Wachstumsschmerzen in den beinen

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Wachstumsschmerzen bei Kindern sind eine Ausschlussdiagnose

Bis zu einem Drittel aller Kinder zwischen 2 und 12 Jahren leidet hin und wieder unter Wachstumsschmerzen. Bevor diese Diagnose gestellt werden kann, müssen ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden, etwa eine Infektion, ein Knochenbruch, Rheuma oder gar ein Knochentumor. Eltern sollten bei anhaltenden Schmerzen ihrer Kinder daher unbedingt einen Facharzt aufsuchen.

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Klagt ein Vorschul- oder Schulkind vorwiegend nachts über brennende, ziehende oder klopfende Schmerzen in beiden Beinen oder Armen, können wachsende Knochen die Ursache sein. Üblicherweise treten die Beschwerden am Tag nicht auf. „Wachstumsschmerzen sind keine Gelenkschmerzen“, betont Professor Dr. Alexander Beck, Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). „Der Schmerz tritt typischerweise in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel auf.“

Wachstumsschmerzen sind in der Orthopädie ein häufiges Erscheinungsbild, doch bislang nur unzureichend erforscht. Es gibt auch keine diagnostischen Tests, mit denen sich Wachstumsschmerzen zweifelsfrei belegen lassen. Rheumatische Erkrankungen, Knochentumore, Knocheninfektionen oder unbemerkte Knochenverletzungen verursachen ähnliche Symptome. Solche schwerwiegenden Erkrankungen können mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie oder Blutuntersuchungen festgestellt werden.
Warum viele Kinder beim Wachsen Schmerzen haben, ist unklar. Eine Vermutung ist, dass die Weichteile langsamer wachsen als die Knochen. So gerät die Knochenhaut bei einem Wachstumsschub unter Spannung und verursacht Schmerzen. Eine andere Theorie besagt, dass der junge Knochen beim Wachstum ermüdet und der Schmerz Ausdruck dieser Ermüdung ist. Auch psychosoziale Faktoren könnten eine Rolle spielen, zum Beispiel, wenn Kinder über den Schmerz Konflikte mit den Eltern verarbeiten.

„Eine Therapie gibt es leider nicht“, bedauert Beck. „Eltern können den Schmerz mit Massagen oder einer Wärmflasche lindern. Manchen Kindern helfen auch Kühlpads. Wenn die Beschwerden sehr stark sind, kann auch ein leichtes Schmerzmittel verabreicht werden “. Dies solle aber nur in Absprache mit dem behandelnden Facharzt geschehen.

Symptome des Wachstumsschmerzes im Überblick:

  • Der Schmerz tritt erstmals im Vor- oder Grundschulalter auf.
  • Die Beschwerden machen sich abends oder nachts bemerkbar, hauptsächlich in den Waden, Kniekehlen, Schienbeinen oder an den Vorderseiten der Oberschenkel, nicht in den Gelenken.
  • Morgens sind die nächtlichen Beschwerden wie weggeblasen und das Kind kann sich uneingeschränkt schmerzfrei bewegen.
  • Der Schmerz tritt in beiden Extremitäten gleichzeitig auf.
  • Die Schmerzen treten nicht regelmäßig auf.
  • Wachstumsschmerzen sind keine Belastungsschmerzen, sondern Ruheschmerzen.

Wo die Ursachen genau liegen, ist in der konkreten Situation letztlich egal. So lange es bei den typischen, ein wenig geisterhaften, Symptomen bleibt, besteht kein Grund für Unruhe. Bei den folgenden Anzeichen, die nicht für Wachstumsschmerzen, sondern für ein ernstzunehmendes medizinisches Problem sprechen, sollten Sie jedoch zum Arzt gehen:

  • Rötungen und Schwellungen
    Bei Wachstumsschmerzen sind die betroffenen Stellen nie deutlich gerötet oder angeschwollen. Diese Symptome sprechen für eine Entzündung, genauso wie eine erhöhte Durchblutung und damit Übererwärmung der betroffenen Stelle.

  • Schmerzen bleiben am Tage
    Klagt das Kind auch tagsüber über die Schmerzen, liegt die Ursache mit großer Wahrscheinlichkeit woanders.

  • Schonhaltung, Vermeidung bestimmter Bewegung
    Ist das Kind steif und unbeweglich, oder hinkt es gar, wird es ganz offensichtlich von Schmerzen beeinträchtigt – auch wenn es nichts sagt.

Außerdem steht fest: Wenn die nachts auftretenden Schmerzen über einen längeren Zeitraum immer wieder kommen, sowie immer dann, wenn Sie unsicher sind, ist es besser, lieber einmal zu oft zum Arzt zu gehen!

Welche Erkrankungen können hinter Gliederschmerzen stecken?

Gliederschmerzen bei Kindern sind häufig und können ganz verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten treten sie nur sporadisch auf, ohne dass eine Erkrankung dahinter steckt, z.B. bei Wachstumsschmerzen.

Unsere 10 wichtigsten Tipps für eine gesunde Kindheit

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Bei länger andauernden oder immer wiederkehrenden Gliederschmerzen sollten Sie Ihr Kind zur Abklärung zum Arzt bringen, ebenso, wenn Sie andere Krankheitszeichen oder Begleiterscheinungen feststellen, die eine ärztliche Untersuchung und Behandlung erforderlich machen.

