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Pflicht der Eltern

Eltern sind – als Verwandte in gerader Linie – nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1601 BGB) grundsätzlich verpflichtet, ihren volljährigen Kindern während einer Ausbildung, also auch während eines Studiums, Unterhalt zu zahlen. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass die „Kinder“ neben dem Studium nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern. Ihnen wird ein angemessener Betrag für das eigene Existenzminimum zugestanden. Kindergeld und Steuerfreibeträge tragen dazu bei, dass Eltern den Unterhalt an ihre Kinder zahlen können. Die Daten der 21. Sozialerhebung zeigen, dass im Sommersemester 2016 die finanzielle Unterstützung durch die Eltern gegenüber dem Jahr 2012 gestiegen ist. So leisteten die Eltern pro Monat durchschnittlich 541 Euro in bar und/oder unbar.

Hinweis: Wenn die Eltern keinen Unterhalt zahlen und die Ausbildung dadurch gefährdet ist, kann beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung (BAföG-Amt) ein Antrag auf Vorausleistung gestellt werden. Studierende sollen sich in diesem Fall unbedingt an das Studierenden-/Studentenwerk am Hochschulort wenden!

Höhe des Unterhalts

Studierende, die außerhalb des Haushalts ihrer Eltern wohnen, können in der Regel 860 Euro im Monat (seit 1.1.2020) als Unterhalt von den Eltern verlangen. Das ist der Regelsatz der Düsseldorfer Tabelle. Diese Tabelle wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf erstellt und ist die anerkannteste Empfehlung zur Höhe des Unterhalts.

Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung der Studierenden und eventuelle Studiengebühren sind in dem Regelsatz nicht enthalten. Voneinander getrennt lebende Eltern müssen den Regelsatz anteilig zahlen, und zwar im Verhältnis zu ihrem jeweiligen Einkommen.

Einkünfte der Studierenden (beispielsweise aus regelmäßiger Erwerbstätigkeit), ein Erbe oder erspartes Geld können die Unterhaltspflicht der Eltern mindern. Entscheidungen darüber sind immer abhängig vom konkreten Einzelfall.

Die Eltern können den Unterhalt statt in Geld auch in Naturalien (Unterkunft und Nahrungsmittel) leisten (§ 1612 Absatz 2 BGB). Das kann auf Antrag des Kindes durch ein Gericht geändert werden.

Hinweis: Volljährige Kinder müssen ihre Ansprüche auf Unterhalt gegenüber den Eltern eigenständig (notfalls mit anwaltlicher Hilfe) durchsetzen. Zahlen die Eltern nicht freiwillig, haben die Kinder das Recht auf Vorlage der Einkommensnachweise.

Zeitraum

Eltern sind in der Regel nur bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Eine starre Altersgrenze existiert nicht. Die Studierenden sind frei in der Wahl ihres Studienfachs und können in begrenztem Umfang den Studienort und die Fachrichtung wechseln, ohne dass der Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern verfällt.

Im Gegenzug sind die Studierenden verpflichtet, ihre Eltern über den Fortgang des Studiums zu informieren und Nachweise darüber vorzulegen. Das gilt auch, wenn zu einem Elternteil kein Kontakt mehr besteht oder nie bestand.

Achtung: Studierende müssen grundsätzlich zügig und zielorientiert studieren, um die Unterhaltsbelastungen der Eltern möglichst gering und kalkulierbar zu halten. Wenn diese Obliegenheit verletzt wird, kann sich der Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern verringern oder sogar entfallen.

Die Rechtsprechung hat bereits über sogenannte „Abitur-Lehre-Studium-Fälle“ entschieden und entsprechende Lösungen entwickelt. Diese sind auf „Bachelor-Master-Konstellationen“ übertragbar.

