, kann sie Arzt oder Hebamme um Rat fragen“, sagt Jahn-Zöhrens.

Haarausfall: Nach der Geburt normal

Büschelweise verlieren frischgebackene Mütter ihre Haare schon in den ersten Wochen nach der Entbindung. „Auch wenn die Frauen das Gefühl haben, sie kriegen bald eine Glatze, können wir sie beruhigen“, sagt König. Die neuen Haare sitzen bereits in den Startlöchern, sie sind nur noch nicht an die Oberfläche gekommen.

Schuld am Haarausfall sind mal wieder die Hormone. „In der Schwangerschaft produziert der Körper verstärkt Östrogene, mit der Geburt geht die Produktion auf Normalmaß zurück. Der Körper empfindet dies jedoch wie einen Entzug“, erklärt der Frauenarzt. Stoppen ließe sich der Haarausfall, wenn dem Körper Östrogene zugeführt würden. Da diese aber abstillend wirken, ist das für viele Mütter keine Lösung. Da bleibt nur: abwarten, bis die alte Pracht wieder sprießt.

Schwitzattacken: Wäsche öfter wechseln

Und noch eine Folge hat die Hormonumstellung: Frisch entbundene Frauen schwitzen sehr stark. „Ähnlich wie später in den Wechseljahren“, sagt Jahn-Zöhrens. Letztlich können Frauen nichts dagegen tun. Sinnvoll ist, die Wäsche öfter zu wechseln, gerade wenn man nachts durchgeschwitzt ist. Das beugt einer Erkältung vor.

Baby-Blues: Stimmungstief einige Tag lang normal

Zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt ist vielen Müttern auf einmal nur noch zum Heulen zumute. „Sie weinen dann oft grundlos“, sagt Hebamme Jahn-Zöhrens. Schuld sei die hormonelle Umstellung und überschießende Emotionen.

In der Regel hält die Phase, in der frischgebackene Mütter dicht am Wasser gebaut sind, nur wenige Tage an. „Dauert sie länger oder treten die Heultage erst später auf, kann eine Wochenbettdepression die Ursache sein“, erklärt König. Betroffene brauchen dann professionelle Hilfe, zum Beispiel von einem Psychotherapeuten.

Schmerzen nach der Geburt
 Das hilft Ihnen jetzt

Schmerzen im Dammbereich gehören zu den häufigsten Schmerzen im Wochenbett. Denn das Bindegewebe und die Muskeln zwischen Scheide und Steißbein werden bei einer Geburt ziemlich strapaziert. Oft reißt der Damm auch ein oder der Arzt setzt einen gezielten Schnitt, damit das Baby leichter ans Licht der Welt kommt. Auch wenn Sie die Geburt ganz ohne Riss oder Naht am Damm überstanden zu haben, ist es ganz normal, dass die Scheide sich in den ersten Tagen wund anfühlt und druckempfindlich ist.

Das hilft: Besondere Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur, die Ihnen die Hebamme zeigen kann, können die Heilung von Schnitten und Nähten beschleunigen. Je fester der Stuhlgang ist, umso mehr tut natürlich auch der Dammriss oder die Dammnaht weh. Deshalb ist es hilfreich, den Anus vor dem Gang zur Toilette mit Vaseline einzucremen und sich so zu ernähren, dass der Stuhl möglichst weich ist – also z.B. mit Trockenobst und viel Flüssigkeit. Auch Eispackungen bringen möglicherweise kurzfristige Erleichterung, sind aber nur als vorübergehende Hilfe empfehlenswert, weil die Kälte sonst eventuell den Heilungsprozess verlängert. Viel effektiver als Kälte wirken lokale Betäubungsmittel wie Lidocainspray oder –gel, die der Arzt verschreiben kann. Auch Tabletten mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen können Sie nach Absprache mit dem Arzt einnehmen. 90 Prozent der Frauen empfinden auch Sitzbäder als sehr wohltuend. Offenbar ist es aber vor allem die Wärme des Wassers, die schmerzlindernd wirkt. Für den heilenden Nutzen von Badezusätzen wie zum Beispiel Lavendel- oder Arnikaöl gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Interessanterweise ist auch nicht bewiesen, dass ein Sitzring aus Gummi oder Schaumstoff die Schmerzen wesentlich lindert und die Heilung fördert.

Postnatale Schmerzen am Damm

In diesem Artikel

  • Werde ich mich nach einer vaginalen Geburt wund fühlen?
  • Was kann ich tun, um den Schmerz zu stillen?

Werde ich mich nach einer vaginalen Geburt wund fühlen?

Die meisten Frauen fühlen sich für eine Weile nach der Geburt in der Region des Perineum (auch „Damm“ – die Region zwischen Vagina und Anus) nicht ganz wohl, aber der Grad an Unwohlsein variiert stark. Die Geburt ist ein erstaunlicher und wunderbarer Vorgang, aber auch ein schmerzvoller. Da Ihr Baby durch Ihre Scheide auf die Welt kommt, wird Ihr Damm sich vermutlich hinterher gedehnt und verletzt anfühlen.
Falls Sie eine Episiotomie, auch Dammschnitt genannt, bekommen haben, oder aber einen Dammriss hatten, müssen Sie sich in den ersten Tagen auch mit der genähten Wunde und dem Wundschmerz arrangieren. Der Damm ist sehr empfindlich – und was Frauen nach einem Dammschnitt (und den Stichen) erzählen, bewegt sich von milden bis hin zu unerträglichen Schmerzen. In den meisten Fällen braucht die Wunde sieben bis zehn Tage, um zu heilen. Doch die Schmerzen können bis zu einem Monat lang andauern.

Was kann ich tun, um den Schmerz zu stillen?

