Wie lange kann ein totes baby im bauch bleiben

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Als das zarte Kind geboren wurde, war seine Mutter bereits seit drei Monaten tot. Per Kaiserschnitt holten Ärzte im Klinikum der ungarischen Universität Debrecen das Baby aus dem Bauch seiner Mutter, die zu diesem Zeitpunkt nur noch die Hülle ihrer selbst war. Ihr Gehirn war längst abgestorben; die Körperfunktionen hielten die Ärzte nur deshalb aufrecht, damit das Kind in ihrem Leib eine Chance auf Leben hat.

Im Juli 2013 bereits ereignete sich diese Geburt aus dem Sterben heraus. Bekannt gegeben aber haben die ungarischen Mediziner um Bela Fülesdi sie erst jetzt. Sie wollten sichergehen, dass es das Kind schafft. Immerhin wog das Kleine nur 1420 Gramm, als es in der 27. Schwangerschaftswoche zur Welt kam.

Im Frühling war seine 31-jährige Mutter plötzlich nach einem Schlaganfall zusammengesackt. Als man sie entdeckte, war ihr Gehirn bereits abgestorben. Die Ärzte konnten nur noch den Hirntod feststellen. Gemeinsam mit den Eltern der Frau standen sie vor einer schwierigen Entscheidung. Was können sie und was dürfen sie tun? Sollen sie den Embryo sterben lassen oder sollen sie das unmöglich Erscheinende versuchen? Sie entschieden sich für Letzteres: Sie wollten wenigstens eines der beiden Leben retten, das der Schlaganfall in den Tod zu reißen drohte. „Der Embryo lebte nicht nur, er bewegte sich auch munter“, erinnert sich Fülesdi.

Bei hirntoten Menschen sind alle Hirnfunktionen ausgefallen. Das Herz aber kann weiterschlagen, wenn diese Menschen beatmet werden, und so lange bestehen auch viele Körperfunktionen fort. Deshalb kritisieren manche Ethiker die Gleichsetzung von Tod und Hirntod. Sie fordern, Hirntote als „irreversibel Sterbende“ zu bezeichnen. Denn die Rückkehr ins Leben gilt zu diesem Zeitpunkt als unmöglich. Der Sterbeprozess ist schon so weit fortgeschritten, dass selbst bei Beatmung oft die Stoffwechselprozesse erlöschen. Das Herz der 31-jährigen Ungarin aber schlug weiter, weiter und weiter. Zwölf Wochen lang.

Gymnastik zu Vivaldi-Klängen

Und das Baby wuchs. In dieser Zeit sprachen der Vater und die Großmütter oft mit dem Ungeborenen; das Radio habe immer gespielt, sagt Füseldi, damit der Embryo Stimmen und Musik höre. Es sei ein „unfassbarer Moment“ gewesen, als das Baby dann zur Welt kam und weinte.

Der Fall erinnert an das „Erlanger Baby“, das im Jahr 1992 republikweit für hitzige Debatten sorgte. Damals versuchten Ärzte der fränkischen Universitätsklinik das erst 15 Wochen alte Ungeborene einer 18-jährigen Hirntoten zu retten, die bei einem Autounfall schwere Schädelverletzungen erlitten hatte. Das medizinische Personal mühte sich redlich: Krankenschwestern machten mit der Frau zu Vivaldi-Klängen Gymnastik und hielten die Großeltern an, mit dem Kind zu sprechen. Immer wieder traten medizinische Probleme auf. So musste der Frau ein Auge entfernt werden, das sich entzündet hatte. Nach 40 Tagen aber nützten alle Mühen nichts mehr. Die hirntote Frau erlitt eine Fehlgeburt.

Die Feministin Alice Schwarzer zeigte sich damals „erleichtert, dass die Natur dieses zynische Experiment selbst abgebrochen hat“. Es habe den „Größenwahn der Männermedizin“ verdeutlicht. Die Grünen hatten gewettert, die Frau werde zum „biologischen Brutkasten degradiert“. Strafrechtler jedoch argumentierten, das Kind habe ein Recht auf Leben.

Im Jahr 2008 gerieten die Ärzte in Erlangen erneut in eine ähnliche Situation. Ausgerechnet am Heiligabend habe er einen Anruf aus einem kleineren Krankenhaus erhalten, erinnert sich der Direktor der Universitätsfrauenklinik, Matthias Beckmann, im Gespräch mit der SZ. Von dort wollte man eine Schwangere, die wegen einer Hirnschädigung im Wachkoma lag, in die Uniklinik verlegen. „Das Nächste, was ich tat, war: unseren Ethiker und unseren Anästhesisten zu kontaktieren“, erzählt Beckmann. Gemeinsam entschieden sich die Fachleute, alles für das Kind tun zu wollen. Alle zwei Wochen stellten sie ihre Entscheidung erneut auf den Prüfstand.

Weltweit 30 ähnliche Fälle

Damit unterschied sich das Vorgehen deutlich von 1992, als Ethiker nicht einbezogen wurden. Auch einen anderen Fehler vermieden die Erlanger diesmal: Sie brachten die Angehörigen nicht gegen sich auf – und so erfuhr die Öffentlichkeit nichts von der ungewöhnlichen Schwangerschaft. Das gesamte Team wurde aufs Stillschweigen eingeschworen. Der Vater des Kindes, beruflich stark eingespannt und mit zwei größeren Kindern bereits überlastet, kümmerte sich zwar nicht um seinen ungeborenen Nachwuchs. Aber er hatte auch nichts gegen die Bemühungen der Ärzte einzuwenden. 1992 waren die Großeltern des Ungeborenen dagegen schlecht auf das vorbereitet worden, was mit ihrer Tochter geschah. In ihrer Wut und Trauer wandten sie sich schließlich an die Bild-Zeitung.

Der Notfall vom Heiligabend nahm ein gutes Ende. 22 Wochen blieb die Schwangerschaft im Wachkoma bestehen – so lange, dass der gesunde Junge, der im Sommer 2009 auf die Welt geholt wurde, nicht einmal mehr ein Frühchen war. Er wurde ebenso wie seine Geschwister zur Adoption freigegeben. „Wir hätten dem Kind auch gegen den Willen des Vaters eine Chance gegeben“, erzählt Beckmann. Hat er sich mit solchen eingreifenden Maßnahmen an einer Frau im Koma nicht zum Herrn über Leben und Tod aufgespielt, wie Alice Schwarzer dies seinen Kollegen 1992 vorwarf? „Herr über Leben und Tod, ja, das waren wir gewiss“, sagt Beckmann. „Aber das ist unsere ärztliche Rolle. Wir haben uns nicht dazu aufgespielt, sondern für das Kind Partei ergriffen.“

Weltweit sind inzwischen mehr als 30 Kinder unter ähnlichen Umständen geboren, das erste bereits 1987 in den USA. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, hatte es auch in Deutschland schon vor dem „Erlanger Baby“ einen ähnlichen Fall gegeben: 1991 kam bei Stuttgart Max Siegel als Sohn einer Frau zur Welt, die vermutlich hirntot war. Ein Problem sei das für ihn nie gewesen, erzählte der junge Mann vor zwei Jahren dem Spiegel: Seinen Schulfreunden habe er immer gesagt, er sei „aus einer Leiche geboren. Dann haben die anderen gefragt: ,Wirklich, geht das?‘ Ich habe es erklärt. Dann haben sie nie mehr gefragt.“

Totgeburt

Totgeburt: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Totgeburt bedeutet in der Medizin: Das Baby stirbt im Mutterleib oder während der Geburt. Es wiegt mindestens 500 Gramm und zeigt keine Lebenszeichen.
  • In Deutschland ist die Totgeburtenrate aufgrund der guten medizinischen Versorgung niedrig.
  • Für eine Totgeburt kommen verschiedene Ursachen infrage, zum Beispiel Plazentastörungen oder Sauerstoffmangel.
  • Fehlende Herztöne oder das längere Ausbleiben der Kindsbewegungen sind Symptome dafür, dass das Ungeborene in Gefahr sein könnte.
  • Experten raten dazu, eine Totgeburt auf natürlichem Wege zu gebähren.
  • Eine Totgeburt ist ein sehr emotionales und trauriges Erlebnis. Betroffene Eltern sollten von ihrem Kind Abschied nehmen und zur Trauerarbeit die Unterstützung verschiedener Hilfsangebote in Betracht ziehen.

Wie hoch ist das Risiko einer Totgeburt?

Bei ungefähr zwei bis drei von 1.000 Geburten handelt es sich um Totgeburten – davon sind 52 Prozent Jungen und 48 Prozent Mädchen. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2011 2.387 Kinder tot und 662.685 lebend geboren. Aufgrund der guten medizinischen Versorgung gehört Deutschland zu den Ländern mit einer vergleichsweise sehr niedrigen Totgeburtenrate.

Welche Ursachen hat eine Totgeburt?

Eine Totgeburt kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel können Störungen der Plazenta, Nabelschnurknoten, Infektionen, Fehlbildungen des Kindes oder ein Sauerstoffmangel dazu führen, dass das Baby im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Betroffene Eltern empfinden eine Totgeburt häufig als eigenen Misserfolg. Deshalb ist es besonders wichtig, der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Dazu besteht die Möglichkeit, nach der Totgeburt eine Obduktion durchführen zu lassen. Allerdings kann auch dann die Todesursache nicht immer eindeutig bestimmt werden. Ob eine Obduktion gewünscht ist oder nicht, entscheiden allein die Eltern: Ohne die Erlaubnis finden keine Untersuchungen am verstorbenen Kind statt.

Totgeburt: Auf welche Symptome sollten werdende Mütter achten?

