Stillen und abpumpen

Rechte: So können Mütter Stillen und Arbeiten vereinbaren

Vollzeit arbeiten und dennoch regelmäßig stillen? Das erscheint vielen Müttern wie die Quadratur des Kreises. Doch berufstätig zu sein und seinem Baby die Brust zu geben, muss sich nicht ausschließen. Der Gesetzgeber hat dafür sogar eine rechtliche Grundlage geschaffen.

Das Recht auf Stillen während der Arbeit ist im Paragraf 7 des Mutterschutzgesetzes geregelt. Demnach hat eine „stillende Frau auf ihr Verlangen während der ersten zwölf Monate nach der Entbindung für die zum Stillen erforderliche Zeit freizustellen, mindestens aber zweimal täglich für eine halbe Stunde oder einmal täglich für eine Stunde“.

Wenn eine Mutter mehr als acht Stunden am Stück arbeitet, kann sie sogar zwei Mal für die Mahlzeiten des Babys eine Arbeitsunterbrechung von 45 Minuten einfordern oder die Stillpause 90 Minuten am Stück nehmen.

Alternativ darf die Mutter in diesen Zeitfenstern auch Milch abpumpen, wenn das Kind nicht bei ihr sein kann. Finanzielle Einbußen soll es durch den Arbeitsausfall nicht geben. Auch die anderen gesetzlichen Pausen dürfen nicht mit den Trinkzeiten des Babys verrechnet werden.

Organisation ist alles

Soweit der theoretische Rahmen. Die praktische Umsetzung ist jedoch kein Kinderspiel. Da braucht man vor allem Organisationstalent, so die Erfahrung von Marlene. Die 32-Jährige arbeitet in einer kleinen Marketingagentur und ist alleinerziehend. „Ich musste so schnell wie möglich wieder Geld verdienen und bin schon drei Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder ins Büro gegangen, wollte aber trotzdem unbedingt weiter stillen“, sagt sie. „Dieser Spagat klappte allerdings nur mit Hilfe meiner Mutter. Sie hat mir meine Kleine regelmäßig gebracht. Zum Glück wohnen wir nicht weit weg. Manchmal ist meine Tochter aber auch noch da geblieben, schlief neben meinem Schreibtisch im Kinderwagen. Das war für alle okay, auch für meinen Chef.“

Stillen im Job gelingt am besten mit Unterstützung Dritter. „Da ist schon einige Logistik und einiger Aufwand nötig. Doch wir ermutigen Mütter immer, bei der Rückkehr in den Beruf trotzdem unbedingt weiter zu stillen“, erklärt Aleyd von Gartzen, die beim Deutschen Hebammenverband den Bereich Stillen und Ernährung betreut.

„Abstillen wäre für das Kind in dieser Situation eine doppelte Belastung. Dann wäre plötzlich nicht nur Mama jeden Tag weg, sondern auch die Brust, die ja nicht nur Nahrungsquelle ist, sondern zugleich größte körperliche Nähe bedeutet.“

Stillen und Arbeiten: Broschüre des Hebammenverbands enthält Tipps

Um Arbeit und Babys Ernährung erfolgreich unter einen Hut zu bekommen, sollten Mütter gut vorbereitet sein. Da hilft es, Rücksprache mit der Hebamme des Vertrauens zu halten. Viele wertvolle Tipps enthält die Broschüre „Stillen und Beruf“, die der Hebammenverband herausgegeben hat.

Darin wird unter anderem empfohlen, bereits in der Schwangerschaft mit dem Arbeitgeber über die Still-Wünsche zu sprechen und sich darüber zu informieren, ob in der Firma ein vom Gesetz vorgeschriebener abgeschlossener und hygienisch einwandfreier Raum vorhanden ist. Dort sollten Mütter in stillfreundlicher Atmosphäre ihr Baby füttern oder Milch abpumpen können.

Familie und Freunde müssen mithelfen

Zudem ist es wichtig, sich rechtzeitig um Unterstützung zu kümmern. Ohne Hilfe von Familienmitgliedern, Freunden oder einer Tagesmutter geht es in den meisten Fällen nicht: Jemand muss das Baby zu den Trinkzeiten zu Mama bringen, oder umgekehrt dem Baby die Muttermilch-Fläschchen anliefern.

