Weihnachten für kinder

von Tanja Lindauer

Fast jeder Mensch auf der Welt kennt Weihnachten, das auch „Fest der Liebe“ genannt wird. Viele Menschen mögen die Adventszeit, weil sie in der kalten Jahreszeit für ein wenig Gemütlichkeit sorgt – man geht zusammen auf den Weihnachtsmarkt, zündet Kerzen an, Kinder basteln Sterne und backen Plätzchen. Weihnachten ist für viele ein ganz besonderes Fest, was gemeinsam mit der Familie gefeiert wird. Und nicht zu vergessen die Geschenke, über die sich besonders die Kinder freuen. Aber warum feiern wir überhaupt Weihnachten – und hat man das Fest bei uns schon immer so wie heute gefeiert? Was hat es mit den verschiedenen Weihnachtsbräuchen auf sich?

ANZEIGEDarstellung der Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem (Quelle: Giotto di Bondone)

Weihnachten ist das Fest, an dem fast zwei Milliarden Christen jährlich die Geburt von Jesus Christus feiern. Im Christentum gehört Weihnachten zu den wichtigsten Feiertagen im Jahr. Jesus ist nach christlichem Glauben der Sohn Gottes – er war auserwählt, die Menschen von ihren Sünden zu erlösen. Daher nannten seine Anhänger ihn auch Christus, was so viel bedeutet wie der Gesalbte oder der Erlöser. Mit Weihnachten feiert man also auch die „Menschwerdung Gottes“ in Jesus.

Im Allgemeinen wird gesagt, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde. Schaut man sich aber die Evangelien in der Bibel an, dann findet man dieses Datum nirgends geschrieben. Das genaue Geburtsdatum von Jesus Christus ist nicht bekannt, wurde später von der Kirche aber auf den 25. Dezember gelegt. Aber warum ausgerechnet im Dezember? Dann ist es bei uns dunkel und kalt, es ist ein ungemütlicher Monat und die kalte Jahreszeit mögen viele Menschen nicht. Ohne Licht kann nichts wachsen und gedeihen, es kann kein Leben entstehen. Ab Ende Dezember werden die Tage aber langsam wieder länger und die Nächte kürzer. In allen Kulturen, seien es Perser, Römer, Kelten oder Germanen, wurde daher die Sonnenwende gefeiert. Am 25. Dezember feierte man, dass der Tag wieder die Herrschaft über die Nacht übernahm. Heute ist dies der 21. Dezember, diese Zeitversetzung kam durch eine Reform des Kalendersystems im 16. Jahrhundert zustande.

Zudem gab es bei den Römern einen Sonnengott, dessen Ehrentag auch auf den 25. Dezember fiel. Der Gott Sol war so gesehen eine Art „Konkurrent“ zu Christus. Die Christen wollten die Geburt Jesu als einen Feiertag begehen und legten schließlich den 25. Dezember als diesen Tag fest. Sol invictus, so hieß der Sonnengott, wurde damit ersetzt. Die Kirche wählte diesen Tag aber nicht nur wegen der Konkurrenz, sondern auch, weil man Jesus als Lichtbringer und Heiland ansah. Er selbst soll einmal gesagt haben: „Ich bin das Licht der Welt.“ Es gibt aber eine noch viel einfachere Erklärung für dieses Datum: Am 25. März soll der Jungfrau Maria die Geburt ihres Sohnes durch den Engel Gabriel verkündet worden sein. Wenn Jesus also genau neun Monate später zur Welt kam, fällt das Datum seiner Geburt auf den 25. Dezember.

Tannenbäume als Symbol des Lebens

Zu Weihnachten werden alleine für den deutschen Markt fast 29 Millionen Tannen gefällt. Will man auf den Baum nicht verzichten, empfiehlt es sich, auf einen umweltfreundlichen Anbau zu achten. (Quelle: Blake Wile/ Wikimeda Commons)

Viele Menschen feiern heute Weihnachten, obwohl sie eigentlich keine gläubigen Christen sind. Die Advents- und Weihnachtsbräuche haben zwar christliche Wurzeln, für nicht wenige Menschen in den westlichen Ländern ist Weihnachten mittlerweile aber eher ein kulturelles als ein religiöses Fest. Einige kritisieren auch, dass die ursprünglich christliche Familienfeier immer mehr zum „Konsumfest“ geworden sei, bei dem vor allem das Weihnachtsgeschäft und die Geschenke im Vordergrund stünden.

Zu Weihnachten schmücken viele Menschen einen Baum – die Dekoration kann dabei je nach Geschmack unterschiedlich ausfallen. Die meisten Leute kaufen dafür extra eine Weihnachtstanne im Geschäft – allein für den Markt in Deutschland werden jährlich etwa 29 Millionen Tannen gefällt. Eigentlich erwartet die meisten Weihnachtsbäume ein eher trauriges Schicksal, denn nach höchstens zwei Wochen werden ihre Überreste auf den Müll geworfen. Aus Sicht des Umweltschutzes empfiehlt es sich, beim Kauf zumindest auf einen ökologischen Anbau zu achten. Noch besser ist es, eine kleine Tanne im Topf zu kaufen und später auszupflanzen. Immer mehr umweltbewusste Menschen verwenden auch Alternativen zum Baum wie geschmückte Tannenzweige, Zimmerpflanzen oder einen wiederverwendbaren Baumersatz – zum Beispiel aus Holz.

Aber was hat der Baumschmuck überhaupt mit Weihnachten zu tun? Die Germanen kannten Weihnachten noch nicht, sie haben stattdessen die Sonnwende gefeiert. Am kürzesten Tag des Jahres verbrannten sie Holzstücke und Holzräder, die ihnen wichtig waren. Die Asche streuten sie dann auf die Felder und in die Ställe. So sollten die Felder fruchtbar gemacht und die Tiere und Menschen vor Krankheiten geschützt werden. Bäume, vor allem Nadelbäume, die immer grün sind, galten damals als ein Symbol des Lebens. Denn auch im Winter, wenn keine Pflanze mehr blüht, sind die Nadeln dieser Bäume grün.

