Waldorf pädagogisches konzept

Inhalte

12 gute Gründe

1. Anthroposophie ist gut

In der Anthroposophie geht es um die Einheit von Wissenschaft, Kunst und Religion. Rudolf Steiner hat ein ganzheitliches Menschenbild entwickelt, das heute noch aktuell ist. Viele seiner Impulse führten in der Pädagogik, der Medizin, der Landwirtschaft, im Sozialen, der Kunst, der Musik und der Wirtschaft zur Bildung eines neuen Bewusstseins und zu tiefgreifenden Veränderungen.

2. In der Waldorfschule gibt es keine Noten
In der Waldorfschule fordern wir von den Schülern Leistung auf allen Ebenen ihrer persönlichen Entwicklung. Ihre Leistungen werden bis zur Oberstufe nicht im Raster von 1 bis 6 bewertet, sondern münden am Ende eines jeden Schuljahres in einer ausführlichen schriftlichen Beurteilung, die die spezielle Persönlichkeit würdigt und fördert.

3. Die Waldorfschule ist mehr als eine Gesamtschule
In die Waldorfschule gehen die Schüler von der 1. bis zur 13. Klasse. Alle Schulabschlüsse sind möglich: Hauptschul-, Realschul-, erweiterter Realschulabschluss, die Fachhochschulreife oder das Abitur. Differenzierung findet nicht schon nach der 4. Klasse statt, sondern kann bis zur 12. Klasse erfolgen. Im 13. Schuljahr bereiten sich die Schüler auf das Zentralabitur vor.

4. Kinder brauchen Unterstützung und keine Konkurrenz
Was brauchen Kinder, um sich in einer leistungsorientierten Gesellschaft zu behaupten? Konkurrenz schon in der ersten Klasse? Nein, sie brauchen eine stärkende Gemeinschaft, die sie so aufnimmt, wie sie sind. Sie brauchen Bindungen, die Halt geben und ein Fundament, auf dem sie ihre individuelle Lebensplanung aufbauen.

5. Ein Klassenlehrer für 8 Jahre
Der Klassenlehrer begleitet die Schüler durch 8 Schuljahre im Hauptunterricht. In dieser Zeit entsteht eine feste Bindung zwischen Lehrer und Schülern, die das gegenseitige Vertrauen fördert. Der Lehrer steht in der Entwicklungsphase zwischen Zahnwechsel und Pubertät als Garant für gelebte Kontinuität.

6. Wir fördern den ganzen Menschen
Wir wollen die Schüler ganzheitlich ansprechen, fördern und fordern. In der Waldorfschule sollen nicht nur die Denkfähigkeit ausgebildet, sondern auch Herz und Hand angeregt und betätigt werden. Deshalb haben bei uns die künstlerischen und handwerklichen Fächer sowie die Eurythmie eine hohe Bedeutung.

7. Eine umfassende künstlerische Ausbildung
Die Waldorfschule bietet ein breites Bildungsangebot ergänzt durch eine Vielzahl an handwerklichen und künstlerischen Fächern. In der Waldorfschule wird musiziert, gesungen, getanzt, Theater gespielt, gezeichnet, gemalt und plastiziert. Dazu kommen Erfahrungen im Kupfertreiben, der Silberschmiede, der Weberei, der Holz- und der Steinmetzwerkstatt.

8. In der Waldorfschule bleibt man nicht sitzen
Das Sitzenbleiben hilft den Schülern nicht, wenn sie in bestimmten Fächern schwache Leistungen zeigen, sondern belastet sie zusätzlich, weil sie aus ihrer Klasse und ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen werden. Die Waldorfschule bietet stattdessen eine Schul- und Klassengemeinschaft, in der die Schüler individuell und gezielt gefördert werden.

9. In der Waldorfschule haben die Kinder Zeit
In der Waldorfschule stehen nicht nur die Lehrpläne, sondern vor allem die Kinder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Wir lassen dem Kind Zeit und Raum sich zu entwickeln. Lernen findet in einer entspannten und aufmerksamen Umgebung statt, in der sich die schöpferische Selbständigkeit der Kinder entwickeln kann.

10. Lernen durch Tun
An der Waldorfschule kommt die handwerklich praktische Seite des Lernens nicht zu kurz. Die Schüler lernen Haus- und Ackerbau, arbeiten in Textil-, Holz-, Keramikwerkstätten und beschäftigen sich mit Elektrotechnik. Computertechnik und chemisch-ökologische Versuche runden das naturwissenschaftliche Profil ab. Sie legen Praktika in den Bereichen Feldvermessung, Forst- und Landwirtschaft sowie je ein Berufs- und Sozialpraktikum ab.

11. Die Waldorfschule gehört den Eltern
Die Freie Waldorfschule Hildesheim wurde 1983 aus einer Elterninitiative gegründet. Sie ist eine lernende Gemeinschaft aus Schülern, Lehrern und Eltern. Die Eltern geben ihr Kind nicht einfach in der Schule ab, sondern sind selbst Teil der Schulgemeinschaft. Vielfältige aktive Arbeitskreise und der Austausch untereinander fördern das Lernen voneinander.

12. Unsere Schule ist ein Biotop
Die Freie Waldorfschule Hildesheim wird von einem weiten Schulgarten, Grünflächen und einer Obstbaumschule umgeben. Die Schüler kümmern sich um die Schafe, die Bienen, verkaufen auf dem Schulgelände Produkte aus dem eigenen Garten und übernehmen je nach Altersstufe verschiedene Aufgaben der Pflege und der Bewirtschaftung.

Meine Tochter geht zur Waldorfschule – na und? Ein Beitrag zur Blogparade #Einschulung

Meine Tochter geht jetzt in die erste Klasse einer Waldorfschule – ja: da wird sie lernen wie sie ihren Namen tanzt, das finde ich aber auch überhaupt nicht schlimm. Eurythmie nennt man das – die Kunst der Bewegung – an jeder Waldorfschule Unterrichtsfach, auch schon ab dem ersten Schuljahr.

Apropos Namen tanzen: Spart Euch die Witze über Waldorfschüler und –schülerinnen ! Ich kenne sie längst alle. Da muss ich nur noch gähnen. Und wer über Eurythmie Witze macht, hat sie selber nicht ausprobiert. Der oder die würde sich wundern, wieviel Konzentration und persönliche Sammlung das erfordert und einübt.

Schenk uns bitte ein Like auf Facebook! #meinungsfreiheit #pressefreiheit

Danke!

Gehen wir mal ein bisschen der Reihe nach vor: wie kommen wir auf eine derartig „abgehobene“ oder sagen wir mal „alternative“ Idee?

Das Konzept Waldorfschule überzeugt uns aus verschiedenen Gründen. Es ist ein ganzheitliches Schulkonzept. Rudolf Steiner – der Begründer der Waldorfschule – wollte eine Bildung an Herz, Hirn und Hand. Intellektuelles, akademisches Können und Wissen steht gleichberechtigt neben künstlerischer Aktivität (Kunst, Musik, Theater) und praktischem Handwerk (Schreinern, Tischlern, Metallbearbeitung, Schmieden, Schneidern). Nach der Auffassung einer Waldorfschule ist all das erforderlich, um den Menschen zu entwickeln und zu sich selbst zu bringen. Ziel ist es, eine menschliche Persönlichkeit mit eigenem Urteilsvermögen heranzubilden.

Entscheidendes Merkmal von Waldorfpädagogik ist ebenfalls die Spiritualität. Die spirituelle Existenz des Menschen hat in der Waldorfschule seinen Ursprung in einem Schöpfergott. Waldorfschulen sind in jedem Fall explizit christliche Schulen. Der christlichen Religion begegnet man in der Waldorfschule. Es gibt auf jeden Fall Religionsunterrricht (muss aber nicht der konfessionelle sein) als Pflicht für alle.

Ein weiteres Merkmal ist das Gesamtschulprinzip. Die Kinder werden nicht in verschiedene Leistungsgruppen auseinanderdividiert. Jeder kann von Jedem lernen. „Jedes Kind ein Könner“ ist das Motto. Kinder werden für das respektiert, was sie besonders gut können und nicht immer nur auf das gestoßen, wo sie Defizite haben. Es gibt übrigens auch kein „Sitzenbleiben“ an der Waldorfschule. Jedes Kind muss individuell mitgenommen werden, so dass es auch bei Schwierigkeiten die Lernziele erreicht. Bei der Einschätzung der Leistungen von Schülern kommt man ohne Noten aus.

Unterricht und Stundenplan: Waldorfschule durchbricht zum Teil das gewohnte Prinzip der 45minütigen Schulstunden, Waldorfschulen nennen es: Epochenunterricht. Eine Doppelstunde pro Tag ist reserviert für den sogenannten Hauptunterricht. Im Hauptunterricht wird immer eine bestimmte Epoche über mehrere Wochen unterrichtet. Man kennt beispielsweise Epochen in Formenzeichnen, Gartenbau, Tierkunde, Pflanzenkunde, Gesteinskunde, aber eben auch Mathematik- und Fremdsprachenepochen. Der Vorteil dieses Epochenunterrichts liegt auf der Hand: man hat mehr Zeit für einen bestimmten Unterrichtsinhalt, konzentriert sich stark und übt die Dinge gut ein. Nach dem Epochenunterricht folgen Fachunterrichte in allen üblichen Schulfächern, zusätzlich Eurythmie, wie schon erwähnt.

Der Klassenlehrer ist die bestimmende Figur für alle Waldorfschüler und –schülerinnen. Der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin führt die Klasse vom ersten bis zum achten Schuljahr. Der Klassenlehrer erteilt viele der Epochenunterrichte und – je nach Qualifikation – auch Fachunterrichte, wobei je nach Höhe der Klassenstufe dann aber auch immer mehr ausgebildete Fachlehrer zum Einsatz kommen.

Die Waldorfschule ist eine Schule, die die Kinder vom ersten Schuljahr bis zum 13. unterrichtet. Es wird kein G8-Abitur durchgeführt. Zumeist bietet sie alle Schulabschlüsse an. Gute Chancen für alle „Spätstarter“ vielleicht doch noch zu Abitur und Studium zu kommen. Die Bildungswege sind nicht so fest fixiert.

Waldorfschulen sind freie Schulen. Die Schule verwaltet sich selbst. Es gibt keine Hierarchie und keinen Direktor. Schulangelegenheiten werden von verschiedenen Gremien gemeinschaftlich geregelt.

