Sprachförderung in der kita

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Das Thema Sprachförderung ist seit dem PISA-Schock vor mehr als zehn Jahren in aller Munde. Wie Sie Ihr Kind schon von klein auf sprachlich fördern können, erfahren Sie hier. Jedes fünfte Kind in Deutschland leidet unter Sprachentwicklungsstörungen – Tendenz steigend. Kinderärzte, Logopäden, Sprachheilpädagogen und Psychologen äußern sich besorgt angesichts voller Praxen. Die Gründe für Spracharmut und Sprachstörungen sind nur in den seltensten Fällen physischer Natur. Hauptursache für einen verspäteten Grammatik- und Wortschatzerwerb ist vielmehr ein kommunikationsarmes Umfeld. Der steigende Medienkonsum im Kleinkindalter und die fehlende soziale Interaktion innerhalb der Familie führen bei vielen Kindern zu Sprachentwicklungsstörungen, die sich, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, zu dauerhaften Sprachstörungen entwickeln können. Mit Sprachförderprogrammen in den Kitas und Grundschulen bemühen sich Logopäden und Pädagogen, Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Denn Sprachkompetenz gilt als wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Schul- und Berufslaufbahn. Wie Sie Ihr Kind von Anfang an mit einem sprachanregenden Umfeld fördern können, lesen Sie im Folgenden.

1. Vorsingen und gemeinsam singen

Schon Babys und Krabbelkinder reagieren äußerst positiv auf Musik, indem sie lächeln und sich bewegen. Singen Eltern ihren Kindern etwas vor, lauschen Sie gespannt dem Klang ihrer Stimme. Das Vorsingen und das spätere gemeinsame Singen vermitteln Kindern Sprachrhythmus und Sprachmelodie ihrer Muttersprache(n), vor allem aber den Spaß an der Sprache – eine wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung.

2. Fingerspiele, Kniereiter und Reime

Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, … – viele Eltern werden dieses altbekannte Fingerspiel noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Unbewusst förderten Generationen von Eltern ihre Kinder mit Fingerspielen, Kniereitern und Reimen sprachlich. Die z.T. sehr alten Sprachspiele sind bei Babys und Kleinkindern immer noch unglaublich beliebt und stärken auch die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind. Kleinkinder gewöhnen sich an den Rhythmus und die Laute der Sprache.

3. Gemeinsam Bilderbücher anschauen

Ab etwa einem halben Jahr können Sie mit Ihrem Kind anfangen, einfache Bilderbücher anzuschauen. Besonders beliebt bei ganz kleinen Lesern sind sogenannte Fühlbücher zum Anfassen. Für den Anfang eignen sich Bilderbücher mit einem Bild pro Seite. Sie helfen Kindern, die Symbolebene zu verstehen – eine wichtige Voraussetzung für das spätere Lesenlernen. Ab ca. anderthalb Jahren stehen bei Kleinkindern Wimmelbücher ganz oben auf der Beliebtheitsskala: Auf den großflächigen Bildern gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu benennen. Die farbenfrohen und detailreichen Illustrationen bieten zahlreiche Sprachanlässe. Beim gemeinsamen Betrachten der Bilder erweitern und festigen Kinder spielerisch ihren Wortschatz.

4. Viel vorlesen

Das Vorlesen ist eine der wichtigsten Methoden, um Kinder sprachlich zu fördern. Leider kommt es heute in vielen Familien zu kurz. Neben der Sprachentwicklung fördert das Vorlesen die Konzentration sowie die Fantasie und die Kreativität. Nehmen Sie sich deshalb regelmäßig Zeit für das Vorlesen. Lassen Sie Ihr Kind selbst ein Buch auswählen und machen Sie es sich beim Lesen gemütlich. Leseempfehlungen für Kinder und Jugendliche finden Sie bei der Stiftung Lesen.

5. Viel mit dem Kind sprechen

Kinder lernen eine Sprache unter anderem durch Imitation. Wachsen sie in einer kommunikationsarmen Umgebung auf, bleiben sie sprachlich auf der Strecke. Deshalb sollten Sie von Anfang an viel mit ihrem Baby und Kleinkind sprechen. Die Ansprache ist nicht nur eine Form der Zuwendung, sondern sorgt auch dafür, dass Kinder ein Gefühl für ihre Muttersprache bekommen. Sie lernen die Sprachmelodie kennen und unterschiedliche Stimmen zu unterscheiden.

6. Das eigene Handeln sprachlich begleiten

Begleiten Sie Ihr eigenes Tun sprachlich, auch wenn das Monologisieren Ihnen am Anfang gewöhnungsbedürftig erscheint. Erklären Sie Ihrem Kind, was Sie gerade tun und binden Sie es soweit es geht in Ihre Tätigkeiten ein. Ihr Kind wird Ihnen aufmerksam zuhören und schon bald einen Zusammenhang zwischen Ihrem Handeln und Ihren Worten herstellen.

7. Gemeinsam spielen

Beim Spielen entdecken Kinder die Welt – und auch die Sprache. Bieten Sie Ihrem Kind deshalb vielfältige Spielanregungen. Das müssen aber keine speziellen Spiele zur Sprachförderung sein. Besonders beliebt bei Kleinkindern sind Rollenspiele wie Mutter und Kind, Kaufladen oder Doktor. Beim Nachstellen von Alltagssituationen bauen Kinder ihren Wortschatz aus und festigen grammatische Strukturen. Ab 3 bis 4 Jahren können Sie mit Ihrem Kind auch einfache Gesellschaftsspiele wie Memory oder Domino spielen. Bei diesen Spielen benennen Kinder viele unterschiedliche Gegenstände und erweitern so ihren Wortschatz.

