Stillen richtiges anlegen

Inhalte

Häufigkeit und Dauer der Stillmahlzeiten

Die Stillhäufigkeit ist individuell sehr unterschiedlich. Ein Säugling kann acht bis zwölf Stillmahlzeiten in 24 Stunden zu sich nehmen.

Manche Säuglinge trinken über einen Zeitraum von zwei bis sechs Stunden stündlich und schlafen dann länger (sogenanntes Clusterfeeding). Manche Babys trinken aber auch Tag und Nacht alle zwei bis drei Stunden. Durchschnittlich bleibt ein Säugling pro Stillmahlzeit 15 bis 20 Minuten an jeder Brust. Einige Säuglinge brauchen nur eine Brust, um satt zu werden, andere benötigen beide und trinken länger.

Anleitung zum Stillen

Eine gute und hilfreiche Anleitung zum Stillen bietet die „Checkliste für die Zeit nach der Geburt“ (S. 2: Stillen und Ernährung) von der Nationalen Stillkommission. Der Abschnitt „Stillen und Ernährung“ wird hier mit freundlicher Genehmigung des Bundesinstituts für Risikobewertung zitiert:

Stillen und Ernährung

  • Sie sollten Ihr Baby an beiden Brüsten ohne Probleme und in unterschiedlichen Stillpositionen anlegen können.
  • Durch richtiges Anlegen können Sie wunde Brustwarzen, Milchstau und andere Probleme vermeiden. Lassen Sie sich zeigen, wie es geht!
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Baby beide Brüste gut erfassen kann!
  • Stillen sollte nicht schmerzhaft sein.
  • Wissen Sie, woran Sie erkennen, wann es Zeit ist, Ihr Baby zu stillen?
  • Achten Sie auf die Signale Ihres Babys und denken Sie daran, dass Schreien schon ein spätes Signal ist.
  • 10- bis 12-maliges Stillen ist in den ersten Tagen völlig normal. In den ersten vier Wochen sollten Sie Ihr Baby etwa acht Mal in 24 Stunden stillen.
  • Die Trinkdauer bestimmt Ihr Baby selbst: Anfangs sind es oft 20 Minuten pro Mahlzeit.
  • Auch wenn Ihr Kind einmal schläfrig ist, sollten Sie es zum Trinken ermuntern, z. B. indem Sie es in den Arm nehmen, entkleiden, windeln.
  • In den ersten Wochen sollte Ihr Kind täglich mindestens 6 nasse Windeln und 2 Stuhlwindeln haben.
  • Sie können ganz einfach feststellen, ob eine Einmalwindel nass ist: Sie ist dann schwerer. E Spätestens nach 14 Tagen sollte Ihr Kind sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Im Alter zwischen 2 und 8 Wochen sollte es täglich mindestens 20 g zunehmen.
  • Wenn es nötig sein sollte, neben Muttermilch andere Flüssigkeiten zu füttern, tun Sie dies am besten mit einem Becher oder Löffel. Lassen Sie sich zeigen, wie das geht, und informieren Sie sich eventuell auch über andere Fütterungstechniken.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung

Das Faltblatt „Checkliste für die Zeit nach der Geburt“ kann – wie die Informationsblätter zum Stillen für Schwangere und Stillende der Nationalen Stillkommission am BfR – von der Internetseite heruntergeladen oder in beliebiger Stückzahl kostenlos beim BfR angefordert werden:

Geschäftsstelle der Nationalen Stillkommission
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88-92
14195 Berlin
E-Mail: [email protected]
Fax: 030-8412 3715.

Dauer einer Stillmahlzeit

Grundsätzlich sollte eine Stillmahlzeit an einer Brust mindestens 10, besser 15 Minuten dauern, damit Ihr Baby nicht nur die dünnere Anfangsmilch erhält, sondern auch die dickflüssige und sättigende Nachmilch. Bedenken Sie auch, dass der Milchspendereflex manchmal erst nach zwei bis drei Minuten ausgelöst wird. Lassen Sie Ihr Kind aber auch nicht stundenlang an der Brust saugen. Die Brust soll kein Nuggi-Ersatz sein!

Babys lassen sich in fünf „Stilltemperamente“ einteilen, die sich nicht wirklich verändern oder beeinflussen lassen:

  • Kräftige Kinder, welche die Brust schnell erfassen und gierig trinken. Sie brauchen 10-20 Minuten für ihre gesamte Stillmahlzeit.
  • Kinder, die beim Anlegen aufgeregt sind und die Brust zwar fassen, aber gleich wieder verlieren und dann zu schreien beginnen. Diese Kinder müssen erst beruhigt werden, bis sie angelegt werden können.
  • Kinder, die in den ersten Tagen wenig Interesse an der Brust oder am Saugen zeigen. Nach dem Milcheinschuss beginnen sie jedoch gut zu trinken. Drängen hilft da nicht. Gelingt es, die Zeit für das Anlegen als Kennenlern- und Schmusezeit zu sehen, finden Mutter und Kind leichter zueinander.
  • Kinder, die vor dem Trinken etwas mit der Brustwarze spielen, saugen, probieren, wieder loslassen und dann erst zu trinken beginnen. Danach trinken sie gut und sollten daher in der Anfangsphase nicht gedrängt werden.
  • Kinder, die ein bisschen trinken, sich ausruhen und wieder trinken. Diese Kinder brauchen durch ihre Pausen sehr lange und lassen sich auch nicht drängen.

Häufige Fragen zum Thema

Habe ich zuwenig Milch?

Mein Baby schläft beim Stillen immer ein. Was kann ich da tun?

Letzte Aktualisierung : 26-11-19, BH

wieviel minuten pro brust?

Hi!
Erstmal ist es generell kontraproduktiv da feste Zeiten anzusetzten…es gibt Kinder, dennen reicht von geburt an eine Seite und dort nur 5 Minuten…andere brauchen Monatelang 30 Minuten pro Seite!
Generell wird die Stilldauer aber eher kürzer, da die zwerge effektiver augen mit zunhemender Kraft!
Richte dich nach deinem Kind und deinem Gefühl!
Lass es trinken, bis es eben satt ist!
Mein erster Sohn stillte eigentlich die gesamte Vollstillzeit(und noch lange dannach) alle 2 Stunden spätestens…dann trank er eher gemütlich etwa 10 Miuten lang…abends gelegentlich bei Schüben auch mal ne Stunde am Stück.
Meine Tochter trank nie länger als 5 Minuten – und hielt damit je nach Laune bis zu 7 Stunden durch!
Mein Kleinster jetzt trinkt, pausiert einige Minten, trinkt dann weiter, pausiert nochmal…so isst er gerne in 3-4 Gängen – und hat mal alle 2 Stunden, mal alle 5 Stunden Hunger, je nach Tageszeit. So dauert eine Stillmahlzeit zwischen 3 und 40 Minuten…
Und alle 3 nahmen und nehmen pro Mahlzeit nur eine Seite…
Meine Hebamme, die wirklich Ahnung hat vom Stillen, rät das, was auch die LLL empfiehlt: anlegen nach Bedarf, bis Kind satt ist!
lg
melanie mit
Max(5, 3 Jahre gestillt)
leonie(3,5 ,noch stillend)
Moritz(4 Wochen , vollstillend)

Wie oft müssen Säuglinge in den ersten Lebenswochen gestillt werden?

Konkrete Empfehlungen nach dem Motto „x-mal in 24 Stunden“ oder „alle x Stunden“ gibt es nicht. Denn Babys sind in ihrem Stillverhalten sehr verschieden. Viele Säuglinge möchten anfangs zehn- bis zwölfmal in 24 Stunden angelegt werden. Doch ein Muss ist es nicht. Ist das Baby gesund, gedeiht es und nimmt es an Gewicht zu, dann ist es gut versorgt.

Stillen nach Bedarf des Kindes

Beim Stillen können die Unterschiede von Säugling zu Säugling groß sein. Das Netzwerk Gesund ins Leben, eine IN FORM-Initiative des Bundesernährungsministeriums, empfiehlt, die Stillhäufigkeit nach dem Bedarf des Kindes auszurichten. Das heißt, wie oft und wie lange gestillt wird, bestimmt der Säugling. Viele Kinder wollen in den ersten Lebenswochen zehn- bis zwölfmal in 24 Stunden angelegt werden. Darauf weist das Netzwerk hin. Doch es gibt auch Säuglinge, die weniger häufig trinken wollen. Auch das Stillmuster kann unterschiedlich sein. Manche möchten rund um die Uhr regelmäßig alle zwei bis drei Stunden trinken, andere über einen Zeitraum von zwei bis sechs Stunden stündlich trinken und dann länger schlafen (so genanntes Clusterfeeding). Manche Säuglinge verändern ihre Stillfrequenz und ihr Stillmuster, wenn sie älter werden, andere nicht . Wichtig ist es, sensibel auf die Hungersignale des Kindes zu reagieren. Durch Unruhe, Strampeln, Such- und Schmatzbewegungen, eine angespannte Körperhaltung, geballte Fäuste, Saugen am Finger etc., zeigt das Kind, dass es gestillt werden möchte. Schreien ist ein eher spätes Hungersignal.

