Stillen mit kleinen brustwarzen

Vorbereitung auf das Stillen

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC |
Dein Körper sorgt bereits ganz von selbst für alles, was getan werden muss.

Wenn Du einige Monate schwanger bist, ist Dein Körper in der Lage Milch zu bilden und in Deinen Brüsten befindet sich schon Kolostrum, die „erste Milch“, die Dein Baby in den ersten Tagen nach der Geburt erhalten wird.

Ein „Abhärten“ Deiner Brustwarzen wird nicht helfen, wunde Brustwarzen zu verhindern.

Aber es wird helfen, wenn Du lernst, wie Du Dein Baby zum Anlegen richtig hältst.

Die Brustwarzen sind nichts weiter als eine „Zielscheibe“, die dem Baby hilft, zu wissen, wo es trinken kann; alle Formen und Größen sind dafür geeignet.

Wenn Du die Art Brustwarzen hast, die nie hervorstehen, können diese am Anfang für Dein Baby etwas verwirrend sein, daher solltest Du Dich erkundigen, mit welchen Methoden „schüchterne“ Brustwarzen ermutigt werden können, mehr heraus zu kommen.

Ansonsten behandele Deine Brüste und Deine Brustwarzen einfach genauso wie Deine Kniekehlen, aber ohne Seife.

Die kleinen Pickel auf der dunkleren Haut rund um Deine Brustwarzen produzieren eine Reinigungscreme, die die ganze Arbeit für Dich macht.

Wenn Du sehr trockene Haut hast, wird Dir reines Lanolin* – ein Wollfett speziell für Brustwarzen – helfen.

Dein Kopf braucht mehr Vorbereitung als Dein Körper. Stillen geschieht nicht instinktiv, sondern wird gelernt, und die meisten Mütter in diesem Land hatten nur wenig Gelegenheit es zu lernen.

Versuche vor der Geburt Deines Babys wenigstens zu einem Treffen einer Stillgruppe zu gehen. Du wirst dort sehen können, wie andere Mütter mit ihrem Säugling umgehen, hast die Chance ihre Fragen mit zu hören und selbst zu fragen, und lernst die örtlichen Stillspezialistinnen kennen.

Eine Auswahl guter deutschsprachiger Bücher zum Stillen erhältst Du über die LLL, AFS oder in den Lese- und Einkaufstipps auf dieser Website.
Kaufe oder leihe Dir eines davon und mach Dich mit dem Inhalt vertraut.

Vermeide Informationsmaterialien der Säuglingsnahrungsindustrie! Diese hören sich vielleicht hilfreich an, aber sie sind dafür erstellt, das Stillen zu verhindern.

Dein Geburtsvorbereitungskurs ist wichtig. Stillen ist ein einfaches, kraftvolles biologisches System und Du kannst stillen, ganz gleich wie der Anfang für Dich und Dein Baby sein wird.

Aber es ist für Euch beide am einfachsten, wenn Dein Baby ohne den Einfluss von Medikamenten auf seinen Körper auf die Welt kommt und wenn es bis zum ersten Stillen kontinuierlich mit Dir im Körperkontakt bleibt.

Die meisten wachen Babys stillen innerhalb der ersten Stunde und dieser erste Stillvorgang kann sehr lange dauern.

Nimm Dir diese Zeit und genießt einander. Es gibt hinterher noch reichlich Zeit zum Wiegen und Messen.

Deine Stillkleidung hast Du bereits.

Die meisten Mütter tragen einfach ihre normale Kleidung aus Ober- und Unterteil und ziehen das Oberteil zum Stillen diskret auf einer Seite etwas hoch. Der Körper des Babys bedeckt so alles, was das Oberteil beim Stillen nicht bedeckt.

Für die Nacht haben sich ein T-Shirt oder ein vorn geknöpftes Nachthemd bewährt.

Ein BH ist auch zu allen anderen Zeiten Deines Lebens optional und verhindert das Erschlaffen der Brüste nicht.

Wenn Du einen BH tragen möchtest, stelle ihn angenehm locker ein, damit Du ihn zum Stillen leicht öffnen kannst. Einige elastische BHs lassen sich einfach hochschieben. Andere haben eine Öffnungsklappe zum Stillen.

