Trotzphase mit 3

Kleinkind Entwicklung: 5. Lebensjahr

Essen mit Löffel und Gabel, Zähneputzen und Händewaschen geht nun schon völlig selbstständig. Auch beginnen sie, ihre Grenzen auszutesten, indem sie Regeln infrage stellen.

Möglicherweise überschätzen sie ihre Fähigkeiten gelegentlich. Sie können in vielerlei Hinsicht sehr fantasievoll sein und Ihre Geduld auf die Probe stellen.

Sprache und Fantasie im fünften Lebensjahr

Viele Kleinkinder erleben die Welt als einziges großes Abenteuer. Im fünften Lebensjahr spielen sie die Hauptrolle darin und erzählen gerne, was sie erlebt haben.

Sie können sich nun an ganz bestimmte Ereignisse erinnern, selbst wenn diese Monate zurückliegen. Außerdem sind sie inzwischen in der Lage, die Vergangenheits- und Zukunftsform in ihren Erzählungen anzuwenden.

Besonders gerne sprechen sie darüber, was sie schon alles können. Kleinere und größere Übertreibungen sind in diesem Abschnitt des Entwicklungskalenders nicht selten. Ihr Kind wird sich nun möglicherweise auch zu einem Scherzkeks entwickeln, denn jetzt versteht es Humor, liebt Witze und lustige Wortspiele.

Möglicherweise bombardiert Ihr Kind Sie auch scheinbar unaufhörlich mit „Wieso…?“, „Wie…?“, und „Wo…?“ Fragen, wobei jede Antwort weitere Fragen aufwerfen kann. Insbesondere Regeln werden gerne hinterfragt.

Typisch im fünften Lebensjahr ist außerdem eine blühende Fantasie. Kleinkinder lauschen gerne Geschichten und denken sich selbst welche aus. Oft verwechseln sie dabei Wirklichkeit und Fantasie. Gemeinsame Fantasiespiele regen die mit zunehmendem Alter verkümmernde Fantasie an. Dabei ist sie eine wichtige Grundlage für Kreativität, Vorstellungskraft und Flexibilität.

Indem Kleinkinder in diesen Lebensmonaten ihre Fantasie ausleben können, erhalten sie Gelegenheit, all die spannenden Erlebnisse des Alltags zu verarbeiten, möglicherweise auch unausgesprochene Wünsche oder Sorgen auszudrücken.

Übertreibungen und Flunkern

Kleinkinder sind stolz auf ihre Entwicklungsschritte und tun diese gerne kund. Gelegentlich übertreiben sie dabei, um Freunde zu beeindrucken. Andere sollen wissen, was sie können.

Neben Übertreibungen kommt es in diesem Abschnitt des Entwicklungskalenders gelegentlich zu Flunkereien. Während Kleinkinder in den vorangegangenen Lebensmonaten oft Fantasie und Realität nicht auseinanderhalten konnten und das Monster in der Ecke für sie wirklich war, lernen sie im fünften Lebensjahr, was eine Lüge ist.

Es mag vorkommen, dass Ihr Kind Sie bewusst anflunkert, um einer Strafe zu entgehen. Es testet aus, wie weit es damit kommt. Nun ist Einfühlsamkeit und Geduld wichtig. Erziehen Sie Ihr Kind mit Liebe zur Wahrheit und erklären Sie immer wieder den Unterschied zwischen Fantasie, kleinen Übertreibungen und Flunkereien, die dazu dienen, sich durchzumogeln.

Bewegungsdrang

Häufig zeigen Kinder im fünften Lebensjahr einen enormen Bewegungsdrang. Sie können kaum still sitzen. Ebenso, wie der Mund überaus aktiv sein kann, möchte es der Körper sein. Sie rasen auf ihren Dreirädern oder Rollern gekonnt um scharfe Ecken oder klettern auch mal gerne auf einen Baum. Bälle werden gedribbelt und die Balance ist so gut entwickelt, dass problemlos auf den Zehenspitzen gelaufen, auf einem Bein gestanden und auf einer geraden Linie balanciert werden kann.

Geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit, dies auszuleben. Ein Sportverein kann eine gute Lösung sein, den Bewegungsdrang in geeignete Bahnen zu lenken. Dort gibt es Herausforderungen zu meistern, das Kind hat die Möglichkeit, sich zu beweisen. Ballettunterricht, Tennis, Karate, Judo oder Fußball – den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Wenn möglich, erlauben Sie Ihrem Kind diese Entscheidung selber zu treffen, so dass es mit Motivation bei der Sache ist und sich nicht zu etwas gedrängt fühlt. Denn Sport und Hobbys fördern zwar bestens die motorische und sozial-emotionale Entwicklung, aber vor allem sollen sie eins: Freude bereiten und Lust auf mehr machen.

Selbstüberschätzung

Im fünften Lebensjahr möchten Kleinkinder gelegentlich mehr können, als ihre Fähigkeiten erlauben. Zu vielen Dingen sind sie körperlich noch nicht in der Lage, so kommt es vielleicht zum Sturz vom Klettergerüst.

Es ist in diesen Lebensmonaten wichtig für Ihr Kind, dass es sich selbst erproben kann. Andererseits muss es lernen, Gefahren zu erkennen und Grenzen zu akzeptieren. Dies dient schließlich dem Erlernen des Verantwortungsgefühls sich selbst und anderen gegenüber.

Gefahrensituationen entstehen häufig im Straßenverkehr. Kleinkinder rennen schnell mal dem Ball auf die Straße hinterher oder verkennen die Geschwindigkeit eines nahenden Fahrzeugs.