Ihre Hebamme wird Sie beraten, wie Sie den Bereich um den Damm reinigen können, was Sie selbst tun können, um die Schmerzen zu lindern und welche Schmerzmittel Sie einnehmen dürfen. Falls Sie die Ratschläge vergessen haben, scheuen Sie sich nicht, die Entbindungsstation von zu Hause aus anzurufen und nachzufragen.
Hier finden Sie Tipps, die bei der Heilung des Dammes helfen, egal ob mit oder ohne Episiotomie bei der Geburt:

  • Wechseln Sie Ihre Einlagen oder Binden spätestens alle vier Stunden. Denken Sie daran, Ihre Hände sowohl vorher als auch nachher zu waschen. Und achten Sie darauf, dass die Einlage nicht hin und her rutscht und damit weitere Reibung erzeugt. Die Einlage sollte unbedingt ohne Plastikfolie sein, da sonst eine feuchte Kammer entsteht, die schlecht für den Heilungsprozess ist.
  • Wenn Sie zur Toilette müssen, benutzen Sie (wenn möglich) kein Toilettenpapier – säubern Sie den Damm statt dessen mit warmem Wasser und trocknen Sie die Region mit einem sauberen Handtuch ab oder – noch besser – verwenden Sie einen Haarfön. Tupfen Sie dabei immer von vorne nach hinten – so vermeiden Sie, dass Darmkeime in Ihre Scheide gelangen. Einige Hebammen empfehlen als Zusatz zum Spülen einige Tropfen Muttermilch wegen seiner heilenden und reinigenden Wirkung.
  • Beim Urinieren können Sie auch warmes Wasser über Ihren Damm fließen lassen. Das Wasser verdünnt den Urin, so dass er nicht mehr so an der Wunde brennt.
  • Legen Sie zu Hause Einlagen und Binden in den Kühlschrank. Die Kühle wirkt beruhigend.
  • Sobald Sie können und keine Schmerzen mehr haben, beginnen Sie mit dem Beckenbodentraining. Das wird die Blutzirkulation in diesem Bereich anregen und die Wundheilung unterstützen. Zudem stärken diese Übungen die Beckenbodenmuskulatur.
  • Benutzen Sie während der ersten 12 bis 24 Stunden immer mal wieder ein Gelkissen (in den meisten Apotheken erhältlich). Eisbeutel sollten Sie lieber nicht verwenden, da sie zu Kälteverbrennungen führen können. Gut eignen sich auch Quarkpackungen in Kühlschranktemperatur, wahlweise in Zellstoff oder Gefrierbeuteln verpackt.
  • Wenn Sie aus der Klinik nach Hause kommen und genug Privatsphäre haben, können Sie im Bett statt Binden auch eine saugfähige Bettauflage (in den meisten Apotheken erhältlich) oder einige alte Handtücher benutzen – so kann Ihr Damm an der Luft trocknen. Viele Frauen haben auch sehr gute Erfahrungen mit der Verwendung einer Rotlicht-Lampe gemacht.
  • Häufige Bäder wirken lindernd. Geben Sie kein Salz ins Wasser – es gibt keine Studie, die belegt, dass dies hilft. Sie sorgen nur dafür, dass das Salz Ihre Haut austrocknet und sie zu jucken beginnt. Bleiben Sie nicht zu lange in der Badewanne, sonst wird das Dammgewebe aufgeweicht und das könnte die Wundheilung verzögern. Einige Tropfen Muttermilch, Eichenrindenextrakt oder Teebaumöl im Wasser können den Heilungsprozess unterstützen. Und hinterher auf jeden Fall trockenfönen.
  • Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen, wenn es Ihnen nicht gut tut.
  • Achten Sie darauf, dass Sie beim Stillen Ihres Babys bequem sitzen. Alternativ könnten Sie auch versuchen, beim Stillen auf der Seite zu liegen.
  • Nehmen Sie in den ersten Tagen die empfohlene Dosis Paracetamol. Wenn Sie ausreichend kühlen, kommen Sie vielleicht auch ohne Schmerzmittel aus. Man kann die Heilung auch mit homöopathischen Mitteln wie Arnika fördern.
  • Falls die Schmerzen nicht nachlassen oder Sie Fieber bekommen, kontaktieren Sie Ihre Hebamme. Sie kann Ihnen vermutlich stärkere Schmerzmittel zur Linderung empfehlen. Fieber kann auf eine Infektion hinweisen – wenn der Damm genäht werden musste, gehört dies zu den Risiken – aber gute Hygiene reduziert das Risiko.
  • Ruhen Sie sich aus und geben Sie Ihrem Körper die Zeit zu heilen. Jede frisch gebackene Mutter erholt sich auf ihre ganz eigene Weise und in ihrer Zeit. Konzentrieren Sie sich also darauf, wieder zu Kräften zu kommen und die Energie zu tanken, die Sie für die Pflege Ihres Babys brauchen werden.

Vermehrte Wasserausscheidung. Weil die Östrogenproduktion des Mutterkuchens nach der Geburt wegfällt und damit die Menge dieses Wasser einlagernden Hormons im Blut der Mutter sinkt, scheidet der Körper in den Tagen nach der Geburt sehr viel Flüssigkeit aus. Dadurch nimmt nach der Geburt der Harnfluss zu und das Gewicht ab. Das ist normal und spielt sich innerhalb weniger Tage wieder ein.

Verstopfung. Durch das Schrumpfen der Gebärmutter nach der Geburt verändert sich auch die Lage des Darms. Durch die vermehrte Wasserausscheidung und dadurch, dass die Mutter kurz nach der Geburt meist weniger isst, ist die Darmfunktion zusätzlich beeinträchtigt. Die Folge: In den ersten Tagen der Geburt klagen viele Mütter über Verstopfung (am häufigsten die nach Kaiserschnitt) – die sich normalerweise spätestens nach dem dritten Tag wieder gibt. Wenn nicht, so muss manchmal durch Abführmittel oder einen Einlauf nachgeholfen werden.