Aus Zweigen wurden geschmückte Christbäume

Heute gibt es ganz viele verschiedene Sorten von Weihnachtsbaumschmuck. In der Schweiz hat man früher sogar Käse als Schmuck verwendet. (Quelle: Grace Winter/ pixelio.de)

Auch im antiken Rom schenkte man sich zu besonderen Anlässen Zweige und Kränze von Nadelbäumen. Sie sollten Schutz und Glück bringen. Allmählich breitete sich dann das Christentum immer weiter aus und die Bäume wurden immer mehr mit dem Baum des Lebens aus dem Paradies in Verbindung gebracht. Der Baum galt als Zeichen des ewigen Lebens. Zunächst übernahm man nur die Sitte der alten Römer, Zweige von Nadelbäumen an Häuser anzubringen, um sich so vor Unheil zu schützen.

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts sammelte man immer mehr Zweige und schließlich setzte es sich durch, einen gesamten Baum aus dem Wald zu holen. Damit es festlicher wurde, fing man an, den Baum zu schmücken. Bereits 1419 sollen Bäckersgesellen in Freiburg im Breisgau Obst, Lebkuchen und Nüsse an einen Baum gehängt haben. Zunächst stand der Baum draußen vor der Tür oder auf einem Platz, erst um 1800 wurde er in die Wohnzimmer geholt. Zuerst hing der Baum noch kopfüber von der Decke – man hat den Baum also, wie zuvor die Zweige, einfach aufgehängt.

Natürlich war die Entwicklung nicht allen Christen recht, denn eigentlich war es ja ein heidnischer, also nicht-christlicher, Brauch. Martin Luther aber setzte sich für den Weihnachtsbaum ein – durch ihn wurde der Christbaum schließlich in ganz Deutschland berühmt. Und auch die restlichen Länder Europas machten schon bald Bekanntschaft mit dem Weihnachtsbaum – 1840 ließ die englische Königin Victoria in England den ersten Weihnachtsbaum schmücken. 30 Jahre später kam der Nadelbaum dann in Frankreich in Mode. Mit den europäischen Auswanderern kam der Nadelbaum nach Nordamerika und war auch jenseits von Europa zunehmend ein fester Bestandteil von Weihnachten. Bald darauf war er auf der ganzen Welt bekannt.

Anfangs verwendete man als Christbaumschmuck alles, was man zur Hand hatte. In der Schweiz wurde er zum Beispiel zunächst mit Äpfeln und Käse dekoriert. Um 1650 schmückten die Fürsten ihre Bäume mit Puppen, Kleidern und sogar Silberschmuck. Das Volk konnte sich es natürlich nicht leisten, Silberschmuck oder Puppen als Dekoration zu verwenden, und daher begann man, eigenen Schmuck zu entwerfen und zu basteln. Mit dem Aufkommen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde dann auch Christbaumschmuck hergestellt und verkauft. Und schließlich entwarf man Ende des 19. Jahrhunderts die Christbaumspitze. Je nach Region gab es als Spitze zum Beispiel einen Hahn (Pfalz), Rauschgoldengel (Nürnberg) oder eine Glasspitze (Gablonz, Tschechien).

Weihnachtsmann, Nikolaus und Christkind

ANZEIGEDas klassische nordamerikanische Bild von Santa Claus: ein alter Mann mit Bart im rot-weißen Mantel und Weihnachtsmütze (Quelle: Jonathan G Meath/ Wikimedia Commons)

Zu Weihnachten gehören natürlich auch der Weihnachtsmann und das Christkind dazu – sie sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Festes. Dabei haben sie noch gar keine lange Tradition, auf die sie zurückblicken können. Das Christkind als Mädchen mit weißem Kleid und Schleier geht vermutlich auf Martin Luther zurück – es sollte statt des Heiligen Nikolaus die Geschenke bringen. Die Figur vom Weihnachtsmann ist noch viel jünger – in dem Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von Hoffmann von Fallersleben wird er 1835 erstmals erwähnt. Unser heutiges Bild vom Weihnachtsmann ist dabei maßgeblich von den USA geprägt.

Der Begriff „Weihnachten“ setzt sich übrigens aus zwei Wortbestandteilen zusammen, nämlich aus „Weih“ und „Nachten“. Das erste Wort lässt sich vom germanischen „wiha“ ableiten und bedeutet heilig. Und Nachten lässt sich von Nächten ableiten, es handelt sich also um die heiligen Nächte. Der Begriff hat seinen Ursprung auch im Heidentum und eine Verbindung zu den Rauhnächten ist zu erkennen. Dabei handelt es sich um die zwölf Nächte vom 24. Dezember an, in denen die Menschen mit Ritualen und Messen der Priester und Druiden vor der Finsternis geschützt werden sollten.

Weihnachtskrippen und -pyramiden

Eine große Weihnachtspyramide auf dem Adventsmarkt (Quelle: Gabi Schoenemann/ pixelio.de)

Zu Weihnachten stellen viele Menschen auch eine Krippe auf. Weihnachtliche Krippen stellen die Geburt Jesu und verschiedene Szenen aus seinem Leben dar. Die erste Weihnachtskrippe wurde 1562 aufgestellt und schon bald setzte sich die Krippe als feste Weihnachtstradition durch. Heute sind die Neapolitanischen Krippen die berühmtesten und aufwändigsten auf der Welt.

Bevor der Weihnachtsbaum zum Symbol für Weihnachten wurde, war es zunächst noch die Krippe. Heute wird manchmal schon in der Adventszeit die Krippe aufgestellt und viele Figuren werden schon platziert, aber erst am 24. Dezember wird das Christkind in der Krippe gezeigt. Neben Maria, Joseph und Jesus werden häufig auch die Heiligen Drei Könige und Tiere wie ein Ochse und ein Esel dargestellt.

Die Weihnachtspyramide hat sich wahrscheinlich aus der Dresdner Pyramide heraus entwickelt. Die Dresdner Variante besteht aus vier Stäben, die mit Papier umwickelt sind. Im Erzgebirge nahm man diese Pyramide zum Vorbild und schnitzte dann Weihnachtspyramiden. Auf den Stockwerken werden verschiedene Alltagssituationen und weihnachtliche Szenen dargestellt. Oben auf der Pyramide ist ein Flügelrad angebracht, das durch die aufsteigende Hitze der Kerzen anfängt, sich zu drehen.

