Spürt baby bauch streicheln

Schwangerschaft: Lästige Bauchtatscher

Niemand käme auf die Idee, einem fremden Menschen den Bauch zu tätscheln und dessen Umfang zu kommentieren. Aber kaum ist eine Frau schwanger, scheinen alle „Abstandsnormen“ hinfällig zu sein. Dagegen kann und darf man sich als Schwangere wehren.

Vom schönen runden Babybauch fühlen sich viele wie magisch angezogen und können der Versuchung nicht widerstehen, mal sanft darüberzustreicheln. Doch was beim Vater des Kindes oder der besten Freundin okay ist, kann bei Menschen, die einem nicht nahestehen, äußerst unangenehm sein.

Ansprechen ja, anfassen nein

Es gibt allerdings Schwangere, die es mögen, wenn selbst Fremde sie auf ihren Bauch ansprechen und dann auch mal anfassen wollen. Und es gibt die Frauen, die zwar nicht angefasst werden möchten, es aber nicht als schlimm empfinden, wenn sie jemand auf die Schwangerschaft anspricht. Schließlich ist es etwas Schönes, wenn Freude so ansteckend ist.

Schwangerschaftskalender – Das passiert nach der Befruchtung

Schwangerschaftskalender
Das passiert nach der Befruchtung

Manchen allerdings geht es wie Petra Neumeyer. Sie ist im achten Monat schwanger und ärgert sich darüber, dass es so viele Menschen gibt, die oft auch noch ungefragt einfach an ihren Bauch langen. „Kein Mensch käme auf die Idee, Wildfremden in die Hüfte zu kneifen und grinsend zu sagen, dass das ja wohl ein paar Pralinchen zu viel waren. Aber bei Schwangeren verhalten sich viele wie die Elefanten im Porzellanladen“, klagt die 34-Jährige.

Keine Kommentare zum Gewicht

„Ich empfinde solche Übergriffe als Eindringen in meine Intimsphäre. Und dabei rede ich nicht nur von denen, die meinen Babybauch anlangen, sondern auch von denjenigen, die mir allzu persönliche Fragen stellen.“ Der laut zurückgerechnete Zeugungszeitpunkt und entsprechende Kommentare dazu zählen hier zu den besonders ungewollten Bemerkungen. Genauso wie Hinweise auf vermeintlich zu viele Schwangerschaftspfunde.

Ein Babybauch zieht Aufmerksamkeit auf sich

Corinna Kornbusch sieht das nicht so eng. Sie ist ebenfalls im achten Monat und genießt die Aufmerksamkeit, die ihr Bäuchlein mit sich bringt. „Ich finde es toll, dass man plötzlich überall mit den Leuten ins Gespräch kommt. Alle sind nett zu mir und freuen sich mit mir über meinen Zustand. Ich muss zugeben, ich bin schon fast ein bisschen beleidigt, wenn man mir keine Fragen dazu stellt.“ Denn auch, wenn es das hundertste Mal ist, sie antwortet immer wieder gerne auf Fragen nach dem Geschlecht, nach eventuellen Schwangerschaftsbeschwerden oder dem Geburtstermin.

Eines allerdings kann auch sie nicht leiden: „Ich finde es absolut nicht in Ordnung, wenn man mich ungefragt anfasst und mir dann tollpatschig auf den Bauch klopft. Wenn man mich aber vorher fragt, dann ist es in der Regel kein Problem für mich. Schließlich ist es nun mal etwas Faszinierendes, dieses wachsende Leben in mir drin und viele haben in ihrem Umfeld nie Gelegenheit dazu, so etwas zu spüren. Dafür habe ich Verständnis. Wenn dann aber Beschwerden kommen, dass das Kind sich ja gar nicht bewegt, dann werde auch ich ungemütlich.“

Abwehrstrategien entwickeln

Heutzutage sind schwangere Frauen nicht mehr dazu gezwungen, sich in verhüllenden Umstandskleidern zu verstecken. Stattdessen tragen sie eng anliegende, manchmal sogar bauchfreie Kleidung, haben Freude an ihren neuen Rundungen und zeigen das auch. Themen wie Dammschnitt oder Fruchtwasserabgang werden nicht mehr verschämt besprochen und das öffentliche Stillen ist auch völlig normal geworden. Doch manche Mitmenschen wissen damit nicht richtig umzugehen und überschreiten schnell, meist ungewollt, persönliche Grenzen. Den Bauch dann einfach einziehen, das geht leider nicht, also muss man andere Strategien anwenden.

Sich gegen unerwünschte Übergriffe zu wehren, ist aber nicht immer leicht, denn schließlich möchte man niemanden vor den Kopf stoßen. Man weiß ja, dass es nett gemeint ist. Wer sich nicht traut, einfach freundlich „Nein“ zu sagen, der hat auch subtilere Möglichkeiten. Beginnend bei der Körpersprache – zum Beispiel, indem man die Arme vor dem Körper verkreuzt oder die Hand vor den Bauch hält – bis hin zu speziellen T-Shirts, die genau auf diese Situation zugeschnitten sind und die mit Aufdrucken wie „Bitte Abstand halten“, „Look! But don’t touch!“, „Anfassen darf nur der Papa“ und ähnlichen Sprüchen oder auch Stoppzeichen deutlich die Wünsche der Mutter unterstreichen.

