Wie lange nestschutz

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Erkältung & Co: Was du in der Stillzeit beachten musst

Schnupfen, Husten, Bronchitis – Erkältungsviren haben Hochsaison und sind in der Stillzeit besonders lästig. Darfst du krank überhaupt weiterstillen? Was ist mit Medikamenten? Hier kommen die Antworten

Darf ich weiterstillen, wenn ich krank bin?

Frag dazu auf jeden Fall deinen Arzt, deine Hebamme oder eine Stillberaterin, aber in den meisten Fällen ist es möglich und wichtig, dass du weiterstillst.

Kann ich mein Baby durch die Muttermilch anstecken?

Eins steht fest: Bevor die Krankheit bei dir ausgebrochen ist, war dein Baby ihr längst ausgesetzt. Aber die gute Nachricht ist: Dein Körper produziert bei einer Infektion sofort auch Antikörper, die dein Baby über die Muttermilch erhält und die es schützen! So ist es zwar nicht ausgeschlossen, dass dein Baby ebenfalls krank wird, aber aufgrund der Antikörper meist mit deutlich schwächerem Verlauf.

Kann eine Krankheit auch zu Stillproblemen führen?

Eventuell kann es passieren, dass du über kurze Zeit etwas weniger Milch hast, wenn du akut krank oder gerade erst wieder genesen bist. Achte deshalb auf jeden Fall darauf, genügend Wasser zu trinken – zur Not auch in kleinen Schlucken, wenn es nicht anders geht. Wichtig ist, dass du dir viel Ruhe gönnst. Mach es dir und deinem Baby am besten im Bett bequem. Du solltest jetzt besonders oft stillen. Wenn du schon wieder arbeitest, melde dich krank, um dich auszuruhen und viel zu stillen.

Was passiert, wenn ich ins Krankenhaus muss?

Sag auf jeden Fall in der Klinik gleich Bescheid, dass du stillst. Manche Krankenhäuser nehmen dein Baby dann mit auf. Einige ermöglichen das „Rooming-in“, wenn sich eine weitere Person um dein Baby kümmert. Wenn dein Baby trotzdem nicht bei dir bleiben kann, ist es wichtig, dass du zu den gewohnten Stillzeiten abpumpst, um deine Milchbildung aufrecht zu erhalten. Die Klinikmilchpumpe Symphony von Medela kannst du womöglich sogar direkt im Krankenhaus ausleihen.

Darf ich überhaupt Medikamente nehmen? Die gehen doch sicher alle in die Muttermilch über.

Du hast recht, mit Medikamenten ist es ähnlich wie beim Essen und Trinken. Von fast allen Wirkstoffen, die du während der Stillzeit einnimmst, inhalierst oder spritzt, bekommt auch dein Baby etwas ab. Für dein Kind ist es deshalb natürlich am sichersten, wenn du während der Stillzeit möglichst keine Medikamente einnimmst. Bei kleinen Beschwerden wie einer verstopften Nase können auch natürliche Hausmittel wie ein Kamillendampfbad helfen. Aber manchmal ist eine Medikamenteneinnahme einfach unumgänglich. Zum Glück sind viele Arzneimittel stillverträglich. Lass dich auf jeden Fall immer von deinem Arzt, Apotheker, Hebamme oder Stillberaterin beraten!

Worauf muss ich bei der Medikamenteneinnahme achten?

Ganz wichtig ist wirklich: Egal, ob verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Medikamente aus dem Drogeriemarkt – nimm nichts ein, ohne dich vorher mit deinem Arzt, deiner Hebamme oder Stillberaterin darüber abzustimmen. Nur sie kennen die Inhaltsstoffe der verschiedenen Medikamente und wissen auch über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten Bescheid! Gerade bei Erkältungsmitteln ist es zum Beispiel wichtig, Präparate mit „ Pseudoephedrine“ zu meiden. Dieser Wirkstoff hat eine abschwellende Wirkung und kann dadurch deine Milchproduktion senken. Übrigens kann es durchaus sein, dass du auch verschiedene fachliche Meinungen dazu hörst, ob ein bestimmtes Medikament stillverträglich ist oder nicht, denn die Informationen über Arzneimittel ändern sich kontinuierlich.

Spielt auch das Alter meines Babys eine Rolle bei der Medikamentenwahl?

Die Frage, wie alt dein Baby ist und ob es noch voll gestillt wird oder auch schon Beikost bekommt (und wie viel), ist sicherlich ein Punkt, der im Gespräch mit deinem Arzt oder Apotheker relevant ist. Ebenso Fragen zur Gesundheit: Wenn dein Baby krank ist oder zu früh geboren wurde, sprich das auf jeden Fall an. Weitere wichtige Faktoren für die Auswahl eines geeigneten Medikaments findest du auch hier.

Gibt es keine Liste mit Medikamenten, die mit dem Stillen verträglich sind?

Nein, das nicht, aber die Beratungsstelle für Arzneimittelsicherheit der Charité Berlin unter www.embryotox.de hat hilfreiche Informationen. Die persönliche Beratung mit deinem Arzt ersetzt das natürlich nicht.

Erkältung beim Baby und Kind: Ursachen, Symptome und Hilfe

5. April 2018 17 Min.

Eine Erkältung ist für niemanden angenehm – besonders schlimm scheint es jedoch, wenn es Babys oder Kinder erwischt hat. Husten, Schnupfen und Co. machen aus der Erkrankung für die Kleinen eine quälende Angelegenheit. Obendrein wird der Nachwuchs zumeist aufgrund der lästigen Symptome übellaunig und quengelig. Dann ist die Geduld der Eltern und viel Liebe gefragt. Mit welchen Hausmitteln und Medikamenten Sie die erkältungsbedingten Beschwerden lindern können sowie weitere wichtige Informationen, lesen Sie nachstehend.

