Streit mit eltern

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Neuer Partner mit Kind – so vermeiden Sie Probleme

Es ist schon so lange her, dass Anne dieses Gefühl hatte: Sie ist über beide Ohren verliebt – in Jan, ihren neuen Partner mit Kind. Die Probleme sind also vorprogrammiert, das erkennt sie trotz der Anfangseuphorie sofort. Und schon stellt sie alles in Frage: Gibt es eine Zukunft mit ihrem neuen Partner? Kann sie das fremde Kind akzeptieren?

Es gab im Jahr 2015 laut statista in Deutschland rund 409.000 alleinerziehende Väter und 2.331.000 alleinerziehende Mütter – ein großer Pool also, der eine Geschichte wie die von Anne und Jan äußerst wahrscheinlich macht. Bei einem neuen Partner mit Kind gibt es Probleme – ganz klar, denn man tritt nicht nur in das Leben des neuen Partners, sondern auch der Nachwuchs gehört dazu.

Beziehungskonzepte im Wandel

Das traditionelle Beziehungsmodell „bis dass der Tod uns scheidet“ hat gerade beim Themen „neue Partner mit Kind und daraus resultierende Probleme“ weitestgehend ausgedient. „An seine Stelle treten nach der Partnersuche als Alleinerziehender eine Reihe von verschiedenen Beziehungsformen – von der festen Partnerschaft in getrennten Wohnungen, dem Zusammenleben ohne Trauschein, der Patchwork-Familie bis hin zur beruflich bedingten Fernbeziehung“, so unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. Die heutige Herausforderung heißt also nicht nur die neue Liebe, sondern auch mögliche Unstimmigkeiten in der neuen Partnerschaft mit dem Kind zu meistern.

Beziehungsprobleme wegen des Stiefkindes

Für eine neue Liebe ist es schwer, mit dem Kind und der neuen Beziehung umzugehen. Die Devise muss also lauten, sich der möglichen Komplikationen bewusst zu sein, das Kind aufzunehmen und dessen Ängste und Bedürfnisse zu verstehen. Männer und Frauen mit einem neuen Partner und Nachwuchs geben sich oft der Illusion hin, eine ganz normale Familie zu sein. Man möchte nicht nur dem neuen Partner ein guter Mann oder eine gute Frau sein, sondern auch für dessen Kind ein guter Stiefvater oder eine gute Stiefmutter. Dabei vergessen aber viele, dass das Kind den neuen Partner nicht akzeptieren kann, weil es Probleme hat, die neue Person im Haus einzuordnen . Und so wird das Bemühen des neuen Partners vom Kind meist wenig honoriert, häufig sogar boykottiert.

Kinder leiden unter der Trennung der Eltern

Ein neuer Partner rührt in den Kindern aus einer früheren Beziehung die Angst, sie könnten nun auch noch den zweiten Elternteil nach der Trennung mit Kind verlieren. Unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach weiß:

„Kleine Kinder gewöhnen sich schneller an die neue Situation und nehmen einen neuen Partner eher als eine Art Elternteil wahr, wenn dieser dauerhaft und verlässlich da ist. Das ist mit größeren Kindern und dem neuen Partner oft ein Problem, weil sie eher daran gewöhnt sind, das Elternteil für sich allein zu haben oder noch stärker unter einer Trennung leiden.“

Und auch der Diplom-Psychologe Andreas Engel, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung sagt gegenüber Welt: „Kinder behalten fast immer die Vorstellung, dass eigentlich die leiblichen Eltern zusammengehören. Der neue Partner wird als Störer und Eindringling gesehen.“

Fremdes Kind akzeptieren: Das Alter der Kinder spielt eine große Rolle

Streit, Trotz, Ablehnung und Wut sind das Resultat. Die Kinder verschließen sich und für einen neuen Partner ist es kaum möglich mit dem Nachwuchs zu diskutieren. Sätze wie „Du hast mir gar nichts zu sagen“, „Du bist nicht mein Vater“ oder „Meine Mama kann das viel besser“ sind deshalb klassische Aussagen der Kinder. Ein harmonisches Zusammenbleiben mit Kindern sieht anders aus. Sind die Kinder noch sehr klein – unter zwei Jahren – ist es für den neuen Partner einfacher, Probleme mit dem Kind zu vermeiden. Die Kleinen lassen sich am ehesten auf die Zuneigung des neuen Menschen im Leben von Vater oder Mutter ein. Bei Kindergarten- und Vorschulkindern ist das schon schwieriger, weil sie vieles auf sich beziehen und oftmals auch glauben, sie seien der Grund für die Trennung ihrer Eltern. Die daraus entstehenden Schuldgefühle nach der Trennung führen zu heftigen Reaktionen wie Wut, Zorn, Eifersucht und Trauer. Kinder ab sechs haben es am schwersten, denn sie haben starke Loyalitätskonflikte. In ihrem kindlichen Denken dürfen sie ja den neuen Elternteil gar nicht gernhaben, denn damit würden sie die leibliche Mutter oder den leiblichen Vater verraten.

Glückliche Familie – Schritt für Schritt gegen die Probleme beim neuen Partner mit Kind

Ist eine glückliche Beziehung mit Kind des neuen Partners möglich? Und wie lassen sich Schwierigkeiten von Anfang an vermeiden? Wie kann die Stiefmutter respektive der Stiefvater das Kind hinzunehmen und eine Wohlfühlatmosphäre für alle Beteiligten schaffen?

1. Gegen Problemen beim neuen Partner mit Kind: Nehmen Sie Ablehnung nicht persönlich

Ablehnung und Gefühlsausbrüche zählen zu typischen Problemen. Wichtig ist, sie als Neuzugang in der Familie nicht persönlich zu nehmen. Das fremde Kind sollte man akzeptieren und respektieren, denn die negativen Gefühle richten sich in erster Linie gegen die Rolle des neuen Partners, nicht aber gegen ihn als Person. Somit sollten Sie die Diskrepanzen nicht zu Beziehungsproblemen werden lassen.

2. Gehen Sie vorerst auf Abstand und begegnen Sie sich mit der Zeit

Bei einem neuen Partner mit einem Kind aus einer früheren Beziehung ist Geduld gefragt. Besonders bei Kindern ab dem Schulalter sollten die Bemühungen, die Zuneigung des Kindes zu gewinnen, nicht übertrieben werden. Familien-Psychologin Christiane Papastefanou rät gegenüber Welt: „Sie müssen sich Zeit lassen, um eine Beziehung aufzubauen.“ Ein diplomatisches Vorgehen sei bei einem neuen Partner mit Kind wichtig, um Problemen vorzubeugen. Das Kind darf nicht überrumpelt werden. Beide Seiten müssen sich aneinander gewöhnen.„Bei Patchwork-Familien gibt es immer das Problem, dass zwei Systeme aufeinanderprallen, die unterschiedliche Geschichten und Rituale haben“, so Papastefanou. „Es ist schwierig, das auszutarieren.“ Es gelingt nur, wenn man das fremde Kind annimmt, respektiert und gemeinsame Rituale entwickelt. Deshalb sei es auch besser, nicht sofort zusammenzuziehen, meint Carmen Thiele, Fachreferentin beim Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien. Beginnen Sie lieber mit einigen Treffen mit dem neuen Partner mit Kind. Probleme entstehen so gar nicht erst oder dezenter, weil das Kind Sie nicht als direkten Eindringling wahrnimmt.

3. Seien Sie Partner, nicht aber Mutter oder Vater

Die Einstellung ist zwar löblich, jedoch führt der Drang den fehlenden Elternteil ersetzen zu wollen unweigerlich zu Beziehungsproblemen wegen des Stiefkindes. Das Kind wird direkt eine Abwehrhaltung einnehmen. Psychologin Papastefanou sieht darin besonders bei Jugendlichen ein großes Problem. Der neue Partner könne den leiblichen Elternteil niemals ersetzen, betont sie: „Sonst muss man sich anhören: Du hast mir gar nichts zu sagen!“ Dagegen funktioniere aber die Rolle des älteren Kumpels sehr gut.Auch Fachreferentin Carmen Thiele hält es für wichtig, dass man in einer Beziehung mit einem neuen Partner mit Kind, Probleme vermeidet, indem man sich keine Erziehungskompetenzen anmaßt. Dies sei die Aufgabe der leiblichen Eltern. Papastefanou fasst zusammen: „Man darf nie den leiblichen Vater oder die leibliche Mutter infrage stellen oder hintergehen.“

4. Nehmen Sie Reaktionen des Kindes ernst

Während bei einem neuen Partner mit Kind Probleme entstehen können, zeigen die Kinder selbst häufig physische und psychische Auffälligkeiten: Aggressivität, stärkere Weinerlichkeit, vielleicht machen sie plötzlich wieder ins Bett. Sowohl als leiblicher Elternteil, als auch als neuer Partner sollten Sie diese Dinge als das sehen, was sie sind: Angst vor dem Verlust der Zuwendung. Jetzt ist es wichtig, nicht genervt oder abweisend zu reagieren, sondern dem Kind ganz klar zu zeigen, dass es gewertschätzt wird. Hier gilt für das leibliche Elternteil: Die Liebe eher verstärken, mehr kuscheln, viel reden. Der Satz „Ich liebe dich“ ist dabei ganz wichtig, um ihnen die Angst und Unsicherheit zu nehmen.

5. Probleme durch neuen Partner mit Kind? Schrauben Sie Ihre Erwartungen herunter

Um bei einer Beziehung nicht zu sehr enttäuscht zu werden, sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Selbst wenn Sie sich die allergrößte Mühe geben, das fremde Kind (trotz seiner Widerspenstigkeit) zu akzeptieren – Sie werden nicht auf Anhieb die erwartete Gegenliebe erhalten. Das kann dann sogar so weit gehen, dass es zu ernsthaften Unstimmigkeiten wegen des Kinds kommt und die Patchwork-Familie schnell scheitert. Geben Sie den Dingen Zeit.

6. Zeigen Sie Grenzen auf

Auch wenn in einer Beziehung mit einem neuen Partner mit Kind Probleme ernst genommen werden sollten und man als neues Familienmitglied viel zurückstecken muss, heißt das nicht, dass Sie sich auf der Nase herumtanzen lassen müssen. „Natürlich muss man nicht alles hinnehmen“, sagt Papastefanou. Dem Willen des Kindes sollten Sie sich letztlich nicht beugen. „Das wäre eine Vertauschung der Rollen“, bekräftigt auch Pflege- und Adoptivexpertin Thiele. Es dürfe nicht zu Beziehungsproblemen wegen des Stiefkindes kommen.

Neuer Partner mit Kind – Probleme lassen sich ausräumen

Es ist schwer, aber nicht unmöglich. Viele Patchwork-Familien begehen den Fehler, gleich zu Beginn zu viel zu erwarten: Man zieht beim neuen Partner mit Kind aus einer früheren Beziehung ein, Schwierigkeiten gibt es nicht, es ist alles harmonisch. So funktioniert das aber nicht. Es kann jedoch mit etwas Geduld gelingen. Der neue Partner sollte es langsam angehen lassen und Abstand wahren. Der leibliche Elternteil muss besonders viel Zuneigung und Aufmerksamkeit für das Kind aufbringen. Neueste Studien belegen, dass Kinder in Patchwork-Familien genauso glücklich sind, wie Kinder in anderen Familien. Es lohnt sich also, die Probleme mit einem neuen Partner mit Kind gemeinschaftlich, geduldig und liebevoll anzugehen.

Der geheime Code der Liebe : Ich kann das Kind meines Mannes nicht ausstehen

Liebe Frau Dr. Peirano,
ich bin nicht stolz darauf, das zu sagen, aber ich mag den Sohn meines Partners überhaupt nicht. Er ist 11 und lebt zur Hälfte bei uns und zur Hälfte bei seiner Mutter, die viele Probleme hat (Depression, wechselnde Jobs, dauernd neue Partner, Kaufsucht). Das Kind hat natürlich unter seiner Mutter und auch unter der dramatischen Trennung der Eltern vor 5 Jahren gelitten, das ist mir auch klar, aber trotzdem macht er mich wahnsinnig. Er kann keine Minute still sitzen, hat grauenhafte Tischmanieren (rülpst bei Tisch und matscht mit dem Essen), spielt andauernd mit allem, was ihm in die Hände kommt (Stifte, Kerzen, Feuerzeuge etc.) und gibt allen Erwachsenen freche Antworten, bei denen Beleidigungen wie „Arschloch“ noch eher harmlos sind. In der Schule fällt er natürlich auch auf, und Gespräche mit den Lehrern sind an der Tagesordnung. Ich selber lege sehr viel Wert auf gutes Benehmen und kann es nicht ertragen, das mit anzusehen. Es ist mir auch furchtbar peinlich vor Fremden oder meinen Freunden und meinen Eltern. Als ich meinen Partner kennen lernte, war sein Sohn 7 Jahre alt und zwar etwas frech, aber lange nicht so ein Monster wie heute. Ich wäre auch sonst nicht mit meinem Partner zusammen gezogen, denn ich will bald noch eigene Kinder haben und kann mir nicht vorstellen, sie mit diesem „Bruder“ zusammen leben zu lassen. In meiner Familie ging es früher meistens fröhlich und kultiviert zu, und jetzt komme ich mir vor wie im falschen Film. Mein Partner sieht die Probleme seines Sohnes teilweise so wie ich, aber teilweise verharmlost er das Problem auch, weil er Schuldgefühle wegen der Trennung hat. Er greift nicht konsequent durch, sondern verwöhnt den Jungen einerseits, andererseits bestraft er ihn mit Stubenarrest oder Taschengeldentzug, was nicht viel bringt. Die Mutter des Kindes steckt ihm dann Geld zu, was alle Versuche wieder zunichte macht. Mein Partner und ich haben oft Streit wegen der Erziehung seines Sohnes. Ich bin dafür, dass er eine Therapie machen soll, mein Partner findet immer wieder Gründe, um das nicht zu tun. Eigentlich liebe ich meinen Partner, aber die Zeiten, in denen sein Sohn bei uns ist, sind für mich der wahre Horror.
Was kann ich tun?
Ihre Petra M.

