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Bild: FAU/Luisa Gerlitz

FAU-Sozialpsychologin untersucht, wie digitale Medien unser Leben beeinflussen

4. Juli 2017

Smartphones, Tablets und Co. gehören zu unserem Alltag. Wie die Geräte funktionieren, ist meistens klar. Doch wie viel Zeit sollten wir damit verbringen und wie stark dürfen sie unser Leben bestimmen? Wie man richtig mit den neuen technischen Möglichkeiten umgeht, ohne dass das eigene Leben darunter leidet, untersucht Dr. Cynthia Sende vom Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie, von der FAU in einem neuen Projekt, dass durch ein Schöller-Fellowship gefördert wird.

Vor- und Nachteile der digitalisierten Kommunikation

Digitale Techniken beschleunigen den Informationsaustausch. Will man der entfernten Großmutter ein Bild des Enkels zeigen, so ist dies nicht erst tagelang per Post unterwegs, sondern in Sekundenschnelle per Smartphone übermittelt. Wer am Wochenende eine neue Bekanntschaft im Freundeskreis macht, muss nicht mehr abwarten, bis man sich zufällig wieder über den Weg läuft, sondern kann über Facebook Kontakt aufnehmen – Vernetzen leicht gemacht. Findet sich eine junge Frau an einem Tag attraktiv, so postet sie ein Bild auf Instagram und erhält in Form von Likes und Kommentaren schnell positives Feedback – direkter und schneller als es sonst im Alltag der Fall wäre, wo nur selten Komplimente geäußert werden.

Doch dieses Streben nach Lob und Anerkennung setzt die Nutzer auch unter Druck. Was ist, wenn das Like ausbleibt oder ein Kommentar negativ oder gar beleidigend ist? Ebenso kann die ständige Erreichbarkeit schnell zum Fluch werden, wenn der Angestellte selbst in der Freizeit Arbeits-E-Mails beantwortet und nicht mehr abschalten kann. Und wenn sich Paare am Küchentisch nicht mehr unterhalten, sondern nur noch in ihr Handy starren und das mündliche Gespräch durch Chats ersetzt wird, kann dies schnell negative Einflüsse auf die Beziehung haben.

Theoretisches Modell der Mediennutzung

Sende argumentiert, dass sich Pro und Contras der Digitalisierung des Alltags nicht so einfach für alle Menschen über einen Kamm scheren lassen. So ermöglichen soziale Medien zum Beispiel dem Alleinreisenden, seine Urlaubserlebnisse mit anderen zu teilen und sich dadurch nicht mehr so einsam zu fühlen. Demgegenüber steht der Familienvater, der am Abend Bilder auf Facebook lädt und mehr Zeit mit dem PC als der Familie verbringt. Deshalb rückt Sende die menschliche Komponente in den Mittelpunkt. Sie will herausfinden, wann das Nutzungsverhalten neuer Medien positiv und wann negativ ist und welche psychologischen Prozesse das individuelle Verhalten beeinflussen. Um möglichst umfassende Aussagen treffen zu können, will sie die Mediennutzung zudem breit erfassen und nicht nur auf ein Gebiet, wie zum Beispiel Facebook, reduzieren.

In einer Längsschnittstudie werden zunächst Studierende untersucht. Dabei rücken neben den individuellen Merkmalen der Teilnehmer verschiedene Fragen in den Mittelpunkt: Wie nutzen die Personen die neuen Medien? Wie erleben sie Stress und welche Maßstäbe setzen sie an die eigene Leistung an? Die Studie ist auf drei bis vier Semester angelegt und soll dabei die Auswirkung digitaler Medien auf den Studienverlauf untersuchen. So zeigen zum Beispiel andere Studien einen negativen Zusammenhang zwischen der Intensität der Facebook-Nutzung und der Studienleistung. In einem zweiten Schritt wird das Modell dann auf Berufstätige übertragen, um den Einfluss der Mediennutzung auf den Berufserfolg zu messen.

Damit knüpft Sende an ein Pilotprojekt des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialpsychologie an, welches gezeigt hat, dass die einzelnen Problembereiche beim Umgang mit neuen Medien sehr vielschichtig sind. Zudem wurde festgestellt, dass Studierende und Berufstätige unterschiedliche Stressauslöser im Umgang mit der digitalen Technik haben. Durch ein Training, das beide Personengruppen ansprach, wurde versucht, die Vorteile der digitalen Technik optimal zu nutzen und gleichzeitig mögliche negative Wirkungen zu reduzieren.

Weitere Informationen:

Dr. Cynthia Sende
Tel.: 0911/5302-147

Sogar 46% der 4-5 Jährigen spielen mehrmals die Woche Online- und Konsolen Games. Mehr als die Hälfte der Kinder im Alter von 6-11 Jahren nutzen die Spielekonsole mehrmals die Woche. Auch haben Statistiken gezeigt, dass der frühe Umgang mit den Neuen Medien in Abhängigkeit zu den Eltern steht und diese selbst oft versierte Nutzer von Neuen Medien sind. In fast jedem Haushalt, besitzen die Eltern selbst ein Smartphone, einen Laptop/Computer, einen Internetzugang oder eine Spielekonsole. So überrascht es nicht, dass unter den 10-13 Jährigen über 60 % bereits selbst einen Laptop oder Computer besitzen. Viele Eltern erlauben ihren Kindern bereits in den ganz frühen Jahren den regelmäßigen Internetzugang, wenn auch mit Einschränkung.