Persönliche Grenzen müssen respektiert werden

Denn auch, wenn ein praller Babybauch einen dazu verleiten könnte, mal kurz darüber zu streicheln: Vorsicht vor Gedankenlosigkeit! Persönliche Grenzen sind schnell überschritten. Besser ist es Einfühlungsvermögen zu zeigen und beim Wunsch nach Berührung erst einmal nachzufragen, ob es okay wäre. Und ein eventuelles „Nein“ nicht persönlich nehmen. Auch vor verbalen Grenzüberschreitungen sollte man sich hüten. Negative Geburtsberichte, Ammenmärchen über das Stillen beziehungsweise das Nicht-stillen-Können und gute Ratschläge bezüglich der Figur braucht keine Schwangere. Und wenn, wird sie gezielt danach fragen.

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Studie: Ungeborenes kann Berührung der Mutter auf dem Bauch erkennen

Ungeborene Babys können die Berührung ihrer Mutter zu erkennen, während sie noch in der Gebärmutter sind. Dieser Kontakt kann ihnen helfen, schon vor der Geburt eine Bindung aufzubauen. Dies behaupten Forscher der University of Dundee, Schottland.

Die schottischen Experten nutzen 4D-Ultraschall-Videos, um die Reaktion von ungeborenen Kindern aufzuzeichnen, wenn verschiedene Menschen den Bauch ihrer Mutter während der Schwangerschaft berührten. Sie fanden heraus, dass die Babys am ehesten reagierten und die Wand des Uterus berührten, wenn ihre Mutter den Babybauch streichelte.

Die Antwort fiel nicht so stark aus, wenn Fremde oder sogar der Vater des Kindes den Bauch der Mutter anfasste. Dies kann erklären, warum Mütter oft fühlen, wie sich ihre Babys bewegen, wenn sie ihren Bauch umfassen, aber die Babys stoppen, wenn ein Partner oder Freund versucht, es zu spüren.
Die Forscher sagen, dass die ungeborenen Babys besonders im dritten Trimester auf die Berührung im reagierten, was darauf hindeutet, dass dies eine wichtige Phase für die Entwicklung der Selbstwahrnehmung eines Kindes ist. Ein Video von einem Kind, das auf die Berührung seiner Mutter während des Ultraschalls reagiert, kann bei uod.box.com angesehen werden.

Viola Marx, eine Doktorandin an der Universität, war die Hauptautorin der Studie. Sie sagte, dass die Erkenntnisse dazu beitragen können, die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung zu beleuchten.

„Mütter berühren spontan und auch absichtlich ihren Bauch während der Schwangerschaft, oft um Kontakt mit dem Fötus zu haben“, kommentierte sie. „Wir haben gezeigt, dass die Föten auf die Berührung der Mutter auf ihrem Bauch reagierten.“ Jede Stimulation kann für die Entwicklung des Fötus und seine Bindung zur Mutter und zum Vater vorteilhaft sein.

„Bisherige Forschung hat gezeigt, dass ungeborene Babys auch reagieren, wenn ihre Mutter mit ihnen spricht, und dies den Säuglingen hilft, ihre Stimme nach der Geburt zu erkennen. Berührungen während der Schwangerschaft können auch eine ähnliche Rolle spielen. Diese Vertrautheit zwischen Baby und Mutter bildet sich höchstwahrscheinlich u.a. auch, weil sich die Mutter mit dem sich entwickelnden Fötus während der Schwangerschaft viel beschäftigt.
„Die Berührung der Mütter wird von der Bewegung ihres ganzen Körpers begleitet“, erklärte sie. „Möglicherweise ist es auch die Art der Bewegung, die Vertrautheit schafft.“

Die Forscher beobachteten 28 Säuglinge, während verschiedene Menschen den Babybauch berührten – ihre Mutter, ihr Vater und Fremde.

„Nicht die Mama!“ – Ungeborenes erkennt, wer den Bauch streichelt

Zu dieser verblüffenden Erkenntnis kamen schottische Wissenschaftler bei einem Experiment. Dabei reagierten die ungeborenen Kinder stärker auf Berührungen der Mutter als auf Streicheleinheiten durch den Vater oder durch fremde Personen.

Das starke Band zwischen Mutter und Kind wird bereits während der Schwangerschaft geflochten. Einen weiteren Beweis dafür lieferten jetzt schottische Wissenschaftler der University of Dundee. Mit Hilfe von 4D-Ultraschall-Videos beobachteten sie die Reaktionen von 28 ungeborenen Kindern, als die Mutter, der Vater oder jemand Fremdes den Babybauch streichelte. Die Studie wurde im Fachmagazin Infant Behavior and Development veröffentlicht.