Harnverhalt. Schwellungen und auch Folgen von Dammschnitten oder -rissen erschweren in den ersten Tagen nach der Geburt das Wasserlassen. Problematisch wird dies dann, wenn die Blase nicht mehr den gesamten Urin ausscheiden kann und so genannter Restharn übrig bleibt. Dann besteht die Gefahr einer Blasenentzündung.

Dicke Beine und Thrombosen. Weil in den ersten Wochen nach der Geburt vermehrt Wasser ausgeschieden wird und sich die Hormone umstellen, dickt das Blut ein. Dies erhöht das Risiko für Thrombosen in den Bein- und Beckenvenen in dieser Zeit stark. Zur Verhütung empfehlen Ärzte und Hebammen, dass sich die Mütter bereits wenige Stunden nach der Entbindung wieder normal bewegen und herumlaufen sollten. Ist Bettruhe angeordnet, wird Heparin gespritzt, ein blutverdünnendes Medikament. Als Vorzeichen der Thromboseneigung bemerken viele Frauen, dass sich ihre Beine dick und schwer anfühlen – hier helfen das Vermeiden von längerem Stehen und Sitzen sowie konsequente Bewegung. Brennen die Beine, bringen kalte Fuß- und Bein(wechsel)duschen sofortige Erleichterung.

Veränderte Lebenssituation. Jede Frau wird zumindest die erste Geburt als einschneidend erleben. Das Leben ändert sich komplett, was vielen Müttern zunächst einmal dunkle Augenringe beschert: Denn das Versorgen des Kindes ist ein 24-Stunden-Job, der nachts genauso stattfinden muss wie tagsüber.

Auch die Verunsicherung will ausgehalten werden durch die schwer einschätzbaren Unpässlichkeiten des Kindes, das schreit, obwohl es gestillt, gewickelt und herumgetragen wird. Und dann nützt noch nicht mal der gute alte Fencheltee, von dem man von erfahrenen Müttern gesagt bekam, er würde gegen Blähungen helfen. Nicht zu vergessen die gut gemeinten Tipps von übereifrigen Nachbarinnen, Tanten, Schwiegermüttern und Müttern, die sich möglicherweise auch nicht immer in die momentane Befindlichkeit der jungen Mutter einfühlen können, und so mehr zur Verkrampfung beitragen als sie beabsichtigen. Auch die Paarbeziehung wird hinsichtlich der Zeit, die man als Liebespaar verbringt, Einschränkungen erleben.

Mütter und Väter fallen nicht vom Himmel, sondern lernen und wachsen an ihren Herausforderungen. Ein Tipp: Sprechen Sie miteinander über Ihre Schwierigkeiten und versuchen Sie, das Ganze immer wieder mit einem Schuss Humor zu nehmen.

Autoren

Dr. med. Katja Flieger, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 14.03.2016 um 17:43 Uhr

Nach der Geburt meines Kindes war ich 15 Monate lang innerlich tot

Heutzutage stehen mir als junger, emanzipierter Frau viele Türen offen. Ich kann jahrelang in der Welt herumreisen, alle Praktika und Jobs machen, die ich nur kriegen kann, und mich dann irgendwann für eine Familie entscheiden, falls ich das will.

Wenn es dann mit Mitte 30 soweit ist, kann ich mir von der Gesellschaft einreden lassen, dass mein Leben mit Kind genauso cool und lässig weitergehen kann, wie zuvor. Ich werde einfach zu einer Übermama, die Job und Säugling mit links balanciert und dabei noch immer eine leidenschaftliche Beziehung mit ihrem Partner hat.

Natürlich möchte ich nicht hören, dass sich mein sonst so kontrolliertes Leben in einen planlosen Haufen verwandeln wird, sobald ich ein Baby geboren habe. Ich würde am liebsten ignorieren, dass ich ein anderer Mensch mit anderen Wünschen und Hoffnungen sein werde.

Aber wenn ich auch nur ein bisschen drüber nachdenke—beziehungsweise den Gedanken daran zulasse—, ist es eigentlich völlig einleuchtend, dass genau diese Dinge eintreten werden. Oder anders: Es wäre vollkommen absurd, wenn sich das gesamte Leben rund um mich ändert und ich aber absolut gleich bleiben würde.

Ich tue mir also keinen Gefallen damit, diese Tatsachen nicht zu beachten. Damit könnte ich nämlich nicht nur in der übelsten Form von Eskapismus enden—ich könnte auch noch anfälliger für eine Postpartale Depression werden.

Zuerst mal ist es wichtig, die bekannteren und umgangssprachlicheren Bezeichnungen wie „Baby Blues“ oder „Heultage“ von der Wochenbettdepression oder Postpartalen Depression zu unterscheiden. Sie gibt es wie jede andere Depression in allen möglichen Abstufungen.

Von der leichtesten Stufe, also dem Baby Blues, sind je nach Forschung bis zu 75 Prozent der Frauen betroffen, wobei die Zahlen hier variieren. Dieses Syndrom hat mit den massiven, hormonalen Veränderungen im Körper der Frau zu tun. Im Vergleich dazu hat die Postpartale Depression nicht nur mit Hormonen zu tun, sondern äußert sich auch in psychischen Symptomen. Sie hängen mit der Schwierigkeit zusammen, sich an eine neue Situation anzupassen.

Jede sechste Frau ist nach der Geburt von dieser schweren Depression betroffen. Laut einer Expertin für Perinatale Medizin sind vor allem medizinisches Personal, Akademikerinnen, Perfektionistinnen und Frauen betroffen, die in ihrem Leben sehr viel Wert auf Kontrolle legen.

