Wann zweites kind planen

Inhalte

Das zweite Kind – Wann ist der optimale Zeitpunkt?

Kinder kosten Geld, machen viel Arbeit und bringen Unruhe und Stress ins Leben – im Gegenzug ist es einfach wunderbar, Kinder um sich zu haben und zu erleben, wie sie die Welt sehen. Das ist beim zweiten Kind genauso wunderbar und doch ganz anders, denn jeder Mensch ist gänzlich individuell. Vaterfreuden will hier einige Orientierungshilfen geben, damit Ihnen die Entscheidung wann das zweite Kind kommen soll, etwas leichter fällt.

Grundsätzliche Gedanken zum zweiten Kind

  • Kinder kosten Geld – und zwar jede Menge. Das wird beim zweiten Kind nicht weniger – allerdings gibt es diverse staatliche Hilfen, die zumindest teilweise finanziell entlasten.
  • Das zweite Kind ändert den Lebensstil maßgeblich. Zwei Kinder sind weniger leicht bei Großeltern oder anderen Verwandten unterzubringen und eine Drei-Zimmer-Wohnung reicht langfristig nicht aus – selbst das Auto kann eventuell zu klein werden und es muss ein neues, geräumigeres angeschafft werden.
  • Gemeinhin sagt man, dass die zweiten Kinder pflegeleichter sind. Das stimmt manchmal, aber längst nicht immer.
  • Viele Anschaffungen, die man beim ersten Kind gemacht hat, können bei Nummer zwei wieder zum Einsatz kommen.
  • Nach der – auf jeden Fall anstrengenden – Anfangsphase mit Baby und Kleinkind kommen Zeiten, in denen zwei Kinder durchaus entlastend wirken. Sie können sich gut miteinander beschäftigen, den Eltern bleibt mehr Zeit für den Alltag und auch für sich.
  • Beim ersten Kind lernen Eltern unglaublich viel – dieses Wissen können sie beim zweiten Kind wieder anwenden und dadurch häufiger gelassener reagieren.

Über den richtigen Zeitpunkt

Gibt es den richtigen Zeitpunkt für ein Kind? Es gibt immer viele Gründe, die dagegen sprechen, eher wenige dafür, denn ein Kind hat per se keine echten „Vorteile“. Ist ein zweites Kind geplant sollten aber grundsätzlich folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Lebensverhältnisse sind einigermaßen stabil, vor allem auch in materieller Hinsicht. Klar kann sich das jederzeit ändern, doch Schwangerschaft, Geburt und auch die ersten Lebensmonate verlaufen gelassener, wenn das Kind in eine gesicherte Lebensphase hineingeboren wird.
  • Wie sieht es gerade im Beruf aus? Ist – und das betrifft häufig die Mütter – man bereit, die berufliche Entwicklung zurückzustellen und fürs Kind zu Hause zu bleiben?
  • Wie gut geht es der Partnerin nach der ersten Geburt? Eine Regenerationsphase für den Körper der Frau ist wichtig; häufig besteht auch das Bedürfnis, den Körper mal wieder für eine Zeitlang ganz für sich zu haben.
  • Und wie sieht es mit Ihnen aus? Sind Sie bereit, noch einmal für längere Zeit auf Ihre Frau zu „verzichten“? Die Paarbeziehung und häufig auch der Sex kommen nach dem ersten Kind oft zu kurz. Kommt ein zweites hinzu, wird sich diese Situation nicht unbedingt verbessern.
  • Eltern und auch das bereits vorhandene Kind sollten gesund und munter sein. Dies ist jetzt keinesfalls ein Ratschlag, kein weiteres Kind zu bekommen, wenn es in der Familie ein Mitglied mit einer schweren oder chronischen Erkrankung gibt. Dennoch sollte man sich dann genau überlegen, ob die Kraft für ein weiteres Kind ausreicht.

Gibt es den perfekten Altersunterschied?

Ja und Nein. Jeder Altersunterschied zwischen Kindern hat Vor- und Nachteile: Sind die Kinder nur eineinhalb bis zwei Jahre auseinander, können sich die Eltern freuen, denn irgendwann werden sich die Kinder auch Spielgefährten sein. Andererseits ist bei diesem Altersabstand die Geschwisterrivalität besonders stark ausgeprägt und Sie sollten sich auf heftige Kämpfe einrichten. Die Belastung für die Eltern ist in dieser Zeit ohnehin groß, da zwei kleine Kinder betreut werden müssen.

Einfacher wird es, wenn der Abstand drei bis vier Jahre beträgt. Die Kinder können gerade so noch miteinander spielen, Rivalitäten sind seltener, da das große Kind schon verständiger und nicht mehr ganz so angewiesen auf die Eltern ist. Dieser Abstand wird im Allgemeinen als optimal eingeschätzt.

Beträgt der Altersunterschied mehr als vier Jahre, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kinder nicht mehr wirklich etwas miteinander anfangen können. Auch die Freizeitgestaltung wird oft schwierig, da die Bedürfnisse und Interessen von großem und kleinem Kind sehr unterschiedlich sind. Dagegen werden Sie um einiges ruhiger sein und die Anstrengung, die ein Baby bedeutet, eher meistern können.

Fazit

Kinder sind etwas Wunderbares – das wissen alle Eltern. Bei der Überlegung, ob und wann das zweite Kind ins Leben passt, sollte man sich auch, aber nicht ausschließlich vom logischen Verstand leiten lassen. Ebenso wie äußere Faktoren kann man auch über den „richtigen“ Altersunterschied ewig diskutieren und grübeln. Sie wünschen sich jetzt ein Baby und Ihrer Partnerin geht es ebenso? Dann sollten Sie – außer es sprechen wirklich schwerwiegende Gründe dagegen – nicht allzu lange zögern und sich diesen Traum erfüllen.

Schlaflos

© Picture AllianceAuch wenn das Kind sich eigentlich ein Pony wünscht: Eltern können nur Babys.

Sila Sahin hat es vorgemacht, und Respekt, wer es nachmacht: Die Schauspielerin ist ein paar Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes wieder schwanger geworden. Dabei wurden sie und ihr Mann, der Fußballtorwart Samuel Sahin-Radlinger, nach eigener Aussage von der erneuten Empfängnis überrascht – was etwas erstaunt, denn sie wissen ja, wie so was zustande kommt, aber das ist eine andere Geschichte. Sie freuen sich jedenfalls sehr, und so bleibt nur zu sagen: Glückwunsch! Und: Daumen gedrückt!

Die unerwarteten Baby-News haben einen angenehmen Nebeneffekt für das Promi-Paar. Ihm bleibt seit der Bekanntgabe erspart, was viele andere Eltern zu hören bekommen, kaum, dass ihr erstes Kind abgenabelt ist: „Und? Wann kommt das zweite?“ Offenbar gehen die meisten – gemäß dem fürchterlichen Spruch „Ein Kind ist kein Kind“, den ich mir auch schon anhören durfte und für dessen gesellschaftliche Ächtung ich mich hiermit ausspreche – automatisch davon aus, dass es ein zweites gibt. Das allein wäre hier schon einen eigenen Beitrag wert. Aber sofern sich Paare tatsächlich mehrere Kinder wünschen, ist das „richtige“ Timing für das zweite in der Tat spätestens nach der Geburt des ersten ein Thema. Idealerweise vielleicht nicht gleich an der Kaffeetafel mit Omas, Nachbarn oder Tanten, das gibt nur böses Blut.

Meinem Eindruck nach versuchen viele Paare (oder haben versucht), ihre Kinder möglichst in kurzer Folge nacheinander zu bekommen. Das Stichwort „Effizienz“ mag in diesem Zusammenhang schräg klingen, aber jeder weiß, dass eine Familie eben Kosten verursacht, gemessen in Zeit und in Geld und in Energie. Deshalb kann es beispielsweise für Frauen Sinn machen, mit dem zweiten Kind schwanger zu werden, solange das erste möglichst klein ist und sie womöglich sogar noch in Elternzeit sind – damit sie nicht zuerst (aufgrund der vielen Hindernisse für berufstätige Eltern bisweilen mit viel Mühe) ins Arbeitsleben zurückkehren, um erneut auszufallen, wenn es im Job gerade wieder richtig läuft. Und es gibt Familien, die schlicht darauf angewiesen sind, die beruflichen Auszeiten der beiden Elternteile möglichst kurz zu halten, weil es sonst finanziell zu eng wird, und die sich deshalb mit der Nachwuchsproduktion beeilen. Nicht zuletzt treibt viele Eltern aber auch die Frage um, welcher Altersunterschied für die Kinder selbst ideal ist. Dabei drängt sich auf den ersten Blick der Gedanke auf: Je weniger Abstand zwischen den Kindern, desto besser für ihre Beziehung untereinander und das familiäre Gefüge insgesamt. Das habe ich selbst lange Zeit geglaubt.

