Wann zum frauenarzt schwanger

EBM-Ratgeber: Schwangerenbetreuung – Im Quartal darf nur ein Vertragsarzt die Pauschale abrechnen

Die Abrechnung für die Betreuung einer gesetzlich Krankenversicherten während der Schwangerschaft führt immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Krankenkassen und Gynäkologen. Nicht selten wird im Einzelfall vonseiten des Kostenträgers die Betreuungspauschale für eine Schwangere nach einer Abrechnungsprüfung gestrichen. Dabei ermittelt die Abrechnungsprüfung, ob die Gebührenordnungsposition in Bezug auf die Schwangere bereits bei einem anderen Vertragsarzt im selben Quartal abgerechnet worden ist.

Falls mehr als ein Vertragsarzt die Versicherte im Laufe eines Quartals betreut und die Pauschale berechnet haben, bleibt nur der Anspruch für den Vertragsarzt, den die gesetzlich Krankenversicherte als Ersten im Quartal aufgesucht hat, bestehen. So der Wortlaut im EBM.

Für die Betreuung gesetzlich Krankenversicherter während der Schwangerschaft rechnen Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe die Gebührenordnungsposition (GOP) 01770 EBM ab. Die Leistung ist derzeit mit 112,27 Euro (1 093 Punkte) bewertet. Zum obligaten Leistungsinhalt gehören Beratungen und Untersuchungen gemäß den Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), bestimmte Ultraschalluntersuchungen und Bilddokumentationen.

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Die Regelung, dass die Pauschale im Laufe eines Quartals nur von einem Vertragsarzt im Behandlungsfall abgerechnet werden kann, lässt keine Ausnahme zu. Wann immer mehrere Vertragsärzte in die Betreuung eingebunden sind – beispielsweise im Vertretungsfall oder im Notfall, bei der Mit- oder Weiterbehandlung – darf die GOP 01770 trotzdem stets nur einmal im Quartal je Schwangere, unabhängig von der Anzahl der behandelnden Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, abgerechnet werden.

Diese Regelung für die Gebührenordnungsposition 01770 hat das Bundessozialgericht (BSG) in seiner Entscheidung vom 11. Februar 2015, Aktenzeichen: B 6 KA 15/14 R, bestätigt. Sie gelte auch, wenn der Frauenarzt nicht wisse, dass die Schwangere bereits durch einen Kollegen betreut wurde. Laut BSG können Frauenärzte durch eine Befragung abklären, ob die Schwangere im laufenden Quartal bereits von einem anderen Vertragsarzt betreut wird oder wurde. Nach Ansicht des Gerichtes ist auch ein Umzug kein Grund, der eine doppelte Berechnung zulässt. Das BSG hat deshalb dem Bewertungsausschuss nahegelegt, die aktuelle Regelung zu überprüfen.

Mit der Entscheidung des BSG wird deutlich, dass es für Frauenärzte von großer Bedeutung ist, mit ihren Patientinnen über eine eventuelle Vorbehandlung bei einem anderen Arzt zu sprechen. Bei der Notfallbehandlung und im Vertretungsfall können als Schwangerenbetreuung gekennzeichnete kurative Leistungen (zum Beispiel Ultraschall) zur Abrechnung kommen. KBV

Pech mit dem Frauenarzt / Foto: Lyudvig Aristarhovich

Ich habe mich wirklich auf den Frauenarzt-Termin gefreut, auch wenn er recht früh angesetzt war. Mein Freund begleitete mich. Als wir ankamen, fragte ich die Arzthelferin, ob mein Freund mich zur Untersuchung begleiten darf. Mit dieser Antwort rechnete ich aber nicht! Sie sagte: “Er darf erst ab der 20. Woche mit rein. Vorher möchte das die Ärztin nicht.” Was? Im Wartezimmer musste ich erstmal heulen. Ich weiß nicht mal, ob das die Hormone waren, denn ich fand es einfach nur krass, dass sie entscheiden kann, dass mein Freund die ersten 4,5 Monate Ultraschall verpasst! Als ich die Ärztin noch mal drauf ansprach, woran die Regelung liegt, sagte sie wieder: “Ich möchte das einfach nicht, dass hier einer drin ist ist und mir reinpfuscht”!

Ich konnte es nicht fassen!

Noch dazu untersuchte sie mich nicht, weil sie sagte, man würde eh nichts sehen. Dabei hatte sie am Telefon ja gesagt, dass ich untersucht werde, wenn ich das will. Mir wurde also nur Blut abgenommen, gesagt, was ich nicht essen darf und das wars! Zu Hause angekommen war für mich klar, dass ich den Frauenarzt wechseln muss. Ich möchte meinem Freund nicht zumuten 20 Wochen zu warten, bis er das erste mal beim Ultraschall dabei sein darf. Von einer Freundin erfuhr ich direkt, dass das Wechseln in der Schwangerschaft gar nicht so einfach ist, denn die Krankenkasse zahlt nur einmal die Schwangerschaftspauschale für alle Kosten in einem Quartal. Und da ich Anfang Januar nun diesen Termin hatte, darf ich erst wieder im April wechseln. Äh nein? Ich rief sofort bei meiner Krankenkasse AOK an.

