Vater mit kind

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Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hölt ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? – Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? – Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. – „Du liebes Kind, komm, geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel ich mit dir; Manch bunte Blumen sind an dem Strand, Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? – Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; In dürren Blättern säuselt der Wind. – Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schön; Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn, Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort? – Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau. – „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan! – Dem Vater grausets, er reitet geschwind, Er hält in Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Mühe und Not; In seinen Armen das Kind war tot.


Goethe & Shubert – Der Erlkönig.
Anne Sofie von Otter
& Chamber Orchestra of Europe.

Johann Wolfgang Goethe
(1749 – 1832)

Wieso stirbt das Kind? (Erlkönig)

der junge ist krank und hat fieberträume / wahnvorstellungen von elfen bzw bösen naturgeistern (erl- =elfenkönig), die verführung durch das schöne / angenehme, töchter wiegen und singen ihn ein, mutter hat manch gülden gewand… die kehrseite des augenscheinlich „guten“. bei youtube gibts ganz interessante umsetzungen. der erlkönig steht auch für den tod, er will ihn „überreden“, mit ihm zu gehen, und seinen vater/sein leben zurückzulassen. es wird die grundangst des menschen vor tod, vergänglichkeit, und hilflosigkeit/machtlosigkeit gezeigt und zugleich die wünsche und sehnsüchte der menschen bzw des kindes, des in jedem von uns steckt und die entscheidung von uns, dafür oder dagegen. was wir bereit sind aufzugeben, um etwas bestimmtes zu bekommen…. du könntest es auch so interpretieren, dass gerade kinder zwischen 4und 5 eine magische phase haben, in denen elfen, hexen zauberer etc und magie für sie existieren. und der vater aus diesem grund das erzählte des jungen nicht wahrhaben will, nicht glaubt. und er will ihn immer wieder beschwichtigen, es sei nur der wind etc..

Die Liebe zum Baby… kommt nicht immer sofort.

Die Eltern-Kind-Beziehung ist wohl die stärkste natürliche Bindung, die es auf der Erde gibt. Von Mutter Natur gegeben, passiert dieser Bindungsprozess quasi automatisch. Aber passiert er auch auf Knopfdruck, also direkt nach der Geburt? Oder muss die Bindung erst noch wachsen?
Ganz wichtig für die Bindung sind Hormone, die der Körper automatisch ausschüttet, bereits während der Schwangerschaft. Oxytocin. Das Bindungs-Hormon, wie man es so schön nennt. Mutterliebe ist also kein Bauchgefühl, sondern ein vom Körper automatisiertes Phänomen. Wie also kann es sein, dass sie ausbleibt?

Mutterliebe, so heißt es, ist bedingungslos und warmherzig. Sie füllt einen aus, vom ersten Moment, an dem dieses kleine Wesen zur Welt kommt und man es in seinen Armen hält. (…) Mutterliebe. Die Liebe, die sich einfach verdoppelt, wenn ein weiteres Kind kommt, so heißt es. (…) Und dann kam der Tag der Geburt. (…) Ja, ich war glücklich, denn unser kleiner Junge war perfekt. Seine Hände griffen nach meinem Finger und sein süßes Köpfchen passte in die Mulde an meiner Schulter. Alles war vollkommen.

Nur, wo war die Liebe?

Diesen Artikel schrieb ich im August 2018. Darin steckt so viel Trauer, so viel Wut und Schmerz. Aber keine Sorge, er geht gut aus. Trotzdem bleibt es einer meiner persönlichsten Artikel und zu kaum einem habe ich mehr Leserzuschriften erhalten.

Bindung ist die enge Verbindung zwischen Eltern und Babys. Dieses enge Gefühl ist ein Clou der Natur, der dafür sorgt, dass Eltern einen Instinkt entwickeln, um sich um ihre Jungen zu kümmern. Es ist eine Bindung, die garantiert, dass Babys ernährt, geschützt und umsorgt werden. Du kannst noch so tief schlafen und nichts in der Welt könnte dich aus dem Tiefschlaf reißen – aber wirst du Mutter, dann ist dein Körper darauf programmiert, schon beim kleinsten Weinen deines Babys aufzuwachen, selbst wenn du erschöpft und müde bist. Das Aufwachen in diesem Fall ist der elterliche Instinkt dank guter Bindung.

Manchmal kommt es zu dieser innigen Bindung bereits im Mutterleib, manchmal, sobald das Baby geboren ist. Und manchmal muss die Bindung erst wachsen. In seltenen Fällen passiert dieses Bonding leider gar nicht. Bindung ist nicht nur deshalb wichtig, weil Eltern Eltern für ihre Kinder brauchen. Es ist wichtig, weil Babys sich durch die Bindung zu Mutter und Vater sicher fühlen. Es gibt ihnen ein gutes Gefühl. Dadurch fühlen sie sich als Menschen wertvoll, fühlen sich geliebt und geborgen.
Laut einer Studie kann allerdings nur jedes vierte Kind eine tiefe Bindung zu den Eltern aufbauen. Diese Studie ergab auch, dass 40% der Babys, die keine Bindung erfahren, zu aggressiven, trotzigen Erwachsenen werden, die zu Hyperaktivität neigen. Dieselbe Studie ergab, dass 25% der Kinder keine Bindung eingegangen sind, weil ihre Eltern nicht auf ihre Bedürfnisse eingegangen sind. Mit anderen Worten: wenn du möglichst gut auf die Bedürfnisse deines Babys reagierst, ist die Wahrscheinlichkeit größer, eine gute Beziehung aufzubauen.
Wichtig ist, dass du ein gutes Gefühl bei dem hast, was du tust. Hör auf deine innere Stimme, deinen Mutter-Instinkt. Ein Neugeborenes ins eigene Zimmer schlafen zu legen, kann (nicht muss!) schlimme Ängste in ihm hervorrufen. Die Welt hat sich stark verändert und wir Eltern wissen, dass dem Baby im liebevoll hergerichteten Babyzimmer keine Gefahr droht. Wir wissen, dass wir rein gehen und es trösten, wenn es weint. Aber dein Baby weiß das nicht. Es kommt mit den selben Ur-Ängsten wie eh und je auf die Welt und muss sich erst zurechtfinden. Babys brauchen Nähe.

Aber was ist, wenn du die Liebe nicht wirklich fühlst? Was ist, wenn es dir schwer fällt, eine gute Bindung aufzubauen? Was ist, wenn sich dein eigenes Baby irgendwie fremd für dich anfühlt? … Wenn dieses überwältigende Gefühl fehlt, von dem alle Eltern immer sprechen, diese bedingungslose Liebe?

Beziehung dauert manchmal

Erst mal: Ruhe bewahren. Das ist VÖLLIG NORMAL. Es darf sein. Es ist ganz wichtig, zu wissen, dass eine gute Beziehung nicht immer sofort da ist. Es gibt alle möglichen Dinge, die das verzögern können. Für Mamas, die einen Kaiserschnitt hatten, kann es schwieriger sein, das Baby als ihr eigenes zu akzeptieren und zu lieben. Eine Freundin von mir bekam ihr Kind in Vollnarkose und hatte immer wieder Probleme, das Kind als ihr eigenes zu akzeptieren, obwohl es ihr sehr ähnlich sah. Vorzeitig geborene Babys müssen möglicherweise Zeit auf der Intensivstation verbringen und dürfen kaum oder nur unter sehr klinischen Umständen berührt werden. Und dann ist da noch ein sehr entscheidender Punkt: du musst dein Baby erst kennen lernen. Da ist ein völlig neuer Mensch, für den du aufopferungsvoll sein musst, für den du dir die Nächte um die Ohren schlägst, Schmerzen beim Stillen erträgst … also völlig okay, dass da nicht sofort Liebe entsteht.

Dinge, die Eltern eine gute Eltern-Kind-Beziehung erschweren können

Vorangehende Depressionen
Kein gutes elterliches Vorbild
Eine Fehlgeburt
Mangel an Familie oder Freunden für emotionale Unterstützung und postnatale Hilfe
Stress im allgemeinen, insbesondere Geldprobleme, Arbeitslosigkeit
Ehe- / Beziehungsprobleme
Missbrauch

Es kann helfen, möglichst viel Hautkontakt mit dem Neugeborenen zu haben, denn dieser unterstützt den Bindungsprozess. Aber selbst wenn die Geburt unkompliziert ist und es viel Hautkontakt gibt, kann die Bindung verzögert werden. Manche Mütter bekommen den so genannten Baby-Blues, und das kann das Bonding erschweren. Andere Mütter können sich durch die Geburt so erschöpft fühlen, dass genau diese Erschöpfung der Bindung im Wege steht. Für den Vater kann die Bindung länger dauern, da Väter ihre Babys nicht stillen und nicht die gleiche natürliche Nähe mit dem Baby haben. Es kann dann helfen, dem Vater ganz bewusst bestimmte Aufgaben, wie das Baden oder Windel wechseln zu überlassen – und natürlich darf auch Papa ganz viel kuscheln.

Bonding-Tipps

Verbringe so viel Zeit wie möglich mit deinem Baby.
Wenn sich dein Baby auf einer Neugeborenen-Intensivstation befindet, besuche es so oft, wie möglich. Halte dein Baby, wenn möglich, oder singe ihm vor, damit es weiß, dass du in der Nähe bist.
Trage dein Baby im Tuch oder einer Trage, um ihm Nähe zu schenken.
Singe und spreche mit deinem Baby. Stimme und liebevolle Berührung helfen dir und dem Baby, eine Verbindung herzustellen.
Stille dein Baby, wenn du kannst und du dich damit gut fühlst. Kaum etwas schafft eine so starke Verbindung zwischen Mutter und Kind.
Lass dein Baby bei dir schlafen, am besten im Familienbett.
Massiere dein Baby sanft mit etwas Olivenöl oder Babylotion. Massage kann Babys beruhigen und Koliken lindern.

Vater-Kind-Beziehung

Vätern fällt es oft sogar noch schwerer, eine tiefe Bindung zum Kind aufzubauen. Sie haben es ja auch nicht 10 Monate im Bauch getragen und oft fällt es ihnen schwer, sich dann mit all dem Neuen zurechtzufinden. Aber auch die Papas kann man beim Bindungsprozess unterstützen.

Papas ich, die Partnerin mit zu den Vorsorgeterminen zu begleiten. So wird die Schwangerschaft weniger abstrakt und vielleicht erhaschst du ein Bild von deinem Kind auf dem Ultraschall.
Leg die Hand auf den wachsenden Bauch und spüre die Bewegung deines ungeborenen Kindes.
Sprich mit dem Baby, so lernt es bereits im Bauch deine Stimme kennen.
Unterstütze deine Partnerin aktiv bei der Geburt. Halte ihr den Rücken frei, halte die Hand, sorge für eine gute entspannte Atmosphäre.
Kümmere dich um verantwortungsvolle Aufgaben, wie Windeln wechseln, das Baby trösten, es baden.
Trage dein Baby in einer Trage, beispielsweise bei der Hausarbeit oder auf einem Spaziergang.
Kuschle mit dem Baby Haut an Haut.

Bonding kann auf so viele verschiedene Arten stattfinden. Mal ist die Beziehung sofort da, dein Herz ist voll und du bist überglücklich. Mal dauert es seine Zeit, eine Woche, zwei, vielleicht acht und dann kommt ein Punkt, an dem du ganz plötzlich ein warmes Gefühl bekommst und es spürst. Liebe. Wie auch immer es passiert früher oder später und wie auch immer wir es nennen, Verbundenheit ist eines der besten Dinge, die wir als Menschen erfahren können. Es gibt einfach nichts Schöneres als das Gefühl der Verbindung zu einem neuen Wesen. Und nichts ist so wichtig für das Wohlbefinden Ihres Kindes von der Geburt bis zum Erwachsenenalter.

Alles Liebe,

„Mein Vater? Ich habe nur einen Erzeuger“, sagte die Frau im Coaching.

Wenn die Vater-Tochter-Beziehung misslingt.