Mögliche Ursachen von Gliederschmerzen

Einige der häufigeren Verdachtsdiagnosen bei Gliederschmerzen sind nachfolgend aufgezählt, das Spektrum möglicher Erkrankungen ist aber natürlich viel größer:

  • Wachstumsschmerzen:

    • örtlich stechender Schmerz
    • kein Fieber
    • eventuell Schwindel
    • Kreislaufprobleme
  • Grippe:

    • stechender Gliederschmerz am ganzen Körper
    • rasches und hohes Fieber
    • Kopfschmerzen
    • Schüttelfrost
    • Abgeschlagenheit
    • Müdigkeit
    • Appetitlosigkeit
    • Halsschmerzen
  • Beginnende FSME-Erkrankung:

    • Gliederschmerz am ganzen Körper
    • mit Fieber
    • Kopfschmerzen
    • Abgeschlagenheit
    • Appetitlosigkeit
  • Rheuma:

    • v.a. Gelenkschmerz
    • kein Fieber
    • Abgeschlagenheit
    • steife und geschwollene Gelenke
  • Masern:

    • Schmerzen in Armen und Beinen
    • langsam und hoch ansteigendes Fieber
    • kleine, rote Flecken
    • Lichtscheue
  • Windpocken:

    • Gliederschmerzen am ganzen Körper
    • langsam und hoch ansteigendes Fieber
    • linsengroße, rötliche Flecken, zuerst hinter den Ohren

Autor: Dr. Hubertus Glaser

Gliederschmerzen

Gliederschmerzen: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Mit Schmerzen in den Armen oder Beinen stellen sich viele Betroffene in der ärztlichen Praxis vor. Die Schmerzen können sehr quälend sein und Betroffene unter Umständen auch arbeitsunfähig machen. In der ärztlichen Praxis wird zwischen akuten oder chronischen Gliederschmerzen unterschieden.

Akute Gliederschmerzen

Bei plötzlich auftretenden, akuten Gliederschmerzen ist meistens eine organische Ursache zu finden (zum Beispiel eine Infektion, Muskelkater oder -verletzungen, sowie Embolien oder Thrombosen, aber auch systemische Infektionen wie die Virusgrippe). Die Dauer und auch die Intensität der Arm- oder Beinschmerzen gehen in der Regel mit dem Ausmaß der Schädigung oder Infektion einher. Der akute Schmerz hält nur Stunden bis Tage an und kann zudem vom Betroffenen genau lokalisiert werden. Zu den plötzlichen, akuten Auslösern von Arm- sowie Beinschmerzen gehören:

  • Erkältung, Grippe, Masern, etc.. Bei Infektionen durch Bakterien oder Viren sind neben den Gliederschmerzen auch Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit häufige Symptome.
  • Akute Thrombosen, Embolien: Akute Gliederschmerzen werden auch durch eine arterielle Embolie (Gefäßpfropf) und durch den akuten thrombotischen Verschluss der Venen verursacht. Die Schmerzen in der entsprechenden Gliedmaße treten dann rasch auf und werden sehr intensiv (Vernichtungsschmerz)
  • Weiter häufige Ursachen von akut auftretenden Gliederschmerzen sind Sportverletzungen, Überbelastungen beim Sport, langfristige Fehlhaltungen des Körpers (Fußfehlstellungen, unterschiedlich lange Beine, zu langes Arbeiten am Computer, ungünstige Arbeitsplatzbedingungen, usw.).

Bei akuten Armschmerzen sind häufige Folge diese Verletzungen:

  • Tennisarm (Epikondylopathia humeroradialis)
  • Sehnenentzündungen der Schulter (Supraspinatussyndrom)
  • Sehnenentzündung des Unterarms
  • unspezifische Schmerzausstrahlungen in die Arme
  • ausstrahlende Schmerzen aus verkrampften Arealen im Arm („referred pain“)

Bei akuten Beinschmerzen sind häufige Auslöser:

  • eine Reizung des Ischiasnervs
  • Piriformissyndrom
  • Verspannungen der Adduktorenmuskeln
  • eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte (Bursitis trochanterica)
  • einer Entzündung der Kniescheibe (Chondropathia patellae)
  • Fersensporn (plantare Fasziopathie)
  • Fersenschmerz (Kalkaneodynie)
  • Entzündung der Achillessehne (Achillodynie)

Chronische Gliederschmerzen

Chronische Gliederschmerzen halten Monate bis Jahre an und das Symptom Schmerz verselbstständigt sich letztlich zu einer eigenständigen Erkrankung, die körperliche, psychische und soziale Komponenten enthält und entsprechend behandelt werden muss. Gliederschmerzen werden dann als chronisch bezeichnet, wenn sie für mindestens drei bis fünf Monate ununterbrochen bestehen. Die Schmerzen können in der Regel nicht mehr genau lokalisiert werden und haben eine Tendenz zur Verschlechterung.

Chronische Schmerzen in den Armen oder Beinen können Symptom für schwerwiegendere Erkrankungen sein, wie zum Beispiel Osteoporose, rheumatische Erkrankungen, Tumoren, Durchblutungsstörungen (Ischämien), oder Nervenerkrankungen (Neuralgien). Kreuzschmerzen, Ischias und das sogenannte Facettensyndrom können strahlen ebenfalls in die Region der Beine und dort starke Schmerzen auslösen.

