Wie lange breit wickeln?

Angeborene Hüftgelenksfehlbildung

Reifungsstörungen am Hüftgelenk gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Eines von 25 Kindern ist von einer leichten Veränderung im Hüftgelenk betroffen, Mädchen sind fünfmal häufiger betroffen als Jungen.

Ein besonders hohes Risiko haben Kinder, deren Geschwister oder Eltern schon betroffen waren, denn es besteht eine gewisse erbliche Veranlagung. Häufiger betroffen sind aber auch Kinder, die in Beckenendlage geboren sind oder sehr beengte Verhältnisse im Mutterleib hatten, z.B. Zwillinge.

Warum sind die Hüftgelenke so häufig verändert?

Die Ursache ist meist eine Reifungsverzögerung. Rund 30 Prozent der Neugeborenen haben ein noch unreifes Hüftgelenk, das heisst der Kopf des Oberschenkelknochens steht noch nicht im richtigen Winkel in der Hüftpfanne.

In den meisten Fällen löst sich das Problem in den ersten Lebenswochen von alleine. Hilfreich ist es, wenn die Eltern ihren Nachwuchs mit einem Moltontuch oder einer zweiten Windel breit wickeln. Dieses „breite Wickeln“ hilft jedoch nur bei sehr leichten Fällen. Viele Orthopäden empfehlen zudem ein Tragetuch oder einen Tragesack, weil die Beuge-Spreiz-Haltung das Reifen der Hüftgelenkpfannen fördert.

Hüftgelenksdysplasie

Bei etwa einem bis zwei von hundert Kindern bleibt aber eine mehr oder weniger ausgeprägte Fehlstellung und Störung der Knochenreifung bestehen, die manchmal so stark ist, dass der Hüftkopf aus der Pfanne springen kann. Denn wenn das Beckengewebe zu weich bleibt und die knorpelige Hüftpfanne nicht rechtzeitig verknöchert, kann sie den Hüftkopf nicht festhalten: Der Oberschenkel rutscht aus seinem natürlichen Lager heraus.

Hüftgelenksluxation

Springt der Hüftkopf gänzlich aus der Pfanne, sprechen Medizinier von einer „Hüftgelenksluxation“ – das Gelenk ist ausgerenkt. Schon in jungen Lebensjahren kann sich ein Gelenkverschleiss ausbilden. Die Folgen (vorzeitige Arthrose und schwere Behinderungen beim Gehen) sieht man oft erst im späteren Leben, sie sind dann aber viel schwieriger zu korrigieren. Mitunter hilft dann nur der frühe künstliche Hüftgelenksersatz.

Wie erkennt man die unreife Hüfte?

Äusserlich ist eine Hüftgelenksfehlbildung oft schon durch die etwas unterschiedliche Beinlänge und die auf beiden Seiten unterschiedlich ausgeprägten Pofalten zu erkennen, bei älteren Kindern durch den Watschelgang und ein ausgeprägtes Hohlkreuz.

Es ist enorm wichtig, diese Fehlentwicklung schon früh zu diagnostizieren. Früher musste dies bei der Untersuchung des Säuglings durch Bewegen des Hüftgelenks geschehen, was für das Kind schmerzhaft sein kann. Daran schloss sich häufig eine Röntgenuntersuchung des Beckens an. Dagegen ist die heute übliche Ultraschalluntersuchung der Hüften im Rahmen der Kontrolluntersuchungen beim Neugeborenen bzw. bis spätestens in der sechsten Lebenswoche nicht schmerzhaft und absolut strahlenfrei. Risikokinder, z.B. wenn es in der Familie bereits Hüftfehlstellungen gab, nach einer Beckenendlagen- oder Mehrlingsgeburt, wenn bestimmte Fehlbildungen oder ein Mangel an Fruchtwasser vorliegen, werden auch schon unverzüglich nach der Geburt geschallt.

Gemessen wird der sogenannte Alpha-Winkel, der das Verhältnis von Hüftkopf und -pfanne zueinander beschreibt: je kleiner der Winkel, desto ausgeprägter die Fehlstellung. Eine gute (reife) Hüfte ist eine vom Typ Ia oder Ib. Beim Typ IIa reicht oft noch breites Wickeln aus, Typ IIb, III und IV sind behandlungsbedürftig.

Spreizhose?

Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso kürzer und einfacher ist sie. Es kann daher schon in den ersten Lebenstagen sinnvoll sein, bei sehr unreifen Hüften einen orthopädischen Apparat, eine sogenannte Spreizhose, anzulegen. Sie wird nur zum Wickeln und Baden abgenommen und hält über Schienen beide Hüftgelenke gebeugt und gespreizt, wodurch die Hüfte den Reiz bekommt, nachzureifen. Wichtig ist, dass das Kind nicht an den Beinen hochgezogen und nicht auf die kranke Körperseite gelegt wird.

Sobald die Spreizschiene entfernt wird, lernen die Kinder genauso, sich zu drehen, zu krabbeln und zu laufen, wie andere. Mit dieser zwar lästigen, aber einfachen Behandlung können spätere schmerzhafte Operationen vermieden werden. Daran sollten Eltern immer denken, wenn im Alltagsleben mit der Spreizhose Probleme auftauchen, weil das Baby z.B. nicht in den Kinderwagen oder in die Babyschale passt und mit Decken und Kissen kreative Lösungen gefunden werden müssen.

Oder sogar Gips?

Bei der schwersten Form der Hüftdysplasie, der Hüftluxation steht der Hüftkopf ausserhalb der Hüftpfanne und muss in Narkose eingerenkt werden, evtl. mit stationärem Aufenthalt. In manchen Spitälern geschieht dies mit der sogenannten Overhead-Extension schonend und schmerzlos. Das Kind liegt auf dem Rücken, während seine Beine an Seilen und gespreizt in die Luft gezogen werden. Beim Strampeln rutscht der Hüftkopf in die Pfanne. Danach wird dem Kind in Narkose ein Becken-Bein-Gips in Sitz-Hock-Stellung angelegt. Dadurch kann die Hüfte nicht mehr ausrenken und in der richtigen Stellung so nachreifen, dass sie stabil ist.

Newsticker

Anhock-Spreizstellung | 02.08.2018

Babys werden von ihren Eltern gerne am Körper getragen, um ihnen ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Richtig getragen, wird auch die gesunde Ausbildung der Babyhüfte gefördert, die bei der Geburt nur knorpelig vorgebildet ist und bis zum Laufbeginn im zweiten Lebensjahr noch sehr formbar ist. Bei der Anhock-Spreizstellung werden die Beine des Säuglings auseinandergespreizt und die Knie befinden sich angewinkelt auf Nabelhöhe. Das entspricht der natürlichen Stellung im Mutterleib. Die Oberschenkelknochen wirken so mit ihren Hüftköpfen optimal auf die Hüftpfannen ein. Richtig gebundene Tragetücher und andere gute Tragehilfen unterstützen dies. Umgekehrt kann das Tragen in Streckstellung mit zusammengedrückten Beinen die Hüftentwicklung verzögern und schaden. Eine Hüftsonographie beim Neugeborenen zeigt an, ob eine behandlungsbedürftige Hüftdysplasie vorliegt.

Hüft-Fehlstellungen vermeiden | 09.09.2016

Etwa vier Prozent aller Säuglinge kommen mit einer unreifen Hüfte zur Welt. Wird eine „Hüftluxation“ nicht behandelt, entwickeln die Kinder einen hinkenden Gang. Deshalb gehört die Ultraschalluntersuchung der Säuglingshüfte heute zum allgemeinen Vorsorgeprogramm für Neugeborene. Jetzt befürchten Experten, dass durch das „Pucken“, also enges Einwickeln in Streckstellung der Beine, die natürliche Reifung der Hüfte beeinträchtigt werde und sich leicht eine sogenannte Hüftdysplasie entwickeln, bei der Gelenkkopf und -pfanne nicht aufeinander passen. Zahlen aus Australien zeigen einen deutlichen Anstieg der Hüftdysplasie-Fälle. In anderen Ländern, etwa der Türkei oder Japan, sollen Aufklärungskampagnen die Eltern von der umstrittenen Wickelmethode abbringen.

Letzte Aktualisierung : 07-11-19, BH

Unter das Baby breit wickeln versteht man eine Windelmethode, bei der die Beine des Babys durch das Windelpaket in eine breite Haltung gebracht werden. Dies dient vorrangig der Hüftentwicklung. Neugeborene werden mit einer noch nicht vollständig ausgereiften Hüfte geboren. Oberschenkel und Hüftgelenke reifen in den ersten Lebensmonaten nach, werden fest und bilden so die Vorrausetzung für einen späteren korrekten aufrechten Gang. Um die Hüftentwicklung zu unterstützen, werden die Beine abgespreizt, so dass der Oberschenkelknochen immer in einem guten Winkel zu der noch unreifen Hüfte liegt. So kann die Hüfte mit etwas Unterstützung ausreifen. Wenn die Hüften sich nicht korrekt ausbilden, kann es zu lebenslangen Problemen beim Bewegungsablauf kommen. Dies wird als sogenannte Hüftdysplasie bezeichnet.