Wenn Du eine ungewöhnliche Größe hast, frag eine Stillberaterin nach einem guten Fachgeschäft.

Für alle BHs und Oberteile wirst Du Baumwolle sehr viel angenehmer finden als Synthetik.

Zerschnittene Baumwollwindeln oder gefaltete Windeleinlagen über einige Lagen Toilettenpapier ergeben preisgünstige Stilleinlagen für die ersten Wochen, obwohl die meisten Frauen nie irgendwelche Stilleinlagen benötigen.

Sonstige Ausstattung ist überflüssig.
Du habst schon alles, was Du brauchst!

Original: „Preparing for Breastfeeding“ von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2006
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Dezember 2004
Foto: Frank de Kleine via photopin cc

In dem Buch „Intuitives Stillen“ und im Video-Kurs „Gut Anlegen“ erfährst Du alles, was Du vor der Geburt Deines Babys über das Stillen und das Anlegen in verschiedenen Stillpositionen wissen solltest.

Seltsame Tipps zur Vorbereitung aufs Stillen?

Vom Ölen bis zur Massage mit einer Zahnbürste oder Zitronensaft – in manchen Familien kursieren die sonderbarsten Tipps zum Abhärten der Brustwarzen. Vielleicht hast du auch schon mal davon gehört und darüber nachgedacht, ob du deinen Busen auf das Stillen vorbereiten musst.

Vergiss alles Sonderbare!

Die früher empfohlenen Methoden zur Abhärtung der Brust und der Brustwarzen für das Stillen sind nicht nur häufig schmerzhaft, sondern auch völlig überflüssig und manchmal sogar schädlich. Denn intensive Bürstenmassagen, übertriebene Reinigungsmethoden und Co. zerstören die natürliche Schutzschicht deiner Haut. Sie reduzieren körpereigene Fette und können sogar zu Mikroverletzungen auf der Brustwarze führen. Nach den gesammelten praktischen Erfahrungen von Stillexperten ist das Beste, was du tun kannst: wenig oder gar nichts!

Was sinnvoll sein kann:

  • Auch wenn es oftmals Überwindung kostet, aber regelmäßige Wechselduschen helfen optimal dabei, dein Bindegewebe fit zu halten.
  • Lasse viel Luft an die Brustwarzen.
  • Laufe zu Hause immer mal wieder ohne BH herum.

Auch gut zu wissen – für später:

Wunde Brustwarzen beim Stillen entstehen nicht durch eine „schlecht vorbereitete“ Brust, sondern durch eine falsche Anlegetechnik. Denn Mutter Natur hat deine Brust schon perfekt darauf vorbereitet, dein Baby zu ernähren. Die Schwangerschaftshormone verändern deine Brüste automatisch: Die Milchdrüsen entwickeln sich, deine Brust wird schwerer und bis zu zwei Körbchengrößen größer. Die Brustwarzenhöfe werden dunkler, die Venen und kleine Erhebungen auf dem Brustwarzenhof, die sogenannten Montgomerydrüsen treten stärker hervor. Den Startschuss für die eigentliche Milchbildung liefert schließlich die Geburt deines Kindes.

Tipp:

Es kann sein, dass schon in der Schwangerschaft manchmal tröpfchenweise Vormilch austritt. Verstreiche diese einfach auf dem Brustwarzenhof und lasse sie eintrocknen, das pflegt deine Brustwarzen. Sollten doch mehr als nur ein paar Tropfen kommen, lege einfach Stilleinlagen in den BH.

Die Brust auf das Stillen vorbereiten

Schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft beginnen die Brüste sich zu verändern. Die Hormonveränderung bereitet sie auf die spätere Milchbildung vor. Die Brust wird praller, spannt und fühlt sich geschwollen an, weil das Drüsengewebe und die Milchgänge wachsen. Die Brust und die Brustwarzen sind insgesamt empfindlicher, der Warzenhof wird grösser und dunkler. Es bilden sich kleine Talgdrüsen (Montgomery-Drüsen), die ein Pflegefett absondern. Dieses bereitet die Brust auf das Stillen vor und hält sie weich und geschmeidig. Bei manche Frauen tritt schon während der Schwangerschaft gelegentliche ein wenig Vormilch aus der Brust aust. Diese kann wie eine Creme auf der Haut verrieben werden und ist die ideale Pflege für die Brust.