Der Einfluss der Digitalisierung auf die Entwicklung des Kindes

Die zunehmende Digitalisierung hat die Lebensrealität von Kindern in den letzten 20 Jahren von Grund auf verändert und hat bereits in die Welt der Kleinsten Einzug erhalten. Der Großteil der Kinder und Jugendlichen hat den Umgang mit den Digitalen Medien bereits verinnerlicht. Sogar Kindergärten nutzen sie zunehmend als Erziehungshilfe. Dazu gehören Edutainment Softwares, bei denen sie den Umgang mit der Maus und Bildschirmbuttons erlernen, sowie spezielle „Kiddie Sites “ auf denen sie anhand von Videoclips spielerisch lernen.

Ein Beispiel hierfür ist die Lernplattform Scoyo, die das digitale Lernen in einem werbefreien Raum ermöglicht. Online Spiele, Videos und Lernspiele werden in der Altersklasse von 6-13 am häufigsten genutzt. Zu den beliebtesten Webseiten der 10-12 Jährigen gehören Portale wie Youtube und soziale Netzwerke, wie Facebook. Alarmierend dürfte jedoch für Eltern die Statistik sein, dass mindestens die Hälfte der Kinder und Jugendlichen bis 13 Jahre ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken, wie Facebook, angelegt hat. Die meisten Kinder und Jugendlichen geben dabei nicht nur ihre Hobbies an, sondern auch sensible Daten, wie den richtigen Namen, den Wohnort und das Geburtsdatum.

Mediennutzung der Kinder richtig einschätzen

Digitale Medien spielen in der heutigen Welt und Gesellschaft eine immer größere Rolle. Zwar nutzen viele Kinder und Jugendliche bereits Smartphones, Internetzugang, Online Videos, Spiele und soziale Netzwerke zur Kommunikation, jedoch ist es sehr wichtig, dass die Medienkompetenz von Kindern kontinuierlich gestärkt und gefördert wird.

Das heißt, dass Kinder wissen sollten, was sie im Internet erwartet, welche Gefahren lauern können und wie sie sich richtig zu verhalten haben. Es ist unumstritten, dass Kinder durch Digitale Medien nicht nur zeitgemäß, sondern auch hoch motiviert und effektiv lernen. So ermöglichen es die interaktiven Inhalte und individuell angepassten Lernangebote, den Schulstoff mit alltagsrelevanten Beispielen und Geschichten zu verdeutlichen und somit den Lernstoff besser im Gehirn zu verankern.

Die zumeist vorhandenen Besten-Listen motivieren zudem die Kinder weiter zu machen, um noch besser zu werden. Kinder und Schüler lernen immer schneller den Umgang mit Digitalen Medien und brauchen daher auch die Unterstützung der Eltern, da Kinder verschiedene Grundvoraussetzungen und Interessen haben. Der sogenannte Scoyo Test soll eine Orientierung im Bereich Mediennutzung und Medienerziehung geben. Der Medienkompetenztest basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und machte eine Typisierung der Mediennutzung des eigenen Kindes möglich.

Durch Fragen bezüglich der Häufigkeit der Nutzung Digitaler Medien wie Computer, Tablet, Laptop, Online Games, soziale Netzwerke und Smartphones aus Sicht der Eltern, aber auch aus der Sicht der Kinder selbst, sowie Fragen zur Erkennung bestimmter Gefahren und kindgerechter Online Angebote, kann der Test anhand von Fragen wie: Kann ihr Kind ein Touchscreen benutzen? Kennt es die wesentlichen Funktionen bestimmter Neuer Medien? Wie häufig benutzt ihr Kind diese Medien? Kann es Werbung von anderen Inhalten unterscheiden?, eine relativ gute Beschreibung ihres Kindes bezüglich seiner Kompetenz erstellen.

Im Anschluss an den Medienkompetenztest von Scoyo erfolgen zudem noch hilfreiche Empfehlungen für die Eltern, wie sie die Medienkompetenz ihres Kindes aufbauen bzw. verbessern können. So verweist der Test auch darauf, dass es sehr wichtig sei, dass die Eltern Interesse an den Neuen Medien ihrem Kind gegenüber zeigen, um so einen Überblick zu behalten. Welche Apps nutzt mein Kind und was sind die aktuellen Neuheiten auf dem Markt? Zudem ist es besonders wichtig, dass Eltern ihre Kinder am Anfang in die neue Medienwelt begleiten, mit ihnen gemeinsam Accounts öffnen oder Profile in sozialen Netzwerken erstellen, um die Kinder zeitgleich auf Gefahren hinweisen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt beruht auf den Erfahrungen, die das Kind bereits im Internet gemacht hat. Wichtig ist es, als Eltern nachzufragen um den Überblick nicht zu verlieren und gleichzeitig als Vorbild agieren zu können.

Der direkte Einfluss der Neuen Medien auf die Entwicklung des Kindes

Es ist zwar klar, dass die häufige Nutzung digitaler Medien einen direkten Einfluss auf die kindliche Entwicklung hat, jedoch ist bisher noch der Grad der Beeinflussung dieser neuen Medien, besonders auf die Entwicklung der Intelligenz und der sprachlichen Fähigkeiten, umstritten. Ein Problem, das viele Wissenschaftler sehen, ist die Vermenschlichung des Computers durch die Vorschulkinder.

Diese neigen oft dazu, den Computer als lebendiges Wesen zu betrachten und zu erkennen, dass dieser seelenlos und nicht in der Lage ist, sich selbst zu steuern. Somit sind im Vergleich zu anderen Spielsachen freie Rollenspiele in Interaktion mit dem Computer nicht möglich, dabei sollen freie Spiele den Kindern dabei helfen, sich in fremde Situationen hinein zu versetzen und ihre Soft Skills zu schulen.