Tränen am Telefon

Dort waren sie zwar nett am Telefon, konnten mir aber nicht helfen. Sie verwiesen mich an die Kassenärztliche Vereinigung, die für die Zahlungen zuständig ist. Auch die konten zwar mein Problem verstehen, wollten bei mir aber keine Ausnahme machen und verboten mir zu wechseln, außer ich würde die Kosten selbst tragen. Meine letzte Hoffnung war nun die Frauenärztin, zu der ich nicht mehr gehen wollte. Ich rief fast heulend an, und fragte, ob sie vielleicht die Pauschale nicht einreichen kann, damit mir das Wechseln möglich ist. Und diesen Gefallen tat sie mir. Das fand ich super nett. Also rief ich nun eine andere Frauenärztin an, die auch näher an meiner Wohnung liegt und sehr gute Google-Bewertungen hat. Drei Tage später hatte ich den ersten Termin! Wie der ablief, lest ihr im nächsten Blog-Post! Bis bald, eure Sarah Kolumna!

Schwanger – Wann zum Arzt?

Schwangerenvorsorge

Zum Schutz der werdenden Mutter und des Ungeborenen gibt es die gesetzlich geregelte Schwangerenvorsorge. Ziel dieser Mutterschutzrichtlinien ist es, Risikoschwangerschaften oder Risikofehlgeburten frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu betreuen.

Dabei hat der Arzt die Aufgabe, die Frau umfassend zu informieren, aufzuklären und zu beraten. Auch die regelmäßige Kontrolle des Gesundheitszustands und eine an die Frau individuell angepasste medizinische Untersuchung und Behandlung gehören zum Aufgabenbereich des Mediziners.

Ein weiterer Bestandteil des Vorsorgeprogramms ist der Mutterpass. Dort werden zum Beispiel der berechnete Geburtstermin, durchgeführte Untersuchungen sowie eventuelle Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte eingetragen.

Gespräche und Beratung

Um mögliche Gefahren einer Schwangerschaft besser abschätzen zu können, fragt der Arzt die Frau zum Beispiel nach vorangegangenen Schwangerschaften und Geburten, nach Operationen, Erkrankungen (auch familiären), Lebensumständen und Lebensführung. In bestimmten Fällen kann er der Schwangeren eine genetische Untersuchung empfehlen, etwa wenn in der Familie genetische Erkrankungen bekannt sind. Der Arzt wird die Frau hierzu entsprechend beraten.

Außerdem bekommt die werdende Mutter Tipps, wie sie sich bestmöglich verhalten kann, um den Embryo in seiner Entwicklung zu unterstützen. Dazu zählen zum Beispiel Ratschläge zu Ernährung, Sport, Lebensgewohnheiten und Beruf.

Körperliche Untersuchungen

Zu den Standarduntersuchungen während einer Schwangerschaft gehören Ultraschall- und gynäkologische Untersuchungen (wie Abstrich). Außerdem werden regelmäßig Blutdruck und Gewicht der Frau gemessen. Zudem gehören zur Schwangerenvorsorge Blut- und Urinuntersuchungen, zum Beispiel die Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor sowie die Messung des Zuckerspiegels im Urin. Ganz wichtig ist auch das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Die regelmäßigen Untersuchungen liefern Informationen über den Verlauf der Schwangerschaft und über mögliche Risiken.

Vorsorge in der Schwangerschaft: Das sind die wichtigsten Untersuchungen

Mit Beginn der Schwangerschaft ändert sich von einem Moment auf den anderen alles: Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und neun spannende Monate stehen Ihnen bevor. Um Ihrem Baby – und weiteren 700.000 Babys, die pro Jahr in Deutschland geboren werden – einen bestmöglichen Start ins Leben zu gewährleisten, gibt es schon vor der Geburt viele verschiedene Untersuchungen. Dabei wird der Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung Ihres Babys beobachtet. Diese Vorsorgeuntersuchungen sind in den sogenannten Mutterschafts-Richtlinien festgelegt. Was genau dabei passiert, welche Termine Sie einhalten sollten und welches Beratungsangebot es gibt, erfahren Sie hier.

Die erste Vorsorgeuntersuchung: Vorbereitung auf neun Monate zu zweit

Ihre erste Vorsorgeuntersuchung findet bei Ihrem Frauenarzt/Ihrer Frauenärztin statt, sobald Sie vermuten, dass Sie schwanger sind. Hier wird Ihre Schwangerschaft dann offiziell festgestellt. Ihr Frauenarzt beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der er medizinische Daten zu Ihnen und Ihrer Familie abfragt. Damit stellt er fest, ob evtl. eine Risikoschwangerschaft vorliegt. Ihr Gynäkologe will vor allem wissen, ob Sie an bestimmten Erkrankungen (z.B. Diabetes, Epilepsie, psychische Erkrankungen) leiden oder ob diese in Ihrer Familie bekannt sind. Ihr Arzt befragt Sie auch zu eventuell vorangegangenen Schwangerschaften und Entbindungen. Zudem führt er eine Arbeits- und Sozialanamnese durch, um festzustellen, inwieweit Ihre Arbeit im Rahmen des Mutterschutzgesetzes ein Risiko für Ihre Schwangerschaft darstellt und ob Ihre familiäre Situation Sie psychosozial belastet.

In einem Beratungsgespräch erklärt Ihr Arzt Ihnen, worauf Sie bei der Ernährung, der Arbeit, im Sport und auf Reisen während Ihrer Schwangerschaft achten sollten. Dabei bespricht er auch folgende Themen mit Ihnen:

  • Medikamenteneinnahme
  • Geburtsvorbereitung
  • Krebsfrüherkennungsuntersuchungen
  • HIV-Antikörpertest
  • Mundgesundheit

Im Rahmen dieser ersten Vorsorgeuntersuchung stellt Ihr Arzt Ihnen Ihren Mutterpass aus, den Sie zu jeder weiteren Vorsorgeuntersuchung mitbringen. Alle vorgenommenen Untersuchungen, Behandlungen und Ergebnisse trägt Ihr Arzt oder Ihre Hebamme in diesen Mutterpass ein.

