Wann kind trocken

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Wie bringe ich meinem Kind bei, aufs Töpfchen zu gehen?

Körperliche Voraussetzungen

Wichtig für das Trockenwerden ist, dass Ihr Kind bereit ist für das Töpfchen – körperlich wie auch vom Verstand her. Studien belegen, dass ein frühes Töpfchentraining nicht dazu führt, dass Kinder früher windelfrei werden. Wann ein Kind sauber wird, hängt im Wesentlichen von der Steuerbarkeit seiner Blasen- und Darmfunktion ab.

Körperlich ist ein Kind in der Regel mit Ende des zweitens Lebensjahres in der Lage, seine Blase und seinen Darm zu beherrschen und selbst zu merken, wann es auf die Toilette muss. Die Blasenkontrolle ist dabei schwerer zu erlernen als die Kontrolle über den Darm. Zwischen zwei und drei Jahren entwickeln die meisten Kinder von selbst ein Interesse daran, selbst auf Toilette bzw. aufs Töpfchen zu gehen. Aber keine Sorge: Auch wenn Ihr Nachwuchs etwas länger braucht als andere Kinder, sollten Sie sich und Ihr Kind nicht zu sehr unter Druck setzen, denn früher oder später wird jedes Kind trocken.

Wann mit Töpfchentraining beginnen?

Es gibt einige Anzeichen dafür, dass Ihr Kind bereit ist, sich von seinen Windeln zu verabschieden und wie Mama und Papa auf die Toilette zu gehen:

• Ihr Kind hat bereits ein gutes Gefühl für seine Darm- und Blasentätigkeit entwickelt und sagt, wenn es muss.

• Es hegt selbst den Wunsch, sauber und trocken zu sein und möchte keine Windeln mehr tragen bzw. die Windeln bleiben trocken.

• Es kann sich selbständig Zugang zum Badezimmer verschaffen und allein aufs Töpfchen bzw. den Toilettenaufsatz steigen.

• Ihr Kind möchte zu einer bestimmten Tageszeit immer das große Geschäft erledigen.

Treffen diese Voraussetzungen zu, ist Ihr Kind vermutlich so weit. Mit ein paar kleinen Tipps und Tricks können Sie Ihr Kind zusätzlich dazu ermuntern, sein kleines und großes Geschäft auf der Kindertoilette zu verrichten. Sie können mit dem Töpfchentraining beginnen, indem Sie Ihr Kind immer dann, wenn Sie denken, dass es Zeit für den Toilettengang ist (ca. alle 30 bis 90 Minuten) auf das Töpfchen beziehungsweise den Toilettenaufsatz setzen. Seien Sie aber besonders anfangs nicht enttäuscht, wenn nichts im Topf landet. Je entspannter Sie alles angehen, desto leichter wird es Ihrem Kind fallen, trocken zu werden.

Töpfchen oder Toilettenaufsatz?

Manche Kinder möchten lieber gleich wie die Erwachsenen auf der Toilette sitzen. Andere bevorzugen zunächst eine Kindertoilette, also das Töpfchen. Grundsätzlich ist hierbei wichtig, dass Ihr Kind sich wohl und sicher fühlt. Wenn Ihr Kind gern die normale Toilette mit einem Aufsatz benutzen möchte, sich aber etwas wackelig dabei fühlt, können ein Schemel oder eine kleine Leiter Ihr Kind dabei unterstützen, auf die Toilette zu steigen und sein Gleichgewicht zu halten.

Strategien fürs Töpfchentraining

Auch die eine oder andere Töpfchenstrategie kann Ihnen und vor allem Ihrem Kind das Trockenwerden erleichtern. Probieren Sie es aus! Und weihen Sie auch die Kita oder Ihren Babysitter in das große Vorhaben ein.

Fortschritte belohnen: Zeigen Sie Ihrem Kind, wie stolz Sie sind, wenn es alleine aufs Töpfchen gegangen ist. Es kann zum Beispiel für jede erfolgreiche „Sitzung“ einen Schokodrops bekommen. Wenn es sich dazu auch noch ganz alleine sauberwischt, erhält es einen weiteren! Wenn Sie Ihr Kind ungern mit Schokolade belohnen wollen, können Sie das gleiche zum Beispiel auch mit bunten Aufklebern oder Stempeln in einer Liste tun.

Töpfchensparschwein: Stellen Sie ein Töpfchensparschwein im Badezimmer auf – am besten ein durchsichtiges. Für jedes selbstständig verrichtete kleine Geschäft gibt es fünf Cent, für jedes große zehn Cent. Je öfter Ihr Sprössling ganz alleine auf den Topf geht, desto voller wird das Sparschwein. So kann Ihr Kind seine Fortschritte Tag für Tag beobachten. Wenn Ihr Kind schließlich trocken ist, darf es sich von dem gesammelten Geld im Sparschwein ein kleines Spielzeug aussuchen, das es sich wünscht.

Töpfchenstoppuhr: Dieser Trick eignet sich besonders für Kinder, die schlicht und einfach vergessen, aufs Töpfchen zu gehen. Stellen Sie einen Radiowecker oder Ihr Handy so ein, dass das Gerät alle 30, 60 oder 90 Minuten ein Lied spielt, dass Ihr Kind daran erinnert, aufs Töpfchen zu gehen.

Ei, ei, Nackedei: Viele Kinder denken eher daran, selbstständig aufs Töpfchen zu gehen, wenn Sie keine Hose anhaben. Lassen Sie Ihren Nachwuchs also wenn möglich nackig zuhause herumlaufen. Wenn Ihr Kind weitestgehend „unfallfrei“ unterwegs ist, steigern Sie sich langsam zu Unterwäsche über normale Hosen.

Kleiner Anatomiekurs: Auch wenn es für Sie vielleicht etwas merkwürdig klingen mag: Einige Kinder denken bis zu einem bestimmten Alter noch, dass ihr großes Geschäft ein Teil von ihnen selbst sei. Daher haben sie verständlicherweise kein gutes Gefühl dabei, wenn sie es einfach herunterspülen. Zeigen Sie Ihrem Kind anhand eines Biologiebuches für Kinder, wie der Darm funktioniert, und dass es sich nicht davor fürchten muss, zu spülen.

Windeln sind teuer, das wissen alle Eltern. Und Wickeln ist auch nicht gerade die schönste Aufgabe. Ganz zu schweigen von der Müllentsorgung. Deshalb: Je eher dein Kind aufs Töpfchen gehen kann, desto praktischer ist das für dich. Natürlich hat jedes Kind sein eigenes Tempo, aber rein körperlich sind Kinder oft früher bereit die Windel abzuwerfen, als Eltern oft denken. Eltern sollten also rechtzeitig mit dem Töfpchentraining starten.

Immer mehr Eltern erziehen auch windelfrei. Das heißt, sobald der Säugling Anzeichen ziegt, dass er mal muss, darf er das auch frei tun. Meist auf ein Tuch oder in ein Gefäß. Windeln werden gar nicht getragen.

So funktioniert der Töpfchen-Trick aus Vietnam

In Vietnam tragen Babys nur ganz kurz Windeln und die Eltern beginnen früh mit dem Töpfchentrainig. Es ist warm und feucht: Kein gutes Klima für Windel, denn jede Mutter weiß, dass das Hautauschläge begünstigt. Außerdem sind Windeln teuer und aufwendig. Deshalb sind Eltern hier darauf angewiesen, ihre Kinder möglichst schnell windelfrei zu bekommen. Viele Kinder können ihren Eltern schon, bevor sie überhaupt sprechen können, ein Zeichen geben, dass sie mal müssen.

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Das ist die Folge einer ausgeklügelten Konditionierung. Vietnamesische Eltern machen jedes Mal, wenn ihr Kind offensichtlich die Windel voll macht ein Geräusch. Das hört sich ungefähr an wie ein „Psssssss“. Irgendwann reagiert das Kind darauf damit, dass es automatisch und wie auf Kommando Pipi macht. Natürlich achten auch vietnamesische Eltern darauf, dass sie regelmäßig und oft dem Kind ermöglichen sein Geschäft zu machen. Allerdings immer zu einem kontrollierten Zeitpunkt.

Keine Windeln mehr in drei Tagen

Was in Vietnam funktioniert, ist in unseren westlichen Länder natürlich nicht nötig. Hier können Kinder nach ihrem ganz eigenen Tempo auf die Windel verzichten. Dennoch: Wenn die Mama es gerne etwas schneller hätte, hat Mami-Expertin Lora Jensen ein Buch dazu geschrieben. In „3 Day Potty Training“ beschreibt sie, wie Kinder in 3 Tagen bereit fürs Töpfchen gemacht werden. Quasi Töpfchentraining in Rekordzeit.

