Streik in der kita

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Darum geht es beim Kita-Streik in Berlin – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

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Berlin. In Berlin werden 14.0000 Erzieherinnen und Erzieher nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt. Weil diese sich schon bei den Verhandlungen vor zwei Jahren nicht genug berücksichtigt fühlten, macht die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) dieses Mal frühzeitig mobil. Am Dienstag – bereits vor der zweiten Verhandlungsrunde – sind die Kita-Erzieher zum Warnstreik aufgerufen. Zudem begannen am Montag Tarifverhandlungen für die 14.500 Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Auch dort sind Streiks nicht ausgeschlossen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zu beiden Auseinandersetzungen.

Wer streikt am Dienstag?

Alle Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes in den Kita-Eigenbetrieben, an den staatlichen Schulen, beim Pestalozzi-Fröbel-Haus und in den Bezirksämtern des Landes Berlin streiken. Das sind rund 300 Einrichtungen. Die GEW hat zu einem halbtägigen Arbeitskampf aufgerufen. Allerdings liegt der Fokus am Dienstag auf den Erziehern in Kindertagesstätten.

Was sind die Forderungen?

Die Gewerkschaften fordern sechs Prozent mehr Entgelt, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat, bei einer Laufzeit von einem Jahr. Verlangt wird zudem eine Angleichung der Bestimmungen im Tarifvertrag der Länder (TV-L) an den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst (TVöD), nach dem beispielsweise Erzieher in Brandenburg bezahlt werden. Dort wird bis zu 330 Euro mehr im Monat verdient. Vor allem geht es den Gewerkschaften aber darum, den Beruf durch eine Aufwertung des Gehalts attraktiver zu machen. Denn für mehr als eine Ein-Zimmer-Wohnung reiche das derzeitige Gehalt nicht, meint Cem Erkisi, Erzieher in Neukölln. Und das, so Erkisi, „ist kein Anreiz für den Beruf“.

Wer ist vom Kita-Streik betroffen?

In erster Linie die Kinder und ihre Eltern. Betroffene Erziehungsberechtigte sollten sich frühzeitig um eine alternative Betreuung kümmern. Sollte es nicht möglich sein, die Kinder anderswo unterzubringen, etwa in der Familie, kann bei der Kita-Leitung nach einer Notbetreuung gefragt werden. Schließt eine Kindertagesstätte wegen eines Streiks komplett, ist die Geschäftsführung gehalten, eine Notbetreuung sicherzustellen. Diese kann auch an einem anderen Ort sein. Eine weitere Möglichkeit ist, die Kinder mit an den eigenen Arbeitsplatz zu nehmen. Das sollten Eltern vorher zwingend mit dem Arbeitgeber absprechen. Auch eine Freistellung von der Arbeit, Urlaub oder Homeoffice ist grundsätzlich möglich, wenn niemand sonst die Aufsicht für die Kinder übernehmen kann. In jedem Fall muss der Arbeitgeber dem aber zustimmen.

Warum wird jetzt gestreikt?

Das liegt an den für die Erzieher enttäuschend verlaufenden Tarifverhandlungen 2017. Bereits damals hatten Kita-Mitarbeiter hohe Forderungen gestellt. Allerdings wurden diese damals nur wenig berücksichtigt. Um zu verhindern, dass die jetzigen Forderungen unter den Tisch fallen, wird diesmal schon früh gestreikt. Allerdings nur auf Aufruf der GEW, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die mehr Personal unter sich vereint als die GEW, will zunächst die zweite Verhandlungsrunde Anfang Februar abwarten, ehe sie selbst Warnstreiks in Erwägung zieht.

Worum geht es bei der BVG?

Hier begannen am Montag die Verhandlungen zu einem neuen Manteltarifvertrag, in dem es vor allem um grundsätzliche Arbeitsbedingungen geht. Gefordert wird von der Gewerkschaft Verdi eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 36,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Bisher gilt die kürzere Arbeitszeit nur für BVG-Mitarbeiter, die vor 2005 eingestellt wurden. Ziel ist auch eine neue Entgelttabelle. „Mindestens vier Lohngruppen liegen derzeit unter dem Mindestlohn, den das Land Berlin künftig von Unternehmen fordert, die öffentliche Aufträge erlangen wollen“, so Verdi-Sprecher Andreas Splanemann.

Müssen auch Nahverkehrskunden mit Streiks rechnen?

Zunächst nicht. Verdi will sehen, wie die Arbeitgeber auf die Forderungen reagieren. Die erste echte Verhandlungsrunde ist für den 11. Februar vorgesehen. „So lange konstruktiv verhandelt wird, gibt es für uns keinen Grund, einen Arbeitskampf vom Zaun zu brechen“, sagte Verhandlungsführer Jeremy Arndt. Es gebe unter den BVG-Beschäftigten aber eine große Unzufriedenheit.

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Tarifverhandlungen2019 drohen erneut Kita-Streiks

Silvia Engels: Bei den Geldtransport-Fahrern stehen auch heute wieder Warnstreiks an, bei den Tarifverhandlungen ist derzeit keine Einigung absehbar – ganz im Gegensatz zu den Tarifverhandlungen der Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL. Hier wird es in einer Stunde eine Pressekonferenz geben, was auf eine Tarifeinigung schließen lässt. Diese beiden Auseinandersetzungen wollen wir zum Anlass nehmen, um mal auf die weiteren Tarifverhandlungen in diesem Jahr zu schauen. Günter Hetzke aus unserer Wirtschaftsredaktion, wie sieht das Tarifjahr 2019 aus?