Dennoch sehen Wissenschaftler in der Nutzung Digitaler Medien auch klare Vorteile für die Entwicklung des Kindes. Die stark verbreitete Präsenz der neuen Medien soll vor allem die Fähigkeit zur Verarbeitung visueller Informationen steigern. Das kann zum Beispiel besonders gut bei sogenannten 3-D Spielen deutlich gemacht werden, bei dem der Spieler nur einen gewissen Ausschnitt aus seiner Spielumgebung zu sehen bekommt, anhand seiner kognitiven Fähigkeiten jedoch, die einzelnen Bruchstücke zu einem Gesamtbild zusammenfügt. Kinder, die sich in das Spiel und Geschehen auf dem Bildschirm voll und ganz verankern, fördern vor allem ihre Konzentrationsfähigkeit bis aufs Äußerste und erzielen durch längeres und wiederholtes Spielen einen guten Trainingseffekt. Spiele am Computer können also nicht nur die Konzentrationsfähigkeit verbessern, sondern auch die Abstraktionsfähigkeit und das logische Denken. Oft fehlen hingegen Eigenschaften wie eine ausgiebige Fantasie und Kreativität, sowie Feinsinnigkeit und Sensibilität.

Schule und Lernen mit neuen Medien

Hier erfahren Sie, warum Deutschland mit der Digitalisierung der Schulbildung hinterher hängt, welche Vorteile und Risiken das Lernen mit neuen Medien für Kinder bietet und unter welchen Bedingungen mit digitalen Medien erfolgreich gelernt werden kann.

Deutschland hängt dem Fortschritt hinterher

„Das 21. Jahrhundert ist in jedem Lebensbereich geprägt durch die Digitalisierung von Information und Kommunikation. Ausgerechnet der Ort aber, der Ausgangspunkt des Lernens und Entwickelns kognitiver und sozialer Fähigkeiten und Wissens für jeden Menschen ist, die Schule, hat Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ähnlicher Struktur den Anschluss verloren.“ – Mit dieser Feststellung leitet der Medienpsychologe Jo Groebel den Bericht zu seiner Studie Digitale Lernwerkzeuge ein.

In deutschen Schulen wird bisher nur selten mit neuen Medien gearbeitet.

Und tatsächlich, ein Blick in andere Länder zeigt: Deutschland hängt mit dem Einsatz digitaler Medien im Klassenzimmer hinterher. In den USA zum Beispiel ist die Verwendung von iPads und Apps im Schulunterricht keine Ausnahme mehr. Das iPad soll in naher Zukunft sogar das gedruckte Schulbuch ersetzen. In Südkorea ist die Digitalisierung der Schulbildung bereits so weit vorangeschritten, dass dort schon 2015 alle Lehrmittel nur noch in digitaler Form angeboten werden sollen.
Aber warum hängt Deutschland, eine der führenden Industrienationen, so mit der Digitalisierung der Schulbildung hinterher? Stefan Aufenanger, Professor für Medienpädagogik an der Uni Mainz, ist sich sicher, dass die grundlegende Medienskepsis der Deutschen das Problem ist. Das bedeutet, dass neue Medien in Deutschland oftmals nur auf ihre möglichen Risiken reduziert werden und es den Menschen schwer fällt, auch die positiven Seiten und Möglichkeiten digitaler Medien zu sehen. Kein Wunder also, dass in Deutschland gerade bei den sensiblen Themen Kinder und Schulbildung oft nur sehr langsam neue digitale Wege beschritten werden.

Kleinkind

Smartphone, Tablet & Co. – wie viel Zeit dürfen Kinder mit digitalen Medien verbringen?

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Lesen Sie auf den nächsten Seiten mehr über die Vorteile des Lernens mit digitalen Medien sowie über die Risiken beim Lernen mit Tablet und Co.!

Richtlinien für effektives Lernen mit neuen Medien

Die Macher der Online-Nachhilfe-Plattform sofatutor sind sich sicher, dass digitale Medien das Lernen verbessern, solange sie mit der richtigen Strategie genutzt werden.

