Voraussetzungen für ein pflegekind

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Pflegekinder aufnehmen: Das sind die Voraussetzungen

  • Um sich für die Aufnahme eines Pflegekindes zu bewerben, müssen Sie nicht zwingend in einer heterosexuellen Ehe leben. Auch homosexuelle Paare oder alleinstehende Interessenten können sich bewerben. In manchen Fällen können sogar Wohngemeinschaften ein Pflegekind aufnehmen.
  • Um ein Pflegekind aufnehmen zu können, muss für die emotionale Stabilität des Kindes gesorgt werden. Häufig kommen Pflegekinder in Familien mit anderen Kindern, damit sie schneller Anschluss finden. Dabei sollten Sie beachten, dass das Pflegekind mindestens zwei Jahre jünger sein muss als das jüngste Kind der Familie.
  • Eine weitere Anforderung an Pflegeeltern ist finanzielle Sicherheit. Sie sollten möglicherweise auf das Gehalt eines Elternteiles verzichten können, um voll und ganz für das Pflegekind da sein zu können. Auch Ihre Wohnung oder Ihr Haus sollte groß genug sein. Zusätzlich erhalten Sie für die Deckung der Unterhaltskosten des Pflegekindes Pflegegeld vom Jugendamt.
  • Für die Bewerbung benötigen Sie ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitsattest.
  • Pfegeeltern sollten außerdem eine hohe Belastbarkeit mitbringen. Ein Pflegekind aufzunehmen ist, aufgrund der Vergangenheit des Kindes, oft sehr schwierig. Pflegeeltern arbeiten außerdem eng mit dem Jugendamt zusammen und treffen Entscheidungen fast nie alleine.
  • Aufgrund von Trennungen, Vernachlässigung oder körperlicher Gewalt klammern viele Pflegekinder. Andere wiederum lassen niemanden an sich heran. Auch Entwicklungsstörungen können in manchen Fällen auftreten.
  • Pflegeeltern oder angehende Pflegeeltern sollten sich dieser Punkte bewusst sein, denn das Kindeswohl sollte stets im Vordergrund stehen.

Pflegekind – die elf wichtigsten Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pflege- und Adoptivkindern?
Anders als Adoptiveltern haben Pflegeeltern nicht die rechtliche Elternschaft – und das hat erhebliche Auswirkungen auf den Alltag: Für das Kind, das sie bei sich aufnehmen, bekommen sie nur eine Entscheidungsbefugnis für die „Alltagssorge“, nicht aber das Sorgerecht. Dieses bleibt beim bisherigen Vormund, das sind manchmal die leiblichen Eltern, meist aber das Jugendamt oder ein Vormund. Das bedeutet: Bei sogenannten „Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit“ – etwa das Stechen von Ohrlöchern oder auch Impfungen – brauchen Pflegeeltern deren Einwilligung. Ebenso bei Reisen oder Maßnahmen, die das Äußere des Kindes stark verändern wie etwa eine neue Frisur.

Stimmt es, dass die leiblichen Eltern uns das Kind jederzeit wieder wegnehmen können?
Jein. Pflegekinder bleiben zwar häufig dauerhaft in ihren neuen Familien; knapp 40 Prozent der Kinder aber nicht. Sie kehren nicht unbedingt in ihre Herkunftsfamilien zurück, sondern ziehen – insbesondere im Teenager-Alter – in betreute Wohngruppen. Es kommt auch vor, dass die Pflegeeltern ihrerseits aus Überforderung das Pflegeverhältnis beenden. Oft bleibt aber auch nach der räumlichen Trennung ein gutes Verhältnis bestehen. Das Jugendamt kann in den meisten Fällen schon recht früh abschätzen, ob ein Kind lediglich für eine Verweildauer von einigen Wochen oder Monaten in eine „Bereitschaftspflege“ gegeben wird. Dies geschieht sowohl in einer akuten Krisensituation, recht häufig aber auch wenn etwa die alleinerziehende Mutter für eine Operation ins Krankenhaus muss. Anders sieht es bei einer „Dauerpflege“ aus: In der Regel sind die leiblichen Eltern so überfordert, dass ihr Kind nicht bei ihnen aufwachsen, trotzdem aber nicht den Kontakt verlieren soll, übrigens auch zu Großeltern und anderen Verwandten, manchmal sogar Kindheitsfreunden. Diese Kinder werden sehr oft in ihren Pflegefamilien erwachsen.

Wie werde ich Pflegemutter oder -vater?
Wer ein verwandtes Kind zeitweilig aufnimmt, braucht für diese „Verwandtenpflege“ keine staatliche Erlaubnis; dies gilt bis zum dritten Verwandtschaftsgrad. Wer sich dagegen Tag und Nacht um ein fremdes Kind kümmern möchte, braucht für diese „Vollzeitpflege“ eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt. In der Regel vermittelt das Jugendamt Kinder in geeignete Pflegefamilien.

Wie alt sind die meisten Pflegekinder?
Ein Großteil der Kinder ist zwischen drei und neun Jahre alt. Aber: Auch Säuglinge werden immer wieder in Pflegefamilien untergebracht und zum Teil auch noch Jugendliche. Dabei wird darauf geachtet, was sie oder er am dringendsten braucht. Eine andere Familienerfahrung? Dann ist eine Pflegefamilie die richtige Wahl. Wer dagegen gerade in der pubertären Ablösephase ist, wird oft in einer Jugendwohngruppe untergebracht.

Welche Voraussetzungen gelten für Pflegeeltern?
Auch Pflegeeltern müssen nachweisen, dass sie gesund und drogenfrei sind, ein angemessenes Einkommen haben und ausreichend Zeit, für das Kind zu sorgen. Markante Unterschiede: Bei Pflegeeltern spielen sowohl der Altersabstand zum Kind wie auch der Familienstand eine weit geringere Rolle. Ältere Paare oder Alleinstehende bekommen deutlich leichter ein Pflege- als ein Adoptivkind vermittelt. Dafür achten Sozialarbeiter in den persönlichen Gesprächen auf ihre Erziehungskompetenz und auf ihre psychische Stabilität, denn Pflegeeltern haben es in der Regel mit Kindern zu tun, die eine turbulente Vorgeschichte haben und zum Teil auch gesundheitliche Beeinträchtigungen. Wie Adoptiveltern müssen auch Pflegeeltern glaubhaft machen, dass sie genügend Zeit für das Kind aufbringen können und bereit sind, mit dem Jugendamt zum Wohle des Kindes zusammenzuarbeiten.

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Bild: iStock

Für Sie kommt auch eine Adoption in Frage? Hier erhalten Sie mehr Informationen.

Wie schaffe ich es, den Problemen meines Pflegekindes gerecht zu werden?
Künftige Pflegeeltern werden in Vorbereitungsseminaren in der Regel sehr gut informiert. Aber mit den Problemen zu leben ist trotzdem etwas anderes. Sehr häufig haben Pflegekinder Bindungsprobleme: Sie können distanzlos sein und auch zu fremden Menschen schnell und stark Kontakt aufnehmen. Oder über ein übersteigertes Autonomiebedürfnis verfügen – weil sie früh selbstständig sein mussten. Pflegeeltern sollten damit umgehen können und Geduld haben: Diese früh erworbenen Muster können Kinder nur sehr langsam abbauen.

Wie schaffe ich es, meiner Rolle als Pflegemutter oder -vater gerecht zu werden?
Auch nach dem Einzug eines Pflegekindes bleiben die Sozialarbeiter wichtige Vermittler und Ratgeber. Wie intensiv sie Pflegeltern im Alltag begleiten, hängt sehr von der aktuellen Lage ab: Oft reichen monatliche Supervisionstermine, manchmal sind einfache Entlastungen im Alltag hilfreich – eine Haushaltshilfe etwa oder jemanden, der mit dem Kind Hausaufgaben macht, damit der Schulstress weniger auf dem Familienleben lastet. Sehr viele Eltern finden emotionale und praktische Hilfe unter Gleichgesinnten, z. B. in Pflegeelterngruppen.

Wie sehr würden das Jugendamt und die leiblichen Eltern in unseren Erziehungsalltag hineinreden?
Mindestens einmal im Jahr treffen sich ein Mitarbeiter des Jugendamtes, die leiblichen sowie die Pflegeeltern und schreiben gemeinsam den sogenannten „Hilfeplan“ für das Kind fort. Darin wird zum Beispiel festgehalten: Soll das Kind von nun an mehr oder weniger Kontakt zu Mutter oder Vater haben? Möchte es andere Verwandte häufiger sehen, etwa Geschwister oder Großeltern?

Bekomme ich Geld für die Unterbringung eines Pflegekindes?
Ja. Pflegeeltern bekommen Pflegegeld – der Betrag ist je nach Kommune unterschiedlich. Viele richten sich dabei nach den Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V., der je nach Alter des Kindes zwischen 714 und 875 Euro im Monat empfiehlt. Zusätzlich können beim Jugendamt Beihilfen beantragt werden, etwa für Klassenfahrten, Urlaubsreisen oder auch für die Erstausstattung. Pflegeeltern bekommen auch Kindergeld, das jedoch teilweise mit dem Pflegegeld verrechnet wird: Ist das Pflegekind das älteste Kind im Haushalt wird die Hälfte des Kindergeldes angerechnet, bei jüngeren Kindern ein Viertel.

Kann ich mein Pflegekind später adoptieren?
Das ist während der Pflegezeit selten und auch nicht das eigentliche Ziel. Pflegschaft ist keine verzögerte Adoption, sondern Hilfe bei der Erziehung – in einer fremden Familie. Vor allem müssten die leiblichen Eltern ihr Kind zur Adoption freigeben; in einigen Fällen bemüht sich das Jugendamt bei ihnen um eine Freigabe oder gar darum, diese Freigabe von einem Vormundschaftsgericht zu bekommen. Was aber recht häufig passiert: Erwachsene „Kinder“ werden von ihren Pflegeeltern adoptiert – und wandeln so nach der Volljährigkeit selbst die gelebte Familienrealität in eine rechtliche um.

Ich möchte ein unbegleitetes Flüchtlingskind bei mir aufnehmen. Wie geht das?
Auch die Vermittlung von Flüchtlingskindern koordiniert das Jugendamt. Allerdings: Das sind in den allermeisten Fällen männliche Jugendliche über 16. Bei einigen mag eine Pflegefamilie richtig sein, die meisten fühlen sich aber in Jugendwohngruppen besser – wo sie etwa mit Freunden zusammen bleiben können, mit denen sie gemeinsam geflüchtet sind oder die sie unterwegs kennengelernt haben. Was allerdings häufig gesucht wird, ist ein ehrenamtlicher Vormund: Die Vormundschaft wird über das Jugendamt oder regionale Privatinitiativen vermittelt und muss beim Familiengericht beantragt werden. Nach einem mehrstündigen Vorbereitungsseminar übernimmt ein Vormund den rechtlichen Beistand, etwa bei Asylanträgen, sowie die Sorge für Erziehung und Gesundheit des Minderjährigen.

Fachliche Beratung: Dr. Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V.

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Pflegekind aufnehmen: Voraussetzungen & Aufgaben

75.000 Kinder und Jugendliche waren 2017 in einer Pflegefamilie untergebracht. Zum Vergleich: Im selben Jahr gab es gerade einmal 1.362 Adoptionen, wenn man verwandtschaftliche Adoptionen und solche von Stiefeltern nicht einberechnet. Damit ist die Vollzeitpflege für viele Paare und Alleinstehende eine gute Alternative, wenn sie einem Kind ein Zuhause geben wollen. Der große Unterschied: Das Sorgerecht haben nach wie vor die leiblichen Eltern bzw. das Jugendamt oder ein Vormund.

Überlegst auch du, ein Pflegekind aufzunehmen? Gemeinsam mit dem Fachanwalt für Familienrecht Caspar B. Blumenberg von der Kanzlei Kahlert Padberg Rechtsanwälte Fachanwälte erkläre ich dir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was versteht man unter einem Pflegekind?

Als Pflegetochter oder Pflegesohn bezeichnet man Kinder, die vorübergehend oder dauerhaft bei einer anderen Person oder Familie leben statt bei ihren leiblichen Eltern. Die Alternative zu einem solchen Pflegeverhältnis ist für die meisten Kinder ein Leben im Heim oder in einer betreuten Kinder- und Jugendwohngruppe. Viele Pflegekinder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, wo sie Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch erlebt haben. Für die Aufnahme erhalten die Pflegeeltern eine monatliche Pflegegeldleistung.