Eigentlich braucht man nicht viel zu tun, um die Brust während der Schwangerschaft auf das Stillen vorzubereiten:

  • Achten Sie auch darauf, einen gut stützenden, aber bequemen BH, möglichst aus Baumwolle, zu tragen.
  • Lassen Sie möglichst keine Seife und kein Alkohol (z.B. in Parfüms) auf Brustwarze und Warzenhof kommen, dadurch wird die Haut stark ausgetrocknet.
  • Pflegen Sie Ihre Brüste während der Schwangerschaft mit einem Körperöl oder einer Creme, um sie zu entspannen und geschmeidig zu halten. Sparen Sie dabei jedoch die Brustwarzen und den Vorhof aus. Verwenden Sie eine Creme ohne synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe und ohne Rohstoffe auf Mineralölbasis. Ein Schwangerschaftspflegeöl oder Stillöl ist dafür besonders gut geeignet. Es beugt zudem Schwangerschaftsstreifen vor. Mehr Tipps zur Körperpflege in der Schwangerschaft.
  • Bei Brustschmerzen wirkt Lavendel entspannend und beruhigend. Ein warmes Bad oder ein warmer Lavendelwickel helfen. Ebenso sorgt eine Lavendel-Öl-Massage für Linderung.
  • Die Brüste müssen während der Schwangerschaft nicht abgehärtet werden. Rubbeln mit hartem Frottee oder sogar Luffa können nur zu Rissen und Entzündungen führen. Lassen Sie Luft und (wenn möglich) Sonne an Ihre Brust.
  • Flach- und Hohlwarzen sind kein Grund, nicht zu stillen. Eventuell kann es in jedoch sinnvoll sein, die Brust mit Brustwarzenformern vorzubereiten. Klären Sie dies auf jeden Fall mit Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin.

Stillen mit kleiner Brust

Mütter mit kleiner Brust sollten den Wiegegriff als
Stillposition bevorzugen – Foto: © Artranq

Inhaltsverzeichnis dieses Artikels:

  • Wiegegriff
  • Stillen in Seitenlage
  • Stillen im Tragetuch
  • Nicht geeignet: Fußballer-Haltung

Geeignete Stillpositionen für kleine Brüste

Frauen mit kleinen Brüsten stellen sich häufig bereits in der Schwangerschaft die Frage, ob sie mit ihrer geringen Oberweite überhaupt stillen können. Gleich vorweg: die Größe der Brust sagt gar nichts über die Fähigkeit aus, ob eine Mutter ihr Baby mit Muttermilch ernähren kann. Vielmehr geht es darum, sich Gedanken um eine geeignete Stillposition zu machen, damit das Baby die kleine Brust auch gut erreicht. Die folgenden Stillhaltungen sind besonders für Frauen mit kleiner Oberweite gedacht und dienen als Anregung für die ersten Tage und Wochen nach der Geburt.

Kleine Brust – Der Wiegegriff ist geeignet

Der Wiegegriff gehört zu den klassischen Stillpositionen und findet besonders zu Beginn der Stillzeit großen Anklang. Die Mutter sucht sich dazu eine bequeme Sitzposition und achtet darauf, dass ihr Rücken gut durch Kissen abgestützt ist. Das Baby liegt ihr zugewandt auf ihrem Unterarm und sein Köpfchen zeigt dabei zu der Seite, auf der sie stillen möchte. Wichtig: Ohr, Schulter und Hüfte des Babys bilden eine Linie und die Mutter bringt ihr Baby zur Brust und nicht umgekehrt. Dabei wendet sie den sogenannten C-Griff an, um ihre Brust optimal zu stützen (Das ist auch für Frauen wichtig , die eine kleine Brust haben!). Um das Baby besser zu positionieren und sich selbst optimal abzustützen, kann die Verwendung eines Stillkissen sinnvoll sein. Informationen über die Wiege-Position