Liebe Petra M.,
Sie befinden sich in einer furchtbaren Situation: Sie fühlen sich in Ihrem eigenen Zuhause nicht mehr wohl, wenn der Sohn Ihres Partners da ist (und das ist die Hälfte der Zeit, also nicht selten!). Ich kann das gut verstehen, denn das Kind dominiert die ganze Situation mit seinen Schwierigkeiten, nimmt viel Raum ein, und alle anderen fühlen sich an die Wand gedrängt und haben kaum noch Luft zum Atmen. Sie selbst möchten etwas tun, um aus dieser Position heraus zu kommen, aber die Versuche laufen ins Leere. Ich sehe genau darin- und nicht in erster Linie bei dem Jungen- das eigentliche Problem. Sie und Ihr Partner haben sehr unterschiedliche Auffassungen über die Erziehung seines Sohnes. Sie selbst sehen das Verhalten des Jungen als sehr problematisch an und möchten etwas unternehmen, damit es besser wird: konsequente Erziehung, eine Therapie und klare Spielregeln in der Familie, damit sich alle wieder wohl fühlen. Ihr Partner hingegen ist hin- und hergerissen. Er nimmt die Probleme seines Kindes gelegentlich wahr, aber dann verleugnet oder verharmlost er sie wieder- und unternimmt dann nichts Nachhaltiges. Dadurch verpasst er die Chance, seinen Sohn dabei zu unterstützen, dass er sein auffälliges Verhalten ablegt. Das Kind bräuchte viel Zuwendung von seinem Vater, aber auch klare Grenzen.
Ich gebe Ihnen Recht, wenn Sie aktiv werden wollen. Aus meiner Sicht wäre eine gute Diagnostik der erste Schritt, und wahrscheinlich benötigt der Junge anschließend eine Kindertherapie. Dabei werden die Eltern (bzw. auch Sie als Stiefmutter) in der Regel eingebunden, damit alle Erziehungsberechtigten an einem Strang ziehen. Dies ist hier nicht der Fall, so wie es klingt. Und genau darin sehe ich das Problem: Ihr Partner verhält sich unklar und unternimmt keine Schritte, um die Situation zu verbessern. Und weil er nichts unternimmt und die Situation unverändert schlecht ist (oder sich sogar verschlechtert), fühlen Sie sich hilflos. Sie müssen in Ihrer eigenen Wohnung die Hälfte der Zeit problematisches Verhalten über sich ergehen lassen und haben keinen Handlungsspielraum, um etwas zu verändern oder zu verbessern. Das ist schwer auszuhalten und macht wütend. Und das bekommt das Kind zu spüren, das Sie von Tag zu Tag weniger mögen.
Ich würde Ihnen empfehlen, alles zu tun, um aus Ihrer Hilflosigkeit heraus zu kommen. Der erste Schritt ist es, mit Ihrem Partner zu sprechen. Sagen Sie ihm deutlich, wie es Ihnen mit ihm und seinem Sohn geht, aber wählen Sie bei allem Ärger vorsichtige Worte. Ihr Partner liebt seinen Sohn und wird wahrscheinlich sehr verletzt sein, wenn Sie ihm ungefiltert sagen, für was für ein Monster Sie ihn halten.
Erzählen Sie Ihrem Partner am Besten, wie hilflos Sie sich fühlen und suchen Sie mit ihm zusammen nach Wegen in der Erziehung des Sohnes, die Sie gemeinsam einschlagen können (z.B. eine Erziehungsberatung). Versuchen Sie, ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Spielregeln zu Hause (Tischmanieren, Ordnung) einzufordern, denn immerhin lebt der Junge ja die Hälfte der Zeit in Ihrem Haushalt.
Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Ihr Partner nur schwer bereit ist, seinen Erziehungsstil zu verändern, denn er hat das Problem ja bereits seit einigen Jahren ignoriert. Mittlerweile ist der Sohn, so deprimierend das klingen mag, fast schon zu alt für eine Verhaltensänderung.
Ihre Situation ist kein Einzelfall. Leider ist es in vielen Patchworkfamilien so, dass die Mitglieder nicht so nahtlos und harmonisch zueinander finden, wie es am Anfang erhofft wurde. Statt dessen finden sich viele offene oder geheime Bündnisse, an denen zum Teil hart gegeneinander gekämpft wird. Darunter leiden die Betroffenen sehr. Manchmal ist es eine gute Lösung, in getrennten Wohnungen zu leben, so dass der Elternteil mit seinem Kind in gewohnter Weise leben kann und der neue Partner Abstand von dem Konfliktherd bekommt.
Ich hoffe, dass Sie bald friedlicher leben können!
Ihre Julia Peirano

Streit in der Partnerschaft: Wer kämpft, verliert

„Du bist immer so selbstgerecht!“ Wenn er mir das vorwirft, könnte ich aus der Haut fahren. Nicht nur wegen der Unterstellung, ich sei selbstgerecht. Das stimmt vielleicht sogar. Der Vorwurf, ich sei IMMER selbstgerecht, stimmt aber ganz sicher nicht. Niemand ist immer alles oder nichts. Deshalb muss ich den Mund aufmachen. Was da raus kommt ist nicht besonders freundlich und liefert weiteren Zündstoff. Wir streiten. Wie so viele Paare.

Der Streit ist ein Schreckgespenst. Denn er stört unsere Vorstellung von idealer Liebe. „Eine Partnerschaft ohne Streit ist eine der beliebtesten Wunschvorstellungen in unserer Kultur“, sagt Paartherapeut Christian Thiel aus Berlin. Es sei aber eine der irrigsten Annahmen, dass eine Partnerschaft ohne Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und denen des anderen funktionieren könne.

Dabei scheitern wir häufig schon an der Einsicht, dass der Partner anders tickt, als man selbst, so Thiel. „Aber Menschen sind immer unterschiedlich. Deshalb ist jede Partnerschaft eigentlich ein interkulturelles Experiment.“ Das kollidiert heftig mit unserer Vorstellung von romantischer Liebe und symbiotischer Verschmelzung – durch Filme und Bücher wohlgenährte Utopien.

Nicht zu streiten ist auch keine Lösung

Es gibt sie ja, diese Bilderbuch-Pärchen, die sich nie fetzen. Die uns suggerieren, dass das Leben in einer Beziehung eigentlich ein Kinderspiel ist, dessen Regeln nur wir leider nicht begriffen haben. Eine womöglich unangebrachte Selbstgeißelung, denn hinter der Bullerbü-Fassade versteckt sich der unausgesprochene Frust.

„Es geht nur etwa die Hälfte aller Paare auseinander, weil sie sich heftig streiten. Die andere Hälfte trennt sich, weil sie sich nicht streiten“, sagt Thiel. Statt sich mit dem Partner auseinanderzusetzen, arrangierten sich viele lieber in Beziehungen, die ihren Bedürfnissen nicht gerecht würden.

Wie wir uns in Konfliktsituationen verhalten hat viel mit unseren Erfahrungen in der Kindheit zu tun

„Was wir uns in Partnerschaften wünschen sind Anerkennung, Wertschätzung und Respekt“, sagt Thiel. Dafür sind aber oft schon die Mindestvoraussetzungen denkbar schlecht. Wenn beide arbeiten, der Alltag mit Kindern organisiert werden muss und die Erstellung der nächsten To-Do-Liste drängt, fällt die Frage ‚wie geht es dir eigentlich?‘ oft als erstes hinten runter.

Dabei sei eine solche Frage das Minimum an Anerkennung, das Paare einander zukommen lassen sollten, meint Thiel. Der Frust über die zu geringe Würdigung entlädt sich allerdings meist an anderen, offensichtlicheren Dingen wie herumliegenden Socken und offenen Zahnpastatuben.

Der Partner reaktiviert die Kindheit

Die Auseinandersetzung mit dem Partner ist zwar notwendig, aber „die Art und Weise, wie wir streiten, ist entscheidend“, sagt die Psychologin und Psychotherapeutin Helga Odendahl. Kritik in Form von Du-Botschaften mache den Streit schnell destruktiv. Denn Sätze wie ‚du bist immer so selbstgerecht‘ sind ein direkter Angriff, der dem anderen kaum Handlungsspielraum lässt.

‚Ich fühle mich oft von dir allein gelassen‘ kann hingegen eine ganz andere Wirkung entfalten, weil die Kritik nicht wie eine unumstößliche Tatsache formuliert ist. Mit meiner wutschnaubenden Antwort auf den Vorwurf begehe ich allerdings den nächsten Fehler. „Wer wütend ist, kann kein vernünftiges und höfliches Gespräch führen“, sagt Thiel. Die Wut müsse erstmal verrauchen. Am besten bei einem strammen Spaziergang an der frischen Luft.

Die Zeit könnte man nutzen, um darüber nachzudenken, warum es vor allem unser Partner ist, der uns mit wenigen Worten oder Taten derart auf die Palme bringen kann. Mit unseren Freunden kommen wir schließlich meist ohne große Dramen zurecht.

„In Partnerschaften werden die Muster, die wir von und mit unseren Eltern gelernt haben, wiederbelebt“, sagt Odendahl. Wie Beziehungen funktionieren, schauen wir uns als Kinder sehr genau bei den Großen ab. Wer von seinen Eltern beispielsweise nicht gelernt habe, offen über seine Bedürfnisse zu sprechen, der stehe in der Partnerschaft erstmal vor einem Problem. „Hier kann eine Paartherapie sehr hilfreich sein“, sagt die Psychologin.

So richtig wütend? Lieber eine „Dammit Doll“ wie diese als Ventil nutzen als den Partner

Viel reden hilft nicht unbedingt viel

Die Fähigkeiten zu sprechen und zuzuhören sind für einen konstruktiven Streit unerlässlich. Die meisten Paare kommunizieren viel zu wenig, da sind sich die Paartherapeuten Thiel und Odendahl einig. Es gibt allerdings auch Partnerschaften, in denen zu viel über Probleme geredet wird. Meine gehört dazu. „Probleme sind wie Goldfische: Die wachsen, wenn man sie füttert“, sagt Christian Thiel.

Besonders sinnlos seien diese Gespräche dann, wenn es um Konflikte ginge, die sich nicht lösen lassen, sondern eine Frage des Charakters seien. Ist der eine ein Pünktlichkeitsfanatiker, während der andere ständig zu spät kommt, bietet das zwar Stoff für endlose Diskussionen, die das Problem allerdings nicht lösen werden, meint Thiel. „Jeder glaubt, er sei im Recht. Deshalb wollen wir, dass der andere die Dinge so macht, wie wir.“

Auch mein Partner und ich haben in endlosen Diskussionen versucht, den anderen von unseren jeweiligen, nach eigenem Ermessen viel sinnvolleren Ansichten zu überzeugen. Ohne Erfolg. Weil das Gerede auf Dauer furchtbar zermürbend ist, haben wir unserer Rechthaberei schließlich einen Maulkorb verpasst und Regeln aufgeschrieben, die unsere Kommunikation in konstruktivere Bahnen lenken soll.

Oberstes Gesetz: Erstmal innehalten. Dem anderen nicht jede Emotion ungefiltert um die Ohren hauen. Worte wie „immer“, „nichts“, „alles“ und „nie“ sind jetzt verboten. Es kam uns erst albern und trivial vor. Doch Thiel bestätigt: Es müssen pragmatische Lösungen her, um mit den unumstößlichen Differenzen in einer Partnerschaft umgehen zu können. Dann geht der Pünktliche eben vor und die Unpünktliche kommt nach.


  • 10 Tierarten, die zeigen, dass Homosexualität natürlich ist

    Giraffen beim Vorspiel

    Bei Giraffen ist gleichgeschlechtliche Paarung die Regel. 90 Prozent aller beobachteten sexuellen Aktivitäten finden mit Partnern des gleichen Geschlechts statt. Dabei kommen die Tiere allerdings nicht immer direkt zur Sache. Männliche Giraffen reiben oft sanft ihre Hälse am Körper des anderen entlang. Dieses Vorspiel kann bis zu einer Stunde dauern – und führt manchmal auch direkt zum Höhepunkt.