Günter Hetzke: Also, in der Metall- und Elektroindustrie mit immerhin rund 3,9 Millionen Beschäftigten stehen ja in diesem Jahr keine Tarifverhandlungen an. Hier wurde ja Anfang des vergangenen Jahres eine relativ lange Laufzeit von 27 Monaten vereinbart. Da ist erst einmal Ruhe. In anderen Bereichen aber nicht. Insgesamt werden die DGB-Gewerkschaften in diesem Jahr neue Tarifverträge für rund 7,3 Millionen Beschäftigte verhandeln, nachzulesen im Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, in dem alles rund um Tarifverhandlungen erfasst wird. Und bei diesen Verhandlungen, da sind in diesem Jahr auch wieder einige Brocken dabei, die sich wohl nicht so einfach aus dem Weg räumen lassen werden.

Engels: Gehören zu diesen Brocken auch die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder?

Hetzke: Das sieht ganz danach aus. Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder beginnen am 21. Januar. Ist ja nicht mehr lange hin. Und es zeichnen sich tatsächlich schwierige Gespräche ab. Als Forderung stehen sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber ein Plus um monatlich 200 Euro im Raum und das eben nicht nur für die rund eine Million Angestellten. Denn die Einigung, wenn sie denn dann steht, wird anschließend auf die Beamten von Ländern und Kommunen übertragen, betrifft also rund 2,3 Millionen Beschäftigte und zusätzlich dann noch etwa eine Million Pensionäre. Da geht es um zusätzliche Kosten für die Länder zwischen sechs und acht Milliarden Euro pro Jahr, wenn es bei der Forderung der Gewerkschaft bleibt. Dagegen werden sich die Länder vehement wehren.

„Viele Menschen werden Ausstände zu spüren bekommen“

Engels: Bei den letzten Tarifauseinandersetzungen blieben ja unter anderem Kitas geschlossen, auch das Schulleben war massiv gestört. Ist in diesem Jahr damit auch zu rechnen?

Hetzke: Nicht, dass ich es mir wünsche, aber ich befürchte, wir werden auch dieses Mal um Warnstreiks nicht herumkommen. Da werden viele Menschen die harten Verhandlungen durch Ausstände wieder zu spüren bekommen.

Engels: Und in welchen Bereichen stehen weitere Arbeitskämpfe und Tarifverhandlungen an?

Hetzke: Mit Blick auf Arbeitskämpfe, da werden wir wohl noch im Januar Streiks auf den Flughäfen bekommen, denn bei den Flughafen-Sicherheitsleuten, da ist die Friedenspflicht zum Jahresende ausgelaufen und die bereits laufenden Verhandlungen gestalten sich schwierig. Zeitgleich mit den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder, also am 21. Januar, starten die Verhandlungen für die rund 55.000 Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern. Bei den bundesweit rund 80.000 Stahlkochern geht es auf regionaler Ebene bereits in der nächsten Woche los, im Februar dann die erste Runde für die Bankangestellten, um nur einige zeitnahe Beispiele zu nennen.

Und dann natürlich auch in diesem Jahr der Dauerbrenner, der Tarifkonflikt zwischen Verdi und Amazon, der ja bereits seit 2013 schwelt und wohl auch in diesem Jahr nicht gelöst werden wird. Auffällig bei vielen Tarifforderungen ist übrigens, dass immer mehr Branchen eine Wahlfreiheit für die Beschäftigten fordern, eine Wahl zwischen mehr Freizeit oder Urlaub oder eben mehr Geld. Also, das Verhältnis von Arbeit und Freizeit wird immer wichtiger bei den Tarifverhandlungen.

Kita Streik: Was berufstätige Eltern wissen müssen

Wenn der öffentliche Dienst und die Kita streikt, stehen berufstätige Eltern vor einem Riesen-Problem: Wohin jetzt mit den Kindern? Und was ist mit dem Job? Viele berufstätige Eltern stehen nun vor der Aufgabe, für ihre Kinder kurzfristig eine andere Betreuung zu finden und weiterhin den Ansprüchen des Arbeitgebers gerecht zu werden. Diese Situation bringt selbstverständlich auch viele offene Fragen mit. Welche Rechte und Pflichten bestehen für Arbeitnehmer während des Kita Streiks? Wir zeigen, was berufstätige Eltern zum Kita Streik wissen müssen, um am Arbeitsplatz keine Probleme zu bekommen…

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Kita Streik: Dürfen berufstätige Eltern zu Hause bleiben?

Zunächst einmal die etwas ernüchternde Antwort auf diese Frage: Nein. Berufstätige Eltern können aufgrund des Kita Streiks nicht einfach der Arbeit fern bleiben, um sich zu Hause um ihre Kinder zu kümmern. Die positive Nachricht ist hingegen: Es gibt genügend Regelungen, die Ihnen dabei helfen können, während der Zeit des Streiks eine Lösung zu finden.

Dennoch strapaziert der Kita-Streik die Nerven vieler Arbeitnehmer. Diese sind häufig auf die Kinderbetreuung angewiesen, um Zeit für ihre berufliche Tätigkeit zu haben. Fällt die Betreuung plötzlich weg, stehen viele vor zwei großen Problemen:

  • Die Kinder müssen versorgt werden.

    Wer bei den Kitas vor verschlossenen Türen steht, muss sich zeitnah eine Alternative überlegen. Leider sind nicht immer die Großeltern vor Ort, um während der Arbeitszeit auf die Kleinen aufzupassen. Hier sind nicht nur starke Nerven, sondern vor allem Flexibilität und Ideenreichtum gefragt.