Die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber Kindern in der Ausbildung hat der Gesetzgeber in Deutschland und der Schweiz sehr genau geregelt. Denn der Staat hat ein Interesse daran, dass junge Bürger eine qualifizierte Ausbildung erhalten. Deshalb sind Eltern auch für volljährige Kinder unterhaltspflichtig, bis eine erste Ausbildung abgeschlossen ist. Ab dann ist das Kind in der Lage, sich selbst zu ernähren, und die Unterhaltspflicht ist beendet. Ab dem 18. Lebensjahr sind Eltern in Deutschland sogar zum Barunterhalt verpflichtet. Das heißt: Studierenden, die einen eigenen Haushalt haben, stehen monatlich 735,- Euro zu, davon sind 300,- Euro für die Warmmiete einkalkuliert. Gebühren für die Krankenversicherung und Studiengebühren sind noch nicht eingeschlossen. Der Gesetzgeber gibt auch vor, wie viel Geld Eltern als Eigenbedarf verbleiben muss. Orientierung bietet hier die sogenannte Düsseldorfer Tabelle (siehe Infokasten).

ZÜGIG STUDIEREN
Im Gegenzug verlangt der Gesetzgeber von den Studierenden, dass sie zügig und zielorientiert studieren. Außerdem sind sie den Eltern gegenüber zu Informationen und Nachweisen über den Fortgang des Studiums verpflichtet. Sollte das Einkommen der Eltern nicht ausreichen, können Studierende staatliche Unterstützung (D: BaföG, CH: kantonale Stipendien) beantragen. Ebenfalls kann sich die Recherche zu Stipendien diverser Stiftungen oder Organisationen lohnen! Nicht immer entscheiden nur die Noten. Sich um diese Informationen zu kümmern, liegt allerdings in der Verantwortung der Studierenden, nicht der Eltern.

DAZUVERDIENEN?
Viele Studierende verdienen etwas Geld dazu. Aber je nach Studiengang sind die Belastungen unterschiedlich. Bei manchen Studiengängen ist es gut machbar, nebenher zu arbeiten. Bei anderen ist man mit den Veranstaltungen und dem Lernpensum komplett ausgelastet. Geld ist ein sensibles Thema. Und Unterstützung schafft eine – mehr oder weniger spürbare – Abhängigkeit in einer Lebensphase, in der es gleichzeitig der Wunsch ist, sich hin zu einer gleichberechtigten Beziehung auf Augenhöhe zu entwickeln. Wie bei vielen anderen Themen auch, wird hier ein offenes und ehrliches Gespräch die Beziehung stärken und Sie einer einvernehmlichen Lösung näher bringen.

Michaela Schnabel ist Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Sie arbeitet als Sozialpädagogin und lebt in Witten.

Aktuell sind so viele junge Menschen an deutschen Hochschulen eingeschrieben wie nie zuvor. Doch nicht nur dort hat sich die Situation der künftigen Berufsanfänger verändert. Auch die vielfältigen Ausbildungswege werden zunehmend komplexer und anspruchsvoller, sodass eine generelle Verlängerung der Ausbildungszeit zu erkennen ist.

Eltern haben gesetzlich die Pflicht, ihren Kindern eine Ausbildung oder ein Studium finanziell zu ermöglichen. Der folgende Beitrag erläutert den sog. Ausbildungsunterhalt. Es wird vor allem erläutert, ob und unter welchen Voraussetzungen die Eltern auch längere Ausbildungswege zu finanzieren haben.

  1. Grundsatz: Unterhalt für Verwandte in gerader Linie
  2. Kriterien des Ausbildungsunterhalts
    • a) Angemessenheit der Ausbildung
    • b) Einheitlichkeit der Ausbildung
    • c) Keine Unterhaltsverpflichtung bei schuldhafter Verzögerung der Ausbildung
    • d) Unterhaltspflicht auch bei Ausbildungswechsel?
    • e) Ausbildungsunterhalt während Orientierungsphase oder berufsvorbereitendem Praktikum
  3. Zusammenfassung

1. Grundsatz: Unterhalt für Verwandte in gerader Linie

Verwandte in gerader Linie sind gemäß § 1601 BGB verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren. Hauptanwendungsfall dieser gesetzlichen Verpflichtung ist der Kindesunterhalt, den die Mutter und der Vater des Kindes zu entrichten haben. Bei minderjährigen Kindern bezieht sich die Unterhaltspflicht der beiden Elternteile sowohl auf den Bar- als auch auf den Betreuungsunterhalt. Ab Erreichen der Volljährigkeit schulden die unterhaltsverpflichteten Elternteile hingegen ausschließlich Barunterhalt.

