Trauer nach fehlgeburt psyche

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Trauer nach einer Fehlgeburt

Du hast erfahren, dass Du schwanger bist und Dich auf eine Zukunft mit dem kleinen Wesen in Deinem Bauch eingestellt. Du hast Dich auf Dein Kind gefreut und Dir vorgestellt, wie es sein wird. Vielleicht hast Du schon einen Namen ausgesucht und erste Dinge wie Kleidung oder Möbel angeschafft. Und dann ist plötzlich alles vorbei, weil das kleine Leben nicht bestehen konnte.

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Trauer nach einer Fehlgeburt zulassen

Mit der Diagnose Fehlgeburt bricht für werdende Eltern eine Welt zusammen. Wenn der Kinderwunsch zudem sehr stark und der Weg zur Schwangerschaft womöglich lang war, wiegt dieser Schicksalsschlag noch einmal besonders schwer. Tiefe Traurigkeit, Hilflosigkeit, Angst und Wut bestimmen Deine Gefühlswelt. Das ist normal und absolut verständlich. Lasse diese Gefühle zu und versuche nicht, sie zu unterdrücken. Wenn Du weinen musst, dann weine. Wenn Du schreien möchtest, dann schreie. Nur so kannst Du Dich befreien und Deine Trauer langfristig bewältigen. Generell ist dies ein sehr individueller Prozess. Während manche Frauen nach wenigen Wochen mit dem Verlust ihres Kindes abschließen können, brauchen andere vielleicht mehrere Monate. Nimm Dir auf jeden Fall die Zeit, die Du brauchst. Auch im Hinblick auf eine neue Schwangerschaft ist es wichtig, dass Du Deine Fehlgeburt so gut wie möglich verarbeitest. Denn eine so große seelische Belastung kann auch ein Risikofaktor für eine weitere Fehlgeburt bedeuten. In unserem Artikel „Fehlgeburt vorbeugen“ findest Du weitere Informationen dazu.

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Trauer sprechen lassen

Über Deine Trauer zu sprechen, ist ein bedeutender Schritt bei der Verarbeitung. Nicht umsonst heißt es „sich etwas von der Seele reden“. Teile Deine Gefühle vor allem mit Deinem Partner, der sicher die gleiche Trauer empfindet wie Du und ebenso Unterstützung bei der Verarbeitung der Fehlgeburt braucht. Aber auch Angehörige und Freunde können gute Zuhörer sein und Dir das Gefühl geben, dass Du mit Deinem Schmerz nicht alleine bist.

Austausch mit anderen Betroffenen

Vielleicht haben andere Frauen aus Deinem Umfeld das gleiche Schicksal erlitten. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft fast jeder Frau bei der Verarbeitung ihrer Fehlgeburt. Denn nur wer selbst ein Kind durch eine Fehlgeburt verloren hat, kann wirklich verstehen, was Du durchmachst und Dir so vielleicht auch helfen, neuen Mut für die Zukunft zu fassen. Wenn Du keine Möglichkeit zum persönlichen Austausch in Deinem näheren Umfeld hast, kannst Du auch den Besuch einer Selbsthilfegruppe in Betracht ziehen. Und auch das Internet bietet mittlerweile zahlreiche Plattformen, wie zum Beispiel „Schmetterlingskinder.de“ oder „www.fehlgeburt.info“, auf denen Du Deinen Schmerz mit anderen betroffenen Eltern teilen kannst. Diese Form hat schon vielen Müttern und ihren Partnern bei der Bewältigung ihrer Trauer nach einer Fehlgeburt geholfen.

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Trauer ohne Schuldgefühle

Viele Frauen quälen nach einer Fehlgeburt Schuldgefühle. Das ist nichts Ungewöhnliches, doch in den meisten Fällen vollkommen unbegründet. Viele Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, häufig sogar, bevor sie überhaupt bemerkt wurden. Die Ursachen sind vielfältig und können meistens nicht eindeutig geklärt werden. In unserem Artikel „Fehlgeburt: Wenn die Schwangerschaft frühzeitig endet“ findest Du detailliertere Informationen zu den Risiken einer Fehlgeburt und ihren Ursachen.

Professionelle Hilfe bei der Trauer nach einer Fehlgeburt

Wenn Dir der Schmerz und die Schuldgefühle allerdings so sehr zusetzen, dass sie Dich in eine Depression verfallen lassen, solltest Du auf jeden Fall professionelle Hilfe, zum Beispiel die eines Psychologen, in Anspruch nehmen. Anzeichen für Depressionen können anhaltende Schlafstörungen oder Appetit- und Antrieblosigkeit sein. Wenn Du auch nach einem längeren Zeitraum nach der Fehlgeburt keinerlei Freude empfinden kannst, kann auch das auf Depressionen hinweisen.

Auch Hebammen können Dir eine gute mentale Unterstützung und Trauerbegleitung nach einer Fehlgeburt bieten. Die sogenannte Hebammenhilfe steht Dir sogar zu, die Kosten dafür trägt Deine Krankenkasse. Mehr zur Hebammenhilfe kannst Du in unserem Artikel „Ausschabung nach einer Fehlgeburt?“ erfahren.

Weitere Möglichkeiten, mit Trauer umzugehen

Grundsätzlich musst Du den für Dich besten Weg finden, um mit Deiner Trauer nach einer Fehlgeburt umzugehen. Vielleicht möchtest Du nicht über Deine Gefühle sprechen, sondern sie lieber in einem Tagebuch oder in Form von Gedichten aufschreiben. Oder Du schaffst einen Ort in Deinem Zuhause, an dem Du Erinnerungen an Dein Ungeborenes, wie zum Beispiel Ultraschallfotos oder den Mutterpass, aufbewahrst. Manchen Müttern hilft es auch, zu ihrem verlorenen Kind zu sprechen oder für es zu singen.

Ganz gleich, wie Dein Weg aussieht: wichtig ist, dass Du ihn gehst. Deine Trauer zu bewältigen heißt nicht, dass Du Dein ungeborenes Kind vergessen sollst. Denn das wirst Du sicher nicht. Es kann auch sein, dass Dich am Tag der Fehlgeburt oder dem vorhergesagten Entbindungstermin in jedem Jahr wieder tiefe Traurigkeit überkommt. Wenn Du jedoch akzeptiert hast, dass Dein Kind nicht leben konnte, wird der Schmerz erträglicher und Du kannst einen Neuanfang wagen. Denn einer neuen Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt steht in den meisten Fällen nichts im Weg.

Köln –

Gerade erst hatte man verstanden, dass ein Leben in einem wächst, sich zaghaft auf das eigene Kind gefreut und angefangen, Pläne zu machen. Und plötzlich steht alles auf Stopp. Zumindest sagt das der Kopf – das Herz kann es meist erst viel später richtig verstehen.

Eine Fehlgeburt ist eine einschneidende Erfahrung. Und jede Frau geht anders damit um.

Manche Betroffene können bald nach vorne schauen, andere leiden lange unter dem Verlust. Gerade das ist für ihr Umfeld oft schwer nachzufühlen. Wahrscheinlich weil Fehlgeburten immer wieder passieren. Für die einzelne Mutter aber ist das meist kein Trost.

Wie können Frauen mit einer Fehlgeburt umgehen? Und wo finden Sie angemessene Hilfe? Ein Gespräch mit Gabrielle Stöcker, Frauenärztin und Beraterin bei der Pro Familia in Köln.

Sie betreuen bei Pro Familia Frauen, die eine Fehlgeburt erlebt haben. Welche Unterstützung brauchen Betroffene in dieser Situation? Und welche Hilfsmöglichkeiten gibt es?

Stöcker: Abschieds- und Trauerprozesse laufen ganz unterschiedlich ab. Das ist bei jeder Frau anders. Manchen Klientinnen, die in unsere Beratung kommen, hilft schon ein Gespräch, in dem sie erzählen können, wie es ihnen geht. Andere benötigen mehr Treffen und kommen regelmäßig. Manchmal ist so eine Fehlgeburt auch ein traumatisches Erlebnis und der Auslöser für eine richtige Depression, bei der therapeutische Hilfe benötigt wird. Das muss man ganz individuell gucken.

Viele Frauen sind in ihrem familiären und freundschaftlichen Umfeld sehr gut aufgehoben. Andere suchen den Austausch bei Selbsthilfegruppen, ihnen hilft das Wissen, dass sie mit der Situation nicht alleine sind. Es gibt viele Initiativen von Betroffenen im Internet, Beratungstelefone oder Hilfsangebote in Schwangeren-Beratungsstellen. Das Angebot ist riesig. Es müsste aber dringend institutionalisiert werden, damit die Frauen gleich schon nach dem ersten Arztbesuch wissen, welche Betreuungsmöglichkeiten es gibt.

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Was sagen Sie einer Frau, die erschüttert zu Ihnen in die Beratung kommt?

Stöcker: Dass es in Ordnung, dass es ihr so geht, wie es ihr geht. Dass es ein Stück weit normal ist und Zeit braucht. Dass es Trauerarbeit ist, die sie leistet.