Stillen in Seitenlage

Die Seitenlage ist eine optimale Position für die Mutter. Hierbei kann sie schlafen oder sich einfach ausruhen, während ihr Baby an ihrer Brust trinkt. Das Kleine liegt der Mutter zugewandt auf der Seite und schmiegt sich eng an. Sowohl die Mutter als auch das Baby sollten mit Kissen oder zusammengerollten Decken im Rückenbereich abgestützt werden, damit sie nicht „wegrollen“. Stillen in Seitenlage ist besonders bei kleinen Brüsten von Vorteil, da diese so vom Baby gut erreicht werden können. Unter Umständen kann es notwendig werden, das Baby auf einer zusammengelegten Decke etwas höher zu lagern, damit es die Brustwarze besser in den Mund nehmen kann. Die Seitenlage eignet sich auch sehr gut nach einem Kaiserschnitt, da hierbei kein Druck auf die Narbe ausgeübt wird.
Weitere Informationen über das Stillen im Liegen

Stillen im Tragetuch

Das Stillen im Tragetuch (Baby vor dem Bauch in hockender Position) ist äußerst praktisch, gelingt aber Frauen mit größeren Brüsten leider oftmals nicht. Hier haben die Mütter mit kleiner Körbchengröße einen klaren Vorteil. Die Brüste sind beim Tragen im Tuch nicht im Weg und das Kleine kann sie so gut erreichen. Mit etwas Übung kann das Stillen in dieser Position sogar unterwegs beim Laufen erfolgen.

Nicht geeignet bei kleiner Brust: die Fußballer-Haltung

Frauen mit einer kleinen Brust können in fast allen Positionen stillen. Jedoch gehört die Fußballer-Haltung (auch Football-Griff genannt) nicht dazu. Hierbei gelangt das Baby einfach zu schwierig an die Brust der Mutter. Eventuell kann es mit vielen Kissen oder einem großen Stillkissen gelingen, das Kleine dennoch zur Brust zu bekommen. Allerdings muss die Mutter dann sehen, ob diese Position für sie wirklich bequem ist.
Weitere Informationen über das Stillen in der Fußballer-Haltung

Kleine Brüste sind nicht gleich kleine Brüste. Es ist schließlich völlig unterschiedlich, wie Frauen ihre Oberweite bewerten. Daher kann es sein, dass bei einer Frau eine bestimmte Stillhaltung gelingt, während eine andere Mutter daran scheitert. In allen Fragen zum Stillen und zu den unterschiedlichen Stillpositionen hilft Ihnen Ihre Hebamme oder Stillberaterin weiter. Sie zeigt Ihnen auch gern die verschiedenen Haltungen in der Praxis und gibt Tipps zur Handhabung des Stillkissens.
Text: K. L. – Stillberaterin / Stand: 02.02.2020
Bei Fragen zu dieser Stillposition oder allgemein zum Thema Stillen, können Sie sich an Ihre Hebamme oder an eine Stillberaterin wenden.

Lesenswerte Artikel:

Stillpositionen:

Tipps zum Stillen:

Baby Ratgeber:

Unterschiedlich große Brüste in der Stillzeit

Im Laufe des Stillens können die beiden Brüste einer Frau unterschiedliche Größen annehmen, auch wenn sie vor der Schwangerschaft etwa gleich groß waren. Aus der Sicht des Stillens ist dies kein Grund zur Sorge, es handelt sich lediglich um ein kosmetisches Problem, wenn die Asymmetrie die Mutter stört. Der folgende Artikel zeigt mögliche Ursachen für die Brustasymmetrie auf und wie diese wieder ausgeglichen werden kann.