Um die Entwicklung und Gesundheit des Kindes im Mutterleib regelmäßig überprüfen zu lassen, sollten schwangere Frauen zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen. Folgende Symptome können Anzeichen dafür sein, dass dem Kind Gefahr droht:

  • Fehlende Herztöne
  • Ausbleiben der Kindsbewegungen (über einen längeren Zeitraum)
  • Plötzlich auftretende Blutungen
  • Starke Schmerzen/Ziehen in Unterbauch oder unterer Rücken

Es gibt Fälle, in denen der Tod des Babys unerwartet und ohne vorherige Symptome bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung festgestellt wird. Einige Mütter berichten davon, dass sie ohne spezielle Anzeichen plötzlich alarmiert waren und spürten, dass „etwas nicht stimmt“. Sollten Sie sich Sorgen machen oder etwas Ungewöhnliches wahrnehmen, suchen Sie Ihren Arzt auf und bitten Sie um Rat.

Normal gebären oder Kaiserschnitt?

Erfahren Eltern von dem Tod ihres Ungeborenen stehen sie unter Schock. Häufig ist der erste Impuls, sich so schnell wie möglich von dem Kind zu „befreien“. Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben und normal gebären zu müssen, ist zunächst einmal schrecklich. Deshalb wünschen sich viele Mütter erst einmal einen Kaiserschnitt unter Narkose. Die betreuenden Ärzte und Hebammen stehen den Eltern in dieser schweren Situation zur Seite. Sie erklären ihnen, dass Experten dazu raten, das Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen. Die Geburt sei ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und die körperlichen Vorgänge während der Entbindung (z. B. die Bildung von Hormonen) sollen der Mutter dabei helfen, Abschied zu nehmen. Frauen könnten die Totgeburt so psychisch und physisch besser verarbeiten. Ein Kaiserschnitt könne zudem Folgen für eine erneute Schwangerschaft und Geburt haben. Außerdem müsse die Mutter sonst im Wochenbett zusätzlich zu der emotionalen Belastung nach der Totgeburt auch noch den Wundschmerz erleiden.

Totgeburt: Wird die Geburt eingeleitet?

Generell ist eine medikamentöse Einleitung der Geburt möglich. Experten raten aber davon ab, die Trennung von Mutter und Kind zu früh zu vollziehen. Bekommen die Eltern nicht ausreichend Zeit, um den Tod ihres Kindes vor der Geburt zu akzeptieren und sich verabschieden zu können, treten später möglicherweise schwere psychische Probleme auf. Aus medizinischer Sicht kann in den meisten Fällen sogar der natürliche Einsatz der Wehen abgewartet werden. Hatte das Ungeborene keine schwere Infektion, stellt das Kind keine Gefahr für die Mutter dar. Zur Schmerzlinderung bekommt die Frau auf Wunsch eine örtliche Betäubung (PDA, Periduralanästhesie).

Wo findet die stille Geburt statt?

Die Geburt eines toten Kindes muss nicht zwangsläufig in einer Klinik stattfinden. Spricht aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen, kann die Mutter das Baby zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen, sofern sie eine begleitende Hebamme hat.

Kann die Milchbildung nach der Totgeburt unterdrückt werden?

Hormonell bedingt beginnt der Körper nach der Geburt automatisch mit der Milchproduktion. Es ist aber möglich, die Milchbildung medikamentös zu unterdrücken. Außerdem können sich Frauen dazu entscheiden, auf natürliche Weise abzustillen. Dies kann auch Teil der Trauerarbeit sein, um Abschied zu nehmen.

Der Abschied nach einer Totgeburt

Früher war es nicht üblich, dass sich Mütter von ihren verstorbenen Kindern verabschiedeten. Eine Totgeburt wurde als Tabuthema behandelt, Mütter sollten die Kinder erst gar nicht sehen, sondern sie lieber schnell vergessen. Die Babys tauchten nicht in den Familienbüchern auf. Heute spielt das Abschiednehmen nach der Totgeburt zu Recht eine wichtige Rolle.

In ihrer Vorstellung haben Eltern häufig ein grausames Bild des verstorbenen Babys vor Augen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sie ihr Kind nach der Geburt sehen und erkennen, dass diese Vorstellung nicht der Realität entspricht. Eltern können ihr Kind betrachten, es berühren und das verstorbene Familienmitglied so in Erinnerung behalten. Hebammen und Ärzte gehen sehr behutsam mit der Situation um, waschen das Kind und ziehen es an. Eltern können darum bitten, dass die Hebamme ein Foto von dem Kind macht, damit sie eine bleibende Erinnerung haben. Auch Fuß- oder Gipsabdrücke können als Erinnerungsstücke ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit sein. Vielen Eltern hilft es, wenn sie dem Baby einen Namen geben. Verstorbene Kinder können nicht getauft werden, aber es besteht die Möglichkeit, dass ein Pfarrer oder Priester das Kind segnet.

In der Klinik steht den Eltern ein eigener Raum zur Verfügung, in dem sie sich Zeit für ihren Abschied nehmen können. Auch Geschwisterkinder sollen die Möglichkeit bekommen, das verstorbene Kind zu sehen. Unabhängig davon, wo die Geburt stattfand, kann das Baby ebenfalls zu Hause verabschiedet werden. Ein Bestattungsinstitut übernimmt den Transport vom Entbindungsort.

Wird nach einer Totgeburt eine Geburtsbescheinigung ausgestellt?

Laut Gesetz ist es verpflichtend, eine Totgeburt beim Standesamt zu melden. Diese Meldung soll spätestens am dritten Tag nach der Entbindung erfolgen. Für das Kind wird eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk ausgestellt.

Beerdigung nach Totgeburt

In Deutschland muss ein Kind, das mit einem Gewicht von über 500 Gramm tot zur Welt kam, bestattet werden. Für Kinder unter 500 Gramm besteht keine Bestattungspflicht, eine Beerdigung ist aber auf Wunsch möglich. Hebammen können betroffenen Eltern die Adressen von Bestattungsinstituten nennen, die Erfahrung mit der Beerdigung von totgeborenen Kindern haben. Manche Eltern möchten die Beerdigung schon vor der Geburt planen, andere setzen sich erst nach der Totgeburt damit auseinander.

Besteht nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Die reguläre Schutzfrist für Mütter, nach der Entbindung nicht arbeiten zu dürfen, besteht auch nach einer Totgeburt – allerdings nur, wenn das Kind mindestens 500 Gramm wog. Ist es leichter, handelt es sich rechtlich gesehen um eine Fehlgeburt und es besteht kein Anspruch auf Mutterschutz. Seit 2018 haben Frauen nach einer stillen Geburt Anspruch auf die vollen zwölf Wochen Mutterschutz. Das gilt auch für den Fall, dass ein lebend geborenes Kind kurz nach der Geburt stirbt.

Auf das ausdrückliche Verlangen der Frau ist es in diesem Fall allerdings möglich, bereits vor dem Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit (frühestens drei Wochen nach der Entbindung und wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht) wieder arbeiten zu gehen.

Hilfe für betroffene Eltern nach einer Totgeburt

Sein eigenes Kind schon vor Beginn des neuen Lebens verabschieden zu müssen, ist ein schicksalhaftes, sehr emotionales und zutiefst trauriges Ereignis. Zuerst sind die betroffenen Eltern geschockt: Sie sind wie betäubt und werden häufig von Schuldgefühlen geplagt – gefolgt von ihrer Trauer. Den Abschied zu verarbeiten, ist sehr wichtig: Männer und Frauen gehen mit dieser Situation oft ganz unterschiedlich um – jeder trauert auf seine eigene Art und Weise.

Das Umfeld behandelt die Totgeburt aus Unsicherheit vielleicht immer noch als Tabuthema und verhält sich den Eltern gegenüber oft zurückhaltend oder hilflos. Das Wichtigste ist jetzt: Betroffene sollten jede Hilfe in Anspruch nehmen, die sie brauchen. Freunde und Verwandte können nicht nur bei der Trauerarbeit helfen, sondern andere über das Geschehene informieren.

Die Hebamme hilft im Wochenbett und unterstützt bei der Rückbildung. Sie vermittelt auf Wunsch einen privaten Rückbildungskurs, um dabei den Kontakt mit anderen Müttern zu vermeiden. Seelsorger und Psychologen können dabei helfen, die Trauer zu überwinden und neue Hoffnung zu schöpfen. Auch Selbsthilfegruppen oder der Austausch mit anderen Betroffenen im Internet sind hilfreiche Stützen.

Betroffene Eltern bekommen beim Bundesverband Verwaister Eltern und trauernder Geschwister in Deutschland e.V. Hilfeangebote. Unter www.veid.de finden Sie Austauschmöglichkeiten und Ansprechpartner in Ihrer Nähe.

Stille Geburt: Wenn die Geburt zugleich ein Abschied ist

Für Eltern, die vom Verlust ihres Kindes erfahren, ist zunächst oft unvorstellbar, wie sie die den unüberschaubare, schwere Weg bewältigen können, der nun vor ihnen liegt. Wenn sie sich Zeit nehmen können, werden Sie Schritt für Schritt wieder handlungsfähiger.

Sich Zeit nehmen

Haben die Eltern erfahren, dass ihr Kind bereits verstorben ist oder bald sterben wird, ist der Wunsch nach einer „schnellen Befreiung“ aus der belastenden Situation oft groß. Eine sofortige Einleitung der Geburt oder ein Kaiserschnitt erscheinen ihnen dann vielleicht als einzig denkbare Lösung. Es ist jedoch ratsam, nichts zu überstürzen, die Entscheidung sorgfältig zu überdenken und mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen.
Eine allzu rasch vollzogene Trennung vom Kind kann Eltern das innerliche Abschiednehmen erschweren und sie später belasten. Dem natürlichen Gang der Dinge zu folgen und die Geburt abzuwarten, macht es ihnen unter Umständen leichter, mit dem Ereignis auch seelisch Schritt zu halten und ihrer Trauer Raum zu geben. Vielleicht bleibt noch Zeit, sich in Ruhe auf die Geburt und den Abschied einzustimmen. Das Paar kann darüber nachdenken, wie es diese besondere Aufgabe und Herausforderung bewältigen möchte und was ihm am besten dabei helfen könnte.
Auch eine Geburt, die zugleich einen Abschied bedeutet, kann ein tiefes und unvergessliches Erlebnis sein.