Was ist der Unterschied zu einem Adoptivkind?

Wer ein Kind adoptiert, erhält alle Rechte, die leibliche Eltern auch für ihr Kind haben. Sie sind dann rein rechtlich die Eltern des Kindes. Bei Pflegekindern sieht das anders aus. Der Fachanwalt für Familienrecht weiß: „Pflegeeltern haben kein Sorgerecht, sondern nur die Entscheidungsbefugnis für die ‚Alltagssorge‘, also für Regelungen, die häufig vorkommen und für die Entwicklung des Kindes keine nur schwer abzuändernden Auswirkungen haben. Das Sorgerecht haben meistens das Jugendamt oder ein Vormund, manchmal die leiblichen Eltern. Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Alltag.“ Denn Pflegeeltern brauchen zum Beispiel bei Reisen die Zustimmung des Vormunds. Aber auch bei so banalen Dingen wie einer neuen Frisur oder Ohrlöchern, da diese das Äußere des Kindes stark verändern bzw. „die körperliche Unversehrtheit verletzen“. Letzteres gilt auch bei Impfungen oder medizinischen Eingriffen.

Wie wird das Pflegeverhältnis rechtlich geregelt?

Sind Eltern mit der Pflege ihres leiblichen Kindes überfordert, können sie es in einer Pflegestelle abgeben. Das ist zum Beispiel bei schwerer Krankheit der Fall. Diese Kinder kommen dann in eine Bereitschaftspflege, manchmal auch nur tagsüber. „Oft vermittelt jedoch das Jugendamt die Pflege, wenn es bei den Kindern zuhause Missstände gibt“, erklärt Caspar B. Blumenberg. Das örtliche Jugendamt erstellt dann einen Hilfeplan und vermittelt die Kinder an Pflegefamilien oder Einrichtungen zur Vollzeitpflege. Es ist verpflichtet, die Verhältnisse des Kindes regelmäßig zu kontrollieren.

Welche Voraussetzungen sollten Pflegeeltern mitbringen?

Wer ein Pflegekind aufnehmen möchte, sollte besondere persönliche Voraussetzungen mitbringen. Derjenige muss

  • gesund sein.
  • drogenfrei sein.
  • ein angemessenes und sicheres Einkommen haben.
  • eine gewisse Belastbarkeit besitzen.
  • genügend Zeit haben, für das Kind zu sorgen.
  • mit dem Jugendamt, den leiblichen Eltern und Institutionen wie Kindergarten, Schule oder Therapeuten zusammen arbeiten wollen.
  • ausreichend Platz haben.
  • das Einverständnis der weiteren Familienmitglieder haben, auch der leiblichen Kinder.

Anders als bei Adoptiveltern spielt der Familienstand nur eine geringe Rolle. So haben Alleinstehende, ältere oder homosexuelle Paare bessere Chancen, ein Pflegekind aufzunehmen als eins zu adoptieren. „Für die Sozialarbeiter ist es wichtiger, dass die Pflegeeltern eine Erziehungskompetenz und psychische Stabilität sowie Zeit für das Kind haben, da Pflegekinder oft mit großen Problemen im Gepäck einziehen“, erklärt der Rechtsexperte. Daher gehören zum Alltag mit einem Pflegekind auch Besuchstreffen mit den leiblichen Eltern sowie häufig Therapietermine wie Ergotherapie oder Logopädie. Volle Berufstätigkeit und ein Pflegekind sind also schwer zu kombinieren. Ein eigenes Zimmer ist keine Voraussetzung – entscheidend ist vielmehr, dass sich das Pflegekind im neuen Zuhause wohlfühlt.

Wichtig ist auch, dass die eigenen Kinder mit dem neuen Familienmitglied einverstanden sind – ansonsten kann das Zusammenleben nicht funktionieren. Sind diese Voraussetzungen bei dir nicht gegeben, wird dich das Jugendamt wahrscheinlich ablehnen. Mache dir also am besten vorher bewusst, dass du eine große Verantwortung übernimmst. Auch wenn du nicht die gleichen Rechte wie leibliche oder Adoptiveltern hast, solltest du dem Kind ein genauso gutes Leben ermöglichen wollen wie leiblichen Kindern.

Wie wird man Pflegemutter bzw. Pflegevater?

Du erfüllst die Voraussetzungen und bist bereit, ein fremdes Kind mit besonderen Bedürfnissen bei dir aufzunehmen? Dann musst du zunächst einen Termin beim zuständigen Jugendamt deiner Stadt für ein persönliches Gespräch machen. In diesem ersten unverbindlichen Gespräch werden dich die Mitarbeiter über den Verfahrensverlauf informieren und dir erklären, was auf dich zukommt. Danach kannst du dich offiziell bewerben. Im nächsten Schritt folgt ein mehrtägiges Vorbereitungsseminar.

Für die Bewerbung sollten folgende Dokumente vorliegen:

  • Bewerbung als Pflegeeltern
  • Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses
  • Gesundheitsattest aller erwachsenen Pflegepersonen
  • Teilnahme an Schulungen
  • Teilnahme an Eignungsverfahren

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt aus?

Wenn du ein Kind bei dir aufnimmst, werden die Sozialarbeiter vom zuständigen Jugendamt weiterhin wichtige Ansprechpartner für dich bleiben. Je nach Lage bekommst du zum Beispiel monatlich einen Supervisionstermin. Mindestens einmal im Jahr kommen das Jugendamt, die leiblichen sowie die Pflegeeltern zusammen, um den Hilfeplan weiterzuschreiben. Dazu Caspar B. Blumenberg: „Im Hilfeplan wird zum Beispiel festgelegt, wie intensiv der Kontakt zu Eltern und Geschwistern sein soll.”

Benötigst du weitere Hilfe, kannst du zum Beispiel auch eine Haushaltshilfe oder eine Hausaufgabenhilfe beantragen.

Welche finanzielle Unterstützung erhält man fürs Pflegekind?

Pflegeeltern bekommen für ihre Aufgabe finanzielle Hilfe wie monatliches Pflegegeld, Kindergeld und Steuervorteile. Der Pflegegeld-Betrag variiert von Kommune zu Kommune. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. empfiehlt je nach Alter des Kindes zwischen 714 und 875 Euro im Monat– daran orientieren sich die Kommunen.

Das Kindergeld wird teilweise mit dem Pflegegeld verrechnet: Ist das Pflegekind das älteste Kind im Haushalt wird die Hälfte des Kindergeldes angerechnet. Bei jüngeren Kindern ein Viertel.

Steht eine Klassenfahrt oder ein Urlaub an, kannst du zusätzlich beim Jugendamt Beihilfe beantragen. Hier bekommst du auch Geld für die Erstausstattung. „Pflegeeltern können auch den Beitrag für den Kindergarten vom Jugendamt verlangen, da dieser nicht vom Pflegegeld abgedeckt wird“, sagt Caspar B. Blumenberg.

Wie ist die Situation, wenn ich ein Verwandten-Pflegekind aufnehme?

Möchtest du deinen Neffen oder deine Enkelin in Pflege nehmen, da die Eltern mit der Betreuung überfordert sind? Dann brauchst du für diese „Verwandtenpflege“ keine staatliche Erlaubnis. Dies gilt bis zum dritten Verwandtschaftsgrad. Gleichzeitig erhältst du die gleiche Unterstützung wie andere Pflegeeltern.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass einem das Pflegekind wieder abgenommen wird?

Gerade wenn bereits kleine Kinder in eine Familie kommen, werden sie schnell wie eigene Kinder aufgenommen und geliebt. Bei vielen Pflegemüttern und -vätern ist daher die Angst groß, dass einem das Pflegekind wieder abgenommen wird. Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit wirklich? „Kinder, die schon recht früh in eine Dauerpflege kommen, bleiben dort in der Regel auch“, erklärt der Fachanwalt. Die leiblichen Eltern sind in diesen Fällen meist so überfordert mit dem Kind, dass es dort nicht aufwachsen kann. Sie werden dann in ihrer neuen Familie erwachsen.

Allerdings bleiben 40 Prozent der Kinder nicht in ihrer Pflegefamilie. Die wenigsten von ihnen kehren jedoch zu ihren eigentlichen Eltern zurück. Vor allem Teenager landen häufig in betreuten Wohngruppen.

Um allen zukünftigen Pflegeeltern etwas Angst zu nehmen: Meist kann das Jugendamt schon recht früh einschätzen, ob eine Bereitschaftspflege von wenigen Wochen oder Monaten das Beste ist oder eine unbefristete Vollzeitpflege. Ist zum Beispiel die Mutter länger krank oder in Therapie, ist es wahrscheinlich, dass das Kind nach Genesung wieder in seine Herkunftsfamilie zurückkehrt.

Und was ist, wenn ich das Pflegekind adoptieren möchte?

„Eine Adoption ist nicht das Ziel eines Pflegeverhältnisses und damit sehr selten“, weiß Caspar B. Blumenberg. Meist gibt auch die leibliche Mutter das Kind gar nicht zur Adoption frei. Was allerdings häufig vorkommt, ist, dass die Kinder sich adoptieren lassen, wenn sie erwachsen sind. Dadurch erhalten sie die gleichen Rechte wie leibliche Kinder und können sich zum Beispiel für ihre Eltern einsetzen, wenn diese das nicht mehr selbst können.

Was kann ich tun, wenn ich mit der Pflege überfordert bin?

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum Pflegeeltern das Kind nicht weiter betreuen können – vielleicht haben sie die Situation unterschätzt, der Bedarf war zu groß oder andere Familienmitglieder werden zu stark belastet. Wichtig ist dann, im Sinne des Kindes zu entscheiden, was das Beste für sie oder ihn ist. „Ist das Kind schon etwas älter, ist eine betreute Wohngruppe für junge Menschen meist die beste Alternative“, weiß der Familienrechtler. Ansonsten wird das Jugendamt für das betroffene Kind eine andere geeignete Pflegefamilie suchen. Wenn ihr möchtet, kann der Kontakt natürlich trotzdem bestehen bleiben.

Endet die Pflege mit dem 18. Geburtstag?

Nicht zwangsläufig. Gerade Kinder, die in einer Pflegefamilie aufwachsen, bleiben dort natürlich auch noch, wenn sie volljährig sind. Sollte dein Pflegekind in wenigen Monaten 18 werden, solltest du frühzeitig mit dem Jugendamt in den Hilfeplänen entsprechende Festlegungen treffen.

Beendet ihr das Pflegeverhältnis, gibt es formal keine Rechtsbeziehung mehr zwischen dir und deinem ehemaligen Pflegekind, ihr seid dann rein rechtlich „fremde Personen“. „Sie haben damit zum Beispiel keine Vertretungsbefugnisse im Umgang mit Behörden und auch in der Erbfolge wird das ehemalige Pflegekind nicht berücksichtigt“, erklärt Caspar B. Blumenberg. „Natürlich gibt es dann auch keine finanzielle Unterstützung mehr.“

Wollt ihr das Verhältnis jedoch fortführen, erhältst du weiterhin Pflege- und Kindergeld. Allerdings wird das Einkommen des Pflegekindes zu den Kosten der Jugendhilfe herangezogen. Lehrlingsentgelte oder das Geld für ein freiwilliges soziales Jahr gehen zu 75 Prozent an das Jugendamt, Schülerbafög, BAB oder Waisenrente zu 100 Prozent.

Was passiert bei einer Trennung der Pflegeeltern?

Haben du und dein Partner gemeinsam eine Vormundschaft für euer Pflegekind, müsst ihr im Trennungs– bzw. Scheidungsprozess auch klären, wer zukünftig für das Kind verantwortlich ist. Die Gerichte orientieren sich hierbei an den Lösungen für leibliche Trennungs- und Scheidungskinder. Denn gerade für Pflegekinder sind Beziehungen und Kontinuität wichtig.

Wir hoffen, nun alle Fragen zum Thema Pflegekinder beantwortet zu haben. Wichtig ist, dass man diese verantwortungsvolle Aufgabe mit viel Liebe und Geduld annimmt. Wer glaubt, für die Erziehung eines Kindes aus vielleicht schwierigen Verhältnissen geeignet zu sein, sollte einfach mal mit dem Jugendamt sprechen. Diese beraten dich gerne. Wer es nur auf die finanzielle Unterstützung abgesehen hat, sollte sich besser nach einer anderen Einnahmequelle umsehen.