Bild: Tina Bo

Die Vater-Tochter-Beziehung ist der Grundstein für das Verhältnis, das Frauen zu Männern haben. Welche Folgen es haben kann, wenn der Vater von Mutter und Tochter nur als „Erzeuger“ erlebt wird, lesen Sie in diesem Fallbericht aus meiner Coaching-Praxis.

„Bei Ihnen kriegt man ja auch keinen Parkplatz!“ war der Begrüßungssatz der Klientin.

„Jetzt stehe ich da oben im Halteverbot und hoffe mal, dass keiner mich aufschreibt“, fuhr sie fort. „Ich komme zum Coaching, weil mein Chef Sie kennt und darauf bestand, dass ich Sie aufsuche. Er findet, ich sei mit unseren Kunden zu direkt.“

Vor mir stand Regina O., 46 Jahre alt, Pharmareferentin eines großen Arzneimittelherstellers, einsfünfundsechzig groß, mit einem für eine Frau sehr festen Händedruck und einem stechenden Blick.

„Na, dann kommen Sie doch erst mal rein“, sagte ich zu ihr.

Die ersten Minuten sind immer aufschlussreich in meinem 3-h-Coaching. Denn der Klient betritt für ihn unbekanntes Terrain. Er kennt mich zwar schon ein bißchen, aus dem Netz, von Mails. Aber jetzt ist es die erste persönliche Begegnung, in meinen Räumen und nicht auf neutralem Boden.

Das heißt, für den Klienten ist es eine unsichere Situation. Und Menschen reagieren ganz unterschiedlich darauf:

  • Manche zeigen ihre Unsicherheit, indem sie leise sprechen und erst nach der zweiten Aufforderung sich trauen, hinzusetzen.
  • Manche überspielen ihre Unsicherheit, indem sie betont dynamisch mich begrüßen, als würden wir uns schon ewig kennen.
  • Manche tun so, als wäre die Situation für sie völlig alltäglich und benehmen sich so, als träfen sie sich mit einer guten Freundin in einem Café. So wie meine Klientin.

In meiner Coaching-Fortbildung trainiere ich die Teilnehmer darin, ihre intuitive Wahrnehmung zu vertiefen. Denn das Wesentliche, was zwischen zwei Menschen geschieht, teilt sich nicht über Worte mit. Darin sind wir fast alle geschickt, uns zu verstellen und einen guten Eindruck zu hinterlassen. Nein, das Wesentliche, vor allem dort, wo es um die Beziehungsgestaltung geht, wird nonverbal über das Verhalten kommuniziert.

„Sie sagten, Ihr Chef schickt Sie hierher. Was sollen Sie denn seiner Meinung nach ändern?“, fragte ich Frau O.
„Das habe ich ja schon gesagt, er meint, ich wäre zu direkt mit unseren Kunden“, war die Antwort.
„Aber kann man das denn ändern, frage ich Sie.“

Etwa fünf Minuten waren bis jetzt vergangen und ich bemerkte eine leichte Verärgerung in mir. Erst eine Beschwerde der Klientin, dann eine Zurechtweisung und jetzt eine theoretische Frage; ich bekam eine Ahnung, was ihrem Vorgesetzten Sorgen machte.

„Haben Sie mal ein Beispiel für Ihr angeblich zu direktes Verhalten?“, wollte ich wissen.
„Ja klar, er ist mal bei zwei Kundenterminen von mir mitgegangen und hatte hinterher eine ganze Liste mit Sachen, die er bei mir beobachtet hatte. Ich würde den Kunden nicht ausreden lassen, manchmal mit den Augen rollen, wenn der Kunde was sagt, meine witzig gemeinten Bemerkungen gefielen ihm auch nicht“, gab die Klientin an.
„Und was schließen Sie jetzt aus dem Feedback Ihres Vorgesetzten?“, fragte ich, um herauszubekommen, ob es einen Ansatz von Auftrag gab, was immer schwierig ist, wenn jemand zum Coaching beordert wird.
Auch bei dieser Klientin gab es nur Abwehr:
„Ja, Gott, die Menschen sind halt unterschiedlich. Der eine ist so, der andere so. Mein Chef ist meistens diplomatisch, man könnte auch sagen, konfliktscheu. Ich bin eben direkt. Das hat mir meine Mutter beigebracht. Und vor allem, meine Zahlen stimmen ja. Also, worüber regt er sich so auf?“

Die Vater-Tochter-Beziehung prägt eine Frau oft fürs Leben.

Die Fähigkeit zur Empathie, also wahrzunehmen, was in einem anderen Menschen vor sich geht, entwickelt sich sehr früh. Schon ganz kleine Kinder beobachten ihre Umgebung ganz genau, kriegen mit, was in anderen vorgeht und greifen oft helfend ein.

Wie der Vater in Beziehung zur Tochter sich verhält, ist dabei genauso wichtig wie der Kontakt der Mutter zur Tochter. Beide prägen die Beziehungslandkarte der Tochter.

Ich vermutete, dass dies keine Stärke meiner Klientin war und war neugierig, ob wir herausfinden könnten, woran das lag. Dazu stelle ich immer Fragen zur Herkunftsfamilie, denn dort lernen wir wichtige Fähigkeiten – oder eben nicht.

„Sie erwähnten vorhin, dass Ihre Mutter Ihnen die direkte Art beigebracht hat. Was meinen Sie damit?“, wollte ich wissen.

„Als Kind in unserer Straße spielte ich hauptsächlich mit Jungs. Und da ging es manchmal schon rauer zu. Als mich mal wieder ein Junge ärgerte und ich heulend nach Hause lief, tröstete mich meine Mutter nicht, sondern fuhr mich an, dass ich mich gefälligst wehren solle anstatt zu flennen. Körperlich ging das ja nicht, da war ich den Jungs unterlegen. Aber von da an, wenn mir einer dumm kam, ließ ich einen flotten Spruch los und hatte meistens die Lacher auf meiner Seite. So verschaffte ich mir mit der Zeit Respekt“, berichtete die Klientin sichtlich stolz.

„Da haben Sie ja ein frühes Survivaltraining absolviert“, vermutete ich.
„Stimmt, meine Mutter fand das toll. Sie war auch so. Als einzige Frau in einer Autowerkstatt machte sie dort die Auftragsabwicklung und musste sich auch immer durchsetzen.“

„Und wie fand das Ihr Vater?“, war ich jetzt neugierig.
„Mein Vater? Ich habe keinen Vater, nur einen Erzeuger“, war die trotzige Antwort.

Die Klientin erzählte, dass der Vater sich direkt nach der Geburt von der Mutter getrennt hatte, nie Alimente gezahlt hatte. Nie ein Lebenszeichen von sich gegeben hatte.

„Haben Sie ihn denn nie vermisst?“, fragte ich nach.
„Wie soll man etwas vermissen, was man nie hatte?“, gab die Klientin als Antwort.

Das war jetzt eine Rationalisierung, eine psychische Abwehr, bei der man eine vernünftige Antwort gibt – anstatt der richtigen. Klick um zu Tweeten

Denn natürlich vermisst jedes Kind einen fehlenden Elternteil. Vor allem dann, wenn es erlebt, dass andere Gleichaltrige auch mal vom Vater von der Schule abgeholt werden oder beim Abschlussfest bei anderen Kindern beide Eltern anwesend sind. Oder wenn es in der Klasse um den Beruf des Vaters geht und das Mädchen keine Antwort weiß.

Warum eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung eine Hypothek ist.

Nichts über den eigenen Vater zu wissen, hinterlässt immer eine tiefe Wunde in Menschen. Denn emotional betrachtet, dient das Wissen, von wem wir abstammen, als sichtbarer „Beweis“ unserer Existenz.

Kennt man den eigenen Vater nicht, stellt das gefühlsmäßig fast immer die eigene Existenzberechtigung infrage. Sein Nichtvorhandensein und die gefühlte Ablehnung münden leicht in die Überzeugung, nichts wert zu sein. Nicht dazuzugehören zu den anderen Frauen oder Mädchen, weil einem etwas Entscheidendes fehlt.

Der Verlust des Vaters kann viele Ursachen haben:

  • In meiner Generation und der davor war oft der Krieg die Ursache.
    Väter kamen nicht mehr nach Hause, weil sie gefallen waren. Oder kehrten traumatisiert aus dem Krieg zurück und fanden sich nicht mehr zurecht.
  • Heute verlieren Kinder ihre Väter meist durch Scheidung oder Trennung.
    Entweder weil der Vater das Interesse an seinem Kind verliert oder weil die Mutter es ihrem Ex-Mann heimzahlen will und das Umgangsrecht erschwert oder verweigert.
  • Noch häufiger weil Väter mehr mit ihrem Beruf verheiratet sind als mit ihrer Partnerin.
    Zwar körperlich anwesend aber geistig und emotional weit weg.
  • Oder Väter, die aus eigener Vaterlosigkeit keine emotionale Bindung zu ihren Kindern aufbauen können.
  • Ein Spezialfall sind Kuckuckskinder.
    Hier ist der Vater nicht der biologischer Vater des Kindes, weil die Mutter es mit einem anderen Mann zeugte und das Kind und seinen sozialen Vater im Glauben ließ, miteinander blutsverwandt zu sein.

Das Kind fragt sich in bangen Stunden, was es hier soll, wenn sich selbst der eigene Vater so früh schon abgewendet hat. Dieser Schmerz ist so groß, dass es ihn verdrängen oder kompensieren muss. Möglicherweise durch eine Essstörung, durch strenge Leistungsorientierung, durch Abwertung alles Männlichen.

Mädchen die ohne Vater aufgewachsen sind, wollen ihre Verletzlichkeit nicht zeigen, oft noch nicht einmal selbst empfinden. Denn es könnte als Schwäche interpretiert werden. Um ihre Verletzlichkeit zu verbergen, entwickeln sie oft einen „Sei stark-Antreiber“ und präsentieren sich der Welt als „ewiges Mädchen“ oder als „kämpferische „Amazone“.

Jemand mit einem „Sei stark”-Antreiber:

  • Gebraucht oft Worte, die die Botschaft andeuten:
    „Meine Gefühle und meine Handlungen habe nicht ich zu vertreten, sondern sind durch äußere Einflüsse hervorgerufen worden“, d.h. Gefühle werden versachlicht.
    „Sie machen mich wütend!”
    „Das Buch langweilt mich zu Tode!“
    „ … und dann kommt diese Nervosität!”
    „Sein Verhalten hat mich gezwungen, zurückzuschlagen!“
    „Das Milieu dieser Stadt ruft Gewalttaten hervor!”
  • Spricht von sich selbst, indem er er/sie meist das Wort „man“ oder entsprechende Ausdrücke verwendet, bei denen er zu sich auf Distanz geht.
    „Solche Situationen bringen einen ganz schön unter Druck.”
    „Da kriegt man ja beinahe Angst.”
    „Das freut einen ja dann auch.”
    (Zitate von vfp.de)

Wie die Vater-Tochter-Beziehung zum Lebensthema werden kann.

Ich überlegte, wie ich diesem schmerzhaften Thema bei der routinierten Abwehr der Klientin beikommen könnte. Auf direktem Weg ging das nicht. Also durch Fragen oder Andeutungen. Das Unbewusste der Klientin würde sie schützen und für vernünftige Antworten sorgen.

Im Coaching muss man oft die psychische Abwehr des Klienten unterlaufen. Man muss unter dem Radar einfliegen. Klick um zu Tweeten

Dazu brauche ich die Achtsamkeit der Klientin. Denn das Alltagsbewusstsein nutzt immer die bewährten Routinen der Selbstorganisation, d.h. es verhindert, dass schmerzhafte Gefühle berührt werden können. Doch Veränderung geschieht nicht über Einsicht. Eine starke emotionale Beteiligung zu dem Thema ist notwendig.

Aber zuerst brauchte ich noch ein paar Information über die Beziehung zwischen Vater und Tochter.