1. Nicht fragen

Lora sagt, dass Kinder oft abgelenkt sind, wenn sie spielen oder müde sind. Deshalb macht es oft keinen Sinn zu fragen: „Musst du aufs Töpfchen?“ Besser ist es, wenn man das Kind konstant daran erinnert, dass es aufs Töpfchen muss. „Du musst daran denken, dass du aufs Töpfchen musst“ ist die bessere Wahl anstatt einer Frage.

2. Alle Aufmerksamkeit gilt dem Kind

Wenn du möchtest, dass dein Kind keine Windel mehr braucht (und das nur drei Tage dauern soll), musst du ihm die volle Aufmerksamkeit widmen. Das heißt, drei Tage freinehmen, Handy aus und TV aus und nur auf die Bedürfnisse des Kindes konzentrieren. So klappt es am besten.

3. Verbann alle Windeln

Ein bisschen Druck, oder? Aber laut Lora soll nur ein schnelles Ende helfen, dass auch Mami und Papi hundert Prozent drauf fokussiert sind, dass es endlich klappt mit der windelfreien Zukunft, wenn alle Windeln aus dem Haushalt verbannt werden. Sonst erleidet auch der Erwachsene aus Bequemlichkeit manchmal Rückfälle.

Das sind nur einige der Tricks, die Lora für Eltern hat. Wenn du mehr zu ihrem Training wissen möchtest, dann solltest du ihr Buch lesen.

Und, dass Lora Jensens Methode funktionieren kann, zeigen die Reaktionen auf Loras Facebook-Seite.

Das Töpfchentraining erfordert also Geduld und hundertprozentige Aufmerksamkeit, aber am Ende ist dein Kind trocken und das lästige Windelnwechseln passé.

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Ab wann kann ein Kind trocken werden?

Kinder werden mit unterschiedlichem Alter trocken. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Diese Faktoren möchte ich Ihnen hier vorstellen.

Man muss den richtigen Zeitpunkt abwarten:

Die richtige Zeitpunkt abwarten

Der richtige Zeitpunkt ist, wenn das Kind sowohl körperlich als auch geistig bereit ist. Wenn das Kind schon laufen kann und bereits die Worte Pipi und Kaka sagen kann. Es ist wichtig, dass das Kind selbst zu seinem Töpfchen laufen und der Mutter mitteilen kann, dass es muss. Das Kind muss auch die Bereitschaft haben, groß werden zu wollen. Die Beziehung zur Bezugsperson (meisten die Mutter) muss harmonisch und stark sein.

Das Kind muss selbst bestimmen, wann es soweit ist:

Wenn der richtige Zeitpunkt da ist (Siehe Abschnitt oben), kann das Kind selbst bestimmen, wann es trocken werden will und die Eltern sollten das Kind begleiten und beim trocken werden unterstützen.

Das Kind zu zwingen trocken zu werden ist der falsche Weg. Das Kind wäre durch den Zwang gekränkt, würde sich dagegen wehren und am Ende erreicht man das Gegenteil.

Es ist sinnvoll das Kind zu motivieren und zu loben wenn es den Topf benutzt hat.

Wie Sie als Eltern das Kind beim Trocken werden unterstützen und motivieren können:

Nützen Sie die Sommerzeit, um das Kind zum Beispiel im Garten oder am Strand ohne Windel laufen zu lassen. Die Bewegungsfreiheit ist ohne Windel größer. Wenn das Kind wieder eine volle Windel bekommt, wird es dieses Gefühl als nicht schön und unangenehm empfinden. Das Kind ist dann eher bereit auf´s Töpfchen zu gehen. Das funktioniert besonders gut, wenn man Stoffwindeln verwendet.

Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck.

Wenn das Kind in´s Töpfchen gemacht hat, sollte es von den Eltern gelobt werden.

Wenn das Kind Fragen über den Inhalt des Töpfchens hat, sollte es eine Antwort von den Eltern bekommen.

Erwarten Sie nicht als Eltern, dass das Kind gleichzeitig Tags und Nachts trocken wird. Lassen Sie dem Kind Zeit in der Nacht trocken zu werden.

Warum werden Kinder mit Stoffwindeln in der Regel früher trocken?

In der Regel werden Kinder die mit Stoffwindeln gewickelt werden früher sauber.Warum? Es gibt in den Stoffwindeln keinen Superabsorber. Superabsorber stören die natürlichen Wahrnehmung des Körpers. Der Unterschied zwischen nass und trocken ist durch die Superabsorber in den Wegwerfwindeln nicht mehr vorhanden.

Der Urin wird in den Wegwerfwindeln durch die Superabsorber zu einer rein chemischen gelartigen Masse. Die Windel fühlt sich trocken an, obwohl sie voll ist mit Urin.

Weil die Windel sich immer trocken anfühlt ist der Lerneffekt für das Kind nicht vorhanden. Ein Kind merkt nicht, wenn es in die Windel macht und und hat keinen Anlass etwas zu lernen oder zu ändern, wie zum Beispiel auf Toilette zu gehen. Dies ist der Grund warum Kinder beim Tragen von Baumwollwindeln in der Regel von sich aus früher sauber werden.

Wenn eine Windel spürbar voll ist, wird sie vom Kind als unangenehm empfunden und das Töpfchen oder die Toilette ist für das Kind eine optimale Alternative.

Es ist nicht selten, dass Kinder im Alter von 3 Jahren und älter noch den ganzen Tag mit Wegwerfwindeln unterwegs sind. Dagegen sieht man diese Phänomen selten bei Kindern, das mit Stoffwindeln gewickelt wurden.Die kommen meistens Tags über bereits ohne Windel aus.

Zusammengefasst von Christine Bendel

Wir sind Hersteller von Stoffwindeln. Made in Germany.

Entspannung an der Wickelfront

Die Ausscheidungen des Kindes waren über viele Generationen ein riesen Thema. „Ist sie denn schon sauber?“ war eine genauso gefürchtete Frage für Mütter wie heute die Frage: „Na, schläft sie denn schon durch?“ Dass an der Wickelfront nicht mehr ganz so heftig gekämpft wird, mag zum einen mit technischen Errungenschaften wie Waschmaschinen und Einwegwindeln zu tun haben – ein Windelkind bedeutet heute nicht mehr gleich Überstunden in der Waschküche. Für Entspannung sorgte aber auch die Psychologie. Waren die früheren Seelenforscher noch der Ansicht, eine möglichst rasche Kontrolle über den Stuhlgang verschaffe Kindern auch die Kontrolle über ihr wildes, unberechenbares Selbst, so sehen die meisten Psychologen den Schließmuskel inzwischen als das, was er ist: als das Ende des Darmes.

Zur Entkrampfung der Debatte trug aber auch die Wissenschaft bei. Kinder, so zeigten große Vergleichsstudien in den 1990er Jahren, werden nicht früher sauber oder trocken, wenn sie früher aufs Töpfchen gesetzt werden.

Wie sich die Ausscheidungen entwickeln

Bis weit in die 1990er Jahre hinein herrschte die Meinung, die für die Blasen- und Darmkontrolle zuständigen Nerven seien beim Baby noch „unreif“, deshalb laufe die Babyblase einfach über wenn sie voll wäre. Auch könnten die Babys den Harndrang gar nicht wahrnehmen und liessen es schon deshalb einfach laufen. Heute ist bekannt, dass beides so nicht stimmt. Die Babyblase wird tatsächlich von Anfang an durch das unwillkürliche Nervensystem reguliert. Im ruhigen Tiefschlaf etwa bleiben Babys trocken – erst wenn sie in den leichten Schlaf auftauchen oder ganz aufwachen, entleert sich die Blase. Auch tagsüber können schon Babys den Urin für eine kurze Zeit halten (mehr dazu beim Thema „windelfrei“ am Ende des Kapitels).

Und dass Babys ihre Blase durchaus „spüren“, zeigt sich an einem eigentümlichen, schon vom ersten Monat an zu beobachtenden Verhalten: Einige Sekunden vor dem Pullern lassen sie einen kurzen Schrei oder „Grunzer“ los oder machen eine ruckartige Bewegung mit den Beinchen oder dem ganzen Körper. Auch an einer Änderung des Atemrhythmus, plötzlichem Erröten, Unruhe, einem konzentrierten Gesichtsausdruck, Innehalten oder auch einem kurzen Zittern können Eltern erkennen, dass ihr Baby jetzt gleich „muss“. Beim großen Geschäft sind diese Zeichen noch deutlicher.