  • Den beruflichen Pflichten muss nachgekommen werden.

    Auf der anderen Seite stehen die Pflichten als Arbeitnehmer. Trotz Kita Streik stehen die Mühlen im Betrieb natürlich nicht still und so gibt es weiterhin viele Aufgaben zu erledigen, Deadlines einzuhalten und Kunden, die zufrieden gestellt werden wollen.

Um beides unter einen Hut zu bekommen, müssen berufstätige Eltern wissen, was während eines Kita Streiks erlaubt ist und welche Pflichten sie gleichzeitig beachten müssen, damit mit den Kindern und im Job alles glatt laufen kann.

Wir zeigen, was Sie für den Kita Streik wissen müssen.

Kita Streik: Die wichtigsten Informationen

Die Beschäftigten der Kitas streiken für eine Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst. Diese soll sich auch in der Bezahlung zeigen, weshalb die Gewerkschaft verdi in den Verhandlungen hinter den Streiks eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst fordert.

Hintergrund ist das Aufgabenspektrum der Erzieher, das in den letzten Jahren gestiegen ist. Ein nachvollziehbarer Grund, nichtsdestotrotz trifft der Streik viele berufstätige Eltern hart.Um Eltern vor der Verzweiflung zu bewahren, zeigen wir Ihnen, was Sie zum Kita Streik wissen müssen.

  1. Können Sie Ihr Kind trotzdem in die Kita bringen?

    In Bayern und Bremen kam es bereits zu ersten Warnstreiks, andere Orte folgen dem Beispiel in den nächsten Tagen. Bereits heute (19. März 2018) sollen Kitas in Stuttgart bestreikt werden, in Essen ist für morgen, den 20. März 2018, zu einem Streik im Öffentlichen Dienst aufgerufen, von dem auch viele Kitas betroffen sind. Sollte auch Ihre Kita bestreikt werden, sollten Sie sich dringend nach einer Alternative umsehen. Zwar bieten einige Kitas Notgruppen an, in denen Kinder berufstätiger Eltern betreut werden, doch erstens sind die Plätze knapp und zweitens ist nicht jedem Elternpaar wohl dabei, die Kinder zu einer bisher unbekannten Erzieherin in eine Notgruppe zu geben.

  2. Wann können Sie zu Hause bleiben?

    Einfach so zuhause bleiben, weil die Kitas streiken, können Sie nicht. Schließlich bleibt Ihr Arbeitsvertrag und die damit verbunden Aufgaben weiterhin bestehen. Häufig hört man momentan jedoch von einer Möglichkeit, um ohne Gehaltsverzicht oder Abmahnungen zu Hause bleiben zu können. Der Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches erlaubt Arbeitnehmern ihr Gehalt weiter zu beziehen, wenn sie aus persönlichen Gründen nicht arbeiten können. Fehlende Kinderbetreuung kann ein solcher Grund sein, allerdings greift der Paragraf nur für eine kurzfristige Zeit von zwei oder drei Tagen. Anschließend benötigen Sie eine andere Lösung.

  3. Können Sie kurzfristig Urlaub nehmen?

    Die beste Möglichkeit, um während der Zeit des Streiks selbst für Ihr Kind zu sorgen, ist Urlaub bei Ihrem Arbeitgeber zu beantragen. Dafür müssen jedoch zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zuerst einmal dürfen Sie Ihren Jahresurlaub noch nicht völlig genutzt haben und zum anderen muss Ihr Arbeitgeber dem Urlaub zustimmen. Dies stellt in der Regel kein Problem dar, insbesondere weil viele Arbeitgeber und Vorgesetzte selbst Kinder haben und deshalb Verständnis für die Situation mitbringen. Im Einzelfall können jedoch dringende betriebliche Gründe gegen den Urlaub sprechen, wodurch der Urlaub abgelehnt werden könnte.

  4. Dürfen Sie Ihr Kind mit zur Arbeit nehmen?

    Unangekündigt mit dem Kind im Büro aufzutauschen, ist natürlich nicht der richtige Weg. Sprechen Sie mit Ihrem Chef und erläutern Sie die momentan schwierige Situation. Es kommt hier auch darauf an, ob Ihr Arbeitsplatz ein sicherer Ort für ein Kind ist. Während in Büros meistens wenig dagegen spricht, sieht die Sache beispielsweise in einer Werkstatt schon ganz anders aus. Trotzdem gilt: Wenn Sie Ihren Chef fragen, ob Sie Ihr Kind mit zur Arbeit bringen dürfen, zeigen Sie, dass Sie an einer Lösung interessiert sind und alles versuchen, um Ihren beruflichen Pflichten nachzukommen.

  5. Können Sie im Home Office arbeiten?

    Auch hier gilt: Sprechen Sie diesen Wunsch so früh wie möglich mit Ihrem Vorgesetzten ab. Viele Aufgaben lassen sich dank moderner Technik auch vom heimischen Schreibtisch aus erledigen, andere erfordern hingegen die Anwesenheit im Büro. Machen Sie Ihrem Chef konkrete Vorschläge, welche Aufgaben Sie aktuell bearbeiten und wieso Sie diese Arbeit auch in den eigenen vier Wänden machen können. Mit Ihrem guten Willen und ein wenig Wohlwollen Ihres Chefs lässt sich sicherlich eine gemeinsame Lösung finden.