Alternativ können Frauen abgepumpte Milch in einem Kühlschrank lagern, mit nach Hause nehmen und einfrieren. Das Baby bekommt dann von der Tagesmutter seine Milch aus dem Tiefkühlvorrat jeweils im Fläschchen aufgewärmt.

Eine andere Möglichkeit ist, dass das Baby zeitweise am Arbeitsplatz bleibt. Das geht am besten bei Bürotätigkeiten und setzt voraus, dass die Kleinen noch nicht allzu mobil sind, noch viel schlafen und nicht die gesamte Belegschaft aufmischen. Wenn Wohnung und Arbeitsstelle nah beieinander liegen, kann das Stillen auch in die eigenen vier Wände verlegt werden – nach Absprache mit den Vorgesetzten.

Babys Trainingsprogramm: Muttermilch aus dem Fläschchen trinken

Wichtig ist, dass das Baby früh daran gewöhnt wird, die Muttermilch auch aus dem Fläschchen zu akzeptieren. Das sollten Eltern mit ihrem Säugling früh genug üben, bevor der erste Arbeitstag wieder ansteht.

Um nach der Babypause das Beschäftigungsverhältnis wieder aufzunehmen, eignet sich als Termin eher nicht der Wochenanfang. „Starten Sie in der Wochenmitte“, heißt es in der Broschüre. „Mittwochs liegt weniger Stress in der Luft als montags.“ Weiter wird Müttern geraten, im Büro stets auf stillfreundliche Kleidung zu achten und auch entsprechenden Ersatz mitzubringen, falls Blusen oder Pullis durch Milch fleckig werden.

Expertin: Mütter stillen zu früh ab

Wie viele Frauen in Deutschland ihr Recht auf Stillzeit am Arbeitsplatz wahrnehmen, lässt sich nur schwer bemessen. Hebamme von Gartzen schätzt, dass es eine überschaubare Anzahl ist. „Mein Eindruck ist, dass die Option ‚Stillen am Arbeitsplatz‘ eher für freiberufliche Frauen relevant ist. Sie beenden nämlich häufiger bereits nach wenigen Monaten ihre Elternzeit.“

Ein Großteil der fest angestellten Mütter kehrt erst nach einem Jahr an den Arbeitsplatz zurück. „Dann stillen die meisten ohnehin nicht mehr, da es in Deutschland bedauerlicherweise zur Stillkultur gehört, die Kinder bereits nach sechs Monaten von der Brust zu entwöhnen“, sagt von Gartzen.

Dabei sei Muttermilch erwiesenermaßen die gesündeste Ernährung für Babys und Kleinkinder. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Kinder auch nach der Einführung fester Nahrung möglichst weiter zu stillen, bis zum Alter von zwei Jahren beziehungsweise so lange, wie Mutter und Kind dies wünschen.

Vorzeigeunternehmen: Berliner Verkehrsbetriebe

Als großer Arbeitgeber mit rund 13.000 Mitarbeitern bemühen sich besonders vorbildlich die Berliner Verkehrsbetriebe um Business-Mütter. Stillen am Arbeitsplatz ist hier ausdrücklich erwünscht.

So wurden ein spezielles Eltern-Kind-Büro sowie Ruheräume eingerichtet, wohin sich Mitarbeiterinnen mit ihren Säuglingen zu den Trinkzeiten zurückziehen können. Zudem bietet das Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle genauso wie einen verlängerten Mutterschutz an.

Vorteile für alle: Gesunde Babys, motivierte Mütter und zufriedene Arbeitgeber

Profitieren können von diesem Engagement nicht nur junge Mütter und ihre Kinder. Auch der Arbeitgeber hat Vorteile. So müssen Frauen, deren Babys Muttermilch bekommen, seltener zuhause bleiben, weil ihr Kind krank ist. Das bedeutet weniger Fehltage, weniger Arztbesuche und weniger Krankenhausaufenthalte.

Angestellte, die nicht stillen, haben doppelt so viele Fehltage wie diejenigen, die stillen, heißt es in der Broschüre des Hebammenverbandes.

Außerdem ergaben andere Untersuchungen, dass 83 bis 94 Prozent der Angestellten in stillfreundlichen Betrieben früher an den Arbeitsplatz zurückkehren. Auch die Arbeitszufriedenheit und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist größer, wenn Stillen am Arbeitsplatz unterstützt wird.