Das 12. Schuljahr an der Waldorfschule ist etwas ganz besonderes. Nach 12 Schuljahren an einer Waldorfschule machen die Schülerinnen und Schüler den Waldorfabschluss. Im Mittelpunkt steht dabei ein selbstgewähltes Projekt , die Jahresarbeit und ein künstlerischer Abschluss mit der ganzen Klasse. Außerdem gibt es meist nochmals ein großes Klassenspiel. Theater ist wichtig an der Waldorfschule, jeder spielt mit seiner Klasse auf der Bühne und führt im Laufe seiner Schullaufbahn mindestens drei Stücke auf.

Waldorfschule ist stark praxisbezogen. Die Schüler haben – neben Unterricht in Handwerkstechniken – drei große mehrwöchige Praktika: eines in einem landwirtschaftlichen Betrieb, eines in einem Unternehmen der Wirtschaft und eines im sozialen Bereich (Krankenhaus, Altersheim, Kindergarten).

Apropos sozialer Bereich: Was werden Absolventen von Waldorfschulen so beruflich? Alles! Es gibt keinen Unterschied zu Absolventen von staatlichen Schulen, außer einen: soziale Berufe sind deutlich häufiger vertreten als bei anderen Schulen.

Soweit dieser kurze Abriss einiger Eckpunkte der Waldorfschule. All das sind in meinen Augen schwerwiegende Argumente, die mich überzeugt haben, mein Kind in einer Waldorfschule einschulen zu lassen.

Allerdings ist mir bewusst, dass auch die Waldorfschule nicht die Insel der Seligen darstellt und sicherlich ebenfalls nicht für alle Eltern und Lehrer, möglicherweise auch nicht für alle Kinder geeignet ist.

Die Vorteile dieser Schulform können eben genauso gut zum Problem werden. Ob das passiert, hängt in hohem Maße von allen Aktiven ab.

Waldorfschule ist für alle Beteiligten anstrengend! Der Anspruch der Waldorfschule ist schon hoch. Hohe Ansprüche können zu tollen Ergebnissen führen, jedoch kann man auch immer an hohen Ansprüchen scheitern.

Das gilt insbesondere für den Klassenlehrer/ die Klassenlehrerin. Er/Sie muss acht Jahre lang eine Klasse führen. Das ist anspruchsvoll. Er/Sie muss mit den verschiedensten Altersstufen der Kinder gleich gut umgehen können. Er/Sie hat in der Leistungseinschätzung der Schülerinnen und Schüler das Instrument der Noten nie zur Verfügung (auch nicht in höheren Klassen), d.h. die Beurteilungen sind schwieriger, weil sie individueller aufgesetzt werden müssen. Es ist tagtäglich jedes Kind persönlich wahrzunehmen in seiner momentanen Befindlichkeit und ihm gerecht zu werden.

Waldorfklassen sind häufig sehr groß, die Klasse meiner Tochter umfasst z.B. 36 Schülerinnen und Schüler. Zwar wird die Klasse immer auch in zwei Gruppen geteilt. In der Gesamtgruppe findet eigentlich nur der Hauptunterricht statt, für die Fachunterrichte in z.B. Eurythmie oder Handarbeiten wird die Klasse geteilt. D.h. die einen sind bei der Handarbeit, die anderen bei Eurythmie. Zusätzlich verfügt unsere Klasse noch über eine Klassenhelferin. Trotzdem muss man aber zugeben: die Herausforderung für Klassenlehrerin oder Klassenlehrer wird dadurch nicht kleiner.

Klassenlehrerin oder Klassenlehrer an einer Waldorfschule zu sein, ist eine Herausforderung. Wenn man die Person kennenlernt, darf man nicht die leisesten Zweifel haben, dass diese Person das eigene Kind und alle anderen über lange Zeit gut betreuen kann. Was die Klassenlehrerin meiner Tochter angeht, hatte ich solche Zweifel zum Glück nie. Sie erscheint mir absolut erfahren und gefestigt, die ganze Klasse bis zum achten Schuljahr zu führen.

Waldorfschule steht und fällt mit dem Engagement der Eltern aber gleichermaßen. Es ist halt eine selbstverwaltete Schule. Eltern sind zwingend nötig in den Selbstverwaltungsgremien der Schule, in diversen Arbeitskreisen, wie zum Beispiel Gartenarbeitskreis, Festkreis, usw. . Da ist halt kein Lehrerkollegium und kein Direktor, die einfach sagen, wo es langgeht. Es eröffnet zwar wesentlich mehr Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten als auf Regelschulen, ist aber für die Elternseite auch deutlich mühsamer. Diskussionen in Gruppen und Gremien können auch schon mal langwierig werden. Dazu kommt noch Engagement für die eigene Klasse (z.B. mal die Klasse aufräumen, putzen, Tische abschleifen und einölen, oder ähnliches). Elternabende sind viel häufiger als an Regelschulen, etwa alle sechs Wochen. Bei dem Ausmaß erforderlichen Elternengagements muss man sich ´reinhängen. Anders geht es nicht. Da sollte sich jeder überlegen, ob man in dieser Form zu Engagement bereit ist.

Die spirituelle, christliche Ausrichtung einer Waldorfschule ist sicherlich auch nicht jedermanns Sache. Vielen ist das sicherlich viel zu esoterisch. Wer das als Erziehungsbestandteil ablehnt, für den ist das sicherlich die falsche Schulform.

Die ganzheitliche Ausrichtung der Waldorfschule ist für viele positiv, jedoch mag ja gerade das für manche auch ein rotes Tuch darstellen, nämlich für die die für ihre Kinder eine ausschließlich wissenschaftlich- akademische Schulbildung wollen. Die werden sich wahrscheinlich immer fragen, warum man denn jetzt unbedingt Korbflechten oder Tischlerei machen muss. Also: Wer im Kindergarten schon weiß, dass seine Kinder mal an einer renomierten Business School ihren MBA machen werden, der hat an einer Waldorfschule auch keine große Freude.

IT-Freaks kann ich die Waldorfschule auch nicht wirklich empfehlen. I-Pad-Klassen wird man vergeblich suchen. Es herrscht eine (meiner Meinung nach) gesunde Skepsis gegenüber modernen Medien als Unterrichtswerkzeug. Das gilt zumindest für die jüngsten Schüler. Unter Unterricht stellt man sich an Waldorfschulen eben das unmittelbare eigene Erleben oder die Vermittlung durch einen Menschen vor. Schüler sollen Inhalte lieber selbst begreifen (im wahrsten Sinne des Wortes) anstatt sie nur mittelbar anhand irgendwelcher Medien zu konsumieren.

Waldorfschule lehrt in besonderem Maße soziales Bewusstsein. Das erkennt man nicht zuletzt an der Berufswahl von Waldorfschülern, ich hatte es erwähnt. Wer aber meint, Schule müsse in erster Linie zu Konkurrenzfähigkeit, Aggressivität, Stärke und Dominanz gegenüber anderen erziehen, für den ist diese Schulform ebenfalls ungeeignet.

Waldorfschule erzieht bewusst zum eigenständigen Denken. Wer glaubt, dass ein Kind in erster Linie angepasst und gehorsam werden sollte, der wird auch nicht ernsthaft an den Besuch einer Waldorfschule denken.

Noch eine ausdrückliche Warnung: Waldorfschule ist wenig kompatibel mit dem herkömmlichen staatlichen Schulsystem. Die Waldorfpädagogik hat ein völlig anderes Verständnis davon, was ein Kind wann und warum lernen sollte (in meinen Augen ein sehr viel kindgerechteres). Die Abschlüsse sind zwar die gleichen wie auf den staatlichen Schulen, aber der Weg dorthin ist ein anderer. Manche Dinge werden früher vermittelt (z.B. Bruchrechnen ab der dritten Klasse), aber anderes kommt viel später dran. Es wird daher häufig oft schwierig werden, ein Kind von der Waldorfschule herunterzunehmen und stattdessen in eine staatliche Schule zu schicken. Die Fälle gibt es leider immer wieder: Eltern bekommen „kalte Füße“. Sie machen sich plötzlich Gedanken, dass „das Kind nicht genug lernt“ und schicken es auf ein staatliches Gymnasium. Ich würde grundsätzlich dazu raten: einmal Waldorfschule, immer Waldorfschule.

Waldorfschulbesuch ist dann undenkbar, wenn sich nicht beide Eltern darauf uneingeschränkt einlassen können. Meiner Frau bereitet das sowieso keine Probleme, da sie selber Waldorfschülerin war. Sie weiß also genau, worauf sich meine Tochter dabei einlässt. Sie hat aber trotzdem nie darauf bestanden oder verlangt, dass nur die Waldorfschule für unsere Tochter in Frage kommen könne. Meine Befürwortung hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben. Ich habe mich , wie ich meine , mehr als hinreichend mit der Schulform auseinandergesetzt. Das staatliche Schulwesen kenne ich aus eigener Erfahrung mit Grundschule und weiterführender Schule, ich habe selber keine Waldorfschule besucht. D.h. ich bin eher als meine Frau zu einem Systemvergleich in der Lage. Der viel für mich klar pro Waldorfschule aus.

Ich habe mein Abitur auf einem staatlichen Gymnasium gemacht. Ich bin meiner Schule sehr dankbar, ich habe meist sehr gute Lehrer gehabt, die mir viel mitgegeben haben, allen voran mein Lehrer aus dem Leistungskurs Englisch. Das war besonders da ein unheimlich dichtes Lernen, das nicht nur in der Sprache allein bestand , sondern in vielem anderen zusätzlich: Theater, Musik, Literatur und warum das alles so wertvoll ist. Aber nicht nur da fand ich den Unterricht meistens gut. Auch wenn es mir wenig so recht glauben, ich bin dankbar für meine Schulbildung, ich kann sie auch anwenden. Ich bin nicht der Meinung, dass ich irgendetwas unnützes gelernt habe.

Ich würde sagen, dass ich dort im schönsten Sinne bürgerliche Bildung genießen durfte. Das habe ich sehr gern getan.