Bekannte und ungewöhnliche Weihnachtsbräuche

Alle Kinder freuen sich bei uns am Heiligen Abend auf die Geschenke. (Quelle: J. Ulrich/ Wikimedia Commons)

An Heiligabend, also am 24. Dezember, findet die Bescherung in vielen Familien am späten Nachmittag oder frühen Abend statt. Die Kinder werden dann hereingerufen und dürfen unterm Baum die Geschenke auspacken. Anschließend wird gegessen und in der Nacht gehen viele Familien zusammen zur Mitternachtsmesse, häufig nennt man sie auch Christmette. Sie beginnt, wie der Name schon vermuten lässt, um Mitternacht. Das war aber nicht immer so, im 17. und 18. Jahrhundert fand sie meistens am Morgen des Weihnachtstages statt. Auch heute gibt es noch Regionen, an denen die Messe morgens abgehalten wird. In der Messe wird je nach Zeitpunkt ein Evangelium vorgetragen – in der Nacht die Botschaft von Jesu Geburt und morgens, bei der Hirtenmesse, wird von der Erscheinung der Engel vor den Hirten erzählt.

Ein weiterer Brauch zu Weihnachten ist das Singen von Weihnachtsliedern. Bestimmt kennst du auch das eine oder andere Weihnachtslied. Am Heiligen Abend und am ersten und zweiten Weihnachtstag wird in vielen Familien musiziert und gesungen. Das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ soll das bekannteste Weihnachtslied der Welt sein. Es wurde in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt.

Ein eher wenig verbreiteter Brauch ist das Erzählen von Gruselgeschichten. Vor allem in Norddeutschland vertreibt man sich die Zeit vor der Bescherung mit gruseligen Geschichten. So erzählt man sich zum Beispiel die Geschichte von dem Mann mit dem Kopf unter dem Arm. Ein weiterer ungewöhnlicher Brauch ist die Weihnachtsgurke, die aus den USA den Weg zu uns gefunden hat. Sie kann als Baumschmuck im Geschäft gekauft werden und wird vor der Bescherung heimlich an den Weihnachtsbaum gehängt. Derjenige, der zuerst die Weihnachtsgurke am Baum findet, erhält noch ein zusätzliches Geschenk. Die Gurke zu finden ist nicht ganz so einfach, da sie ebenso grün ist wie der Baum. Wie diese Tradition entstand, ist nicht klar. In den USA heißt es häufig, es handle sich um einen deutschen Brauch – doch hier sind bislang noch keine Wurzeln ausfindig gemacht worden.

Das Festmahl zu Weihnachten

Zu Weihnachten wird in den meisten Familien ein großes Festmahl serviert. (Quelle: pandi/ pixelio.de)

Zu Weihnachten gibt es natürlich auch immer ein Festessen. In manchen Gegenden wird es bereits an Heiligabend serviert. Oftmals gibt es eine Weihnachtsgans oder einen Karpfen. Die Tradition der Gans hängt mit der Martinsgans zusammen. Denn mit der Gans zu Sankt Martin beginnt eine Fastenzeit, die mit der Weihnachtsgans wieder endet. Im Mittelalter war das traditionelle Festmahl zu Weihnachten aber noch das Mettenmahl oder die Mettensau. Dabei handelte es sich um einen Schweinebraten, der am 25. Dezember nach der Messe verspeist wurde. Der 24. Dezember war ein Fastentag, und daher wurde an diesem Tag „nur“ ein Karpfen gegessen. Im Mittelalter gab es aber sehr viele arme Menschen, die sich solch ein Festmahl nicht leisten konnten. Bei ihnen gab es meistens Brot oder Gemüse mit Blut- oder Leberwurst.

Manche Menschen servieren auch heute noch das Festmahl am 25. Dezember. An Heiligabend gibt es bei ihnen oft weniger aufwändige Mahlzeiten wie Würstchen mit Kartoffelsalat oder immer häufiger auch vegetarische Gerichte ohne Fleisch. Zunehmend mehr Menschen lehnen auch die Weihnachtsgans ab, da gerade zu Weihnachten millionenfach Gänse geschlachtet werden und diese meist aus Massentierhaltung stammen und unter Qualen gehalten und getötet werden. Will man auf seinen Gänsebraten nicht verzichten, empfiehlt es sich, zumindest eine Gans aus Öko-Haltung zu kaufen.

Co-Autorin: Britta Pawlak
letzte Aktualisierung: 25.11.2017 Wenn dir ein Fehler im Artikel auffällt, schreib‘ uns eine E-Mail an [email protected] Hat dir der Artikel gefallen? Unten kannst du eine Bewertung abgeben.

Warum feiern wir Weihnachten?

Wenn die ersten Weihnachtsmärkte in der Adventszeit eröffnen, dann steht das sogenannte Fest der Liebe kurz bevor. Doch warum feiern wir Weihnachten eigentlich? Worin genau liegt der Ursprung von Weihnachten und was hat es mit dem Weihnachtsmann auf sich? Wir haben viele interessante Fakten rund um das Thema Weihnachten zusammengestellt.

Der Ursprung von Weihnachten – Wie alles begann

Weihnachten ist ein ursprünglich rein christliches Fest, bei dem die Geburt von Jesus Christus gefeiert wird. Den Erzählungen der Bibel zufolge begann die Geburtsgeschichte von Jesus mit einer Engelserscheinung. Maria, Jesus Mutter, erschien ein Engel, der ihr prophezeite, sie brächte den Sohn Gottes zur Welt. Kaiser Augustus ordnete kurze Zeit später eine Volkszählung an und schickte die schwangere Maria und ihren Josef nach Bethlehem, wo Jesus später zur Welt kam. Den Erzählungen weiter zufolge erschien einigen Hirten ganz in der Nähe ein Engel, der ihnen die Geburt des Messias, also des Heilsbringers verkündete. Die Hirten machten sich auf den Weg in den besagten Stall nach Bethlehem und feierten der Bibel nach mit Maria und Josef die Geburt ihres Sohnes Jesus Christus.

Was bedeuten die einzelnen Weihnachtsfeiertage?