Tatsächlich werden diese intuitiven Signale rund um die Erde von Millionen von Müttern genutzt um sich selbst sauber zu halten, wenn sie ihr Baby mit sich herumtragen. Sobald sie merken, dass ihr Baby gleich muss, halten sie es einfach über die Büsche. Auch hierzulande gibt es immer mehr Eltern, die das windelfreie Aufziehen zumindest versuchen (siehe unten). Allerdings: Das beschriebene Ausscheidungssignal ist von Kind zu Kind unterschiedlich stark ausgeprägt, und es verliert sich nach und nach (möglicherweise weil Eltern hierzulande nicht darauf reagieren).

Selbst gehen lernen

Kinder hierzulande zeigen oft mit etwa 15 bis 18 Monaten an, wenn sie die Windel voll haben. Kurz darauf, im Schnitt zwischen 18 und 36 Lebensmonaten, können die meisten von ihnen auch signalisieren bzw. sagen, dass gleich ein „Geschäft“ kommt. Ganz wenige Kinder – dann oft Mädchen – können das schon ab ihrem ersten Geburtstag.

Etwa ab der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres können die kleinen Kinder ihren Stuhl oder Urin dann meist so lange halten, dass es zumindest reicht, um sie noch rechtzeitig aus ihren Kleidern zu schälen. Jetzt sind die meisten Kinder dazu bereit, auch das eigenständige Entleeren des Darmes zu erlernen. Mit zweieinhalb bis drei Jahren können die kleinen Großen dann auch die Hose selbst bedienen und besitzen damit alle Voraussetzungen für die komplette Selbstständigkeit in Ausscheidungsdingen!

Meine Bücher:

Die allermeisten Kinder werden im Verlauf des dritten und vierten Lebensjahres sauber und – tagsüber – trocken. Die nächtliche Kontrolle stellt sich langsamer ein: Die Hälfte der Kleinkinder wird im Verlauf des vierten Lebensjahres nachts trocken, am sechsten Geburtstag nässt aber immerhin jedes zehnte Mädchen und jeder vierte Junge noch gelegentlich nachts ein. Dahinter steht in der Regel nichts Krankhaftes, sondern ein Familienmuster: Auch Vater oder Mutter dieser Spätzünder haben spät gezündet.

Zeitweilige Rückfälle gehören dazu. Gerade während des Zahnens, bei Krankheiten oder sonstigen ungewöhnlichen Belastungen wie etwa der Geburt eines Geschwisterkinds kommt es immer wieder zu Missgeschicken. Zumindest wenn Zahnen oder Fieber dahinterstehen, ist nach zwei bis drei Tagen meist wieder alles im Lot.

Die Rolle der Eltern

Noch vor zwei Generationen herrschte die Meinung vor, die Eltern müssten sich mächtig ins Zeug legen, damit die Kinder das Saubersein erlernen – sie müssten die Kleinen schon früh, häufig und regelmäßig aufs Töpfchen setzen, damit sie ihre Ausscheidungen beherrschen lernen. Nicht selten wurde auch mit Strafen und Quälerein gearbeitet. Heute wissen wir: Die Plagerei hat nichts gebracht. Diese Erkenntnis verdanken wir dem Schweizer Kinderarzt Remo Largo. Er und seine Kollegen befragten Eltern fast 50 Jahre lang systematisch, wann mit der Sauberkeitserziehung begonnen wurde und wann die Kinder dann tatsächlich sauber waren. Und siehe da: Obwohl die Eltern im Verlauf der Befragung immer später mit der Sauberkeitserziehung begannen, unterschied sich der Zeitpunkt, zu dem die Kinder schließlich sauber waren, nicht nennenswert. So hatten vor 1974 immerhin die Hälfte der Eltern schon vor dem siebten Lebensmonat ihres Kindes mit dem Sauberkeitstraining begonnen – bei den nach 1974 geborenen Kindern dagegen begann die Hälfte der Eltern erst mit 21 Monaten. In beiden Gruppen wurde die nächtliche Blasenkontrolle bei etwa 80 Prozent der Kinder mit vier Jahren erreicht. Die 14 Monate, die die Sauberkeitserziehung ehemals im Mittel früher begann, waren also rein für die Katz!

Also einfach zuwarten?

Dass die Sauberkeit nicht willkürlich antrainiert werden kann, passt zu der komplexen Entwicklungsaufgabe, die das vollständige Saubersein nun einmal darstellt – die Kleinen müssen ja nicht nur ihre Blase kontrollieren können, sondern auch eine Weile das Spiel unterbrechen können (oder wollen), aufs Klo gehen, sich ihrer Kleider entledigen und überhaupt den Sinn der ganzen Übung einsehen. Kein Wunder bei diesen vielen Entwicklungsaufgaben, dass der Zeitpunkt, an dem Kinder in Sachen Sauberkeit wirklich selbstständig sind, von Kind zu Kind so stark variiert.

Ganz von äußeren Einflüssen unabhängig ist die Entwicklung der Sauberkeit aber auch nicht. Wird mit den „Sauberkeitsritualen“ schon im Alter von 18 bis 24 Monaten begonnen, so sind die Kleinen tatsächlich im Schnitt ein paar Monate früher am Ziel. Allerdings: es dauert dann fast 14 Monate bis die Kleinen trocken sind. Wird erst nach 27 Monaten begonnen, so verkürzt sich die „Lernzeit“ auf 10 Monate oder weniger. Für die Eltern wäre die Botschaft damit die: ein Übungseffekt lässt sich schon verzeichnen, der Preis ist allerdings ein recht erheblicher Zeitaufwand auf beiden Seiten. Oder, positiv gewendet: Je stärker die Eltern die – entwicklungs- und altersabhängige – Bereitschaft ihrer Kinder berücksichtigen und „abspüren“ können, desto leichter für beide.

Tipps fürs Sauberwerden

Und damit wären wir auch bei dem entscheidenden Punkt. Sauberkeit ist weder das Resultat einer mirakulösen „Reifung“, durch die das Kind jetzt auf einmal in den Vollbesitz seiner Blasenkräfte gelangt. Noch ist Sauberkeit das Resultat eines „Trainings“ oder Lehrprogrammes, das die Eltern für das Kind veranstalten. Es gibt kein Sauberkeitstraining, genausowenig wie es ein Sprechtraining oder ein Training sozialer Kompetenz gibt. Wie in anderen Bereichen des kindlichen Wachsens und Gedeihens stellt sich der Entwicklungs“erfolg“ vielmehr dann ein, wenn ein Kind im Rahmen und im Schutz seiner Beziehungen eigeninitiativ lernen kann.

Mit diesem vielleicht etwas langen Satz sind die beiden entscheidenden Zutaten zur Sauberkeitsentwicklung angesprochen. Zum einen: die Eigeninitiative bzw. Selbsttätigkeit des Kindes. Wenn ein Kind von sich aus „wie die Großen“ sein Geschäft oder sein Geschäftchen machen will, dann wird es dies lernen – ein paar Rückschläge und Unfälle hin oder her.

Zum zweiten: das Lernen in und über BEZIEHUNGEN. Kinder lernen nicht im luftleeren Raum und sie lernen auch nicht durch didaktische Großangriffe, sie lernen im wechselseitigen Austausch und in emotionaler Verschränkung mit ihren Bindungspersonen – ob das Eltern, Geschwister oder die Erzieherin in der Krippe sind. Gelungene Beziehungen = gelungenes Lernen, so einfach lautet die Entwicklungsformel der Kinder.

Kinder unterstützen

Konkret heisst das: Eltern können Sauberkeit weder erzwingen noch antrainieren – sie können ihr Kind beim Sauberwerden lediglich unterstützen. Beispielsweise dadurch, dass sie Vorbild sind. Kinder, die sehen, wie es geht, wollen selbst gerne aufs Töpfchen – abgeschlossene Klotüren sind für Kinder so etwas wie ein großes Fragezeichen. Gerne lernen Kinder die lebenspraktischen Dinge auch von älteren, und damit entwicklungserfahreneren Kindern. In gemischtaltrigen Kindergruppen – sei es nun in der Familie oder in der Kita – stellt sich Sauberkeit leichter ein.

Auch ein kindgerechtes Klo und „klogerechte“ Kleidung helfen. Nichts ist für die Kleinen frustrierender, als wenn sie stolz aufs Klo marschieren und dann an der Gürtelschnalle scheitern. Und das kindgerechte Klo ist gerade in der Kita gar nicht so einfach einzurichten. Schließlich ist das Klo erst dann einen Besuch wert, wenn man dort gute Erfahrungen machen kann – also: sich nicht ausgeschlossen fühlt, sich nicht beängstigt fühlt, und auch die achtsame Begleitung hat, die man für so ein privates „Geschäft“ nun einmal braucht. Sind diese Zutaten nicht gegeben, so schleift sich rasch ein Vermeidungsverhalten ein, schließlich sind viele der potentiellen Klobesucher jetzt im so genannten magischen Alter, in dem sie in unbekannten und wenig vertrauenserweckenden Orten schon mal ein Monster oder zumindest ein Krabbeltier vermuten. Dann beginnt der Teufelskreis aus Hochhalten-bis-nicht-mehr-geht und dann Hose-nass-machen (gerne beim Spielen, denn dieses ist jetzt ja tatsächlich ein weiteres Hindernis: wer will schon sein superspannendes Spiel unterbrechen, um auf dieses blöde Klo zu gehen…?). Und schon heißt es: der Tim hat ein Problem mit der Sauberkeit. Dabei sollte es heißen: die Einrichtung hat ein Problem mit der Sauberkeit bzw. ihren Klos und den damit verbundenen Routinen.

