Trotzphase mit 1 jahr

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Wenn nix mehr hilft: 5 Tipps gegen Wutanfälle bei Kleinkindern

Wutanfälle sind bei Kleinkindern ganz normal und kein Grund vor Scham im Boden versinken zu wollen. Ja, es ist unangenehm, doch alle um einen herum, die selber Kinder haben, haben genau das vermutlich selber schon erlebt. Bleibt also lieber ruhig, atmet tief durch und mit ein bisschen Glück ist der Wutanfall mit Schreien, Tränen und Schlagen nach zwei Minuten vorbei.

Darum gehen Kleinkinder so schnell in die Luft

Der Grund, warum Kleinkindern so schnell der Kragen platzt, ist schlicht und einfach Frust. Darüber, dass ihnen etwas nicht gelingt oder dass sie ihren Willen nicht kriegen. Das kennt wohl auch jeder Erwachsene.
Nur: Als Erwachsener kann man seinen Frust in Worten ausdrücken, hat die Macht etwas zu ändern oder versteht, dass es jetzt so ist und man damit leben muss.
Ein Kleinkind kann das noch nicht verstehen, kaum sprechen und wählt den einzigen Weg, den es kennt: Schreien, Schlagen, Toben. Das komplette Wutanfall-Paket. Das ist nicht schön, aber eben die Art mit der Kleinkinder ihren Frust loswerden.

Auch wenn es Mamas schwerfällt: Lasst den Wutanfall zu.
Euer Kind muss seinen Ärger äußern dürfen. Aber zeigt ihm klar, dass andere zu schlagen oder zu treten keine Option ist. Findet andere Wege, mit denen es seinem Zorn Luft machen kann, zum Beispiel indem es in ein Kissen boxt.

5 Tipps, mit denen ihr den Wutanfall eures Kindes in den Griff kriegt

Optimal ist es natürlich, wenn es so selten wie möglich zu einem Wutanfall kommt. Ihr könnt das nicht komplett verhindern, aber es gibt ein paar Tipps, mit denen ihr vorbeugen könnt.
Kinder sind beispielsweise schneller frustriert, wenn sie müde oder hungrig sind. Versucht deswegen Schlafenszeiten einzuhalten und achtet darauf, dass es regelmäßig isst und trinkt. Habt immer Snacks dabei, wenn ihr unterwegs seid.
Versucht aufkommenden Frust außerdem schon im Keim zu ersticken und lenkt das Kind ab. Bietet Optionen an, wenn es regelmäßig beim Anziehen oder Essen zu Stress kommt. Hat euer Kind trotzdem einen Wutanfall, bleibt ruhig und probiert die folgenden Tricks:
1. Nehmt es fest in den Arm und sagt ihm, dass ihr es lieb habt.
2. ​Ignoriert den Wutanfall und macht ganz normal weiter.
3. ​Lenkt euer Kind ab und sprecht bewusst über etwas ganz anderes.
4. ​Lasst es toben, aber dabei bitte nicht allein.
Passt auf, dass es sich und anderen dabei nicht wehtut.
5. Fokussiert die Wut auf einen Punkt.
Lasst das Kind zu Hause Papier zerknüllen oder zerreißen oder in ein Kissen boxen. Seid ihr unterwegs, könnt ihr es auch mit einem Papier oder Taschentuch probieren. Oder mit einer Butterbrottüte, die es aufblasen und zerplatzen lassen kann.

Gebt eurem wütenden Kind Zeit sich zu beruhigen

Da Wutanfälle für Eltern und Kind anstrengend sind, solltet ihr nicht direkt danach darüber sprechen sondern eine Weile abwarten. Versucht herauszufinden, warum es wütend geworden ist. Macht klar, dass es Grenzen gibt. Findet gemeinsame Wege, bietet Alternativen, damit nicht die immer selben Dinge einen Wutanfall auslösen. Redet auf Augenhöhe mit eurem Kind.

Quellen & Informationen:

  • Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP): Online-Familienhandbuch
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.
  • Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde

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Das eine Kind wirft sich auf den Boden, weil es am Morgen nicht angezogen werden will. Das andere bekommt einen Schreianfall, weil es keine Süßigkeiten bekommt. Was raten Sie Eltern in einer solchen Situation?
Den Eltern würde ich gerne Folgendes mitgeben: Freuen Sie sich. Ihr Kind macht gerade einen wichtigen Entwicklungsschritt durch. Das heißt, reagieren Sie nicht genervt. Ich weiß, das ist manchmal recht viel verlangt, wenn Eltern es eilig haben oder morgens schnell aus dem Haus möchten. Eine weitere Regel ist: Nehmen sie es nicht persönlich. Wenn ihr Kind Zähne kriegt, beziehen sie das ja auch nicht auf sich. Es gibt mehrere Trotzphasen, und durch die muss das Kind durch.

Nicht genervt sein ist einfacher gesagt als getan. Wo sollen Eltern denn ihre eigene Wut in einer solchen Situation hinstecken?
Überlegen Sie, was genau Sie eigentlich stört. Nehmen Sie ein wenig Distanz zu der Situation auf, sehen Sie ihrem Kind einfach mal gelassen zu. Sonst wird daraus ein kleiner Machtkampf, und der hilft niemanden. Der nächste Schritt wäre: Lassen Sie sich vom Kind nichts abtrotzen.

Was meinen Sie damit?
Sie sind genervt, und das Kind setzt seinen Willen durch. So lernt das Kind, dass Schreien und Toben eine ganz hervorragende Strategie ist, sich gegen seine Eltern durchzusetzen. Bleiben Sie also ruhig und geben Sie nicht nach. Reagieren Sie aber auch nicht mit Schimpfen oder mit Schreien.

Kennen Sie Techniken, mit denen man es durchhält, Grenzen durchzusetzen, ohne wütend zu werden?
Regeln etablieren Sie nicht in dem Moment des Trotzes. Das müssen Sie vorher machen oder nach dem Wutanfall des Kindes. Wenn es zum Beispiel um das Thema Anziehen geht, können Sie versuchen, es altersabhängig in den Alltag einzubinden. Bei kleineren Kindern können Sie sich zum Beispiel eine Vorlesegeschichte zum Thema besorgen oder gemeinsam eine Puppe anziehen. Geben Sie dem Kind stückweise Verantwortung und lassen sie es sich, wenn es nicht trotzig ist, nach seinem eigenen Geschmack anziehen.