Maßgeblich für das Bestehen und die Berechnung eines (Kindes-)Unterhaltsanspruchs ist hierbei einerseits die Bedürftigkeit des Berechtigten sowie andererseits die Leistungsfähigkeit des Verpflichteten.

2. Kriterien des Ausbildungsunterhalts

Gemäß § 1610 Absatz 2 BGB umfasst der geschuldete Unterhalt den gesamten Lebensbedarf einschließlich einer angemessenen Vorbildung zum Beruf und erstreckt sich daher auch auf die Kosten einer Berufsausbildung. Die Unterhaltspflicht ist unabhängig davon, ob eine Ausbildung oder ein Studium angestrebt wird.

Ausgehend vom Wortlaut dieser Vorschrift lassen sich zwei für den Ausbildungsunterhalt maßgebliche Kriterien festhalten:

  • die Angemessenheit der Ausbildung
  • die Beschränkung der Unterhaltsverpflichtung auf eine

Der Wortlaut des § 1610 Absatz 2 BGB wirft jedoch auch Fragen auf:

  • Wonach bemisst sich die Angemessenheit der Ausbildung?
  • Wann ist ein Ausbildungsweg als einheitlich und somit als eine Ausbildung im Sinne des § 1610 BGB anzusehen?

a) Angemessenheit der Ausbildung

Die Angemessenheit einer Ausbildung hängt sowohl von subjektiven als auch von objektiven Voraussetzungen ab:

  • Subjektive Kriterien sind die Leistungsfähigkeit der Eltern und die Neigung des Kindes
  • In objektiver Hinsicht ist an die Wahl der Ausbildung die Anforderung zu stellen, dass damit ein berufsqualifizierender Abschluss zu erreichen ist.

Subjektive Voraussetzungen: Leistungsfähigkeit der Eltern und Neigung des Kindes

Für die Angemessenheit der Ausbildung sind sowohl die Leistungsfähigkeit der Eltern als auch die Persönlichkeit des Kindes relevant. So schulden die Eltern ihrem Kind die Finanzierung einer Ausbildung, die sich in den Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hält. Maßgeblich für die Höhe der zu übernehmenden Ausbildungskosten sind somit die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Eltern.

Auf Seiten des Kindes sind hingegen nicht die wirtschaftlichen oder beruflichen Möglichkeiten der Eltern ausschlaggebend, sondern vielmehr die persönlichen Eigenschaften des Kindes wie gewisse berufliche Neigungen, etwaige vorhandene Begabungen sowie der generelle Leistungswille. Die Eltern tragen somit die Kosten für diejenige Ausbildung, die den erkennbaren Fähigkeiten des Kindes am ehesten entspricht. Da sie im Rahmen der Wahl der Ausbildung gemäß § 1631a BGB auf die Eignung und Neigung ihres Kindes Rücksicht nehmen müssen, können sie die Ausbildung ihres Kindes nicht einseitig bestimmen, sondern müssen sich diesbezüglich mit ihrem Kind abstimmen.

Objektive Voraussetzung: Erreichbarkeit eines berufsqualifizierenden Abschlusses

In objektiver Hinsicht ist die Voraussetzung zu erfüllen, dass die Ausbildung die Perspektive einer finanziell eigenständigen Lebensweise des Kindes bieten muss. Die Rechtsprechung (OLG Brandenburg, Beschluss vom 18. Januar 2011 – Az.: 10 UF 161/10) definiert das Ziel der Ausbildungsförderung dadurch, dass das unterhaltsberechtigte Kind in die Lage zu versetzen (ist), künftig seinen Unterhalt und gegebenenfalls den seiner Familie sicherzustellen.

Es spielt dabei keine Rolle, ob das Kind in seinem erlernten Beruf später schlechte Berufsaussichten hat, weil die Eltern nach dem Abschluss ihres Kindes nicht dafür haften, dass dieses einen Arbeitsplatz in dem erlernten Beruf bekommt. Vielmehr muss das Kind dann auch einen solchen Arbeitsplatz annehmen, der nicht im Bereich des erlernten Berufes liegt. Entscheidend ist somit allein, ob die angestrebte Ausbildung beziehungsweise das angestrebte Studium nach der einschlägigen Ausbildungs- oder Studienordnung zu einem berufsqualifizierenden Abschluss führt. Dies ist nach Ansicht der Rechtsprechung z.B. dann ausgeschlossen, wenn das Kind ein Studium eines Nebenfaches in der Hoffnung aufnimmt, später auch das zur Erreichung des Studienabschlusses erforderliche Hauptfach studieren können.