Bei der Mama waren die Reaktionen am stärksten

Im Experiment zeigte sich, dass die ungeborenen Kinder im 2. und 3. Trimester deutlich stärker auf Streicheleinheiten der Mutter reagierten, als wenn andere Personen den Babybauch streichelten. Die Babys berührten die Wand des Uterus signifikant häufiger, wenn dort die Hand der Mama entlang strich. Ihre Reaktion auf fremde Berührungen fiel dagegen viel geringer aus. Das könnte erklären, warum Babys nach einem wahren Tritt-Feuerwerk plötzlich still halten, wenn die werdende Mama jemand anderen die Hand auf den Bauch legen und die Bewegungen ihres Kindes spüren lassen möchte.

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Viola Marx, Psychologie-Doktorandin und Leiterin der Studie erklärt die Studienergebnisse so: „Mütter berühren während der Schwangerschaft spontan aber auch zielgerichtet ihren Bauch, um mit ihrem Baby zu kommunizieren. Wir konnten zeigen, dass die Kinder auf die Berührung der Mutter reagieren. Jede Stimulation dieser Art kann die Entwicklung des Fötus und das Bonding zwischen Baby und Eltern fördern“. Wie die Stimme der Mutter, die die Ungeborenen bereits im Mutterleib kennenlernen und nach der Geburt wiedererkennen, könnten auch Berührungen nach der Geburt wiedererkannt werden, fasst sie zusammen. Diese neuen Studienergebnisse ergänzen die bisherigen Annahmen zur Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung.
Aber warum erkennt das Baby anscheinend genau, wer da bei ihm anklopft? Das erklärt sich die Studienleiterin mit der Art der Berührung: „Berührt die Mutter ihren Bauch, geht diese Bewegung durch den ganzen Körper. Es könnte also an der speziellen Art und der Vertrautheit der Berührung liegen“, so Viola Marx.

Und Papa? Der wird ignoriert.

Verrückt: Die wenigsten Reaktionen zeigten die Ungeborenen, wenn der eigene Vater den Babybauch berührte – noch weniger, als wenn Fremde den Bauch streichelten. Warum das so ist, das können sich die Wissenschaftler bisher nicht erklären. Die Co-Autorin der Studie, Dr. Emese Nagy, glaubt aber, es könne ebenfalls an der Art der Berührung liegen: Während die Mutter genau weiß, in welcher Position ihr Baby sich gerade befindet, und wie viel Druck sie auf ihren Bauch ausüben kann, streicheln Väter wohl instinktiv sehr sanft, aus Angst, der Partnerin oder dem Kind weh zu tun. So kann es sein, dass die Berührung des Papas vom Kind kaum wahrgenommen wird – oder zumindest eindeutig als „Nicht die Mama!“ und damit als „uninteressant“ identifiziert werden kann.

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Wie entwickelt sich Babys Psyche im Mutterleib? Damit beschäftigen sich Pränatalpsychologen. Diese noch junge Wissenschaft präsentiert erstaunliche Ergebnisse: Forscher können belegen, dass Ungeborene ab dem Ende des vierten Schwangerschaftsmonats auf akustische Reize reagieren. Herzschlag und Stimme der Mutter sind die ersten Geräusche, die das Baby wahrnimmt und es reagiert offensichtlich mit Bewegungen.

Die aufregende Lebensreise fängt schon vor der Geburt an

Je älter das Baby ist, desto besser kann es verschiedene Geräusche und andere Sinneseindrücke verarbeiten. Wenige Wochen vor der Geburt kann ein ungeborenes Kind sogar Kinderreime unterschieden. Mit verschiedenen Experimenten konnten Anthony DeCasper und sein Team von der University of North Carolina belegen, dass die Herzen von Ungeborenen schneller schlagen, wenn sie einen neuen Reim hören.

Musik gefällt Babys schon in der Schwangerschaft (© Thinkstock)

Auch deutsche Forscher wie der Neurobiologe Gerald Hüther aus Göttingen sind von der neuen Pränatal-Wissenschaft angetan: „Vieles, was die Forscher in den letzten Jahren herausgefunden haben, spricht dafür, dass wir den spannendsten und aufregendsten Teil der Lebensreise bereits hinter uns haben, wenn wir auf die Welt kommen.“


Eltern können ihr Kind schon jetzt intensiv spüren und Kontakt aufnehmen

Und auf dieser Reise können die Eltern ihr Kind auch ganz bewusst begleiten. Die werdende Mutter kann das Baby spätestens ab der Schwangerschaftsmitte sehr genau spüren, denn den Bauch zu berühren und zu streicheln ist selbstverständlich. Aber auch der Papa in spe kann sich jetzt schon intensiv mit dem Baby beschäftigen: zum Beispiel, in dem er die Hände auf den Bauch legt und die Bewegungen spürt.

Genießen Sie die Zeit mit dem Baby: Eine gemeinsame Spielzeit kann schon jetzt ein erstes Familien-Ritual werden. Am besten dazu einen festen Rahmen wählen. Vielleicht jeden Abend? Kuscheln Sie sich auf dem Bett ein, vielleicht mit ein paar Streicheleinheiten für die Mama und dann ist Spiel- und Schmusezeit für die ganze Familie. Falls es schon ein älteres Geschwisterchen gibt: Das gehört selbstverständlich mit in das Familienbett und darf auch schon mit Baby spielen. So lernt das Baby im Bauch die Stimmen der wichtigsten Personen in seinem Leben kennen und merkt, dass es dazu gehört.