Das eigene Umfeld tut sich dagegen oft schwer, die richtigen Worte zu finden und angemessen auf eine Fehlgeburt zu reagieren – warum?

Stöcker: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen mit der Situation oft recht allein sind. Was auch daran liegt, dass über Fehlgeburten oft nicht gesprochen wird. Viele wissen, dass in den ersten drei Monaten eine Fehlgeburt passieren kann, deshalb wird das Schwangersein oft geheim gehalten. Es ist auch eine Art Selbstschutz der Frauen.

Bei einer Fehlgeburt kommt es dann zu einer besonderen Situation. Die Paare haben einen Verlust erlebt – das ist ihr Kind gewesen, auch wenn es noch winzig klein war -, das ganze Umfeld aber war noch nicht so richtig in Beziehung zu diesem Kind. Am Anfang gibt es viel Empathie und Mitleid mit dem Paar, aber dann ist es recht schnell wieder vorbei, so nach dem Motto: Jetzt muss es auch gut sein.

Die Frauen haben oft das Gefühl, dass wenig Verständnis dafür da ist, dass sie so traurig sind, obwohl das Kind noch so klein und die Schwangerschaft nach außen noch nicht sichtbar war. Aber für diese Frauen war das ihr Kind. Das muss man immer bedenken.

Fehlgeburten sind ein Schicksal der Natur – viele Frauen suchen trotzdem die Schuld bei sich selbst.

Foto:

imago/Westend61

Mit einer Schwangerschaft sind auch oft ein Lebensentwurf und Pläne verbunden. Ist es auch ein Problem für die Frauen, wieder umzuplanen?

Stöcker: Das ist sicherlich sehr vielschichtig. Gesellschaftlich ist das mit dem Kinderwunsch völlig anders als vor 200 Jahren. Es gibt sichere Verhütungsmethoden, Frauen wollen sich erst beruflich festigen und sagen dann: Jetzt haben wir ein Gefühl von Sicherheit, jetzt möchten wir ein Kind haben. Oft klappt der Kinderwunsch sofort, dann ist alles wie geplant gelaufen. Man fühlt sich sicher.

Wenn aber eine Fehlgeburt passiert, läuft plötzlich gar nichts mehr nach Plan. Die Schwangerschaft war ja auch verknüpft mit Vorstellungen und Erwartungsfreude. Und das ist plötzlich von einem Tag auf den anderen jäh zu Ende. Es ist ein absoluter Kontrollverlust. Und auf einmal macht die Psyche Sachen, die man nicht mehr unter Kontrolle hat. Das muss man erst einmal aushalten. Auch eine Folgeschwangerschaft kann durch Ängste sehr belastet sein.

Warum machen sich so viele Frauen Vorwürfe und suchen die Schuld bei sich selbst?

Stöcker: Hier passiert etwas, dass man sich unheimlich gewünscht und geplant hat – und dann geht es schief. Manchmal habe ich das Gefühl, dass besonders vorbildliche Schwangere am meisten mit sich hadern. Sie fragen sich Dinge wie: Hab ich zu schwer gehoben? War es das Glas Wein, das ich zu viel getrunken habe, als ich noch nichts vom Baby wusste?

Man sucht einen Grund. Menschen können mit Dingen, die ihnen passieren, oft besser umgehen, wenn sie eine Erklärung haben. Wir leben einfach in einem Zeitalter, in dem wir mit Schicksalsschlägen der Natur nur schwer zurecht kommen. Und eine Fehlgeburt ist genau das. Ein nicht unerheblicher Teil an Schwangerschaften (ca. 15 Prozent, Anm.d.Red.) entwickelt sich eben nicht weiter, ohne dass man die Ursache dafür herausfindet. Fakt ist: Keine Frau muss sich für eine Fehlgeburt schämen oder die Schuld bei sich suchen. Sie kann wirklich nichts dafür!

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Hilft es den Frauen, zu wissen, dass eine Fehlgeburt in gewisser Weise „normal“ ist?

Stöcker: Es tröstet sie in dem Moment nicht unbedingt. Auch nicht eine Aussage wie: „In ein paar Monaten werden sie wieder schwanger“. Sie haben jetzt erst einmal diesen Verlust zu verarbeiten. Aber es ist für viele Frauen auf längere Sicht doch hilfreich und tröstlich.

Was kann man als Außenstehender tun, um zu unterstützen?

Stöcker: Da sein. Wertschätzen. Die Empfindungen der Frau anerkennen. Auch wenn sie nicht reden möchte. Und auch Verständnis haben, wenn eine Frau Wochen oder Monate später noch trauert. Wenn sie noch nicht bereit ist, es noch einmal zu versuchen oder Angst hat, dass es wieder passiert.

Manche betroffene Frauen haben nach einer Fehlgeburt oft besonders den Eindruck, dass alle um sie herum schwanger sind. Sie halten es dann für sich schwer aus, andere Babys auf den Arm zu nehmen. Als Freund sollte man dann verstehen, dass es nicht persönlich gemeint ist, sondern eben sehr weh tut.

Oft wollen gerade die Männer zunächst für ihre Frau stark sein. Ich finde es aber sehr wichtig, dass auch die Väter einen Ansprechpartner haben – sie haben schließlich auch ihr Kind verloren.

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Wenn eine Frau den Verdacht auf eine Fehlgeburt hat, wie sollte sie ganz konkret reagieren?

Stöcker: Hat die Frau das Gefühl, etwas könnte nicht stimmen oder treten Unterbauchschmerzen oder Blutungen auf, sollte sie zum Frauenarzt oder in eine Notfall-Ambulanz gehen.

Was macht der Arzt dort?

Stöcker: Es wird erst einmal im Ultraschall geschaut, wie die Lage ist. Nicht jede Blutung bedeutet gleich eine Fehlgeburt. Manchmal reicht es, wenn eine Frau sich schont, oft wird sie dafür krank geschrieben. Es kann aber auch sein, dass der Arzt feststellt, dass die Schwangerschaft sich nicht weiterentwickelt hat oder keine Herztöne mehr da sind. Manchmal wird das auch unerwartet bei einer regulären Vorsorgeuntersuchung erkannt.

Wenn klar ist, dass das Baby nicht mehr lebt, wie geht es danach weiter?

Stöcker: In bestimmten Fällen kann man der Natur ihren Lauf lassen. Irgendwann wird die Schwangerschaft vom Körper abgestoßen. Das ist ein Prozess, der sich über Tage hinziehen kann und mit krampfartigen Schmerzen und stärkeren Blutungen verbunden ist. Der Arzt erklärt der Frau, was auf sie zukommen kann und begleitet sie dabei. Alle paar Tage werden der Wert des Schwangerschaftshormons getestet und die Gebärmutter, falls notwendig, untersucht.

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Also ist eine Fehlgeburt medizinisch gesehen kein Notfall?

Stöcker: Medizinisch in der Regel nicht. Aber für die Frauen ist es immer ein Notfall, eine Krisensituation. Patientinnen kommen in der Regel immer sofort in die Praxis oder Klinik. Sie sind sehr in Sorge. Schließlich befinden sie sich in einem wertvollen Zustand, es geht um ihr Kind.

Wann wird eine Ausschabung gemacht?

Stöcker: Das ist medizinisch nicht immer notwendig, vor allem nicht im sehr frühen Stadium einer Schwangerschaft, wird aber in Deutschland sehr häufig gemacht. Das muss im Einzelfall mit dem Arzt besprochen werden. Manche Frauen können es sich nicht vorstellen, noch Tage lang in diesem Zustand zu bleiben und wollen es schnell hinter sich bringen. Andere möchten lieber warten. Wenn keine Entzündungszeichen vorhanden sind, ist das in Ordnung.

Ab wann wird eine „Geburt“ eingeleitet?

Stöcker: Viele Kliniken leiten jenseits des dritten Schwangerschaftsmonats bereits eine Art Geburt ein. Man gibt Medikamente, um eine Wehentätigkeit anzuregen. Für viele Frauen ist das eine sehr belastende Situation, weil der Prozess lange und schmerzhaft sein kann.

Wir setzen uns bei Pro Familia für eine gute Versorgung der betroffenen Frauen ein. Dies bedeutet auch, dass in solchen Situationen, wie in anderen Ländern durchaus üblich, das dafür zugelassene Medikament Mifepriston zum Einsatz kommt. Es verkürzt und erleichtert den Prozess und vermindert auch in nicht unerheblichem Maße die damit verbundenen Schmerzen. Das ist aber bisher leider nicht in allen Kliniken Standard.

Was passiert mit dem toten Kind?

Stöcker: Das Bestattungsgesetz ist in Deutschland Ländersache. In allen Bundesländern haben die Eltern ein Bestattungsrecht. In den meisten gibt es eine Bestattungspflicht bei einem Geburtsgewicht über 500 Gramm. Nehmen die Eltern ihr Recht, sofern sie darüber informiert wurden, nicht in Anspruch, so liegt die Bestattungspflicht in einigen Ländern bei der Klinik oder der Einrichtung, in der die Fehlgeburt stattgefunden hat. Dies erfolgt über Sammelbestattungen so genannter Sternenkinder.