Das Saugen an der Brust sorgt bei der Mutter für die Ausschüttung von Prolaktin, einem Hormon das wiederum die Milchproduktion anregt. Je häufiger das Baby in den allerersten Wochen saugt und die Brust stimuliert, desto mehr Milch wird gebildet. Eine gewisse Stillhäufigkeit ist daher zur Anregung der Milchbildung durchaus förderlich. Sie begünstigt den Übergang von der Vormilch (Kolostrum) zur Bildung größerer Mengen an so genannter transitorischer Milch , auch Übergangsmilch (zur reifen Frauenmilch) genannt. In besonderen Situationen kann es notwendig sein, Kinder zum Stillen zu wecken. Das ist der Fall, wenn Kinder nicht genügend an Gewicht zunehmen oder eine Neugeborenen-Gelbsucht (erhöhte Bilirubinwerte) haben . Diese wird durch einen Mangel an Flüssigkeit und Nahrung verstärkt . Liegt der Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten in den ersten Lebenswochen über 4 Stunden, sollte das Baby ebenfalls sanft zum Stillen geweckt werden .

Über Nachgefragt

In der Rubrik Nachgefragt gehen wir Irrtümern auf den Grund und erklären altes Wissen neu

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Ob das Kind genügend trinkt, zeigt sich beispielsweise am Gewicht. Eine Gewichtsabnahme in den ersten Tagen nach der Geburt ist allerdings ganz normal, da das Kind mehr Flüssigkeit ausscheidet und mehr Energie verbraucht, als es aufnimmt. Beträgt die Gewichtsabnahme mehr als 7 bis 10 Prozent des Geburtsgewichts oder erfolgt innerhalb der ersten 7 Lebenstage keine Gewichtszunahme, dann müssen die Ursachen ärztlich geklärt werden.

Erfolgreich starten

Bereits in der Zeit direkt nach der Geburt werden die Weichen für ein erfolgreiches Stillen gestellt. Ein früher Hautkontakt von Mutter und Kind fördert das Stillen . Das erste Anlegen des Kindes sollte innerhalb der ersten 2 Stunden nach der Geburt erfolgen, empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben . Das gilt auch für Kaiserschnittentbindungen, wenn sie nicht unter Vollnarkose erfolgten. Das Kind wird nach der Geburt auf die Brust gelegt und der natürliche Verlauf des Suchens und Findens der Brustwarze und das erste Saugen abgewartet. Er kann bis zu 100 Minuten dauern, doch in diesen Prozess sollte nicht eingegriffen werden . Ärzte, Hebammen und Stillberater sollten bereits in der Schwangerschaft über das Stillen informieren und dabei auch die werdenden Väter einbeziehen. Denn Unsicherheiten führen häufig dazu, dass das Stillen zu früh abgebrochen wird. Im Rahmen dieser Beratung können das richtige Anlegen, Stillhäufigkeit, Hungersignale, Zeitaufwand und viele andere Aspekte des Stillens angesprochen werden.

Stillen – kurz und bündig

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC |

  1. Je öfter Du stillst, desto mehr Milch wirst Du haben.
    Je mehr Milch Dein Baby bei Dir trinkt, desto mehr Milch wird Dein Körper produzieren.

    Es ist ein ganz einfaches Prinzip!

  2. Habe ich genug Milch?
    Die meisten Frauen sind fähig, Zwillinge zu stillen!
    Sechs bis acht schwere/nasse Windeln am Tag bedeuten in der Regel, dass reichlich Milch „in das Kind gelangt“.

    Und Deine Milch ist die normale Nahrung für Dein Baby, die sich immer wieder anpasst, um genau seine sich ändernden Bedürfnisse zu erfüllen.

  3. Manche Babys sind anfangs schläfrig und müssen ermuntert werden, häufig zu stillen, aber viele Neugeborene möchten gerne sehr oft stillen.
    Viele Neugeborene trinken während der meisten Zeit des Tages gerne etwa jede Stunde ausgiebig (besonders am Abend!).

    Aber wenn sie größer werden, nimmt ihr „Still-Marathon“ allmählich ab. Wirklich, es ändert sich!

  4. Stillen bietet sowohl Wärme, Sicherheit, Körperkontakt, Rückversicherung und Entspannung, als auch einfach nur Nahrung.

    Versuche nicht die Lieblingsbeschäftigung Deines Babys in einen Zeitplan zu zwingen.

    Vergiss die Uhr und genießt Euch gegenseitig, so wie das Stillen eigentlich gedacht ist.

  5. Ob groß oder klein, dick oder dünn, den meisten gesunden Babys geht es für etwa das erste halbe Jahr mit nichts, außer der Milch ihrer Mutter, am besten.

    Auch Wasser ist nicht notwendig.

    Und sorge Dich nicht wegen möglicher Überfütterung.

    Es gibt keine Beweise dafür, dass gestillte Babys auch nur ein Gramm mehr an Gewicht zunehmen, als ihre „programmierte“ Menge, ganz gleich wie oft sie stillen.

    Du kannst ein wachsendes Baby nicht zu viel stillen; aber zu wenig.

  6. Manchmal sind wunde Brustwarzen ein Problem.
    Sie bessern sich meistens durch eine Verbesserung Deiner Stillposition.

    Leg das auf seiner Seite liegende Baby mit seinem Bauch an Deinen Bauch, so dass sein Rücken und sein Hals nicht verdreht ist.

    Halte es so, dass seine Nase, nicht sein Kinn, nahe bei Deiner Brustwarze ist und drücke seinen Bauch und seine Knie gegen Deinen Körper.

    Stütze Deine Brust mit Deinen Fingern weit von Deiner Brustwarze entfernt.

    Wenn es seinen Mund öffnet, rolle oder streiche Deine Brust auf seine Zunge, so dass Deine Brustwarze als Letztes in seinen Mund gelangt und seine Unterlippe so weit wie möglich von Deiner Brustwarze entfernt ist.

    Ziehe es heran, so dass seine Wangen Deine Brust berühren.

    Wenn Du das Gefühl hast, Du benötigst Hilfe, ruf eine Stillberaterin der LLL oder AFS oder eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC an.

    Stillen ist auch eine erlernte Fähigkeit und es ist sinnvoll von erfolgreich stillenden Müttern zu lernen.

    In dem Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“ bekommst Du ausführliche Tipps und hilfreiche Infos zum Anlegen in unterschiedlichen Positionen.

  7. Zurück an den Arbeitsplatz?
    Du kannst Dein Baby weiterstillen!

    Es ist das Einzige, dass nur Du allein für Dein Baby tun kannst, kein Anderer.

    Sprich mit einer Stillberaterin oder Laktationsberaterin IBCLC, wie Du es im Einzelnen organisieren kannst.

    Selbst wenn Du nur ein paar Wochen stillst, gibst Du Deinem Baby so einen unersetzlichen Start.

  8. Fühlen sich Deine Brüste „leer“ an?
    Lass Dich nicht in die Irre führen! So lange Du stillst, werden Deine Brüste nie leer sein.
    Und darauf zu warten, dass sich Deine Brüste „gefüllt“ haben, bevor Du Dein Baby anlegst, wird Deine Milchmenge tatsächlich reduzieren.

    Nach etwa einem Monat passt Deine Produktion genau zu der Nachfrage Deines Babys und Du wirst Dich nicht mehr „voll“ fühlen.

    Aber die Milch wird noch immer da sein, solange Du Dein Baby jedes Mal angelegt hast, wenn es daran interessiert war.

  9. Du und Dein Baby seid einzigartig.
    Höre zu, lerne und suche die Vorschläge heraus, die sich für Euch beide am besten anfühlen.

    Eure Stillbeziehung miteinander wird nicht genau so sein wie irgendeine andere.

  10. Das Wichtigste noch einmal:
    Häufiges Stillen ist der beste Weg, um eine gute Milchmenge und ein gesundes, glückliches Baby sicher zu stellen.

    Dieses Prinzip ist so alt wie die Menschheit, und es funktioniert hervorragend.

Original: „Nursing, in a Nutshell“ von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2001
Übersetzung: Regine Gresens IBCLC, Oktober 2004
Foto: Alison Warner

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Du fragst dich, wie oft Stillen noch normal ist? Du hast bereits gehört, dass Babys deutlich häufiger als alle 4 Stunden Stillen dürfen.