Voraussetzungen und Bewerbungsverfahren für ein Pflegekind

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Pflegekind aufnehmen: wie bewerben?

Pflegekinder werden in Deutschland, wie auch Adoptivkinder, vom Jugendamt oder von anerkannten freien Trägern vermittelt. Die Bewerbung verläuft ähnlich wie bei einer Adoption. Du möchtest mehr zum Thema Adoption erfahren? In folgendem Artikel haben wir Dir die wichtigsten Fragen zum Thema Adoption eines Kindes beantwortet.

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Die Anforderungen an Pflegeeltern sind allerding etwas anders als die Anforderungen an Adoptiveltern, weil es sich um belastete, oft sogar um traumatisierte Kinder handelt, denn …

  • Pflegekinder bringen häufig eine längere Leidensgeschichte mit. Zum Beispiel, weil die Eltern durch Krankheit, finanzielle Not oder Drogenabhängigkeit nicht in der Lage waren, sich gut um ihr Kind zu kümmern. Oder, weil der zweite Elternteil nicht da oder sogar unbekannt ist.
  • Pflegekinder haben häufig Vernachlässigung erlebt, sind geschlagen worden oder haben psychische Gewalt erfahren. Diese Erfahrungen haben sie natürlich geformt und werden das Zusammenleben in einer Pflegefamilie nie ganz einfach machen. Die Entscheidung sollte also wohl überlegt sein, denn die Pflegeelternschaft ist eine Aufgabe, die viel Geduld, Mut und eine ordentliche Portion Idealismus erfordert.

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Anforderungen, wenn Du ein Pflegekind aufnehmen willst

Es ist nicht vorgeschrieben, dass Du als potenzielle Pflegemutter in einer traditionellen Familienform lebst, dass Du mit Deinem Partner verheiratet bist oder sehr viel verdienst. Um ein Pflegekind können sich sowohl heterosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare, als auch alleinstehende Interessenten bewerben. Sogar Wohngemeinschaften können ein Pflegekind aufnehmen, jedoch muss immer die notwendige emotionale und finanzielle Stabilität für das Pflegekind gesichert sein. Häufig kommen Pflegekinder in Familien mit mehreren Kindern, damit sie gleich Anschluss finden. Wenn dies der Fall sein sollte, gilt: Das Pflegekind muss mindestens zwei Jahre jünger sein als das jüngste Kind in der Familie.

Es gibt einige Anforderungen, die Du unbedingt beachten solltest:

  • Finanziell abgesichert: Als Pflegeperson solltest Du in gesicherten finanziellen Verhältnissen leben und eventuell auch auf das Einkommen Deines Partner verzichten können, damit Euer Pflegekind gut betreut werden kann. Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt zwar mit dem Pflegegeld eine finanzielle Unterstützung, sie ist aber vor allem für die Unterhaltskosten des Kindes gedacht. Auch sollte die Wohnung groß genug sein, damit das Pflegekind seinen Platz finden kann. Pflegeeltern brauchen für die Bewerbung außerdem ein Gesundheitsattest und ein polizeiliches Führungszeugnis.
  • Hohe Belastbarkeit: Ein Kind zu erziehen ist nie ein Spaziergang – egal, ob es ein leibliches, adoptiertes oder in Pflege aufgenommenes Kind ist. Doch im Gegensatz zu leiblichen Eltern können Pflegeeltern ihre Entscheidungen nicht immer alleine treffen. Sie werden mit dem Jugendamt zusammenarbeiten und eventuell auch direkt mit den Eltern des Kindes. Eine besonders große Herausforderung ist aber das Pflegekind so anzunehmen, wie es ist. Und das bedeutet, mit seiner Vergangenheit und den daraus entstandenen Problemen umgehen zu können. Aufgrund von Trennung, Vernachlässigung und erfahrener körperlicher oder psychischer Gewalt haben viele Pflegekinder Verhaltensweisen entwickelt, auf die Pflegeeltern intensiv eingehen müssen: So klammern Pflegekinder häufig sehr stark. Andere lassen niemanden an sich heran. Und viele Pflegekinder haben Entwicklungsstörungen, werden zum Beispiel erst spät sauber.

Bewerbungsverfahren, wenn Du ein Pflegekind aufnehmen willst

Wenn Ihr Interesse an einem Pflegekind habt, solltet Ihr erstmal eine Informationsveranstaltung des örtlichen Jugendamtes besuchen. Auch ist es sinnvoll, vorher den Kontakt mit anderen Pflegefamilien zu suchen. Das zuständige Jugendamt hilft Euch sicher gerne dabei.

Ist der Entschluss gefasst, ein Pflegekind aufnehmen zu wollen, folgt die Bewerbung. In der Regel dauert das Bewerbungsverfahren mehrere Monate. Damit die Vermittlungsstelle sich ein Bild von Euch machen kann, müsst Ihr nun Fragebögen ausfüllen, Gespräche mit einer Fachkraft führen und an Vorbereitungsseminaren teilnehmen. Wahrscheinlich werdet Ihr mindestens einmal von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter des Jugendamtes zu Hause besucht. Die Vermittlungsstelle erwartet Offenheit zu persönlichen Themen wie Familienleben, Kindheit, Weltanschauung, Lebensplanung und Erziehungszielen.

Dabei wird besonderer Wert auf die Begründung für den Wunsch nach einem Pflegekind gelegt. Sind das rein persönliche Gründe, zum Beispiel eine erhoffte engere Bindung der Ehepartner aneinander, finanzielle Vorteile oder der Wunsch nach einem Spielkameraden für das eigene Kind, dann wird das Jugendamt den Partnern wahrscheinlich kein Kind zuweisen. Denn damit das Pflegeverhältnis ein Erfolg wird, muss das oberste Ziel der Pflegeeltern, wie der Vermittlungsstelle, stets das Wohl des Kindes sein.

Werdet Ihr als Bewerber für eine Pflegeelternschaft akzeptiert, dann wird sich das Jugendamt früher oder später bei Euch melden. Ihr erhaltet dann ausführliche Informationen über das mögliche Pflegekind, über seine Vorgeschichte und seine leibliche Familie. In der Regel habt Ihr dann Ruhe und Zeit, sich für diese neue und wichtige Aufgabe zu entscheiden.

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Wie belastbar sind die Bewerber?

Ein wichtiges Thema der Vorbereitungsphase ist die Frage nach den eigenen Stärken, Ressourcen und Grenzen. Oft scheitern Pflegeeltern, weil sie sich ihre Grenzen im Vorhinein nicht klar gemacht haben. Durch eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten kann ein passendes Pflegekind besser gefunden und ein Scheitern verhindert werden. Wichtig ist auch eine intensive Vorbereitung auf mögliche Probleme mit dem Pflegekind. So können die Pflegeeltern Schwierigkeiten frühzeitig erkennen, ihnen realistisch und geduldig begegnen und eine entsprechende Lösung finden.

Nach einer umfassenden und intensiven Vorbereitung steht einer schwierigen aber auch sehr schönen und interessanten Zeit mit dem Pflegekind nichts mehr im Wege.

Nützliche Adressen

  • PFAD – Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien: www.pfad-bv.de
  • BAG KiAP – Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien: www.kiap.de
  • Pflegeelternforum – Portal von Pflegeeltern für Pflegeeltern: www.pflegeelternforum.de

Aufnahme eines Pflegekindes

Aktuelle Informationen zur Krisenpflege bzw. Langzeitpflege, finanzielle Unterstützung für Pflegeeltern, Voraussetzung für die Pflegebewilligung

  • Allgemeine Informationen
  • Finanzielle Unterstützung
  • Voraussetzungen
  • Zuständige Stelle
  • Weiterführende Links
  • Rechtsgrundlagen

Allgemeine Informationen

Neben der Adoption gibt es auch die Möglichkeit, ein Kind für bestimmte oder unbestimmte Zeit in Pflege zu nehmen. Meist handelt es sich dabei um Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die nicht in ihrer eigenen Familie betreut werden können. Es wird unterschieden zwischen Krisenpflege für einen kurzen Zeitraum (z.B. bei familiären Problemen oder sozialen Notfällen) und Langzeitpflege, bei der ein Kind für einen längeren Zeitraum (in manchen Fällen bis zur Volljährigkeit) in Pflege genommen wird.

Im Unterschied zur Adoption behalten die leiblichen Eltern ihre Rechte weitgehend und treten nur die Pflege und Erziehung des Kindes an das Jugendamt ab, das dann die Pflegeeltern damit beauftragt. Die Pflegeeltern haben im Pflegschaftsverfahren das Recht, Anträge zu stellen und müssen bei wichtigen Angelegenheiten, die das Pflegekind betreffen (bei Vereinbarungen zu Besuchskontakten, bei Anträgen der leiblichen Eltern auf Rückgabe des Kindes etc.) angehört werden.

Achtung

Ziel der Fremdunterbringung ist letztlich die Rückführung des Kindes in seine Herkunftsfamilie, sobald sich dort die Erziehungssituation verbessert. Als Pflegemutter/Pflegevater sollten Sie deshalb darauf vorbereitet sein, sich von dem Kind auch wieder trennen zu müssen.

Wenn es im Interesse des Kindes liegt, ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist oder eine Rückführung in die Herkunftsfamilie nicht mehr möglich ist, können Pflegeeltern auch das volle Sorgerecht beantragen bzw. eine Adoption anstreben.

Tipp

Wenn Sie bereits Pflegeeltern sind oder es werden wollen, können Sie sich für Erfahrungsaustausch, Hilfestellung etc. auch an Pflegeelternrunden, die z.B. von Eltern-Kind-Zentren oder Gemeinden in ganz Österreich angeboten werden, wenden.

Finanzielle Unterstützung

Bei Erfüllung der jeweiligen Voraussetzungen haben Pflegeeltern Anspruch auf:

  • Familienbeihilfe
  • Kinderbetreuungsgeld
  • Pflegefreistellung
  • Pflege(eltern)geld zur Abdeckung der Unterhaltsleistungen

Das Pflege(eltern)geld ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Für genaue Informationen wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Kinder- und Jugendhilfe (früher: Jugendwohlfahrtsträger). Pflegekinder können bei einem Pflegeelternteil in der Krankenversicherung mitversichert werden.

Voraussetzungen

Wer ein Pflegekind unter 14 Jahren aufnehmen will, braucht dazu eine Pflegebewilligung von der örtlichen Kinder- und Jugendhilfe (früher: Jugendwohlfahrtsträger). Wie bei der Adoption werden Bewerberinnen/Bewerber auf ihre Eignung hin überprüft (Erziehungsfähigkeit, Belastbarkeit, Gesundheitszustand, Wohn- und Einkommensverhältnisse etc.). Die Pflegebewilligung wird immer nur für ein bestimmtes Kind erteilt.

Ein offizielles Mindestalter ist für Pflegeeltern nicht vorgeschrieben, allerdings werden eine gewisse Lebenserfahrung und Erfahrung im Umgang mit Kindern vorausgesetzt. Der Altersunterschied zwischen Pflegekind und Pflegeeltern sollte im Idealfall 40 Jahre nicht übersteigen.

Auch allein stehende Personen können bei sonstiger Eignung Pflegekinder bei sich aufnehmen.

In einigen Bundesländern gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sich als Pflegemutter oder Pflegevater anstellen zu lassen. Damit verbunden sind Fortbildung, Beratung, soziale Absicherung (Pensions-, Kranken-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung) sowie ein Gehalt knapp über der Geringfügigkeitsgrenze.

Vorbereitungskurse für Pflegeeltern werden z.B. in Wien vom Referat für Adoptiv- und Pflegeeltern angeboten.

Zuständige Stelle

Die Kinder- und Jugendhilfe (früher: Jugendwohlfahrtsträger)

  • bei der jeweiligen oder Bezirkshauptmannschaft
  • beim Magistrat
    • in Wien: die MA 11 − Amt für Jugend und Familie

Weiterführende Links

  • Informationen zu Pflegeeltern (Land Burgenland)
  • Informationen zu Pflegeeltern und Pflegekinder (Land Kärnten)
  • Informationen zum Pflegestellenwesen (Land Niederösterreich)
  • Pflegeeltern-Broschüre (Land Oberösterreich)
  • Pflegeeltern-Broschüre (Land Salzburg)
  • Informationen zur Adoption und Pflege (Land Steiermark)
  • Pflegeelternbroschüre (Land Tirol)
  • Informationen zu Pflegekind und Pflegeeltern (Land Vorarlberg)
  • Referat für Adoptiv- und Pflegeeltern (Stadt Wien)

Rechtsgrundlagen

Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz

Inhaltlicher Stand: 01.01.2020

Abgenommen durch: oesterreich.gv.at-Redaktion

Sie möchten Pflegeeltern werden? Darauf kommt es an

Klappt es nicht mit einer Adoption, dann kann ein Pflegekind den Kinderwunsch erfüllen. Worauf das Jugendamt bei einer Bewerbung besonders achtet.

