Was tun BEI dyskalkulie

Inhalte

Informationen für Eltern

  • Vorwort
  • Wieso lernt mein Kind nicht rechnen?
    Was ist in den ersten Schuljahren passiert?
    Hat das Kind denn wirklich nichts gelernt?
  • Treten Sie Vorurteilen entgegen!
    Rechenschwache Kinder sind nicht dumm,
    sie sind auch nicht faul,
    sie sind nur verzweifelt und enttäuscht!
  • Ihr Kind braucht Ihr Verständnis
  • Worin sich Rechenschwäche zeigen kann

Vorwort

Mathematik ist neben Deutsch das wichtigste Fach. Jedes Kind muss rechnen können, um in der Schule weiterzukommen und eine angemessene berufliche Laufbahn einschlagen zu können. Denn die Beherrschung der Grundrechenarten gehört zum unverzichtbaren Wissen eines jeden Menschen – auch und erst recht im Zeitalter des Taschenrechners und Computers. Wer nicht rechnen kann, für den ist auch ein Taschenrechner völlig nutzlos: Er weiß ja nicht einmal, welche Rechenaufgabe er in das kleine Gerät eingeben muss, damit es ausrechnet, was er wissen will.

Anders als im Deutschunterricht, wo manch einer seine Rechtschreibschwäche z.B. durch kreative, lebhafte Beteiligung am Unterricht kompensieren kann, lässt sich beim Rechnen nichts „wettmachen“. Ein Kind kann rechnen oder kann eben nicht rechnen.

Mathematik ist ein streng systematisch aufgebautes Fach. Wer am Anfang nicht mitgekommen ist, für den ist es unmöglich, später bei „passender Gelegenheit“ wieder einzusteigen. Wie soll z.B. ein Kind, das die Addition nur unzureichend verstanden hat, die Multiplikation begreifen, die die Vereinfachung aufeinander folgender Additionen gleicher Summanden ist? Und wie die Subtraktion, die die Umkehrung der Addition ist, und dann noch die Division, die die Umkehrung der Multiplikation ist? In der Mathematik kann man sich Wissenslücken nicht leisten.

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Wieso lernt mein Kind nicht rechnen

Wenn Sie sich als Eltern diese verzweifelte Frage stellen, haben Sie und Ihr Kind vermutlich schon einen längeren Leidensweg hinter sich. Hat Ihr Sohn vielleicht schon im Vorschulalter regelmäßig „abgeschaltet“, sobald es um Zahlen ging? Hat Ihre Tochter anfangs gerne gerechnet – und erst die Lust daran verloren, als sich zunehmend weniger Erfolg einstellte?

„Es muss mehr geübt werden!“ –
war doch sicher auch Ihre Schlussfolgerung. Ab sofort wird daher nachmittags regelmäßig gerechnet. Wobei Sie sich natürlich sehr um Geduld bemühen, denn dass die Zeit zum Spielen verkürzt wird, ist ja schon hart genug. Sie rechnen vor, Ihr Kind rechnet nach. Manchmal klappt das auch, dann wieder nicht.

„Das Kind braucht Nachhilfe!“ –
haben Sie sich vielleicht gesagt. Also übt Ihr Sohn zusätzlich mit einem Nachhilfelehrer. Aber was, wenn nach einer Woche oder spätestens nach der nächsten Mathe-Arbeit von all dem, was Ihr Kind eben noch „konnte“, nichts mehr zu merken ist?

„Hat vielleicht die Schule versagt?“ –
werden Sie sich gefragt haben. Die Lehrerin, der Lehrer wehren ab. Ihnen kann man keinen Vorwurf machen, sie haben getan, was sie konnten. Und das stimmt auch: In der 1. Klasse der Grundschule werden schließlich 20 – 30 Kinder zusammengewürfelt, die im Alter noch ziemlich gleich sein mögen, in ihrem Zahlenverständnis hingegen total verschieden. Da gibt es Kinder, die sich im Zahlenraum bis 20 bereits zurechtfinden, und andere, die noch nicht bis 3 zählen können. Niemand, und sei er noch so engagiert, ist in der Lage, ihnen allen gleichzeitig und gleichermaßen gerecht zu werden.

Später schlägt der Lehrer vielleicht Förderunterricht vor. Jetzt gibt es Förderunterricht und Nachhilfeunterricht und zusätzlich wird zu Hause geübt. Klar, dass das eine Quälerei ist, aber was sein muss, muss sein. Ungeduld schleicht sich ein und nicht selten macht sich Verzweiflung breit – auf beiden Seiten:

Aus dem Schulanfänger ist ein echtes Problemkind geworden. Es ist „unkonzentriert, motivationslos und leistungsgehemmt“ – so heißt es jetzt, vielleicht auch noch „verhaltensauffällig und aggressiv“; oder aber ein so genanntes „unauffälliges“ Kind, das verängstigt alles Lernen von vornherein abwehrt: „Das kann ich nicht!“

Was ist in den ersten Schuljahren wirklich passiert? Hat das Kind denn wirklich nichts gelernt?
Doch, aber kein Rechnen. Vielleicht war Ihr Sohn in seinem Zahlenverständnis noch nicht so weit, als in der Schule mit dem Rechnen begonnen wurde; vielleicht hat Ihre Tochter eine grundlegende Rechenoperation von Anfang an völlig missverstanden und niemand hat es bemerkt. Solche Kinder gehen oft im Klassenverband unter. Und weil ihre Schwierigkeiten unbemerkt bleiben, wird ihr quantitatives Denken nicht gefördert, sondern überfordert. Die Konsequenz: Sie verstehen nichts, der Unterricht geht völlig an ihnen vorbei und sie machen in ihrem Verständnis von Mengen, Zahlen und Rechenoperationen nicht die geringsten Fortschritte.

Rechenschwache Kinder, die ja alles richtig machen wollen, kämpfen zunächst sehr darum, den Anschluss nicht zu verlieren, obwohl sie nicht mitkommen. So mancher Junge lernt möglichst viel von dem, was er nicht versteht, auswendig, damit er im Zweifelsfall die richtige Antwort parat hat und sich nicht blamiert. Weil er auf diese Weise häufig auch zu richtigen Ergebnissen kommt, merkt niemand, dass er in Wirklichkeit gar nicht weiß, was er da tut. Seine Rechenschwäche bleibt unbemerkt.

Hand aufs Herz: Könnten Sie dem Jungen mehr als das richtige Ergebnis sagen? Könnten Sie ihm dazu noch eine stichhaltige Begründung liefern, sodass er den Zusammenhang von Addition und Multiplikation versteht und so den Unterschied begreifen lernt? Wie lange müssen Sie überlegen?

Mit der Zeit wird der Abstand zwischen dem, was das Kind selber begriffen hat, und dem, was im Unterricht inzwischen dran ist, größer. Schon sind vierstellige Zahlen an der Reihe. Wie schreibt man Tausend? Mit einer 1 und drei Nullen. Warum? Die Mutter sagt: „Weil man das so macht“. Dann soll das Kind die Zahl 1431 schreiben. Es will ja nichts verkehrt machen und schreibt: 1000431. Das enttäuschte, entnervte Gesicht der Mutter signalisiert: schon wieder daneben.

Fast jedes rechenschwache Kind gibt dann irgendwann auf. Es kapituliert vor der ihm unerklärlichen Tatsache, dass all seine Bemühungen letztlich fruchtlos bleiben. Wenn dann noch Vorwürfe dazukommen, ist von seinem natürlichen Selbstwertgefühl meist nicht mehr viel übrig. Die lieben Mitschüler, die manchmal recht gnadenlos sein können, tun oft ein Übriges dazu, dass einem rechenschwachen Kind das Fach, in dem es so viel persönliches Versagen erlebt hat, schließlich zutiefst zuwider ist.

Rechenschwache Kinder sind eine Minderheit, der die Institution Schule nicht gerecht werden kann. Sie erhalten dort nicht die spezielle Förderung, die sie brauchen, weil sich die Schule hinsichtlich Stoff und Lerntempo an der Mehrheit der Schüler orientiert.

Häufig genug werden rechenschwache Kinder wegen ihres Leistungsrückstandes im Fach Mathematik insgesamt für „dumm“ erklärt. Und diese Abqualifizierung kann sich dann im Sinne einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ zu einer generellen Lernbehinderung auswachsen: Die betroffenen Kinder werden zunehmend durch Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste bestimmt, sehen auch in anderen Fächern nur mehr Anforderungen, die sie nicht erfüllen können, und fallen allgemein in der Schule zurück, d.h. auch in den Fächern, in denen sie bisher durchschnittliche oder gar bessere Leistungen erbracht haben.

So kann eine nicht erkannte und daher auch nicht therapierte Rechenschwäche sehr weitreichende Konsequenzen haben.

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Treten Sie Vorurteilen entgegen!

Rechenschwache Kinder, deren Selbstwertgefühl schon genug darunter zu leiden hat, dass sie in einem so wichtigen Fach versagen, werden oft zusätzlich mit dem Vorurteil konfrontiert, sie seien dumm, faul oder unkonzentriert, also im Grunde selbst Schuld daran, dass sie nicht rechnen können.

Eine verhängnisvolle Schuldzuweisung, die nur durch Unkenntnis oder Hilflosigkeit gegenüber dem Phänomen Dyskalkulie erklärlich wird. Verhängnisvoll in zweierlei Hinsicht: Zum einen wird dem Kind damit ein äußerst ungerechtfertigter Vorwurf gemacht. Es kann ja nun wirklich nichts dafür, dass ihm nicht die spezielle Förderung seines quantitativen Denkens zuteil geworden ist, die es gebraucht hätte. Und zum andern wird ihm damit der Eindruck vermittelt, es sei bereits endgültig abgeschrieben.

Rechenschwache Kinder sind nicht dumm!

Die Ergebnisse, die ein rechenschwaches Kind errechnet, mögen einem flüchtigen Betrachter so erscheinen, als seien sie aus schierer Willkür und purem Zufall entstanden. In der Regel ist das nicht so; meist haben die Fehler Methode.

1. Frank z.B. errechnet Folgendes:
22 + 5 = 9
Er hat sich gemerkt, dass es bei der Addition zweistelliger Zahlen vorteilhaft ist, die Zahlen in ihre Stellen zu zerlegen, die Stellen einzeln zu addieren und dann die Zahl wieder zusammenzusetzen. Das macht Frank aber so:
22 + 5 = 2 + 2 + 5 = 9
Ihm fällt auch gar nicht auf, dass das Ergebnis seiner Addition kleiner ist als der erste Summand, zu dem er ja noch die Zahl 5 hinzuzählen soll. Das Stellenwertsystem muss diesem Jungen ein Buch mit sieben Siegeln sein!
2. Sandra und ihre Rechenstrategie sind ein weiteres Beispiel. Sie verrechnet sich hartnäckig um 1. Die Aufgabe 4 + 3 bewältigt sie z.B. folgendermaßen:
Sie fängt mit der linken Hand an und zählt die Finger ab: Erster, zweiter, dritter, vierter Finger. Die „4“ wäre geschafft. Anschließend kommt die „3“ dran, nach derselben Methode, beginnend mit dem vierten Finger, der jetzt der erste ist. Der fünfte Finger ist jetzt der zweite und das gar nicht zufällige Ergebnis lautet „6“.
Sandra, die noch keinen Mengen- und Zahlenbegriff hat, gibt sich große Mühe, trotzdem richtig zu „rechnen“: Mithilfe der Finger und der auswendig gelernten Zahlenreihe passt sie darauf auf, dass ja nichts verloren geht. Sie hat also gar nicht 3 + 4 gerechnet, sondern ihre Finger abgezählt bis zum rechten Daumen, von dem sie weiß, dass der „6“ heißt.
3. Ein drittes Beispiel ist Lothar mit seiner schriftlichen Subtraktion:
72 – 15 = 63
Er hat sich aus dem Unterricht gemerkt, dass immer die kleinere Zahl von der größeren abgezogen wird. Diese Regel wendet er jetzt bei der schriftlichen Subtraktion an. Er schreibt die Zahlen richtig untereinander:
72
– 15
und beginnt richtig mit der Einerstelle. Dort stutzt er: 2 – 5 passt nicht zu der Regel, nach der die kleinere Zahl von der größeren abgezogen werden muss. Damit die Aufgabe passt, stellt er die Ziffern um und rechnet 5 – 2.
Für Lothar war diese Manipulation nötig, damit er die Aufgabe 72 – 15 lösen konnte. Sein gar nicht zufälliges Ergebnis lautet: 63.
Nicht durch Unkonzentriertheit, Gedankenlosigkeit oder Flüchtigkeit entstehen solche Fehler: Vielmehr hat das rechenschwache Kind sehr viel Konzentration und Gedankenarbeit aufgebracht, um die Aufgabe, die es lösen sollte, auch zu lösen. Es hat sich eine persönliche Rechenstrategie – wir nennen das einen subjektiven Algorithmus – zurechtgelegt, um mit der Aufgabe fertig zu werden.

… sie sind auch nicht faul!

Einem Kind, dessen Mengen- und Zahlenbegriff nicht entwickelt ist, nützt die Devise „üben, üben und nochmals üben“ überhaupt nichts. Solange ihm der Begriff der Zahl fehlt, kann es schlechterdings nicht begreifen, was der Sinn von Rechenoperationen ist. Solange bringt auch das Üben keinen Fortschritt in der geistigen Beherrschung von Quantitäten, sondern nur sinn- und zwecklose Quälerei für Kinder und auch Eltern. Denn es wird ja nur das wiederholt, woran das Kind bisher gescheitert ist.
Bestenfalls wird dabei das trainiert, was das rechenschwache Kind in vielen Fällen schon überdurchschnittlich gut kann: Das Memorieren sinnlos erscheinender Zeichen und Laute und deren willkürlich erscheinender Kombinationen. Denn was für Erwachsene eine ganz normale, einfache Rechenaufgabe ist, z.B. die Addition
7 + 6 = 13,
ist für ein Kind, das Zahlen nicht „versteht“, so verwirrend und undurchschaubar wie die „Rechnung“
§ + & = %*.
Stellen Sie sich einmal die geistige Anstrengung vor, die es kostet, sich Dinge zu merken, von denen man nicht weiß, was sie überhaupt bedeuten!
Manche Kinder lernen fleißig Ergebnisse auswendig. Katrin z.B. hat sich gemerkt, dass bei einer bestimmten Sachaufgabe, bei der sie zunächst „34“ errechnet hatte, auf jeden Fall die Zahl „38“ herauskommen muss. Noch eine Woche später ist sie sich da ganz sicher. Auf die Nachfrage, wie sie denn darauf gekommen sei, antwortet sie lapidar: „Es stand so an der Tafel.“ Den Lösungsweg kann Katrin nicht mehr angeben, gibt sich aber nun große Mühe zu überlegen, wie man die Aufgabe „so rechnen kann, dass 38 rauskommt“. Eine ganze Woche lang hat sich Katrin eine unbegriffene, für sie willkürliche Zahl gemerkt. In dieser Hinsicht sind manche rechenschwachen Kinder geradezu erschreckend fleißig!
Natürlich sind bei einem rechenschwachen Kind häufig auch Symptome zu beobachten, die den Verdacht auf Faulheit zu bestätigen scheinen: Es sitzt deprimiert herum, lässt mutlos den Kopf hängen, drückt sich um die Hausaufgaben, so gut es kann, sitzt dann ewig an den Aufgaben, „ohne sich zu konzentrieren“ und scheint insgesamt träge und faul zu sein.
In Wirklichkeit konzentriert es sich vielleicht doch, nur eben auf etwas anderes. Viele rechenschwache Kinder sind extrem misserfolgsorientiert: Sie haben solche Angst, schon wieder zu versagen, dass sie ihren Kopf für nichts anderes mehr frei haben. Diese „Unkonzentriertheit“ kann Folge einer Dyskalkulie sein.