Richtlinien für effektives Lernen mit digitalen Medien

1. Dauer und Häufigkeit der Nutzung beachten
Je nachdem, wie alt das Schulkind ist, sollte die Nutzung digitaler Medien zum Lernen bedarfsweise ausgerichtet werden. Wöchentlich können z.B. fünf Stunden ok sein, wenn diese gleichmäßig auf die Nachmittage verteilt sind. Nur bei intensiveren Schularbeiten oder Prüfungsvorbereitungen sollten längere Nutzungszeiten von maximal zwei Stunden pro Tag erlaubt sein.
2. Digitale Medien zielgerichtet nutzen
Bevor sich das Kind mit digitalen Lernangeboten beschäftigt, sollte es ein klares Lernziel vor Augen haben. Welche Informationen benötigt es? Welcher Stoff soll gelernt werden? Mit einem klaren Lernziel können Informationen besser gefiltert werden und man „verzettelt“ sich weniger. Wenn Ihr Kind Probleme dabei hat, helfen Sie ihm, sich das Lernziel vorher abzustecken und die benötigten Informationen einzugrenzen. Für Referate kann es bspw. hilfreich sein, sich zunächst eine grobe Gliederung auszudenken, um dann gezielt nach Informationen zu suchen, anstatt sich ziellos durch alle verfügbaren Seiten zum Thema zu „googlen“.
3. Digitale Medien nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung betrachten
Digitale Medien sollten nicht als Zauberformel für schnelles und einfaches Lernen betrachtet werden! Sie eignen sich toll dazu, im Schulunterricht besprochene Inhalte zu vertiefen, zu veranschaulichen und zu wiederholen. Wichtig ist auch, dass digitale Lerninhalte hinterfragt, diskutiert und mit anderen Quellen verbunden und aktiv mitgestaltet werden.
4. Die richtigen Erwartungen stellen
Nur, weil ein Kind verschiedene Lernprogramme besitzt und diese auch ab und zu nutzt, heißt das nicht, dass es automatisch alle Inhalte verinnerlicht. Lernen bleibt Lernen, auch wenn digitale Angebote es etwas angenehmer und abwechslungsreicher gestalten können und z.T. auch unbewusste Lernvorgänge in Gang setzen. Auch mit digitalen Lerninhalten muss zum größten Teil intensiv gearbeitet werden.
5. Ablenkungsquellen minimieren und Multitasking vermeiden
Beim Lernen mit digitalen Medien muss das Motto gelten: Entweder – Oder! Während des Lernens sind soziale Netzwerke, Chats, E-Mails und Spiele tabu. Lernerfolge sind nur dann möglich, wenn sich für den Zeitraum der Beschäftigung mit den Lerninhalten voll auf diese konzentriert wird, ohne jegliche Ablenkungen.
6. Grundschüler: Lernen mit Maß und Anleitung

Vor allem die Jüngsten brauchen Anleitung und Unterstützung.

Gerade in den ersten zwei Schuljahren brauchen Kinder Unterstützung und Anleitung beim Lernen mit digitalen Medien. Auch später sind klare Grenzen und die Überprüfung der Lerninhalte und Anwendungen durch die Eltern bzw. Lehrer wichtig. Dabei können bspw. festgelegte Zeitregelungen, konkrete Aufgabenstellungen sowie eine „Kindersicherung“ für das Internet helfen.

Risiken beim Lernen mit neuen Medien

Die zweite Seite der Medaille sind die Risiken und Nachteile des Lernens mit neuen Medien. Dazu gehört vor allem das Potential zur Ablenkung.

1. Ablenkung

Die Versuchungen, die Online-Spiele-Plattformen oder soziale Netzwerke bieten, könnten vom eigentlichen Ziel – der schulischen Recherche oder Arbeit – ablenken.

2. Reizüberflutung

Klare Lernziele vermeiden die Gefahr von Reizüberflutungen.

Zwar veranschaulichen Bilder und Videos den zu lernenden Stoff, aber ihr Einsatz darf nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Zu viele Multimedia-Angebote könnten den Schüler irritieren oder dem Lernen im Wege stehen. Daher ist es wichtig, dass qualitativ hochwertige Lernangebote genutzt und klare Lernziele verfolgt werden.

3. App-Gap

Als App-Gap wird die Kluft bezeichnet, die sich zwischen Kindern vermögender und Kindern ärmerer Elternhäuser hinsichtlich der Möglichkeit zur Anschaffung/Nutzung digitaler Lernangebote abzeichnet. Leistungsfähige PCs, Tablets oder Smartphones sowie die dazugehörigen Internet-Tarife oder Lernprogramme können sich einfach nicht alle Familien leisten, sodass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen benachteiligt werden könnten. Um jedem Kind die gleichen Chancen zu ermöglichen, müssten Förderprogramme die Finanzierung von Geräten und Programmen übernehmen.

Vorteile beim Lernen mit neuen Medien

Lesen Sie hier, welche Vorteile das Lernen mit neuen Medien bietet.

1. Lernen, den PC und das Internet als Arbeitsmittel zu begreifen

Gemeinsames Lernen mit neuen Medien kann viel Spaß machen.

Allein das zielgerichtete Arbeiten mit dem Computer und dem Internet hilft Kindern dabei, sie von Beginn an als normale und praktische Arbeitsmittel zu begreifen, was ggf. die „Sucht-Gefahr“ beider Medien verringert. Außerdem lernen Kinder so den Umgang mit digitaler Technologie, was im Alltag allgemein, v.a. aber im Berufsleben später Grundvoraussetzung ist. Jo Groebel fordert in seiner Studie daher den Einsatz von Tablets in deutschen Klassenzimmern, da die Schüler damit nicht nur von einem verbesserten Unterricht profitieren sondern auch die entscheidende Schlüsselqualifikation „Digitale Bildung“ erwerben würden.

2. Auswahl und Bewertung von Informationen trainieren

Abgesehen von der technischen Komponente lernen Kinder im zielgerichteten Umgang mit dem Internet auch noch weitere Fähigkeiten, die in der heutigen Welt enorm wichtig sind. Zum Beispiel aus der Hülle und Fülle von zugänglichen Informationen die wichtigsten auszuwählen, zu vergleichen und auch kritisch zu hinterfragen. Auf diese Weise wird während der schulischen Recherche ganz nebenbei noch eine theoretische Medienkompetenz erreicht, die es im Alltag später auch erleichtert, wahre von unwahren und seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden.

3. Aktives, selbstgesteuertes Lernen

Auch die Möglichkeit des freien Erarbeitens von Informationen im weltweiten Datennetz sieht Stefan Aufenanger als ideales Hilfsmittel, um individuelles und konstruktives Lernen zu fördern und es so als aktiver und selbstgesteuerter zu erleben.