Aber mit dem Abstand und meiner fortschreitenden Lebenserfahrung schärft sich andererseits auch der kritische Blick. Da wäre zunächst einmal der Unterricht im musisch/künstlerischen Bereich. Kunst und Musik konnten mir auf dem Gymnasium nicht näher gebracht werden. Das musste ich mühsam nachholen, weil ich spürte, dass mir da was fehlt. Ganz geschafft hab ich das dann bis heute nicht. Insbesondere meine Musiklehrerin ist mir da in unangenehmer Erinnerung. Für sie ist nach dem Jazz keine wertvolle Musik mehr entstanden. Popmusik ist in Gänze nur Schund, weil sie nicht komplex genug ist. Als ob „Satisfaction“ von den Stones nicht genial wäre, nur weil es einfach gestrickt ist. Extrem arrogant, hochnäsig und überheblich. Von der Waldorfschule meiner Tochter erwarte ich da was anderes

Wobei ich zu einem entscheidenden Kritikpunkt an meiner alten Schule komme: sie ist nicht nur im positiven Sinne bürgerlich gewesen. Man hat da seine Nase gern sehr hoch getragen und sich für was Besseres gehalten, nur weil man ein Gymnasium war. Bürgerlich-elitäres Gehabe war weit verbreitet. Den ganzen Anspruch des Gymnasiums, die „Wissenschaftspropädeutik“ (hat mein Deutschlehrer immer so schön gesagt) halte ich für verfehlt, übertrieben und lächerlich. Warum bereitet eine Schule ausschließlich auf Wissenschaft vor? Die wenigsten Schüler werden wirklich Wissenschaftler (ich bin selbst keiner geworden), auch dann nicht, wenn sie ein Hochschulstudium erfolgreich absolviert haben. Ein paar praktische Inhalte hätten mir sicher viel weiter geholfen. So habe ich heute zwei linke Hände, manuell kann ich kaum was. Aber das bürgerliche Gymnasium ist so eine heilige Kuh, da traut sich keiner ran.

Schwächeren Schülern wurde unmissverständlich klar gemacht, dass sie auf dieser tollen Schule nichts verloren haben. Wer nicht mitkommt, der könne ja `runtergehen zur Realschule. Das war durchaus topographisch zu verstehen, denn das Gymnasium befindet sich auf einem Hügel, die Realschule hingegen am Fuße desselben. Ja, da sind die Herrschaftsverhältnisse klar! Ich empfinde das diesen Schülern gegenüber im Nachhinein als persönlich demütigend, sowas ist in keiner Schule angebracht. Das hat für mich mit Pädagogik nichts zu tun, das ist nur noch darwinistische Selektion.

Für mich ist das Schulwesen ein Spiegelbild der Gesellschaft: man möchte Hierarchien haben, man möchte gerne von oben herab sehen. Für meine Tochter stelle ich mir etwas anderes vor, als solche Geisteshaltungen.

Somit bin ich sehr dankbar, dass meine Tochter die Chance zu einer Waldorferziehung bekommen hat, obwohl ich mir als Elternteil das Leben nicht unbedingt leichter mache, dessen bin ich mir vollkommen bewusst. Nach reiflicher Überlegung betrachte ich aber die Schule meiner Tochter als die regional beste Schule und ich würde mir sicherlich immer Vorwürfe machen, wenn ich ihr nur aus Bequemlichkeit diesen Schulbesuch nicht ermöglicht hätte.

P.S:

Die Blogparade #Einschulung wurde von Mama notes initiiert.Wollt Ihr zum Thema Schulwahl mitdiskutieren? Dann schreibt einen Beitrag unter #Einschulung und verlinkt ihn auf dem Blog von Mama notes.

5 nachhaltige Gründe für Waldorf- und Montessorischulen

Waldorfschulen und Montessorischulen werden immer beliebter. Gleichzeitig sind sie immer noch mit Vorurteilen behaftet. Zeit sich mit den Gründen, die für alternative Schulkonzepte sprechen, zu beschäftigen.

1. Grund: Individualität statt Einheitsbrei

Sowohl in der Waldorf- als auch in der Montessoripädagogik wird jedes Kind als selbstständige Persönlichkeit mit dem Drang zu wachsen und zu lernen wahrgenommen. In der praktischen Umsetzung bedeutet das:

  • Jedes Kind hat individuelle Bedürfnisse und Begabungen. Die Aufgabe der Lehrer ist es diese zu erkennen und zu fördern.
  • Der individuelle Entwicklungsstand eines Kindes wird berücksichtigt. Anstatt einen festen Lehrplan durchzuboxen, werden die Kinder dort abgeholt, wo sie stehen.
  • Beide Konzepte arbeiten bis zur Mittelstufe ohne ein klassisches Benotungssystem. Nach den pädagogischen Konzepten kann ein Notensystem in Zahlen die Persönlichkeit nicht vollständig erfassen. Stattdessen wird mit einem Lernbericht gearbeitet, in dem der Entwicklungsstand der Schüler individuell betrachtet wird und der Fokus auf den Ressourcen liegt. Das nimmt den Kindern Leistungsdruck.
  • Des Weiteren gibt es kein Sitzenbleiben. Die Schüler werden mit ihren Stärken und Schwächen akzeptiert.
  • Damit die Lehrer sich individuell mit den Schülern beschäftigen können, gibt es soweit es personell möglich ist mehrere Lehrkräfte in den Klassen.

2. Grund: Vielfältiger Lehrplan

Ein natürlicher Zugang zu lernen ist wichtig für Kinder. (Foto: CC0 / / congerdesign)

Unter dem Motto „Kopf, Herz und Hirn“ geht der Lehrplan der Waldorfschule weit über die reine Schulung des Intellekts hinaus.

Künstlerische Fächer haben einen hohen Stellenwert und werden als wichtiger Ausgleich für die klassischen Hauptfächer verstanden und helfen den Kindern ihr schöpferisches Potential zu entfalten.

  • Handarbeiten: Schüler lernen zum Beispiel zu nähen oder zu töpfern. Aber auch Spielzeug oder Schmuck selber herzustellen.
  • Theaterspielen: Das Fach stärkt die Gemeinschaft und soll den Schülern die Möglichkeit geben, dem Geist Ausdruck zu verleihen.
  • Eurythmie: Das antroposophische Bewegungskonzept soll Laute auf einer körperlichen Ebene erfahrbar machen. Es dient sowohl zu Vertiefung als auch zur Entspannung.
  • Gärtnern: Viele Waldorfschulen haben einen eigenen Garten, den die Schüler pflegen und so lernen Verantwortung für Pflanzen und Umwelt zu übernehmen.

Außerdem legen beide Konzepte großen Wert darauf, dass die Kinder sich selber Fähigkeiten aneignen und so vor allem das Lernen erlernen, anstatt Inhalte einfach zu wiederholen.

3. Grund: Besser abgestimmte Lehrmethoden

Schüler einer Montessorischule können gemeinsam lernen. (Foto: CC0 / / klimkin)

Frontalunterricht ist für die meisten Kinder eher hinderlich. Durch die passive Rolle, die sie dabei einnehmen, wird der eigene Drang zu lernen nicht geweckt oder gar gefördert.

Die Montessorischule verfolgt den Ansatz des freien Lernens.

  • Dabei wird davon ausgegangen, dass jedes Kind das Bedürfnis hat zu lernen. So lernen die Kinder aus ihrem eigenen Bedürfnis heraus anstelle von äußerem Zwang.
  • Das Motto lautet „Hilf mir es, selbst zu tun.“
  • Das pädagogische Personal beobachtet die Kinder und stellt umfangreiches Material zur Verfügung.
  • Der Drang zu lernen, soll dabei durch die Einrichtung und die Gestaltung des Klassenraums gefördert werden.
  • Die Kinder entscheiden selbst, wann sie was mit wem lernen. So wird auch die Gemeinschaft und die Fähigkeit nach Hilfe zu fragen gefördert.
  • Verschieden Altersstufen lernen gemeinsam und können so untereinander Wissen weitergeben.

In Waldorfschulen wird mit Epochenunterricht gearbeitet.

  • Anstelle von üblichen Stundenplänen, bei denen das Unterrichtsfach stündlich wechselt, unterrichtet eine Lehrperson über mehrere Wochen immer dasselbe Thema aus verschiedenen Perspektiven.
  • Dadurch können sich die Kinder tiefer mit einem Thema beschäftigen und sich darauf einlassen.
  • Die Unterrichtseinheiten dauern dabei fast zwei Stunden und der Inhalt wird auf verschiedene Weisen bearbeitet, oft mit rhythmischen oder künstlerischen Elementen verbunden.
  • Der Unterricht findet dabei meist in Stuhlkreisen statt.
  • Durch Ganzjahresprojekte lernen die Kinder über längere Zeiträume gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

4. Grund: Freies Denken

Kinder lernen Dinge selber zu machen. (Foto: CC0 / / Free-Photos)

In beiden Schulkonzepten ist es verpönt, Technik zu nutzen. Smartphones werden häufig gänzlich verboten – sowohl für Schüler als auch für Lehrer.

  • An Waldorfschulen werden auch kaum Lehrbücher eingesetzt. Das soll die eigene Fähigkeit zu gestalten fördern. Die Kinder sollen lernen ihre Notizen übersichtlich zu machen. Sie werden dazu angeregt sich selber einzubringen, anstatt fertige Konzepte ohne weiteres Hinterfragen zu übernehmen.
  • Auch bei der eigenen Beurteilung werden die Kinder mit eingebunden. Sie sollen ihr Können selber einschätzen, so erlernen sie auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion.
  • Spielzeug und Unterrichtsmaterial ist meist einfach konzipiert und besteht oft aus Naturmaterialien. Das Spielzeug soll zu kreativem Spielen anregen, anstatt geschlossene Konzepte zu vermitteln.
  • In beiden Konzepten ist es essentiell, dass die Kinder aus eigener Motivation lernen und sich selber beteiligen, anstatt Inhalte unreflektiert wiederzugeben.
  • Unter dem Motto „mit statt für“ sind Kinder, Eltern und Lehrer an der Verwaltung der Schule beteiligt, anstelle einer konventionellen Schulleitung.

5. Grund: Praktische Vorbereitung aufs Leben

Obwohl alternativen Schulkonzepten häufig vorgeworfen wird, sie seien realitätsfremd, bereiten sie ihre Schüler gut auf das Leben vor.