Zu Ihrer Erstuntersuchung gehört auch eine Allgemeinuntersuchung und eine gynäkologische Untersuchung. Anhand Ihrer Urinprobe schließt Ihr Arzt eine Clamydieninfektion (Chlamydia trachomatis) aus. Außerdem entnimmt er Ihnen eine Blutprobe, aus der weitere wichtige Parameter für Ihre Schwangerschaft bestimmt werden (z.B. die Blutgruppe und der Hämoglobinwert). Auf Basis dieser Blutprobe kann der Arzt zudem die folgenden weiteren Tests durchführen.

Einmalige Tests zu Beginn der Schwangerschaft

Rhesus-Faktor (Antikörpersuchtest)

Wenn Sie Rhesus-negativ (D negativ) sind, ist es möglich, dass Ihr Körper Antikörper gegen das Blut Ihres Kindes bildet. Das kann Ihr Arzt mit Anti-D-Globulinen medikamentös behandeln. Er wiederholt den Antikörpersuchtest zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche (SSW).

Test auf Rötelnantikörper

Wenn Sie nicht zweimal gegen Röteln geimpft wurden, testet Ihr Arzt die Blutprobe auch auf Rötelnantikörper. Um Ihr Kind vor Röteln-Embryopathie (Komplikation der mütterlichen Röteln) schützen zu können, ist es wichtig, dass Sie gegen Rötelviren immun sind. Eine Röteln-Embryopathie kann bei Ihrem Kind zu Fehlbildungen von Augen, Ohren, zentralem Nervensystem und Herzen führen.

Lues-Such-Reaktion

Mit Ihrer Blutprobe stellt Ihr Arzt fest, ob Sie sich mit der sexuell übertragbaren Erkrankung Syphilis (Lues) angesteckt haben. Ein solche Infektion kann die Gesundheit Ihres Kindes während und nach Ihrer Schwangerschaft beeinträchtigen. Mit einer Antibiotikatherapie kann Ihr Arzt Sie während der Schwangerschaft behandeln. Wundern Sie sich nicht: Bei dieser Untersuchung dokumentiert Ihr Arzt nur die Durchführung des Tests, nicht aber das Ergebnis in Ihrem Mutterpass. Damit garantiert er Ihre Privatsphäre, wenn Sie den Mutterpass zu anderen Gelegenheiten vorzeigen müssen.

HIV-Test

Um eine HIV-Infektion auszuschließen, kann Ihr Arzt mit der Blutprobe auf Ihren Wunsch (auch anonym) einen HIV-Test durchführen. Auch wenn Sie sich mit dem HI-Virus infiziert haben, kann eine rechtzeitige Behandlung verhindern, dass die Infektion auf Ihr Kind übertragen wird. Auch hier wird lediglich die Durchführung – nicht jedoch das Ergebnis – im Mutterpass festgehalten.

Allgemeine Mutterschafts-Vorsorgeuntersuchungen

In den neun Monaten Ihrer Schwangerschaft haben Sie als gesetzlich und privat Versicherter ein Recht auf mindestens zehn Vorsorgeuntersuchungen. Diese dienen dazu, mögliche Gefahren für Leben und Gesundheit von Ihnen und Ihrem Kind abzuwenden und Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen Ihres Kindes rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Vorsorgeuntersuchungen führt Ihr Frauenarzt oder Ihre Hebamme durch. Dabei überprüft er sowohl Ihre als auch die Gesundheit und Entwicklung Ihres Kindes, berät Sie zu Ihrer Schwangerschaft und klärt Ihre Fragen. Die Vorsorgeuntersuchungen finden bis zur 32. Schwangerschaftswoche alle vier Wochen und danach alle zwei Wochen statt. Bei einer Risikoschwangerschaft können mehr Termine notwendig werden.

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung misst Ihr Arzt Ihr Gewicht und Ihren Blutdruck. In Ihrem Urin bestimmt er Eiweiß- und Zuckergehalt, sowie Sediment und ggf. Bakterien. Mit einer Blutprobe ermittelt Ihr Arzt den Hämoglobingehalt, um weiterhin eine Blutarmut auszuschließen. Außerdem kontrolliert er den Stand Ihrer Gebärmutter sowie die Herztöne und die Lage Ihres Kindes.

Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft

Neben den Vorsorgeuntersuchungen stehen Ihnen drei Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) zu. Durch diese Untersuchungen kann Ihr Arzt eine Wachstumskurve Ihres Kindes erstellen. Daran kann er eine altersgerechte Entwicklung Ihres Kindes, eine Mehrlingsschwangerschaft und Hinweise auf Entwicklungsstörungen erkennen.

Recht auf Unwissen

Erste Ultraschalluntersuchung (1. bis 12. SSW)

Bei der ersten Ultraschalluntersuchung überprüft Ihr Arzt, ob sich die Eizelle in Ihre Gebärmutter eingenistet und bereits zu einem Embryo oder Fötus entwickelt hat. Ihr Arzt misst die Körperlänge und den Durchmesser des Kopfes Ihres Kindes, woran er die Schwangerschaftswoche (SSW) und den voraussichtlichen Geburtstermin schätzen kann. Auch den Herzschlag Ihres Kindes kontrolliert er bei dieser Untersuchung.