4. Multimedialität

Die Multimedialität des Computers und des Internets ist ein weiterer Vorteil, den mediengestütztes Lernen bietet. So können bspw. Bilder und Videos zu den aktuellen Schulthemen angeschaut werden, die das Gelernte veranschaulichen und so noch einmal verinnerlichen. Lernprogramme und Lernspiele helfen ebenfalls, gelernte Informationen zu festigen. Konkret können z.B. Hörproben in Sprachlernprogrammen das Lernen und Üben einer neuen Sprache außerhalb des Unterrichts unterstützen. Außerdem können geeignete Lernmedien Unterrichtsinhalte, die vom Kind noch nicht verstanden wurden, mit anschaulichen Beispielen verständlich aufbereiten.

5. Motivation zum Lernen fördern

Neue Medien können die Motivation zum Lernen steigern.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die Motivation zum Lernen, das durch digitale Medien immens gefördert werden kann. Allein der Spaß an der Arbeit mit dem Computer kann das als mühsam empfundene Lernen zumindest angenehmer gestalten. Lernwebseiten, -programme und -spiele geben zudem meist direktes Feedback zur eigenen Leistung, veranschaulichen die Lernfortschritte und belohnen Lernerfolge, was Kinder zum „Dranbleiben“ motiviert.

6. Lernen mit Spaß

Das spielerische Üben und Ausprobieren kann dabei auch zu unbewussten Lernvorgängen führen, sodass der Stoff ohne trockenes und mühsames Lernen im traditionellen Sinn verinnerlicht wird. Die abwechslungsreiche und kindgerechte Darstellung des Lernstoffs sorgt außerdem dafür, dass sich Kinder gern mit den Inhalten beschäftigen und die kindliche Neugier zum Weiterrecherchieren und Ausprobieren geweckt wird.

7. Zeit- und ortsunabhängiges Lernen

Durch die vielen tragbaren „Computer“, sprich Tablets und Smartphones, wird das Lernen noch zeit- und ortsunabhängiger. In jeder freien Minute (außerhalb der Unterrichtsstunden) können die Schüler Themen und Links folgen, die ihr Interesse geweckt haben oder auf Online-Lernplattformen zugreifen.

Evangelische, staatlich anerkannte Privatschule des Rauhen Hauses.

Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums der Wichern-Schule arbeiten seit dem Schuljahr 2014/15 im Unterricht und zu Hause nicht nur mit Heften und Büchern, sondern auch mit digitalen Medien. Jeweils zu Beginn der 7. Klasse schaffen sie dazu ein iPad als persönliches Arbeitsgerät an.

Schon lange legen wir Wert darauf, dass unsere Schülerinnen und Schüler lernen zusammenzuarbeiten, aktuelle Medien zu nutzen und Inhalte über Fächergrenzen hinaus zu verknüpfen. Digitale Dokumente ermöglichen hierbei eine erhebliche Verbesserung der Arbeit. Durch die persönlichen, ständig verfügbaren iPads können wir in diesem Bereich ein deutlich höheres Niveau erzielen, ohne Abstriche bei den Fachinhalten machen zu müssen. Gleichzeitig gehört der kompetente Umgang mit den digitalen Medien heute unbedingt zur Zukunftsfähigkeit und stellt für die Schülerinnen und Schüler einen Realitätsbezug zum Alltag dar.

Digital arbeiten

Digitale Dokumente bieten die Möglichkeit, Texte und Darstellungen einfach zu überarbeiten. Im Heft erfordert die Überarbeitung eines Textes, ihn einmal komplett abzuschreiben. Es besteht zudem die Möglichkeit, verschiedene Medien in einem Dokument zu verbinden und bspw. Fotos von Versuchsergebnissen einzubinden. Vielfach gelingen den Schülerinnen und Schülern ohne viel Aufwand wesentlich ansprechendere Ergebnisse als mit Stift und Papier.

Vernetzt lernen

Digitale Arbeitsergebnisse lassen sich leicht zwischen den Mitgliedern einer Lerngruppe vervielfältigen und austauschen, entweder direkt oder z. B. über den Schulserver. Dadurch können stets alle Kinder den aktuellen Stand der Arbeit auch mit nach Hause nehmen. Sie lernen in diesem Prozess viel voneinander. Zudem ist sichergestellt, dass im nächsten Unterricht das Material vor Ort ist, auch wenn z. B. ein Schüler krank ist.

Vernetzt arbeiten

Die Arbeit im und mit dem Internet ist für die Schülerinnen und Schüler privat längst eine Selbstverständlichkeit und wird es auch später im Beruf für sie sein. Durch den notwendigen Wechsel in einen unserer Computerräume ist dies im Unterricht bisher nicht in dem Umfang und nicht so spontan möglich gewesen, wie es mit den iPads im Rucksack der Fall ist. Durch die ständige Verfügbarkeit können aktuelle Daten genutzt werden und es können interessante spontane Fragen sofort untersucht werden.

Vernetzt denken

Ein weiterer Vorteil ist die ständige Verfügbarkeit der digitalen Dokumente im Gerät, so dass noch leichter auf Inhalte aus einem anderen Fach Bezug genommen werden kann.

Erfahrungen

In einem vierjährigen Pilotdurchgang mit einer Klasse haben wir an der Wichern-Schule den Einsatz eines persönlichen Computers ab Klasse 7 intensiv erprobt und ausgewertet. Da unsere Erfahrungen überaus positiv waren, möchten wir nun, dass jedes Kind von den Vorteilen eines persönlichen Gerätes profitieren kann.