b) Einheitlichkeit der Ausbildung

Mit seiner Entscheidung vom 07.06.1989 (Az.: IVb ZR 51/88) hat der BGH den Grundsatz aufgestellt, dass die sogenannten „Abitur-Lehre-Studium“ Fälle als eine einheitliche Ausbildung im Sinn des § 1610 Absatz 2 BGB anzusehen sind, sofern die einzelnen Abschnitte in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen. Wenn dieser gegeben ist, sind die Eltern daher nicht nur für den ersten Abschnitt – die Ausbildung – sondern darüber hinaus auch für den zweiten Abschnitt – das Studium – unterhaltsverpflichtet.

Der sachliche Zusammenhang zwischen Ausbildung und Studium

Ein enger sachlicher Zusammenhang zwischen Ausbildung und Studium ist lt. BGH dann gegeben, wenn

  • Ausbildung und Studium so zusammenhängen, dass das eine für das andere eine fachliche Ergänzung, Weiterführung oder Vertiefung bedeutet
  • die praktische Ausbildung eine sinnvolle Vorbereitung auf das Studium darstellt

Seit dem Urteil aus dem Jahr 1989 sind weiteren Veränderung und Verlängerung der zur Auswahl stehenden Ausbildungswege eingetreten. Daher verzichtet der BGH nunmehr auf das vormals für die Annahme eines sachlichen Zusammenhangs hinzugezogene Kriterium der Zugehörigkeit von Ausbildung und Studium zur selben Berufsgruppe. Allein die Nützlichkeit der Ausbildung für das spätere Studium ist entscheidend (so etwa BGH, Beschluss vom 8. März 2017 – Az.: XII ZB 192/16). Somit hat der BGH das Kriterium des sachlichen Zusammenhangs recht weit gefasst und ferner festgestellt, dass auch ein Studienverlauf mit einem Bachelor- und einem darauf aufbauenden Masterabschluss eine einheitliche Ausbildung im Sinn des § 1610 Absatz 2 BGB darstellt. Die Eltern sind daher auch dann unterhaltsverpflichtet, wenn ihr Kind nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung absolviert, um im Anschluss daran ein Bachelor- und Masterstudium aufzunehmen. Dies allerdings nur dann, wenn dieser Ausbildungsweg sich als einheitlich und in engem sachlichen Zusammenhang stehend darstellt.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen Ausbildung und Studium

Für den zeitlichen Zusammenhang zwischen Ausbildung und Studium kommt es darauf an, ob eine etwaige Verzögerung zwischen dem Abschluss der Ausbildung und der Aufnahme des Studiums wenigstens teilweise durch das unterhaltsberechtigte Kind verursacht worden ist. Ist dies nicht der Fall, so besteht zwischen Ausbildung und Studium trotz zeitlicher Verzögerung der erforderliche zeitliche Zusammenhang.

So hat die Rechtsprechung etwa dann einen zeitlichen Zusammenhang bejaht, wenn die Verzögerung zwischen Ausbildung und Studium auf eine Schwangerschaft beziehungsweise Kindesbetreuung zurückzuführen ist oder das Kind aufgrund eines Numerus clausus keinen Studienplatz erhält, aber dennoch durch die Tätigkeit in dem Ausbildungsberuf finanziell selbstständig ist und sich weiterhin auf den gewünschten Studienplatz bewirbt.

Ein zeitlicher Zusammenhang wäre hingegen dann abzulehnen, wenn das Kind im Anschluss an eine Ausbildung zunächst in dem erlernten Beruf arbeitet und erst drei Jahre später ein Studium aufnehmen möchte. Die Unterhaltsverpflichtung der Eltern kann sich auf einen langen, mehrere Ausbildungsabschnitte umfassenden Zeitraum erstrecken und hängt darüber hinaus nicht ausschließlich von objektiv vorhersehbaren Kriterien ab. Deshalb kann im Einzelfall die (weitere) Gewährung von Ausbildungsunterhalt unzumutbar und damit ausgeschlossen sein, um eine unverhältnismäßige Belastung der Eltern zu vermeiden.