Oft sprechen Betroffene nicht gern über ihre Krankheit—vor allem, weil sie während des Verlaufs oft ablehnend gegenüber dem Kind sind. Und obwohl man das später wahrscheinlich gar nicht mehr merkt, will niemand als Rabenmutter angesehen werden. Aus diesem Grund war ich sehr froh, als sich die Caro, eine Betroffene, bereit erklärt hat, um über die schlimmsten 15 Monate ihres Lebens zu sprechen. Ich habe die Geschichte in ihren Worten niedergeschrieben.

Ich habe immer ein sehr selbstbestimmtes Leben geführt. Häufig hatte ich das Gefühl, mehr Glück zu haben als andere Menschen. Wenn ich mir etwas gewünscht oder stark vorgenommen habe, dann ist das meistens auch genauso eingetreten. Zum Beispiel habe ich an meinem ersten Tag in Wien, ich komme ursprünglich aus Oberösterreich, meinen jetzigen Mann kennengelernt. Das war 2008.

Obwohl es sehr kitschig ist, wusste ich von Anfang an, dass wir beide zusammengehören. Wir sind dann auch relativ bald zusammengezogen, in sein Haus außerhalb von Wien. Ich war zu der Zeit schon selbstständige Musikredakteurin und habe an einem Projekt mitgearbeitet, das 2012 eingestellt wurde. Kurz darauf wurde mir der nächste Job angeboten und der war sogar noch besser. Mein Freund und ich beschlossen, uns spontan zu verloben und im gleichen Jahr noch zu heiraten.

Kurz nach meiner Hochzeit, bei der wirklich alle meine Wünsche in Erfüllung gingen, stellte sich heraus, dass ich bereits in der achten Woche schwanger war. Ich musste zwar meinen neuen Job aufgeben, freute mich aber auf das Wunschkind.

Stattdessen übernahm ich die Redaktion des Kundenmagazins und der Presseabteilung in einem Familienbetrieb, in dem auch mein Mann beschäftigt war. Bis eine Woche vor der Geburt habe ich gearbeitet. Das war nur möglich, weil der Betrieb sehr familiär aufgezogen war und ich wegen massiver Ischias-Problemen sowieso von zu Hause arbeiten musste. Ansonsten verlief die Schwangerschaft reibungslos.

Einen Tag vor der Geburt, am 12.04.2013, telefonierte ich mit meiner Mutter und sagte ihr, dass es cool wäre, wenn meine Tochter am 13. auf die Welt käme. Fünf Stunden später platzte meine Fruchtblase. Das fand ich zwar aufregend, aber nicht sehr beängstigend. Ich hatte mich ja schon seit Monaten wie eine Weltmeisterin auf diesen Moment vorbereitet. Ich war in mehreren Kursen gewesen und hatte auf Anraten einer Hebamme eine Liste mit den Dingen parat, die ich bei der Geburt unbedingt vermeiden wollte. Ich wollte keine Rückenmarksinjektion, keinen Kaiserschnitt—außer Notkaiserschnitt—und auch keinen Dammschnitt.

Obwohl ich mit 35 Jahren eigentlich eine Risikomutter war, lief die Geburt ohne Komplikationen ab. Ich brauchte zwar keinen Notkaiserschnitt, aber ohne Dammschnitt hätte es eben auch nicht funktioniert. Trotzdem war alles nicht so schlimm, wie ich dachte. Ich hielt mein Kind nach der Geburt zwei Stunden lang in den Armen, bevor es gewaschen wurde. Valerie war fast vier Kilo schwer und kerngesund. Wir waren glückliche, frischgebackene Eltern.

MOTHERBOARD: Für eine werdende 65-jährige Vierlingsmutter sind die Risiken bei der Geburt sehr hoch.

Ich hatte schon von Freundinnen und Bekannten vom Baby Blues und der Still-Psychose gehört. Das war ein ziemliches Glück, weil in den Foldern und in der Mappe, die man zur Geburt bekommt, davon nie die Rede war. Und das, obwohl darin eigentlich alle wichtigen Infos vorhanden sein sollten. In meinem Bekanntenkreis hatte jemand diese „Heultage“ kurz nach der Geburt gehabt. Sie weinte ohne Grund jeden Tag und das zwei Wochen lang. Eine andere Frau lag mit einer schweren Still-Psychose im Krankenhaus. Ich hatte das Gefühl, mir würde so etwas nie passieren. Schließlich lief alles wie am Schnürchen. Ich weiß nicht, wie lange es tatsächlich dauerte, bis ich an Postpartaler Depression litt. Rückblickend hat sich diese Entwicklung aber von Anfang an abgezeichnet.

Phase 1: Soziale Isolation, Einsamkeit

Unser Haus steht in einem kleinen Ort außerhalb von Wien. In unserer Nachbarschaft sind fast alle Rentner und wenn wer Kinder hat, dann spielen die im eigenen Garten und nicht auf dem öffentlichen Spielplatz. In der Anfangszeit, nach der Geburt, ging ich kaum raus. Die Kleine war sehr ruhig, wenn sie an meiner Brust liegen konnte, aber im Kinderwagen fühlte sie sich nicht wirklich wohl. Deswegen graute es mir ziemlich vor den notwendigen Spaziergängen.

Außer den Besuchen beim Frauenarzt und einer Stillgruppe, wo aber keine Freundschaften entstanden, hatte ich nur Kontakt mit meinem Mann und meinen Kollegen per E-Mail. Obwohl ich schon drei Jahre in diesem Ort wohnte, kannte ich fast niemanden in meinem Alter dort. Meine Bekannten aus Wien sah ich natürlich auch nie, weil die ja noch komplett ins Arbeitsleben vertieft waren und keine Zeit hatten, zu mir rauszufahren. Ich war also total allein.