Doch dein Baby stillt -zumindest gefühlt- ständig!

Über Stunden hinweg kannst du nicht einmal in Ruhe zur Toilette gehen. Es ist nervenaufreibend! Wie oft Stillen Babys also normalerweise?

Wie oft stillen Babys normalerweise?

Da sich viele Stillkinder gar nicht an einen Rhythmus halten und Rhythmen auch ganz unterschiedlich gezählt werden (oder hast du auch schonmal überlegt, ob eine Schwester oder Hebamme die nachfragte jetzt 2-stündlich ab Beginn oder ab Ende der Mahlzeit meinte?), ist das die unzuverlässigste Methode, mit der du die Mahlzeiten deines Kindes bestimmen kannst.

Zählen wird auch wieder jeder anders.

In meinen Beratungen stelle ich es – wenn wir eine Mahlzeitenhäufigkeit aufzeichnen müssen – der jeweiligen Mama meist frei, welchen regelmäßigen Aufzeichnungspunkt sie wählt. Denn jede Mama stillt anders. Oder wir besprechen es vorab.

Dann sehen wir uns gemeinsam den entstandenen Zeitstrahl an und ich erkläre, welche Bedeutung diese Mahlzeitenverteilung hat.

Die Frage wie oft Stillen normal ist, ist so individuell zu beantworten.

Während das eine Baby mit 6 Still-Mahlzeiten in 24 Stunden gedeiht, wählt ein anderes Baby eher 16 Mahlzeiten.

Annahme 1: Deinem Baby reicht die Milch nicht (mehr)

Wir sind in unserer Gesellschaft dieses Babyverhalten nicht gewohnt.

Reicht das Stillen?!

Trag dich gleich ein für regelmäßige Infos zu Blogartikeln und Kursen.

Lerne in meinen eMails mehr über das Stillen. Wie es reicht. Wie lange es reicht. Wann es reicht.

Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Unsere Vorgenerationen haben volle Arbeit geleistet und unter dem Ansporn gesellschaftlicher und politisch geprägter Anführer versucht unnatürliche Rhythmen in unseren Leben zu etablieren.

So kam es wirklich dazu, dass die Milch häufig nicht reichte. Das Babys vor Hunger schrien.

Auch dir wird daher heute vermittelt, dass deine Milch nicht (mehr) reichen würde. Sonst würde dein Baby doch friedlich schlummern, wird erwartet.

Nun brauchst du ein dickes Fell. Dieses lässt sich in Wochenbett und junger Mutterschaft nur schwer wachsen und pflegen. Doch du darfst stetig darauf achten.

Letztlich kann es sogar sein, dass du dich gegen medizinische Instanzen vom alten Schlag durchsetzen musst – ehe du den Befreiungsschlag zu dieser Aussage schaffst. So lange die Gewichtsentwicklung deines Babys allerdings normal ist, ist häufiges Stillen auch normal und ok.

Für dein Baby.

Wie oft Stillen für Babys normal ist, weiss man übrigens sehr genau! Die meisten Babys stillen in Europa zwischen 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden, um dabei gut zu gedeihen. Manche sogar noch häufiger!

Annahme 2: Deinem Baby ist deine Milch zu dünn

Der Mythos von zu dünner Milch hält sich stetig.

Er ist völlig unwissenschaftlich und unmittelbar von der Hand zu weisen.

Denn: Zu dünne Milch gibt es nicht.

Muttermilch wird in einem fein ausgeklügelten Chemie-Labor-System in deinen Milchbläschchen frisch hergestellt. Dazu nutzt die Zelle das vorbeifließende Blut deiner Gefäße. In einer vorgegebenen Zusammensetzung entsteht nun die Milch für dein Baby.

Diese Zusammensetzung ist so starr, dass die Muttermilch einer südlich lebenden Afrikanerin eine nahezu Identische ist, wie die Zusammensetzung der Muttermilch einer nördlich lebenden Norwegerin. Einziger Unterschied ist – je nach Auswahl der Ernährung – die Zusammensetzung der Fette. Es ist davon auszugehen, dass die Norwegerin einen höheren Fischkonsum hat und daher eine höhere Konzentration von Omega-3-Fettsäuren.

“Aaaaaber….!”, wird der kluge Mensch nun einwerfen. “Wie kommt es dann bitte zu den ausgemergelten Babys in armen Ländern? Gibt es sie nicht doch, die zu dünne Milch?”

Nein.

Diese Babys sind unterernährt, weil ihre Mütter aufgrund eigener Unterernährung tatsächlich nicht mehr fähig sind Muttermilch in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen.

Oder noch viel wahrscheinlicher haben sie nicht einmal gestillt, sondern zu teurer Babynahrung gegriffen. Wie die Reichen im Westen. Und weil das Geld nicht reicht, wurde diese Nahrung gestreckt.

Wirkliche Unterernährung kann also einen Einfluss auf die Milchmenge haben. Sie bleibt dann einfach, trotz reichlichem Stillen, weg.

Furchtbar!

Doch das sei nur nebenbei angemerkt.

Wie oft dein Baby hintereinander stillen möchte, beeinflusst übrigens auch die Zusammensetzung deiner Milch. Sie wird mit jedem Durchgang, der kurz hintereinander gestillt wird ein wenig fettreicher.

Annahme 3: Dein Baby bekommt Bauchweh, wenn neue Milch auf alte Milch gestillt wird

Ein altes Ammenmärchen vermittelt, dass neue Milch nicht auf alte Milch gegeben werden dürfe. Sonst würden Gase entstehen.

Betrachten wir diese Aussage genauer.

Bei der Verdauung können durchaus Gase entstehen. Durch das häufige Stillen über einen längeren Zeitraum, bleiben allerdings ebenso wieder Zeiten am Tag, wo der Magen ausruhen darf.

Noch dazu kann das Baby ganz nach seinem Körpergefühl trinken, ohne dass sein Magen dabei überdehnt wird.

Ein weiterer Blick in unsere Erwachsenenwelt.

Wenn du vor einer halben Stunde etwas gegessen hast und merkst nun, dass du noch Hunger hättest. Bekommst du dann eher Bauchweh, wenn du noch etwas isst? Oder eher, wenn du dir das Essen trotz Hunger für noch weitere 4 Stunden abwartest? Altersmäßig angebracht wäre natürlich dann eher ein Vielfaches an Stunden. 😉

Wie oft dein Baby Stillen möchte, darf es also ganz selbst entscheiden. Dass dein Baby vom Stillen nach Bedarf Bauchweh bekommt, ist also recht unwahrscheinlich. Wobei ein Baby natürlich auch TROTZ Stillens nach Bedarf einmal Bauchweh haben kann.

Annahme 4: Dein Baby trinkt nicht richtig

“Jetzt trink halt mal g’scheit!”

Es scheint wirklich zum mäuse-melken, wenn Babys “nicht richtig” trinken.

Sie unterbrechen nach wenigen Minuten des Stillens die Stillmahlzeit für abermals ein paar Minuten.

Ein unregelmäßiges Stillverhalten ist für Babys total normal.

Manchmal trinken Babys kurz. Lassen dann wieder los. Trinken dann wieder ein bisschen. Schlafen 10 Minuten.

Ganz schnell kann es dir gegenüber dann heißen, dass dein Baby “nicht richtig” trinken würde.

Doch wie hilft es dir?

Leider gar nicht.

Manchmal verändert sich dieses Stillverhalten – vor allem so lange dein Baby noch ganz klein ist – wenn ihr während dem Stillen im direkten Hautkontakt seid.

Wie oft Stillen für dein Baby gerade relevant ist, hängt also auch von Entwicklungsschüben und Entdeckerlaune ab. Und manchmal auch von dem Bedürfnis sich rückzuversichern, wenn es gar nicht um das Trinken an sich, sondern um andere Bedürfnisse geht.

Annahme 5: Dein Baby muss zum trinken wach gehalten werden

Die Stilldauer von Babys ist unterschiedlich.

Wichtig ist die Frage, was steckt hinter der Müdigkeit!

Sehr müde Babys, die zum Beispiel wegen einer Gelbsucht müde sind, können auch durch sanfte Massagen unterstützt werden. Vielleicht braucht es dann auch ganz andere unterstützende Maßnahmen.

Bei einem gesunden Kind ist davon aber nicht auszugehen.

Falls es da doch Anlass zur Sorge gibt, kann dir eine Stillberaterin ein entscheidendes Stück weiterhelfen. Du lernst einzuschätzen, wie oft Stillen für dein Baby und seinen gesunden Gewichtsverlauf wichtig ist und wie du die Stillmahlzeiten effektiver gestalten kannst.