Hüftreife des Neugeborenen

Die Neugeborenen bekommen einen Ultraschallscreening der Hüften, in dem der Stand der Hüftentwicklung sichtbar wird. Es gibt 3 Möglichkeiten des Befundes:

Die Hüften

  1. sind gut ausgebildet – keine weiteren Maßnahmen sind notwendig
  2. benötigen zur Ausreifung noch Unterstützung – Baby breit wickeln ist notwendig
  3. sind komplett unreif oder gar krankhaft verformt – sie bedürfen einer therapeutischen Korrektur – das Kind bekommt medizinische Spreizhilfen ärztlich verordnet (Spreizhose, Pawlik-Bandage, selten Gips)

Baby breit wickeln – welche Windeln?

  • Spreizhose (Überhose mit vorgefertigtem Spreizteil in der Mitte)
  • Bindewindel
  • Moltonwindel

Welche Möglichkeiten gibt es, mein Kind breit zu wickeln?

  • Papierwindel und Spreizhose/Spreizwindel
  • Stoffwindel und Spreizhose/Spreizwindel

Die Papierwindel

Vorteil:

  • Schnell
  • Einfach
  • Kein zusätzlicher Arbeitsaufwand für Waschen, Trocknen, Legen…
  • Für Babysitter und Verwandtschaft gut machbar auch ohne Übung

Nachteile:

  • Große Menge Müll auf das gesamte Wickelalter bezogen
  • Sehr teuer auf das gesamte Wickelalter bezogen
  • Späteres Sauberwerden der Kinder

Die Stoffwindel

Vorteile:

  • Breit wickeln inclusive
  • Preiswert über die Gesamtheit der Wickelzeit gesehen
  • Für Geschwisterkinder wiederverwendbar
  • Nach Wickelalter zu verkaufen
  • Gutes Milieu für Haut
  • Für ganzes Wickelalter verwendbar
  • Hüftentwicklung
  • Einmaliger Anschaffungspreis
  • Für ganzes Wickelalter verwendbar
  • Für mehrere Kinder verwendbar
  • Schnelleres Sauberwerden des Kindes

Nachteile:

  • Höherer Zeitaufwand für Waschen, Trocknen, Legen, Wickeln
  • Etwas kompliziertere Wickeltechnik (man muss ein bisschen üben)
  • Babysitter oder Erzieher im Kindergarten wollen manchmal keine Stoffwindeln verwenden
  • Ekelfaktor Windeleimer (Stuhlgang aus Windel entfernen, Windeln im Windeleimer einweichen bis zur nächsten Waschmaschine)
  • Teuer in der Anschaffung
  • Kosten für Reinigung (Waschen oder Windeldienst)

Wie oft am Tag muss mein Baby gewickelt werden?

Das Baby breit wickeln in 4 Schritten

Materialbedarf:

  1. Papierwindel und Spreizwindel oder
  2. Stoffwindelpackung (Überhose, Moltonwindel, Stoffwindel, Windelvlies)
  • ggf. Wundschutzcreme, Heilwolle, Nebelpflege o.ä.
  • Windeleimer

1. Vorbereitung

  • Materialien griffbereit auf dem Wickeltisch platzieren
  • Wärmelampe anschalten
  • Säuberung und Trocknung des Windelbereiches mit warmem Wasser, Öltuch oder Feuchttuch
  • Baby etwas strampeln lassen (außer nachts!), Bauchlage auf Wickeltisch fördert Koordination
  • Nabelpflege

2. Platzierung der Windel unter dem Baby

  • Baby auf den Rücken legen
  • mit dem Wickelgriff den Po des Babys anheben und Windel unterlegen
  • die Oberkante der Windel sollte auf Höhe des Bauchnabels liegen
  • Wundschutz auftragen

3. Windel anlegen

  1. Papierwindel
  • Papierwindel um Baby wickeln und Klettverschlüsse schließen
  • Moltontuch als Schlips zwischen Beine legen und Body darüber schließen (oder Slip drüberziehen) oder
  • Bindewindel als Spreizeinlage zwischen den Beinen des Kindes platzieren und schließen, Body oder Slip drüberziehen oder
  • Spreizhose über Windel ziehen

Anmerkung: Wenn die Spreizhose aus wasserdichtem Material gefertigt ist, empfiehlt es sich nicht, diese über die Papierwindel zu platzieren, denn die Luftzirkulation im Windelpaket wird zusätzlich behindert, das heißt das Baby wird vermutlich schnell wund werden.

