Statistik geburten deutschland

Mehrere neue Großstädte ließen sich gründen mit all den Kindern, die laut den aktuellsten Daten von 2016 in Deutschland geboren wurden – 792.131 Babys waren es, um ganz genau zu sein. Rein theoretisch natürlich. Und man muss dazu sagen: Immer noch sterben hierzulande mehr Menschen, als Mädchen und Jungen geboren werden. 2016 kamen aber rund 55.000 mehr Säuglinge zur Welt als im Jahr davor. Und schaut man vier Jahre zurück, ist der Anstieg sogar doppelt so groß. Zeigen sich hier die Anzeichen für einen neuen Babyboom?

Diese Vermutung kommt seit einiger Zeit immer dann auf, wenn das Statistische Bundesamt seine neueste Geburtenstatistik veröffentlicht. Den jüngsten Zahlen zufolge stellten Deutschlands Mütter einen neuen Rekord für die Geburtenrate auf: 1,59 Kinder pro Frau – so viel Nachwuchs wurde per Definition durchschnittlich geboren, wenn man die Anzahl der Neugeborenen auf ein ganzes Frauenleben hochrechnet. Höher lag die Geburtenrate zuletzt im Jahr 1972.

Doch wie kommt es zu dieser Entwicklung? Wer sind Deutschlands Mütter und wieso entscheiden sie sich wieder häufiger dafür, Kinder zu bekommen? Welche Rolle spielen Kultur, wirtschaftliche Situation und Zusammensetzung der Bevölkerung dabei? Ein Blick in die Daten liefert vor allem drei Gründe.

1. Viele Frauen bekommen mehr Kinder als wenige Frauen

Besonders hoch war die Geburtenrate in Deutschland schon einmal. Die in den Jahren zwischen 1950 und 1960 geborenen Menschen nennen Demographinnen und Demographen Babyboomer. Der Grund für die hohen Geburtenraten: das Ende des Zweiten Weltkrieges. Junge Männer kehrten von der Front zurück und gründeten die Familien, die ihnen während der Kriegszeit verwehrt geblieben waren. Mit einem neuen Gefühl der Sicherheit konnten sie optimistisch in ihre Zukunft blicken. Auch finanziell, denn in dieser Zeit erlebte das Land mit dem Wirtschaftswunder einen Aufschwung.

Den Babyboom gab es damals aber nicht nur in Deutschland. Weltweit stiegen die Geburtenzahlen in der Nachkriegszeit an, eine wohl typische Entwicklung nach dem Ende großer Krisen. Ähnliches beobachteten Forscherinnen und Wissenschaftler auch, als der Koreakrieg vorbei war.

Während die Generation der Babyboomer jetzt langsam ins Rentenalter kommt, sind es heute ihre Töchter, die schwanger werden und Nachwuchs bekommen. Sie haben zwar durchschnittlich eher wenige Kinder, insgesamt wurden von ihnen trotzdem viele Kinder geboren, einfach weil sie so viele waren. So gelten wiederum auch die Jahrgänge ihrer Kinder als vergleichsweise geburtenstark. Und viele von ihnen sind heute Ende 20 bis Mitte 30. Die erste Erklärung für den Anstieg an Geburten im Jahr 2016 findet sich also schlicht darin, dass momentan viele Frauen in einem Alter sind, um Mütter zu werden. Das alles lässt sich immer noch als Effekt der Nachkriegsgeneration sehen.

Überhaupt spiegeln sich in der Geburtenstatistik hin und wieder große politische Ereignisse wider. Beispielsweise gab es den größten Geburteneinbruch nach der Wende, vor allem im Osten Deutschlands. Während dort zu DDR-Zeiten noch mehr Kinder geboren wurden als im Westen, sank die Geburtenrate nach der Wiedervereinigung um etwa die Hälfte. Rund zehn Jahre dauerte es, bis sie wieder stieg und sich der Rate im Westen ungefähr angeglichen hatte.

2. Krieg und Konflikte verschieben den Nachwuchs

Vor fast 70 Jahren war es noch der Zweite Weltkrieg – mittlerweile beeinflussen Konflikte im Nahen Osten die Geburtenzahlen. Viele Mütter, die nicht in Deutschland geboren wurden – etwa aus Syrien, Afghanistan und dem Irak – haben 2015 und 2016 ihre Kinder in Deutschland zur Welt gebracht: Von den insgesamt 792.131 Mädchen und Jungen hatte etwa ein Viertel, 184.700, eine Mutter ohne deutsche Staatsangehörigkeit – rund 18.500 von ihnen waren syrischstämmig. Im Jahr 2015 lag der Anteil der Kinder mit nichtdeutschen Müttern noch bei etwa einem Fünftel – aus Syrien kamen in dieser Zeit nur die Mütter von 4.800 Neugeborenen.

Erklärung Nummer zwei für den Geburtenanstieg ist also die Migration. Wo viele Frauen zugewandert sind, da werden auch viele Kinder geboren. Das zeigt sich gut, wie schon erwähnt, am Beispiel Syrien: 326.900 Einreisen syrischer Staatsbürgerinnen und Staatsbürger registrierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Jahr 2015 – weniger als ein Drittel davon, etwa 110.000, waren Frauen (Migrationsbericht 2015: BAMF, 2016 als PDF). „Viele von ihnen kamen in ihrer reproduktiven Phase nach Deutschland. Sie sind verhältnismäßig jung, verglichen mit der deutschen Gesamtbevölkerung, und kamen oft im Familienverbund“, sagt die Soziologin Anne-Kristin Kuhnt. Sie forscht an der Universität Duisburg-Essen unter anderem daran, wie Familien sich im Kontext von Migration und Integration verhalten. Für sie ist es kaum verwunderlich, dass gerade jetzt die Zahl der Geburten angestiegen ist. „Viele der geflüchteten Frauen kommen aus Ländern, in denen es üblich ist, viele Kinder zu bekommen, und sie befinden sich jetzt in der Altersphase der Familiengründung und -erweiterung.“