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Demo / Kann die Kita die Öffnungszeiten einfach kürzen oder die Kita wegen Personalmangel spontan schließen?

Einfach nicht, aber in Abstimmung mit den Elternvertretern und v.a. dem Jugendamt können die Kitas die Öffnungszeiten einschränken, soweit der im Betreuungsvertrag geregelte maximale Betreuungsumfang gewährleistet ist. Für eine ganztagserweiterte Betreuung, also 9-12 h müssen die Kitas dabei 11 Stunden Öffnungszeit sicherstellen. Wenn eine Kita die Betreuungszeiten nicht anbieten kann, kann sie auch keinen entsprechenden Betreuungsvertrag schließen bzw. registrieren (siehe §8 (6) VOKitaFöG).

Spontan schließen kann eine Kita i.d.R. nur, wenn die Sicherheit der Kinder akut gefährdet ist, beispielsweise wegen Sturmschäden oder Einsturzgefahr o.ä. Aber dann wird die Leitung bzw. der Träger zusammen mit dem Jugendamt auch schnellstmöglich eine Ersatz-bzw. Notbetreuung organisieren und die Eltern informieren.
Generell bestehen für die Kita bzw. den Träger Meldepflichten gemäß §31 AG KJHG, wenn das Wohl der Kinder gefährdet ist. Personalmangel ist demnach auch meldepflichtig, wenn die Kita die Aufsicht nicht mehr gewährleisten kann und damit das Kindeswohl gefährdet ist. Die Eltern sind hierbei immer rechtzeitig zu informieren!
Sollte eine Kita trotz massiven Personalmangels die Betreuung weiter anbieten, kann u.U. auch das Jugendamt selbst in Form der Kitaaufsicht die Kita wg. der Notsituation schließen, denn das Wohl der Kinder nicht die Berufstätigkeit der Eltern hat für das Jugendamt oberste Priorität.
Eine Kita, die von sich aus wegen Personalmangels vorübergehend schließt, kommt also ihren Pflichten nach und wird im Vorfeld alles unternommen haben, um es zu vermeiden.
Erinnert sei hier auch an die ErziehungsPARTNERSCHAFT. Das bedeutet, die Kita wird in der Regel in Abstimmung mit den Elternvertretern und Eltern versuchen, mit Unterstützung der Eltern den Betrieb aufrecht zu erhalten, indem wo möglich die ggf. Kinder kürzer in der Kita betreut werden, die Eltern private Ausweichmöglichkeiten nutzen oder wo möglich selbst in der Kita unterstützen. Durch ein solidarisches Miteinander von Kita und Eltern kann hier viel Frust und Streit vermieden werden.

Posted in: Fachkräfte bzw. Betreuungsumfang

Stormarn

Fachkräftemangel

Dramatischer Personalmangel in Kita Hamberge

Schlimme Lage in der Kita Regenbogen in Hamberge: Die Einrichtung kämpft mit akutem Personalmangel. Erneut sind fünf Stellen vakant, Betreuungszeiten können nicht aufrecht erhalten werden. Das wurde Eltern und Sorgeberechtigten über einen Aushang mitgeteilt. „Wichtige Information zur Personalsituation“, so der Titel des Schreibens. Über Zeitarbeitsfirmen könne man derzeit keine Mitarbeiter generieren, da die dort Angestellten alle im Einsatz seien. „Dadurch spitzt sich die Situation so zu, dass wir Ihnen bedauerlicherweise mitteilen müssen, dass in den Kalenderwochen 21 und 22, sprich vom 20. bis 29. Mai, die Betreuungszeiten reduziert werden müssen“, teilen die Trägerin-Vertreterinnen des Kirchenkreises Plön-Segeberg, Melanie Mandel und Marion Dose, mit. Zusätzlich musste die gelbe Gruppe in dieser Woche zwei Tage komplett geschlossen werden. Doch damit nicht genug: Auch im Juni könne die Betreuung nur eingeschränkt gewährleistet werden, zudem müssten weitere Gruppen geschlossen werden.

Hohe Personalfluktuation

„Das ist wirklich eine Katastrophe“, sagt Hilal Inac. Genau genommen bestehe das Problem seit Jahren. „Meine Tochter ist jetzt sechs und kommt zum Glück bald in die Schule. Sie ist in der Kita, seitdem sie zweieinhalb ist. Es war immer so. Die Fluktuation ist zu hoch“, beklagt sie.

Inacs Tochter habe in ihrer gesamten Kindergartenzeit nicht einmal eine Lieblingserzieherin gehabt. „Die kommt nach Hause und sagt: ,Mama, da sind so viele Erzieher, ich weiß gar nicht, wie die heißen.’“ In der Kita Hamberge gebe es einen ständigen Wechsel. Die Mädchen und Jungen würden laufend in den Gruppen hin- und hergeschoben. Für alle Krippen- und Elementar-Gruppen gilt momentan: Betreuungszeiten werden nur von 7.30 bis 15 Uhr angeboten. „Wir müssen aber trotzdem bis 17 Uhr bezahlen. Das sind Zustände, das geht überhaupt nicht. Wir haben uns alle beschwert, bekommen aber trotzdem kein Geld zurück“, so die Hamberger Mutter.

In der Benutzungsordnung sei geregelt, dass kein Anspruch auf Schadenersatz bestehe, wenn die Kindertagesstätte aus zwingenden Gründen vorübergehend geschlossen werde oder der Betrieb nur eingeschränkt laufen könne. „Eine Erstattung des Betrages aus diesem Grund erfolgt nicht“, schreibt Melanie Mandel.