Osteoporose (Knochenschwund)

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine systemische Skeletterkrankung, die durch einen Abbau an Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenstruktur charakterisiert ist. Die Folgen sind beginnende Gliederschmerzen und eine hohe Knochenbrüchigkeit. An der Entstehung von Osteoporose sind Faktoren wie zunehmendes Alter, weibliches Geschlecht und familiäre Veranlagung beteiligt. Aber auch Bewegungsmangel und Fehlernährung spielen bei der Entwicklung eine entscheidende Rolle.

Degenerative und entzündliche Gelenkerkrankungen

Patienten mit Arthrose, Arthritis und Weichteilrheuma sind sehr häufig und leiden besonders an Gliederschmerzen, die schleichend über Tage, Wochen und Monate stärker werden. In Deutschland sind über 800.000 Patienten von rheumatischen Schmerzen betroffen. Es gibt unterschiedliche Rheumaerscheinungen:

  • Arthrose: Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung und verursacht Gliederschmerzen vor allem in der älteren Bevölkerung. Charakteristisch für die Arthrose sind Verschleißerscheinungen an den Gelenken, die von einer zunehmenden Zerstörung des Gelenkknorpels bis hin zur Freilegung der Knochenoberfläche führen. Ebenfalls können angrenzende Strukturen wie Knochen, Muskeln und Bänder geschädigt werden. Als Risikofaktoren gelten zunehmendes Alter, weibliches Geschlecht sowie eine genetische Veranlagung. Zusätzliche Risikofaktoren für eine Arthrose sind erworbene Ursachen wie Über- und Fehlbelastung der Gelenke bei angeborenen Fehlstellungen (zum Beispiel Hüftgelenkdysplasien), nach Verletzungen und Unfällen oder durch Übergewicht.
  • Rheumatoide Arthritis: Unter dem Begriff Arthritis werden – nicht wie bei der Arthrose Verschleißerscheinungen der Gelenke, sondern – Entzündungen der Gelenke zusammengefasst, die durch bis heute nicht vollständig geklärte Autoimmunprozesse entstehen. Die wichtigsten Risikofaktoren für die Arthritis sind weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, Umweltfaktoren wie Rauchen und eine Vielzahl genetischer Faktoren. Entzündliche Gelenkerkrankungen verlaufen meist schubweise und fortschreitend und ziehen häufig chronische Gliederschmerzen und Einschränkungen der Lebensqualität mit sich.
  • Spondylarthropathien: Hier handelt es sich um Entzündungen der Wirbelsäule, die schleichend beginnen und zu Morgensteifigkeit der Wirbelsäule und Abnahme der Wirbelsäulenbeweglichkeit führen. Beim hauptsächlich Männer betreffenden M. Bechterew verknöchern die Fortsätze der Wirbelkörper schließlich und führen zu gravierenden Verkrümmungen und Schmerzen in der Wirbelsäule, die auch mit Gliederschmerzen einhergehen können.
  • Schmerzen der Muskulatur und der bindegewebigen Strukturen (Tendomyopathien): Sind eine häufige rheumatische Erkrankung. Klinisch typisch sind kleine Verhärtungen der Muskulatur mit lokalen und ausstrahlenden Gliederschmerzen.

Sehnenentzündungen oder Verletzungen

Vor allem im Bereich des Unterarms, äußeren Oberschenkels und Knies (Tractus iliotibialis, Kniebeugesehnen) oder Unterschenkels (Achillessehne, Fußhebersehnen) kann es nach einseitigen Belastungen, bei Funktionsstörungen oder bei orthopädischen Fehlstellungen zu Entzündungen der Sehnen und/oder deren Gleitgewebes (Sehnenscheidenentzündung) kommen. Diese können bei weiter bestehender Belastung auch chronische Krankheitsbilder nach sich ziehen.

Tumorerkrankungen

Krebserkrankungen zählen zu einem weiteren Auslöser von schmerzenden Gliedern. Dabei sind entweder der Tumor bzw. die Metastasen (zum Beispiel in den Knochen) direkt für die Schmerzen verantwortlich oder der Patient befindet sich in einem fortgeschrittenen Tumorstadium, was häufig mit starken Schmerzen, unter anderem in den Gliedern einhergeht.

Neuralgien (Nervenschmerzen)

Nervenschmerzen entstehen durch Schädigungen peripherer Nerven, die entweder mechanisch (zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall), durch Entzündungen (zum Beispiel durch eine Herpes-Zoster-Infektion) oder durch Stoffwechselstörungen (zum Beispiel Diabetes mellitus) verursacht werden. Aber auch hoher Alkoholkonsum kann Schädigungen an den Nerven verursachen. Allen Ursachen gemeinsam sind starke – für Herpes-Zoster-Neuralgien besonders starke –, ziehend-reißende Gliederschmerzen.

Ischämien (Durchblutungsstörungen)

Durchblutungsstörungen (verminderte oder ganz zum Erliegen kommende Durchblutung) von Gewebe gehen mit starken Schmerzen in den Beinen oder Armschmerzen einher. Dabei verursachen entweder Thrombosen (venös) oder Embolien (arteriell) den Verschluss der Blutgefäße. Die Schmerzen in den Armen oder Beinen werden bei venösen Thrombosen oder akuter arterieller Embolie über Minuten bis Stunden oder Tage stärker und quälender.