  • Fünf Produkte im Vergleich: Die fünf besten Stillkissen im Vergleich
  • Mutterschutzgesetz 2020: Die wichtigsten Fakten zum Mutterschutzgesetz
  • Mindestens sechs Monate: Längeres Stillen könnte 800.000 Babys retten
  • Weltstillwoche: Warum Mütter immer kürzer stillen
  • Mehr Akzeptanz gefordert: Jeder Vierte sieht Stillen in der Öffentlichkeit zwiegespalten

Sie finden uns auch auf Facebook – jetzt Fan von „t-online.de Familie“ werden und mitdiskutieren!

Stillen und arbeiten | Wie kann das gelingen?

Stillen und arbeiten gehen | Wie mache ich das nur?

Immer wieder kommt in unseren Beratungen die Thematik Arbeitsaufnahme und Stillen auf. So auch bei Sarah, die nach 6monatigem Stillen nun bald Ihren Beruf wieder aufnehmen möchte. Ihr stellt sich die Frage: Stillen und Arbeiten, geht das? Und wenn ja wie und wie kann sie sich und ihr Baby gut auf diese neue Situation vorbereiten?

Wichtige Fragen die bei vielen Müttern zu individuellen Zeitpunkten auftreten. Mit diesen gehen oft auch Sorgen einher: Wie wird mein Baby auf die Umstellung, meine Abwesenheit reagieren? Wird meine Milchmenge beeinflusst? Wie gehen meine Kollegen mit meinem Wunsch weiterhin zu stillen um? Um nur einige zu nennen.

Damit der Übergang in diesen neuen Lebensabschnitt gut gelingt, möchten wir Euch hier einen Überblick über Eure Möglichkeiten geben. Doch vorab die Antwort auf die Frage

„ Geht mit der Arbeitsaufnahme gleichzeitig das Abstillen einher?“

Unsere Antwort: Selbstverständlich nicht, außer Du möchtest dies so.

Willst Du weiterhin stillen, bedeutet dies zwar für Dich und Dein Baby eine Umstellung sowohl zeitlich und organisatorisch, als auch körperlich, doch wie so oft in Eurer Stillbeziehung werdet Ihr Euren Weg nach einer Übergangsphase finden.

Doch bevor wir uns mit dem Übergang und Möglichkeiten beschäftigen, werfen wir einen Blick auf Deinen gesetzlichen Anspruch im Hinblick auf das Stillen. Ob spezielle Regelungen für Dich zutreffen ist abhängig davon, wie Deine Arbeitssituation ist.

Für stillende Mütter, die ein Beschäftigungs- oder Ausbildungsverhältnis haben oder studieren (siehe https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/__1.html), gilt das Mutterschutzgesetz (MuSchG). Hier werden Regelungen getroffen, die die Gesundheit von Mutter und Kind am Arbeitsplatz während der Schwangerschaft und der Stillzeit, schützen sollen.

Im Rahmen des §7 wird geregelt, dass der Arbeitgeber Dich in den ersten zwölf Monaten nach der Entbindung für das Stillen auf Dein Verlangen hin freistellen muss. Hierbei ist festgelegt, dass er dies mindestens zweimal täglich für 30 Minuten bzw. einmal täglich für eine Stunde, gewähren muss. Arbeitest Du mehr als acht zusammenhängende Stunden, muss er Dir zweimal mindestens 45 Minuten gewähren.

Besteht bei Deiner Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte nicht die räumliche Möglichkeit zu stillen, muss er Dir 1,5 Stunden gewähren, in denen Du die Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte verlassen kannst, um Dein Kind zu stillen.

Solltest Du Dir nun Sorgen machen, wie diese Stillpausen sich auf Dein Gehalt auswirken, musst Du dies nicht. Denn in §23 wird zudem geregelt, dass diese Freistellungszeiten für das Stillen sich sowohl nicht negativ auf Dein Gehalt, als auch nicht negativ auf Deine Arbeitsstunden, auswirken dürfen.