Wenig Kompromissbereitschaft

Patricia Schadl ist ebenfalls betroffen. Die Gruppe ihrer Tochter wurde zwei Tage geschlossen, und sie musste die Betreuung anderweitig organisieren, da sie berufstätig ist. „Der Hintergrund, warum die Gruppe geschlossen wurde, ist, dass die Erzieherin Urlaub hat. Ich finde, das kann keinen Vorrang haben. Irgendwo muss es doch eine andere Lösung geben.“ Sie habe schon diverse Gespräche mit dem Träger und der Leitung geführt. „In meinen Augen ist wenig Kompromissbereitschaft da. Es wird nichts angeboten, es werden auch keine Gruppen zusammengelegt.“ Das sei nicht erwünscht, habe sie als Antwort bekommen, weil Eltern aus anderen Gruppen sich dann beschwerten. „Man hätte ja auch die Eltern fragen können. Ich kenne zwei, drei Mütter, die hätten gern bei der Betreuung geholfen.“

Patricia Schadl hat mittlerweile ihr drittes Kind in der Kita Hamberge untergebracht. Sie kennt die Einrichtung seit 15 Jahren. „Es war früher anders. Man hat das Gefühl, je größer die Einrichtung wurde, desto schwieriger gestaltet sich die Organisation.“

Mehr Probleme bei großen Einrichtungen

Laut einer aktuellen Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ist knapp die Hälfte der deutschen Kita-Einrichtungen unterbesetzt. Das hat eine Umfrage unter 2600 Kita-Leitungen ergeben. Rund 90 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr mit „bedenklich zu wenig Personal“ gearbeitet zu haben. 86 Prozent gaben an, dass sie ihre Betreuungsangebote zurückfahren oder zu anderen Maßnahmen greifen mussten, um den Personalmangel zu überbrücken.

Weiteres Ergebnis der Umfrage: Je größer der Träger, desto mehr Stellen sind unbesetzt. Betroffen von den Problemen sind vor allem Einrichtungen mit 100 und mehr Kindern (71 Prozent). Kleinere Einrichtungen mit weniger als 20 Kindern sind weniger betroffen (51,3 Prozent). Ursache laut der Studie: Die Personalfluktuation ist bei größeren Einrichtungen oftmals höher. Die Nachbesetzung offener Stellen dauert bei 70 Prozent der Kitas im Schnitt mindestens drei Monate.

Insgesamt werden 125 Kinder in der Hamberger Kita Regenbogen betreut. Davon sind 30 Krippenkinder und 95 im Regelkindergarten. Für jede der acht Gruppen werden zwei ausgebildete Betreuungskräfte benötigt. Bei den unter Dreijährigen gilt der Schlüssel zwei Betreuungspersonen für zehn Kinder, bei den über Dreijährigen werden zwei Erzieher für 20 Kinder benötigt.

Erzieher werden Anforderungen nicht mehr gerecht

Weil so viele Stellen unbesetzt sind, können die Erzieher den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. „Wir haben zum Beispiel Zahnbürsten bezahlt. Aber die Zähne werden gar nicht geputzt, weil kein Personal da ist“, sagt Inac. Auch das Frühstücken komme viel zu kurz. „Mama, ich muss mich in die offene Gruppe einloggen. Ich habe keine Zeit zum Essen“, bekomme sie von ihrem Kind zu hören. Da herrsche eine Unruhe und Druck. „Das Frühstück kommt so wieder zurück, wie ich es mitgegeben habe. Und ich bin nicht die einzige Mutter, der es so ergeht.“ Elternvertreter würden sich wegducken. „Über die gehe ich gar nicht mehr, ich gehe direkt ins Büro der Leitung. Alle anderen machen das inzwischen auch so.“

Bereits Anfang des Jahres war die Kita Regenbogen dramatisch unterbesetzt. Sechs Erzieherinnen waren zeitgleich schwanger geworden, zwei waren erkrankt. Im Januar mussten deshalb viele Eltern ihre Kinder zu Hause lassen. Schon damals gab es die Befürchtung, dass das erst der Anfang der Misere sein könne.

Der Kirchenkreis als Träger der Einrichtung unternahm alle Anstrengungen, um Personal zu akquirieren. Erst sah es auch erfreulich aus. Für die insgesamt sieben Stellen hatte die Kita eine relativ gute Bewerbungsresonanz. „Wir haben fünf Stellen besetzen können und waren zu diesem Zeitpunkt zuversichtlich, dass sich die Lage rasch bessert“, so heißt es in dem Schreiben an die Eltern. Doch nun die Hiobsbotschaft: „Leider haben uns drei Kräfte noch vor ihrem 1. Arbeitstag darüber informiert, dass sie ihr Arbeitsverhältnis nicht antreten werden.“ Durch eine weitere Kündigung seien wieder fünf Stellen vakant.