B. Stoffwindel

Windelpackung vorbereiten:

  • Zuunterst Windelhose
  • Moltontuch dritteln (Breitwickeleffekt) und mittig in die Hose platzieren
  • Baumwollwindel in Dreieckform bringen (siehe Bild) und oben auf legen
  • Eventuell ein Windelvlies einlegen, damit Stuhlgang besser entsorgt werden kann

  1. Baumwollwindel (80 x 80 cm) vierteln
  2. offene Ecke zum Dreieck ziehen
  3. Windel wenden
  4. Schlipsform falten

Windelpackung anlegen:

Stoffwindel:

  • Kind mit Wickelgriff anheben und Windel unterlegen
  • Untere Spitze zwischen den Beinen des Babys hochschlagen
  • Seitenzipfel um die Hüfte legen und zwischen den Beinen nach unten schlagen,
    feststecken (Breitwickeleffekt)
  • mit anderem Seitenzipfel eben so verfahren

Moltontuch:

  • zwischen den Beinen des Babys hindurch nach oben schlagen, Oberkante
    einschlagen, sodass Nabel frei bleibt

Überhose:

  • Klettverschlüsse, Druckknöpfe oder Bindebänder schließen, etwa ein
    fingerbreit Platz lassen am Bauch, damit Windel nicht zu eng sitzt.

Nachbereitung:

  • Alte Windel aufräumen, Stuhlgang in Toilette entsorgen, Windel im
    Windeleimer aufbewahren bis zur nächsten Wäsche

Was ist mit dem Bauchnabel?

  • „Trockene Nabelpflege“ fördert die Wundheilung
  • Wenn möglich frei lassen oder,
  • wenn er innerhalb der Wickelpackung zu liegen kommt, mit trockener Kompresse oder Heilwolle abdecken, damit eine Reibung an der Windelkante vermieden wird und der Nabel nicht unmittelbar in der Nässe liegt

4. Fertige Windelpackung kontrollieren

Beinabschlüsse, Rücken, Bauch und Seiten auf guten und dichten Sitz überprüfen. Kein Stoffwindelanteil darf aus der Überhose herausschauen, sonst wird die Kleidung des Babys durchnässt.

Alternative Wickel-Methoden

  • Schafwollwindeln (sind in Lanolin getränkt = geruchsbindend und wasserabweisend)
  • Fertigwindeln aus Stoff (wie Papierwindeln mit Klettverschluss, mitwachsend, wasserdichte Überhose notwendig)
  • Keine Windeln (auf Signale des Babys hin wird es „Abgehalten“)

Achtung! Sturzgefahr

Leider passieren immer wieder Unfälle mit Babys. In der Rangliste ganz oben stehen dabei Stürze vom Wickeltisch. Der Kopf ist beim Baby das schwerste Körperteil, deshalb landen die Kleinen bei Stürzen meist mit dem Kopf voran auf dem Boden. Dabei könnten schwere Schädel-Hirnverletzungen mit bleibenden Schäden die Folge sein. Deshalb bitte: Lassen Sie nie Ihr Baby unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch liegen. Die Motivation des Babys, der Mutter hinterherzuschauen, sich zu drehen, ihr zu folgen ist so groß, dass die Kleinen enorme Bewegungsabfolgen hinlegen und dabei schnell vom Wickeltisch rutschen. Falls Sie sich wirklich vom Wickeltisch entfernen müssen (Klingel, Telefon, fehlenden Gegenstand holen…) nehmen Sie entweder das Baby mit oder legen es kurz auf dem Fußboden ab (Krabbeldecke, Teppich, Handtuch…) – lieber ein paar Krümel in Hand oder Mund des Babys als ein Absturz. Falls ein Absturz doch einmal passieren sollte, suchen Sie umgehend die Notaufnahme auf oder rufen Sie den Notarzt.

Tipp: Legen Sie den Boden um den Wickeltisch mit waschbaren Badteppichen aus. Falls es zu einem Sturz kommen sollte, ist die Fläche etwas weicher als die puren Fliesen.

Nun können Sie Ihr Baby breit wickeln, mit den verschiedenen Windelausführungen. Fröhliche Wickelzeiten mit Ihren kleinen Lieblingen.

Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern. ×Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern. Latest Posts

  • Hinweise für Gesundheits- und Rechtsfragen Wiado.de dient der allgemeinen Bildung und Information, nicht der Beratung bei gesundheitlichen und rechtlichen Anliegen. Konsultieren Sie hierzu bitte jeweils Ihren Arzt/Zahnarzt oder einen Rechtsanwalt/Steuerberater.

    Tausend Gute Gründe für Stoffwindeln: Teil 2 – breit wickeln

    Breit wickeln kann die Bildung gesunder Hüften fördern

    In diesem Beitrag beschreibe ich Dir, warum das breite wickeln mit Stoffwindeln bei Neugeborenen sinnvoll ist.

    Baby breit wickeln mit Stoffwindeln

    Gerade bei Mädchen ist eine leichte Hüftdysplasie im Säuglingsalter keine Ungewöhnlichkeit (laut Wikipedia ist sie sechs Mal häufiger als bei Jungs). Da ich selbst eine Hüftdysplasie habe kenne ich die ganzen Horrorgeschichten von Spreizschienen und Co. Inzwischen gibt es da verträglichere Spreizhosen als noch vor 30 Jahren, aber Stoffwindeln können bei leichten Hüftdysplasien sehr sinnvoll sein.

    Das Skelette von Neugeborenen ist noch nicht vollständig verknöchert, teilweise ist es knorpelig. Zu diesen noch nicht verknöcherten Teilen gehört auch die Hüfte, sie wird dann “unreif” genannt.

    Ich zitiere jetzt mal von Wikipedia: “Dies wäre von Natur aus nicht weiter schlimm, denn das Kind bringt die genannten Reflexe mit, die es beim Hochheben automatisch die Anhock-Spreizstellung und den gerundeten Rücken einnehmen lassen. Auf der Hüfte – dem von Natur aus zum Tragen des Säuglings vorgesehenen Platz – sind die Oberschenkel des Kindes in einem Winkel von 100° bis 110° (Oberschenkel im Vergleich zum gestreckten Bein, der Oberschenkel ist also weit angehoben, nicht wie beim Sitzen etwa 90°, sondern eben 100–110°) angehockt, und die Spreizung der Beine hat einen Winkel von ungefähr 45° (Winkel Oberschenkel–Beckenmitte/Hüftgelenk). In dieser Stellung drücken die Köpfe der Oberschenkelknochen ins Zentrum der Hüftpfannen. Die Belastung der Pfannenränder ist gleichmäßig verteilt. Die Verknöcherung kann optimal – ohne Verformungen – erfolgen. Es bilden sich gut ausgebildete Schenkelköpfe und Hüftpfannen. In anderen Stellungen dagegen, etwa mit hängenden Beinen, drücken die Köpfe der Oberschenkelknochen an die noch knorpeligen und damit verformbaren Pfannenwände und -ränder, und Verformungen an Oberschenkelknochen-Köpfen und Rändern der Hüftpfannen können die Folge sein.

    Nicht nur die Knochen, auch die Bänder und Muskeln profitieren von der Anhock-Spreiz-Haltung. In dieser sind Muskeln und Bänder der Beine in Ruhestellung und werden nicht gedehnt. Die Bewegung während des Tragens fördert außerdem die Durchblutung von Knochen und Gelenken sowie Muskeln – und damit die raschere und bessere Verknöcherung und frühere Kräftigung der Muskeln.”

    Zur unterstützenden Behandlung von Hüftdysplasie kann das Wickeln mit Stoffwindeln sinnvoll sein

    Das Tragen der Kinder in dieser Haltung fördert ideal die Bildung gesunder Hüften und kann zur Prävention und als unterstützende orthopädische Behandlung eingesetzt werden. Wickeln mit Stoff unterstützt dies zuverlässig. Die festere und breitere Stoffwindel (im Vergleich zur Wegwerfwindel) garantiert eine Spreizung der Beine auch dann wenn das Baby beispielsweise im Kinderwagen oder im Bettchen liegt. Da Babys in den ersten Wochen rasant wachsen können schon kleine Maßnahmen wie breit wickeln einen großen Effekt haben! Hier findet Ihr eine tolle Anleitung falls die von Euch verwendeten Stoffwindeln sehr schmal sind (z.B. bei Pockets oft der Fall) oder Ihr mit Wegwerfwindeln windelt. Im Vergleich zu Wegwerfwindeln sind Stoffwindeln optimal zum breit wickeln.