Die beiden Brüste einer Frau produzieren unterschiedlich viel Milch. Bei manchen Frauen ist dieser Unterschied ausgeprägter als bei anderen. Meistens ist die Brust größer, welche mehr Milch produziert. Im späteren Verlauf der Stillzeit kann sich dieses Verhältnis in Einzelfällen auch umkehren. Dies liegt daran, dass die Brust im Laufe der Stillzeit an Volumen abnimmt und dass die Brust, welche die Milchbildung weitgehend eingestellt hat, mit der Zeit mehr Fettgewebe einlagern kann als die milchproduzierende Brust. Nach dem kompletten Abstillen gleichen sich die beiden Brüste mit der Zeit an und werden das Größenverhältnis annehmen, welches sie vor der Schwangerschaft hatten.

Meist fällt die Asymmetrie anderen Personen viel weniger auf als der betroffenen Frau selbst. Sollte die Asymmetrie die Mutter zu sehr stören, kann sie versuchen, die Milchbildung in beiden Brüsten auszugleichen. Alternativ kann sie den Größenunterschied auch mithilfe von BH-Einlagen optisch verkleinern. Viele stillende Frauen finden sich mit dem Größenunterschied ab und stören sich nicht weiter daran.

Warum die eine Brust mehr Milch produziert als die andere

Die beiden Brüste sind bei jeder Frau mehr oder weniger unterschiedlich. Die vollkommene Symmetrie ist nur eine Idealvorstellung. Unter anderem können sich die Brüste in folgenden Merkmalen unterscheiden:

  • In der einen Brust kommt mehr aktives Brustdrüsengewebe (Milchbläschen (Alveolen) und Milchgänge) vor als in der anderen, somit ist an der einen Brust die Milchspeicherkapazität höher, d.h. die Brust kann mehr Milch fassen.
  • An der einen Brust ist der Milchspendereflex stärker als an der anderen, die Milch fließt dort schneller – in der Regel an der Brust mit der größeren Speicherkapazität.
  • Die Brustwarzen einer Frau können unterschiedlich groß und unterschiedlich geformt sein. Das Baby kann die eine Seite dadurch besser erfassen und dort effektiver trinken als an der anderen.

Diese Unterschiede können veranlagt sein, d.h. die Mutter startet mit unterschiedlichen Brüsten in die Stillzeit. Trinkt außerdem ein Baby an der einen Seite öfter, länger oder effektiver, dann entsteht dort mehr Milchdrüsengewebe.

Mögliche Gründe für die Bevorzugung einer Brust durch das Baby:

  • Das Baby kommt mit dem schnelleren oder aber dem langsameren Milchfluss besser zurecht.
  • Das Baby liegt in bestimmten Körperpositionen nicht so gerne, z.B. aufgrund von bestimmten Muskelverspannungen oder z.B. Ohrenschmerzen nach einer Erkältung
  • Im Zuge eines Milchstaus oder einer Brustentzündung schmeckt die Milch ungewohnt oder das Baby kann die Brust an der betroffenen Seite nicht so gut erfassen.

Mögliche Gründe für die bewusste oder unbewusste Bevorzugung einer Brust durch die Mutter:

  • Das Anlegen ist für die Mutter bequemer an der einen Seite als an der anderen (z.B. sie ist Rechtshänderin) und sie stillt dort öfter oder länger.
  • Nachts liegt das Baby immer auf derselben Seite der Mutter und sie stillt dann immer mit derselben Brust.
  • Die Mutter schont eine Brust z.B. aufgrund wunder Brustwarzen oder Schmerzen an einer Brust.
  • Die Mutter achtet auf die gründliche Entleerung der anderen Brust aufgrund von Milchstau und Brustentzündung

Die Bevorzugung kann sich soweit verstärken, dass die eine Brust mit der Zeit komplett abgelehnt wird. Sollte dies der Fall sein, kann die Mutter auch an nur einer Brust weiterstillen und das Kind weiterhin gut versorgen. Die Brust passt die Milchbildung an den Milchbedarf des Säuglings an. Hauptsache, das Baby wird häufig und nach Bedarf angelegt.

Wie die Milchbildung an beiden Brüsten angeglichen werden kann

Damit die Brüste wieder gleich groß sind, kann die Milchbildung angeglichen werden: An der größeren Brust wird die Milchbildung gedrosselt, an der kleineren gesteigert. Je nachdem, ob das Kind beide Brüste gleichermaßen akzeptiert oder nicht, gestaltet sich die Vorgehensweise etwas unterschiedlich.

