Stuhlgang BEI entbindung

Keine Sorge, Mädels. Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern ist das nicht peinlich. Deshalb muss es dir auch nicht peinlich sein.

Eine der häufigsten Fragen in Geburtsvorbereitungskursen ist die nach dem Stuhlgang während der Geburt. Viele Frauen beschäftigt dieses Thema sehr. Doch, wenn man mit Frauen nach der Geburt spricht, ist der Stuhlgang überhaupt kein Thema gewesen. Kein Wunder: In dem Moment sind die meisten werdenden Mütter mit ganz anderen Dingen beschäftigt, als sich zu schämen.

Was passiert in der Pressphase?

Wenn sich das Köpfchen in die richtige Position bewegt hat während der Geburt, darf man pressen. Hier kommt es oft zu Stuhlgang, weil sich das Pressen nicht nur auf den Geburtskanal bezieht. Je tiefer das Köpfchen schon gewandert ist, desto besser, denn Presswehen sind sehr anstrengend für die Mutter. Auch, wenn sie oft mit einem erleichterndem Gefühl einhergehen. Die eigentliche Pressphase sollte nicht länger als 30 Minuten dauern. Neue Studien besagen auch, dass aktives Pressen die Geburt zwar um rund 13 Minuten verkürzt, aber negative Folgen für die Beckenbodenmuskulatur haben kann, so der Berufsverband der Frauenärzte e.V.

Im Kreißsaal passieren viele Dinge, die man als Frau am liebsten schnell wieder vergisst
Foto: Istock

Wie kann man Stuhlgang während der Geburt verhindern?

Viele Schwangere möchten den Stuhlgang während der Presswehen verhindern. Dazu kann man vorher einen Einlauf machen lassen. Auch nicht gerade angenehm, aber wer Angst hat, sich zu schämen kann das in Anspruch nehmen. Manchmal bleibt dazu keine Zeit. Aber auch dann sind Geburtshelfer und Ärzte so erfahren, dass sie wissen, dass Stuhlgang bei einer Geburt ganz normal ist. Es gibt also gar keinen Grund sich zu schämen. Mütter sind im Moment der Presswehen so mit der Geburt beschäftigt, dass selbst wenn es zu Stuhlgang kommt, dieser oft gar nicht wahrgenommen wird. Hebammen oder Krankenschwester sind schnell mit einem Tuch zur Hand und alles ist gut.

Wer sich wirklich Sorgen um diese Situation macht, sollte vielleicht von einer Wassergeburt Abstand nehmen. Bei dieser ist etwas schwieriger den Stuhlgang aus dem Wasser zu entfernen. Aber mit ein bisschen Glück wird schon während der Anfangswehen alles ausgeschieden, was hinterher für Beschämung sorgen könnte. Und nach der geburt sind alle negativen Gedanken sowieso wie weggeblasen!

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Peinlicher Stuhlgang während der Geburt

(nata-lunata / )

Frage: Bei der Geburt meiner ersten Tochter hatte ich leider einen ungewollten Stuhlgang, der mir auch heute noch sehr peinlich ist. Nun bin ich wieder schwanger und mache mir Gedanken, z.B. ob man diese Situation irgendwie vermeiden kann?

Obwohl bei der Geburt meines ersten Kindes alles ganz schnell verlief und ich nur 90 Minuten im Kreißsaal war, kommen nun irgendwie Bedenken und Ängste auf, was die zweite Geburt betrifft.

Antwort: Sie dürfen sich zu den glücklichen Frauen zählen, deren Aufenthalt im Kreißsaal nur relativ kurze Zeit gedauert hat. Dadurch haben Sie mit den verschiedenen Möglichkeiten zur Erleichterung der Geburt wahrscheinlich noch keine Bekanntschaft gemacht.

Zum Repertoire der Hebammen zählt unter anderem auch der Einlauf:

Wird der Darm vor der Geburt entleert, hat dies nicht nur den Vorteil, dass das Kind „mehr Platz“ hat und die Wehen regelmäßiger werden. Für die meisten Frauen ist es insgesamt angenehmer, wenn beim Geburtsvorgang kein Stuhl mehr vorhanden ist, der herausgepresst werden kann.

Abgesehen davon ist es völlig normal und keineswegs „peinlich“, wenn es dabei zu einem unwillkürlichen Stuhlgang kommt!

Sie sollten also versuchen, das Schamgefühl dabei zu vergessen. Für die Hebammen und die anwesenden Ärzte/innen ist dieser Vorgang das „Normalste auf der Welt“. Der Entbindungsweg beim Menschen verläuft nun einmal parallel zu dem Weg, den die Exkremente nehmen.

Wenn bei Ihnen bisher alles normal verlaufen ist und bis zum Geburtstermin weiterhin keine Probleme auftreten, ist eher davon auszugehen, dass die Geburt wiederum reibungslos verläuft. Versuchen Sie also, sich nicht zu sehr zu sorgen und genießen Sie Ihre Schwangerschaft.

Weitere Informationen finden Sie unter:

  • Austreibungsphase
  • Kaiserschnitt

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Autoren:
Dr. Britta Bürger, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

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Mekonium (Kindspech)

Was ist Mekonium?