In meiner Familie ließ sich diese These über die Jahre hinweg gut testen, denn bei meinen eigenen Geschwistern und mir ist eine große Bandbreite möglicher Altersunterschiede vertreten. Eine meiner drei Schwestern ist zum Beispiel nur knapp ein Jahr älter als ich, sie hat sechs Tage nach mir Geburtstag (ich habe mich nie getraut, meine Eltern dazu näher zu befragen… zu viel Kopfkino). Wir wurden zusammen eingeschult, waren auf dem Schulhof die Quasi-Zwillinge mit den langen Zöpfen und stehen uns bis heute sehr nahe, obwohl wir sehr unterschiedlich sind. Wir haben einfach viel Ähnliches gleichzeitig oder kurz nacheinander erlebt, das schweißt zusammen. Ich weiß aber auch von einer Bekannten, dass die Harmonie unter Kindern ähnlichen Alters längst nicht garantiert ist, erst recht nicht von Anfang an. Sie hatte ihren ersten Sohn gerade mit großen Schwierigkeiten abgestillt, als das zweite Baby kam. Als der Erstgeborene sah, dass da jemand anderes an der Brust der Mutter hängt, raste er vor Eifersucht, und es dauerte lange, bis er seine kleine Schwester akzeptierte. Kann sein, dass die beiden eines Tages dennoch ein Herz und eine Seele werden (sie sind noch klein), oder aber sie gehen sich an die Gurgel. Das Beispiel zeigt jedenfalls: Simultane Entwicklung und ähnliche Bedürfnisse, das birgt auch Konfliktpotenzial.

Also lieber ein bisschen mehr Zeit verstreichen lassen zwischen Kind eins und Kind zwei, dann läuft es besser? So einfach ist es auch wieder nicht. Zwischen meiner ältesten Schwester und mir liegen moderate vier Jahre. Heute spielt dieser Altersunterschied keine Rolle mehr. Im Kindes- und Jugendalter allerdings lagen nicht nur vier Jahre, sondern ganze Galaxien zwischen uns, und es flogen regelmäßig die Fetzen. Da nützte es auch nichts, dass wir beide Mädchen waren – übrigens auch so eine recht häufig anzutreffende, aber fragwürdige These: dass gleiche Geschlechter tendenziell besser harmonieren als unterschiedliche.

Eine letzte Schwester habe ich noch zu bieten, und hier ist der Altersunterschied ziemlich ungewöhnlich: Ich war 14 und damit mitten in der Pubertät, als sie geboren wurde. Meine anderen Schwestern und ich fanden das Ganze irgendwie unheimlich (Kopfkino!), aber auch irgendwie cool. Wir Großen hatten erst ein knuddeliges Baby/Kleinkind zum Bemuttern, und Jahre später verhinderte die Nachzüglerin, dass unsere Eltern in einem leeren Haus durchdrehten, als wir Älteren eine nach der anderen auszogen. Bis heute ist unsere kleine Schwester unser aller Augenstern. Seit Neuestem studiert sie, und wir „Großen“ platzen vor Stolz. Wenngleich unser Verhältnis durch den großen Altersunterschied natürlich nicht das typische Schwesternverhältnis ist, ist es einfach unfassbar toll, dass es sie gibt, die Nachzüglerin. Das einzig Uncoole: Man fühlt sich neben ihr ganz schön alt. Und sie selbst muss sich ständig altkluge Ratschläge anhören.

Was ich mit all diesen Geschwisterkinder-Anekdoten zum Ausdruck bringen will: Für die Frage, wie sich Kinder untereinander verstehen, kann das Alter entscheidend sein – oder aber völlig egal. Charaktere und Lebensumstände spielen dafür jedenfalls mindestens eine genauso wichtige Rolle. Und entspannte Eltern sind für ein friedliches Familienleben auch nicht unerheblich. Das mag eine Binsenweisheit sein, und dennoch machen sich landauf, landab junge Paare großen Stress, nach dem ersten Kind möglichst schnell das nächste zu produzieren. Junge Mütter pieseln in Plastikbecher und halten Ovulationsteststreifen hinein, um den perfekten Moment fürs Babymachen abzupassen, während nebenan ein Baby oder Kleinkind im besten Fall schläft, im schlimmsten Fall brüllt. Und Väter müssen sich allzeit für den vermeintlich perfekten Moment bereithalten – egal, ob es gerade romantisch/kuschelig/aufregend ist oder nicht.

Ich selbst hatte mir auch ausgemalt, dass wir Gas geben würden. Es sollte anders kommen: Vor viereinhalb Jahren wurde unser erster Sohn Ben geboren, und daraufhin waren mein Mann und ich eine ganze Weile lang abends ziemlich müde. Die Entscheidung, uns mit Baby Nummer zwei nicht verrückt zu machen, hat sich als goldrichtig herausgestellt. Denn der Altersunterschied von fast genau vier Jahren macht sich bei unseren beiden Jungs – im Gegensatz zu meiner ältesten Schwester und mir seinerzeit – bisher nur positiv bemerkbar: Einem Vierjährigen kann man schon ganz gut gut erklären, dass das neue Familienmitglied ab und zu besondere Zuwendung braucht. Ben nimmt meistens Rücksicht, liebt seinen kleinen Bruder heiß und innig, zumal er seine Dinos und Piratenschiffe noch lange nicht teilen muss. Und dem Baby ist sowieso noch vieles egal.

Falls mich jemand fragt, lautet mein Tipp deshalb: Nicht zu viel herumrechnen bei der Familienplanung, das törnt ab. Und nicht vergessen (Eltern selbst tun das sicher nicht, aber oftmals die unsensiblen Omas, Tanten und Nachbarn): Babys gibt es eben nicht auf Knopfdruck. Es ist ein ganz schönes Glück, wenn man sich ein Kind wünscht und es klappt. Und es ist ein unfassbares Glück, wenn es sogar noch mal klappt.

ID 324454121

Ein weiteres Kind soll in die Familie geboren werden – ein großes Ereignis auch für Geschwisterkinder! Sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder haben Vorstellungen, Bedürfnisse, Ängste und Sorgen, wenn Familienzuwachs kommt. Ist ein Geschwisterchen noch in Planung, treten viele Fragen auf. Einigen von ihnen wollen wir hier auf den Grund gehen.

Warum brauchen Kinder andere Kinder?

In den früheren Großfamilien ging es immer turbulent zu und die Kinder waren mitten im Geschehen. Sie hatten mehrere Bezugspersonen und waren nicht ausschließlich auf Erwachsene fixiert, da sie sich untereinander zu beschäftigen wussten. Mit Konflikten innerhalb der Familie lernten sie gemeinsam gut umzugehen.

In der heutigen Kleinfamilie leben Kinder isoliert und werden in ihren sozialen Erfahrungen eingeschränkt. Kinder lernen von Kindern durch Nachahmung besser als von Erwachsenen. Mütter, deren Kinder bereits in den Kindergarten gehen, wissen darüber Bescheid. Die dort geschlossenen Freundschaften und die Akzeptanz, die dem Kind unter anderen Gleichaltrigen zugesprochen wird, führen dazu, dass es lernt, sich selbst einzuordnen. Dies ist wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein. Einzelkinder brauchen deshalb eine gute soziale Anbindung durch Eltern-Kind-Gruppen, häufige Spielplatzbesuche oder den Kindergarten.

Mehrkind-Mütter wissen, dass die jüngeren Kinder in ihrer Entwicklung von älteren Geschwistern profitieren, indem sie von ihnen lernen. Geschwister gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise und tragen wechselseitig neue Ideen heran. Einmal sind sie ein Team, dann zanken sie sich wieder. So lernen sie sich durchzusetzen oder nachzugeben und suchen Lösungen für die aufgetretenen Konflikte. Sie erwerben im Umgang miteinander die Grundlagen sozialer Kompetenz.

Geschwisterbeziehungen sind von der emotionalen Ambivalenz zwischen positiven und negativen Gefühlen füreinander geprägt. Im besten Fall sind Geschwister Vertrauenspersonen und fühlen sich gegenseitig verpflichtet, im schlechtesten Fall zieht sich Streit bis ins Erwachsenenleben hinein und wird nie bereinigt. Man darf nicht vergessen, dass man sich seine Geschwister nicht aussuchen kann! Diese Verbindung kann nicht beendet werden und ist die ausgedehnteste und längste Beziehung im Leben eines Menschen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Geschwisterkind?