Akuter Kreuzschmerz, Ischias, Facettensyndrom

Zu Beinschmerzen (und manchmal auch Schmerzen im Arm) können auch akute Wirbelsäulenprobleme führen – etwa das zervikale (Armschmerzen) oder lumbale (Schmerzen in den Beinen) Wurzelreizsyndrom, die sich ein- oder beidseitig bemerkbar machen können. Auch Reizungen an den Wirbelgelenken (Facettensyndrom; Schmerzen meist beidseitig) führen oft zu Schmerzen in den Beinen oder Armen. Diese nehmen bei körperlicher Aktivität oft zu.

Grippe bei Kindern (Influenza)

Wenn keine Komplikationen auftreten, kann die Grippe zu Hause behandelt werden. (bikeriderlondon / )

Kurzfassung:

  • Die Grippeviren werden hauptsächlich durch die Tröpfcheninfektion übertragen.
  • Es gibt drei verschiedene Grippetypen.
  • Die Symptome sind abhängig vom Alter des Kindes unterschiedlich.
  • Treten keine Komplikationen auf, kann die Grippe zu Hause behandelt werden.
  • Wichtig ist, dass sich die Kinder ausruhen, ausreichend trinken und nur langsam wieder körperlich aktiv werden.

Grippe tritt besonders in der kalten Jahreszeit auf. Verursacher der Erkrankung sind Influenza-Viren, die beim Husten oder Niesen übertragen werden (Tröpfchen-Infektion). Diese Verbreitungsform und das hohe Erkrankungsrisiko führen fast jedes Jahr zu Grippe-Epidemien.

Normalerweise entwickelt der Mensch einen Schutz, die so genannte Immunität, gegen den Krankheitserreger, mit dem er schon einmal in Kontakt gekommen ist. Grippeviren verändern aber häufig ihre Eigenschaften und äußere Form. Bei einer erneuten Infektion erkennt der Körper das Virus daher nicht und hat deshalb keine Abwehrmöglichkeiten.

Die Erkrankung ist schon kurz vor dem Ausbruch bis eine Woche nach dem Ausbruch ansteckend. Zwischen Ansteckung und Beginn der Grippe liegen meist nur zwei bis drei Tage.

Wichtig: Grippeimpfung nicht vergessen!

Die Influenza wird oft unterschätzt. Jedes Jahr kursieren neue Viren – wer sich impfen lässt, ist besser geschützt.

Wie werden Grippeviren übertragen?

Mehrere Viren, die zu einer Familie gehören, erzeugen nahezu die gleichen Symptome. Die Viren werden durch unmittelbaren körperlichen Kontakt und durch Tröpfcheninfektion beim Husten und Niesen oder durch Spielsachen, Kleidung und Bettwäsche übertragen.

Welche Arten der Grippe gibt es?

Es gibt drei Arten der Grippe:

  • Typ A: Dies ist die häufigste Art. Sie verursacht die stärksten Beschwerden und ist eine ernste Erkrankung. Diese Form tritt etwa alle zwei bis drei Jahre epidemisch auf.
  • Typ B: Diese Art verursacht nicht ganz so heftige Beschwerden und sucht mitteleuropäische Länder in Abständen von vier bis fünf Jahren heim.
  • Typ C: Die „milde Variante“ mit Beschwerden, die einem grippalen Infekt sehr ähnlich sind.

Die Grippeviren der Typen A und B sind sehr ansteckend. Weil die kugelförmigen Erreger laufend ihre Eiweißhülle ändern, entwickelt das menschliche Abwehrsystem nur eine zeitlich begrenzte Immunität. Kinder, die eine Grippe des Typs A hatten, müssten eigentlich immun sein. Sie können aber bereits ein Jahr später trotzdem erneut erkranken, da sich das Virus inzwischen gewandelt hat.

Diese beiden Typen der Grippe befallen am häufigsten Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren.

++ Mehr zur Unterscheidung von Grippe und Erkältung ++

Welche Anzeichen treten bei der Grippe auf?

Alle Typen des Influenzavirus erzeugen die gleiche Krankheit, aber die Symptome können sich je nach Alter des Kindes unterscheiden.

Kopf und Hals im Querschnitt: Eine Grippeinfektion beginnt meist wie ein banaler Schnupfen mit einer rinnenden Nase und etwas Halsschmerzen (s. Pfeile). ()

  • Kopfschmerzen
  • Fieber mit 38 bis 40° Celsius
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Schwächegefühl
  • Rinnende Nase
  • Empfindlicher Hals und Rachen
  • Möglicherweise trockener Husten und deshalb unruhiger Schlaf
  • Kälteempfindlichkeit, Schüttelfrost
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Durchfall

Bei kleinen Kindern, die durch Grippe hohes Fieber bekommen, können Krämpfe auftreten. Damit sich Ihr Kind während des Krampfanfalls nicht verletzt und es frei atmen kann, legen Sie es auf ein Bett oder den Boden.

Achten Sie darauf, dass die Atemwege frei sind, und versetzen Sie ihr Kind anschließend in eine stabile Seitenlage. Auch wenn der Krampfanfall nur von kurzer Dauer war und sich Ihr Kind danach vollständig erholt hat, sollten Sie Rettung oder Notarzt verständigen oder einen Arzt aufsuchen.

Ein steifer Hals, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen während der Grippe-Erkrankung bzw. innerhalb einer Woche danach können Anzeichen für eine Hirnhautentzündung sein. Diese setzt plötzlich ein und schreitet sehr schnell fort. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, denn eine vollständige Heilung ist nur bei einer schnellen Diagnose und Behandlung möglich.