Das exakte Geburtsdatum von Jesus Christus findet man nicht in der Bibel. Viel wichtiger war es zu dieser Zeit, anstelle des Geburtsdatums das Todesdatum festzuhalten. Dennoch legte Papst Julius I. im 4. Jahrhundert den 25. Dezember als Geburtstag von Jesus Christus fest. Zu dieser Zeit feierten die Menschen generell gern, um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen. Eines der beliebtesten Feste zu dieser Zeit war die Ehrung der Römer ihres Sonnengottes. Die Kirche entschied, die Symbolik des Lichtes aufzugreifen und diesen Tag fortan als Jesus Geburtstag zu sehen. Noch heute bezeichnen wir Jesus daher häufig als Lichtbringer. So wird der 24. Dezember in vielen Ländern als der Heilige Abend vor Weihnachten angesehen, während das eigentliche Weihnachtsfest am 25. Dezember zelebriert wird. Der 26. Dezember wird hingegen nur genutzt, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Wie entstand der Mythos Weihnachtsmann?

Das weihnachtliche Fest der Liebe wurde im Laufe der Jahrhunderte immer populärer. Im Mittelalter bekamen die Kinder am Nikolaustag Geschenke. Doch durch die Protestanten, vor allem durch Martin Luther änderte sich der Tag der Bescherung auf Weihnachten. Luther fand, dass künftig keine Heiligen wie der heilige Nikolaus mehr verehrt werden sollten. Vielmehr war er der Meinung, die Gaben sollten vom Heiligen Geist kommen. Kurzerhand erfand Luther das Christkind als engelsgleiche Figur in einem weißen Kleid, um seine Meinung zu untermauern.

Die Figur des Weihnachtsmannes hingegen entwickelte sich aus der Figur des heiligen Nikolauses von Myra, so vermuten es die Experten. Dieser beschenkte die braven Kinder und bestrafte die frechen. Die heutige Darstellung des Weihnachtsmannes, der als gütiger Mann im roten Mantel und mit einem weißen Bart die Kinder beschenkt, basiert ausschließlich auf einem Werbespot. Im Jahre 1931 erweckte ein Getränkehersteller die Figur des Santa Claus, der – passend zu den Farben des eigenen Coca-Cola-Logos – in Rot gekleidet war.

Heutzutage kommt in den meisten evangelischen Familien der Weihnachtsmann und in den katholischen Regionen bringt das Christkind den Kindern die Geschenke.

Warum stellen wir uns einen Tannenbaum zu Weihnachten auf?

Die Tradition des Baumes zu Weihnachten geht auf das antike Rom zurück, in dem man sich zu besonderen Anlässen Zweige sowie Kränze von Nadelbäumen schenkte. Diese sollten den Beschenkten gleichermaßen Glück und Schutz bringen. Schon damals galt der Baum als Zeichen des ewigen Lebens. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts setzte sich die Tradition durch, statt einzelner Zweige einen ganzen Baum als Weihnachtsdekoration vor der Tür zu nutzen. Zur festlichen Dekoration wurde der Baum damals schon geschmückt, wenn auch anfangs nur mit Nüssen, Lebkuchen oder Obst. Um 1800 herum entwickelte sich die Tradition, den Baum zu Weihnachten in das Wohnzimmer zu holen – anfänglich noch kopfüber von der Decke hängend, wie zuvor die Zweige.

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Wie Deutschland Weihnachten feiert

Wie verläuft ein typisch deutsches Weihnachtsfest?

In Deutschland gibt es zwei Weihnachtsfeiertage, den 25. und den 26. Dezember. Der 24. Dezember, Heiligabend, teilt sich für viele in einen hektischen Vormittag und einen festlichen Teil am Abend. Fällt Heiligabend auf einen Werktag, sind die Geschäfte bis Mittag geöffnet, und es herrscht Hochbetrieb, wenn letzte Geschenke oder Lebensmittel für das Festessen besorgt werden. Danach gilt es, den Weihnachtsbaum mit Lichterketten und bunten Kugeln zu schmücken, Geschenke zu verpacken und das Essen vorzubereiten.

Am frühen Abend kommen die Familien zusammen. Manche pflegen Traditionen wie gemeinsames Singen oder Musizieren. Nach dem Essen folgt die Bescherung: Dann dürfen die Päckchen, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, ausgepackt werden. Kinder hatten schon Wochen vor Weihnachten einen Wunschzettel ans Christkind geschrieben und warten aufgeregt, ob sich ihre Wünsche erfüllen.

Junge Leute, die über die Feiertage in ihren Heimatort zurückgekehrt sind, ziehen oft zu später Stunde noch einmal los, um alte Freunde zu treffen.

Warum essen Deutsche an Heiligabend Kartoffelsalat?

In alter christlicher Tradition war vom Martinstag am 11. November bis 24. Dezember Fastenzeit. Deshalb kommt an Heiligabend ein einfaches Gericht auf den Tisch, zum Beispiel Karpfen, denn Fisch ist die symbolische Fastenspeise. Aber am beliebtesten im ganzen Land ist Kartoffelsalat mit Würstchen; das gibt es laut einer Umfrage von 2016 bei fast jedem zweiten Deutschen.

Am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag wird am festlich gedeckten Tisch üppig geschlemmt. Das traditionelle Weihnachtsessen ist Gänsebraten mit Kartoffelklößen und Rotkohl.

Weihnachten: Wo das Christkind wirklich herkommt

Mit dem Christkind ist es eigenartig: Es ist eine Erfindung der Protestanten, gilt heute aber vor allem in katholisch geprägten Gegenden als weihnachtliche Symbolfigur. Den Mythos vom Weihnachtsmann schufen ebenfalls die Protestanten. Aber warum? Auf der Suche nach einer Antwort kommt man am Heiligen Nikolaus nicht vorbei.
Zuerst war nämlich er für das Schenken zuständig. Die Kirchenlegenden um ihn reichen bis in das 6. Jahrhundert zurück. Ursprünglich gab es zum Nikolaustag am 6. Dezember die Geschenke. Das änderte sich erst mit der Reformation: Die Heiligenverehrung war den Protestanten suspekt, also brachen sie mit ihr. Sankt Nikolaus hatte ausgedient, auf den Brauch des Schenkens wollte aber dennoch niemand verzichten. So wurde das Christkind im 16. Jahrhundert als Ersatz für Sankt Nikolaus erfunden, um die Verehrung des Heiligen einzudämmen.