Wenn man Eltern mit mehreren Kindern befragt, wann der ideale Zeitpunkt für einen Familienzuwachs sei, wird man die unterschiedlichsten Antworten erhalten. Einige schwören auf einen kurz bemessenen Altersabstand, andere wiederum auf einen längeren. Wann der der richtige Zeitpunkt für ein Geschwisterkind ist, kann jedoch niemand beantworten – außer man selbst. Im Vordergrund stehen letztendlich deine Bedürfnisse und die deiner Familie. Einige Denkanreize können jedoch dabei behilflich sein, eine richtige Entscheidung für die gesamte Familie zu treffen:

Wie fühlst du dich derzeit in deiner Mutterrolle? Kommst du momentan an deine Grenzen und sehnst du dich nach einer Ruhepause? Vielleicht wäre es dann eine gute Idee, diesem Bedürfnis nachzukommen, Kraft zu tanken und dann erst ein weiteres Kind zu bekommen.

Empfindest du dein erstes Kind als pflegeleicht? Möchtest du recht bald mit dem Kinderwunsch und der Familienplanung abschließen? Willst du möglichst ohne eine weitere Babypause in deinen Beruf zurückkehren? Tickt die biologische Uhr? Dann wäre ein knapper Altersunterschied erstrebenswert.

Der Gedanke an ein zweites Kind ist oft nicht vorhanden, wenn Mütter aus finanziellen Gründen wieder früh zu arbeiten beginnen. Andererseits bekommen Frauen, die sich ihres Arbeitsplatzes sicher sind, ihr zweites Kind häufig ziemlich rasch nach dem ersten.

Je älter Kinder sind, umso besser kommen sie mit einem Geschwisterchen zurecht. Eifersucht und Neid unter Geschwistern sind ab einem Abstand von vier bis fünf Jahren nicht mehr so ausgeprägt. Das ältere Kind kann sich fürsorglich bei der Pflege des Babys beteiligen und manches sogar selbst erledigen. Wenn das Kind bereits im Kindergarten ist, hast du Zeit dein Neugeborenes besser kennen zu lernen und auch ihm die ungeteilte Zweisamkeit zukommen zu lassen.

Ob Kinder mit einem geringeren Altersunterschied wirklich besser miteinander spielen können oder im späteren Leben gut miteinander zurechtkommen, hängt jedoch nicht allein vom Altersunterschied ab, sondern auch von der Persönlichkeit der Kinder.

Neid unter Geschwistern?

Es gibt kaum ein Kind, das sich im Vergleich zu seinen Geschwistern gerecht behandelt fühlt. Egoismus den Geschwistern gegenüber ist im Tierreich eine überlebensnotwendige Eigenschaft. Auch wir Menschen tragen dieses Erbe in uns, auch wenn es in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr gebraucht wird. Die heutigen Eltern bemühen sich, jedes Kind gleich zu behandeln, unabhängig von der Rangfolge. Allerdings zeigen Studien, dass es Einflussfaktoren gibt, die den Erst-, Mittel- oder Letztgeborenen unterschiedliche Chancen einräumen. Beispielsweise beeinflussen Geschlecht, Altersabstand, körperliche Unterschiede und die Beziehung der Eltern untereinander die Rolle, die ein Kind im späteren Leben einnehmen wird. Jedoch werden in den meisten Studien nur Differenzen berücksichtigt, die anhand von Intelligenz und Charakter der Probanden ersichtlich sind.

Diese Rollen werden bei jedem Kind neu definiert und sind auch für das spätere Leben entscheidend. Es ist also kein Zufall, dass Erstgeborene und Einzelkinder häufiger in Führungspositionen zu finden sind. Der Erstgeborene wurde früher als „Stammhalter“ gesehen und hatte immer eine besondere Stellung in der Familie, dies blieb bis heute bestehen. Dagegen werden mittlere Kinder statistisch gesehen am häufigsten zeitlich und finanziell benachteiligt. Mittelkindern wird nachgesagt, dass sie gut vermitteln können, umgänglich sind, früher das Elternhaus verlassen und besondere Begabungen in einem Spezialgebiet entwickeln. Letztgeborene, auch bekannt als „Nesthäkchen“, werden oft weniger streng behandelt und erben meist schon alles, was sie brauchen, von den älteren Geschwistern. Sie bekommen von vornherein mehr Aufmerksamkeit, die noch größer wird, sobald die älteren Geschwister aus dem Haus sind. Eigenschaften, die sie u.a. charakterisieren: rebellisch, kontaktfreudig, innovativ.

Der beste Zeitpunkt, um Eifersucht zwischen den Geschwistern vorzubeugen, ist bereits in der Schwangerschaft. Der Familie sollte bewusst sein, dass es Neid gibt und er auch völlig natürlich ist. Wie ausgeprägt die Eifersucht auf das Geschwisterkind sein wird, hängt jedoch von der Persönlichkeit und dem Alter des Kindes ab. Je energischer ein Kind ist, umso energischer wird auch sein Neidverhalten sein. Ein älteres Kind kann Eifersucht bereits verbal ausdrücken, mit ihm kann gemeinsam eine Lösung für das Verhalten gesucht werden. Ein jüngeres Kind hingegen ist sich seines Gefühlsausbruches und dessen Wirkung nicht bewusst und braucht eine angemessene Begleitung, um damit zurecht zu kommen.

Um Eifersuchtsszenarien begleiten zu können und eine realistische Einschätzung der Lage zu bekommen, ist es wichtig, die Situation aus den Augen des Kindes zu betrachten. Vielleicht hat sich das Kind schon auf sein Geschwisterchen gefreut und ist enttäuscht, dass es dann doch nicht gleich mit ihm spielen konnte. Oder dem älteren Kind wird nach der Geburt des Babys zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil jeder Besuch, der kommt, nur den Neuzugang begrüßt. Eine solche Kränkung ist natürlich ernst zu nehmen, dennoch bleibt dem Kind diese Erfahrung letztendlich nicht erspart und ist für sein gesamtes Leben prägend.

Wie bereite ich mein Kind am besten auf sein Geschwisterchen vor?

Ideal wäre es, das Kind bereits in der Schwangerschaft, am besten nach dem dritten Schwangerschaftsmonat, in den neuen Umstand mit einzubinden. Dabei sind Bücher hilfreich, die dem Kind alles rund um die Geburt des Geschwisterchens und die Zeit danach näher bringen. Schön ist es auch, das Kinderzimmer gemeinsam zu gestalten oder Willkommensgeschenke für das Baby zu basteln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Kinder brauchen realistische Vorstellungen darüber, wie es nach der Geburt des Babys sein wird. Vorrangig braucht das Neugeborene die Nähe der Mutter und Nahrung, also kann das größere Kind nicht sofort mit dem Geschwisterchen spielen, wie es vielleicht glaubt. Je ehrlicher über die Veränderungen gesprochen wird, umso geringer wird eine mögliche Enttäuschung für das Großkind sein. Aber auch die Eltern stellen sich oft die Zeit nach der Geburt einfacher vor, als sie dann tatsächlich ist. Einige Kinder reagieren mit Ablehnung gegenüber dem Ungeborenen, die normal und verständlich ist. Das bedeutet nur, dass sie um die ungeteilte Liebe der Eltern bangen.

Vor der Ankunft des Babys sollten die anstehenden Veränderungen mit allen Familienmitgliedern besprochen werden. Schon in der Schwangerschaft kann der Papa oder eine andere nahestehende Person mehr Zeit mit dem Kind verbringen und so zu einer wichtigen Vertrauensperson für das Wochenbett werden, wenn Mama hauptsächlich mit dem Baby beschäftigt ist. Auch geben vertraute und wichtige Rituale, wie beispielsweise die tägliche Gute-Nacht-Geschichte, dem Kind zusätzlichen Halt und sollten nach der Geburt wie gewohnt weitergeführt werden.

Kinder mögen es, den Eltern zu helfen, und freuen sich über Aufgaben, die sie eigenständig erledigen können. So wird auch die Ankunft eines neuen Geschwisterchens erleichtert, indem das große Kind sich in seine Versorgung und Pflege eingebunden fühlt. Je nach Alter kann es einfache Handlangerarbeiten machen oder sogar beim Wickeln des Babys behilflich sein. Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass Kinder auch Zeit benötigen, in der sie die Mama ganz für sich ohne Geschwisterchen haben. Älteren Kindern könnte ein Tag im Monat nur mit Mama angeboten werden.

Der Königsweg besteht darin, das Kind selbst nach seinen Bedürfnissen zu fragen. Viele Eltern werden erstaunt sein, wie präzise Kinder ihre Wünsche formulieren können!

Geschwister: Was ist der ideale Altersabstand?