Übersicht:

  • Ursachen
  • Symptome
  • Verlauf
  • Wann zum Arzt
  • Behandlung
  • Hausmittel
  • Unterschied zur Grippe

Alles Wichtige auf einen Blick:

  • In der Regel liegt die Ursache einer Erkältung – auch grippaler Infekt genannt – in der Ansteckung mit Viren begründet.
  • Typische Symptome sind Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Sie treten meist schleichend auf und sind wenig stark ausgeprägt.
  • Zur Linderung der Beschwerden stehen einerseits Medikamente wie Hustenstiller zur Verfügung. Andererseits sind altbewährte Hausmittel, beispielsweise eine Dampfinhalation, anwendbar.
  • Um unterscheiden zu können, ob es sich um eine Erkältung oder echte Grippe (Influenza) handelt, sollten Eltern auf die Symptome achten: Auch eine Grippe zeigt sich mit Husten und Co., allerdings treten die Symptome sehr plötzlich und deutlich heftiger als bei einer Erkältung. Bei Verdacht auf eine Grippe, sollten Sie mit Ihrem Schützling einen Arzt aufsuchen.

Warum entsteht eine Erkältung? Der Ursache auf der Spur

Ursachen für eine Erkältung (grippaler Infekt) – sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen – sind in den meisten Fällen Viren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es über 200 unterschiedliche Virentypen gibt, die als Auslöser infrage kommen.1

Die Ansteckung mit den Erregern kann überall erfolgen. So ist es möglich, dass das frischgeborene Baby den grippalen Infekt schon aus der Geburtsklinik mitgebracht hat. Denn nicht jedes Neugeborene verkraftet die Umstellung – von der geschützten Gebärmutter in die Welt der Erwachsenen – gleich gut. Kommen Babys mit einem Virus in Kontakt, hat der kindliche Organismus oft noch keine eigenen Abwehrstoffe parat und die Viren können sich leichter ausbreiten.

Interessant:

Die Hochphase der Erkältungen beginnt für Kinder in der Regel nach einer gewissen Schonzeit:

  • Säuglinge sind in den ersten sechs bis neun Monaten noch durch die in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe der Mutter geschützt.2
  • Auch durch die Muttermilch werden Abwehrkörper an das Baby weitergegeben, die dieses vor der Ansteckung mit einem Virus bewahren.

Diese sogenannte Leihimmunität von Babys endet mit dem Abstillen und dem Umstieg auf feste Nahrung. Daher erkranken Kinder ab diesem Alter besonders häufig. Acht bis zehn Erkältungen jährlich gelten bei ihnen als völlig normal.2

Doch wie kommen die Kleinen überhaupt in Kontakt mit den lästigen Krankheitserregern? Dies geschieht hauptsächlich über zwei Wege, die auch für die virale Ansteckung von Kleinkindern sowie Erwachsenen verantwortlich sind:

  • Tröpfcheninfektion: Beispielsweise werden beim Husten oder Niesen infizierte Partikel in die Luft geschleudert und von den Kindern eingeatmet.
  • Schmierinfektion: Ob Kuscheln oder kontaminierte Gegenstände wie Essbesteck oder Schnuller – sind die Viren erst einmal auf den Kinderhänden, können sie von dort an die Nasen- oder Mundschleimhaut gelangen, unter anderem dann, wenn sie sich ins Gesicht fassen.

Haben sich die Krankheitserreger erst einmal auf den Schleimhäuten der Atemwege festgesetzt, kommt es im weiteren Verlauf häufig zur Entwicklung einer Erkältung mit den typischen Symptomen.

Welche Symptome zeigt mein Kind bei einer Erkältung?

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Typische Symptome einer Erkältung bei Babys und Kindern sind:

  • Schnupfen und Niesreiz
  • Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit
  • glasige Augen
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Gliederschmerzen

Generell sind all diese Erkältungssymptome bei Kindern ein Zeichen dafür, dass der Körper gegen die verursachenden Viren ankämpft. Auch eine erhöhte Körpertemperatur (37,6 bis 38,5 Grad) , die viele Eltern als besorgniserregend wahrnehmen, ist im Grunde ein positives Signal des Körpers und zeigt, dass das Immunsystem auf Hochtouren arbeitet und gegen die Krankheitserreger ankämpft. Fiebersenkende Medikamente oder Maßnahmen müssen deshalb nicht zwangsläufig zum Einsatz kommen – in vielen Fällen helfen zur Symptomlinderung auch altbewährte Hausmittel.

Harmlose Erkältung oder doch die Grippe?

Sowohl Erkältungs- als auch Grippeviren befallen die Atemwege und lösen daher ähnliche Symptome aus. Das Grippevirus ist jedoch aggressiver und verursacht heftigere Beschwerden. Anhaltspunkte für die Grippe können sein, dass der Schnupfen entfällt und sich stattdessen plötzlich hohes Fieber (oft 39 Grad Celsius und mehr), welches über mehrere Tage dauert, zeigt. Nicht selten kommen starke Gliederschmerzen, manchmal auch Durchfall, hinzu.4

Verlauf einer Erkältung: Auf die Halsschmerzen folgt die Schnupfennase

Typischerweise folgen die Symptome bei Babys und Kindern – wie bei Erwachsenen – einem klassischen Verlauf. Meist merken sie in den ersten ein bis zwei Tagen noch gar nichts von der Infektion. Danach stellen sich die Beschwerden allmählich ein:

  • Phase 1: Die Krankheitserreger befallen oftmals zunächst die Schleimhaut im Mund, weshalb Halsschmerzen in der Regel zu den ersten Anzeichen gehören.
  • Phase 2: Während die Kleinen das unangenehme Kratzen im Hals schon bemerken, nisten sich die Viren meist in der Nasenschleimhaut ein und verursachen einen Schnupfen, der mehrere Tage anhalten kann. Eine verstopfte Nase sorgt häufig dafür, dass Ihr Nachwuchs schlechter Luft bekommt und daher auch Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme hat. Nachts wacht er häufiger auf und weint daher vielleicht öfter als sonst. Parallel zum Schnupfen entwickeln manche Kinder Gliederschmerzen und wirken allgemein matt sowie abgeschlagen. Die Körpertemperatur kann – muss aber nicht – ansteigen. In der Regel sollte eine leicht erhöhte Körpertemperatur nach ein bis drei Tagen überstanden sein.5
  • Phase 3: Der Husten schlägt meist als letzte Phase der Erkältung zu. Er ist zunächst trocken und wandelt sich im Verlauf des grippalen Infekts zu einem produktiven Husten (mit Auswurf).

Wie lange dauert eine Erkältung?

Je nachdem, wie fit das Immunsystem der Kleinen ist, variiert die Dauer zwischen einigen Tagen und mehr als einer Woche. Bei über 50 Prozent der Babys hält die Erkältung länger als vier Tage an, bei 20 Prozent sogar über sieben Tage.2 Sollten Husten und Schnupfen nach einer Woche noch nicht verschwunden sein oder werden die Beschwerden und das Fieber sogar stärker, sollten Sie mit Ihrem Nachwuchs zum zum Arzt gehen.16

Chemisch vs. pflanzlich: Welche Medikamente sind geeignet?

Eines sollten Eltern vor der Behandlung wissen: Eine Erkältung ist ein durch Viren ausgelöster Infekt – und gegen diese Krankheitserreger gibt es keine ursächlichen Therapiemöglichkeiten. In erster Linie geht es bei der Behandlung daher um die Linderung der Beschwerden.

Antibiotika bei Erkältung?

Sofern Ihr Nachwuchs an einer viral bedingten Erkältung leidet, wird Ihnen der Kinderarzt in der Regel keine Antibiotika verschreiben. Denn diese helfen nur gegen Bakterien. In einigen Fällen ist es jedoch möglich, dass sich die bakteriellen Erreger zu einem grippalen Infekt dazu gesellen – dann spricht man von einer sogenannten Superinfektion. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, Antibiotika nach Rücksprache mit dem Arzt zu nehmen.

Wenn Sie dem Kleinen Arzneimittel geben möchten, um die Symptome zu mildern, sprechen Sie dies bitte mit einem Kinderarzt ab. Geeignet für Babys und Kinder sind zum Beispiel pflanzliche Präparate – sie sind oft schonender als Arzneimittel auf chemischer Basis und teilweise schon für Kinder ab einem Jahr zugelassen.

So kommen bei Husten unter anderem infrage:

  • Arzneimittel mit Primelwurzel, Efeu oder Thymian: wirken auswurffördernd bei einem Husten mit Schleimbildung
  • Mittel mit Eibischwurzel-Extrakt: können bei trockenem Reizhusten ohne Sekretbildung Linderung verschaffen.6

Zur Abklärung der genauen Altersempfehlung und Dosierung wenden Sie sich am besten an Ihren Arzt oder einen Apotheker.

Und gegen Schnupfen? Da hilft oft der Griff zu sanften Nasentropfen. Hier gibt es spezielle Präparate für Kindernasen, die ohne Altersbegrenzung anwendbar sind. Denn Nasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen wie Xylometazolin lösen zwar die Verstopfung in der Nase, sind jedoch als Medikament bei einer Erkältung nicht für Kinder unter zwei Jahren geeignet.7 Grund ist, dass die Inhaltsstoffe ins Blut übergehen und zu schweren Nebenwirkungen, beispielsweise Erbrechen oder Atembeschwerden, führen können. Zudem besteht die Gefahr von Abhängigkeitseffekten.

Zusatzinfo: Meerwasser bei kleinen Schnupfennasen

Eine sanfte Behandlungsmöglichkeit bei Schnupfen sind Nasensprays mit einer isotonischen Meerwasserlösung. Das Meerwasser hat einen leicht abschwellenden Effekt und befeuchtet Kindernasen zusätzlich auf sanfte Art.

Hohem Fieber wird üblicherweise mit fiebersenkenden Zäpfchen mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol entgegengetreten. Bei der Dosierung ist dabei immer auf penible Genauigkeit und die Angaben von Arzt und/oder Apotheker zu achten. Der bei Erwachsenen beliebte Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) kommt im Übrigen bei Babys nicht infrage: Er kann schlimmstenfalls in Leber und Gehirn schwere Schäden verursachen.

Sicher und natürlich: Hausmittel als Alternative

Um den Körper der kleinen Erkältungsgeplagten zu schonen und gleichzeitig bei der Heilung zu unterstützen, setzen viele Eltern auf Hausmittel. Aber welche Maßnahmen sind bei welcher Beschwerde angebracht?

  • Hausmittel bei Halsschmerzen
  • Maßnahmen gegen Schnupfen
  • Vorgehen bei Husten
  • Weitere Tipps

Halsschmerzen: Hausmittel zur Linderung

Ein leichtes Kribbeln im Hals kann sich zu handfesten Schluckbeschwerden und Heiserkeit entwickeln – Halsschmerzen gehören oft zu den ersten Anzeichen einer Erkältung und sind besonders unangenehm. Ein altbewährtes Hausmittel gegen Erkältungen für etwas ältere Kinder (ab 3 bis 4 Jahren)7 ist Gurgeln, da es die Rachenschleimhaut von Krankheitserregern reinigt.