Sollte die Frau nach einer Fehlgeburt in die Rückbildung gehen?

Stöcker: Nach einer frühen Fehlgeburt braucht man da sicherlich nichts zu machen. Das leistet die Natur ganz gut. Wenn es wirklich schon eine sehr fortgeschrittene Schwangerschaft war, nach einer Totgeburt zum Beispiel, dann macht es sicherlich Sinn. Das sollten dann aber Angebote sein, wo wirklich nur betroffene Frauen sind. Das kann ein guter Rahmen sein, in dem man sich austauschen kann. Eine Alternative wäre ein individuelles Angebot einer Hebamme zu nutzen, die im Übrigen auch Begleitung nach Tot- und Fehlgeburten anbieten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hilfe nach Fehlgeburt und Totgeburt in Berlin

  • Sie haben Ihr Baby vor der Geburt/bei der Geburt verloren, im ersten Trimester oder später?
  • Sie möchten sich auf die Ausschabung vorbereiten oder auf die stille Geburt und Abschied von Ihrem Baby nehmen?
  • Es geht Ihnen schlecht? Sie fühlen sich von Ihren Gefühlen überfordert, fühlen sich wo möglich schuldig oder sehr einsam mit Ihren Schmerz?
  • Sie möchten mit einer kompetenten und einfühlsamen Person darüber reden, die Ihnen zuhört und Ihnen hilft die Gefühle zu verarbeiten oder mit ihnen besser umzugehen?
  • Sie wollen wieder nach Vorne schauen können und Zuversicht für den nächsten Versuch wieder gewinnen?

Gern biete ich Ihnen Begleitung und Hilfe nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt an, damit Sie den schweren Verlust leichter bewältigen und nicht allein damit bleiben. Besonders wenn Sie vorhaben, wieder schwanger zu werden: Es ist wichtig, das verstorbene Embryo/Kind gut verabschiedet zu haben, damit Sie sich mehr über eine spätere Folgeschwangerschaft freuen können. Die Studien bestätigen, dass eine Verarbeitung des Verlustes sich positiv auf die Folgeschwangerschaft auswirkt und die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt stark reduziert.

Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Vorgespräch!

Psychische Probleme nach einer Fehlgeburt oder nach einer Totgeburt

Woran können Sie merken, ob Sie psychologische Hilfe nach einer Fehlgeburt brauchen?
Für manche Frauen kann eine Fehlgeburt wie ein traumatisches Erlebnis sein und psychische Probleme mit sich bringen. Sie konnten in der Situation nichts mehr kontrollieren und fühlten sich sehr hilflos und machtlos. Die eventuelle Ausschabung kann manchmal sogar zum zweiten Albtraum werden.
Ich empfehle Ihnen, psychologische Hilfe nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt in Anspruch zu nehmen, wenn:

  1. Sie das Gefühl haben, dass Sie sich Ihre Trauer und andere Gefühle nicht erlauben können.
  2. Sie sich allein nicht trauen, diese Gefühle zuzulassen oder keine Zeit/Raum dafür haben.
  3. Sie sich bei einigen der folgenden Beschreibungen erkennen:
    1. Der Anblick schwangerer Frauen ist schwer zu ertragen.
    2. Nach 1 – 2 Monaten weinen Sie immer noch, wenn Sie darüber sprechen oder daran denken.
    3. Sie wollen lieber alles vergessen, was passiert ist, da die Gedanken daran zu schmerzhaft sind.
    4. Sie fühlen sich verzweifelt und haben immer weniger Kraft für Ihren Alltag.
    5. Sie bewerten den Verlust als Ihr eigenes Versagen.
    6. Sie bleiben in der Wut oder in Schuldgefühlen stecken.
    7. Sie erkennen sich nicht mehr, da Sie sehr empfindlich reagieren und aggressiver sind als sonst.
    8. Sie fühlen sich mit der Trauer einsam und schlafen schlecht, oder haben sogar Panikattacken.
    9. Es zeigen sich körperliche Beschwerden, aber der Arzt kann nichts Organisches feststellen.
    10. Sie haben seitdem Probleme mit der Wirbelsäule
    11. Sie haben die Tendenz, sich betäuben zu wollen, durch Rastlosigkeit, viel Arbeit, viel Essen, Alkohol, viele Ablenkungen.
    12. Ihr Gewicht hat sich seitdem verändert: nach oben oder nach unten.

Welche Methoden nutze ich für die psychologische Hilfe nach Fehlgeburt und Totgeburt

Es gibt inzwischen bewährte Methoden aus dem Bereich der Traumatherapie, die die Verarbeitung von Gefühlen stark unterstützen.

Wenn ich mit einer Klientin eine Fehlgeburt oder Totgeburt verarbeite, nutze ich zusätzlich zu Gesprächen mehrere moderne Methoden: wingwave® bzw. EMDR, Brainspotting und Innere Bilder, die sich bei der Bewältigung von Gefühlen bewährt haben. Sie kommen aus dem Bereich der Traumatherapie.
Sie sind deswegen wirkungsvoll, weil ein Trauerfall nicht über den Verstand verarbeitet werden kann, sondern eher über die Gefühle. Und genau das ist der Vorteil von diesen Methoden: Nicht die Logik, sondern das Gefühlszentrum (das limbische System) kommen zur Hilfe. Ich bringe Ihr limbisches System und Ihr Stammhirn in einen Verarbeitungszustand. Sie merken meistens bereits während der Sitzung, wie die Gefühle und deren Intensität sich positiv verändern. Wenn Sie mehr über die Methoden, die ich anwende, wissen wollen, finden Sie weitere Informationen unter dem Menüpunkt „Methoden und Honorar“. Diese Methoden haben außerdem den Vorteil, dass Sie sie auch zwischen den Sitzungen selbst anwenden können und schwierige Situationen so besser durchleben.

Die Erfahrung in meiner Praxis aus den letzten 11 Jahren hat gezeigt, dass eine Fehlgeburt zu verarbeiten durchschnittlich zwischen 2-10 Stunden dauern kann, je nachdem welche Verbindung Sie mit dem Kind schon gefühlt haben und wie dramatisch der Verlust abgelaufen ist. Bei einer Totgeburt kann es etwas länger dauern (12-14 Stunden), auch hier hängt es ganz von den Umständen ab.
Meine Klientinnen definieren selbst den Rhythmus der Zusammenarbeit, ich empfehle die Arbeit in zweistündigen Sitzungen.

Ablauf meiner psychologischen Hilfe nach Fehlgeburt und Totgeburt in Berlin:

  • Sitzung 1: Sie erzählen mir, wie und was genau passiert ist und definieren, welche Situationen für Sie noch besonders schmerzhaft sind. Ich erkläre Ihnen die Methoden und die Phasen und wir entscheiden zusammen, womit wir das nächste Mal anfangen, damit Sie Vertrauen zu der Methode gewinnen.
  • Sitzung 2: Wir beginnen, die schmerzhaften Erinnerungen zu verarbeiten mit EMDR oder mit Brainspotting je nach stärke Ihrer Belastung. Meistens entsteht dabei eine große Erleichterung, da die Klientin sofort merkt, dass es ihr hilft.
  • Ab Sitzung 3: Die Trauerverarbeitung beginnt und damit verbunden der Aufbau einer positive Verbindung zum ungeborenen Kind.

Die Voraussetzungen, die Sie mitbringen sollten, um mit mir den Verlust zu verarbeiten, sind:

    • die Bereitschaft, sich mit Ihren Gefühlen auseinanderzusetzen,
    • Sie hatten direkt vor dem Verlust keine schwere Depression,
    • Sie haben vorher nicht unter krankhaft mangelndem Selbstwertgefühl gelitten.

Ziel der Verarbeitung einer Fehlgeburt oder Totgeburt

Trauer ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf einen Verlust, die uns hilft, das unerklärliche entweder zu begreifen oder als unerklärlich so stehen lassen zu können. Es hilft uns das Unbegreifliche zu verkraften und zu akzeptieren. Eine Fehlgeburt oder eine Totgeburt zu verarbeiten heißt, Sie darin zu unterstützen, alle Gefühle in Ihrem eigenen Rhythmus zuzulassen. Es geht darum, dass wir uns zusammen in einen geschützten Raum begeben, um dem Unfassbaren nach und nach einen Platz im Leben zu geben. Es geht darum, die schlimmen Erlebnisse und die Erinnerungen und Gefühle dazu zur Ruhe kommen zu lassen. Die Erinnerungen werden emotional entladen, sodass Sie trotzdem stabil bleiben, wenn Sie wieder daran denken.
Es ist wichtig, nicht in der Frage “Warum ist es mir passiert?” zu verharren. Denn oft gibt es keine Antwort auf das „Warum“ und es hält einen in der Vergangenheit fest. Meine Klientinnen entdecken oft für sich, dass dieses Ereignis nachhaltig etwas in Ihrem Leben positiv verändert hat: Seien es Werte, Prioritäten im Leben, Freunde oder der vermehrte Kontakt mit ihrem Selbstwertgefühl oder ihrer Selbstliebe. Egal was Sie dadurch integrieren: Es ist, als ob dadurch Ihr Kind nachhaltige Spuren in Ihrem Leben hinterlässt und damit immer in Ihrem Leben präsent bleiben wird. Manche sehr wichtige Menschen brauchen nur ein paar Wochen, um das Leben von anderen Menschen nachhaltig positiv zu beeinflussen: Ihr Kind hat das gewiss für Sie getan. Ich bin gern für Sie da, um zusammen mit Ihnen herauszufinden, um welche Spuren es da in Ihrem Fall geht. Dies ist meistens ein großer Trost für die verwaisten Eltern.