So klappt es: Bei Wutausbrüchen und Klammern hilft Kuscheln und Geduld. „Zwei Wickelkinder kos­ten Energie“, erklärt Frick. „Der Vorteil aber ist: Sie leben in ähnlichen Welten, das dürfen Eltern nutzen.“ Konkret bedeutet das, dass die Großen kein ausgefeiltes Freizeitprogramm brauchen. Gut funktioniert das Miteinander, wenn der Alltag unaufgeregt geteilt wird. Eltern sollten dem Erstgeborenen erklären, was sie gerade­ tun, rät Frick. Zum Beispiel so: „Ich schließe jetzt die Windel, und wenn Marie den Strampler anhat, habe ich Zeit für dich.“

Die Eltern­stimme beruhigt; das Erstgebo­rene merkt, dass es auch dann dazugehört, wenn das Baby im Mittelpunkt steht. Ein weiterer Tipp: Das Kleinkind begleitet den Baby­alltag spielend, es stillt etwa seine Puppe, wenn auch Mama stillt. „Das Erstgeborene ist beschäftigt, ­ohne dass die Eltern es aktiv beschäftigen müssen“, sagt Frick. Und: „Konkurrenz unter den Kindern sollten Eltern nicht befeuern, sondern moderieren“, rät der Psychologe. Statt zu betonen, dass ein Kind schon etwas kann und das andere nicht, besser liebevoll erklären, dass jeder Mensch Stärken hat, und auf diese verweisen. Das wirkt Neid und Selbstzweifeln entgegegen. Gut ist, wenn später jedes Kind sein eigenes Hobby hat.

Dafür lassen sich ­gemeinsame Aktivitäten sehr gut umsetzen, kleinste Erlebnisse werden beiden gerecht. Musik etwa mögen Kleinkinder und Babys. ­Also ran an Rassel, Klangstäbe und Co.! Oder gemeinsam singen und tanzen, das Baby kann dabei im Tragetuch liegen. Auch Bilderbücher betrachten, Roll-Ballspiele oder schlicht kuscheln lieben beide. Sie erleben Geborgenheit und gewöhnen sich aneinander.

3 bis 4 Jahre Abstand

Liegt zwischen den Kindern ein mittlerer Altersabstand, ist das für die Eltern meist entspannter – körperlich wie psychisch. Denn mit etwa drei Jahren lässt die ganz ­enge Bindung an die Eltern nach. Das schafft kleine Verschnaufpausen, wenn das Erstgeborene zum Beispiel für sich puzzelt oder malt. Eifersucht gibt es trotzdem. Typisch aber: Sie bricht sich nicht mehr eins zu eins Bahn. „Die Wut über die Entthronung verschiebt sich zum Beispiel auf die Katze, die gepiesackt wird“, sagt Frick. Oder auf die Mutter: Plötzlich darf nur noch Papa beim Zähneputzen helfen. „Das kindliche Ich-hab-dich-nicht-mehr-lieb resultiert aus der Angst, den angestammten Platz zu verlieren“, erklärt der Psychologe. Auch häufig: ein Zurückfallen in kleinkindliche Verhaltensmuster.

So klappt es: „Ich habe dich sehr lieb, auch wenn du mich gerade ablehnst“ – das ist die wichtigste Botschaft, die Erstgeborene jetzt brauchen. Das muss nicht zwingend in der Situation sein; meist bedeutet das eine Überforderung für ­beide. Gut helfen zum Beispiel exklu­sive Kuschelminuten. Überhaupt wirkt Solo-Zeit wahre Wunder: Das kann ein Nachmittag mit ­Mama oder ­­Papa bei einem Kindergartenfreund sein oder das Toben mit nur einem Elternteil auf dem Bolzplatz. Die Großen tanken auf, weil sie im Mittelpunkt stehen und sich nicht dem Baby unterordnen müssen. Um den Mittelpunkt geht es auch, wenn Erstgeborene kurzfris­tig in ­alte Verhaltensweisen fallen und etwa der Toilettengang nicht mehr klappt. Sie fordern Aufmerksamkeit (auch Schimpfen ist Aufmerksamkeit!) – die Eltern dafür besser nicht geben.

Wie fällt das Aneinandergewöhnen leichter? „Indem Eltern das Ge­schwis­terkind in die Baby­pflege ein­beziehen“, sagt Frick. Es also beim Wickeln oder Breikochen mitmachen lassen. „Denn Helfen macht Kinder stolz.“ Und das Erstgebo­rene findet so seine neue ­Rolle: die des Älteren, das dem Jüngeren ­etwas beibringen kann. Das schafft Vertrauen und Geborgenheit.

Gemeinsame Aktivitäten stärken die Geschwister-Verbundenheit. Drei- und Vierjährige lieben Bewegung, der Spaziergang mit dem Kinderwagen darf deshalb zur Abenteuerreise werden: Die Gro­ßen lösen Aufgaben, sammeln etwa Schneckenhäuser oder zählen rote Autos. Gut sind auch Orte, die beiden gerecht werden, im Alltag kann das ein Park oder Spielplatz sein (das Baby be­obachtet von seiner Decke aus), für Ausflüge ein Tierpark oder ein Schwimmbad.

6 Jahre und mehr auseinander

Ist der Altersabstand so groß, leben die Geschwister in getrennten Welten. „Eltern sollten darauf achten, dass sie keine Welt bevorzugen“, sagt Psychologe Frick. Das geschieht oft unbewusst, wenn ­etwa der schulische Erfolg des Erstgeborenen ehrfürchtig bewundert wird und das Nachgeborene in dem Gefühl aufwächst, daran gemessen zu werden.

Auf die Geburt des Geschwis­terchens selbst reagieren viele Schulkinder freudig und stolz. Umso überraschter sind Eltern, wenn ihr Großes in der Entwicklung plötzlich scheinbar einen Rückschritt macht. Das Erstgebo­rene fällt dann zum Beispiel in die Kleinkindsprechweise zurück, krabbelt nachts ins Bett der Eltern oder trotzt. Andere haben plötzlich psycho­somatische Beschwerden, etwa Bauchweh.

So klappt es: Eltern appellieren oft an die Vernunft des Kindes („Du bist doch schon groß!“; „Als du klein warst, habe ich das für dich auch gemacht!“). Beim Erstgeborenen aber kommt an: Groß sein ist blöd, denn ich muss zurückstecken. Geschwisterexperte­ Frick rät, nach den Gefühlen des Kindes zu fragen, und das schon während der Schwangerschaft. Etwa mi­t­hilfe einer Traumreise,­ während der das Kind erzählt, wie sich die baldige Ankunft des Geschwisterchens für es anfühlt. Wichtig auch: „Das Erstgeborene muss weiterhin ‚klein‘ sein dürfen“, sagt Frick. Für Eltern heißt das, dass sie es nicht wie selbstverständlich zum Babysitter machen sollten.

Eine Herausforderung: Aktivitäten, die beiden Kindern gerecht werden und so das Zusammenfinden als Familie erleichtern. Zu unterschiedlich sind die Interessen. Ein guter Ausgangspunkt: Das Erstgebo­rene fragen, was es sich wünscht – um dann gemeinsam zu überlegen, wie das Jüngere einbezogen werden kann. Das schult die Empathie. Und das große Kind fühlt sich ernst genommen, weil es ­eigene Ideen entwickeln darf.

Gibt es den idealen Altersabstand?

Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein weiteres Kind zu bekommen? Mit dieser Frage beschäftigen sich fast alle Eltern, die mehr als ein Kind haben möchten. Aus medizinischer Sicht ist der Fall klar: Mindestens sechs Monate Pause wären gut, damit sich der Körper der Mutter von den Strapazen der ersten Schwangerschaft erholen kann. Nach einem Kaiserschnitt sollte es mindestens ein Jahr sein, um die Wunde gänzlich verheilen zu lassen. Doch damit ist die Frage der Eltern meist nicht beantwortet, denn sie möchten ja wissen, was für die Entwicklung der Kinder am besten ist. Viele Psychologen erachten einen Altersabstand von drei Jahren als ideal, da die Rivalität unter den Geschwistern dann nicht mehr so gross ist, sie sich aber noch nahe genug stehen, um eine enge Bindung aufzubauen.