  • Waldorfschüler absolvieren im Laufe ihrer Schulzeit einige Praktika, unter anderem ein Sozialpraktikum und ein Landwirtschaftspraktikum. Es geht darum, soziale Fähigkeiten auch außerhalb von der Schule zu erlernen und anzuwenden.
  • Den Schülern werden praktische Fähigkeiten zum Leben wie kochen oder gärtnern beigebracht. Sie können Erfahrungen sammeln, anstatt sich nur theoretisch mit Themen auseinanderzusetzen.
  • Durch den vielfältigen Lehrplan lernen die Kinder sich selber in unterschiedlichen Situationen kennen und können ihr Verhalten reflektieren.
  • Durch die Veranstaltung von Theaterstücken oder Handwerksmärkten organisieren Schüler mit Lehrern gemeinschaftliche Projekte und lernen so Teamfähigkeit.
  • Die Lehrkräfte sind vielmehr Ansprechpersonen anstatt von Autoritätspersonen. Lehrer und Schüler kennen sich und pflegen ein Verhältnis auf Augenhöhe. Dadurch soll es den Kindern leichter fallen, ihre Meinung zu äußern und um Hilfe zu bitten.

Kritikpunkte an Waldorfschulen und Montessorischulen

Nicht für jedes Kind passt ein alternatives Schulkonzept. (Foto: CC0 / / picjumbo_com)

Natürlich haben alternative Schulkonzepte nicht nur Vorteile. Immer wieder stehen sie unter Kritik, die sich jedoch häufig als Vorurteile entpuppt:

  • Es handelt sich um Privatschulen. Sie sind kostenpflichtig, weshalb dem Schulkonzept häufig vorgeworfen wird, nicht für alle Kinder gleichermaßen zugänglich zu sein. Waldorfschulen und Montessorischulen stehen für alle Kinder unabhängig von Herkunft, Religion oder Besitz offen. Das Schulgeld wird an das Gehalt der Eltern angepasst.
  • Die Schulen sind strikt nach ihrem Konzept aufgebaut und lassen oftmals nur wenig zeitgemäße Veränderung zu.
  • Einige befürchten naturwissenschaftliche Fächer oder Politik könnte zu kurz kommen. So wird die Evolutionslehre an Waldorfschulen nicht unterrichtet.
  • Damit das Abitur dieselbe Wertigkeit wie auf einer Regelschule hat, werden die Schüler für die abschließende Prüfung sehr gefordert. Was einige Schüler stark unter Druck setzt, trotzdem schließen sie verglichen mit Schülern einer Regelschule mit gutem Erfolg ab.

Jedes Kind hat andere Bedürfnisse und sollte in die Entscheidung für eine passende Schulform eingebunden werden.

Weiterlesen auf Utopia:

  • Waldorfpädagogik – Hintergründe zu dem alternativen Schulkonzept
  • Waldorf Spielzeug – einfache Spielsachen für kreatives Spielen
  • Montessoripädagogik: Ein alternatives Konzept für die Schule

Organisation und Finanzierung

In Deutschland gibt es rund 250 Freie Waldorfschulen bzw. Rudolf-Steiner-Schulen und an die 600 Waldorfkindergärten. Die Schulen haben sich zum Bund der Freien Waldorfschulen mit Sitz in Stuttgart zusammengeschlossen (www.waldorfschule.de), die Kindergärten zur Vereinigung der Waldorfkindergärten (www.waldorfkindergarten.de).

Waldorfschulen sind in Deutschland in der Regel staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Als solche erhalten sie wie alle anderen Privatschulen staatliche Zuschüsse, die allerdings für den Schulbetrieb bei weitem nicht ausreichen. Aus diesem Grund hat der Bund der Freien Waldorfschulen eine Stiftung ins Leben gerufen, deren Zweck die finanzielle Förderung der Waldorfpädagogik und der Waldorfschulbewegung in Deutschland ist. Aus diesem Topf werden unter anderem die Lehrerausbildung und die Waldorfschulen unterstützt.

– Anzeige –
– Anzeige –

Waldorfschule Kosten und Schulgeld

Doch auch mit diesen Mitteln sind die Kosten für den Schulbesuch noch lange nicht gedeckt. Darum zahlen die Eltern von Kindern an einer Waldorfschule oder Rudolf-Steiner-Schule zusätzlich ein monatliches Schulgeld, dessen Höhe sich an der wirtschaftlichen Situation der Familie orientiert.

Was kann also der Besuch einer Waldorfschule kosten? Im bundesweiten Durchschnitt liegt das Schulgeld bei rund 200 Euro pro Monat. Jedoch können die Kosten für den Schulbesuch je nach Region und Schule teilweise erheblich davon abweichen.

Es ist ein erklärtes Ziel der Waldorfschule, kein Kind aus finanziellen Gründen nicht aufzunehmen. Um das ermöglichen zu können, bilden alle Teile einer Waldorfschule – also Familien, Geschäftsführung und Lehrer – Solidargemeinschaften, die zwar an jeder Schule etwas anders ausgestaltet sind, sich aber immer darum bemühen, die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Familien auszugleichen. So versuchen Waldorfschulen, das Konzept “Schule für alle” zu erfüllen. Vereinfacht gesagt, zahlt jede Familie das, was sie sich an monatlichen Kosten für den Schulbesuch ihres Kindes leisten kann.

– Anzeige –
– Anzeige –

Im Wesentlichen werden an Waldorfschulen zwei Modelle praktiziert: Entweder zahlen die Eltern einen festen Beitrag, der auf Antrag wegen finanzieller Engpässe der Familie ermäßigt werden kann; oder alle Eltern an der Schule zahlen einen einkommensabhängigen Beitrag, der in jedem Einzelfall individuell vereinbart wird.

Siehe auch:

Waldorfschule: Schulabschluss und Waldorfabschluss

Waldorfschule und Waldorfkindergarten

Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Finden Sie die passende Schule für Ihr Kind:

Mit der Privatschulsuche von

Beitragsordnung Freie Waldorfschule Hannover-Maschsee

Unsere Schule erhebt:

  1. einen monatlichen Familienbeitrag in Höhe von
    295,00 Euro für das 1. Kind,
    50,00 Euro für das 2. Kind,
    0,00 Euro ab dem dritten Kind.
  2. eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von
    1.450,00 € für den Vereinsbeitritt beim ersten Kind (davon werden 1.200,00 €
    zweckgebunden als „Bau- /Instandhaltungsumlage“ verwendet)
    250,00 € für jedes weitere Kind.

Warum erheben Waldorfschulen Schulgeld?

Waldorfschulen sind private Schulen. Sie gelten als anerkannte Ersatzschulen und bekommen staatliche Zuschüsse, jedoch deutlich weniger als öffentliche Schulen. Um die Gesamtkosten für Lehrpersonal, Instandhaltung der Gebäude sowie die Anschaffung von Unterrichtsmaterial überhaupt decken zu können, müssen sie von den Eltern zusätzlich Schulgeld erheben. Die Höhe des Schulgeldes richtet sich nach der Größe der Schule und der Höhe der staatlichen Zuschüsse im jeweiligen Bundesland.

Die staatlichen Zuschüsse sind je nach Bundesland sehr verschieden (im Vergleich: unsere Schule würde in Hamburg rund 25 % oder 900.000 Euro mehr Finanzhilfe bekommen).

Landeszuschüsse
Bei der staatlichen Finanzhilfe wird unterschieden zwischen Personalkosten und Sachkosten.
So erstattet das Land Niedersachsen den freien Schulen die Personalkosten für Lehrkräfte bei
100 % Unterrichtsversorgung zu 100 %. Diesbezüglich ist unsere Schule zum Beispiel den staatlichen Gesamtschulen gleichgestellt.

Anders sieht es bei den Sachkosten aus. Als Sachkosten werden alle übrigen Kosten bezeichnet, das heißt auch die Personalkosten für Nicht-Lehrkräfte (Verwaltung, Hausmeisterei, Küche etc.) Diese Sachkosten werden nicht bezuschusst. Dafür sind die Schulträger selbst zuständig, in unserem Fall der Trägerverein der Schule.

Kommunale Beteiligung
Es gibt Gemeinden in Niedersachsen, die gewähren den freien Schulen deshalb auch „Sachkostenzuschüsse“ (z.B. Ottersberg und Hildesheim). Stadt und Region Hannover tun dies nicht.

Freiwillige Abgabe der Lehrer
Um nicht alle Last auf die Eltern zu verteilen, verzichten die Lehrkräfte unserer Schule durchschnittlich auf 20 – 25 % der staatlichen Zuschüsse für das Lehrpersonal und stellen dieses Geld der Schule für die Finanzierung des „besonderen pädagogischen Profils“ zur Verfügung (besondere Fächer, Klassenteilung, …). Dadurch kann unsere Schule auch eine außergewöhnlich gute Unterrichtsversorgung gewährleisten. Sie liegt am Maschsee im Vergleich zu öffentlichen Schulen in Hannover bei etwa 130 % .

Kostendeckung
Zur Deckung der verbleibenden Sachkosten muss ein Schulgeld erhoben werden. Dazu legt jede Schule eine eigene Schulgeldordnung fest.

Viele Schulen haben eine einkommensabhängige Beitragsordnung (z.B. Göttingen, Braunschweig u.a.) Hier kostet das erste Kind zwischen 18 bis 600 Euro /Monat.

Information zum Schulgeld

1. Schulbeitrag
Grundlage für die Berechnung des Schulgeldes ist das Nettoeinkommen der Eltern. Ab dem vierten Kind fällt kein zusätzlicher Beitrag an.
Die Festlegung des Schulgeldes erfolgt im Rahmen eines Finanzgesprächs unter Vorlage von Einkommensnachweisen (Steuerbescheid).
Bei finanziellen Engpässen kann eine Stundung oder Minderung des Schulgeldes erfolgen.
Über Höhe und Dauer entscheidet der Vorstand.
Jeweils zum Schuljahresende wird der Beitrag aller Eltern prozentual erhöht. Die Höhe wird jeweils von der Vorstandschaft beschlossen und orientiert sich an dem vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Verbraucherpreisindex.
(Stand 06. Juli 2018; gültig ab 01. August 2018)
2. Elterndarlehen zur Baufinanzierung
Um die Höhe der Fremddarlehen für die Bauvorhaben so gering wie möglich zu halten, stellen die Eltern für ihr erstes Kind, das an dieser Schule eingeschult wird, ein zinsloses Darlehen i. H. von € 2.500,00 zur Verfügung. Dieser Betrag wird mit Ausscheiden des jüngsten Kindes aus der Schule an die Eltern wieder ausbezahlt. Mit Eltern, die diesen Betrag nicht aufbringen können, wird im Rahmen des Finanzgesprächs eine individuelle Lösung gefunden.
3. Infoblatt Schulgeld mit Beitragssatz-Tabelle

Waldorfpädagogik

Bei der Waldorfpädagogik handelt es sich um eine Form der sogenannten Reformpädagogik, die um 1920 von Rudolf Steiner nach der Grundlage der Anthroposophie entwickelt wurde. Konzipiert hatte er dieses pädagogische Prinzip für eine Stuttgarter Betriebsschule, die von den Kindern der Arbeiter und Angestellten der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik besucht wurde. Diese existiert übrigens bis heute unter dem Namen Freie Waldorfschule Uhlandshöhe. Nach dem Vorbild dieser Schule entstanden schon rasch auch in anderen Orten Waldorfschulen. Während Schulen mit diesem pädagogischen Konzept zunächst nur in Deutschland gegründet wurden, existieren Waldorfschulen heute weltweit, insgesamt sind es circa 1.040 Waldorfschulen sowie rund 2.000 Waldorfkindergärten in 60 Ländern.