Spiel-Ideen für (fast) alle Sinne

Vorlesen: Babys lieben Kinderbücher und Reime. Sie klingen einfach schön. Vor allem die Stimme des Papas hat es ihnen dabei angetan. Schon jetzt können Sie kleine Vorleserituale einführen. Vielleicht erste Kinderbücher vorlesen, wer mag auch auf Englisch. Denn von Dr. Seuss gibt es sogar ein Buch für Ungeborene: „Oh Baby! The Places You’ll Go! A Book to be Read In Utero”. Aber auch die Tageszeitung schätzen einige Babys – einfach ausprobieren.

Musikalischer Soundcheck: Auch Musik mögen Babys mögen gern hören. Es müssen nicht immer die Klassiker sein. Welchen Sound mag Papa gern, welche Mama? Metallica oder Sarah Connor? Babys sind da ganz offen und merken vor allem, ob die Eltern die Musik auch mögen. Besonders spannend: Wenn Sie dem Kind noch im Bauch bestimmte Lieder oft vorspielen, wird es die Musik auch später wieder erkennen.

Lausche wie die Welt sich anhört: Sie können dem Baby auch ganz deutlich verschiedene Geräusche vorspielen. Worauf reagiert es? Strampelt es, wenn es den Staubsauger hört? Klatschen, Blockflötenspiel oder Munharmonika… es kann einfach lustig sein, auf Babys Reaktion zu warten.

Lichterspiele: Auch Ungeborene reagieren auf Licht. Probieren Sie es aus, in dem Sie eine Taschenlampe an den Bauch halten. Ist das Baby wach, wird es oft versuchen, sich zur Lichtquelle zu bewegen oder strampeln. Allerdings sollte man das Baby nicht wecken und auch nicht übertreiben. Morsesignale via Lichtzeichen wird man noch nicht austauschen können.

Papa-Massage – Spielen und Erzählen mit dem Baby (© Thinkstock)

Papa-Massage: Ein Spiel, das Mamas leider nicht mitspielen können. Der werdende Vater legt seine Wange auf den Bauch und spricht mit dem Baby. Alle Babys finden das klasse. Und manche versuchen nach dem Papa zu tasten. Der Papa kann dabei die Bewegungen des Kindes deutlich spüren – und auch hören. Ältere Geschwister finden das Spiel auch ganz klasse und freuen sich, wenn sie dem Baby schon etwas erzählen können und dabei seine Bewegungen spüren und hören können.

Gezielte Streicheleinheiten: Die Hand auf den Bauch legen – das Baby reagiert oft auf die Wärme. Und wenn es merkt, dass auf seine Bewegungen reagiert wird, findet es das oft lustig. Für die Eltern kann es auch ein Ratespiel werden. Was spüren sie gerade unter der Hand? Den Kopf, den Po oder eine kleine Hand?


Erstes Familienritual – Spielen mit dem Baby im Bauch

Baby, wo bist du? Lege deine Hand auf den Bauch; meist reagiert das Baby sofort auf die Wärme.Kuschelt es sich an? Will es lieber verstecken spielen? Beobachte, was passiert, wenn die Hand langean der gleichen Stelle bleibt. Du kannst auch auf Bewegungen des Babys reagieren oder zart an denBauch klopfen.

Papa only: Hier können Mamas leider nicht so gut mitspielen. Der werdende Papa kann das Kind nämlich mit dem Gesicht spüren. Dazu legt er seine Wange an den Bauch und spricht mit dem Babyoder singt ihm ein Lied vor. Das Baby versucht oft, den Vater zu ertasten – oder es turnt eifrig herum. Das kann der Papa deutlich spüren – und auch hören. Auch Geschwister freuen sich, wenn sie demBaby schon etwas erzählen dürfen und dabei spüren, dass es auf sie reagieren kann.

„Hörbuch“: Babys lieben Kinderbücher und Reime. Sie mögen es Bilder anzugucken und die elterlicheStimme zu hören. Schon jetzt könnt Ihr ein Familienritual einführen. Das Baby freut sich einfach, wenn es Aufmerksamkeit bekommt – und Mama oder Papa können so sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher oder die Zeitung vorlesen. Ziemlich gemütlich…

Einschlafritual: Frühzeitig an die Zukunft denken. Und zwar mit dem Einführen eines richtig schönen Einschlafrituals. Was sind eure liebsten Wiegenlieder? Welche Lieder magst du gern singen? Kennst du überhaupt Schlaflieder? Vielleicht kaufst du auch schon eine Spieluhr. Die kann dann jeden Abend auf den runder werdenden Bauch gelegt werden. So lernt das Baby schon die Melodie kennen, die auch später signalisiert, dass nun eine Ruhephase angesagt ist. Die Spieluhr darf zunächst im elterlichen Bett liegen – dann duftet sie auch so herrlich nach Kuscheln, Geborgenheit, Mama und Papa.