Möglicherweise lehnt Ihr Kind im fünften Lebensjahr plötzlich Ihre Hand beim Überqueren der Straße ab. Es hält sich für selbstständig genug. Wiederum ist Ihre Geduld gefragt: In dieser Entwicklungsphase fällt es Kindern gelegentlich schwer, Regeln zu akzeptieren. Es muss lernen, dass diese nicht aufgestellt werden, um es einzuschränken, sondern der eigenen Sicherheit dienen, gerade im Straßenverkehr.

Kleine Missgeschicke und Unfälle gehören zu den Entwicklungsschritten in diesen Lebensmonaten. Sie dienen dazu, das Kind zu sensibilisieren. Klare Grenzen sollten immer dann gesetzt werden, wenn es wirklich gefährlich werden kann.

Pflichtbewusstsein

Hat Ihr Kind Sie bisher bereits im Haushalt unterstützt, war dies in den meisten Fällen sicher noch etwas unkoordiniert und eher als Spiel zu sehen. Im fünften Lebensjahr kann es lernen, eigenverantwortlich kleine Pflichten zu übernehmen. Neben dem Verantwortungsbewusstsein wird auf diese Weise der Gemeinschaftssinn gestärkt.

Kinder in diesem Alter haben oft auch ein reges Interesse an Haustieren und können deren Pflege mit Ihrer Hilfe auch schon gut übernehmen.

  • ADS und ADHS
  • Alpträume bei Kindern
  • Angeber: Wenn Kinder prahlen und angeben
  • Autismus
  • Das Spielverhalten meines Kindes: Entwicklung und Förderung
  • Der Kampf um die Kleidung
  • Die Gedächtnisentwicklung bei Kindern
  • Die richtige Sonnenbrille für mein Kind
  • Die Welt mit allen Sinnen entdecken – die Wahrnehmung von Babys und Kleinkindern fördern
  • Dyskalkulie beim Kind: Das Problem mit den Zahlen
  • Fahrradfahren lernen
  • Geistige Behinderungen bei Kindern
  • Hochbegabte Kinder
  • Hochsensibilität bei Kindern
  • iPad, Fernseher und Co. – Kinder und der richtige Umgang mit Medien
  • Kinder mit Hörschwäche
  • Kinder mit Sprachstörung
  • Kinderängste und wie man damit umgeht
  • Kleine Gärtner – Kinder entdecken den Garten
  • Kleine Räuber und Ritter: Warum Kinder gerne mit Waffen spielen
  • Kleinkind Entwicklung: 2. Lebensjahr
  • Kleinkind Entwicklung: 3. Lebensjahr
  • Kleinkind Entwicklung: 4. Lebensjahr
  • Kleinkind Entwicklung: 5. Lebensjahr
  • Kleinkind Entwicklung: 6. Lebensjahr
  • Körperliche Behinderungen: Wenn Kinder physisch stark eingeschränkt sind
  • Leckere Saft- und Smoothie-Rezepte für Kleinkinder
  • Legasthenie
  • Maternal Gatekeeping
  • Meditation für Kinder
  • Motopädie: Sinnvoll für mein Kind?
  • Mutter-Kind-Kur
  • Schwimmen lernen
  • Selektiver Mutismus bei Kindern
  • So stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes
  • Stottern bei Kindern
  • Theater auf Rezept – so gesund kann Theater sein
  • Ticks und Marotten – Auch Kinder haben komische Angewohnheiten
  • Trocken werden
  • Und mit Essen spielt man doch!
  • Unsichtbare Freunde: überaus wichtig für viele Kinder
  • Verlieren lernen
  • Vorlesen fördert die Entwicklung
  • Warum sind Kinderfreundschaften so wichtig?
  • Warum sollten Kinder kochen lernen?
  • Wenn Jungs Mädchen sein wollen und Mädchen Jungs
  • Wenn Kinder Zähneknirschen
  • Wenn mein Kind eine Zahnspange braucht
  • Wie Babys und Kinder Trauer erleben
  • Wie bringe ich meinem Kind die Uhrzeit bei?
  • Wie groß wird mein Kind?
  • Wie lernt mein Kind eine Schleife zu binden?

Maria Montessori stellte bei ihrer Arbeit mit Kindern fest, dass es in der kindlichen Entwicklung Phasen gibt, in denen das Kind eine besondere Empfänglichkeit, eine besondere Bereitschaft für den Erwerb bestimmter Fähigkeiten hat. Während dieser sensiblen Phasen richtet sich die Aufmerksamkeit des Kindes auf gewisse Bereiche seiner Umgebung. So gibt es etwa bestimmte Perioden für den Erwerb der Sprache, den Ordnungssinn, die Bewegung oder die Unterscheidung von Gut und Böse.

In jeder vorangegangenen sensiblen Phase wird das Fundament für die darauffolgende gelegt.

0 bis 3 Jahre

Sensibilität für Ordnung
Sensibilität für Bewegung
Sensibilität für Sprache

In der Zeitphase des “geistigen bzw. psychischen Embryos” lernt das Kleinkind auf eine unreflektierte, intuitive, dem Willen nicht unterworfene Art und Weise. Hierfür ist die Dominanz der unbewusst arbeitenden Intelligenz – der “absorbierende Geist” – verantwortlich. Die Eindrücke, die das Kind zu dieser Zeit unreflektiert übernimmt, dringen nicht nur in seinen Geist ein, sondern formen ihn gleichzeitig.

3 – 6 Jahre

Sensibilität für Bewusstseinsentwicklung
Sensibilität für soziales Zusammenleben
Sensibilität für die Vervollkommnung bereits gemachter Errungenschaften

In der Zeit von 3-6 Jahren beginnt das Kind seine zuvor unbewusst absorbierten Umwelterfahrungen bewusst zu analysieren. Der “intuitive Schöpfer” seiner selbst entwickelt sich nun zu einem “bewussten Arbeiter” heran, indem er die global aufgenommene Welt reflektiert und rational zu realisieren und perfektionieren versucht. Zugleich macht sich ein zunehmendes Streben nach physischer und psychischer Selbständigkeit und Unabhängigkeit bemerkbar.