Was der Psyche hilft nach einer Totgeburt oder Fehlgeburt: Ritual zum Abschied vom Sternenkind

Ich habe in meiner mehr als zehnjährigen Arbeit als Trauerbegleiterin ein Ritual zum Abschied vom Sternenkind erarbeitet. Ich stelle immer wieder fest, wie gut es der Psyche meiner Klientinnen hilft, den Verlust des ungeborenen Kindes zu verarbeiten. Das Ritual beinhaltet 5 Phasen, die die Mütter meistens gut ansprechen. Wir entscheiden zusammen, welcher Teil von dieses Ablaufs für Ihren Trauerprozess hilfreich ist. Das ist abhängig davon, wie und wann Sie Ihr Baby verloren haben.

Welche Ziele können durch das Ritual zum Abschied vom Ihrem Sternenkind erreicht werden:

  • Die Situationen, die mit der Fehlgeburt oder Totgeburt verbunden sind (beim Frauenarzt, im Krankenhaus, mit Partner/Familie), werden so verarbeitet, dass Sie sie nicht mehr zu unterdrücken brauchen. D.h. wenn Sie wieder daran denken, ist es traurig, aber Sie spüren genügend emotionalen Stabilität. Das gibt meinen Klientinnen meistens viel Kraft zurück und die empfundene Schwere lässt dadurch nach.
  • Sie haben eine starke, herzliche innere Verbindung zu Ihrem Kind aufgebaut, bei der Sie mehr Liebe als Trauer spüren. Diese Verbindung kann Ihnen niemand wegnehmen. Sie wissen, wie Sie mit den Jahrestagen gut umgehen können, und Sie spüren die innere Erlaubnis, nochmal schwanger werden zu dürfen.
  • Sie fühlen sich nicht mehr als Opfer des Schicksals. Sie schließen Frieden mit der Fehlgeburt, selbst wenn Sie nicht verstehen, warum es Ihnen passiert ist. Sie ziehen daraus neue Erkenntnisse für Ihr Leben. Manche Werte verändern sich nach so einem Ereignis.
  • Sie sind mit Ihrer Gebärmutter wieder versöhnt (falls es nicht so war). Mit Ihrem Kind im Herzen spüren Sie mehr Kraft, wieder nach vorn zu schauen. Es hat seinen Platz in Ihrem Herzen und in Ihrer Familie innerlich bekommen und behält ihn. Sie können sich auf einen neuen Versuch, ein neues Kind, einlassen.

Psychologische Hilfe nach einer Fehlgeburt bereitet Sie auf die Folgeschwangerschaft vor

Ärzte empfehlen wenigstens 3 Monate zu warten bis zum nächsten Versuch, schwanger zu werden. In diesen 3 Monaten ist es sehr hilfreich sich eine psychologische Hilfe nach der Fehlgeburt oder Totgeburt zur Seite zu holen. Wenn Sie meine Unterstützung hinzuziehen, können wir gemeinsam den Trauerprozess angehen und den Verlust verarbeiten. Die 3 Monaten sind für die Gebärmutter, das Gleichgewicht Ihrer Hormone und für Ihre Psyche wichtig. Aber es ist auch für das nächste Kind sehr bedeutend, damit es nicht zum „Ersatzkind“ wird.

Viele meine Klientinnen, die wegen einer Hilfe nach Fehlgeburt oder Totgeburt zu mir kamen, hatten große Angst wieder schwanger zu werden. „Es könnte genauso wieder passieren, da wir nicht wissen, woran es liegt“. Diese Angst vor einer Folgeschwangerschaft ist nach dem Verlust ganz normal. Sie verändert sich aber, wenn Sie den Verlust emotional verarbeitet haben. Die Erlebnisse und das verstorbene Baby haben einen Platz gefunden und werden integriert. Es ist einmal passiert, aber es muss nicht noch mal passieren. Jeder Schwangerschaft ist anders und kann mit einer glücklichen Geburt enden. Nach der Verarbeitung der Fehlgeburt hatten meine Klientinnen keine psychische Probleme mehr, sie hatten viel weniger Angst, wieder schwanger zu werden, sondern eher Zuversicht. Einige haben mir bei der letzten Sitzung gesagt, dass sie wieder schwanger waren und sich darüber freuen können.

Verschiedene Trauerwege von Männern und Frauen

Oft führe ich zuerst ein Gespräch mit dem verwaisten Ehepaar, wenn die Frauen erwähnen, dass es Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Partner seit dem Verlust des Ungeborenen gibt. Männer trauern anders als Frauen. Aber jeder hat die Tendenz dem anderen das zu geben, was ihm auch selbst hilft. Das ist hier bei Trauerbewältigung nicht sinnvoll. Mit dem Gespräch zu dritt erläutern wir die unterschiedlichen Trauerwege und beseitigen die falschen Deutungen, die zwischen Mann und Frau stehen. Männer lernen, wie sie Ihrer Frau zur Seite stehen können und Frauen, wie sie Ihren Mann am besten unterstützen. Das bringt etwas Entspannung in der Situation hinein, da jeder den anderen in seiner Trauer und seinen Bedürfnissen besser versteht und somit besser auf seine Partnerin/seinen Partner eingehen kann.

Unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburt

Wenn Sie mit dem Kind, das Sie verloren haben, erst mit Hilfe einer Kinderwunschbehandlung schwanger geworden sind, empfehle ich Ihnen noch mehr, den Verlust vor dem nächsten Versuch zu verarbeiten. Eine Kinderwunschbehandlung kostet viel Kraft und Sie brauchen sie erstrecht, um sich nach einer Fehlgeburt auf den nächsten Versuch einzulassen.
Selbst Frauen, die natürlich schwanger geworden sind, haben nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt Angst, dass sie nie wieder schwanger werden. Bei einer Frau, die nur mit Hilfe einer künstlicher Befruchtung wie ICSI oder IVF schwanger werden kann, stellte ich bei meinen Klientinnen fest, dass die Angst noch größer und die Trauer noch intensiver. Zu bedenken ist auch, dass jeder ICSI- oder IVF-Versuch, der nicht zu einer Schwangerschaft führt, die vorherigen Verluste reaktiviert. Es bedeutet folgendes: Wenn vorherige Verluste nicht emotional verarbeitet worden sind, kann sich die Intensität der Enttäuschung nach einer ICSI oder IVF ohne positiver Schwangerschaftstest von Mal zu Mal schlimmer anfühlen und zu depressiven Zuständen führen. Bitte achten gut auf sich und nehmen Sie sich Zeit zwischen den Versuchen, um wieder ganz stabil zu werden.

Begleitung vor dem Abgang, der Ausschabung oder der stillen Geburt

Sie wurden schwanger und sich sehr auf Ihr Kind gefreut. Doch leider haben Sie innerhalb des ersten Trimesters eine Fehlgeburt erlitten. Ihr ungeborenes Baby hat sich plötzlich nicht weiterentwickelt oder das Herz hörte plötzlich wieder auf zu schlagen. Eine Schwangerschaft, die mit einer Fehlgeburt endet, ist ein Albtraum für jede Mutter!
Die meisten Aborte (manchmal auch missed Abortion genannt, wenn der Embryo in der Gebärmutter verbleibt) finden zwischen der 6. und 12. Schwangerschaftswoche statt. Eine solche Fehlgeburt tritt bei etwa 25% der Schwangerschaften auf. Die Ursachen dafür sind leider nur selten bekannt.
Falls Sie den Embryo bereits per Ultraschall gesehen haben und seinen Herzschlag erkennen konnten, ist spätestens da eine besondere Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem Wunschkind entstanden.
Die schlechte Nachricht vom Gynäkologen muss sich dann für Sie wie ein Weltuntergang angefühlt haben. Sie sind von Leere, Ohnmacht und Trauer erfüllt. Fassungslosigkeit macht sich breit. „Wie kann das sein, so plötzlich? Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragen Sie sich vielleicht. Die Antwort ist aber: Nein, meistens haben Sie, als werdende Mutter, keinen Fehler gemacht.

Missed Abortion oder Abgang?

Eine missed Abortion wird eher beim Frauenarzt festgestellt. Manchmal geschieht der Verlust aber noch plötzlicher als oben beschrieben.

Sie sind unterwegs oder zu Hause, bekommen starke Blutungen und verlieren dabei den Embryo. Viele erleben den Abort sogar auf der Toilette und sehen sich damit konfrontiert, ihr Ungeborenes wegr ein unverbindliches Vorgespräch!spülen zu müssen. Solch ein Abgang ist für viele traumatisch.