Christkind als Nikolaus-Begleiter
Anfangs tauchte das Christkind noch gemeinsam mit Sankt Nikolaus auf, wie der Volkskundler Lars Winterberg von der Universität Bonn erklärt. Er bezieht sich auf Veröffentlichungen, in denen Martin Luther selbst einen Zusammenhang herstellte. So heißt es in den Schriften des Reformators, die Kinder müssten am 5. Dezember „ir Kleiderlin des nachts ausbreiten, jn das Christkindlein odder Sanct Nicolas bescheren soll“. Einige Autoren meinen sogar, dass Luther das Christkind erfunden habe. Hierzu gibt es allerdings keinen Beleg, die These ist umstritten.

Im Lauf der Zeit verlagerte sich der Brauch des Schenkens vom Nikolaustag auf den ersten Weihnachtstag, beziehungsweise auf dessen Vorabend, den 24. Dezember. Die Katholiken behielten relativ lange das Schenken am Nikolaustag bei. Erst vor gut 100 Jahren setzte sich bei ihnen das „evangelische“ Christkind durch. Zur gleichen Zeit löste bei den Protestanten der Weihnachtsmann das Christkind ab – weshalb heute nur mehr Kindern in überwiegend katholisch geprägten Gegenden erzählt wird, es würde die Geschenke bringen.
Popstar Weihnachtsmann
„Der wie das Christkind im 16. Jahrhundert entstandene Weihnachtsmann verfügt über keinerlei christlich-biblischen Hintergrund und ist somit ein rein populär-kulturelles Kunstprodukt“, erklärt Winterberg. Die äußere Erscheinung geht auf Darstellungen des Heiligen Nikolaus zurück, hat sich aber in seiner Entwicklung mehrmals gewandelt. So entwickelte sich die Figur etwa als Personifikation des Winters zum Väterchen Frost, wie man ihn heute noch in Russland kennt. Im 18. und 19. Jahrhundert bekam er eine Rute und wurde zum Instrument bürgerlicher Pädagogik.
Das Bild des heute weltweit bekannten Alten mit dem Rauschebart, der in rot-weißem Kostüm die weihnachtlichen Gaben bringt, verdankt seine Popularität einer Werbekampagne des amerikanischen Coca-Cola-Konzerns aus dem Jahr 1932. Laut Winterberg griff der Konzern dabei auf bereits bekannte Darstellungen zurück, etwa auf Weihnachtsillustrationen des US-Grafikers Thomas Nast in der Zeitschrift „Hapers Weekly“ in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Werbung wirkt: Die Coca-Cola-Variante des Weihnachtsmannbilds hat sich als langlebig erwiesen und das Christkind als Gabenbringer in vielen Regionen abgelöst.

Nikolaus, Christkind, Weihnachtsmann – wer kommt wo und wann?

Nikolaus, Weihnachtsmann und das Christkind sind drei Typen mit einer Mission – und einer gemeinsamen Vergangenheit. Die nimmt ihren Ursprung im vierten Jahrhundert:

Nikolaus von Myra, Bischof in Lykien (der heutigen Türkei), war bereits zu Lebzeiten Legende: Die Menschen verehren Nikolaus für seine Wohltaten und Wunder. Am 6. Dezember um 350 n. Chr. stirbt Nikolaus. Er wird der Schutzpatron der Seefahrer und Kinder. Der Kult um seine Person verbreitet sich in ganz Europa; unzählige Kirchen werden ihm geweiht. Noch heute feiern die Griechen ihn als Nationalheiligen.

Im 14. Jahrhundert kennt man noch keine Bescherung am 24. Dezember, Weihnachten ist ein rein kirchliches Fest. Doch um 1300 entwickelt sich der Brauch des Nikolaus. Der Bischof gilt als heimlicher Gabenbringer für die Kinder am 6. Dezember. Der neue christliche Kult mischt sich mit alten Winterbräuchen. In deutschen Städten gibt es zu Nikolaus Prozessionen, im Gefolge maskierte Menschen: Engelchen, Teufel, und heidnische Schreckgestalten.

Martin Luther räumt auf und bringt statt Nikolaus das Christkind ins Spiel

Für den Reformator Martin Luther ist im 16. Jahrhundert die Heiligenverehrung des Nikolaus ein „kyndisch Ding“. Er fordert, nur Weihnachten, also die Geburt des „Heiligen Christ“, am 25. Dezember zu feiern. Damit die Kinder dennoch Gaben bekommen, sollen sie diese von nun an vom „Christkind“ erhalten.

Luthers Idee vom Christkind verbreitet sich zunächst nur in protestantischen Ländern, später wird sie auch in katholischen Regionen populär. Heutzutage beschenkt das Christkind fast ausschließlich die Kinder in katholischen Gegenden, mal als Jesuskind, mal als engelsgleiches Wesen mit weiblichen Zügen.

Auch der Nikolaus überlebt – und bekommt Konkurrenz vom Weihnachtsmann

Trotz Luthers Kritik lebt der Nikolausbrauch fort. Neu ist das Einkehren: Als gütiger Bischof kommt Nikolaus in die Häuser und bringt den Kindern kleine Gaben. Die heidnischen Gestalten treten nun als strafende Begleiter an seine Seite, je nach Region wechseln ihre Masken und Namen: Knecht Ruprecht, Krampus, Hans Muff, Pelzprecht, Hans Trapp.

Langsam verschmelzen die Charaktere der gabenbringenden Figuren ab dem 18. Jahrhundert zu einem Darsteller: dem Weihnachtsmann, der nun vor allem den Protestanten die Geschenke zum Christfest bringt. Erst im 20. Jahrhundert setzt sich das Bild vom gemütlichen, dicken, alten Mann im rot-weißen Gewand – der optisch noch stark an den Nikolaus erinnert – auch in Deutschland durch.

Deutschland heute: Weihnachtsmann und Christkind teilen sich den Job, Nikolaus kommt früher

Wie Geschwister teilen sich Christkind und Weihnachtsmann heutzutage ihre Aufgabe entlang der Konfessionsgrenzen: Der Weihnachtsmann schenkt an Heiligabend im Norden und Osten, das Christkind überwiegend im Süden. Sehnsüchtig erwartet werden beide. Der Nikolaus ist quasi die Vorhut und kommt mancherorts bereits am 6. Dezember, dem Nikolaustag zu den Kindern.