6 – 12 Jahre

Sensibilität für neue soziale Beziehungen
Sensibilität für die Entwicklung eines moralischen Bewusstseins
Sensibilität für Abstraktionen

In der Phase von 6-12 Jahren befindet sich der Heranwachsende in der Zeit des Ausbaus. In diesem Entwicklungsalter steht das Bedürfnis nach einem gesellschaftlich organisierten Leben und nach einer systematischen Eroberung der Welt in Form des Wissenserwerbs im Vordergrund.

12 – 18 Jahre

Sensibilität für Gerechtigkeit und Menschenwürde
Sensibilität für soziale und gesellschaftliche Prozesse
Sensibilität für wissenschaftliche Erkenntnisse
Sensibilität für politische Verantwortung

Im Alter von 12-18 Jahren befindet sich der Mensch in einer von Labilität gekennzeichneten Zeit des Umbaus. Im Jugend- bzw. Pubertätsalter treten neben den körperlichen Veränderungen im geistig-intellektuellen Bereich zahlreiche Zweifel und Unschlüssigkeiten, heftige Gemütsbewegungen und Entmutigungen auf. Es ist die Phase, in der der Jugendliche im besonderen den Sensibilitäten für Gerechtigkeit und Menschenwürde, für soziale und gesellschaftliche Prozesse und für wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Verantwortung unterworfen ist.

Die sensiblen Phasen sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Heranwachsenden den Erwerb einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. Aus diesen Erkenntnissen können wichtige erziehungsrelevante Konsequenzen abgeleitet werden:

In Perioden erhöhter Lernbereitschaft werden durch das Angebot einer entsprechenden Anregungs-Umgebung bestimmte Fähigkeiten unbewußt leicht und spielerisch erworben.
Versagt die Umwelt dem Kind jedoch die Möglichkeit, Erfahrungen im Sinne seiner sensiblen Periode machen zu können, so wird der Mensch diese Versäumnisse nur schwer nachholen können.

„Freiheit und Disziplin“ – Weg der Erziehung >>

Wutanfälle Kind 4 Jahre? Dieser Trick hilft sofort!

Aus dem Gröbsten raus? Zu früh gefreut. Eine Mutter erzählt, welche Wutanfälle ihr Kind mit 4 hatte und was am Ende wirklich half.

Inhalt dieses Artikels

1. Wutanfälle Kind – 4, 3 oder 2 Jahre: Was es mit dem Trotz auf sich hat

Ich dachte eigentlich, dass meine Tochter und ich es geschafft hätten. Dass die schlimme Zeit der Heulattacken am Abend, der Wutausbrüche im Supermarkt und der Trotzanfälle beim Oma-Besuch vorbei wären. Dass sie so gut sprechen und handeln könnte, dass wir von nun an einen entspannteren Weg gehen könnten.

Tatsächlich wird die Trotzphase ja eigentlich Autonomie-Phase genannt. Denn die Kinder sind ja nicht aus Bösartigkeit trotzig oder schreien ihre Eltern aus persönlichen Gründen an. Sie können nicht alles alleine machen, also autonom handeln, so wie sie es sich wünschen.

Meistens sind die Kleinen schlichtweg überfordert. Mit sich oder mit ihrer Umwelt. Und dazu gehören auch wir Eltern. Das alles wusste ich schon. Ich hatte es in der vergangenen Zeit so oft gelesen und versucht, meinen Wutzwerg besser zu verstehen.

2. Erfahrungsbericht: Was mein Kind plötzlich auf die Palme brachte

Und nun war dieser Zwerg schon vier! Sie hatte einen Baby-Bruder, einen Kindergartenplatz und eigentlich ein schönes Leben. Leider machte sie uns und ihren Mitmenschen unser Leben nicht gerade einfach. Alles, wirklich alles wollte sie „zuerst“ machen. Und wenn es nicht klappte, verwandelte sie sich in ein brüllendes Mini-Monster, dem niemand mehr zu nahe kommen durfte.

25 Tipps, wie dein Kind besser schläft (kostenloser Download)

Abonniere unseren Newsletter und erhalte deine kostenlosen Schlaftipps sofort via E-Mail:

Wir schicken dir in regelmäßigen Abständen E-Mails mit spannenden neuen Artikeln, Neuigkeiten aus unserer Community und Updates von Echte Mamas. Mit dem Absenden deiner Daten abonnierst du unseren kostenlosen E-Mail-Newsletter und akzeptierst unsere Datenschutzerklärung.

Zuerst die Treppe runter gehen, zuerst essen, zuerst aufwachen … Teilweise waren ihre Wünsche nicht erfüllbar. Außerdem konnten wir unseren Alltag nicht nur nach ihrem Willen gestalten. Das führte oft dazu, dass sie alles weitere blockierte.

Sie hatte nicht zuerst auf den Ampelknopf gedrückt, weil jemand Anderes an der Straße es schon getan hatte? Pech. Das Kind weigerte sich, weiter zu laufen. Wir mussten warten, bis die Ampel wieder rot war, damit sie wieder drücken konnte. Dass wir den Bus verpassten – nicht ihr Problem.

Sie wurde einmal fast von einer Tür erdrückt, die sie unbedingt allein öffnen wollte. Die Tür war so schwer, dass ich helfend eingriff. Unter Wutgeschrei scheuchte sie mich weg. Ich konnte das keifende Kind gerade noch aus der halbgeöffneten Tür ziehen, die sich gerade wieder schloss.