… sie sind nur verzweifelt und enttäuscht

Enttäuscht, weil all ihre Bemühungen umsonst waren, und verzweifelt, weil sie nicht wissen, was sie daran ändern können. Dabei befinden sie sich nicht nur subjektiv in einem Dilemma, sondern auch objektiv: Was nützt der gute Wille, richtige Ergebnisse zu liefern und falsche zu vermeiden, wenn gleichzeitig gar nicht klar ist, wie man „richtig“ und „falsch“ unterscheiden kann! Das ständig wiederkehrende Erlebnis des eigenen Unvermögens führt auf die Dauer zur Entmutigung. Die Kinder resignieren und wollen mit „all dem“ von vornherein nichts mehr zu tun haben: „Das kann ich doch nicht!“
Besorgte Eltern werden hier wiederum selbstkritisch und meinen, sie hätten ihre Kinder nur nicht genug gefördert. Wie den meisten Erwachsenen ist ihnen Rechnen eine Selbstverständlichkeit. Sie brauchen sich über den Zusammenhang von Mengen, Zahlen, Zahlenaufbau und Rechenoperationen keine Gedanken mehr zu machen, weil sie den Umgang mit Zahlen beherrschen. Aber genau das macht die speziellen Lernproblemen ihres Kindes schwer nachvollziehbar: die Eltern verstehen nicht, was mit ihrem Kind eigentlich los ist, warum es nicht rechnet wie sie.
Verschärfend kommt hinzu, dass die häuslichen Übungen für alle Beteiligten „Überstunden“ sind. Nicht nur der Vater hat bereits einen ganzen Arbeitstag hinter sich, ebenso das Kind, das nach der Schule und den anschließenden Hausaufgaben eigentlich dringend ein paar Stunden freie Zeit bräuchte. Da schleicht sich dann leicht Ungeduld ein und nicht selten endet das gut gemeinte Üben mit Wutausbrüchen und Tränen.
Für die Selbsteinschätzung des rechenschwachen Kindes hat dies katastrophale Folgen. Nachdem es bereits in der Schule „gelernt“ hat, dass es fürs Rechnen „einfach zu dumm“ ist, bekommt es anschließend durch die häusliche, ihm ganz persönlich gewidmete Rechenstunde die endgültige Bestätigung seiner Minderwertigkeitsgefühle.
Was als Hilfe für das rechenschwache Kind gemeint war, kann so eine Verschärfung der Problematik bewirken.

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Ihr Kind braucht Ihr Verständnis

Machen Sie einmal folgendes Gedankenexperiment:
Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Beruf, der Ihnen gar nicht liegt, und müssten fast täglich Arbeiten verrichten, mit denen Sie sich nicht auskennen und bei denen Sie bestenfalls zufällig mal etwas richtig machen. Man tuschelt bereits über Sie und Ihr Unvermögen, man beschuldigt Sie, keine Einsatzbereitschaft zu zeigen, man macht sich über Sie lustig, man reagiert genervt, sobald Sie auftauchen und womöglich etwas wissen wollen. Schließlich werden Sie offen der Unfähigkeit bezichtigt.
Völlig klar: Sie fänden die Situation nicht zum Aushalten, würden so bald wie möglich kündigen und sich um eine andere Arbeit bemühen.
In einer vergleichbaren Situation befindet sich ein rechenschwaches Kind in der Schule. Es kann den Anforderungen nicht genügen, es wird von anderen beschuldigt oder gehänselt, seine Situation ist nicht zum Aushalten, aber es kann nicht kündigen. Hier ist Ihr Kind auf Ihre Unterstützung angewiesen, darauf dass Sie es verstehen, wenn es von seinem Ärger berichtet, über Mitschüler oder Lehrer klagt oder empört ist über ungerechte Behandlung.
Bedenken Sie: Kein rechenschwaches Kind ist schuld an seiner Situation, es leidet selbst am meisten darunter, dass es mathematische Dinge nicht ebenso problemlos versteht wie viele seiner Mitschüler. Wenn dann trotz aller Bemühungen die Note 5 unter einer Klassenarbeit steht, womöglich mit dem Zusatz „du musst dich mehr anstrengen!“, dann ist das wie eine Strafe. Aber eine Strafe für was? Das betroffene Kind selbst hat ja gar nichts angestellt und hat nicht Strafe verdient, sondern Hilfe; denn es hat ja aus eigener Kraft gar nicht die Möglichkeit, sich aus seinem Unverständnis herauszuarbeiten, sondern ist angewiesen darauf, dass andere ihm Hilfestellungen bieten, die es verstehen kann. Diese Hilfe wiederum findet in der Regel in der Schule nicht statt und je weiter der Schulstoff fortgeschritten ist, umso weniger bietet er dafür überhaupt eine Möglichkeit. Die schlechte Note stellt daher keinen pädagogisch sinnvollen Umgang mit den Lernschwierigkeiten ihres Kindes dar, sie muss ihm als eine große Ungerechtigkeit erscheinen, mit der schwer fertig zu werden ist.
Hier ist Ihr Verhalten wichtig: Achten Sie darauf, dass Sie keinen Ärger und keine Enttäuschung zeigen, wenn Sie Ihre Unterschrift unter eine schlechte Klassenarbeit setzen. Denn das wäre so, als ob Sie Ihr Kind dafür, dass es in der Schule „abgestraft“ wurde, zu Hause noch einmal bestrafen. Sie sollten bewusst gegensteuern und Ihrem Kind erst recht mit Verständnis begegnen, wenn es unglücklich mit einer schlechten Note nach Hause kommt. Ihr Kind braucht den seelischen Rückhalt bei Ihnen. Es braucht dann, wenn es in der Schule mit einer schlechten Note gewissermaßen verurteilt worden ist, die Sicherheit, dass wenigstens zu Hause jemand auf seiner Seite steht.
Daher ist es auch wichtig, dass Ihr Kind gelobt wird und dass es in Schutz genommen wird, wenn andere sich über es lustig machen. Wenn sich Ihr Kind bemüht, wenn es Einsatzbereitschaft zeigt, dann sollte das gewürdigt werden – unabhängig davon, ob es von Erfolg gekrönt ist oder eine gute Note zeitigt.
Achten Sie darauf, dass das Fach Mathematik nicht zum beherrschenden Gesprächsgegenstand wird, bestehen Sie darauf, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt. Sorgen Sie dafür, dass möglichst viel von den Dingen die Rede ist, bei denen sich Ihr Kind auskennt und für die es sich interessiert. Ermutigen und unterstützen Sie Ihr Kind in seinen nicht-mathematischen Interessen und Fähigkeiten, so gut es geht. Sie fördern damit seine Entwicklung und könnten so einiges dazu beitragen, sein beschädigtes Selbstwertgefühl zu stabilisieren.
Und verschaffen Sie sich möglichst früh Gewissheit darüber, wie es um die Schwierigkeiten ihres Kindes wirklich bestellt ist.

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Worin sich Rechenschwäche zeigen kann

Ist Ihr Junge im Rechenunterricht wesentlich schlechter als in Deutsch? Ist Ihre Tochter darin zwar ähnlich gut, hat aber unverhältnismäßig mehr damit zu kämpfen, dass sie mitkommt?
Dann beobachten Sie Ihr Kind. Stellen Sie fest, welche Fehler es macht und wo es nicht mehr weiter weiß. Achten Sie vor allem auf mathematische Lernschwierigkeiten der Art, wie sie im Folgenden aufgelistet sind. Sie können ein Hinweis darauf sein, dass eine Dyskalkulie vorliegt:

  • Kann Ihr Kind räumliche Beziehungen erfassen? Verwechselt es rechts / links, oben / unten, hinten / vorn?
  • Kann es mit Zeitangaben umgehen? Verwechselt es Stunden, Minuten, Sekunden? Hat es nur ungenaue Vorstellungen von Wochen, Monaten, Jahren?
  • Kann Ihr Kind mit Geldbeträgen umgehen? Kann es beispielsweise Wechselgeld nachprüfen?
  • Überschaut Ihr Kind kleinere Mengen, ohne abzählen zu müssen?
  • Verwechselt es Begriffe wie mehr / weniger, das Doppelte / die Hälfte, ein Teil / das Mehrfache, aber auch Begriffe wie länger / kürzer, schwerer / leichter, schneller / langsamer, früher / später?
  • Verwechselt es Ziffern (4/5 oder 6/9)? Schreibt es Ziffern von unten her oder seitenverkehrt (3 ähnelt einem gerundeten E, 6/9)?
  • Schreibt es die Zahlen „nach Gehör“ falsch: zum Beispiel bei der 65 erst die 5 und dann die 6, also 56?
  • Ist Ihr Kind in der Lage, die Zahlenreihe von 1 bis 20 auch rückwärts aufzusagen?
  • Beherrscht Ihr Kind Stellenwerte und Zahlenaufbau? Verwechselt es z.B. 12/21, 13/31?
  • Hat Ihr Kind Schwierigkeiten bei Zehner-, Hunderter-, Tausenderübergängen?
  • Bewerkstelligt es Addition und Subtraktion nur durch Abzählen?
  • Werden die Rechenoperationen verwechselt? Rechnet es z.B. 10 * 10 = 20, 3 + 3 = 9?
  • Ist Ihr Kind in der Lage, eine gegebene Sachaufgabe in den richtigen mathematischen Lösungsweg zu transformieren oder sucht es sich auf „gut Glück“ irgendeine Rechenart aus? Addiert es beispielsweise, wo subtrahiert werden müsste?

Die Frage, ob ein Kind grundlegende Defizite auf dem Gebiet des quantitativen Denkens aufweist, ob also eine Dyskalkulie vorliegt, kann nur durch eine ausführliche fachliche Untersuchung geklärt werden. Denn zum einen treten nicht alle Schwierigkeiten immer voll in Erscheinung und zum anderen kommen viele dieser Fehlleistungen bei jedem Kind, das Rechnen erst noch lernt, mehr oder weniger häufig vor. Für den Fall, dass bei ihrem Kind zwei oder mehr der oben genannten Schwierigkeiten auftreten, sollten Sie sich durch einen Test Gewissheit verschaffen. Für die weitere Förderung Ihres Kindes ist es sehr entscheidend, ob es nur einen bestimmten Schritt nicht verstanden hat oder ob seine Schwierigkeiten grundlegender Art sind.
Im letzteren Fall kann dem Kind ein überflüssiger und sehr zermürbender Leidensweg erspart werden, wenn die Dyskalkulie frühzeitig erkannt und therapiert wird. Bei der Früherkennung kommt Ihnen dabei die wichtigste Rolle zu, vor allem in den unteren Klassen. Der Lehrer kann unmöglich erkennen, ob hinter den richtig gerechneten Hausaufgaben in Wirklichkeit die große Schwester steckt, und die kleine Schwester wird aus Scham davon nichts erzählen. Aber Sie wissen es: Kommt Ihre Tochter von sich aus auch auf richtige Ergebnisse? Schreibt Ihr Sohn nur das mit Zuversicht nieder, was jemand anders ausgerechnet hat? „Diktieren“ Sie Ihrem Kind die richtigen Lösungen? Es hilft Ihrem Sprössling nicht weiter, wenn er mit Ihrer Hilfe zu Hause die Lösungen büffelt und diese dann in der Schule korrekt auswendig hersagen kann. Er kann so vielleicht seine Dyskalkulie vor Lehrern und Mitschülern eine Zeit lang verbergen – behoben wird sie dadurch nicht.
Für den Erfolg der Therapie hängt sehr viel davon ab, dass eine Rechenschwäche möglichst frühzeitig erkannt wird. Zwei Dinge sind dafür ausschlaggebend: Zum einen können Versagensängste und Misserfolgsorientierung in so jungen Jahren die gesamte seelische Entwicklung eines Kindes schwer beeinträchtigen; zum andern ist in den ersten Schuljahren der Abstand zum aktuellen Schulstoff noch nicht so groß und therapeutische Erfolge können sich schneller in Schulerfolgen niederschlagen. Und Erfolg ist immer noch der wirksamste Motor, um Lernmotivation und Selbstvertrauen wiederherzustellen.
Aber auch bei älteren Kindern und Jugendlichen, die sich schon seit einigen Jahren mit einer verschleppten Dyskalkulie und ihren Folgen herumschlagen, ist noch längst nicht „alles zu spät“. Hier steht zunächst die diagnostische Erfassung der mathematischen Kompetenz im Vordergrund. Das vorhandene Wissen wie auch die Lücken und die falschen Sicherheiten, vor allem im mathematischen Grundlagenbereich, müssen genau bekannt sein, damit man gezielt mit der Erarbeitung der notwendigen Bereiche beginnen kann.
Die betroffenen Jugendlichen oder Heranwachsenden leiden in der Regel schon lange unter Minderwertigkeitsgefühlen und Versagensängsten, die sie so gut wie möglich zu verbergen suchen. Es ist für sie beruhigend und eine entscheidend positive Perspektive, wenn sie die Chance bekommen, ihre Defizite in diesem Bereich abzubauen oder zumindest zu verringern, bevor sie ins Berufsleben gehen.

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Mathe in der 2. Klasse: So helfen Sie Ihrem Kind bei den Hausaufgabe!

Mathe in der 2. Klasse: Ganz schön viel Stoff – auch in den Hausaufgaben

Bei der Beschäftigung mit Mathe in der 2. Klasse entdeckt Ihr Kind unter anderem den Zahlenraum bis 100, lernt das kleine Einmaleins kennen und befasst sich mit den Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division in Form des halbschriftlichen Rechnens. Darüber hinaus werden in der 2. Klasse Größen, Geldwerte, Längen und Zeit behandelt. Die Begriffsbildung, die Entwicklung der Größenvorstellung und die Einführung einiger genormter Maßeinheiten (Liter, Kilogramm, Meter) stehen dabei im Vordergrund. Diese Vorkenntnisse werden in den nächsten Schuljahren aufgegriffen, vertieft, erweitert und systematisiert.

Für die kleinen Zweitklässler ist das eine ganz schöne Herausforderung, denn nach dem konzentrierten Arbeiten in der Schule warten nachmittags häufig noch die Hausaufgaben. In den Hausaufgaben wird überprüft, ob Ihr Kind den Schulstoff verstanden hat und selbstständig bei der Lösung der Aufgaben umsetzen kann. „Mama, hilf mir mal!“ ist ein oft zu hörender Satz, der aus dem Kinderzimmer dringt. Doch die gut gemeinte Unterstützung der Eltern ist nicht immer hilfreich. Besonders wenn dem Kind das eigene Denken abgenommen wird, es sich unter Leistungsdruck setzt oder Eltern auf veraltete Erklärungsmuster aus ihrer eigenen Schulzeit zurückgreifen, schadet die Hilfe bei den Hausaufgaben mehr, als sie nutzt.

Hausaufgaben in Mathe: So helfen Sie richtig!

Grundsätzlich sollten Sie sich beim gemeinsamen Lernen mit Ihrem Kind immer nach dem aktuellen Schulstoff sowie den dort vermittelten Lern- und Lösungswegen richten. Ein Gespräch mit der Lehrkraft schafft im Zweifelsfall Klarheit. Fragen Sie nach:

  • Mit welchem zusätzlichen Übungsmaterial lernt Ihr Kind in der Schule?
  • Welche Rechenwege werden vermittelt?
  • Welche Lernziele sind zum Halbjahr anvisiert?
  • Wie können sinnvolle Übungen zu Hause aussehen?
  • Welches Können genau wird von Ihrem Kind erwartet?

Wenn Sie Ihrem Kind auf der Basis dieser Informationen bei den Hausaufgaben helfen, kann nicht mehr viel schief gehen.

In dem folgenden Beispiel „Max macht Mathe“ können Sie erkennen, wie eine effektive und strukturierte Hausaufgabenhilfe in Mathematik aussehen kann.

Hausaufgaben-Beispiel: „Max macht Mathe“

Rechenaufgaben im Zahlenraum bis und über 100: Der siebenjährige Max kommt mit einem ganzen Paket Mathematikaufgaben nach Hause. Grübelnd sitzt er vor seinem Buch und findet keinen Anfang. Ihm erscheint der Berg der Hausaufgaben riesig groß und unüberwindbar. Zu viele Rechenaufgaben warten darauf, gelöst zu werden. Er ist verzweifelt und ruft nach Hilfe.