Meine Familie lebt in Oberösterreich, meine „alten“ Freundinnen ebenfalls. Außer meinem Mann hatte ich keine Unterstützung. Zwei Wochen nach der Geburt arbeitete ich schon wieder. Natürlich nur von zu Hause aus, aber immerhin war ich aktiv und machte mich nützlich. Das hat toll funktioniert, ich habe funktioniert und ich habe mich super und aufgewertet gefühlt. Ich war dadurch nicht „nur“ Mutter.

Deswegen habe ich mich auch so sehr in die Arbeit gestürzt, weil ich abends mehr erzählen wollte als: „Die Kleine hat geschlafen und getrunken und ich habe staubgesaugt.“ Ich wollte nicht diese typische Hausfrau und Mutter sein.

Phase 2: Anpassungsschwierigkeiten

Einkaufen bin ich auch nie gegangen. Meinem Mann habe ich morgens die Liste in die Hand gedrückt und der hat dann alles mitgebracht. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie man mit dem Maxi Cosi und allen anderen Sachen in ein Geschäft geht, ohne total im Chaos zu versinken. Wie soll ich zum Beispiel aufs Klo gehen, wenn ich mein Kind dabei habe? Der Kinderwagen ist zu groß, um ihn in die Kabine mitzunehmen und draußen stehenlassen geht ja auch nicht. Wohin packe ich die ganzen Einkäufe, wenn ich mit einer Hand das Baby versorge? Diese Fragen beschäftigten mich dermaßen—besser gesagt, sie machten mir so große Angst—, dass ich es komplett vermied, einkaufen zu gehen. Ich blieb zu Hause, denn daheim fühlte ich mich am sichersten.

Wie kann ich einschlafen, wenn meine Tochter mich jeden Moment unterbrechen könnte? Das geht doch nicht.

Trotzdem wollte ich nach acht Monaten wieder für zehn Stunden angestellt werden. Ich war dann auch mit Kind bei der Weihnachtsfeier der Firma und arbeitete manchmal fünf bis sechs Stunden am Stück, um die Abgabefristen einhalten zu können. Irgendwie hielt ich das eine Zeit lang richtig gut durch, obwohl ich relativ bald Probleme mit der Erholung hatte.

Phase 3: Schlafprobleme

Am Anfang war ich noch die ausgeschlafenste Mutter in der Stillgruppe, weil ich mir den Rat, immer zu schlafen, wenn das Kind es tat, sehr zu Herzen nahm. Die Kleine schlief anfangs fast von der ersten Minute an die ganze Nacht durch. Wenn sie jammerte, stillte ich sie und dann schliefen wir beide wieder ein. Doch irgendwie war das nie ein erholsamer Tiefschlaf. Ich war wie ein Computer, der nur den On-Modus und den Bildschirmschoner kennt. Meine Tochter schlief und ich lag oft daneben und dachte mir: „Ich bin so müde, aber ich kann doch nicht einschlafen, weil wenn sie dann aufwacht, unterbricht sie mich in meinem Schlaf.“ Und so habe ich das 15 Monate lang durchgezogen.

Zehn Monate nach der Geburt war ich dann schon so müde, dass ich nur noch schlafen wollte, aber nicht konnte. Wenn die Kleine schlief, habe ich gearbeitet oder das Haus geputzt. Ich hatte nie Zeit für mich. Irgendwann im April, also nach zwölf Monaten, war ich bei meiner Hausärztin und die meinte, dass ich wahnsinnig blass wäre. Also ganz weiße Lippen, dicke Ringe unter den Augen, das ganze Programm. Sie dachte sofort an Eisenmangel. Mein Chef war damit einverstanden, dass ich aus gesundheitlichen Gründen den Job kündigte. Der Bluttest hat dann aber ergeben, dass meine Eisenwerte voll OK waren.

Eines Nachts schoss es mir dann, dass ich psychisches Problem haben könnte. Ich googelte und las das erste Mal wirklich etwas über Postpartale Depressionen. Danach folgten einige Arztbesuche, die mir nur Diagnosen mit Burnout und mittelschwerer Depression einbrachten. Das Fazit: Ich sollte mich, so gut es ging, entlasten.

Ich widersprach niemandem, auch wenn ich mir fast sicher war, dass ich kein Burnout hatte. Ich hinterfragte auch nicht, dass mir keine Medikamente verschrieben wurden, weil ich ja stillte.

Mein Mann und ich hielten uns brav an die ärztlichen Ratschläge und suchten nach einer Babysitterin. Die Kleine meldeten wir für eine Krabbelgruppe an, wohin wir sie aber erst einen Monat später bringen konnten.

Phase 4: Krankhafte Erschöpfung

Nach diesen tollen Tipps seitens der Ärzte hat dann die ganz schlimme Erschöpfungsphase begonnen. Wenn ich die Kleine in den Armen hielt und sie aus irgendeinem Grund jammerte oder schrie, wurde ich innerhalb einer Zehntelsekunde so wütend und aggressiv, dass ich zu meinem Mann sagte: „Nimm sie mir sofort weg, sonst tu ich ihr was.“ Wenn sie ruhig war, dachte ich nie an solche Dinge, dann war alles gut.

In anderen Momenten war ich von einer Sekunde auf die andere so müde, dass ich sie nicht mehr halten konnte. Nur schlafen konnte ich auch nicht. In meinem Kopf kreiste nur ein Gedanke: „Ich muss jetzt sofort einschlafen, weil ich nachher keine Zeit dafür habe. Und mein Mann hat sie eben deshalb zu sich genommen, damit ich schlafen kann. Also sollte ich jetzt wirklich schlafen.“ Während ich kurz nach der Geburt zumindest noch oberflächlich eingenickt bin, konnte ich jetzt nicht mal mehr in Halbschlaf verfallen. Es war der totale Wahnsinn.