Mekonium wird im Darm des ungeborenen Kindes ab der 13. Schwangerschaftswoche gebildet. Es besteht aus Schleim, abgestorbenen Schleimhautzellen sowie Hautzellen und Haaren, die das Baby mit dem Fruchtwasser aufgenommen hat.

Nach der Geburt ist das möglichst frühe Ausscheiden des Mekoniums ein Zeichen dafür, dass mit dem Verdauungstrakt des Babys alles in Ordnung ist. Eine Neugeborenengelbsucht wird hierdurch vermieden oder abgeschwächt.

Wenn das Kindspech auf sich warten lässt

Bei einer Geburt zum errechneten Termin scheiden 99,8 Prozent aller Babys das Kindspech innerhalb von 48 Stunden aus, bei Frühgeburten sind es 94 Prozent. Wenn das Mekonium länger auf sich warten lässt, ist eine Abklärung der Ursache dringend nötig.

Mögliche Gründe dafür sind ein festsitzender Mekonium-Pfropf, ein Darmverschluss oder eine Erkrankung des Dickdarms (Morbus Hirschsprung), bei der sich die Muskulatur des Darmes dauerhaft zusammenzieht. Als Behandlungsmöglichkeiten kommen medizinische Einläufe, in schwereren Fällen jedoch auch eine Operation in Frage. In Relation zur Gesamtzahl der Geburten sind solche Komplikationen jedoch nicht sehr häufig.

Was das Mekonium verraten kann

Das Kindspech ist in der Lage, Schadstoffe zu speichern und kann damit Hinweise auf gesundheitsschädliche Aspekte in der mütterlichen Lebensweise geben. Eine US-amerikanische Studie hat anhand der Untersuchung der Mekonium-Ausscheidungen Neugeborener die Stärke der Rauchbelastung ihrer Mütter durch eigenen Tabakkonsum oder indirektes Rauchen nachgewiesen.

Auch die Rückstände von Drogen und anderen schädlichen Substanzen, die die Mutter im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester aufgenommen hat, lassen sich im Kindspech finden.

Vorzeitiges Ausscheiden von Mekonium – durch Übertragen oder schwierige Geburten

Problematisch kann es werden, wenn das Kindspech zu früh ausgeschieden wird und vor oder während der Geburt ins Fruchtwasser gelangt, das sich hierdurch grünlich färbt. Mekonium-haltiges Fruchtwasser kommt bei 13 Prozent aller Geburten vor, ein MAS entwickeln zwischen fünf und zwölf Prozent der davon betroffenen Kinder.

Mekonium kann vorzeitig ausgeschieden werden, wenn sich die Geburt über die 40. Schwangerschaftswoche hinaus verzögert. In solchen Fällen wird die Geburt unverzüglich eingeleitet, gegebenenfalls wird der Arzt einen Kaiserschnitt empfehlen.

Der Abgang von Kindspech während der Geburt ist meist mit einem schweren und langwierigen Geburtsverlauf und damit einer Stresssituation für das Kind verbunden. Wenn die Sauerstoffversorgung des Babys abnimmt, wird der Blutfluss zu den lebenswichtigen Organen umgelenkt.

Der Darm wird weniger durchblutet, was verstärkte Darmbewegungen und die Erschlaffung des Schließmuskels nach sich ziehen kann. Wenn sich der Kopf des Babys zu diesem Zeitpunkt bereits im Geburtskanal befindet, kommen seine Atemwege mit dem Kindspech nicht mehr in Berührung.

Anderenfalls können die im Fruchtwasser schwimmenden Ausscheidungen tief in die Lunge gelangen, da ein Sauerstoffmangel während der Geburt zu kräftigen Atembemühungen des Babys führt.

Weitere Risikofaktoren und klinische Zeichen eines MAS

Durch eine Frühgeburt wird das Risiko für einen vorzeitigen Kindspech-Abgang und damit ein MAS des Babys nicht erhöht. Weitere Risikofaktoren sind dagegen verschiedene gesundheitliche Probleme:

  • Vorgeburtliche Infektionen oder Wachstumsstörungen des Kindes
  • Fehlbildungen der Nabelschnur
  • Vorerkrankungen der Mutter – insbesondere Diabetes mellitus, Bluthochdruck und andere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Genussmittelmissbrauch oder Drogenkonsum der Mutter – vor allem Nikotin, Alkohol und Kokain.

Gute Behandlungserfolge durch neue Therapien

Die Geburtshelfer werden zunächst versuchen, soviel Mekonium wie möglich aus Mund und Rachen abzusaugen. Falls sich Atmung und Muskelspannung hierdurch normalisieren, kann das Baby – bei zunächst engmaschiger Überwachung von Atmung und Vitalfunktionen – als gesund betrachtet werden.

Anderenfalls folgt eine Bronchienspülung mit verdünntem Surfactant, das die Lungenfunktion des Babys unterstützt. In schweren Fällen ist eine intensivmedizinische Behandlung unumgänglich. Ein MAS kann weitere Komplikationen – Lungenentzündungen, Belüftungsstörungen der Lunge oder die Deaktivierung der körpereigenen Surfactant-Produktion – zur Folge haben.

Durch neue Therapieformen sind heute jedoch auch die Folgen eines ausgeprägten MAS medizinisch gut in den Griff zu bekommen.

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