Wie geht es dir? Gerade wenn der Alltag turbulent ist, haben Schwangere, erst recht beim zweiten oder dritten Kind, wenig Zeit für das Ungeborene. Nimm dir eine Babystunde. Versuche ganz intensiv dein Baby zu spüren und dir vorzustellen. Schicke ihm gute Gedanken in den Bauch und erzähle von deinem Tag. Wenn du den ganzen Tag auf den Beinen warst, hat das Kleine wahrscheinlich geschlafen- es hat ja so schön geschaukelt. Dann wird es jetzt munter sein. Und dir ein Ohr schenken und vielleicht ein paar kleine Tritte…

Das sind natürlich nur Ideen – probiert gemeinsam aus, was ihr als Eltern und vor allem euer Baby besonders gern spielt. Es ist ja nur der Anfang der wunderbaren Zeit als Familie.

Die Geografie des Frauenbauches

Von: Fredy Kradolfer
Winter 2011/102

Von: Fredy Kradolfer

Die Geografie des Frauenbauches

Ein Mann setzt sich mit dem Bauch einer Frau auseinander. Eine Wertschätzung und Ehrung in feinen Worten.

Von Fredy Kradolfer

Der Frauenbauch ist die Urheimat der Weiblichkeit. Wenn Mann eine Frau wirklich berühren will, dann kommt er an ihrem Bauch nicht vorbei. Ich glaube, dass hier eine tiefe, wenn nicht die tiefste Ursache der dauernden Missverständnisse zwischen den Geschlechtern liegt: Die Männer sind nicht bereit oder in der Lage, die Geografie des Frauenbauches zu verinnerlichen. Sie haben Angst vor der Klarheit, die ihm innewohnt, und sie haben verlernt, in dieser Geografie zu reisen.
Leider ist es aber auch so, dass 3000 Jahre Patriarchat vielen Frauen den Bauch geraubt haben. Er ist zwar noch da, funktioniert als Verdauungs- und Gebärmaschine, aber ansonsten ist er tot. Ausserhalb seiner Funktionen des Verdauens und Gebärens wirkt er höchstens noch als Ärgernis und als Diskriminierungsobjekt, weil Mode und fremdbestimmte Schönheitsideale vielen Frauen einen Bauch aufzwingen wollen, der nicht zu ihnen passt und seine für das Gefühlsleben der Frau so substanzielle Funktion nicht mehr ausüben kann oder will.
Zwischen Brust und Vulva
Männer wollen Brüste und Vulven. Der Platz dazwischen ist uninteressant oder gar lästig. Der Bauch schafft bloss räumliche Distanz und erschwert die gleichzeitige Manipulation an den beiden durch Männerdiktat zu erstrangigen Befriedigungsapparaten erkorenen Objekten der eigenen degenerierten Begehrlichkeit.
Wenn der Krieg zwischen den Geschlechtern denn je einmal beigelegt werden soll, dann müssen sich die Frauen ihre Bäuche zurückerobern. Und die Männer müssen wieder lernen, mit dem Bauch der Frauen umzugehen. Sexuelle Gleichberechtigung etwa besteht nicht darin, dass Frauen, den Männern immer raffiniertere Manipulationstechniken abverlangend, ihr Recht auf Orgasmus einlösen. Oder darin, dass besonders mutige Exponentinnen des weiblichen Geschlechtes auch mal die freie und aktive Wahl des Sexualpartners praktizieren (und dabei vielleicht sogar das Glück haben, auf einen Kerl zu treffen, der dann vor lauter Schiss nicht gerade in eine irreversible Impotenz fällt). Sexuelle Gleichberechtigung, Gleichberechtigung überhaupt, beginnt damit, dass die Männer den Bauch der Frauen respektieren.
Vertrauensgebiet
Betrachten wir den Frauenbauch einmal ganz nüchtern geografisch. Für mich beginnt er knapp unterhalb der Brüste, dort, wo die Härte des Brustbeins ins Weiche übergeht. Zwischen dem Brustbein und dem Bauchnabel wohnt die Freundschaft. Eine Stelle, geeignet für freundschaftliche Berührungen. Wenn die Energie fliesst zwischen der Hand des Berührenden und diesem Ort auf dem Bauch, dann wird Vertrauen möglich, Freundschaft und das Gefühl, dass es zwischen Frauen und Männern auch noch etwas anderes geben kann als Geschlechterkampf, Brunst, Liebesdrama oder Ehelangeweile. Hier wird die Gleichheit in der Verschiedenheit spürbar, die beiderseitige Akzeptanz verschiedener Denk-, Gefühls- und Handlungsstrukturen wird möglich.
Wandern wir weiter auf unserer Entdeckungsreise über den Frauenbauch. Unterhalb der Stelle der Freundschaft kommt der Bauchnabel. Er hat für mich zwei Dimensionen: Zum einen erinnert er mich an meine ehemalige Verbundenheit mit meiner Mutter und ist aus dieser Perspektive für mich ganz persönlich ein Ort der Melancholie. Warum musste ich 45 Jahre alt werden, bis ich merkte, was eine Mutter auch für einen erwachsenen Mann bedeuten kann? Wieso erkennen viele Männer nicht, oder erst (zu) spät, dass sie jemanden in ihrem Umfeld wissen müssen, der sie bedingungslos liebt, der ihnen immer, auch in den tiefsten Tälern eines Männerlebens, nur Gutes will? – Rebellion gegen die Eltern und mithin auch gegen die Mutter ist ein normaler Prozess im Leben jedes erwachsen Werdenden. Männer, welche die Versöhnung mit ihrer Mutter verpassen, laden sich damit eine schwere Bürde auf. Für mich hat die Versöhnung mit der Mutter geradezu symbolischen Charakter: Sie ist die Versöhnung mit dem Weiblichen schlechthin.
Nabelprobe
Die zweite Dimension des Bauchnabels ist der unbeschwerte Spass. Mit dem Bauchnabel kann man „Flabes“ machen. Der Bauchnabel ist der Punkt, wo Frauen das „Kind im Manne“ ertragen, die luftigen Flausen, die Lustigkeit ohne Tiefgang und das Vergessen der Ernsthaftigkeit des Lebens.
Weiter unten, eine Handbreit unter dem Bauchnabel, liegt das Feld des Vertrauens. Eine Frau, die meine Berührung auf dem Feld des Vertrauens mag, lässt sich los. Sie weiss, dass zwischen ihr und mir etwas ist, was sie trägt.
Viele Männer scheitern auf diesem Feld des Vertrauens. Denn es ist ein sehr sensibles Feld. Nicht umsonst sagen Frauen, sie würden es „im Bauch spüren“, wenn etwas in der Beziehung zu einem Menschen, der sie berührt, nicht stimmig ist. Dass Frauen oft, aus welchem Kalkül auch immer, dieses Gefühl verdrängen oder ganz bewusst missachten, steht auf einem andern Blatt. Hier mag die Prostituierte als Beispiel gelten: Sie ist bereit, für Geld geradezu unglaubliche Dinge zu tun. Ihren Bauch, das Feld des Vertrauens, wird kein Mann je mit Geld kaufen können.
Verschmelzung
Auf dem Feld des Vertrauens entscheidet sich auch, welche Art von Sexualität ein Mann mit einer Frau haben kann: Sex „just for fun“ (was gelegentlich, wenn von beiden Seiten gewollt, nicht schlecht sein muss), Sex um irgendeines Kalküls willen oder ein tiefes erotisches Erlebnis, jener von allen Menschen immer und unablässig gesuchte, aber leider viel zu selten erreichte Gipfel aller Gefühle, wenn Seele und Körper beider Beteiligter im Einklang zu jenem Gipfel mit dem blauen See gelangen, in dem sich alle Sehnsüchte und alles Göttliche spiegeln.
Zu jenem See, vor dem alle gleich sind und in dem jene Justitia wohnt, die nicht den Menschen wägt, sondern nur seine Herzenskraft, seine Seele und die Wahrhaftigkeit seiner Liebe.