Beherrscht Ihr Kind diese Technik, empfehlen sich als Gurgellösung beispielsweise:

  • Lauwarmer Salbeitee: Übergießen Sie hierfür einen Teelöffel getrocknete Salbeiblätter mit 250 Millilitern kochendem Wasser. Ihr Kind kann die Gurgelanwendung bis zu fünfmal am Tag durchführen.7 Salbei enthält entzündungshemmende Wirkstoffe, welche die Genesung beschleunigen können.
  • Salzwasser: Rühren Sie einen Teelöffel Meersalz in ein Glas warmes Wasser und lassen Sie Ihr Kind bis zu fünfmal täglich gurgeln.8

Wohltuend bei Halsschmerzen wirken auch Halswickel, die sich für Kinder ab zwei Jahren empfehlen. Je nach Vorliebe des Kindes können diese warm oder kalt angewandt werden. Bei akuten Halsschmerzen sind kalte Wickel geeignet. Diese weisen – aufgrund des Kältereizes – zudem einen milden entzündungshemmenden Effekt auf. Demgegenüber sollten Sie länger anhaltendes Halsweh mit warmen Wickeln (circa 37 Grad Celsius) behandeln.

Rezept für einen kühlen Quarkwickel:

Verrühren Sie 250 Gramm Quark (zimmerwarm) und streichen ihn etwa fünf Millimeter dick auf die eine Hälfte eines dünnen Tuchs (beispielsweise ein Geschirrtuch). Falten Sie das Tuch und legen Sie den Wickel so um den Hals, dass zwischen Haut und Quark eine Stoffschicht liegt. Fixieren Sie das Innentuch mit einem Wollschal. Lassen Sie den Wickel für zwei bis drei Stunden an Ort und Stelle.

Gegen Schnupfen: Hausmittel für verstopfte Kindernasen

Erst läuft die Nase ununterbrochen, dann ist sie wieder eher verstopft. Was nun? Neben Nasentropfen aus der Apotheke können auch Hausmittel eine abschwellende Wirkung erzielen und das Atmen erleichtern. Infrage kommen beispielsweise:

  • Muttermilch bei Säuglingen: Einfach mit einer Pipette mehrmals täglich ein paar Tropfen in beide Nasenlöcher geben. Auf diese Weise kann das Sekret leichter in den Rachenraum rutschen und dort hinuntergeschluckt werden.11
  • Kochsalzlösung: Ein bis zwei Tropfen einer Wasser-Salz-Lösung drei bis fünfmal täglich in die Nase träufeln. Für die Herstellung verrühren Sie ein Gramm Kochsalz in 100 Milliliter Wasser und bewahren die Lösung im Kühlschrank auf.12
  • Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Kind genug trinkt – auf diese Weise verflüssigt sich das Nasensekret. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt rein an Getränken folgende Flüssigkeitszufuhr:13

    • Babys 0-4 Monate: 620 ml/Tag
    • Babys 4-12 Monate: 400/ml Tag
    • Kinder 1-4 Jahre: 820 ml/Tag

    Empfehlenswert bei einer Erkältung sind – neben Wasser – zum Beispiel Malvenblüten-, Thymian-, Hohlzahnkraut- oder Wollblumentee. Die letzten beiden Teesorten sind auch für Säuglinge geeignet.9

    Tipp:

    Wenn Sie den Eindruck haben, dass der Säugling durch den Schnupfen nicht gut trinken kann, sollte der Nasenschleim abgesaugt werden. In der Apotheke gibt es spezielle Schleimabsauger zu kaufen.

    Welche Maßnahmen können bei Husten helfen?

    Wenn Erkältungsviren die ersten Stationen über Nase und Rachen genommen haben und in den Bronchien angelangt sind, entzündet sich dort die Schleimhaut: Husten ist die Folge. Im ersten Schritt hilft es, viel zu trinken und die Raumluft feucht zu halten. Letzteres erreichen Sie beispielsweise mithilfe spezieller Luftbefeuchter.

      Als weiteres Hausmittel kommen Hustentees infrage. Je nach Beschwerdebild gilt:14

      • Bei Reizhusten empfehlen sich Tees mit Schleimstoffen, welche die gereizte Schleimhaut schützen und so den Hustenreiz lindern. Mögliche Heilpflanzen sind Isländisch Moos, Eibischwurzel, Spitzwegerich oder Malvenblätter.
      • Ist der Husten nicht mehr trocken, sondern kommt es bereits zu Auswurf, benötigt Ihr Kind Tees, welche das Abhusten unterstützen. Wollblumenblüten oder Hohlzahnkraut verflüssigen den zähen Schleim und fördern den Auswurf. Sie sind so mild, dass die Tees auch als Hausmittel gegen Erkältungen bei Babys anwendbar sind.9

      Für ältere Kinder können Sie dem Erkältungstee auch Honig hinzufügen – das schmeckt nicht nur süßlich, sondern hat zudem einen antiviralen Effekt. Babys unter einem Jahr sollten allerdings auf keinen Fall Honig bekommen, da dieser unter Umständen ein Bakterium enthält, welches gefährlich für den kleinen Körper werden kann.15

      Neben wohltuenden Erkältungstees schwören viele Eltern auf Brustwickel, um den Hustenreiz zu lindern, die Durchblutung im Brustkorb anzuregen und den Schleim zu lösen. Ein besonders beliebtes Hausmittel ist der Bienenwachswickel. Fertige Auflagen aus Bienenwachs können Sie in der Apotheke kaufen. Der Bienenwachswickel gibt selbst keine Wärme ab, sondern hilft, die eigene Körperwärme zu nutzen. Er ist daher besonders sanft und für die sensible Kinderhaut gut geeignet.