Übrigens klärt der Gesetzgeber auch, welche Tätigkeiten Du als stillenden Mutter nicht ausführen darfst. Wenn Du Dich dazu im Detail informieren möchtest, dann schau gerne hier nach: https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/__12.html

Die Richtlinien für Beamtinnen und Richterinnen, Soldatinnen richten sich im Grunde ebenfalls nach dem Mutterschutzgesetz, sind jedoch in einer eigenen Verordnung für Beamtinnen des Bundes geregelt bzw. der jeweiligen Verordnung des Landes. https://www.gesetze-im-internet.de/muscheltzv/BJNR032010009.html

Wie auch immer die gesetzlichen Regelungen sind, empfehlen wir Dir in Deine Überlegungen für den Arbeitsbeginn, die Rücksprache mit Deinem Chef bzw. Vorgesetzen vor Arbeitsantritt, einzubeziehen. Es schadet nicht und kann Euch den Start gut erleichtern, wenn Du in einem Vorabgespräch, Deinen Wunsch weiterhin zu stillen, besprichst. So habt Ihr die Gelegenheit herauszufinden ob Deine Arbeitsstelle Möglichkeiten hat oder schaffen kann, wo Du Dein Kind stillen kannst. Sollte dies nicht der Fall sein, dann kannst in Deine Planung einbeziehen, wie Du Euch die Möglichkeit geben kannst in Stillpausen außerhalb der Arbeits- oder Ausbildungsstätte Dein Baby zu stillen und wie Du dies organisieren kannst. Je nachdem ob Dein Baby bzw. Kleinkind in einer Betreuungseinrichtung untergebracht oder z.B. beim Papa zu Hause ist, müsst Ihr überlegen ob es notwendig ist, dass Dir Dein Kind in die Nähe der Arbeit gebracht wird, damit Du es stillen kannst, Du zu der Betreuung fährst und es dort stillst oder Du mittels einer Pumpe in den Pausen Milch abpumpst. Du siehst es gibt viele Varianten, die es zu überlegen gilt.

Entscheidest Du Dich Milch abzupumpen bzw. diese von Hand zu gewinnen, solltest Du Dich über Deine Möglichkeiten (vorausgesetzt Du bist bisher damit nicht in Berührung gekommen) vorab bei Deiner Hebamme oder einer Stillberaterin informieren. Die Muttermilchgewinnung ermöglicht Euch, dass z.B. der Vater, eine Tagesmutter oder die Betreuungseinrichtung Deinem Kind Muttermilch in Deiner Abwesenheit anbieten kann.

Es gibt manuelle oder elektrische Milchpumpen, die Du nutzen kannst. Bei Milchwiese findest Du eine Auswahl an verschiedenen Pumpen zum Leihen oder Kaufen. Über die Handentleerung haben wir bereits auf diesem Blog einmal geschrieben

Um die Milch auffangen zu können lohnt es sich z.B. Muttermilchbeutel dabei zu haben. Dafür ist es günstig eine kleine Kühltasche mit Kühlakku bereit zu stellen, damit du diese z.B. im Kühlschrank des Personalraums diskret zwischenlagern und zum Arbeitsende mitnehmen kannst

Soll diese abgepumpte Milch in der Betreuungseinrichtung Deines Kindes gegeben werden, dann ist es günstig, wenn Du vorab mit dieser Deine Situation und Deinen Wunsch besprichst. Denn leider sind nicht alle Einrichtungen offen dafür bzw. haben zu wenig Personal, um dies im Interesse jedes Kindes anbieten zu können oder haben einfach noch keine Erfahrung damit gemacht. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche positive Beispiele.

Wie auch beim Arbeitgeber ist eine klare Kommunikation wichtig, damit dies entspannt gelingen kann. Um Deinen Wunsch zu stützen, kannst Du hilfreiche Vorschläge für die Umsetzung unterbreiten. Besprecht daher wie die Muttermilch mittels Flasche oder Becher gegeben werden kann, welche Möglichkeiten der Lagerung es gibt und worauf bei der Lagerung zu achten ist, wie oft die Muttermilch dem Kind angeboten werden sollte und wer dies im Alltag übernehmen kann.

In diesem Zusammenhang ist es günstig, vor allem wenn Arbeitgeber oder Betreuungseinrichtung der Muttermilchgabe kritisch gegenüber stehen, die Vorteile für Dein Baby, für Dich, aber auch für die Gesellschaft noch einmal aufzuführen. Wenn Du dazu Ideen benötigst, schau doch in unseren Blogbeitrag „ 45 Vorteile des Stillens“.