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Phase 5: Sprachstörungen und Vergesslichkeit

In der Hochphase der Erkrankung konnte ich dann keine geraden Sätze mehr sprechen. Wenn ich meinem Mann sagen wollte, dass im Rucksack das Essen für meine Tochter war, dann stammelte ich: „Essen, Tochter, Rucksack.“ Mir sind Worte wie Küchenschrank und Autotür nicht mehr eingefallen.

Ich musste alles umschreiben. Ich hatte auch massive Erinnerungslücken. Ich bin zum Beispiel aufs Klo gegangen, habe Hände gewaschen und war mir dann nicht mehr sicher, ob ich schon war. Dann bin ich zur Sicherheit noch einmal rein.

Phase 6: Innerlich tot

Das mit dem Abstillen war auch so eine Sache. Wahrscheinlich hätte mir das in der Situation wirklich geholfen, aber ich konnte einfach diese Verbindung zu meiner Tochter nicht kappen und ich wusste auch nicht, wie ich sie sonst zum Einschlafen hätte bringen können. Zu der Zeit nuckelte sie eigentlich nur noch zum Spaß, also zum Einschlafen, denn sie wurde schon lange mit richtigem Essen gefüttert.

Als ich bei der Hebamme war, um mir Ratschläge zu holen, fiel mir ein Folder über Postpartale Depression in die Hand. Ich fing an, ihn genau zu lesen, und markierte fast jeden Satz rot. „Ich war einfach nur mit der Versorgung des Babys beschäftigt. Ich habe nicht gedacht, dass ich jemals wieder ein normales Leben führen kann.“ oder „Körperlich war ich sehr schwach, ich kam kaum mehr aus dem Haus, habe stundenlang nur auf dem Sofa gesessen.“ Das war ich. Am Ende des Folders gab es sogar eine Checkliste, von der ich alle Punkte außer einen angekreuzt habe. Ich war sehr aufgebracht.

Endlich verwies man mich an eine Dr. Claudia Reiner-Lawugger, die Expertin auf der Spezialambulanz für perinatale Psychiatrie. Zwei Wochen später hatte ich einen Termin und die Bestätigung: Ich habe eine Postpartale Depression. Die Ärztin verschrieb mir verschiedene Medikamente und obwohl die erst nach ein paar Monaten anschlugen, hat sie mir damit mehr geholfen als alle Ärzte vor ihr.

Sehr geholfen hat mir auch der Austausch mit Betroffenen in der „Mutterglück?!“-Selbsthilfegruppe. Es war gut zu erleben, dass ich nicht völlig irre bin und dass alle Symptome normal für diese Erkrankung sind.

Phase 7: Erholung

Mein Leben bestand zwar immer noch aus Schlafen, aber zumindest konnte ich mich endlich erholen. Ich schlief bis zu sechs Stunden tagsüber und nachts ebenfalls. Mein Tagesplan sah so aus: Kleine in die Krabbelstube bringen, schlafen, Mittagessen, schlafen, Abendessen, schlafen.

Mein direkter Nachbar hatte schon seit Monaten Hühner im Garten. Ich erfuhr das erst nach einem Jahr, weil ich die ganze Zeit nur schlief und nie aus dem Haus ging.

E-Mails, SMS und Anrufe konnte ich vor lauter Erschöpfung nicht beantworten, ich hatte schon lang den Kontakt zu meinen Freunden und Bekannten verloren. Irgendwann, als es mir schon etwas besser ging, waren mein Mann und ich zu einer Wohnungseinweihungsparty eingeladen. Es gab dort ein Gästebuch, in das wir uns verewigen konnten, indem wir auf Fragen antworteten, so ähnlich wie ein Freundschaftsbuch in der Grundschule.

Als ich bei der Frage angelangt war, was meine Hobbys sind, wusste ich darauf keine Antwort mehr. Ich hab tatsächlich mein Leben vergessen! Ich konnte mich einfach nicht erinnern. Völlig untypisch für mich heulte ich los, weil ich das Gefühl hatte, mich selbst verloren zu haben.

Ich hatte fast 15 Monate meines Leben innerlich halbtot verbracht, neun Monate davon war ich seelisch wirklich tot. Die meiste Zeit hatte sich mein Mann um unsere Tochter gekümmert und dafür werde ich ihm immer wahnsinnig dankbar sein. Ich hab durch die Krankheit die schlimmste Zeit meines bisherigen Lebens erlebt, habe aber auch viel über mich gelernt, habe viele positive Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht, neue Freunde gewonnen und befreite mich von etlichem (auch menschlichem) Ballast. Ich durfte den „Reset“-Knopf betätigen und mich neu aufstellen. Und auch wenn es irgendwie vielleicht esoterisch klingt, versuche ich jetzt umso mehr, jeden Tag ganz bewusst zu erleben.

Schmerzen beim Sex nach Kaiserschnitt

Ein nacktes Paar umarmt sich. (MJTH)

Frage: Ich habe seit der Geburt unseres acht Monate alten Sohnes, der durch einen Kaiserschnitt entbunden wurde, fürchterliche Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Ich habe immer das Gefühl, als wäre die Scheide wund. Meinen Gynäkologen kontaktierte ich bereits fünf Mal. Er meint, es ist alles in Ordnung, die Schmerzen seien psychisch bedingt. Tatsache ist, dass ich nach wie vor Schmerzen habe. Könnte mein Arzt etwas übersehen haben? Könnte eine Infektion oder eine Krankheit dahinter stecken?