      Weitere Maßnahmen: Das können Sie noch tun

      Neben den oben genannten Hausmitteln lohnt es sich auch Folgendes auszuprobieren:

      • Hat Ihr Baby oder Kind eine Erkältung, aber fiebert nicht – packen Sie es warm ein und gehen mit ihm an die frische Luft. Die Nasenschleimhäute werden dadurch besser durchblutet, was wiederum die Genesung unterstützt.
      • Nehmen Sie mit Ihrem Nachwuchs gemeinsam ein warmes Bad. Auf ätherische Öle aus Kampfer, Menthol oder Eukalyptus sollten Sie bei Säuglingen jedoch verzichten, diese sind erst bei Kindern über drei Jahren als Badezusatz erlaubt. Denn bei deren Verwendung besteht die Gefahr von schweren Atemwegsproblemen.4
      • kühlende Wadenwickel. Hierfür benötigen Sie jeweils ein Tuch, das Sie in lauwarmem Wasser (etwa 2 bis 5 Grad unter der Körpertemperatur) tränken, und jeweils ein Handtuch, welches um die nasse Auflage gewickelt wird. Die Anwendungsdauer beträgt 10 bis 20 Minuten.16

      Tipp: Zwiebel über dem Kinderbett

      Die ätherischen Öle der Zwiebel wirken entzündungshemmend und schleimlösend. Als Hausmittel gegen Erkältungen empfiehlt es sich daher, nachts eine zerkleinerte Zwiebel in einem Tuch über dem Kinderbett aufzuhängen.17 Der Geruch ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, die Dämpfe können die Erkältungsbeschwerden jedoch sanft lindern.

      Für eine schnelle Genesung Ihres Nachwuchses ist zudem unbedingt Nähe und Fürsorge notwendig. Die Kleinen können nicht einordnen, warum sie sich so elend fühlen und quälen sich mit verstopfter oder triefender Nase und lästigem Husten herum. Auch das heilsame Schlafen will aufgrund der Symptome oftmals nicht so recht gelingen, stattdessen wird geweint und gequengelt. Da helfen ausdauerndes Kuscheln und der liebevolle Trost von Mama und Papa.

      Wann sollten Sie mit Ihrem Nachwuchs zum Arzt?

      Ob Sie mit Ihrem Kind zum Arzt müssen, hängt zum einen von seinem Alter ab und zum anderen von der Ausprägung der Beschwerden. Ist Ihr Schützling bereits im Kleinkindalter, müssen Sie nicht bei jeder Erkältung den Kinderarzt aufsuchen. Die Erkrankung verschwindet in der Regel von selbst wieder. In einigen Fällen kann es dennoch sinnvoll sein, einen Mediziner zu Rate zu ziehen, nämlich dann, wenn:4

      • es Ihrem Kind sehr schlecht geht, also sein Allgemeinbefinden deutlich getrübt ist
      • Fieber wiederholt oder schubweise auftritt
      • das Kleinkind Hautausschlag bekommt
      • Husten oder Schnupfen länger als eine Woche unverändert andauern oder sich gar verschlimmert haben18
      • Anzeichen für Komplikationen, beispielsweise Atembeschwerden hinzukommen

      Bei Babys sollten Sie etwas vorsichtiger sein. Nehmen Sie die Beschwerden ernst und gehen zum Arzt, sobald:19

      • die Körpertemperatur bei Babys unter drei Monaten 38 Grad Celsius übersteigt
      • das Fieber bei älteren Babys länger als einen Tag anhält
      • es nicht trinken will
      • ein Fieberkrampf (Krampfanfall) auftritt
      • weitere Krankheitszeichen wie Erbrechen, Durchfall oder Hautausschläge hinzukommen

      Selbstverständlich können Sie auch immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn Sie beunruhigt sind und sich Sorgen machen. Fragen Sie lieber einmal zu oft um Rat, als zu wenig. Denn falls eine Erkältung nicht richtig auskuriert wird, besteht die Gefahr von Folgeerkrankungen, beispielsweise einer Lungenentzündung.

      Mögliche Komplikationen einer Erkältung

      In den meisten Fällen trinken und schlafen die Kleinen nach einigen Tagen wie gewohnt und haben den grippalen Infekt überstanden. Manchmal jedoch sind die Schleimhäute durch die Erkältungsviren so geschwächt, dass sich zusätzlich Bakterien ansiedeln. Mediziner sprechen dann von einer bakteriellen Superinfektion.

      Die eindringenden Bakterien können unterschiedlichster Art sein und verschiedene Erkrankungen auslösen, beispielsweise

      • eine Bronchitis (bronchiale Schleimhautentzündung),
      • eine Otitis media (Mittelohrentzündung),
      • eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) oder
      • eine Pneumonie (Lungenentzündung).

      Dies erkennen Eltern daran, dass sich die Symptome der Erkältung bei ihrem Kind nicht bessern, sondern stärker werden. Eine Lungenentzündung äußert sich beispielsweise durch Atembeschwerden, Schmerzen in der Brust und anhaltenden Husten. Konsultieren Sie beim Verdacht auf eine Zusatzinfektion am besten so schnell wie möglich Ihren Kinderarzt.