c) Keine Unterhaltsverpflichtung bei schuldhafter Verzögerung der Ausbildung

Die Begrenzung der Unterhaltsverpflichtung erfolgt durch das Kriterium der Zumutbarkeit der Unterhaltsverpflichtung, das wiederum aus dem Gegenseitigkeitsprinzip folgt. Denn gemäß § 1618a BGB sind sowohl die Eltern als auch das unterhaltsberechtigte Kind zu gegenseitiger Rücksichtnahme und Beistand verpflichtet. Das Kind hat daher dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Eltern durch die Unterhaltsleistungen in ihrer eigenen Lebensplanung und -gestaltung beeinträchtigt sind.

Der BGH hat in seinem Beschluss vom 3. Mai 2017 – Az.: XII ZB 415/16 ausgeführt, dass der Anspruch auf Ausbildungsunterhalt dann ausgeschlossen sein kann, wenn das Kind die Ausbildung nicht mit Fleiß und der gebotenen Zielstrebigkeit verfolgt und diese nicht in angemessener und üblicher Zeit beendet.

Die Eltern haben hierbei durchaus Verzögerungen hinzunehmen, die lediglich auf ein vorübergehendes leichteres Versagen ihres Kindes zurückzuführen sind. Hat das Kind die Ausbildung allerdings weder planvoll noch zielstrebig aufgenommen und abgeschlossen, so muss es sich darauf verweisen lassen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Die Unterhaltsverpflichtung der Eltern entfällt also dann, wenn das unterhaltsberechtigte Kind durch eigenes Verhalten den Fortgang seiner Ausbildung verzögert und ihm hierbei nicht nur leichtes Versagen vorzuwerfen ist.

Es gibt allerdings keine eindeutige Altersgrenze, bis zu der das Kind die angestrebte Ausbildung zu beginnen oder abzuschließen hat. Daher sind für die Beantwortung dieser Frage die Umstände des Einzelfalls zu betrachten. Im Rahmen dieser Beurteilung sind insbesondere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Eltern sowie die Frage, ob und inwieweit diese damit rechnen müssen, dass ihr Kind weitere Ausbildungsabschnitte anstrebt, zu berücksichtigen.

Zu beachten ist jedoch, dass die Rechtsprechung das Kriterium der Unzumutbarkeit nur in Ausnahmefällen als gegeben ansieht und hieran strenge Anforderungen knüpft, sodass die Unterhaltsverpflichtung der Eltern auch bei einer zeitlichen Verzögerung des Ausbildungsweges ihres Kindes im Regelfall nicht unzumutbar ist. Zwar gilt insofern die Regelabschlusszeit – also die Spanne bis zum Ende der Regelstudienzeit oder der Teilnahme an einer Gesellenprüfung – als Begrenzung der Unterhaltsverpflichtung der Eltern. Allerdings kann sich diese aufgrund nicht vom Kind zu vertretender Umstände wie einer Schwangerschaft oder einer andauernden Erkrankung verlängern, ohne dass die Unterhaltsverpflichtung der Eltern automatisch entfällt.

Ebenso entfällt die Unterhaltsverpflichtung der Eltern nicht, wenn die zeitliche Verzögerung auf lediglich leichtes Versagen des Kindes zurückzuführen ist. Für die Beurteilung der Frage, wann die Unterhaltsverpflichtung der Eltern erlischt, sind daher stets sämtliche Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen.

d) Unterhaltspflicht auch bei Ausbildungswechsel?

Das Kriterium der Zumutbarkeit gewinnt auch dann an Bedeutung, wenn das Kind einen Ausbildungswechsel anstrebt oder vornimmt. So muss die durch den Wechsel bewirkte Verlängerung des Ausbildungsweges den Eltern wirtschaftlich zumutbar und der Wechsel an sich aus sachlichen Gründen gerechtfertigt sein.