Schritt für Schritt zur Hausaufgaben-Lösung

Da Max sehr müde und mutlos aussieht, beschließt seine Mutter, nicht sofort in die Lösung der Hausaufgaben einzusteigen, sondern ihr Kind erst einmal zu motivieren. Sie weiß: Je lustloser und demotivierter ihr Kind ist, desto länger werden die Hausaufgaben dauern. Ein wenig Aufmunterung im Vorfeld kostet zwar anfangs wertvolle Zeit, wirkt sich jedoch auf Dauer positiv auf das Erledigen der Hausaufgaben aus. Sie entschließt sich zu einem kurzen Gespräch, indem sie ihren Sohn motivieren möchte. Denn nur wenn Max sich der aktiven Mitarbeit öffnet, wird er zügig arbeiten und sich bemühen, die Rechenaufgaben zu verstehen und zu lösen.

Tipp 1: Mutmachgespräch führen und Kind motivieren

Max’ Mutter weiß, dass ihr Kind in Mathematik recht gute Leistungen erbringen kann. Der Junge fühlt sich jedoch schnell überfordert und verliert leicht den Überblick. Dann zweifelt er an seinem Können und hat Probleme, sich überhaupt auf die Aufgaben einzulassen. Darüber hinaus ist er nach dem Unterricht erschöpft und benötigt etwas Zeit, um sich zu erholen. Mit einem verständnisvollen, positiv ausgerichteten Gespräch durchbricht sie zunächst Max’ negative Haltung. Das könnte so aussehen:

  • „War es anstrengend heute in der Schule?“
  • „Waren denn deine Freunde alle da, oder war jemand krank?“
  • „Möchtest du vor den Hausaufgaben noch etwas trinken? Fürs Lernen braucht ein kluger Kopf viel Flüssigkeit.“
  • „Zeig doch mal, was ihr heute gemacht habt. Ich bin ganz stolz auf dich.“
  • „Wie viel du bisher schon in der Schule gelernt hast!“
  • „Komm, wir schauen mal, ob du heute genauso gut arbeiten kannst wie gestern.“

Tipp 2: Klare zeitliche Vereinbarung treffen

Besonders frustrierend ist es für Max, wenn er nicht absehen kann, wann die Hausaufgaben endlich erledigt sind und er spielen gehen kann. Er ist dann extrem unmotiviert und findet keinen Anfang. Seine Mutter weiß: Hausaufgaben sollten in den ersten zwei Schuljahren nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele Erst- und Zweitklässler sitzen über eine Stunde an ihrem Schreibtisch, bis sie alles erledigt haben. Sie können also im Vorfeld nur schlecht einschätzen, wann die Freizeit beginnt. Das demotiviert.

Max’ Mutter macht es besser. Sie achtet Tag für Tag auf den zeitlichen Rahmen und bricht die Hausaufgabenzeit nach maximal 40 Minuten kontinuierlicher Arbeit ab. Ein Wecker auf dem Schreibtisch stoppt die Zeit. So kann Max sicher sein, dass er nach dem Arbeiten noch Zeit für andere Beschäftigungen hat. Das erhöht seine Motivation. Eine kurze Notiz an die Lehrerin, wenn Max nicht alles in der vereinbarten Zeit geschafft hat, vermeidet Ärger.

Tipp 3: Hilfsmaterial bereit legen

Max gelingen die Rechenaufgaben wesentlich besser, wenn er im Notfall seinen Hunderterblock aus Perlen benutzen kann. Das weiß seine Mutter und sorgt dafür, dass die Perlen bereit liegen, denn für das Rechnen im Zahlenraum bis Hundert haben Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen in der Regel besonderes Anschauungsmaterial, das ihnen die Mengen und Rechenbewegungen verdeutlicht. Das kann zum Beispiel ein Zahlenhaus sein, ein Hunderterblock, Perlenketten, Montessori-Rechenperlen oder bunte Rechenstäbchen aus Holz. Für die Hausaufgaben können diese Rechenhilfen natürlich auch genutzt werden. Wichtig ist dabei, kein anderes Material als das in der Schule benutzte zur Verfügung zu stellen, da ein Kind sonst leicht verwirrt werden kann.

Tipp 4: Das kann ich schon: Leichtes zuerst!

Im nächsten Schritt verschaffen sich Max und seine Mutter einen Überblick über die Hausaufgaben. Dabei überlegt der Junge, welche Aufgaben er gleich versteht. Mit diesen einfachen Rechnungen beginnt er dann, denn die kann er selbstständig lösen. Beide vereinbaren, dass Max seine Mutter ruft, sobald er allein nicht mehr weiterkommt. Max arbeitet zügig und hat die Aufgabenblöcke mit der Addition rasch gelöst. Als seine Mutter die Lösungen kontrolliert, findet sie nicht einen Fehler. Auch die Aufgaben, in denen das Ergebnis mehr als 100 beträgt, hat Max bewältigt.

Tipp 5: Erfolge benennen – Lob und Anerkennung motivieren Ihr Kind

Max’ Mutter spart nicht mit Lob, denn die erste Vereinbarung hat ihr Sohn wunderbar eingelöst. Entspannt und interessiert werfen nun beide gemeinsam einen Blick auf die nächsten Aufgaben, bei denen es um die Subtraktion geht. Hier fällt Max das Rechnen über einen Zehnersprung hinaus nicht leicht, so dass er sein Zusatzmaterial zu Hilfe nimmt. Wieder verlässt seine Mutter den Raum und kommt erst wieder, als Max sie ruft. Bei der Lösungskontrolle tauchen zwei Fehler auf, die Max aber auf Rückfrage schnell korrigiert.

Tipp 6: Endspurt mit den kniffligen Aufgaben

Zum Schluss wagt Max sich auch an die Ergänzungsaufgaben, die er in der Schule nicht so gut verstanden hat. Durch die Erfolgserlebnisse der vorherigen Hausaufgaben traut sich Max nun auch an den schwierigen Stoff. Gemeinsam mit seiner Mutter überlegt er, wie die fehlende Zahl errechnet werden könnte. Dabei hilft ihm das Anschauungsmaterial. Bei der ersten Aufgabe 90 + ____ = 100 verdeutlicht er sich die beiden Summen und sieht schnell, dass hier genau 10 fehlen. Die runden Summen machen es ihm leicht, auf den richtigen Rechenweg zu kommen. Schon bei der nächsten Aufgabe versucht er vom Ergebnis die erste Zahl abzuziehen, um die fehlende Differenz zu errechnen. Die Gegenprobe zeigt, dass sein Rechenweg richtig war. Hoch motiviert und stolz löst Max jetzt auch noch die letzten Aufgaben. Nach einer halben Stunde ist er fertig.

Tipp 7: Super gemacht! Das klappt beim nächsten Mal auch

Nachdem das Heft zugeschlagen und die Aufgaben gelöst sind, fasst Max’ Mutter noch mal die Leistungen ihres Sohnes zusammen. „Schau, wie schnell das ging. Du konntest mehr als die Hälfte schon ganz alleine lösen, und beim Rest habe ich dir auch nur ein bisschen geholfen. Das hat richtig Spaß gemacht zu sehen, wie du auf die Lösungen gekommen bist. Super Max, das erzähle ich nachher unbedingt Papa!“ Eine solche Hausaufgabensituation belastet weder Kinder noch Eltern, denn mit Motivation und einem klaren Rahmen gelingt es fast immer, das Pensum in überschaubarer Zeit und mit wenig Stress zu bewältigen.

  • Mein Tipp: Noch besser als eine Uhr oder ein Wecker auf dem Schreibtisch, die von den Eltern programmiert werden müssen, ist bei Zweitklässlern eine lustige Eieruhr. Damit können sie die vereinbarte Zeitspanne selbst einstellen und leicht überprüfen.

Die Qual mit der Zahl: Hat ihr Kind Dyskalkulie?

Wenn ein Kind schon in der Primarschule über einfache Rechenaufgaben immer wieder stolpert, leidet es vielleicht an Dyskalkulie. Doch die Rechenschwäche lässt sich mit einer Lerntherapie gut in den Griff kriegen. Wie Sie Dyskalkulie erkennen und Ihrem Kind darüber hinweg helfen.

In frühen Jahren lässt sich eine Dyskalkulie oft noch leichter überwinden. Bild: iStock

  • 14

15+16 =? Diese Rechenaufgabe müsste doch im dritten Schuljahr zu bewältigen sein, oder? Doch Laura kaut auf ihrem Bleistift herum, weicht dem Nachhilfelehrer aus und schaut zum Fenster hinaus. Wenn es um Mathe geht, hat sie längst aufgegeben.

Die Klassenlehrerin hat schon angemerkt, dass Laura in anderen Fächern gut mitkommt, aber in Mathematik weit hinter den Klassenkollegen zurück liegt. Während die Freundinnen draussen spielen, muss Laura deshalb für den Mathetest lernen. Viel Druck für ein 9-jähriges Kind.

Aber Lauras Eltern sorgen sich. Schliesslich wird sie Mathe bis zum Schulabschluss begleiten und über ihre späteren Berufschancen entscheiden. Aber auch das viele Üben bringt nichts. Laura bringt wieder eine ungenügende Note nachhause. Diesmal sogar noch schlechter als zuvor.

Leidet das Kind vielleicht unter einer Rechenschwäche, der sogenannten Dyskalkulie, oder handelt es sich nur um ein vorübergehendes Matheproblem? Dyskalkulie früh zu erkennen ist entscheidend, denn vor allem in jungen Jahren lässt sich die Rechenschwäche oft noch leicht überwinden.

Was ist Dyskalkulie? Anhaltende Schwierigkeiten beim Rechnen

Therapiezentrum Rechenschwäche, Basel

Kinder mit Dyskalkulie sind nicht dumm!

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist Dyskalkulie eine Entwicklungsstörung. Sie hat deshalb nichts mit der Intelligenz zu tun. Die Kernursache für Dyskalkulie liegt darin, dass ein Kind mit Rechenschwäche kein ausreichendes Verständnis von Mengen entwickelt hat. Es kann sich Zahlen nicht vorstellen und Mengen nicht vergleichen. Dem Kind fehlen von Beginn an die Grundbausteine, auf der die Mathematik logisch aufbaut.

Wenn ein Kind Zahlen nicht miteinander vergleichen kann, kommt es beim Mathematikunterricht irgendwann einfach nicht mehr mit. Auch häufiges Üben und klassische Nachhilfe, die die unverständlichen Rechenregeln einfach wiederholen, helfen bei Dyskalkulie nicht – ein Umstand, der sich auch in den folgenden Schuljahren nicht von allein lösen wird. Im Gegenteil: Mit der Zeit türmen sich nicht verstandene und nicht verinnerlichte Lernschritte zu einem hohen Berg auf.

Das Selbstwertgefühl des Kindes leidet, vor allem dann, wenn sich die Eltern immer wieder enttäuscht darüber zeigen, dass das Kind heute schon vergessen hat, was gestern verstanden schien. Das Rechnen wird zur Qual. Im Unterricht schaltet das Kind einfach ab.

Umso wichtiger ist es deshalb, Dyskalkulie frühzeitig zu erkennen. Etwa vier bis sieben Prozent der Kinder gelten aktuellen Studien zufolge als massiv rechenschwach. „Die Schwierigkeiten zeigen sich meistens ab Ende der zweiten Klasse, vermehrt noch in der dritten und vierten Klasse; mehrheitlich sind Mädchen betroffen“, informiert das Therapiezentrum Rechenschwäche in Basel.

So lässt sich Dyskalkulie erkennen

Weil Kinder mit Dyskalulie keine Mengenvorstellung haben, gebrauchen sie oft noch lange die Finger zum Rechnen. Bild: iStock

Kinder, die unter Dyskalkulie leiden, benutzen immer wieder ihre Finger zum Rechnen. Auch ständig Rechenarten zu verwechseln, Ziffern seitenverkehrt zu schreiben und den Unterschied zwischen Multiplizieren und Dividieren nicht zu erkennen, ist typisch für Kinder mit Rechenschwäche.

Was sie nicht verstehen, versuchen sie, auswendig zu lernen – zum Beispiel dass sich die Zahl mit zwei Nullen „Hundert“, die Zahl mit drei Nullen aber „Tausend“ nennt. Welche Zahl grösser ist, wissen sie aber möglicherweise nicht.

Orientierungsleitfaden: Die häufigsten Anzeichen einer Rechenschwäche

  • Das Kind versteht den Unterschied zwischen Addieren, Subtrahieren, Teilen und Multiplizieren nicht.
  • Das Kind kann sich im Zahlenraum von 1-100 nicht orientieren.
  • Das Kind hat beim Zählen Mühe mit dem Zehnerübergang.
  • Das Kind kann Begriffe wie „die Hälfte“, „das Doppelte“, „grösser/kleiner“, „weiter/näher“, „Reihenfolge“ nicht korrekt anwenden.
  • Das Kind kann kleine Mengen bis etwa 5 nicht gleichzeitig erfassen
  • Probleme mit der Zahl 0.
  • Probleme mit der Zahlenzerlegung. Zum Beispiel: 7= 4+3 oder 5+2 oder 6+1.
  • Unklarheit der Ziffer als Einer, Zehner und Hundertergrösse.
  • Unklarheit beim Schreiben der Ziffern, zum Beispiel Verdrehen von 6 und 9.
  • Bei Textaufgaben: Nicht-Verstehen des Inhaltes aufgrund von Leseschwäche oder Unklarheit bei der Zerlegung der Aufgabe in Teilschritte.

Quelle: Legasthenie-Werkstatt, Basel

Oder handelt es sich doch nur um ein kleines Mathe-Problem?

Oft neigen wir dazu Probleme zu dramatisieren. Ein Problem, das sich nicht gleich löst, hat einen guten Grund, wenn eine Störung dahinter liegt. Und es beruhigt, wenn man einen Namen für das Problem hat und es therapieren kann. Kinder sind unterschiedlich begabt und interessiert. Vorübergehende Mathe-Schwierigkeiten sind nicht selten und in der Regel kein Grund sich zu sorgen. Mathe fällt immer dann schwer, wenn ein Baustein der Mathematik nicht ausreichend verstanden wurde. Wenn Erklären und Üben, auch Förderunterricht oder Nachhilfe zu besseren Ergebnissen verhelfen, handelt es sich wahrscheinlich um ein konventionell zu lösendes Matheproblem und nicht um Dyskalkulie.

Eine Dyskalkulie dagegen ist eine stark ausgeprägte Rechenstörung, die durch Üben nicht in den Griff zu kriegen ist. Ausschlaggebend sind in der Regel die beiden ersten Schuljahre. Gelingt es nicht, die Grundrechenoperationen in der Primarschule zu begreifen und kommen weitere Symptome hinzu, kann man wahrscheinlich von einer Dyskalkulie sprechen.

Was zu tun ist, wenn Sie eine Rechenschwäche bei Ihrem Kind vermuten

Je früher Dyskalkulie behandelt wird, desto besser. Bild: iStock

1 Dyskalkulie-Test

Wenn Sie fürchten, Ihr Kind könnte eine Dyskalkulie haben, können Sie das Kind beim Schulpsychologischen Dienst oder in einer Spezialpraxis testen lassen.

2 Dyskalkulie-Therapie in die Wege leiten

Mit Hilfe einer Therapie kann eine Rechenschwäche in der Regel erfolgreich behoben werden. Je jünger das Kind ist, umso leichter lässt sich Verpasstes aufholen. Doch eine Therapie lohnt sich auch bei älteren Schülern. „In der Therapie geht man zurück zu den Wurzeln des Problems: Oft ist es nötig, einen (grossen) Teil des Mathematikgebäudes neu aufzubauen, ausserdem sollen Ängste abgebaut, das Selbstvertrauen gestärkt und andere negative Umstände verändert werden“, erklärt das Therapiezentrum Rechenschwäche in Basel. Eine Dyskalkulie-Therapie setzt neben dem Rechnen auch auf der psychologischen und sozialen Ebene an.