Beinahe lustig (aber nur beinahe) war die Situation mit einem anderen Kind, das uns besuchte. Die Kleine war genauso alt wie meine. Gemeinsam wollten die beiden in den Keller des Hauses gehen. Als das Geschrei los ging, wusste ich schon, was passiert war. Das andere Kind hatte seinen Fuß zuerst auf die Treppenstufe gesetzt. Jetzt stand es wieder oben und schaute uns mehr als ratlos an. Mein Mädchen stand heulend neben ihr. Das Angebot, jetzt ja zuerst gehen zu können, schlug sie aus, schließlich sei ihre Freundin ja schon einmal auf der Treppe gewesen. Ich glaube, unser Besuchskind verstand überhaupt nicht, was das Problem war.

Irgendwann war ich von der Situation richtig gefrustet. Foto: Bigstock

Und so ging es immer weiter, bis es mir irgendwann zu bunt wurde. Ich hatte wirklich versucht, sie nie zu überfordern, war verständnisvoll und geduldig. Aber als es selbst auf einem gemeinsamen kleinen Urlaub in den Bergen nicht besser wurde, war ich wütend. Und bekam eine Idee.

3. Wutanfälle Kind 4 – welcher Trick mir wirklich half

Ich drehte den Spieß um. Wir tauschten die Rollen. Ich verkaufte es ihr in einer ruhigen Phase als Spiel. „Jetzt will ich immer alles zuerst machen,“ sagte ich ihr und zog das dann auch durch. Erst lachte sie. Und wirkte erstaunlich amüsiert. Ich bockte, weil sie sich zuerst die Hände gewaschen hatte. Und ich wütete, als sie die Tür aufmachte und nicht ich. Und einmal schrie ich sogar böse auf, als sie sich zuerst auf einen Stuhl setzte.

Meine Kleine redete auf mich ein, versuchte ganz ernsthaft, Verständnis für mich zu haben, bot mir Alternativen an und schimpfte ganz vorsichtig. Es war sehr süß. Aber ich blieb dran. Denn so hätte sie sich auch nicht beruhigen lassen. Irgendwann wirkte sie etwas verzweifelt. Ich beobachtete sie noch kurz und beendete die Sache dann.

Ihr fielen mehrere Steine vom Herzen, das sah ich. Ich nahm sie fest in den Arm und sagte, dass sie nun wieder das Kind ist und ich die Mama. Erleichtert guckte sie mich an und sagte, dass das ganz schön anstrengend war. Ich gab ihr Recht, auch für mich war das Spiel anstrengend gewesen. Aber, das schickte ich noch hinterher, vielleicht konnte sie ja nun verstehen, wie es mir geht, wenn sie wegen solcher Sachen wütend wird. Und ob das denn immer wirklich nötig sei.

Von da an war es viel besser. Man sah ihr an, dass es manchmal noch kurz in ihr arbeitete, wenn jemand etwas tat, was sie eigentlich zuerst machen wollte. Aber sie konnte sich beherrschen, alles blieb ruhig. Und in solchen Situationen nahm ich sie dann noch mal extra fest in den Arm und drückte sie. Ich denke, so hat sie ihre Wutanfälle tatsächlich überwunden und ist seitdem viel entspannter.

4. Das sagen Studien dazu

Julia ist mit dieser Problematik gar nicht allein. Eine kanadische Studie besagt, dass Kinder mit 3,5 Jahren am aggressivsten sind – also gar nicht so weit weg von 4! Auch auf kita.de heißt es, dass manche Kinder erst mit 3 oder 4 in die Trotzphase kommen und den einen oder anderen intensiven Wutanfall entwickeln.

So herausfordernd diese Etappe auch sein mag, sie ist wichtig, denn jetzt beginnen Kinder sich als eigenständige Person zu begreifen. Eine Person, die einen Willen bekommt, Bedürfnisse hat – und diese trotzdem nicht durchsetzen darf. Schließlich gibt es Regeln, vorgegeben von den Eltern, dem Kindergarten oder Freunden.

Das kann schonmal einen Wutanfall auslösen – oder trotziges Verhalten. Neben Verständnis und den Gefühlen Raum zu geben, ist der Trick Gold wert, das Verhalten zu spiegeln. Pluspunkt: Hier wird ordentlich Empathie trainiert.