Und auch das gehört zur Selbstständigkeit: Wenn das Kind einmal von sich aus aufs Töpfchen geht, dann weg mit den Windeln – auch wenn der eine oder andere Schuss noch danebengeht.

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Vor allem aber können Eltern ihren Kindern dadurch helfen, dass sie erkennen, wann ihr Kind von sich aus bereit ist. Hier haben manche Eltern im Vertrauen auf eine angeblich aus dem Nichts auftauchende, sozusagen automatische „Reifung“ in den letzten Jahren vielleicht zu lange gewartet und übersehen, dass ihr Kind eigentlich die Windeln nicht mehr braucht und nicht mehr will. In solchen Fällen schleifen sich aber leicht unerwünschte Gewohnheiten ein, etwa dass das Kind sein großes Geschäft dann noch jahrelang nur in die Windel machen will, oder dass es beim „Selbergehen“ die Blase nicht vollständig entleert.

Gelassen bleiben

Rückschläge gilt es gelassen zu nehmen, Druck absolut zu vermeiden. Denn zum einen gehören Rückschläge zum Kleingedruckten der Entwicklung, zum anderen droht sonst die Spirale des Negativismus: In der Zeit, in der Kleinkinder normalerweise sauber werden, stecken sie nun einmal auch mittendrin in der für ihre Entwicklung notwendigen „Nein- und Trotzphase“. Je mehr die Eltern drängen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder den Gang aufs Töpfchen auf ihre „Njet“-Liste setzen und einfach nicht wollen, bloß weil die Eltern es wollen …

Vor allem beim Spielen kommt es gehäuft zu „Unfällen“. Die Kinder sind so im Spiel versunken, dass sie die Ausscheidungen so lange zurückhalten, bis der Drang auf einmal überstark ist (oder bis sie eine hartnäckige Verstopfung entwickeln). Hier hilft nur, die kleinen Kinder laufend zu erinnern und mit List und Tücke immer einmal wieder aufs Klo zu dirigieren.

Zur Diskussion: Windelfrei aufziehen?

Wie der Artikel zeigt, drücken selbst kleine Babys ihre Ausscheidungen nicht sang- und klanglos von sich, sondern zeigen das Ereignis mit einem kurzen Signal an – und ermöglichen ihren Eltern dadurch, sie etwa rechtzeitig vom Rücken zu pflücken und an einen Baumstamm zu halten. Tatsächlich tragen in traditionellen Gesellschaften Millionen von Frauen ihre Kinder tagaus, tagein auf dem Rücken, ohne dabei ständig beschmutzt zu werden.

Auch hierzulande interessieren sich immer mehr Eltern für eine solche „intuitive Sauberkeit“: Könnten die frühen Ausscheidungssignale nicht genutzt werden, um die Babys schon früh von Windeln zu entwöhnen – und das auch noch auf eine „natürliche“ Art?

Whhhuuuuuschhhhh!

Nach den Verfechtern der frühen „Ausscheidungskommunikation“ können Eltern ihren Kindern schon im Babyalter eine Art intuitive Sauberkeit ermöglichen – sie müssen dazu nur die Signale ihrer Kinder genau beachten. Also: Gibt ein Kind eines der typischen Ausscheidungszeichen, so wird es sofort abgehalten, etwa über eine Schüssel. Macht das Kind nun sein Geschäft, so machen die Eltern immer das gleiche Begleitgeräusch (etwa ein „Whhhhuuuuschhhhh“!, oder ein Summen, oder einen Signalton) und zeigen dem Baby wie toll sie sein „Gehen“ finden. Nach und nach wird das Kind auch abgehalten, wenn es gar kein Ausscheidungszeichen von sich gibt, etwa nach dem Aufwachen oder nach den Mahlzeiten. Dabei machen die Eltern wieder ihr „Whhhuuuuschhhhh“. Vielen Babys gelingt es dann tatsächlich, mithilfe dieses Zeichens ihr Geschäft zu machen.

Was ist dran an dieser Art der frühen Sauberkeit?

Das Konzept der intuitiven Sauberkeit ist nicht aus der Luft gegriffen. Babys sind von Natur aus vorbereitet, im Rahmen einer sehr engen Beziehung und Kommunikation mit ihrer Bindungsperson schon ganz früh ihre Ausscheidungen anzukündigen, für kurze Zeit (im Rahmen von Sekunden) zu halten und zum Teil auch auf ein bestimmtes Signal hin einzuleiten. In vielen traditionellen Kulturen sind Babys zumindest im Nahbereich der Eltern etwa mit sechs bis zwölf Monaten auf diese Art „sauber“. Und tatsächlich gibt es auch hierzulande Eltern, die ihre Babys teilweise ohne Windeln aufziehen.

Allerdings heißt das nicht, dass die Kinder ihre Ausscheidungen beliebig und komplett kontrollieren können. Vielmehr können sie im Zusammenspiel mit einer sehr engen Bezugsperson lernen, ihre Ausscheidungen einigermaßen verlässlich anzuzeigen und zu bestimmten Zeiten auch selbst einzuleiten. Ein längeres Aufschieben ist noch nicht möglich.

Zudem beschränkt sich die intuitive Sauberkeit zunächst auf den unmittelbaren „mütterlich-kindlichen Begegnungsraum“ – sie setzt nun einmal eine eingespielte, niederschwellige Kommunikation zwischen dem Baby und seiner Bezugsperson voraus, wie sie etwa in traditionellen Gesellschaften üblich ist, wo Babys kaum je den Schoß, Rücken oder die Hüfte der Mutter verlassen. Das ist hierzulande meist einiges schwieriger, so dass entsprechend auch mit mehr Aufwand, „Unfällen“ und auch Rückschlägen zu rechnen ist. Es ist deshalb auch kein realistisches Ziel, stets und immer wirklich „windelfrei“ durch den Tag zu kommen, sondern auf Windeln so oft es eben geht zu verzichten – ein wirklich windelFREIES Aufwachsen gibt es zumindest hierzulande nicht. In der Tat stellen ja auch die hiesigen Klimaverhältnisse ein Handicap dar – die können zwar etwa in beheizten Wohnungen oder durch spezielle Kleidungsstücke teilweise ausgeglichen werden, aber draußen auf dem Spielplatz müssen manchmal eben doch mal ganze Schichten von Kleidern entfernt werden, bevor das kleine Kind „gehen“ kann.

Man sollte das Windel“frei“-Konzept also pragmatisch sehen: für die eine Familie funktioniert es, für die andere nicht. Manchmal klappt es eine Weile (zum Beispiel in den ersten Wochen und Monaten), dann wieder eine Zeitlang überhaupt nicht. Die von manchen Anhängern des unbewindelten Aufwachsens geäußerte Meinung, nur das „bedürfnisorientierte Abhalten“ sei ein respektvoller Umgang mit einem Baby, ist jedenfalls nur schwer nachvollziehbar (zumal noch niemand ein Baby gefragt hat, ob es sich wirklich bedürfnisorientiert anfühlt, wenn man beim Stillen wegen AA- oder Pipi-Alarm zum Beispiel von der Brust gepflückt und abgehalten wird, vielleicht will das kleine Ding ja wirklich lieber sein Geschäft in eine Windel drücken?).

Auch dürfen mögliche Nebenwirkungen nicht vergessen werden. Etwa die, dass sich der Fokus der Eltern vielleicht dann doch auf die Ausscheidungen legt (muss sie jetzt nicht so langsam mal Pipi machen…?). Der Alltag dreht sich dann vielleicht doch mehr um Pipi und Kacka als die Eltern das eigentlich wollen. Zudem kann sich auch hier, wo es eigentlich um die Bedürfnisse der Kinder geht, dann durch die Hintertür doch der Leistungsgedanke einschleichen: schaffen wir es mit möglichst wenig Windeln? Man misst sich dann sozusagen daran, wie „gut“ man die Windelfrei-Idee umsetzen kann – und fühlt sich blöd, wenn es dann nicht so klappt, wie man es will (und wann tut es das schon?). Tatsächlich kann das allzu motivierte windellos-großwerden-Lassen unter den gegebenen baulichen und klimatischen Verhältnissen schon mal zu einem richtigen Stress ausarten – und das ist sicherlich kein Schmiermittel für die Eltern-Kind-Beziehung. Insofern passt auch zum Windelfrei-Thema am besten das alte Ausscheidungs-Thema: locker bleiben. „Könnten wir uns 100-prozentig auf ihn konzentrieren“, schreibt beispielsweise eine Mutter in einer Elternzeitschrift, „könnte er es ohne Windeln schaffen!“ Da muss jede Familie entscheiden, wie viel sie wirklich „schaffen“ will.