Trägerin: Benutzerordnung wird geprüft

Angesprochen auf die kritische Situation in der Kita Regenbogen teilt Sebastian von Gehren, Pressesprecher des Kirchenkreises, mit: „Es wird gerade die Benutzerordnung geprüft, inwieweit Forderungen erfüllt werden können. Das passiert bis Anfang nächster Woche.“ Die Kita versuche, den Betrieb so gut es gehe aufrecht zu erhalten. „Aber das große Problem ist der Fachkräftemangel. Stellen sind ausgeschrieben, es wird gesucht, aber die Lage ist angespannt.“

Die Personalnot ist so groß, dass sich die Kitas schon gegenseitig Konkurrenz machen. Das hat auch die Hamberger Einrichtung zu spüren bekommen. „Weil es so viele Stellen und Angebote gibt, nehmen die Bewerber kurzfristig was anderes. Es ist gerade wirklich schwierig, die Stellen zu besetzen“, weiß von Gehren. Die Trägerin gebe ihr Bestes und bemühe sich, sie stehe aber im Wettbewerb mit allen anderen Einrichtungen. „Eltern sind natürlich auch immer emotional. Man guckt ganz genau hin, und das ist auch gut so. Nichtsdestotrotz wird in den Kitas, die die Kirchenkreise und Gemeinden betreiben, gute Arbeit geleistet.“

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Britta Matzen

Eltern klagen über Personalnot in Duisburger Kitas

Der Personalmangel in Duisburger Kitas führt zu verzweifelten Aushängen: „Bitte betreuen Sie ihr Kind zu Hause. Es fehlen fünf Vollzeitkräfte und deshalb können nur die Kinder berufstätiger Eltern betreut werden.“

Dieser Zettel hängt in roten Lettern an der Außentür einer Duisburger Kindertagesstätte. Darüber hängt eine weitere Nachricht: Am 20. November geht das gesamte Team zur Personalversammlung – der Kindergarten bleibt geschlossen. Engpässe, wie es sie jede Woche an so ziemlich jeder Kita in Duisburg zu geben scheint.

Viele Eltern klagen über Notgruppen in den Kitas

Eine kleine (nicht repräsentative) Umfrage stand erst eine Stunde in der Facebook-Gruppe Mütter in Duisburg, da gab es schon über 60 Kommentare. In einem Kindergarten wurden statt neun Gruppen nur zwei Notgruppen geöffnet. In Bissingheim würden wegen Krankheit und Schwangerschaft so viele Mitarbeiter fehlen, dass eine Kraft auf 27 Kinder komme.

In Großenbaum am Walderbenweg sollte Freitag geschlossen sein. Grund: Eine Erzieherin krank, eine Teilzeitkraft hat frei und eine muss zum Erste-Hilfe-Kurs. Springer seien leider nicht verfügbar. Andere Mütter ärgern sich darüber, ihr Kind selbst betreuen zu müssen und dennoch den vollen Betrag zahlen zu müssen.

In einem weiteren Kindergarten im Duisburger Süden habe jede der drei Gruppen nur eine Betreuungsperson, berichtet eine Mutter. Sie findet die Kita „eigentlich wunderschön“ und will der Einrichtung nicht schaden. „Denn die, die da sind, geben alles und noch mehr, sie haben es sogar geschafft, mit den Kindern Laternen zu basteln“.

Mutter: 24 U3-Kinder für nur zwei Erzieherinnen

Eine andere Mutter schreibt, dass sie ihr Kind aus der U3-Betreuung wieder abgemeldet hat: 24 kleine Kinder unter drei Jahren auf zwei Erzieher – das erschien ihr zu knapp. Ihren Namen will sie wie die meisten anderen Mütter nicht nennen. Die Sorge ist groß, dass die Kinder das ausbaden müssen.

Bereits Ende August hat sich Simone Zapp an OB Sören Link gewandt, um als Mitglied des Elternrates der Kita „In den Haesen“ in Homberg „teilweise untragbare Arbeitsbedingungen für unsere immer sehr engagierten Erzieherinnen“ zu beklagen. Es gebe keinen Personalpuffer mit der Folge, dass mit Beginn der Urlaubs- und Krankheitsphase zu wenige Betreuer zur Verfügung stehen. Ausflüge und Rituale wie das Backen von Geburtstagskuchen müssten deshalb abgesagt werden, so Simone Zapp. „Der Kita-Alltag leidet darunter sehr.“ Bereits im September wurden die Eltern an mehreren Tagen aufgefordert, ihre Kinder selbst zu betreuen, um die Gruppenstärke zu reduzieren. „Es waren über Wochen zu wenige Erzieherinnen im Einsatz. Es war nicht möglich, Mitarbeiterinnen aus der Personalreserve zu gewinnen, da schlichtweg keine mehr zur Verfügung standen“, hieß es Anfang Oktober in einem Brief, mit dem sich die Eltern der Homberger Kita erneut an den OB wandten.

Immerhin gibt es auch positive Kommentare – etwa aus der Kita Schachtstraße in Wehofen: Eine Gruppe, 2,5 Erzieher und häufig Praktikantinnen on top. „Wir sind zufrieden“, schreibt eine Mutter. Und regelrecht neidisch macht dieser Kommentar: „Bei uns ist alles super“ 17 Kinder auf 4 Erzieher plus Praktikantin!“ – in einem Betriebskindergarten.

Duisburg Stadt dementiert: Aktuell keine Notgruppen

Die Stadt dementiert die Berichte von Eltern über Notgruppen. „Aktuell gibt es keine Notgruppen. Die Personalausfälle sind nicht einem grundsätzlichen Personalmangel geschuldet, sondern der derzeitigen Erkältungswelle“, so ein Stadtsprecher am Freitag. Es habe bislang keine einzige Kita-Schließung gegeben: „Eine Reduzierung von Angeboten erfolgt nur in ganz seltenen Ausnahmefällen.“

Mit derzeit 906 Vollzeitstellen sei es „gut gelungen“, dem Stellensoll in den 79 städtischen Kitas zu entsprechen, erklärt die Stadt. Zum 30. September seien lediglich 2,4 Prozent der Stellen, nämlich 22 von 906, unbesetzt gewesen. Das entspreche einer „unterdurchschnittlicher Fluktuationsunterbesetzung“. Bis Jahresende sollen zehn Beschäftigte aus Elternzeit zurückkehren.