Zweite Ultraschalluntersuchung (19. bis 22. SSW)

Bei der zweiten Ultraschalluntersuchung können Sie zwischen zwei Varianten wählen:

  1. In der Basis-Ultraschalluntersuchung misst Ihr Arzt die Größe von Kopf und Bauch und die Länge des Oberschenkelknochens Ihres Kindes. Auch die Plazenta kontrolliert Ihr Arzt. Falls diese zu tief sitzt, muss Ihr Arzt evtl. besondere Vorkehrungen bei den weiteren Untersuchungen und bei der Geburt treffen.
  2. In der erweiterten Basis-Ultraschalluntersuchung überprüft Ihr Arzt zusätzlich, ob Kopf und Hirnkammer Ihres Kindes normal geformt und das Kleinhirn sichtbar sind. Er untersucht die Entwicklung von Hals und Rücken und das Größenverhältnis von Herz und Brustkorb bei Ihrem Kind. Außerdem stellt er fest, ob das Herz auf der linken Seite sichtbar ist, rhythmisch schlägt und die vier Herzkammern ausgebildet sind. Zuletzt ermittelt er, ob die vordere Bauchwand Ihres Kindes geschlossen ist und Magen und Harnblase sichtbar sind.

Dritte Ultraschalluntersuchung (29. bis 32. SSW)

Bei der dritten Sonografie misst Ihr Arzt erneut die Größe von Kopf, Bauch und Oberschenkelknochen Ihres Kindes. Zudem kontrolliert er auch die Lage und den Herzschlag Ihres Kindes. Falls es bei dieser Untersuchung Auffälligkeiten gibt, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, ob Sie weitere Ultraschalluntersuchungen oder andere Untersuchungen wahrnehmen sollten.

Screening auf Schwangerschaftsdiabetes (25. bis 28. SSW)

Schwangerschaftsdiabetes kann das Risiko für Sie und Ihr Baby während der Schwangerschaft und der Geburt erhöhen. Das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) führt Ihr Arzt bei Ihnen durch, sofern Sie nicht bereits vor der Schwangerschaft an Diabetes erkrankt sind. Auch im Voraus dieser Untersuchung wird Ihr Arzt Sie ausführlich über die Folgen von Schwangerschaftsdiabetes, die Untersuchung und mögliche Therapien informieren, sodass Sie genug Zeit haben, sich für oder gegen diese Vorsorgeuntersuchung zu entscheiden.

Um Schwangerschaftsdiabetes festzustellen, müssen Sie 50 g einer Glucoselösung einnehmen. Eine Stunde nach der Einnahme bestimmt Ihr Arzt die Glukosekonzentration in Ihrem Blutplasma. Sind Ihre Werte auffällig, führt Ihr Arzt diesen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) erneut durch. Bei diesem zweiten Test müssen Sie nüchtern sein und 75 g der Glukoselösung einnehmen. Ihr Arzt bestimmt die Glukosekonzentration Ihres Plasmas vor der Einnahme, sowie ein und zwei Stunden nach der Einnahme.

Weitere mögliche Vorsorgeuntersuchungen

Neben den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, dem Screening auf Schwangerschaftsdiabetes und den drei ergänzenden Ultraschalluntersuchungen gibt es weitere Tests, die Ihr Arzt durchführen kann, um die Gesundheit Ihres Kindes zu überprüfen. Diese Fein- bzw. Organultraschalluntersuchungen führen oftmals spezialisierte Frauenärzte/-ärztinnen durch, wenn bei Ihnen eine Risikoschwangerschaft vorliegt oder vorherige Untersuchungen unklare Ergebnisse lieferten. Dabei werden die Nackentransparenz, die Länge des Nasenbeins und der Blutfluss durch die Trikuspidal-Herzklappe Ihres Kindes gemessen. Diese feindagnostischen Untersuchungen unterliegen dem Gendiagnostikgesetz, da Ihr Arzt gezielt nach genetisch bedingten Auffälligkeiten bei Ihrem Kind sucht, die z.B. auf ein Downsyndrom hinweisen. Das ist ein sensibles Thema, mit dem werdende Mütter unterschiedlich umgehen. Ihr Arzt klärt Sie daher vor einer solchen Untersuchung ausführlich auf und berät Sie in genetischen Fragen.

Wichtig dabei: Ihr Arzt führt diese zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen in der Regel nur durch, wenn es medizinisch notwendig ist. Ist eine solche Untersuchung nicht medizinisch notwendig, aber Sie möchten sie dennoch gerne durchführen lassen, können Sie Ihren Arzt natürlich darum bitten. Da es sich dann jedoch um eine Vorsorgeuntersuchung ohne einen medizinischen Grund handelt, eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (iGeL), werden die Kosten nicht von Ihrer Krankenkasse getragen.

Weitere mögliche Vorsorgeuntersuchungen sind:

Beratungsangebote in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist für Sie eine sehr intensive Zeit. Als werdende Mutter möchten Sie alles richtig machen, um Ihrem Kind einen bestmöglichen Start ins Leben zu bieten. Dabei ist es nur natürlich, dass Sie viele Fragen haben. Wussten Sie, dass Sie sogar ein Recht auf Beratung haben? Ihr Arzt ist dazu verpflichtet, Sie über jede bevorstehende Untersuchung ausführlich zu informieren. Oftmals gibt er Ihnen auch Infomaterial mit, das Sie zu Hause in Ruhe durchlesen und mit Ihrem Partner besprechen können. Sie haben das Recht, sich bewusst für oder gegen eine bestimmte Untersuchung zu entscheiden. Wenn Sie eine zweite Meinung oder weitere Hilfe benötigen, gibt es viele Beratungsstellen, an die Sie sich wenden können. Auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden Sie u.A. Adressen für Beratungsstellen in Ihrer Nähe.