„Kennen Sie denn Ihren Vater?“, wollte ich zuerst wissen.
„Was heißt ‚kennen‘?“, antwortete die Klientin, „ich weiß genau, wo er wohnt. In einem kleinen Dorf im Elsaß. Als ich vierzehn Jahre alt war, wollte ich, dass meine Mutter mal mit mir zu ihm fährt. Da wurde sie ganz eisig und sagte, das könne ich ihr nicht antun. Sie fing an zu heulen, dass dieser Mann ihr Leben verpfuscht hätte und er das auch mit meinem Leben machen würde.“

„Was meinte Ihre Mutter damit, dass er ihr Leben verpfuscht hätte?“
„Er hat sie ja während der Schwangerschaft verlassen wegen einer anderen. Bei uns auf dem Dorf war sie damit geächtet. Sie ist nie darüber hinweg gekommen, hat sich auch nie wieder einem Mann genähert. Ging völlig in ihrer Arbeit auf, war aber zeitlebens unglücklich. Heute würde ich sagen, sie war depressiv. Sie bekam dann mit 65 Jahren Brustkrebs und verstarb nach einem Jahr. Kein schönes Leben, würde ich mal sagen.“

„Hat sich denn Ihr Vater nie von sich aus bei Ihnen gemeldet?“ wollte ich noch wissen.
„Nein, nie. Ich hätte ihn auch nicht treffen wollen. Er ist für mich gestorben. Meine Mutter und ich kamen auch prima ohne ihn zurecht“, antwortete Regina O.

Ich hörte, wie sich ihre Stimme verändert hatte und dachte, dass wohl eben ein Gefühl aufgetaucht war. Verzichtete aber darauf, es anzusprechen, weil ich annahm, dass die Klientin es abstreiten würde.

Bild: Steven Van Loy

In den beiden ersten Lebensjahren hat der Vater eine wichtige Rolle. sagt der Psychiater Matthias Franz:

„In dieser Zeit entdecken Kinder die Welt, sie lernen laufen und sprechen“. Die Entdeckung der Dreiecksbeziehung Vater-Mutter-Kind sei in dieser Phase entscheidend. „Der Vater nimmt das Kind auf den Arm, zeigt ihm den Weg weg von der Mutter und hilft bei der Erkundung der Welt. Das Kind erkennt, dass das in Ordnung ist, dass es die Trennung von der Mutter und die besonders gegen Ende des zweiten Lebensjahres damit einhergehenden Ängste und Wutzustände überlebt.“ Das heißt, die Kinder lösen sich mithilfe des Vaters von der bis dahin „übermächtigen“ Mutter. Das Kind lernt mit seiner Hilfe selbstständig zu werden, ohne sich vor der Welt oder der Trennung von der Mutter zu fürchten. (Zitat: Berliner Kurier)

Die Folgen einer belasteten Vater-Tochter-Beziehung.

Dass der Vater in der Erziehung eine wichtige Rolle spielt, wurde lange vernachlässigt. Langzeitstudien zeigen, dass eine Kindheit mit nur einem Elternteil ein Leben lang negative Folgen haben kann. Dass ein Kind guten Kontakt zu beiden Eltern hat, spielt vor allem bei der Entwicklung der Bindungsfähigkeit eine entscheidende Rolle. (Hier ein längerer Buchauszug dazu.)

Für Mädchen insbesonders heißt das: Fehlt der liebevolle Kontakt zwischen Vater und Tochter kann es sein, dass das Mädchen dies als persönlichen Mangel seiner selbst und später seiner Weiblichkeit verarbeiten. Unbewusst glaubt das Kind:

  • „Irgendwas stimmt nicht mit mir.“
  • „So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung.“
  • „Ich bin nicht richtig.“
  • „Ich genüge nicht.“
  • „Es liegt an mir, dass mein Vater nichts von mir wissen will.“

Dabei ist der Vater für ein kleines Mädchen, die wichtigste männliche Person, ist er doch „der erste Mann im Leben einer Frau“, der damit auch ein erstes, frühes Bild von Männlichkeit vermittelt.

Ist diese Beziehung belastet oder gestört, kann es sein, dass das Mädchen eine dieser drei Strategien wählt:

  • Sie wird eine Gefalltochter.
    Das Mädchen entwickelt Liebreiz und Anmut und versteckt alle aggressiven Regungen von sich.
  • Sie wird eine Leistungstochter.
    Das Mädchen lernt, dass sie nur über maximale Anstrengung und Leistung männliche Aufmerksamkeit bekommt.
  • Sie wird eine Trotztochter.
    Das Mädchen begegnet Männern mit Argwohn, offener oder versteckter Rebellion.
    Die Vaterbeziehung kann fürs ganze Leben Segen oder Fluch sein, denn in der Partnerbeziehung setzt sich das erlernte Muster fort.

Diese Strategien dienen dazu, wenn schon keine Liebe, dann wenigstens männliche Aufmerksamkeit zu erhalten.

Führen diese Verhaltensweisen zum Ziel werden sie als bester Weg verinnerlicht. Denn es sind kompensatorische Umwege, die aus dem Mangel väterlicher Zuwendung entstanden sind. Meist prägen sie die falsche Identität bis ins Erwachsenenleben. Sie beeinflussen so das Selbstbewusstsein, die Gefühlswelt, die Liebesbeziehungen und die Berufswahl der Frau.

Bild: Limor Zellermayer

Wie heilt man eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung?

Genauso wie die Beziehung zur Mutter kann die Vaterbeziehung das ganze Leben beflügeln oder belasten. Denn oft durch die entsprechende unbewusste Partnerwahl setzt sich das erlernte Muster (gefallen, leisten, trotzen) dort fort. Deshalb ist es wichtig, dass Vaterwunden heilen. Doch wie geht man das an?

Sicher nicht durch:

  • Verdrängung.
    „Was man nie hatte, kann man nicht vermissen.“
  • Bagatellisierung.
    „Andere wachsen ganz ohne Eltern auf.“
  • Kontaktabbruch.
    „Mein Vater ist für mich gestorben.“
  • Verachtung.
    „Mit dem Schwein will ich nie wieder etwas zu tun haben.“

Aber wie dann?

Der erste Schritt zur Heilung ist, dass man sich eingesteht, dass es da eine Wunde gibt. Klick um zu Tweeten

Das ist nicht einfach, muss man sich doch bewusst machen, wie man den eigenen Vater erlebt hat oder heute noch erlebt. Ist er in der Erinnerung uninteressiert, gleichgültig, gefühllos, kontaktscheu, kränkend, verletzend, abweisend oder gar gewalttätig? Dann kann es gut sein, dass das Mädchen (oder der Junge) sich ein Leben lang nach der Liebe des Vaters sehnt.

Zum Bewusstmachen im Coaching gehört auch, dass man den eingefrorenen Schmerz ein Stück „auftauen“ lässt. Denn nur über die Emotionen ist Heilung möglich. Dazu gehören auch Phantasien und Ängste.

Denn auch wenn das Kind nichts vom Vater weiß, weil er unbekannt, verschollen oder verstorben ist, geistert er als Figur in der Phantasie des Kindes. Barbra Streisand drückt diese oft lebenslange Sehnsucht in diesem Lied aus dem Film „Yentl“ überzeugend aus.

Um die Vaterwunde zu heilen sind nach dem Zulassen des Verlustes die weiteren Schritte Spurensuche, Gefühlsarbeit und Versöhnung.

Zurück zu meiner Klientin.

Ich hatte noch nicht genau genug verstanden, wie ihre angeblich „direkte“ Art mit ihrer Biografie zusammenhing. Sicher hing ihre etwas ruppige Art mit dem Bedürfnis zusammen, sich niemals schwach zu fühlen oder anderen so zu erscheinen.

  • In meiner Straße musste sie länger nach einem Parkplatz suchen.
    Das war sicher etwas anstrengend und nervig. Aber anstatt das zu sagen, machte sie mir daraus einen Vorwurf.
  • Auf meine Frage, was sie ändern wolle, reagierte sie gereizt.
  • Die Frage nach dem Vater blockte sie ab. Was man nie hatte, vermisst man nicht.

In solchen Coachingsituationen ist es immer hilfreich, nach den Trigger-Faktoren zu forschen. Klick um zu Tweeten Also, wann, wo, mit wem, durch was und wie oft wird das „problematische“ Verhalten ausgelöst? Daher fragte ich Regina O.:

„In welchen Situationen werden Sie denn so direkt mit Kunden? Das habe ich noch nicht verstanden.“
Den zweiten Satz fügte ich absichtlich dazu, um klar zu demonstrieren, dass es an mir lag, dass ich etwas noch nicht kapiert hatte – und nicht an ihrer Schilderung.
Intuitiv hatte ich richtig gehandelt, denn ihre Antwort führte uns endlich auf eine wichtige Spur.

„Ich werde direkt, wenn ein Kunde nicht gleich was versteht, was ich gerade erklärt habe. Ich rolle mit den Augen, wenn ein Kunde was vergessen hat, was ich vor einer Stunde ihm ausführlich gezeigt habe. Ich werde ungeduldig, wenn nach einem langen Verkaufsgespräch der Kunde immer noch nicht abschließen will. Solche Situationen sind es, die mich so packen können, dass man mir das anmerkt. Okay, das ist vielleicht nicht professionell, aber ich kann dann nicht anders, muss mich anscheinend irgendwie wehren.“

„Fragt sich, gegen wen oder was Sie sich da unbewusst wehren müssen“, gab ich zu bedenken.
„Ich habe keine Ahnung, aber es ist so stark, dass es mir immer wieder passiert“, antwortete Regina O.

Die Wende in einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung.

Hier braucht es eine Hypothese von mir, die erklärt, wie alles miteinander zusammenhängt. Genauer gesagt, welche Funktion das „direkte“ Verhalten, das ihren Chef stört, im Leben der Klientin hat. Und über das sie keine Kontrolle zu haben scheint, weil der dazugehörige innere Konflikt so mächtig ist.

„Ich habe eine Idee, gegen was Sie sich so vehement wehren müssen. Wollen Sie sie hören?“ fragte ich.

Dieser Satz ist wichtig, um das Unbewusste zur Mitarbeit einzuladen und die Klientin ebenfalls.
Würde ich meine Hypothese einfach so sagen, könnte es sein, da es ja um sehr empfindliche Themen geht, dass die Klientin sich überrumpelt fühlt und nicht einbezogen. Abwehr wäre vermutlich die Folge.

„Lassen Sie mal hören“, sagte sie.

„Ich glaube, durch Ihre direkte Art wehren Sie sich gegen das Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, dass in Ihnen aufsteigt. Und das dann aufsteigt,

  • wenn der Kunde nicht versteht, was Sie wollen,
  • wenn er vergisst, was Sie ihm gezeigt haben,
  • wenn er nichts von Ihnen haben will, was Sie ihm zu geben haben.

Und was Sie in diesen Situationen fühlen ist die Hilflosigkeit der kleinen Regina, die manchmal nachts wach lag und sich den Kopf zermarterte, warum ihr Vater nichts von ihr versteht, sie vergessen hat und nichts von ihr haben will.“

Hier probiere ich eine psychoanalytische Deutung, um etwas Rätselhaftes zu verstehen und etwas Unbewusstes bewusst zu machen. Klick um zu TweetenLesen Sie dazu den Beitrag von Dunja Voos.

Das ist riskant, wenn man schiefliegt mit seiner Hypothese oder die Deutung zu früh erfolgt. Aber wenn eine Deutung im Coaching klappt, ist es ein großer Aha-Moment für den Klienten. Und den Coach.

Ich hatte Glück. Regina O. blickte mich ganz offen an, zum ersten Mal in dieser Sitzung und sagte:
„Ohnmacht, das trifft es. Hilflos und ohnmächtig. Das Gefühl zieht sich durch mein Leben.“ Die Klientin atmete hörbar aus und sank etwas tiefer in meinen bequemen Sessel.