Sind Eltern mit der Verantwortung für ihr Kind überfordert und ist dadurch das Kindeswohl gefährdet, kann das Kind vorübergehend zu Pflegeeltern kommen. Die Pflegeeltern übernehmen dann Erziehung, Versorgung und Beaufsichtigung des Pflegekindes. Ziel der Pflege ist es, dass das Kind wieder bei seinen leiblichen Eltern leben kann.

Warum ein Pflegekind aufnehmen?

Ein Grund dafür, dass Menschen ein Pflegekind aufnehmen möchten, kann ein unerfüllter Kinderwunsch sein, bei dem eine Adoption wegen der strengen Auflagen nicht infrage kommt. Auch soziales Engagement kann ein Grund sein.

Foto-Serie mit 7 Bildern

Voraussetzungen für künftige Pflegeeltern

Alleinstehende, verheiratete, unverheiratete und auch gleichgeschlechtliche Paare können Pflegeeltern werden. Auch Paare, die schon leibliche Kinder haben, können Pflegekinder aufnehmen.

Allerdings sollten Sie nur darüber nachdenken, ein Pflegekind aufzunehmen, wenn Sie einen angemessenen Wohnraum für das Kind zur Verfügung stellen können und finanziell abgesichert sind.

Außerdem sollte der Altersunterschied zwischen dem Pflegekind und seinen Pflegeeltern in etwa dem einer üblichen Eltern-Kind-Beziehung entsprechen. Der Altersabstand sollte nicht mehr als 35 bis 40 Jahre betragen.

Pflegekind und Adoptivkind: Im Gegensatz zu Adoptivkindern sind die leiblichen Eltern von Pflegekindern weiterhin sorgeberechtigt und unterhaltsverpflichtet. In der Regel üben Pflegeeltern das Sorgerecht stellvertretend für die leiblichen Eltern aus.

In der Regel vermittelt das Jugendamt Pflegekinder an Pflegefamilien. Um die Voraussetzungen für eine Pflege zu erfüllen, müssen Sie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Das kommt auf Pflegeeltern zu

Wer ein Pflegekind in die Familie aufnimmt, muss sich im Klaren sein, dass damit auch Verantwortung einhergeht. Denn Pflegekinder kommen mit einer eigenen Geschichte in die neue Familie.

Sie haben Verlust erfahren und möglicherweise auch existenzielle Krisen durchlebt. Pflegeeltern müssen daher Einfühlungsvermögen, Geduld und Konfliktfähigkeit mitbringen.

Sie müssen auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und seine Bildung fördern. Ebenso sind der Kontakt zu den leiblichen Eltern des Kindes sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wichtig.

Vorbereitung für Pflegeeltern

Pflegekinder können eine Familie bereichern, aber auch vor Herausforderungen stellen. Deshalb müssen Pflegeeltern, die erstmals ein Kind aufnehmen, eine Pflegeelternschulung absolvieren.

Dabei wird pädagogisches Fachwissen vermittelt, das notwendig ist, um ein Pflegekind zu betreuen. Bei den Schulungen können Pflegeeltern auch untereinander Erfahrungen austauschen.

Finanzielle Unterstützung für Pflegeeltern

Für den Unterhalt von Pflegekindern kommt das Jugendamt auf. Pflegeeltern bekommen ein Pflegegeld, das

  • Kosten für Pflege und Erziehung und
  • Kosten für den Sachaufwand

abdeckt. Das Pflegegeld kann sich in den einzelnen Bundesländern unterscheiden und wird in der Regel jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst. Die Höhe der Zahlungen können Sie bei dem zuständigen Jugendamt erfragen.

  • Kinderwunsch erfüllen: Voraussetzungen für eine Adoption in Deutschland
  • Vom Kinderwunsch zum Wunschkind: Was, wenn es mit dem Nachwuchs nicht auf Anhieb klappt?
  • Verletzungen, Vergiftungen, Stürze: Eltern machen Schreckliches durch

Info: Bei einer dauerhaften Pflege besteht auch ein Anrecht auf Kindergeld, das anteilig auf das Pflegegeld angerechnet wird.

Voraussetzungen,
um Pflegeeltern zu werden

Pflegeeltern zu sein ist eine schöne, lebendige und vielseitige Aufgabe. Wenn Sie überlegen, ein Pflegekind aufzunehmen, dann wollen Sie sicherlich eine Familie gründen oder Ihre Familie vergrößern.

Ein Pflegekind wird Ihren Familienalltag bereichern und lebendig machen.

Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen möchten, müssen Sie nicht verheiratet sein. Auch Alleinstehende und unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare können ein Pflegekind aufnehmen.

Wenn das Kind dauerhaft bei den Pflegeeltern untergebracht ist, sollten Eltern und Kind einen Familien-entsprechenden Altersabstand haben. Deshalb sollten Sie bei der Volljährigkeit Ihres Pflegekindes nicht älter als 63 Jahre alt sein. Aber auch mit 45 Jahren kann man noch Säuglinge und Kleinkinder bei sich aufnehmen.

Da Kinder zum Spielen und Lernen Platz brauchen, benötigen Sie genügend Wohnraum. Das bedeutet aber nicht, dass von Anfang an für jedes Kind ein eigenes Zimmer vorhanden sein muss. Während das für ältere Kinder meistens sehr wichtig ist, können sich jüngere Kinder auch ein Zimmer teilen.

Die sollten in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit Ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die Sie für das Pflegekind erhalten – für das Pflegekind erhalten Sie monatlich unabhängig von Ihrem Einkommen ein Pflegegeld, das den Lebensunterhalt des Kindes abdeckt.

Sie müssen körperlich und seelisch belastbar sein, Krankheiten dürfen Sie im Alltag nicht wesentlich einschränken.

Pflegekinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit – wenn es sich vereinbaren lässt, kann der vorwiegend betreuende Elternteil auch berufstätig sein.

Auf die Aufgabe als Pflegeeltern werden sie durch die Pflegeelternschulung vorbereitet. Auch nach der Aufnahme des Pflegekindes können Sie jederzeit fachliche Hilfen in Anspruch nehmen.

Die Zeitspanne vom ersten Infoabend bis zur Aufnahme eines Pflegekindes beträgt ca. 9 Monate. Zum Vergleich: Auf ein Adoptionskind wartet man zwischen zwei und sieben Jahren.

Wichtig ist, dass Sie Freude am Zusammenleben mit Kindern haben und sich auf ein fremdes Kind mit seiner ganz speziellen Lebensgeschichte einlassen wollen. Dazu gehört auch, es entsprechend seinem Bedarf zu unterstützen und zu fördern.

Sie müssen bereit sein, die Beziehung zwischen Ihrem Pflegekind und seinen Eltern aufrechtzuerhalten, wenn dies für die Entwicklung Ihres Pflegekindes förderlich ist.

Kooperationsbereitschaft ist eine wichtige Eigenschaft von Pflegeeltern. Sie übernehmen als Pflegeeltern eine Aufgabe der Jugendhilfe und werden dadurch mehrere Kooperationspartner haben, mit denen Sie zusammenarbeiten: Mitarbeiter/-innen von Jugendämtern, freien Jugendhilfeträgern und anderen Institutionen.

Voraussetzungen zur Aufnahme eines Pflegekindes

Pflegeeltern-Bewerber/innen

  • Verheiratete Paare, unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare und Alleinlebende mit oder ohne Kinder können sich für die Aufnahme eines Kindes bewerben. Zwischen Pflegeeltern und Pflegekind soll ein altersgerechtes Eltern-Kind-Verhältnis bestehen.

Berufstätigkeit

  • Ein Kind, das in eine neue Familie kommt, benötigt für einen längeren Zeitraum eine feste Bezugsperson. Zu Beginn des Pflegeverhältnisses wäre es wünschenswert, wenn ein Elternteil nicht berufstätig ist oder die Berufstätigkeit einschränkt, sodass immer ein Elternteil beim Pflegekind sein kann. Wenn eine Integration des Kindes in die Pflegefamilie erfolgt ist und das Kind den Kindergarten oder die Schule besucht, kann wieder einer Berufstätigkeit nachgegangen werden. Der höhere zeitliche Bedarf, der durch die Aufnahme eines weiteren Familienmitgliedes entsteht, sollte jedoch weiterhin berücksichtigt werden.

Gesundheit

  • Der gesundheitliche Zustand der Pflegeeltern darf die Erziehungsaufgabe nicht beeinträchtigen. Ein Gesundheitszeugnis wird zu Beginn des Bewerberverfahrens beim Gesundheitsamt in Auftrag gegeben.

Wohnungssituation

  • Bewerber und Bewerberinnen sollten in Koblenz (und Umgebung) wohnen.
  • Eine weitere Vorbedingung ist es, dass die Pflegeeltern über ausreichende Wohnräume verfügen und diese kindgerecht ausgestattet sind bzw. werden. Ein eigenes Zimmer ist, abhängig vom Lebensalter, in der Regel erforderlich.

Formale Voraussetzungen

Für die Bewerbung werden benötigt:

  • ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis.
  • ein ärztliches Gesundheitszeugnis, aus dem hervorgeht, das keine medizinischen Einschränkungen vorliegen.

Bewerber und Bewerberinnen müssen Angaben über die persönliche und wirtschaftliche Situation machen und dem Stadtjugendamt vorlegen
(Vordrucke „ Gedanken zur Aufnahme eines Kindes“ und „Wirtschaftliche Verhältnisse“)

Wirtschaftliche Verhältnisse

  • Pflegeeltern sollten in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die sie für das Pflegekind erhalten.

Kinder der Pflegeeltern

  • Die Kinder der Pflegeeltern müssen mit der Aufnahme eines Pflegekindes einverstanden sein. Sie sollen über die möglichen Auswirkungen und Veränderungen in der Familie aufmerksam gemacht und in den Aufnahmeprozess eingebunden werden. Das Pflegekind soll das jüngste Kind in der Geschwisterreihe sein, sodass keine Konkurrenzsituationen unter den Kindern entstehen.

Persönliche Voraussetzungen

  • Um das Kind in die Pflegefamilie erfolgreich einbinden und integrieren können, sollen die Pflegeeltern Erfahrungen in dem Umgang mit Kindern mitbringen sowie viel Zeit, Geduld und Belastbarkeit. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Kooperation und Akzeptanz zwischen Pflegeeltern und der Herkunftsfamilie.

Für die Bewerbung werden zudem erweiterte Führungszeugnisse und Lebensläufe benötigt sowie ausgefüllte Bewerberbogen für Pflegeeltern („wirtschaftliche Verhältnisse“ und „Gedanken zur Aufnahme eines Pflegekindes“) sollen vorliegen.

Pflegekinder Voraussetzungen

Um Pflegemutter oder -vater werden zu können, ist es nicht von Bedeutung welche Lebensform Sie für sich gewählt haben. Sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare aber auch Einzelpersonen mit und ohne eigene Kinder können ein Pflegekind aufnehmen, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

Formale Voraussetzungen
Bei einer auf Dauer angelegten Vollzeitpflege und einer Erziehungsstelle sollte ein natürliches Verhältnis zwischen dem Alter des aufzunehmenden Kindes und dem Alter der Pflegepersonen bestehen. Bei der Familiären Bereitschaftsbetreuung kann der Altersunterschied auch größer sein.

  • Pflegeeltern müssen in gesicherten finanziellen Verhältnissen leben.
  • Die Wohnung muss ausreichend groß sein. Jedem Familienmitglied müssen genügend Bewegungs- und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
  • Das Pflegekind benötigt kontinuierliche Bezugspersonen. Pflegeeltern müssen Zeit haben. Eine Pflegeperson sollte nicht oder (bei Kindergarten –und Schulkindern) nur in Teilzeit berufstätig sein.
  • Pflegeeltern müssen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis sowie ein Gesundheitszeugnis vorweisen.