Ausführliche Informationen zur Mutterschaftsrichtlinie, sowie weitere Informationen zu einzelnen Untersuchungen finden Sie auf der Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Alle Vorsorgeuntersuchungen auf einen Blick

Die Kontrolluntersuchung am Ende des Wochenbetts

Nicht nur das neugeborene Baby wird in regelmässigen Abständen gründlich untersucht. Auch für die Mutter steht eine frauenärztliche Nachuntersuchung am Ende des Wochenbetts, also etwa sechs Wochen nach der Entbindung, auf dem Plan. Der Wochenfluss sollte bis dahin aufgehört haben.

Bei einer vaginalen Tastuntersuchung wird die Rückbildung beurteilt, d.h. Lage und Grösse der Gebärmutter, des Muttermundes, der Scheide und der Dammregion. Geburtsverletzungen (Dammriss oder Dammschnitt) sollten gut verheilt und nicht mehr schmerzhaft sein. Die Brust wird abgetastet und auf Anzeichen für einen Milchstau oder wunde Brustwarzen untersucht – egal, ob Sie stillen oder nicht. Blutdruck und Gewicht werden bestimmt, Ausserdem wird ein Krebsabstrich vom Gebärmuttermund durchgeführt. Manchmal ist auch eine Blutabnahme angebracht, z.B. zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion oder der Eisenwerte (Blutarmut).

Vor allem aber können Sie bei diesem Termin alle Fragen anbringen, die sich seit der Entbindung gestellt haben. Stillprobleme sind wahrscheinlich schon mit Ihrer Hebamme oder Stillberaterin geklärt worden. Aber Unsicherheiten bei der Verhütung nach der Entbindung oder in der Stillzeit, Schwierigkeiten beim Wasserhalten, v.a. beim Lachen, Husten oder Niesen (Stressinkontinenz), sollten Sie jetzt ansprechen. Und auch psychische Probleme mit der neuen Mutterrolle oder der Beziehung zum Partner können Sie vertrauensvoll vorbringen.

Häufige Frage zum Thema

Mein Sohn ist jetzt einen Monat alt. wir möchten bald ein zweites Kind, da ich schon über 40 bin. Wie lange sollte man warten?

In der Zeit, in der Sie voll stillen, haben Sie recht geringe Chancen auf eine erneute Schwangerschaft. Ausserdem muss aufgrund Ihres Alters mit einer leicht verminderten Fruchtbarkeit und leicht erhöhten Fehlgeburtsrate gerechnet werden. Sofern Sie gesund sind und die Rückbildung bisher normal…

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Letzte Aktualisierung : 05-09-17, BH

Den Arzt wechseln: Geht das so einfach?

Dabei ist die Gesetzeslage zunächst eindeutig, denn in Deutschland besteht das Recht auf freie Arztwahl. Das heißt, jeder bei den gesetzlichen Krankenkassen versicherte Patient darf sich unter den niedergelassenen, an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Hausärzten den aussuchen, zu dem er gehen möchte. Und er darf den Arzt wechseln, „eine Begründung oder Erklärung ist nicht nötig“, wie Heike Morris betont. Innerhalb eines Quartals soll der Arzt allerdings nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes gewechselt werden.

Das Recht auf freie Arztwahl gilt gleichermaßen für Privatversicherte. Morris rät allen Patientinnen und Patienten, bei Bedarf von diesem Recht Gebrauch zu machen. „Denn das Arzt-Patienten-Verhältnis setzt Vertrauen voraus. Ist dieses nachhaltig erschüttert, so fehlt der Grundpfeiler für die Behandlung.“

Wechsel trotz Hausarztvertrag möglich?

Nimmt der Patient an einem Haus- oder Primärarztmodell teil (sogenannte hausarztzentrierte Versorgung, die Teilnahme ist freiwillig), wird das Wechseln komplizierter. Bei diesem Versorgungskonzept, das die gesetzlichen Krankenkassen seit Juni 2009 in ihrem Angebot haben müssen, fungiert ein Arzt als erster Ansprechpartner und Lotse durch den Dschungel des Gesundheitswesens.

Dieser Primärarzt bleibt zwar weiterhin frei wählbar. „Für die Vertragslaufzeit ist dann zunächst immer dieser Arzt aufzusuchen“, erläutert Morris. Im Gegenzug können die Kassen dem Versicherten Sonderleistungen und Prämien anbieten.

Im Vertrag auf Kündigungsfristen achten

Die Laufzeiten sind je nach Krankenkasse unterschiedlich, betragen aber mindestens ein Jahr. Genaueres steht im Vertrag. Ebenso wie die Kündigungsfristen, die – will man aus dem Programm aussteigen – unbedingt beachtet werden sollten, denn sonst verlängert sich die Laufzeit automatisch. Den Primärarzt im Zeitraum der Vertragsbindung einfach wechseln, dürfen die Teilnehmer nicht. Beziehungsweise nur, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Dazu zählen die Kassen zum Beispiel den Umzug der Arztpraxis oder des Versicherten selbst.

Was aber, wenn Patient oder Patientin sich beim erwählten Arzt einfach nicht gut aufgehoben und behandelt fühlt? In diesem Fall rät Heike Morris, sich zum einen an die eigene Krankenkasse zu wenden. Die Krankenkasse könne bei der Suche nach Lösungen behilflich sein. Bedingung bei einem Wechsel sei allerdings, dass der neue Arzt ebenfalls einen Vertrag mit der Kasse des Patienten hat.