  • Oralsex bei Delfinen

    Bei Großen Tümmlern zeigen sowohl Weibchen als auch Männchen homosexuelles Verhalten. Dazu gehört Oralsex, bei denen ein Delfin den anderen mit der Schnauze stimuliert. In der Welt der Großen Tümmler ist gleichgeschlechtlicher Sex so häufig wie heterosexuelle Paarungen. Männchen sind generell bisexuell, aber sie durchlaufen auch Phasen, in denen sie sich nur mit anderen Männchen vergnügen.


  • In der Höhle des Löwen

    Auch die Könige der Tiere sind homosexuell aktiv. Zwei bis vier Männchen bilden oft eine Gemeinschaft, die gemeinsam den Löwinnen den Hof macht. Sie sind aufeinander angewiesen und vertreiben gemeinsam Gruppen anderer Löwen. Ihren Bund festigen sie, indem sie miteinander Sex haben. Forscher nennen das eine innige Männerbeziehung statt einer klassischen homosexuellen Beziehung.


  • Frauenmangel

    Bei den amerikanischen Bisons ist Sex unter Männern häufiger als heterosexuelle Verpaarungen. Der Grund: Die Weibchen paaren sich mit den Bullen nur einmal im Jahr. Wer den Drang verspürt, wenn gerade kein Weibchen verfügbar ist, vergnügt sich eben mit einem anderen Männchen. Über die Hälfte aller Besteigungen bei jungen Bisons trifft daher einen anderen Kerl.


  • Makaken und der One-Night-Stand

    Verpaarungen mit dem gleichen Geschlecht gefällt auch den Makaken. Männchen reicht allerdings eine Nacht schwules Vergnügen. Weibchen hingegen sind für gewöhnlich monogam und knüpfen enge Beziehungen zueinander – auch mit anderen Weibchen. Sie schlafen eng beieinander, putzen sich und verteidigen den anderen gegen Feinde.


  • Albatros-Bund fürs Leben

    Auch der Laysanalbatros, der auf Hawaii brütet, ist für gleichgeschlechtliche Verpaarungen bekannt. 30 Prozent aller Paare auf der Insel Oahu sind lesbische Pärchen. Sie sind monogam und bleiben für gewöhnlich ein Leben lang zusammen. Ihre Eier lassen sie von Männchen aus anderen Partnerschaften befruchten. Für das befruchtete Ei und das Küken sorgen die beiden Frauen dann gemeinsam.

  • Sexgeile Bonobos

    Bonobos sind die engsten Verwandten der Menschen. Ihr Motto: Liebe statt Krieg. Sie haben häufig Sex, auch mit Artgenossen des gleichen Geschlechts. Das macht ihnen Spaß, hilft ihnen aber auch, die soziale Leiter hochzuklettern und Spannungen abzubauen. Zwei Drittel aller homosexuelle Aktivitäten findet zwischen Weibchen statt. Aber auch Männchen tummeln sich gerne mal im Gras zusammen.

  • Homosexuelle Schwäne gründen eine Familie

    Wie viele andere Vogelarten bleiben Schwäne ein Leben lang bei demselben Partner. Und das kann durchaus ein gleichgeschlechtlicher Partner sein. Etwa 20 Prozent aller Schwanenpärchen sind schwul – und gründen trotzdem Familien zusammen. Ein Männchen paart sich beispielsweise mit einem Weibchen und vertreibt sie, sobald sie Eier gelegt hat. Oder das Schwulenpärchen adoptiert verlassene Eier.

  • Zärtlichkeit bei Walrossen

    Männliche Walrosse erreichen ihre Geschlechtsreife mit vier Jahren. Bis dahin sind fast alle schwul. Nach der Geschlechtsreife sind sie bisexuell: Sie paaren sich während der Fortpflanzungszeit mit Weibchen und haben den Rest des Jahres Sex mit Männchen. Es geht ihnen aber nicht nur um das Eine: Die Männchen umarmen einander und schlafen eng aneinander gekuschelt.

  • Die Vorlieben eines Schafs

    In Studien wählten acht Prozent der männlichen Hausschafe lieber einen anderen Bock als Partner, obwohl ausreichend fruchtbare Weibchen zur Verfügung standen. Wissenschaftler untersuchten die Gehirne dieser Schafe und fanden dort eine andere Gehirnstruktur als bei den heterosexuellen Artgenossen. Ihr Gehirn setzte weniger Geschlechtshormone frei.

    Autorin/Autor: Anne-Sophie Brändlin

Der zweite Zweck: Der Beleidigte will mit seinem Verhalten soziale Macht zurückgewinnen. Wenn sich der beste Freund tagelang nicht meldet, kann das ein Hinweis darauf sein, dass er sich beleidigt fühlt – und dass er durch den Abbruch der Kommunikation den „Täter“ dazu bringen will, sich schuldig zu fühlen oder sich Sorgen zu machen und auf ihn zuzugehen. „Mit dem Rückzug will der Beleidigte nicht die Beziehung abbrechen“, so Merten, „er signalisiert, dass die Initiative beim Täter liegt. Er soll die Herabsetzung rückgängig machen, etwa indem er sich entschuldigt.“

Bleibt der dritte Zweck: die Revanche. Auch hier schweigt der Freund – aber um dem „Täter“ wehzutun, der sie zuvor übergangen hat. „Der Beleidiger wird in ähnlicher Weise missachtet, wie er es dem Opfer gegenüber getan hat“, beschreibt Merten das Verhalten. So versuche er seinen verletzten Stolz zu überwinden.

4. Nebenwirkungen

„Beleidigtsein hat das Potenzial, ernsthaftes soziales und psychisches Chaos anzurichten“, schreibt Joseph Berke. Tatsächlich kann beleidigtes Verhalten erhebliche Nebenwirkungen entfalten. Eine Form des sozialen Chaos zeigt sich zum Beispiel, wenn Paare streiten. Der Hamburger Persönlichkeitspsychologe Philipp Y. Herzberg hat Streitstile von Paaren betrachtet, darunter auch die Methode Rückzug. Kennzeichnende Merkmale: für längere Zeit schweigen, den anderen ignorieren – alles typisch für ein beleidigtes Verhalten. Wenn Paare in den Teufelskreis des Beleidigtseins geraten – wenn einer der Partner sich beispielsweise immer zurückzieht, während der andere sich keine Mühe mehr gibt, an ihn heranzukommen –, besteht die Gefahr, dass sich Paare auseinanderleben. „Wer keine offene Diskussion führt, sich nicht offenbart, kann in Konfliktsituationen keine sinnvollen Lösungen finden“, so Herzberg: „Solches Verhalten kann eine Partnerschaft erodieren.“

Auch das individuelle psychische Chaos, über das Berke schreibt, ist mit gefährlichen Nebenwirkungen verbunden. Menschen, die immerzu beleidigt reagieren, laufen Gefahr, eine Depression zu entwickeln. „Sich ständig selbst auszuschließen schlägt auf das Gemüt“, sagt der Emotionspsychologe Gerhard Stemmler. Nicht von ungefähr enthält Beleidigtsein das Wörtchen „Leid“.

5. Wartung und Pflege

Beim Umgang mit Beleidigten ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Du hast doch was!“ führt selten zu Lösungen. Besser sei es, der schmollenden Person mit Humor zu begegnen und ihr einfach zu zeigen, dass man sie gern hat, empfiehlt Stemmler. Auf jeden Fall sei es wichtig, auf die beleidigte Person zuzugehen, denn sich selbst aus der Situation zu befreien erfordere sehr viel Selbstdisziplin und das Eingeständnis, dass man sich irrational verhalten hat. Das fällt den meisten ziemlich schwer.

Wer es häufig mit Beleidigten zu tun hat, sollte laut Philipp Y. Herzberg offen kommunizieren und versuchen, Streitmuster zu durchbrechen: „Ich weiß gar nicht, was ich machen soll“, könnte man seinem Gegenüber erklären. Oder man beginnt ein neues Gespräch: „Ich habe zwei Schritte auf dich zugemacht, du hast nicht reagiert. Sollen wir darüber sprechen, oder soll ich dich in Ruhe lassen?“ Auf diese Weise gibt man dem Beleidigten Raum, sich anders zu verhalten. In einer Paartherapie würde man empfehlen, die Vogelperspektive einzunehmen und mit ein bisschen Distanz zu reflektieren, wohin das Verhalten führt, das man sich womöglich über Jahre hinweg angewöhnt hat. „Derjenige, der sich immer wieder zurückzieht, muss lernen, dass eine Selbstoffenbarung gegenüber seinem Partner eine positive Erfahrung sein kann“, sagt Herzberg.

Eine andere Möglichkeit ist: Man kann sich ein beleidigtes Verhalten auch einfach mal schöndenken, zumindest für eine Weile. „Es ist ein Privileg, einen solchen Stimmungseinbruch mitzubekommen“, schreibt der Philosoph Alain de Botton, denn es bedeute, dass der Beleidigte uns zutraue, dass wir stillschweigend verstehen, was für ihn so verletzend ist.

Amelie Breitenhuber könnte an dieser Stelle schreiben, dass sie durch ihre kleine Schwester im Umgang mit Beleidigten erprobt ist. Nur wäre diese dann vermutlich beleidigt, und das folgende soziale oder gar psychische Chaos muss ja nicht sein.

Was sich Männer und Frauen nach einem Streit wünschen

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Bei einem Streit kann einiges zu Bruch gehen. Manchmal Tassen oder sogar Möbelstücke, aber vor allem Vertrauen und Respekt. Wenn ein Paar dann versuchen möchte, die Verletzungen wieder wett zu machen, reicht ein zerknirschtes „Es tut mir leid“ oft nicht aus. Damit der Partner merkt, dass es einem wirklich leid tut, müssen Taten folgen.

Aber welche?

Dieser Frage haben sich Psychologen der Bucknell University angenommen. Sie wollten wissen, welche Verhaltensweisen Männer und Frauen als besonders effektiv für die Versöhnung ansehen. Und inwiefern es dabei Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Quelle: Getty Images/Digital Vision

Dazu baten sie zunächst 74 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren, fünf Verhaltensweisen aufzulisten, mit denen man sich bei einem Partner entschuldigen könne. Aus den Ergebnissen erstellten die Wissenschaftler 21 Kategorien, die sie einer zweiten Gruppe von Probanden vorlegten. Die zweite Gruppe wurde gebeten, anzugeben, welche Verhaltensweisen sie für besonders effektiv hielten.

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Dabei stellte sich heraus, dass Kommunikation, wiederholtes Entschuldigen, dem Partner vergeben, Zeit miteinander zu verbringen und Kompromisse einzugehen, durchweg als am effektivsten eingestuft wurden.

Allerdings stellte sich auch ein Unterschied zwischen Männern und Frauen heraus.

Männer, so die Studie, befanden lieb gemeinte Gesten und Sex als besonders effektiv.

Frauen könnten sexuelle Gefälligkeiten nutzen, um sich wieder zu vertragen. Dadurch wird dem Mann vermittelt, dass sie immer noch sexuell aufgeschlossen sind und die Beziehung nicht beenden wollen.Quelle: Getty Images/The Image Bank

Für Frauen sei gemeinsam verbrachte Zeit hingegen relevanter, da so signalisiert werde, dass der Partner sich Mühe gebe und eben auch bereit sei, Zeit und emotionale Unterstützung zu investieren. Zudem gaben die befragten Frauen an, auch Tränen des Partners als effektives Versöhnungsmittel zu sehen.

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Tränen, so scheint es, werden als authentischer Beweis für die Sorge um eine Beziehung gesehen.

Wer nun aber angesichts dieser Ergebnisse glaubt, es sich ganz einfach machen zu können und vom Partner oder der Partnerin – im Namen der Versöhnung – Sex oder Tränen einfordert, der sollte sich zunächst klarmachen, dass diese Ergebnisse lediglich die gespürte oder angenommene Effektivität widerspiegeln. Wie effektiv diese Taten tatsächlich sind, müsste in Beobachtungsstudien eingehender untersucht werden.

Was hingegen eindeutig belegt ist, ist die Tatsache, das Versöhnen uns gut tut. Und das nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch in Bezug auf die Gesundheit. Wer sich mit jemandem versöhnt, tut nicht nur seinem Herzen etwas Gutes, sondern weist auch grundsätzlich eine gesündere Lebensweise auf. Wer sich entschuldigt, reduziert zudem Stress. Und – auch das ist entscheidend – kann womöglich dazu beitragen, eine Beziehung zu kitten. Wie auch immer die Entschuldigung aussieht.

Kindheitstraumen

Verletzungen im Kindesalter – Kindheitstraumen

Unter dem Begriff „Kindheitstraumen“ sind die emotionalen und / oder physischen Verletzungen im Kindesalter zu verstehen. Dabei reicht das Spektrum von Mikro-Traumen bis hin zu extremen Traumatisierungen.

Der Grad der Traumatisierung hängt von dem Ausmaß und der Tiefe der Verletzung, der Dauer, den Wiederholungen und vom Grad des Ausgeliefert-Seins ab.

Nur wenige Traumatisierungen werden in dem Zeitraum, in dem sie stattfanden, bekannt.