Die Geburt einleiten oder abwarten?

Normalerweise ist es aus medizinischer Sicht möglich, den natürlichen Beginn der Wehen abzuwarten, auch wenn das Ungeborene nicht mehr lebt. Das kann mehrere Tage, je nach Reifegrad der Schwangerschaft selten auch einmal zwei Wochen oder länger dauern. Während dieser Zeit ist eine intensive Begleitung durch die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt wichtig. Solange die begleitenden Untersuchungen unauffällig bleiben und keine besonderen Anzeichen wie Blutungen vorliegen, bedeutet das Abwarten keine gesundheitliche Gefährdung für die Mutter.

Auch vom verstorbenen Kind geht keine Gefahr für die Schwangere aus. Die verbreitete Sorge vor „Leichengift“ ist unbegründet. Solange die Fruchthülle intakt ist, sind Kind und Fruchtwasser keimfrei. Auch wenn das tote Kind zur Welt gekommen ist, enthält sein Gewebe keine krank machenden Bakterien – es sei denn, es hatte eine schwere Infektion. Wenn nach längerem Abwartens (ab drei bis vier Wochen) die Wehen nicht von selbst in Gang kommen, sollte sichergestellt werden, dass es nicht zu einer Beeinträchtigung der Blutgerinnung bei der Mutter kommt.

Die Geburtsvorgänge und die Bildung der zugehörigen Hormone und körpereigenen schmerzlindernden Stoffe werden vom mütterlichen Gehirn gesteuert. Dabei ist das Nervensystem stets eng mit den seelischen Vorgängen verknüpft. Körper und Seele arbeiten Hand in Hand: Die körperlichen Vorgänge während der Geburt können es der Seele erleichtern, Abschied zu nehmen.

Andere Frauen und Paare entscheiden sich dennoch für eine medikamentöse Einleitung. Wenn die Geburt sofort nach der traurigen Diagnose medikamentös eingeleitet wird, treffen die künstlichen Wehenhormone jedoch oft auf eine Gebärmutter, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif ist für die Geburt. In dieser Zeit ist der Körper noch darauf eingestellt, das Ungeborene zu halten und zu schützen. Es ist daher nicht immer leicht, durch künstliche Hormone bald geburtswirksame Wehen hervorzurufen. Es kann trotz spürbarer Wehen manchmal bis zu mehreren Tagen dauern, bis der Muttermund bereit ist, sich zu öffnen. Manchmal ist auch zu einem späteren Zeitpunkt ein erneuter Versuch nötig.

Kann die „Stille Geburt“ möglichst schmerzfrei ablaufen?

Wenn bereits der seelische Schmerz übergroß ist, ist der Wunsch nach einer möglichst schmerzfreien Geburt oft besonders dringlich. In der Klinik ist für eine ausreichende Schmerzlinderung gesorgt, meist wird eine starke örtliche Betäubung (Periduralanästhesie) angeboten. Möchte die Gebärende dies nicht, kann sie zu jedem Zeitpunkt der Geburt auch andere Formen der Schmerzlinderung verlangen.

Wenn die Geburt in einer geborgenen und harmonischen Atmosphäre stattfindet und die Frau vertraute Menschen und ein einfühlsames Geburtshilfeteam an ihrer Seite hat, ist es vielleicht auch möglich, die Geburt ohne Schmerzmittel zu bewältigen. Die Wehen und den Geburtsschmerz körperlich zu spüren, kann es der Seele erleichtern, Abschied zu nehmen.

Warum wird nicht immer ein Kaiserschnitt gemacht, wenn das Kind tot ist?

Auch wenn der Kaiserschnitt heute bedeutend sicherer geworden ist als früher, birgt er für die Mutter ein höheres Risiko als eine natürliche Geburt. Auch die möglichen Folgen für eine erneute Schwangerschaft und Geburt sind nicht zu unterschätzen.

Die Narkose während der Operation macht die Geburt selbst zwar schmerzfrei, in den Tagen danach ist jedoch infolge des Bauchschnitts mit Wundschmerzen zu rechnen. Zum seelischen Schmerz über den Verlust des Kindes kommen anschließend also noch körperliche Beeinträchtigungen durch den Eingriff hinzu.

Das Kind mit jeder Wehe Schritt für Schritt aus eigener Kraft zur Welt zu bringen, macht den Abschied für viele Mütter „erfahrbar“. Es kann die Eltern auch bei allem Abschiedsschmerz mit Freude und Stolz erfüllen, diese Geburt zu bewältigen und das Kind aktiv in Empfang zu nehmen.

Ist eine Hausgeburt möglich?

Eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus ist im Allgemeinen möglich, sofern sie professionell begleitet wird und keine speziellen gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen.

Eine kontinuierliche Begleitung durch eine Hebamme eröffnet häufig einen größeren Spielraum, auf persönliche Wünsche des Paares einzugehen. Bei einer Hausgeburt ist es meist auch eher möglich, das Baby gemeinsam mit den Geschwisterkindern und anderen nahe stehenden Personen zu begrüßen und zu verabschieden. Die Intimität in den eigenen vier Wänden hilft manchen Familien, diese besondere Geburt und den Abschied vom Kind so persönlich wie möglich zu gestalten und zu bewältigen.

Wenn das Baby lebend geboren wird, aber nur eine kurze Lebensspanne hat, ist es wichtig, dass die Hebamme, die (Kinder-)Ärztin oder der Arzt darauf eingestellt sind, es beim Sterben zu begleiten. Die Geborgenheit und Liebe der Eltern ist für das sterbende Kind jedoch die wichtigste Hilfe.

Den Abschied bewusst gestalten

Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Viele fühlen sich dem toten Kind noch lange Zeit verbunden. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen. Lassen die medizinischen Umstände ausreichend Zeit, können die Eltern nachdenken, was sie sich für diese besondere Geburt wünschen, und dies mit ihrer Hebamme und ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen. Sie können entscheiden, wo das Baby geboren werden soll und wen sie bei der Geburt dabei haben möchten. Wenn schon sicher ist, dass das Baby tot geboren wird oder unmittelbar nach der Geburt sterben wird, kann das Paar überlegen, ob es ein Abschiedsritual vorbereiten möchte.

Das sterbende Baby begleiten

Wenn die Eltern erfahren haben, dass ihr Baby außerhalb des Mutterleibs nur sehr geringe Lebensaussichten hat, können sie sich darauf vorbereiten, sein kurzes Leben mit ihm zu teilen. Diese wenigen gemeinsamen Momente oder Stunden sind eine kostbare Zeit. Schon vor der Geburt können sich die Eltern mit dem Geburtshilfeteam und der Kinderärztin oder dem Kinderarzt darüber verständigen, wie bei der Sterbebegleitung nach der Geburt vorgegangen werden soll. Es ist sinnvoll, dies in den Geburtsunterlagen festzuhalten. Damit das Kind sterben kann, ohne zu leiden, ist die wichtigste Voraussetzung, dass es Ruhe und Geborgenheit erlebt und nicht gestört oder erschreckt wird. So kann das Baby die beruhigende, liebevolle Wärme und Nähe seiner Eltern spüren. Vielleicht kann es sogar ein wenig Muttermilch trinken. Falls es nötig ist, kann die Ärztin oder der Arzt dem Kind mit Schmerzmitteln oder Atemunterstützung helfen.

Dem toten Baby begegnen

© BZgA/HN/Schüten

Wenn ihr Baby tot zur Welt gekommen ist, brauchen die Eltern vielleicht einige Zeit, bis sie sich für die Begegnung mit ihm öffnen können und es in den Arm nehmen möchten. Viele Eltern haben zuvor noch nie einen toten Menschen gesehen. Sie haben möglicherweise Angst davor, wie ihr Kind aussehen wird, und fühlen sich überfordert. Wie werden mögliche Fehlbildungen aussehen oder wie hat sich seine Haut verändert, wenn es schon einige Tage vor seiner Geburt gestorben ist? Die Geburtshelferinnen und -helfer werden sie darauf vorbereiten, stehen ihnen in diesem Moment zur Seite und werden das Kind mit ihnen gemeinsam betrachten, wenn sie dafür bereit sind. Oft erfahren die Eltern bei dieser Begegnung neben allem Kummer auch Momente von Glück. Sie können sehen, wer ihr Kind ist. Wenn sie ihm noch keinen Namen gegeben haben, tun sie es möglicherweise in diesem Moment. Vielleicht entdecken sie seine ganz eigene Schönheit und empfinden es trotz allem als Wunder und Bereicherung, dass es sich so weit entwickelt hat und dass sie seinen Weg mit ihm gegangen sind.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06.03.2019

Prof. Dr. Volker Ragosch (47), Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe der Asklepios-Klinik Hamburg-Altona, erforscht seit fast 20 Jahren die Ursachen von Fehl- und Totgeburten.

Mehr zum Thema: Birgit Zebothsen, Volker Ragosch: Sternenkinder. Wenn eine Schwangerschaft zu früh endet. Südwest Verlag, 17,95 EuroFoto: Südwest Verlag

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    Sie hatte sich so auf ihr viertes Kind gefreut. Jetzt ist da nur noch unendlicher Schmerz. Schlagerstar Michelle (37) erlitt gestern eine Fehlgeburt.

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Prof. Ragosch: „Dafür gibt es viele Gründe. Es kann sein, dass die Versorgung des Mutterkuchens durch schlechte Durchblutung nicht ausreicht. Das Ungeborene kann sich mit der Nabelschnur strangulieren oder sie kann verknotet sein. Auch möglich: ein unbemerkter Infekt, für die Mutter harmlos, aber fürs Kind gefährlich.“

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Prof. Ragosch: „Das Kind wird natürlich und nicht per Kaiserschnitt geholt, weil bei einer OP in der so frühen Schwangerschaftsphase die Gefahr von Komplikationen deutlich größer ist. Die Gebärmutter ist noch recht klein und die Muskelschicht ist dick, ein Kaiserschnitt kann in dieser Phase Probleme bei späteren Schwangerschaften auslösen.“

BILD: Wie kann einer Frau in dieser Situation geholfen werden?