Wie werden wir die Windeln los? | Mit diesem Tipp ist Trocken werden ganz einfach

Jede Mama kennt das, irgendwann ist es so weit. In etwa wie beim Thema Babyschlaf („schläft sie schon durch?“), beginnen die Leute zu fragen: „Braucht sie noch Windeln? Geht sie aufs Töpfchen?“ Ab diesem Zeitpunkt ist es vorbei mit dem entspannten Windelkauf. Ab sofort hat man immer das Männchen im Hinterkopf sitzen, das sagt: dein Kind muß doch auch mal trocken werden1

Wunderbar, ihr habt hier rein geklickt. Ich verrate euch heute nämlich das ultimative „Geheimnis“ ums Trocken werden und meine Enthüllung wird euch so was von entspannen …

Bei uns war das so …

Die große Tochter ist zwei Monate jünger als mein Patenkind. Irgendwann im Frühjahr mit zwei Jahren wurde das Patenkind „sauber“. Er machte am Spielplatz Pipi hinter den nächsten Busch, manchmal ging es daneben, meistens klappte es. Wie das so ist beim ersten Kind, fing es auch in meinem Hinterkopf an zu rattern. Soooooo, jetzt müsste es auch bei uns bald so weit sein. Oder?

Ich habe damals gleich mal ein Töpfchen gekauft, das wiederum erstmal gekonnt ignoriert wurde. Mit Begeisterung hat die Tochter aber das singende Töpfchen ihres Sandkastenfreundes benutzt. Nur mit großer Überredungskunst konnte der beste Mann mich davon abhalten uns auch so ein lächerliches Ding zu besorgen. Ihr merkt schon, ich war bereits ein bisschen im Streß deswegen (typisch erstes Kind …).

Bis zum Sommer passierte dann erstmal gar nichts. Im Sommer dachte ich mir: hmmmm, Sommer. Perfekt, um ohne Windel gehen zu „üben“. Tja, als ob man so etwas üben könnte. (Wusste ich damals noch nicht). Im Strandbad war es halb so schlimm, denn ob sie mit oder ohne Windel Pipi ins Donauwasser macht ist in Wirklichkeit egal. Bis zum Klo haben wir es eigentlich selten geschafft.

Der Sommer ging vorüber, die Tochter trug immer noch oder eigentlich wieder Windeln. Weil uns das bei Freunden gut gefallen hatte in Sachen Selbständigkeit, haben wir ein Klotreppchen gekauft. Von einem Tag auf den anderen benutzte sie es dann auch plötzlich. Einfach so. Das wars. „Mama, keine Windel. Ich will Unterhose!“ Das wars.

Ein paar Wochen später sagte sie den Windeln auch in der Nacht „Tschüß!“. Das war in etwa mit zweieinhalb. Ob das früh oder spät ist – ich weiß es nicht. Denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Das habe ich dann natürlich erst gelernt, als beim Sandwichmädchen alles wieder ganz anders war.

Was ist wichtig beim Trocken werden?

Ich bin gegen Töpfchentrainings jeglicher Art und für mich sind auch Sticker, Stempelkarten oder ähnliches mehr oder weniger sinnfrei, weil sie eine externe Motivation darstellen, die nichts mit dem „Phänomen“ der Harnkontrolle an sich zu tun haben. Du willst jetzt sicher wissen, was ist dann der wunderbare und todsichere Tipp, den ich versprochen habe? Ich habe viel gelernt mit meinen Kindern und das wichtigste im Zusammenleben mit meinen wunderbaren kleinen Menschen ist: Geduld.

Ich weiß, ich weiß, wir Eltern können vor allem beim ersten Kind kaum den jeweils nächsten Entwicklungsschritt abwarten. Die Ungeduld und Freude daran drängt und schubbst uns geradezu von einem Schritt zum nächsten. Der Verzicht auf Windeln ist auch für uns Erwachsene ein besonders großer Schritt, weil er mit einem großem Stück Selbständigkeit verbunden ist. Wenn wir aber überlegen, welch einen marginalen Zeitraum im Leben eines Menschen Windeln gebraucht werden (also diese zwei bis vier Jahre in einem ganzen Menschenleben), dann ist das doch gar nichts! Geben wir ihnen doch diese ihre Zeit, um sich zu Entwickeln!

Weshalb gibt es nicht DEN Zeitpunkt für’s Trocken werden?

Wenn jemand dir erzählt, sein Kind wäre mit eineinhalb Jahren windelfrei, dann mag das sein, ist aber eher ungewöhnlich. Denn tatsächlich ist die Zeitspanne, in der Kinder ohne Windeln selbst wissen, wann sie zur Toilette müssen sehr groß. Bei manchen ist es eben schon unter zwei Jahren so weit, bei anderen mit vier Jahren. Ob Kinder das können hängt nicht (wie wir oft glauben) von externer Motivation ab, wie etwa die schon erwähnten Sticker, Stempel oder sonstigen Goodies mit denen Eltern sie versuchen zu „bestechen“.

Vielmehr hängt die Fähigkeit der Harnkontrolle bei kleinen Kindern von der Entwicklung des Nervensystems ab – nennen wir sie in dem Fall ganz unwissenschaftlich die Pipi-Synapsen. Sind diese quasi noch nicht verbunden, dann kann das Kind noch nicht sagen, ob es gleich zur Toilette muß, ganz egal, welchen Tanz wir Eltern um das Töpfchen aufführen. Ist das Nervensystem so weit entwickelt und sind die Kinder bereit und können den Harnddrang bewusst wahrnehmen, dann signalisieren sie ganz von selbst – vielleicht zuerst nur durch auffälliges Trippeln oder von einem Fuß auf den anderen treten – dass sie „mal müssen“.

Was ist also wichtig für’s Trocken werden?

Es ist völlig verständlich, dass man auf diesen einen für uns Eltern so bedeutsamen Entwicklungsschritt ungeduldigst wartet. Jeder kennt das. Trotzdem ist es wichtig, sein Kind nicht zu drängen. Es spricht nichts dagegen, schon mal ein Töpfchen auf der Toilette zu platzieren oder eine Treppe zu besorgen, damit dem Kind der Zugang erleichtert wird, wenn es so weit ist.

Auf das Töpfchen oder auf die Toilette zu gehen soll in gewisser weise Spaß machen oder eigentlich selbstverständlich werden. Wenn man sein Kind zu sehr dahin drängt, kann sich das auch negativ auswirken (aus Angst, einfach nicht zu schaffen, was Mama da verlangt).

Bei den meisten Eltern ist es sowieso häufig so: das zur Toilette gehen ist oft familiär recht öffentlich. Viele Mamas kennen das – die Tür muß offen bleiben, damit der Blickkontakt bestehen bleibt. Kinder sehen so natürlich auch, wie es funktioniert. Keine Sorge, irgendwann darfst du auch wieder ganz alleine zur Toilette gehen. Um ehrlich zu sein: ich sperre mittlerweile einfach zu, damit nicht permanent die Klotüre aufgerissen wird:“Mamaaaaaaaa, kannst du mal …. Mamaaaaa, schau mal!, Mamaaaa … whatever!“

Und dann plötzlich klappt es. „Oh schau, es hat geklappt. Du hast Pipi in die Toilette gemacht!“ Huch, das klingt seltsam für Erwachsene, aber ich habe es so gehandhabt Zu Beginn. Und sie waren sehr stolz darauf.

Trocken werden in der Nacht

Die meisten Kinder werden erstmal untertags windelfrei. Meist ist das Nervensystem aber dann noch nicht so weit entwickelt, dass es den Zusammenhang zwischen dem Harndrang und Aufwachen herstellen kann. Deshalb kann es noch eine Weile dauern, bis es auch in der Nacht ohne Windel funktioniert. Exakte Richtwerte gibt es auch hier nicht. Beim kleinen Fräulein war das mit zweieinhalb der Fall und nur ein paar Wochen nach dem Weglassen der Windel untertags, bei der Sandwichtochter gerade eben erst mit dreieinhalb, rund eineinhalb Jahre nachdem sie untertags trocken wurde.