Das ist der Begründer der Waldorfpädagogik

Der österreichische Publizist und Esoteriker Rudolf Joseph Lorenz Steiner gilt als Begründer der Anthroposophie, einer spirituellen Weltanschauung auf Basis der idealistischen Philosophie, der Gnosis, des Rosenkreuzertums und der modernen Theosophie. Diese wird den neuen mystischen Konzeptionen zugerechnet, die um 1900 die Einheit des Menschen mit der Welt postulierte. Der gebürtige Kroate begründete aber nicht nur die Waldorfpädagogik. Denn auf Basis der von ihm entwickelten Lehre gab er auch der Kunst, dem Sozialen, der Medizin, der Religion sowie der Landwirtschaft wertvolle Anregungen.

Rudolf Steiner selbst stammte aus einfachen Verhältnissen. Sowohl Vater als auch Mutter, Johann und Franziska Steiner, stammten aus dem Waldviertel in Niederösterreich. Der Vater war zunächst als Jäger und Förster tätig, quittierte aber den Dienst, als ihm die Hochzeit mit Franziska verweigert wurde und wurde anschließend bei der Südbahn-Gesellschaft, die im österreichischen Kaiserreich zahlreiche Bahnstrecken betrieb, als Bahntelegrafist eingestellt.

Rudolf Steiner soll bereits als Kind seine ersten Erfahrungen mit Hellsichtigkeit gemacht haben. Im Alter von sieben Jahren etwa hatte er eine Vision, in der er sah, wie seine Tante an einem weit entfernten Ort Suizid beging. Diese Erfahrungen konnte Rudolf Steiner allerdings mit niemandem teilen, weshalb er sich sehr oft in sich selbst zurückzog und damit begann, sich für Esoterik zu interessieren. Nachdem er die Dorfschule in Neudörfl, wo generationsübergreifend unterrichtet wurde, drei Jahre lang besucht hatte, bestand Steiner schließlich die Aufnahmeprüfung für die Bürgerschule in Wiener Neustadt, wo er ein besonderes Interesse für die Geometrie entwickelte.

Rudolf Steiner im Alter von 44 Jahren, Quelle Wikipedia

Anschließend besuchte Rudolf Steiner die Realschule in Wiener Neustadt und erhielt ein Stipendium, das ihm in den Jahren von 1879 bis 1883 in Wien das Studium der Mathematik sowie der Naturwissenschaften ermöglichte. Des Weiteren besuchte er Fächer in weiteren Lehrveranstaltungen, etwa in Geschichte, Literatur und Philosophie. Diese besuchte er auch an der Wiener Universität. Hier hatte er allerdings lediglich einen Gaststatus, da er die Matura in Latein nicht abgelegt hatte. Das Studium musste Rudolf Steiner wegen finanzieller Schwierigkeiten jedoch nach acht Semestern ohne Abschluss 1883 beenden. In seinen Wiener Jahren lebte Rudolf Steiner anschließend zwischen 1884 und 1890 bei der jüdischen Familie Specht, die Steiner als Haus- sowie Nachhilfelehrer eingestellt hatte.

Zwischendurch war Steiner nach Deutschland gegangen. Der Grund: Ohne Examen blieb es ihm in Österreich verwehrt, einen akademischen Grad zu erreichen, während sich die deutschen Universitäten in diesem Punkt etwas flexibler zeigten. Allerdings scheiterte er 1884 in Jena mit dem Versuch, eine Dissertation abzulegen, was er sieben Jahre später an der Rostocker Universität erneut versuchte. Hier hatte er mehr Glück und konnte nach der mündlichen Prüfung, die am 23. Oktober 1891 stattfand, zum Dr. phil. promovieren. Seine Doktorarbeit trug den Titel „Wahrheit und Wissenschaft – Vorspiel einer Philosophie der Freiheit“ und wurde ein Jahr später in leicht abgeänderter Form veröffentlicht.

Die frühen Jahre von Rudolf Steiner

Zwischen 1882 und 1897 gab Rudolf Steiner die naturwissenschaftlichen Schriften Johann Wolfgang von Goethes heraus, ab 1890 als Mitarbeiter des Weimarer Goethe- und Schiller-Archivs, das kurz zuvor gegründet worden war, zuvor im Rahmen der „Deutschen Nationalliteratur“, die vom Schriftsteller Joseph Kürschner herausgegeben wurde. Steiners Aufgabe bestand hier darin, philosophische Einleitungen sowie erläuternde Kommentare zu verfassen. Damit trug Rudolf Steiner erheblich dazu bei, dass Goethe in der Öffentlichkeit nicht nur als Dichter, sondern auch als Naturwissenschaftler wahrgenommen wurde. Jedoch wurde von Kritikern bemängelt, dass Steiner in den Einleitungen nicht die Weltanschauung Goethes, sondern seine eigene darlegte. Des Weiteren trat Steiner als Herausgeber der Werke von Jean Paul, eines deutschen Dichters, und des Philosophen Arthur Schopenhauer in Erscheinung. Zudem arbeitete er zeitweise als Redakteur der „Deutschen Wochenschrift“, die in Wien erschien. Die publizistische Tätigkeit reichte jedoch nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, weshalb er auch als Erzieher und Lehrer arbeitete.

Wichtige Kontakte in der Wiener Zeit

In seinen Wiener Jahren zwischen 1879 und 1890 pflegte Rudolf Steiner zahlreiche Kontakte, unter anderem zu Friedrich Eckstein, einem Esoteriker. Dieser machte ihn sowohl mit der von Helena Petrovna Blavatsky begründeten Theosophie sowie mit Rosa Myreder, einer Frauenrechtlerin bekannt. Diese war seine wichtigste Gesprächspartnerin, während Rudolf Steiner seine eigene Freiheitsphilosophie ausgestaltete. 1892 zog er schließlich bei Anna Eunike, die als Witwe fünf Kinder zu versorgen hatte, ein und heiratete diese später.

Während dieser Jahre verfasste Rudolf Steiner einige philosophische Werke wie „Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goethe’schen Weltanschauung“ oder „Wahrheit und Wissenschaft“ An diese Frühwerke knüpfte das Ende 1893 erschienene „Philosophie der Freiheit“ an, das Steiner Zeit seines Lebens als bedeutendstes Werk betrachtete und 1918 in einer überarbeiteten Fassung erneut publizierte.

Seine eigene Erkenntnistheorie hatte Rudolf Steiner entwickelt, während der sich mit den naturwissenschaftlichen Schriften Johann Wolfgang von Goethes auseinandersetze. Als entscheidenden Faktor betrachtete Steiner die „Beobachtung“ des eigenen Denkens, was er als wichtigste Wahrnehmungsleistung eines Menschen bezeichnete. Der Grund: Seiner Meinung nach kann ein Mensch nur das völlig durchschauen, was er selbst denkt. Jede Art von Sein, die sich weder durch Denken noch durch Wahrnehmung erfahren lässt, wies er hingegen zurück, weil es sich dabei seiner Meinung nach um „unhaltbare Hypothesen“ handle. Damit stellte er sich auch gegen die an den Universitäten gelehrte Philosophie, die wesentlich von Kant geprägt war.

Der Publizist Rudolf Steiner

Seinen Lebensunterhalt bestritt Rudolf Steiner stets teilweise mit der Tätigkeit als Herausgeber. Beispielsweise gab er das in Berlin erscheinende „Magazin für Literatur“ gemeinsam mit Otto Erich Hartleben von 1897 bis 1900 heraus. In diesen Jahren publizierte Steiner auch zahlreiche Aufsätze, in denen er sich politischen, philosophischen und künstlerischen Themen widmete. Diese redaktionelle Aufgabe legte er allerdings nieder, nachdem es zuvor zu massiven Auseinandersetzungen mit dem Nietzsche-Archiv gekommen war.

In jenen Jahren befand sich Rudolf Steiner in einer ernsthaften finanziellen Notlage und die Gerüchteküche kolportierte, dass er Alkoholiker sei. Seinen Lebenswandel hatte er schließlich ab der Jahrhundertwende komplett geändert. Ab 1903 wandte sich Rudolf Steiner verstärkt Außenseiterkreisen zu, die oftmals proletarisch geprägt waren.

Rudolf Steiner in der Theosophischen Gesellschaft

Weil Rudolf Steiner als Kenner von Nietzsche bekannt war, hielt er nach dessen Tod Vorträge über den radikalen Denker. Rasch wurden Theosophen, die Rudolf Steiner bis dahin abgelehnt hatte, zu seinem wichtigsten Publikum. Schließlich wurde er sogar zum Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gewählt, die 1902 gegründet wurde. Hierbei handelte es sich um eine esoterische Vereinigung, die teilweise als obskur galt. Die Mitglieder waren auf der Suche nach einem neuen spirituellen Weltbild. Während in der Theosophischen Gesellschaft der Orientalismus gepflegt wurde, erhob Steiner den Anspruch, eine eigenständige Theosophie zu entwickeln, die dem abendländischen Geistesdenken entsprach. Die Lehre, die Rudolf Steiner vertrat, legte er erstmals 1904 in dem Buch „Theosophie“ dar.

Die späten Jahre des Rudolf Steiner

Schließlich hatte Steiner mit der Theosophischen Gesellschaft gebrochen und wandte sich nunmehr verstärkt der Architektur und der Kunst zu. Nach dem Ersten Weltkrieg wirkte er auch politisch. Beispielsweise veröffentlichte er anno 1919 einen „Aufruf an das deutsche Volk und die Kulturwelt“, in dem er die klassischen Anliegen von nationalen und konservativen Kreisen vertrat – als besonderes Anliegen galt ihm die Kriegsschuldfrage.