Nach der Rechtsprechung besteht die Unterhaltspflicht bei einem Ausbildungswechsel etwa dann fort, wenn die Wahl der gescheiterten oder abgebrochenen Erstausbildung auf einer Fehleinschätzung der Begabungen oder Neigungen des Kindes durch die Eltern beruht oder die Erstausbildung aus Gründen, die bei Antritt der Ausbildung nicht vorhersehbar waren, keine Lebensgrundlage mehr bietet und dies bereits während der Ausbildung oder unmittelbar nach dem Abschluss erkennbar war. Bei der Beurteilung sind allerdings ebenfalls sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen.

e) Ausbildungsunterhalt während Orientierungsphase oder berufsvorbereitendem Praktikum

Im Gegensatz zu der öffentlich-rechtlichen Ausbildungsförderung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BaFöG) sind vom Ausbildungsunterhalt nicht nur die Zeiten der einzelnen Ausbildungsabschnitte umfasst, sondern darüber hinaus auch solche, die der Vorbereitung der Ausbildung dienen.

So sind Eltern in den Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch dann zum Unterhalt verpflichtet, wenn sich das unterhaltsberechtigte Kind in der sogenannten Orientierungsphase befindet, also in der Zeit zwischen Schulabschluss und Beginn einer Ausbildung, in der es sich zunächst auf eine Ausbildung festlegen muss. Ebenso besteht die Unterhaltspflicht der Eltern während eines Praktikums, das der Vorbereitung einer Ausbildung oder eines Studiums dient.

3. Zusammenfassung

Die Pflicht der Eltern zur Zahlung von Ausbildungsunterhalt bezieht sich grundsätzlich auf sämtliche Ausbildungsabschnitte des Kindes, die einen engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang aufweisen und kann somit über einen längeren Zeitraum bestehen.

Die Unterhaltspflicht der Eltern ist theoretisch durch das Kriterium der Zumutbarkeit begrenzt, jedoch stellt die Rechtsprechung an das Vorliegen einer Unzumutbarkeit strenge Anforderungen. Daher entfällt die Pflicht zur Leistung von Ausbildungsunterhalt nur in Ausnahmefällen.

„Eltern haften für Ihre Kinder“ ist nicht nur ein Spruch für Baustellenschilder. Auch für den Unterhalt sind Eltern gegenüber ihrem Nachwuchs verpflichtet. Aber gilt das auch für Studium, Auslandsemester und Pflichtpraktika? Und was, wenn Eltern nicht zahlen, obwohl sie könnten? bigKARRIERE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann besteht der Unterhaltsanspruch im Studium?

Beim Unterhaltsrecht handelt es sich um ein komplexes Rechtsgebiet, für das die individuelle Situation des Studenten eine zentrale Rolle spielt. Grundsätzlich lässt sich aber folgendes zum Thema Unterhaltszahlung im Studium festhalten:

Laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1601 BGB) sind Eltern grundsätzlich dazu verpflichtet, ihren volljährigen Kindern während des Studiums Unterhalt zu zahlen. Eine feste Altersgrenze existiert nicht. Der Unterhaltsanspruch gilt für das Bachelorstudium und das Masterstudium, sofern beim Master ein inhaltlicher und zeitlicher Zusammenhang zum Bachelor besteht. Für die Promotion erlischt die Verpflichtung, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass ihr in dieser Lebensphase finanziell bereits auf eigenen Beinen stehen könnt.

Zu den wichtigsten Einschränkungen zählt, dass

a) die Regelstudienzeit nicht wesentlich überschritten und

b) das Studium ernsthaft und zielgerichtet absolviert wird

Wichtig: Sowohl über eure Studienpläne als auch über den Fortgang des Studiums müsst ihr eure Eltern regelmäßig informieren. Selbst wenn kaum oder kein Kontakt zu den Eltern besteht! Der Bundesgerichtshof ist da wirklich streng (vgl. BGH Az. XII ZB 415/16). Die Informationspflicht ist auch beim Auslandsstudium und bei Pflichtpraktika relevant. Wurden Eltern frühzeitig darüber informiert, müssen sie die Mehrkosten für solche studienfördernden Aktivitäten tragen.

Ein Wechsel von Fachrichtung oder Studienort spätestens bis zum dritten Semester ändert nichts an der Unterhaltszahlung im Studium. Die ersten drei Semester gelten als adäquater Zeitrahmen, um herauszufinden, ob die Studienwahl falsch war.