Was geht in den Köpfen der Kinder vor? Warum geraten sie so außer Kontrolle?
In dem Moment stößt das Kind an eine Grenze. Da ist eine äußere Anforderung, und da ist der eigene Wille. Dazwischen muss ein Ausgleich gefunden werden. Das ist wie beim „Mensch ärgere Dich nicht“. Am Anfang lassen Sie das Kind gewinnen. Das Kind merkt das ganz genau, und mit der Zeit muss es lernen, zu verlieren. Das sind keine einfachen Emotionen. Bei Trotz erlebt das Kind einen Widerstreit der Gefühle und muss schrittweise lernen, damit umzugehen.

Wie helfen die Eltern ihm dabei?
Für das Kind ist die Trotzphase nicht angenehm. Zeigen Sie auf der emotionalen Ebene Mitgefühl. Sagen Sie etwas, wie: „Ach, das ärgert dich jetzt aber sehr“. Bei Trauer zeigen Eltern Mitgefühl, wenn etwas schmerzt, zeigen sie Mitgefühl. Das Kind macht gerade eine ganz schwierige Situation durch. Trösten Sie es.

Wie wichtig ist diese Phase für die weitere Entwicklung?

Im späteren Leben hat man ständig Situationen zu meistern, in denen man etwas möchte, aber nach außen hin an Grenzen stößt. Die Gefühle, die dabei hervorgerufen werden, sind normal. Es geht darum, wie man mit ihnen umgeht. Wer als Erwachsener in einer Konfrontation mit dem Chef aus dem Zimmer rennt und den PC zerschlägt, der hat irgendetwas nicht gelernt. Im zivilisierten Miteinander haut man keine Geräte kaputt und schlägt sich nicht gegenseitig die Köpfe ein, sondern man findet andere Methoden, seine Wut loszulassen. Sie gehen mal raus, atmen tief durch oder trinken einen Kaffee. Diese Techniken zu lernen, darauf kommt es an, und das ist ein ganz langwieriger Prozess.

Stimmt die Theorie, dass bei Kindern, die im Kleinkindalter besonders stark zu Trotzanfällen neigen, die Pubertät später gemäßigter abläuft, oder ist das eine vergebliche Hoffnung?
Solche allgemeingültigen Regeln lassen sich nicht aufstellen, da jeder Mensch unterschiedlich ist. In manchen Familien wird heißblütig gestritten, andere regen sich eher innerlich auf und muffeln nur ein bisschen rum. Doch wenn Kinder gut durch die Kleinkindtrotzphase kommen, haben sie bereits ein festes Regelsystem für die schwierige Phase der Pubertät. Kinder lernen in den ersten Trotzphasen, wie man miteinander umgeht, wenn sehr unterschiedliche und heftige Gefühle aufeinandertreffen. Ein solches Regelsystem erst in der Pubertät einzuführen, ist sehr viel schwieriger. Wichtig ist dabei, dass das Kind seine Eltern als Unterstützer wahrnimmt.

Verläuft die Trotzphase bei Jungen anders als bei Mädchen?
Nein. Was die Entwicklungspsychologie betrifft, gibt es da keinen Unterschied. Aber es ist so, dass die Umwelt anders auf Jungen als auf Mädchen reagiert. Bei Jungen wird es eher positiv gesehen, wenn sie ihren Willen durchsetzen – denn sie sollen später besonders durchsetzungsfähig sein. Bei Mädchen wird ein solches Benehmen häufig weniger toleriert, weil viele Menschen dies als nicht weiblich genug empfinden.

Gibt es denn irgendetwas, womit man den Wutanfällen schon vorher entgegenwirken kann? Wenn es zum Beispiel immer ähnliche Situationen sind, in denen die Emotionen hochkochen.
Manchmal kann man im Vorfeld eine Situation entspannen. Zum Beispiel schon am Abend vorher die Kleidungsstücke für den nächsten Tag gemeinsam raussuchen. Wenn Mutter und Vater gestresst sind, übertragen sich die Gefühle schnell auf das Kind. Kinder sind hoch sensibel für die Gefühle ihrer Eltern. Je nach Situation sollte man überlegen, wie man einen Vorgang anders regeln könnte, um ihn zu entzerren.

Worauf sollte man sonst noch als Elternteil achten?
Sie sollten einem Kind keine doppelten Botschaften machen. Ihm etwas sagen und selber genau das Gegenteil tun. Dann sucht sich das Kind das aus, was ihm am besten gefällt. Zusätzlich können Rituale helfen, eine Situation zu entschärfen. Dann kann sich das Kind darauf verlassen, dass es ab jetzt immer so läuft.

Manche Kinder lassen sich partout nicht die Zähne putzen, halten sich den Mund mit den Händen zu. Oder sie schlagen um sich, wenn sie etwas nicht möchten. Muss man nicht manchmal doch einfach hart durchgreifen?
In der Mehrzahl der Fälle sind Eltern zu gestresst und haben selber keine Lust. Am besten ist es, Dinge gut einzuführen. Zum Beispiel einen Zahnarzt mit Kindersprechstunde aufsuchen, das Kind loben und mit ihm darüber reden, wie wichtig das Zähneputzen ist. Dass Kinder anfangen, beim Zähneputzen zu tricksen, ist übrigens ganz normal. Wenn sie versuchen, ihre Eltern zu überlisten, wollen sie Grenzen austesten und werden deshalb nicht gleich kriminell. Für die Entwicklung ist das ganz normal.

Ab wann ist das Trotzalter wieder vorbei? Was erwartet Eltern danach?
Es gibt kein klassisches Verlaufsprogramm für Trotzphasen. Sie haben typische Trotzphasen im Kleinkindalter und im Schulalter. In der Pubertät prallen noch einmal sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen von Jugendlichen und Eltern aufeinander. Machen Sie sich als Eltern bloß nicht verrückt, und stellen Sie sich darauf ein, dass Sie, solange Sie die Erzieherrolle innehaben – bis zum Alter von 18 Jahren – diese Auseinandersetzungen immer haben werden.