So hast Du eine Grundlage, deinen Wunsch mit Fakten zu hinterlegen und Akzeptanz zu schaffen. Es hilft zudem darauf hinzuweisen, dass die Weltgesundheitsorganisation das Vollstillen bis einschließlich des 6. Monats empfiehlt, um dann mit Einführung der Beikost, weiter zu stillen bzw. Muttermilch zu geben solange Du und Dein Kind dies möchten. Doch nicht nur für die Schaffung von Akzeptanz ist dieses Wissen wichtig, sondern auch für Euch. Denn Arbeitsbeginn ist nicht gleichbedeutend mit dem Abstillen. Ihr könnt und dürft solange stillen wie es für Euch richtig ist. Die Länge und Intensität der Stillbeziehung ist individuell sehr verschieden und alles ist richtig, was für Euch und Eure Situation passend ist.

Mit dieser Basis gilt es nun sich zu überlegen, wie Du den Übergang für Dich und Dein Baby gestaltest. Es empfiehlt sich, Euch viel Zeit für die Vorbereitung zu geben, damit Ihr Euch entspannt und ohne Druck auf diese Umstelllung vorbereiten könnt.

Zuerst solltest Du darüber nachdenken ob die Muttermilch mittels Flasche oder auch durch einen Trinkbecher gegeben werden soll. Hast Du bisher voll gestillt und Dein Baby noch nie aus der Flasche oder einem Becher getrunken, kannst Du in Ruhe versuchen Muttermilch mit der Hand oder Pumpe zu gewinnen und diese Deinem Baby anzubieten. Oftmals gelingt dies besser, wenn nicht Du die Fütterung übernimmst, sondern z.B. der Papa oder eine andere Vertrauensperson, da viele Kinder dies von der Mutter verweigern. Nachvollziehbar, denn die Babys kennen die eigentliche Quelle und bevorzugen die Brust, statt einer Flasche. Gebt Euch auch hier Zeit und viele Versuche, geht es langsam an und versucht ansonsten alles in für Euch gewohnter Normalität zu belassen. Stille wie gewohnt weiter und versucht erst einmal eine Mahlzeit aus der Flasche zu geben. Hier ist es günstig eine Mahlzeit zu wählen die in Deine spätere Arbeitszeit fällt und Schritt für Schritt öfter die Flasche tagsüber anzubieten, so dass Ihr im Laufe der Zeit dazu kommt, dass die spätere Arbeitszeit mit Flaschenmahlzeiten gedeckt ist. Ansonsten stillt ihr gemütlich morgens, abends und nachts weiter, so wie es für Euch passt.

Rede ruhig mit Deinem Kind warum sich das Gewohnte ändert. Kinder haben ein großes Gespür für Veränderungen und verstehen schon früher als wir denken sehr viel. Beziehe es ein, mache ihm deutlich, dass Ihr trotzdem viel Zeit zum Kuscheln habt, nur zeitlich verlagert. Gib Euch Beiden daher die Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen und fange nicht zu kurzfristig vor Beginn der Arbeit an, Euch auf die neue Situation einzustellen. Nicht nur für das Baby bzw. Kleinkind kann es eine Zeit dauern sich daran zu gewöhnen, auch für Dich ist es möglicherweise emotional schwierig diesen Schritt zu gehen. Vielleicht hast Du Angst, dass sich Eure Bindung dadurch ändert, Sorge Loslassen zu können. Hier hilft es zum Beispiel mit Deiner Hebamme, einer Stillberaterin oder im Rahmen einer Stillgruppe darüber zu reden. Hier bekommst Du hilfreiche Tipps und Ratschläge und fühlst Dich nicht alleine in dieser Situation.

Möglicherweise wirkt sich die Umstellung auch auf die verfügbare Milchmenge aus, vielleicht merkst Du auch, dass Dein Baby öfter stillen möchte. Nachvollziehbar und ähnlich den körperlichen Reaktionen eines Wachstumsschubs. Veränderungen beeinflussen uns und auch unser Baby. Dein Baby sucht mehr Nähe um sich Deiner zu versichern und Geborgenheit zu finden, Du wirst durch die anstehenden Veränderungen beeinflusst, ggf. steigt Dein Stresspegel, da nicht alles reibungslos klappt. Dies kann mit Verringerung der Milchmenge einhergehen. In dieser Situation solltet Ihr schauen, so viel wie möglich zu stillen bzw. abzupumpen, bis die Milchmenge sich wieder reguliert. Viele Kuscheleinheiten helfen Euch in der neuen Situation anzukommen. Gebt Euch Zeit und erzwingt nichts.