Zum anderen können auch die Mitarbeiter der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland helfen, die Ratsuchende kostenlos und im gesetzlichen Auftrag beraten. So gebe es etwa die Möglichkeit, die Teilnahmeerklärung schriftlich zu widerrufen, „wenn zum Beispiel schon innerhalb der ersten zwei Wochen das Bauchgefühl nicht mehr stimmt“, erklärt die Expertin.

Außerdem bleibt dem Patienten noch das Recht zur außerordentlichen Kündigung, etwa bei unüberbrückbaren Differenzen.

Recht auf Herausgabe der Patientenakte

Um eventuelle Komplikationen zu vermeiden, empfiehlt die Unabhängige Patientenberatung, beim Wechseln des Hausarztes sämtliche Unterlagen über Vorerkrankungen und frühere Untersuchungen am besten selbst mitzunehmen. Patienten haben Anspruch auf die Herausgabe einer Kopie ihrer Patientenakte. Der zweite Weg ist, den neuen Hausarzt zu bitten, die Unterlagen von der alten Praxis anzufordern.

Das Gebot der Freiheit gilt ebenso bei der Wahl eines Facharztes. Das wird schon daran ersichtlich, dass der Kranke nicht zu einer konkreten Person überwiesen wird, sondern vielmehr zu einem Arzt aus einer bestimmten Fachdisziplin. Personen ohne Hausarztvertrag dürfen auch ohne Überweisung zum Facharzt gehen. Nimmt man an einem Versorgungsprogramm teil, ist der direkte Gang nur zu Vertretern einiger Disziplinen erlaubt – etwa zum Gynäkologen, Augenarzt oder Kinderarzt.

Hausarztwechsel: Wie kann man seinen Hausarzt wechseln?

Wichtige Punkte beim Wechsel des Hausarztes

Grundsätzlich gilt in Deutschland die freie Arztwahl und zwar für Kassen- wie auch Privatpatienten. Durch diese freie Arztwahl ist es generell im Regelfall relativ einfach den Hausarzt zu wechseln. Da es ein bis zwei Hürden geben kann, sollte jemand der seinen Hausarzt wechseln will, grundsätzlich zwei Punkte beachten.

Zum einen kann es tatsächlich eine Kündigungsfrist geben, sofern Sie einem Hausarztmodell zugestimmt haben. Zum anderen kann es aber auch zu Problemen bei der Übergabe der Krankenakte kommen.

Wenn man dies im Auge behält sind beide Hürden problemlos vermeidbar. Was das Hausarztmodell bedeutet, wie man am besten die eigene Krankenakte zeitnah zum neuen Arzt übermittelt und wie man einen neuen Hausarzt findet, wird in den nächsten Absätzen beschrieben.

Hausarzt wechseln? Freie Arztwahl in Deutschland

Auch wenn es prinzipiell kein Problem ist, den Hausarzt zu wechseln, kann es zu kleineren Komplikationen kommen. Sehr häufig dauert es zum Beispiel außerordentlich lange, bis die eigene Krankenakte vom alten Arzt an den Neuen überreicht wird – selbst, wenn der neue Hausarzt sie direkt anfordert. Das ist umso prekärer, je mehr Behandlungen noch nicht vollständig abgeschlossen worden. Denn wer den Hausarzt wechseln will und an chronischen Erkrankungen leidet, kann erst dann fachgerecht weiter behandelt werden, wenn auch der neuen Vertrauensperson die Krankengeschichte hinreichend bekannt ist.

Allerdings lassen sich diese Probleme recht einfach vermeiden:

  • Zum einen sollte man erst dann den Hausarzt wechseln, wenn etwaige laufende Behandlungen abgeschlossen worden. So steht für den Wechsel genügend Zeit zur Verfügung, ohne dass nachteilige gesundheitliche Folgen zu erwarten sind.
  • Zum anderen kann sich ein Patient aber auch eine Kopie seiner Krankenakte aushändigen lassen. Dies folgt unmittelbar aus den Einsichtsrechten, die in 2013 mit dem Patientenrechtegesetz näher konkretisiert wurden. Die Kopie kann man schließlich direkt an den neuen Arzt reichen, der eine etwaige laufende Behandlung so zeitnah fortsetzen kann.

Hausarztmodell: Wie den Hausarztvertrag kündigen

Obwohl es grundsätzlich in Deutschland die freie Arztwahl gibt und zwar für Kassen- wie auch Privatpatienten, müssen gesetzlich krankenversicherte Personen gegebenenfalls eine Einschränkung beachten. Wer dem Hausarztmodell zugestimmt hat, hat im Regelfall auch einen Hausarztvertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag muss zunächst gekündigt werden, was mit einer entsprechenden Kündigungsfrist verbunden ist. Diese beträgt im Regelfall ein bis drei Jahre.

Wer seinen Hausarzt wechseln will, sollte daher als erstes prüfen, ob dem Hausarztmodell zugestimmt wurde und falls ja, wie die Kündigungsmöglichkeiten gestaltet sind.

In der Regel ist die Krankenkasse für das Hausarztmodell zuständig. Dort kann man somit auch den Hausarztvertrag kündigen. Nötig ist dafür nur ein Kündigungsschreiben an die Krankenkasse, in dem man zum nächstmöglichen Termin kündigt. Am besten ist es auch direkt um eine schriftliche Bestätigung des Kündigungstermins zu bitten.