In der Theorie sind solche Empfehlungen sicher wertvoll, im realen Leben der Familienplanung sieht es manchmal aber ganz anders aus. Zum Beispiel, wenn die zweite Schwangerschaft länger auf sich warten lässt. Wenn finanzielle Sorgen oder Beziehungsprobleme den Wunsch nach einem weiteren Kind aufschieben. Wenn sich das zweite Kind schon ankündigt, während das Erste noch voll gestillt wird. Oder wenn die Eltern schon etwas älter sind und deshalb nicht zu lange warten wollen mit dem zweiten Kind. Die Sorge, dass die Geschwister keine Beziehung zueinander aufbauen können, wenn sie altersmässig zu weit voneinander entfernt sind, belastet Eltern ebenso wie der Gedanke, dass sie ihren Kindern nicht gerecht werden könnten, weil der Altersunterschied nur gering ist. Geschwister sind aber immer wichtige Bezugspersonen, auch wenn die Familienkonstellation von dem abweicht, was Fachleute als „ideal“ bezeichnen. Darum ist es hilfreicher, die Situation zu nehmen, wie sie ist und sich vor Augen zu führen, dass jeder Altersunterschied seine schönen Seiten hat, aber auch seine Herausforderungen mit sich bringt.

Geringer Altersabstand (bis 3 Jahre)

Die Kinder stehen sich entwicklungsmässig nahe, haben ähnliche Interessen und werden deshalb viel gemeinsam unternehmen können. Die emotionale Bindung ist meist sehr eng, die Rivalität aber auch besonders gross. Streit kommt häufig vor. Solange die Kinder sich verbal noch nicht gut ausdrücken können, sind auch körperliche Auseinandersetzungen nicht selten. Der Vergleich unter den Geschwistern ist viel direkter, was einerseits Ansporn sein kann, voneinander zu lernen, andererseits aber auch zu einem verstärkten Konkurrenzkampf führt. Bei einem geringen Altersabstand sind die Eltern während einer verhältnismässigen kurzen Zeit sowohl körperlich als auch emotional stark gefordert. Wenn die Kinder dann kurz hintereinander in den Kindergarten und in die Schule kommen, gibt es aber auch bald wieder spürbar mehr Freiraum. Die Planung von Familienaktivitäten ist einfach, da nicht eines noch in den Streichelzoo möchte, während das andere schon mit der Stranddisco liebäugelt.

Mittlerer Altersabstand (3 bis 6 Jahre)

Ist das erste Kind schon etwas grösser, empfindet es meist weniger Eifersucht auf das Baby. Es kann in die Pflege und Betreuung einbezogen werden und damit eine wichtige Rolle im Leben des kleinen Geschwisters übernehmen. Da sich die Kinder entwicklungsmässig nicht mehr so nahe stehen, dient das Grössere dem Kleineren als Vorbild. Die Kinder haben weniger gemeinsame Interessen, fechten aber auch weniger Konkurrenzkämpfe aus. Die Eltern hatten Zeit, sich von den Strapazen der Schwangerschaft und Kleinkindphase zu erholen. Das grössere Kind hat meist schon seine eigenen Aktivitäten ausser Hause, was den Eltern Zeit gibt, sich ganz dem Kleineren zu widmen. Nicht selten muss aber auch der Mittagsschlaf des Babys abgekürzt werden, weil das ältere Kind zu einer Aktivität begleitet werden muss; ein Spagat zwischen unterschiedlichen Bedürfnissen, den nicht alle Eltern als einfach empfinden. Die Zeitspanne, während derer sich Eltern um kleine Kinder kümmern und eigene Pläne in den Hintergrund stellen, verlängert sich. Der Übergang von der turbulenten Kleinkindphase zum leeren Haus am Morgen verläuft aber auch weniger abrupt und heftig. Das Planen von Familienaktivitäten wird wegen unterschiedlicher Interessen zwar etwas schwieriger, die Auswahl an Angeboten für Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 12 ist aber noch ziemlich gross.

Grosser Altersabstand mehr als 6 Jahre

Je grösser der Altersunterschied, umso weniger Berührungspunkte zwischen den Geschwistern ergeben sich im Alltag, da sie in ganz unterschiedlichen Welten leben. Auch wenn sie keine Einzelkinder sind, wachsen sie doch in vieler Hinsicht ganz ähnlich wie Kinder ohne Geschwister auf. Dennoch sind die Geschwister wichtig füreinander und nicht selten entwickelt sich eine sehr enge Beziehung. Das ältere Kind ist in diesem Fall Beschützer, Vorbild und manchmal auch Betreuungsperson, alles Dinge, die seine Sozialkompetenz schulen. Konkurrenzkämpfe gibt es in dieser Konstellation eigentlich nicht mehr. Zu Streitigkeiten kommt es, wenn das Jüngere die Privatsphäre des Älteren nicht achtet oder das Ältere dem Jüngeren seine Überlegenheit demonstriert. Die Eltern haben für jedes Kind viel Zeit und wenn sich das Ältere dazu bereit erklärt, haben sie auch einen Babysitter im Haus, der sie bei der Betreuung des Babys entlasten kann. Eine Situation, die sie aber auf keinen Fall für selbstverständlich nehmen und ausnützen sollten. Schwieriger dürfte es sein, gemeinsame Aktivitäten zu finden, die für alle spannend sind. Zudem fällt es nicht allen Eltern leicht, sich nach einer längeren Pause noch einmal ganz auf ein Baby einzustellen.

Wie der Altersunterschied von Geschwistern die Familie beeinflusst

Gibt es einen Altersunterschied, der besonders zu empfehlen ist?

Es gibt keine absolut “richtige” Altersspanne zwischen Geschwistern. Aber es mag Umstände geben, die es ratsam erscheinen lassen, mit dem nächsten Baby nicht mehr oder noch länger zu warten. Falls Sie sich zum Beispiel Sorgen um Ihre Fruchtbarkeit machen oder falls Sie bei Ihrem Kind / Ihren Kindern bislang immer sehr lange warten mussten, bis “es geklappt hat” oder falls Sie älter als 35 Jahre sind, haben Sie möglicherweise das Gefühl, sich beeilen zu müssen, weil die Zeit gegen Sie spielt.
Falls Sie aber erst in den Zwanzigern sind und noch Kleinkinder oder gar Zwillinge haben, dann könnte es sinnvoll sein, mit dem dritten Kind zu warten. Auch wenn Sie bisher nur ein Kind haben, dieses aber recht „pflegeintensiv“ ist, also zum Beispiel sehr sensibel oder aufmerksamkeitsbedürftig ist oder schlecht schläft, ist es oft gut, sich noch ein wenig Zeit zu lassen.
Es gibt aber keinen magischen Altersunterschied zwischen Kindern, der das Leben für alle Betroffenen besser und einfacher machen würde. Jede Altersspanne hat ihre Vor- und Nachteile. Und auch Charaktereigenschaften der Eltern und Kinder machen den gleichen Altersunterschied für die eine Familie großartig und für die nächste eher schwierig. So berichten zum Beispiel manche Eltern davon, dass ihre schnell nacheinander geborenen Kinder wunderbar miteinander spielen konnten, während dies für andere Familien vor allem Geschwisterrivalitäten und Auseinandersetzungen bedeutete.

Wie wirkt sich ein geringer Altersunterschied aus?

Allgemein kann man feststellen: Je näher sich Ihre Kinder altersmäßig sind, desto härter wird es für Sie während der ersten Monate und Jahre. Bei sehr geringem Altersabstand (Manche Paare schaffen es sogar, zwei Kinder innerhalb eines Jahres zu bekommen!) kann sich das sogar anfühlen, als hätten Sie Zwillinge bekommen – und das mit all den Herausforderungen, die Babys für Eltern bedeuten. Für eine Weile wird Ihr Leben zur Plackerei. Ausgehen, reisen oder einmal so richtig durchschlafen könnte schwierig werden. Für den Körper der Mutter ist ein Abstand unter zwei Jahren ebenfalls anstrengend, weil er wenig Zeit hatte, sich nach der ersten Schwangerschaft zu erholen.
Auch für die Kinder kann ein sehr geringer Altersabstand von zwei Jahren oder weniger eine Belastung bedeuten, weil die Eltern es oft nicht schaffen, beiden gerecht zu werden. Tappen Sie nicht in die „Easy-Baby-Falle“: Manchmal denken Eltern, wenn das erste Kind sehr pflegeleicht ist, wäre es doch super, direkt ein Geschwisterchen zu bekommen. Nicht selten erleben sie dann aber eine böse Überraschung, wenn dieses viel schreit und schlecht schläft. Deshalb raten wir Ihnen, sich einen geringen Altersabstand gut zu überlegen und besonders Abstände unter zwei Jahren nur dann zu wählen, wenn Sie die Notwendigkeit dazu sehen (zum Beispiel Altersgründe bei Spätgebärenden).
Andererseits sind viele Mütter froh, wenn Sie die “Windel- und Lätzchenjahre” schnell und intensiv hinter sich gebracht haben und schließlich Wickeltisch, Fläschchen und Babybrei hinter sich lassen können, weil ihre Kinder immer selbstständiger werden. Zudem lohnt es sich, über die Kinderbetreuung nachzudenken. Falls Sie berufstätig sind, finden Sie es vielleicht einfacher, eine Betreuung für zwei oder drei Kinder gleichzeitig zu organisieren, statt über Jahre verschiedene Betreuungsangebote miteinander zu koordinieren.
Außerdem wird es auf lange Sicht vermutlich leichter sein, gemeinsame Ferien zu planen, da Kinder im selben Alter oft ähnliche Dinge spannend finden. Denken Sie aber auch daran, dass viele Kinder nah beieinander kurzfristig viel Geld kosten können: da wären Schulbücher, Klassenfahrten, etc.