Ein Teil der traumatisierten Kinder erinnert sich im Erwachsenenalter an die erlebten Verletzungen.

Die meisten Menschen aber, die in ihrer Kindheit intensiven traumatisierenden Einwirkungen ausgesetzt waren, haben keine Erinnerungen an das Vorgefallene. Wobei diese Aussage nicht ganz stimmt, denn meist fehlen nur die mentalen Erinnerungen – der Körper hingegen, erinnert sich sehr genau.

In manchen Fällen ist das Körperempfinden ebenfalls abgespalten. Das ist häufig ein Zeichen dafür, dass traumatisierende Erlebnisse der Vergangenheit unter Verschluss gehalten werden.

Die aus Traumen heraus entstehenden Symptome der Erwachsenen werden häufig nicht als Folge von Kindheitstraumen erkannt.

Trauma auslösende Faktoren in der Kindheit:

  • Chronische familiäre Disharmonie mit / ohne Gewalt
  • Trennung / Scheidung der Eltern
  • Emotionaler oder körperlicher Missbrauch
  • Sexueller Missbrauch
  • Emotionale oder körperliche Misshandlung
  • Emotionale oder körperliche Vernachlässigung
  • Gewalttätigkeiten der Mutter oder den Geschwistern gegenüber (die das Kind miterlebt)
  • Alkohol oder Drogenmissbrauch von Bezugspersonen
  • Psychische Erkrankungen der Eltern / Bezugspersonen

Traumen können willentlich oder unwillentlich, bewusst, halb-bewusst oder unbewusst gesetzt werden. Wobei die Grenzen fließend sind.

Täter und Opfer

Bei gewollt und bewusst gesetzten Verletzungen sind die Täter ohne Mitgefühl. Die Art des Umgangs mit dem Opfer ist das Mittel der Befriedigung bewusster oder unbewusster Antriebe. Die Art des Antriebs entsteht dabei aus der persönlichen Geschichte des Täters, beziehungsweise dessen Familiengeschichte.

Täter haben häufig die Tendenz die Verantwortung für ihr Handeln von sich zu weisen. Dann rechtfertigen sie sich oft dadurch, dass sie dem Kind die Schuld an den Vorgängen zuweisen, indem sie z.B sagen.: „…du bist selbst schuld. Wärst Du gehorsam gewesen, hätte ich dich nicht prügeln müssen.“ Sexuelle Übergriffe werden häufig gerechtfertigt durch Sätze wie: „Das Kind wollte es ja so“.

Solche und ähnliche Aussagen, machen das Kind nicht nur zum hilflosen Opfer, sondern vermitteln ihm zusätzlich, dass es sein Leid selbst verursacht, beziehungsweise den Täter dazu gebracht habe, sich so zu verhalten.

Damit die Tat des Täters nicht ans Licht kommt, drohen Täter ihren kindlichen Opfern furchtbare Strafen an, falls sie über das Vorgefallene sprechen. Das hat zur Folge, dass das Kind bei niemandem Hilfe suchen kann und möglicherweise erneuten Traumatisierungen hilflos ausgeliefert ist.

Meist sind aktiv verletzende Täter, frühere Opfer, die einzig aus ihrem Überlebenstrieb (Stammhirn) heraus agieren. Die höher entwickelten Gehirnteile (Limbisches System und Neocortex) scheinen – durch die früher durchlittenen Gewalterfahrungen – weitgehend inaktiv zu sein, so dass der Überlebenstrieb nicht ausreichend moduliert werden kann und die Gewalt weiterhin in die Welt gebracht wird – nach dem Motte: „Fressen oder gefressen werden“

Verletzungspotenzial in Familien

In Familien kommen physische und psychische Verletzungen in allen Formen und allen Abstufungen vor.

Eltern – die Kinder von gestern

Nicht gewollte Verletzungen der Kinder geschehen häufig im Familienalltag – zum Beispiel durch gestresste Eltern, streitende Eltern und Ungerechtigkeiten – oder die Eltern sind nicht einfühlsam, vertreten starre Erziehungsprinzipien, die den Kindern nicht gerecht werden.

Strafende Eltern wollen verletzen, denn das Kind soll durch die Verletzung lernen. Das gleiche Prinzip gilt für bemächtigende und manipulierende Eltern. Sie wollen das Kind mit allen Mitteln zur Räson bringen.

Verletzungen die im Halbbewusstsein erfolgen, sind der wohl meist verbreitete Umgang mit Kindern.
Darunter fällt zum Beispiel das Ausagieren von psychischen Inhalten, die weder verarbeitet, noch an die richtige Adresse gebracht werden können.

Ein Beispiel:

Die gestresste Mutter kommt am späten Nachmittag von der Arbeit nach Hause und ihre ersten Worte zu ihrem 8-jährigen Sohn sind in scharfem Ton gesprochen:

„Kannst Du denn nicht zur Tür kommen – wenn du schon hörst, dass ich nach Hause komme – und mir die Einkäufe abnehmen?“

Kind: „… aber du hast doch gar nicht geklingelt!“

Mutter: „Sitzt du denn auf deinen Ohren, dass du nicht hörst wenn ich die Türe aufschließe!? Aber wahrscheinlich warst du einfach wieder einmal mit deinen blöden Computerspielen beschäftigt. Was will man denn schon von jemandem verlangen, der nichts anderes als diese dummen Spiele im Kopf hat.
Jetzt mach doch endlich die Eingangstüre zu! Du siehst doch, dass ich die Hände voll habe!“

In diesem Dialog klagt die Mutter das Kind mit jedem Wort an, obwohl es, oberflächlich betrachtet, so aussieht als würde sie Fragen stellen.

Würde die Mutter auf solch eine Szene angesprochen, könnte sie versucht sein, sich ins rechte Licht zu setzen, indem sie ihren Sohn „opfert“: „Mein Gott, Sie wissen ja gar nicht, es ist immer dasselbe mit dem Jungen. Er hört einfach nicht, tut nie was man ihm sagt. Ich geh zur Arbeit, mache den Haushalt, muss dann das Essen vorbereiten; und genau dann kommt er mit seinen Hausaufgaben. Kann er die denn nicht am Nachmittag machen. Er hat doch genügend Zeit!“

Kinder – Eltern von morgen

Dies mag sich alles nicht sehr spektakulär anhören.
Für das Kind ist diese Form des Umgangs jedoch vernichtend, da die Mutter von Anfang an gegen das Kind ist, und dem Kind darüber hinaus noch suggeriert, dass sie deshalb verstimmt sei, weil das Kind nicht richtig ist.

Sätze die mit „Kannst du denn nicht… „, „musst du schon wieder… „, „hast du immer noch nicht…“, „wenn du schon mal… “ beginnen, sind dazu da, ein Gefälle zwischen den interagierenden Personen zu erzeugen, wobei der Sprecher „der Große“ ist und der Andere zum „Kleinen“ wird. Wer dies nicht durchschaut, kann sich dem kaum entziehen, sondern verfängt sich in Erklärungen und Rechtfertigungen.

Je häufiger diese Art der Kommunikation stattfindet, um so mehr glaubt das Kind, dass es nicht richtig sei, ungenügend und dumm. Es meint, wenn es sich richtig verhielte, dann würde es geliebt. Es kann nicht erkennen, dass die Mutter, einfach nur ihren Unmut – vielleicht über ein Ereignis an ihrem Arbeitsplatz – an dem Kind ausagiert.

Im Erwachsenenalter könnte dieses Kind dann dazu neigen, die eigenen Kinder ebenso zu behandeln, in dem Versuche einen Teil des verlorenen Selbstwertes wieder zu erlangen.

Merke: Eltern können nur das geben, was sie selbst zur Verfügung haben!
—– ———Und Eltern können lernen und sich weiter entwickeln!

Wenn Scheidungskinder erwachsen sind“Meine größte Angst ist, dass mir das auch passiert“

Von Teresa Sickert

Podcast abonnieren Kinder, die die Trennung ihrer Eltern bewusst erlebt haben, machen sich häufig selbst Vorwürfe. (Imago Stock & People)

Welche Spuren hinterlässt eine Trennungserfahrung im Elternhaus bei den Kindern? Drei inzwischen erwachsene Scheidungskinder sprechen über ihre Einstellungen und Ängste zu Liebe und Partnerschaft. Eine Erkenntnis: Die Trennung der Eltern gehört zu den prägendsten Erfahrungen im Leben.

„Als meine Eltern sich getrennt haben, war ich 17, das war 1998 und das war tatsächlich eher eine schmutzige Angelegenheit, würde man glaube ich sagen.“

Sebastian Ebel ist ein Nachscheidungskind. So bezeichnet man Kinder, die die Scheidung ihrer Eltern bereits durchlebt haben.

„Die Trennung als solche war fast eher ne Erleichterung. Eher so, dass ich gedacht habe: Jetzt endlich macht ihr’s mal, wird ja jetzt auch mal Zeit.“

1998, also in dem Jahr in dem sich Ebels Eltern trennten, sind 157 Tausend Minderjährige von einer Scheidung betroffen. Die Scheidungsrate in Deutschland geht in den folgenden Jahren einem historischen Höchststand entgegen.

„Tatsächlich war dann aber der Auslöser für die Trennung, dass mein Vater eine neue Beziehung hatte und diese Beziehung hat mich tatsächlich schwer geschockt, damit hatte ich nie gerechnet, weil ich nämlich diese Frau – die jetzt die neue Frau meines Vaters ist bis heute – sehr sehr gut kannte.“

Langzeitstudie mit über 60 Scheidungsfamilien

Und so ist die Erleichterung für Ebel nur von kurzer Dauer. Die schon lange unterkühlte Atmosphäre Zuhause kippt noch weiter, nachdem der Betrug des Vaters öffentlich wird.

„Da ging die Schlammschlacht tatsächlich richtig los. Natürlich weil meine Mutter tief verletzt war und das tatsächlich auch bis heute sogar noch ist, das merke ich immer wieder. Und da haben auch meine Eltern dann keinen Umgang mehr miteinander gefunden, konnten gar nicht mehr miteinander reden und eigentlich zieht sich das auch bis heute – dass die da keinen Umgang finden, nicht drüber reden konnten und da auch bis heute nicht drüber reden können.“

„Ja, die Eltern spielen eine ganz wichtige Rolle dabei. Denn es ist ja deren Konfliktneigung, die die Kinder belastet und die auch zur Trennung führt. Und die müssen dann ja nach der Scheidung wieder zu einer Kooperation, insbesondere in Bezug auf die Betreuung des Kindes kommen. Das müssen sie dann irgendwie schaffen. Bleibt es bei einer konflikthaften Beziehung zwischen den beiden, gerät das Kind in Loyalitätskonflikte. Dann ist jetzt aus der Sicht des Kindes durch die Scheidung nicht viel gewonnen.“

Manchen Töchtern, die ihre Väter nur selten sehen und alleine bei der Mutter aufwachsen, fehlt der Kontakt mit männlichen Rollenbildern. (Imago Stock & People)

So der Scheidungsforscher Ulrich Schmidt-Denter. Er hat in den 90ern Jahren eine Langzeitstudie mit über 60 Scheidungsfamilien gemacht. Von daher weiß der emeritierte Professor für Entwicklungs- und Erziehungspsychologie, dass gerade die Phase nach der Trennung entscheidend für Kinder und Jugendliche ist. Jetzt sollten die Eltern beispielhaft zeigen, wie eine Trennung bewältigt werden kann. Scheidungskindern geht es nämlich langfristig besser, wenn die Eltern nach der Scheidung kooperieren und Konfliktsituationen vermeiden. Und: Wenn die Familie wieder partnerschaftliche und intakte Beziehungen aufbaut.

„Die Verarbeitung des Trennungsgeschehens hängt natürlich auch davon ab wie die Eltern, insbesondere die Mutter, bei der die ja meistens leben, ihre weitere Beziehung gestaltet. Das heißt, ob sie alleinerziehend bleibt und die Tochter vielleicht nie so richtig ein Konzept entwickelt, ja was ist eigentlich ein Mann? Was sind Beziehungen zu einem Mann? Wie werden die gestaltet? Alles das beeinflusst das Konzept der Jugendlichen in Bezug auf Paarbeziehung.“

„Was glaube ich für mich sehr schwierig war, jetzt im Nachhinein, war das Alter – gerade als Frau, wenn man dann nicht so regelmäßig mehr seinen Vater sieht. Weil mein Vater ist genau zu der Zeit gegangen, als ich Frau geworden bin und es ist auch ganz häufig so gewesen, dass es für ihn auch komisch war mich so als langsam Jugendliche, als Frau zu akzeptieren.“

Emilia Zessens Eltern trennten sich zwei Mal. Beim ersten Mal war sie 12, beim zweiten 15 Jahre alt. Dann blieb es bei der Trennung und die Mutter erst einmal allein. Der Vater hatte neue Frauen, war nicht mehr Teil des Alltags und Einzelkind Emilia wurde zum Partnerersatz für ihre Mutter.