Bestimmte Grippeviren können bei Kindern eine Schwellung der Stimmbänder (Pseudokrupp) verursachen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Arzt diagnostiziert Grippe anhand der Symptome. Die Grippeviren lassen sich außerdem in Nasen- und Halssekreten nachweisen. Oft wird auch eine Blutprobe entnommen, um die Infektionswerte zu bestimmen. Liegt der Verdacht auf eine zusätzliche Lungenentzündung vor, wird eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht.

Wie wird die Grippe behandelt?

Wenn keine Komplikationen auftreten, kann die Grippe zu Hause behandelt werden. Antibiotika wirken nicht, da Viren und nicht Bakterien die Grippe verursachen. Antibiotika sind dann erforderlich, wenn Ihr Kind im Anschluss an die Grippe eine bakterielle Infektion, z. B. eine Lungenentzündung, bekommt.

Kinder sollten ausreichend essen und trinken, sich ins Bett legen und ihre Kräfte schonen. Damit es nicht zu Rückfällen kommt, sollten sie nur langsam wieder körperlich aktiv werden. Meistens bleiben Kinder mit einer schwereren Krankheit aber freiwillig im Bett. Bestimmte Medikamente senken das Fieber und lindern Muskel- und Gliederschmerzen.

Geben Sie Ihrem Kind (unter zehn Jahre) mit Fieber keine Acetylsalizylsäure (Aspirin). Dies kann zu schwersten Organschäden führen. Suchen Sie mit Ihrem Kind den Arzt nochmals auf, wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht abgenommen haben. Sollten trotz Behandlung heftige Ohren- oder Halsschmerzen, schmerzender Husten, Fieber über 39° Celsius und Atembeschwerden auftreten, informieren Sie umgehend Ihren Arzt.

Welche Komplikationen können auftreten?

Vor allem durch Zweitinfektionen mit Bakterien kann sich eine Vielzahl an Komplikationen ergeben, vor allem für Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko. Lungenentzündung, Entzündungen der Nasennebenhöhlen und des Mittelohrs, Herzmuskelentzündung, Nierenentzündung und Entzündungen des Nervensystems sind möglicherweise die Folge.

Wie können Sie einer Grippe vorbeugen?

Eine Influenza kann mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Grippeimpfung vermieden werden. Der optimale Zeitraum dafür liegt zwischen Oktober und November.

Die Impfung von Kindern gegen Influenza ist jedoch im Impfkalender nicht vorgesehen und wird nur bei bestimmten Risiken empfohlen:

  • Säuglinge und Kinder mit chronischen Krankheiten, z. B. Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen
  • Asthmakranke Kinder
  • Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche

Während einer besonders schweren Grippe-Epidemie beugen virushemmende Medikamente einer Erkrankung vor, sie verkürzen bei bereits eingetretener Infektion die Krankheitsdauer und mildern die Beschwerden.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Sowohl eine gewöhnliche Erkältung als auch die Grippe werden von Viren verursacht. Die Beschwerden bei einer Grippe sind normalerweise stärker als bei einer Erkältung.

  • Feuchte Luft oder Kälte lösen keine Grippe aus.
  • Patienten werden nur selten zweimal von derselben Unterart von Grippeviren infiziert. Der Grund: Zwei bis vier Wochen nach der ersten Grippe ist der Körper gegen das Virus immun.
  • Grippeviren verändern sich fortwährend.
  • Haben sich Menschen infiziert, können sie noch vor Auftreten der Beschwerden andere Menschen anstecken.
  • Etwa eine Woche nach Krankheitsbeginn ist die Infektionsgefahr für andere vorbei.

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Autoren:
Dr. Edgar Tichatschek
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Stefanie Sperlich

Stand der medizinischen Information: August 2013

Für Gliederschmerzen kommen verschiedene Ursachen infrage.

Wenn Arme und Beine vorübergehend weh tun, steckt meist eine Infektionskrankheit dahinter. Vorübergehend auftretenden Gliederschmerzen in Armen und Beinen liegen als Ursachen meist eine starke Erkältung oder Grippe zugrunde; aber auch andere Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gehen oft mit Gliederschmerzen einher.

Gliederschmerzen können aber auch ohne Anzeichen einer Infektion wie Fieber auftreten. Vor allem bei älteren Menschen haben Gliederschmerzen ihre Ursache oft in Arthrose, Rheuma oder Gicht. Lang anhaltende Gliederschmerzen, die mehrere Gelenke betreffen, können Symptom einer Polyneuropathie sein, deren mögliche Ursachen Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen sind. Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis können einen lang anhaltenden Gliederschmerz in mehreren Gelenken verursachen.

Lang anhaltende Gliederschmerzen in den Armen (Brachialgien) können als Begleitsymptom bei Nervenschmerzen (Neuralgie), einer Entzündung (Neuritis) des Plexus brachialis oder bei zusammengedrückten Nerven (wie z.B. beim Karpaltunnel-Syndrom) auftreten. Ausserdem können Schmerzen, die von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen ausstrahlen, die Ursachen für solche Gliederschmerzen in den Armen sein. Darüber hinaus können Gliederschmerzen in den Armen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebs oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie) auftreten.