Insgesamt beschäftigt die Stadt in ihren Kitas 1.151 pädagogische Mitarbeiter/innen. 48 Mitarbeiter/innen arbeiten als Springer/innen für kurzzeitige Vertretungen in Urlaubs- und Krankheitsfällen (maximal bis zu fünf Wochen) und werden im gesamten Stadtgebiet eingesetzt, erklärt die Verwaltung.

Weil sich ihre Eltern beschwert hatten, dürfen Oda (3) und Thore (4) nicht mehr in ihre Kitas. Was ist nur los in deutschen Kindergärten? Eltern und Erzieher berichten über den täglichen Kita-Krieg. Der große BILD-Report.

Hamburg – Es ist ein Fall, über den Deutschland diskutiert: Der kleine Thore (4) aus Delingsdorf bei Hamburg wurde aus seinem „zuckerarmen Kindergarten“ geworfen, weil seine Eltern ihm Butterkekse in die Brotdose packten.

WAS IST BLOSS LOS IN DEUTSCHEN KITAS?

Empörte Eltern berichten in BILD, was sie so mit Erziehern erlebt haben:

► Peter (41) aus München: „In unserer Elterninitiative gibt es Strafputzen für versäumte Elternabende. Wer dreimal nicht erscheint – egal ob entschuldigt oder nicht – muss Hort und Kindergarten schrubben. Gerade in stressigen Zeiten eine unsinnige Mehrbelastung für berufstätige Mütter und Väter.“

► Renate (37) aus München: „Unsere Tochter ging mit einem Micky-Maus-T-Shirt in den Montessori-Kindergarten. Beim Abholen hatte sie ein anderes T-Shirt an, das eigene lag in einer Tasche. Begründung der Kita-Leiterin: ‚Wir wollen solche unguten Einflüsse von Medien nicht.‘“

► In der Kindertagesstätte in Uhingen (Baden-Württemberg) dürfen Kinder keine Spielsachen mitbringen. Eine Mutter: „Total idiotisch! Meine Tochter ist immer traurig, weil ich ihr sagen muss, dass ihre Puppe daheimbleiben muss. Eine Erzieherin meinte, dass es immer Streit um die mitgebrachten Spielsachen gab – deshalb das Verbot.“

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► Ralph (48) aus Saarbrücken hat drei Kinder: „Wir haben zwei Kinder, die in die Kita gehen. Das Problem: Sie öffnet erst um 7.30 Uhr. Dienstbeginn meiner Frau ist um 8 Uhr. Das wird meist knapp, zumal ich als Berufspendler selten einspringen kann.“

► „Alfred“ schreibt bei BILD.de: „Das Problem kenne ich. Man holt seine Kinder ab, für die man 550 Euro pro Monat zahlt und trifft auf eine Gruppe Erzieherinnen, die zusammen Tee trinken. Die Kinder sind alleine draußen. Den kleinen Max haben sie 3 (!) Stunden schlafen lassen und ihm nichts Richtiges zum Essen gegeben.“

► Anja (48) aus Hamburg hat vor gut einem Jahr den Kindergarten gewechselt: „Ich habe Zwillinge. Wenn einer der beiden krank war, mussten beide zu Hause bleiben – egal ob ansteckend oder nicht. Außerdem waren die Jungs (3) tagelang nicht draußen, weil nicht genug Personal da war, um mit der Gruppe rauszugehen.“

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► Anja (39) aus Duisburg suchte für ihre Tochter Anna (2) 2011 einen Betreuungsplatz, stellte sich bei einem kirchlichen Kindergarten vor – der hat nur bis 16 Uhr geöffnet, sie arbeitet bis 17.30 Uhr. „Als ich das der Leiterin sagte, blickte ich in große Augen: ,Waaaaaas? So lange wollen Sie arbeiten? Mit Kind? Das können Sie doch nicht mit Ihrem Gewissen vereinbaren!‘ Das war die Reaktion – einer Familienexpertin. Schönen Dank!“

► Andrea schreibt bei BILD.de: „Mich wundert das nicht! Ich kenne das auch von unserem Kindergarten. Beschwerden sind nicht erwünscht. Da spielen Kinder stundenlang bei schlechtem Wetter draußen, auch mal ohne Aufsicht. Beschwert man sich, heißt es: Das ist unser pädagogisches Konzept.“

► Britta schreibt bei BILD.de: „Gerne werden Alleinerziehende gemaßregelt, da haben sie es nur mit einer Person zu tun. Ich habe mich schon oft gefragt, warum sich gerade hartherzige und kalte Frauen, denen ihre eigenen Regeln wichtiger sind als alles andere, in Kindergärten tummeln.“

* Damit die Eltern keine Probleme mit ihrer Kita bekommen, hat BILD alle Nachnamen weggelassen

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    Familienanwalt Jens Ferner (34) aus Aachen sagt, welche Rechte und Pflichten Kitas haben.

    BILD: Dürfen Kitas bestimmte Lebensmittel wie Kekse verbieten?

    Ferner: „Grundsätzlich ja. Die Argumente für ein Verbot müssen nachvollziehbar und klar sein.“

    BILD: Darf die Kita, wenn die Eltern gegen die Regeln verstoßen, den Vertrag kündigen?