Kinder fühlen sich für das Seelenheil der Eltern verantworltich

„Ich war dann auf einmal für die der Gesprächspartner und dann hat sie mir viel erzählt, wo ich im Nachhinein denke, dass es nicht so geil war, dass sie mir das alles erzählt hat: Dass sie sauer auf ihn ist, was sie ihm gegenüber alles empfindet – irgendwelche Details, die ich in dem Alter nicht gebraucht hätte.“

Viele Scheidungskinder fühlen sich für das Seelenheil ihrer Eltern verantwortlich: Sie wollen stark sein und übernehmen nach der Scheidung die Rolle der Eltern. Und dann sind sie irgendwann selbst erwachsen – und leiden unter ihrer verpassten Kindheit.

Emotionaler Missbrauch ist das, wenn die Eltern die seelischen Pflegedienste ihrer Kinder in Anspruch nehmen, sagt die Berliner Psycho- und Paartherapeutin Miriam Junge. Manipulationen, Intrigen oder der Versuch das Kind auf eine Seite zu ziehen, können teilweise schwere Wunden verursachen. Sie zeigen sich später häufig in eigenen Verhaltensweisen im Erwachsenenalter.

„Und dann arbeite ich mit schematherapeutischen Interventionen. Was bedeutet dass man versucht dieses innere Kind zu sehen, das leidet. Das mit ganz großen traurigen Augen dasteht: Ich weiß nicht wieso ich mich nicht entscheiden kann und ich fühle mich schuldig und diese Schuld spürt der Patient dann häufig im Erwachsenenalter – mit einer Eifersucht und Wut und einem Gemisch aus sehr explosiven Gefühlen, die überhaupt nicht einzuordnen sind. Und wenn man dann aber den Zusammenhang zu dem inneren Kind das vielleicht vier, fünf, sechs Jahre alt ist herstellen kann, dann ist es plötzlich ganz offen und zugänglich und meistens ist das dann der Moment, in dem der Patient emotional hier ist, bei mir ist. Und wir da daran arbeiten können und traurig sein können und nachbeeltern können und diesen Gefühlen Raum lassen können, damit sich das heute verändert.“

„Er nahm etwas von mir, er nahm kleine Stücke von mir, kleine Stücke im Laufe der Zeit, so klein, dass ich es nicht bemerkt habe. Er wollte, dass ich etwas bin, das ich nicht war und ich machte mich zu dem, was er wollte. Ich log für ihn, gefährdete meine Karriere und stimmte einer Heirat zu und einen Ring zu tragen und eine Braut zu sein. Bis ich dort stand in einem Hochzeitskleid, ohne Augenbrauen und ich nicht mehr Christina Yang war. Und selbst dann hätte ich ihn geheiratet. Ich hatte mich lange verloren.“

Damit die Liebe hält, verbiegt sich so manches Trennungskind für den Partner – so wie die toughe Ärztin Christina Yang, eine der Heldinnen von Grey’s Anatomy. Die amerikanische Arztserie wurde mit mehreren Emmys und Golden Globes ausgezeichnet. Eigentlich geht es um die Beziehungsprobleme der Thirtysomethings. Die Serie ist seit über zehn Jahren ein Erfolg – auch in Deutschland. Wahrscheinlich, weil sie die Unsicherheiten der heutigen Zeit aufzeigt. Den Druck, der auf jungen Erwachsenen lastet: Du musst alles geben, du musst erfolgreich sein, flexibel, du musst dich im Griff haben. Für manche wird in so einer Situation die Beziehung zum Zuhause – für andere wird sie zum Gefängnis.

„Am Ende der Beziehung habe ich mich gefragt, wo bin ich denn geblieben in der Beziehung? Ich gehe viele Kompromisse ein und gehe dann auch den Konflikten aus dem Weg, weil ich selber die Situation nicht mag, dass es n Konflikt gibt und das liegt schon daran, weil ich einfach nicht das Vertrauen habe, dass diese Beziehung ewig hält. Und dann denke ich wahrscheinlich unterbewusst: Ich muss alles schön machen, alles richtig, dann hält’s. „

Im Verborgenen wirkt die Scheidung der Eltern nach

Als Emilia Zessens Beziehung zerbricht, wird der heute 32-Jährigen klar: Das Gefühl von Schuld oder etwas schuldig zu sein hat sie ihr Leben lang verfolgt. Auch wenn sie nach außen und vor sich selbst den Anschein erweckte: die Trennung der Eltern war gar nicht so schlimm.

„Also ich bin ja jetzt erst dabei, mit Anfang 30, das jetzt alles nach und nach aufzuarbeiten, was das mit mir gemacht hat und ich glaube, dass es einen ganz großen Einfluss auf mich hatte. Damals war es das Beste was ich machen konnte, um damit umzugehen – es ist für mich nach wie vor immer der leichtere Weg stark zu sein und mich auf mich zu verlassen, als irgendwohin zu gehen und jemandem zu sagen, wie ich mich fühle. Das ist was, was ich jetzt erst wirklich lerne. Und es kam auch nie – interessanterweise nie – irgendjemand aus meiner Familie mal zu mir, auch Großeltern oder so und haben mal gefragt: Wie geht’s dir eigentlich damit?“

„Die meisten verklären ihre Vergangenheit häufig sehr positiv. Das war jetzt gut und das hab ich alles gut verkraftet und dann merkt man aber bei so kleinen kleinen Tönen doch, dass da noch sehr viel Trauer oder Verletzung oder Wut oder Angst oder alles Mögliche noch einmal verpackt wurde und eigentlich heute doch dysfunktional zeigt. Und dann wird das nochmal sehr speziell angeguckt und dann nach drei, vier Sitzungen kommt raus – ja war doch nicht so toll. Da kann man sich ja am Schluss doch noch mal damit versöhnen. Aber das hinterlässt Spuren. Eigentlich bei jedem.“

Ob Depressionen oder Burnout – die Trennung der Eltern kann psychische Folgen haben. (Imago Stock & People)

Tatsächlich ist die Verarbeitung einer Scheidung für Kinder und Jugendliche eine lebenslange Aufgabe. Allein zwischen 1998 und 2004 betrifft das fast 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche. Zwar sind die Auswirkungen der elterlichen Trennung in den ersten Monaten am stärksten und lassen mit der Zeit immer mehr nach. Dennoch: die Scheidung ist für die Kinder eine kumulative Erfahrung. Bei späteren Entwicklungsaufgaben wird die Problematik immer wieder akut und die Folgen erneut und auf verschiedene Weise erlebt.

„Wenn man selber heiratet, aber auch bei Familienfesten, sagen wir mal man macht Abitur, gibt es schon wieder die Frage, lädt man den Vater, der vielleicht schon eine eigene Familie hat mit dazu ein oder nicht. Da kommt das Ganze wieder hoch. Oder wenn man dann in das Alter kommt, in dem die Eltern sich haben scheiden lassen vielleicht auch eine Krise erlebt.“

Magenschmerzen, Sprachverlust, Depressionen

Die großen Lebensentscheidungen in den ersten drei Jahrzehnten nach der Trennung – wie der Eintritt ins Berufsleben, die Abnabelung vom Elternhaus und auch die eigene Partnerwahl – werden anders als bei Nicht-Scheidungskinder von diesen Prozessen überlagert. Ohnehin stehen heutige junge Erwachsene vor großen Herausforderungen: Der Wohlstand der Eltern lässt sich nicht mehr erreichen, Arbeitsverhältnisse sind unsicher und verlangen eine immer stärkere Mobilität und Flexibilität, Familien leben nur noch selten an einem Ort, um sich gegenseitig zu unterstützen. All das sind zusätzliche Belastungen für Beziehungen. Viele erwachsene Scheidungskinder kommen deshalb in einer späteren Lebensphase nicht oder schlechter zurecht, weil ihre Ressourcen bereits von den inneren Konflikten erschöpft sind. Mögliche Folgen: Depressionen, Anpassungs- oder Abgrenzungstörungen, Ängste, Panik oder auch körperliche Beschwerden.

„Menschen, die plötzlich im Hier und Jetzt eine große Angst haben verlassen zu werden oder aber auch eine Panik-Störung als eine Reaktion auf Stress oder berufliche Belastung, die dann das Ventil der Angst bekommt, da ist dann häufig die Ursache in frühkindlichen Trennungsschwierigkeiten.Man kann sich das so vorstellen, dass gesammelte Emotionen in einem drin sind. Die sind da, die gehen nicht raus und wenn man diese Gefühle nicht rauslässt durch Sprechen oder durch eine andere Problembewältigung, dann sammeln die sich an und finden ihr Ventil in einem psychischen Symptom.“

Wenn es ums Loslassen geht, stellt das Scheidungskinder unter Umständen vor große Herausforderungen. Da ist die Kündigung durch den Arbeitgeber, ein Todesfall oder das Ende einer Beziehung und auf einmal kommt man nicht mehr klar – so gar nicht.

Ein Kloß im Hals, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magenschmerzen, Sprachverlust, Depressionen, Rückzug, Burn-out, Interessenverlust.

Trotzdem werden Nachscheidungskinder nicht zwangsläufig unglückliche oder gescheiterte Erwachsene. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, sagt Psychotherapeutin Junge.

„Wie resilient der Mensch war, wie das Umfeld damals von dem einem Kind war, wie die Eltern damit umgegangen sind, ob es alleine war, ob es nicht alleine war, wie sehr es die Problematik verpackt hat und ne Bewältigung geschaffen hat mit Rückzug oder ich bin superstark, also eine Überkompensation(…).“

Wenn die Familie nach der Scheidung nicht völlig auseinander gebrochen ist, sondern ein Umgang immer noch möglich ist, kann das auch eine Chance sein.

„Ich finde halt: Es zeugt schon von viel Größe, wenn man einfach den Dingen seinen Lauf lässt, ohne dass jemand den anderen schlecht macht. Es war nie so, dass Mutti gesagt hat „Oh Papa und hier und da und das geht gar nicht“. Und Papa hat auch nie Mutti schlecht gemacht, also es war immer immer freundlich, lieb und nett. Keiner hat irgendwen schlecht dargestellt, keiner hat irgendwem verboten irgendwen zu sehen, wenn wir zu Papa wollten, durften wir das machen. Wenn wir keine Lust hatten, war auch keiner böse. (…) Also es war halt eigentlich alles wie vorher. Nur nicht mehr in einer Wohnung.“

Kooperative Eltern machen es ihren Kindern leichter

Dana Kaselows Eltern trennten sich als sie 14 war – ohne Rosenkrieg, ohne Intrigen und ohne Gezerre an den zwei gemeinsamen Kindern. Dana Kaselow bleibt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach der Trennung in der alten Wohnung, geht weiter auf dieselbe Schule, Freunde und Umfeld bleiben gleich. Die neue Wohnung des Vaters kann sie zu Fuß erreichen. Als Jugendliche war Kaselow eine Zeit lang verzweifelt und später eifersüchtig auf die neuen Partner ihrer Eltern. Heute ist die 29-Jährige selbst verheiratet. Und die gesamte Familie glücklich mit der neuen Konstellation.

„Mutti hat ja nochmal geheiratet, da war mein Papa mit seiner Freundin auch zur Hochzeit. Zu meiner eigenen Hochzeit haben sie sogar zusammen in einer Finca geschlafen. Also irgendwie zeigt all das, dass das vielleicht die richtige Entscheidung damals war. Sie sind beide glücklich. Jeder hat einen neuen Partner mit dem man glücklich ist, zufrieden. Daher glaube ich dass das schon alles alles gut so war.

Ich habe Respekt davor, wie die beiden miteinander trotz dieser Trennung umgegangen sind und ob ich das selber könnte, wenn ich irgendwann mal in so eine Situation bin. Das weiß ich nicht ob das so…. Also ich finde es bewundernswert. Und ich glaube daraus könnte ich lernen, falls ich jemals in so eine Situation kommen sollte. Also ich würde auf jeden Fall Mutti und Papa zu Rate ziehen und um Rat fragen, wie die das damals so hinbekommen haben.“

Scheidung der Eltern beeinflusst das eigene Bindungskonzept

Viele Scheidungskinder haben nicht das Glück wie Dana Kaselow, dass sich die Eltern nach der Scheidung immer noch verstehen. Häufig wechselt auch das Umfeld. Emilia Zessen sucht sich einen Ersatz für die zerbrochene Familie. Kurz nach der Trennung der Eltern – mit 15 Jahren – hat sie ihren ersten festen Freund.

„… der hatte eben Zuhause noch das komplett konträre Familienbild. Da war wirklich noch die Welt in Ordnung: Die Eltern zusammen, noch ne Schwester und dann hab ich da unglaublich viel Zeit verbracht. Und im Nachhinein weiß ich auch, ich habe da so meine kleine Familie gefunden, die ich dann in meiner eigenen eben nicht mehr hatte.“

„Ja es hat sich gezeigt, dass insbesondere bei den Mädchen das Interesse an heterosexuellen Beziehungen früher ist als bei Mädchen aus vollständigen Familien, dass sie auch häufigere Partnerwechsel haben, aber später heiraten als Mädchen aus vollständigen Familien. Da sieht man schon eine gewisse Verunsicherung des Bindungskonzeptes.“

Stellt Scheidungsforscher Ulrich Schmidt-Denter fest.