Aber wir waren noch nicht ganz durch. Ich hatte noch eine Hypothese, warum das Verhalten von Regina O. so stabil war über die Zeit, trotz der vielen Feedbacks von Kollegen und ihrem Chef über ihr unmögliches Verhalten. Die Idee kam mir zwar etwas seltsam vor aber ich vertraue meistens meiner Intuition, die mir zeigt, wo es lang geht.

Mir fiel eine Szene aus dem Film „Good Will Hunting“ ein.
Dort will der Psychiater, gespielt von dem wunderbaren Robin Williams, seinem traumatisierten Patienten Will helfen, seinen Schutzpanzer abzulegen, um emotional zu ihm durchzudringen.

Und er macht Folgendes:

Das wollte ich ich bei meiner Klientin auch ausprobieren. Ich bat sie, die Augen schließen und sagte mehrmals zu ihr:

„Regina, du kannst nichts dafür. Du kannst nichts dafür.“

Es passierte das gleiche wie in der Filmszene, außer dass ich die Klientin nicht umarmte. Aber ihr schossen die Tränen in die Augen, sie schluchzte laut auf und schlug die Hände vors Gesicht.

Nachdem die starken Gefühle nach einigen Minuten abgeebbt waren, schaute sie mich erwartungsvoll an.

„Wie geht’s Ihnen? Wie fühlen Sie sich?“, fragte ich.
„Etwas durchgeweicht aber sehr gut“, war ihre Antwort.
„Tief innen drin habe ich mich immer schuldig gefühlt, das spüre ich jetzt. Schuldig, dass durch meine Geburt das Leben meiner Mutter so schwierig wurde. Schuldig, dass mein Vater mich nie sehen wollte. Schuldig, dass meine Mutter sich nie wieder auf einen Mann einlassen konnte.“
Und nach einer Weile fragte sie etwas ratlos: „Aber was mache ich jetzt? Meine Mutter ist schon lange tot. Ich bin ja ganz allein.“

Da ich spürte, dass das Unbewusste der Klientin in gutem Kontakt mit mir war, schaute ich sie nur an und sagte:„Liegt das nicht auf der Hand?“
Regina O. erschrak und stieß hervor: „Das meinen Sie nicht im Ernst!“
Da ich nicht reagierte, fuhr sie fort: „Sie denken, meine Mutter ist tot aber da gibt es ja noch meinen Vater.“

Die Klientin blieb noch eine Weile regungslos sitzen.
„Worauf warten Sie noch?“ erkundigte ich mich.
„Sie meinen, ich soll jetzt zu meinem Vater fahren?“, fragte sie ungläubig.
„Sie haben doch schon lange seine Adresse,“ vermutete ich.

Wenn man mit dem Unbewussten des Klienten verbunden ist, braucht es manchmal nicht viele Worte. Der andere spürt, was zu tun ist – und ich spürte es auch.

Eine Woche später schrieb mir Regina O. einen Brief. Am nächsten Abend hatte sie ihren Vater zuhause angetroffen. Er sei überwältigt und überglücklich gewesen, sie zu sehen. Sie sei auch erleichtert gewesen, hätte aber auch mit zwiespältigen Gefühlen zu kämpfen. Denn ihr Vater wäre Alkoholiker und lebe in einer ziemlich heruntergekommenen Wohnung. Er habe ihr immer wieder Briefe geschrieben, behauptete er. Sie wisse nicht, ob sie das glauben könne, dann müsste ihre Mutter diese ja abgefangen haben, was aber denkbar wäre.

Wenn die Vaterwunde sich schliessen kann, bleibt eine Narbe. Im Fall meiner Klientin eine ziemlich große. Und Narben tun immer etwas weh, wenn man sie berührt.

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  • „Ich kann keine Entscheidungen treffen.“
  • „Ich habe alles erreicht!“
  • „Delegieren kann ich nicht.“

PS: Alle Fallgeschichten sind real, aber so verfremdet, dass ein Rückschluss auf meine Klienten nicht möglich ist und die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.

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Vater und Tochter: So wichtig ist ihre Beziehung

Also traut sie sich selbst viel zu. Etwa auch, den Kapitalismus zu verteidigen und selbstbewusst auf der Bühne zu sagen: „Ich will Geld verdienen.“ Und gleichzeitig die Welt verbessern, das will sie auch. Väter sind eine unterschätzte Kraftquelle – gerade für die Töchter. „Bis vor zehn Jahren herrschte in der Forschung die Auffassung vor, dass Väter keinen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes haben“, sagt die Britin Anna Machin, Anthropologin an der Universität Oxford („The Life of Dad“).

Die großen Bindungsforscher – etwa John Bowlby, Anna Freud und René Spitz – postulierten, dass es beim Werden eines Menschen auf die Qualität der Beziehung von Mutter und Kind ankomme. Entsteht zwischen ihr und dem Kind eine sichere Bindung innerhalb der ersten drei Lebensjahre, immunisiere dieses Band die Seele gegen die Unbill des Lebens, fast wie eine Impfung.

Die Tür zur Außenwelt öffnen

Das Bild der nährenden Mutter und des Vaters draußen vor der Tür hat bis heute in vielen FamilienBestand. „Während Frauen und Mütter in der Champions League der öffentlichen Aufmerksamkeit spielen, sind die Väter in die Kreisliga abgestiegen“, findet Psychotherapeut Peter Ballnik, Autor des Sachbuchs „Vaterseelenallein“.

In den Kreißsälen durchtrennen junge Väter nun die Nabelschnur und beenden so die naturgegebene Symbiose von Mutter und Kind. Ein Akt, der auch Symbol sein könnte für die Rolle des Vaters in den nächsten Jahren: Er ist derjenige, der die enge Mutter-Kind-Zweisamkeit auflösen kann und auch sollte.

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Der Vater ist es, der die Tür zur Außenwelt öffnet. Er unterstützt das Kind in seiner Neugier und bei der schrittweisen Eroberung der Welt. Während Mütter eher zur Vorsicht mahnen, ermuntern Väter ihre Kinder zum Risiko. Ein Geschlechtsunterschied, der auch im EEG sichtbar ist: Interagiert die Mutter mit dem Baby, wird bei ihr vor allem der Teil im Gehirn aktiviert, in dem Gefühle wie Fürsorge beheimatet sind.

Die mütterliche Beziehung zum Kind sei nach innen gerichtet, sagt Anthropologin Machin. Beim Vater dagegen werde der Neocortex aktiviert, wo die soziale Kognition sitzt, das Planen, Anschieben, Herausfordern.

„Die Evolution vermeidet Redundanz“, erklärt Machin. Deshalb sind Väter keine männliche Version der Mutter, sondern haben eine andere Rolle inne: Sie sind die großen Mutmacher. „Fehlt dem Kind diese steuernde Hand des Vaters beziehungsweise der Vater an sich, bleibt es nur allzu oft am Eingang seiner Höhle, seines Hauses, seiner Wohnung, seines Zimmers stehen; es traut sich nicht hinaus in das soziale Leben“, behauptet Psychologe Ballnik.

Väter unterfordern ihre Töchter

Während sie ihren Söhnen mitunter zu viel abverlangen, fordern und fördern die Väter ihre Töchter allzu oft unter deren Möglichkeiten. Eine US-Studie aus den siebziger Jahren zeigte, dass Väter sich mehr mit ihren neugeborenen Knaben beschäftigten als mit den Mädchen – sie nahmen sie häufiger auf den Arm, zeigten ihnen Dinge und sahen ihre Jungs sogar häufiger an als die Mädchen.

Ein längst überholter Befund? 2017 ergab eine Untersuchung der American Psychological Association, dass Väter von Sohn und Tochter im Kleinkindalter dreimal mehr Spielzeit mit dem Sohn als mit der Tochter verbrachten. Beim Mädchen sangen und redeten sie mehr, die Gespräche waren emotionaler. In der Interaktion mit dem Jungen dagegen fielen häufiger Wörter wie „stolz sein“, „gewinnen“, „Erster werden“ – es ging öfter um Leistung und Zielerfüllung.

Weinte das Kind, reagierten die Väter bei dem Mädchen schneller als beim Jungen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Eine Squaw offenbar schon. Die Väter, sagt Mathias Voelchert, Gründer und Leiter der Familienwerkstatt Familylab, „haben zu ihren kleinen Töchtern ein oft wachsweiches Verhältnis“. Anders ausgedrückt: Sie lassen sich einwickeln von der Anschmiegsamkeit und dem Liebreiz der Mädchen.

Väter eröffnen ihren Töchtern die männliche Welt

Kein Grund, sich als Vater dafür zu schämen: In der Kindheitsphase sei das wunderbar, findet Voelchert. Im Umgang mit dem Vater experimentiert die Tochter schlicht mit verschiedenen Kommunikationswegen: Was führt bei wem ans Ziel? Und das wiederum bedeutet nichts anderes als das Erlangen sozialer Kompetenz.

„Den Grunddialog mit dem männlichen Geschlecht lernen wir Frauen nicht mit der Mutter, sondern in der Beziehung mit dem Vater“, sagt auch die Schweizer Psychologin Julia Onken. „Die Begegnung mit dem Vater eröffnet uns die männliche Welt. Er legt den Grundstein dafür, wie wir uns später in dieser Welt einrichten werden.“

Für das Mädchen wird der Vater zum Spiegel, lange bevor es „Germany’s Next Topmodel“ entdeckt. Am Papa beobachtet es, was Männer offenbar an Frauen schätzen und was nicht. Familiencoach Voelchert gibt in seinen Männerseminaren den Vätern deshalb vor allem diesen einen Rat: „Lieben Sie Ihre Frau!“ Beobachtet die Tochter, dass der Vater der Mutter liebevoll auf Augenhöhe begegnet und sie – trotz möglicher Kritik am konkreten Verhalten – stets als Person wertschätzt, fühlt sie sich als „Frau in spe“ ebenfalls akzeptiert.

Wenn Papas Prinzessin pubertiert

Erziehung, so Voelchert, ist eine Pendelbewegung zwischen Annäherung und Loslassen. Doch ausgerechnet in der Findungsphase namens Pubertät zieht sich der Vater häufig zurück. Die Sorgen und Nöte der Tochter sind nun Mädchenkram und liegen damit im Zuständigkeitsbereich der Mutter. Den paternalen Rückzug interpretiert die Heranwachsende aber als Ablehnung ihrer Metamorphose, und vielleicht ist er das auch, zumindest unbewusst.

Papas Prinzessin ist verschwunden, sie ist nicht mehr niedlich. Sie bewundert ihn nicht mehr als besten Vater der Welt, sondern hält ihn für ein peinliches Relikt aus der Urzeit. Oder aber er vermeidet Körperkontakt gerade aufgrund ihrer wachsenden Attraktivität: Wie viel Berührung ist jetzt noch okay? Auf die Tochter wirkt seine Abwendung jedoch wie kalter Entzug.

Auf Vatergeschichten.de sammelt Betreiber Ingo Schwan Erinnerungen von Töchtern wie Söhnen an Kindheit und Jugend. Sein Herzensprojekt, sagt der Coach, soll die Bedeutung des Vaters unterstreichen: „Vielen Vätern ist gar nicht klar, wie groß ihre Wirkung ist.“ Die Vatergeschichten erzählen von Distanz und Verletzungen, von enttäuschten Hoffnungen und unerfüllten Ansprüchen. Und von der Sehnsucht nach einem Vater, der vor Gefühlen nicht zurückschreckt.

„Er hat niemals die Hand gegen mich erhoben“, erinnert sich eine Tochter. „Er hat mich aber auch niemals – als Kind und bis heute nicht – richtig liebevoll in den Arm genommen, geschweige denn auf die Stirn oder die Wange geküsst.“

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Starke Väter loben

Starke Väter haben die Gabe, in der pubertären Umbauphase im Entlein den Schwan von morgen zu loben. Sie weichen Kämpfen nicht aus, sondern tragen diese auf Augenhöhe aus. Und entdecken in der Tochter Stärken jenseits der Niedlichkeit. „Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen, doch wer ist mit dem Vater zum Angeln gegangen und auf Berge gekraxelt?