    Ferner: „Ja. Bei Bagatellen, wie den Keksen, allerdings nicht. Außerdem muss es vorher mehrere Abmahnungen gegeben haben.“

    BILD: Was können die Eltern im Fall Thore machen?

    Ferner: „Sofort einen Anwalt nehmen und einstweiligen Rechtsschutz fordern. Dann kann das Kind bis zur Entscheidung des Gerichts in der Kita bleiben.“

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Ob berufstätige Eltern ihr Kind mit an den Arbeitsplatz nehmen dürfen, hängt vom Betrieb ab. Einfach mit dem Nachwuchs morgens am Schreibtisch aufzutauchen, ist keine gute Idee. In jedem Fall müssen Beschäftigte so etwas vorher mit ihrem Chef absprechen, rät Ulrich Kanders, Geschäftsführer und Arbeitsrechtler beim Essener Unternehmensverband (EUV).

Haben Eltern bei einem Kita-Streik Anspruch auf Freistellung von der Arbeit?

Das ist nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sieht in Paragraph 616 zwar vor, dass ein Arbeitnehmer, der aus einem „nicht in seiner Person liegenden Grund“ – also etwa wegen eines Streiks – für eine „nicht erhebliche Zeit“ der Arbeit fernbleibt, sogar Anspruch auf Lohnfortzahlung hat.

Als nicht erhebliche Zeit werden in der Regel zwei bis drei Tage veranschlagt. Allerdings sind berufstätige Eltern verpflichtet, zuvor andere Möglichkeiten der Kinderbetreuung auszuloten, um ein Fernbleiben von der Arbeit möglichst zu vermeiden. Zudem ist der Paragraph „vertraglich abdingbar“. Soll heißen: In arbeits- oder auch tarifvertraglichen Vereinbarungen kann davon abgewichen werden.

Gibt es in Tarifverträgen abweichende Bestimmungen?

Ja. Ein Beispiel ist der Tarifvertrag im Öffentlichen Dienst der Kommunen, der auch für viele Erzieherinnen und Erzieher maßgeblich ist. Dort wird konkretisiert, in welchen Fällen besagter Paragraph 616 BGB Anwendung findet: Für die Niederkunft der Ehefrau kann der Arbeitnehmer zwei bezahlte Arbeitstage frei nehmen. Das gleich gilt beim Tod des Ehegatten.

Für dienstlich begründete Umzüge, 25- und 40-jährige Arbeitsjubiläen sowie die schwere Erkrankung von Angehörigen gibt es je einen Arbeitstag. Von Streiks ist aber nicht die Rede. Allerdings kann der Arbeitgeber „in sonstigen dringenden Fällen Arbeitsbefreiung unter Fortzahlung des Entgelts“ von bis zu drei Arbeitstagen gewähren. Kurzfristig ist zudem ein unbezahltes Fernbleiben aus dringendem Grund möglich.

Gilt das auch für Kita-Streiks?

Im Grundsatz schon. Schließlich haben die Eltern eine Aufsichtspflicht für ihre Kinder. Deren Wohl zu gewährleisten stellt einen ausreichend wichtigen Grund zum Fernbleiben von der Arbeit dar. Arbeitsrechtler raten in jedem Fall dazu, den Arbeitgeber möglichst frühzeitig zu informieren, wenn sich wegen Kitastreiks Fehlzeiten oder Verspätungen abzeichnen.

Zudem müssen Eltern wie erwähnt prüfen, ob nicht andere Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, etwa durch Verwandte, Tagesmütter oder gleichfalls betroffene Eltern. Dies gilt besonders dann, wenn der Arbeitsaustand mit längerem Vorlauf, beispielsweise einer Woche, angekündigt wurde. In solchen Fällen entfallen nämlich die Ansprüche aus § 161 BGB ganz.

Was machen Eltern, die keine Ersatzbetreuung organisieren können?

Ihnen bleibt im Notfall nur übrig, Urlaub zu nehmen. Diesen kann der Chef auch nicht versagen, wenn andernfalls Kinder im Kita-Alter unbeaufsichtigt blieben. Ausloten können Arbeitnehmer, ob sie sich für den Zeitraum des Streiks unbezahlt freistellen lassen können. Auch Home-Office oder der Abbau von Überstunden sind möglich. Anspruch auf eine Sonderbehandlung haben Arbeitnehmer dabei aber nicht. Es liegt laut dem Essener Unternehmensverband im Ermessen des Arbeitgebers, ob er dem zustimmt oder nicht.

Können Kita-Beiträge bei Streiks zurück verlangt werden?

Die Kita ist geschlossen, dann kann ich doch die Gebühren zurückfordern? Das ist meist nicht der Fall. „Zumindest haben Eltern keinen Rechtsanspruch darauf“, sagt Ronald Richter, Rechtsanwalt in Hamburg. Allenfalls können Eltern auf die Kulanz ihrer Kommune hoffen.

Grundsätzlich kann der Staat nur Beiträge erheben, wenn er eine Gegenleistung dafür zur Verfügung stellt, die der Beitragszahler auch nutzen kann. Im Fall einer bestreikten Kita ist die Nutzung derselben aber unmöglich. Auf dieser Grundlage können Rückerstattungen eingefordert werden. Ob diese dann bewilligt werden, hängt von den Gesetzen der einzelnen Bundesländer ab. (nachträglich ergänzt mit dpa)

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