Persönliche Voraussetzungen
Mit Kindern zusammen zu leben und sie beim Erwachsen werden zu begleiten ist immer ein Abenteuer. Wer sich mit Pflegekindern auf dieses Abenteuer einlässt, stellt sich einer besonderen Herausforderung. Neben der Freude am Zusammenleben mit Kindern und der Fähigkeit sich ihnen liebevoll zuzuwenden, sollten Pflegeeltern deshalb noch weitere Voraussetzungen mitbringen, um den Turbulenzen des Alltags gewachsen zu sein:

  • Einfühlungsvermögen
    Manche Pflegekinder bringen infolge ihrer Lebensgeschichte ungewöhnliche Verhaltensweisen mit, die nicht immer leicht zu erklären und nachzuvollziehen sind. Pflegeeltern benötigen viel Feinfühligkeit und müssen versuchen, „mit den Augen ihres Pflegekindes“ zu sehen, um es zu verstehen.
  • die Fähigkeit auf das Kind entsprechend seinem Entwicklungsstand und seiner Eigenart einzugehen
    Pflegeeltern müssen besonders darauf achten, ihrem Pflegekind nicht mit zu hohen Erwartungen zu begegnen. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder sind sehr unterschiedlich und nicht unbedingt vorhersehbar. Manchmal können auch Zuwendung, Fürsorge und optimale Förderung Defizite nicht vollständig ausgleichen. Aber auch kleine Entwicklungsschritte sind immer große Erfolge!
  • Geduld und Durchhaltevermögen
    Pflegekinder benötigen manchmal viel Zeit um wieder Vertrauen zu fassen, Nähe zuzulassen und neue Bindungen einzugehen. „Ein langer Atem“, Optimismus und Zuversicht sind hilfreich, um auch schwierige Zeiten zu überstehen.
  • Belastbarkeit und Konfliktfähigkeit
    Ein Pflegekind bereichert das Leben der Pflegefamilie, aber es stellt an sie auch neue Anforderungen. Es kann immer wieder Zeiten geben, die besonders anstrengend sind und in denen Pflegeeltern viel Energie, Gelassenheit und Humor benötigen. Eine stabile und harmonische Partnerschaft und unbelastete Beziehungen zu den eigenen Kindern sind für die Aufnahme eines Pflegekindes unerlässlich.
  • Flexibilität
    Wer ein Pflegekind aufnimmt, lässt sich auf Unwägbarkeiten ein. Pflegeeltern müssen mit unvorhergesehen Situationen und Entwicklungen umgehen können. Manches kommt überraschend und ungeplant. Wie wird das Kind sich in der neuen Familie einleben? Wird das Kind auffällige Verhaltensweisen zeigen? Wie wird sich der Kontakt zur Herkunftsfamilie entwickeln und wie kommt das Kind mit seinen zwei Familien klar? Dies sind nur einige von vielen Fragen, die sich nicht im Vorhinein beantworten lassen. Pflegeeltern begeben sich mit ihrem Pflegekind auf einen Weg, der möglicherweise noch die oder andere „Umleitung“ bereithält.
  • Akzeptanz und Respekt gegenüber der Herkunftsfamilie
    Pflegekinder leben in ihrer Pflegefamilie und behalten ihre Herkunftsfamilie. Manche Pflegekinder haben regelmäßigen Kontakt zu ihren Herkunftseltern. Eine wichtige Aufgabe von Pflegeeltern ist es, das Kind bei diesem Umgang zu begleiten und zu unterstützen. Das Kind darf nicht in einen Loyalitätskonflikt zwischen seinen beiden Familien geraten. Der Gesetzgeber schreibt deshalb dem Jugendamt den Auftrag zu, darauf hinzuwirken, dass Pflegeeltern und leibliche Eltern zum Wohle des Kindes zusammenarbeiten (vergleiche SGB VIII § 37). Unabhängig davon, ob ein Pflegekind Kontakt zu seinen Herkunftseltern hat oder nicht – die Ursprungsfamilie bleibt für jedes Kind von Bedeutung. Deshalb dürfen Pflegeeltern den leiblichen Eltern nicht ablehnend gegenüber stehen. Seine Wurzeln zu kennen und die eigene Lebensgeschichte nachvollziehen zu können, ist wichtig für die Identitätsfindung. Früher oder später setzt sich das Pflegekind mit der eigenen Herkunft auseinander setzen. Hierfür benötigt es die Unterstützung seiner Pflegeeltern.
  • Bereitschaft sich dem sozialen Umfeld zu öffnen
    Die Aufnahme eines Pflegekindes bringt nicht nur Veränderungen innerhalb der eigenen Familie oder Partnerschaft, sondern auch im sozialen Umfeld. Pflegefamilien erleben Anteilnahme und Unterstützung, Interesse und Neugier, Skepsis und Vorbehalte, manchmal auch Unverständnis. Durch das Pflegekind erweitert sich das Umfeld. Von einem Tag auf den anderen müssen Pflegeeltern mit Institutionen und Personen zusammenarbeiten, mit denen sie zuvor vielleicht noch nichts zu tun hatten (verschiedene Ärzte und Therapeuten, Frühförderstelle, Kindergarten, Schule). Falls noch familiengerichtliche Verfahren anhängig sind, haben Pflegefamilien eventuell auch Kontakt zu Richtern, Gutachtern und Verfahrenspflegern.
  • Bereitschaft zur Kooperation mit dem Jugendamt
    Pflegeeltern müssen bereit sein, vertrauensvoll mit den MitarbeiterInnen des Jugendamtes zusammenzuarbeiten.

Pflegekind aufnehmen: Neue Eltern gesucht!

In Deutschland fehlen weiterhin Familien, die ein Pflegekind aufnehmen und ihm so eine Chance auf ein besseres Leben bieten. Alles zu den Voraussetzungen und Herausforderungen dieser ehrenvollen Aufgabe.

Immer mehr Kinder leben in Pflegefamilien, 2017 waren es laut Auskunft der Bundesregierung 80.000 im Vergleich zu 60.000 im Jahr 2008. Knapp 100.000 Kinder leben in Heimen. Es gibt einen großen Bedarf an verantwortungsvollen Menschen, die diese Kinder für eine gewisse Zeit aufnehmen können und sie betreuen.

Pflegekind ist kein Adoptivkind

Diese Menschen müssen sich bewusst sein, dass ihr Pflegekind leibliche Eltern hat und vielleicht auch wieder zu ihnen zurückkehren möchte. Bei einer Adoption bekommt man das Sorgerecht, bei einem Pflegekind bleibt dies entweder bei den Eltern, oder, wie in den meisten Fällen, beim Jugendamt oder einem Vormund. Das bedeutet, dass du zwar im Alltag Dinge für dein Pflegekind entscheiden kannst. Geht es aber um Urlaub, Impfungen, auch so kleine Dinge wie Ohrringe oder Haarschnitte, müssen die genehmigt werden.

Gut zu wissen!

Ein Kind adoptieren: Bedingungen und Kosten

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Pflegekind aufnehmen: Was sind die Voraussetzungen?

Wer ein Pflegekind aufnehmen will, muss das Jugendamt davon überzeugen können, dass er oder sie für das Kind verantwortlich sein kann. Das sind materielle Aspekte wie genügend Platz und Geld, um für die anvertrauten Kinder zu sorgen. Pflegeeltern müssen gesund und drogenfrei sein. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss auch vorgelegt werden. Im Unterschied zur Adoption ist es für gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinstehende leichter, eine Zustimmung für ein Pflegekind zu erhalten. Was das Alter betrifft, sind hier die Behörden toleranter – auch mit Mitte 40 wird man noch ein Kind zugewiesen bekommen. Das Mindestalter ist aber 25 Jahre. Das Wichtigste wird für die Entscheidungsgremien sein, dass man es den Menschen zutraut, diesen Kindern, die meistens viel mitgemacht haben, den nötigen Halt zu geben.

Geduld, Verständnis und viel Liebe

Ein Pflegekind aufzunehmen, ist oft nicht leicht. Zum einen musst ihr damit zurechtkommen, dass ihr das Kind vielleicht nur für eine kurze Zeit in eurem Zuhause habt, denn vielleicht kann es wieder zurück zu seinen leiblichen Eltern. Das Kind wird seine Mama und seinen Papa vermissen, auch wenn sie es vielleicht schlecht behandelt haben. Ihr braucht viel Fingerspitzengefühl, um sich dem neuen Schützling zu nähern. Manche Kinder verschließen sich, um nicht wieder enttäuscht zu werden, während andere geradezu nach Aufmerksamkeit und Liebe gieren. Manche Kinder haben auch Entwicklungsrückstände.

Ihr braucht also viel Verständnis, Toleranz, viel Liebe und Geduld, um euch den Kindern zu nähern, die in der Vergangenheit vernachlässigt wurden, womöglich Gewalt und Drogenexzesse erlebt haben. Ihr müsst belastbar sein. Auch darf es euch nicht in tiefste Tiefen stürzen, wenn das Kind weiterhin sehr auf seine leiblichen Eltern fixiert ist. Wahrscheinlich fühlt es sich schuldig, dass es nun in einer Pflegefamilie gelandet ist und möchte so schnell wie möglich wieder zurück. Wenn ihr eigene Kinder habt, kann es möglicherweise zu Eifersüchteleien kommen, da ihr euch anfangs vielleicht mehr dem Pflegekind widmen werdet.

Wie bewerbe ich mich um ein Pflegekind?

Wenn du es dir trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen zutraust, ein Pflegekind aufzunehmen, nimmst du Kontakt zum örtlichen Jugendamt auf. Dort klärt man dich über die verschiedenen Modelle – Bereitschaftspflege oder Vollzeitpflege – auf und bietet dir Pflichtseminare an, um dich und deine Familie auf die neue Rolle vorzubereiten. Diese Seminare sind wichtig, um deine Motivation zu hinterfragen, aber auch zu festigen. Danach werden die entscheidenden Stellen beim Jugendamt überlegen, welches Kind am besten zu dir passt. Das kann manchmal dauern, aber auch sehr schnell gehen. Für die Eingewöhnungszeit solltest du dir überlegen, Elternzeit beantragen und dann vorher schon deinen Arbeitgeber über dein Vorhaben informieren. Die meisten Pflegekinder sind zwischen drei und zwölf Jahren, aber es werden auch jüngere Kinder vermittelt. Bei älteren Kindern wird geschaut, ob Wohngruppen nicht die bessere Alternative wären.

Mit wie viel Geld unterstützt der Staat?

Ein Pflegekind aufzunehmen, bringt Kosten mit sich und der Staat unterstützt dies auch, je nach Kommune und je nach Kind sind dies 700 bis 900 Euro monatlich. Dazu können noch Beihilfen beim Jugendamt beantragt werden, wenn zum Beispiel eine Klassenfahrt ansteht oder eine Erstausstattung gekauft werden muss. Pflegeeltern bekommen auch Kindergeld, aber das wird mit dem Pflegegeld verrechnet.

Unterstützung ist wichtig

So eine wichtige Aufgabe, einem vernachlässigten Kind ein neues Heim zu geben, ist eine große Herausforderung. Du und deine Familie solltet es euch genau überlegen, ob ihr stark genug seid, diese zu meistern. Ihr solltet euch auf jeden Fall zuvor gut informieren. Gut ist es auch immer, wenn du andere Pflegeeltern kontaktieren kannst und ihr eure Erfahrungen austauschen könnt. Ein Pflegekind aufzunehmen, ist eine großartige und ehrenvolle Sache, und es ist zu wünschen, dass noch mehr Menschen sich bereit erklären, so eine Aufgabe zu übernehmen.

Vollzeitpflege – ein Pflegekind vermitteln

Das Alter, der Entwicklungsstand und die besonderen Lebensumstände bestimmen den Ablauf des Vermittlungsprozesses.

Wartephase

Auch wenn das Jugendamt ständig Pflegefamilien sucht, kann die konkrete Vermittlung eines Pflegekindes in Ihre Familie einige Zeit dauern. Das Jugendamt spricht Sie erst dann an, wenn es davon ausgeht, dass Sie die geeignete Familie für das zu vermittelnde Pflegekind sind. Während dieser Wartephase wird das Jugendamt weiterhin Kontakt zu Ihnen halten.