Zum Abschluss möchten wir Euch einen exemplarischen Tagesablauf aufzeigen, um Euch eine Idee zu geben wie dies aussehen kann:

6:00 Uhr Morgendliches Stillen

7:30 Ggf. vor Übergabe kurz stillen

8:00 Kind zur Kinderbetreuung geben

8:30 vor Arbeitsbeginn abpumpen

8:45 Arbeiten

12: 00 In der Mittagspause abpumpen oder das Kind stillen (Papa bringt es vorbei) oder zur Kinderbetreuung fahren und stillen

13:30 Arbeiten

16:30 Nach Arbeitsende stillen/abpumpen

19:00 Nächtliches Einschlafstillen

21:00-6:00 Nächtliches Stillen

Dies ist nur ein Beispiel. Gerne kannst Du uns an Deinen persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen!

Dass Muttermilch für das Neugeborene ideal ist, wird durch zahlreiche Studien belegt. Doch wie lässt sich Stillen mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz vereinbaren? Hier ein paar Tipps.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschliesslich zu stillen. In der Schweiz dauert der Mutterschaftsurlaub aber nur 14 Wochen. Um auch Müttern, die nach dieser kurzen Zeit wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, das Stillen zu ermöglichen, sieht das Arbeitsgesetz vor, dass Arbeitgeber den Müttern die zum Stillen erforderliche Zeit frei geben müssen. Im ersten Lebensjahr des Kindes gilt die gesamte Zeit, die eine Mutter im Betrieb für das Stillen ihres Babys oder für das Abpumpen von Muttermilch braucht, als Arbeitszeit. Verlässt die Mutter den Arbeitsort, um ihr Baby zu Hause, bei der Tagesmutter oder in der Kindertagesstätte zu stillen, wird die Hälfte der Abwesenheit als Arbeitszeit anerkannt. Die zum Stillen erforderliche Zeit gilt nicht als Ruhezeit. Sie darf weder als Überstundenkompensation ausgelegt noch an die Ferien angerechnet werden. Es ist auf jeden Fall ratsam, die Situation vor der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit dem Arbeitgeber zu besprechen.

Stillen hat Vorteile für alle

Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die ein Baby braucht. Ausserdem stärkt sie sein Immunsystem, unterstützt seine Entwicklung und passt sich laufend den Bedürfnissen des wachsenden Kindes an. Auch auf Mütter hat das Stillen einen positiven Einfluss. Sie erkranken seltener an Brust- oder Gebärmutterhalskrebs und finden schneller zu ihrem Normalgewicht zurück. Nicht zuletzt profitiert auch der Arbeitgeber, wenn eine Mitarbeiterin ihr Kind stillt. Gestillte Kinder sind seltener erkältet und erkranken weniger oft an Mittelohrentzündungen oder Magen-Darm-Infektionen. Dies führt zu weniger Abwesenheiten der Eltern am Arbeitsplatz.

So klappt es mit dem Abpumpen

Die grosse Mehrheit der Mütter, die trotz Rückkehr an den Arbeitsplatz weiter stillen wollen, entscheidet sich fürs Abpumpen der Milch. Verena Marchand, Ausbildnerin von Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC aus Bern, empfiehlt Müttern, sich diesbezüglich frühzeitig mit der vorgesetzten Stelle abzusprechen. „Fürs Abpumpen brauchen Mütter einen Rückzugsort, der abschliessbar ist und Sichtschutz bietet. Ausserdem müssen ein Kühlschrank zur Lagerung der Milch und eine Möglichkeit zum Waschen des Brustpumpenzubehörs zur Verfügung stehen“, so die Stillexpertin. Sie rät, das Abpumpen mindestens vier Wochen vor der Wiederaufnahme der Arbeit zu üben und die dabei gewonnene Muttermilch gleich einzufrieren. So kann sich die Mutter mit dem Gerät vertraut machen, und das Kind gewöhnt sich daran, die Milch ohne direkten Kontakt zur Mutter zu trinken. „Oft akzeptiert das Baby den Schoppen eher, wenn es ihn in der ersten Zeit von Papa oder einer anderen Person erhält“, ergänzt Verena Marchand. Vor der Wiederaufnahme der Arbeit legt die Mutter am besten einen Milchvorrat für die ersten Arbeitstage an und lagert ihn im Tiefkühler.