Das Baby akzeptiert beide Brüste

Akzeptiert das Baby prinzipiell beide Brüste, dann kann die Mutter jedes Stillen an der kleineren Brust beginnen. Alternativ kann die kleinere Brust öfter angeboten werden, z.B. doppelt so oft wie die größere. Erste Erfolge sind bei dieser Methode bei den meisten Müttern innerhalb von 3 bis 5 Tagen sichtbar. Manche Mütter hören mit diesen Maßnahmen anschließend auf, andere setzen sie langfristig fort.

Das Baby verschmäht die kleinere Brust

Es gibt folgende Möglichkeiten, dem Baby die verschmähte kleinere Brust schmackhaft zu machen:

  • Verschiedene Stillpositionen ausprobieren, um eine zu finden, in der das Baby die weniger bevorzugte Brust besser akzeptiert.
  • Die verschmähte Brust insbesondere nachts anbieten oder tagsüber im Halbschlaf, wenn das Baby den Unterschied weniger merkt.
  • Das Baby von der „guten“ zur „schlechten“ Brust hinübergleiten lassen, ohne dass die Stillposition geändert wird.
  • Anlegen des Babys an der „schlechten“ Brust während sanften Hüpfens auf einem Gymnastikball oder in der Babytrage beim Laufen (das wirkt beruhigend).
  • Ist die Brustwarze an der einen Brust flacher und schlechter erfassbar, dann kann hier besonders auf ein tiefes und asymmetrisches Anlegen geachtet werden, damit das Baby die Brust gut entleeren kann. Weitere Methoden, um das Erfassen der Brust bei flachen Brustwarzen zu erleichtern, ist die Sandwich-Methode oder das Aufrichten / Herausziehen der Brustwarze durch Kneten, Kältereiz oder Brustwarzenformer (siehe im Artikel Stillen bei Flachwarzen, Schlupfwarzen und Hohlwarzen).
  • Lehnt das Baby eine Brust ab, weil dort der Milchspendereflex zu langsam ist, dann kann dieser schon vor dem Anlegen durch Brustmassagen oder Handentleeren / Abpumpen ausgelöst werden oder indem das Baby zunächst an der anderen Brust angelegt wird. Das bringt die Milch an beiden Brüsten zum Fließen. Auch mithilfe der Brustkompression kann der Milchfluss verstärkt werden.
  • Zusätzliche Entleerung der verschmähten Brust per Pumpe oder per Hand nach dem Stillen oder zwischen zwei Stillmahlzeiten. Die gewonnene Milch kann dem Kind gegeben werden (idealerweise mit alternativen Fütterungstechniken, wie einem Becher) oder als Sicherheitsvorrat eingefroren werden. Um die Milchbildung zu steigern, können Brustmassagen, Handentleeren und Hands-on-Pumping eingesetzt werden (siehe auch den Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Wird das Baby an der größeren Brust seltener angelegt, reduziert sich dort mit der Zeit die Milchbildung.

Quellen:

  • Mohrbacher N, Stock J: Handbuch für die Stillberatung. Le Leche League International, La Leche Liga Deutschland, 2002, S. 149-153.
  • Both D, Frischknecht K: Stillen kompakt. Atlas zur Diagnostik und Therapie in der Stillberatung. Urban & Fischer, 2007, S. 26.
  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. Jones & Bartlett Learning, 2016, 5. Aufl.S. 126-128: Differences in milk volume between breasts.
  • Bonyata K: Lopsided! What can I do?…When baby prefers one side, or when supply or breast size is greater on one side. https://kellymom.com/bf/got-milk/lopsided/

Was ist eine Brustdrüsenschwellung?

Wie kann ich geschwollene Brüste behandeln?2

Die wirksamste Behandlung bei Brustdrüsenschwellung ist ein hungriges Baby! Versuche deine Brüste so viel und so oft wie möglich zu entleeren, damit die Milch weiter fließen kann – füttere also nach Bedarf, zwischen acht- und zwölfmal in 24 Stunden.