Annahme 6: Dein Baby schläft nicht gut, weil es zu wenig bekommt

Mit einigen Wochen – und manchmal auch von Anfang an – kann es sein, dass du beobachtest, dass dein Baby gar nicht so tief schläft. Sobald du versuchst es abzulegen, ist es wieder wach. (Und will vermutlich auch wieder Stillen.)

Ebenso kann es sein, dass du gar nicht mehr “aufstehen darfst”, wenn ihr zum Stillen gemeinsam im Bett gelegen habt.

Der leichte Schlaf schützt Babys vor dem plötzlichen Kindstod. Früher – zu Zeiten als wir mit Sippen auf Wanderschaft gingen – war er darüber hinaus der Garant, dass ein Baby nicht zurückgelassen wurde.

Draußen, in unverschlossenen Lagern, wäre es bereits eine große Gefahr gewesen, wenn sich die schützende Erwachsene nur wenige Meter vom Baby entfernt hätte.

Hinderlich vor dem tiefen Schlaf ist also nicht deine Milchmenge, sondern viel mehr das innere genetische Programm.

Annahme 7: Dein Baby soll Wasser oder Tee bekommen, wenn es zu oft stillt

Babys, die “zu häufig” Stillen wollen, sind ein sehr neues Problem.

Gab es das früher also nicht? Stillten die Babys früher seltener?

Nein!

Doch es scherte sich niemals jemand um die Stillhäufigkeit!

Mit der Frequenz in der dein Baby stillt, steuert es die Milchmenge. Trinkt es stattdessen aus der Flasche, wird sich deine Milchmenge nicht ausreichend anpassen können. Dann bekommt dein Baby wirklich Hunger, weil es kalorienfreie Flüssigkeit erhalten hat UND dein Körper weniger stark in der Milchproduktion angekurbelt wurde.

Fazit für Babys, die häufig stillen wollen

Dein Baby bestimmt wie oft Stillen notwendig ist. Jeden Tag neu. Über die Häufigkeit des Stillens reguliert dein Baby die Muttermilch die es bekommt exakt nach seinem Bedürfnis.

Das Clusterstillen gehört dabei zu den normalen Phänomenen, die beim Stillen auftreten. Wenn dein Baby das von sich aus nicht tut und gut gedeiht ist das ebenfalls in Ordnung.

Während wir Erwachsenen uns ein unterschiedliches Essverhalten zugestehen, sind wir bei Kindern besonders kritisch. Es fällt uns schwer ihre Essgewohnheiten nicht irgendwelchen Regeln und Vorgaben zu unterwerfen. Mit weitreichenden Folgen – wie wir am teils wirklich neurotischen Essverhalten unserer eigenen Altersklasse sehen können.

Neben der üblichen Spannweite von 8-12 Still-Mahlzeiten in 24 Stunden, gibt es Babys die darüber hinaus weitaus häufiger Stillen möchten. Ob deine Milch für dein Baby ausreicht, kann darüber hinaus nur eine Analyse des Gewichtsverlaufes zeigen, wie ich sie zum Beispiel auch mit dem kleinen Henri gemacht habe, als seine Mama Xenia sich nicht sicher war, ob ihre Milch noch reicht.

Du hast immer noch ein ungutes Gefühl und dir wurde bereits vermittelt, dass du vielleicht zufüttern werden musst?

Wenn du nicht nur eine zweite Meinung, sondern eine persönliche und individuelle Begleitung haben möchtest, dann melde dich einfach bei mir. Völlig egal, wo du wohnst. Dann besprechen wir, wie ich dir am Besten helfen kann.

Alles Liebe und bis bald,
~Tabea

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Tabea Laue | Kinderkrankenschwester & IBCLC-Stillberaterin

Ich berate Frauen in der Vorbereitung auf die Stillzeit, helfe beim Lösen von Stillproblemen und darüber hinaus in allen Phasen der Stillzeit, beim Tandem-Stillen und bis hin zum Abstillen.

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Reicht das Stillen?!

Trag dich gleich ein für regelmäßige Infos zu Blogartikeln und Kursen.

Lerne in meinen eMails mehr über das Stillen. Wie es reicht. Wie lange es reicht. Wann es reicht.

Und am wichtigsten: Was DU tun kannst.

Richtig anlegen zum Stillen: So geht’s

Richtiges Anlegen ist die Grundvoraussetzung dafür, dass deine Milch gut fließt und du dein Baby problemlos – und vor allem schmerzlos! – stillen kannst. Mit diesen Tipps liegst du richtig.

Vor dem Anlegen: Mach es dir bequem!

Wenn dein Baby beim Stillen deine Brustwarze nicht richtig erfasst, kann es unangenehm werden und das beginnt damit, dass du selbst entspannt bist! Mach es euch vor dem Anlegen mit eurem Stillkissen bequem – völlig egal ob im Liegen oder Sitzen. Damit du dein Baby richtig anlegen kannst, ist es wichtig ist, dass weder du noch dein Baby euch zum Stillen verrenken müsst. Dazu gehört auch, dass Vorbeugen streng Tabu ist! Der oft zitierte Merksatz hat durchaus seine Berechtigung: Bring immer dein Baby an deine Brust, nicht die Brust zum Baby! Am leichtesten machst du es dir, wenn du am Anfang mehrere Stillpositionen ausprobierst, um die Haltung zu finden, die am besten zu euch passt. Wenn ihr beide gut sitzt oder liegt, kann es losgehen!

Entspannt und richtig anlegen

Startposition einnehmen

Damit dein Baby deine Brustwarze richtig mit dem Mund erfassen kann, sollte es mit seinem Kopf etwa auf der Höhe deiner Brust und deinem Körper zugewandt sein („Bauch an Bauch“). Dein Baby soll sein Köpfchen zum richtigen Anlegen und trinken nicht drehen müssen!

Babys Mund stimulieren

Damit dein Baby möglichst nicht nur die Spitze deiner Brustwartwarze, sondern auch einen großen Teil des Warzenhofes in den Mund nimmt (das ist der dunkle Bereich rund um deine Brustwarze), muss es seinen Mund weit öffnen. Das erreichst du am besten, indem zu deinem Baby vor dem Anlegen zuerst mit deiner Brustwarze leicht über die Lippen streichst. Es wird seinen Mund zum Stillen automatisch öffnen.

Baby anlegen

Jetzt sollte alles relativ schnell gehen: Ziehe dein Baby mit seinem offenen Mund zu dir heran. Es wird jetzt idealerweise deine Brustwarze und einen großen Teil des Brustwarzenhofs erfassen und sofort anfangen zu saugen. Dabei sollten sein Kinn und seine Nase deine Brust berühren und die Lippen leicht ausgestülpt sein. Wenn sein Körper nun vom Ohr über die Schulter bis zur Hüfte eine Linie bildet, liegt dein Baby richtig an. Es schadet nichts, jetzt im Zweifel das Stillkissen noch mal leicht nach zu justieren – dann kannst du dich entspannt zurücklehnen und das Stillen genießen!

Du siehst: Dein Baby richtig anzulegen ist gar nicht so schwer, wenn man ein paar Tricks und die richtige Technik kennt! Gib euch beiden ein wenig Zeit und schon bald beherrscht ihr beide das richtige Anlegen vermutlich wie im Schlaf.

Richtig anlegen und abnehmen von der Brust

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Richtig an der Brust anlegen

Das Anlegen funktioniert richtig, indem Du mit der einen Hand Deine Brust hältst und mit der anderen Dein Baby an die Brustwarze führst. Nimm Deine Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger, um sie Deinem Baby in den Mund zu legen. Sorge dafür, dass es den Brustwarzenhof zum größten Teil mit ansaugt. Es sollte Dir aber nicht weh tun.

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Richtig anlegen: Mit welcher Brust anfangen?

Beginne Dein Baby an der Brust zu stillen, die Dir voller erscheint als die andere. Dein Baby trinkt am besten immer eine Brust ganz leer und sollte dann möglichst noch aus der zweiten Brust trinken, bis der Hunger gestillt ist und es von selbst von der Brust ablässt. Beim nächsten Stillen fängst Du dann mit der zweiten Brust an. Mehr über die Stillzeiten erfährst Du in unseren Artikeln „Trinkt mein Kind genug beim Stillen?“ und „Wie oft solltest Du stillen?“.

Neugeborene trinken länger

Wenn Du Dein Neugeborenes stillst, kann es sein, dass das Trinken noch sehr lange dauert. Bis zu 30 Minuten pro Brust sind nicht ungewöhnlich. Später sollte es nicht länger als zehn Minuten pro Seite trinken.