Das Babyboomer-Phänomen, das Deutschland die besonders geburtenstarken Jahrgänge in den 1950ern und 1960ern bescherte, könnte auch hier eine kleine Rolle spielen. „Familien schieben Geburten unter schlechten Bedingungen durchaus auf. Das passiert unter anderem dann, wenn die Infrastruktur in den Herkunftsländern sehr schlecht ist – etwa bei der Gesundheitsversorgung“, sagt Kuhnt. Das bedeute allerdings nur, dass sich der Zeitpunkt, an dem der Nachwuchs gezeugt und ausgetragen wird, verschiebt. „Bekommen hätten die Familien ihre Kinder auf jeden Fall.“

Geburtenzahlen pro Monat: Das ist der häufigste Geburtstag

Bestimmt kennen Sie einige Menschen, die im September geboren sind. Die Statistik spricht dafür. Denn Geburtsdaten weisen typische Häufungen auf, die über Jahrzehnte gleich bleiben. Sogar ein berühmtes Mathematiker-Denkspiel befasst sich mit der Häufung von Geburtstagen.

Schwangerschaftskalender – Das passiert nach der Befruchtung

Schwangerschaftskalender
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Alljährlicher Geburtstagsmarathon im September: Uropa, Oma, Bruder und die eigenen Kinder haben kurz hintereinander Geburtstag. Vererbt sich das eigentlich? Ist unsere Familie die einzige, die so seltsam tickt und nur einen Geburtsmonat kennt? Nein. Statistiker zeigen: Die ganze Welt ist ziemlich einfallslos, was Geburtsdaten und damit wohl auch Zeugungsdaten anbelangt.

Das ist der häufigste Geburtstag

Der seltenste Geburtstag ist keine Überraschung, es ist der 29. Februar, der ja nur alle vier Jahre vorkommt, gefolgt von den Weihnachtstagen und dem 1. Januar.

Ein ganz bestimmter Tag sticht heraus als der häufigste Geburtstermin überhaupt. Statistiker haben Zahlen aus Jahrzehnten zusammengetragen und aufbereitet, um dieses Datum für die USA zu ermitteln. Es ist der 16. September, dieser Tag ist der häufigste Geburtstag unter Amerikanern, die zwischen 1973 und 1999 geboren wurden.

Für Deutschland lässt sich das nicht ganz so genau sagen. In den vergangenen Jahren war der September hierzulande der stärkste Geburtsmonat, wenn man sich auf die Geburten pro Tag bezieht. 2018 war allerdings der Juli der stärkste Geburtsmonat, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Auch nach den absoluten Zahlen kamen im Juli die meisten Kinder auf die Welt.

Baby-Saison: Statistik zeigt Geburten im Jahreslauf

Um genau zu sein: Im Juli 2018 erblickten 73.589 Babys das Licht der Welt, das sind im Durchschnitt 2.374 pro Tag. Und damit über 210 Babys mehr als im Jahresdurchschnitt pro Tag geboren wurden. Im Februar, dem Monat, in dem die wenigsten Babys das Licht der Welt erblickten, fanden 285 Geburten weniger pro Tag statt. Im August wurden insgesamt 71.466 Kinder geboren, also durchschnittlich 2.305 pro Tag.

Im September kamen etwas weniger Babys zur Welt (70.165). Dennoch war der September nach dem Juli der geburtenreichste, schaut man sich die Geburten pro Tag an: Durchschnittlich erblickten in diesem Monat rund 2.339 Babys das Licht der Welt.

Geburtenzahlen: Wann die meisten Babys zur Welt kommen

Das bedeutet im Umkehrschluss: Im kalten Winter wird gekuschelt. Rund um Weihnachten, Silvester und im Januar werden die meisten Kinder gezeugt.

Die Tabelle zeigt die Geburten nach Monaten. Da die Monate Juli und August einen Tag länger sind als der September, ist im Juli und im August die Zahl der Geburten am höchsten. Pro Tag werden aber im Juli und im September die meisten Kinder geboren.

Geburten nach Monaten im Jahr 2018:

Top 12 Monat Geburten pro Monat
1 Juli 73.589
2 August 71.466
3 September 70.165
4 Juni 68.305
5 Mai 67.393
6 Oktober 67.115
7 Januar 65.402
8 März 63.639
9 April 62.141
10 November 60.129
11 Dezember 59.690
12 Februar 58.489
Quelle: Statistisches Bundesamt, Geburten in Deutschland, 2018

Statistische Verteilung der Geburten hat sich verlagert

Doch diese Verteilung hat sich erst seit den 1980er Jahren herausgebildet. Vor dem Zweiten Weltkrieg und den Jahrzehnten danach sah sie deutlich anders aus. Da waren die stärksten Geburtsmonate Februar und März. Nach einer Flaute in der Geburtskurve schnellte die Geburtenrate im September aber auch schon damals wieder hoch.

2018 liegt der Juli in Sachen Geburtenrate erstmals seit Jahren vor dem September.

Geburtsterminrechner: Den voraussichtlichen Geburtstermin einfach selbst berechnen

Das ist das Geburtstagsparadox

Auch Mathematiker beschäftigen sich mit der Wahrscheinlichkeit von Geburtstagen. Sie können berechnen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass zwei Menschen innerhalb einer Gruppe am gleichen Tag auf die Welt gekommen sind. Sie nennen es das Geburtstagsparadox.

Lehrer kennen das: In jedem Schülerjahrgang gibt es bestimmt zwei Kinder, die am selben Tag Geburtstag haben. Paradox. Das Jahr hat 365 Tage, eine Schulkasse durchschnittlich 30 Kinder.

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Dasselbe gilt im Kollegenkreis. 23 ist die magische Zahl im Geburtstagsparadox. 23 Leute in einem Raum – und die Wahrscheinlichkeit, dass zwei am selben Tag geboren sind, liegt bei 50 Prozent. Um auf 99 Prozent zu kommen, muss man die Zahl der Gruppenmitglieder nicht einfach verdoppeln, nein, sie liegt dann bei 57 Personen. So lässt sich das mathematische Problem kurz zusammenfassen. Wer es genauer wissen will, berechnet die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen am gleichen Tag Geburtstag haben, nach der Laplace-Formel aus der Stochastik.