Ich“, erinnert sich die Schauspielerin Katharina Müller-Elmau in der FOCUS-Rubrik „Mein Vater“ an ihren Erzeuger, den Schauspieler Raidar Müller-Elmau. „Er hat mir gezeigt, wie man Fische ausnimmt und Fahrräder repariert. Dass ich als Mädchen mithalten kann, musste ich ihm nie beweisen. Das war selbstverständlich.“

In der Pubertät zum Claqueur der Tochter zu werden zahlt sich aus: „Im Umgang mit dem Vater liegt die Grundlage dafür, wie eine Frau sich selbst später einschätzt, aber auch, wie sie mit anderen Männern zurechtkommt und welchen Männertyp sie mag“, sagt Kinderpsychologe Uwe Bohlmann. „Töchter, die erleben, dass ihr Vater sie wirklich mag, haben ein besseres Selbstwertgefühl und weniger Ängste.

Sie haben seltener Depressionen oder ein ungesundes Gewicht.“ Väter, die ihre Töchter ermutigen und fördern, „sind so etwas wie eine Freikarte für beruflichen Erfolg und ein erfülltes Liebesleben“, postuliert Bohlmann in seinem Ratgeber „Starke Väter – starke Kinder“. Das oberste Ziel jedes Kindes sei, von den Eltern „beantwortet zu werden“, sagt Psychologin Onken.

Für Mädchen haben Väter eine Sonderrolle

Für Mädchen aber habe der Vater eine Sonderrolle: „Er ist der erste Mann in unserem Leben, dem unsere Liebe gilt. Werden wir von ihm nicht ebenso glühend zurückgeliebt, bleiben wir immer auf Beziehungen fixiert, in denen sich diese Tragödie wiederholt.“ Im Innersten hoffe jede Frau bei einer neuen Liebe, dass dieser Partner „die Schulden des Vaters begleicht“. „Die erste Ehe“, ergänzt Familienberater Mathias Voelchert, „ist oft eine Reinszenierung der Kindheit.“

Eine Frau mit sehr autoritärem Vater etwa heiratet tendenziell häufiger einen autoritären Mann, „weil es sich anfühlt wie Heimat“. Folgt darauf eine Trennung, ist das wie eine zweite Loslösung von der Erstfamilie: ein weiterer Anlauf, erwachsen zu werden. Der Vater aber ist nicht nur Blaupause für spätere Beziehungen im Leben seiner Tochter.

Solange die Chefetagen noch vorwiegend männlich besetzt sind, ist er auch ihr erster Trainingspartner für Auseinandersetzungen mit Kollegen und Vorgesetzten. „Wenn der Vater als erste männliche Bezugsperson eines Mädchens auf stereotype weibliche Verhaltensweisen Wert legt, wird das Mädchen daraus schließen, dass es männliche Anerkennung immer dann erlangt, wenn es sich gemäß dem traditionellen Rollenbild der Frau verhält“, formuliert es Nicky Marone, eine US-amerikanische Pädagogin („Gute Väter – Selbstbewusste Töchter“).

Väter als erste männliche Bezugsperson

Gelange das Mädchen zu dem Ergebnis, dass Weiblichkeit und Leistung sich ausschließen, „wird es ernsthaft versucht sein, eines für das andere zu opfern“. Der Mangel an Frauen in Führungspositionen hat vielerlei Gründe. Doch womöglich ist der in Geschlechterklischees verhaftete Vater einer davon.

Sie sei „nicht wegen, sondern trotz des Vaters“ in die CSU eingetreten, erzählt Judith Gerlach, die 2018 mit 33 Jahren und als zweifache Mutter Digitalministerin im bayerischen Kabinett wurde. Wenn Vater Thomas Gerlach, ein Jurist, beim Abendbrot die eine Kopfseite am Tisch einnahm, saß Judith ihm gegenüber.

Die beiden schlugen sich die Argumente um die Ohren, sehr zur Freude der Geschwister. Als Judith Gerlach – auch für sie selbst überraschend – 2013 in den Landtag gewählt wurde, rief die Mutter instinktiv: „Judith, das sagen wir ab!“ Der Vater dagegen gab der Tochter das Gefühl, die Aufgabe meistern zu können.

Gestörte Vater Tochter Beziehung

Es gibt zwei prägende Faktoren in unserem Leben:

1. Wie Ihre Eltern (und wichtige andere Bezugspersonen) Sie unbewusst programmiert haben.

2. Welche Erfahrungen sie während Ihres Lebens bisher gemacht haben.

Daher ist die Prägung und Konditionierung in unserer Kindheit sehr entscheidend für unser ganzes weiteres Leben.

So prägt uns auch unser Vater ein Leben lang, egal, ob wir eine positive oder eine negative Bindung zu ihm hatten oder haben.

Einfluss auf die Partnerwahl

Dessen müssen wir uns nicht mal bewusst sein, der Einfluss auf die Partnerwahl ist im Unterbewusstsein gespeichert. Der Vater ist der erste Mann im Leben seiner Tochter und deshalb suchen sich später die erwachsenen Töchter oft gerne einen Mann, der dem Vater ähnlich ist.

Selbst, wenn der Vater die Tochter nicht so gut behandelt hat oder nicht genügend unterstützt hat oder er beruflich bedingt oft nicht da war, suchen sich die Töchter oft ähnliche Partner – der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das liegt an dem, was uns vertraut ist. Die meisten Menschen mögen keine unbekannten Wege und können sie auch nicht in ihrem Leben annehmen.

Wenn der Vater also wohlwollend seine Tochter unterstützt und fördert, und sie zu einem selbstständigen und selbstsicheren Menschen erzieht, wird sie später im Erwachsenenalter auch eher die Möglichkeit haben, sich als selbstsicheren Menschen anzunehmen und ihren Weg durch das Leben gehen. Wenn hingegen die Tochter im Kindesalter nur immer wieder zu hören bekommen hat, dass sie nicht gut genug ist oder dass sie dies und jenes nicht hinbekommt, ist die Chance sehr groß, dass aus diesem Mensch nie ein selbstsicherer Mensch wird und dass dieser Mensch sich so fühlt, als sei er nichts wert und sich ihr Leben lang in der Opferrolle fühlt. Ganz allgemein gilt, umso mehr die Talente, Interessen und Hobbys gefördert werden und sich die Kinder entfalten, ausprobieren dürfen, desto mehr wird ein eigenverantwortlicher und ein sich anerkennender Erwachsener aus diesen Kindern.

Ebenso Missachtung des Vaters kann dazu führen, dass die Tochter ihr Leben lang nach Anerkennung von der Außenwelt sehnt und sucht.

Wenn die Tochter aber gar keine Führung bekommt und keine Regeln kennt, wie „Prinzessin auf der Erbse“ groß wird, so wird sie sich später auch schwertun, in einer Beziehung Kompromisse ein zu gehen und wird schwerer ihren „Prinzen“ bekommen, der ihr das Wasser reichen kann und ihr gerecht werden kann.

Einfluss des Vaters auf die Berufswahl

Auch auf die Berufswahl hat der Vater oft einen großen Einfluss: wird von der Tochter erwartet, immer nur mit als beste mit besten Noten aus der Schule nach Hause zu kommen, werden oft die Töchter den Wunsch haben, als Klassenbeste nach Hause zu kommen und später als Beste in einem Unternehmen zu fungieren.

Dies kann auch einen enormen Druck auslösen. Und manchmal wird erwartet, dass die Töchter den selben Beruf ergreifen und damit die freie Wahl und Entfaltung eingeschränkt ist, insbesondere dann, wenn der Vater ein eigenes Unternehmen hat und die Nachfolge der Tochter selbstverständlich ist, obwohl diese vielleicht etwas ganz Anderes möchte.

Wenn der Einfluss des Vaters fehlt

Wenn die Tochter ohne den Vater aufwächst, fehlt eine wichtige Bezugsperson, dass männliche Vorbild fehlt und es gibt Themen, die man lieber mit der Mutter bespricht oder eben mit dem Vater.

Pubertät

Die Pubertät der Tochter ist keine einfache Phase, sie verändert sich körperlich, vom Verhalten, sie entwickelt Schamgefühl. Sie ist kein Kind mehr, aber noch nicht eine erwachsene Frau. Für beide bringt diese Zeit wesentliche Veränderungen im Leben.

Jetzt ist es besonders wichtig, der Tochter ein positives Gefühl zu vermitteln, auch um die Weiblichkeit anzuerkennen. Zu große Distanz wird als abwertend verstanden und zu große Nähe ist auch nicht gefragt.

Der erste Freund

Wenn dann auch noch der erste Freund mit nach Hause kommt, ist der Vater nicht mehr der einzige Mann im Leben seiner Tochter, was er akzeptieren muss.

Für viele Väter bleibt die Tochter immer die „Kleine“.

Nicht allen Vätern fällt es leicht, los zu lassen und der erwachsen werdenden Frau die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Leben beginnen und leben zu können.

Das ist wohl für beide die schwerste Zeit, in der es sehr häufig auch zu Streit kommen kann, zu Momenten, in denen man sich nicht versteht und häufig auch voneinander entfernt.

Beziehung zur erwachsenen Tochter

Irgendwann ist die Tochter erwachsen, dass sie selbst eine Familie gründen möchte, einen Partner hat und Kinder bekommen möchte. Spätestens dann wird sie sich ihrer eigenen Mutter- und Erziehungsrolle bewusst und wird vieles überdenken: wie sie selbst ihre Kinder erziehen möchte, wie sie sich verhalten soll und was sie von ihren Kindern erwartet. Und sie wird sich auch wieder ihrer eigenen Erziehung bewusst, was sie gut fand, was sie nicht so gut fand.

Und wieder beginnt ein neuer Zeitabschnitt, der Vater wird zum Großvater, er ist stolz auf sein Enkelkind und Vater und Tochter kommen sich nicht selten wieder etwas näher, die Gespräche verändern sich. Die Tochter nimmt jetzt vielleicht wieder eher den Rat des Vaters an.

Und so vergehen die Jahre und irgendwann gibt es einen Rollentausch, vielleicht wird der Vater mal hilfsbedürftig, vielleicht wird er krank. Oft wird seine Einstellung gelassener und sieht das Leben anders. Die Töchter fangen in einem „gesunden“ Verhältnis an, sich nach dem Ergehen des Vaters zu erkundigen, kümmern sich um ihn. Man könnte auch sagen, dann wird der Vater zum Kind und die Tochter zum Erziehenden.

Irgendwann erfreut sich die Tochter an der Zeit, die sie mit dem Vater noch verbringen darf, denn irgendwann wird der Tag kommen, an dem der Vater geht.

Ziel sollte sein, dass man sich immer im Leben versteht und dass man eine harmonische Basis hat mit einem gesunden Miteinander Umgehen.

Und dass man den anderen so leben lässt, wie er es möchte, dass man nicht versucht, den Menschen zu ändern. Das kann sowieso nur jeder für sich selbst und kein anderer Mensch. Das führt immer zu Missstimmigkeiten.

Oft sieht die Realität anders aus, man versteht sich nicht, womöglich hat man gar keinen Kontakt mehr. Jedenfalls jetzt ist die Zeit, in der man sich noch versöhnen kann, gegebenenfalls noch mal aufeinander zugehen kann.

Jetzt ist die Zeit, mit sich, mit den Mitmenschen und mit der Welt, in Einklang zu kommen, wenn man es bisher nicht geschafft hat. Es wird der Tag kommen, an dem man sich nicht mehr, jedenfalls nicht persönlich, mit dem Menschen austauschen kann. Leider gibt es viele Menschen, die diese Situation nicht nutzen und vielleicht, viel zu spät, bereuen, dass es so gelaufen ist.