Das Gespräch führte Saara von Alten.

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Heidemarie Arnhold ist promovierte Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE), der die „Elternbriefe“ an Berliner Familien sendet. Infos unter www.ane.de.

Wut, Aggression und Überforderung der Eltern (im ersten Lebensjahr)

Irgendwann geraten wohl alle Eltern an diesen Punkt: Das schreiende Baby macht ratlos und die Stimmung ist angespannt. Zudem raubt es in der Nacht den so dringend benötigten Schlaf. Was es wohl hat? Gerade beim ersten Kind ist dies für die frischgebackenen Eltern eine große Herausforderung: Das Kind soll neben den anderen Aufgaben in den Tagesrhythmus integriert werden. Ihre Erfahrung ist dabei kein Einzelfall. Vielen Eltern geht es dabei genauso wie ihnen. In solch einer angespannten Situation ist es dabei nicht leicht, besonnen zu reagieren.

Ich bin wütend auf mein Kind – ist das normal?
Wie kann ich kritische Situationen vermeiden?
Wohin mit meiner Wut?
Was könnte die Situation längerfristig entzerren?

Ich bin wütend auf mein Kind – ist das normal?

Das bisherige persönliche und berufliche Leben von Mutter und Vater ändert sich tiefgreifend. Für die Mutter fallen zumindest für eine gewisse Zeit die beruflichen Kontakte weg. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den neuen Erdenbürger. Auch der Partner wird feststellen, dass die Anwesenheit des kleinen Wesens aus der bisherigen Paarbeziehung eine kleine Familie macht. Ändern wird sich auch die Freizeitgestaltung. Gerade Anfangs beeinflusst der Schlaf- und Wachrhythmus des Kindes diese nachhaltig.

Alle diese genannten Veränderungen verunsichern und brauchen ihre Zeit, bis sich im Alltag alles eingespielt hat. Meinungsverschiedenheiten, Stress und Auseinandersetzungen sind dabei vorprogrammiert. Diese Umstände können wütend auf das Baby machen.

Aber gerade dieses Gefühl verunsichert, da man sich eigentlich auf das Kind gefreut hat und Mutter und Vater gute Eltern sein wollen. Vielen Eltern geht es dabei genau so, Sie sind sicher kein Einzelfall. Entscheidend wird aber sein, wie Sie mit der eigenen Wut umgehen.

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, alles perfekt zu machen! Vergessen Sie das Bild von den stets lächelnden, liebevollen Eltern. Ein Kind gibt viel, fordert aber auch viel. Manchmal überfordert, gereizt, wütend, am Ende der Kraft zu sein, ist völlig normal.

Wie kann ich kritische Situationen vermeiden?

  • Nehmen Sie sich in der Tagesplanung nicht zu viel vor. Setzen Sie sich in Sachen Haushalt und Arbeit nicht unter Druck. Erstellen Sie eine Liste, welche Dinge vorrangig erledigt werden müssen und welche auch noch warten können. An besonders schwierigen Tagen ist es absolut erlaubt, Arbeit liegen zu lassen.
  • Suchen Sie nach Entlastungsmöglichkeiten in der Betreuung des Säuglings und der anfallenden Arbeiten im Haushalt. Oft kann Sie der Partner oder jemand im Verwandten- oder Freundeskreis unterstützen. Vielleicht ist ja gerade die Oma oder die Freundin froh darüber, wenn sie einzelne Aufgaben übernehmen und Ihnen damit einen Gefallen tun können. Dabei ergibt sich auch die Chance, einmal Abstand vom Kind zu bekommen.
  • Planen Sie regelmäßige „Auszeiten“ vom Kind ein, wenn es gut versorgt ist. Einen 24-Stunden-Job an sieben Tagen die Woche hält niemand durch.
  • Tun Sie sich auch mal selbst etwas Gutes! Gönnen Sie sich von Zeit zu Zeit einen Tapetenwechsel. Vergessen Sie auch nicht in der Hektik des Alltags die Dinge, die Ihnen Freude bereiten. Gerade das geliebte Hobby stellt möglicherweise eine wertvolle Energiequelle dar.
  • Es muss auch Luft sein für eigene Bedürfnisse: Tun Sie etwas, das Ihnen wirklich Spaß macht. Vergessen Sie nicht, Ihre lieb gewonnen Hobbys zu pflegen, Freunde zu treffen. Dabei können Sie abschalten und den Kontakt zu anderen Menschen pflegen.
  • Bauen Sie Energiereserven auf. Gönnen Sie sich alleine oder mit dem Partner etwas Gutes. So können Wellness-Angebote aufbauende Farbtupfer in dem oft stressigen Alltag sein. Oder Sie leisten sich ein neues Kleidungsstück oder einen Gang zum Friseur.
  • Wichtig ist, dass die möglichen Ursachen für das Schreien Ihres Babys kennen. Dabei sollten Sie immer bedenken: Das Kind äußert seine Bedürfnisse und drückt sein Unbehagen aus. Ganz sicher will es Sie aber nicht provozieren. Es hat einfach keine anderen Möglichkeiten, den eigenen Zustand den Bezugspersonen mitzuteilen.

Wohin mit meiner Wut?

Es ist eine völlig normale Reaktion, beim Umgang mit einem Kind auch mal wütend zu werden! Sie müssen sich dafür nicht schämen, denn anderen Eltern geht es genauso. Die Frage ist nur, wie Sie mit Ihrer Wut umgehen.