      Grippe? Wenn das Influenza-Virus Ihr Kind erwischt hat

      Im Gegensatz zur Erkältung, bei der eine Vielzahl an Viren die Beschwerden auslösen können, ist für die echte Grippe nur ein Erreger verantwortlich: das Influenza-Virus. Dieses löst deutlich heftigere Symptome als bei einer Erkältung aus. Dazu zählen:

      • hohes Fieber
      • starke Gliederschmerzen
      • ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl

      Eine triefende oder verstopfte Nase bleibt indes bei der Influenza häufiger aus.

      Während ein grippaler Infekt zwar lästig, an sich aber harmlos ist, kann die Influenza durchaus gefährlich werden, da sie öfter zu stärkeren Komplikationen, beispielsweise einer Lungen- oder Hirnhautentzündung führt. Um solche Folgen zu vermeiden, führt der Weg mit einem an Grippe erkrankten Kind daher unbedingt zum Arzt, der über die weitere Behandlung entscheidet.

      Interessant:

      Gegen die Grippe gibt es eine saisonale Schutzimpfung. Diese wird von der Ständigen Impfkommission für Kinder mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung ab einem Alter von sechs Monaten empfohlen.20 Dies trifft beispielsweise bei bestimmten Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder anderen Stoffwechselleiden zu.

Wie lange besteht „Nestschutz“ gegen Krankheitserreger?

Gegen einige Krankheiten wird das Baby bereits im Mutterleib „geimpft“: Es enthält über das Blut der Mutter Abwehrstoffe, die es nach der Geburt noch mehrere Monate vor bestimmten Infektionen – hauptsächlich den „klassischen“ Kinderkrankheiten – schützen. Voraussetzung: Die Mutter hat die jeweilige Krankheit früher selbst durchgemacht oder ist dagegen geimpft worden.

  • Gegen Diphtherie und Tetanus sind Babys fünf bis sieben Monate geschützt – wenn die Mutter geimpft wurde. Eine durchgemachte Erkrankung der Mutter führt zu keinem nachweisbaren Nestschutz.
  • Gegen Masern gilt der Nestschutz sogar zehn Monate – aber nur, falls die Mutter die Krankheit selbst durchgemacht hat. Ist sie gegen Masern geimpft worden, hält der durch die abgeschwächten Impfviren vermittelte Nestschutz nur bis zum sechsten Monat. Hier ist die Situation also genau entgegengesetzt zu Diphtherie und Tetanus.
  • Vor Röteln sind Babys bis zum fünften Monat weitgehend sicher.
  • Vor Mumps besteht ein Nestschutz während der ersten sechs bis acht Lebensmonate.
  • An Windpocken (wilde Blattern) erkranken Babys meist erst nach dem vierten Monat.
  • Gegen Scharlach besitzt ein Säugling „Nestschutz“ und kann sich bis zum sechsten Lebensmonat in der Regel nicht anstecken. Erkrankt ein Baby dennoch an Scharlach, reagiert es viel empfindlicher. Die Bakterien können sich schnell in die Mittelohren oder Lungen ausbreiten.

Keinen Nestschutz gibt es gegen Keuchhusten, Tuberkulose und den Meningitis-Erreger HIB. Auch der Nestschutz gegen Kinderlähmung ist nicht zuverlässig.

Aus dem Bereich „Häufige Fragen“:

Ist es für den Nestschutz egal, ob die Mutter die Krankheit selbst durchgemacht hat oder ob sie „nur“ dagegen geimpft ist?

Nestschutz: Abwehrkräfte fürs Baby

Kaum ist das Baby auf der Welt, muss es lernen, sich gegen Attacken von Bakterien und Viren zur Wehr zu setzen. Die gute Nachricht: Ihr Baby ist dabei keineswegs schutzlos! Es hat von Ihnen eine „Grundausstattung“ mit wichtigen Abwehrstoffen mit auf die Welt bekommen: den Nestschutz.

Was bedeutet Nestschutz?

Von Mama nur das Beste: gut geschützt dank des natürlichen Nestschutzes

Im Mutterleib war Ihr Baby vor nahezu allen Erregern dieser Welt gut geschützt. Draußen lauern aber jede Menge Gefahren in Form von Viren, Bakterien, Pilzen und anderen Keimen. Zum Glück bringt Ihr Baby seinen ersten Schutzschild für die „harte Welt“ da draußen mit: Über die Nabelschnur hat es über das Blut der Mutter Antikörper erhalten; Eiweißmoleküle, die Krankheitserreger erkennen können. Diese großartige Einrichtung der Natur wird Nestschutz genannt. Diese angeborene Immunabwehr schützt das Neugeborene in den ersten Wochen und Monaten vor vielen Krankheiten.

Wie lange hält der Nestschutz an?

Der angeborene Nestschutz, den das Kind bei der Geburt mitbekommt, lässt nach ungefähr drei Monaten nach, ab neun Monaten ist er meist gänzlich abgebaut. Nach und nach übernimmt jetzt die körpereigene Immunabwehr diesen Job und schützt das Baby vor Infektionen. Jeder Kontakt zu anderen Menschen und zu seiner Umwelt bringt es in Berührung mit den unterschiedlichsten Erregern. Das kindliche Immunsystem übt sich jetzt darin, selbst Antikörper zu bilden, um Krankheiten abzuwehren. Bis das Immunsystem voll ausgereift ist, muss Ihr Kind viele, viele Infekte durchmachen. Jeder dieser Infekte trägt dazu bei, das Immunsystem zu stärken.

Wie funktioniert der Nestschutz?