Niederlande: Sinterklaas und „Zwarter Piet“

Die Niederländer halten, trotz protestantischer Kultur, an ihrer Figur des Nikolaus fest: Sinterklaas. Er bringt, begleitet vom politisch umstrittenen „Zwarten Piet“, den Kindern Geschenke am Abend des 5. Dezember. Bis heute ist der Nikolaustag im Nachbarland der Höhepunkt der Weihnachtszeit und Hauptgeschenketag. Weil danach viele Preise purzeln, nutzten viele Deutsche die Gelegenheit und kaufen ihre Weihnachtsgeschenke im Nachbarland.

USA: Santa Claus rauscht durch den Kamin

Die Holländer bringen Sinterklaas nach Amerika, als Santa Claus wird er dort ab Mitte des 19. Jahrhunderts populär. Ein deutschstämmiger Karikaturist zeichnet ihn: fröhlich, dick, mit Rauschebart, später auch im roten Gewand. Coca-Cola schickt dieses Bild in Werbekampagnen um die ganze Welt. „Santa“, der in der Nacht zum 25. Dezember durch den Kamin rauscht, drängt sich mittlerweile weltweit in die Wohnzimmer.

Russland: Väterchen Frost kommt ein paar Tage später

Aus altem Volksglauben, nicht aus der Tradition des Nikolaus stammt Väterchen Frost, eine heidnischstrenge Erscheinung, die alles zu Eis gefrieren lassen kann. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts tritt er als würdiger Großvater im eisblauen Gewand auf. Von den Kommunisten zunächst als „Kapitalist“ abgelehnt, ist er seit den 30er Jahren offiziell so etwas wie der sowjetische Weihnachtsmann, der in der Silvesternacht Gaben bringt. Heute begleitet ihn das Schneemädchen.

Nikolaus, Christkind, Weihnachtsmann: Eine anschauliche Übersicht über die Geschichte der Geschenkebringer finden Sie unten in der großen stern-Grafik:

Warum kommt zu Weihnachten das Christkind?

Wer hat das Christkind erfunden?

Das Christkind hat sogar Eltern. Um genauer zu sein, einen Vater: Martin Luther gilt als Erfinder des Christkinds. Der Reformator störte sich an der Heiligenverehrung der katholischen Kirche, auch mit Blick auf Weihnachten. Vor Luther beschenkte der heilige Bischof von Myra – besser bekannt als Nikolaus -– am 6. Dezember die Kinder. Luther war der heilige Nikolaus ein Dorn im Auge. Als protestantischer Gegenentwurf entstand deshalb das Christkind mit seinen Flügeln und seinem weißen Gewand. Es verbreitete sich gerade in lutherischen Städten wie Nürnberg besonders schnell. Eine Folge dieser Entwicklung ist der berühmte Nürnberger Christkindlesmarkt. Heute sind unsere Wohnzimmer an Weihnachten fest in der Hand des Christkindes. Der Nikolaus beschert nach wie vor Kinder – und auch Erwachsene – am 6. Dezember mit kleinen Gaben. Sein Einfluss ist jedoch durch das Christkind geschrumpft.

Was hat der Weihnachtsmann mit dem Christkind zu tun?

Anders als Nikolaus und Christkind hat der Weihnachtsmann keinen religiösen Ursprung. Er ist kümmert sich seit einiger Zeit in Mittel- und Norddeutschlands und Teilen Ostdeutschland umd die Weihnachtsgeschenke. Besonders bekannt ist die Figur mit dem Rauschebart als Werbefigur des Coca-Cola-Konzerns. Der Getränkehersteller setzte die Figur zum ersten Mal im Jahr 1931 in einer Kampagne ein.

Ist das Christkind wirklich eine Frau?

Das Christkind wird als Mädchen mit Engelsflügeln dargestellt. Es ist also nicht mit dem männlichen Jesuskind identisch. Das Christkind ist vielmehr ein Symbol für Reinheit und Unschuld, die sich auch in seinem weißen Kleid ausdrücken.

Welche schönen Weihnachtsbräuche gibt es mit dem Christkind?

In seiner langjährigen Geschichte hat das Christkind viele Künstler inspiriert. Unsere Tipp: Tragen Sie im Familienkreis ein paar Weihnachtsgedichte vor. Haben Sie noch Fragen zu Christkind, den Nikolaus und andere beschaulichen Weihnachtsbräuchen? Mit unserem kostenlosen Weihnachts-Downloadkit sind Sie und Ihre Kinder für die Festtage gerüstet.

Weihnachtsmann vs. Christkind
 Kinderfragen zu Weihnachten

Fast alle Fragen beginnen mit Warum – und fast alle sind gar nicht so leicht zu beantworten. Wir haben versucht, für Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zu finden. Aber Achtung: Auf die meisten Fragen gibt es nicht eine richtige Antwort, sondern viele verschiedene Ansätze. Denn Weihnachten ist eine uralte Tradition – und die schaut überall ein bisschen anders aus: Im Süden wird anders gefeiert als im Norden, und jede Familie hat ihre ganz eigenen Rituale an Weihnachten. Für Kinder ist es meist kein Problem, wenn verschiedene Geschichten kursieren, das macht das ganze Weihnachtsfest noch ein bisschen geheimnisvoller und spannender.
Gönnen Sie sich ein paar Minuten Zeit und denken Sie darüber nach, wie Sie Ihrem Kind Weihnachten erklären möchten. Hier einige Ideen von uns!

  • Wie ist das eigentlich mit Weihnachtsmann, Nikolaus und dem Christkind?
  • Wo wohnen Christkind & Co.?
  • Warum schreiben Kinder einen Wunschzettel?
  • Wo kommen die Geschenke her?
  • Warum stellen wir einen Tannenbaum ins Wohnzimmer?
  • Was tun, wenn ältere Geschwister sagen „das Christkind gibt’s doch gar nicht!“
  • Wieso gibt es so viele Weihnachtsmänner?
  • Wie schaffen Christkind und Weihnachtsmann es, in einer Nacht alle Kinder zu beschenken?

Köln –

Wie die Augen strahlen beim Anblick der bunten Geschenke unter dem Tannenbaum. Doch statt glücklicher Gesichter endet die Bescherung oft in einem wahren Geschenkerausch, bei dem Paket nach Paket – eines größer als das andere – wild aufgerissen und sofort wieder zur Seite gelegt wird, um das nächste zu greifen.