Lege dein Baby tagsüber und wenn du nachts wach bist so lange wie möglich mit direktem Hautkontakt auf deine Brust. So kann es den verlockenden Geruch deiner Milch riechen, hat einfachen Zugang zu deinen Brüsten, und du erkennst leichter frühe Anzeichen von Hunger, um sicherzustellen, dass dein Baby häufig gestillt wird. Lass es so viel Milch aus einer Brust trinken wie es möchte ehe du die andere anbietest.

Es lohnt sich auch, die Position und das Anlegen deines Babys von einer Stillberaterin oder Hebamme überprüfen zu lassen, um sicherzustellen, dass es effektiv trinkt und deine Brüste richtig entleert. Die folgenden Tipps können dir ebenfalls helfen, die Symptome zu lindern.

Tipps zur Linderung einer Brustdrüsenschwellung2

  • Achte darauf, dass du mindestens achtmal in 24 Stunden stillst.
  • Überprüfe, ob dein Baby die Brustwarze richtig erfasst.
  • Probiere unterschiedliche Stillpositionen aus.
  • Massiere deine Brüste beim Stillen leicht, damit die Milch effektiver fließen kann.
  • Pumpe vor dem Stillen etwas Milch ab, entweder per Hand oder mit einer Milchpumpe, damit deine Brustwarze etwas weicher wird und dein Baby sie leichter erfassen kann.
  • Falls deine Brüste nach dem Stillen immer noch sehr hart und voll sind, pumpe erneut ab, bis du dich wieder besser fühlst.
  • Falls dein Baby nicht gestillt werden kann, ersetze die Stillmahlzeiten durch Abpumpen. Pumpe die Muttermilch aus deinen Brüsten ab, bis sie sich viel weicher anfühlen – mindestens achtmal in 24 Stunden.
  • Probiere eine spezielle Massagetechnik aus, die überschüssige Flüssigkeit aus der Brust bewegen kann. Eine Stillberaterin oder Hebamme kann dir zeigen, wie das geht.
  • Falls Milch aus deinen Brüsten ausläuft, probiere eine warme Dusche oder lege kurz vor dem Stillen oder Abpumpen einen warmen, feuchten Waschlappen auf, um dir Linderung zu verschaffen und den Milchfluss zu unterstützen. Das solltest du aber maximal ein paar Minuten tun, da zu viel Wärme die Schwellung verschlimmern kann.
  • Wenn deine Brüste nicht auslaufen, lege nach dem Stillen eine kalte Kompresse, ein gekühltes Gelpad oder auch gefrorene Erbsen, eingewickelt in ein Tuch, zehn Minuten lang auf deine Brüste, um die Schwellung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.
  • Lege saubere Kohlblätter in deinen BH. Ja, wirklich! Viele Mütter haben festgestellt, dass sie die Schwellung und Beschwerden reduzieren, und es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, die dies belegen.4
  • Nimm entzündungshemmende Schmerzmittel. Paracetamol und Ibuprofen können in der Stillzeit verwendet werden, allerdings ist Ibuprofen bei Müttern mit Asthma kontraindiziert. Wende dich immer an eine medizinische Fachperson und befolge die Anweisungen des Herstellers und des Apothekers. Aspirin sollte allgemein am besten vermieden werden – mehr dazu, welche Medikamente du in der Stillzeit nehmen kannst, erfährst du unter Stillen bei Krankheit.
  • Trage einen gut sitzenden Still-BH und vermeide Bügel-BHs. Vielleicht möchtest du auch gar keinen BH tragen.
  • Lass keine Stillmahlzeiten aus und höre nicht plötzlich mit dem Stillen auf, da dies die Brustdrüsenschwellung noch verschlimmern könnte.

Suche einen Arzt auf, wenn du 38 °C oder höheres Fieber5 hast oder dein Baby aufgrund der Brustdrüsenschwellung nicht stillen kannst.

Und zu guter Letzt: Versuche, Geduld zu haben. Dein Körper gewöhnt sich noch daran, Milch zu produzieren und dein Baby zu ernähren. Die Brustdrüsenschwellung sollte bald abklingen, wenn ihr euch beide ans Stillen gewöhnt habt.

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