Keine Sorge, dein Kind wird mit recht großer Wahrscheinlichkeit nicht mit Windeln in die Schule kommen. Setzte es nicht unter Druck oder stell es bloß, wenn es dafür länger braucht als zum Beispiel seine Kindergartenfreunde oder wenn mal ein „Unfall“ passiert. Abwischen, Wechselwäsche rauskramen und umziehen. Eine Partie Wechselwäsche mehr zu waschen ist kein Drama.

Lass dich nicht verunsichern oder unter Druck setzten, wenn Betreuerinnen im Kindergarten „Trocken sein“ mit drei Jahren als „Muß“ einfordern. Ihnen sollte eigentlich klar sein, dass man Trocken werden nicht erzwingen kann. Natürlich werden sie trotzdem darauf hinweisen, weil es ihnen ihre Arbeit mit der Gruppe erleichtert, wenn 20 Kinder selbst auf die Toilette gehen können und nicht gewickelt werden müssen.

Doch noch ein kleiner Trick fürs Selbstbewusstsein

Unsere Kinder haben es gut verstanden, wenn wir auch nach der Verabschiedung der Windel „mit Windel“ situationsbedingt abgesprochen haben. Untertags war es kein Thema, da macht auch eine nasse Hose nicht viel mehr Aufwand. Für längere Autofahrten (auf der Autobahn zum Beispiel) habe ich zu Beginn meist entweder tatsächlich trotzdem eine Windel genommen oder eine Wickelunterlage unter dem Po vereinbart. Das war für sie völlig in Ordnung mit meiner “ für den Fall der Fälle“ Erklärung, dass sie vielleicht Einschlafen oder dass wir nicht so schnell stehen bleiben können auf der Autobahn.

In der Nacht galt als Richtwert fürs ohne Windel schlafen: drei trockene Windeln drei Nächte hintereinander. Ich habe beiden erklärt, dass ein nasses Bett passieren kann aber für mich sehr viel Wäsche bedeutet, die bei drei Kindern momentan einfach sehr schwer zu bewältigen ist. Beide haben es verstanden und quasi mit uns einen Deal abgeschlossen. Hat super geklappt und Unfälle gab es eigentlich nicht oder nur sehr selten.

Sollte es doch nicht klappen, was dann?

Ein gesundes Kind braucht normalerweise bis zum Schuleintritt keine Windeln mehr. Sollte Einnässen oder Inkontinenz trotzdem vorkommen, kann das andere körperliche oder seelische Gründe haben und du solltest erstmal versuchen herauszufinden, woran es liegen kann (zuhören!) und beim Arzt abklären ob es körperliche Gründe gibt. Bitte gib nicht deinem Kind die Schuld dafür – meistens kann es selbst am allerwenigstens dafür und kann den Grund weder analysieren noch benennen. Kinderseelen sind verletzlich und schon kleine uns nicht bewusste „Schürfwunden“ an der Kinderseele können verantwortlich dafür sein.

Ich habe diesen Beitrag zum Trocken werden verfasst, da eine Leserin mich kürzlich gefragt hat, wie wir mit dem Thema umgegangen sind. Ich danke dir für deinen Input und teile unsere Geschichte hier gerne. Es gibt nicht nur unseren Weg, es gibt viele Wege und jeder davon ist individuell. Das WICHTIGSTE ist: Geduld haben. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, jedes Kind ist anders. Vorgegebene Entwicklungstabellen für Kinder sind deshalb sehr flexibel zu verstehen. Es ist so: ein Kind kann als Erwachsener nicht besser Laufen, weil es mit 10 Monaten Laufen gelernt hat. Genauso kann ein Kind als Erwachsener nicht besser auf die Toilette gehen, weil es das mit zwei Jahren schon konnte oder eben erst mit drei oder vier.

Alles Liebe,

Windeln nachts abgewöhnen – hilfreiche Erziehungstipps

Je größer die Kinder werden, umso selbstständiger werden sie. Das gilt auch für die Toilettengänge. Aber ab einem bestimmten Alter möchten entweder die Eltern oder die Kinder selber wie „die Großen“ sein und nicht mehr in die Windel machen. Jedoch ist es nachts schwieriger, die Anzeichen zu sehen, wann ein Kind mal muss. Geduld ist nötig, doch Sie können es gemeinsam schaffen, dem Kind das Einnässen abzugewöhnen.

Wenn Sie sich mit dem Thema befassen, ab wann ein Kind keine Windeln mehr tragen sollte und wie Sie es schaffen, dass Ihr Kind nachts trocken bleibt, werden Sie auf viele unterschiedliche Meinungen stoßen. Den Zeitpunkt für das Weglassen der nächtlichen Windel können Sie selber bestimmen. Ein paar Anregungen und Tipps, wie die Zeit für Sie und Ihr Kind leichter und angenehmer zu gestalten ist, soll dieser Artikel Ihnen vermitteln.

Töpfchentraining und Windel abgewöhnen

Am einfachsten ist es, wenn Sie tagsüber beginnen, Ihrem Kind die Windel abzugewöhnen. Das gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihren Nachwuchs genau zu beobachten und herauszufinden, wie sich das Kind dabei verhält. Viele Kinder werden ruhiger, bevor sie ihr kleines Geschäft erledigen, aber unruhiger, wenn das große Geschäft ansteht. Nehmen Sie sich die Zeit, diese Anzeichen zu sehen. So fällt es Ihnen leichter, den Zeitpunkt zu finden, um Ihren Sohn oder Ihre Tochter zum Töpfchen oder zur Toilette zu begleiten. Ein permanentes Fragen führt auf Dauer zu Ungeduld und Enttäuschungen auf beiden Seiten. Zudem erhöhen Sie den Druck auf Ihr Kind, sodass es dem natürlichen Harn- oder Stuhldrang wahrscheinlich nicht bemerkt und in die Hose macht.

Stundenweises Weglassen der Windel ist der erste Schritt zum Trockenwerden. Erkennen Sie die Anzeichen oder Ihr Kind kommt selbstständig zu Ihnen um anzuzeigen, dass es auf das Töpfchen muss. Falls Ihr Kind selbstständig zu Ihnen kommt, loben Sie es immer dafür. Positive Erfahrungen fördern den eigenen Wunsch nach mehr Freiheit. Sobald Sie tagsüber die relative Gewissheit haben, dass Sie die Windel nicht mehr benötigen, lässt sich das windelfreie Dasein auf die Schlafphasen übertragen. Auch hier sollten Sie sich langsam herantasten und mit dem Mittagsschlaf beginnen. Zu den Zeiten haben Sie ebenfalls die Möglichkeit zu beobachten, wann Ihr Nachwuchs unruhig wird. Um einem Einnässen zuvor zu kommen, wecken Sie Ihr Kind, um es auf die Toilette oder das Töpfchen zu bringen. Klappt dies, ist es ebenfalls hilfreich zu loben. Sollte Ihr Kind dennoch ins Bett machen, schimpfen Sie nicht, sondern beruhigen Sie es und geben Sie ihm Zeit.

So klappt es nachts ohne Windel

Das nächtliche Training lässt sich am einfachsten mit einem Windelhöschen beginnen. Diese sind ähnlich einem Schlüpfer und können von Ihrem Kind selbsttätig herunter gezogen werden, um auf die Toilette zu gehen. Gelangt doch etwas in die Hose, ist es einfacher, das Windelhöschen zu wechseln, als das ganze Bettzeug abzuziehen. Erklären Sie, dass es nachts in der Wohnung dunkler ist und üben Sie mit Ihrem Kind, wie es sich im Dunkeln orientiert. Nachtlichter neben der Tür oder Lampen mit Bewegungsmeldern können eine große Hilfe sein.

Wenn Sie möchten, dass die Nächte genau so trocken bleiben wie die Tage, sollten Sie abends vor dem Schlafengehen auf die Trinkmengen achten. Eine Flasche zur Beruhigung mit ins Bett zu geben, wäre kontraproduktiv. Erklären Sie immer wieder ruhig und in einfachen Worten, dass der Gang auf die Toilette vor dem Schlafengehen wichtig ist. Auch hier sollte Loben Ihre Devise sein. Für Sie mag es selbstverständlich sein, Ihrem Ausscheidungsdrang nachzukommen ohne dafür gelobt zu werden. Ihr Kind braucht jedoch diese Anerkennung um zu merken, dass es richtig gehandelt hat. Schimpfen oder die Androhung von Strafen hingegen wenn etwas danebengegangen ist oder es den Weg zur Toilette nicht mehr ganz schafft, verunsichert Ihr Kind.