  • Am wenigsten hilfreich ist, die eigenen Aggressionen am Kind auszuleben. Dabei besteht leicht die Gefahr, dass sich das Schreien des Kindes nur verstärkt, da es die angespannte Stimmung spürt und verunsichert wird.
  • Ganz wichtig: Schütteln Sie Ihr Kind nie! Den meisten ist nicht bewusst, wie gefährlich Schütteln für ihr Kind ist. Das Gehirn eines kleinen Kindes – und das gilt nicht nur für Säuglinge, sondern auch noch im Kleinkindalter – ist sehr zart und verletzlich. Die Nackenmuskulatur des kleinen Kindes ist zudem noch schwach und der Kopf macht bei Babys noch einen großen Teil ihres Körpergewichts aus. Da können schon hastige Bewegungen gefährlich sein. Beim Schütteln schlägt der Kopf ungeschützt hin und her. Hierdurch können Blutgefäße und Nervenbahnen im Gehirn reißen und es kann zu bleibenden Schäden kommen. Hierzu gehören beispielsweise schwere bis sehr schwere Entwicklungsstörungen mit Seh-, Hör- oder Sprachstörungen, körperliche und geistige Behinderungen, Verhaltensstörungen und Krampfleiden. Die Verletzungen können so schwerwiegend sein, dass sie sogar zum Tod des Kindes führen können. Weisen Sie auch andere Betreuungspersonen Ihres Kindes auf die Gefährlichkeit des Schüttelns hin!
  • Besser ist es, die angestaute Wut in eine andere Bahn zu lenken – ehe Sie die Beherrschung verlieren und Ihr Kind anbrüllen oder schütteln. Wenn das Kind sicher untergebracht ist, verlassen Sie doch für kurze Zeit den Raum: Brüllen Sie einen Gegenstand an, schlagen Sie auf einen Ball ein oder stampfen Sie auf den Boden. Auch Singen oder laut vor sich hin reden kann helfen, um ruhiger zu werden. Gehen Sie erst dann zu Ihrem Kind zurück.
  • Im Umgang mit der eignen Wut kann es deshalb hilfreich sein, mehrmals tief durchzuatmen Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an die Entspannungsübungen und Atemtechniken, welche im Geburtsvorbereitungskurs der Hebamme vermittelt wurden.
  • Wenn es die Situation erlaubt, versuchen Sie einen Tapetenwechsel. Machen Sie einen Spaziergang. Sie können sich dabei abreagieren, und der kleine Quälgeist kann vielleicht im beruhigend schaukelnden Kinderwagen endlich einschlafen.
  • Rufen Sie eine Freundin bzw. einen Freund an, weinen Sie sich aus. Vielleicht kann sie oder er auch vorbeikommen und Ihnen beistehen oder etwas abnehmen.

Was könnte die Situation längerfristig entzerren?

  • Setzen Sie sich mit ihrem Partner zusammen und überlegen Sie gemeinsam, wo der Schuh drückt. Dazu gehört, dass Sie sich gemeinsam Gedanken über ihre aktuelle (Lebens-) Situation machen. Vielleicht ist es notwendig, dass Sie dem Partner verdeutlichen, wo Sie dessen Hilfe benötigen und wie er Sie entlasten kann. Sprechen Sie aber auch darüber, welche Bedürfnisse beide Seiten haben. Dazu gehören Themen wie Partnerschaft nach der Geburt , Sexualität und Liebe nach der Geburt des Kindes. Dabei drückt sich auch die gegenseitige Wertschätzung aus, und es fällt leichter, gemeinsam am selben Strang zu ziehen.
  • Einen anderen Blickwinkel eröffnet sicher auch das Gespräch mit befreundeten Menschen. Oft hilft schon das Erzählen der eigenen Probleme, neue Perspektiven zu sehen. Oft hilft es schon, die Ursache für den eigenen Zorn selber zu erkennen. Ihr Kind ist sicher nicht schuld daran.
  • Auch Kontakt zu anderen Eltern kann helfen. Im Gespräch können Sie Erfahrungen austauschen und Frust ablassen.
  • Wenn es noch andere Belastungen in Ihrem Leben, zum Beispiel familiäre Probleme, finanzielle Sorgen oder es durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr große berufliche Anforderungen gibt, dann versuchen Sie – so schwierig es auch ist – Ihren Problemen aufrecht ins Auge zu sehen.
  • Wenn Ihr Kind sehr viel schreit und Sie sich der Situation kaum noch gewachsen fühlen, wenden Sie sich bitte an Ihren Kinderarzt / Ihre Kinderärztin oder eine Beratungsstelle für Eltern mit Schreibabys.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen die ganze Situation daheim über den Kopf wächst, Wut, Hass, Verzweiflung häufig auftreten, dann ist das ein Alarmsignal: Zögern Sie nicht, Hilfe von außen zu holen. Immer wieder erweist sich der Gang zu einer Erziehungsberatungsstelle oder zum Jugendamt als hilfreich.

„Ich weiß mir manchmal einfach nicht mehr zu helfen. Dieses permanente Schreien macht mich völlig fertig – dazu diese extreme Erschöpfung! Manchmal möchte ich mein Kind nehmen und an die Wand klatschen, weil ich mir einfach nicht mehr zu helfen weiß …“

Wenn ein Baby viel schreit, raubt das vor allem der Mutter oft Schlaf –und Nerven. Trotz aller guten Vorsätze kann das in manchen Fällen eskalieren und in Gewalt enden. Spürt eine Mutter in einer stressigen Situation, dass sie die Kontrolle verliert, heißt es: schnell reagieren! Aber das ist manchmal einfacher gesagt als getan.

Fakt ist: Wut ist ein Tabu in der Erziehung! Mütter fühlen sich oftmals schuldig, wenn ihnen doch einmal der Kragen platzt und sie Aggressionen gegenüber ihrem Baby empfinden. Merkt eine Mutter, dass sie überfordert ist, ist es am besten, frühzeitig vorzubeugen, raten Pädagogen und Psychologen.

  • Wie bekomme ich mein Kind zum Einschlafen?

    Thiel: „Der erste Schritt ist immer: Auf den Arm nehmen – beruhigen – herausfinden was Baby fehlt – Abhilfe schaffen – Baby wieder hinlegen. Als zweiten Schritt: Berührungsobjekte als Ersatz für die elterliche Zuwendung im Zimmer/Bettchen hinterlassen, also Kuscheltiere, ein Mobile oder eine Spieluhr. Alles, was dem Kind Sicherheit vermittelt („Ich bin nicht allein, es ist etwas da“) ist wichtig. Welche Tipps darüber hinaus beim Einschlafen helfen können (Baden, Singen, etc). ist individuell verschieden – das müssen Eltern zusammen mit ihrem Baby herausfinden. Pauschalrezepte, die für jede Eltern- Kind Beziehung gelten, gibt es nicht. Das gilt insbesondere für das Beruhigen beim Schreien!“

  • Warum wachen Babys nachts überhaupt auf?