Autor: Franziska Helling
Thema: Gestörte Vater Tochter Beziehung
Webseite: https://www.loop-praxis.de

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  • Jungen suchen nach männlichen Vorbildern. Im Idealfall ist dies der eigene Vater.
  • Ein Vater-Sohn-Konflikt beeinflusst häufig das Selbstbewusstsein von Jungen.
  • Versuchen Sie auch dann eine Vater-Sohn-Beziehung aufrecht zu erhalten, wenn Ihre Partnerschaft zerbricht und eine Scheidung folgt.

Väter und Söhne haben nicht immer die beste Beziehung zueinander. Nach wie vor übernehmen viele Frauen einen Großteil der Erziehung und auch im Kindergarten sowie in der Schule kommen Jungen nur mit wenig männlichen Erziehern und Lehrern in Kontakt.

Aber warum sind männliche Bezugspersonen in unserer heutigen Zeit eigentlich so wichtig? Welche Auswirkung hat eine gute oder eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung auf die Entwicklung?

In unserem Artikel machen wir uns auf Identitätssuche und zeigen Ihnen, weshalb es wichtig ist, dass Männer eine gesunde Beziehung zu ihren Kindern aufbauen.

1. Väter sind Vorbilder

Söhne versuchen meist, ihren Vätern nachzueifern.

In den ersten ein bis drei Jahren des Lebens ist die Mutter für ein Kind die wichtigste Bezugsperson. Mit Ende der Stillzeit erfolgt jedoch eine schrittweise Entfernung von der Beziehung zur Mutter und die Hinwendung zu einer männlichen Bezugsperson.

Dieser natürliche Prozess funktioniert am besten, wenn die Eltern respekt- und liebevoll miteinander umgehen. Auch wenn Frauen grundsätzlich alle Aufgaben erledigen können, die ein Mann im klassischen Rollenverständnis übernimmt, so fehlt zwischen Mutter und Sohn dennoch die Geschlechteridentität.

Selbst ein Kleinkind sucht bereits ganz unbewusst nach Ähnlichkeiten mit dem eigenen Vater. Auch wenn Kinder in diesem Alter noch längst nicht alles verstehen, so beobachten sie grundsätzliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Ein Junge orientiert sich daher beim Stehen oder Gehen deutlich eher an der Haltung des Vaters als der Mutter.

Diese in der Psychologie seit langem bekannte Anpassung muss jedem Vater bewusst sein. Umso wichtiger ist es, genügend Zeit mit der Familie zu verbringen und Kindern zu zeigen, dass auch Männer vermeintliche Frauenaufgaben erledigen.

Ein Telefoninterview über die Psychologie der Vater-Sohn-Beziehung sehen Sie hier:

2. Der Mangel an männlichen Vorbildern macht die Vater-Sohn-Beziehung besonders wichtig

Führungspositionen für Männer:

Trotz des geringen Männeranteils stehen vergleichsweise viele Kitas, Grund- sowie weiterführende Schulen unter männlicher Leitung.
Mehr zur Diskrepanz zwischen diesen Zahlen können Sie hier nachlesen.

In den meisten Haushalten bleiben Frauen in den ersten Lebensjahren ihres Kindes zu Hause. Auch wenn zunehmend mehr Männer Elternzeit für sich beanspruchen, liegt der größte Teil der Erziehungsaufgabe meist in weiblicher Hand.

Selbstverständlich können Frauen für jedes Kleinkind ein gutes Vorbild sein. Jedoch sollte jedem Mann eine gesunde Vater-Sohn-Beziehung am Herzen liegen, um das Vertrauen des eigenen Kindes zu stärken und zu verhindern, dass Kinder sich im Laufe ihres Lebens an weniger geeigneten männlichen Vorbildern orientieren.

In Kindergärten gibt es überwiegend weibliche Erzieher. Auch wenn die Zahl männlicher Erzieher in den letzten Jahren stark gestiegen ist, findet sich in kaum einer Kindertagesstätte mehr als ein männlicher Erzieher.

Etwas besser sieht in Grundschulen aus. Sobald Kinder die weiterführende Schule erreicht haben, relativiert sich das Bild allmählich, sodass Kinder auch Kontakt zu männlichen Autoritätspersonen bekommen.

Deutlich wichtiger und prägender für die Persönlichkeitsentwicklung sind allerdings die ersten Lebensjahre. Sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule besteht ein sehr viel engeres Verhältnis zwischen Kindern und Erziehern bzw. Lehrern.

Achtung: Gelingt es nicht, Ihre Beziehung zu retten und die Eheberatung scheitert, versuchen Sie, diese negativen Gefühle nicht auf das Verhältnis zu Ihrem Sohn zu übertragen.
Auch wenn Sie nicht mehr zu Hause wohnen, bleiben Sie ein wichtiges Vorbild im Leben Ihres Sohnes.

3. Begreifen Sie Vater-Sohn-Beziehung als Chance

Männlichkeit zu zeigen und Haushaltsaufgaben zu übernehmen schließen sich nicht aus.

Viele Männer befinden sich in unserer heutigen Gesellschaft in einer schwierigen Position. Auf der einen Seite gilt es, für die Familie zu sorgen und sie abzusichern. Dies allein reicht jedoch längst nicht mehr.
Ein moderner Mann hat die Aufgabe, im Haushalt mitzuhelfen und parallel dazu auch einen Teil der Kindererziehung zu übernehmen.

Da dies einigen Männern Schwierigkeiten bereitet, entwickelt sich nicht selten eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung. Genau dies gilt es jedoch zu verhindern. Versuchen Sie also, sich Freiräume mit Ihrem Sohn zu verschaffen und ihn auch in die männliche Welt einzuführen.

Besonders hilfreich für alle Väter ist die Tatsache, dass Ihr Sohn stets nach Anerkennung sucht. Versuchen Sie daher, das Selbstbewusstsein Ihres Sohnes zu stärken. Indem Sie ihn aktiv aufbauen und die eingeforderte Anerkennung nicht verweigern, sorgen Sie für eine gefestigte Persönlichkeit.

So fällt es Kindern auch im Alter leichter, sich selbst zu behaupten und die Ansicht anderer vermeintlicher männlicher Vorbilder in Frage zu stellen.

4. Vater-Sohn-Konflikte – besonders schwierig wird es in der Pubertät

Halten Sie auch in schwierigen Zeiten zu Ihrem Sohn.

Sofern Sie in der Lage sind, bereits in jungen Jahren eine funktionierende Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen, so profitieren Sie davon auch in der schwierigen Phase der Pubertät.

Oftmals vollzieht sich die Verwandlung vom lieben Jungen zum alles andere als freundlichen Teenager fast über Nacht. Verzweifeln Sie an dieser Stelle jedoch nicht, auch wenn eine kurzzeitige Entfremdung und Abgrenzung von der Familie erfolgt.

Akzeptieren Sie diese Zeit und versuchen Sie nicht, mit strenger Hand Ihre Forderungen durchzusetzen. Oftmals endet genau dies im Chaos und verschlechtert die ohnehin schon angespannte Vater-Sohn-Beziehung deutlich.

Genau in dieser Phase kann sich die Beziehung jedoch auch deutlich intensivieren, indem Sie offen und ehrlich über Probleme und Schwierigkeiten sprechen.

Tipp: Vielen Vätern fällt es vergleichsweise schwer, die eigene Schwäche in der einen oder anderen Situation zuzugeben. Manchmal ist genau dies jedoch nötig, um ehrliche und tiefgreifende Gespräche miteinander möglich zu machen.

5. Kurztipps für eine gestärkte Vater-Sohn-Beziehung im Überblick

Bauen Sie ein inniges Verhältnis zueinander auf.

  • Leben Sie Ihrem Sohn vor, wie es funktioniert, ein liebevoller Ehemann und Vater zu sein.
  • Haben Sie keine Angst davor, Gefühle zu zeigen, sondern sehen Sie dies als Chance.
  • Nehmen Sie sich Zeit, um die Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen.
  • Geben Sie Ihrem Sohn die Anerkennung, nach der er sich sehnt.
  • Achten Sie in konfliktreichen Situationen auf das richtige Maß.
  • Liebevolle Umarmungen und körperliche Nähe sind auch in einer Vater-Sohn-Beziehung wichtig.
  • Seien Sie in der Pubertät offen für Veränderungen. Jeder erfindet sich neu und muss erst lernen, wer er eigentlich ist.
  • Seien Sie bei Problemen stets da, sodass Ihr Sohn immer einen Ansprechpartner hat und sich stets auf Sie verlassen kann.

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Beziehung stärken: Gemeinsame Erlebnisse für Vater und Sohn

Kinder lernen durch Nachahmung. Das liegt in den sogenannten Spiegelneuronen begründet, welche dafür sorgen, dass Menschen unwillkürlich ihr Gegenüber imitieren. Das gilt in jedem Lebensalter, doch vor allem bei Kindern ist diese Form der Nachahmung prägend. Sie lernen also jede Sekunde von ihren Eltern und imitieren deren Verhaltensweisen – sowohl erwünschte als auch unerwünschte. Da Kinder zu Beginn ihres Lebens mit ihren Eltern sowie eventuellen Geschwistern am meisten Zeit verbringen, haben diese also auch den größten Einfluss auf deren Persönlichkeitsentwicklung. Auf gut Deutsch: Ein Kind wird mit großer Wahrscheinlichkeit wie seine Eltern, Geschwister oder eben jene Personen, mit welchen es die meiste Zeit verbringt.

Väter sind besonders für Söhne wichtig

Eltern schenken ihren Kindern also bewusst oder unbewusst Orientierung im Leben. Die Kinder identifizieren sich mit ihren Eltern und eifern ihnen nach – wobei sie in jungen Jahren die imitierten Verhaltensweisen nicht hinterfragen. Nach der Geburt ist die Mutter noch die wichtigste Person für die Kinder, schließlich ist sie sozusagen die „Nahrungsquelle“, um es lapidar auszudrücken. Doch sobald das Kind laufen, sprechen sowie die Welt um sich herum wahrzunehmen lernt, werden auch andere Personen wie eben der Vater wichtiger.

Obwohl Rollenklischees in der modernen Gesellschaft eigentlich überholt sind, ist es oftmals ein natürliches Verhalten, dass die Töchter nach wie vor eher der Mutter nacheifern, während die Söhne sich zunehmend auf den Vater als Rollenvorbild fokussieren. Das bedeutet nicht, dass nicht für beide Geschlechter jeweils auch beide Elternteile wichtig wären. Dennoch sind Väter vor allem für Söhne eine besonders wichtige Identifikationsfigur und sollten sich dieser Verantwortung auch bewusst sein.

Ein Blick auf die „Vater-Sohn-Beziehung“

Denn der Vater prägt das Rollenverständnis, welches sein Sohn von einem „Mann“ entwickelt – und damit auch dessen männliche Identität im späteren Jugend- sowie Erwachsenenalter. Für Jungs wird deshalb oft zunehmend der Vater zum liebsten Spielpartner und auch in der Pubertät dient er noch häufig als wichtiges Rollenvorbild. Gemeinsame Unternehmungen von Vater und Sohn, auch manchmal alleine ohne Mutter, Geschwister & Co, können deshalb sowohl für die gegenseitige Beziehung als auch für die individuelle Entwicklung des Kindes förderlich sein.