Wenn Sie wissen, dass Ihr Kind nachts öfter auf die Toilette muss, ist es nicht sinnvoll, immer zur gleichen Zeit am Bett zu stehen und es zu wecken. Auch Kinder haben eine biologische Uhr. Sollten Sie den Zeitpunkt mal verpassen, kann es passieren, dass Ihr Kind sich nachts einnässt, weil der Körper an die Uhrzeit gewöhnt ist. Wenn Sie auf die nächtliche Weckmethode für den Töpfchengang zurückgreifen, variieren Sie die Uhrzeiten und Abstände.

Die Zeit zum windelfreien Tagesablauf braucht Geduld

Haben Sie ein Kindergartenkind kann es helfen, wenn Sie sich mit anderen Eltern über das Thema unterhalten. Auch Erzieherinnen oder Ihr Kinderarzt können Ihnen wertvolle Tipps geben. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, bestimmen manche Kinder selber. Häufig sind kleinere Geschwister schneller an dem Punkt angekommen, wo sie es den großen gleichtun möchten. Nutzen Sie die Gelegenheit und geben Sie Ihrem Nachwuchs das Gefühl, schon groß zu sein und ohne Windel klarzukommen. Sollte das nächtliche Einnässen andauern, ohne dass Sie einen Grund dafür finden, ist es ebenfalls ratsam, mit dem Kinderarzt zu sprechen. Hinter der Enuresis, so der medizinische Begriff für unwillkürliches Einnässen, könnten unterschiedliche Faktoren wie Krankheiten oder psychische Faktoren stecken.

Wie bekomme ich mein Kind trocken? Gar nicht! Das macht es selber

Immer wieder liest man in Elternforen, ein Kind mit zweieinhalb Jahren sollte doch langsam mal trocken sein und wenn es das nicht ist, dann seien die Eltern schlicht zu faul, ihr Kind zur Sauberkeit zu erziehen. Aber ist Trocken werden wirklich Erziehungssache? Experten sagen nein.

Jeder hat schon mal von diesen Wunderkindern gehört, die angeblich mit eineinhalb schon aufs Töpfchen gehen. Wenn der dreijährige Sohn oder die vierjährige Tochter immer noch eine Windel braucht, dann fühlen sich viele Eltern angesichts solcher Geschichten, als hätten sie versagt. Doch was sagt eigentlich die Statistik darüber, wann Kinder trocken werden?

Kurz nach dem 4. Geburtstag gelingt es 90 Prozent der Kinder, die Kotabgabe willentlich zu steuern. Bis zur Vollendung des 4. Lebensjahres können 80 bis 85 Prozent aller Kinder auch ihre Blase vollständig kontrollieren – und zwar am Tag und in der Nacht. Das heißt, bis zu 20 Prozent aller 5-Jährigen brauchen zumindest zeitweise noch Windeln – das ist jeder fünfte!

Internationale Studien haben ergeben, dass Kinder im Durchschnitt mit 30 Monaten trocken werden. Tagsüber kommen sie im Schnitt mit 28 Monaten ohne Windeln aus, nachts im Schnitt mit 33 Monaten. Das sind aber alles Durchschnittszahlen, das heißt, es gibt große Abweichungen nach unten und nach oben!

Mit Töpfchentraining wird kein Kind früher trocken

Die Sensation dabei ist: diese Zahlen sind völlig unabhängig davon, ob die Eltern eine Sauberkeitserziehung durchgeführt haben oder nicht! Das hat die Zürcher Längsschnittstudie von Remo H. Largo ergeben.

Sauberkeitserziehung war früher schon sehr früh üblich. In den 60er-Jahren wurde bei 95 Prozent der Kinder noch vor dem ersten Geburtstag mit Toilettentraining begonnen, in den 80er-Jahren nur noch bei 10 Prozent und heute beginnen die meisten ihr Kind mit 2,4 Jahren an das Töpfchen zu gewöhnen.

Unsere Großeltern und Eltern behaupten oft, dass wir oder ihre Kinder viel früher trocken waren als die Kleinen heute. Tatsächlich werden Kinder heute im Durchschnitt ungefähr ein halbes Jahr später trocken als noch vor 30 Jahren. Das liegt aber daran, dass man heute „trocken“ anders definiert als früher. Trocken sein bedeutet heute, dass ein Kind seine Blasenkontrolle perfekt selbst steuern kann. Früher galt ein Kind als trocken, wenn seine Eltern konsequent den Topf unterschoben und keine Lücke entstehen ließen, in der etwas daneben hätte gehen können. Bei einem Ausfall der Eltern brach das System natürlich zusammen und die Harnabgaben wurden wieder altersgemäß.

Warum die Sauberkeitserziehung das Trocken werden nicht beschleunigt, liegt daran, dass das Erreichen der Blasenkontrolle ein Reifungsphänomen ist. Sowohl der Ablauf als auch die Geschwindigkeit ist in jedem Kind als festes Programm individuell angelegt und wird vom Gehirn aus gesteuert. Die Reifungsschritte, die nötig sind, damit das Kind seine Blase und seinen Darm kontrollieren kann, lassen sich nicht durch Sauberkeitserziehung und Töpfchentraining beschleunigen.

Darmkontrolle ist einfacher als Blasenkontrolle

Den Darm können Kinder früher kontrollieren als ihre Blase, denn sie entleeren ihn im dritten Lebensjahr meist nur ein oder zweimal pro Tag oder noch seltener. Die Zahl der Harnabgaben hat sich zwar im Vergleich zur Säuglingszeit (etwa 30 mal in 24 Stunden!) deutlich verringert, aber im dritten Lebensjahr uriniert ein Kind trotzdem noch etwa zehnmal am Tag.

Dazu kommt, dass sich eine Darmentleerung über längere Zeit ankündigt und bevorzugt zu einer bestimmten Tageszeit passiert. Das Vorwarnsystem der Blase ist für das Kind dagegen schwieriger zu verstehen. Erst ganz kurz bevor es zu spät ist, schlägt sie richtig Alarm. Davor meldet sie sich mit dezenten Signalen, die vor allem im angeregten Spiel aber leicht ignoriert werden können.

Bei den meisten Kindern zeigt erst mit zweieinhalb Jahren ein Gefühl an, dass die Blase voll ist. Das Harnlassen können die Kinder aber nur dann verhindern, wenn sie den äußeren Schließmuskel und die Beckenbodenmuskulatur bewusst anspannen können.

Was Eltern tun können, um den Kindern beim Trocken werden zu helfen

Eltern können ihr Kind beim Trockenwerden dennoch unterstützen – aber erst, wenn das Kind von sich aus bereit dazu ist. Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM), Privatdozentin an der Universität Freiburg und Autorin des Buchs Wie Kinder sauber werden können* sagt, dass Eltern nur den jeweiligen Entwicklungsschritt, den ihr Kind von sich aus macht, begleiten können. Sie sollten mit Geduld und Verständnis auf die sich ankündigenden Entwicklungsschritte reagieren, die beginnende Aufmerksamkeit für Toilettenthemen aufgreifen und fördern, also beispielsweise bereit sein, mehrmals am Tag das Kind auf Wunsch hin zur Toilette begleiten, egal ob mit oder ohne Erfolg. Hilfreich beim Sauberwerden können auch Trainers* sein, das sind Unterhosen mit Saugschicht. Das Kind kann sie wie eine Unterhose alleine an- und ausziehen und wenn doch mal eine Panne passiert, dann ist nicht gleich die ganze Hose nass.

Eltern sollten ihrem Kind auch vermitteln, wann man zur Toilette geht, wie viel Zeit man vorab einkalkulieren muss, damit es noch rechtzeitig ist, wo und wie man den passenden Ort findet und was man dort machen muss. Wenn das Kind so weit ist, dass es merkt, dass es Pipi gemacht hat und stolz verkündet „Mami, ich habe Pipi gemacht“, dann ist das der erste Schritt in Richtung trocken werden. Man sollte es deshalb loben und nicht sagen: „Warum hast Du das nicht früher gesagt.“ Haug-Schnabel rät dazu, das Töpfchen oder die Toilette anzubieten, sobald beim Kind Anzeichen von Harndrang sichtbar werden. Bei Anzeichen von Harndrang wird ein Kind unruhig, trippelt auf der Stelle und presst die Oberschenkel zusammen. Unangebracht und auch erfolglos sind lange, erzwungene Topfsitzungen, nächtliches Wecken und Abheben, Trinkeinschränkungen am Abend sowie Bestrafung für eine nasse und Belohnung für eine trockene Hose.

Wer zu früh mit dem Töpfchentraining anfängt und dabei viel Druck auf sein Kind ausübt, könnte das Gegenteil vom Gewollten erreichen. Gabriele Haug-Schnabel schreibt, dass es auffallend ist, dass gerade unter den Kindern, die wegen massiver Einnässprobleme dem Kinderarzt vorgestellt werden, überdurchschnittlich viele sind, mit denen besonders früh mit einer Sauberkeitserziehung begonnen worden war. Viele Wissenschaftler vermuten heute in einem extrem frühen Start der Sauberkeitserziehung mit überfordernden und bestrafenden Maßnahmen einen gewichtigen Grund für späteres Einnässen.