Wie wirkt sich ein größerer Altersunterschied aus?

Ein größerer Altersunterschied von drei oder mehr Jahren bedeutet für Sie, dass die Babypflege von vorne beginnt – und zwar dann, wenn Sie eigentlich wieder mehr Zeit für sich selbst gehabt hätten. Manche Eltern empfinden dies als großen Vorteil: Sie möchten jedem ihrer Babys möglichst viel Aufmerksamkeit widmen und jeden Moment genießen. Das geht natürlich besonders gut, wenn die Älteren schon zum Kindergarten oder zur Schule gehen. Paare, deren Kinder altersmäßig weiter auseinander liegen, berichten oft, dass sie ihre Kinder besser genießen konnten: Sie hatten mehr Zeit für das einzelne Kind und fühlten sich nicht ständig unter Druck.
In der Psychologie gilt ein Altersabstand von drei Jahren oft als „ideal“, weil er groß genug ist, um allzu große Eifersucht zu verhindern, und klein genug, damit die Kinder noch viel miteinander spielen können. Doch auch bei einem Abstand von vier oder mehr Jahren entwickelt sich oft eine enge Geschwisterbindung, in der die Kinder miteinander spielen. Das geschieht dann zwar weniger auf Augenhöhe, dafür sind die Größeren dann aber schon vernünftiger und eher bereit, Rücksicht zu nehmen, und haben Spaß daran, sich um die Kleinen zu kümmern.
Manche Frauen wünschen sich, bevor sie sich wieder in eine Schwangerschaft stürzen, ein wenig Zeit, um ihren Körper wieder in Form zu bringen. Manchmal ist es leichter, die Pfunde, die während der Schwangerschaft ihren Weg auf die Hüften gefunden haben, wieder los zu werden, wenn der Zeitraum zwischen den Schwangerschaften größer ist. Dann ist zum Beispiel wieder Zeit fürs Fitnessstudio oder für die individuelle Trainingsroutine.

Was für Vor- und Nachteile gibt es für die Kinder?

Es fällt oft leichter, sich auszumalen, welche Auswirkungen der Altersunterschied für jenes Kind haben könnte, das schon auf der Welt ist. Aber Sie sollten auch an das noch ungeborene Baby denken. Es gibt Hinweise darauf, dass Kinder, die innerhalb eines Jahres nach einem älteren Geschwisterchen geboren werden, im Durchschnitt vier IQ Punkte verlieren – verglichen mit Babys, die zwei oder mehr Jahre Altersunterschied zum nächst älteren Geschwisterkind haben. Ein Altersunterschied von 24 Monaten und mehr könnte also für die intellektuelle Entwicklung des jüngeren Kindes von Vorteil sein.
Auch emotional besteht die Gefahr, dass das kleinere Kind häufiger zurückstecken muss, weil das Größere ebenfalls noch so viel Aufmerksamkeit und Hilfe benötigt. Gleichzeitig kann es schwierig sein, das größere Kind altersgerecht zu fördern, weil die Pflege des Babys noch viel Zeit und Kraft kostet.
Einige Eltern finden es einfacher, einem schon etwas älteren Kind zu erklären, dass es bald eine Schwester oder einen Bruder bekommt. So kann es sich auf die Veränderung vorbereiten. Andere Familien finden es besser, wenn das ältere Geschwisterchen noch so klein ist, dass es sich später an die Zeit vor dem neuen Baby gar nicht erinnern wird – das, so glauben diese Eltern, verhindert Geschwisterrivalitäten. Das ist jedoch eher ein Trugschluss, denn selbst wenn keine konkreten Erinnerungen mehr da sind, werden Erfahrungen auf der Gefühlsebene gespeichert.

Gibt es medizinische Aspekte, die wir berücksichtigen sollten?

Eine Studie, die 2003 im British Medical Journal veröffentlicht worden ist, kommt zu folgendem Schluss: Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach der letzten Geburt erneut schwanger wurden, hatten ein höheres Risiko für Komplikationen, wie zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Geburt, Frühgeburten, sowie der Tod des Babys kurz vor oder nach der Geburt. Eine kolumbianische Studie bestätigt diese Ergebnisse und empfiehlt, nach der Geburt des ersten Kindes mindestens 12 Monate zu warten, bis Sie mit dem zweiten Kind schwanger werden.

Was also ist der beste Rat?

Viele Paare müssen auf den Luxus der Wahlfreiheit verzichten. Gründe dafür sind unter anderem: Probleme mit der Fruchtbarkeit, der Gesundheitszustand oder unerwartete Schwangerschaften. Falls Sie also selbst entscheiden können, wann Sie Ihr nächstes Kind bekommen wollen, haben Sie Glück gehabt.
Der beste Rat ist aber der: Haben Sie die Wahl, dann warten Sie so lange, bis Sie das Gefühl haben, Ihren derzeitigen Alltag und alles, was damit zusammen hängt, gut meistern zu können. Überlegen Sie, ob Sie sich noch ausreichend um sich selbst, Ihre Partnerschaft und Ihr älteres Kind kümmern könnten, wenn noch ein zweites Baby kommt – und auch, wenn dieses möglicherweise viel schreit und schlecht schläft. Denn es stimmt keinesfalls, dass die zweiten Kinder „einfach so mitlaufen“. Und erst dann suchen Sie weitere Aufgaben wie die Pflege und Erziehung eines neuen Babys.
Falls Sie Ihr Leben so gerade eben noch managen können und außerdem noch jung genug sind um warten können, dann warten Sie! Finden Sie sich in Ihrem Alltag zurecht, lassen Sie sich Zeit, bevor Sie die schon jetzt hohen Anforderungen des Elternseins noch erhöhen.

Ist man mit nur einem Kind eine richtige Familie?

Die Geburt unseres Sonnenscheins ist nun schon fast drei Jahre her. Als unser Sohn 2013 auf die Welt kam, war das das schönste Geschenk auf Erden überhaupt. Lange hatte ich mich auf ein Kind gefreut und es sehnlich erwartet. Und dann kam dieser bezaubernde kleine Zwerg auf die Welt und in unser Leben. Ein absolutes Wunschkind, willkommen und geliebt. Über ein zweites Kind hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Betracht gezogen. Wir waren froh, dass Kind Nummer 1 wohlauf war.

Von Freunden und Verwandten kamen nach der Geburt jedoch ziemlich schnell die ersten Sprüche, Andeutungen und Fragen nach Kind Nummer 2. Das klang dann ungefähr so: „Wann kommt denn nun das zweite?“ „Ein Kind ist kein Kind.“ oder „Wollt ihr nicht doch noch eins?“ „Meint ihr das wirklich ernst mit nur einem Kind?“ Die Fragen waren (und sind auch heute noch) lästig. Doch im Grunde stellte ich mir dieselbe Frage: Meinen wir das wirklich ernst mit nur einem Kind?

Als ich noch ein Teenager war, sah die perfekte Familie für mich immer so aus: Vater, Mutter, zwei Kinder, ein Haus und ein Hund! Vom Gedanken an einen Hund habe ich mich schon vor Jahren verabschiedet. Um Himmels willen bloß kein Hund! Das Haus ja, aber ohne Hund.

Papa und ich sind uns im Grunde einig, dass wir es bei einem Kind belassen wollen. Und doch kommt zwangsläufig auch bei uns die Frage auf nach Kind Nummer 2 auf. Natürlich beschäftigt mich das Thema, zumal die biologische Uhr ja stetig weiter tickt. Wollen wir nicht doch noch ein zweites Kind? Sind wir doch bereit für ein zweites Kind? Bin ich bereit für ein zweites Kind? Ich hörte ganz tief in mich hinein.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich mit unserer 1-Kind-Familie vollkommen zufrieden bin. Unser Sohn ist (natürlich) das liebste Kind auf der ganzen Welt. Wir haben so viel Glück mit diesem kleinen Kerl. Er ist gesund, er ist immer gut gelaunt, er schläft nachts durch und ist (fast) nie vor 8 Uhr wach. Was wollen wir mehr? Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch einmal so viel Glück haben werden.