Die Medienkompetenz konnte in dieser Klasse im Vergleich zu den Parallelklassen deutlich gesteigert werden. Projekt- und produktorientiertes Lernen konnten einen deutlich größeren Raum einnehmen.

Motivation

Der Einsatz des Tablets motiviert die Schülerinnen und Schüler: Sie haben bei der Recherche schnellen und leichten Zugriff auf benötigte Informationen, organisieren ihre Arbeit, tauschen Ergebnisse aus, arbeiten gemeinsam an Dokumenten, erstellen professionelle Präsentationen und nutzen die multimedialen Möglichkeiten des Mediums.

Die Schülerinnen und Schüler empfinden Schule und privates Leben als weniger verschieden, was zu deutlich höherer Motivation für Schule führt.

Ausstattung

Die Wichern-Schule hat die notwendige Infrastrukur eingerichtet: ein professionelles WLAN stellt den Zugang zum Internet bereit, Projektoren in den Klassenräumen mit der Möglichkeit, drahtlos Inhalte präsentieren zu können, sind installiert.

Finanzierung

Die Schule stellt die technische Infrastruktur zur Verfügung. Die Geräte der Schülerinnen und Schüler werden durch die Schule zentral bestellt und von den Eltern angeschafft. Dabei greift die Schule dort unter die Arme, wo dies eine unzumutbare finanzielle Belastung darstellen würde.

Unsere Planungen sehen auch im kommenden Jahrgang 7 einen einmaligen Kaufpreis von etwa 550 € bzw. monatliche Raten von ca. 16 € vor. Die Schule bietet darüber hinaus die Teilnahme an einem Schutzpaket an, mit dem das Gerät für 2 € pro Monat abgesichert wird.

Gerätewahl iPad

In einem aufwändigen Prozess hat sich das Kollegium für das iPad als Gerät für unsere Schülerinnen und Schüler entschieden.

Die aktuellen iPad Air sind sehr leicht und bieten trotzdem eine weit ausreichende Akkulaufzeit. Neben den klassischen Aufgaben, die mit einem Notebook im Unterricht erledigt werden können, bieten sie zusätzlich mit der eingebauten Rückkamera deutlich bessere Möglichkeiten z. B. zur Filmproduktion im Sprachenunterricht oder zur Versuchsdokumentation in den Naturwissenschaften.

Die Touch-Oberfläche löst endlich das Versprechen der „Geometrie zum Anfassen“ ein, für das bisher immer noch eine Maus genutzt werden musste, und erlaubt es zum Beispiel, digitale Skizzen anzufertigen. Mit dieser Geräteklasse gibt es bereits einschlägige und gute Erfahrungen an Schulen. Dabei werden immer wieder die zur Verfügung stehenden Programme und die Stabilität des Betriebssystems hervorgehoben. Zudem ist es in Sekundenschnelle nutzbar.

Durch die einheitliche Ausstattung, die zunächst pädagogisch begründet ist, ergeben sich weitere Vorteile. Die Schülerinnen und Schüler können sich bei Fragen leicht gegenseitig unterstützen, der Dokumentenaustausch zwischen Geräten und die kabellose Präsentation am Beamer sind sehr viel leichter möglich.

Digitalisierung: Alle Vorteile und Nachteile der Entwicklung

  • Die digitale Erzeugung von Medien ist meistens leichter und kostengünstiger als mit analogen Mitteln: Musikproduktion und Komposition am Computer sind oft einfacher und billiger als im analogen Tonstudio, Digitalkameras benötigen keine Filmentwicklung mehr, Blogs, Youtube-Channels und Websites können viel einfacher betrieben werden, als Printmedien und Fernsehsender.
  • Auch die Distribution digitaler Medien, wie E-Books, MP3-Files, Online-Zeitschriften und Digitalfotos, ist in der Regel um ein Vielfaches einfacher und kostengünstiger.
  • So können mehr Inhalte erzeugt werden, denn jeder hat mit wenig Aufwand die Möglichkeiten, Inhalte zu erzeugen und zu verbreiten.
  • Dies ermöglicht Underdogs das Interesse der ganzen Welt auf sich lenken, und ein fleißiger Künstler und Geschäftsmann kann quasi im Alleingang Musik komponieren, produzieren, vermarkten und verkaufen, ohne sich den politischen und wirtschaftlichen Interessen von Labels oder Werbeträgern unterzuordnen.
  • Die Verbreitung von Internet-Inhalten erreicht fast den gesamten Planeten, während Gemälde, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften seltener in ärmliche Regionen und Haushalte vordringen.
  • So können Informationen, Bildung, Kunst und Kultur schnell die gesamte Welt erreichen.
  • Informationen im Internet sind nicht nur ständig abrufbar, sondern können regelmäßig aktualisiert werden, ohne Neuauflage.
  • Da heutige digitale Datenträger extrem kompakt sind und sich verlustfrei vervielfältigen lassen, sorgt die Digitalisierung dafür, dass mehr Informationen generiert, gespeichert und verarbeitet werden als jemals zuvor. Das führt zu einer schnelleren Entwicklung der Forschung und Technologie und somit einem besseren Lebensstandard.
  • Übrigens: Viele analoge Datenträger bringen ihren eigenen Charme mit, während digitale Datenträger als steril gelten. Dieser Charme ist jedoch nicht selten ein Resultat ungenauer Speicherung, wie Sie in unserem Vergleich von Schallplatte und Audio-CD sehen. Digitale Datenträger unterliegen oft geringeren Störeinflüssen als analoge Datenträger.