Übrigens liegt dem eine ganz ähnliche Formel zugrunde wie der Wahrscheinlichkeit, beim Memory-Spiel auf Anhieb zwei gleiche Karten aufzudecken.

Geburtenrate Deutschland

Veröffentlicht von cyclotest 11.12.2019 Kategorie(n): News

Leicht mehr Geburten in Deutschland im Jahr 2018

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Die niedrige Geburtenrate in Deutschland hat ein strukturelles Ungleichgewicht zur Folge. In dem Zeitraum von 2012 bis 2016 vollzog sich ein Anstieg der Geburtenrate in Deutschland. Doch der Babyboom 2016 schien nur von temporär begrenzter Dauer zu sein. 2017 wurden wieder weniger Kinder geboren. 2018 kamen wieder leicht mehr Kinder zur Welt.

Warum hat Deutschland eine niedrige Geburtenrate, gerade im europäischen Vergleich? Heutzutage müssen gewisse Voraussetzungen geschaffen werden, bis ein Paar sich für ein Kind entscheidet.1 Wie die Situation und die Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland aussehen, auch im Hinblick auf den europäischen Trend, erfährst Du in unserem Beitrag.

Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland

In dem Zeitraum von 2011 bis 2016 erlebte Deutschland einen kontinuierlichen Geburtenanstieg. Mit einem durchschnittlichen Wert von 1,59 Kindern pro Frau erreicht Deutschland im Jahr 2016 seit 1973 wieder seinen Höchstwert.1 Der Wissenschaftler Klüsener prophezeit allerdings, dass der Anstieg der Geburtenrate die langfristigen Probleme des demografischen Wandels nicht beheben könne. Es darf zudem nicht vernachlässigt werden, dass die Geburtenrate die Altersstruktur der Frauen in einem Kalenderjahr berücksichtigt: Frauen entscheiden sich tendenziell immer später für ein Kind.

Das Bundesamt für Statistik teilte 2017 erstmals wieder einen Geburtenrückgang mit.2 2017 wurden erstmals wieder weniger Kinder geboren als im Vorjahr. Außerdem waren in diesem Jahr die Sterbefälle höher als die Geburtenrate.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland im Jahr 2017 rund 785.000 Kinder geboren. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der geborenen Babys damit um knapp 1 Prozent.2 2016 wurden noch 792.131 Kinder geboren.1

Für 2018 ist die Anzahl der Geburten wieder leicht gestiegen – insgesamt fast 788.000 Kinder. Bemerkenswert war die Zunahme der Frauen, die bei der Geburt eines Kindes 40 Jahre oder älter waren. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau blieb mit 1,57 Kindern auf dem Niveau des Vorjahres.9

Wann sich zukünftige Mütter und Väter für ein Kind entscheiden

Die Gründe dafür, eine Familie zu gründen, haben sich stark verändert, was unmittelbare Auswirkungen auf die Geburtenziffer in Deutschland hat. Früher wurden Kinder als eine Art Altersvorsorge angesehen, folglich waren kinderreiche Familien und ein Geburtenanstieg gang und gäbe. Heute ist das natürlich nicht mehr der Fall und zukünftige Mütter und Väter überlegen sich genau, ob ein Baby zur derzeitigen Lebenssituation passt. Für viele Menschen spielt die berufliche Verwirklichung als vordergründiges Ziel eine große Rolle.3 Diese individuelle Zielsetzung kann die rückläufige Geburtenhäufigkeit erklären.

Laut einer Untersuchung des Allensbach-Instituts ist der wichtigste Grund bei der Realisierung des Kinderwunsches, dass beide Partner sich ein Baby wünschen. Bei 60 Prozent der Befragten war die berufliche Absicherung und ein unbefristeter Arbeitsvertag ausschlaggebend.4 Diese Veränderungen und Bedingungen hatten ebenfalls zur Folge, dass die Geburtenrate in Deutschland und damit die Zahl der Neugeborenen gesunken ist. In der nachstehenden Abbildung siehst Du eine Liste von Voraussetzungen, die für zukünftige Mütter und Väter in Deutschland entscheidend sind:

Geburtenrate – Voraussetzungen für Familiengründung | Foto: © cyclotest

In einer weiteren Umfrage von 2016 zum Thema “Warum die Deutschen keine Kinder bekommen” gaben 63 Prozent der Befragten an, dass Kinder zu viel Geld kosten würden. Immerhin waren es 2011 “nur” 58 Prozent. Für 55 Prozent der Befragten hat die berufliche Karriere einen höheren Stellenwert als die Familiengründung. 51 Prozent erachten es als schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren. 41 Prozent nannten die schlechten staatlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen als Grund, sich gegen Kinder zu entscheiden.5

Schließich erklären auch politische Beschlüsse oftmals die Veränderungen der Geburtenrate. Insgesamt tragen die ausbaufähigen gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu bei, dass viele auf eigene Kinder verzichten. Die Bedingungen für die Entscheidung für ein Kind sind für viele noch nicht erfüllt.

Entscheidung für ein Kind – Was tun?

Sind dann irgendwann die individuellen Bedingungen erfüllt und ist dann die Entscheidung für ein Baby gefallen, haben viele Paare Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann dann vorliegen. Die Gründe dafür können darin liegen, dass die Fruchtbarkeit der Frau bereits ab dem 30. Lebensjahr deutlich abnimmt. Dies ist ein weiterer ausschlaggebender Grund für die abnehmende Geburtenrate in Deutschland.

Außerdem stellt für viele Paare das Wissen um die nachlassende Fruchtbarkeit mit steigendem Alter und der gleichzeitige Wunsch nach finanzieller Stabilität einen großen Stressfaktor dar. Hinzu kommt die Sorge um die Betreuung der Kinder sowie andere Aspekte wie die steigenden Lebenshaltungskosten. Gerade in Deutschland ist das Angebot an Kleinkindbetreuung und familienfreundlichen Unternehmen immer noch knapp, und so wird der Kinderwunsch in vielen Fällen weiter aufgeschoben. Auch diese Aspekte sind nicht förderlich für die Geburtenrate in Deutschland.