Gliederschmerzen der unteren Extremität – das heisst am Ober- und Unterschenkel, Knie und Fuss – können dadurch entstehen, dass der Ischiasnerv, der vordere Oberschenkelnerv (Nervus femoralis) oder das als Plexus lumbalis bezeichnete Nervengeflecht aus dem Rückenmark der oberen Lendenwirbelsäule erkrankt oder gestört ist. Zu den möglichen Ursachen hierfür gehören zum Beispiel Verletzungen bei Operationen, Entzündungen durch Vergiftungen und Infektionskrankheiten oder Zusammendrückungen (Kompressionen) durch zu enges Schuhwerk, Gipsverbände oder auch Tumoren. Ausserdem können auch Gliederschmerzen der Beine ihre Ursache in Durchblutungsstörungen haben.

Gliederschmerzen: Hausmittel und was Erkältung & Fieber damit zu tun haben

Letzte Änderung: 26.08.2019
Verfasst von Till von Bracht • Medizinredakteur Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

Unsere Inhalte basieren auf fundierten wissenschaftlichen Quellen, die den derzeit anerkannten medizinischen Wissensstand widerspiegeln. Wir arbeiten eng mit medizinischen Experten zusammen.

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Gliederschmerzen treten typischerweise im Rahmen einer Infektionskrankheit auf, zum Beispiel im Rahmen einer Erkältung oder einer Grippe. Dann schmerzen nicht nur die Muskeln oder die Gelenke der Arme und Beine, viele leiden zudem unter Kopfschmerzen, Fieber oder Rückenschmerzen. Steckt eine Erkältung oder eine Grippe hinter den Gliederschmerzen, helfen manchmal schon altbekannte Hausmittel wie kalte Wadenwickel, Tees und viel Ruhe.

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Inhaltsverzeichnis

  • Definition
  • Ursachen
  • Diagnose
  • Therapie
  • Quellen

Es kann aber auch vorkommen, dass die Betroffenen ausschließlich unter Gliederschmerzen leiden, also ohne Fieber, Müdigkeit oder andere Anzeichen einer Infektion. Die Ursachen hierfür sind vielfältig – es können zum Beispiel unter anderem Durchblutungsstörungen, Nervenkrankheiten oder das Karpaltunnel-Syndrom hinter den Gliederschmerzen stecken.

Medizinisch gesehen versteht man unter Gliederschmerzen jegliche Gelenk- und Muskelschmerzen der

  • Arme,
  • Beine,
  • Hände und
  • Füße.

Die Bezeichnung ist also sehr weit gefasst: So fallen unter dem Begriff Gliederschmerzen beispielsweise auch Ellenbogenschmerzen nach einem Stoß oder Muskelkater in den Beinen nach dem Sport.

Dabei können die Schmerzen in den Gliedern sehr verschieden ausgeprägt sein: Der schleichende und ziehende Schmerz kann kaum spürbar, aber auch extrem stark sein. Außerdem können Gliederschmerzen

  • nur eine oder beide Extremitäten betreffen,
  • symmetrisch oder einseitig auftreten
  • und unterschiedlich lange andauern.

Starke und länger bestehende Gliederschmerzen wirken sich sehr einschränkend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus und sollten daher ärztlich abgeklärt werden.

Die gute Nachricht: Muskel- und Gelenkschmerzen der Arme und Beine sind meist harmlos und treten nur vorübergehend auf. Ständige Gliederschmerzen beider Arme oder Beine sind selten: Meist betreffen chronische Gliederschmerzen nur eine Extremität und sind Begleiterscheinung einer Grunderkrankung, zum bei Arthrose.

Gliederschmerzen: Diese Ursachen stecken dahinter

Infektionskrankheiten

In vielen Fällen sind Gliederschmerzen die Folge einer Infektionskrankheit – meist treten sie im Rahmen einer echten Grippe oder einer starken Erkältung auf. Viele der Betroffenen haben dann nicht nur mit Schmerzen in Armen und Beinen zu kämpfen, sondern auch mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Fieber.

Die Krankheitserreger (wie etwa Grippeviren) oder die Entzündungen der oberen Atemwege im Rahmen einer Erkältung führen dazu, dass der Körper vermehrt bestimmte chemische Substanzen ausschüttet – sogenannte Pyrogene. Pyrogene sorgen zum einen dafür, dass die Körpertemperatur ansteigt (man bekommt Fieber) und zum anderen, dass die „Schmerzschwelle“ fällt. Mit anderen Worten: Die Betroffenen nehmen Schmerzen in ihren Gliedern früher und stärker wahr als normalerweise.

Gliederschmerzen entwickeln sich außerdem häufig bei anderen Infektionskrankheiten wie beispielsweise Masern oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Video: Erkältungsmythen im Check

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Wassermangel und Medikamente

Gliederschmerzen können aber auch ohne Fieber oder andere Anzeichen einer Infektion auftreten: So können vorübergehende Gliederschmerzen zum Beispiel neben anderen Beschwerden entstehen, wenn der Körper durch starkes Schwitzen viel Flüssigkeit und Elektrolyte verliert (sog. Hitzeerschöpfung). Um genau zu sein kommt es zu Muskelschmerzen und Koordinationsproblemen, wenn der Körper bis zu sechs Prozent seines Gewichts (etwa 5 Liter bei einer 80 Kilogramm schweren Person) an Flüssigkeit verliert.

Des Weiteren gehören Gliederschmerzen zu den möglichen Nebenwirkungen mancher Medikamente: So können Gliederschmerzen auch durch eine Behandlung mit Heparin oder sogenannten PDE-5-Hemmern entstehen.