Unterrichtspraktische Überlegungen Vom Sinn und Unsinn digitaler Medien

Tipps für bestimmte Apps und andere digitale Medien gibt es viele. Wichtiger als die individuelle Anwendung sind aber grundsätzliche Erwägungen, in welchem Kontext solche Medien nützlich sind und wie sie am besten in den Unterricht zu integrieren sind. Ein Wegweiser, basierend auf Erfahrungen bei der IDT 2017.

Das Thema „Lehren und Lernen – digital unterstützt“ erfreute sich bei der Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (IDT) 2017 in Fribourg sehr großer Beliebtheit. Allein die Tatsache, dass es die Sektion mit den meisten Beiträgen war, spricht Bände. Weltweit sind Lernende immer besser mit digitalen, internetfähigen Geräten ausgerüstet und ihr Zugang zu Wissen und damit auch zu Lernprozessen verändert sich durch die Nutzung mobiler Endgeräte. Diese immer kleiner werdenden Hochleistungscomputer begleiten uns überall und zu jeder Zeit, sie bestimmen unseren Alltag mehr und mehr. Deshalb fragen Lehrkräfte sich schon seit vielen Jahren, wie mit diesen Entwicklungen im Unterricht umzugehen ist. Vor- und Nachteile digitaler Medien sind nach wie vor für die Lehrkräfte des Fachs Deutsch als Fremdsprache ein kontroverses Thema. Bei der IDT gab es in Fribourg neue Anregungen und Vorschläge für den Unterricht.

Was versteht man unter digitalen Medien im Unterrichtskontext?

Digitale Medien sind „sehr vielseitig und nicht festgelegt auf eine bestimmte Art technischer Geräte. Es handelt sich vielmehr um eine sich ständig im Wandel befindende Kategorie“ (Müller/Serth 2012: 5). Wenn wir also von digitalen Medien im Fremdsprachenunterricht sprechen, können drei Kategorien unterschieden werden:
Werden digitale Medien eingesetzt, um Unterrichtsinhalte interessanter und mit aktuellen Informationen aufzubereiten? Also beispielsweise ein Medienwechsel vom Tageslichtprojektor zur Präsentation von Internetinhalten am interaktiven Whiteboard? Durch die Nutzung des Internets im Unterricht kann der Zugang zu deutschsprachigen Ländern ganz einfach geschaffen werden. Die Lernenden können sich unabhängig von ihrem Wohnort jederzeit einen tagesaktuellen Einblick verschaffen.
Ob am Whiteboard oder auf Papier: Zeichnen ist zeitlos. | Foto: © Maskot – plainpicture Oder wollen wir durch digitale Medien Übungen schöner und nachhaltiger darstellen, sie so verpacken, dass sie für die Lernenden motivierender sind? Das Üben von neuen Strukturen und Wortschatz ist ein wichtiger Teil des Spracherwerbsprozesses, der Lehrkräfte und Lernende häufig vor die Herausforderung stellt, die Motivation aufrechtzuerhalten. Digitale Medien können helfen, autonomes Lernen durch differenzierte Übungsangebote zu fördern und auch durch digitale kooperative Spiele zu motivieren.
Oder werden digitale Medien eingesetzt, um die Interaktion zwischen den Lernenden zu fördern und um ihnen die Möglichkeit zu geben, kooperativ innerhalb oder außerhalb des Präsenzunterrichts miteinander zu lernen? Damit führen digitale Medien zu einer didaktisch-methodischen Veränderung des Unterrichts. Neue Modelle und Formate müssen erarbeitet werden. Es muss überlegt werden, welche Fertigkeiten sich für eine Online-Phase oder Präsenzphase eignen und wie die beiden Phasen miteinander verzahnt und abgestimmt werden können, damit der Lernprozess verbessert werden kann.

Was sind die Vorteile der Nutzung digitaler Medien im Unterricht?

Bei der IDT wurden die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten intensiv diskutiert und zahlreiche Beispiele aus der ganzen Welt präsentiert, die die heterogenen Voraussetzungen, mit denen Lehrkräfte in ihren Ländern konfrontiert sind, sehr gut verdeutlichten.
Vor dem Unterricht: Lehrkräfte können ihren Unterricht effizienter vorbereiten und auf die Bedürfnisse der Lernenden durch eine Vielfalt an Online-Materialien besser anpassen. Erstellte Materialien verstauben nicht mehr in einem Ordner im Schrank, sie können angepasst, verbessert und immer wieder geteilt werden.
Während des Unterrichts: Die Rolle der Lehrkraft ändert sich zwar durch digitale Medien, sie hat aber immer noch zentrale Bedeutung im Lernprozess. Die Lehrkraft definiert das Lernziel und ermöglicht Lernenden dieses Ziel zu erreichen, indem sie die Lernprozesse so gestaltet, dass sie differenziert und lernerorientiert aufbereitet und unterrichtet werden:

  • Das Lernen im Klassenraum wird geöffnet, indem durch das Internet Zugang zu aktuellen und authentischen Materialien gegeben wird.
  • Durch interessante Anwendungen kann die Kreativität und Motivation gesteigert werden, Lernende haben die Möglichkeit mehr Eigeninitiative zu ergreifen.
  • Produktive Fertigkeiten und die Phonetik können durch beispielsweise Tonaufnahmen, Videos und gemeinsames Bearbeiten von Unterrichtsmaterialien mehr Raum einnehmen.
  • Durch digitale Medien kann die Interaktivität mit Lernenden – auch aus anderen Kursen, Städten oder Ländern – im Unterricht gefördert werden, indem die Lernenden miteinander an Projekten und handlungsorientierten Aufgaben arbeiten, die ihnen auch außerhalb des physischen Klassenraums noch zur Weiterarbeit zur Verfügung stehen.
  • Durch digitale Medien können die Lernfortschritte transparent gemacht werden, schnelles Feedback ist einfacher möglich und Lernende können ihre Progression besser selbst evaluieren.