Grey’s Anatomy: „Denn was, wenn du lernst, dass du Liebe brauchst und dann hast du sie nicht. Was, wenn es dir gefällt und du dich auf sie verlässt. Was, wenn du dein Leben um sie herum formst und es dann … auseinanderfällt. Kannst du diesen Schmerz überhaupt überleben? Die Liebe zu verlieren ist wie ein Organschaden. Es ist wie Sterben. Der einzige Unterschied ist: Der Tod endet … aber das – kann ewig weitergehen.“

Meredith Grey ist die Hauptfigur aus Grey’s Anatomy. Eine Ärztin und ein Trennungskind, das mit der Liebe hadert. Die Gefühle, die die Serienheldin beschreibt, scheinen viele Jugendliche aus Scheidungsfamilien zu kennen. Der Schmerz über den Verlust sitzt auch bei Emilia Zessen tief.

Angst, dieselben Fehler zu machen

„Wovor hast du Angst?“
„Boah, ich hab’s die ganze Zeit nicht geschafft zu heulen. Die größte Angst eigentlich die, die ich hätte in dem Zusammenhang ist, dass ich auch einen Partner hab, mit dem ich lange zusammen bin, wir heiraten, Kinder kriegen und denen das dann auch passiert.

Wahrscheinlich sind es solche Ängste, die viele Scheidungskinder davon abhalten tiefe und verbindliche Beziehungen einzugehen. Warum sie weglaufen, bevor es zu schmerzhaft werden könnte. Es fehlt an positiven Beziehungsvorbildern. Und die inneren Vorstellungen davon, wie Bindungen und Beziehungen funktionieren, werden schon im Kindesalter geprägt. Sie wirken ein Leben lang und nehmen Einfluss auf die spätere Gestaltung von sozialen Beziehungen.

„Ich hab tatsächlich auch meinen Vater mal gefragt, ward ihr am Anfang eigentlich glücklich. Und da hat er mir die erschreckende Antwort gegeben: Eigentlich so richtig glücklich waren wir nie. (…) Das ist auch ein Punkt, den ich auch erst lernen musste in Beziehungen, dass man nett und liebevoll miteinander umgeht und das auch aktiv macht und sich auch mal nette Dinge sagt und sich eher bestätigt. Das hab ich tatsächlich nicht so von meinen Eltern gelernt und vorgelebt bekommen.“

Lieblose Beziehungen gibt es natürlich auch ohne, dass es zu einer Trennung kommt – auch sie sind für die betroffenen Kinder belastend. Trotzdem erscheint es kaum verwunderlich, dass Sebastian Ebel, bei der Frage danach, was Liebe für ihn bedeutet, Don Draper zitiert – den Kreativdirektor einer Werbefirma aus der Serie Mad Men.

„Du meinst Liebe. Du meinst den großen Blitz ins Herz, wo du nicht essen kannst und du kannst nicht arbeiten und du gehst einfach weg und heiratest und machst Babys. Der Grund, warum du es nicht gefühlt hast, ist, weil es nicht existiert. Was du Liebe nennst, wurde von Typen wie mir erfunden, um Feinstrümpfe zu verkaufen. Du bist alleine geboren und du stirbst alleine und diese Welt überschüttet Dich mit Regeln, damit du diese Tatsachen vergisst.“

„Hm. Ähm. Also Don Draper aus Mad Men sagt ja Liebe haben Leute wie er erfunden, um Damenstrumpfhosen zu verkaufen – zu dem Begriff Liebe hat sich meine Einstellung auch ein bisschen verändert. Auch da analog zu dem Begriff der Ehe habe ich in den 20ern eher gedacht, das gibt’s eigentlich gar nicht. Das ist schon auch irgendwie so’n Konstrukt, was sich die Gesellschaft ausgedacht hat. Tatsächlich kommt es wirklich aus so ner romantischen Vorstellung weiß ich nicht aber auf jeden Fall, was was sich Menschen irgendwie ausgedacht haben. Ich glaube Liebe ist eigentlich für mich so ne besondere Zuneigung zu einem Menschen, die sehr sehr stark ausgeprägt ist. Das ist glaube ich für mich Liebe. Gott, das hört sich sehr technisch an. Aber irgendwie ja so.“

Sebastian Ebel ist 36 und lebt in einer festen Partnerschaft ohne Kinder. Noch vor ein paar Jahren konnte er sich nicht vorstellen auch einmal zu heiraten.

„Und ich versteh auch mittlerweile, dass es irgendwie ein ganz nettes Versprechen ist, was man sich geben kann und das ist auch okay so. Das kann ich mittlerweile mehr nachvollziehen, wobei es auch wirklich nicht mehr die Sicherheit hat, die es früher mal hatte – wenn man es einmal macht, dann bleibt man bis zum Lebensende zusammen. Das ist ja nicht mehr so. Glaube ich trotzdem, dass diese Eheversprechen in irgendeiner Form einem schon Sicherheit gibt und es die Trennung erschwert.“

Scheidungskinder lassen sich häufiger scheiden

Aufgrund ihrer Erfahrungen sehen erwachsene Scheidungskinder viel eher die Lösung von Beziehungsproblemen in einer Trennung, beziehungsweise Scheidung, als Menschen aus zusammenlebenden Kernfamilien. Frauen, die als Scheidungskinder aufgewachsen sind, lassen sich fast doppelt so häufig nach 20 Jahren Ehe scheiden – insgesamt etwa 28 Prozent. Bei Männern erhöht sich diese Wahrscheinlichkeit sogar um mehr als das Doppelte: Die Scheidungsrate beträgt bei ihnen nahezu 48 Prozent und bei Männern aus vollständigen Familien knapp 16.

„Man sollte keine Ehe mit dem Versprechen eingehen: Man bleibt, koste es was es wolle, bis zum Tod zusammen. Weil da leiden einfach alle nur drunter.“

Aber was ist die Lösung? Scheidungsforscher Schmidt-Denter.

„Man weiß aus der Scheidungsforschung, aus der Familienpsychologie, dass Partner mit einem verunsicherten Bindungskonzept eine höhere Scheidungsrate aufweisen. Betrifft insbesondere solche Beziehungen in denen beide einen verunsichertes Bildungskonzept haben. Man könnte also scherzhaft sagen, wenn man selber schon eins hat als Scheidungskind, sollte man einen bindungssicheren Partner oder eine bindungsichere Partnerin wählen.“

Romantiker, Realist, Pessimist?

Gar nicht so einfach für die Generation der Scheidungskinder um die Jahrtausendwende. Die Scheidungsquote betrug damals knapp 50 Prozent. Scheidungen gehören damit bis heute zur gesellschaftlichen Normalität und gerade den Scheidungskindern ist klar: Das kann mir auch passieren. Aber, man kann es auch besser machen, findet Sebastian Ebel.

„Sie haben uns ein bisschen gegeneinander ausgespielt, uns auch benutzt um den anderen zu verletzen. Gar nicht so im Großen, aber viele kleine Sachen halt. Vielleicht war es sogar ein bisschen so, dass sie dann diese Trennung als solche zu wenig mit uns besprochen haben. Sondern uns da auch so vor vollendete Tatsachen gestellt haben. Und ich glaube jetzt so im Nachhinein, würde ich sagen, man kann die Kinder da – wir waren da ja auch schon älter – mehr miteinbeziehen. Und das haben sie nicht gemacht. Natürlich ist es auch so, es gibt da natürlich nicht den perfekten Weg und den Königsweg und jeder der sowas durchlebt, macht wahrscheinlich Fehler – aber sicherlich geht es besser als meine Eltern es gemacht haben.“

Miriam Junge beobachtet seit einigen Jahren in ihrer Praxis, dass Paare in ihren 30ern wieder an ihren Beziehungen arbeiten wollen – nach einer längeren Phase der Unverbindlichkeit, getrieben durch oberflächliche Dating-Apps.

„Das ist sicherlich auch durch diesen Tinder-Trend. Ist da irgendwie ein großer Aufruhr plötzlich entstanden. Also, oh Gott, das wollen wir alles eigentlich gar nicht. Der Trend geht auf jeden Fall wieder zurück Richtung ‚ich möchte langfristige Beziehungen‘.“

Die exklusive Liebesbeziehung ist immer noch ein Ideal. Mit dem Unterschied, dass man früher so eine Liebesbeziehung nur in Form der Ehe ausleben konnte. Das ist heute anders. Lieben geht auch ohne Trauschein. Aber vielleicht sind die Scheidungskinder skeptischer gegenüber der Ehe, weil sie Angst davor haben, das Versprechen „bis das der Tod uns scheidet“ nicht einhalten zu können. Die Ehe ist entzaubert. Sie haben ja auch ständig ihr Scheitern in der eigenen Familie, bei Freunden und Bekannt erlebt. So oft wie keine andere Generation zuvor.

„Na wenn man sich viel damit auseinandersetzt und dann auch jetzt wenn die Eltern nicht mehr zusammen sind, da geht natürlich viel Romantik flöten. Ich glaube aber, dass es nicht nur Abgeklärtheit ist, sondern dass es der Versuch ist, einen Weg zu finden zu nem Partner, der jetzt nicht perfekt sein muss. Man darf halt nicht erwarten, dass alles perfekt ist und der Himmel voller Geigen und es ist total n Drama, wenn was passiert. Natürlich ist es im ersten Moment ein Drama. Aber ich finde, wenn einem ein Mensch wichtig ist und wenn man meint, das ist jetzt derjenige für mich, dann sollte man versuchen andere Wege einzuschlagen.“

Sensibilisiert für Schieflagen

Der Umgang mit der Angst, dass die Liebe vergeht, ist nicht einfach und die Verarbeitungsstrategien sind vielfältig und individuell, sagt Paartherapeutin Junge. Es gibt die Beziehungs-Romantiker, die die Augen verschließen und um jeden Preis mit ihrem Partner zusammen bleiben wollen. Es gibt aber auch die Pessimisten, die sehr misstrauisch sind, sich ungern einlassen oder gar Beziehungsangst haben. Und: Es gibt die Realisten.

„… die sagen okay ne Beziehung ist, auch wenn meine Eltern sich haben scheiden lassen, die Möglichkeit besteht, dass ich mich scheiden lasse, aber ich versuche da realistisch ranzugehen und nicht die großen romantischen Erwartungen zu haben. Denn ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Romantik für eine langfristige Ehe immer schlecht ist, denn wir können nicht romantisch unseren Soulmate finden und in den Kopf der anderen gucken, das bedeutet immer Arbeit. Und sich einlassen und sich auf Krisen einlassen und Konflikte lösen – durch häufig Hilfe oder eben durch Selbstreflexion.“
„Natürlich habe ich Angst davor, dass Liebe vergeht. Wie geht man dann damit um? Was macht man dann, wenn die Liebe nicht mehr da ist? Weil dann muss man ja irgendwie ne Entscheidung treffen. Da hab ich auf jeden Fall Angst vor, weil ich weiß, das macht halt keinen Spaß. Das ist auf jeden Fall unschön. Deswegen bin ich was sowas betrifft eher unbedarft und stürze mich eher in so bindungsschaffende Maßnahmen. Also wir haben uns jetzt n Auto gekauft zusammen, sowas halt. Und ich bin mit meiner neuen Freundin auch relativ schnell zusammengezogen oder da denke mir eher: So, komm ich mach das jetzt halt, weil ich Bock drauf habe und hab das Gefühl, es passt jetzt in dem Moment und das würde ne Trennung viel schwieriger machen, weil wir jetzt zusammen wohnen, jetzt haben wir uns auch noch n Auto gekauft, wir haben zusammen n‘ Garten. Wir müssten jetzt schon, obwohl wir erst zwei Jahre zusammen sind… wir bräuchten eigentlich n Scheidungsanwalt, wenn wir uns trennen, aber das ist mir egal. Vielleicht versuche ich sie zu halten mit teuren Anschaffungen, weil sie damit drin steckt und dann kommt sie da nicht mehr raus.“

Lebenslange Liebe ist möglich

Lebenslange Liebe und eine erfüllte Partnerschaft sind auch für erwachsene Nachscheidungskinder möglich – wenn sie es schaffen, einen realistischen Blick auf die Beziehung ihrer Eltern, auf sich selbst und ihre eigenen Partnerschaften zu entwickeln. Der Weg dahin ist mitunter beschwerlich, aber es lohnt sich. Dana Kaselow und Sebastian Ebel glauben nicht vor Trennungen geschützt zu sein, wohl aber sensibilisiert für Schieflagen in ihren Beziehungen. Vielleicht sind die Scheidungskinder der Jahrtausendwende, die hoffnungsvollen Beziehungsrealisten der Gegenwart, die aus den Fehlern ihrer Eltern gelernt haben.