1. Körpersprache-Hinweis: #Umarmung

Umarmung ist nicht gleich Umarmung. Schließlich umarmt man seine guten Freunde ja auch ständig – wenn auch nur für kurze Zeit. Hat ein Typ aber wirklich ernsthaftes Interesse an dir, wird er alles daran setzen, die Umarmung in die Länge zu ziehen. Plus: Im Vergleich zu einer freundschaftlich gemeinten Umarmung wird die Taille viel mehr bei der Umarmung einbezogen.

2. Körpersprache-Hinweis: #flüchtiges Berühren

Er streift dich immer wieder „versehentlich“ an der Hüfte, den Armen oder vielleicht sogar am Oberschenkel? Gut, denn in diesem Fall gilt: Je häufiger die Berührungen, desto größer das Interesse! Gerade Berührungen passieren nicht „versehentlich“. Im Gegenteil suchen Jungs so deine Körpernähe und wollen signalisieren, dass du ihnen gefällst.

3. Körpersprache-Hinweis: #bewusstes Berühren

Er entdeckt eine Wimper in deinem Gesicht? Einen Krümel in deinem Mundwinkel? Greift ständig nach deiner Hand? Gutes Zeichen! Denn das würde er nicht machen, wenn er dich nur als „gute Freundin“ sieht. Diese Gesten wählt er bewusst, um dir näher zu kommen. Er macht sich deshalb auch gar nicht erst die Mühe, sie als zufällig darzustellen …

4. Körpersprache-Hinweis: #zugewandter Körper

Wenn ihr nach einem Spaziergang irgendwo auf einer Parkbank landet und euch gegenseitig eure Lebensgeschichte erzählt, solltest du auf eines besonders achten: in welche Richtung er seinen Körper wendet. Dreht er sich dir zu, hat er ebenso Interesse an deinen Erzählungen und deiner Person. Zeigt er dir aber (im wahrsten Sinne des Wortes!) die kalte Schulter, ist das Interesse weniger groß.