Zusammengefasst:

  • Bei der Krankenkasse informieren ob man im Hausarztmodell ist
  • Kündigungsschreiben zum Hausarztvertrag zum nächstmöglichen Termin an die Krankenkasse senden
  • Um schriftliche Bestätigung des Kündigungstermins bitten
  • Arztsuche für den Hausarztwechsel beginnen

Erst anschließend kann bzw. sollte man sich mit der Arztsuche beschäftigen. Dazu gibt es inzwischen mehrere seriöse Online-Portale, wie z.B. die Weiße Liste der Bertelsmann Stiftung.

Sollte man ohnehin vorhaben die Krankenkasse zu wechseln, muss das Hausarztmodell übrigens nicht extra gekündigt werden.

Freie Arztwahl: Welcher ist der beste Hausarzt?

Neben den Empfehlungen aus dem privaten Umfeld kann man auch die Macht der neuen Medien nutzen. Mittlerweile gibt es unzählige Online-Bewertungsprogramme für Ärzte. Hier lässt sich relativ schnell ein erster Eindruck von einem Arzt ermitteln.

Zu den größten gehören Jameda und die Weisse Liste.

Wie so oft jedoch im Internet muss man hier etwas Vorsicht walten lassen. Ein Arzt, der nur wenige Bewertungen hat und davon eventuell ein Teil auch noch subjektiv sehr negativ bewertet wurde, kann hier fälschlicherweise einen abschreckenden Eindruck hinterlassen. Am besten ist daher nach der Einholung von ersten Empfehlungen ein Kennenlern-Gespräch falls eine langwierige oder chronische Krankheit mit diesem Arzt bestritten werden soll.

Fazit zum Hausarzt Wechseln:

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass man sehr einfach den Hausarzt beim deutschen Hausarztmodell wechseln kann. Man sollte lediglich eine etwaige Kündigungsfrist als Kassenpatient beachten, wenn man sich für das Hausarztmodell entschieden hat. Ansonsten ist es grundsätzlich empfehlenswert, sich eine Kopie der eigenen Krankenakte aushändigen zu lassen, um im Fall der Fälle eine verzögerte Behandlung zu vermeiden.

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Die freie Arztwahl – ein Patientenrecht mit vielen Ausnahmen

Sowohl Privatpatienten als auch Kassenpatienten haben grundsätzlich das Recht, sich selbst ihren Arzt des Vertrauens auszusuchen. Weil es aber nur selten eine Regel ohne Ausnahme gibt, gibt es in beiden Krankenversicherungen verschiedene Einschränkungen in Bezug auf die freie Arztwahl. Dazu kommen weitere wichtige Einschränkungen bei der Unfallversicherung und im Arbeitsrecht. Wann können sich Patienten also ihren Arzt vollkommen frei aussuchen und wann müssen sie bei der Auswahl des Arztes Einschränkungen hinnehmen oder sich gar einen bestimmten Arzt wie z. B. den Betriebsarzt vorschreiben lassen?

Freie Arztwahl in der privaten Krankenversicherung

Bei privat krankenversicherten Patienten ergeben sich Einschränkungen der freien Arztwahl aus ihren individuellen Versicherungsbedingungen. Solche Einschränkungen in den Versicherungsbedingungen sind aber nur in sehr engen Grenzen zulässig und deshalb sehr selten.

Die bekannteste Einschränkung der freien Arztwahl ergibt sich aus den Wartezeiten der privaten Krankenversicherung. Wartezeit bedeutet, dass der Versicherungsschutz der privaten Krankenversicherung nicht sofort mit Abschluss des Versicherungsvertrages beginnt, sondern erst nach Ablauf einer bestimmten Wartezeit. Die Wartezeit legt jede Versicherung selbst fest. Manche Versicherungen verzichten ganz drauf und einige unterscheiden zwischen der Allgemeinen Wartezeit, die meist drei Monate beträgt, und der besonderen Wartezeit, die meist acht Monate beträgt.

Nach Ablauf der Wartezeit können privat krankenversicherte Patienten den Arzt frei wählen und ihren gewählten Arzt auch jeder Zeit wechseln. Abhängig von den Versicherungsbedingungen haben sie bei notwendigen Behandlungen im Krankenhaus einen Anspruch auf Chefarztbehandlung.

Freie Arztwahl bei der gesetzlichen Krankenversicherung

Das Recht auf freie Arztwahl ist aber kein Privileg der Privatversicherten, sondern steht grundsätzlich auch jedem kassenversicherten Patienten zu. Eine Einschränkung der freien Arztwahl ergibt sich aber daraus, dass Ärzte ihre erbrachten Leistungen nur bei der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen können, wenn sie von dieser als Vertragsarzt zugelassen worden sind. Damit haben gesetzlich krankenversicherte Patienten grundsätzlich das Recht auf freie Arztwahl, ihre Wahlfreiheit beschränkt sich aber auf die Ärzte, die von der gesetzlichen Krankenkasse als Vertragsarzt zugelassen sind.

Wenn gesetzlich krankenversicherte Patienten ihren Arzt wechseln wollen, ist das deutlich schwieriger als in der privaten Krankenversicherung. Gesetzlich Krankenversicherte können ihren Arzt im laufenden Quartal nur in schwerwiegenden Fällen wechseln, wenn z. B. das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerstört ist.