Töpfchentraining – Tipps von einer Kinderärztin

Halte Ausschau nach Signalen, dass dein Kind bereit ist, mit dem Töpfchentraining zu beginnen. Es könnte z. B. sein, dass es keine volle Windel mehr anhaben will oder dass es anfängt, sich dafür zu interessieren, was du auf der Toilette machst. Vielleicht hast du aber auch von Anfang an das Töpfchentraining oder die Windelfrei-Methode praktiziert, so dass dein Kind bereits mit dem Töpfchen vertraut ist?

Die heutigen Windeln haben ein so hohes Saugvermögen, dass sich manchmal nur schwierig feststellen lässt, ob sie nass sind.

Dr. Robyn Strosaker, Kinderärztin am University Hospitals Rainbow Babies & Children’s Hospital in Cleveland, gibt folgende Tipps, wie man seinem Kind beim Töpfchentraining helfen kann:

Wann soll man mit dem Töpfchentraining beginnen?

  • 18-24 Monate. Die meisten Kinder sind irgendwann zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat bereit, mit dem Töpfchentraining zu beginnen. Nach 24 Monaten kommen viele Kinder in eine Phase, bei der sich ihre Selbstständigkeit entwickelt. Dann kann es schwieriger werden, die Kinder zu einem Töpfchentraining zu bewegen.
  • Urlaub. Kind wie Eltern müssen bereit dazu sein, das Töpfchentraining zu machen. Wähle dafür eine Woche aus, in der ihr als Eltern Zeit dafür habt. Eine gute Zeit für den Anfang eines Töpfchentrainings ist der Urlaub.
  • Signale. Anzeichen dafür, dass dein Kind bereit ist, die Windel abzulegen.

Wo soll man das Töpfchentraining machen?

  • Lieblingsort. Das Badezimmer braucht nicht der einzige Ort für das Töpfchentraining zu sein. Wenn es einen anderen Ort in der Wohnung gibt, an dem sich dein Kind gern aufhält, solltest du das Töpfchen einmal dort aufstellen.
  • Immer in der Nähe. Das Töpfchen in einem Zimmer aufzustellen, in dem dein Kind normalerweise spielt, kann ihm dabei helfen, sich an das Töpfchen zu gewöhnen und auf das Töpfchentraining vorzubereiten.
  • Zuhause und unterwegs. Nimm das Töpfchen mit, wenn ihr verreist.

Wie kann ich meinem Kind helfen? Tipps für das Töpfchentraining

  • Unterhosen kaufen. Die heutigen Windeln haben ein so hohes Saugvermögen, dass sich manchmal nur schwierig feststellen lässt, ob sie nass sind. Versuche, deinem Kind eine Unterhose anzuziehen, damit es sich an das Gefühl gewöhnt. Wird es noch zu nass in der Kleidung und im Bett, kannst du anfangs eine Windel über die Unterhose ziehen.
  • Vor dem Schlafengehen weniger zu trinken geben. Du kannst deinem Kind helfen, über Nacht trocken zu bleiben, indem du es nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen stillst oder ihm etwas Anderes zu trinken gibst.
  • Geduldig sein. Sollte es ein Problem geben, mach daraus keine große Sache. Unterbrich nach zwei bis vier Wochen das Töpfchentraining und versuche es danach noch einmal.

Töpfchen-Training: Wann ist die beste Zeit? Erziehungstipp

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Mit zweieinhalb bis drei Jahren sind Kinder alt genug, um aufs Töpfchen oder auf die Toilette zu gehen. Vorher reichen Konzentrations- und Koordinationsvermögen bei ihnen dafür noch nicht, heißt es in der „Neue Apotheken Illustrierte“ der Bundesvereinigung Deutscher Apotheker-Verbände (ABDA).

Vor dem richtigen Alter sollten Eltern daher auch nicht mit einem entsprechenden Training beginnen – und vor allem keinen Druck ausüben. Denn das kann sogenannte Entleerungsstörungen verursachen.

Allerdings können Eltern auch schon vor dem Töpfchen-Alter spielerisch Grundlagen für den Toilettengang schaffen. Das geht zum Beispiel, indem sie Kindern mit etwa eineinhalb Jahren die entsprechenden Wörter beibringen und das Vorgehen erklären.

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Mit etwa 21 Monaten können Kinder auch ein eigenes Töpfchen zum Üben haben – mit einer Puppe etwa. Auch Bücher* rund um das Thema können helfen. Interessant finden Kinder diese meistens ab etwa zwei Jahren.

Frühes Töpfchentraining – wann anfangen?

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Eigentlich sollte man das nicht Training, sondern Kennenlernen nennen. Wie einst unsere Mamas und Omas, entschlossen auch wir uns zu einem frühen Töpfchenkennenlernen. D.h. der (noch) Windelracker wird zu bestimmten Zeitpunkten auf sein neues Froschtöpfchen gesetzt.

Update: Bei meinem zweiten Sohn sehe ich das Töpfchentraining nicht mehr als hilfreich, sondern als unnötig an: Sauberkeitserziehung: Kein Töpfchenstress für Kinder!

Töpfchen bei der Tagesmutter

Bei uns hat er die Ehre, nach dem Nachtschlaf (bei der Tagesmama nach dem Mittagsschlaf) auf den Topf zu dürfen. Das fing schon im frühen Sitzalter an. Natürlich nur für ein paar Minuten und ganz ohne Druck. Unser Knirps lernt es, regelmäßig diesen wundervollen Ort zu nutzen und dabei stillzuhalten, wobei ihm Letzteres nur mühsam gelingt. Dennoch begann diese Regelmäßigkeit schon mit etwa 10 Monaten. Sie lernen den Topf kennen, sehen, dass auch die anderen Kinder darauf sitzen bleiben und auch dafür gelobt werden, wenn sie erfolgreich waren. Wie bei der Konditionierung klappt das Lob-Modell sehr gut.

Ohne Druck und viel Lob aufs Töpfchen

Seine Erfolgsquote steigt dabei nahezu täglich. In den vergangenen drei Tagen war Pullerfritze zwei Mal erfolgreich. Wie das geht? Ohne Druck und viel Liebe und Zureden natürlich! Quatsch! Das ist reiner Zufall – oder für Opa: Rainer Zufall. Selbstredend wurden nach Blick auf die Pfütze umfangreiche Lobsänge auf das Knirpsenkind erhoben.

Kritiker können nun anbringen: “Das Kind kann doch erst ab xy Monaten seinen Körper steuern und bewusst das Pipi-Bedürfnis wahrnehmen!” Gegenargument: Omas und Uromas Kinder waren früh trocken und mussten nicht mehr im Alter von drei Jahren mit Windelpaket bepackt sein. Wir warten ab – ohne Stress – ohne Druck aber mit viel Lobsang nach erfolgreicher Topfnutzung.

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Trocken werden und in die Hose machen

Es sollte auch kein Problem sein, wenn mal etwas daneben geht. Schließlich denkt das liebe Kind nicht immer an die neue Windelfreiheit. Beim Spielen, Buch ansehen oder auch mal zwischendurch: von Zeit zu Zeit wird auch was in die Hose gehen. Dank Waschmaschine sollte dies nicht weiter schlimm sein. Das Kind muss erst lernen, regelmäßig an das Pullern zu denken. Und auch für die Eltern ist dies ein Lernprozess, denn sie sind in der Pflicht, das Kind zu erinnern bzw. aufs Töpfchen zu setzen.

Edit: 9. August 2013

Jetzt, wo das Kind über 3 Jahre alt ist und schon sehr lange allein auf die Toilette geht, bin ich immer noch der Meinung, dass frühes Töpfchentraining eine gute Entscheidung ist. Natürlich geht auch heute im Eifer des Spielens etwas daneben, das ist aber sehr selten geworden. Im Vergleich zu den Windelkindern (von denen es auch noch 3-Jährige gibt!), wird jedoch eine Menge Geld gespart und nebenbei das Kind zur Selbstständigkeit erzogen.

Immerhin gibt es auch Eltern, die früh Windelfrei praktizieren und bereits bei Neugeborenen auf Windeln verzichten. Dies geht zwar über mein persönliches Verständnis hinaus, zumal Neugeborene vermutlich durchaus aktiver sind, als 3-Jährige, allerdings finde ich es eine tolle Leistung von Eltern, die das durchsetzen können und ihr Baby so gut verstehen können.

P.S. Ich hätte in meinen Jugendtagen nie gedacht, dass Eltern sich so kitschig aufführen: sich freuen über die “stink”normalen Dinge des Alltags…

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