Extreme Wutanfälle bei 4 1/2 Jähriger

Frage:
Guten Morgen Frau Ubbens
Ich hätte von Ihnen gerne eine Einschätzung unserer derzeitigen Situation.
Unsere 4 1/2 jährige Tochter zeigt seit ungefähr 2 Wochen extrem ausgeprägte Wutanfälle. Sie schlägt uns, beisst, versucht mir in meinen Babybauch zu treten, spruckt…
Auslöser sind in unseren Augen immer „Kleinigkeiten“, auf die wir aber eingehen und sie wichtig nehmen. Dieses wichtig sein der Kleinigkeiten hat genau zum gleichen Zeitpunkt der Wutanfälle angefangen.
Auslöser waren bisher zum Beispiel:
– Sie wollte von uns unbedingt wissen, welche Farben die Kreidezeichnungen hatten, die sie vor ein paar Tagen auf der Strasse gemalt hatte. Der Regen hatte sie inzwischen weggewaschen. Ein „Ich weiss es leider nicht mehr“ hatte den ersten Wutanfall zur Folge. Inzwischen fotografieren wir alle Kreidebilder, damit sie sie nicht vergisst.
-Beim Baden gab es einen Wutanfall weil der Badeschaum wegging und sie ihn nächstes Mal so nicht wieder hinbekommen würde.
-Sie fragt nach Bildern, die sie vor Monaten gemalt hat, welche Farben/Formen etc. denn darauf waren. Finden wir diese Bilder nicht, gibt es wieder einen Wutanfall.
-Beim Malen mit Filzstiften hatte sie aus versehen auch ihre Finger mit angemalt. Auch diese musste ich fotografieren, damit sie sich erinnern konnte, wo welche Farben an den Fingern waren. Am nächsten Tag folgte wieder ein Wutanfall weil ich es angeblich nicht alles Fotografiert hatte.
-Sie wollte von mir wissen, welche „Wörter“ sie vor Monaten mit ihren Magnetbuchstaben an ihrer Tafel geschieben hatte. Ich habe ihr dann alle die ich noch wusste auf einen Zettel geschrieben und mit an die Magnettafel geheftet. Alle neuen Wörter kommen jetzt dazu. Auf die Frage, ob das wirklich alle waren, musste ich sie mir „Ja, natürlich“ anlügen, weil ich es logischerweise nicht mehr wusste. Den Wutanfall konnte ich so einigermassen abfangen.
Gestern Abend hat sie über Stunden gewütet, weil sie auf der Strasse Steine gesammelt hatte und diese zum Schluss nicht mehr finden konnte. Wir haben mir ihr zusammen gesucht, sie aber leider nicht gefunden. Das hat einen dermassen riesigen Wutanfall ausgelöst, den wir noch nie so erlebt haben. Für Lösungen wie „wir suchen neue, viel tollere Steine“ etc. war sie absolut nicht zugängig.
Ich hab sie verucht während des Wutanfalls festzuhalten um sie zu beruhigen, was sie noch mehr aufgeregt hat. Sie hat immer mehr geschlagen und getreten. Ich bin mit ihr in ihrem Zimmer geblieben, habe immer wieder gesagt „Wir hauen nicht“ , nach knappen 3 Stunden hat sie sich einigermassen beruhigt.
Jetzt meine Frage:
Wie reagiere ich auf das Hauen, Treten etc.
Immer nur wieder nein sagen? Bestrafen mir Süssigkeitenentzug (wie wir es zu Anfang der Wutausbrüche genacht haben?)
Wie kann ich ihr helfen, die Wut anders zu kanaliesieren? (Zeitungenzerknüllen, ins Kissen hauen, laut schreien will sie in dem Moment nicht)
Danke für Ihre Meinung und Entschuldigung für den langen Text, aber wir sind mit unserem Latein so langsam am Ende.

von Wichtelchen75 am 16.04.2014, 09:30 Uhr

Einleitung

Jede Mutter und jeder Vater hat es schon einmal erlebt: Der liebe Nachwuchs bekommt nicht seinen Willen, wirft sich auf den Boden und brüllt wie von Sinnen. In solchen Situationen gelassen zu bleiben, ist nicht einfach, aber erlernbar.

Sie sind nicht allein

Viele Eltern haben Schwierigkeiten, mit Wutausbrüchen ihres Kindes umzugehen. Meist treten Trotz- und Wutanfälle im 2. Lebensjahr zum ersten Mal auf. Mit zwei und drei Jahren haben die meisten Kinder Tobsuchtsanfälle, manche täglich, andere nur gelegentlich. Ist ein Kind vier Jahre oder älter, werden Wutanfälle immer seltener: Das Kind hat andere Wege gefunden, seine Bedürfnisse durchzusetzen und seinem Unmut Luft zu machen.

Was will das Kind damit erreichen?

Viele Kinder bekommen nur an bestimmten Orten Wutanfälle. Geradezu klassisch ist der Koller an der Supermarktkasse: Das Kind sieht die geschickt in Augenhöhe platzierten Süßigkeiten, greift danach und will sie nicht mehr herausgeben. Alle Argumente der Mutter („Wir haben noch genügend Lutscher zu Hause“, „Die machen die Zähne kaputt“) dringen nicht vor, stattdessen wird das Geschrei immer lauter, dringt schließlich bis in die letzte Ecke des Ladens und sorgt für reichlich Publikum. Natürlich weiß das Kind, dass Mama Erziehungstipps fremder Leute nicht lange ertragen kann und schließlich doch nachgeben wird. Der Aufstand hat sich wieder einmal gelohnt!

Kinder, die zu Wutanfällen neigen, flippen meist nur in Gegenwart einer bestimmten Person aus, z.B. wenn die Mutter in der Nähe ist. Es hat gelernt, dass es auf diese Weise bei Mama seinen Willen durchsetzen kann, während Papa gelassen bei seinem Nein bleibt. Ist das bei Ihnen auch so? Oder ist es genau umgekehrt? Sie können etwas daran ändern. Fangen Sie gleich heute damit an!

Strategien gegen Wutanfälle

1. Belohnungen streichen

Wir haben gesehen, dass Kinder Wutanfälle als Druckmittel einsetzen, um bestimmte Dinge zu erreichen bzw. zu verhindern. Sie erpressen damit die Herausgabe von Süßigkeiten oder schreien so lange, bis Mama das Haarewaschen wieder einmal um einen Tag verschiebt. Beides wird als Belohnung empfunden und führt dazu, dass das Kind sein unerwünschtes Verhalten beibehält. Zahlen sich die Wutanfälle Ihres Kindes aus? Sie werden eine Antwort auf diese Frage finden, wenn Sie Tagebuch führen:

Wann und wo? 01.10.04, 16.30, an der Supermarktkasse
Was passierte vorher (Auslöser)? Max wollte Süßigkeiten haben. Ich wollte sie nicht kaufen.
Ihre Reaktion? Ich habe nichts gekauft und seinen Wutanfall ignoriert.
Reaktion des Kindes? Max schrie noch lauter, beruhigte sich dann aber wieder.
Ihre Gedanken? Das war peinlich, langfristig gesehen aber das Richtige.