Hast Du Dich dafür entschieden eine Familie zu gründen, gibt es natürliche Möglichkeiten, die beim Schwanger werden helfen. Du kannst beispielsweise durch die Messung und Aufzeichnung der morgendlichen Temperatur den ungefähren Eisprungtermin bestimmen und somit erfahren, zu welchem Zeitpunkt Geschlechtsverkehr sinnvoll ist.

Das manuelle Dokumentieren und Auswerten der Aufwachtemperatur bei dieser Methode kann mühsam sein. Das Bluetooth-Basalthermometer inkl. Zyklus-App cyclotest mySense funktioniert auf Grundlage dieser Methode und ermittelt Deine fruchtbare Phase, ohne dass Temperaturwerte per Hand niedergeschrieben und selbst gedeutet werden müssen. Auch der All-in-one Zykluscomputer cyclotest myWay arbeitet in der gleichen Weise.

Wohin geht der Trend der Geburtenrate?

Zwar zählt Deutschland weltweit zu den geburtenärmsten Ländern, doch seit den 90er Jahren ist die Geburtenrate bis 2016 wieder langsam angestiegen und erreicht im Jahr 2016 erstmals nach 1973 wieder ihren Höchststand mit 1,59 Kindern pro Frau und das in allen Bundesländern. Bereits 2012 stieg die Zahl der Neugeborenen in den neuen Bundesländern, die damit insgesamt höhere Fertilitätsraten vorweisen können.

In den westdeutschen Flächenländern und in den Stadtstaaten lag der Geburtenanstieg 2016 bei 8%, in den ostdeutschen Flächenländern stieg die Geburtenzahl durchschnittlich mit 4% etwas schwächer. Im deutschlandweiten Durchschnitt liegt das Bundesland Sachsen mit 1,57 Kindern je Frau ganz vorne, das Schlusslicht bildet das Saarland mit dem Wert 1,35. Insgesamt wurden im Jahr 2016 792.131 Kinder zur Welt gebracht. Zum Vorjahr bedeutet diese Zahl eine Steigerung der Geburtenrate von über 7 Prozent.1

Laut dem Forscher Sebastian Klüsener lag die Ursache des Anstiegs in den neuen Maßnahmen der Familienpolitik. Familienpolitische Maßnahmen mit der Zielsetzung, Familie und Beruf familiengerechter zu gestalten, wären erste Errungenschaften, die auf staatlicher Ebene zur Familienförderung beitragen. Das Wachstum kann aber auch damit zusammenhängen, dass Frauen im Alter zwischen 29 und 35 Jahren jetzt ihren aufgeschobenen Kinderwunsch erfüllten.6 Nach Angabe des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden werde die Geburtenrate künftig durch das steigende Geburtsalter nach unten verzerrt, aufgrund des zunehmenden Anteils der jüngeren kinderlosen Frauen.

Außerdem muss beachtet werden, dass die steigende Anzahl der Migranten auch dazu beiträgt, dass die Anzahl der Geburten in Deutschland steigt.7 So liegt die Geburtenziffer bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit bei 1,46, bei Frauen ausländischer Staatsangehörigkeit hingegen konnte eine Geburtenziffer von 2,28 verzeichnet werden.1 Bei Mütter mit ausländischer Staatsangehörigkeit nahm der Anteil der Frauen aus Ländern zu, in denen Kinderreichtum zur Tradition gehört. Somit hat die Migration ausländischer Frauen immensen Einfluss auf die Geburtenrate in Deutschland.

In 2017 gab es allerdings wieder einen leichten Rückgang der Geburtenrate in Deutschland. Die Gründe für diesen Rückgang der Geburtenrate in Deutschland werden derzeit noch analysiert. Das Statistische Bundesamt möchte die Ursachen der gesunken Geburtenzahl im September 2018 bekannt geben.

Ist der vorherige kontinuierliche Anstieg ein Zeichen für eine Trendwende hin zu mehr Kindern? Es ist schwer zu beurteilen, ob die Zahlen auf einen Trend hin zu mehr Kindern hindeuten oder ob sie einfach nur die späte Familiengründung widerspiegeln. Damit die Bevölkerungsgröße konstant bleibt, müsste die Rate außerdem auf über 2 Kinder je Frau steigen. Und davon sind wir in Deutschland derzeit weit entfernt.5 Impliziert durch das gesellschaftliche strukturelle Missverhältnis stellen die Folgen des demografischen Wandels eine enorme Herausforderung der Zukunft dar.

Geburtenrate in Deutschland im europäischen Vergleich

Nicht nur in Deutschland kann man eine niedrige Geburtenzahlen beobachten, sondern in allen Industrieländern. Natürlich gibt es auch hier ländertypische Unterschiede. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 gehört Deutschland zum unteren durchschnittlichen Mittelfeld Europas.7 Nur Ungarn, Spanien und Polen weisen noch niedrigere Zahlen auf. Spanien bildet mit einer Geburtenrate von 1,27 Kindern pro Frau das Schlusslicht im Vergleich zu anderen europäischen Staaten.

Frankreich dagegen liegt über dem Mittelfeld Europas. Mit einer Anzahl an Geburten von 1,96 liegt Frankreich im europäischen Vergleich weit vorne.7 Die Gründe dafür sind finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Natur. Tatsache ist, dass Frankreich deutlich besser mit Krippenplätzen ausgestattet ist, die Kindergartenplätze für Kinder ab 3 Jahren gebührenfrei sind und kinderreiche Familien dort steuerlich entlastet werden. Folglich herrschen dort bessere Rahmenbedingungen, was dazu führt, dass sich Paare für Nachwuchs entscheiden.

Doch nicht nur die bessere finanzielle und strukturelle Situation spielt eine Rolle, sondern auch das grundverschiedene Familienbild der Franzosen. Frauen in Frankreich müssen nicht das Gefühl haben, sich zwischen Kind und Beruf entscheiden zu müssen, und die arbeitende Mutter stellt die Regel dar. In Deutschland hingegen haben viele berufstätige Frauen das Gefühl, gesellschaftlich zwar gebilligt, jedoch nicht voll akzeptiert zu werden.