Richtiges Abnehmen von der Brust

Es ist nicht nur wichtig, wie Du das Baby richtig anlegen kannst, auch das Abnehmen von der Brust will gelernt sein. Wenn Dein Baby satt ist und nur noch an Deiner Brust nuckelt, kannst Du es vorsichtig von der Brust lösen. Beim Saugen herrscht im Mund Deines Kindes ein Vakuum. Wenn Du es nun einfach von der Brust wegziehen würdest, würde es nicht loslassen und die Brustwarze schmerzhaft in die Länge ziehen. Löse also besser das Vakuum, indem Du einen Finger zwischen Brust und Mundwinkel legst. Wenn Luft in den Mund Deines Babys kommt, lässt es automatisch los und Du kannst es von der Brust abnehmen. In unserem Artikel „Wie lange dauert eine Stillmahlzeit?“ findest Du die besten Hinweise darauf, dass Dein Baby satt ist.

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Richtig anlegen: Tipps von der Hebamme

Direkt nach der Geburt hilft Dir die Hebamme, damit Du Dein Baby richtig anlegen kannst. Um Problemen wie einer Brustentzündung vorzubeugen, lasse Dir so oft wie nötig zeigen, wie Du Dein Baby richtig anlegst. Die Hebammen im Krankenhaus oder Deine Nachsorgehebamme sind jederzeit für Dich da. Im Krankenhaus kannst Du Dir außerdem die gängigsten Stillpositionen zeigen lassen, damit Du Deiner Brust etwas Abwechslung bieten kannst und Du keine wunden Brustwarzen bekommst. Lege Dein Baby immer an, wenn es hungrig ist. Bis es seinen Stillrhythmus gefunden hat, bedarf es manchmal mehr, manchmal weniger Zeit und Geduld.

Tipps für Dein Wohlbefinden beim Stillen

Sorge beim Stillen am besten immer für Ruhe und versuche, Dich zu entspannen. Achte außerdem darauf, dass Du genügend trinkst: mindestens zwei Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt, wenn möglich noch mehr. Am besten geeignet sind Wasser oder Tee. Um die Milchproduktion anzuregen kannst Du zum Beispiel sogenannten Stilltee trinken: einen Kräutertee mit Fenchel, Anis und Kümmel. Aber auch alkoholfreies Weizenbier oder Malzbier wirken anregend auf Deine Milchproduktion. Wenn Du meinst, dass zu wenig Milch fließt, kannst Du Deine Brust vor dem Anlegen mit Tüchern oder Stillöl wärmen. Am wirkungsvollsten ist es allerdings, Dein Kind häufiger trinken zu lassen. Je häufiger Du stillst, desto mehr Milch wirst Du produzieren. Deine Brust stellt sich immer schnell und ganz von alleine auf den vermehrten Bedarf Deines Kindes ein. Bei Problemen oder Fragen kannst Du auch stets Deinen Arzt oder Deine Nachsorge-Hebamme um Hilfe bitten. So lange Du stillst, darfst Du Deine Hebamme immer anrufen.

Mehr Informationen zum Stillen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys mindestens sechs Monate voll zu stillen. Aber eine längere Stillzeit ist gut für Dein Kind. In unserem Ernährungsplan erfährst Du mehr über die Babyernährung im ersten Jahr. In unserem Spezial „Stillen“ findest Du viele weitere Tipps und Hinweise.

Hast Du Probleme beim Stillen?

Viele Mütter haben beim Stillen anfangs Schwierigkeiten, unternehmen jedoch nichts, sondern warten lieber ab und hoffen, dass sich ihre Probleme mit der Zeit allein auflösen, oder sie wissen nicht, wo sie Hilfe finden können.

Bestehen anfängliche Stillprobleme jedoch zu lange und werden sie nicht schnell gelöst, wird ein vorzeitiges Abstillen immer wahrscheinlicher.

Zögere also nicht so lange, bis es schon fast zu spät ist, sondern such Dir bei Schwierigkeiten mit dem Stillen frühzeitig fachlichen Rat oder Hilfe!

Hier erfährst Du, wann Du eine Stillberatung benötigst und wo Du sie finden kannst.

Wann ist SOFORT fachlicher Rat oder Hilfe nötig?

  • Dein Baby geht von Anfang an nicht an die Brust.
  • Dein Baby macht nur kurze, schnelle Saugbewegungen ohne Pausen.
  • Dein Baby schläft ohne zu trinken an der Brust ein und wacht nicht auf.
  • Dein Baby hat nach dem 3. Lebenstag noch immer seltene schwere (bzw. nasse) Windeln.
  • Dein Baby lässt die Brustwarze immer wieder los, schmatzt oder klickt beim Stillen.
  • Dein Baby hat nach dem 5. Lebenstag noch immer dunkelgrünen, fast schwarzen Stuhlgang.
  • Deine Brustwarzen werden schon in den ersten Tagen nach der Geburt sehr wund.

Wann ist fachlicher Rat oder Hilfe nötig?

  • Dein Baby schläft an der Brust ein und wacht wieder auf, kurz nachdem es abgenommen wird.
  • Dein Baby hat wenig oder keinen Stuhlgang für mehr als 12 Stunden. (Nach der 3. Lebenswoche haben manche Babys nur noch bis zu alle 10 Tage Stuhlgang.)
  • Deine Brustwarzen schmerzen beim Stillen und/oder sind wund.
  • Bei Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt, z.B. bei einer Frühgeburt.
  • Bei gesundheitlichen Besonderheiten oder Problemen von Mutter oder Kind.
  • Dein Baby nimmt zu wenig zu und der Kinderarzt rät zum Zufüttern und/oder Abstillen.
  • Du hast das Gefühl, das Stillen läuft nicht gut.

Wo bekomme ich fachlichen Rat oder Hilfe bei Stillproblemen?

Bei allen Problemen mit dem Stillen solltest Du dich unbedingt frühzeitig um Rat bemühen. Die erste Ansprechpartnerin wird meistens Deine betreuende Kinderkrankenschwester in der Klinik oder Deine Wochenbetthebamme sein. Auch der Kinder- oder Frauenarzt Deines Vertrauens kann um Rat gefragt werden.

Bist Du mit dem erhaltenen Rat nicht einverstanden, fühlst Du dich bei der Behandlung des Problems nicht wohl oder tritt innerhalb kurzer Zeit (maximal 1 Woche) keine Besserung des Problems ein, sollte so bald wie möglich eine geprüfte Still- und Laktationsberaterin IBCLC hinzugezogen werden.

Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC sind medizinische Fachkräfte, z.B. Kinderkrankenschwestern, Hebammen, Ärztinnen u.a., die sich für das Spezialgebiet Stillen und Laktation (=Milchbildung) intensiv fortgebildet und eine international anerkannte Prüfung abgelegt haben. Sie haben sich verpflichtet, ihr Fachwissen durch regelmäßige Fortbildung stets auf dem neuesten Stand zu halten und nach einer bestimmten Zeit die Prüfung zu wiederholen.

Die Kosten für eine Einzelberatung durch eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC müssen zumeist selbst getragen werden und können nur selten mit der Krankenkasse abgerechnet werden.

Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC vermieten oft auch moderne, elektrische Milchpumpen, (z.B. mit Doppelpumpset zum gleichzeitigen Abpumpen beider Brüste) deren Kosten auf ärztliche Anordnung von der Krankenkasse übernommen werden.

Still- und Laktationsberaterinnen in Deiner Nähe findest Du hier:

  • Berufsverband der Deutschen Laktationsberaterinnen e.V. (BDL)
  • Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen (AZ L+S)
  • Still-Lexikon
  • Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs IBCLC (VSLÖ)
  • Berufsverband Schweizerischer Stillberaterinnen IBCLC (BSS)
  • International Lactation Consultant Association

Stillgruppen

Stillgruppenleiterinnen und Stillberaterinnen der La Leche Liga (LLL) oder der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) sind Laienberaterinnen, die in der Regel eigene Stillerfahrung haben. Vielleicht haben sie einen medizinischen Grundberuf, aber das ist keine Voraussetzung.

Sie beraten bei leichteren Stillfragen telefonisch oder per E-Mail, was meistens kostenfrei ist, und bieten regelmäßige Stillgruppentreffen an, die dem Erfahrungsaustausch von stillenden Müttern dienen.

Stillberaterinnen in Deiner Nähe findest Du hier:

  • Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen e.V. (AFS) Deutschland
  • Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Österreich
  • La Leche Liga Deutschland e.V. (LLLD)
  • La Leche Liga Schweiz
  • La Leche Liga Österreich

Warte nicht zu lange ab!