Kennenlernen

Wenn Sie im konkreten Einzelfall als geeignete Pflegefamilie ausgewählt wurden, wendet sich das Jugendamt mit Informationen über die Lebensgeschichte des Pflegekindes an Sie. Danach finden Gespräche mit den Herkunftseltern und mit dem Kind statt. Auf diese Weise bekommen Sie Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Die konkrete Ausgestaltung der Vermittlung in Form von Gesprächen und Kontakten mit dem Pflegekind verläuft abhängig vom Alter des Kindes und dem sozialen Hintergrund.

Der Vermittlungsprozess ist abgeschlossen, wenn sich alle Beteiligten, vor allem das Pflegekind (abhängig vom Alter) sicher sind, dass sich das Kind in Ihre Familie integrieren wird. Während dem Prozess und den Gesprächen werden Sie aktiv durch das Jugendamt unterstützt und betreut.

Die Entscheidung zur dauerhaften Betreuung darf nicht überstürzt getroffen werden. Nehmen Sie so viel Zeit wie nötig in Anspruch. Stellen Sie alle Fragen, die Ihnen wichtig sind. Nur so kann die Grundlage für ein erfolgreiches Pflegeverhältnis geschaffen werden.

Wie lange die Annäherung zwischen Pflegefamilie und Pflegekind dauert, hängt vom Alter des Kindes und den familiären Hintergründen ab. Bei jüngeren Kindern kann diese Zeit wenige Wochen, bei älteren Kindern mehrere Monate betragen.

Beginn der Hilfe

Die Aufnahme in die Pflegefamilie ist für Kinder meist mit Angst und Unsicherheit verknüpft. Die Pflegekinder müssen sich mit neuen Bezugspersonen und neuen Abläufen auseinandersetzen. Eine intensive Betreuung und die Einführung von verlässlichen Tagesstrukturen, Normen und Ritualen sind daher grundlegende Voraussetzungen, damit das Pflegekind sich in Ihrer Familie wohlfühlt.

Mit der Aufnahme des Kindes in Ihre Familie wird ein Hilfeplan erstellt. Darüber hinaus werden zwischen Ihnen, dem Jugendamt und der Herkunftsfamilie gegenseitige Rechte und Pflichten vereinbart.

Pflegekind aufnehmen – Eltern auf Zeit

Unerfüllter Kinderwunsch – was jetzt? Fast ein Achtel aller Paare wünscht sich ein Kind, doch es will einfach nicht klappen. Die Ursache kann dabei medizinischer, psychischer oder hormoneller Natur sein. Häufig liegt es an einer zeitweisen Störung der Fruchtbarkeit, etwa durch übermäßigen Konsum von Nikotin oder Alkohol, exzessivem Sport oder sehr starkem Unter- bzw. Übergewicht. Dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter stark gehemmt wird, ist ebenfalls ein Faktor, der oft unterschätzt wird. Aber natürlich gibt es auch Personen, die vollständig unfruchtbar sind. Wenn Sie sich vorstellen können, einem Kind aus einer anderen Familie ein Zuhause bieten zu können, ist das durchaus eine Möglichkeit, der Kinderlosigkeit zu entkommen. Es gibt sehr viele Kinder, die ein neues, besseres Zuhause suchen. Sie können beispielsweise eine Adoption in Betracht ziehen oder ein Pflegekind aufnehmen. Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen, sind Sie sozusagen „Eltern auf Zeit“.

Was ist der Unterschied zwischen einem Adoptiv- und einem Pflegekind?

Viele noch unerfahrene Paare, die ein Kind zu sich holen möchten, äußern diesen Wunsch in etwa so: „Wir möchten ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen.“ – Dabei gibt es zwischen einem Pflegeverhältnis und einer Adoption gewaltige Unterschiede. Das zeigt sich vorallem in rechtlichen Gegebenheiten.

Adoption

Bei einer Adoption gehört das Adoptivkind auch gesetzlich zu Ihnen – wie ein Kind biologischer Abstammung. Das heißt, Sie übernehmen alle Rechte und Pflichten der natürlichen Eltern. Das Kind trägt Ihren Nachnamen und wird auf Dauer zu einem Teil der Familie. Neben Anspruch auf staatliche Transferzahlungen (zum Beispiel Kindergeld) werden Ihnen drei Jahren Elternzeit gewährt. Kommt es zum Tod der Adoptiveltern, wird bei der gesetzlichen Erbfolge nicht zwischen leiblichen Kindern und Adoptivkindern unterschieden. Liegt also kein Testament vor, so steht das Kind am Anfang der Erbschaftsfolge. Sollten Sie mit dem Gedanken einer Adoption spielen, dann schauen Sie in unserem Artikel zum Thema „Ist Adoption das Richtige für Sie?“ vorbei

Pflege

Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen, wird das Pflegekind rechtlich gesehen nicht zu Ihrem gesetzlichen Kind. Die Pflegeeltern kooperieren in dem Fall mit den gesetzlichen Eltern des Kindes, etwa wenn es wichtige Entscheidungen zu treffen gibt. Der Kontakt ist jedoch normalerweise auf Organisatorisches beschränkt. Und auch falls die leiblichen Eltern ihr Kind wieder zu sich holen möchten, ist das unter einigen Bedingungen möglich. Die Pflegeeltern nehmen das Kind also nur auf Zeit bei sich auf. Es behält in diesem Fall auch seinen Geburtsnamen. Sie können genauso wie bei einer Adoption Elternzeit nehmen, aber bekommen kein Elterngeld. Denn das Elterngeld wird durch Pflegegeld ersetzt. Im Falle eines Todes der Pflegeeltern beziehungsweise innerhalb der Pflegefamilie muss im Testament niedergeschrieben werden, ob und was das Pflegekind erben soll. Ohne diese Nennung wäre es sonst nicht erbberechtigt.

Vorteile bei einer Pflegekindaufnahme

Bei der Aufnahme eines Pflegekindes, sind die Auswahlkriterien nicht ganz so selektiv wie bei einer Adoption. Das Verfahren ist nicht so langwierig und führt schneller zu einer erfolgreichen Vermittlung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Pflegeeltern die Voraussetzungen in einem Pflegekindverfahren erfüllen, ist verhältnismäßig hoch. Zum einen ist die Zahl der Mitbewerber um ein Pflegekind geringer als bei einer Adoption, zum anderen wird dabei Ihr Privatleben nicht ganz und gar durchleuchtet und geprüft. Dieses Vorgehen ist sehr zeitintensiv und zehrt oftmals an den Nerven der werdenden Adoptiveltern.

Ein weiterer Vorteil einer Pflegekindaufnahme ist, dass auch ältere Kinder in Pflege genommen werden können. Nicht nur Säuglinge oder Kleinkinder suchen ein neues Zuhause. Bei einem Pflegekind können Sie beim zuständigen Jugendamt Wünsche bezüglich des Alters angeben. Diese werden soweit es geht berücksichtigt. Sie sollten sich aber im Klaren sein, dass Ihnen letzlich auch ein Kind vom Jugendamt zugeteilt werden kann, das nicht das Wunschalter hat.

Außerdem spielt die finanzielle Unterstützung für viele Pflegefamilien eine große Rolle. Die Pflegeeltern erhalten bei einer Vollzeitpflege monatliche Pflegegeldleistungen. Diese orientieren sich am Alter des Kindes und betragen beispielsweise im Alter von null bis sechs Jahre insgesamt rund 745 Euro monatlich, im Alter von sechs bis zwölf Jahre 846 Euro pro Monat und im Alter von zwölf bis 18 monatlich 913 Euro. Dazu kommen im Einzelfall eventuell noch Beihilfen und Zuschüsse, zum Beispiel für die Kosten von Klassenfahrten, Urlaubs -und Ferienreisen oder die Erstausstattung.

Welche Voraussetzungen müssen die Pflegeeltern erfüllen?

Eine untergeordnete Rolle spielt dabei die Familienform. So können sich Wohngemeinschaften, Alleinerziehende und heterosexuelle sowie homosexuelle Paare bewerben. Es ist auch nicht ausschlaggebend, ob sie besonders viel Gehalt verdienen, als was sie arbeiten oder ob Sie verheiratet sind. Die wichtigste Bedingung, wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen möchten, ist sowohl eine emotionale als auch finanzielle Stabilität. Wenn Sie mehrere Pflegekinder gleichzeitig aufnehmen, damit diese gemeinsam Anschluss finden, sollte man eins bedenken: Das jüngste Kind der Familie sollte bestenfalls älter als zwei Jahre sein.

Finanzielle Absicherung

Sie sollten in finanziell gesicherten Verhältnissen leben und bereit sein, einen Teil des Einkommens für das Kind aufzuwenden, um optimale Lebensverhältnisse bieten zu können. Zwar werden Sie vom Jugendamt in Form von Pflegegeld und im Einzelfall weiteren Beihilfen bezuschusst, allerdings ist dieser Betrag insbesondere für die Kosten bezüglich des Unterhalts gedacht. Zudem ist zu beachten, dass die Wohnung bzw. das Haus ausreichend Wohnraum bereitstellt, damit das Kind auch seinen eigenen Rückzugsort hat. Weitere Pflegeeltern-Voraussetzungen sind ein polizeiliches Führungszeugnis sowie ein Gesundheitsattest. Desweiteren gilt für die Aufnahme von einem Pflegekind ein Mindestalter von 25 Jahren.

Hohe Belastbarkeit

Eine weitere Anforderung ist Geduld, Stressresistenz und Belastbarkeit, weil es sich oft um Kinder mit Leidensgeschichte handelt. In schweren Fällen wurden diese sogar vernachlässigt, geschlagen oder haben häusliche Gewalt erlebt. Weitere Beispiele für die oft schwere Vergangenheit der Pflegkinder sind Drogenprobleme, Krankheiten oder die finanzielle Not der leiblichen Eltern. Ebenfalls wird ein Kind manchmal zur Pflege freigegeben, wenn der einer der Elternteile unbekannt oder nicht da ist. Die richtige Portion Mut, Idealismus und Verantwortungsbewusstsein darf deshalb von Seiten der Pflegeeltern auch nicht fehlen.

Desweiteren ist die Erziehung nie leicht und bringt eine Menge an Herausforderungen mit sich. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob es ein leibliches, adoptiertes oder Pflegekind ist. Wichtig ist, dass das Pflegekind so akzeptiert wird wie es ist. Viele haben sich ein bestimmtes Verhalten angeeignet, um mit ihrer Vergangenheit umgehen zu können. In so einem Fall muss auf das Kind intensiv eingegangen werden, da es besonders auf die Hilfe der Pflegefamilie angewiesen ist. Nachdem Sie ein Pflegekind aufnehmen, wird es vermutlich in der ersten Zeit niemanden so richtig an sich heran lassen. Seien Sie einfühlsam und geben Sie ihm Zeit. Andere Kinder werden in den Pflegeeltern sehr schnell eine Bezugsperson finden und manche klammern demzufolge sehr stark. Jedes Kind ist individuell und es ist wichtig, das Kind nie aufzugeben, egal welche Phase der Entwicklung es gerade durchläuft. Machen Sie sich also bereits bevor Sie ein Pflegekind aufnehmen klar, wo Ihre Stärken und wo Ihre Grenzen liegen. Am besten durchdenken Sie schon im Vorfeld mögliche Probleme, die mit dem Pflegekind auftreten können. So sind Sie in der Lage, diese später so früh wie möglich zu erkennen, realistisch einzuschätzen und eine passende Lösung zu finden.

Ein Pflegekind aufnehmen – Das Bewerbungsverfahren

Erste Schritte

Sollten Sie Interesse daran haben, ein Pflegekind aufzunehmen, dann ist ein erster möglicher Schritt eine Informationsveranstaltung des Jugendamtes oder der Kontakt mit anderen Pflegeeltern. Allgemein ist das örtliche Jugendamt ein erster Ansprechpartner und Vermittler.

Nachdem Sie sich für ein Pflegekind entschieden haben, müssen Sie sich bewerben. Ein solches Bewerbungsverfahren zieht sich in der Regel je nach Träger über einige Monate. Neben dem Ausfüllen und Einreichen von diversen Bewerbungsunterlagen (zum Beispiel eine Verdienstbescheinigung) sowie Fragebögen, erwarten Sie Vorbereitungsseminare und Gespräche mit Fachkräften. Auch ein Besuch bei Ihnen Zuhause von einem Mitarbeiter des Jugendamtes soll sicherstellen, dass Sie dem Pflegekind ein gutes Umfeld bieten können. Während des Bewerbungsverfahrens wird von Ihnen viel Offenheit im Bereich Familienleben, Weltanschauung, Lebensplanung, Kindheit und Erziehungszielen verlangt.