„Klar guckt man zumindest immer mit so ner Brille auf seine eigenen Beziehungen, die man hat. Ich glaube ich wäre sensibilisierter darauf als meine Eltern. Tatsächlich kommen die auch noch aus einer anderen Generation und hatten selber sozusagen keine Scheidungsvorbilder, haben das selber noch nie erlebt und ich glaube, wenn man als Kind oder Jugendlicher sowas schon mal mitgemacht hat, dann ist man da wahrscheinlich sensibilisiert – würde ich jetzt mal behaupten.“

„Also ich hoffe natürlich nicht dass es bei mir zu einer Trennung kommt. Aber ich glaube dadurch, dass ich selbst Scheidungskind bin könnte ich damit leichter umgehen. Also ich weiß dass es das gibt. Und ich glaube, man würde damit auch irgendwie klar kommen.“

Name geändert

Name geändert

Ob es darum geht, wann Dein Kind ins Bett muss, ob es noch das zweite Stück Schokolade essen oder sich beim Einkaufen noch etwas aussuchen darf: In der Kindererziehung zwischen Elternteilen sind Konflikte an der Tagesordnung. Wenn Du und Dein Partner regelmäßig Streit wegen der Erziehung Eures Kindes habt, gilt es Kompromisse zu schaffen. Aber wie funktioniert das am besten? Und ist es ok, Uneinigkeiten vor dem eigenen Kind auszudiskutieren?

1. Mach Deinem Partner keine Vorwürfe

Bist Du anderer Meinung als Dein Partner, wenn es um bestimmte Dinge in der Kindererziehung geht, solltest Du Deinem Partner keine Vorwürfe machen. So ist ein konstruktives Gespräch nicht möglich. Besser ist es, den Partner nicht zu “attackieren”, sondern zu formulieren, was Du Dir wünschst – und zu begründen, warum. Wenn Du zum Beispiel merkst, dass Deinem Kind das zweite Stück Schokolade nicht gut tut, weil es danach aufgedreht ist, kannst Du Deinem Partner das genauso sagen. Und Ihr könnt gemeinsam entscheiden, wie Ihr das in Zukunft handhaben möchtet.

2. Du musst nicht der gleichen Meinung wie Dein Partner sein

Es ist in Ordnung, wenn Du in manchen Dingen eine andere Meinung hast als Dein Partner. Dann ist es nur wichtig, dass Dein Kind das auch weiß. Und dass Du als Elternteil Deine Regeln dennoch konsequent vertrittst. Ob nun Deine oder die Regel Deines Partners angewandt wirst, müsst Ihr gemeinsam entscheiden.

3. Regelmäßig über Uneinigkeiten sprechen

Wenn Du weißt, dass es des Öfteren Uneinigkeiten im Alltag gibt, hilft es, regelmäßig mit Deinem Partner darüber zu sprechen. Setzt Euch zum Beispiel jedes zweite Wochenenden abends zusammen, um zu besprechen, welche Dinge im Alltag gut gelaufen sind und welche nicht. Und findet bestenfalls gemeinsam Lösungen für das, was nicht so gut funktioniert hat.

4. Kleine Konflikte dürfen Kinder mitbekommen

Kinder dürfen lernen, dass Konflikte zum Leben dazugehören. Kleine Konflikte darfst Du mit Deinem Partner also ruhig auch mal am Küchentisch austragen. Lernt Dein Kind, dass man gemeinsam zu einer Lösung kommt, kann das auch gut sein. Dein Kind lernt, dass Papa und Mama an einem Strang ziehen. Wenn Euer Kind schon älter ist, könnt Ihr es auch in Lösungsgespräche einbeziehen. So werden die Wünsche des Kindes berücksichtigt und es fühlt sich respektiert statt bevormundet.

Mündet der Konflikt aber in einem Streit, ist es besser, Ihr verschiebt das Gespräch und diskutiert die Auseinandersetzung später aus – ohne Beisein des Kindes. Reißt Euch zusammen und schreit Euch nicht in Anwesenheit des Kindes an. Das macht ihm Angst und es versteht vielleicht noch nicht, dass Ihr Euch bald wieder vertragen werdet.

5. Konflikte nicht umschiffen

Du weißt genau, dass Dein Partner es nicht erlauben würde, wenn Dein Kind noch ein zweites Stück Schokolade isst. Gibst Du es trotzdem Deinem Kind und sagst: “Aber verrate es nicht Papa”, umgehst Du den Erziehungskonflikt. Du lädst stattdessen die Last auf Deinem Kind ab. Besser ist es, dazu zu stehen, dass Du die Regel Deines Partners nicht eingehalten hast und mit ihm darüber zu sprechen.

6. Beide Methoden zeitweise testen

Nicht immer lösen Gespräche Konflikte. Und nicht immer ist die eigene Meinung auch die richtige. Um Auseinandersetzungen langfristig entgehen zu können, kann es hilfreich sein, zeitweise Mamas oder Papas Regeln zu testen: Eine Woche lang geht Dein Kind um 19 Uhr ins Bett, eine Woche lang um 20 Uhr. So wird in der Praxis deutlich, was wirklich besser für Dein Kind ist und was im Familienalltag besser funktioniert. Danach wird festgelegt, wie die Handhabung in Zukunft verläuft.

Wichtig ist hierbei allerdings auch, solche Erziehungs-Regeln nicht als statisch anzusehen, sondern immer mal wieder zu hinterfragen. Mit zunehmendem Alter verändert sich Dein Kind, und was heute gut funktioniert, kann in ein paar Monaten zum Problem werden – oder umgekehrt.

7. Auch mal Kompromisse eingehen

Natürlich solltest Du bestenfalls in Deinen Entscheidungen nicht sprunghaft sein und zu ihnen stehen. Manchmal kann es aber hilfreich sein, auch mal die Entscheidung des Partners anzunehmen und sie nicht immer – aus Prinzip – anzufechten. “Ich bin zwar anderer Meinung, aber heute machen wir es mal, wie Du es Dir wünschst.” Das zeigt, dass Du die Meinung Deines Partners respektierst, aber ihr nicht zustimmst. Und das ist ab und zu völlig okay.

8. Wenn gar nichts hilft: Hilfe suchen

Wenn es zwischen Dir und Deinem Partner in Erziehungsfragen dennoch regelmäßig zum Streit kommt und ihr gemeinsam keine Lösungen findet, kann es helfen, sich professionell unterstützen zu lassen. Sogenannte Elterntrainings bieten Hilfestellungen für Konfliktlösungen und können Ursachen für Auseinandersetzungen aufdecken und im besten Falle aus der Welt schaffen. Liegt der Grund in Problemen der Beziehung begraben, kann auch eine Paartherapie helfen.

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Wir haben ständig Streit wegen Erziehung der Kinder

Immer wieder eskaliert es bei uns wegen der Erziehung unserer Kinder (11 und 13). Wir haben einen unterschiedlichen Stil: Meine Frau meint, wir sollten strenger sein. Während ich finde, Kinder sollten sich frei entwickeln können. Wir streiten uns heftig, dabei fallen auch Beschimpfungen. Ich mache mir Sorgen um unsere Beziehung.

Birgit Kollmeyer 14.11.2018, 16.53 Uhr Drucken Teilen

Birgit Kollmeyer.

Ihre Sorge ist berechtigt: Ständige Streitigkeiten, die immer wieder zu Verletzungen führen, können die Liebesgefühle derart belasten, dass sie mit der Zeit nicht mehr genügen, um noch glücklich miteinander zu sein.

Dennoch: Auseinandersetzungen gehören zu einer Beziehung dazu. Jeder sollte zu seiner Meinung, seinen Gefühlen und Bedürfnissen stehen und sich dafür einsetzen. Dies erhält auch die notwendige Spannung in einer Partnerschaft. Allerdings sollte man konstruktiv streiten. Viele Menschen haben das in ihren Herkunftsfamilien nicht gelernt: Entweder wurden Probleme unter den Teppich gekehrt oder es wurde ausfallend gestritten. So muss man in der Partnerschaft dazulernen.

Um verfahrene Streitsituationen zu unterbrechen, in denen einer oder beide aufgebracht sind, gibt es hilfreiche Mittel. Das Angewöhnen neuer Verhaltensweisen ist allerdings nicht einfach – alte Verhaltensweisen sind eingeschliffen, im Gehirn bestehen dafür regelrechte „Autobahnen“.

Im Notfall „Stopptaste“

Doch durch Ausprobieren entstehen neue kleine Bahnen, die mit der Zeit immer breiter und bequemer werden. Ein Notfallmittel ist die Stopp-Regel: Die Person, die als erste realisiert, dass das Gespräch eskaliert, bittet um eine Pause. Wichtig ist dabei, dass sie sich auch dafür verantwortlich fühlt, das Thema wieder aufzunehmen. In der Pause sorgen beide dafür, ihre aufgebrachten Nervensysteme, die sich quasi archaisch auf „Kampf oder Flucht“ eingestellt haben, wieder zu beruhigen. Bewegen Sie sich, gehen Sie an die frische Luft oder konzentrieren Sie sich ein paar Minuten lang auf Ihren Körper und Ihre Atmung.

Nur im beruhigten Zustand sind wir fähig, uns auch in die Schuhe des anderen zu stellen, um seine Sichtweise zu verstehen. Diese Haltung ist es auch, welche die Atmosphäre in einem Konfliktgespräch entscheidend verändert: Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich versuche, den anderen von der Richtigkeit meiner Ansicht zu überzeugen, und versuche, mich durchzusetzen, oder ob ich mir zum Ziel setze, die Ansicht des anderen nachzuvollziehen.

Gemeinsames Problem

Denn gerade in Erziehungsfragen braucht es ja beide Seiten: Verständnis, Wärme und das Gewähren von Entscheidungsfreiheit, aber auch Richtlinien und Grenzen, die einen sicheren Rahmen geben. Ihre beiderseitigen Erziehungshaltungen schliessen sich also nicht aus.

Versuchen Sie nachzuvollziehen, was an der Einstellung des anderen hilfreich ist. Dazu müssen Sie gut zuhören und nachfragen. Und dann können sie auch erwarten, dass Ihnen zugehört wird. Versuchen Sie ein Erziehungsproblem als gemeinsames Problem zu sehen: Was kann jeder zur Lösung beitragen? Wie können Sie Kindern „Freiheit in Grenzen“ geben? Kinder spüren es sehr schnell, wenn die Eltern sich abgesprochen haben. Und akzeptieren es meistens sehr gut, innerhalb eines von den Eltern gesteckten Rahmens selber entscheiden und handeln zu dürfen.

Birgit Kollmeyer ist dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie.

Partnerkonflikte wegen Kindern

1. Schwangerschaft

Wenn sich in einer Partnerschaft Nachwuchs ankündigt, kann dies Freude oder auch Schrecken, Wut und Vorwurf zur Folge haben. Das Kind war nicht oder noch nicht “geplant” . Der Mann drängt vielleicht zur Abtreibung, oder beide einigen sich darauf; später melden sich dann in manchen Fällen Schuldgefühle.

Die Partner sehen sich unter Umständen in ihren beruflichen und finanziellen Plänen behindert. Oder der Mann fühlt sich von der Frau “hereingelegt” .

Die Schwangerschaft ist manchmal Ergebnis eines so genannten “Seitensprungs” , bei dem an gemeinsamen Nachwuchs und dauerhafte Partnerschaft nicht gedacht war. In dörflicher und kleinstädtischer Umgebung ist voreheliche Schwangerschaft nach wie vor Anlass zu nachbarschaftlicher Neugier und Tratsch. Der Status der allein erziehenden Mutter findet nach wie vor keine selbstverständliche Akzeptanz.

2. Niederkunft, Geburt und Zusammenleben

Eine Frau, die die Niederkunft ohne Unterstützung durch den Vater des Kindes durchstehen muss, trägt ihm dies unter Umständen lebenslang nach und hält es ihm immer wieder vor. In einem konservativen Umfeld heiraten die Partner vielleicht widerwillig und ohne Enthusiasmus, weil das Kind unterwegs ist.

Später erwartet der Mann dann eventuell, die Frau solle ihm “dankbar” dafür sein und seine Untreue dulden. Oder er macht die Frau dafür verantwortlich, dass ihm durch die erzwungene Ehe berufliche Chancen entgangen seien, die er als mobiler Single angeblich hätte nutzen können.

3. Beziehungen der Eltern zum Kind

An das Kind richten sich nach der Geburt neben der Freude möglicherweise Ärger und Enttäuschung. Es erscheint als das leibhaftige tägliche Symbol der entgangenen eigenen Lebenschancen und muss dafür büßen.

Mütter berichten manchmal, dass es ihnen – mit oder ohne konflikthafte Schwangerschaft – schwer fällt, dem Kind so viel Nähe und Zuwendung entgegenzubringen, wie es dem gesellschaftlichen Ideal einer “liebenden Mutter” entspricht. Demgemäß kann der Kommentar nahestehender Menschen, eine Frau sei keine “gute” Mutter, zu einem extremen Druckmittel werden.

Das Geschlecht des Kindes ist von Bedeutung. Die Bevorzugung von Jungen ist in Mitteleuropa zum Glück im Abnehmen begriffen. Dennoch: Wenn die Eltern sich einen Jungen wünschen und es wird ein Mädchen, so hält der Mann dies der Frau vielleicht als ihr Versagen vor, wiewohl die Entscheidung über das Geschlecht im männlichen Samen fällt.