Die Unterhaltspflicht besteht auch dann, wenn ihr das Studium beendet habt, um eine Lehre anzufangen und vice versa (Ausbildungsweg Abi-Lehre-Studium). In beiden Fällen kann der inhaltliche und zeitliche Zusammenhang relevant werden.

Nach dem Ende des Studiums gilt eine dreimonatige Bewerbungsfrist, während der eure Eltern weiterhin unterhaltspflichtig sind.

Geld im Studium

Schönes Studentenleben heißt nicht unbedingt viel Geld – eher im Gegenteil. Studierende müssen oftmals jeden Cent umdrehen, und das obwohl fast alle Studierenden Unterstützung von ihren Eltern erhalten. Das belegt die aktuelle Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks wieder einmal eindrucksvoll. Wie sieht es mit Deinen Finanzen aus? Liegst Du im Durchschnitt?

Studenten gehören zu den untersten Einkommensgruppen in Deutschland, das zeigt die aktuelle Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks – die mittlerweile in der 21. Fassung vorliegt. Uns interessiert, wie viel Geld Studierende, in Deutschland monatlich zur Verfügung haben und aus welchen Quellen das Geld hauptsächlich stammt.

Studierende in Deutschland sind im Schnitt 24,7 Jahre alt, unverheiratet, in ein Vollzeit-Studium eingeschrieben.

Studentische Einnahmen im Durchschnitt: 918 EUR

Und sie können im Durchschnitt jeden Monat 918 EUR ausgeben. Studierende in den westdeutschen Ländern verfügen im Sommersemester 2016 über durchschnittlich 930 EUR im Monat, während in den ostdeutschen Ländern die durchschnittlichen Einnahmen der Studierenden mit 839 EUR niedriger liegen.

Das sind Mittelwerte, denn natürlich gibt es auch Studierende die mehr als 1100 EUR zur Verfügung haben und solche, die mit weniger als 700 EUR auskommen.

Der größte Posten ist die Miete

Das Studentenleben in kleinen Städten ist billiger, aber dafür sind die potenziellen Löhne in den großen Städte, wo die Mietsituation sehr angespannt ist) auch höher. Am stärksten belasten überall die Mietausgaben das Budget: Im Durchschnitt wenden Studierende 35% ihrer Mittel für Miete und Nebenkosten auf.

Besonders teuer ist das Wohnen für Studierende in München (387 EUR Miete), Köln und Frankfurt am Main (beides 375 EUR Miete) und Hamburg 373 EUR; besonders günstig ist es in Leipzig und Dresden (je 264 EUR Miete) und Jena (265 EUR Miete). Gewinner hierbei sind alle, die einen Platz im Wohnheim gefunden haben, das von den örtlichen Studentenwerken betrieben werden; mit 255 EUR Miete kommen sie am besten weg.

Mit diesen Ausgaben musst Du insgesamt rechnen

Die durchschnittlichen Ausgaben umfassen die folgenden Werte. Ihre größten Ausgabenposten sind die Wohnkosten (323 EUR), die Ernährung (168 EUR) und die Fortbewegung (94 EUR)

Miete einschließlich Nebenkosten: 323 EUR
Ernährung: 168 EUR
Kleidung: 42 EUR
Lernmittel: 20 EUR
Auto und/oder öffentliche Verkehrsmittel: 94 EUR
Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente: 80 EUR
Kommunikation (Telefon, Internet u. a. m.): 31 EUR
Freizeit, Kultur und Sport: 61 EUR

Und wo kommt das Geld her? Eltern – Jobben – Bafög

Finanziell unterstützt werden 86 % der Studierenden von ihren Eltern im Schnitt mit 541 EUR. Die alleinige Finanzierung machen die Zuschüsse aber bei den wenigsten aus. Angereichert werden studentische Einnahmen mit Jobben und BAföG. Mit einem durchschnittlichen Betrag von 384 EUR im Monat liegt der Anteil des selbst verdienten Geldes sogar auf einem relativ hohen Niveau. 61 % der Studenten sind neben dem Studium erwerbstätig.

Wer von seinen Eltern nur unwesentlich oder gar nicht unterstützt werden kann, ist auf einen staatlichen Zuschuss (BAföG) angewiesen. Im Sommersemester 2016 erhielten 18 Prozent aller Studierenden eine Förderung nach dem BAföG.

Mehr Informationen zu Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks >

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