Familie und Beruf zu vereinbaren gilt in Deutschland als deutlich mühsamer. Während in Deutschland nur 27 Prozent der Mütter unter 50 Jahren Vollzeit arbeiten, sind es 46 Prozent in Frankreich. 41 Prozent der deutschen Frauen sind gezwungen, bei ihren beruflichen Zielen Abstriche zu machen, wohingegen nur 13 Prozent der französischen Frauen zurückstecken müssen.8 Nach Angaben des Mikrozensus 2016 ist der prozentuale Anteil an erwerbstätigen Müttern in Italien im Alter von 15 bis 65 Jahren mit 54 Prozent am niedrigsten. All dies ist bei der Betrachtung der Geburtenrate in Deutschland und in Europa nicht außer Acht zu lassen.

Dennoch soll die derzeitige leichte Zunahme an Neugeborenen weiterhin Anlass sein, die Familienförderung staatlich weiter auszubauen. Es gilt, die Bedingungen für Eltern zu verbessern, wenn sich an der niedrigen Geburtenzahl in Deutschland etwas ändern soll. Dazu zählen der Ausbau des Betreuungsangebotes für Kinder, eine Weiterentwicklung hin zu familienfreundlichen Unternehmen und Gemeinden sowie finanzielle Erleichterungen für Eltern.

Quellen:
1 Statistisches Bundesamt: Geburtenanstieg setzte sich 2016 fort. Pressemitteilung Nr. 115 vom 28.03.2018.
2 Statistisches Bundesamt: Mehr Sterbefälle und weniger Geburten im Jahr 2017. Pressemitteilung Nr. 262 vom 13.07.2018.
3 Friese, Prof. Dr. K. et al.: planBaby. Wenn Paare Eltern werden wollen – gesund zum Wunschkind. 1. Auflage. München 2014.
4 Institut für Demoskopie Allensbach. Monitor Familienleben 2013. Einstellungen der Bevölkerung zur Familienpolitik und zur Familie, 2013.
5 Stiftung für Zukunftsfragen: Kinder = Kein Geld, keine Freiheit, keine Karriere? Warum die Deutschen keine Kinder bekommen. Forschung aktuell, 270, 37. Jg. 2016.
6 Kleinemas, M.: Die Wahrheit hinter der erfreulichen Geburtenrate. Abgerufen am 24. Juni 2016 auf www.welt.de.
7 Statistisches Bundesamt: Geburtenziffer in Deutschland weiterhin unter EU-Durchschnitt. Pressemitteilung Nr. 159 vom 15.05.2017.
8 Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Institut für Demoskopie Allensbach. Familienbilder in Deutschland und Frankreich. 2013. Abgerufen am 15. Januar 2020 auf
9 Statistisches Bundesamt: Gestiegene Geburtenhäufigkeit bei älteren Müttern. Pressemitteilung Nr. 332 vom 03.09.2019.

Babygeschrei erregt in Deutschland ja bekanntlich immer Aufmerksamkeit. Das liegt nicht nur daran, dass Kinder hierzulande als aussterbende Art gelten, sondern auch daran, dass sich Erwachsene in die zwei Lager teilen, die Babys entweder so niedlich wie Katzenvideos finden oder aber so nervtötend wie Donald Trumps Flaumtolle. Entsprechend viel Aufregung löste daher am Donnerstag die Nachricht des Statistischen Bundesamtes aus, dass in Deutschland 2015 so viele Kinder geboren wurden wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. 738 000 Babys erblickten das Licht der Bundesrepublik – propere 23 000 mehr als im Jahr zuvor, in dem die Zahl der Neugeborenen erstmals seit zehn Jahren wieder über die 700 000 geklettert war. Der Zuwachs an Babys, Windeln und Breiflocken, schon seit 2011 bemerkt, scheint also anhaltend zu sein.

Das schreit nach all den Jahren, in denen sich die Deutschen aufs Aussterben vorbereiteten, auf eine Methusalemgesellschaft in Rentnerbeige, auf leere Dörfer und löchrige Rentenkassen nach einem Jubelruf. Und der kam prompt. Besonders guter Hoffnung gab sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), erst vor drei Monaten selbst zum zweiten Mal Mutter geworden: Die Entwicklung sei „ein schönes Signal“, sagte sie. Damit sei deutlich, „dass immer mehr Frauen und Männer Kinder wollen“.

Dabei ist der Baby-Zuwachs noch gar nicht sicher analysiert. Denn was das Neugeborenen-Hoch wirklich bedeutet, werden Statistiker frühestens Ende des Jahres wissen: „Wir können derzeit nichts Genaues sagen“, erklärt Anja Conradi-Freundschuh vom Statistischen Bundesamt. Sie vermutet, dass nur zu einem Teil wirklich ein neuer Trend zum Kinderkriegen hinter der wachsenden Geburtenzahl steckt und zu einem wesentlichen Teil die Jahrgangsstärke der jungen Elterngeneration. „In den Jahren 1981 bis 1991 gab es einen kleinen Babyboom in Deutschland, damals stieg die Zahl der Geburten stark“, so Conradi-Freundschuh. „Das sind die Jahrgänge, die jetzt selber Kinder bekommen.“

Der Beitrag der Flüchtlinge zum Kindersegen ist jedenfalls klein

Zumindest ein wenig scheint die Gebärfreude aber gewachsen zu sein; darauf deutet auch die im Dezember verkündete höhere Geburtenziffer hin, wonach Frauen in Deutschland nun durchschnittlich 1,47 Kinder bekommen statt, wie noch 2013, 1,37. Und es sind, anders als man vermuten mag, nicht die Flüchtlinge, die den Baby-Boom befördern. „Die Zuwanderung ist ein Beitrag, aber er ist eher klein“, sagt Sebastian Klüsener, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Er vermutet, dass die jüngere Familienpolitik zwischen Elterngeld und Kita-Ausbau ihre Wirkung zeigt. „In unseren Nachbarländern im Norden und Westen, die derartige Maßnahmen früher einführten, sehen wir direkt hinter der Grenze deutlich höhere Geburtenraten als bei uns“, sagt er, „da muss es – wie an der Grenze zum deutschsprachigen Teil Belgiens – nicht einmal Sprachunterschiede geben. „Jetzt nähern wir uns diesen Ländern wieder an“, sagt Klüsener.