5. Körpersprache-Hinweis: #Rückenkraulen

Wenn er dir immer wieder zärtlich über den Rücken streichelt, dann möchte er dein Wohlbefinden steigern. Er will, dass du dich gut, aufgehoben und in seiner Nähe wohl fühlst. Kurzum: Er ist sehr auf dich und dein körperliches Wohl bedacht. Krault er dir regelmäßig den Rücken, kannst du davon ausgehen, dass er sehr an dir interessiert ist. Vielleicht malt er sich in Gedanken schon eine Zukunft mit dir aus?

Worauf achten Jungs eigentlich genau? Hier verraten wir’s!

Hintergrund

Was mögen Männer? Auf diese Dinge achten sie bei Frauen am meisten! Zugegeben, Brüste und Po ziehen die Blicke der Männer zwar auf sich, doch das sind nicht die einzigen Körperteile, die in ihrem Visier landen.

6. Körpersprache-Hinweis: #Augenkontakt

Augenkontakt kann auf zwei unterschiedliche Arten entstehen: Erstens, wenn du eine niemals enden wollende Geschichte erzählst, er dir trotzdem tief in die Augen blickt und dich mit einem Kopfnicken stets in deinen Erzählungen ermuntert. Oder zweitens, wenn du ihn auf dem Pausenhof zufällig dabei ertappst, wie er dich beobachtet. Sobald du in eine andere und dann wieder in seine Richtung blickst, kannst du davon ausgehen, ihn wieder beim Anstarren zu erwischen. Aber nimm es ihm nicht übel – er ist einfach ganz verzaubert von dir.

7. Körpersprache-Hinweis: #aufrechte Körperhaltung

Ist dir schon mal aufgefallen, dass sich dein Auserwählter in deiner Gegenwart irgendwie aufplustert? Er sitzt oder steht immer gerade, zieht die Schultern nach hinten und streckt die Brust heraus? Solltest du all diese Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, darfst du das als klares Imponierungsgehabe interpretieren. Egal bist du ihm jedenfalls nicht …

8. Körpersprache-Hinweis: #sein Lachen

Egal, welcher Witz dir über die Lippen huscht – und wenn er auch noch so schlecht ist: Du erntest stets ein Lächeln von ihm. Das ist schon mal gut, allerdings solltest du nun genauer beobachten, welches Lachen er dir schenkt. Hier muss nämlich ganz klar zwischen dem Fake-Lachen und dem normalen unterschieden werden. Nur bei einem wirklich aufrichtigen Lachen kann er sich mehr mit dir vorstellen. Bei einem Fake-Lachen (pssst: Dabei werden lediglich die Mundwinkel ein wenig nach oben gezogen!) gilt leider: Willkommen in der Friendzone!

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Die Macht der Hände

1 Der Tastsinn ist der erste Sinn, der sich im leben eines Menschen entwickelt und der einzige, den man nicht abschalten, nicht gänzlich unterdrücken kann. Foto: Fotolia/©Photocreo Bednarek

Warum lassen sich manche Menschen die Hand auflegen? Wieso fühlen sich viele bei einer Massage so wohl? Forscher sagen: Das Bedürfnis, zu berühren und berührt zu werden, ist tief im Menschen verankert. Nur: Im Alltag berühren wir uns einander immer weniger.

Leipzig – Ein Streicheln vermag wohlige oder auch erotische Schauer über unseren Körper jagen, kann Kinder trösten und Erwachsene beruhigen, selbst Wütende manchmal besänftigen. In der Religion ist das Handauflegen, die segnende Berührung durch einen Priester, ein im Wortsinn berührendes Ritual. Pfarrer erzählen, sie hätten beim Segnen mit Handauflegen oftmals Tränen fließen sehen. Es sei ein sehr bewegender Moment.

Das Heilsame an der Berührung ist für Mediziner und Psychologen offenkundig: Berührungen wie Streicheln führen dazu, dass sich der Herzschlag beruhigt, dass der Blutdruck sinkt und der Pegel an Stresshormonen fällt und infolgedessen das Immunsystem besser funktioniert. Menschen, für die körperliche Berührungen selbstverständlich sind, gehen aus Stresssituationen weniger angespannt heraus, sie empfinden bei Verletzungen weniger Schmerzen, haben sie Wunden, heilen diese besser. Selbst Frühgeborene profitieren von steter Berührung: Sie legen schneller an Gewicht zu, wenn sie regelmäßig massiert werden.

Die Haut ist das größte Sinnesorgan des Menschen

Physiologisch ist diese Empfindsamkeit des Menschen gut zu erklären: So ist der Berührungssinn der erste Sinn, der sich bei einem Embryo entwickelt. Er erstreckt sich über die gesamte Oberfläche des Körpers – und die macht bei einem Erwachsenen eine Fläche von knapp zwei Quadratmetern aus. Die Haut ist somit das größte Sinnesorgan des Menschen. In ihr befinden sich Millionen hochempfindlicher Sensoren, die sich immer dann melden, wenn auf der Haut etwas geschieht – ein Lufthauch am Arm, ein Schweißtropfen auf der Stirn, eine Ameise am Fuß. Die Reize werden im Gehirn erst einmal beurteilt: Wichtiges wie Schmerzen wird in die dafür zuständigen Regionen weitergeleitet, Unwichtiges wie der Druck des Shirts, das eng anliegt, wird ausgeblendet.