Dazu kommt, dass ich wieder Vollzeit arbeite. Mit einem zweiten Kind wäre das wahrscheinlich so nicht mehr möglich und hieße im Umkehrschluss, dass entweder Papa oder ich die Arbeitszeit (wieder) reduzieren müsste. Da ich der besser verdienende Part in unserem Haushalt bin, wäre es in meinen Augen dumm, noch einmal Elternzeit oder Teilzeit zu machen. Und dass Papa auf eine Halbtagesstelle reduziert, würde bei seinem Arbeitgeber auf größtes Unverständnis stoßen und nicht machbar sein. Ich bin mir bewusst, dass die materiellen Werte kein wirklicher Grund sind, sich gegen ein weiteres Kind in unserem Leben zu entscheiden. Natürlich würde es gehen. Über dieses Thema sollte man sich aber dennoch Gedanken machen.

Ich liebe Kinder – allen voran mein eigenes – und trotzdem will ich nicht 24-Stunden lang Kindergeschrei um mich herum haben. Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich ein Typ Mensch, der viel Zeit für sich selbst braucht. Vielleicht sogar mehr als andere das brauchen. Mit nur einem Kind ist dieser Luxus möglich. Es gibt Frauen, die sind wahre Mutter-Typen und blühen in ihrer Mutterrolle regelrecht auf. Ich bewundere solche Frauen wirklich. Doch ich gehöre definitiv nicht dazu. Versteht mich nicht falsch. Ich bin sehr, sehr gern Mutter und spiele mit unserem Junior Fußball, schaue Bücher an, lese vor … Und ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist. Aber ich habe eben auch Zeit für mich. Und das macht mich glücklich.

Deshalb ist unsere Familie für mein Leben komplett so wie sie jetzt ist. Zu dritt sind wir perfekt. Ich habe nicht das Gefühl, dass uns ein weiteres Kind zufriedener machen würde. Es ist gut so wie es ist. Jedenfalls für uns.

Liebe Grüße
Anke

Das zweites Kind bedeutet ein ganz neues Leben

0 0

Wenn Anna Riege vorher gewusst hätte, wie anstrengend das Leben zu viert sein kann – wahrscheinlich hätte sie trotzdem ein zweites Kind bekommen. Weil ihr und ihrem Mann Andreas schon bei der Geburt des ersten Babys klar war, dass sie kein Einzelkind wollen. „Erst mit zwei Kindern fühlt man sich komplett als Familie“, sagt die 32-Jährige. Und mit diesem Gefühl steht sie nicht allein.

Nach einer Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung entscheiden sich immer mehr Eltern für ein zweites Kind. Obwohl die Zahl der Geburten in Deutschland zwischen 2007 und 2008 leicht zurückgegangen ist – auf 675.187 – stieg die sogenannte Fertilitätsrate – also die Zahl der Kinder, die eine Frau im Durchschnitt bekommt – auf 1,37 leicht an. Dieser Zuwachs erklärt sich daraus, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter gibt. Und das heißt unterm Strich: Weniger Frauen bekommen mehr Kinder. Wer sich also einmal für ein Kind entschieden hat, will meist noch ein zweites. Will nicht mehr Pärchen mit Kind, sondern eine „richtige“ Familie sein.

Marketing-Managerin Anna Riege ist selbst als Einzelkind groß geworden und hat sich immer Geschwister gewünscht. Aber sie ist auch ganz froh, dass sie sich vorher gar nicht so viele Gedanken gemacht hat, wie das Leben zu viert dann tatsächlich aussieht. „Vor der Geburt des ersten Kindes habe ich gedacht, jetzt wird das Leben auf den Kopf gestellt, und darauf war ich vorbereitet.“ Doch als dann die heute zweijährige Renée auf der Welt war, spielte sich alles schneller wieder ein als gedacht.

„Man weiß ja, wie es geht“

Vor der Geburt ihres zweiten Kindes Ben vor gut vier Wochen war es jedoch genau umgekehrt. Anna Riege dachte, das Leben laufe einfach so weiter – nur dass nun eben Ben mit dabei ist. Der 36-jährige Vater ist gleich wieder arbeiten gegangen. Und auch Anna wollte schnell zur gewohnten Tagesordnung zurückkehren: „Man weiß ja, wie ein Baby funktioniert.“

Dass sich doch etwas mehr verändern wird, hat Anna Riege wohl erst gespürt, als sie auf dem Sofa saß und die Wehen einsetzten. „Es war nachts, Renée hat geschlafen. An ihrem Bett musste ich plötzlich heftig weinen“, sagt sie. „Dieser Abschied von der Dreisamkeit tat auf einmal so weh, weil diese Phase nun unwiederbringlich vorbei war.“ Auch Angst spürte sie, nicht nur vor diesem neuen Leben, sondern auch um ihre kleine Tochter. Wie würde sie, die Erstgeborene, sich jetzt fühlen, wenn sie nicht mehr die volle Aufmerksamkeit bekommen würde?

Gedanken, die sich die meisten Eltern machen, wenn ein zweites Kind unterwegs ist. Schnell fällt dann der Begriff „Entthronungsschock“, vor dem man die Älteren zu bewahren versucht. Auch Anna und Andreas Riege war es wichtig, ihre Tochter vorsichtig an den Familienzuwachs heranzuführen. Erzählt haben sie ihr von der Schwangerschaft erst, als der Bauch runder wurde, so im siebten Monat.

Wenn Freunde ihr zweites Kind bekamen, haben sie Renée in die Klinik mitgenommen zum Babygucken, und sie haben mit ihr entsprechende Bücher angeschaut, „aber so genau wollte sie das alles gar nicht wissen“. Auffällig war nur, dass ab jetzt alle Teddys und Puppen gewickelt wurden. Und manchmal kam sie mit einem Spielzeug an und legte es der Mutter auf den Bauch: „Das ist für den Bruder.“ Nur ihr Zimmer wollte sie nicht teilen: „Kommt der dann in mein Bett?“ Nein, das Baby würde natürlich zunächst im Elternschlafzimmer sein.

Wenigstens ist die Große nicht auf den Kleinen Wütend

Der kleinen Renée hilft, dass sie schon ihre eigene Lebenswelt hat. Ihre Mutter ist Marketingmanagerin bei einer Bank und hat ein halbes Jahr nach Renées Geburt wieder angefangen zu arbeiten. Das Mädchen war zunächst bei einer Tagesmutter und geht nun seit knapp einem Jahr in den Kindergarten. Der halbe Tag läuft für Renée also ab wie vorher.

Die Beibehaltung von Ritualen ist ganz wichtig, um einen Rhythmus im neuen Alltag zu viert zu finden, sagen Experten. Sie gehen davon aus, dass es ein Jahr dauert, bis sich die Familie der neuen Situation angepasst hat.

Anna und Andreas Riege finden vier Wochen nach Bens Geburt zumindest am Abend zwei, drei Stunden Zeit für sich, um gemeinsam zu essen und über den Tag zu sprechen. Dann schlafen beide Kinder und Ben wacht erst gegen Mitternacht wieder auf.

So schön die Abende zu zweit, so schwierig ist die noch immer neue Situation zu viert: „Manchmal ist es schwer, zwei Kindern mit völlig verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden – ich habe doch nur zwei Hände und einen Kopf.“

Das sieht dann so aus: Auf dem Weg vom Spielplatz nach Hause will Renée auf ihre Schultern, Ben aber nicht in den Wagen. Also nimmt Anna den brüllenden Neugeborenen auf den Arm und erklärt ihrer Tochter, dass sie jetzt leider nicht auf die Schultern kann. Nun brüllt auch Renée. Klar. Und die entnervte Mutter zieht, mit Baby auf dem Arm, Kinderwagen und Tochter hinter sich her. „Ich bin allerdings froh, dass Renée dann nicht auf ihren Bruder sauer ist, sondern nur auf mich“, sagt Anna Riege seufzend.

Drei Jahre Abstand sind ideal

Das ist nicht immer so. Viele Erstgeborene reagieren mit Eifersucht auf das Neugeborene. Sie mutieren selbst wieder zum Baby, gieren nach Aufmerksamkeit und wollen den kleinen Bruder oder die kleine Schwester am liebsten wieder loswerden. Eine normale Reaktion, beruhigen Psychologen. Liegen nur ein bis zwei Jahre zwischen den Kindern sind die Bedürfnisse der Kinder noch recht ähnlich, die Konkurrenz zwischen ihnen und das Buhlen um die Aufmerksamkeit der Eltern daher oft stärker ausgeprägt – allerdings auch später die Bindung zwischen den Geschwistern intensiver.