Umso wichtiger ist es, solche Erlebnisse zur verarbeiten. Bei vielen Frauen sitzt die Erschütterung darüber sehr tief. Oder Sie haben ein Bild vor dem inneren Auge, das sehr belastend ist. Allein gelingt es Ihnen nicht, von diesem Bild loszukommen; es zu unterdrücken kostet viel Kraft und erschöpft. Bei meiner Trauerbegleitung ist dies ein wichtiges Thema, das oft bearbeitet werden muss. Anschließend geben wir dem Kind innerlich einen guten Platz.

Vorbereitung auf die Ausschabung

Bei einer missed Abortion kann es passieren, dass eine Ausschabung nötig wird. Nehmen Sie sich Zeit bis zur Ausschabung. Erlauben Sie sich, selbst die Entscheidung zu treffen, ob Sie sofort eine Kürettage wollen oder ob Sie Ihrem Körper und Ihrer Seele Zeit geben wollen, bis der Embryo von allein abgeht. Sie können diese Wartezeit nutzen, um sich von Ihrem Kind zu verabschieden. Wenn Sie möchten, berate ich Sie, wie Sie vom Ihrem geliebten Sternenkind, das noch im Bauch ist, Abschied nehmen und es loslassen können. Das ist eine sehr gute psychologische Vorbereitung zur Ausschabung, es kann aber auch einen natürlichen Abgang unterstützen und ist ein wichtiger erster Schritt zur Verarbeitung einer Fehlgeburt.

Die Totgeburt

„Ich musste mein totes Kind gebären. Es war so furchtbar still“.

Sie haben Ihr Kind mehrere Monate getragen und eine gute Bindung mit ihm aufgebaut und plötzlich passiert das Unerklärliche: Es bewegt sich nicht mehr. Das Herz schlägt nicht mehr. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft es sie und es tut wahnsinnig weh. Plötzlich bleibt die Welt für Sie stehen. Sie fühlen sich wie in einer Blase, ganz allein oder als Paar. Sie staunen, dass sich die Welt um Sie herum weiterdreht, ohne dass Sie sich daran beteiligen können. Sie fühlen sich wie aus der Welt hinausgeworfen! Sie sind leer und völlig entsetzt.
Dann sagt Ihnen Ihr Gynäkologe auch noch, dass Sie Ihr totes Kind zur Welt bringen müssen: Eine sogenannte stille Geburt. Der Gedanke daran, ein Kind tot zur Welt zu bringen, ist für alle Mütter ein Albtraum.
Aber es ist auch eine Chance: Sie können ihr Kind sehen, es bewundern und mit einem ersten Schritt den Trauerprozess beginnen. Viele Krankenhäuser unterstützen die betroffenen Paare im Prozess des Abschieds und ermöglichen, das Baby zu sehen, wann immer sie wollen. Manche haben sogar kostenlose Kleidung, die Ehrenamtliche genäht/gestickt haben. Ehrenamtliche Fotografen bieten auch an, Erinnerungsfotos zu machen, damit sie ihr Baby gut in Erinnerung halten können (siehe unten).

Die Verarbeitung einer Totgeburt dauert meistens etwas länger. Sie hatten viel länger Verbindung zu Ihrem Kind und die größere Hormonumstellung bringt Sie sicher noch mehr durcheinander. Auch da empfehle ich Ihnen unbedingt Hilfe nach der Totgeburt in Anspruch zu nehmen: Ich begleite Sie einfühlsam durch die Phasen der Trauerbewältigung. Ich nehme Sie an die Hand, um Schritt für Schritt all die Gefühle in einem geschützten Raum zuzulassen und zu bearbeiten.

Abschied nehmen von Ihrem Sternenkind vor der stillen Geburt

Nehmen Sie sich Zeit bis zur stillen Geburt. Erlauben Sie sich, selbst die Entscheidung zu treffen, wann Ihr Körper und Ihre Seele soweit sind, Ihr Baby erst mal körperlich gehen zu lassen. Sie können diese Wartezeit nutzen, um sich innerlich von Ihrem Baby zu verabschieden. Wenn Sie möchten, berate ich Sie, wie Sie vom Ihrem geliebten, ungeborenen Kind, Abschied nehmen können. Das ist eine sehr gute psychologische Hilfe als Vorbereitung auf die stille Geburt und ein wichtiger erster Schritt für einen gelungenen Trauerprozess.

Die stille Geburt bewusst erleben

Die stille Geburt bewusst zu erleben, ist eine Hilfe für die Verarbeitung einer Totgeburt.
Betroffene Mütter berichten, dass eine stille Geburt – ohne Kaiserschnitt – ihnen geholfen hat, den Tod ihres Babys / Fötus’ besser zu begreifen und zu verarbeiten. Eine natürliche Geburt hat den Vorteil, dass Sie durch den Geburtsschmerz aus dem „Gefühl der Leere“ oder aus dem Schock herauskommen. Bei der Geburt erleben Sie einen intensiven Kontakt zu Ihrem Kind. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Sie die Totgeburt besser bewältigen können, wenn Sie Ihr Kind zuerst im vollen Bewusstsein empfangen, in den Armen gehalten und angeschaut haben.

Es ist zu empfehlen – wenn Sie können – Fotos oder Fußabdrücke machen zu lassen. So haben Sie wertvolle Spuren, die an die Existenz Ihres Kindes erinnern. Nutzen Sie bitte all diese Möglichkeiten. Sie sind gute Hilfen nach einer Totgeburt . Es kann auch hilfreich sein, die Seelsorge im Krankenhaus hinzuzuziehen.
Lassen Sie sich krankschreiben, um sich Zeit zu nehmen, die Fehlgeburt oder Totgeburt zu verkraften. Wegdrücken und sich Ablenken lassen den Schmerz nicht verschwinden, sondern „drücken“ ihn erst recht in Ihren Körper und Ihre Psyche hinein. Das kann negative Auswirkungen auf Ihre Gesundheit haben oder den Trauerprozess stoppen.

Lernen Sie Ihre Trauerbegleiterin für eine psychologische Hilfe nach Fehlgeburt oder Totgeburt in Berlin persönlich kennen

Gern begleite ich Sie mit viel emotionaler Zuwendung, Einfühlungsvermögen und Kompetenz nach dem Verlust Ihres Kindes oder Ihrer Kinder. Nutzen Sie die Möglichkeit eines 30-minütigen kostenlosen telefonischen Vorgesprächs! Rufen Sie mich an. Meine Telefonnummer: 030 – 45 49 45 44 oder 0173-6132850. Ich freue mich auf Sie! Oder schreiben Sie mir eine Email: [email protected]

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Sie möchten mich persönlich kennen lernen? Für einen einmaligen Beitrag von 20 Euro können wir das Kennenlerngespräch (30 Minuten) auch unter 4 Augen in meiner Praxis zur Beratung bei Kinderwunsch in Berlin führen. Meine Preise können Sie unter Honorare einsehen.

Für Nicht-Berlinerinnen biete ich die Möglichkeit einer Therapie am Wochenende. Wir machen meistens ca. 2-3 Stunden Freitagabend, Samstag und Sonntag, je nachdem was das Vorgespräch ergibt. Gern können Sie dabei meine Praxis als Schlafmöglichkeit nutzen (15 Euro/ Nacht).

Wie Freunde und Verwandte helfen können

Wer selber noch kein Kind verloren hat – ob vor, während oder nach der Geburt – kann den Schmerz verwaister Eltern nicht nachvollziehen. Aber man sollte versuchen zu begreifen, dass, obwohl man selbst diesen kleinen Menschen nicht gekannt hat, er für seine Eltern doch Realität war. Wer einen geliebten Menschen verliert, der trauert um ihn. Wenn ein Baby im Bauch stirbt, dann ist das manchmal sehr schwierig, denn es fehlen die gemeinsamen Erinnerungen und die Gesellschaft tabuisiert und würdigt die Trauer noch immer herab.
Wenn Sie als Freund(in) oder Verwandte(r) helfen wollen, dann nehmen Sie mit den Eltern zusammen diese erste Hürde. Akzeptieren Sie die Trauer als einen Weg, sich von dem Baby zu verabschieden und neue Hoffnung zu schöpfen. Denken Sie daran, dass Sie die Trauer nicht vergrößern, wenn Sie mit den Eltern darüber sprechen, ihnen zuhören oder einfach nur für Sie da sind. Im Gegenteil: So werden Sie ihnen helfen, mit dem Erlebten fertig zu werden.

Wie Sie Eltern nach dem Tod ihres Kindes unterstützen und trösten können

Hören Sie zu.
Häufig wollen Trauernde Ihr Geschichte erzählen und sind dankbar für ein offenes Ohr, für jemanden, der sie reden läßt. Wenn die Mutter nicht von sich aus darüber sprechen will, ermuntern Sie sie sanft dazu. Fragen Sie: „Möchtest du über dein Baby sprechen?“. Damit signalisieren Sie, dass Sie interessiert sind und ihren Schmerz wahrnehmen. Werden Sie nicht ungeduldig, wenn Sie dieselbe Geschichte immer wieder erzählt bekommen, Trauernde wiederholen ihr leidvolles Erlebnis so lange, bis es verarbeitet ist. Wann es soweit ist, entscheidet niemand außer ihnen selbst. Wenn andererseits aber eine verwaiste Mutter nicht reden will, dann bestehen Sie nicht auf einem Gespräch – die Zeit wird kommen.