Die Angebote an Therapien und deren Finanzierung sind kantonal verschieden geregelt. Einige Kantone übernehmen die Kosten ganz oder zum Teil. In vielen Fällen kommen auch die Gemeinden für einen Teil der Kosten auf.

3 Das Kind aufbauen

Bis seine Entwicklungsverzögerung erkannt worden ist, hat Ihr Kind viele Misserfolge verkraften müssen. Das nagt erheblich am Selbstwertgefühl und raubt auch die Motivation, sich überhaupt noch mit dem Rechnen zu beschäftigen. Ihr Kind braucht deshalb jetzt viel Verständnis und Trost. Hilfreich ist es jetzt, den Fokus mehr auf das zu richten, was Ihr Kind richtig gut kann.
Denn es leidet besonders, wenn es das Gefühl hat, dass die Eltern von ihm scheinbar enttäuscht sind.
Deshalb ist es wahrscheinlich immer die erste und wichtigste Aufgabe der Eltern, ihre Kinder unabhängig von ihren Leistungen bedingungslos zu lieben.

Wenn Zahlen keinen Sinn ergeben – Rechenschwäche bei Kindern

Wie breit sind zehn Zentimeter? Wie weit sind zehn Meter? Für viele Menschen sind diese Fragen relativ leicht einzuschätzen, doch manche können sich eine Zahl einfach nicht vorstellen. Für sie ist es schwer, Mengen und Verhältnisse miteinander zu vergleichen oder einzuordnen.

Andere verstehen zwar Aufgaben wie 3 + 4 = 7, können sich dann aber den Rechenweg nicht merken. Und bei manchen Schülern kommt all das zusammen. Für sie stellen selbst einfache Rechenaufgaben eine unüberwindbare Hürde dar.

Spätestens dann spricht man von einer schweren Rechenstörung oder auch Dyskalkulie. Für betroffene Kinder ist Mathe das Horrorfach schlechthin. Mit Intelligenz hat das nichts zu tun: Dyskalkulie ist ähnlich wie Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche) eine Teilleistungsstörung, das heißt, Betroffene können in anderen Bereichen sehr gute Noten haben.

Oft wird erst spät in der Grundschule erkannt, dass jemand an Dyskalkulie leidet. Können und sollen sich die Schüler am Anfang der Schulzeit noch mit ihren Fingern Lösungswege erarbeiten, hilft ihnen diese Technik bei größeren Zahlen nicht mehr weiter. Spätestens dann fällt auf, dass die Kinder nie wirklich gerechnet haben.

Der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) geht davon aus, dass in Deutschland zwischen 3 und 7 Prozent der Kinder und Erwachsenen von einer Rechenschwäche betroffen sind. Doch im Gegensatz zur Legasthenie steckt die Forschung beim Thema Dyskalkulie noch in den Kinderschuhen. Man vermutet, dass bei Kindern mit einer schweren Rechenschwäche die zuständigen Bereiche im Gehirn mangelhaft ausgebildet sind.

Erheblichen Nachholbedarf gibt es also vor allem bei der Suche nach den Ursachen, aber auch dabei, spezielle Förderangebote zu entwickeln: Haben Legastheniker in vielen Schulen Ansprechpartner vor Ort, spezielle Förderprogramme oder schlichtweg mehr Zeit bei der Klassenarbeit, erhalten Kinder mit Rechenschwäche noch vergleichsweise wenig Unterstützung. Einen rechtlichen Anspruch auf Förderung und finanzielle Hilfe haben Familien nicht. Die Krankenkasse zahlt lediglich die Diagnose, nicht die Therapie. Ausnahmen gibt es nur wenige. Für viele Eltern ist das schlichtweg nicht tragbar. Die Hilflosigkeit wächst.

Rechenschwäche bei Kindern: Krankheit oder falsche Lernmethode?

Dabei ist es laut Annette Höinghaus vom BVL enorm wichtig, so früh wie möglich mit geeigneten Fördermaßnahmen zu beginnen, die über normale Nachhilfe hinausgehen. Das sture Üben von Rechentechniken sowie das Wiederholen des Schulstoffs bringe nicht viel.

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Rechenschwache Schüler „können nur rechnen lernen, wenn sie verstehen, warum ein Verfahren funktioniert“, sagt auch Mathematik-Didaktiker Wolfram Meyerhöfer, der sich genau aus diesem Grund weigert, Dyskalkulie als Krankheit anzusehen. Er sieht die Ursache von Schwierigkeiten beim Rechnen im schlechten Unterricht, der langweilig und auf Rechentechniken fixiert sei. Das Versagen des Mathematikunterrichts werde zum Versagen des Schülers umgedeutet – und als Störung bezeichnet, so Meyerhöfer im Spiegel-Interview.Diese Meinung teilt auch Jörg Kwapis, Leiter des Zentrums für Therapie der Rechenschwäche (ZTR) in Potsdam, und sagt, dass der Unterricht zu sehr auf richtige Ergebnisse und zu wenig aufs Verständnis ausgelegt sei.

Auch Miriam Lüken, Professorin für Mathematikdidaktik an der Universität Bielefeld, sieht die Ursache von Rechenschwäche bei Kindern im schlechten Unterricht und lehnt den Begriff Dyskalkulie ab. Er klinge wie eine unheilbare Krankheit und vermittle Kindern das Gefühl, „sowieso niemals rechnen lernen“ (https://www.zeit.de/2014/38/dyskalkulie-mathematik-krankheit).

Rechenschwäche bei Kindern: Was können Eltern jetzt tun?

Bei Verdacht auf Dyskalkulie sind die Lehrer des Kindes ein guter Ansprechpartner. Es ist wichtig, dass Kinder die verschiedenen Grundrechenarten verstehen und anwenden können. Denn mathematische Kompetenzen bauen aufeinander auf, ein Schritt folgt dem anderen. Schüler, die die Grundlagen nicht beherrschen, haben es enorm schwer, bei späteren Schritten wieder einzusteigen.

Folge: Sie kommen nicht mehr im Unterricht mit, benötigen viel mehr Zeit beim Lösen der Mathe-Aufgaben als ihre Klassenkameraden und hangeln sich von Stunde zu Stunde. Das demotiviert auf Dauer, erzeugt psychosomatische Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen und schadet dem Selbstbewusstsein der Kinder. Eltern sollten deshalb auf Alarmsignale reagieren und mit Lehrern sprechen oder sich objektiven Rat holen.

Symptome bei einer Rechenschwäche können sein:

  • Schwierigkeiten beim Umgang mit Mengen- und Maßeinheiten
  • Verwechslung der Rechenarten
  • Schwierigkeiten bei der Zuordnung von Mengen und Zahlen
  • Schwierigkeiten beim korrekten Schreiben von Ziffern und beim Lesen der Uhr
  • Schwierigkeiten bei der Übertragung von Textaufgaben in mathematische Zusammenhänge
  • Probleme mit dem Dezimalsystem

Ansprechpartner bei Verdacht auf Dyskalkulie sind in den meisten Fällen Kinder- und Jugendpsychiater sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Sie führen Rechentestverfahren und Intelligenztests durch, gleichen diese mit familiären Situationen und anderen externen Faktoren ab und erstellen eine Diagnose. Dieses Verfahren wird jedoch zunehmend kritisiert und als „willkürlich“ betitelt. Eine erste Orientierung bieten die Tests dennoch, besonders, wenn es darum geht, ob Kinder zusätzlich gefördert werden sollten.

Diagnose: Dyskalkulie – Therapie von Rechenschwäche bei Kindern

Der klassische Weg ist eine Dyskalkulie-Therapie, bei der die psychotherapeutische Arbeit mit einem gezielten Lerntraining kombiniert wird – das heißt, dass neben Lernstrategien auch die seelische Stabilität der Kinder gefördert wird. Die Therapie findet meist in Einzelsitzungen statt.

Die richtige Methode für ihr Kind auszuwählen, ist für die meisten Eltern nicht einfach. Es gibt viele Förderprogramme, und das Berufsbild „Lerntherapeut“ ist nicht anerkannt. Deshalb prüft der BVL Qualität und Transparenz von Therapeuten und vergibt das BVL-Zertifikat. Auf der Website des BVL können Eltern nach geeigneten Therapeuten suchen. Eltern sollten sich auch vor Ort bei Verbänden für Dyskalkulie beraten lassen.

Eine Dyskalkulie-Therapie lässt Kinder aufblühen

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Rechenschwäche: So unterstützen Sie Ihr Kind bei Dyskalkulie

„Mathe raff ich einfach nicht!“

Der achtjährige Malte kann noch so viel üben vor einer Mathe-Arbeit – es hilft nichts. Dabei ist Malte sonst ein guter Schüler. In Mathe jedoch hat er große Schwierigkeiten. Er verwechselt die Rechenarten und zählt noch heimlich mit den Fingern. Seit dem Besuch bei einem Lerntherapeuten wissen seine Eltern: Malte hat eine Rechenschwäche (Dyskalkulie).

Damit ist er nicht allein:
„Wie breit sind 10 Zentimeter? Wie viel Geld brauche ich, wenn ich 2 Liter Milch kaufen möchte? Was bedeutet 2 + 3 = 5“ Für viele Kinder sind diese Fragen leicht zu beantworten. Noch vor Schulbeginn, spätestens aber in der zweiten Klasse, lernen sie das grundlegende Prinzip, nach dem Mengen in Zahlen ausgedrückt werden. Kindern, die unter einer Rechenschwäche leiden, fehlt dieses Verständnis für Mengen und Zahlen. „Für mich sind Zahlen wie chinesische Schriftzeichen. Ich verstehe sie einfach nicht“, sagt Malte. Die Angabe „2 Meter“ könnte für ihn die Entfernung bis zum Küchentisch sein – oder bis zur nächsten Stadt.

Über 10 wird’s schwierig!

Dass Malte so große Probleme mit dem Rechnen hat, haben seine Eltern und Lehrer lange nicht bemerkt. Zwar wunderte sich seine Mutter, dass Malte nur dann etwas kaufen wollte, wenn sie ihm das Geld abgezählt in die Hand gegeben hat. Doch erst in der dritten Klasse fiel auf, dass Malte mit Zahlen umging, ohne ihre Bedeutung begriffen zu haben. Im Zahlenraum unter zehn kam er noch einigermaßen zurecht. Danach fing er an zu tricksen. Er lernte die Rechenregeln auswendig und zählte heimlich mit den Fingern. Doch allmählich wurden die Aufgaben komplexer und seine Noten in Mathe zusehends schlechter. „Er ist eben faul“, sagte seine Lehrerin. Doch Maltes Problem lag ganz woanders: Er übte und übte, doch seine Strategie funktionierte auf einmal nicht mehr. Er verstand einfach nicht, was die Zahlen bedeuten.

So erkennen Sie eine Rechenschwäche bei Ihrem Kind

Es gibt verschiedene Arten von Rechenstörungen: Kinder wie Malte können sich unter Zahlen nichts vorstellen. Andere verstehen zwar Aufgaben wie 3 + 4 = 7, können sich aber den Rechenweg nicht merken. Wie Maltes Beispiel zeigt, werden diese Probleme oft lange nicht erkannt. Dabei könnte den betroffenen Kindern bei richtiger Förderung frühzeitig geholfen werden. Im Folgenden finden Sie einige typische Anzeichen bei denen Sie (natürlich je nach Alter und Klasse) hellhörig werden sollten:

  • Löst Ihr Kind nahezu alle Aufgaben durch Zählen?
    (Ab der zweiten Klasse verheimlichen die meisten Kinder das.)
  • Zählt es auch dann, wo sich Zählen eigentlich erübrigt (z. B. bei 13 – 12)?
  • Fallen Ihrem Kind Minus-Aufgaben besonders schwer?
  • Kann es Rechenregeln, die sich aus dem Verständnis von Zahlen und dem Zusammenhang
    von Operationen herleiten, nicht nutzen (2+4=6, 6–4 wird neu abgezählt)?
  • Hat es Schwierigkeiten, ein Ergebnis auf eine ähnliche Aufgabe zu übertragen
    (2 + 4 = 6, 22 + 4 = 26 wird neu abgezählt)?
  • Vertauscht Ihr Kind häufig Einer und Zehner, verdreht es oft Zahlen (32 statt 23)?
  • Hat es das, was es mühsam eingeübt hat, meist schon nach kurzer Zeit wieder vergessen?
  • Sagt es Einmaleins-Reihen ohne Verständnis wie ein Gedicht auf?
  • Erkennt es falsche Ergebnisse nicht als falsch und korrigiert sie?
  • Grübelt es lange über den Mathe-Hausaufgaben?
    Muss es auch für einfache Aufgaben ungewöhnlich lange rechnen?
  • Sucht Ihr Kind ständig nach einem Schema?
  • Verwechselt es häufig die Rechenarten?
  • Hat es im Alltag Probleme mit Größen (Geld, Uhrzeit, Längenmaße, Gewichte)?
  • Scheitert es regelmäßig an Textaufgaben? (Es fragt nach den gegebenen Inhalten,
    rechnet fasch, seine Antworten passen nicht zur Frage.)
  • Erledigt es seine Mathematik-Hausaufgaben nur äußerst ungern?
  • Hat Ihr Kind Angst vor Mathe-Arbeiten?
    Leidet es vorher unter Kopfschmerzen, Übelkeit und/oder Bauchschmerzen?

Mögliche Ursachen der Dyskalkulie

Die Rechenschwäche ist eine Teilleistungsschwäche. Das heißt, sie betrifft lediglich den Umgang mit Zahlen. Ansonsten sind die betroffenen Kinder normal begabt. Bei der Suche nach den möglichen Ursachen macht die Forschung in jüngster Zeit rasante Fortschritte. Eine besondere Rolle spielt dabei die moderne Hirnforschung. Inzwischen weiß man, dass es bestimmte Hirnareale gibt, die für die Zahlenverarbeitung zuständig sind. Es wird vermutet, dass diese bei Kindern mit Dyskalkulie weniger gut ausgebildet und vernetzt sind.

Was Sie als Eltern tun können

Wenn Sie einige oder viele Fragen mit „ja“ beantwortet haben, kann das ein Hinweis auf eine Rechenschwäche sein. Vielleicht sind Sie ja auch im Vorfeld schon so manches Mal verzweifelt, wenn Sie Ihrem Kind bei den Rechenaufgaben helfen wollten. „Was können wir tun?“ fragen Sie sich nun ratlos.

So finden Sie die richtige Therapie

Ganz gleich welche Probleme Sie mit Ihrem Kind haben, der erste Schritt ist immer: Holen Sie sich Hilfe! Bei der klassischen Dyskalkulie-Therapie wird ein gezieltes Lerntraining mit psychotherapeutischer Begleitung kombiniert. Dort übt Ihr Kind nicht nur gezielte Lernstrategien, sondern es wird auch die seelische Stabilität Ihres Kindes gefördert. In fast allen größeren Städten gibt es inzwischen lerntherapeutische Zentren, die sich auf Dyskalkulie spezialisiert haben. Versierte Lerntherapeuten erkennen Sie an dem Zertifikat des Bundesverbandes Legasthenie (BVL-Zertifikat). Auf dessen Website können Sie auch nach geeigneten Therapeuten suchen (www.bvl-legasthenie.de).

5 Tipps bei Dyskalkulie, die wirklich helfen

Kinder mit einer Rechenschwäche sind oft frustriert. Durch die vielen Misserfolge leidet ihr Selbstwertgefühl. Ihre wichtigste Aufgabe als Eltern ist daher, Ihrem Kind den Rücken zu stärken.