Der Familienforscher Hartmut Kasten hält drei Jahre für einen optimalen Altersabstand. Das Größere würde dann den Familienzuwachs leichter akzeptieren, gleichzeitig sei der Abstand aber noch nicht zu groß, um eine enge Bindung zu verhindern. Eifersucht und Enttäuschungen kann es aber genauso erleben.

Wenn das zweite Kind kommt, dreht sich am Anfang bei Eltern, die sich der Problematik bewusst sind, sehr viel um das Erstgeborene. Manchmal auch zuviel, das weiß Anna Riege inzwischen. Die Balance zwischen beiden Kindern zu finden, ist die große Aufgabe.

Heute freut sich die junge Mutter drauf, wenn sie mit ihrer jetzt großen Tochter mal wieder ganz allein sein kann. Und so wie früher mit ihr im Smart Cabrio, beide mit Sonnenbrillen im Gesicht und die Musik laut aufgedreht, einfach durch die Gegend fährt und an gar nichts denkt. Auch nicht daran, ob vielleicht der kleine Bruder dabei etwas verpassen könnte.

So viel kostet ein Kind in der Schweiz

Kinder aufziehen ist teuer – am stärksten fallen dabei laut Experten die Erwerbseinbussen ins Gewicht.

Michael Ferber 22.04.2019, 05.30 Uhr Hören Drucken Teilen

Nicht nur die Betreuung von Kindern ist ein enormer Kostenfaktor. (Bild: Simon Tanner / NZZ)

Sieben von zehn Frauen und rund zwei Drittel der Männer in der Schweiz im Alter von 25 bis 80 Jahren sind Eltern von einem oder mehreren leiblichen oder adoptierten Kindern. Dies geht aus dem Bericht des Bundesrats „Familien in der Schweiz“ aus dem Jahr 2017 hervor. Die Erfahrung, Eltern zu werden und eine Familie zu gründen, ist sehr bereichernd. Soll die Familie aber finanziell gut über die Runden kommen, ist das Familienbudget ein wichtiges Thema.

Direkte und indirekte Kosten

Laut dem Bericht steht Paarhaushalten mit Kindern ein ähnlich hohes Bruttoeinkommen zur Verfügung wie Paarhaushalten ohne Kinder – bei ersteren müssen aber mehr Personen von diesem Geld leben. Wie es weiter heisst, verfügen Paarhaushalte mit Kindern über ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 13 644 Fr. pro Monat, Haushalte von Paaren unter 65 Jahren ohne Kinder über eines von 12 758 Fr.

Allerdings gibt es auch in der Schweiz weniger gut betuchte Haushalte. Laut dem Bericht bekundeten von den Haushalten, in denen nur eine Person erwerbstätig ist, 17% Mühe, über die Runden zu kommen. In den Haushalten, in denen zwei Personen erwerbstätig waren, waren es 10%.

Bei den Kosten für Kinder gilt es zwischen direkten und indirekten Kosten zu unterscheiden. Die bereits 2009 publizierte Studie „Kinderkosten in der Schweiz“ des Bundesamts für Statistik hat diese folgendermassen definiert: Unter den direkten Kinderkosten sind die Konsumkosten eines Haushalts für seine Kinder zu verstehen. Die indirekten Kinderkosten hingegen sind die Zeitkosten, die entstehen, wenn Eltern ihre Kinder betreuen. Diese teilen sich auf in geringere Erwerbseinkommen sowie kinderbedingte unbezahlte Haushaltsarbeit.

Grosse Bandbreiten

Andrea Schmid-Fischer vom Dachverband Budgetberatung Schweiz schätzt die direkten Kosten für das erste Kind im Säuglingsalter pro Monat auf 300 bis 500 Fr. Darunter fallen Nahrungsmittel, Windeln, Babypflegeprodukte, Kleidung, Nebenkosten im Haushalt sowie der Beitrag für die Krankenkasse mit Unfallversicherung. Es gebe bei den Kosten unter den Familien grosse Bandbreiten, sagt Schmid-Fischer. Dasselbe gilt für die Kosten für die Erstausstattung, also etwa Kinderwagen und Kinderbett. Auch hier gibt es grosse Preisunterschiede.

Ein wichtiger Kostenfaktor sind natürlich die Auslagen für Fremdbetreuung, also etwa in einer Kinderkrippe. Für drei Tage Betreuung pro Woche in der Stadt Zürich fallen hier schnell 1500 Fr. pro Monat an. Eine festangestellte Nanny, welche die Kinder betreut, während die Eltern arbeiten, kommt natürlich noch viel teurer.

Die Studie „Kinderkosten in der Schweiz“ kommt auf durchschnittliche direkte Kosten für das erste Kind bei Paaren in Höhe von 819 Fr. pro Monat. Bei einem Kind im Alter zwischen 0 und 10 Jahren sind es gemäss der Studie 600 Fr. im Monat, bei einem Kind im Alter von 11 bis 21 Jahren 873 Fr. Die Kosten pro Kind verringern sich, wenn ein Paar mehrere Kinder hat. Zwei Kinder kosten laut der Studie des Bundesamts für Statistik zusammen 1310 Fr. im Monat, bei drei Kindern sind es monatlich 1583 Fr.

Weitere indirekte Kosten eines Kindes können dadurch entstehen, dass eine grössere Wohnung notwendig wird – dann fallen natürlich zusätzlich Umzugskosten und möglicherweise Ausgaben für neue Möbel an.

„Paare sollten nicht kurzfristig denken“

Trotz den hohen Kosten sollten Paare aber nicht kurzfristig denken, sagt Schmid-Fischer. Beim Aufziehen eines Kindes fielen die Erwerbseinbussen finanziell gesehen am stärksten ins Gewicht. Gebe ein Elternteil seine Erwerbstätigkeit komplett auf oder arbeite nur noch mit einem kleinen Pensum, gestalte sich die berufliche Wiedereingliederung nach mehreren Jahren oftmals schwierig. In der Rechnung müssten auch die geschmälerte Altersvorsorge, tiefere Versicherungsleistungen (zum Beispiel Arbeitslosenversicherung) und entgangene Chancen zur beruflichen Weiterentwicklung berücksichtigt werden. Komme später eine Trennung oder Scheidung hinzu, seien die finanziellen Folgen schnell einmal existenziell.

Ein Familienbudget erstellen

Im Kindergarten und in der Primarschulzeit gingen die Kosten für die Kinder dann zumeist etwas zurück, in der Oberstufe zögen sie wieder an, sagt Schmid-Fischer. Studiere das Kind, werde dies oftmals die teuerste Phase. Generelle Aussagen zu den Kosten eines Kinds von der Geburt an bis zum Zeitpunkt, an dem es finanziell auf eigenen Beinen steht, liessen sich nicht machen. Dafür gebe es zu grosse individuelle Unterschiede, gerade auch bei den Kosten der Ausbildung, sagt Schmid-Fischer. Auch Kinder in derselben Familie könnten unterschiedlich viel „kosten“. Letztlich gehe es ja darum, jedes Kind seinen Interessen und Begabungen nach angemessen zu fördern.

Die Expertin des Dachverbands Budgetberatung Schweiz rät Paaren, wenn möglich, vor der Geburt des ersten Kindes ein gewisses finanzielles Polster anzulegen. Zudem empfiehlt sie, ein Familienbudget mit allen Einnahmen und Ausgaben zu erstellen und dieses jeweils vor grossen Entscheiden und Änderungen anzupassen, zumindest einmal im Jahr.

Kommentar

Die Kosten des Elternseins werden unterschätzt

Rund sechs von zehn erwerbstätigen Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit – oft, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Dabei ist die Altersvorsorge im Auge zu behalten. Michael Ferber 22.04.2019

Feministinnen fordern einen Lohn für Hausarbeit

Die Forderung nach einem Lohn für Hausarbeit tönt wie von vorvorgestern. Aber eine Gruppe von Feministinnen in der Schweiz findet, Lohn für Hausarbeit sei „nötiger denn je“. Angelika Hardegger 15.04.2019

Eine Scheidung hat schwerwiegende Folgen für die Altersvorsorge

Neben dem Streit um Sorgerecht und Unterhalt kann die berufliche Vorsorge schon einmal vergessen werden. Das ist ein Fehler, der zu Lücken in der Altersvorsorge führen kann. Anne-Barbara Luft 15.04.2019

Bei Teilzeitarbeit liegt die Schweiz europaweit auf dem zweiten Platz

Teilzeitpensen werden in der Berufswelt immer bedeutender – auch in der Schweiz. Dass Frauen weit häufiger als Männer eine solche Beschäftigung wählen, ist nicht allein mit der Kinderbetreuung zu erklären. Thomas Fuster 17.01.2019

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.