Seien Sie einfach da.
Einem selbst fällt es häufig schwer, die richtigen Worte für jemanden zu finden, der trauert. Sprechen Sie Ihre Hilflosigkeit in so einem Fall getrost offen an („Ich weiß nicht, was ich sagen soll“). Letzten Endes ist nicht entscheidend, was Sie sagen, sondern was Sie tun. Oft reicht es einfach nur, für die Mutter oder den Vater da zu sein, wenn sie jemanden zum Zuhören brauchen, in den Arm genommen werden wollen oder weinen müssen. Wenn die Mutter ein Trauerritual oder eine Beerdigung für ihr Baby möchte, dann unterstützen Sie sie dabei und nehmen Sie auf Wunsch teil.
Weinen muss sein.
Tränen sind ein gutes Zeichen, sie bedeuten, dass der Schock überwunden ist und die Verarbeitung begonnen hat. Bitten Sie daher nie eine Mutter, die Ihr Baby verloren hat, mit dem Weinen aufzuhören. Und unterdrücken Sie auch Ihre eigenen Tränen nicht, wenn ihnen danach zumute ist. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ sagt man und da ist etwas Wahres dran.
Geschenke machen Freude
Auch eine Fehl- oder Totgeburt ist eine Geburt. Wenn Sie also normalerweise der Mutter ein Geburtsgeschenk gemacht hätten, dann gibt es keinen Grund, das jetzt nicht auch zu tun. Machen Sie ihr eine kleine Freude, indem Sie ihr Blumen, Schokolade oder ein Buch zur Aufmunterung schenken oder schicken. Denken Sie später auch an Jahrestage oder den geplanten Entbindungstermin. Dass Sie das Baby ebenso wenig vergessen wie die Eltern, wird ihnen ein enormer Trost sein.
Bewegung und Ablenkung tun gut
In der Trauer neigen einige Menschen dazu, sich zu vergraben und in ihr „Schneckenhaus“ zurückzuziehen. Wirken Sie dem entgegen, indem Sie die Mutter und/oder den Vater beispielsweise zum Spaziergang einladen. Frische Luft und Bewegung tun dem Körper und der Seele gut. Sie können nach einiger Zeit auch Ablenkungen wie Konzert- oder Kinobesuche anbieten, kleine Ausflüge in Parks unternehmen oder Ähnliches. Eine Auszeit von der Trauer kann den Betroffenen helfen, wieder stärker am Leben teilzunehmen.
Praktische Hilfe.
Gerade in der ersten Zeit nach dem Verlust, wenn der Schock noch anhält oder der Schmerz überwältigend ist, fällt es verwaisten Eltern sehr schwer, ihren Alltag aufrecht zu erhalten. Sie können helfen, indem Sie ihnen Hausarbeit wie Einkaufen, Abwaschen oder Aufräumen abnehmen. Trauernde ernähren sich häufig auch schlecht – wenn Sie also etwas für sie kochen oder ihnen eine Mahlzeit bringen, dann sind Sie eine große Hilfe. Sollte es Geschwisterkinder in der Trauerfamilie geben, so können Sie für einige Stunden am Tag deren Betreuung übernehmen.
Hilfe organisieren.
Informieren Sie sich über Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern in ihrer Umgebung, suchen Sie Adressen und Internetlinks heraus und geben Sie das Ergebnis an die betroffenen Eltern weiter. Sie können auch nach Büchern zur Selbsthilfe Ausschau halten und den Eltern schenken.
Achten Sie auf Warnsignale.
Manche Trauer verwandelt sich trotz aller Hilfe in eine Depression, dann kann kein Freund der Welt mehr etwas ausrichten, dann muss sich ein Psychologe des Problems annehmen. Anzeichen für eine solche Depression sind Todessehnsucht (der Wunsch beim Kind zu sein), Flucht in den Alkohol, irrationale Verzweiflung, ein Alltagsleben ist nicht mehr möglich, Phobien und Zwänge, sowie ein nicht enden wollendes und tiefes Schuldgefühl. Wenn Sie eines oder mehrere solcher Signale wahrnehmen, sollten Sie den/die Betroffene/n direkt darauf ansprechen und ihn/sie bitten, sich helfen zu lassen. Sprechen Sie auch mit dem Partner, um ihn darauf aufmerksam zu machen.

Was als Trost bei einer Fehlgeburt nicht hilfreich ist

Viele Frauen fühlen sich nach einer Fehlgeburt isoliert, einsam und verletzlich. Dieses Gefühl wird verstärkt, wenn Freunde und Verwandte sich nicht melden und sich zurückziehen. Sie sollten die Trauer also weder ignorieren noch wegreden. Worte können sehr verletzend wirken, auch wenn sie nicht so gemeint sind.
Sätze, die verletzen, sind beispielsweise:

  • Du kommst schon drüber weg
  • Die Natur wird sich etwas dabei gedacht haben
  • Sei froh, es war bestimmt behindert
  • Es war doch noch kein richtiges Baby
  • Du bist jung, du kannst noch andere Kinder haben
  • Glücklicherweise hast du schon andere Kinder
  • Beim nächsten Mal klappt es bestimmt
  • Es war Gottes Wille
  • Bitte nicht weinen

Sicher gut gemeint, aber nicht hilfreich ist es, den Eltern eine Freude machen zu wollen, indem man sie mit Schwangeren oder kleinen Kindern in Kontakt bringt. Das macht oft den Verlust nur noch schmerzlicher. Wenn Sie selber schwanger sind und Ihre Freundin gerade ihr Baby verloren hat, dann rufen Sie sie an, um ihr zu versichern, dass Sie für sie da sind. Schicken Sie ihr Blumen, aber überlassen Sie ihr den ersten Schritt zum direkten Kontakt. Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn das nicht der Fall sein sollte.

„Wir sind unendlich traurig.“

„Unsere Zwillinge sind zur Welt gekommen und wir mussten sie gleich wieder hergeben. Wir sind unendlich traurig!“ Diese Nachricht meiner Freundin erreichte mich vor einigen Jahren in der Redaktion und trifft mich wie ein Schlag. Für mich war es immer eine der schlimmsten Vorstellungen, ein freudig erwartetes Kind zu verlieren. Und ich danke Gott, dass mir dieses Schicksal erspart geblieben ist.

Doch nun war dieses schwere Thema auf anderem Weg ganz nah an mich herangekommen, und ich musste reagieren. Ich wollte für sie da sein! Aber ich wollte auf keinen Fall, dass meine eigenen Tränen, meine Verlustängste oder Berührungsängste mit Tod und Trauer meine Freundin in dieser Zeit noch zusätzlich belasten. Aber was ist jetzt das Richtige? Das lässt sich sicher nicht allgemein beantworten. Trauer und Trauerbegleitung sind zutiefst individuelle Prozesse. Aber vielleicht kann ich hiermit etwas dazu beitragen, dass Sie sich gewappnet fühlen, wenn es Ihnen jemals ähnlich gehen sollte wie mir – weil eine Freundin sie braucht.

Was sag ich einer Freundin, die gerade zwei Kinder betrauert?

Ich kenne mich: Wenn es drauf ankommt, fällt mir immer was ein. Aber was sag ich einer Freundin, die gerade zwei Kinder betrauert? „Es tut mir sooo Leid und ich bin mit euch traurig.“ So oder ähnlich habe ich angefangen in unserem ersten Telefonat nach der traurigen Botschaft. Das war irgendwie stimmig und alles andere hat sich zum Glück ergeben. Sie erzählte, was ihr alles widerfahren ist und ich habe einfach zugehört. Ein offenes Ohr – auch für die bitteren Details – und sich selbst hintenan zu stellen, ist rückblickend sehr wichtig gewesen. Ich denke, ihr hat es geholfen, ihr Schicksal irgendwie zu fassen und in ihr Leben zu integrieren.

Sie erzählte mir von der ganzen Dramatik rund um die Geburt. Beide Kinder waren noch ein bisschen zu klein, um es zu schaffen. Ihr Weg ins Leben war an diesem Tag zu Ende. Einer ihrer Jungen kam bereits tot zur Welt. Der etwas stärkere von ihnen hat in den Armen seines Vaters seine ersten und letzten Atemzüge versucht. Dann ist auch er gestorben. Noch heute muss ich bei dem Gedanken an diese Situation weinen. Diese Schmerzen erleiden und dann beide verlieren. Wie soll ein Mensch das verkraften!?

Meine Freundin und ich haben schon so manche Träne zusammen vergossen und viele Dinge gemeinsam betrauert, die uns das Leben in der Vergangenheit zugemutet hat. Aber jetzt war es anders. So unmittelbar. Und irgendwie war es tröstlich für mich, dass ich jetzt für sie da sein konnte. In ihren Augen bin ich etwas wie die große Schwester, die sie nie hatte. Wir haben sogar dieselbe seltene Blutgruppe. Und wo wir gerade beim Thema Familie sind: In so einem Moment lernt man auch seine Familie noch mal ganz anders kennen. Aber dazu später.