Diese Tipps helfen Ihnen dabei:

  1. Erklären Sie Ihrem Kind, was es mit der Rechenschwäche auf sich hat
    Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie Verständnis für seine Probleme haben, und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
  2. Machen Sie Ihrem Kind immer wieder seine Stärken bewusst
    Was kann Ihr Kind besonders gut? Zeigen Sie Ihrem Kind das immer wieder. So rückt die Rechenschwäche in den Hintergrund, und Ihr Kind bekommt wieder mehr Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten.
  3. Loben Sie Ihr Kind auch für kleine Erfolge
    Ihr Kind sollte nicht das Gefühl haben, dass die Situation ausweglos ist oder dass es dümmer ist als andere. Betonen Sie daher immer wieder, dass das Üben Zeit braucht, und machen Sie es auch auf kleine Fortschritte aufmerksam.
  4. Seien Sie geduldig
    Zugegeben: Die nötige Geduld beim Rechnen mit Ihrem Kind aufzubringen, ist nicht immer leicht. Bleiben Sie trotzdem geduldig, auch wenn alles Erklären und Üben nicht hilft. Für Ihr Kind ist es schon frustrierend genug, dass es diese Probleme hat.
  5. Fördern Sie Ihr Kind spielerisch
    Grundsätzlich gilt: Ihr Kind braucht Sie als Mutter oder Vater, nicht als Lehrer. Überlassen Sie das gezielte Lerntraining daher den Fachleuten.

Trotzdem können Sie im Alltag viel tun:

  • Rechnen Sie mit Ihrem Kind, indem Sie beispielsweise die Treppenstufen laut zählen oder die Zutaten beim Backen genau abwiegen und vergleichen.
  • Trommeln, springen oder klatschen Sie mal richtig ausgelassen und zählen Sie dabei.
  • Nutzen Sie spezielle Computerprogramme, die zur Förderung von Dyskalkulie entwickelt wurden.

Mein Tipp: Computertraining gegen Rechenschwäche

Das Computerprogramm „Calcularis“ hilft Ihrem Kind, das Rechnen zu trainieren und Defizite aufzuholen. Das Besondere hierbei ist, dass sich der Computer Ihrem Kind anpasst. Er erkennt, wo Ihr Kind noch Schwierigkeiten hat, und passt das Training entsprechend an. Ein Test mit 40 Kindern in der Schweiz zeigte, dass bei nur 20 Minuten üben täglich, sich die Schüler nach sechs Wochen in allen Rechenbereichen schon erheblich verbessern konnten.

Tabelle: Diese Bachblüten helfen bei Rechenschwäche

Mittel Beschreibung
Nr. 7
Chestnut Bud
Kinder mit Dyskalkulie machen häufig immer wieder die gleichen Fehler. Hier hilft diese Blüte, die auch als die „Lernblüte“ bezeichnet wird. Sie stärkt sowohl die Wahrnehmung als auch die Aufmerksamkeit Ihres Kindes und fördert seine Fähigkeit, Gelerntes im Gedächtnis zu verankern.
Nr. 8
Gentian
Durch die Rechenstörung muss Ihr Kind viele Misserfolge hinnehmen. Das frustriert auf Dauer und verleitet Ihr Kind dazu, schnell aufzugeben, wenn es wieder einmal nicht klappt. „Ich schreibe sowieso wieder eine Fünf“, ist seine Einstellung vor einer Mathe-Arbeit. Gentian (Enzian) hilft ihm, seine negative Grundeinstellung abzubauen und wieder Vertrauen?in seine Fähigkeiten zu entwickeln.
Nr. 16
Honeysuckle
Auch diese Blüte hilft Ihrem Kind, negative Erfahrungen loszulassen und mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
Nr. 19
Larch
Die Schwierigkeiten mit dem Rechnen sind immer wieder ein Schlag gegen das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Die Lärchenblüte hilft Ihrem Kind, mehr Selbstvertrauen aufzubauen und die eigenen Stärken zu sehen.
Nr. 20
Mimulus
Diese Blüte hilft gegen die Angst zu versagen und stärkt Ihr Kind für die nächste Mathe-Arbeit.
Dosierung und Anwendung:
Diese Mischung sollte über einen längeren Zeitraum (etwa drei bis vier Monate) angewendet werden. Lassen Sie sich die Blüten in der Apotheke mischen und geben Sie Ihrem Kind drei- bis viermal täglich vier Tropfen in etwas Wasser oder Saft. Wenn Sie eine Besserung bemerkt haben, können Sie später die Mischung immer dann einsetzen, wenn Ihr Kind wieder Unterstützung braucht, z. B. vor der nächsten Mathe-Arbeit.

Rechenschwäche: Wenn Dyskalkulie Kindern das Leben schwer macht

Wenn für dein Kind einfache Rechenaufgaben zur Qual werden, kann es sein, dass eine Rechenschwäche vorliegt. Wie kannst du deinen Nachwuchs am besten unterstützen?

Kinder sind verzweifelt und fürchten sich vor dem Matheunterricht. Eltern sind nicht weniger unglücklich, weil das stundenlange Üben mit dem Nachwuchs keine besseren Resultate bringt. Mathe ist wahrscheinlich für viele kein Lieblingsfach, aber für manche Kinder birgt es ein hohes Frustpotential, weil sie es einfach nicht verstehen. Wenn sie Glück haben, wird rechtzeitig erkannt, dass sie ein anderes Zahlenverständnis haben als andere Kinder und ihnen dies so viele Probleme bereitet. Dyskalkulie lautet dann die Diagnose.

Dyskalkulie: Bei dieser Rechenschwäche haben Kinder kein Verständnis von Mengen.

Dyskalkulie: Was bedeutet das überhaupt?

Dyskalkulie ist im Prinzip das rechnerische Gegenstück zu Legasthenie: Es ist eine stark ausgeprägte Rechenschwäche . Die Weltgesundheitsbehörde hat sie als Teilleistungsstörung eingeschätzt. Forscher gehen davon aus, dass das neuronale Netzwerk für die Zahlenverarbeitung im Hirn nicht so gut ausgebildet ist. Laut dem Bundesverband für Legasthenie & Dyskalkulie (BVL), sind in Deutschland drei bis sieben Prozent der Kinder und Erwachsene von Dyskalkulie betroffen. Die Betroffenen haben kein richtiges Verständnis von Rechenkonzepten. Sie zählen zum Beispiel mit den Fingern. Bei 2+6 geht das noch, aber bei 2+12 klappt es nicht mehr.

Die Betroffenen sehen Zahlen nicht als eine Anzahl an. Sie verstehen zum Beispiel nicht, dass „+2“ zwei mehr bedeutet. Es gibt kein Verständnis von Mengen. Das ganze System ist den Kindern schleierhaft. Wenn es mit den Grundrechenarten nicht klappt, hat das enorme Auswirkungen, denn in der Mathematik baut alles aufeinander auf. Ganz wichtig: Dyskalkulie hat nichts mit der Intelligenz zu tun: Dein Kind ist nicht dümmer als andere Kinder. Das solltest du dir und auch deinem Kind immer vor Augen halten.

Rechenschwäche: Was sind die Anzeichen?

Dyskalkulie wird meistens zu spät erkannt, dabei gibt es schon frühe Anzeichen, die ein schnelles Eingreifen erfordern.

  • Fingerfertig: Dein Kind zählt immer noch mit den Fingern
  • Zahlendreher: Aus 36 wird 63
  • Verständnislos: Dein Kind weiß nicht, wie man dividiert
  • Angst vor der Lücke: Lückenaufgaben bereiten große Probleme
  • Kein Maß: Maßeinheiten wie Kilometer oder Kilo versteht dein Kind nicht
  • Langsam: Dein Kind grübelt stundenlang über Matheaufgaben
  • Keine Ergebnisse: Selbst viel Üben bringt keine Resultate
  • Methode: Dein Kind lernt nur auswendig
  • Zeit: Dein Kind hat große Mühe, die Uhr zu lesen

Kleinkind

Mädchen und Mathe – na klar!

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Dyskalkulie bei Kindern: Was kannst du tun?

Je eher die Rechenschwäche deines Kindes diagnostiziert wird, desto besser. Eigentlich sollte den Kindern schon in der ersten Klasse das Konzept der Anzahl vermittelt werden. Wenn du denkst, dass dein Kind eine Dyskalkulie hat, solltest du mit dem zuständigen Lehrer sprechen. Dann muss dein Kind offiziell getestet werden – Kinder – und Jugendpsychiater führen entsprechende Tests durch. Hast du am Ende die Diagnose, setzen dann die Fördermaßnahmen ein. Und es muss bestimmte Fördermaßnahmen geben, denn normale Nachhilfe bringt bei Rechenschwäche nichts. Dein Kind braucht ein Verständnis von Zahlen.

Kritiker wie der Mathematik-Didaktiker Wolfram Meyerhöfer von der Universität Paderborn halten nicht viel von den Tests, mit denen Rechenschwäche festgestellt wird. Er möchte, dass man schon gleich beim Unterricht ansetzt. In der ersten und zweiten Klasse sollte es beim Unterricht nicht nur darauf ankommen, das richtige Ergebnis zu erzielen, sondern die Kinder müssen ein Verständnis von Mathematik bekommen. Viele Lehrer seien hier nicht richtig ausgebildet und könnten den Kindern dies überhaupt nicht vermitteln. Da gebe es noch viel Potential.

Genauso gibt es auch noch viel Potential für Fördermaßnahmen. Viele Eltern fühlen sich allein gelassen, wenn die Diagnose gestellt wird, denn außerschulische Fördermaßnahmen werden zum Beispiel nicht von der Krankenkasse getragen. Der eigentliche Test schon, aber nicht die Maßnahmen. Es gibt also noch einen großen Handlungsbedarf, der aber angegangen wird. Der Staat möchte eine Online-Plattorm schaffen, die Lehrer, Eltern und Kinder unterstützt. Bis dahin heißt es für dich, selbst nach einem Therapeuten oder Therapeutin zu suchen. Der BVL bietet eine Liste.

Hast du für dein Kind einen Therapieplatz bekommen, bleibt dir nur die Aufgabe, deinen Nachwuchs so gut wie möglich zu unterstützen. Ein paar Tipps:

  • Aufbauen: Das ist das Allerwichtigste. Erinnere dein Kind an all die anderen tollen Dinge, die es schon kann. Rechenschwäche kratzt am Selbstbewusstsein und das gilt es wieder aufzubauen.
  • Positives Denken: Gib deinem Kind das Gefühl, dass es Lösungen gibt. Die Lage ist nicht aussichtslos und ihr könnt gemeinsam überlegen, was man tun kann. Auch kleine Erfolge immer loben.
  • Geduld haben: Bis die Förderungsmaßnahmen greifen, dauert es. Es ist eine langfristige Investition, aber sie wird etwas bringen. Auch, wenn es jetzt so aussieht, als ob dein Kind immer noch große Schwierigkeiten hat.
  • Alternativen: Es gibt spielerische Methoden, die helfen können. Hüpfkästchenspiele, Gummitwist, Seilspringen oder Murmelspiele vermitteln Zählen. Du selbst kannst im Alltag das Zählen einbringen – beim Backen und Kochen kannst du beim Wiegen die unterschiedlichen Mengen vergleichen.

Hilfe bei Mathe-Problemen

Mathe – mal anders: Jedes Kind kann rechnen!

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Maßnahmen gegen Dyskalkulie haben eine wesentlich bessere Chance, wenn du sie schon rechtzeitig einsetzt. Schau genau hin, wie dein Kind rechnet. Entdeckst du erste Anzeichen, sprich mit der Schule und erörtere mit ihr das weitere Vorgehen für die Rechenschwäche. Je eher du das machst, desto schneller wird deinem Kind geholfen und ihm die Angst vor Mathe genommen.

Interview sowie Buch- und Internettipps zu Rechenschwäche

Interview mit Hans Joachim Lukow zur Rechenschwäche sowie Buch- und Internettipps zum Thema.

Interview mit Hans-Joachim Lukow

Hans-Joachim Lukow

Hans-Joachim Lukow ist Leiter des Osnabrücker Zentrums für mathematisches Lernen und Rechenschwäche.

Familie&Co: Welche Möglichkeiten haben Eltern und Erzieher, die mathematischen Kenntnisse von Kindern schon frühzeitig zu fördern?

Hans-Joachim Lukow: Hilfreich ist es, Kinder schon im Vorschulalter spielerisch mit Zahlen und Mengen zu konfrontieren. Das kann ganz zwanglos geschehen, indem zum Beispiel vier Äpfeln die Ziffer 4 zugeordnet wird. Ziel sollte es sein, den Kleinen erste Grundbegriffe des Zählens und Rechnens beizubringen und ihnen eine Vorstellung von Mengen zu vermitteln.

Warum brauchen rechenschwache Kinder eine spezielle Förderung?

Viele Kinder, die in unser Therapiezentrum kommen, sind verzweifelt. Ihnen fehlen die Motivation und die Gewissheit, Mathematik doch noch lernen zu können. Umso wichtiger ist eine gezielte Förderung durch ausgebildete Dyskalkulie-Therapeuten. Sie setzen bei ihrer Behandlung dort an, wo das Kind den Anschluss an die Logik der Mathematik verloren hat.

Worin unterscheidet sich eine solche Therapie von normaler Nachhilfe?

Herkömmliche Nachhilfe beschränkt sich darauf, Wissenslücken zu schließen. Wir hingegen führen zunächst eine ausführliche Diagnose durch, erstellen dann einen Bericht für Eltern und Lehrer und entwickeln schließlich ein Konzept, das auf die individuellen Schwächen des Kindes zugeschnitten ist – und das Rechnen von Anfang an neu aufgreift.

Buch- und Internettipps

➤ Margret Schwarz, Jeanette Stark-Städele: Elternratgeber Rechenschwäche (Knaur Ratgeber Verlage) – Die Autorinnen erklären, woran Eltern eine Rechenschwäche erkennen und wie sie ihr Kind sinnvoll fördern können. Mit vielen Übungen für mehr Spaß an Mathe.
➤ Simone Wejda: Rechenschwäche – der Kampf mit den Zahlen (Cornelsen Verlag) – Fakten zu Ursachen und Auswirkungen der Rechenschwäche sowie Infos über Diagnoseverfahren und Fördermöglichkeiten.
➤ www.ifrk-ev.de, www.rechenschwaeche.ch, www.zahlbegriff.de, www.bvl-dyskalkulie.de – Allgemeine Informationen über Dyskalkulie sowie Adressen von Therapieeinrichtungen.

Dyskalkulie – Rechenstörungen erkennen und behandeln

Manche Kinder sind seit früher Kindheit sprachlich sehr geschickt, schreiben später bereits in der Grundschule wunderschöne Aufsätze und haben wenig Schwierigkeiten, alles, was mit Sprache zu tun hat wie Lesen, Formulieren und Rechtschreiben, zu erlernen.

Andere haben größere Schwierigkeiten beim Erlernen dieser Dinge, können sich nur mühsam Rechtschreibregeln merken und bringen manchmal Formulierungen zu Papier, die vermuten lassen, es handle sich um erste Versuche in einer Fremdsprache.

Manchen Kindern bereitet das Rechnen großen Spaß, sie können mit Zahlen gut umgehen usw. Andere stehen mit Zahlen eher auf „Kriegsfuß“.

Solche Unterschiede sind völlig normal. Oftmals spricht man dann von einer eher mathematisch-naturwissenschaftlichen oder einer eher sprachlichen Begabung. Trotzdem sind die meisten Kinder in der Lage, entsprechende schulische Anforderungen in ausreichendem Maß zu erfüllen.

Neben Schwächen und Begabungen im einen oder anderen Bereich können bei manchen Kindern aber auch Störungen in einer Sparte vorliegen, die so tief greifend sind, dass auch zusätzliches Üben wenig Erfolg bringt und das Kind seine Leistungen trotzdem nicht verbessern kann. In diesen Fällen kann eine Legasthenie oder Dyskalkulie vorliegen.
Was ist Dyskalkulie?
Machen Kinder mit Dyskalkulie ganz bestimmte Fehler?
Ist mein Kind dumm?
Was muss ich tun, wenn ich den Verdacht habe, mein Kind leidet an einer Dyskalkulie?
Wie wird Dyskalkulie diagnostiziert?
Ist Dyskalkulie heilbar?
Wie kann ich meinem Kind mit Dyskalkulie helfen?

Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie ist eine Störung beim Erlernen des Rechnens. Betroffen sind etwa ein Prozent aller Kinder. Aber nicht jedes Kind, das schlecht rechnet, hat eine Dyskalkulie.