Politische Maßnahmen richten es aber wohl nicht allein. Es müsse sich auch etwas in den Köpfen ändern, sagt Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Die mehr als 150 verschiedenen Zuwendungen, die Familien in Deutschland aus öffentlichen Töpfen erhalten können, änderten nur wenig an der Freude am Elternsein, wenn nicht zugleich an Einstellungen gearbeitet werde, so Schneider: Er beklagt, dass es „keine positiv besetzten Familienleitbilder in Deutschland“ gibt. Die nicht berufstätige Mutter ist als Heimchen hinterm Herd verschrien; die berufstätige Mutter aber ebenso negativ besetzt. Würden beide Lebensentwürfe positiver gesehen, wäre die Entscheidung fürs Kinderkriegen leichter.

Es könnte eine neue Entwicklung geben: den Trend zum Drittkind

Aber wer es einmal wagt, der wagt es womöglich auch öfter: Statistische Laien mit persönlich erworbener Expertise in Sandkastenfragen machen jedenfalls bereits einen Trend hin zu größeren Familien aus. Als Einzelkind-Eltern fühle man sich in einer zum Drittkind neigenden Umwelt mitunter fast wie kinderlos, klagen manche. Auch die Demografin Olga Pötzsch vom Statistischen Bundesamt hat Ähnliches schon gehört. „Bislang ist der Anteil an zweiten und dritten Kindern nach unseren Daten aber derselbe geblieben“, sagt sie dazu. Allerdings werde dies nur alle vier Jahre erfasst, sodass ein Trend zum dritten Kind womöglich noch nicht erkennbar sei.

Schon heute gibt es jedenfalls in Westdeutschland einen Hang zum Ganz oder Garnicht. „Hier sehen wir eine starke Polarisierung“, sagt Pötzsch. „Entweder bekommen die Frauen kein Kind oder mindestens zwei.“ In den neuen Bundesländern gehören Kinder immer noch stärker zum Leben dazu. Es gibt weniger Kinderlosigkeit (14 Prozent gegenüber 22 Prozent im Westen), aber auch mehr Mütter, die nur ein Kind haben (39 Prozent gegenüber 29 Prozent im Westen). Trotz des kleinen Babybooms könnte es also durchaus sein, dass die Kluft zwischen Eltern und Kinderlosen derzeit größer wird. Und trotz des Babysegens gilt es, eine Freude zu dämpfen: Die Deutschen werden nicht mehr. Denn 2015 gab es nicht nur besonders viele Geburten, sondern mit 925 000 auch eine hohe Zahl an Sterbefällen. Und der „Sterbeüberschuss“ zwischen Todesfällen und Geburten, wie Statistiker das ungerührt nennen, ist im Vergleich zu 2014 sogar größer geworden.

In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2016 rund 107 500 Kinder lebend geboren und damit ca. 7 200 mehr als in 2015. Somit lag die Zahl der Lebendgeborenen nach Angaben des Statistischen Landesamts zum fünften Mal in Folge höher als im jeweiligen Vorjahr. Eine Ursache für diesen positiven Trend wird in der in den vergangenen Jahren enorm angestiegene Zuwanderung gesehen, die auch zu einer Zunahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter geführt hat. Hinzu kommt, dass nun Kinder der geburtenstarken Jahrgänge Anfang der 1960er-Jahre, den so genannten Babyboomern, selbst wieder Kinder bekommen.

Schließlich ist die überraschend hohe Geburtenzahl auch auf einen Anstieg der Geburtenrate, also der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau, zurückzuführen. Diese lag im Jahr 2016 bei 1,59 Kindern je Frau. Damit ist diese Kennziffer erneut angestiegen und war so hoch wie seit 1973 nicht mehr. Ursächlich für diesen Anstieg dürfte unter anderem die deutlich verbesserte Kinderbetreuung im Land sein1, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert hat. Außerdem könnten hierfür die in den letzten Jahren hervorragenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem Höchststand an Erwerbstätigen und einer relativ geringen Arbeitslosenquote im Land eine Rolle spielen. Dagegen verzichten Paare in gesellschaftlichen Krisen- und Umbruchsituationen auf die Geburt von Kindern.2 Allerdings lag die Geburtenrate auch im vergangenen Jahr weiterhin unter dem für eine Bestandserhaltung der Bevölkerung erforderlichen Niveau. Hierzu wäre eine Geburtenrate von 2,1 Kindern je Frau notwendig. Dieser Wert wurde in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamtes letztmals im Jahr 1970 erreicht.

Innerhalb des Landes zeigen sich durchaus bemerkenswerte Unterschiede: Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen war im Jahr 2016 der Alb-Donau-Kreis mit einer Geburtenrate von 1,80 Kindern je Frau, gefolgt von den Landkreisen Rottweil (1,78) und Tuttlingen (1,77). Am Ende der Skala rangieren die Stadtkreise Heidelberg (1,20), Freiburg im Breisgau (1,36) und Stuttgart (1,38).

Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit sind vielfältig. Auffällig ist weiterhin ein traditionelles, wenn auch nicht mehr flächendeckendes „Land-Stadt-Gefälle“. Das heißt, dass in den meisten ländlich geprägten Gebieten die Kinderzahl je Frau über der der Städte liegt. In Hochschulstandorten wie Heidelberg ist die Geburtenrate besonders niedrig, weil dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstieg im Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist. Tendenziell gilt, dass mit steigendem Bildungsniveau der Frauen die Zahl der geborenen Kinder abnimmt.3 Einen Einfluss auf die Höhe der Geburtenrate dürfte auch der regional unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen besitzen. Ausländische Frauen brachten im Jahr 2016 in Baden-Württemberg im Schnitt 2,03 Kinder zur Welt, bei Frauen mit einer deutschen Staatsangehörigkeit waren es dagegen lediglich 1,49.