Der Nestschutz kann das Baby nur vor Krankheiten schützen, die die Mutter bereits durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft ist. Wenn die Mutter selbst keine Antikörper hat, kann sie auch keine an ihr Kind weitergeben. Wenn der Nestschutz nach neun Monaten nachlässt, lässt auch diese kleine „Passiv-Impfung“ nach, jetzt ist es wichtig, dass Ihr Kind die notwendigen Impfungen hat:

Darüber hinaus gibt es Krankheiten, gegen die der Nestschutz wirkungslos ist: zum Beispiel Keuchhusten, Grippe oder Scharlach. Insbesondere bei Säuglingen können gefährliche Komplikationen die Folge sein. Deshalb sind dagegen schon ab dem zweiten Lebensmonat bestimmte Schutzimpfungen möglich – und nötig.

Frühchen haben kaum Nestschutz

Da die Antikörper erst in den letzten Wochen vor der Geburt (ca. ab der 34. Schwangerschaftswoche) von der Mutter zum Kind weitergegeben werden, sind Frühchen besonders infektanfällig. Sie müssen deshalb durch besonders sorgfältige Hygienemaßnahmen ganz besonders vor fremden Keimen geschützt werden.

Stillen = extra Power fürs Immunsystem

Wenn das Baby gestillt wird, erhält es während der gesamten Stillzeit über die Muttermilch weiterhin Antikörper. Diese Antikörper wirken allerdings unspezifisch und sind eher ein allgemeiner Push fürs Immunsystem.

Wie viele Infekte sind normal?

Kaum lässt der Nestschutz nach, folgt ab dem zweiten Lebenshalbjahr häufig ein Infekt auf den anderen – vor allem, wenn das Kind Geschwisterkinder hat, bereits in die Kita geht oder häufig mit anderen Babys zusammenkommt. Kinderärzte sind sich einig: Wenn es sich um banale Erkrankungen handelt, sind bis zu zwölf Infekte jährlich im Kita- und Kindergartenalter völlig normal. Wenn ein Infekt den anderen ablöst und das Kind vor allem in der kalten Jahreszeit gar nicht mehr ohne Rotznase vorstellbar ist, bringt Eltern das an den Rand der Verzweiflung. Ein kleiner Trost: Das Immunsystem wird bei jedem dieser Infekte trainiert. Und spätestens im Schulalter sind die allermeisten Kinder plötzlich kaum noch krank.

Gesundheit

Wie Babys Immunsystem funktioniert

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So funktioniert der Nestschutz als Immunbollwerk für Neugeborene

Seit dem Masernausbruch in Berlin Anfang des Jahres wird wieder vermehrt über Impfschutz und die Gefahr einer Ansteckung insbesondere bei Kleinkindern diskutiert. Bei Babys heißt es, dass sie durch den Nestschutz ohnehin gegen viele Krankheiten gewappnet seien. Der Leiter des Deutschen Zentrums für Impfmedizin, Hans-Jürgen Schrörs, erklärt, wie lange dieses Immunbollwerk tatsächlich schützt und warum Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Co. als Fortsetzung des Nestschutzes wichtig sind.

Gleich nach der Geburt muss ein Baby sich gegen Attacken von Viren und Bakterien zur Wehr setzen. Dabei ist es der Welt außerhalb des Mutterleibes keineswegs schutzlos ausgeliefert, denn es hat eine gewisse Abwehr gegen bestimmte Infektionskrankheiten schon im Mutterleib aufgebaut. Aus dem mütterlichen Blut sind Antikörper über die Nabelschnur direkt in das Blut des Kindes übergegangen. Das Kind leiht sich so gewissermaßen die Immunität seiner Mutter.

Nestschutz wirkt nicht uneingeschränkt

„Der Nestschutz bietet dem Säugling allerdings nur bedingt Schutz“, erklärt Schrörs im Gespräch mit t-online.de, „da nicht gegen alle wichtigen Infektionskrankheiten Antikörper vorhanden sind, zum Beispiel gegen Keuchhusten. Außerdem kommt es drauf an, ob die Mutter die Krankheit bereits hatte, beziehungsweise ob sie über einen Impfschutz verfügt. Wenn sie keinen Schutz hat, gibt es für das Kind auch keinen Nestschutz gegen diesen Erreger.“

Schwangerschaftskalender – Das passiert nach der Befruchtung

Schwangerschaftskalender
Das passiert nach der Befruchtung

Zwar werden auch über die Muttermilch schützende Stoffe transportiert, doch das Stillen werde diesbezüglich überschätzt, so der Mediziner, denn nicht alle Antikörper würden über die Milch übertragen.

Besonders schwach ist der Nestschutz bei extremen Frühchen ausgebildet, da die mütterlichen Abwehrstoffe vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel übertragen werden.

Abwehr mit begrenzter Haltbarkeit

Der Nestschutz ist zwar eine geniale Einrichtung der Natur, wirkt jedoch nur relativ kurze Zeit. Das mitgelieferte Depot wird ab dem Moment, in dem die Nabelschnur nach der Geburt durchtrennt wird, allmählich kleiner. „Mütterliche Antikörper sind nicht haltbar und können sich nicht vermehren. Sie werden in den ersten Lebensmonaten abgebaut. Für die meisten Infektionskrankheiten besteht dann nach vier bis sechs Monaten kein ausreichender Antikörperspiegel und damit kein Nestschutz mehr“, kommentiert Schrörs.

Parallel zum Nestschutz beginnt der kindliche Organismus selbst ein Immunsystem aufzubauen und lernt so, Krankheitserreger abzuwehren. Das ist auch nötig, denn das Baby kommt von Tag zu Tag mehr mit der Umwelt und anderen Menschen in Berührung. Damit steigt der Kontakt zu einer Vielzahl von Erregern und mit ihm die Risiken.