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, November 2004
Foto: Thomas Widmann

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Warum das Stillen häufig nicht klappt

Der natürliche Geburtsprozess gerät in vielen Krankenhäusern durcheinander.

Stillen beruht auf einer hochkomplexen Interaktion zwischen Mutter und Kind, die sehr empfindlich gegenüber Störfaktoren ist. Die Krankenhausroutine ist an vielen Entbindungskliniken ausgesprochen ungünstig für die Etablierung einer funktionierenden Stillbeziehung, da sie in den natürlichen Ablauf der Geburt und der Neugeborenenzeit eingreift. Darüber hinaus mangelt es an den meisten Geburtskliniken an Fachpersonal, welches Zeit für die individuelle Begleitung von Mutter und Kind mitbringen kann und über eine ausreichende Fortbildung in der Still- und Laktationsberatung verfügt. Eine Reihe von äußeren Umständen wirken sich aufs Stillen nachteilig aus, sodass viele Frauen, die das biologische Potenzial einer vollen Milchbildung mitbringen, schließlich doch nicht stillen können.

Medikamente während der Geburt

Schmerzmittel, Narkotika, Wehenmittel und eine ganze Reihe weiterer Medikamente unter der Geburt wirken nicht nur auf die Mutter, sondern auch auf das Baby. Dadurch wird das Baby nach der Geburt schläfrig und benommen, sein angeborenes Such- und Andockverhalten kommt durcheinander. Schläfrige Babys saugen seltener und nicht so effektiv an der Brust wie muntere Babys und regen die Milchbildung daher nicht so effektiv an. Auch die intuitiven mütterlichen Reaktionen unmittelbar nach der Geburt können sich durch die Medikamente verändern, wodurch die feine Abstimmung zwischen Mutter und Baby gestört wird. Infusionen unter der Geburt können den Stillstart ebenfalls erschweren, da sie zu Anschwellungen des Brustwarzenbereichs und zu einer gewissen Überwässerung beim Baby führen können. Das erschwert das Andocken nach der Geburt und kann möglicherweise auch den Appetit des Babys beeinträchtigen, sodass die Milchbildung der Mutter durch das Baby nicht ausreichend angeregt wird (über Zusammenhänge der Milchbildung s. Die Milchmenge steigern, wie man mehr Milch bilden kann). Eine Geburt ohne Medikamente ist aus der Sicht des Stillens am besten. Wenn Schmerzmittel eingesetzt werden, sollten möglichst diejenigen bevorzugt werden, die das Baby weniger beeinträchtigen. Medikamente sind bei manchen Geburten jedoch unverzichtbar. Bei einem guten anschließenden Stillmanagement (häufiges Anlegen rund um die Uhr mindestens 8- bis 12-mal in 24 Stunden, ggf. sanftes Wecken des Babys, wenn es länger als 3 Stunden schläft und / oder Entleerung der Brust per Hand oder Pumpe, emotionale und praktische Unterstützung) können die Anfangsschwierigkeiten überwunden werden.

Trennung von Mutter und Kind direkt nach der Geburt

Das Baby wird nach der Geburt von der Mutter weggenommen, um es zu wiegen, messen und medizinisch zu untersuchen

Früher war es üblich, das Neugeborene von der Mutter gleich nach der Entbindung zu trennen. Es ist inzwischen klar geworden, dass direkter, ungestörter Hautkontakt in den ersten Stunden nach der Geburt nicht nur die Mutter-Kind-Bindung fördert, sondern auch das spätere Stillen erleichtert. Legt man das Neugeborene gleich nach der Geburt auf den nackten Bauch oder die Brust der Mutter, oder nimmt die Mutter das Kind selber hoch, fängt das Baby nach einer ersten Verschnaufpause an, nach der Brust der Mutter zu suchen. Es hebt den Kopf, bewegt sich ohne Hilfe zur Brust, nimmt die Brustwarze in den Mund und fängt an zu saugen. Dafür braucht es durchschnittlich etwa 60 Minuten. Medikamente während der Geburt und eine Trennung des Kindes von der Mutter für Untersuchungen und ärztliche Routinemaßnahmen stören diesen Prozess. In solchen Fällen braucht das Baby wesentlich länger, bis es an der Brust saugen kann. Häufig schläft es sogar vorher ein. Aber auch, wenn das Baby nur den Warzenhof berührt oder leckt, ist dies schon hilfreich für einen erfolgreichen Stillstart (siehe auch Erstes Stillen nach der Geburt).

In immer mehr Krankenhäusern dürfen Mutter und Kind nach der Geburt mehrere Stunden im Kreißsaal ungestört, aber unter der Aufsicht einer Hebamme, zusammen verbringen. Die erste Untersuchung des Babys (U1) wird erst vorgenommen, nach dem das erste Stillen stattgefunden hat. Die Babys werden nicht einmal gebadet, sondern nur trockengetupft. Das sind optimale Bedingungen für den Stillbeginn.

Lesen Sie auch:
Stillschwierigkeiten im Frühwochenbett: Erste Hilfsmaßnahmen

Wenn ein erstes Stillen innerhalb der ersten 60 bis 90 Minuten nach der Geburt nicht stattfindet, dann sollte etwas Kolostrum idealerweise per Hand entleert werden, um die Milchbildung anzuregen und das Baby damit zu füttern. Neugeborene, die gleich nach der Geburt nicht an der Brust trinken konnten, schlafen häufig besonders lange. In solchen Fällen soll man versuchen, das Baby in regelmäßigen Zeitabständen behutsam zu wecken und den Suchreflex durch Berühren der Lippen mit der Brustwarze auszulösen. Sobald der Suchreflex da ist, kann das Baby gestillt werden. Ist das Baby am ersten Tag (z.B. aufgrund der Medikationen) noch nicht in der Lage, effektiv an der Brust zu saugen, dann sollte es am besten handentleertes Kolostrum mit einem Löffel gefüttert bekommen (8- bis 12-mal in 24 Stunden).

Kaiserschnitt

Eine Kaiserschnittentbindung hat mit einer natürlichen Geburt nicht viel gemeinsam und eine Reihe verschiedener körperlicher Prozesse geraten bei Kind und Mutter durcheinander. So kann der Milchspendereflex der Mutter in der Anfangszeit gestört sein. Auch das Kind hat häufig Anpassungsschwierigkeiten, ist schläfrig und kann nicht effektiv saugen. Insbesondere bei geplantem, so genannten primärem Kaiserschnitt, bei dem das Kind keine Wehen erlebt hat und auf die Geburt noch gar nicht vorbereitet war, fehlt bei ihm in den ersten Stunden bis Tagen mitunter das natürliche Such- und Andockverhalten. Das Kind wird außerdem häufig mehrere Stunden später zum ersten Mal angelegt als bei einer natürlichen Geburt. Hinzukommt, dass die Mutter in den ersten Tagen immer Assistenz braucht, wenn sie ihr Kind anlegen will, was öfter dazu führt, dass das Kind zu selten gestillt wird. Als Folge verzögert sich der Milcheinschuss und das Baby muss zugefüttert werden. Das Risiko für Milchbildungs- und Stillprobleme ist deutlich erhöht.

Kaiserschnitt hat bei Komplikationen seine Berechtigung und lässt sich deshalb nicht immer vermeiden. Durch möglichst frühes und häufiges Anlegen bzw. regelmäßiges Entleeren und Füttern von Kolostrum können die Anfangsschwierigkeiten gemeistert werden. Mehr zum Thema s. im Artikel Stillen nach Kaiserschnitt.

Trennung von Mutter und Kind im Wochenbett

Von der Mutter weggenommen schreien Babys viel und haben keinen Zugang zur Brust

Während Stillen nach Bedarf und erstes Anlegen nach der Geburt mittlerweile in fast allen deutschen Krankenhäusern die Norm sind, ist 24-Stunden-Rooming-in noch keine Selbstverständlichkeit. Das Zusammensein von Mutter und Kind rund um die Uhr ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Stillbeziehung, denn es ermöglicht das Stillen nach Bedarf. Das Kind soll bei den ersten Zeichen von Hunger angelegt werden. Frühe Hungerzeichen sind z.B. Unruhe, Saugbewegungen oder Hin- und Herdrehen des Kopfes auf der Suche nach der Brust. Schreien ist ein bereits spätes Zeichen von Hunger (mehr zu den Hungerzeichen s. im Artikel Das korrekte Anlegen).