Von einer Dyskalkulie oder Rechenstörung kann unter anderem nur dann gesprochen werden, wenn ein Kind sehr viel schlechtere Leistungen im Rechnen zeigt, als man es von ihm aufgrund seiner allgemeinen Intelligenz und seines Alters erwarten würde.

Zeigt Ihr Kind beispielsweise in allen Fächern gute bis durchschnittliche Leistungen und versagt gleichzeitig vollständig im Fach Mathematik, leidet es möglicherweise an einer Dyskalkulie.

Allerdings kann nur dann eine Rechenstörung vorliegen, wenn keine Seh- oder Hörstörungen oder keine sonstige Erkrankung oder Behinderung oder eine mangelhafte Unterrichtung im Fach Mathematik als Ursache für die unzureichenden Leistungen in Frage kommen.

Machen Kinder mit Dyskalkulie ganz bestimmte Fehler?

Es gibt keine typischen Fehler, die Kinder mit einer Rechenstörung machen. Je nach Klassenstufe kommen immer neue Aspekte im Umgang mit Zahlen hinzu, die rechengestörten Kindern neue Schwierigkeiten bereiten.

Die meisten Kinder mit Rechenstörung brauchen jedoch immer besonders lange zum Lösen von Aufgaben und haben große Schwierigkeiten, sich Zahlen, Mengen und Größen vorzustellen.

Sie haben kein Verständnis für Rechenoperationen und können Ergebnisse sehr schlecht abschätzen. Soll so ein Kind zum Beispiel die Zahlen 3 und 5 zusammenzählen und kommt zu dem Ergebnis 2, wundert es sich nicht.

Ist mein Kind dumm?

Kinder mit Rechenstörung sind nicht dümmer als andere Kinder. Sie können in anderen Bereichen ebenso gute oder gar bessere Leistungen vollbringen wie andere Kinder auch. Ihre Intelligenz ist meist durchschnittlich.

Die Ursachen der Störungen sind noch nicht genau bekannt. Wahrscheinlich sind minimale Gehirnentwicklungsstörungen für die Schwierigkeiten der Kinder verantwortlich.

Oftmals haben die Kinder auch Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Die Ursachen der Rechenstörung sind noch weniger bekannt und erforscht als die der Lese-Rechtschreibstörung.

Was muss ich tun, wenn ich den Verdacht habe, mein Kind leidet an einer Dyskalkulie?

Wenn Sie glauben, Ihr Kind könnte an einer Dyskalkulie leiden, sollten Sie zunächst mit der Lehrkraft Ihres Kindes sprechen. Sie kann am besten beurteilen, ob die Leistungen Ihres Kindes tatsächlich stark vom Klassendurchschnitt abweichen.

In den meisten Schulen wird mittlerweile Förderunterricht für Kinder mit besonderen Schwierigkeiten in den Fächern Deutsch und Mathematik angeboten. Auch darüber kann Ihnen die Lehrkraft Ihres Kindes Auskunft erteilen.

Stellen Sie gemeinsam mit der Lehrkraft Ihres Kindes fest, dass möglicherweise gravierendere Störungen bei Ihrem Kind vorliegen, sind umfangreiche Untersuchungen beim Schulpsychologen und/oder bei einem Facharzt erforderlich, um zu einer eindeutigen Diagnose zu gelangen.

Im Anschluss werden Ihnen diese Fachleute auch geeignete weitere Vorgehensweisen empfehlen.

Wie wird Dyskalkulie diagnostiziert?

Die Diagnose ist aufwändig und wird in der Regel von einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie durchgeführt.

Er benötigt dazu auch Ihre Mithilfe, da Sie Ihr Kind am besten kennen. Neben Informationen über die Entwicklung Ihres Kindes ist es für den Arzt auch von Bedeutung, Einzelheiten über verschiedene weitere Schwierigkeiten Ihres Kindes zu erfahren.

Umfangreiche körperliche Untersuchungen sollen Auskunft darüber geben, ob physiologische Gründe für die Schwierigkeiten Ihres Kindes vorliegen.

Weiterhin werden je nach Fragestellung Rechentests mit Ihrem Kind durchgeführt, um – zusätzlich zu den schulischen Unterlagen – vergleichbare Informationen über die Leistungsfähigkeit Ihres Kindes zu erhalten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Untersuchung ist die Durchführung eines Intelligenztests.

Je nach Einzelfall werden möglicherweise auch weitere Untersuchungen notwendig, die beispielsweise Aufmerksamkeit oder Sprachentwicklung Ihres Kindes überprüfen.

Ist Dyskalkulie heilbar?

Diese Störung ist nicht heilbar im eigentlichen Sinn. Die Betroffenen werden wahrscheinlich immer mehr Schwierigkeiten mit den jeweiligen Aufgaben haben als andere.

Allerdings können die Kinder durch geeignete schulische Förderung und gegebenenfalls durch therapeutische Maßnahmen große Fortschritte erzielen.

Erscheint eine Therapie notwendig, werden die Eltern in die Planung, Organisation und Durchführung der Therapie mit einbezogen.

Außerdem sollte eine Abstimmung mit der Lehrkraft des Kindes erfolgen.

Qualifizierte Therapeuten werden zu Beginn immer eine genaue Fehleranalyse durchführen, damit gezielt auf die individuellen Schwierigkeiten Ihres Kindes eingegangen werden kann.

Im Anschluss werden geeignete Übungen eingesetzt, um die Fähigkeiten Ihres Kindes zu erweitern.

Neben dem Einüben bestimmter Fertigkeiten soll Ihr Kind in einer Therapie auch lernen, sich selbst positiver zu sehen, Versagensängste zu reduzieren und Verhaltensschwierigkeiten, die sich aufgrund der bestehenden Störungen entwickelt haben, abzubauen.

Wie kann ich meinem Kind bei Dyskalkulie helfen?

Leidet Ihr Kind an einer Dyskalkulie, braucht es Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung in besonderem Maße.

Da die Kinder meist sehr unter ihren schwachen schulischen Leistungen leiden, ist es besonders wichtig, dass Ihr Kind Erfolgserlebnisse in anderen Bereichen hat. Dies kann andere Schulfächer, Hobbys oder sonstige Freizeitbeschäftigungen betreffen.

Natürlich bemerkt Ihr Kind selbst, wenn es in einem Fach nicht mit Klassenkameraden mithalten kann. Möglicherweise wird es von Gleichaltrigen deshalb auch ausgelacht oder beschimpft. Sie können Ihrem Kind helfen, diese Erfahrungen zu verarbeiten, wenn Sie mit ihm darüber sprechen und Verständnis für seine Schamgefühle und Trauer zeigen.

Auch wenn es für Ihr Kind notwendig ist, mehr zu üben als andere Kinder, sollten Sie ihm auch genügend Zeit für andere Dinge, die ihm Spaß machen, einräumen.

Hausaufgaben stellen für die betroffenen Kinder und ihre Eltern oft eine besondere Herausforderung dar. Wahrscheinlich haben auch Sie es schon häufig erlebt, dass Ihr Kind alles Mögliche versucht, um Hausaufgaben zu umgehen, oder es sich in wütenden Ausbrüchen weigert, fehlerhafte Aufgaben noch mal zu machen. Kommt so etwas öfter vor, sind die meisten Eltern verständlicherweise bald am Ende ihrer Geduld.

Tägliche Streitereien wegen der Hausaufgaben können die gesamte Beziehung zu Ihrem Kind stark belasten. Wenn dies bei Ihnen bereits der Fall ist, sollten Sie nach Entlastungsmöglichkeiten für sich suchen. Vielleicht finden Sie jemanden aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis, der die Hausaufgabenbetreuung bei Ihrem Kind übernehmen kann.

Da Ihr Kind länger als andere braucht, um Lernfortschritte zu erzielen, müssen Sie Ihr Tempo an das Ihres Kindes anpassen. Dazu gehört auch, bereits kleinste Lernfortschritte zu erkennen und Ihr Kind dafür zu loben.

Wenn Sie erst dann zufrieden sind, wenn Ihr Kind ein ganzes Arbeitsblatt fehlerfrei bearbeiten kann, hat Ihr Kind wenig Chancen, dies jemals zu schaffen. Es wird auf dem Weg dorthin immer wieder entmutigt, da das Ziel unerreichbar erscheint.

Die Aufgabenschwierigkeit sollte erst dann gesteigert werden, wenn Ihr Kind den vorhergehenden Schritt sicher beherrscht.

Dyskalkulie

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Dyskalkulie: Was ist das?

Mit Dyskalkulie wird eine Störung bezeichnet, die beim Rechnen lernen auftritt. Betroffene Kinder brauchen besonders lange für das Lösen von mathematischen Aufgaben und haben wenig Verständnis für Zahlen. So würden sie zum Beispiel fünf und sechs zu drei addieren und sich dabei nicht wundern. Im Gegensatz zu einer Rechenschwäche, die auch durch emotionale Probleme, Schul- oder Lehrerwechsel ausgelöst werden kann, ist Dyskalkulie vermutlich eine angeborene Teilleistungsstörung des Gehirns. Das bedeutet, dass in einem begrenzten Bereich – Verarbeitung von Zahlen – Probleme entstehen. Auf anderen Gebieten, die nichts mit Rechnen zu tun haben, sind von Dyskalkulie Betroffene normal bis überdurchschnittlich begabt. Ein Merkmal für Dyskalkulie kann zum Beispiel sein, wenn Dein Kind nur in Mathematik deutlich schlechter abschneidet als seine Klassenkameraden, in anderen Fächern hingegen gut mitkommt. Die Störung ist demnach nicht durch mangelnde Intelligenz oder schlechten Unterricht zu erklären.

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Ursachen von Dyskalkulie

Die genauen Ursachen konnten noch nicht geklärt werden. Da die Rechen-Störung aber bei Kindern aus allen sozialen Schichten vorkommt, geht man davon aus, dass das soziale Umfeld des Kindes als Auslöser für Dyskalkulie ausscheidet. Es wird vermutet, dass es sich um eine erblich bedingte Störung im Gehirn handelt, bei der bestimmte Bereiche nicht richtig vernetzt sind, z.B. die für die Verarbeitung von Sprache, räumlichem Denken, Vorstellen von Zahlen usw.

Schätzungen zufolge tritt Dyskalkulie bei vier bis zehn Prozent der Schulkinder in Deutschland auf, wird aber nicht immer erkannt und behandelt. Tendenziell sind eher Mädchen davon betroffen. Wenn Dyskalkulie unerkannt bleibt und nicht therapiert wird, kann es zu massiven Folgeproblemen kommen. Die andauernden Misserfolge können emotionale und psychische Probleme hervorrufen:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Schul- und Prüfungsängste
  • Soziale Isolation, Kontaktschwierigkeiten, Außenseiterposition
  • Aggressivität
  • Psychosomatische Beschwerden (Bauchweh, Übelkeit, Kopfschmerzen), die auf keine körperliche Ursache zurückgeführt werden können
  • Schlafstörungen
  • Einnässen

Symptome von Dyskalkulie

Nicht jedes Kind, das schlecht rechnen kann, ist zwangsläufig betroffen. Viele Kinder haben zu Beginn Schwierigkeiten beim Verständnis von Zahlen und Mengen, wenn sie Rechnen lernen. Und jedes Kind kann mitunter das eine oder andere für Dyskalkulie typische Anzeichen zeigen. Solange diese Symptome aber nicht gehäuft zu beobachten sind, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Denn im Normalfall werden die Schwierigkeiten mit der Zeit weniger, während sie bei Kindern mit Dyskalkulie unverändert weiterbestehen. Kinder mit dieser Störung machen häufig völlig unsystematische Fehler. Hier kannst Du nachlesen, was mögliche Hinweise darauf sein können, dass Dein Kind unter Dyskalkulie leidet:

  • Dein Kind hat Schwierigkeiten beim Zählen (es benutzt die Finger als Hilfsmittel).
  • Dein Kind braucht sehr lange zum Rechnen (es nimmt auch hier die Finger zum Abzählen zur Hilfe).
  • Es verwechselt ähnlich klingende Zahlen.
  • Es verdreht Zahlen, z.B. 35 wird zu 53.
  • Es macht überdurchschnittlich viele Rechenfehler.
  • Dein Kind erkennt selbst offensichtliche Rechenfehler nicht (verschiedene Ergebnisse bei ein und derselben Aufgabe).
  • Es versteht grundlegende Rechenoperationen (Addition, Multiplikation usw.) nicht.
  • Es lernt nur mit großer Mühe das Einmaleins.
  • Es hat Probleme damit, Textaufgaben in Rechnungen umzuwandeln.
  • Das Überschreiten von Zehner- oder Hunderterschritten fällt ihm sehr schwer.
  • Dein Kind hat Schwierigkeiten mit Uhrzeiten, Maßen und Gewichten.
  • Das Abschätzen von Mengen bereitet Deinem Kind Probleme. Es weiß z.B. nicht, dass es zehn Finger hat.
  • Geometrische Figuren und räumliche Gebilde kann es nur schwer erfassen, z.B. lehnt es ab, mit Lego zu spielen oder zu malen.

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Therapie von Dyskalkulie

Zunächst muss natürlich ausgeschlossen werden, dass die Probleme Deines Kindes einfach durch schlechten Unterricht oder eine körperliche Ursache zu erklären sind, wie zum Beispiel beeinträchtigtes Seh- oder Hörvermögen. Wenn Du vermutest, dass Dein Kind unter Dyskalkulie leidet, solltest Du daher zunächst mit seinen Lehrern sprechen. Oft sind die sowieso diejenigen, die die Störung zuerst bemerken. Im Anschluss sollte eine Untersuchung beim Schulpsychologen oder bei einem Facharzt durchgeführt werden, um eine sichere Diagnose zu stellen. Hier sprecht ihr über die Entwicklung Deines Kindes und über dessen Problem in Mathematik. Ein Intelligenztest und ein Rechentest geben Aufschluss darüber, ob Dein Kind unter Dyskalkulie leidet.

Wenn die Diagnose Dyskalkulie feststeht, lässt sich die Lernstörung am besten mit einer individuell abgestimmten, ganzheitlichen Therapie behandeln. Diese besteht meist aus einer Kombination von Lern- und Psychotherapie, bei der sowohl die schulischen, als auch die emotionalen Probleme Deines Kindes in Angriff genommen werden. Dein Kind soll nicht nur lernen, seine Leistung in Mathe zu verbessern, sondern auch, sich selbst positiver zu sehen und sich mehr zuzutrauen. Wenn die Störung frühzeitig erkannt und professionell behandelt wird, lassen sich die Probleme zum größten Teil kompensieren.

Die Therapie von Dyskalkulie wird in der Regel von privaten Instituten, die sich auf die Rechenstörung spezialisiert haben, übernommen. Normalerweise müssen die Eltern die Kosten für diese Behandlung daher selber tragen, denn die Krankenkassen bezahlen die Therapie von Dyskalkulie nicht. In seltenen Fällen, wenn starke psychische Probleme als Folge der Rechen-Störung vorliegen, können Eltern einen Antrag auf Kostenübernahme beim Jugendamt einreichen.

Was kannst Du bei Dyskalkulie tun?

Wenn Dein Kind an Dyskalkulie leidet, wird es höchstwahrscheinlich immer einige Schwierigkeiten beim Rechnen haben. Eine gezielte schulische Förderung kann in Ergänzung zu einer Therapie jedoch gute Fortschritte bei der Behandlung erzielen. Deshalb solltest Du bei der Therapie darauf achten, dass Du in den Prozess mit einbezogen wirst. Auch zu den Lehrern Deines Kindes solltest Du Kontakt pflegen, sodass Du Hilfestellungen besprechen und Verständnis für Dein Kind einfordern kannst.

Das Erledigen der Hausaufgaben ist für Dein Kind mit Dyskalkulie eine besondere Anstrengung. Versuche, Geduld zu zeigen, damit die Situation nicht in Streit ausartet. Wenn Du alleine nicht helfen kannst, solltest Du überlegen, ob vielleicht eine außenstehende Person die Hausaufgabenbetreuung Deines Kindes übernehmen kann.