Des Weiteren entwickelte Rudolf Steiner in den Nachkriegsjahren eigene Ideen und erwies sich in zahlreichen Lebensbereichen als Erneuerer und Impulsgeber. Neben der Pädagogik widmete er sich nunmehr dem Sozialsystem, der Kunst und der Medizin.

Die Grundlagen der Waldorfpädagogik

Die Grundlage für die Waldorfpädagogik bildet das anthroposophische Menschenbild, das Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte. Er versuchte, nach dem Sinne der sozialen Dreigliederung die Grundsätze der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, die Gleichheit in politischen Gemeinschaften und die Freiheit der Kultur in der Praxis umzusetzen.

Dafür ging Rudolf Steiner von einer Drei- und Viergliederung des Menschen aus und band die Temperamentenlehre mit ein. Hierbei handelt es sich um ein Persönlichkeitsmodell, das aus der antiken Vier-Säfte-Lehre abgeleitet ist und den Menschen gemäß seiner Grundwesensart einordnet.

Die Dreigliederung eines Menschen besagt nichts anderes, als dass sich jeder Mensch in Seele, Geist und Leib aufteilt. Daraus wiederum leitete Rudolf Steiner ab, dass der Mensch gleichberechtigt in Denken, Fühlen und Wollen geschult werden müsse.

Die Viergliederung eines Menschen hingegen bedeutet, dass es neben dem physischen Körper noch drei weitere „Wesensglieder“ gibt, die sich nur auf übersinnlicher Ebene wahrnehmen lassen. So werden die Wachstumskräfte nach Steiners Dafürhalten vom Ätherleib getragen, während der Astralleib das Seelenleben trägt. Das Ich hingegen sei ein geistiger Kern eines Menschen, der unsterblich sei. Weil jedes dieser verschiedenen Glieder in bestimmten Zeitpunkten die übersinnliche Hülle verlassen – was in einem Abstand von sieben Jahren erfolge – wird die Entwicklung eines Kindes auch in sogenannte Jahrsiebte eingeteilt, also in Abschnitte von jeweils sieben Jahren.

Das Bild vom Kind in der Waldorfpädagogik

Waldorf-Pädagogen betrachten das Kind als noch nicht erwachsen. Es müsse sich erst einmal entwickeln, damit es später voll „funktionstüchtig“ im Sinne der Gesellschaft wird. Anders als Erwachsene braucht das Kind jedoch einen Schonraum, damit die Kräfte heranreifen können.

Das Bild vom Lernen in der Waldorfpädagogik

Nach den Lehren Rudolf Steiners vollzieht sich die Entwicklung eines Kindes in einem Rhythmus von sieben Jahren. Demnach handelt es sich bei einem Kind im ersten Jahressiebt in erster Linie um ein nachahmendes Wesen, das die Verhaltensweisen der Erwachsenen nachahmt. Im zweiten Jahressiebt hingegen benötigt das Kind die Autorität des Erziehers. Der zu-erziehende Mensch will in diesem Lebensabschnitt nämlich einen Menschen um sich haben, zu dem er aufschauen kann und der ihm dennoch nahe steht. Allerdings darf die Autorität des Erziehers nicht auf Zwang beruhen.

Im dritten Jahressiebt entsteht im Jugendlichen schließlich ein eigenes, persönliches Innenleben. Der Jugendliche möchte nun den Sinn und Zweck der Dinge und auch seines eigenen Lebens erforschen. Laut Rudolf Steiner zeichnet sich das vierte Jahressiebt schließlich durch Persönlichkeitsreife und Mündigkeit aus.

Welche Rolle spielt die Erzieherin?

In der Waldorfpädagogik nimmt die Erzieherin eine Vorbildfunktion ein, schließlich nimmt ein Kind alles Vorgegebene auf und verinnerlicht dies. Von der Erzieherin wird deshalb neben einem großen Einfühlvermögen auch eine optimistische Grundhaltung erwartet. Die Erzieherin soll vor allem im zweiten Jahrsiebt eine autoritäre Ausstrahlung haben. Darüber hinaus besteht die Aufgabe der Erzieherin darin, die Umwelt für die Kinder passend und ansprechend zu gestalten, um dem Kind harmonische Sinneseindrücke zu vermitteln. Des Weiteren müssen die künstlerische Gestaltung sowie die rhythmische Körperbewegung von der Erzieherin gefördert werden.

Das zeichnet die Waldorfpädagogik aus

Die heutige Waldorfpädagogik verfolgt nach wie vor das Ziel, das Rudolf Steiner in der ersten Waldorfschule in Stuttgart verwirklichte: soziale Gerechtigkeit im Bildungswesen. Junge Menschen sollen gemeinsam eine Bildung erhalten, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrer Begabung und ihren Berufswünschen. Die Waldorfschulen haben als erste Gesamtschule das Prinzip der Auslese, das mit dem vertikalen Schulsystem verbunden ist, durch eine Pädagogik ersetzt, in der die Schüler gefördert werden.

Deshalb durchlaufen alle Schüler zwölf Schuljahre, ohne während der schulischen Laufbahn sitzenbleiben zu können. Ausgerichtet ist der Lehrplan an Waldorfschulen deshalb auch auf die Weite der geistigen und seelischen Begabungen und Veranlagungen, die in den Kindern vorhanden ist. Bereits ab dem ersten Schuljahr steht deshalb neben den sachbezogenen Unterrichtsgebietern vor allem ein vielseitiger künstlerischer Unterricht auf dem Lehrplan. Der Hintergrund dafür besteht darin, dass schöpferische Fähigkeiten sowie Erlebniskräfte gefördert werden sollen, die sowohl für den einzelnen Menschen als auch für die Gesellschaft insgesamt enorm wichtig sind. Dass der Unterricht mit einem Schwerpunkt auf die künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten hin ausgerichtet ist, hat folgenden Hintergrund: Dadurch soll einerseits der Willen des Kindes differenziert ausgebildet werden, andererseits dient dies der lebenspraktischen Orientierung.

Der Lehrplan: entwicklungsorientiert

Ein äußerst wichtiges Prinzip für die Ausgestaltung des Lehrplans liegt bei Waldorfschulen darin, dass die Unterrichtsinhalte und -formen auf die Prozesse des kindlichen Lernens abgestimmt sind. Ferner werden die verschiedenen Stufen der menschlichen Entfaltung in der Kindheit und der Jugend berücksichtigt. Von Schulbeginn an ist der Unterricht daraufhin ausgerichtet, die menschliche Freiheit zu entwickeln.

Der bildhafte Unterricht

Während der ersten Schuljahre gilt der „bildhafte“ Unterricht als wesentliches Kriterium an Waldorfschulen. Der Grund: In diesen Jahren reift die eigene Urteilskraft der Kinder heran. Deshalb behandeln die Lehrer die Tatsachen so, dass jeder Schüler neben dem Anschaulichen auch das Wesenhafte sowie das Gesetzmäßige aller Dinge im Sinn von echten Bildern verstehen, aber auch erleben lernen kann.

Der wissenschaftliche Unterricht

Ab dem 14. Lebensjahr steht das Streben nach einer eigenen Urteilsbildung und Lebensgestaltung im Vordergrund. Dies wird vom neunten bis zum zwölften Schuljahr durch einen wissenschaftlichen Charakter in vielen Unterrichtsfächern unterstützt. Eine voruniversitäre Ausbildung wird von Waldorfschulen allerdings nicht als pädagogische Aufgabe gesehen. Vielmehr soll der Unterricht inhaltlich so vertieft werden, dass er sich mit den Lebensfragen eines jungen Menschen verbinden lässt und Antworten auf alle wichtigen Fragen gibt.

Der Epochenunterricht

Der Epochenunterricht gilt in der Waldorfpädagogik als wichtiges Werkzeug, um den Unterricht so ökonomisch wie möglich zu gestalten. Dieser wird in jenen Fächern praktiziert, in denen verschiedene Sachgebiete inhaltlich geschlossen abgehandelt werden können. Dazu gehören neben der Mathematik und den Naturwissenschaften unter anderem auch Deutsch sowie Geschichte. Bei Fachgebieten, die einer fortlaufenden Übung bedürfen – dazu gehören neben Fremdsprachen, die an Waldorfschulen ab dem ersten Schuljahr angeboten werden, vor allem der künstlerische Unterricht – erfolgt der Unterricht in Fachstunden. Allerdings sind in den vergangenen Jahren einige Waldorfschulen dazu übergegangen, auch hier in einem stärkeren Ausmaß Epochenunterricht durchzuführen.

Die Zeugnisse und die Abschlüsse

Neben der Auslese haben Waldorfschulen auch das in staatlichen Schulen übliche Zensurensystem abgeschafft. In den Zeugnissen wird jeder Schüler möglichst deutlich charakterisiert. Neben der Leistung werden zudem der Leistungsfortschritt, das Bemühen sowie die Begabungslage in den verschiedenen Fächern dargestellt. Abschließen können die Schüler die Waldorfschule wahlweise mit der Mittleren Reife, dem Fachabitur oder dem Abitur, was aber auch an einer Waldorfschule erst nach 13 Schuljahren möglich ist. Bezüglich der Abschlüsse halten sich die Waldorfschulen an die Regularien, die im jeweiligen Bundesland gelten.

Wie finanzieren sich Waldorfschulen?

Zwar sind Waldorfschulen weltweit fachlich anerkannt und als Schulen in freier Trägerschaft verfassungsrechtlich den staatlichen Schulen gleichgestellt. Dennoch sind erhebliche Bemühungen in der Verwaltung und der Politik notwendig, damit diesem Umstand sowohl bei der Schulaufsicht als auch bezüglich der Finanzierung Rechnung getragen wird. Waldorfschulen erhalten in Deutschland staatliche Zuschüsse, diese decken die Betriebskosten aber nur teilweise, weshalb die Eltern zur Finanzierung beitragen müssen. An den meisten Schulen sind die jeweiligen Beiträge nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt.

Kritik am Prinzip der Waldorfpädagogik

Ebenso wie die Anthroposophie ist auch die Waldorfpädagogik immer wieder Kritik ausgesetzt. Die häufigsten Vorwürfe lauten, dass die Kinder in Waldorfkindergärten und -schulen in einem Schonraum seien und dass es sich hierbei um eine „weltfremde“ Pädagogik handle, die manipulativ und ideologisch sei.