Insbesondere nachts werden die Babys in vielen Krankenhäusern eingesammelt und auf das Säuglingszimmer gebracht, damit die Mütter sich nach der Geburt erholen können. Selbst wenn die Möglichkeit besteht, die Kinder auch nachts zu behalten, wird dies einer Erhebung zufolge von nur 10% der Mütter wahrgenommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Mütter die Kinder nicht zu sich ins Bett nehmen können, wenn die Betten zu schmal, zu hoch und ungesichert sind. So könnte das Baby gefährdet sein, wenn die Mutter einschläft. Keine Mutter kann sich erholen, wenn sie nachts das Kind zum Stillen aus dem Bettchen nehmen und es nach dem Stillen wieder zurücklegen muss. Wenn Mutter und Kind sicher zusammenschlafen können, kann die Mutter ihr Kind im Halbschlaf stillen und während des Stillens wieder mit ihm einschlafen. Unter solchen Umständen erholt sich die Mutter sogar besser, als wenn das Kind von ihr getrennt im Säuglingszimmer liegt (s. auch Stillen in der Nacht). Einige Geburtskliniken haben Beistellbetten angeschafft, die ohne trennendes Gitter an die Betten der Mütter gestellt werden können. So ist der Zugang zum Baby vereinfacht und das Baby ist geschützt vor Herunterfallen.

Eine Trennung von Mutter und Kind verursacht verschiedene Stillprobleme: Durch die lange Nachtpause wird die Milchproduktion der Mutter nicht ausreichend angeregt. Zu wenig Milch kann die Folge sein. Bei anderen Müttern können spannende Brüste infolge der initialen Brustdrüsenschwellung, Milchstau und wunde Brustwarzen resultieren. Aber auch sonst hat eine Trennung nachteilige Auswirkungen. Sie kann eine Wochenbettdepression bei der Mutter fördern und ihr Selbstvertrauen in ihre eigenen mütterlichen Kompetenzen schwächen. Den Säugling setzt eine Trennung extremem Stress aus. In früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte bedeutete eine Trennung von der Mutter akute Lebensgefahr. Babys schreien in diesen Fällen instinktiv um ihr Leben.

In manchen Krankenhäusern werden die Neugeborenen nicht mehr in Kleider gesteckt. Sie verbringen den ganzen Tag bei ihren Müttern an der Brust und in engem Hautkontakt. Auf solchen Wochenstationen hört man kaum ein Baby schreien (s. auch Mit Tragetüchern die Milchbildung fördern).

Suboptimales Anlegen

Das richtige Anlegen eines Babys zum Stillen ist alles andere als trivial. Wir müssen es gezeigt bekommen und einüben. Leider erhalten frischgebackene Mütter oft nicht die notwendige Unterstützung, die sie bräuchten. Oder sie trauen sich nicht, die gestressten Hebammen und Schwestern zu „stören“, da diese ohnehin unter Zeitdruck stehen und sehr viele Patientinnen in kurzer Zeit betreuen müssen. Dabei ist es ganz wichtig, dass bei den ersten Anlegeversuchen jemand assistiert, der die Mutter anleiten kann, bis das Baby das effektive Saugen an der Brust gelernt hat.

Wenn das Baby nicht richtig angelegt wird, kann es nicht effektiv trinken. Zudem wird die Brustwarze durch die falsche Beanspruchung wund, was das weitere Stillen sehr schmerzhaft macht (siehe Wunde Brustwarzen). Auch beim Milcheinschuss können Probleme mit dem Anlegen entstehen, weil das Baby die Brustwarze bei einer zu prallen Brust nicht richtig erfassen kann (siehe Initiale Brustdrüsenschwellung). Mehr zum optimalen Anlegen siehe im Artikel Das korrekte Anlegen.

An der überwiegenden Mehrheit der Geburtskliniken erhalten Mütter keine Anleitung zum Stillen und Anlegen. In Krankenhäusern, in denen der Stillförderung große Bedeutung beigemessen wird, werden die Mütter zum Stillen angeleitet und das effektive Anlegen wird in jeder Schicht mindestens einmal begleitet und dokumentiert.

Forcieren

Lässt man dem Baby Zeit, selber die Brust zu finden, wird es auf die richtige Art und Weise an der Brust „andocken“ (siehe auch Laid-back-nursing). Manchmal sind die Erwachsenen jedoch ungeduldig und drehen den Kopf des Babys in Richtung Brust oder schieben die Brustwarze in den unwilligen Mund. Dies kann einen Reflex hervorrufen, bei dem das Baby die Zunge aufwärts gegen den Gaumen schiebt und so das Saugen unmöglich macht. Die sogenannte Brustscheu kann auf diese Weise beginnen. Daher soll man niemals mit Druck versuchen, ein Baby anzulegen. Ein schläfriges Baby soll sanft geweckt und zum Stillen animiert werden. Ansonsten sollen die Hungerzeichen des Babys beachtet werden.

Zufüttern

Zufüttern ohne medizinischen Grund untergräbt den Stillerfolg

Zufüttern bei vermeintlich ungenügender Milchproduktion untergräbt ganz erheblich den Stillerfolg: Wegen mangelnden Bedarfs wird die Milchproduktion nicht ausreichend angeregt. Es wird noch mehr zugefüttert, und es entsteht ein Teufelskreis, der zum Abstillen führt. Manchmal dauert es länger, bis die Milch einschießt. Dies kann bei sehr langen, anstrengenden Geburten der Fall sein, oder wenn Komplikationen während der Geburt auftreten. Auch Medikamente unter der Geburt, Kaiserschnitt und Trennung von Mutter und Kind verzögern den Milcheinschuss.

  • Eine Zufütterung soll nur auf medizinische Indikation hin möglichst nur vorübergehend geschehen, z.B. wenn beim Neugeborenen ein Gewichtsverlust von mehr als 10% des Geburtsgewichtes entsteht. Statt der Saugflasche sollte dann möglichst mittels alternativer Fütterungstechniken zugefüttert werden, um dem Risiko der Saugverwirrung vorzubeugen. Das medizinische Fachpersonal ist idealerweise in diesen alternativen Fütterungsmethoden geschult – dies ist allerdings nur in einem Bruchteil der Geburtskliniken der Fall.
  • Um die Milchbildung anzuregen, sollte das Baby oft an der Brust trinken, mindestes 8- bis -12-mal in 24 stunden. Am ersten Tag nach der Geburt trinken Babys weniger als 100 ml, nach 4 Tagen und bei pünktlichem Milcheinschuss bereits durchschnittlich 600 ml am Tag (siehe auch den Artikel Milchbildung in den ersten Tagen nach der Geburt). Wie oft Babys später trinken, ist nicht nur individuell sehr unterschiedlich. Auch bei dem einen und selben Stillpaar kann die Häufigkeit der Stillmahlzeiten von Tag zu Tag variieren. In einer australischen Studie mit 71 erfolgreich vollstillenden Müttern wurde durchschnittlich 11-mal am Tag gestillt. Die Stillhäufigkeit variierte zwischen 6- und 18-mal am Tag.

Schnullerbenutzung

Der Effekt der Schnullerbenutzung auf den Stillerfolg war lange umstritten. Mittlerweile ist die nachteilige Wirkung von früher Schnullerbenutzung auf die Stilldauer belegt. Es wird empfohlen, dass zumindest in den ersten 4 Wochen, besser gänzlich, auf Schnuller verzichtet wird.

Die negative Wirkung des Schnullers auf das Stillen wird auf folgende Weise erklärt: Das Baby befriedigt mit dem Schnuller einen Teil seines Saugbedürfnisses. Weniger saugen an der Brust und dadurch zu wenig Milch können die Folge sein. Außerdem kann das Saugen am Schnuller insbesondere in den ersten Tagen und Wochen das Erlernen des richtigen Saugens an der Brust stören. Dies kann wunde Brustwarzen und Saugverwirrung verursachen. Insgesamt stellen Schnuller kein so eindeutiges Problem wie Saugflaschen dar. Bei manchen Mutter-Kind-Paaren verursachen sie keine Probleme. Bei anderen kann exzessive Schnullerbenutzung jedoch zu Stillproblemen und evtl. Gedeihstörungen führen.

Stillen nach der Uhr

Zum Glück kommt Stillen nach der Uhr – bei dem ein Baby nur alle zwei, drei oder sogar vier Stunden angelegt wird – aus der Mode. Es sind verschiedene Gegenargumente bekannt. Erstens hat sich herausgestellt, dass es große individuelle Unterschiede in der Speicherkapazität der Brust gibt. Auch rechte und linke Brust produzieren bei jeder Frau unterschiedlich viel Milch. Die Häufigkeit des Stillens richtet sich nach der Speicherkapazität der Brust. Je kleiner die Speicherkapazität, umso häufiger muss gestillt werden, damit das Baby gut versorgt ist.

Das Baby reguliert die Milchproduktion u.a. durch die Stillhäufigkeit. Deshalb ist Stillen nach Bedarf essentiell für die Anpassung der Milchproduktion an die Bedürfnisse des Säuglings.