Antwort: Natürlich ist es schwer, eine Ferndiagnose zu stellen. Nach einer Operation sind nicht nur Entzündungen als Ursachen für Schmerzen möglich, sondern auch Verwachsungen. Durch einen Kaiserschnitt wird zwar nicht die Scheide eröffnet, aber durch Narbenzug oder Verwachsungen z.B. der Eileiter an die seitliche Wand des kleinen Beckens kann beim Geschlechtsverkehr der Eindruck entstehen, der Schmerz sei in der Scheide.

Die Diagnose ist schwierig zu stellen, es sei denn, es würde eine Bauchspiegelung durchgeführt, bei der gleichzeitig die Verwachsungen – falls vorhanden – gelöst werden könnten.

Wichtig sind einige Fragen

  • Treten die Schmerzen bei allen „Stellungen“ des Geschlechtsverkehrs auf?
  • Ist die Erregung ausreichend, also die Scheide feucht genug? Gerade nach einer Geburt kann es im Vergleich zu vorher manchmal etwas länger damit dauern.
  • Ist der Wunsch nach Sex auch tatsächlich vorhanden?

Die Beantwortung dieser Fragen kann vielleicht dazu beitragen, dem Problem etwas näher zu kommen.

Es ist wichtig, nochmals – eventuell auch in der Entbindungsklinik – das Problem anzusprechen. Eine Geburt verursacht eine große Veränderung im Leben. Neu aufgetretene Schmerzen, die auf den ersten Blick keine Ursachen zu haben scheinen, können vom Körper selbst und durch eine seelische Situation verstärkt sein.

Wenn Schmerzen immer wieder auftreten, sind nach einer gewissen Zeit automatisch seelischer Stress und Angst davor vorhanden. Angstgefühle fördern die Verspannung, und so setzt sich ein Kreislauf in Gang.

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Autoren:
Dr. Britta Bürger, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe (2001)
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr.med. Kerstin Lehermayr

Aktualisiert am: 08.07.2014 | 09:32

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Scheidentrockenheit: Creme, Gel oder Zäpfchen

In der Apotheke erhalten Sie Cremes, Gele und Zäpfchen, die gegen Scheidentrockenheit helfen. Diese Produkte haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie spenden in der Vagina langanhaltend Feuchtigkeit, regulieren den pH-Wert in der Scheide und regen so die Wiederansiedlung der wichtigen Milchsäurebakterien an. Sie sind meist geruchsfrei und einfach anzuwenden.

Im Gegensatz zu Gelen sind Cremes fetthaltig und dadurch meist etwas fester in ihrer Konsistenz.

Frauen, die wegen Scheidentrockenheit beim Verkehr Schmerzen haben, können Vaginalgele als Gleitmittel verwenden. Allerdings sollten sie darauf achten, dass sie keine Öle oder Fette enthalten, weil sie sonst die Oberfläche von Kondomen angreifen. Deshalb scheiden auch Cremes als Gleitmittel bei geschütztem Verkehr aus.

Wem die Verwendung von Cremes oder Gels unangenehm ist, hat die Möglichkeit gegen Scheidentrockenheit Zäpfchen zu verwenden. Diese enthalten die gleichen Wirkstoffe wie ihre cremigen Kollegen, erhöhen den Feuchtigkeitsgehalt in der Scheide und pflegen die Scheidenhaut mit Lipiden.

Manchmal wird auch eine Kombination von Vaginalzäpfchen und Creme oder Gel empfohlen.

Scheidentrockenheit: Was hilft noch?

  • Binden statt Tampons: Tampons nehmen nicht nur Flüssigkeit in großen Mengen auf, sondern entziehen der Scheidenschleimhaut auch Feuchtigkeit. Bei Scheidentrockenheit sollten Sie deshalb auf die Verwendung von Tampons verzichten.
  • Entspannung: Stressbedingter Scheidentrockenheit begegnen Sie am besten mit Entspannung. Autogenes Training, Spaziergänge oder entspannende Tees z.B. mit Baldrian helfen Ihnen, um zur Ruhe zu kommen.
  • Sex: Egal ob allein oder mit dem Partner – Sex fördert die Produktion des Scheidensekrets und erhöht die Feuchtigkeit in der Vagina. Verwenden Sie bei akuter Scheidentrockenheit ein Gleitgel, um Schmerzen zu vermeiden und die Lust beim Sex zu steigern.
  • Bewegung: Gehen Sie regelmäßig spazieren, nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug, wandern Sie in den Bergen oder treiben Sie Sport. Bewegung in jeder Form fördert die Durchblutung – auch die der Scheidenschleimhaut. Das fördert die Regeneration und lindert langfristig die Beschwerden durch Scheidentrockenheit.
  • Unterwäsche aus Naturfaser: Unter künstlichem Gewebe kann die Haut schlecht atmen. Achten Sie deshalb bei Ihrer Unterwäsche und bei enger Kleidung auf Naturfasern. Sie verhindern ein zu warmes Klima für die Scheide und lassen sie atmen.

Gegen die typischen Beschwerden in den Wechseljahren, zu denen auch Scheidentrockenheit zählen kann, werden außerdem eine Reihe pflanzlicher Arzneimittel angeboten.

Vor allem Extrakte von Soja, Rotklee, Leinsaat, Rhapontik-Rhabarber oder der Traubensilberkerze sollen helfen, weil sie pflanzliche Östrogene enthalten.

Diese Wirkstoffe können laut Untersuchungen zwar wechseljahrestypische Beschwerden wie z.B. Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen lindern. Sie haben aber keinen nachgewiesenen Effekt auf wechseljahresbedingte Scheidentrockenheit.

1. Entspanntes Vaginal­training

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr stehen häufig in Zusammenhang mit einer erhöhten Beckenboden-Grundspannung und einer zu starken Anspannung der Beckenbodenmuskulatur während der sexuellen Erregung. Ein Vaginaltraining bewirkt, dass der Beckenboden noch gezielter und bewusster kontrolliert werden kann.