Geburten und Sterbefälle

Erläuterungen

Zu den Eheschließungen zählen alle standesamtlichen Trauungen, auch die von Ausländern. Ausgenommen sind nur die Fälle, in denen beide Ehegatten zu den im Bundesgebiet stationierten ausländischen Streitkräften bzw. zu den ausländischen diplomatischen und konsularischen Vertretungen und ihren Familien gehören. Die regionale Zuordnung der Eheschließungen erfolgt nach dem Ort ihrer Registrierung.

Bei den Geborenen (Geburten) wird zwischen Lebendgeborenen und Totgeborenen unterschieden. Zu den Lebendgeborenen zählen alle Kinder, bei denen entweder das Herz geschlagen oder die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat. Geborene, bei denen nicht mindestens eines dieser Lebenszeichen und ein Mindestgewicht von 500 g vorliegt, werden als Totgeborene registriert.

Die Legitimität wird in den Statistiken seit Inkrafttreten der Änderungen des Kindschafts- und Eheschließungsrechts nach Kindern miteinander verheirateter Eltern und nicht miteinander verheirateter Eltern unterschieden. Nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches gilt ein Kind, das nach der Eheschließung der Mutter oder bis zu 300 Tagen nach dem Tode des Ehegatten geboren wird, unbeschadet der Möglichkeit einer späteren Anfechtung, als Kind von miteinander verheirateten Eltern. Wird ein Kind nach Ehescheidung geboren, gilt es als Kind nicht miteinander verheirateter Eltern. Die Formulierung des Merkmals „Legitimität: ehelich bzw. nichtehelich“ wurde durch die Formulierung „Eltern miteinander verheiratet bzw. Eltern nicht miteinander verheiratet“ ersetzt. Bis zum 30. Juni 1998 galt ein Kind als ehelich, wenn es nach Eingehen der Ehe der Mutter oder bis zu 302 Tagen nach Auflösung der Ehe der Mutter, unbeschadet einer späteren Anfechtung, geboren wurde.

Als Gestorbene werden alle amtlich festgestellten Sterbefälle gezählt, außer Totgeborene, standesamtlich beurkundete Kriegssterbefälle und gerichtliche Todeserklärungen. Die regionale Zuordnung der Gestorbenen erfolgt nach dem Ort ihrer alleinigen Wohnung oder Hauptwohnung.

Hauptwohnung ist die vorwiegend benutzte Wohnung des Einwohners. Hauptwohnung eines verheirateten Einwohners, der nicht dauernd von seiner Familie getrennt lebt, ist die vorwiegend benutzte Wohnung der Familie. In Zweifelsfällen ist die vorwiegend benutzte Wohnung dort, wo der Schwerpunkt der Lebensbeziehungen des Einwohners liegt.

Die Todesursache wird aus den Eintragungen im Leichenschauschein gemäß den Regeln der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) ermittelt und entsprechend der 10. Revision der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10)“ signiert.

Es wird nur das Grundleiden für die Statistik herangezogen.

Höchste Geburtenziffer in Deutschland seit 1973

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Der Geburtenanstieg in Deutschland setzt sich fort. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 792.131 Kinder geboren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Das waren 54.556 Babys oder sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder das fünfte Jahr in Folge und erreichte wieder das Niveau von 1996. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich sehr erfreut.

In allen Bundesländern kamen mehr Kinder zur Welt als im Vorjahr. In den westdeutschen Flächenländern und in den Stadtstaaten stieg die Zahl der Babys durchschnittlich um acht Prozent, in den ostdeutschen Ländern um vier Prozent.

Seit 2010 steigt die Geburtenziffer wieder an Quelle: Infografik WELT Anzeige

Die Mütter von 607.500 neugeborenen Kindern haben die deutsche Staatsbürgerschaft, das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Entwicklung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen im Alter zwischen 30 und 37 Jahren häufiger Kinder bekämen. „Sie hatten im jüngeren Alter deutlich weniger Kinder zur Welt gebracht als Frauen älterer Jahrgänge und realisieren derzeit unter günstigen familienpolitischen und wirtschaftlichen Bedingungen ihre Kinderwünsche mit höherer Intensität“, schreibt das Statistikamt.

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Auch die Migration hatte einen deutlichen Einfluss auf den Geburtenanstieg in Deutschland – 184.660 Kinder wurden von Müttern mit ausländischer Staatsangehörigkeit geboren. Das war ein Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zu 2015.

Während die Geburtenhäufigkeit bei ausländischen Müttern insgesamt anstieg, nahm zusätzlich der Anteil von Frauen aus Ländern zu, in denen Kinderreichtum zur Tradition gehört, hieß es. So wurden 21.800 Kinder türkischer Mütter geboren, 18.500 mit syrischer Mutter. Und in 11.800 Fällen hatte die Mutter eines Neugeborenen einen polnischen Pass.

Ausländische Frauen bekommen mehr Kinder Quelle: Infografik WELT Anzeige

Giffey erklärte, es sei nun umso wichtiger, in die Zukunft der Kinder zu investieren – „besonders in die frühkindliche Bildung“. Jedes solle seinen Weg machen können – „egal aus welchem Elternhaus es kommt und wo es aufwächst“. Sie kündigte deshalb ein Gesetz für mehr Kitaqualität „vor dem Sommer“ an. Dabei solle es um den Betreuungsschlüssel, um die Stärkung der Kitaleitungen und um bessere sprachliche Bildung der Kinder gehen.

Ausländische Frauen mit deutlich höherer Geburtenziffer

Insgesamt lag die Geburtenziffer im Jahr 2016 bei 1,59 Kindern je Frau. Das ist der höchste seit 1973 gemessene Wert. 2015 betrug die Geburtenziffer noch 1,50 Kinder je Frau.

Bei den deutschen Frauen stieg die Geburtenziffer von 2015 auf 2016 von 1,43 Kindern auf 1,46 Kinder je Frau. Bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nahm sie von 1,95 auf 2,28 Kinder je Frau zu.