Wichtig ist vor allem, dass Du Deinem Kind mit Dyskalkulie Liebe und Akzeptanz entgegenbringst und es unterstützt. Beim Üben solltest Du Dich dem Tempo Deines Kindes anpassen und auch kleine Lernfortschritte anerkennen. Lobe und motiviere Dein Kind, wo immer es möglich ist. Wegen der schlechten Rechenleistungen durch die Dyskalkulie sollte Dein Kind in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Freizeitbeschäftigungen oder in Fächern, die ihm Spaß machen, Erfolgserlebnisse haben. Darum sollte neben dem Üben für Mathematik auch Zeit für Dinge bleiben, die Deinem Kind Spaß machen. Sicherlich wird es merken, dass seine Klassenkameraden in dem Fach deutlich besser vorankommen und vielleicht wird es sogar gehänselt. Aus diesem Grund solltest Du mit Deinem Kind über Dyskalkulie sprechen und immer ein offenes Ohr für seine Nöte und Sorgen haben.

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Dyskalkulie?
2. Was sind die Symptome von Dyskalkulie?
3. Was sind die Ursachen von Dyskalkulie?
4. Was tun bei Verdacht auf Dyskalkulie?
5. Interview: Dyskalkulie – die unterschätzte Lernstörung

Schon einfache arithmetische Rechenschritte wie Addition und Subtraktion, Multiplikation oder Division bereiten große Probleme. Durch das Fehlen dieser Basisfähigkeiten können auch komplexere Rechenoperationen nicht erlernt werden. Die auffälligen Schwierigkeiten im Rechnen machen sich i.d.R. bereits in der Grundschule bemerkbar.

1. Was ist Dyskalkulie?

Dyskalkulie zählt zu den Teilleistungsstörungen. Unter Teilleistungsstörungen versteht man Defizite in einem abgegrenzten Bereich , hier also der Mathematik. Dyskalkulie hat nichts mit mangelnder Intelligenz oder fehlender Begabung zu tun. Alle anderen Entwicklungs- und Leistungsbereiche des Kindes sind normal ausgeprägt. Auch die Schulleistungen in anderen Fächern sind normal.

2. Was sind die Symptome von Dyskalkulie?

Grundsätzlich gilt: Ob ein Schüler tatsächlich unter Dyskalkulie leidert, kann nur von Experten mithilfe von Tests eindeutig festgestellt werden. Eine Diagnose können Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder-/Jugendpsychotherapeuten erstellen. Rechentests können von Schulpsychologen oder Erziehungsberatungsstellen durchgeführt werden. Bei Verdacht auf Dyskalkulie wird auch die Wahrnehmungsfähigkeit im Bereich Hören und Sehen sowie die Motorik getestet. Folgende Symptome geben lediglich einen Hinweis auf eine potentiell vorliegende Dyskalkulie. Selbst bei Zutreffen der folgenden Symptome ist jedoch nicht festgestellt, dass Ihr Kind unter Dyskalkulie leidet.

  • Kinder haben Probleme, Mengen und Massen richtig zu erfassen. Insbesondere das schnelle Erfassen gelingt nicht.
  • Ob eine Menge im Verhältnis zu einer anderen größer oder kleiner, mehr oder weniger ist kann nicht eingeschätzt werden.
  • Kinder verstehen nicht, dass hinter einer Zahl eine bestimmte Menge, Größe oder Quantität steht. Sie merken sich vielmehr die Namen und Reihenfolge der Zahlen.
  • Finger, Stifte und ähnliche Abzählmittel werden ungewöhnlich lange verwendet.
  • Kinder verdrehen zweistellige Ziffern oder schreiben sie nach der Sprechreihenfolge.
  • Bei Zehner-Überschreitungen kommt es häufig zu Fehlern.
  • Mit größeren Zahlenräumen z.B. im Hunderterraum kommen Kinder schlecht zurecht, Stellenwerte werden verdreht oder vertauscht.
  • Die zugrundeliegende Logik von Rechenverfahren wird nicht beherrscht, der Wechsel in unterschiedliche Rechenverfahren gelingt nicht oder nur schwer.
  • Augenfällige Rechenfehler oder falsche Ergebnisse werden nicht bemerkt.
  • Komplexere Rechenaufgaben können nicht gelöst werden bzw. werden willkürlich behandelt.
  • Aufgaben mit Platzhaltern z.B. X – 5 = 8 können nicht gelöst werden.
  • Auch häufiges Üben führt nicht zu besseren Leistungen, da das Verständnis für die Logik der Zahlen und Operationen weithin fehlt.
  • Textaufgaben können nicht gelöst werden, da die enthaltene Aufgabenstellung nicht aus dem Text herausgelöst werden kann.
  • 3. Was sind die Ursachen von Dyskalkulie?

    Die Ursachen für Dyskalkulie sind vielschichtig und für jedes Kind individuell. Die Uni Bielefeld benennt unterschiedliche Erklärungsansätze:

    Entwicklungspsychologisch betrachtet erfolgt das Verständnis für Zahlen und mathematische Operationen bei Kindern in 4 aufeinander aufbauenden Phasen:

    1. Konkrete Handlungen mit realen Gegenständen
    2. Bildliche Darstellung
    3. Symbolische Darstellung
    4. Automatisierung im Symbolbereich.

    Ist die kindliche Entwicklung in einer Phase gestört, kann auch die Fähigkeit der nächsten Phase nicht ausgebildet werden. Damit ist das Rechnen, mit seinen komplexen und aufeinander aufbauenden Schritten sehr schwer.

    Neuropsychologisch betrachtet, setzt sich das Rechenverständnis aus unterschiedlichen Einzelfähigkeiten zusammen, z.B. visuelle und auditive Wahrnehmungsfähigkeit, räumliche Orientierung, Motorik oder Gedächtnis. Bei einer Dyskalkulie funktioniert entweder das Zusammenspiel der Bausteine nicht oder eine einzelne Fähigkeit ist nicht (richtig) ausgeprägt.

    Auch schulische Bedingungen und die individuelle Lernbiographie beeinflussen die Rechenkompetenz. Mangelndes Verständnis basaler mathematischer Begriffe, Strategien und Techniken kann die Rechenproblematik ebenso verstärken wie äußere Faktoren, z.B. häufige Lehrerwechsel in der Grundschule, Klassenstruktur, Anwendung unterschiedlicher Lehrmethoden, Misserfolgs Erlebnisse, usw.

    Wie stelle ich eine Rechenschwäche fest?

    Bei folgenden Hinweisen sollten Sie aufmerksam werden. Sie können auf das Vorliegen einer Dyskalkulie hindeuten:

  • Ihr Kind braucht unverhältnismäßig lange für Mathematikaufgaben und ermüdet sehr schnell.
  • Rechenaufgaben werden am liebsten im Beisein eines Erwachsenen gemacht.
  • Das räumliche Vorstellungsvermögen ist sehr eingeschränkt.
  • Für das Erlernen des Einmaleins braucht das Kind sehr lange und viele Wiederholungen.
  • Insbesondere das Kopfrechnen fällt sehr schwer.
  • Ihr Kind hat Probleme mit Uhrzeiten, Gewichtsangaben oder anderen Maßen.
  • Das tatsächliche Vorliegen einer Dyskalkulie kann nur ein Fachexperte mithilfe von Tests diagnostizieren:

  • Qualitative Dyskalkulietests geben Aufschluss darüber, welche Art von Fehler das Kind macht und welche mathematische Vorstellung dahintersteht. Dies ist Voraussetzung für eine anschließende individuelle Förderung .
  • Um festzustellen, dass die Rechenproblematik nicht durch Über- oder Unterforderung zustande kommen, wird ein Intelligenztest durchgeführt.
  • Auch die visuelle und auditive Wahrnehmungsfähigkeit, Motorik und Köperwahrnehmung werden getestet.
  • Rechentests können in der Schule, vom schulpsychologischen Dienst, Erziehungsberatungs- stellen oder lerntherapeutischen Einrichtungen durchgeführt werden.
  • Die Diagnose einer Dyskalkulie kann durch Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten erstellt werden.
  • 4. Was tun bei Verdacht auf Dyskalkulie? tutoria rät:

  • Wenn Sie feststellen, dass sich Ihr Kind im Rechnen über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich schwer tut empfehlen wir Ihnen: Suchen Sie den Beratungslehrer Ihrer Schule oder den schulpsychologischen Dienst auf. Diese können eine erste Einschätzung vornehmen, Sie zum weiteren Vorgehen beraten und Ihnen Adressen und Anlaufstellen in Ihrer Nähe nennen.
  • Ungezieltes, intensives Üben hilft nicht weiter. Es führt nur zur Frustration und Enttäuschung, sowohl für das Kind als auch für die bemühten Eltern. Zunächst ist eine qualitative Diagnostik erforderlich, wo genau welche Verständnisprobleme liegen. Auf dieser Grundlage erstellen Experten, z.B. Lerntherapeuten, einen individuellen Förderplan.
  • Erklären Sie Ihrem Kind, was eine Rechenschwäche ist und was sie bedeutet. Stärken Sie ihr Kind und nehmen Sie Druck und Versagensängste von ihm. Loben Sie Ihr Kind auch bei kleinen Erfolgen und honorieren Sie seine Anstrengungen. Seien Sie geduldig, denn Therapieerfolge brauchen Zeit.
  • Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht auf die Rechenschwäche Ihres Kindes. Suchen sie vielmehr gezielt Aktivitäten und Bereiche, in denen ihr Kind stark und motiviert ist und Erfolgserlebnisse verbuchen kann. Dies können andere Unterrichtsfächer, Sport, Musik o.ä. sein.
  • Eine Kostenübernahme für die Lerntherapie kann nach § 35 a SGB VIII i.d.R. über das Jugendamt vor Ort beantragt werden. Erkundigen Sie sich dort zunächst nach den genauen Bedingungen für eine Kostenübernahme. I.d.R. ist ein unabhängiges Gutachten über das Vorliegen einer Dyskalkulie erforderlich. Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten erstellen ein solches Gutachten. Nur in Ausnahmefällen übernehmen Krankenkassen die Kosten.
  • Oft können Schulen keine entsprechenden Fachkräfte oder adäquate Dyskalkulieförderung anbieten. Suchen Sie daher extern nach qualifizierten Lerntherapeuten. Lassen Sie sich dabei von Experten beraten, z.B. vom schulpsychologischen Dienst, Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle oder dem Beratungslehrer. Sie können Ihnen helfen, aus den unterschiedlich qualifizierten Lerntherapeuten und verschiedenen Therapieansätzen den passenden auszuwählen.
  • 5. Interview: Dyskalkulie – die unterschätzte Lernstörung

    tutoria sprach mit Annette Höinghaus (AH) vom Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie e.V.

    tutoria: Wie viele Kinder sind in Deutschland in etwa von Dyskalkulie betroffen?
    AH: Mehrere Studien haben ergeben, dass ca. sechs Prozent aller Kinder eine Rechenstörung haben, die auch als Dyskalkulie bezeichnet wird. Daneben gibt es deutlich mehr Kinder, die einfach nur Schwierigkeiten beim Rechnen haben. Gründe dafür sind z.B. didaktische Probleme bei der Stoffvermittlung, Ausfälle durch längere Krankheitszeiten, Aufmerksamkeitsstörungen, Umzüge in andere Bundesländer und Klassenwechsel.

    Wann und wie äußert sich Dyskalkulie?
    AH: Das Gefühl für Mengen und Zahlen ist eigentlich ein Automatismus im Gehirn. Man weiß, dass sich schon Säuglinge Mengen bewusst sind. Bei Kindern mit Dyskalkulie springt dieser Mechanismus nicht an, sie haben kein Gefühl für Mengen und Zahlen. Deshalb fällt Dyskalkulie meist sehr früh auf, oft sogar schon im Vorschulalter, spätestens dann aber in der Grundschule, wenn der Zehner-Zahlenraum verlassen wird und man mit höheren Zahlen zu rechnen beginnt. Denn solche Schüler rechnen zählend, d.h., sie benutzen dazu ihre Finger, und das wird spätestens ab der Zahl 20 schwierig. Oft versuchen sie ihre Defizite auch zu kompensieren, indem sie z.B. das Einmalseins auswendig lernen, ohne wirklich zu erfassen, was dahintersteckt.

    Worin liegen die Ursachen für Dyskalkulie?
    AH: Dyskalkulie ist eine neurobiologische Störung, die genetisch bedingt ist. Prof. von Aster aus Berlin hat dazu umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Beim Rechnen müssen mehrere Bereiche im Gehirn aktiviert werden, z.B. um Raum-Lage-Dinge zu erfassen oder logische Verknüpfungen herzustellen. Mit Hilfe sogenannter bildgebender Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass diese Areale bei Betroffenen nicht ausreichend aktiviert werden. Versucht man trotzdem intensiv ein Verständnis dafür aufzubauen, also diese Bereiche zu aktivieren oder „Umwege“ zu gehen, ist das fürs Gehirn ein immenser Kraftakt, der sogar zu Kopfschmerzen führen kann. Deshalb kann durchaus etwas dran sein, wenn Kinder sich beklagen „ich will nicht rechnen, ich krieg davon Kopfschmerzen“.

    Wie kann man denn zweifelsfrei feststellen, ob ein Kind an Dyskalkulie erkrankt ist?
    AH: Zunächst sollte man abklären, ob nicht andere Erkrankungen vorliegen wie etwa eine Aufmerksamkeitsstörung oder Schwierigkeiten mit dem Sehen. Kann das ausgeschlossen werden, sollten sich Eltern an eine fachkompetente Stelle wenden wie einen Kinder- und Jugendpsychiater oder ein sozialpädiatrisches Zentrum. Die können dann die Diagnose stellen mit Hilfe von standardisierten Intelligenz- und Rechentests, die für die entsprechende Altersgruppe und Klassenstufe ausgelegt sind.

    Wie stehen die Chancen, eine Rechenschwäche in den Griff zu bekommen?
    AH: Durch eine gute Dyskalkulie-Therapie kann es gelingen, eine Vorstellung für Mengen und Zahlen zu schaffen und Verständnis für Rechenoperationen zu vermitteln. Therapeuten nutzen dazu ganz verschiedene Kanäle: Sie visualisieren etwa das Konzept der Größenveränderung mit Bauklötzen, die zu einem Turm geschichtet werden, oder steigen mit den Kindern Treppen, um ihnen durch die aktive Bewegung ein Gefühl für das Addieren und Subtrahieren zu vermitteln. Dann sollte es ein gut-qualifizierter Therapeut in etwa zwei Jahren schaffen, das Kind in den grünen Bereich zu bringen und die Grundprobleme mit Mengen und Zahlen sowie die Grundrechenarten abzudecken. Die Methodik kann gelernt werden, da Mathematik im Vergleich zur Rechtschreibung absolut logisch ist. Sind diese Grundschwierigkeiten abgesichert, ist für solche Schüler auch das Abitur möglich. In höheren Klassen haben diese Schüler übrigens meist weniger Probleme, weil die Mathematik z.B. mit Algebra und Integralrechnung deutlich abstrakter wird. Die Problematik bei Prüfungen ist eher die Zeit; es gibt in nur wenigen Bundesländern Erlasse, dass Schüler mit Dyskalkulie einen Nachteilsausgleich in Prüfungen bekommen.

    Sehen Sie Dyskalkulie als Tabu-Thema unter Eltern? Etwas, worüber man nicht spricht?
    AH: Interessanterweise wird Dyskalkulie in der Öffentlichkeit nicht so diskriminiert wie Legasthenie. Wenn jemand nicht lesen und schreiben kann, wird das sehr abwertend gesehen, wenn jemand nicht rechnen kann, scheint das oft nur halb so schlimm zu sein. Dementsprechend bekommt Dyskalkulie sehr wenig Beachtung, was es so fatal macht. Denn ein Kind mit Legasthenie kann im Unterricht wenigstens noch mündliche Beiträge bringen, ein Kind mit Dyskalkulie hingegen ist komplett aufgeschmissen. Denn es versteht überhaupt nicht, was Lehrer und Mitschüler da machen und kann keine Ausgleichshandlungen erfahren.