Frühe Impfungen führen Nestschutz fort

Um Krankheiten so gut wie möglich vorzubeugen, ist eine frühe Impfung sinnvoll. Aber: „Nicht alle Impfungen können in den ersten Lebensmonaten erfolgreich gegeben werden“, erklärt der Arzt, „wohl aber Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, HIB, Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren und Pneumokokken. Diese Impfungen werden deshalb bereits ab der sechsten Lebenswoche, beziehungsweise dem zweiten Monat empfohlen.“

Nestschutz schwindet im zweiten Halbjahr

Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken werden dann ab elf Monaten empfohlen (in Ausnahmefällen ab neun Monaten).

„Geht man von einem stark nachlassenden Nestschutz ab vier bis sechs Monaten aus, dann befindet sich der Säugling in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres definitiv in einer gefährdeten Situation und kann zum Beispiel mit Masern angesteckt werden“, warnt Schrörs. Der Nestschutz ist aber individuell sehr unterschiedlich und wird von der mütterlichen Antikörper-Konzentration, der Beschaffenheit der Plazenta und später auch vom Wachstum des Kindes beeinflusst.

Bei geimpften Müttern ist die Antikörperkonzentration geringer

Die Zeitspanne, in der das Kind vom Nestschutz profitiert, hängt auch davon ab, ob die Mutter die Krankheit durchlebt hat oder dagegen geimpft wurde. Dabei stimmt die Formel „mütterliche Impfung = langer Schutz fürs Baby“ keineswegs immer. „Bei Kindern von geimpften Müttern ist die Antikörperkonzentration meist etwas geringer. Damit verschwinden die Antikörper zum Beispiel gegen Masern circa zwei bis sechs Wochen eher als bei Kindern, deren Mütter die Krankheit durchgemacht haben“, so der Experte.

Allerdings könne man sich darauf nicht hundertprozentig verlassen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die individuellen Schwankungen sehr stark seien und in Einzelfällen die Abwehrstoffe geimpfter Mütter länger wirksam sein könnten.

Die heutige junge Elterngeneration hat meist keine Maserninfektion durchgemacht. Sie verfügt nach der breiten Anwendung der Masernimpfungen in ihrer Kindheit und Jugend zwar selbst über einen mehr oder weniger guten Impfschutz – je nachdem, ob einmal oder, wie empfohlen, zweimal geimpft wurde. Für die Erregerabwehr des Nachwuchses kann das allerdings einen Nachteil bedeuten. „Das hat zur Folge“, kommentiert der Mediziner, „dass der Nestschutz der augenblicklichen Geburtenkohorten meist etwas kurzlebiger als noch vor Jahrzehnten ist. Aus diesem Grund ist eine frühestmögliche Impfung der Säuglinge auch so wichtig!“

Masern können tödliche Folgen haben

Dass gerade bei Masern eine Impfung Schlimmeres verhindern kann, verdeutlicht ein Blick auf die Statistik. Masernerkrankungen führten, so die Angaben des Experten, in einem von hundert Fällen zu schweren Komplikationen und in einem von tausend Fällen zum Tod. Besonders gefährlich ist dabei SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis), eine seltene aber schwere Hirnerkrankung, die als Spätfolge der Maserninfektion auch noch Jahre danach ausbrechen kann und immer tödlich verläuft. Kinderärzte haben das Video eines solchen Falles im Internet veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=H_f9OE2HcZ4.

Die Impfrisiken seien im Vergleich zu solchen dramatischen Folgen wesentlich niedriger, betont Schrörs. „Todesfälle nach Masernimpfungen sind seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten. Komplikationen treten tausend Mal weniger nach einer Impfung auf als bei einer Erkrankung.“

Um die Gefahr einer Infektion bei Säuglingen so gering wie möglich zu halten, wenn der Nestschutz nach und nach schwindet und das Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, sollten alle Kontaktpersonen eines Säuglings – auch Väter und Großeltern sowie ältere Geschwisterkinder – unbedingt einen Impfschutz gegen Masern, Röteln, Windpocken und Keuchhusten haben.

Nestschutz bei Windpocken fraglich

Dabei sei gerade Keuchhusten, für den es keinen Nestschutz gibt, in den ersten Lebensmonaten eine sehr gefährliche Krankheit. „Untersuchungen haben nachgewiesen, dass bei fünf Prozent der Säuglinge, die einen plötzlichen Kindstod erlitten hatten, eine Keuchhusteninfektion der Grund war.“

Aber auch bei Windpocken sei der Netzschutz sehr fraglich und lückenhaft, so dass eine Infektion bei Babys häufig schwer verläuft – mit einer Sterblichkeit, die drei bis acht Mal höher liegt als bei älteren Kindern. Wichtig zu wissen: der Impfschutz der Mutter während der Schwangerschaft kann nicht mehr aufgebaut werden. Frauen wird deshalb eine Impfprävention vor der Schwangerschaft empfohlen.

Wilderreger sind viel gefährlicher

„Kinder müssen so schnell wie möglich ein eigenes kompetentes Abwehrsystem aufbauen. Das kann über Impfung geschehen oder über eine Infektion mit dem Wilderreger. Während Impfungen Krankheiten nur simulieren, sind Wilderreger um ein Vielfaches gefährlicher und unkalkulierbarer. Daneben gehört es zur sozialen Verantwortung, schwächere Mitglieder der Gesellschaft zu schützen, die eventuell nicht geimpft werden können, zum Beispiel wegen einer Krebstherapie, einer schweren Immunerkrankung oder einer Schwangerschaft“, erklärt Schrörs und appelliert damit auch an die 20 bis 70 Prozent Impfskeptiker – das variiert je nach Impfung – beziehungsweise die drei bis fünf Prozent strikten Impfgegner in der Bevölkerung.

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