Wann und wo? 05.10.04, 18.45, bei uns im Badezimmer
Was passierte vorher (Auslöser)? Ich wollte Peter die Haare waschen.
Ihre Reaktion? ch habe das Haarewaschen verschoben.
Reaktion des Kindes? Peter war zufrieden.
Ihre Gedanken? Mist! Morgen wird es wieder Geschrei geben…

So erhalten Sie Ihr persönliches Wolken-Tagebuch:

  1. Laden Sie den kostenlosen Adobe Reader herunter, falls diese Software noch nicht auf Ihrem PC installiert ist.
  2. Installieren Sie den Adobe Acrobat Reader durch Anklicken. Folgen Sie den Anweisungen des Installationsprogramms.
  3. Klicken Sie auf das Wolken-Tagebuch , drucken Sie es aus, und kopieren Sie nach Bedarf.

Führen Sie dieses Tagebuch mindestens einen Monat lang. Es wird Ihnen Antworten auf folgende Fragen geben:

  • Wie häufig sind Wutanfälle bei Ihrem Kind?
  • In welchen Situationen treten sie auf?
  • Setzt Ihr Kind Wutanfälle als Druckmittel ein?
  • Wie reagieren Sie?
  • Verstärken Sie das Verhalten Ihres Kindes?
  • Welche Belohnungen erhält Ihr Kind?

2. Handlungsalternativen finden

Der erste Schritt ist getan: Sie wissen jetzt, mit welchen Verhaltensweisen Sie oder Dritte die Wutanfälle Ihres Kindes fördern. Nun müssen Sie sich überlegen, welche Reaktionen sinnvoller sind. Legen Sie sich „Schlachtpläne“ für den Ernstfall zurecht, denn in der Konfliktsituation selbst ist nicht viel Zeit zum Überlegen. Wie werden Sie zukünftig reagieren, wenn sich Ihr Kind nicht die Haare waschen lässt? Gibt es in Ihrer Familie einen Haarewaschtag oder waschen Sie nach Bedarf? Können Sie es hinnehmen, wenn Ihr Kind mit ungewaschenen Haaren in den Kindergarten geht? Klare und feste Regeln erleichtern den Familienalltag, weil sie Diskussionen vermeiden. Wenn es in Ihrer Familie üblich ist, dass jeden Sonntag und Mittwoch die Haare gewaschen werden, wird sich Ihr Kind an diesen Rhythmus gewöhnen und nicht mehr versuchen, Sie mit Gebrüll davon abzubringen.

3. Einfühlung in die Welt des Kindes

Warum will sich Ihr Kind nicht die Haare waschen lassen? Welche Gründe könnten seine Verhaltensweisen haben? Was will Ihr Kind Ihnen damit sagen? Versuchen Sie, das Verhalten Ihres Kindes nachzuvollziehen. Vielleicht brennt das Haarwaschmittel in den Augen? Will es zunächst etwas essen, weil der Magen knurrt? Entdeckt es gerade seinen eigenen Willen? Ärger kann sich in Luft auflösen, wenn es gelingt, sich in das Kind hineinzuversetzen. Kein Kind bekommt grundlos Wutanfälle! In manchen Fällen ist ein Kompromiss eine gute Lösung, und wenn ein Kind auch mal seinen Kopf durchsetzen darf, ist das auch in Ordnung – sofern damit keine Erziehungsgrundsätze in Frage gestellt werden.

4. Ändern Sie Ihre Gedanken

Nehmen Sie Ausraster Ihres Kindes nicht persönlich. Besinnen Sie sich auf Ihre Rolle als erwachsene Mutter bzw. erwachsener Vater. Ihr Kind testet gerade Grenzen aus. Das ist eine schwierige Zeit für Eltern und Kind und dennoch ganz normal. Versuchen Sie über den Dingen zu stehen. Neue Sichtweisen und das Erkennen von Zusammenhängen helfen. Führen Sie in schwierigen Situationen einen inneren Dialog: „Da muss jedes Kind, jede Mutter und jeder Vater durch. Diese Phase geht vorüber. Bald werden wir alle darüber lachen können!“ Viele kindliche Verhaltensweisen erscheinen in einem anderen Licht, wenn man folgende Aspekte berücksichtigt:

Temperament des Kindes

Ist ein Kind von Natur aus laut, aktiv und voller Energie, werden auch seine Wutanfälle intensiv sein. Es wird besonders hartnäckig sein und zu heftigen Reaktionen neigen. Wenn auch Sie so gepolt sind, wird es bei Ihnen zu Hause häufiger krachen. Versuchen Sie, positive Seiten am Temperament Ihres Kindes zu entdecken: Wahrscheinlich wird es sich im Leben seltener als andere die Butter vom Brot nehmen lassen – eine wichtige Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Denken Sie immer daran, dass Wutanfälle von hyperaktiven Kindern regelrecht Besitz ergreifen können. Sie sind in diesen Momenten nur eingeschränkt zurechnungsfähig und damit nicht voll verantwortlich für ihre Worte und Taten. Das Kind fühlt sich im Wutanfall fremdbestimmt und weiß auch im Nachhinein nicht, was mit und in ihm vorgegangen ist.

Ist das Verhalten alterstypisch?

Auch wenn Kinder manchmal reden wie Erwachsene: Sie haben ihre Emotionen noch nicht so gut im Griff. Zudem fehlt der Weitblick. Kinder leben im Hier und Jetzt. Wenn sie etwas haben wollen, dann wollen sie es sofort. Dinge, die wir als Kleinigkeiten empfinden, haben für sie eine unmittelbarere, größere Bedeutung. Babys oder Kleinkinder, die sich noch nicht gut mit Worten verständlich machen können, bleibt nur Schreien und Kreischen, um Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Erst ab dem Vorschulalter fällt Kindern das Abwarten leichter. Und wenn wir ehrlich sind: Auch manche Erwachsene können Bedürfnisse nicht aufschieben.