Die Beweggründe der Pflegeeltern

Von großer Bedeutung im Eignungsfeststellungverfahren ist das Motiv der Pflegeeltern. Warum wollen Sie ein Pflegekind aufnehmen? Warum sind genau Sie die idealen Pflegeeltern? Wenn sie ein Pflegekind aufnehmen wollen, damit Ihr leibliches Kind ein Geschwisterchen hat oder aufgrund von finanzieller Vorteile durch staatliche Transferzahlungen oder vielleicht weil Sie sich dadurch eine engere Bindung zu Ihrem Partner erhoffen – dann wird Ihnen vermutlich kein Pflegekind zugeteilt. Das Wohlergehen des Pflegekindes muss bei dieser Entscheidung im Vordergrund stehen!

Wenn Sie als Pflegeeltern in Frage kommen – wie geht es weiter?

Nachdem Sie das Verfahren erfolgreich durchlaufen haben und feststeht, dass Sie als potentielle Pflegeeltern akzeptiert werden, wird das Jugendamt auf Sie zukommen sobald ein Pflegekind für Sie infrage steht. Bevor jedoch eine Entscheidung für oder gegen das jeweilige Kind getroffen werden muss, erhalten Sie ausreichen Informationen über das Kind, dessen leibliche Eltern, seine Vorgeschichte sowie gegebenenfalls Auffälligkeiten im Verhalten. Bis Sie sich endgültig für diese neue Herausforderung entscheiden, können manchmal Wochen vergehen. Denn Sie können sich im konkreten Fall durchaus auch gegen das Pflegeverhältnis entscheiden. Schließlich soll während der Pflege ein gutes Verhältnis zwischen Ihnen und dem Pflegekind entstehen. Nicht nur das Kind muss sich im dem Pflegeverhältnis wohlfühlen – die Pflegeeltern müssen sich die Pflege im jeweiligen Fall auch zutrauen. Nachdem einem Pflegeverhältnis zugestimmt wurde, sind Mitarbeiter des Jugendamtes auch nach der Vermittlung zur Unterstützung oder Beratung an Ihrer Seite.

Wie gestaltet sich das Pflegeverhältnis?

Bereitschaftspflege

Das Kind wird nur für einen kurzen Zeitraum in eine Pflegefamilie gegeben. Die Dauer des Pflegeverhältnisses beschränkt sich maximal auf ein Vierteljahr. Der Grund für die Unterbringung in einer Pflegefamilie ist eine akute Notsituation, die das Kindeswohl gefährdet. Das kann zum Beispiel bei häusslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch, Unterversorgung, Drogenabhängigkeit bzw. Suchtproblemen der leiblichen Eltern oder Vernachlässigung der Fall sein. Während das Kind also von seiner leiblichen Familie getrennt in einem sicheren familiärem Umfeld lebt, wird das weitere Vorgehen abgeklärt. Kommt das Kind wieder zu seinen leiblichen Eltern zurück? Wird es in Vollzeitpflege untergebracht werden? Gibt es Verwandte oder Bekannte bei denen es langfristig unterkommen kann? Die Bereitschaftspflege ist also eine Übergangslösung.

Vollzeitpflege

Dieses Pflegeverhältnis soll langfristig bestehen. Das Kind wohnt oft mehrere Jahre bei einer Pflegefamilie und lebt mit dieser Tag und Nacht unter einem Dach. Das Pflegeverhältnis bleibt dann in der Regel bis zur Volljährigkeit des Pflegekindes bestehen. Die Erziehung und Betreuung liegt jetzt auf langer Sicht bei den Pflegeeltern. So soll sichergestellt werden, dass das Kind in stabilen Familienverhältnissen aufwachsen kann und sich eine Bindung zu den Eltern aufbaut. Alles rund um die Eltern-Kind Beziehung finden Sie in unserem Artikel zum Thema „Die Eltern-Kind-Beziehung: Bindung, Vertrauen und Rückhalt“

Das sollten Sie unbedingt Bedenken

Wenn Sie ein Pflegekind aufnehmen, muss vorab zwingend abgeklärt werden, ob die ganze Familie mit einem Pflegeverhältnis einverstanden ist und vollkommen dahinter steht. Besonders eigene leibliche Kinder bzw. Kinder, die schon lange Zeit ein Teil der Familie sind, könnten mit Eifersucht auf das neue Familienmitglied reagieren. Besonders, weil dieses in der Anfangszeit viel Aufmerksamkeit braucht. Voraussetzungen für ein gelungenes Pflegeverhältnis sind viel Liebe, Unterstützung, Toleranz, Geduld, Sicherheit und Verständnis.

Die Pflegekinder können oftmals (besonders in jungen Jahren) noch nicht ganz nachvollziehen, warum sie von Ihren leiblichen Eltern getrennt wurden. Unter Umständen wird das Pflegekind Schuldgefühle, Unsicherheit oder Hilflosigkeit entwickeln. Zudem kann die Tatsache, dass es ab dem Zeitpunkt der Pflege zwei Familien hat – eine Pflegefamilie und seine Herkunftsfamilie dazu beitragen. Mit viel Feingefühl muss dem Kind vermittelt werden, dass es sich nicht zwischen seinen beiden Familien hin- und hergerissen fühlen muss.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass das Pflegekind womöglich seine leiblichen Eltern vermissen wird. Selbst wenn es schlechte Erfahrungen im Elternhaus machen musste, bleibt die besondere Verbindung zu den Erzeugern in vielen Fällen erhalten. Der Kontakt zu den biologischen Eltern sollte meistens (je nach Einzelfall) bestehen bleiben und ist durchaus erwünscht. Denn eine spätere Rückkehr zur Herkunftsfamilie ist unter Umständen möglich.

Desweiteren sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn sie ein Pflegekind aufnehmen, dass die Dauer des Pflegeverhältnisses nicht unbegrenzt ist. Zwar bleiben Pflegekinder häufig bis zur Volljährigkeit bei den Pflegeeltern, es kann aber auch sein, dass sich die Verhältnisse im Elternhaus des Kinder wieder so stabilisieren, dass eine Rückkehr eingeleitet wird. Sie müssen also in der Lage sein, mit dieser Unsicherheit umgehen zu können.

Allgemein sollte ein solcher Schritt gut durchdacht sein. Gehen Sie dabei so objektiv wie möglich vor. In dem Artikel „Was Frauen wissen sollten, bevor sie sich für ein Kind entscheiden“ können Sie sich ein paar Anregungen holen.

Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge als Pflegekinder aufnehmen – geht das?

Vorallem in den letzten Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland enorm gestiegen. Darunter sind zahlreiche Kinder, die Ihre Eltern verloren haben. Entweder, weil diese auf der Flucht oder im Heimatland ums Leben gekommen sind oder aber weil die Flüchtlingskinder ohne Ihre Eltern das Land verlassen haben. Hier in Deutschland werden Sie vorerst vom Jugendamt in Obhut genommen. Auf Dauer werden für die Unterkunft der Kinder Gastfamilien oder Pflegefamilien gesucht. Auch in diesem Verfahren müssen die Pflegeeltern bestimmte Voraussetzungen erfüllen und ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Prinzipiell ist die Aufnahme eines unbegleiteten, minderjährigen Flüchtings in eine Pflegefamilie durchaus erwünscht. Wenn Sie Interesse haben, dann melden Sie sich bei Ihrem örtlichen Jugendamt.

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Über Luise Veltmann

Luise wohnt mit ihrem Mann, ihrem zweijährigen Sohn Max und bald auch mit Kind Nr. 2 in Lübeck. Wenn Sie neben der Arbeit als Autorin für den Elternkompass die Zeit findet, dann geht Luise ins Fitnessstudio oder zeichnet. Die Zeit ist aber knapp, denn der kleine Max liebt es mit seiner Mama zum Kinderturnen zu gehen und Oma und Opa zu besuchen.

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Gut vorbereitet ein Pflegekind aufnehmen

Die Entscheidung, ein Pflegekind aufzunehmen, und die damit verbundenen Aufgaben stellen Pflegeeltern vor immer neue Herausforderungen und Fragen. Die Armutsschichten, aus denen diese Kinder kommen, ihre Verelendung – das hat radikale und zerstörerische Konsequenzen für diese Kinder.

Kinder werden immer später und stark beeinträchtigt mit ihrer belasteten Biografie „im Gepäck“ in Pflegefamilien vermittelt. Die Anforderungen an Pflegeeltern erhalten vor diesem Hintergrund eine völlig neue Qualität. Die kleinen und großen Kinder haben massive Auffälligkeiten, sind sensitiv und auf der Hut und verhalten sich so, als sei ihr Leben in Gefahr. Das ist aus ihrer Sicht völlig normal. Künftige Pflegeeltern müssen dieses Verhalten deuten und verstehen lernen. Die Kinder, um die sie sich bewerben, haben oft lange in einem unlösbaren Bindungskonflikt gelebt, hatten einerseits ein Bedürfnis nach Sicherheit durch die elterliche Bindungsperson und gleichzeitig Furcht vor ihr. Werden sie aus diesem Konflikt durch Fremdunterbringung „erlöst“, brauchen sie einen sicheren Ort und ein dauerhaft sicheres Bindungsangebot. Pflegekinder haben in der Regel einen „Heim“-Vorteil: Nach einer Herausnahme aus ihrer Herkunftsfamilie erfuhren sie zunächst im Kinderheim Zuwendung und Anregungen, die sie in den Schicksalsjahren nach der Geburt mit allen ihren nachteiligen Folgewirkungen entbehren mussten.

Während sich auf der einen Seite die Ansprüche an Pflegefamilien gewandelt haben, sind zugleich die Bewerbungen um Pflegekinder eher rückläufig und die Ansprüche jener, die sich noch interessieren, höher geworden. Das führt dazu, dass der Beratungs- und Unterstützungsbedarf permanent steigt.

Die Pflegefamilien sollen liebevolle Begleiter für die anvertrauten Kinder oder Jugendlichen sein. Das kann gelingen, wenn sie gut vorbereitet sind oder sogar professionelle Ansprüche erfüllen. Denn sie sind es, die sich dann Tag für Tag mit den Besonderheiten ihres Pflegekindes be­fassen müssen. Pflegekinder haben oft reaktive Bindungsstörungen und zeigen mitunter ein auffälliges Verhalten in allen sozialen Bereichen. Sie brauchen geduldige Erwachsene, die

  • einen sicheren Lebensort gewährleisten,
  • haltgebende Beziehungen gestalten können,
  • Empathie und Geduld haben,
  • Übertragungen und Gegenübertragungen erkennen und meistern,
  • Regressionen zulassen können,
  • einen Flashback (einfach übersetzt: Wiedererleben, Nachhallerinnerung) erkennen und mit ihm umzugehen wissen,
  • nicht in kindliche Triggerfallen stolpern,
  • bei Schulproblemen die Kinder nicht belasten, sondern die Probleme lösen und dem Kind den Rücken stärken,
  • die Erscheinungsformen von Sexualität und Entstehungsbedingungen und Prävalenzen von sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen kennen,
  • gelernt haben, achtsam mit sich umzu­gehen,
  • Hilfen zur Selbstfürsorge annehmen,
  • sich gerne beraten lassen und schnell Hilfe anfordern.

Dissoziation ist das häufigste Symptom, das sich bei Pflegekindern zeigt, die in früher Kindheit Gewalt oder Vernachlässigung erleiden mussten. Fast alle hatten unglaublich lebensbedrohliche Situationen jenseits des Erträglichen erlebt, die nur durch Dissoziation auszuhalten waren. Darüber muss man mit zukünftigen Pflegeeltern vorher sprechen. In grundlegenden Schulungsabenden wird vermittelt, wie das dissoziative Verhalten als strukturierende Kraft genutzt werden kann. Die Kinder brauchen die Erlaubnis von ihren Pflegeeltern, ihnen nicht zu glauben und sie jederzeit auf Zuverlässigkeit, Konsequenz, Feinfühligkeit und Stabilität zu überprüfen und zu testen. Darauf muss man Pflegeeltern vorbereiten, mit ihnen unterschiedliche Formen der Dissoziation diskutieren. Wer in praktischen Beispielen Formen und Funktionen von dissoziativen Zuständen erörtert hat, weiß im rechten Augenblick damit umzugehen oder seine Fachberater(innen) anzurufen. Informierte Pflegeeltern stolpern nicht von einer in die nächste Trigger-Falle.