    Saalfrank: „Wenn Kinder in der Nacht wach werden, überprüfen sie ihre Sicherheit. Babys sind ja völlig ungeschützt und wehrlos auf die Welt. Sie sind auf Überlebens-Modus geschaltet. Deshalb werden sie oft unruhig, wollen eine Antwort haben. Und wenn sie nicht sicher sind, dass ihre Bezugspersonen in der Nähe sind, springen alle Alarmglocken an. Babys haben noch keine Vorstellung davon, dass Erwachsene trotzdem da sind, auch wenn sie nicht im Raum sind. Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Kinder in den Arm nehmen, wenn sie nachts aufwachen und weinen. Manchmal reicht es auch, wenn man den Kindern die Hand hält.“

  • Viele Eltern schwärmen ja von der Methode aus dem o.g. Buch…

    Saalfrank: „Solche Eltern habe ich nicht getroffen – nur Eltern, die sagen: Es geht mir nicht gut dabei, aber es funktioniert! Und das ist das Schlimme, denn: Das Schreien hört auf. Aber der Preis ist hoch! Das erste Lebensjahr ist ein Fingerabdruck – auch auf emotionaler Ebene. Hier wird der Grundstein dafür gelegt, wie sicher wir später in unseren Beziehungen sind, ob wir Emotionen zeigen können – es geht um die Bindungsfähigkeit. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Kinder nicht durchschlafen. Schon gar nicht in den ersten 12 Monaten. Mein Tipp: Rituale sind total wichtig, wiederkehrende Abläufe (Atmosphäre, Gerüche, Handlungen wie Baden, Abendbrot essen) geben Sicherheit.“

  • Wann wird es einfacher, das Kind zum Einschlafen zu bringen?

    Thiel: „Kein Baby schreit aus Spaß oder um seine Eltern zu ärgern – ein Schrei ist immer ein Alarmsignal, er hat immer den Sinn, Aufmerksamkeit zu erregen und die Menschen, zu dem das Baby eine sichere Bindung hat, zu sich zu locken. Im 1. Lebensjahr lässt sich das Kind überwiegend nur durch Körperkontakt beruhigen, ab dem 2. Lebensjahr wird das Gehirn reifer. Das Kind hat durch die sichere Bindung zu seinen Eltern das Gefühl, ihm wird geholfen, auch wenn diese nicht direkt sichtbar sind – dann reicht es oft schon, Mutter oder Vater zu hören.“

  • Wie verhalten sich Eltern laut Forschung richtig?

    Thiel: „Die Eltern-Kind-Bindungsforschung hat gezeigt: Am sinnvollsten ist es, wenn fürsorgliche, sensitive Eltern prompt und angemessen auf das Schreien reagieren. Das A und O ist es hier, den Grund herauszufinden und die Schreie zu unterscheiden. Hat das Baby Hunger, Schmerzen oder Langeweile? Eltern sollte ihr Kind genau kennenlernen, um die Schreie unterscheiden zu können.

    Bei Hunger- und Schmerzensschreien wäre es schlimm, dass Kind einfach weiter schreien zu lassen – das vermittelt dem Kind das Gefühl Man versteht mich nicht! Ich kann mich auf meine Eltern nicht verlassen! Das Kind empfindet die Welt von Anfang an als bedrohlich. Eine sichere Eltern-Kind Bindung als wichtigste Voraussetzung für eine gesunde emotionale und körperliche Entwicklung wird nicht aufgebaut. Also: Unbedingt hingehen, das Kind auf den Arm nehmen und bei Hunger füttern bzw. bei Schmerzen evtl. den Kinderarzt konsultieren. Schließlich können auch unentdeckte Krankheiten hinter dem Schrei stecken.

    Bei Langeweile-Schreien kann man das Kind durchaus etwas warten bzw. verzögert reagieren, es dann aber mit einem Kuscheltier o.Ä. versorgen, damit es lernt, sich selbst zu bespaßen. Wer hier zu viel Aufmerksamkeit schenkt, wird schnell zum Animateur für sein eigenes Baby. Eltern sollten aber absolut sicher sein, dass es sich um ein Schreien aus Langeweile handelt und dem Kind dann Auswege anbieten. Fängt das Kind dann an, mit dem Kuscheltier zu spielen, sollten Eltern sich sukzessive entfernen – aber noch immer im gleichen Raum aufhalten.“

Doch was sind die Auslöser von Wut?

Mütter sind häufig mehrfach belastet, fühlen sich überfordert und darin verunsichert, wie sie ihr Kind richtig erziehen sollen. Sie fühlen sich bei Auseinandersetzungen mit ihrem Kind hilflos und sind frustriert über das, was nicht gelingt. Und dies wiederum steigert die Wut.

Wut, die durch Überforderung und Verunsicherung ausgelöst wird, trägt die Botschaft in sich: „Ich strenge mich doch so an, ich weiß nicht, warum ich es nicht schaffe, mein Kind so zu erziehen, wie ich es gerne möchte!“

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Unzufriedenheit als Faktor für Baby-Frust

Wut kann ihren Ursprung aber auch in Unzufriedenheit mit der generellen Lebenssituation haben. Beispielsweise wenn sich eine Frau nach einigen Jahren im Beruf entschlossen hat, sich die nächsten Jahre der Pflege ihres Kindes zu widmen. Viele Frauen unterschätzen häufig die Situation, wissen Psychologen.

Denn es ist nicht einfach, wenn man als Mutter über viele Stunden (und manchmal sogar Tage) mit seinem Kind alleine ist. Viele fühlen sich dadurch zunehmend isoliert. Es klingt banal, aber in solchen Situationen sollte man unbedingt für Abwechslung sorgen – zum Beispiel mit anderen Müttern Kontakt aufnehmen, an Mutter-Kind-Gruppen teilnehmen oder sich mit Freundinnen verabreden.

  • Hilfe rufen

    Melden Sie es dem örtlichen Jugendamt, wenn Sie mitbekommen, dass ein Kind geschlagen wird. Bei Gewalt auf dem Schulhof sollten die Lehrer informiert werden. Und zwar schnell, denn: „Gewalt und Mobbing hören nicht von allein auf“, sagt Arche-Gründer Bernd Siggelkow (49).