Durchblutungsstörungen und Gelenkentzündungen

Auch Durchblutungsstörungen in den Beinen infolge einer Arterienverkalkung führt zu Gliederschmerzen. Diese Krankheit ist im Volksmund auch als Schaufensterkrankheit bekannt – fachsprachlich heißt sie pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Bei dieser Krankheit verengen zunehmend die Gefäße in den Beinen (in seltenen Fällen in den Armen), wodurch die entsprechende Extremität nicht mehr genug Sauerstoff erhält. Die Folge: Der Patient bekommt beim Gehen relativ schnell Schmerzen in den Beinen, sodass er gezwungen wird, für ein paar Minuten stehenzubleiben.

Aber auch Durchblutungsstörungen in Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom) oder eine Polyarthritis kommen für lang anhaltende Gliederschmerzen in mehreren Gelenken als Ursachen infrage. Vor allem bei älteren Menschen können entzündete Gelenke hinter den Schmerzen stecken – zum Beispiel im Rahmen einer Arthrose, Rheuma oder Gicht.

Nervenstörungen- und krankheiten

Wenn lang anhaltende Gliederschmerzen mehrere Gelenke betreffen, kann dies auf eine Polyneuropathie hinweisen: Diese Nervenerkrankung kann zum Beispiel infolge von Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder Vergiftungen entstehen.

Außerdem können Gliederschmerzen der Beine dadurch entstehen, dass bestimmte Nerven erkrankt oder gestört sind. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um

  • den Ischiasnerv,
  • den vorderen Oberschenkelnerv (Nervus femoralis)
  • oder das als Plexus lumbalis bezeichnete Nervengeflecht aus dem Rückenmark der oberen Lendenwirbelsäule.

Die genannten Nerven können auf verschiedene Weise verletzt werden und so zu Gliederschmerzen führen – als Ursachen kommen Operationen, Entzündungen oder Zusammendrückungen durch zu enges Schuhwerk, Gipsverbände oder auch Tumoren infrage.

Schmerzen in den Armen

Lange andauernde Gliederschmerzen der Arme – die sogenannte Brachialgie – treten manchmal als Begleitsymptom

  • bei Nervenschmerzen (Neuralgie),
  • einer Entzündung (Neuritis) des Plexus brachialis
  • oder bei zusammengedrückten Nerven (wie z.B. beim Karpaltunnel-Syndrom)

auf.

Außerdem kann eine solche Brachialgie entstehen, wenn die Schmerzen von der Wirbelsäule oder den Ellenbogen in die Arme ausstrahlen. Darüber hinaus können sich Gliederschmerzen in den Armen nach einer Röntgenbestrahlung der Achselhöhle bei Brustkrebs oder einer radikalen Entfernung der weiblichen Brust (Mastektomie) entwickeln.

Gliederschmerzen: So stellt der Arzt die Diagnose

Bei Gliederschmerzen ist meist keine komplizierte Diagnose erforderlich: Oft reicht es schon aus, den körperlichen Zustand kurz zu prüfen und nach weiteren Symptomen und der Krankengeschichte zu fragen, um eine Infektion als Ursache für die Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen der Arme und Beine festzustellen.

Um den genauen Erreger der Infektionskrankheit zu bestimmen, kann der Arzt allerdings eine Blutuntersuchung veranlasse – so lassen sich Antikörper oder Viren im Blut nachweisen. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, das Hirnwasser (Liquor) und den Urin zu untersuchen.

Kann der Arzt keine Infektionskrankheit als Ursache für die Gliederschmerzen feststellen, sind zur Diagnose weitere Untersuchungen nötig. Dazu zählt beispielsweise eine sogenannte neurologische Untersuchung, die darin besteht, Sensibilität, Muskelkraft und Reflexe zu testen. Um die Diagnose zu unterstützen, können auch

  • die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG),
  • eine Elektromyographie (EMG),
  • eine Computertomographie (CT)
  • oder eine Röntgenaufnahme der betroffenen Extremität

sinnvoll sein.

Gliederschmerzen: Was tun?

Was bei Gliederschmerzen zu tun ist, hängt in erster Linie davon ab, welche Ursachen für die Schmerzen verantwortlich sind.

Steckt eine Erkältung oder eine Grippe hinter den Gliederschmerzen, helfen manchmal schon altbekannte Hausmittel wie kalte Wadenwickel oder Tees. Generell ist es bei einer Infektionskrankheit wie der Grippe wichtig, dass Sie

  • Ihrem Körper viel Ruhe gönnen,
  • viel schlafen und
  • sich schonen!

Sie können auch Medikamente gegen die Beschwerden einnehmen: Hilfreiche Mittel gegen starke Gliederschmerzen sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol.

Sind Ihre Gliederschmerzen Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung, ist die gezielte Therapie dieser Krankheit notwendig. Wenn beispielsweise eine Nervenentzündung für die Gliederschmerzen verantwortlich gemacht werden kann, helfen Medikamente: Geeignet sind entzündungshemmende Mittel (sog. Antiphlogistika) wie Phenylbutazon, oder Plexusblockaden, bei denen der Arzt den betroffenen Nerv örtlich betäubt. Auch hier können Sie kurzfristig Schmerzmittel (Analgetika) einnehmen, um Ihre Muskel- und/oder Gelenkschmerzen in den Extremitäten zu lindern.