Noch stärker eingeschränkt ist das Recht auf freie Arztwahl, wenn der Patient am Hausarztmodell oder an einer integrierten Versorgung teilnimmt. Das Hausarztmodell ist eine bestimmte freiwillige Form der medizinischen Versorgung, bei der Patienten finanzielle Vorteile dafür bekommen, dass sie immer zuerst ihren Hausarzt aufsuchen. Im konkreten Krankheitsfall kann sich der Patient deshalb nicht mehr für irgendeinen zugelassenen Vertragsarzt entscheiden, sondern muss immer zu seinem Hausarzt gehen. Der Hausarzt übernimmt dabei praktisch die Rolle eines Lotsen für die weitere Behandlung. Patienten, die am Hausarztmodell teilnehmen, können ihren Arzt auch nicht jedes Quartal wechseln, sondern sind verpflichtet, zumindest ein Jahr lang bei dem gewählten Hausarzt zu bleiben.

Auch im Krankenhaus ist das Recht auf freie Arztwahl in der Regel stark eingeschränkt. Gesetzlich Krankenversicherte haben in der Regel nur die Wahl, in welchem Krankenhaus sie sich behandeln lassen. Welcher Arzt sie dort aber behandelt, können sie nicht mehr entscheiden, denn sie müssen sich vom jeweils diensthabenden Arzt behandeln lassen.

Freie Arztwahl in Notfällen

Diese Einschränkungen gelten aber nicht im Notfall. Wenn also z. B. nach einem Unfall kein Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Schnelle erreichbar ist, kann die Behandlung auch ein anderer Arzt übernehmen. Die gesetzliche Krankenversicherung muss die Kosten der Behandlung trotzdem übernehmen.

Das Gleiche gilt für die allgemeine Wartezeit der privaten Krankenversicherung. Bei medizinischen Notfallbehandlungen gilt auch sie nicht und die Kasse muss die entsprechende Behandlung übernehmen.

Freie Arztwahl im Arbeitsverhältnis

Das Recht auf freie Arztwahl ist ein zentrales Recht des Patienten. Deshalb kann auch der Arbeitgeber das Recht auf freie Arztwahl nicht einschränken. Der Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmern also keinen bestimmten Arzt vorschreiben. Nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Frankfurt sind derartige Regelungen im Arbeitsvertrag unwirksam. Deshalb können Arbeitnehmer frei entscheiden, zu welchem Arzt sie im Krankheitsfall gehen. Der Arbeitgeber muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dieses Arztes akzeptieren und kann bei Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit nur den medizinischen Dienst der Krankenkassen einschalten.

Grundsätzlich steht Arbeitnehmern auch bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen das Recht auf freie Arztwahl zu, solange die Gesundheitsprüfung ein besonders qualifizierter Arzt übernimmt. Arbeitnehmer müssen sich also nicht zwingend vom Betriebsarzt untersuchen lassen, sondern können sich frei entscheiden, bei welchem Arzt sie die arbeitsmedizinische Untersuchung durchführen lassen. Bei ihrer Arztwahl müssen sie aber darauf achten, dass es sich um einen Arbeitsmediziner oder einen Mediziner mit arbeitsmedizinischer Fachkunde handelt.

Aber Achtung: Wenn sich Arbeitnehmer für einen anderen Arzt entscheiden, muss der Arbeitgeber die Kosten für die Untersuchung nicht mehr übernehmen. Bei bestimmten Vorsorgeuntersuchungen und speziellen Eignungsuntersuchungen muss der Arbeitgeber das Ergebnis eines anderen Arztes nicht anerkennen und kann verlangen, dass die Untersuchung vom Betriebsarzt durchgeführt wird. So müssen z. B. Arbeitnehmer, die auf einer Werft arbeiten wollen, die Sehtauglichkeitseignung vom Betriebsarzt feststellen lassen. Auch Beamte sind nach dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz grundsätzlich verpflichtet, arbeitsmedizinische Untersuchungen beim Betriebsarzt durchführen zu lassen.

Zusammenfassend ist das Recht auf freie Arztwahl im Arbeitsrecht ebenfalls eingeschränkt. Wenn es um die Arbeitsunfähigkeit von Arbeitnehmern geht, hat der Arbeitgeber keinen Einfluss auf die Arztwahl, aber bei arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen und speziellen Eignungsvoraussetzungen kann der Arbeitgeber unter Umständen die Untersuchung durch den Betriebsarzt verlangen.

Freie Arztwahl bei der Unfallversicherung

Einschränkungen der freien Arztwahl gibt es auch bei der gesetzlichen Unfallversicherung. Nach einem Arbeitsunfall können Sie deshalb zunächst nicht selbst entscheiden, zu welchem Arzt Sie gehen wollen, sondern Sie müssen als Erstes einen Durchgangsarzt (D-Arzt) aufsuchen. Durchgangsärzte sind Ärzte mit einer speziellen Zulassung der Berufsgenossenschaft, die sich mit Unfallverletzungen besonders gut auskennen.

Der Durchgangsarzt macht nach seiner Untersuchung Vorschläge für eine optimale Behandlung der Unfallverletzung, indem er z. B. zu einer bestimmten Behandlung, zu einem bestimmten Facharzt oder Rehaklinik rät. Es besteht aber keine Verpflichtung, diesen Rat auch anzunehmen. Das Recht auf freie Arztwahl ist deshalb bei der gesetzlichen Unfallversicherung nur insoweit beschränkt, dass nach einem Unfall erst ein Durchgangsarzt aufgesucht werden muss, bevor man sich frei für einen anderen Arzt entscheiden kann.

Fazit: Zusammenfassend haben Patienten also grundsätzlich stets das Recht auf freie Arztwahl. Sie müssen aber zahlreiche Ausnahmen beachten, bei denen ihr Recht auf freie Arztwahl eingeschränkt ist.

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