Woher der Körper weiß, wie er die Signale bewerten soll, verstehen Sinnesforscher noch nicht im Detail. Fest steht aber, dass dies ein fortschreitender Lernprozess ist, der im Kindesalter beginnt. Warum sonst versuchen Babys instinktiv, nach möglichst vielen Dingen zu greifen? Doch nur, um ihre Umwelt buchstäblich besser zu erfassen, sagen Forscher.

Oft setzen Berührungen auch schwierige Gefühle frei

Doch weit mehr als der Seh- oder der Geruchssinn ist der Tastsinn mit der Psyche verwoben: „Es gibt kein Säugetier, dass sich ohne Berührung adäquat entwickelt“, sagt der Psychologe Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Labors der Uni Leipzig dem Wissenschaftsmagazin GEO. „Es überlebt den Mangel an Kontakt nicht.“ Eine zarte Massage am besonders empfindsamen Oberbauchs von Babys kann beruhigen und Bauchweh lindern. Denn am Übergang vom Brustkorb zur Magengrube laufen diverse Nervenbündel zum Sonnengeflecht oder Solarplexus zusammen. Ein Schlag dorthin kann Schwindel auslösen oder bewusstlos machen; Massagen hingegen oder ein warme Hand an dieser Stelle lösen Wohlgefühl aus.

Oft setzen Berührungen auch schwierige Gefühle frei, die lange unterdrückt oder vermisst worden sind. Diese Erfahrung machen etwa Masseure oder Physiotherapeuten. Nicht selten verhärten nicht aufgearbeitete Emotionen die Muskeln im Nacken- oder Rückenbereich. Auch Körperpsychotherapeuten erleben immer wieder, dass Menschen tiefes Wohlgefühl verspüren, wenn sie an Bauch, Schulter oder Rücken mit der Hand berührt werden – einfach, weil es für sie angenehmen Stellen sind. Oder aber sie fangen an zu weinen – weil sie jahrelang ohne diese Berührung auskommen mussten.

Sinnesforscher sehen die zunehmende Berührungslosigkeit mit Besorgnis

Tatsächlich berühren die heutigen Menschen einander immer weniger. Das Fühlen wird vernachlässigt – etwa weil ein zu enger Körperkontakt oft nicht gesellschaftsfähig ist. Wobei es regionale Unterschiede gibt. Generell gilt: Menschen aus südlichen Ländern berühren sich häufiger als Menschen im Norden. 45 Zentimeter, haben Wissenschaftler herausgefunden, so nahe dürfen einem Deutschen fremde Menschen kommen, damit er sich nicht belästigt fühlt.

Sinnesforscher wie Grunewald sehen diese Entwicklung mit Besorgnis – könnte die Berührungslosigkeit dazu führen, dass psychische Erkrankungen weiter zunehmen. So hat der Psychologe einen Zusammenhang zwischen mangelndem Körperkontakt in der Kindheit und einer Magersucht im Jugendalter feststellen können.

Nicht umsonst ist in den vergangenen Jahren ein riesiger Markt der sogenannten Berührungsindustrie entstanden – mit Masseuren, Physiotherapeuten, Yoga- und Gyrotonic-Trainern und Spa-Therapeuten. Sogar manche Heiler in der Alternativmedizin versuchen, durch Handauflegen Schmerzen zu lindern – auf wissenschaftlich dünnem Boden. Sie versuchen ihren Kunden zu geben, was das moderne Leben einem oft vorenthält: Zeit, Nähe, Haut zum Anfassen.

Ärzte erfahren schon am Händedruck viel über ihre Patienten

Wie groß die Dosis an täglicher Berührung ausfallen muss, kann niemand sagen. Hinweise können nur Studien bei Menschenaffen geben: Schimpansen verbringen bis zu einem Fünftel ihrer wachen Zeit damit, ihre Genossen zu lausen.

Zunächst genügt vielleicht erst einmal der einfache Handschlag: Schon solche Berührungen transportieren eine Menge an Information. Einem erfahrenen und aufmerksamen Mediziner kann ein Händedruck manches über den Zustand eines Patienten verraten: Ist er schüchtern? Schwitzt er vor Aufregung? Ist er kraftlos oder schlecht durchblutet?

Ärzte, die aus Hygienegründen Patienten nicht die Hand nicht reichen wollen, verzichten auf ein gutes Diagnose-Instrument. Verstehen mag das so mancher Mediziner wie der Frankfurter Chirurg Bernd Hontschik nicht: „Das Verweigern des Händeschüttelns wegen irgendwelcher Keime halte ich für Unfug, schließlich gibt es Desinfektionsmittel.“

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