Prof. Ragosch: „Sie braucht schon im Krankenhaus psychologischen Beistand, sollte im Einzelzimmer liegen und keinesfalls zwischen gesunden Kindern auf der Wöchnerinnenstation. Bei uns ist bei der Geburt immer auch ein Pastor dabei, der das Baby taufen kann.“

Tabea war etwas mehr als 30 Zentimeter groß und über ein Kilogramm schwer, als Eva und Volker Reichart beschlossen, sich ein neues Auto zu kaufen. Drei Kindersitze würden nicht auf die Rückbank ihres Golf Kombi passen, sie brauchten einen größeren Wagen, eine echte Familienkutsche sollte es sein. Sie entschieden sich für einen grauen Seat Alhambra.

Britta Beeger

Redakteurin in der Wirtschaft.

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Keine der vorherigen Schwangerschaften war für Eva Reichart so unkompliziert gewesen wie die mit Tabea. Zwar war ihr Gebärmutterhals verkürzt, in der 14. Schwangerschaftswoche legten die Ärzte ihr eine Zerklage, mit einem Kunststoffband verschlossen sie den Gebärmutterhals, um eine Frühgeburt zu verhindern. Eva Reichart fühlte sich gut. Sie achtete darauf, nicht schwer zu heben, lag viel. Manchmal tanzte Tabea wie wild in ihrem Bauch.

Miriam und Benjamin, damals fünf und acht Jahre alt, beobachteten fasziniert, wie der Bauch ihrer Mutter immer größer wurde. Benjamin erzählte all seinen Klassenkameraden, dass er eine Schwester bekommen würde. Miriam streichelte jeden Morgen den Bauch ihrer Mutter, bevor sie zum Kindergarten ging. „Tschüss, Baby, mach’s gut“, sagte sie dann.

Jetzt würde nichts mehr schiefgehen

Die Reicharts waren sich sicher: Jetzt würde nichts mehr schiefgehen, würde nicht noch passieren, was sie bei ihrem ersten Sohn Lukas erlebt hatten. Als sie 2000 ihr erstes Kind erwarteten, steckten sie gerade mitten im Umzug nach Bad Camberg im Westen von Hessen, Eva Reicharts Heimatstadt. Volker Reichart hatte in Hofheim eine Stelle als Physiotherapeut angenommen, ein Jahr zuvor hatten die beiden geheiratet.

Lukas war ein Wunschkind, doch die Schwangerschaft war von Anfang an schwierig. Immer wieder hatte Eva Reichart starke Blutungen, ab der zehnten Schwangerschaftswoche musste sie liegen, die Krankenkasse bezahlte ihr eine Haushaltshilfe. Wenn es gut lief, verbrachte sie die Tage auf der Couch in ihrer Wohnung, mehrere Wochen lag sie in Krankenhäusern in Limburg und Wiesbaden. Trotzdem verlor sie weiter viel Blut. Auch ihre Sauerstoffsättigung ließ nach, sie baute ab, wurde schwach. Die Ärzte machten sich Sorgen um ihre Gesundheit und rieten, über einen Schwangerschaftsabbruch nachzudenken. Eva Reichart und ihr Mann konnten sich nicht gegen ihr Kind entscheiden: „Ich hätte mich immer gefragt, ob es nicht doch anders gegangen wäre.“

Lukas schaffte es nur auf 320 Gramm

Die Reicharts beschlossen, die Schwangerschaft fortzusetzen, solange es Lukas gutging. Dabei hatten sie immer ein festes Ziel vor Augen: 500 Gramm. Sollte Lukas nicht überleben, würde er nur dann offiziell existieren, wenn er mehr als 500 Gramm wiegt, so wollte es damals das Gesetz. Andernfalls, das war Eva Reicharts größte Sorge, würde er womöglich als Klinikmüll gemeinsam mit herausoperierten Organen und abgetrennten Gliedmaßen entsorgt. „Es war immer mein Horror, dass mein Kind auf irgendeiner Müllkippe landet.“

Erst im Februar dieses Jahres hat der Bundestag einstimmig beschlossen, dass Eltern auch Kinder mit einem Gewicht von unter 500 Gramm beim Standesamt eintragen lassen und damit regulär bestatten können, in einem eigenen Grab. Bisher war es nur möglich, diese Kinder im Familiengrab oder in einer Sammelbestattung zu beerdigen, wenn der jeweilige Friedhof das in seiner Friedhofsordnung gestattete.

Lukas brachte es bis auf 320 Gramm, dann starb er im Mutterleib. Warum ihr Sohn nicht überlebte, wissen die Reicharts bis heute nicht. Sie entschieden sich gegen eine Obduktion, weil sie sich nicht vorstellen konnten, ihr Kind aufschneiden zu lassen. Möglicherweise lag es an einem Polypen, einem Geschwulst, das sich in Eva Reicharts Gebärmutterhals gebildet hatte.

„Stille Geburt“

Stille Geburt (Totgeburt)

Wenn in der Schwangerschaft festgestellt wird, dass Euer Kind nicht mehr lebt, kein Herzschlag mehr festzustellen ist, wird eine „Stille Geburt“ eingeleitet.

Welche Ursachen führen zu einer Totgeburt?

Eine Totgeburt kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel können Störungen der Plazenta, Nabelschnurknoten, Infektionen, Fehlbildungen des Kindes oder ein Sauerstoffmangel dazu führen, dass Euer Baby im Mutterleib nicht mehr ausreichend versorgt wird. Betroffene Eltern empfinden eine Totgeburt häufig als eigenen Misserfolg. Deshalb kann es wichtig sein, der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Dazu besteht die Möglichkeit, nach der Totgeburt eine Obduktion durchführen zu lassen. Allerdings kann auch dann die Todesursache nicht immer eindeutig bestimmt werden. Ob eine Obduktion gewünscht ist oder nicht, entscheidet Ihr als Eltern ganz individuell für Euch: Ohne Eure Erlaubnis finden keine Untersuchungen am verstorbenen Kind statt.

Warum wird dann ein Baby spontan entbunden und nicht per Kaiserschnitt?

Häufig ist der erste Impuls nach einer so schrecklich traurigen Nachricht, sich so schnell wie möglich von dem Kind zu „befreien“. Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben und normal gebären zu müssen, ist zunächst kaum vorstellbar. Das ist absolut verständlich.

Jedoch birgt ein Kaiserschnitt Risiken für die Mutter, es ist eine Operation, welche nur durchgeführt wird unter Abwägung aller Risiken. In diesem Fall wird daher empfohlen, das Baby auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen.

Die Geburt ist ein wichtiger Teil der Trauerarbeit und die körperlichen Vorgänge während der Entbindung (z.B. die Bildung von Hormonen) können dabei helfen, psychisch und physisch diesen Verlust besser zur verarbeiten und bietet vor allem die Möglichkeit, ganz individuell nach Euren Wünschen von Eurem Baby Abschied zu nehmen und Erinnerungen zu schaffen.

Das Schaffen von Erinnerungen, die Möglichkeit dass Ihr Euer Baby sehen, berühren und spüren könnt, Euch auf Eure individuelle Art verabschieden, taufen oder segnen könnt, wird Euch in der Zeit danach und auch noch viele Jahre später helfen und sehr wertvoll werden.

Wir begleiten Euch gerne in dieser schweren Situation und stehen Euch, wenn Ihr das wünscht, zusätzlich neben den betreuenden Ärzten und Hebammen zur Seite. Wir unterstützen Euch, eine für Euch individuelle „Stille Geburt“ so liebevoll und geborgen wie nur möglich zu gestalten – ganz nach Euren Wünschen und Empfinden.

Wie wird die Geburt eingeleitet?

Generell ist eine medikamentöse Einleitung der Geburt möglich. Wir und Experten raten aber davon ab, die Trennung von Euch und Eurem Kind zu früh zu vollziehen. Bekommt Ihr nicht ausreichend Zeit, um den Tod Eures Kindes vor der Geburt zu akzeptieren und Euch verabschieden zu können, treten später vielleicht zusätzliche psychische Belastungen auf. Aus medizinischer Sicht kann in den meisten Fällen sogar der natürliche Einsatz der Wehen abgewartet werden. Hatte Euer Ungeborenes keine schwere Infektion, stellt Euer Baby auch keine Gefahr für Euch dar. Euer Arzt klärt Euch hier sicherlich gewissenhaft auf, ansonsten scheut Euch nicht klar danach zu fragen, ob Euer Leben unmittelbar in Gefahr ist und daher ein sofortiges Handeln geschehen muss.

Wo findet die stille Geburt statt?

Die Geburt Eures Babys kann in einer Klinik stattfinden, oder wenn aus gesundheitlicher Sicht nichts dagegen spricht, ist es auch möglich zu Hause in Begleitung einer Hebamme oder in einem Geburtshaus Euer Baby zur Welt zu bringen.

Kann die Milchbildung nach der Totgeburt unterdrückt werden?

Hormonell bedingt beginnt Euer Körper nach der Geburt automatisch mit der Milchproduktion. Wird aber die Brust nach Geburt nicht stimuliert durch das Anlegen, stillt der Körper auf natürliche Weise ab. Diese Form wird häufig von den Müttern als eine Form der Trauerarbeit empfunden. Ein medikamentöses Abstillen in Form einer Tablette wird nicht empfohlen, da dieses Medikament zu stark in den Hormonhaushalt eingreift und sich auf den psychischen Zustand zusätzlich negativ auswirken kann.