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Manchmal hat die Wut tiefliegende Gründe

Wenn Mütter allerdings permanent gegen ihre Aggressionen ankämpfen müssen, weil sie unausgefüllt und schnell reizbar sind, dann steckt dahinter häufig mehr. Diese Wut trägt die Botschaft in sich: „Die Hausarbeit und Kindererziehung füllt mich nicht aus, ich brauche eine Aufgabe außerhalb der Familie, so halte ich das nicht aus.“

In manchen Fällen hat die Wut aufs Kind aber auch tiefliegende persönliche Gründe. Zum Beispiel dann, wenn Mütter bei ihrem Kind Eigenschaften wahrnehmen, die sie bei sich selbst nicht akzeptieren. Oder wenn das Kind mit seinem Verhalten alte Verhaltensmuster aus der eigenen Erziehung wachruft, kann dies auch ein Hinweis sein, dass sich Betroffene für die Bearbeitung ihrer Wut professionelle Hilfe suchen sollten.

Diese SOS-Strategien helfen wütenden Müttern:

► Wenn die Wut so richtig hochkocht, ist es wichtig, Abstand zu gewinnen. Verlassen Sie den Raum und ziehen Sie sich für einige Minuten zurück. Schließen Sie sich zur Not ein paar Minuten in der Toilette ein.

► Tanken Sie Sauerstoff! Stellen Sie sich ans offene Fenster und atmen Sie einige Minuten ganz tief aus und ein. Aggressionen blockieren klares Denken. Der Sauerstoff fördert die Durchblutung und hilft dabei, sich zu besinnen und sich zu beruhigen.

► Wenn die Wut sehr groß ist, berühren Sie (sanft) ihr Baby. Berührungen sind eine SOS-Entspannungsmaßnahme und wirken auf der Stelle beruhigend, lösen Spannungen.

► Notfalls mit weichen Gegenständen schmeißen. Lösen Sie Aggressionen beispielsweise durch eine Kissenschlacht.

► Erwarten Sie niemals, dass Ihr Kind Sie von Schuldgefühlen entlastet. Wenn es einen Vorfall gegeben hat, der Sie belastet, sprechen Sie mit vertrauten Personen darüber.

Wenn Paare kinderlos sind

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Erschöpfung und Schlaflosigkeit – Wenn Eltern wütend werden 

Ihr kennt die Situation sicher zur Genüge: das Baby schreit und schreit…. und schreit und schreit. Seit Stunden, seit Tagen, vielleicht sogar seit Wochen. Und alle, wirklich ausnahmslos alle Bemühungen, die ihr unternommen habt, damit es sich beruhigt, sind gescheitert. Weder stillen, noch wickeln, noch umhertragen noch schaukeln, noch singen, noch wiegen bringt wirklich eine Besserung. Und mal ganz davon abgesehen bräuchtet ihr mal wieder dringend eine Mütze voll Schlaf.

Dass es tatsächlich so anstrengend sein kann mit Baby, ist den wenigsten Eltern von vornherein klar. Verständlich also, dass sich Frust breit macht – und dass ihr irgendwann Aggressionen verspürt. Dem Baby gegenüber, dem Partner gegenüber, vor allem: einfach der ganzen Situationen gegenüber, denn in Wirklichkeit, Hand aufs Herz, habt ihr euch das Elternsein dann doch ein wenig anders vorgestellt.

Ihr seid mit dem Problem nicht allein!

Vielleicht ist es nicht wirklich der Trost, den ihr gerne hören möchtet, aber immerhin: Mit diesem Problem seid ihr wahrlich nicht alleine. Denn Eltern, die der anstrengenden Situation der ersten Wochen nicht gewachsen sind, gibt es mehr als genug. Und ihr braucht euch dafür auch wahrlich nicht zu schämen. Vor allem: Ihr könnt für diese Situation nichts!

Wessen Schuld ist das viele Geschrei?

Wenn Euer Baby besonders viel schreit, ist das definitiv nicht eure Schuld! Es ist ganz wichtig, dass ihr euch das klar macht. Die Schuld eures Babys aber auch nicht! Ganz im Gegenteil: es bringt rein gar nichts, in dieser Situation überhaupt einen „Schuldigen“ suchen zu wollen. Was würde das auch verbessern oder gar ändern? Eben. Selbst wenn ihr wüsstet, wer dafür verantwortlich ist, dass es so ist, wie es ist- inwiefern bitteschön soll euch das weiterhelfen? Euer Baby schreit, weil ihm etwas fehlt oder weil es euch etwas mitteilen möchte. Ihr seid jedoch – im Moment – nicht in der Lage, es zu beruhigen. Aber wer sagt eigentlich, dass ihr das als Eltern überhaupt zwingend sein müsst? Lasst euch davon also bitte nicht aus dem Konzept bringen! Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass Eltern immer und überall wissen müssen, wie ihr Kind tickt und mit welchen „Maßnahme“ sie es zum Schweigen bringen.

Eltern, die ein Baby haben, welches besonders viel schreit – also möglicherweise ein Schreibaby – wissen ein Lied davon zu singen: egal, was sie auch probieren – der Erfolg hält sich in Grenzen. Lasst euch davon nicht entmutigen! Denn eins steht fest: es kommen auch wieder bessere Zeiten. Euer Baby scheint besonders sensibel zu sein und auf einige Dinge dementsprechend sensibler zu reagieren als andere. Wichtig ist allerdings, wie ihr dabei mit euren Gefühlen umgeht.

„Ich könnte ausflippen“ – und jetzt?

Dass auch Eltern mit den stärksten Nerven es nicht x-beliebig lange aushalten, wenn ihr Nachwuchs schreit und schreit und sie mit permanentem Schlafmangel leben müssen, ist nur menschlich. Solltet ihr also Aggressionen an euch bemerken, ist auch das nicht verwunderlich – denn auch damit seid ihr nicht alleine. Es ist menschlich, in so einer Extrem-Situation mit Aggressionen zu reagieren: nur – das Entscheidende bei der Sache ist: wie gehe ich am besten damit um?

Woher kommt diese Wut überhaupt?