Das Trauma wirkt manchmal ein Leben lang

Ein Flashback zum Beispiel wird durch einen Schlüsselreiz hervorgerufen. Er taucht unwillkürlich auf und ist sehr stark, das Kind aber unfähig, ihn als Erinnerung zu erkennen. Das Kind erlebt dann plötzlich ein vergangenes Ereignis oder früherer Gefühlszustände wieder. Misshandelte und missbrauchte Kinder kommen nicht selten schwer „verwundet“ oder fachlich ausgedrückt, mit einem Trauma, ins Heim und von dort aus, wenn’s gut läuft, in eine Pflegefamilie. Dieses Trauma bleibt eine dauerhafte „Energiestörung“ und hat womöglich lebenslang beeinträchtigende Auswirkungen. Ein dreijähriges Kind, das drei Tage und Nächte allein zurückgelassen zu Hause in einer verdreckten Wohnung lebte, dann einen alkoholisierten und durchgeknallten Zuhälter erlebt, der seine drogenabhängige Mutter verprügelt, kann diese Eindrücke nicht verarbeiten. Sein Gehirn spaltet sie ab. Im Schock erstarrt, überlebt es zwar seine Todesängste, aber kann sie nicht mehr assoziieren. Im späteren Leben können diese Todesängste unverhofft wieder mächtig werden, urplötzlich ausgelöst durch einen Flashback, eine Erinnerung an ein lebensbedrohliches Kindheitserlebnis. Das Kind reagiert, im Volksmund würde man sagen „verhaltensgestört“, schlägt um sich und tritt zum Beispiel seine Lehrerin, die einen Schüler anschreit. Das Kind verhält sich so, als sei sein Leben wieder in Gefahr, also dissoziativ – aber eigentlich normal, nachdem, was es im Leben erfahren hat.

Durch fachliche Vorbereitung und begleitende Schulungen lernen die Pflegeeltern der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz Modelle guter Beziehungsgestaltung mit Kindern, deren Seelenleben manchmal verrücktspielt. Mit einer Änderung der eigenen Haltung und seriösen Konzepten, die berücksichtigen, dass Mädchen und Jungen im dissoziativen Zustand keine Regeln einhalten können und sich ganz sicher nicht an Absprachen erinnern, können sich tragfähige und sichere Lebensorte entwickeln.

Fachberater können Eltern für den Alltag Tipps geben

An dieser Stelle muss ich eine Lanze für unsere Fachberater(innen) in der Arbeit mit traumatisierten Kindern in Pflegefamilien brechen. Sie gestalten ihre Beratungs- und Unterstützungsarbeit verlässlich und verbindlich, präventiv und entlastend. Diese Kolleg(inn)en sind es, die sich zusammen mit den Pflegeeltern mit den Besonderheiten kindlichen Verhaltens im Traumakontext befassen. Sie haben sich, auch durch ihre Praxis, einen Fundus an Erfahrungswissen schaffen können. Dieses Wissen können sie den Menschen, die sich für die Arbeit als Pflegefamilie bewerben, in Vorbereitungskursen zur Verfügung stellen. Sie haben Tipps und Tricks für den Alltag, kennen Stabilisierungsmöglichkeiten, Übungen zur Achtsamkeit und Hilfen zur Selbstfürsorge.

Eine fachlich gute und kontinuierliche Beratung und Unterstützung der Pflegeeltern in allen Fragen gewährleistet den Erfolg einer langfristigen Betreuung von Pflegekindern. Wichtig ist auch, die Verantwortung für positive Entwicklungserfolge nicht an Mediziner(innen) oder Psychotherapeut(inn)en zu delegieren oder gar abzugeben. Wirksam wird Erziehungshilfe in einer Pflegefamilie durch die „Pädagogik des sicheren Ortes“1, weil das die zentrale Rahmenbedingung für den Umgang mit traumatisierten Mädchen und Jungen ist.

Damit die Herkunft nicht den Weg des Kindes in die Zukunft bestimmt, müssen Pflegeeltern nicht nur gut vorbereitet, sondern auch laufend unterstützt werden, das Richtige zum Gelingen der Bildung zu tun. Mit ihrem formellen Curriculum ist die Schule nur bedingt geeignet, die unterschiedlichen Herkunftswelten der Kinder zu kompensieren. Pflegekinder sind nicht bildungsschwach, sondern wurden in den ersten Jahren nach der Geburt am Lernen gehindert. In dieser Zeit bilden sich die meisten Nervenverbindungen, und es hat sehr nachhaltige Folgen, wurde ihnen schon im Säuglingsalter liebevolle Zuwendung und geistige Anregung verweigert.

Geistiges und soziales Gedeihen eines vernachlässigten Kindes kann gelingen, wenn man nicht unendlich und mit wenig Erfolg auf Nachhilfe setzt. Wie funktioniert denn Lernen? Gelernt wird, wenn Beziehung gelingt! Auf eine intelligente Förderung der brachliegenden Begabungen des Kindes setzen und investieren, kann Lehrer(innen) reizen, sich mit den Ressourcen des Kindes zu verbünden und dann mit ihrer Neugier und ihren Entwicklungswünschen zu arbeiten. Pflegeeltern müssen aushalten lernen, damit nicht kurz­zeitig Erfolge zu ernten, weil die Leistungsabstände zwischen den Schulkindern aus Pflegefamilien und den anderen Kindern bleiben. Nur langfristig wird sich das ändern können. Es ist vielleicht ein langer Weg mit auch oft mangelhaften Noten. Doch das Kind lernt nicht nur in der Regelschule, sondern es eignet sich auch Fertigkeiten zu Hause an oder lernt ein Instrument in der Musikschule. „Nur nicht aufgeben“, sagte mir eine engagierte Pflegemutter. „Am Ende der Schulzeit haben wir ein Kind, dem das Leben gelingen wird.“ Für Schulen ist das Kerngeschäft nach wie vor Unterricht und leider nicht „Lernen ermöglichen“. Daher haben Pflegeeltern keine andere Wahl und sind selbst wichtigster Akteur auch auf diesem Feld.

Eine intensive Vorbereitung und dauerhaft gesicherte fachliche Begleitung der Pflegeeltern gibt den Mädchen und Jungen eine Chance, in einem beziehungs-, bindungs- und bildungsintensiven Rahmen zu leben, damit ihnen dann die Zukunft gelingen kann. Das ist eine sehr anspruchsvolle Herausforderung für die Pflegeltern und die sie begleitenden Fachberater(innen). Das Erfolgsgeheimnis sind sichere Pflegeeltern, sichere Mädchen und Jungen und sichere und haltgebende Strukturen.
Anmerkung
1. Der „sichere Ort“ ist inzwischen ein Begriff, der sich in der Pädagogik durchgesetzt hat und mit Konzepten und Erkenntnissen hinterlegt ist. Siehe dazu Weiß, W.: Philipp sucht sein Ich. Weinheim und Basel: Beltz Juventa, 2003.

In einem weiß getünchten Reihenhäuschen mit malerischem Ausblick auf Ebersberger Wiesen und Felder wohnt die Familie Katter. Wer klingelt, wird von einem schlaksigen jungen Mann empfangen, der höflich herein bittet. Im Garten plätschert ein Teich mit Goldfischen, von einem nahe gelegenen Gewässer hört man auch tagsüber die Frösche quaken. Hier wohnen Martina und Andreas Katter, sie lachen gerne und verbreiten mit ihrer Fröhlichkeit ein Gefühl von Sommerferien.

Tochter Janike ist noch unterwegs und wird später dazu kommen; der junge Mann heißt Pascal und fragt: „Mama, willst du noch einen Kaffee?“ Ein idyllisches Familienbild, doch die Geschichte der Katters ist nicht die einer typischen Kleinfamilie. Pascal ist ein Pflegesohn, und dass er sich jetzt wie selbstverständlich in das Bild eines harmonischen Miteinanders einfügt, ist das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung.

Das Ehepaar Katter ist ein eingespieltes Team. Wenn die beiden erzählen, vollenden sie auch schon mal den Satz ihres Partners. Man merkt: Die Geschichte, die sie erzählen, sind sie schon öfter gemeinsam durchgegangen. In allen Höhen und Tiefen. Pascal verschwindet zwischendurch in sein Zimmer; er braucht immer wieder eine Pause von den Schatten seiner Vergangenheit, so scheint es.

Pascal, heute 18, kam vor mehr als 16 Jahren zu den Katters. Damals lebten sie in Lübeck. Bevor Martina schwanger mit ihrer heute 19-jährigen Tochter Janike wurde, hatten die Ärzte ihr prognostiziert, sie könne keine Kinder bekommen. Allen Diagnosen zum Trotz kam Janike; ein zweites Kind will sich jedoch nicht ankündigen. Schnell merken sie, dass sie die Tochter über die Maßen verwöhnen, und sie Platz für ein zweites Kind haben.

Zum Jugendamt gehen die Katters eigentlich nur, um sich über die Möglichkeiten einer Adoption oder eines Pflegekindes zu erkundigen. „Und dann waren wir ratzfatz in einer Mühle drin“, sagt Martina Katter. Pedantisch nimmt die Behörde sie unter die Lupe; endlose Begutachtungen und Fragebögen folgen. „Manche Fragen konnten wir gar nicht beantworten“, sagt Andreas, „wenn man ein eigenes Kind kriegt, weiß man ja auch noch nicht vorher, auf welche Schule man es zum Beispiel schicken will.“ Dann folgt erst einmal ein Dreivierteljahr, in dem sie nichts tun können außer warten. „Wir empfanden das als sehr lang“, erzählt Martina. Dann der Anruf: Da ist ein Kind, für das eine Dauerpflegestelle gesucht wird; Pascal wurde bei einer Untersuchung wegen seines verwahrlosten Zustands vom Kinderarzt ins Krankenhaus eingewiesen und das Jugendamt informiert. Die Mutter stimmte zu, dass Pascal in Obhut gegeben wird.

Die Katters werden beim Jugendamt vorstellig, dann kommt der erste Besuchskontakt. Pascal, damals anderthalb Jahre alt, ist in einer Kurzzeit-Pflegefamilie untergebracht. „Was uns vom Jugendamt klar gemacht wurde: Das Kind muss in die Familie passen“, sagt Andreas Katter. Als sie Pascal zum ersten Mal sahen, sind sie von seinem Zustand entsetzt. „Es war sehr schwer, damit umzugehen“, erzählt Martina. Andreas fügt hinzu: „Wir mussten lernen, Pascals Vorgeschichte nicht als für uns relevant anzusehen. Wir konnten ja nur spekulieren, was er vorher erlebt hat. Es war wichtig, das auszublenden.“

Das Eis ist schnell gebrochen. „Als er mir mit seiner kleinen Hand aufs Knie gepatscht hat, wars um mich geschehen“, sagt Martina Katter. Schnell ist klar: Die Chemie stimmt, die Katters wollen Pascal aufnehmen. Drei Wochen lang besuchen die Katters Pascal täglich bei der Pflegemutter, bis das kleine Kind es zulässt, in den Arm genommen und gefüttert zu werden. Bei den Besuchen ist Tochter Janike immer dabei; das erweist sich, wie sich später herausstellt, als Türöffner. Sie sieht Pascals leiblicher Schwester ähnlich. „Das hat es für uns etwas leichter gemacht“, sagt Andreas Katter.

Fünf Monate fremdelt Pascal, sein Wimmern wird zum dauerhaften Hintergrundgeräusch. Wenn er sich weh tut, kann er keinen Trost annehmen; er trauert seiner Familie stark hinterher. „Er hatte extreme Ängste“, sagt Martina Katter, „die ersten Monate waren sehr schwer“. Dann, von einem Tag auf den anderen, platzt der Knoten. Plötzlich lässt sich Pascal auf den Arm nehmen, er entspannt, wenn man ihn berührt. Lange dauert diese Phase nicht an, denn der nächste Unruhefaktor steht bevor: Nach fünf Monaten Kontaktsperre darf die leibliche Mutter nun wieder Pascal sehen. Zwar nur unter Aufsicht, doch bringt es Pascal jedes Mal wieder komplett durcheinander.

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