Wut hat auch gute Seiten

Wut gilt als gesellschaftlich unerwünscht, ist im Grunde aber ein ganz normales Gefühl. Menschen, die ihre Wut ausleben, sind deshalb nicht gleich schlechte Menschen. Das gilt auch für unsere Kinder: Sie brauchen Aggressionen, um sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. In dem Lebensalter, in dem Wutanfälle besonders häufig sind, entwickelt sich auch das Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten und Beschränkungen. Stößt das Kind auf Grenzen, die ihm vorher noch nicht bewusst waren, treten Frustrationen auf, die sich in Wutausbrüchen äußern können. Es wütet, weil es noch keine andere Lösung kennt.

5. Ändern Sie Ihr Verhalten

Anti-Aggressionserziehung

Eltern können ihren Kindern helfen, ihre Gefühle auf friedlichere Weise auszudrücken. Weniger Wutanfälle und weniger körperliche Gewalt werden die Folgen sein.

  • Machen Sie deutlich, dass Sie zerstörerisches Verhalten nicht billigen – bei Ihrem Kind nicht und bei Ihnen selbst auch nicht.
  • Zeigen Sie, dass Sie die Emotionen Ihres Kindes ernst nehmen. Sagen Sie nicht: „Über diese Kleinigkeit muss man sich nun wirklich nicht aufregen!“ Die Kleinigkeit ist für Ihr Kind groß. Wenn es sich unverstanden fühlt, wächst die Wut.
  • Kommen Sie Ihrem Kind nicht mit Argumenten, wenn es außer Rand und Band ist. Ihre Worte erreichen Ihr Kind erst, wenn es sich wieder beruhigt hat.
  • Eltern sollten nur schreien, wenn akute Gefahr droht, nicht in Konfliktsituationen. Wenn Sie auch im Streit leise reden, wird Ihr Kind seine Lautstärke anpassen.
  • Verzichten Sie auf Verallgemeinerungen („Nie tust du, was ich sage“). Sie sind selten wahr und können wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung wirken.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, sich in die Situation anderer hineinzuversetzen: Wie fühlt man sich, wenn man Geschrei oder Handgreiflichkeiten ertragen muss?
  • Bringen Sie Ihrem Kind bei, seine Emotionen in Worte zu fassen. Reden Sie selbst über Ihre Gefühle.
  • Kritik wird für ihr Kind besser annehmbar und nachvollziehbar, wenn es die direkten Wirkungen seines Verhaltens mitgeteilt bekommt. „Es macht mich traurig, wenn du deine Schwester schlägst“ ist besser als „Du bist ein aggressives und völlig unmögliches Kind“.
  • Lassen Sie sich von Wutanfällen nicht beeindrucken. Wenn Ihr Kind damit erreicht, was es will, haben Sie verloren.
  • Auch bei Wutanfällen in der Öffentlichkeit dürfen Sie nicht weich werden. Ihnen muss nichts peinlich sein. Andere Eltern kennen das Problem auch.

Bedürfnisse des Kindes befriedigen

Wenn Kinder sich nicht beachtet fühlen, neigen sie dazu, Machtkämpfe anzuzetteln und die Autorität von Erwachsenen herauszufordern. Diese Kinder denken: „Wenn ich nett bin, bekomme ich keine Aufmerksamkeit. Wenn ich tobe, ist sofort jemand da.“ Verbringen Sie möglichst viel Zeit mit Ihrem Kind. Loben Sie es für positive Verhaltensweisen. Zeigen Sie ihm, dass sich dieses Verhalten lohnt. Wann immer Ihr Kind einen Konflikt friedlich löst oder einen Kompromiss eingeht, sollten Sie Ihre Anerkennung zeigen. Das Motto muss lauten: Nicht bei Wutattacken schimpfen, sondern erwünschtes Verhalten durch Lob verstärken. Ein weiteres wichtiges kindliches Bedürfnis ist das nach Selbstständigkeit. Das zunehmende Streben nach Eigenständigkeit ist völlig normal und sollte von den Eltern gefördert werden. Warum darauf bestehen, dem Kind die Jacke zuzumachen, wenn es das unbedingt selbst versuchen möchte? Dafür muss Zeit sein! Müdigkeit und Hunger können ebenfalls die Wahrscheinlichkeit von Wutausbrüchen erhöhen. Kinder sind noch nicht in der Lage, eine Verbindung zwischen Übermüdung oder einem leeren Magen und schlechter Laune herstellen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Schlaf und regelmäßig zu essen bekommt, und die Stimmungsschwankungen werden nachlassen.

Verstärkungen vermeiden

Keine Mutter und kein Vater möchte Wutanfälle beim eigenen Kind fördern, aber viele tun es doch. Verbieten Sie etwas oder fordern Sie Ihr Kind auf, etwas zu tun und lassen Sie sich durch einen Wutanfall umstimmen, wird Ihr Kind dieses Verhalten in Kürze wieder zeigen. Bestes Mittel gegen Machtspiele: Sprechen Sie wenige und dafür wirklich wichtige Verbote aus, z.B. nicht alleine über die Straße gehen und verlangen Sie nur, was Ihnen wirklich wichtig ist, z.B. regelmäßig Zähne putzen. Die Befolgung dieser Regeln müssen Sie konsequent einfordern. Steigert sich Ihr Kind doch in einen Wutanfall hinein, darf es nicht mit Aufmerksamkeit oder Verständnis belohnt werden. Schicken oder führen Sie es möglichst gelassen und ohne viele Worte in sein Zimmer. Ihre Stimme darf nicht wütend oder vorwurfsvoll klingen. Diese „Auszeit“ ist keine Strafe und darf von Ihrem Kind auch nicht als Bestrafung empfunden werden. Sie ist eine Pause, in der sich das Kind beruhigen kann. Stellen Sie einen Wecker in das Kinderzimmer, damit das Kind weiß, wann es wieder herauskommen kann. Die Auszeit sollte in Minuten nicht länger sein als das Kind in Jahren alt ist. Gebrüll oder Gejammer darf Sie nicht erweichen. Kommt das Kind vor dem Klingeln des Weckers aus seinem Zimmer, beginnt die Auszeit von vorne. Wärmen Sie den Konflikt nach Ablauf der Auszeit nicht wieder auf. Wenn der Wutanfall vorüber ist, ist Körperkontakt das, was Ihnen beiden hilft. Manchen Eltern fällt es schwer, die Auszeit durchzuhalten, aber Sie werden sehen: Wenn Sie Ihr Verhalten ändern, wird auch Ihr Kind sein Verhalten ändern. Viele Kinder lernen mit der Zeit Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle: Sie nehmen sich selbst eine Auszeit, weil sie wissen, dass sie ihnen gut tut.