Sich Zeit nehmen…

…das ist das Wichtigste, was ein Vater für eine gute Beziehung zu seinem Sohn machen kann. Oftmals kommt es gar nicht so sehr darauf an, was die beiden gemeinsam unternehmen. Hauptsache, sie verbringen wertvolle Zeit zusammen, kreieren Erinnerungen, sprechen miteinander, lernen sich zu vertrauen – bauen also sozusagen eine Art gute Freundschaft auf, ohne mit dem Blick stets am Smartphone zu sein. Bei der gemeinsamen Zeit kommt es nicht nur auf Quantität an, sondern auch auf Qualität. Wie genau diese Zeit gestaltet wird, hängt von dem Alter des Kindes, seinen Interessen, der verfügbaren Zeit, dem Wetter sowie vielen weiteren Faktoren ab. Dennoch gibt es einige Ideen, welche Vätern und Söhnen als Anregung dienen können:

• Vater-Sohn-Urlaub

Wer viel Zeit hat, sollte diese für einen Vater-Sohn-Ausflug nutzen. Denn eine solche Möglichkeit, intensiv Zeit über mehrere Tage oder sogar ein bis zwei Wochen zu verbringen, wird mit steigendem Lebensalter immer seltener. Zudem können von einem solchen Kurztrip nur alle profitieren: Die Mutter kann sich ein bisschen entspannen, der Vater kann seine Kindheit nachholen und eine Auszeit vom Alltag genießen, der Sohn bekommt die volle Aufmerksamkeit seines Vaters und erlebt ein unvergessliches Abenteuer. Wie dieser Urlaub gestaltet wird, sprich wohin es geht, für wie lange, in welche Unterkunft und mit welchen Unternehmungen, ist dabei der eigenen Kreativität übe rlassen. Am wichtigsten ist, dass beide (!) ihren Spaß an der Sache haben.

• Kuscheln

Körperkontakt und Zärtlichkeit im Sinne von Umarmungen, Streichel- oder ausgiebigen Kuscheleinheiten sind wichtig für jeden Menschen – und vor allem für Kinder. Das Gefühl, von den Eltern geliebt zu werden, sollte sowohl auf psychischer Ebene wie über das aufmerksame Zuhören oder durch nette Worte als auch durch Körperkontakt vermittelt werden. Zugegeben: Jungs in der Pubertät möchten oftmals nicht mehr mit ihren Vätern kuscheln. Doch solange der Sohn noch im „Kuschelalter“ ist, kann es die Beziehung zum Vater stärken, wenn einige Abende einfach entspannt auf dem Sofa ausklingen und der Sohn in dessen Armen zum Klang seiner Stimme einschläft, während ihm eine „Gute-Nacht-Geschichte“ vorgelesen wird.

• Kochen

Rollenklischees müssen und sollten nicht eingehalten werden. Stattdessen darf das Kind gerne in jungen Jahren lernen, dass auch Männer am Herd stehen können. Gemeinsam zu kochen macht Spaß, lädt zum Naschen und Lachen ein – und die Mutter sowie eventuelle Geschwister freuen sich gewiss!

• Handwerken

Natürlich dürfen aber auch die Rollenklischees gelebt werden und was gibt es „Männlicheres“ als zu handwerkeln?! Wer Spaß daran findet, kann mit seinem Sohn tolle Sachen bauen wie ein Hochbett, ein Klettergerüst für den Garten, einen Sandkasten, und, und, und…

• Sport treiben

Sport ist wichtig und je früher er in den Alltag des Kindes integriert wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch im Erwachsenenalter so bleibt. Eltern sollten daher als gutes Beispiel vorangehen und mit ihren Kindern Sport treiben. Schwimmen, Basketball spielen, Fahrradfahren – die Möglichkeiten sind beinahe endlos und hier darf es gerne auch Abwechslung geben.

• Stadionbesuch

Es macht aber nicht nur Spaß, selbst Sport zu treiben. Auch Live-Sportevents gemeinsam zu verfolgen, kann ein echtes Highlight für Vater und Sohn sein. Internationale Fußballturniere bieten sich dafür optimal an, zumal es in den kommenden Jahren immer mehr Spiele im Rahmen einer WM und EM geben wird. So findet beispielsweise die EM 2020 teilweise und die EM 2024 vollständig in Deutschland statt. Wer nicht live zusehen kann oder will, kann auch gemeinsam in die Eishalle um die Ecke oder in die Innenstadt zum Public Viewing gehen. Zudem sind andere Sportarten wie Rennsport, Handballspiele – oder was auch immer das Kind interessiert – ein tolles Vater-Sohn-Erlebnis.

• Musizieren

Musik macht schlau und glücklich – deshalb ist neben Sport auch das Musizieren wichtig für die kindliche Entwicklung. Sei es das gemeinsame Gitarrespielen oder Singen, das Trommeln auf Kochtöpfen oder das Tanzen zu Kinderliedern: Väter können und sollten die Musik in den Alltag ihres Sohnes integrieren und diese zum gemeinsamen Erlebnis machen. Wie das gestaltet wird, ist dabei der eigenen Kreativität überlassen. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es nicht!

• Escape Room

Sind die Kinder schon etwas älter, können Vater und Sohn gemeinsam einen sogenannten „Live Escape Room“ besuchen. Hier müssen sie Rätsel lösen, um aus einem verschlossenen Raum zu entkommen. Das gemeinsame Lösen dieser spielerischen Aufgabe schweißt zusammen, macht Spaß und stärkt das gegenseitige Vertrauen. Die „Escape Rooms“ werden deshalb auch gerne für das Teambuilding eingesetzt – und genau genommen sollten Vater und Sohn ja auch eine Art „Team“ werden.

• Roadtrip

Spätestens, wenn der Sohn gerade seinen Führerschein bestanden hat, gibt es nichts Aufregenderes als einen gemeinsamen Roadtrip. Doch auch in jüngeren Jahren kann ein solches Erlebnis bereits zum Highlight für Vater und Sohn werden. Einfach ins Auto steigen – vielleicht sogar mit Zelt und Campingausrüstung im Gepäck – und sehen, wohin einen der Weg führt: Das klingt nach dem ultimativen Abenteuer. Das Ziel kann ein Freizeitpark, ein Spaziergang im Wald, der Zoo oder was auch immer Vater und Sohn Spaß macht sein. Schlussendlich kommt es darauf gar nicht wirklich an, denn bekanntlich ist der Weg das Ziel!

Die Vater-Sohn-Beziehung: oft schön – und manchmal ganz schön kompliziert

Je älter Kinder werden, umso mehr suchen sie die Anerkennung des Vaters. Deshalb steckt in jeder Vater-Sohn-Beziehung auch ganz unterschiedliches Potential. Vom großartigen Freundschaftsverhältnis bis hin zum völligen Kontaktabbruch ist alles möglich. Jungen gehen durch viele unterschiedliche Entwicklungsphasen, in denen sie mal mehr, mal weniger Papa-kompatibel sind. Warum das so ist? Wir klären die wichtigsten Hintergründe über ein ganz besonderes Verhältnis, das Söhne für ihr ganzes Leben prägt.

Wie der Vater, so der Sohn: Stimmt das auch?

Was brauchen Söhne, damit aus ihnen einmal tolle, selbstbewusste Männer werden? Väter sind die ersten Vorbilder in punkto Männlichkeit – kein Wunder also, das sie für Kindheit und Jugend des männlichen Nachwuchses besonders wichtig sind. Denn während die Beziehung zwischen Mutter und Kind schon immer im gesellschaftlichen Mittelpunkt stand, wurde erst in jüngerer Zeit wissenschaftlich belegt, welch großen Einfluss Väter auf ihre Söhne haben – besonders, was die Rolle als männliches Vorbild betrifft. Für den Sohn ist der Vater das Modell, an dem er beobachten kann, wie sich ein Mann verhält. Wie er mit Konflikten und Gefühlen umgeht. Oder wie er sich gegenüber anderen Männern, Frauen oder Kindern verhält.

Die Entwicklung von Jungs lässt sich in drei Etappen gliedern:

  • 1. Etappe: die ersten sechs Lebensjahre. In dieser Zeit hat der Junge ein besonders enges Verhältnis zur Mutter – unabhängig davon, wie gut oder häufig der Kontakt zum Vater ist.

  • 2. Etappe: die Jahre von sieben bis vierzehn. Jetzt möchten sich Jungs immer mehr als ‚Mann’ darstellen und ihre Eigenständig entwickeln. Dabei wird der Vater als Vorbild betrachtet.

  • 3. Etappe: Pubertät bis Erwachsenenalter. Plötzlich nimmt die Bedeutung des Vaters wieder ab. Jungs orientieren sich nun an männlichen Vorbildern – und die finden sie vor allem außerhalb der Familie. Der Verbindung zu den Eltern löst sich immer mehr zugunsten von Kontakten zur Außenwelt.

Väter sollten darum diese Entwicklungsphasen immer im Auge behalten, um so gut wie möglich auf ihre Söhne eingehen zu können.

Wie wichtig es für Söhne ist, sich von Vätern abzugrenzen

Pubertät, das ist eine Zeit voller Konflikte und Rebellion. Der Sohn lernt sich abzugrenzen und begibt sich auf die Suche nach der eigenen Identität. Da es manchen Vätern schwer fällt, den eigene Sohn ziehen zu lassen, kann die Bemühung um Abgrenzung sogar noch dann weitergehen, wenn der Sohn längst aus dem Haus ist, begleitet von Streitgesprächen bis hin zur völligen Funkstille. Väter stehen deshalb gerade in der Pubertät vor besonderen Herausforderungen: Einerseits sollen sie ihren Söhnen Grenzen setzen, Regeln festlegen und eine konsequente Haltung an den Tag legen. Gleichzeitig sollen sie mit Empathie auf die Nöte und Probleme des pubertierenden Nachwuchses eingehen – oft keine besonders leichte Aufgabe.

In der Pubertät suchen sich Jungs auch andere Vorbilder als den eigenen Vater, männliche Figuren aus den Medien gehören genauso dazu wie ältere Mitschüler, die als besonders cool wahrgenommen werden. Vätern fällt es oft schwerer, sich von ihren Söhnen zu lösen als Mütter, denn für Väter ist der Prozess der Ablösung meist schmerzvoller, weil sie auch die allmähliche Verschiebung der Rollen innerhalb des Familiensystems irritiert. Damit sich also während dieser Zeit keine gestörte Vater-Sohn-Beziehung entwickelt, hilft vor allem eines: Reden, Reden, Reden – ohne dabei aber zu vereinnahmend zu wirken.

Kommt ein Junge in die Pubertät, stehen auch automatisch Konfrontation und Konflikte auf dem Programm. Das kann das familiäre Gefüge manchmal ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen. Väter sollten sich davon nicht persönlich angegriffen fühlen: sondern verstehen, dass es zum Entwicklungsprozess des männlichen Nachwuchses gehört, die eigenen Grenzen auszutesten, solange sich diese in einem für alle Beteiligten erträglichen Rahmen bewegen.

Wie wir die Beziehung zu unseren Eltern in der Kindheit erleben, wirkt sich maßgeblich auch auf unsere späteren Partnerschaften aus. Ist das Verhältnis zu Mutter oder Vater von Konflikten, Kälte oder Distanz geprägt, hat dies ebenso Auswirkungen wie ein Zuviel an Nähe. Nicht wenige Menschen merken im Erwachsenenalter, dass solche frühen Dynamiken sie immer noch beeinflussen und womöglich daran hindern, glückliche, funktionierende Liebesbeziehungen einzugehen.

Definition: Muttersohn, Vatertochter

Muttersohn oder Vatertochter nennt man die Menschen, deren Beziehung zum gegengeschlechtlichen Elternteil dauerhaft zu eng war und damit die geschlechtsspezifische Identifikation durch mangelnde oder ungeeignete Vorbilder unzureichend ist. Diese Dynamik führt dazu, dass der Mann zu stark das weibliche und die Frau zu stark das männliche Prinzip in sich entwickeln. Die geschlechterspezifischen Rollen vertauschen sich oder lösen sich auf.

Sich trotz dieser engen Bindung zu einem Elternteil ausreichend Raum zu verschaffen, stellt sich für spätere Partner oft als schwierig heraus. Zudem werden mitunter unrealistische Erwartungen an sie gerichtet: Sie müssen unterbewusste Vergleiche zu Mutter oder Vater bestehen. Oder sie dienen als Projektionsfläche unverarbeiteter Konflikte aus Kindheitstagen.