    Weitere Informationen zum Thema Hüftdysplasie bei Babys findet ihr hier und hier.

    Habt Ihr Eure Babys auch breit gewickelt? Es gibt sicher viele Eltern die sich wegen nicht optimaler Hüftwerte Sorgen machen und ich würde mich freuen, wenn Ihr Lust habt, Eure Geschichte zu teilen. Unsere Kinder hatten super Hüftwerte – und ich hatte mir vorher solche Sorgen gemacht deswegen. Trotzdem habe ich sie breit gewickelt, denn unsere Kinderärztin sagte uns, in Sachsen würde das für Neugeborene generell empfohlen. Das die Stoffwindeln das quasi automatisch machen war mir ja recht 😉

    #breit wickeln, #Stoffwindel, #Stoffwindeln, #wickeln gepostet in: Für Wissbegierige

    Hüftdysplasie: Konsequente Therapie hilft

    Manchmal ist ein Gips nötig

    Bei Lukas reichte eine Spreizschiene nicht. Sein Gelenk war ­ausgerenkt und musste erst einmal in die richtige Position gebracht werden. „Das geht oft nur unter Vollnarkose – und danach muss der Hüftkopf konsequent in der richtigen Stellung bleiben“, erläutert Katrin Schelling. Lukas war zwei Wochen alt, als er seinen ersten Gips bekam. „Das war schrecklich für uns als Eltern“, erinnert sich Sabine Reiter. „Wir hatten große Angst vor dem Eingriff, und Lukas tat uns so leid mit diesem Gips.“ Was für die meisten Eltern der kleinen Patienten schlimm aussieht, stört die Babys in der Regel überhaupt nicht. „Sie liegen ja in derselben Sitz-Hock-Posi­tion wie im Mutterleib und finden das angenehm“, erklärt Orthopädin Schelling. Zwar können sich die Kleinen nur eingeschränkt bewegen, solange sie einen Gips oder eine Schiene tragen. Doch sobald die Hilfsmittel entfernt werden, lernen die Kinder genauso, sich zu drehen, zu krabbeln und zu laufen, wie andere.

    Nach drei Wochen folgte der erste Kontrolltermin, und Lukas’ Gips wurde erneuert. Noch einmal drei Wochen später hatte sich seine Hüfte so gut entwickelt, dass der Gips endgültig entfernt ­wurde. Lukas’ Behandlung war allerdings noch nicht zu Ende, denn der kleine Junge brauchte nun eine Spreizschiene. „Durch den Gips ist die Hüfte stabil geworden, sie muss allerdings noch ausreifen“, erklärt Katrin Schelling. Das dauert einige Wochen.

    Frühe Therapie lohnt sich

    Für Lukas und seine Familie ist die Schiene mittlerweile Routine geworden. „In den ersten Wochen mit Gips aber waren wir total überfordert“, erzählt Sabine Reiter. Wie wickelt man ein Baby mit eingegipsten Beinchen? Klappt das Stillen? Wie passt der Winzling in den Kinderwagen? Diese Fragen beschäftigten die Eltern. „Als wir nach der OP mit dem Auto nach Hause fahren wollten, merkten wir, dass Lukas nicht in die Babyschale passt. Seine Beine standen ab, sein Po hing in der Luft“, sagt die Mutter. Schnell lernten sie, Lukas mit Decken und Handtüchern zu unterpols­tern. „Eigentlich können Eltern ihre Kinder ganz normal behandeln“, ist Ärztin Ihme überzeugt. Zwei Dinge sollten sie allerdings beachten: Man darf die Babys nicht an den Beinen hochziehen und nicht auf die kranke Körperseite legen. Orthopäden empfehlen oft, den Nachwuchs im Tragetuch oder -sack zu tragen, weil die Beuge-Spreiz-Haltung das Reifen der Hüftgelenkpfannen fördert. „Das ist kein Therapieersatz, aber eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Ihme.

    Bald braucht Lukas keine Schiene mehr. Dennoch muss er noch ein paarmal zur Kontrolle: wenn er laufen lernt, im Kindergartenalter und vor der Pubertät. So können Ärzte mögliche Langzeitschäden erkennen. Bei einer frühen Therapie aber sind diese sehr selten. Lukas’ Mutter sagt: „Dank der Behandlung kann Lukas später Fußball spielen, so viel er möchte – ohne Schmerzen.“

    * Name von der Redaktion geändert

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.