Alle Eltern lieben ihr Baby. Zumindest bis zu einem gewissen Grad –oftmals sogar bis zur Selbstaufgabe. Wenn nun aber die Wünsche und Bedürfnisse des Babys dauerhaft mit den eigenen kollidieren, ist es nur logisch, dass wir irgendwann an unsere Grenzen stoßen. Das ist nicht nur bei einem Schreibaby der Fall, welches uns quasi Tag und Nacht keine Ruhe lässt, es kann genauso gut auch später noch auftreten, zum Beispiel dann, wenn das Kind trotzt oder noch später, wenn es in die Pubertät kommt. Wohl alle Eltern kommen irgendwann mal so sehr an ihre Grenzen, dass sie sich beherrschen müssen, ihr Kind nicht zu verletzen – sei es nun verbal oder körperlich. Baby schütteln ist auf jeden Fall tabu – warum, darüber wurde hier an anderer Stelle schon ausführlich berichtet. Und wenn das Kind größer ist, ist Schlagen ganz genauso tabu – fragt sich also tatsächlich, wohin mit all der Wut, wenn ihr mit den Nerven am Ende seid?

Klar, dass sich Eltern, die eigentlich alles daran legen, „gute Eltern“ sein zu wollen, schon mal fragen, ob es eigentlich normal ist, wenn sie so eine unbändige Wut auf ihren Sprössling verspüren. Diesbezüglich können wir euch beruhigen: Ja, es ist bis zu einem gewissen Grad tatsächlich völlig normal – mal ganz davon abgesehen, dass es ohnehin immer die Frage ist, wie genau sich das Wort „normal“ überhaupt definiert. Zumindest ist es so, dass ihr damit wahrlich nicht alleine seid. Und verständlich ist es noch dazu. Wenn euer Baby erst mal da ist, verändert sich eure gesamte Lebenssituation – und zwar in so einem Maße, wie es vermutlich noch nie vorher und auch später nie mehr der Fall sein wird. Ihr gebt erstmal euren Beruf für eine gewisse Zeit auf. Damit fallen verschiedene soziale Kontakte nach außen weg. Freunde ohne Kinder werden wahrscheinlich auch eine Zeitlang nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie vorher. Eure Freizeitgestaltung wird logischerweise anders. Nicht zu vergessen euer Schlafrhythmus. Klar, ihr würdet am liebsten eurem Bedürfnis entsprechend die Nacht einfach durchschlafen. Doch dieses Bedürfnis kollidiert leider ganz massiv mit den Bedürfnissen eures Babys, welches Hunger hat, weint, Nähe sucht und eben in den ersten Wochen und Monaten noch längst keinen Schlaf-Wach-Rhythmus hat, der zu eurem passen könnte. Und genau diese Schwierigkeiten – oder sagen wir lieber Veränderungen dazu – erfordern eine gewisse Zeit, bis ihr euch daran gewöhnt habt. Alles soweit also ganz normal.

Dazu kommt, dass ihr in einem Zwiespalt steckt. Eigentlich habt ihr euch ja total darauf gefreut, endlich zu dritt zu sein, endlich ein Baby zu haben. Ihr hattet euch vorgenommen, die besten Eltern der Welt zu werden. Und nun das! Ihr seid gefrustet, übermüdet und reizbar. Essenziell dabei ist vor allem, wie ihr mit der entstehenden Wut umgeht.

Schluss mit Perfektionismus!

Eine Tatsache, die dieses Problem meistens noch verstärkt, ist der Drang der Eltern, alles richtig machen zu wollen. Man will nicht nur eine Supermutter sein, sondern natürlich auch im Beruf weiterhin erfolgreich sein, man will seine Partnerschaft bei der Stange halten, Freundschaften pflegen, Sport treiben, das eine oder andere Mal ausgehen und vor allem soll die Wohnung möglichst perfekt sein. Viele stecken sich hierbei allerdings viel zu hohe Ziele. Die Ansprüche, die man an sich selbst hat, sind oftmals völlig überzogen. Warum genau muss die Wohnung picobello sein, wenn Besuch kommt? Um den anderen zu zeigen, das man alles im Griff hat? Und dann? Wer dankt es einem? Wäre es nicht wichtiger, das Augenmerk auf das Baby und seine Bedürfnisse zu legen und auch auf euch? Also statt putzen und saugen vielleicht doch lieber mal eine Runde die Beine hochlegen, entspannen oder ein kurzes Nickerchen machen? Damit ist euch und eurem Kind nämlich viel eher gedient als mit einer perfekten Wohnung, die am nächsten Tag ohnehin schon gar nicht mehr so perfekt aussehen wird. Mit Kind ist es nahezu unmöglich, das gleiche Niveau an Ordnung beizubehalten wie ohne. Oder nur mit einem deutlich größeren Aufwand. Irgendeiner wird zwangsläufig darunter leiden! Verabschiedet euch also möglichst von zu hohen Ansprüchen – ganz egal, ob ihr diejenigen seid, die diese Ansprüche habt oder die anderen. Wichtiger ist in der ersten Zeit, dass ihr euch aneinander gewöhnt und an euch selber denkt, euch also etwas Gutes tut. Die Wohnung kann warten. Und es kommen auch wieder bessere Zeiten – ganz sicher!

Menschen, die eine etwas unordentliche Wohnung habe, sind vielleicht nicht perfekt, dafür aber möglicherweise glücklicher oder zumindest deutlich entspannter. Lasst einfach mal alle fünfe gerade sein! Das bedeutet ja nicht gleich, dass eure Wohnung gleich im völligen Chaos und Dreck versinken muss. Aber den einen oder anderen überzogenen Anspruch an Ordnung und Hygiene könnt ihr jetzt euch und dem Baby zuliebe wirklich hinten anstellen.

Was tun, wenn ihr vor Wut und Zorn rot seht?

Es gibt durchaus Möglichkeiten, wie ihr eure angestaute Wut im Bauch wieder loswerden könnt – ganz ohne, dass ihr eurem Baby dabei im wahrsten Sinne des Wortes zu nahe tretet. Denn damit würdet ihr nicht nur eurem Baby schaden, sondern auch euch selbst.