Die ideale Pumpe

Bei der Wahl der geeigneten Pumpe kann eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC helfen. Jede Mutter hat Anspruch auf drei Beratungen durch eine Still-Fachfrau. Die Kosten werden aus der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt. Für Frauen, die selten abpumpen, reicht meist eine Handpumpe aus. Frauen, die häufig oder bei der Arbeit in möglichst kurzer Zeit abpumpen wollen, können mit Hilfe einer elektrischen Pumpe mit Doppelpumpset die fürs Abpumpen notwendige Zeit halbieren.

Abpumpen ja, aber wann?

Das Abpumpen zu Hause funktioniert direkt nach einer Stillmahlzeit am besten, wenn das Kind die Brüste nicht ganz leer oder nur an einer Brust getrunken hat. Morgens, wenn die Frau entspannt ist, fliesst die Milch besonders gut. Damit der Milchfluss nicht versiegt, muss die Mutter regelmässig abpumpen, denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Je mehr die Mutter abpumpt, desto mehr Milch fliesst. Liegen zwei Stillmahlzeiten weit auseinander, weil das Baby zum Beispiel länger schläft, rät Verena Marchand, zwischendurch abzupumpen. Bei der Arbeit soll die Brust so oft abgepumpt werden, wie die Frau zu Hause stillen würde. Berufstätige stillende Mütter tun gut daran, ihrem Baby kurz vor dem Weggehen die Brust zu geben.
Um den Milchfluss beim Abpumpen bei der Arbeit anzuregen, empfiehlt Verena Marchand eine vorgängige Brustmassage, das Trinken eines warmen Getränks und das Mitnehmen eines Gegenstandes, der an das Baby erinnert (z.B. ein Foto).

Umgang mit Muttermilch

Um die Qualität der abgepumpten Milch möglichst nicht zu beeinträchtigen, ist gründliches Händewaschen mit Flüssigseife vor dem Stillen/Abpumpen und Schöppeln wichtig. Auch die Milchpumpe, Fläschchen und Sauger müssen sauber gehalten werden. Alle Teile der Pumpe, die mit Milch in Kontakt kommen, wäscht man mit kaltem Wasser aus und reinigt sie danach mit Spülmittel. Einmal pro Tag sollte man diese Teile auskochen oder bei über 60° C im Geschirrspüler waschen. Diese Massnahmen tragen dazu bei, dass möglichst wenig Keime in die Milch gelangen.

Aufbewahrung der Milch

Verena Marchand empfiehlt, die Fläschchen bzw. Milchbeutel nach dem Abpumpen mit dem Datum zu beschriften. Muttermilch ist bei Zimmertemperatur (16–29° C) etwa 3 bis 4 Stunden, im Kühlschrank bei 4° C oder kälter 72 Stunden und im Tiefkühler (bei weniger als –17° C) 6 Monate haltbar. „Frauen, die bei der Arbeit abpumpen, sollten darauf achten, dass die Kühlkette auf dem Nachhauseweg nicht unterbrochen wird“, erklärt Verena Marchand. „Am besten gelingt dies mit einer Kühltasche und Kühlelementen.“

Gute Frage: Wie viel Milch trinkt ein Baby pro Tag?

Die Milchmenge, die ein Baby pro Tag trinkt, entspricht in den ersten drei Monaten etwa einem Sechstel seines Körpergewichts, ab vier Monaten etwa einem Siebtel. Die Portionengrösse fürs Abpumpen errechnen Sie, indem Sie den Tagesbedarf durch die Anzahl Mahlzeiten teilen.

Haben Sie gewusst,

dass die Grundversicherung Ihrer Krankenkasse einen Teil der Kosten für die Miete einer elektrischen Milchpumpe übernimmt? Erkundigen Sie sich aber vorgängig bei Ihrer Krankenkasse nach den Konditionen. Die Kosten für eine Anschaffung werden nämlich in der Regel nicht übernommen, obwohl dies meist günstiger wäre. Falls Sie sich trotzdem für den Kauf eines Gerätes entscheiden, sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.