Nur in seltenen Fällen ist eine Operation zur Behandlung von Gliederschmerzen nötig – zum Beispiel bei einem hartnäckigen Karpaltunnelsyndrom.

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Gliederschmerzen“:

  • Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes, anderenorts nicht klassifiziert

Quellen:

Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Thiel, H., Roewer, N.: Anästhesiologische Pharmakotherapie. Von den Grundlagen der Pharmakologie zur Medikamentenpraxis. Thieme, Stuttgart 2014

Würtemberger, G., et al.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung, Thieme, Stuttgart 2014

Imhoff, A.B., Baumgarten, R., Linke, R.D.: Checkliste Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2014

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 10.10.2017
Letzte Änderung: 26.08.2019

Nervenschmerzen – Arme und Beine | Ursachen & Behandlung

Nervenschmerzen in Armen und Beinen gehören in den Formenkreis der Neuralgien, wie sie der Mediziner fachbegrifflich bezeichnet. Eine zervikale Neuralgie („Zervix“: Hals) betrifft die Arme, eine lumbale Neuralgie („Lumbus“: Lende) meint entsprechende Beschwerden in den Beinen. Die Benennung erfolgt meist nach dem betroffenen Nerven. Bekannt ist hier die Ischialgie („Hexenschuss“), wenn der Ischias-Nerv im Rahmen eines Wirbelsäulenproblems angegriffen ist. Daneben liegen viele weitere Ursachen den Nervenschmerzen in Armen und Beinen zugrunde. Entsprechend breit ist auch das Spektrum der Therapien und Prophylaxe-Maßnahmen.

Viele Ursachen – heftige Symptome

Nervenschmerzen in den Armen oder Beinen sind wie alle Neuralgien äußerst heftig und quälend. Dazu können noch Empfindungsstörungen, Kribbeln („Eingeschlafene Füße“), Taubheit und Lähmungen auftreten. Der Neurologe beginnt dann mit der oft schwierigen Ursachenforschung. Er orientiert sich dabei an folgender Kausal-Klassifizierung:

  • Mechanisch bedingt: Verletzungen beschädigen die Nerven direkt oder Druck führt zu Beeinträchtigungen der Reizleiter, wie dies beim Bandscheibenvorfall auftritt. Dauernde Fehlhaltungen können ebenfalls ungünstigen Druck auf Nerven ausüben.
  • Metabolisch bedingt: Ein gestörter Stoffwechsel („Metabolischer Stoffwechsel“: Der Nährstoff abbauende Stoffwechsel) schädigt Nerven durch Unterversorgung mit Nährstoffen. Bekannt ist hier der Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“). Im weitesten Sinne zur metabolisch bedingten Neuralgie zählen auch Durchblutungsstörungen. Hier stellt vor allem Sauerstoffmangel ein Problem dar.
  • Infektiös bedingt: Der Befall mit Viren oder Bakterien führt zur Nervenentzündung. Beispiel für eine virale Ansteckung ist die Gürtelrose („Herpes Zoster“). Die Borreliose ist eine durch Zeckenbisse übertragene Infektion mit Bakterien (Hier: Spirochäten).
  • Toxisch bedingt: Die Neuralgie beruht auf einer Vergiftung („Toxisch“: abgeleitet von „Toxon“: Pfeil). Nikotin ist hier ein möglicher Faktor, noch gravierender wirkt sich chronischer Alkoholmissbrauch aus. Daneben sind Schwermetall-Intoxikationen (besonders Blei) für neurologische Schäden bedeutsam.

Nervenschmerzen in den Armen und Beinen sind in der Praxis oft mehreren dieser Ursachen zuzuordnen. Schmerzen veranlassen den Patienten zu Körperfehlhaltungen, die Neuralgien ihrerseits begünstigen. Alkohol vergiftet Nerven nicht nur direkt, sondern führt auch zu Vitaminmangel (B-Gruppe) und löst damit auch ein metabolisches Problem aus.

So vielfältig die Ursachen sind, so zahlreich auch die Therapien

Die oft heftigen Nervenschmerzen der Arme und Beine veranlassen jeden Patienten zum Arztbesuch. Zunächst können Analgetika (Schmerzmittel) die Beschwerden lindern, zeitgleich soll die diagnostische Ursachenklärung eine Therapiewahl ermöglichen. Liegt ein orthopädisches Problem vor, stellt sich die Frage, ob konservativ (Physiotherapie) oder operativ behandelt werden soll. Stoffwechselerkrankungen erfordern meist eine lebenslange Therapie mit Diäten, Medikamenten oder Injektionen (Insulin bei Diabetes). Ist eine akute Infektion nachgewiesen, verordnet der Arzt Antibiotika oder Virostatika. Bei Intoxikationen ist eine entsprechende Entgiftung angezeigt, ferner muss die auslösende Exposition des Patienten künftig vermieden werden. Dies kann bei Alkoholismus auch eine Psychotherapie notwendig machen.

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Die Nerven brauchen Unterstützung

Bei Nervenschmerzen in Armen und Beinen stehen in jedem Fall die Nerven unter extremem Stress, gleich welche Grunderkrankung zugrunde liegt. Besonders bei Intoxikationen erfolgt daher eine länger andauernde unterstützende Therapie mit Vitaminen (B-Gruppe). Daneben kann eine reiche Versorgung mit Mineralien sinnvoll sein.

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