  • Am besten ist es immer noch, ihr versucht, Abstand zu gewinnen. Oftmals reicht es schon aus, wenn ihr aus dem Zimmer geht. Und im Zweifelsfall gilt: lasst es lieber schreien, als dass euch womöglich die Hand ausrutscht! Wenn euer Baby sicher in seinem Bettchen liegt, kann ihm nichts passieren.
  • Einmal kurz an die frische Luft, durchatmen, auf zehn zählen – und schon sieht die Welt wieder meistens ein wenig anders aus. Wenn euer Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird, könnt ihr wieder vernünftig denken – das ist kein Witz, sondern eine Tatsache!
  • Ihr habt das dringende Bedürfnis, mit Gegenständen um euch zu werfen? Nur zu! Aber Vorsicht! Geschirr oder andere zerbrechliche Gegenstände sind dafür logischerweise weniger geeignet. Ein Kissen mit voller Wucht auf das Bett zu donnern, kann auch schon eine gewisse Erleichterung verschaffen.
  • Oftmals hilft es auch, den kleinen Schreihals einfach einzupacken und mit dem Kinderwagen draußen eine Runde zu drehen. Ein Tapetenwechsel hilft beiden Parteien, sich wieder zu beruhigen.
  • Wie wäre es, eine Freundin oder andere befreundete Eltern anzurufen? Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig unterstützen oder euch zumindest ein wenig ausheulen. Kontakte zu anderen Eltern, die meistens ganz ähnliche Probleme haben wie ihr, sind immer sinnvoll und wichtig.
  • Entspannungsübungen, die ihr vielleicht schon bei der Hebamme gelernt habt, können euch jetzt helfen. Auch spezielle Atemübungen sorgen dafür, dass der Stresslevel abnimmt.

Also: es ist ganz normal, dass ihr bei dem Umgang mit eurem Kind irgendwann einmal wütend werdet – dafür müsst ihr euch auch nicht schämen, denn das geht anderen Eltern ganz genauso. Nur ist es eben wichtig, wie ihr dieser Wut entgegentretet und wie ihr damit umgeht.

Vermeiden von kritischen Situationen

Ein paar Tipps können euch vielleicht dabei helfen, kritische Stress-Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen:

  • Nicht zu viel vornehmen! Mit Baby lässt sich ein Tagesplan nur sehr schlecht umsetzen, weil viel zu oft etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen kann
  • Wenn es sehr stressig ist, erlaubt euch auch mal, die Arbeit liegen zu lassen!
  • Lernt, wirkliche Wichtiges und Unaufschiebbares von weniger Wichtigem zu unterschieden
  • Plant feste Auszeiten ein – für euch, für euren Partner, für euch beide gemeinsam
  • Nehmt jegliche Hilfe an, sie sich euch bietet: Nachbarn, Freunde, Eltern, Babysitter, Haushaltshilfen – so könnt ihr ein wenig Auszeit genießen und neue Energie tanken
  • Tut euch etwas Gutes! Egal, ob das nun ein Tratsch mit der besten Freundin ist wie in guten alten Zeiten, ein Besuch im Schwimmbad, bei der Kosmetikerin, beim Frisör oder eine Runde Sport. Das alles gibt euch neue Kraft für den anstrengenden Alltag!
  • Behaltet eure Kontakte bei und/oder schließt neue Freundschaften. Schade, wenn ihr alle alten Kontakte abbrecht und euch nur noch auf euer Baby konzentriert – auch wenn es naheliegend wäre. Es ist wichtig, dass ihr ab und zu unter die Leute kommt und über andere Dinge sprecht als „nur“ über euer Baby. Oder aber dass ihr euch austauscht und den Frust von der Seele redet.
  • Schafft mit eurem Partner klare Fronten: Montags abends ist die Mama fürs Baby da, Donnerstags abends übernimmt der Papa zwischen zwei Stillzeiten die Babyfront und die Mama kann diesen Zeitraum so gestalten, wie sie will. Einmal alle zwei Wochen wird ein Babysitter engagiert… oder so ähnlich. Ihr müsst beide an einem Strang ziehen und natürlich sollte keiner von euch zu kurz kommen. Setzt euch zusammen und macht einen Plan. Außerdem ist es wichtig, darüber zu sprechen, wer was erwartet und wer welche Bedürfnisse hat.

Professionelle Hilfe holen – warum eigentlich nicht?

Last but not least: eines sollte immer klar sein: Wenn ihr wirklich der Meinung seid, in einer Sackgasse zu stecken und nicht mehr ein und aus wisst, dann nehmt am besten professionelle Hilfe in Anspruch. Schreiambulanzen gib es in jeder Stadt. Auch Erziehungsberatungsstellen können sich als hilfreich erweisen. Es muss euch keinesfalls peinlich sein! Im Gegenteil, ihr zeigt Stärke, wenn ihr euch eingesteht, dass ihr mit der Situation überfordert seid. Wenn euer Kind oder ihr selber eine Krankheit habt, geht ihr schließlich auch zum Arzt und versucht nicht, alleine an den Symptomen herumzudoktorn, oder? Eben.

Heutzutage stellt ein Baby eine besondere Herausforderung dar, denn von der Mutter wird nicht nur erwartet, eine Supermami zu sein, sie sollte ganz nebenbei auch ihren Haushalt managen und natürlich im Beruf möglichst schnell wieder ihre Mann stehen. Da ist es verständlich, dass das eine oder andere auch mal auf der Strecke bleibt. Deswegen: bevor die Situation eskaliert – holt euch Hilfe. Die meisten Eltern, die eine Schreiambulanz aufgesucht haben, können im Anschluss daran nur Positives darüber berichten.

Ihr seht schon: Es ist zugegebenermaßen alles nicht ganz einfach. Die Wut ist dennoch ganz normal, denn dass man, wenn man viel unter Stress und Schlaflosigkeit leidet und das Baby viel schreit, wütend wird, ist menschlich. Mit der richtigen „Überlebensstrategie“ könnt ihr aber auch diese anstrengende Zeit definitiv meistern.

Zitat:“ Ehe man keine eigenen Kinder hat, besitzt man nicht die leiseste Vorstellung davon, welches Ausmaß die eigene Stärke, Liebe oder Erschöpfung annehmen kann.“
(Peter Gallagher)

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