Wenn beide Eltern über das Geschlecht ihres Kindes enttäuscht sind, versuchen sie manchmal, das Kind so zu erziehen, wie sie sich das gewünschte Geschlecht vorstellen, also Jungen zart und zaghaft, Mädchen wild und stark. Dann wächst das Kind mit einem geheimen Auftrag auf, anders zu sein und zu werden, als es ist.

4. Divergenzen und Konvergenzen in elterlichen Erziehungs-Vorstellungen

Unterschiedliche Auffassungen von Erziehung bestehen nahezu regelhaft zwischen den Eltern. Sie neigen dazu, in der Erziehung ihrer Kinder ihre eigene Erziehung wiederholen oder gegen sie opponieren zu wollen.

Da sie ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet sehr früh gemacht haben, betrachten sie sie meist nicht als mögliche Varianten, sondern als unverrückbare Wahrheiten. Entsprechend schwer fällt es ihnen, sie der gelassenen gemeinsamen Erörterung auszusetzen und zu gemeinsamen Neuentscheidungen zu finden.

Solche subjektiven Gewissheiten hat fast jeder Mensch über viele Bereiche der Erziehung:

  • Wach- und Schlafzeiten
  • Ordnung und Sauberkeit
  • Zimmergestaltung
  • Spielen und Spielzeug
  • Schenken, Hergeben und Behalten
  • Höflichkeits- und Gehorsamsverpflichtung
  • Belohnung und Bestrafung
  • Verschwiegenheit und Redelust
  • Feiern von Festen
  • Eltern-, Kind- und Geschwisterrollen
  • Körperliche Nähe
  • Übernahme von Pflichten und häuslichen Aufgaben
  • Verbindlichkeit von Kindergarten- und Schulbesuch
  • Fernsehkonsum
  • Verhältnis zur Leistung
  • Qualität der Hausaufgaben-Erstellung
  • Ehrlichkeit, Lügen und Stehlen
  • Bedeutung der Verwandtschaft
  • An- und Abwesenheit sowie Pünktlichkeit
  • Funktion kindlicher Freundschaften
  • Durchlässigkeit der familiären Wohnungsgrenzen
  • Umgang mit Geld
  • Zeitpunkt und Gegenstände größerer Anschaffungen
  • Wahl der geeigneten Schulformen
  • Mithilfe bei der Bewältigung schulischer Anforderungen
  • Verhältnis zu Sexualität, Genussmitteln und Drogen
  • Interesse an Fremdem und Fremden
  • Hilfestellung bei der Berufswahl

Diese wie auch viele andere Themen müssen in der Partnerschaft nach Möglichkeit während der ersten zwei Lebensjahre des ersten Kindes einer Klärung zugeführt werden. Andernfalls wird es zwischen den Eltern immer wieder zu Auseinandersetzungen kommen. Es ist nur eine begrenzte Hilfe, einzelne dieser Fragen an denjenigen Partner zu übergeben, der mit dem Kind in dieser Hinsicht den meisten Kontakt hat, das heißt also meistens an die Mutter. Denn Kinder spüren sehr wohl, ob die Eltern an einem Strang ziehen, und versuchen, Differenzen zwischen ihnen zu ihrem Vorteil zu nutzen.

5. Streit in Gegenwart der Kinder

Generell lautet eine schwer zu beantwortende Frage: Sollen Eltern in Gegenwart ihrer Kinder streiten oder nicht? Dafür spricht vielleicht, dass die Kinder Missstimmung und Gereiztheit ohnehin bemerken und dass ein sofortiger Widerspruch oft helfen soll, einen ansonsten vorgeblich eintretenden Missstand abzuwenden. Dem ist entgegenzuhalten, dass Kinder sich während des elterlichen Streits meist sehr unwohl fühlen und oft hilflos versuchen zu schlichten, was ihre Kräfte überfordert.

Eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Eltern, die jedem von ihnen einräumt, in der Zeit, die er oder sie mit den Kindern verbringt, die volle Verantwortung für das Geschehen zu übernehmen, macht manche Auseinandersetzung überflüssig. Eine kurze Verständigung über Ort und Zeitpunkt, wo die Eltern sich dem strittigen Thema in Ruhe und unter vier Augen widmen können, wird oft eine weitere Hilfe sein.

6. Konfliktdynamik der Partnerschaft

Manchmal gibt es unterschwellige Partnerkonflikte, die auf der Ebene der Kindererziehung verhandelt werden, aber in erster Linie zwischen den Eltern selbst schwelen.

Manche Partner stehen miteinander in einer permanenten Auseinandersetzung um die Macht und benutzen dabei ihre Kinder, um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen:

  • Wer hat wie ein Löwe um das Kind gekämpft, als der andere noch für Abtreibung plädierte?
  • Wer von beiden liebt die Kinder heute mehr?
  • Wer verbringt mehr Zeit mit ihnen?
  • Wer erzieht sie konsequenter zu Pazifisten?
  • Wer unterstützt sie mehr bei schulischen Belangen?
  • Wer bemüht sich mehr um Gerechtigkeit?
  • Wer wird schneller ungeduldig und schlägt auch einmal zu?
  • Wer hat beruflich mehr Opfer gebracht und der Kinder wegen auf mehr Chancen verzichtet?
  • Von wem von beiden hat das Kind die schlechten Eigenschaften geerbt(!)?
  • An wem von beiden hängen die Kinder mehr?
  • Mit wem von beiden hat das Kind im äußeren Erscheinungsbild mehr Ähnlichkeiten usw. usw.

Für die Kinder ist das eine Situation, aus der sie nur schwer unbeschädigt herauskommen. Denn entweder versuchen sie, die Eltern zu versöhnen – das misslingt in der Regel. Oder sie geben einer Seite Recht – dann ist die andere enttäuscht. Viele Kinder ziehen sich von beiden Eltern zurück und ziehen früh aus.

7. Rollenzuweisungen an Kinder

Manchmal versuchen Eltern, ihre Kinder in eine Rolle einzuweisen, der das Kind dann versucht, gerecht zu werden. Es soll z.B. als Substitut für einen Aspekt des eigenen elterlichen Selbst eintreten, als idealisiertes oder als abgelehntes Kind oder als Bundesgenosse in der Auseinandersetzung mit dem Partner, insbesondere in Situationen von Trennung und Scheidung. Gemeinsam ist diesen verschiedenen Rollenzuweisungen, dass sie dem Kind als etwas Fremdes übergestülpt werden, also dessen eigenem Wesen und Wollen nicht entsprechen (Richter, H. E. 1968: Eltern, Kind und Neurose).

Manche Kinder werden von einem eigenen Elternteil missbraucht. Die Rolle des anderen Elternteils bleibt dabei oft undeutlich: nicht zur Kenntnis nehmend, duldend, untätig, um die Aufrechterhaltung der eigenen Partnerschaft bemüht. Klärung wie auch Abgrenzung und Trennung ist in diesen Fällen oft erst viele Jahre später möglich, nach Eintreten von Volljährigkeit und Auszug, in einer eigenen Partnerschaft und mit fachlicher Hilfe.

Im Falle von Trennung und Scheidung wird das Kind besonders gern in die Rolle des umstrittenen Bundesgenossen eingeführt. Die Eltern streiten darüber, bei wem das Kind es besser hat. Aber dem Kind geht es dabei schlechter. Über Kinder kann man in diesem Zusammenhang sagen: Auch wenn sie unter dem Dauerstreit der Eltern leiden, so ziehen sie doch in aller Regel eine Trennung der Eltern als Lösung des Problems nicht in Betracht und sind totunglücklich, wenn die Eltern diesen Schritt vollziehen.

8. Familiäre Inszenierungen

Ähnlich wie bei den Rollenzuweisungen verhält es sich in den Fällen, in denen eine Familie in bestimmter Weise rigide inszeniert wird: ängstlich, paranoid, hysterisch, depressiv, zwanghaft oder auf andere Weise einseitig in einem bestimmten eingeschränkten Weltbild. Die Initiative geht hier in der Regel von Vater oder Mutter aus, die die restlichen Mitglieder der Familie in dieses Szenario hineinziehen. Wenn sich der Partner oder die Kinder widersetzen, so gilt dies bereits als Bestätigung für die Richtigkeit der bestehenden Gefährdung von Seiten der Außenwelt und als Bestätigung für die Notwendigkeit, diesen neurotischen Stil zu wählen. Der Druck, die gewählte Methode der Gefahrenabwehr beizubehalten, nimmt entsprechend zu.

9. Regeln für die partnerschaftliche Konfliktklärung

Trotz dieser Fülle möglicher Konflikte, die im Zuge der Kindererziehung in der Partnerschaft der Eltern auftreten können, erleben viele Menschen ihr Familienleben als überwiegend glücklich. Bei der Besprechung konflikthafter Themen erweisen sich oft folgende Regeln als hilfreich:

  1. Wählen Sie für das Gespräch eine Zeit, in der Sie Ruhe haben und es wahrscheinlich frei von Störungen führen können. Gehen Sie während des Gesprächs nicht an das Telefon.

  2. Oder wählen Sie einen Spaziergang in der Natur. Im Gehen bespricht sich manches leichter.

  3. Vereinbaren Sie die Dauer, die das Gespräch haben soll. Überschreiten Sie diese Zeit dann nicht, oder nur im Konsens. Wenn Ihr Partner eine Pause im Gespräch wünscht, verzichten Sie darauf, ihn als konfliktscheu oder ausweichend zu bezeichnen.

  4. Verständigen Sie sich über das Thema, das Sie besprechen wollen. Bleiben Sie dann bei diesem Thema. Kehren Sie nach Abschweifungen rasch wieder zu diesem Thema zurück. Es gilt: Immer nur ein Thema behandeln – erst danach ein zweites, aber nie zwei Themen gleichzeitig.

  5. Beziehen Sie sich auf aktuelle Ereignisse.

  6. Sprechen Sie kurz. Stellen Sie sich dann neugierig auf das ein, was der Partner sagt, und versuchen Sie, es zu verstehen.

  7. Hören Sie dem Partner so gut zu, wie Sie sich seine Aufmerksamkeit für Ihre Ausführungen wünschen.

  8. Bringen Sie den Ausführungen Ihres Partners genau so viel Wohlwollen entgegen wie Ihren eigenen.

  9. Wechseln Sie zwischen prinzipiellen und konkreten Aspekten des Themas mehrfach hin und her.

  10. Sprechen Sie mehr über Ziele und Lösungen als über Ursachen und Probleme.

  11. Betonen Sie solche Gesichtspunkte, bei denen Sie beide die gleiche Auffassung haben.

  12. Wenn die Stimmung gereizt wird: Halten Sie einen Augenblick lang inne. Treten Sie ein wenig von der Situation zurück. Geben Sie Ihrem Partner und sich selbst einige Minuten lang Zeit, wieder zu dem ernsthaften Bemühen zurückzufinden, dass Sie zuvor erlebten.

  13. Begegnen Sie einander mit Humor. Das ist zu unterscheiden von Belustigung über den anderen und auch von Sarkasmus.

  14. Danken Sie ihrem Partner am Ende des Gesprächs für seine Bereitschaft, mit Ihnen über das Thema zu sprechen.

  15. Manchmal ist es richtig, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen (Erziehungsberatung, Gesprächskreise für Paare, Seminar über Erziehungsfragen, Familientherapie usw.). Machen Sie davon Gebrauch, wenn Sie erwarten, dass es Ihnen vielleicht gut tun wird.

Autor

Prof. Dr. Jörg Fengler ist Professor der Heilpädagogischen Psychologie an der Universität Köln mit den Schwerpunkten in Forschung und Lehre: Klinische und Pädagogische Psychologie, Supervision, Sucht-Prophylaxe, Burnout-Prophylaxe und Evaluation psychosozialer Interventionen. Er ist Psychotherapeut, Gruppendynamik-Trainer, Supervisor und Lehrsupervisor.

Buchveröffentlichungen

1974 (mit Däumling, Nellessen, Svensson): Angewandte Gruppendynamik, Stuttgart: Klett
1975 Verhaltensänderung in Gruppenprozessen, Heidelberg: Quelle & Meyer
1980 Selbstkontrolle in Gruppen, Stuttgart: Kohlhammer
1989 Hörgeschädigte Menschen, Stuttgart: Kohlhammer
1994 Süchtige und Tüchtige, Begegnung und Arbeit mit Abhängigen, München: Pfeiffer
1996 Konkurrenz und Kooperation in Gruppe, Team und Partnerschaft, München: Pfeiffer
1998 Helfen macht müde. Zur Analyse und Bewältigung von Burnout und beruflicher Deformation, München: Pfeiffer, 5. überarb. u. erw. Auflage
1998 Feedback geben. Strategien und Übungen, Weinheim: Beltz
1999 (mit Jansen) Handbuch der Heilpädagogischen Psychologie, Stuttgart: Kohlhammer, 3. Aufl.
2001 Praxis der Suchtprävention, Landsberg: Ecomed Verlag

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Fengler
Universität zu Köln
Heilpädagogische Fakultät
Seminar für Heilpädagogische Psychologie und Psychiatrie
Frangenheimstraße 4
50931 Köln

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