Aufgedrehte Kinder hüpfen zwischen einem Berg aus Packpapier herum und fordern immer noch mehr. Kann da überhaupt Freude aufkommen?

Ein Gespräch mit Psychologin Svenja Lüthge aus Kiel.

Die Weihnachtszeit ist ja für Kinder heute ein wahres Geschenke-Feuerwerk: Spielzeug im Adventskalender, Pakete vom Nikolaus und ein Geschenkeberg an Weihnachten. Können Kinder das überhaupt noch schätzen?

Svenja Lüthge: Wenn Eltern ihre Kinder mit Geschenken zuschütten, dann kann das zu viel für sie werden. Sie wissen das Geschenkte dann nicht mehr zu schätzen. Kleinere Kinder kann man damit sogar überfordern. Sie können gar nicht so viel auf einmal spielen. Und freuen sich eher über nur ein großes Geschenk, mit dem sie sofort losspielen können.

Was macht es psychologisch mit einem Kind, wenn es oft mit Geschenken überhäuft wird?

Lüthge: Zu viele Geschenke können Kindern auf jeden Fall schaden. Wenn das Kind schon im Kindergartenalter ständig alles kriegt, was es haben will, dann merkt es sich das. So verstehen Kinder nicht, dass sie auch mal verzichten müssen, lernen keine Frustrationstoleranz. Sie werden verwöhnt und haben keine Wertschätzung mehr für materielle Dinge. Und sie merken, dass Eltern quasi für die Zeit bezahlen, in der sie nicht da sind. Wenn die Kinder dann ins Schulalter kommen, verstehen sie ganz schnell, dass sie nur so viel wert sind, wie das, was sie haben. Sie definieren sich über ihren Status. Diese Kinder werden sehr einsam.

Überhäufen manche Eltern ihre Kinder auch mit einem riesigen Berg an Geschenken, um etwas wieder gut zu machen?

Lüthge: Ja. Das gibt es. Dass Eltern sonst zu wenig Zeit für ihre Kinder haben. Dass sie nur genervt und gestresst sind und das dann mit vielen Geschenken zu kompensieren versuchen. Der Schuss geht aber nach hinten los.

Verstehen Kinder Geschenke als ein Ausdruck dafür, dass sie geliebt werden?

Lüthge: Nein. Kinder haben ein ganz gutes Gespür dafür, wenn Eltern versuchen, über Geschenke fehlende Zeit zu kompensieren. Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Liebe und Zuneigung. All das kann man nicht kaufen, sondern nur geben. Dass Eltern für das Kind da sind, das ist ihm so viel wichtiger, als wenn es alle Playmobil-Häuser der Welt durchgeschenkt bekommt. Für Kinder ist es mehr wert, wenn sie sich in den Arm der Mama kuscheln können und vorgelesen bekommen, als wenn auf dem Nachttisch das neueste Spielzeug liegt.

Und trotzdem haben manche Kinder eine riesige Erwartungshaltung. Wie geht man damit um?

Lüthge: Besonders ältere Kinder sehen vieles in der Werbung oder bei anderen Kindern und wünschen sich dann gerne die ganze Palette rauf und runter. Darüber müssen Eltern schon vor Weihnachten sprechen.

Um Enttäuschungen zu vermeiden? Wie kann man Kindern erklären, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können?

Lüthge: Enttäuschungen sind ja eigentlich immer falsche Erwartungen. Wenn sich also ein Kind ein Pferd wünscht, dürfen Eltern nicht die ganze Weihnachtszeit über sagen: „Mal sehen, was der Weihnachtsmann tun kann“. Kinder glauben ja oft noch daran, dass der alles möglich machen kann. Deshalb müssen die Eltern das realistisch einordnen und klar sagen, dass so ein Wunsch nicht erfüllt werden kann, dass es definitiv zu Weihnachten kein Pony gibt. Wenn das Kind das vorher schon weiß, ist es auch nicht so enttäuscht.

Wie können Eltern dennoch Wünsche der Kinder erfüllen?

Lüthge: Wir haben als Eltern viel Einfluss darauf, was wir schenken und was wir aus dieser gesamten Weihnachtszeit machen. Wenn Eltern in der Adventszeit den Fokus auf Rituale legen, dann können sie ganz viel erfüllen, auch mit wenigen Geschenken. Gemeinsames Plätzchen backen, Weihnachtssingen, Adventsbasteln – das sind alles Dinge, die man nicht kaufen sondern nur arrangieren muss. Und man muss sich vor allem dafür Zeit nehmen.

Trotzdem wollen die Kids ja auch etwas auspacken. Wie findet man das richtige Geschenk?

Lüthge: Schenken soll immer etwas Besonderes sein – auch für uns Erwachsene. Wenn ich ein besonderes Geschenk machen will, gehört auch immer Zeit dazu. Aus psychologischer Sicht ist an Weihnachten immer besonders wichtig, dass der Herzenswunsch des Kindes erfüllt ist.

Der Herzenswunsch ist nicht unbedingt immer das, was ganz oben auf dem Wunschzettel steht. Manchmal wird das von den Kindern gar nicht ausgesprochen. Es können auch Kleinigkeiten sein. Eltern sind Experten für ihre Kinder. Wenn sie sich Zeit nehmen, darauf zu horchen, was die Kinder für Wünsche äußern, dann lässt sich das schnell raushören. Um im Zweifel darf man seine Kinder auch gerne fragen, was der größte Wunsch ist.

Wie können Eltern das Schenken altersgemäß gestalten?

Lüthge: Im Kleinkindalter lautet die Devise: weniger ist mehr. Und je größer das Geschenk, desto besser. Im Kindergartenalter freuen sich Kinder über Spielzeug, mit dem man etwas nachspielen kann. Am schönsten ist es für die kleineren Kinder, wenn sie etwas bekommen, mit dem sie sofort losspielen können.

Im Schulalter wird es schwieriger. Auch weil die Geschenke immer größer werden. Da geht es oft um das Thema Smartphone oder iPad. Man kann dem Kind natürlich diesen Wunsch gerne erfüllen, aber es müsste dann bei dieser einen Sache bleiben. Und Eltern sollten sich Zeit nehmen, das Kind in das neue Gerät einzuweisen.