Der Abschied nach einer „Stillen Geburt“

Früher war es nicht üblich, dass sich Mütter von ihren verstorbenen Kindern verabschiedeten. Eine Totgeburt wurde als Tabuthema behandelt, Mütter sollten die Kinder erst gar nicht sehen, sondern sie lieber schnell vergessen. Die Babys tauchten nicht in den Familienbüchern auf. Heute spielt das Abschiednehmen nach der Totgeburt zu Recht eine wichtige Rolle.

Viele Eltern haben in ihrer Phantasie häufig ein grausames Bild von Ihrem verstorbenen Baby vor Augen. Diese Vorstellung entspricht aber nicht der Realität! Betroffenen Eltern nehmen Ihr verstorbenes Baby als schön und den Anblick als wertvollen Moment wahr.

Ihr habt die Möglichkeit Euer Baby zu betrachten, in den Arm zu nehmen oder Euch auf die Brust zu legen, es zu berühren, zu streicheln, zu liebkosen…..

Die Hebammen und Ärzte gehen sehr behutsam mit Euch und dem Baby um, waschen es oder helfen Euch dabei, wickeln es in ein Tuch oder in ein schönes Deckchen, welches Ihr auch ausgewählt mitbringen könnt.

Erinnerungs-Fotos

Ihr könnt Erinnerungsfotos aufnehmen oder darum bitten, dass die Hebamme Fotos von Euch und Eurem Kind als bleibende Erinnerung an Euer Baby macht. Es gibt auch Fotografen, welche auf Rufbereitschaft sind, um Euch ein besonders schönes Erinnerungsbild zu ermöglichen und zu schenken. Diese Aufnahmen werden ehrenamtlich gemacht oder von Spenden finanziert. Aufnahmen können stärkende, wertvolle Bestandteile im Trauerprozess sein.

Religiöse Rituale

Auf Wunsch habt ihr auch die Möglichkeit, dass ein Pfarrer oder Priester Euer Kind segnet. Auch für andere religöse Rituale, welche für Euch von Bedeutung sind, ist Zeit. Scheut Euch nicht Eure Wünsche diesbezüglich zur Gestaltung anzusprechen.

Namen für Euer Baby

Gebt Eurem Baby einen Namen, denn es ist und bleibt Teil Eurer Familie.

Wird nach einer Totgeburt eine Geburtsbescheinigung ausgestellt?

Laut Gesetz ist es verpflichtend, eine Totgeburt beim Standesamt zu melden. Diese Meldung soll spätestens am dritten Tag nach der Entbindung erfolgen. Für Euer Kind wird eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk ausgestellt.

Beerdigung nach Totgeburt

In Deutschland muss ein Kind, das mit einem Gewicht von über 500 Gramm tot zur Welt kam, bestattet werden. Für Kinder unter 500 Gramm besteht keine Bestattungspflicht, eine Beerdigung ist aber auf Wunsch möglich. Wir haben hier Adressen zu Bestattungsinstituten, die Erfahrung und Einfühlungsvermögen mit der Beerdigung von Sternenkindern haben.

Besteht nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Die reguläre Schutzfrist für Mütter, acht Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten zu dürfen, besteht auch nach einer Totgeburt. Nur auf Euer ausdrückliches Verlangen ist es in diesem Fall möglich, bereits vor dem Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit (frühestens drei Wochen nach der Entbindung und wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegenspricht) wieder arbeiten zu gehen.

Hilfe für betroffene Eltern

Sein eigenes Kind schon vor Beginn des neuen Lebens verabschieden zu müssen, ist ein schicksalhaftes, sehr emotionales und zutiefst trauriges Ereignis. Wir helfen Euch in dieser schwierigen Zeit, hören Euch zu und vermitteln Kontakt zu anderen Betroffenen – wir helfen Euch die Trauer zu überwinden und neue Hoffnung zu schöpfen.

Stille Geburt: Ein totes Baby auf die Welt bringen

Normalerweise ist die Geburt ein freudiges Ereignis, der Beginn eines neuen Lebens. Eine stille Geburt ist das Gegenteil: Das Ende eines kurzen Lebens, der Abschied vom eigenen Kind.

Totgeburt: Wie läuft eine stille Geburt ab?

Sein eigenes Kind tot entbinden zu müssen, ist ein unerträglicher Gedanke und eine fast unmenschliche Herausforderung. Sie ist aber unumgänglich, wenn das Baby während der Schwangerschaft im Mutterleib stirbt. Die rechtliche Regelung besagt: Ab der 14. Schwangerschaftswoche muss das Kind auf normalem Weg entbunden werden, alternativ per Kaiserschnitt geholt werden. Man spricht dann von einer stillen Geburt – still deshalb, weil der sehnsüchtig erwartete erste Schrei nach der Geburt fehlt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Totgeburt und einer Fehlgeburt?

Von einer Totgeburt spricht man, wenn ein Baby mit mehr als 500 Gramm Gewicht tot auf die Welt kommt. Wiegt es weniger, wird es rechtlich als Fehlgeburt behandelt. Bei einer frühen Fehlgeburt (in den ersten 12 Schwangerschaftswochen) wird üblicherweise eine Ausschabung durchgeführt.

Wie läuft eine stille Geburt ab?

Wenn die Ärzte sich sicher sind, dass das Baby im Bauch nicht mehr lebt, sollte die Schwangerschaft beendet werden. Wenn es der Mutter gut geht, spricht nichts dagegen, wenn die Eltern noch ein oder zwei Tage zu Hause verbringen, um in aller Ruhe Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Nicht alle Paare können sich mit dieser Idee anfreunden und möchten sich möglichst schnell von ihrem Kind trennen. Manche am liebsten sofort und in Vollnarkose per Kaiserschnitt. Die Vorstellung, ein totes Baby im Bauch zu haben, ist für einige Frauen gruselig. Gefährlich ist es aber in den allermeisten Fällen nicht (Ausnahme ist eine Schwangerschaftsvergiftung). Egal, wie Sie sich entscheiden: Lassen Sie sich Zeit für die Entscheidung und handeln Sie nicht übereilt.

Keine Panik!

Ausschabung – die häufigsten Fragen und Antworten

Weiterlesen Keine Panik! Weiterlesen

Da die Wehen nicht auf natürlichem Weg einsetzen, werden sie durch Medikamente künstlich eingeleitet. In den meisten Fällen wird den Müttern von einem Kaiserschnitt abgeraten: Die natürliche Geburt hilft, den Tod des eigenen Kindes zu realisieren und danach besser zu verarbeiten. Es ist sozusagen das letzte, was sie für ihr Kind tun können. Wie bei einer normalen Geburt darf die Mutter entscheiden, wie die Geburt abläuft, in welcher Position sie entbindet, ob sie Schmerzmittel möchte oder nicht. Eine Hebamme kümmert sich um die Mutter, ist immer an ihrer Seite. In einigen Kliniken gibt es einen extra Raum für stille Geburten, weit genug vom Kreißsaal entfernt, um die Schreie der gesund geborenen Kinder nicht hören zu müssen.

Was passiert nach der Geburt?

Wenn das Baby dann auf der Welt ist, wird es – wie bei einer normalen Geburt – eingewickelt, sauber gemacht und den Eltern in den Arm gelegt, wenn diese das möchten. Wer für diesen Schritt Zeit braucht, bekommt sie. Die Eltern können sich in Ruhe überlegen, ob und wann sie ihr Kind nochmals sehen möchten. Die meisten Eltern zelebrieren den Abschied von ihrem Kind ganz bewusst: Sie nehmen es in den Arm, streicheln es, machen Fotos oder Fußabdrücke, um möglichst viele Erinnerungen zu behalten. Wer sein Kind erstmal nicht anschauen kann oder mag, kann auch die Hebamme oder ein Familienmitglied bitten, es zu beschreiben. Aber keine Sorge, betroffene Eltern äußern sich alle ähnlich über den Anblick ihres toten Kindes: „Es war so friedlich, als würde es schlafen“, „…wie ein Engel“, „es war alles dran – und es war wunderschön.“
Der nach der Geburt normalerweise eintretende Milcheinschuss kann mit Tabletten unterdrückt werden. In den Folgetagen untersucht eine Hebamme die verwaiste Mutter, kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter.

Der Tod des eigenen Kindes gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, mit denen Eltern konfrontiert werden können. Hier erfahren Sie, was beim Verarbeiten des Verlusts seines Kindes helfen kann:

Schwangerschaft

Sternenkinder: Wenn das Leben viel zu früh endet

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Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt

Die Gründe, warum ein Baby im Mutterleib stirbt, können ganz unterschiedlich sein. Bei ungefähr zwei Dritteln der Fälle bleibt die Ursache für den Tod des Kindes völlig unklar. Wenn Eltern mehr über die Todesursache wissen möchten, werden das Blut der Mutter, die Plazenta und das Baby selbst (Autopsie) untersucht. Diese Untersuchungen werden nur mit dem ausdrücklichen Einverständnis der Eltern gemacht.

Gründe für eine Fehl- bzw. Totgeburt können sein:
● Unzureichende Versorgung über die Plazenta
● Infektionen wie Listeriose oder Toxoplasmose
● Gebärmutterhalsschwäche
● Fehlbildung des Kindes
● Nabelschnur-Komplikationen (Nabelschnurknoten / Nabelschnurvorfall)
● Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum

Schwangerschaft nach einer Totgeburt

Wenn die größte Trauer verarbeitet ist und der Wunsch nach einem Geschwisterkind für das verstorbene Kind erwacht, fürchten die meisten Frauen, dass bei einer erneuten Schwangerschaft wieder etwas schief gehen und das Baby sterben könnte. Diese Angst ist verständlich, in den allermeisten Fällen besteht die Gefahr aber nicht: Die meisten Frauen erleben nach einer Fehl- oder Totgeburt eine ganz problemlose Schwangerschaft.

Bevor Sie erneut schwanger werden, sollten Sie aber mit Ihrem Arzt über Ihren Kinderwunsch sprechen. Er wird Ihnen sagen, ab wann Sie wieder schwanger werden dürfen. Wenn Ihr Kind aufgrund eines Gendefekts gestorben ist, sollten Sie sich von einem Humangenetiker über die Risiken einer erneuten Schwangerschaft beraten lassen.