Wir hatten jedenfalls aus unseren Familien beide keine Erfahrung und keine Sicherheit darin, wie eine gesunde Trauerbewältigung aussehen kann. Doch wir haben viel darüber gelernt, wie wichtig es ist, Trauer nicht zu verdrängen. Für einen selbst, für die Partnerschaft und – was viele nicht auf dem Zettel haben – auch für die Nachfolgekinder. Soweit die Theorie.

Im Krankenhaus hatte man meine Freundin zum Glück einfühlsam auf den Verein Sternenkinder, den es ihrer Stadt gibt, hingewiesen.“ Sternenkinder “ sind Kinder, die in einem frühen Stadium der Schwangerschaft im Mutterleib versterben (Gewicht unter 500 g). Es werden aber auch früh verstorbene Kinder so bezeichnet. Der Verein organisiert anonyme Trauerfeiern und Erdbestattungen für Sternenkinder und steht Sternenkindeltern zur Seite. Davon hatte ich zuvor noch nie gehört. Ein Hinweis darauf, wie allein sich viele Eltern mit diesem Schicksaal fühlen. Oft bleibt der frühe Abbruch der Schwangerschaft ja schließlich für die Umwelt unbemerkt. Für meine Freundin war der Verein eine hilfreiche Anlaufstelle. Denn sie hat sich eine würdevolle Beisetzung ihrer Kinder gewünscht. Und genau das sollte sie dort erleben dürfen.

„Ich komme, wenn du das möchtest“ bot ich ihr an. Ihre eigenen Eltern hatten nämlich für sich beschlossen, den Tag der Beerdigung als Gedenktag zu bezeichnen und nicht anzureisen. Tatsächlich war es auch ein Teil unserer Gespräche, diese Verletzung zusammen zu verarbeiten. Als ob der Tod der Kinder nicht genug wäre, holt sie in diesen Stunden der ganze Mist in der eigenen Familie auch noch wieder ein. Umso wichtiger war mir, sie jetzt nicht allein zu lassen, auch wenn ihr Freund und dessen Eltern an ihrer Seite waren. Sie hat mein Angebot erleichtert angenommen. Was das Wort Beistand wirklich bedeutet, hab ich jetzt erst angefangen ganz tief zu verstehen: Du kannst es nicht für sie ändern. Aber Du kannst es mit ihr durchstehen, mitfühlen, zusammen weinen oder schimpfen, gemeinsam schweigen und sie halten.

Es war ein kalter Morgen, als wir zur Kapelle fuhren. „Sag mir, wenn ich etwas für Dich tun kann. Egal, was es ist.“ Dass ich das tun würde, war ihr ohnehin klar. Doch wenn Du eine Freundin hast, die immer um Haltung und gute Organisation im Vorfeld bemüht ist (Ja. Selbst bei der Beerdigung ihrer Kinder), brauchte es diese extra Einladung. Im Zweifel einfach machen, dachte ich mir. Und das passte.

Während der nächsten Stunde blieb ich an ihrer Seite oder eben auch hinter ihr, wenn mir dieser Platz nicht zustand. Wir hielten gemeinsam inne vor den Kindersärgen. „Sind da meine Kinder drinnen?“ höre ich sie noch fragen. Die Gewissheit darüber zu haben, war so wichtig. Das Paar nicht stören aber da sein, einen Platz vorschlagen, wo alle zusammen hinpassten und sie hinführen, gemeinsam die liebevollen Details in der Kapelle betrachten, die der Verein für die Angehörigen an diesem Tag hergerichtet hatte – es klingt banal, aber genau diese Dinge helfen in Momenten wie diesen.

Es waren viele Kinder anwesend, die mit ihren Eltern um ein verstorbenes Geschwisterkind trauerten. Sie haben eine gewisse Leichtigkeit mitgebracht und uns vor Augen geführt, dass selbst an einem Tag wie diesem gelacht und getobt werden darf, damit das Ganze überhaupt erträglich ist. Und wo es etwas zu kichern oder zu schmunzeln gab, haben wir uns das zusammen erlaubt.

Die Trauerstunde war sehr würdevoll und tragend. Eltern, die in den Jahren zuvor hier ein Kind betrauert hatten, summten im Chor das Kinderlied: Weißt du wie viel Sternlein stehen…? An diesem Ort war es tröstlich, zu spüren, dass meine Freundin und ihr heutiger Mann nicht allein waren mit ihrer Trauer. Es gibt so viele, denen dasselbe passiert ist , von denen wir es nicht mitkriegen! Mit der Beisetzung folgte nun endlich der Moment, ab dem alles ruhig werden konnte. Es gab jetzt einen Ort für die Kinder. Wie wichtig ein Tag und Ort zum Trauern ist, habe ich hier verinnerlicht. Ich hatte Blumen mitgebracht, von denen ich wusste, dass sie ihr gefallen würden. Gerade an diesem Tag zählen die kleinen, wortlosen Gesten.

Ilustration: Gestern war ich noch schwanger / Nicole Schäufler

Wir fuhren dann nach Hause zum Essen. Und auch hier wurde mir wieder klar, wie wichtig das „drüber reden“ und mein Zuhören für die Verarbeitung war. Viele Details der Trauerfeier haben wir Revue passieren lassen. So gern wir lieber nur nach vorn schauen wollten. Beim Essen mit ihren Schwiegereltern wurde es dann zeitweise zu meiner unausgesprochenen Aufgabe, meine Freundin diplomatisch vor unsensiblen Aktionen ihrer Umwelt zu schützen. Das kann ich gut und sie schätzt das an mir. Also hab ich einfach geregelt, was es in dieser Hinsicht zu regeln gab. Normalerweise kann sie sich gut selber wehren. Aber an Tagen wie diesen ist eben alles anders.

Ich hatte so viele Manschetten vor diesen Stunden, in denen ich meiner Freundin beistehen wollte, ohne zu wissen, wie ich das überhaupt selber verkrafte. Rückblickend bin ich dankbar, dass ich sie auf ihrem schweren Weg begleiten konnte. Ich durfte erfahren, wie wichtig Beistand in Gemeinschaft in solchen Stunden ist. Mir ist noch deutlicher geworden, was für ein Geschenk es ist, gesunde Kinder in der Zeit bekommen zu haben, in der ich sie mir gewünscht habe. Und mir ist einmal mehr klar geworden, wie achtsam wir sein müssen, wenn wir kinderlosen Paaren begegnen. „Wollt ihr keine Kinder?“ Diese Frage mute ich schon lange niemandem mehr zu. Aber anders als früher denke ich heute dabei auch an die Möglichkeit, vor Sternenkindeltern zu stehen.

Haben Sie also keine Angst, wenn eine Freundin oder ein Freund Sie nach einer Fehlgeburt oder Totgeburt braucht. Ihr Beistand ist jetzt wichtig. Seien sie einfach da, ohne sich aufzudrängen! Wenn es so weit ist, schaffen Sie das! Das Band der Freundschaft zwischen Ihnen wird danach noch fester sein!

Für den Rückweg gab meine Freundin mir einen der schönsten Briefe mit, den ich je bekommen habe. Sie schrieb ihn, als ich mich am Nachmittag der Trauerfeier etwas hingelegt habe. Er rührte mich zu Tränen! Ich hüte ihn wie einen Schatz. Heute hat meine Freundin übrigens zwei kerngesunde Jungs! Und für die Zwillinge brennen zwei Kerzen an einem festen Platz! Ihr Leben geht weiter…“

Autorin: Marthe Kniep

Literaturempfehlungen

Die folgenden Bücher können trauernden Eltern, ihren Angehörigen und Bekannten nach dem Verlust eines Babys helfen – als Ratgeber oder als stille Geste des Mitgefühls.

Mein Sternenkind
Begleitbuch für Eltern, Angehörige und Fachpersonen nach Fehlgeburt, stiller Geburt oder Neugeborenentod
Heike Wolter
Edition Riedenburg

Gestern war ich noch schwanger
Ein Bilderbuch für Frauen, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren haben
Nicole Schäufler
Edition Riedenburg

Flieg, kleiner Schmetterling
Gedanken zur Trauer um ein Kind
Petra Hillebrand
Tyrolia-Verlag

***

Weiterlesen

► Trauer-Bilder: Katrin Langowski fotografiert Sternenkinder

Wie du für deine Freundin nach einer Fehlgeburt da sein kannst

Fehlgeburten sind unglaublich häufig – jede dritte Schwangerschaft ist eine Missed Abortion. Aber das heißt nicht, dass diese Situation leicht zu bewältigen ist. Wenn du selbst oder eine Freundin eine solche Erfahrung machen, ist das Umfeld oft hilflos. Weiß nicht, wie es reagieren soll. Das ist wahrscheinlich auch die Ursache, dass noch so selten darüber gesprochen wird – Frauen mit einer Fehlgeburt haben Angst vor der Reaktion. Oft bekommen sie, vor allem bei frühen Fehlgeburten ein “Dann probiert es doch noch mal!” “Es war doch nur ein Zellhaufen!” “Bestimmt war es behindert!” oder “Stell dich nicht so an!” entgegengeschmettert. Das ist verletzend. Um diese Tatsache wissend, sagen aber viele Freunde von Betroffenen gar nichts. Besser nichts sagen, als etwas Falsches, oder? Aber das ist auch nicht hilfreich, denn oft fühlen sich die Mütter dann im Stich gelassen.