Empfehlung

  1. Schritt des Vaginaltrainings: eine bequeme Position einnehmen – sich entspannen. Mit dem Raya – dem persönlichen Massagegerät – erst einmal nur äusserlich die Vagina stimulieren. Durch die sanfte Vibration entspannt sich die Beckenbodenmuskulatur. Die Vagina wird weicher, feuchter und dehnbarer.
  2. Schritt des Vaginaltrainings: Die Vagina ist jetzt gut vorbereitet. Das Einführen des Raya zusammen mit dem Intimina-Gleitmittel geht jetzt sehr viel leichter. Behutsam und langsam vorgehen. Sich nicht unter Druck setzen.

2. Das optimale Gleitmittel

Das A und O ist das richtige Gleitmittel. Es erleichtert das Einführen, erhöht die Gleitfähigkeit, befeuchtet die Schleimhaut und vermindert Reibungen und Reizungen. Sei es für schmerzfreien Sex oder während des Vaginal- und Beckenbodentrainings.

Intimina-Gleitgel ist auf Wasserbasis und mit Aloe vera angereichert. Er spendet Feuchtigkeit und passt sich dem natürlichen pH-Wert der Scheide optimal an.

Intimina-Gleitgel grosszügig beim Liebesspiel, beim Training mit dem Raya oder KegelSmart anwenden.

3. Den Beckenboden zum guten Freund machen

Im Beckenboden eingebettet liegt die Scheide. Wenn beim Versuch etwas einzuführen sich die Scheide verschliesst, sind dafür die Beckenbodenmuskeln, die sich zu fest anspannen, verantwortlich. Die Scheide wird eng, es brennt oder schmerzt. Anspannung und bewusste Entspannung sind Übungssache. Es gilt, Schritt für Schritt die Kontrolle über die Liebesmuskeln zurückzugewinnen.

Täglich eine 5-minütige Trainingseinheit mit dem KegelSmart, dem Personaltrainer für den Beckenboden. Das verbessert die Wahrnehmung des Beckenbodens. Wenn er vibriert, wird der Beckenboden angespannt. Wenn die Vibration aufhört, wird er losgelassen und kann sich entspannen.

Individuelle Behandlungsmöglichkeiten und wertvolle Alltagstipps haben Pelvisuisse Physiotherapeutinnen im Therapieangebot. Sie sind die Spezialistinnen, wenn es um Beckenbodenprobleme geht. Sich nicht scheuen, bei einer Fachperson Hilfe zu suchen.

4. Entspannung statt Stress

Stressintensive Leistungs- und Lebensgewohnheiten erhöhen nicht nur die Grundspannung im Beckenboden, sondern oftmals verspannt sich sogar die Muskulatur des ganzen Körpers. Ziel ist, die Balance zwischen Stress und Erholung wiederzufinden.

Tiefe, lockere Bauchatmungen lösen Verspannungen im Körper. Im Sitzen eine aufrechte Position einnehmen – Rücken und Kopf möglichst gerade halten – die Schultern locker nach unten hängen lassen – Augen schliessen – eine Hand auf den Bauch legen – langsam und bewusst in den Bauch atmen, sodass sich die Bauchdecke beim Ein- und Ausatmen bewegt.

Die Entspannungstechnik Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson hilft bei regelmässiger Anwendung, innert kurzer Zeit abzuschalten.

5. Mit dem Partner reden

Paare, die dieses Problem gemeinsam angehen, können viel offener über Dinge reden, an die andere Paare nicht einmal zu denken wagen. Finden Sie gemeinsam ihre Vorlieben, Wünsche oder Bedürfnisse heraus. Anfangs ist es sicher nicht einfach, doch es ist unglaublich befreiend und intensiviert die Beziehung und das Sexleben.

Nehmen Sie sich beide Zeit. Entdecken Sie Ihren eigenen Körper und den des Partners ausgiebig. Der Raya kann eine willkommene Hilfe sein.

In einer Sexualtherapie kann sich ein Paar vielfach besser austauschen und aussprechen. Für viele Paare ist es eine Erleichterung, einen Ort zu haben, wo sie ernst genommen werden und offen sprechen können.

6. Trockene Scheide – der Lustkiller

Hormonelle Schwankungen nach einer Geburt, während der Stillphase, während oder nach den Wechseljahren können zu einer unzureichenden Befeuchtung der Scheide führen. Es kommt während des Geschlechtsverkehrs zu einer starken Reibung. Die trockene Scheidenschleimhaut wird gereizt, und es entsteht ein unangenehmes Wundheitsgefühl.

Den trockenen Intimbereich täglich nur mit lauwarmem Wasser oder mit wenig Intimwaschlotion, welche die natürliche Flora der Scheidenschleimhaut unterstützt, reinigen. Anschliessend den ganzen Vaginalbereich mit einer Intimpflegecreme auf Sanddornölbasis pflegen.

Täglich kaltgepresste Öle wie Raps-, Oliven- oder Leinöl für die kalte Küche in den Speiseplan einbauen. Den trockenen Schleimhäuten über vier bis sechs Monate eine Kur mit Sanddornöl-Kapseln gönnen.

7. Unterwäsche und Co.

Nicht zu enge Unterwäsche aus Naturfasern lässt die empfindliche Scheidenregion ausreichend atmen und verhindert unangenehme Reibungen.

Luftige und locker sitzende Unterwäsche aus Baumwolle tragen, damit keine Reizung entsteht. Farbige Unterwäsche enthält oft reizende Stoffe. Slipeinlagen aus Baumwolle ohne Deo, ungebleichtes und ungefärbtes Toilettenpapier verwenden.

Denise Egli, Fachfrau für Beckenbodengesundheit

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