Sich entspannen

Ruhe und Gelassenheit sind die besten Reaktionen, wenn Ihr Kind gerade ausflippt. Wer entspannt ist, reagiert überlegter und hat die Situation im Griff. Sie können sich bewusst in einen entspannten Zustand versetzen. Schließen Sie die Fäuste und atmen Sie tief ein, atmen Sie wieder aus und öffnen Sie die Fäuste. Wiederholen Sie das einige Male und sagen Sie gleichzeitig: „Ruhig, ganz ruhig“. Wenn Sie die Wut packt und zu befürchten ist, dass Sie gleich etwas Unüberlegtes tun, sollten Sie sich eine Auszeit nehmen. Schließen Sie sich im Badezimmer ein und kommen Sie erst wieder heraus, wenn Sie wieder einen kühlen Kopf haben. Empfinden Sie dieses „aus dem Feld gehen“ nicht als Niederlage. Die meisten Kinder freuen sich nicht, wenn Mama bzw. Papa in derartigen Situationen einfach weggeht. Meist wird dem Kind erst dann bewusst, dass sie über die Stränge geschlagen haben. Gelassenheit, also innere und äußere Ruhe in schwierigen Situationen, hilft Eltern, Zurückschreien und gar Schlagen zu vermeiden. Mit Gegengewalt verbessert sich das Verhalten Ihres Kindes nicht!

Vorbild sein

Eltern, die selbst toben, geben kein gutes Beispiel; Eltern, die nie negative Gefühle zeigen, aber auch nicht. Jeder Mensch ist ab und zu wütend oder enttäuscht. Es kommt nicht darauf an, sich diese Emotionen nicht anmerken zu lassen. Es geht vielmehr darum, konstruktiv damit umzugehen. Zeigen Sie vor Ihren Kindern Wut, Enttäuschung oder Traurigkeit, aber zeigen Sie auch, wie man das Beste daraus macht.

Wutanfälle vermeiden

Mit der Zeit werden Sie lernen, die Vorboten eines Wutanfalls zu erkennen. Schauen Sie dem wütenden Kind nicht direkt in die Augen und senken Sie Ihre Stimme. Prüfen Sie Ihre eigene Erregung. Wenn Sie selbst keinen klaren Kopf mehr haben, sollten Sie die Auseinandersetzung abbrechen, z.B. mit den Worten: „Pause! Lass uns darüber sprechen, wenn wir uns beruhigt haben“. Ermöglichen Sie dem Kind einen Rückzug ohne Gesichtsverlust. Respektieren Sie seinen Wunsch nach Abstand. Wechseln Sie das Thema oder schlagen Sie ein gemeinsames Spiel vor, wenn Sie spüren, dass sich der Wutanfall noch abwenden lässt. Manche Eltern oder Therapeuten halten einen Boxsack, ein Schlagkissen oder eine „Brülleimer“ bereit, in den das Kind seinen Unmut brüllen kann. Das entspannt und macht Spaß. Besorgen Sie sich einen Eimer, bekleben Sie ihn gemeinsam mit dem Kind, erklären Sie seine Funktion und benutzen Sie den Brülleimer selbst zu diesem Zweck. So lernt das Kind durch Beobachtung, wie sich Wut umlenken lässt. Auch die Vereinbarung eines Geheimwortes hat sich bewährt: Ist das Kind auf dem Weg zum Wutausbruch, können Sie als Mutter oder Vater „Reißverschluss“ sagen. Für das Kind – aber nicht für Dritte – bedeutet dies: „Du bist in keiner guten Verfassung. Geh lieber in dein Zimmer und beruhige dich“. So lernt das Kind Selbstkontrolle und wird nicht vor Außenstehenden bloßgestellt.

Verhalten nach dem Wutanfall

Direkt nach dem Wutanfall ist keine Aufarbeitung möglich. Lassen Sie das Ganze am besten auf sich beruhen. Verzichten Sie auf Kommentare wie „Hast du dich wieder eingekriegt?“. Wenn Ihr Kind abends gut aufgelegt ist, kann ein vorwurfsfreies Gespräch auf der Bettkante stattfinden. Nicht nur Sie, auch Ihr Kind leidet unter seinen Wutanfällen! Fragen Sie, was ihm im Wutanfall bzw. kurz davor geholfen hätte. Überlegen Sie, ob Sie dies künftig berücksichtigen können.

Neue Reaktions- und Verhaltensweisen erlernen

Wutanfälle kosten Energie und Nerven. In einem Elterntraining können Sie gemeinsam mit anderen Eltern neue Reaktions- und Verhaltensweisen in schwierigen Erziehungssituationen erlernen. Wie setzt man Grenzen? Wie erzieht man liebevoll? Was kann man von einem Kind in welchem Alter erwarten? Diese und viele andere Inhalte erwarten Sie.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.