Wie können Eltern den Geschenkansturm von Verwandten verhindern?

Lüthge: Natürlich wollen Großeltern, Freunde und Paten Kindern gerne eine Freude machen. Das muss aber nicht immer in Form eines Geschenkes zum Auspacken sein. Sie könnten zum Beispiel eine gemeinsame Unternehmung schenken – einen Kinobesuch, ein Picknick, einen Ausflug. Das ist auch etwas, das Kinder glücklich macht.

Eltern sollten sich nicht scheuen, den Verwandten zu kommunizieren, wie sie es haben möchten. Sie sollten freundlich und diplomatisch bleiben, sich bedanken, aber klare Ansagen machen. Wenn Oma und Opa unbedingt das teure iPad schenken wollen, dann könnten Eltern eine Alternative vorschlagen, die weniger kostet und dem Kind trotzdem gefällt. Wollen Verwandte um jeden Preis größere Summen ausgeben, könnten sie das Geld auf einem Konto sammeln, das dem Kind später zugutekommt.

Christkind

Einstiegsinformation

Nürnberger Christkind.

Das Christkind ist eine vor allem in Süd- und Westdeutschland, im Elsass, in Luxemburg, Österreich, Südtirol, der Deutschschweiz, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und in Kroatien sowie in Südbrasilien verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes. Der Erzählung nach kommt das Christkind zu Weihnachten und bringt, ohne gesehen zu werden, die Weihnachtsgeschenke. Es wird häufig als blondgelocktes Kind mit Flügeln und Heiligenschein dargestellt. Umgangssprachlich wird das Christkind häufig mit dem Jesuskind gleichgesetzt.

Geschichte

Im Mittelalter wurden die Kinder am Nikolaustag (6. Dezember) oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) beschenkt; die Bescherung am Heiligabend bzw. am ersten Weihnachtsfeiertag, wie sie heute üblich ist, gab es damals noch nicht. Die Protestanten lehnten jedoch die Heiligenverehrung – und damit auch die Verehrung des heiligen Nikolaus – ab. Daher ersetzte mit hoher Wahrscheinlichkeit Martin Luther im 16. Jahrhundert den Nikolaus durch den „heiligen Christ“ (Jesus Christus) und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember. Andernorts – wie in der reformierten Schweiz – fand die Bescherung bis ins 19. Jahrhundert am Neujahrstag statt. Über die Jahre entwickelte sich die Bezeichnung „Christkind“ und die Vorstellung als engelsgleiche Erscheinung. Das Christkind verselbständigte sich zusehends und die Verbindung zu Jesus Christus wurde immer unklarer. In der reformierten Schweiz wurde es – entsprechend dem hier (früher) gültigen Bescherungstag – denn auch zum Neujahrskind. Die engelsgleiche Darstellung hat ihren Ursprung vermutlich in weihnachtlichen Umzugsbräuchen und Krippenspielen, bei denen häufig eine Engelsschar von einem „Christkind“ angeführt wurde. Das Christkind verbreitete sich zunächst im evangelischen Deutschland. Später breitete sich der Brauch ins Rheinland, dann zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum nach Bayern und Österreich aus.

<br/>Diese Entwicklungslinie wurde aber von zwei entgegenlaufenden gekreuzt: Einerseits wurde das Christkind in Nord- und in Teilen von Mitteldeutschland bei den Protestanten immer mehr vom Weihnachtsmann abgelöst, anderseits verdrängte das Christkind in der Schweiz immer mehr den Nikolaus (Chlaus). So war es nicht nur in der katholischen, sondern auch in Teilen der reformierten Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert der Chlaus, der in den Tagen um Weihnachten oder an Silvester die Geschenke brachte. Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der reformierten Schweiz das Christkind an manchen Orten als „katholisch“ bzw. als Import aus dem katholischen Süddeutschland empfunden. Im 20. Jahrhundert wurde der Nikolaus jedoch auch hier vom Christkind verdrängt. Somit ist das Christkind hauptsächlich einerseits in mehrheitlich katholischen Gebieten wie Österreich, Bayern, den katholischen Teilen Baden-Württembergs und den Rheinlanden, anderseits aber auch in den traditionell evangelischen Regionen Frankens, Baden-Württembergs, der Pfalz und Hessens sowie in der Deutschschweiz überhaupt verbreitet.

Das Christkind in der Gegenwart

Weihnachtspostamt

Viele Kinder schicken in der Vorweihnachtszeit Briefe mit Wünschen an das Christkind. Diese werden besonders im oberösterreichischen Christkindl, einem Steyrer Stadtteil, seit 1950 gesammelt und zumeist auch beantwortet. Dieses Postamt Christkindl ist jedes Jahr geöffnet und versieht die Briefsendungen, die darüber verschickt werden, mit einem Sonderstempel. Pro Jahr erhalten etwa zwei Millionen Sendungen diesen Stempel. Das höchste Christkindl-Postamt Österreichs steht am Pitztaler Gletscher in Tirol auf 3.440 m Höhe. Jedes Jahr von 20.–23. Dezember können Kinder im dortigen Café 3440 ihre Post an das Christkind aufgeben und in den Briefkasten einwerfen.

In Deutschland werden Briefe ans Christkind an eines der Weihnachtspostämter der Deutschen Post AG gerichtet. In der Schweiz beantwortet die Schweizerische Post im Rahmen der Aktion Christkind alljährlich über 17.000 Kinderbriefe, welche ans Christkind oder den Nikolaus geschickt wurden.

Nürnberger Christkind

Nürnberger Christkind.

Anlässlich des Nürnberger Christkindlesmarktes gibt es seit 1933 alljährlich ein Christkind, das bis 1968 von Schauspielern gespielt wurde. Seit 1969 wird alle zwei Jahre eine junge Frau aus der Stadt, die mindestens sechzehn Jahre alt sein muss, zum Christkind gewählt. Im Kostüm eröffnet diese den Christkindlesmarkt in der Stadt und reist anschließend durch Franken, um Weihnachts- und Adventsveranstaltungen zu besuchen.

In der Nürnberger Kostümdarstellung ist das Christkind eine junge Frau mit blondgelockten Haaren, einer Krone und einem weiß-goldenen engelsgleichen Kleid. Das Nürnberger Christkind eröffnet auch den Christkindlesmarkt in Chicago.

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