Was solltest du also einer Freundin sagen, die gerade die Nachricht bekommen hat, dass sie ihr Baby verloren hat? Was kannst du tun, damit es ihr besser geht?

1. Echtes Verständnis

Ich habe selbst in der achten und elften Woche ein Baby verloren und weiß daher aus der Sicht der Frau, wie sich ein solcher Verlust anfühlt. Er reißt dir den Boden unter den Füßen weg, zieht dich in ein Loch und macht dich oft einfach nur leer. Denn ganz egal, ob du dein Baby früh oder spät verlierst, es ist dein Kind, auf das du dich gefreut hast und das du nun nicht bei dir haben kannst. Wenn das Umfeld diese Tatsache versteht und respektiert, ist bereits ein erster Schritt getan.
Denke also daran, wenn du mit deiner Freundin sprichst, dass für sie die Situation schlimm ist und nicht nur eine Lapalie, auch wenn sie sich noch an einem ganz frühen Punkt in der Schwangerschaft befunden hat. Auch wenn sie vielleicht nicht den Herzschlag des Kindes sehen konnte und da nur ein kleiner Pinkt war. Es schmerzt sie.

2. Unterstützung heraussuchen und ggf. Kontakt herstellen

Wichtig ist, dass die Frau jemanden hat, an den sie sich wenden kann. Jemanden, der sie in der Trauer auffängt, sie eventuell medizinisch und psychologisch begleitet. Ein gutes Netzwerk erleichtert es, mit dieser intensiven Erfahrung fertig zu werden. Das können Onlineblogs von Sterneneltern sein, Foren mit Erfahrungsberichten oder eine Sternenfotografin. Eine Hebamme, auf die jede Frau Anspruch hat, oder ein Netzwerk an Freunden, die für die Betroffene da ist.

3. Da sein

“Dein Verlust tut mir leid. Ich bin für dich da.” Ein Satz, der oft gesagt wird, aber selten von der Betroffenen ernst genommen wird – weil es oft eine Floskel ist. Mach deiner Freundin klar, dass sie wirklich auf deine Unterstützung zählen kann. Dass nächtliche Anrufe oder ein Treffen bei dem ihr nur neben einander sitzt und du ihre Hand hältst okay sind.

Je einfacher und offener dein Abgebot dabei ist, desto mehr vermittelst du Empathie. Du lässt damit Raum für ihre Trauer und redest sie nicht mit blöden Floskeln klein. Betroffene Frauen wollen einfache, liebevolle Worte hören. Eine kurze Nachricht mit “Ich denke an dich.” oder einem “Du kannst immer anrufen!” kann oft schon ein wenig Schwere nehmen.

Ich habe beispielsweise an einem Morgen eine Nachricht von einer Freundin bekommen: “Ich habe gestern für dich gebetet. Du warst in meinen Gedanken – wie fühlst du dich heute?” Eine solche Nachricht vermittelt deine Fürsorge und Sorge um das Wohlergehen der Betroffenen. Solche lieben kleinen Nachrichten bedeuten keinen großen Aufwand, aber können einen Anker für deine Freundin darstellen. Indem du ihr erlaubst, zu trauern, ihr zugestehst, wütend und scheiße drauf zu sein, bist du für sie da. Hältst die Situation gemeinsam mit ihr aus.

Sehe davon ab, deiner Freundin deine eigenen Gefühle oder Überzeugungen aufzwingen. Du musst dich gar nicht in die Situation hinein fühlen, sondern einfach nur da sein.

4. Hilfe anbieten

In den ersten Tagen oder Wochen fallen Trauernde oft in eine Schockstarre bis sie die Wucht der Trauer richtig trifft. Biete deine Hilfe bei alltäglichen Dingen an, um die Familie zu unterstützen. Du kannst zum Beispiel einkaufen gehen, den Haushalt machen, etwas leckeres zu essen kochen oder bei anderen Dingen helfen.

5. Zeit geben

Trauer kennt keine Zeit. Gib deiner Freundin die Zeit, die sie braucht. Lass sie trauern, solange sie es möchte und gib ihr aber auch die Zeit, sich für ein Gespräch zu öffnen. “Ich möchte, dass du weißt, dass wir jederzeit darüber sprechen können, wenn du magst. Ich bin da. Ich bin immer hier. Aber wenn du das nicht möchtest, können wir auch einfach nur hier sitzen und schweigen.” Wenn du merkst, dass sich deine Freundin auch nach Monaten nicht öffnen mag, kann es helfen, genauer hinzusehen und abzuwägen, ob es ihr auch ohne dieses Gespräch einigermaßen gut geht. Denn manchmal ist es wirklich wichtig, über die Trauer zu sprechen, aber hier musst du behutsam und einfühlsam sein. Es soll nicht darum gehen, in den Wunden zu bohren, die Trauer anzustochern, sondern es geht darum, echte und liebevolle Unterstützung zu vermitteln, bei der Trauerbewältigung zu helfen.

6. Perspektivwechsel

Wenn es dir immer noch schwer fällt, die richtigen Worte in Gegenwart deiner Freundin zu finden, überlege dir, was du in einer solchen Situation wollen würdest. Was dir gut tun würde. Studien zeigen, dass Frauen nach einem Schwangerschaftsverlust dazu neigen, sich selbst die Schuld zu geben, Schuldgefühle und Schamgefühle zu empfinden. Mit dem Wissen über diese Schamgefühle nach einem Verlust kannst du selbst erahnen, was Betroffenen gut tun könnte und ihnen vielleicht sogar helfen, in dieser schwierigen Zeit das Leben wieder in den Griff zu bekommen. Zeige deiner Freundin, wie wichtig sie dir ist. Sage nur das, was du auch zu dir selbst in einer solchen Situation sagen würdest.

Wenn du merkst, dass das alles zu viel für dich ist und du mit dem Thema nicht umgehen kannst, kommuniziere es. Deine Offenheit wird deiner Freundin mehr helfen, als deine Unsicherheit zu spüren.

7. Schütze sie vor unsensiblen Übergriffen

Ebenso wichtig wie die richtigen Dinge in dieser Zeit zu sagen, ist es, Worte zu vermeiden, die zwar gut gemeint sind, aber inmitten von Verlusten schmerzhaft sein können. Und noch besser ist es, deine Freundin vor allen unsensiblen Übergriffen dieser Art zu schützen.

“Schau nach vorne.” Genau das fällt einer Mutter schwer, die ihr Kind verloren hat.

“Du musst richtig fertig sein.” Ja, verdammt. Das weiß Diejenige selbst, es hilft nicht weiter. Höre stattdessen lieber zu, wie die Person sich wirklich fühlt.

“Wenigstens weißt du, dass du schwanger werden kannst!” Deine Freundin freute sich auf DIESES Baby. Sie wird niemals wissen, wie es gewesen wäre, wie es ausgesehen hätte. Sie trauert um DIESES Baby. Diese Aussage ist deshalb oft nur verletzend und richtig daneben. Sie ist auch nicht weiter gedacht, denn nicht immer kann eine Frau nach einer Fehögeburt problemlos wieder schwanger werden.

“Ich denke, es sollte nicht sein. Das ist der Lauf der Natur. Alles geschieht aus einem bestimmten Grund.” Das sind einige wenige der häufig genannten Plattitüden, die nett gemeint sind, aber in keiner Form bei der Trauer unterstützen.

“Das Kind war bestimmt behindert.” Muss ich dazu irgend etwas sagen?!

Jede Frau, die einen Schwangerschaftsverlust durchmacht, hat ihre eigene Art zu trauern. Jede macht ihre eigenen Erfahrungen. Du kannst nichts an der Situation ändern, nur Beistand leisten. Aber es gibt einige Dinge, die hilfreicher sind als andere – und es gibt einige Worte, die richtig weh tun können, obwohl du es vielleicht gut meinst.

Am besten ist es, deiner Freundin das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein und zu versuchen, ihre Bedürfnisse in diesem Moment zu verstehen und sie wissen zu lassen, dass du immer für sie da bist. Und wenn etwas Zeit vergangen ist, sitzt der Schmerz oft noch tief, aber das Umfeld denkt, dass jetzt langsam mal genug getrauert wurde. Das ist Mist. Sei genau dann für deine Freundin noch mehr da. Unterstütze sie.

Du kannst ihr den Verlust nicht abnehmen, die Situation nicht für sie ändern. Aber du kannst gemeinsam mit ihr da durch gehen. Sie trösten, halten, mit ihr weinen, schreien, schimpfen … und ihr ganz vielleicht irgendwann dabei zusehen, wie sie wieder nach vorn blickt.

Alles Liebe,

Jasmin

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