Möglicherweise erhoffen sich Vatertöchter und Muttersöhne von ihnen auch Erlösung: In der Kindheit empfundene Defizite sollen endlich ausgeglichen und „gesättigt“ werden. Dass das andere gleichgeschlechtliche Elternteil weniger nah und präsent ist, führt wiederum zu Schwierigkeiten mit der eigenen geschlechtsspezifischen Identifikation. Statt sich entspannt dem eigenen Naturell entsprechend zu verhalten, übernehmen die Betroffenen ein Rollenverhalten – um eben nicht so zu werden wie Mutter oder Vater.

Vater-Tochter-Beziehung

Die Beziehung zum Vater ist prägend für die Selbstwahrnehmung und die ersten Beziehungsversuche junger Frauen. Einer Tochter, die in der Kindheit ausreichend Liebe, Aufmerksamkeit und Respekt durch den Vater erfährt, gelingt es später bestenfalls ohne Verlustangst, Bindungsangst oder überhöhte Erwartungen auf andere Männer zuzugehen.

Wenn Vater und Tochter sich nicht verstehen

Ist das Verhältnis konfliktbelastet, wirkt sich dies auf die Partnersuche aus. Statt achtsam zu wählen, gehen Betroffene oft zu schnell Beziehungen ein – immer in der Hoffnung, die Liebe und Aufmerksamkeit zu finden, die ihnen von früher her fehlt. Andere konzentrieren sich einseitig auf berufliche Ziele oder neigen dazu, schlicht alle Männer abzuwerten.

Ob eine Psycho- oder Paartherapie in solchen Fällen sinnvoll ist, hängt vom persönlichen Leidensdruck ab. Tatsächlich fühlen sich viele Betroffene unglücklich, obwohl sie im Alltag sogar gut „funktionieren“. Als Therapeut in München helfe ich Ihnen, schädliche Denkmuster zu hinterfragen und zu einem authentischen Leben und Liebesleben zu finden.

Wenn der Vater die Tochter nicht loslassen kann

Andererseits gibt es auch Familien, in denen die Beziehung von Vater und Tochter durch übermäßige Nähe geprägt ist. Das innig geliebte Kind wird hier zur heimlichen Verbündeten und zur wichtigsten Bezugsperson, noch vor der Mutter. Der Vater vertraut zunehmend sein Leid der Tochter statt der Ehefrau an – angezogen von den unschuldigen weiblichen Reizen der Vatertochter. Die Tochter in ein selbstbestimmtes Leben zu entlassen und einen Freund zu akzeptieren, fällt solchen Vätern schwer.

Vatertöchter haben indes oft Probleme, ihre Identifikation als Frau zu finden. Wie ihre Mutter, die sie oft als schwach erlebt haben, wollen sie gewiss nicht sein. Lieber fokussieren sie sich auf Leistung und Arbeit – ein Garant für anerkennende Worte und Blicke vom Vater.

Mutter-Sohn-Beziehung

Eine zu enge Mutter-Sohn-Beziehung ist für das spätere Liebesleben ebenso belastend. Dabei scheint den Betroffenen das Problem oft gar nicht bewusst. Der Muttersohn war in der Vergangenheit meist Hoffnungsträger, Vertrauter oder Ersatzmann der Mutter. In manchen Konstellationen gilt der Muttersohn sogar als männlicher Held. Mutti ist die Beste – und bleibt das unangefochtene Idealbild bei der Suche nach einer Partnerin. In anderen Familien tritt der Muttersohn als lieber Junge in Erscheinung, der an Vaters Stelle hilft und tröstet.

Wenn die Mutter am Sohn klammert

Auch viele Muttersöhne wissen ganz genau, wie sie nicht sein wollen: So wie der Vater, der vielleicht gar nicht da war. Frauen aber sind von diesen Männern und ihrer einfühlsamen Art fasziniert. Doch hält diese dem Alltag stand? Möglicherweise ist der Muttersohn am Ende ein ganz normaler Mann. Oder im Gegenteil: einfach nicht männlich genug.

Wenn der Sohn die Mutter hasst

Ist das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern völlig zerrüttet, fehlt meistens auch das nötige Urvertrauen, um später gesunde, erfüllende Beziehungen einzugehen. Normale geschlechtsspezifische Verhaltensweisen reichen hier mitunter aus, um den Hass gegen die Mutter auch auf die Partnerin zu projizieren.

Diese Männer fühlen sich oft überfordert von Bedürfnissen und Emotionen ihrer Partnerin. In der Folge ziehen sie sich immer mehr zurück und sind emotional nicht mehr erreichbar. Die Frau reagiert darauf häufig mit mehr Druck und das hält den schädlichen Kreislauf zusätzlich in Gang.

Für die Betroffenen ist es ratsam, eine Paar- oder Einzeltherapie in Erwägung zu ziehen, um Schmerz und Aggression nicht immer weiter zu tragen.

Muttersohn und Vatertochter als Liebespaar

Muttersöhne und Vatertöchter ziehen sich oft zunächst magisch an. Der Mann schätzt die Durchsetzungskraft der Frau. Er meint, mit ihr die nötige Unterstützung zu bekommen, um ganz Mann werden zu können. Die Frau ist fasziniert von seinem charmanten Wesen. Sie glaubt, endlich ihre Sehnsucht nach Geborgenheit stillen zu können. – Es ist wie ein heimliches Versprechen, sich gegenseitig zu erlösen, um ganz Frau und Mann werden zu können.

Die Wirklichkeit sieht meistens anders aus. Die Frau verliert zunehmend an Achtung vor ihrem Mann. Ihr Grundgefühl lautet: „Ich gebe so viel und gehe total leer aus“. Der Mann stellt enttäuscht fest, dass die anfangs so stark erscheinende Partnerin doch eigene Bedürfnisse hat. Er erlebt das als Überforderung, weil es ihn an die irritierende, unstillbare Bedürftigkeit der Mutter erinnert.

Das Drama entwickelt sich zunehmend dadurch, dass ein eigentümliches gegenseitiges Verhältnis von Konkurrenz entsteht. Wer gibt mehr, wer bekommt mehr? Die so wichtige Balance zwischen Geben und Nehmen, Autonomie und Bindung sowie Durchsetzung und Anpassung ist aus dem Lot geraten.

An diesem Punkt begeben sich die Paare meist in Paarberatung oder Paartherapie. Ein häufiger Vorwurf ist dann: „Du siehst mich gar nicht“. Dieser Punkt im Beziehungsleben wird als Krise erlebt und ist zugleich eine gute Möglichkeit, sich neu zu begegnen und zu zeigen. Auf diesem Weg stehe ich Ihnen als Paartherapeut in München gerne zur Seite

Zum weiterlesen: Väter-Töchter, Mutter-Söhne (Verena Kast) / Starke Mütter – starke Söhne (Meg Meeker) / Söhne ohne Väter (G.M.Vogt, STT Sirridge) / Abschied von den Eltern – Eine Anleitung für Erwachsene, die Beziehung zu den Eltern zu normalisieren (Howard M. Halpern) / Mütter sind auch Menschen – Was Töchter und Mütter voneinander Wissen sollten (Claudia Haarmann) / Mütter machen Männer – Wie Söhne erwachsen werden (Cheryl Benard und Edit Schlaffer)

Stundenlanges Wandern, Besuche im Freizeitpark und kleine Geschenke zwischendurch: So ein Papa ist schon etwas Tolles! Irgendwie mochte ich ihn auch immer ein kleines bisschen lieber als Mama. Er hat nie so viel geschimpft, lustige Dinge mit mir unternommen und mir erlaubt, Cola zu trinken, obwohl ich eigentlich nicht durfte. Mittlerweile ist aus dem kleinen Mädchen, das seinen Papa immer angehimmelt hat, eine erwachsene Frau geworden und mir kommt es manchmal so vor, als ob unsere Vater-Tochter-Beziehung Einfluss auf meine Partnerschaften hätte. Habe ich vielleicht einen Vaterkomplex? Und was ist das überhaupt? Ein psychologischer Streifzug durch die Welt der Vater-Tochter-Beziehungen

Lesen Sie in diesem Artikel:

  • Wie entsteht ein Vaterkomplex?
  • Was ist besonders am Vaterkomplex?
  • Was ist der Elektrakomplex?
  • Schwierige Vater-Tochter-Beziehungen
  • Welche Folgen hat ein Vaterkomplex?
  • Was kann getan werden?

Wie entsteht ein Vaterkomplex?

Ein Vaterkomplex resultiert immer aus dem Verhalten des Vaters gegenüber der Tochter und entwickelt sich meist bei einer krankhaften Vater-Tochter-Beziehung. Krankhaft kann in diesem Zusammenhang verschieden gedeutet werden, auf jeden Fall beinhaltet es aber, dass beide Parteien ihrem von der Natur gegebenen Status als Vater oder Kind nicht gänzlich gerecht wurden oder werden können. Entweder hat der Vater beispielsweise seine Tochter zu sehr verwöhnt und sie wie eine Prinzessin behandelt oder es ist genau das Gegenteil passiert und er zollte ihr weder Anerkennung noch Lob.

Der Vaterkomplex äußert sich meist darin, dass sich die Tochter in ihrem späteren Leben zu Männern hingezogen fühlt, die sich ähnlich verhalten wie ihr Vater, oder sie gegen das Verhalten ihres Vaters rebelliert (und in ihrer Partnerwahl „überkompensiert“). Vielleicht fühlt sie sich auch zu wesentlich älteren Männern hingezogen und sucht in ihnen einen passenden (Vater-)Ersatz. In jedem Fall kann die Art der Beziehung zum Vater zukünftigen, gesunden Beziehungen stark im Weg stehen.

Was ist besonders am Vaterkomplex?

Ein Vaterkomplex ist sehr weitreichend und kann mit tiefen Verletzungen einhergehen. Stehen Vater-Tochter-Konflikte in der Kindheit an der Tagesordnung, wirkt sich das stark auf das spätere Leben des Kindes aus. Eine Tochter wird ihren Lebensgefährten dann oft mit dem Vater vergleichen und sich einen Mann suchen, der ihm ähnelt. War diese Beziehung zum Vater weniger gut, hat er sie oft runtergemacht bzw. ihr nichts zugetraut, wird sie sich meist auch zu einem Mann mit ähnlichem Verhalten hingezogen fühlen. Sie versucht in dieser Beziehung die Anerkennung und Wertschätzung zu erhalten, die sie bei ihrem Vater so vergeblich gesucht hat.

Jedoch auch wenn die Vater-Tochter-Beziehung keine Grenzen kennt, alles erlaubt und nichts verboten ist, kann sich ein Vaterkomplex entwickeln. Eine übertrieben enge Vater-Tochter-Beziehung ist also auch nicht unbedingt förderlich für das Kind. Das Gefährliche hieran ist, dass die Tochter in Zukunft eventuell unter Bindungsunfähigkeit leiden könnte. Sie wurde von ihrem Vater immer wie eine Prinzessin behandelt und erwartet das auch von ihrem potenziellen Partner. Enorm hohe Ansprüche stehen im Raum, die eine Beziehung auf Augenhöhe erschweren und tatsächlich verhindern, dass sich die nunmehr erwachsene Tochter überhaupt gänzlich auf einen Partner einlässt (gewissermaßen eine hinter der Fassade hoher Ansprüche verborgene Bindungsstörung).

Was ist der Elektrakomplex?

Der so genannte Elektrakomplex, von dem der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung spricht, kann übrigens (auf Frauen bezogen) größtenteils als Synonym für den Vaterkomplex verwendet werden. Er drückt die überstarke Bindung der Tochter zum Vater aus, bei einer gleichzeitig häufig feindseligen bzw. äußerst komplizierten Beziehung zur Mutter. Wobei hier „Feindseligkeit“ weniger offensiv, als vielmehr auf unbewusste Art und Weise zu Tage tritt. Das können etwa kleine Handlungen sein (wie Spitznamen oder Insider-Witze), die der Mutter zeigen, dass sie nicht zu dem Zweiergespann gehört. Beim Elektrakomplex stellt die Tochter den Vater auf ein Podest.

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