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Mit der aktuellen Geburtenziffer rückte Deutschland ins europäische Mittelfeld auf. Im EU-Durchschnitt betrug 2016 die zusammengefasste Geburtenziffer nach Angaben des Europäischen Statistikamtes (Eurostat) 1,60 Kinder je Frau. Die höchste Geburtenhäufigkeit in der EU hatten Frauen in Frankreich mit 1,92, die niedrigste in Spanien und Italien mit 1,34 Kindern je Frau.

Die Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweiligen Jahr. Die Frage nach der Zahl der Kinder, die Frauen im Laufe ihres Lebens tatsächlich bekommen haben, kann für Frauenjahrgänge beantwortet werden, die das Ende des gebärfähigen Alters erreicht haben. Das wird statistisch mit 49 Jahren angesetzt.

Nach einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Eurostat-Statistik waren Frauen in Deutschland 2016 bei der Geburt ihres ersten Kindes durchschnittlich 29,4 Jahre alt. In Italien waren erstgebärende Frauen mit durchschnittlich 31 Jahren die ältesten, in Bulgarien mit 26 Jahren am jüngsten.

Während im EU-Durchschnitt der Anteil der Frauen, die im Teenageralter das erste Kind bekamen, bei 5 Prozent lag, waren in Rumänien 14,2 Prozent aller Erstgebärenden jünger als 20 Jahre. In Bulgarien betrug der Anteil dieser besonders jungen Mütter 13,6 Prozent, in Ungarn 10,8 Prozent.

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Zahlen und FaktenTrendwende bei der Geburtenrate?

Deutschland gehört seit den 1970er Jahren zu den Ländern mit einem sehr niedrigen Geburtenniveau. Seit kurzem nimmt die zusammengefasste Geburtenziffer wieder leicht zu.

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Die zusammengefasste Geburtenziffer stagnierte in Deutschland seit Anfang der 1980er Jahre lange Zeit auf einem Niveau von ungefähr 1,4 Kindern je Frau. In den letzten Jahren ist jedoch ein leicht ansteigender Trend zu beobachten. Mit einem Wert von 1,50 im Jahr 2015 ist sie aber noch weit vom Bestanderhaltungsniveau von 2,1 Kindern je Frau entfernt. Das anhaltend niedrige Geburtenniveau ist ein zentraler Faktor, der zur schnellen Alterung und langfristigen Schrumpfung der Bevölkerung in Deutschland beiträgt. Die Trends der Geburtenentwicklung sind seit 1950 in West- und Ostdeutschland zeitweise unterschiedlich verlaufen und auf besondere Ursachen zurückzuführen.

In Westdeutschland schloss sich an das Geburtenhoch der Nachkriegszeit Mitte der 1960er Jahre ein deutlicher Geburtenrückgang an. In diesem Zeitraum sank die zusammengefasste Geburtenziffer von rund 2,1 auf 1,5 Kinder je Frau und verharrt seither auf niedrigem Niveau. Dieser Rückgang wird neben der allgemeinen Verbreitung von Verhütungsmitteln auf einen umfassenden gesellschaftlichen Wertewandel zurückgeführt, in dem Familie und Kinder zu einer wählbaren Option unter vielen geworden sind. Damit einher ging eine verringerte Heiratsneigung, ein Wandel der Familien- und Lebensformen sowie ein Anstieg des Heirats- und Gebäralters. Der Geburtenrückgang hat sich als Folge der gesunkenen Anteile von Frauen mit drei oder mehr Kindern und dem Anstieg der Kinderlosigkeit eingestellt. Westdeutschland gilt heute weltweit als die Region mit dem höchsten Anteil kinderloser Frauen. Träger der Kinderlosigkeit sind vor allem hochqualifizierte Frauen, die sich oft gegen Kinder und für Beruf und Karriere entschieden haben. Ein wesentlicher Grund waren unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

In Ostdeutschland gab es zwischen 1965 und 1975 einen parallel zum Westen verlaufenden Geburtenrückgang, der durch die Verbreitung von Verhütungsmitteln und vor allem durch die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs seit 1972 ausgelöst wurde. Danach haben familienpolitische Maßnahmen der DDR wie Geburtenbeihilfen und Ehekredite zu einem Wiederanstieg geführt. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre hat sich nach dem Beitritt zur Bundesrepublik ein erneutes Geburtentief eingestellt. Seither steigt im Osten Deutschlands die zusammengefasste Geburtenziffer an. Im Jahr 2015 war sie mit 1,52 geringfügig höher als im Westen mit 1,50.

Zusammengefasste Geburtenziffer

Die zusammengefasste Geburtenziffer ist eine hypothetische Kennziffer und gibt an, wie viele Kinder je Frau geboren würden, wenn für deren ganzes Leben die altersspezifischen Geburtenziffern des jeweils betrachteten Kalenderjahres gelten würden. Sie ist die am häufigsten verwendete Kennziffer zur Charakterisierung des aktuellen Geburtenniveaus, weil die tatsächlichen durchschnittlichen Geburtenzahlen je Frau – die endgültige Kinderzahl – erst dann festgestellt werden können, wenn die Frauen eines Geburtsjahrgangs das gesamte gebärfähige Alter durchlaufen haben.

Die zusammengefasste Geburtenziffer hat den Nachteil, dass sie durch das Vorziehen von Geburten in ein niedrigeres Lebensalter beziehungsweise das Verschieben von Geburten in ein höheres Lebensalter beeinflusst wird. Da die Fertilitätsverhältnisse des jeweils betrachteten Kalenderjahres unterstellt werden, wird in den letzten Jahren die tatsächliche Fertilität der Frauen aufgrund der zunehmenden Zahl von Geburten im höheren Alter unterschätzt. Dies wird auch als Tempoeffekt bezeichnet.

Diagramm und Daten

  • Diagramm als pdf-Datei (pdf, 92KB, Datei ist nicht barrierefrei)
  • Daten als csv-Datei (csv, 2KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Weitere Informationen

  • Informationen des Statistischen Bundesamtes zu Geburten und Kinderlosigkeit

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