Zuletzt aktualisiert am 2. Januar 2020

Ist Alkohol beim Stillen erlaubt oder nicht? Während der Schwangerschaft mussten Sie schon auf so viele verzichten. Rauchen, bestimmte Getränke und Lebensmittel waren absolut tabu. Nun ist Ihr Nachwuchs zur Welt gekommen und Sie möchten wenigstens hin und wieder etwas Alkohol trinken. Vielleicht ein Glas Wein am Abend, einfach zur Entspannung. Doch wie sieht es mit Alkohol beim Stillen aus? Gefährden Sie damit Ihr Baby oder dürfen Sie sündigen? Finden Sie es in den nächsten Minuten heraus.

Schadet schon ein Glas Alkohol beim Stillen?

Alkohol beim Stillen: Was ist erlaubt?

Auf der einen Seite wollen Sie nicht mehr alle Genussmittel meiden müssen. Andererseits geht die Gesundheit Ihres Kindes vor. Im Netz gibt es hierzu sehr unterschiedliche Ansichten. Manche empfehlen eine bestimmte Zeit zu warten, andere sprechen sich komplett dagegen aus. Vereinzelt berichten Horrornachrichten sogar vom Baby-Tot aufgrund des Alkohol-Konsums während der Stillzeit. Aber was stimmt denn nun?

Grundsätzliche Fakten zum Alkohol & Stillen

  • Alkohol reduziert in den ersten Stunden die Milchbildung in der Brust. Ihr Kind könnte eventuell nicht genügend Sättigung beim nächsten Stillen erhalten.
  • Es stimmt: Alkohol geht in die Muttermilch über. Wobei seine Konzentration zwischen 30 bis 90 Minuten nach dem Trinken am höchsten ist (danach beginnt der Abbau).
  • Sollte die Mutter regelmäßig Alkohol trinken wollen oder gar abhängig sein, ist Stillen leider keine Option. Zwar ist Muttermilch der beste Schutz fürs Baby, aber so überwiegen die Gefahren von nachhaltigen Schäden am Kind.
  • Es existieren mehrere Studien zum Thema „Alkohol beim Stillen“. Leider sprechen sie unterschiedliche Ergebnisse aus.

Alkohol beim Stillen: Wie lange warten?

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, dann trinken sie überhaupt nicht wenn sie noch stillen. Selbst wenn sie nur ein Gläschen Sekt getrunken haben sollten Sie mindestens 4 Stunden warten bis sie wieder stillen. Ihr Körper braucht Zeit um den Alkohol abzubauen.

Befinden Sie sich schon im Übergang zwischen Stillen und Brei, wechseln Sie zur halbfesten Nahrung. Diese können Sie notfalls auch in wenigen Minuten selbst herstellen.

Die besten Chancen haben Sie aber, wenn Ihr Kind vorher gestillt wird. Sie wissen bspw. um die Feierstunde um Mitternacht an Silvester. Also legen Sie gegen 23 Uhr noch einmal die Brust an, um dann, hoffentlich pünktlich, zum Jahreswechsel mit anstoßen zu können.

Vorbereitet sein – Milch abpumpen

Wenn Sie etwas mehr Alkoholkonsum einplanen wollen, bedarf es einer guten Vorbereitung. Pumpen Sie bei Gelegenheit immer etwas Milch ab. Von Vorteil ist es, wenn Sie dazu milchfördernde Getränke verzehren. In vielen Fällen stellen die Milchdrüsen aber mehr her, als Ihr Baby tatsächlich benötigt.

Das ist Ihre Chance, um zusätzliche Milch abzupumpen. Hierbei gibt es die manuellen Handpumpen und die elektrischen Milchpumpen. In einem Luftdichten Beutel verschlossen, kann die Muttermilch bis zu sieben Tage im Tiefkühlschrank aufgehoben werden. Damit können Sie sich ideal auf eine Party in der nächsten Woche vorbereiten. Weil Sie trotzdem mehrere Mahlzeiten für das Baby bereit haben.

Alkohol beim Stillen: Baby tot

Horrornachrichten finden Sich immer wieder. Kann es zum Tod des Babys führen wenn man Alkohol trinkt und stillt? Einer dieser Beiträge ist z.B. dieser hier: . Die Berichte über Schäden am Baby bis hin zum plötzlichen Tod, können wir nicht im Detail prüfen. Feststeht jedoch, dass Alkohol beim Stillen mit großer Vorsicht konsumiert werden sollte. Wie oben bereits geschrieben raten wir Ihnen auf Alkohol während der Stillzeit vollständig zu verzichten.

Sind Sie nun weiterhin verunsichert, belassen Sie es bitte beim kompletten Verzicht.

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Alkohol in der Stillzeit: Was Mütter über die Auswirkungen wissen müssen

“Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren…”?

Für Schwangere sollte Alkohol absolut tabu sein, denn er hemmt die Entwicklung des Babys und kann – vor allem vor der 9. Schwangerschaftswoche getrunken – zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Ist die Organbildung abgeschlossen, richtet er vor allem Schäden im kognitiven Bereich an. Es gibt keine untere tolerierbare Grenze – trinkt man (auch nur einmalig) in der Schwangerschaft Alkohol, vergiftet man sein Kind und setzt es einem unkalkulierbarem Risiko aus.

Jährlich werden etwa 10.000 Kinder geboren, die unter alkoholbedingten Beeinträchtigungen leiden.

Wie aber sieht das eigentlich in der Stillzeit aus? So manche Mutter würde gerne wieder mal nach neun disziplinierten Monaten ein Glas Bier, Sekt oder Wein genießen. Und schließlich hört man doch auch immer mal wieder mal von Frauenärzten oder Hebammen, dass ein Glas Sekt sogar die Milchbildung anregen würde.

Ich möchte in diesem Artikel der Frage auf den Grund gehen, ob man während der Stillzeit gelegentlich ein Glas Alkohol trinken kann.

Natürlich am sichersten: absolute Enthaltsamkeit beim Stillen

Ohne wenn und aber: Nichts trinken ist am sichersten.

Das ist ganz zweifellos so und nicht diskutierbar. Allerdings ist die absolute Enthaltsamkeit während der Stillzeit nicht so weit verbreitet, wie man es möglicherweise vermuten würde.

Studien zeigen nämlich, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Müttern nach der Geburt den Wunsch hat, auch gelegentlich wieder ein Glas Alkohol zu trinken und dies auch tatsächlich tut.

Eine Studie zum Stillverhalten bayrischer Mütter ergab beispielsweise, dass etwa 30 bis 80 Prozent der Mütter in den ersten 9 Monaten nach der Geburt Alkohol tranken – die meisten davon aber eher selten und nur zu besonderen Anlässen. In weiteren Studien aus den USA und Australien lag die Zahl der Alkohol trinkenden Stillmütter zwischen etwa 40 und 50 Prozent.

Da also offenbar ein nicht unerheblicher Teil der Mütter nicht vollkommene Enthaltsamkeit lebt, stellt sich die Frage: Ist Alkohol in der Stillzeit tolerierbar? Und wenn ja – in welchem Umfang und unter welchen Umständen?

Welchen Einfluss hat Alkohol auf die Milchbildung?

“Ein Glas Sekt regt die Milchbildung an!” Auch diese Empfehlung hört man gar nicht selten von Hebammen und Ärzten. Werdende Mütter werden teilweise sogar vom Krankenhaus ermutigt, zum Anstoßen auf die Geburt eine kleine Flasche Sekt mitzubringen. Die Annahme ist so weit verbreitet, dass manche Mütter sogar gezielt für die Milchbildung Sekt trinken.

Ob dem wirklich so ist, untersuchte eine Studie des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia. Die Ergebnisse der Untersuchung belegten jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist.

Stillende Frauen bekamen abwechselnd Orangensaft mit oder ohne Alkohol zu trinken und wurden gebeten, danach Milch abzupumpen. Darüber hinaus wurden auch die auf die Milchbildung Einfluss habenden Hormone Oxytocin und Prolaktin bestimmt.

Nach dem Konsum von Alkohol fiel es den Frauen schwerer, den Milchspendereflex auszulösen und sie produzierten auch insgesamt weniger Milch. Der Oxytocin-Spiegel sank signifikant, der Prolaktinspiegel erhöhte sich.

Eine anderere Studie ergab, dass Kinder – vermutlich wegen des Geschmacks – nach dem Alkoholkonsum ihrer Mutter insgesamt weniger Milch trinken. Es bleibt also festzuhalten, dass Alkoholkonsum in der Absicht, die Milchmenge zu steigern, nicht zu empfehlen ist.

Was passiert nach dem Trinken von Alkohol?

Alkohol geht während der kompletten Passage durch den Verdauungstrakt nach und nach ins Blut über. Deswegen steigt der Alkoholspiegel allmählich und erreicht seinen Höhepunkt erst nach etwa 30 bis 60 Minuten. Im Magen werden bereits 10 bis 30 Prozent des reinen Alkohols resorbiert. Der größte Teil wird dann über den Dünndarm aufgenommen.

Wie viel Alkohol genau der Körper aufnimmt, hängt von mehreren Faktoren ab – zum Beispiel vom Geschlecht, von der Trinkgeschwindigkeit, der Tageszeit, der Zusammensetzung des Alkohols, dem Blutzuckerspiegel, der Magenfüllung, der Verweildauer im Magen usw. Sekt passiert wegen der Kohlensäure wesentlich schneller den Magen, daher steigt der Blutalkoholspiegel schneller an, als bspw. bei Wein.

Wichtig zu wissen ist: Die Alkoholspiegel im Blut und in der Muttermilch sind identisch. Deswegen nutzt es auch nichts, nach dem Alkoholgenuss Milch abzupumpen – das beschleunigt den Abbau nicht.

Wie lange dauert der Abbau von Alkohol?