    Worin sehen Sie als Bundesverband Ihre Hauptaufgabe?
    AH: Das Wichtigste ist Aufklärung. Denn die Grundproblematik ist, dass Dyskalkulie viel weniger bekannt ist als Legasthenie und Eltern oft gar nicht darauf kommen, dass ihr Kind darunter leidet. In der Schule muss dringend ein Verständnis für Dyskalkulie aufgebaut und eine entsprechende Förderung angeboten und Nachteilsausgleiche zugelassen werden. Dazu zählt z.B., dass man solchen Kindern technische Hilfsmittel wie etwa einen Taschenrechner erlaubt. Oder dass man unterschiedliche Rechenwege zulässt. Meist gibt es ja eine Vorgabe, wie eine bestimmte Aufgabe gelöst werden soll; wenn für das Kind aber ein anderer Lösungsweg aber viel plausibler ist, sollte man den auch akzeptieren.

    Liebe Frau Höinghaus, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für Ihre Arbeit!

    Medien – tutoria empfiehlt

    Jetzt Meister Cody, das wissenschaftliche Mathe Lernspiel für Kinder 5 Tage kostenlos testen.

    „Ratgeber Rechenschwäche“, Anne

    Bonhoff, Gerhard Lehr

    Mathe war und ist selten das Lieblingsfach – sowohl von Schülern heute als auch früher, als Eltern und Großeltern noch Schüler waren. Wessen Kinder Mathematik lieben – die können hier aufhören zu lesen.

    Alle anderen fragen sich vielleicht manchmal, ob der Nachwuchs nicht an einer Rechenschwäche leidet – oder einfach nur zu wenig Rechnen geübt hat?

    Erstmal ganz schrecklich trocken: Dyskalkulie ist eine sogenannte Teilleistungsstörung ähnlich wie Legasthenie, die schon länger bekannt ist. Dyskalkulie-Kinder haben es schwerer, mit Zahlen umzugehen und deshalb Schwierigkeiten in der Schule.

    Das bedeutet aber gar nicht, dass ein Dyskalkulie-Kind dumm ist. Das Kind hat die Mathematik, so wie sie ihm in der Schule erklärt wird, nicht verstanden. Möglicherweise kann es sie aber mit anderen Erklärungen verstehen oder braucht einfach in diesem Bereich etwas länger als seine Altersgenossen.

    „Es liegt weder an der Intelligenz des Kindes, noch an Faulheit, wenn ein Kind rechenschwach ist.“ sagt Diplom – Psychologe Georg Troumpoukis vom Mathematischen Institut zur Behandlung der Rechenschwäche in München.

    Infos und Link zu einem Dyskalkulie-Forum mit Fragemöglichkeit bei Einzelfällen:

    Mathematische Institute zur Behandlung von Rechenschwäche

    Nicht nur „schlecht in Mathe“: Mögliche Folgen von Dyskalkulie

    Die Folgen von Dyskalkulie können viel schlimmer sein als nur eine schlechte Note in Mathe. So können die ständigen Misserfolge zu Schulangst und zu genereller Unlust führen, überhaupt etwas zu lernen. Das Kind kommt sich möglicherweise generell unfähig vor und verliert sein Selbstbewusstsein auch in anderen Fächern. Schließlich werden in der Grundschule alle Fächer meist von dem gleichen Lehrer gegeben – da ist ein Stigma schnell da. Lehrer sind außerdem oft nicht speziell ausgebildet – sie erkennen eine Dyskalkulie also häufig nicht.

    Warum erkennt man Dyskalkulie manchmal erst spät?

    Dyskalkulie-Kinder sind häufig normal oder sogar überdurchschnittlich intelligent. So fällt diese Schwäche oft erst in der weiterführenden Schule auf. In der Grundschule hatte das Kind den Stoff auswendig gelernt, ohne die Grundlagen zu verstehen. Gerade lernstarke Kinder tun so etwas.

    Manche Kinder merken sich Zahlen und Rechenwege allerdings einfach schlecht. Das liegt aber dann meist nicht an prinzipieller Vergesslichkeit, sondern daran, dass die Kinder die Rechenwege nicht verstanden haben. Da unser Gehirn sich lieber Zusammenhänge merkt, vergessen die Kinder öfter etwas, wenn sie es eben nicht verstanden haben.

    Wie erkennt man Dyskalkulie?

    Jedes Dyskalkulie-Kind hat andere Probleme mit der Zahlenwelt: Oft fehlen grundlegende Dinge, wie das Erkennen von Mengen, und Größen. Oder es wird der Zusammenhang von Rechenarten nicht verstanden – beispielsweise dass das Malnehmen eine Fortsetzung von Addieren ist (2+2+2 = 3×2).

    Dyskalkulie-Kinder rechnen oft ziffernorientiert, nicht zahlenorientiert. Das bedeutet, dass sie es gar nicht schlimm finden, wenn sie die Reihenfolge der Ziffern einer Zahl einfach beim Rechnen umdrehen, wenn sie dadurch leichter einen Rechenweg finden können.

    Was tun?

    Dyskalkulie ist sehr vielschichtig – oft hat das Kind einige Grundlagen einfach nicht verstanden und sich in den Folgejahren intelligent „durchgemogelt“. Es hat sich seine eigenen Regeln gebastelt, wie es richtig sein könnte.

    „Wichtig ist, dass die Eltern einen Blick dafür bekommen, wie ihre Kinder mathematisch genau vorgehen und vor allem, dass sie irgendwie vorgehen“, sagt Psychologe Troumpoukis. Denn dann kann man Maßnahmen ergreifen um den Denkfehler umzuprogrammieren.

    Denn es ist möglich, eine Dyskalkulie in zu verbessern, und die mathematischen Denkverirrungen zu beseitigen. Dafür braucht man aber professionelle Hilfe. Und dies ist nicht billig: Circa 230 Euro im Monat kostet eine Therapie mit wöchentlicher Sitzung. Unter bestimmten Voraussetzungen können Eltern die Dyskalkulie-Therapie ihres Kindes durch das Jugendamt oder Fonds fördern. Also: vorab beraten lassen! Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, als Eltern spezielle Kurse zu besuchen, um den eigenen Kindern besser helfen zu können. Ein zweischneidiges Schwert, schließlich ist die Situation zu Hause oft schon ganz schön belastet. Aber besser als nichts allemal.

    Was nicht tun?

    Nutzloses Üben bringt gar nichts, wenn man die falschen Denkwege nicht erkennt. Im Gegenteil. Nicht nur, dass es alle Beteiligte Zeit und Nerven kostet und nichts dabei herauskommt. Das Üben der falschen Denkwege verfestigt diese auch noch. Der Experte aus eigener Erfahrung: „Nachhilfe bleibt hier in den meisten Fällen erfolglos, weil diese nicht das Problem an der Wurzel packt. Und meist ist die häusliche Übungssituation emotional so sehr belastet, dass ein reibungsloses Zusammenarbeiten nicht mehr möglich ist.“

    Kinder sind allein nicht in der Lage, zu übersehen, wo sie Defizite haben und diese selbständig aufzuarbeiten. Deshalb darf man sie mit dem Problem nicht alleine lassen.

    Je früher, je besser

    Klar ist – je früher eine Rechenschwäche erkannt wird, desto schneller kann man sie ausgleichen, desto weniger Frust kriegt das Kind und Folgen wie generelle Selbstbewusstseinsprobleme oder Schulunlust treten gar nicht auf.

    Rechenspiel Shut the Box

    Ein guter Tipp, Kindern allgemein mit Spaß die Zahlenwelt nahezubringen:
    Shut the box, ein Zahlenspiel aus Englands Pubshttp://www.familothek.de/shut-the-box-regeln.html
    Ziel des Spiels ist es, möglichst schnell die kleinen Holztafeln des Spielbretts, die mit Zahlen beschriftet sind, weg zu klappen. Das ist möglich, da die Tafeln durch Scharniere am Spielbrett befestigt sind. Die Spieler würfeln mit zwei Würfeln und können dann die gewürfelte Zahl nach verschiedenen Regeln wegklappen. Wer es als erster schafft, ist Sieger.

    Eine Vorlage von Familothek finden Sie hier http://www.familothek.de/vorlage-spiel-shut-the-box.html.

    Das Spiel gibt es mit den Ziffern 1 bis 10 oder bis 12. Man kann auch Plättchen mit den Zahlen beschriften und weglegen oder umdrehen.

    Falls Sie auch nach „Shut the Box“ süchtig werden und eine richtig stabile Spielvorlage kaufen wollen, diese gibt es unter anderem hier:

    Oder man nimmt die elektronischen Versionen:

    Noch eine Möglichkeit, den Spaß an Zahlen zu fördern: Magische Zahlenspiele – eine Rezension bei uns http://www.familothek.de/magische-mathematik-spiel.html

    Illustration: Isabelle Dinter

    Wichtig ist zunächst eine Abklärung der Schwierigkeiten: liegt tatsächlich eine Dyskalkulie vor? Hierzu empfehlen wir unseren Dyskakulie Kurztest und, im Bedarfsfall einen fundierten, wissenschaftlichen Dyskalkulie Test in unserem Institut.

    Bei einer entsprechenden Diagnose ist natürlich eine gezielte Förderung wichtig. Dyskalkulie-Förderung ist immer eine individuelle, auf die spezifischen Schwierigkeiten des Kindes abgestimmte Lernförderung.

    Da sie häufig zunächst Basisarbeit (Verständnis des Zahlbegriffs, Rechnen im Zahlenraum bis 10 bzw. 100) leistet, müssen alle Beteiligten (Eltern, Schüler, Lehrer der öffentlichen Schulen) viel Zeit und Geduld mitbringen, denn eine sinnvolle Dyskalkulie-Förderung dauert in der Regel mindestens 12 bis 18 Monate, häufig auch länger. Die Ausprägung der Dyskalkulie spielt hier natürlich eine wichtige Rolle, aber auch das Alter bzw. die Klassenstufe des Kindes. Grundsätzlich gilt: je später eine Dyskalkulie erkannt und behandelt wird, umso länger dauert auch die Förderung.

    Für das Kind ist es jetzt besonders wichtig, dass kein Druck ausgeübt wird. Es gerät sonst leicht in einen Teufelskreis aus Leistungsdruck, schlechten Noten, Frustration und geringem Selbstwertgefühl. Erfolge des Kindes müssen individuell definiert und entsprechend bestärkt werden.

    Aufgrund des Testergebnisses wird in unserem Institut ein individuelles Stärken- und Schwächenprofil erstellt, das die Grundlage des Förderplans bildet. Die Förderung erfolgt individuell und in persönlicher, motivierender Atmosphäre: der Kontakt mit anderen Kindern in der Gruppe und die Interaktion mit der Lehrkraft sind unverzichtbar. Selbstlernprogramme am Computer oder aus Büchern, die sich häufig nur auf ein Auswendiglernen beschränken, machen hier wenig Sinn. Informieren Sie sich detailliert über unser Förderkonzept zur Rechenschwäche.

    An wen kann ich mich wenden? Mögliche Ansprechpartner sind:

    • Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie
    • Schulpsychologischer Dienst
    • Kinderpsychologen
    • Erziehungsberatungsstellen
    • Dyskalkulie Förderung im Studienkreis
    • Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie e.V.

    Wie erkennt man eine Rechenschwäche?

    Ein begründeter Verdacht auf Rechenschwäche liegt vor, wenn mindestens eines der folgenden sechs Kriterien erfüllt ist:

    • Schwierigkeiten, die mathematischen Grundlagen zu verstehen (Zahl- und Mengenbegriff, Grundrechenarten, Stellenwertsystem)
    • Zählen statt Rechnen
    • Übermäßiges Üben hilft nicht, Hausaufgaben dauern zu lange
    • Auswendiglernen ersetzt Verständnis, schematische Lösungsversuche, z. B. schriftliche Rechenverfahren
    • Der Lernaufbau misslingt, der Schüler kann nicht mehr folgen
    • Vermeidung, Angst, seelische Belastung in Bezug auf Mathematik

    In vielen Fällen werden mehrere (oder alle) Punkte zutreffen. Auch einem geringfügigen Verdacht sollte nachgegangen werden, um einer Fehlentwicklung vorzubeugen.

    Häufige Symptome

    Im täglichen Umgang eines rechenschwachen Kindes mit mathematischen Aufgaben zeigen sich typische Auffälligkeiten:

    • Nahezu alle Aufgaben werden zählend gelöst – ab der zweiten Klasse in aller Regel versteckt.
    • Es wird auch da gezählt, wo Zählen sich erübrigt (nach 6+7=13 wird 6+8 erneut abgezählt).
    • Minus-Aufgaben fallen dem Kind besonders schwer.
    • Aus dem Zahlenverständnis und dem Zusammenhang der Operationen sich herleitende Rechenregeln bleiben ungenutzt (3+4=7; 7–4 wird neu abgezählt).
    • Dekadische Transferleistungen sind nicht möglich (3+4=7; 23+4 wird neu gezählt).
    • Einer und Zehner werden häufig vertauscht, Zahlen oft verdreht (42 statt 24).
    • Mühsam Eingeübtes ist nach kurzer Zeit wieder vergessen (besonders bei Klassenarbeiten).
    • Einmaleinsreihen werden ohne Verständnis wie ein Gedicht aufgesagt.
    • Das Kind kann offensichtlich falsche Ergebnisse nicht erkennen bzw. korrigieren.
    • Das Kind grübelt lange über den Hausaufgaben; einfache Aufgaben benötigen ungewöhnlich lange Rechenzeiten.
    • Das Kind sucht ständig nach einem Schema; verwechselt häufig die Rechenarten; weiß nicht mehr, was es machen soll, benötigt eine Beispielaufgabe zur Orientierung.
    • Der praktische Umgang mit Größen (Geld, Uhrzeit, Längenmaße, Gewichte) gelingt nicht.
    • Beim Lösen von Textaufgaben zeigt sich völliges Unverständnis (fragt nach schon gegebenen Inhalten, falsche Rechnung, Antwort passt nicht zur Frage).
    • Das Kind versucht, bestimmten Aufgabentypen zu vermeiden. Es erledigt ungern seine Mathematik-Hausaufgaben und hat Angst vor Klassenarbeiten. Verschiedene psychosomatische Symptome treten auf, z. B. Kopfschmerz, Übelkeit, Ängstlichkeit.

    Was tun, wenn ein Verdacht auf Dyskalkulie besteht?

    Wie sich eine Rechenschwäche äußert, hängt von vielen Faktoren ab, z. B. dem Alter des Betroffenen, dem individuellen Lernverhalten und seinem Lernumfeld (Eltern, Schule). Stegreifdiagnosen sind daher grundsätzlich nicht ratsam. Bei einem Anfangsverdacht sollte möglichst bald eine sachkundige förderdiagnostische Untersuchung des Kindes oder Jugendlichen durchgeführt werden. Diese stellt den Entwicklungsstand im mathematischen Denken fest und verschafft Klarheit über den Grad der Störung sowie Art und Umfang der notwendigen Hilfen (Diagnostik). In einem telefonischen Beratungsgespräch mit dem LZR Köln kann zügig geklärt werden, ob die beobachteten Schwierigkeiten mit einer Rechenschwäche in Zusammenhang stehen können und eine förderdiagnostische Begutachtung sinnvoll erscheint (Kontakt).
    Eine Rechenschwäche verschwindet nicht von selbst! Entsprechende Hoffnungen von Eltern oder Lehrern („Das wächst sich aus …“) werden von der Wirklichkeit nicht erfüllt. Ganz real ist hingegen die Gefahr, dass ein Schüler, der die Mathematik von Anfang an falsch verstanden hat, sich im Laufe der Schulzeit immer mehr in sein eigenes „Sicherheitsnetz“ aus hilflosen Kompensationsstrategien verstrickt, aus dem ihn auch fleißiges Üben und Nachhilfeunterricht nicht mehr befreien können.

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