Welches Menschenbild zeichnet die anthroposophische Geisteswissenschaft?

Bevor die erste Waldorfschule in Stuttgart im September 1919 ihre Pforten öffnete, hielt Rudolf Steiner für die Lehrer der ersten Stunde einen Grundkurs ab, der sowohl menschenkundlich als auch methodisch-didaktisch gestaltet war und den er später durch weitere Vorträge und Kurse in einigen Ländern Europas ergänzte. Einige Elemente, die Steiner in der Waldorfschule umsetzte, fanden auch Eingang in die Regelschulen verschiedener Länder. Dazu gehören etwa der Verzicht auf Notenzeugnisse als Mittel zur Selektion, Handwerk und Kunst als Mittel der Erziehung einzusetzen oder die Koedukation. Andere Elemente der Waldorfschulen wie etwa der Unterricht in Latein oder Griechisch entsprachen sowohl den Zeitverhältnissen als auch den behördlichen Vorschriften.

Auch wenn sich der Lehrplan in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat, bildet das anthroposophische Menschenverständnis nach wie vor die Grundlage der Waldorfpädagogik. Um dieses Menschenverständnis zu veranschaulichen, veröffentlichte Rudolf Steiner 1924 entsprechende Leitsätze. Die zentrale Aussage lautet: „Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“ Hinter diesem Satz stecken drei Kernaussagen: „Es gibt ein Geistiges in jedem Menschen“, „Auch der sichtbaren Welt um uns liegt ein unsichtbar Wirksames zugrunde, das es zu entdecken und erforschen gilt“ und „Die Anthroposophie ist kein Glaubensinhalt, sondern die Anregung, einen Weg der Erkenntnis zu beschreiten, der gleichzeitig ein Weg der Selbstentwicklung ist, ein Weg, der die eigene geistige Kraft im Menschen aktiviert“.

Im Grunde versteht sich die Anthroposophie also als Anregung, in den verschiedensten Lebensgebieten diesen Forschungsweg zu beschreiten. Für die Pädagogik bedeutet das, dass sich jeder Mensch schrittweise zur freien Selbstbestimmung entfalten können soll. Bei der Waldorfpädagogik handelt es sich also keinesfalls um eine dogmatische Anwendungspädagogik, sondern um eine Pädagogik, in der das Individuum im Vordergrund steht. In seinem Aufsatz „Freie Schule und Dreigliederung“ schreibt Rudolf Steiner dazu: „Was gelehrt und erzogen werden soll, das soll nur aus der Erkenntnis des werdenden Menschen und seiner individuellen Anlagen entnommen sein. Wahrhaftige Anthroposophie soll die Grundlage der Erziehung und des Unterrichts sein.“

Die wesentliche Aufgabe des Erziehenden liegt also darin das Wesen, das zur freien Selbstbestimmung befähigt und in jedem Menschen verborgen ist, zu fördern. Natürlich sollen die Erziehenden auch Sorge dafür tragen, dass dieses die Möglichkeit hat, sich gesund zu entwickeln. Die Voraussetzung dafür besteht darin, die Entwicklungsbedingung zu kennen. Denn das individuell Einmalige zeigt sich in jedem Lebensalter in einer anderen Gestalt. Deshalb ist es notwendig, es auch der Entwicklung des Kindes entsprechend jeweils anders anzuregen und zu fördern.

Aktuelle Termine

Die Waldorfpädagogik wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf anthroposophischer Grundlage von Rudolf Steiner entwickelt. Die Waldorfpädagogik orientiert sich an den Entwicklungsschritten des Menschen, die sich in Sieben-Jahres-Rhythmen vollziehen. Im Kindergarten arbeiten wir mit Kindern bis zum siebten Lebensjahr, d.h. im ersten Jahrsiebt.

Im ersten Jahrsiebt finden große und weitreichende Entwicklungen beim Kind statt. Diese Entwicklungen zu erkennen, zu fördern und zu unterstützen ist uns sehr wichtig. Wir teilen die Kinder in altersgemäße Gruppen ein, denn nur dort kann sich das Kind gut entfalten. Unterschieden wird in die Krippengruppe (1 bis 2 Jahre), die Kleinkindgruppe (2 bis 3 Jahre) und die Kindergartenkinder (3 bis 7 Jahre).

Doch zunächst „Grundsätzliches“:

Die Waldorfpädagogik hat drei Hauptbestandteile, welche sind:
1. Rhythmus und Wiederholung
2. Vorbild und Nachahmung
3. Sinneslehre

zu 1. Rhythmus und Wiederholung
In allen lebendigen Vorgängen finden sich Rhythmen: Atem, Herzschlag, Tag und Nacht, Wechsel der Jahreszeiten. Rhythmus ist die Wiederholung des Ähnlichen – flexibel, niemals starr. Das Kind braucht für seine gesunde Entwicklung Rhythmus und Wiederholung.
Daher ist der Tag im Waldorfkindergarten immer geregelt. Es gibt einen Wechsel der Ruhe und Aktivität. Freispiel, Reigen, gemeinsame Mahlzeiten, Märchenkreis, Eurythmie und andere Aktivitäten kehren in immer der gleichen Abfolge im Tages- und Wochenrhythmus wieder. Für das Kind wird so die Welt berechenbar. Es weiß, was passiert und ist sicher in seiner Umgebung. Das Kind vertieft so sein Erleben und seine Eindrücke und fühlt dadurch Geborgenheit.
Das Jahr erhält seine zeitliche Ordnung durch die Jahreszeiten und die Jahresfeste. Im Kindergarten orientieren sich verschiedene Arbeiten, Lieder, Reigenspiele und Geschichten am Jahreslauf. Die Jahresfeste sind Höhepunkte im Kindergartenalltag. Durch die jährliche Wiederholung begegnet das Kind Vertrautem, und es lernt unbewusst, unterschiedliche Tätigkeiten, Erlebnisse und Stimmungen in den großen Jahresrhythmus einzuordnen. All das wirkt stärkend und stabilisierend auf die Lebenskräfte des Kindes und unterstützt heilsam seine Entwicklung.

zu 2. Vorbild und Nachahmung
Als Nachahmung bezeichnet die Waldorfpädagogik die Fähigkeit des Kindes, sich ganz mit seiner Umgebung und mit den ihm anvertrauten Menschen zu verbinden. Nachahmung vollzieht sich unbewusst. Alles was das Kind mit seinen Sinnen aus der Umgebung aufnimmt wirkt auf das Kind: Menschen mit seinen Tätigkeiten und Gedanken, Farben, das Spielmaterial, die Einrichtung, usw.
Die Erzieher/innen versuchen daher an jedem Tag Vorbild für die Kinder zu sein, indem sie sinnvolle, notwendige, durchschaubare und durchdachte Tätigkeiten verrichten. Ganz unbewusst eignet sich so das Kind motorische, soziale und gedankliche Fähigkeiten an. Das Kind geht so den Weg vom handelnden Wesen, das erst probiert ehe es versteht, zum bewusst handelnden Menschen.

zu 3. Sinneslehre
Im anthroposophischen Menschenbild kennen wir zwölf Sinne:
untere Sinne: Lebenssinn, Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn, Tastsinn
mittlere Sinne: Geruchssinn, Geschmackssinn, Sehsinn, Wärmesinn
obere Sinne: Hörsinn, Wortsinn, Gedankensinn, Ich-Sinn

Durch seine Sinne nimmt der Mensch die Welt wahr. Er erfäht von der Welt und er erfährt von sich selbst im Verhältnis zur Welt. Unsere Sinne sind unserer Tore zur Welt! Kinder erleben Sinneseindrücke viel stärker als Erwachsene, da sie allem offen und vertrauensvoll hingegeben sind. Daher ist die Qualtität der Sinneseindrücke, welche wir an die Kinder herantragen, von besonders großer Bedeutung. Alle Eindrücke, die das Kind mit seinen Sinnen wahrnimmt, wirken unmittelbar in das Kind hinein. Im ersten Jahrsiebt, der Zeit der intensivsten Leibes- und Organbildung des Menschen, werden durch eine reiche und gesunde Sinnespflege die kindlichen Organe besser ausdifferenziert und entsprechen gesund entwickelt. Eine Verarmung der Sinnespflege bei Kindern bewirkt andererseits, das sich das Verhältnis zum eigenen Körper verändert (z.B. Nervosität, Konzentrationsstörungen, …) Durch eine positive Sinnenspflege wird der Mensch insgesamt in seiner Persönlickeit gestärkt.

Waldorfschule: Das erwartet Kinder und Eltern

scoyo: Welchem Zweck dient eigentlich das waldorfeigene Schulfach Eurythmie?

Kullak-Ublick: Eurythmie ist eine Bewegungskunst, bei der Sprache und Musik nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten in Gesten, Bewegungsabläufe und Choreografien umgesetzt werden. Man unterscheidet zwischen der therapeutischen, der pädagogischen und der Bühneneurythmie. Wie jede Kunst hilft auch die Eurythmie dabei, Leib, Seele und Geist in einen schöpferischen Gleichklang zu bringen. Namentanzen kommt dabei übrigens nicht vor – höchstens mal zum Spaß, weil dieses Klischee einfach so herrlich albern ist.

scoyo: Gibt es typische „Waldorf-Kinder“, für die sich die Waldorfschule besonders eignet? In welchen Fällen würden Sie vom Besuch einer Waldorfschule eher abraten?

Kullak-Ublick: Nein, die Waldorfschule ist für alle Kinder geeignet. Allerdings sollten die Eltern das pädagogische Konzept im Grundsatz bejahen, sonst kann es später zu Konflikten kommen.

Eltern sollten sich das besondere Profil einer Schule anschauen und dann entscheiden, ob das mit ihren Erwartungen und den Bedürfnissen ihrer Kinder zusammenpasst. Vom Besuch einer Waldrofschule abraten würde ich, wenn die Eltern eigentlich gar keine Waldorfpädagogik wollen oder glauben, man könne dort lernen, ohne sich anzustrengen.

21 FRAGEN ZUR WALDORFPÄDAGOGIK

Was gelehrt und erzogen werden soll,
das soll nur aus der Erkenntnis des werdenden Menschen
und seiner individuellen Anlage entnommen werden.

Rudolf Steiner (1861-1925, Begründer der Waldorfschulbewegung)

“ Welche Kinder werden an einer Waldorfschule aufgenommen?

Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Nach ausführlichen Informationselternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Auch in höhere Klassen können Schüler als Quereinsteiger aufgenommen werden.

“ Worin unterscheiden sich Waldorfschulen überhaupt von anderen Schulen?

Waldorfschulen wollen gleichermaßen intellektuelle, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen zusammen im Werkunterricht. In jeder achten und zwölften Klasse studieren sie ein anspruchsvolles Theaterstück ein und setzen sich in einer großen Jahresarbeit mit einem Thema ihrer Wahl in Theorie und Praxis auseinander. Die Fächer Gartenbau und Eurythmie sind feste Bestandteile des Lehrplans.

“ Wer war Rudolf Steiner und was hat er mit der Waldorfpädagogik zu tun?
Rudolf Steiner gründete 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart. Die Idee dazu ging von Emil Molt aus, dem fortschrittlich gesinnten und sozial engagierten Besitzer der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik. Molt wollte eine Schule für die Kinder seiner Arbeiter einrichten. Die Waldorfpädagogik beruht auf Rudolf Steiners Erkenntnissen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Forschungen wirkten auch über die Pädagogik hinaus und fanden Eingang in die biologisch-dynamische Landwirtschaft, die Medizin und die Kunst.

“ Muss ein Kind musisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?
Die Waldorfschule ist eine Schule für alle Begabungsrichtungen. Wenn Waldorfschüler malen, zeichnen, plastizieren oder bildhauerisch tätig sind, geht es dabei nicht so sehr um das Ergebnis, als vielmehr um den Prozess. Dabei lernen und üben die Kinder und Jugendlichen zahlreiche Fähigkeiten über das rein künstlerische Gestalten hinaus. Waldorflehrer wollen den Verstand, die Kreativität und die Persönlichkeit ihrer Schüler gleichgewichtig entwickeln.

“ Sind Waldorfschulen auch für Kinder mit Lernschwierigkeiten geeignet?
Für Kinder, die gravierende Teilleistungsschwächen oder große soziale Schwierigkeiten haben, gibt es besondere Waldorfschulen: die heilpädagogischen Förderschulen. Einige Waldorfschulen haben auch durchlässige Förderzüge. Dabei steht immer das einzelne Kind mit seinen Anlagen und Bedürfnissen im Mittelpunkt.

„Wie groß sind die Klassen in Waldorfschulen?
Das ist von Schule zu Schule verschieden. Eine Klasse kann bis zu 38 Schülern stark sein. Allerdings werden die Klassen in vielen Fächern in zwei oder drei Gruppen geteilt. Kinder, die sich in einem Fach leichter tun, helfen denen, die es schwerer haben. Schüler, die ganz besonders schnell lernen, bekommen schwierigere Zusatzaufgaben. In einer großen Klasse entsteht durch die Vielzahl der unterschiedlichen Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften der Kinder über zwölf Jahre eine soziale Gemeinschaft, in der die jungen Heranwachsenden viele voneinander lernen.

„Wie ist das mit den Noten in der Waldorfschule?
Auch wenn Waldorfschulen in der Unter- und Mittelstufe auf Noten verzichten, korrigieren die Lehrer selbstverständlich alle Schülerarbeiten. Doch statt einer bloßen Note formulieren sie individuelle Beurteilungen. In den Zeugnissen gehen die Lehrer ausführlich auf die Persönlichkeitsentwicklungen und die Lernfortschritte ihrer Schüler ein. Auch bleibt niemand sitzen: Die Waldorfpädagogik richtet sich nach den Entwicklungsphasen der Kinder und der Jugendlichen; deshalb ist nicht nur der Wissenstand, sondern die Gesamtentwicklung entscheidend. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schüler nach Möglichkeit in einer festen Klassengemeinschaft, auch wenn ihre Leistungen vorübergehend nachlassen.

“ Was, wenn nicht Noten, motiviert die Kinder zum Lernen?
Der Waldorfschulunterricht ist auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schüler abgestimmt und sehr lebensnah gestaltet. Deshalb entwickeln sie die Initiative zu lernen nicht aufgrund von Leistungsdruck, sondern aus einer eigenen Neugierde und der Freude am Entdecken.

“ Was kostete die Waldorfschule?
Es ist ein Prinzip der Waldorfschule, kein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen. Weil aber die öffentlichen Zuschüsse geringer sind als für staatliche Schulen, sind Waldorfschulen auf Elternbeiträge angewiesen.

“ Wie gut bereitet die Waldorfpädagogik Kinder auf die Arbeitswelt vor?
Waldorfschulen legen nicht nur Wert auf intellektuelle Fähigkeiten, sondern auf andere Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken. Die Praxis zeigt, dass gerade Waldorfschüler wegen dieser Fähigkeiten von Ausbildern besonders geschätzt werden.

“ Welche Abschlüsse können an einer Waldorfschule gemacht werden?
Grundsätzlich bis zum Abitur, wobei in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Bestimmungen gelten. So gibt es zum Beispiel an den Waldorfschulen des Saarlandes und des Landes Rheinland-Pfalz den Hauptschulabschluss nach der 10. Klasse, den Realschulabschluss nach der 12. und die allgemeine Hochschulreife – das staatliche Abitur – nach der 13. Klasse. Die eigentliche Waldorfschulzeit endet nach der 12. Klasse mit dem Waldorfschulabschluss. Danach können sich Schüler in einem 13. Schuljahr an der Waldorfschule auf das Abitur vorbereiten.

“ Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Werden die Kinder dort antiautoritär erzogen?
Nein. Es gilt das Prinzip der „liebevollen Autorität“. Kinder suchen ihre Grenzen; und nur wenn sie ihre Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich sicher und erleben sich als eigene Persönlichkeit. Waldorflehrerinnen und -lehrer bauen deshalb in der Unterstufe ein von liebevoller Autorität geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern auf. Im Laufe der Schulzeit ändert sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit der Entwicklung der Heranwachsenden.

“ Warum haben die Kinder in den ersten acht Schuljahren ein und denselben Klassenlehrer?
In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorf-Klassenlehrer seine Klasse nach Möglichkeit acht Jahre lang durch den Hauptunterricht, der die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags in Form von Epochenunterricht umfasst. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Schwächen und Stärken eingehen.

“ Wie kann ein Klassenlehrer in allen Fächern qualifizierten Unterricht erteilen?
Für Klassenlehrer gibt es eine eigene Ausbildung – im Vollzeitstudium oder auch berufsbegleitend. Sie unterrichten jeweils die ersten beiden Stunden des Vormittags – den Hauptunterrricht –, danach übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Fremdsprachen, Sport, Eurythmie, Musik, Religion und in den handwerklichen Fächern. In der Unter- und Mittelstufe geht es an der Waldorfschule nicht um die Fülle reinen Fachwissens. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, dass die Schüler eine lebendige Beziehung herstellen zu dem, was sie lernen, was sie sind und was sie an der Welt erleben. Auf diese Weise kann Lernen Freude machen – ein Leben lang.

„Was ist Epochenunterricht?
Der Hauptunterricht konzentriert sich für einige Wochen jeweils auf ein einzelnes Fach. In dieser Epoche haben die Schüler zum Beispiel drei Wochen lang jeden Tag zwei Stunden Geschichte, dann wieder drei Wochen lang zwei Stunden Mathematik. Sie können sich auf diese Weise intensiv in ein Stoffgebiet eintauchen. Grundfertigkeiten wie etwa Rechnen oder Schreiben festigen die Schüler über den Epochenunterricht hinaus in fortlaufenden Übstunden.

„Worin unterscheiden sich Waldorfschulen von anderen Schulen?
Der Unterricht an einer Waldorfschule ist nicht einseitig auf Wissensvermittlung ausgerichtet. Waldorfschulen wollen verstandesmäßige, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen gleichmäßig entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen. Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen gemeinsam im Werkunterricht.

„Wie werden die Jugendlichen in der Oberstufe auf die Berufswelt vorbereitet?
Während der ganzen Oberstufe werden die Schüler in allen Fächern von Fachlehrern unterrichtet. Der Fachunterricht wird durch Praktika ergänzt: In einem Landwirtschafts- und einem Forstpraktikum, einem Feldmess-, einem Betriebs- und einem Sozialpraktikum erhalten die Schüler eine lebensnahe Ausbildungsgrundlage. Dabei sollen die Schüler nicht in erster Linie einen Beruf finden, sondern soziale und persönliche Fähigkeiten üben.

“ Praktika, Theaterprojekte, handwerkliches Arbeiten: Wie wirken sich diese vielen Aufgaben auf die Abschlussvorbereitung aus?
Diese Aktivitäten bedeuten zusammen mit dem Lernpensum in manchen Schuljahren eine Doppelbelastung für die Schüler. Hier müssen immer wieder individuelle Lösungen gefunden werden. Tatsächlich liegen die Waldorfschulen aber – was die Abschlüsse angeht – gleichauf mit den staatlichen Regelschulen, meist liegen sie sogar über dem Durchschnitt.

“ Welche Rolle spielen die Naturwissenschaften an der Waldorfschule?
An der Waldorfschule stehen die naturwissenschaftlichen Fächer gleichgewichtig neben allen anderen Unterrichtsfächern. Auch das Fach Informatik ist fester Bestandteil, wobei die Pädagogen Wert darauf legen, dass sich die Kinder, bevor sie die virtuelle Welt kennen lernen, mit der natürlichen Welt vertraut machen und ihre sozialen und schöpferischen Fähigkeiten an ihr entwickeln. In der Oberstufe ist der Umgang mit Computern für jeden Waldorfschüler selbstverständlich.

“ Welche Rolle spielen Religion und Weltanschauung im Unterricht der Waldorfschule?
Die Waldorfschule ist konfessionell nicht gebunden. Zunächst entscheiden die Eltern, welchen Religionsunterricht ihr Kind besucht, später entscheiden die Jugendlichen selbst. Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Erkenntnisse sind zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Unterrichts.

“ Was genau ist Eurythmie?
Eurythmie ist eine moderne Bewegungskunst, die Sprache und Musik in Bewegungen umsetzt. Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Buchstaben und jeden Ton eine ganz bestimmte Gebärde. In der Lauteurythmie stellen die Schüler zum Beispiel dar, was in einem Gedicht an Lauten, und in der Toneurythmie, was in den Tonintervallen einer musikalischen Komposition lebt.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.