Bezüglich des Abbaus von Alkohol speziell bei Frauen wurden verschiedene Studien durchgeführt. Bei allen lag die durchschnittliche Abbauzeit zwischen 0,1 und 0,2 g/kg Körpergewicht und Stunde.

Wenn man genau wissen will, wann der Alkohol komplett abgebaut ist, muss man den Alkoholgehalt des Getränks kennen. Zur schnelleren Orientierung habe ich eine Übersicht erstellt, der man entnehmen kann, wie viel g Alkohol die folgenden Getränke enthalten:

Trinkt eine 60 kg schwere Frau ein Bier (200 ml) mit 5 Vol.-%, dann hat sie 8 g reinen Alkohol aufgenommen. Wenn man ganz sicher gehen will, legt man einfach die niedrigste Abbaumenge (0,1 g/kg/Stunde) zugrunde:

60 kg x 0,1 g = 6 g/Stunde

Um die 8 g aus dem Bier abzubauen, benötigt der Körper also eine Stunde und 20 Minuten.

Als einfache Faustregel kann man sich merken: Eine Frau baut pro Stunde

69 – 79 ml Sekt (mit 11 Vol.-%) und

150 bis 174 ml Bier (5 Vol.-%)

ab.

Wie viel Alkohol geht in die Muttermilch über?

Was passiert eigentlich, wenn die Mutter genüsslich ein Glas Wein trinkt und das Baby plötzlich unerwartet aufwacht und die Brust verlangt?

Abschätzungen auf Basis experimenteller Untersuchungen zeigen, dass die Konzentration des Alkohols im kindlichen Körper bei einer moderaten Menge Alkohol (bis zu 0,25 l) sehr gering ist, denn es geht nur ein Teil des mit der Muttermilch aufgenommenen Alkohols in das Blut des Baby über.

Es wurde berechnet, dass nach dem Genuss eines Glases Wein (250 ml = ca. 32,5 g Alkohol) über einen Zeitraum von 30 Minuten das mütterliche Blutalkoholvolumen bei 0,59‰ liegt. Würde sie ihr Baby nach dem Austrinken sofort stillen, wären bei

einem Neugeborenen 0,0034 ‰ (das entspricht 0,0305 g Alkohol)

bei einem dreimonatigem Baby 0,0039 ‰ (das entspricht 0,055 g Alkohol)

im Blut nachzuweisen.

Von dem, was die Mutter an reinem Alkohol (32,5 g) verzehrt, kommt im Blut des Neugeborenen also nur ein Bruchteil – gerade mal 0,094 % der Gesamtmenge an. Das entspricht knapp einem Tausendstel.

Was? Ein Zehntausendstel? Kann das wirklich sein? Ich war völlig verwirrt! Die Zahl stammt aus Seite 21 des Papiers “Alkohol in der Stillzeit – eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der Stillförderung” des Bundesinstitutes für Risikobewertung.

In dem Papier steht auch noch etwas anderes Interessantes drin – bekäme ein Neugeborenes Carminativum Hetterich, ein Mittel gegen Blähungen mit einem Alkoholgehalt von 34 Vol.-% (das speziell für Säuglinge zugelassen ist) in der empfohlenen Dosierung, dann würde es damit 0,138 g reinen Alkohol aufnehmen – das ist mehr als viermal so viel, wie nach dem Stillen nach einem Glas Wein. Behandelt man ein dreimonatiges Baby mit Carminativum Hetterich, wären es mit 0,276 g sogar fünfmal mehr.

In dem Dokument steht aber eben auch, dass es sich um “Abschätzungen auf Basis experimenteller Untersuchungen” handelt – Experimente an echten Säuglingen kann man aus ethischen Gründen natürlich nicht vornehmen. Es handelt sich um reine Modellrechnungen – allerdings auf absolut fundierter wissenschaftlicher Basis. Mir ließ das keine Ruhe und ich recherchierte weiter.

Nur 2 Prozent des Alkohols kommen beim Baby an

An anderer Stelle fand ich auch eine schwedische Untersuchung, die besagte, dass von der Mutter konsumierter Alkohol nur zu etwa 2 Prozent im Blut des Kindes ankommt.

Daher sagt die schwedische National Food Administration sogar offiziell, dass bis zu zwei Gläser Alkohol in der Woche für Stillmütter unproblematisch sind. Ebenso lauten die amerikanischen, kanadischen und französischen Empfehlungen.

Wie viel Alkohol kommt denn nun wirklich beim Baby an? Ich beschloss, einfach mal nachzurechnen. Ich hatte oben ja schon geschrieben – Blutalkoholgehalt und Muttermilchalkoholgehalt sind identisch – das ist wissenschaftlich zweifelsfrei belegt.

Die Berechnung des Blutalkoholes erfolgt mit der Widmark-Formel:

Promille = aufgenommener Alkohol (siehe Tabelle oben) / (0,6 x Gewicht in kg)

Für eine 60-kg-Frau mit einem 250-ml-Glas Wein (13 %) würde das also bedeuten:

Promille = 26 g / (0,6 x 60) = 0,72‰.

Die Angabe ”‰” bedeutet, dass dieser Anteil ihres Blutes aus reinem Alkohol besteht. Promille bedeutet “Tausendstel” – also ein Liter Blut enthält dann 0,72 ml Alkohol. Der Alkoholgehalt der Muttermilch wäre exakt genauso hoch.

Da dieser in Prozent, also “Hundertstel” angegeben wird, entspricht das 0,072 %. Das sind tatsächlich nur 2,2 % der ursprünglichen Alkoholmenge, die die Mutter zu sich nahm.

Nun kann man einwenden, dass auch 0,072 % immer noch Alkohol ist, der ins Blut des Kindes gelangt – wie verschwindend wenig das jedoch ist, erkennt man beim Vergleicht mit den Alkoholgehalt verschiedener Nahrungsmittel:

Die aufgenommenen Mengen sind also wirklich extrem gering, so dass nichts dagegen spricht, auch in der Stillzeit mal ein Glas Bier, Sekt oder Wein zu trinken.

Idealerweise wartet man dafür natürlich eine längere Stillpause ab – aber selbst wenn das Baby sofort aufwachen und die Brust verlangen würde, wäre keine Auswirkung zu befürchten.

Jedenfalls keine schlimmere, als durch eine Fruchtsaftschorle mit 25 % Saft. Die Muttermilch enthält nach einem Glas Wein 0,72 % Alkohol – etwa eben so viel hat eine Apfelsaftschorle mit nur einem Viertel Saft.

Verzehrt ein Kind eine reife normalgroße Banane mit 100 g, dann hat es mal eben 0,6 g Alkohol konsumiert – um den gleichen “Alkoholpegel” zu erreichen, müsste es 833 ml “weinverseuchte” Muttermilch trinken…

Fazit

Der von einer stillenden Mutter aufgenommene Alkohol geht nur zu einem Bruchteil in die Muttermilch über. Pro Stunde und kg Körpergewicht wird etwa 0,1 g Alkohol abgebaut. Wird das Kind gestillt, bevor der Alkohol abgebaut ist, nimmt das Kind so geringe Mengen auf, dass ein geringfügiger Alkoholkonsum vertretbar ist.

Entsprechend stellt sogar der Deutsche Hebammenverband fest, dass “Muttermilch mit einer Restmenge Alkohol darin immer noch besser für Babys” ist, “als Flaschennahrung”. Bis zu 20 g Alkohol an einem Tag (natürlich nicht jeden!) ist demnach nach Ansicht des Verbandes vertretbar – das entspricht einem 0,5l-Glas Bier oder einem 0,2-l-Glas Wein.

Allerdings würde ich persönlich trotz der gesammelten Erkenntnisse während der Stillzeit mindestens im ersten Lebenshalbjahr bzw. bis zum Beikostbeginn keinen Alkohol konsumieren. Schließlich würde man Neugeborenen auch kein Stück Banane oder Apfelschorle anbieten.

Um es abschließend ganz deutlich zu sagen: Mit den Erkenntnissen aus diesem Artikel kann man guten Gewissens gelegentlich (und damit ist etwa ein bis drei mal monatlich gemeint) ein Glas (und damit ist auch tatsächlich nur eins gemeint!) Bier, Wein oder Sekt trinken – er soll bitte nicht als Rechtfertigung dienen, in der Stillzeit regelmäßig Alkohol zu konsumieren.

Und noch ein sehr wichtiger Hinweis ganz zum Schluss:

Niemals (!) darf man nach dem Verzehr von Alkohol zusammen mit dem Kind im Elternbett schlafen – das ist einer der größten Risikofaktoren für SIDS und das Ersticken im elterlichen Bett.

Quellen

(glm)

Totgeburt: Ursachen, Symptome und Hilfe für betroffene Eltern

Wenn ein Kind stirbt, noch bevor es geboren wurde, ist das eine unvorstellbar schreckliche Erfahrung für die Eltern. Aber was tut man, wenn jemand stirbt, den es offiziell noch nicht gegeben hat? Kaum jemand spricht über das Thema Totgeburt und Fehlgeburt, als könne man es damit ungeschehen machen. Dabei benötigen vor allem Eltern der so genannten ‚Sternenkinder‘ viel Hilfe und Unterstützung.

Um euch einen ersten Überblick zu dem Thema zu geben, klären wir die wichtigsten Fragen zum Thema Totgeburt.

Was genau ist eine Totgeburt?

Von einer Totgeburt sprechen Ärzte, wenn ein mindestens 500 Gramm schweres Kind nach seiner Geburt keinerlei Lebenszeichen hat, also weder das Herz schlägt, noch die Nabelschnur pulsiert oder die Atmung einsetzt. Wie fortgeschritten die Schwangerschaft ist, ist dabei nicht zu berücksichtigen. Wiegt ein Kind weniger als 500 Gramm sprechen Ärzte von einer Fehlgeburt.

Was sind Ursachen für eine Totgeburt?