Außerhalb des physischen Klassenraums: Durch die Vernetzung im Internet ist das gemeinsame Lernen nicht mehr nur an den Klassenraum gebunden. Es eröffnen sich neue Lernformate, wie das Blended Learning und das gemeinsame Lernen in tutorierten Online-Kursen. Der Austausch zwischen den Lernenden und mit der Lehrkraft kann durch digitale Medien zum Beispiel durch den Einsatz einer Lernplattform effizienter und schneller gestaltet werden.

In welchen Szenarien eignet sich der Einsatz digitaler Medien besonders gut?

„Es gibt keine guten oder schlechten Lernmedien, sondern nur passend oder unpassend eingesetzte. Ihre lernspezifischen Qualitäten ergeben sich immer erst bei der Eingliederung in einen didaktischen Kontext“ (Mitschian 2010: 75). Häufig hat man bei der Arbeit mit digitalen Medien immer noch die Einzelarbeit im Kopf, bei der Lernende an einem Computer still vor sich hinarbeiten. Dieses Szenario sollte im Klassenraum nicht vorkommen. Selbstlernen ist wichtig, aber die gemeinsame Lernzeit im Klassenraum muss interaktiv genutzt werden. Hierbei können digitale Medien helfen, handlungsorientierte Szenarien und projektorientiertes Lernen zu fördern (zum Beispiel kollaboratives Schreiben, einen Schulblog führen oder Hörspielszenen erstellen und sie mit einer Partnerklasse austauschen). Bei der IDT wurden Beispiele präsentiert, wie in Blended-Learning-Kursen mehr Zeit für die Fertigkeit Sprechen bleibt, weil Hörverstehen und Leseverstehen auch in der Online-Phase eingeübt werden können, wo sich die Lernenden zeitlich unabhängig und differenziert mit den Materialien auseinandersetzen.

Mensch und Maschine – in der Gemeinsamkeit liegt die Kraft. | Foto: © Maskot – plainpicture

10 nützliche Tipps aus den Beiträgen der IDT

  1. Legen Sie die Lernziele fest und schaffen Sie situative Kontexte. Die Lerninhalte stehen an erster Stelle. Wählen Sie daher nur Instrumente, die einen pädagogischen Mehrwert haben und überlegen Sie, warum Sie digitale Medien einsetzen.
  2. Wählen Sie hauptsächlich Anwendungen, die sich für das kooperative Lernen eignen. Diese müssen schnell verständlich und einfach zu bedienen sein. Verwenden Sie häufiger die gleichen Anwendungen, damit die Zeit für die technische Einführung ganz entfällt.
  3. Legen Sie klare Regeln fest und bauen Sie Routinen in Ihren Unterricht ein. Ohne Kontinuität gibt es selten nachhaltige Veränderungen.
  4. Setzen Sie digitale Medien nicht nur zur Veranschaulichung ein, sondern vor allem als inhaltstragendes Element.
  5. Wählen Sie Anwendungen, die den Austausch in der Zielsprache erhöhen und nachhaltiger gestalten. Mit dem Einsatz digitaler Medien sollen die kommunikativen und produktiven Fertigkeiten aufgebaut werden.
  6. Stellen Sie sich darauf ein, dass es Abweichungen vom ursprünglich geplanten Ablauf geben kann. Haben Sie keine überhöhten Erwartungen an die Anwendungen. Die Umsetzung und der Aufbau der Lerninhalte sind entscheidend.
  7. Sprechen Sie mit Ihren Lernenden über den Sinn und Zweck des Einsatzes Ihrer gewählten Medien. Evaluieren Sie regelmäßig den Lernfortschritt Ihrer Lernenden und führen Sie Befragungen hinsichtlich der Nutzung der digitalen Medien durch.
  8. Wählen Sie Ihre Materialien kritisch aus, versuchen Sie Copy-and-paste zu vermeiden und passen Sie die Materialien immer auf Ihre Lernergruppe an. Überprüfen und achten Sie die Urheberrechte.
  9. Versuchen Sie den Input zu reduzieren und ermöglichen Sie differenziertes Lernen auch außerhalb des Klassenraums.
  10. Verzahnen Sie die Online-Aktivitäten mit analogen Aufgaben im Klassenraum und geben Sie Ihren Lernenden regelmäßig Rückmeldung zu den Online-Aufgaben.

Der alleinige Einsatz von digitalen Medien macht den Unterricht nicht automatisch besser, ein klar definiertes Lernziel und eine lernerzentrierte gründliche Unterrichtsplanung sind mindestens so wichtig wie die Medienkompetenz der Lehrkräfte. Angst davor, dass digitale Medien die Lehrkraft ersetzen, muss man nach den Beiträgen auf der IDT keinesfalls haben, denn den Unterricht besonders zu gestalten, ist und bleibt die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer.
Unser Fazit: Erfolgreich sind, wie auch im analogen Unterricht, didaktisch gut durchdachte und mit einem roten Faden verbundene Unterrichtsphasen, die von der Lehrkraft klar strukturiert und engagiert tutoriert werden.

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