Die Idee, dass Babys in regelmäßigen Zeitabständen gestillt werden müssen, stammt ursprünglich aus dem Mittelalter. Damalige Gelehrten meinten, dass zu häufiges Stillen zu Verdauungsproblemen führe, da sich angeblich große Milchmengen im Magen stauen. Der Gedanke, dass sich frische Milch mit unverdauter Milch im Magen mischt und dadurch Koliken verursacht, stammt von Ettmuller aus dem Jahre 1703 und entbehrt jeglicher Grundlage. Heute schätzt man, dass Muttermilch innerhalb von anderthalb Stunden verdaut wird. Seit der Industrialisierung wurde die Notwendigkeit, den Alltag nach der Uhr zu richten, auf die Säuglingspflege mit ausgedehnt. Außerdem verfestigte sich am Anfang des 20. Jahrhunderts der Gedanke, dass Kinder verzogen werden, wenn man auf ihr Schreien durch Hochnehmen oder Stillen reagiert. Da sich mittlerweile das Gegenteil herausgestellt hat, spricht nichts mehr gegen Stillen nach Bedarf und häufiges Stillen. Das Baby kann immer an die Brust angelegt werden, unabhängig davon, ob es zuletzt vor 10 Minuten, einer Stunde oder längerer Zeit gestillt wurde.

Auch wenn der Stillstart durch fehlende Unterstützung und falsche Informationen erschwert war, kann durch die Umstellung des Stillmanagements häufig erfolgreich gestillt werden. Sehr hilfreich dabei ist, wenn man sich z.B. in einer Stillgruppe oder bei einer Still- und Laktationsberaterin IBCLC kompetente Unterstützung holt (siehe auch unser Stillberatungsverzeichnis). Selbst wenn die Mutter nicht mehr stillt oder nie gestillt hat, ist eine Relaktation theoretisch möglich.

Quellen:

  • Basters-Hoffmann B: Geburtshilfliche Interventionen – Auswirkung auf das Stillen. Vortrag auf dem 11. Still- und Laktationskongress in Berlin, September 2017.
  • Morton J: More milk!!! Maximizing Milk supply with Early Hand Expression and Hands-on Pumping. Vortrag auf dem 11. Still- und Laktationskongress in Berlin, September 2017.
  • Watson Genna C: Handbewegungen eines Säuglings während der Brustsuche. Laktation & Stillen, 2017;3.
  • Reitner E: Über den Einfluss der PDA auf das physiologische und sensible Bindungsverhalten der Mutter-Kind-Einheit in den ersten zwei Stunden postpartum. Laktation & Stillen 2017;1:22-25.
  • Newman J, Pitman T: Dr. Newman´s Guide to Breastfeeding, 2014.
  • Winberg J: Das Stillen und der Austausch von Signalen zwischen Mutter und Kind – eine entwicklungsgeschichtliche und neuroendokrinologische Betrachtung. Stillen und Muttermilchernährung. Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Howard et al, 2003: Randomized clinical trial of pacifier use and bottle-feeding or cupfeeding and their effect on breastfeeding. Pediatrics 111(3):511-8.
  • Abou-Dakn M: Die Bedeutung des 24 Std. Rooming-In für die Stillbeziehung. Vortrag auf dem Kongress Laktation & Stillen. Berlin, 2004.
  • Round-Tabel Diskussion: Iatrogene Einflüsse auf die Geburt, Wirkungen von Medikamenten auf Mutter und Kind. Kongress Laktation & Stillen. Berlin, 2004.
  • Bergmann N: Kangaroo Mother Care. Vortrag auf dem Kongress Laktation & Stillen. Berlin, 2004.
  • Kent JC, Mitoulas LR, Cregan MD, Ramsay DT, Doherty DA, Hartmann PE: Volume and frequency of breastfeeding and fat content of breast milk throughout the day. Pediatrics 2006;117;e387-e395.

Probleme in der Stillzeit

Dabei sind sich Hebammen und Stillberaterinnen einig, dass grundsätzlich jede Frau in der Lage ist, ihr Baby zu stillen. Vorausgesetzt sie ist gesund und bekommt die richtige Hilfe und eine liebevolle Unterstützung beim Stillen.

Mittlerweile gibt es viele Vereine und Organisationen, die Frauen in der Stillzeit ihr wertvolles Wissen weitergeben, damit das Stillen doch noch ein schönes Erlebnis für Mutter und Kind wird.

Sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten Anlaufstellen in Deutschland.

Hebammen

Die Hebamme ist direkt nach der Geburt die ideale Ansprechpartnerin zum Thema Stillen, da sie im Wochenbett für die Nachsorge zuständig ist. Hebammen geben Müttern Tipps und Hilfestellungen, wie das Baby richtig angelegt wird und wie ein schmerzhafter Milchstau gelindert oder durch die richtige Stillposition ganz verhindert werden kann.

Kosten: Die Kosten für die Hebamme und die damit verbundene Hilfe beim Stillen werden im Rahmen der Nachsorge von den Krankenkassen übernommen. Die Nachsorge umfasst in den ersten zehn Lebenstagen des Babys einen täglichen Besuch sowie 16 weitere Termine bis zur Vollendung der 8. Lebenswoche.

Auch nach der 8. Lebenswoche, kann die Hebamme bei Fragen und Problemen rund um das Thema Stillen und die Ernährung des Babys kontaktiert werden.

Einige selbstständige Hebammen bieten außerdem Stillcafés an, in denen sich junge Mütter regelmäßig austauschen können. Zusätzlich gibt es hilfreiche Tipps rund ums Stillen von der Hebamme. Für das Angebot wird oftmals ein kleiner Unkostenbeitrag fällig. Informieren Sie sich am besten bei den Hebammen vor Ort.

La Leche Liga (LLL)

Ein kostenloses Angebot für junge Mütter, die Hilfe und emotionale Unterstützung in der Stillzeit suchen, ist die La Leche Liga Deutschland e.V.. Der eingetragene Verein bietet seine Stillberatung seit 1977 in Deutschland an. Weltweit ist die Organisation seit über 50 Jahren in 78 Ländern aktiv.

In der La Leche Liga arbeiten eigens ausgebildete Stillberaterinnen auf ehrenamtlicher Basis. Sie geben ihr Wissen telefonisch weiter und organisieren regelmäßig regionale Stillgruppen, zum Beispiel in Krankenhäusern, Familienzentren oder Hebammenpraxen.

Mehr Informationen zur Arbeit der LLL-Stillberaterinnen gibt es auf der Internetseite: www.lalecheliga.de

Still- und Laktationsberaterinnen (IBCLC)

Hilfe in der Stillzeit bietet auch der Berufsverband deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. an, die bundesweit vertreten sind. Die examinierten Stillberaterinnen verfügen über eine intensive Ausbildung mit umfangreichem theoretischen und praktischen Wissen zum Stillen. Sie stehen Müttern telefonisch zur Verfügung, beraten Frauen im Einzelgespräch und kommen bei akuten Problemen auch nach Hause.

Auf Wunsch geben sie hilfreiche Tipps zur richtigen Ernährung der Mutter, dem Abstillen und dem Übergang zur Beikost. Außerdem geben die Stillberaterinnen Hilfestellungen für das Stillen bei Mehrlingen oder Babys mit einer Behinderung.
Kosten: Die Kosten für eine Stillberatung über die IBCLC werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. In Einzelfällen ist eine Übernahme der Kosten möglich.

IBCLC ist ein international geschützter Titel für examinierte Laktations- und Stillberaterinnen und steht für „Board Certified Lactation Consultant“. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage www.bdl-stillen.de

Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen e.V. (AFS)

Die AFS berät Mütter zu allen Fragen des Stillens bei offenen Stilltreffen sowie über eine bundesweite Hotline. Die Stillberaterinnen sind Mütter, die über eigene Stillerfahrungen verfügen und eine spezielle Weiterbildung absolviert haben. Das Angebot ist für Mütter kostenlos, da die AFS-Stillberaterinnen auf ehrenamtlicher Basis arbeiten.

In den regionalen Stilltreffen finden Frauen Ermutigung und Unterstützung während der Stillzeit. Außerdem tut der Austausch mit anderen betroffenen Müttern meistens sehr gut.
Noch mehr Infos und einen Überblick über die AFS-Stillberaterinnen in Deutschland und Österreich gibt es auf der Internetseite www.afs-stillen.de

Tipp: Auf der Internetseite www.stillgruppen.de finden Sie freie Stillgruppen, Hebammen sowie Still- und Laktationsberaterinnen in Deutschland und Österreich im Überblick.

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