Für eine Totgeburt kann es verschiedene Ursachen geben, beispielsweise

  • eine Unterversorgung des Babys durch eine Plazentastörung oder einen Knoten in der Nabelschnur,
  • durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff,
  • durch eine Infektion oder
  • durch eine Fehlbildung des Kindes.

Nicht immer ist ersichtlich, was zum Tod des Kindes geführt hat.

Für manche Eltern kann es deshalb hilfreich sein, ihr Kind obduzieren zu lassen. Diese Möglichkeit besteht immer und die Eltern allein entscheiden, ob sie sie in Anspruch nehmen wollen. Denn der Gedanke, dass man Schuld am Tod des Kindes sein könnte, beschäftigt viele Eltern von Sternenkindern. Um diesen Gedanken im Keim zu ersticken, kann eine medizinische Einschätzung dessen, was zum Tod des Kindes geführt hat, Aufklärung bringen und Schuldgedanken vertreiben.
Manchmal stehen Eltern vor der schwierigen Entscheidung, über das Schicksal ihres ungeborenen Kindes entscheiden zu müssen. Oft ist das der Fall, wenn Ärzte eine gravierende Fehlbildung diagnostizieren und das Kind außerhalb des Mutterleibs nicht oder nur für wenige Stunden überlebensfähig wäre. Entscheiden sich die Eltern dafür, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen, wird der Tod des ungeborenen Kindes durch einen medizinischen Eingriff herbeigeführt.

Gibt es Symptome für eine Totgeburt?

Um die Gesundheit von Mutter und Kind während der Schwangerschaft gewährleisten zu können, sollten Schwangere alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Leider kann es trotz der regelmäßigen Termine passieren, dass ein Kind im Mutterleib stirbt. Symptome, die darauf hindeuten, dass das Leben des Kindes in Gefahr ist können sein:

  • fehlende Bewegungen des Kindes über einen langen Zeitraum
  • Blutungen
  • starke Schmerzen im Unterbauch bzw. im unteren Rücken​

​Schwangere Frauen sollten bei diesen Anzeichen unmittelbar zum Arzt gehen. Dieser stellt mittels einer Ultraschalluntersuchung fest, ob das Herz des Kindes noch schlägt. Sollte kein Herzschlag festgestellt werden können und auch der Blutstrom der Nabelschnur erlegen sein, ist das Kind im Mutterleib gestorben.

Wie geht eine stille Geburt vonstatten?

Stellt der Arzt den Tod des Kindes fest, bzw. wurde sein Tod mittels eines medizinischen Eingriffs herbeigeführt, wird es in der Regel trotzdem auf natürlichem Weg geboren. Die Totgeburt, auch stille Geburt genannt, kann mit Hilfe von Medikamenten eingeleitet werden. Ärzte und auch Hebammen raten Eltern von Sternenkindern jedoch dazu, das natürliche Einsetzen der Wehen abzuwarten, wenn das Kind nicht unter einer Infektion litt und keine gesundheitliche Gefahr für die Mutter besteht.
Es ist nicht zwangsläufig erforderlich, dass das Kind in einem Krankenhaus geboren wird. Steht der Mutter eine Hebamme zur Seite und bestehen keine gesundheitlichen Risiken, kann sie ihr totes Kind auch zu Hause oder in einem Geburtshaus auf die Welt bringen.
Das Warten auf das natürliche Einsetzen der Wehen hat vor allem psychologische Gründe. Es gibt den Eltern des Sternenkindes Zeit, sich mit dem Tod ihres Kindes auseinanderzusetzen. Es dauert eine Weile, bis Eltern ihren Verlust akzeptieren können. Diese Zeit, so sagen Ärzte, sollten sie bekommen, um auch richtig von ihrem Kind Abschied nehmen zu können.

Warum wird eine Totgeburt natürlich geboren?

Der erste Gedanke vieler Frauen, die erfahren müssen, dass ihr Kind in ihrem Bauch verstorben ist, ist der, das Kind so schnell wie möglich mittels eines Kaiserschnitts, am besten unter Vollnarkose, aus ihnen heraus zu holen. Der Gedanke an eine natürliche Geburt scheint ihnen abwegig und grausam.
Ärzte und Hebammen leisten deshalb erste Trauerarbeit und erklären den Eltern, dass es wichtig ist, das Kind auf natürlichem Weg zu bekommen. Die Geburt selbst ist ein Schritt der Trauerbewältigung. Denn mit der Geburt werden verschiedene Hormone freigesetzt, die der Mutter dabei helfen können, Abschied zu nehmen. Experten sind überzeugt, dass Frauen eine Totgeburt mit Hilfe einer natürlichen Geburt psychisch und physisch besser verarbeiten können. Eine natürlich Geburt ist auch deshalb besser für die Mutter, weil mit einem Kaiserschnitt zu der Trauer und der emotionalen Belastung auch körperliche Schmerzen der Narbe hinzu kämen.
Nach der Geburt, auch nach der eines toten Kindes, produziert der Körper der Frau Muttermilch. Das kann medikamentös unterbunden werden. Die Frauen können sich aber auch dafür entscheiden, auf natürliche Weise abzustillen. Auch das kann Teil der Trauerarbeit sein.

Was passiert mit einem toten Baby nach der Geburt?

Bis in die 80er Jahre war es üblich, das Kind unmittelbar nach der Geburt aus der Nähe der Eltern zu entfernen. Totgeburten waren tabuisiert und Mütter durften ihre Kinder nach der Geburt nicht sehen. Auch ein Eintrag ins Familienbuch war nicht möglich.
Heute können Eltern selbst entscheiden, ob sie ihr Kind sehen, halten und anfassen wollen. Für viele Sternenkind-Eltern ist genau das wichtig, um sich zu verabschieden. Sie haben die Möglichkeit, ihr Kind anzuziehen, Fotos zu machen und letzte gemeinsame Erinnerungen zu sammeln. Auch Fuß- und Handabdrücke des Babys sind auf Wunsch der Eltern möglich.
Viele Kliniken haben für Eltern, deren Kind eine Totgeburt ist, einen extra Raum, in welchem sie ausreichend Zeit bekommen, Abschied zu nehmen. Wenn es bereits Geschwisterkinder gibt, kann es der ganzen Familie helfen, wenn auch sie die Möglichkeit bekommen, sich zu verabschieden.
Sind die Eltern bereit, übernimmt ein Bestattungsinstitut den Transport des Kindes.

Gesetzliches zur Totgeburt

Das Gesetz schreibt es vor, dass eine Totgeburt bis spätestens drei Tage nach der Geburt beim Standesamt gemeldet wird. Die Eltern erhalten daraufhin eine Geburtsurkunde, wenn sie wünschen mit dem Namen des Kindes, mit einem Sterbevermerk. Tot geborene Kinder über 500 Gramm müssen nach deutschem Recht bestattet werden. Kinder, die weniger wiegen, können bestattet werden.
Der Mutter steht auch nach einer Totgeburt Mutterschutz zu. Auch Mütter von Sternenkindern haben das Recht auf mindestens acht Wochen Mutterschutz nach der Entbindung. Handelt es sich zusätzlich um eine Frühgeburt, verlängert sich der Mutterschutz auf 12 Wochen. Zusätzlich dazu hat die Mutter Anspruch auf den noch nicht genommenen Mutterschutz vor der Geburt (maximal 6 Wochen). Der Mutterschutz nach einer Totgeburt beträgt also maximal 18 Wochen. Wenn eine Frau gern vor Ablauf der Mutterschutzfrist arbeiten möchte und aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, darf sie bereits drei Wochen nach der Geburt wieder ihren Beruf aufnehmen.

Wo findet man Hilfe nach einer Totgeburt?

Frauen und Männer gehen nach einer Totgeburt oft sehr unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Wichtig für beide ist aber, dass ihr Umfeld das Thema nicht meidet und ihnen so gut es geht zur Seite steht. Sei es auch nur, dass Verwandte, Bekannte und Freunde darüber informiert werden müssen, was passiert ist.
Die Hebamme, auf die jede Frau nach einer Geburt Anrecht hat, hilft ihr vor allem im Wochenbett. Sie steht mit Antworten und Erfahrung zur Seite und kann zudem wertvolle Tipps geben, zur Rückbildung beispielsweise, mit der auch Frauen sich beschäftigen müssen, deren Kind bereits vor oder bei der Geburt gestorben ist. Denn Frauen, die eine Totgeburt erleben mussten, sollten nicht an einem ’normalen‘ Rückbildungskurs teilnehmen. Es gibt private Rückbildungskurse, für Frauen, die das gleiche erlebt haben. Auch der Austausch mit ihnen kann vor allem der Mutter helfen.
Professionelle Hilfe von Beratungsstellen, Seelsorgern und Psychologen stehen betroffenen Eltern ebenfalls zur Verfügung. So vermittelt beispielsweise der ‚Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.‘ Helfer und Ansprechpartner in der Nähe, bietet die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen und informiert über Wege, mit der Trauer umzugehen.

Ab wann kann man nach einer Totgeburt wieder schwanger werden?

Ärzte raten dazu, nach einer Schwangerschaft mindestens ein halbes Jahr zu warten, bevor man erneut schwanger wird, denn der Körper muss sich erst von allen Strapazen erholen können. Doch diese Empfehlung bezieht sich auf die rein körperliche Verfassung.
Für Eltern, deren Kind eine Totgeburt war, ist die körperliche Verfassung jedoch zweitrangig. Für sie ist wichtig, dass sie sich voll und ganz bereit fühlen für einen neuen Versuch. Mit einer erneuten Schwangerschaft geht für viele auch die Angst einher, dass ihnen dasselbe noch einmal zustoßen könnte und auch ihr neues Kind sterben könnte. Doch es ist wichtig, dass Eltern sich davon lösen und der erneuten Schwangerschaft positiv gegenüberstehen.
Wann sich Eltern einer Totgeburt also bereit für eine neue Schwangerschaft fühlen ist ganz individuell. Sie sollten sich dafür so viel Zeit nehmen, wie sie brauchen.

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