8. Korrigieren – die verbesserte Wiederholung (corrective feedback)

Kein Kind spricht von Anfang an perfekt. Die richtige Aussprache und die grammatisch korrekte Bildung von Wörtern und Sätzen müssen geübt werden. Korrigieren Sie Ihr Kind immer, indem Sie die sprachlich korrekte Formulierung beiläufig noch einmal wiederholen. Machen Sie sich nie über eine Formulierung lustig oder ziehen Sie Ihr Kind mit seinen Fehlern auf. Das verunsichert Kinder und nimmt ihnen die Lust und Freude am Sprechen.

9. Babysprache nur in Maßen verwenden

Wau wau, brumm brumm, Kikeriki – die lautmalerische Bezeichnung von Gegenständen und Handlungen wird von vielen Eltern vor allem in den ersten zwei Lebensjahren benutzt. Doch die Vereinfachung ist für die Sprachentwicklung Ihres Kindes nicht immer förderlich. Bemühen Sie sich möglichst frühzeitig, Gegenstände, Personen und Handlungen bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

10. Dem Kind Gelegenheit zum Sprechen geben

Übung macht den Meister – das gilt auch für das Sprechen. Je mehr Gelegenheit Ihr Kind hat, sich sprachlich zu äußern, desto besser und sicherer wird es sich sprachlich ausdrücken.

  • Unterbrechen Sie Ihr Kind nicht beim Erzählen und hören Sie ihm aufmerksam zu. Nur so fühlt es sich ernst genommen.
  • Ermuntern Sie es mit Fragen zum Sprechen.
  • Beantworten Sie alle Fragen Ihres Kindes ausführlich.
  • Loben Sie Ihr Kind, auch wenn Formulierungen und Wörter noch fehlerhaft sind.

Praxis der Sprachförderung in Kindergarten und Vorschule

Rose Götte

Die sprachliche Förderung der Kinder gehört neben der Sozialerziehung zu den wichtigsten Aufgaben des Kindergartens und darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Sie soll alle Kinder erfassen: sowohl die, die sprachlich schon sehr gut entwickelt sind und ihren Hunger nach sprachlicher Betätigung stillen müssen, als auch Kinder fremder Muttersprache oder solche, die zuhause zu wenig sprachliche Anregung erhalten haben und Sprachdefizite aufweisen.

Zur Sprachförderung gehören die Wortschatzerweiterung, die Entwicklung der Satzbildungsfähigkeit (grammatische Kompetenz) sowie die Bereitschaft und Fähigkeit, Sprache sinnvoll einzusetzen und zu nutzen (kommunikative Kompetenz). Defizite in der Artikulation sind meistens entwicklungsbedingt und nehmen bei zunehmendem Alter ab. Wenn grobe Aussprachefehler aber auch noch bei Fünf- oder Sechsjährigen vorliegen, sollte eine Fachkraft (Logopäde) eingeschaltet werden.

Die Sprachförderung kleiner Kinder sollte ganzheitlich erfolgen. Das heißt, wir haben es nicht nur mit dem Hörer oder dem Sprecher zu tun, sondern immer mit dem ganzen Kind, mit allen seinen Sinnen, seinem Bewegungsdrang, seiner Neugier, seiner Liebe zu Rhythmus und Musik… Planvolle Sprachförderung kann deshalb beim Singen, Turnen, Basteln, Spielen, Erkunden, Untersuchen, Experimentieren ebenso stattfinden wie beim Betrachten von Bilderbüchern oder beim Gespräch mit dem einzelnen Kind oder mit der Gruppe im Stuhlkreis.

Wortschatzerweiterung bedeutet daher vor allem geplante Erlebniserweiterung. Dabei sollte die Erzieherin sich schon im Vorfeld überlegen, welche Begriffe bei der geplanten Aktion eine Rolle spielen könnten.

Aktion mit dem Auto der Erzieherin: Alle Kinder berühren das Auto an einer Stelle und benennen das entsprechende Teil. Wer findet etwas am Auto, das noch nicht benannt wurde? Jetzt wird das Auto gewaschen. Alle bekommen ein Eimerchen und einen Lappen oder Schwamm. Ein Kind teilt ein: Du wäschst die Stoßstange, du das Nummernschild… Wer fertig ist, meldet der Erzieherin, welches Teil er gewaschen hat und was er gerne noch waschen möchte.

Im Hof spielen wir Auto: Jeweils vier Kinder halten sich an den Händen: Zwei Kinder vorn, zwei hinten. Sie sind das Auto, das im Hof seine Kreise zieht. In der Mitte des Kreisverkehrs steht ein Kind etwas erhöht und gibt die Kommandos: langsam fahren, schnell fahren, abbiegen, überholen…

Die Förderung der Satzbildungsfähigkeit erfolgt durch verbale Kontaktaufnahme. Es kommt darauf an, Situationen zu schaffen und zu nutzen, in denen das Kind etwas mitteilt: Beschreiben, was man sieht, erklären, wie etwas funktioniert, anderen sagen, wie man etwas macht, beschweren, weitersagen, wünschen, berichten.

Beispiel: Beim Basteln sollen Kinder reihum erklären, was als nächstes zu tun ist, und dabei die Hände zur Faust ballen.

Eine große Hilfe für die Satzbildung ist auch das rhythmische Sprechen. Kinderreime und Lieder helfen mit, Satzmuster aufzunehmen und analog anzuwenden.

Beispiel: Nach der Melodie „Dornröschen war ein schönes Kind“ erfinden die Kinder einen Erfahrungsbericht: Wir waren auf dem Bauernhof… Dort haben wir ein Pferd gesehn…

Die Förderung der kommunikativen Kompetenz geschieht am intensivsten und leichtesten im sozialen Rollenspiel. Die Erzieherin mischt sich ein, indem sie mitspielt und die Handelnden in Gespräche verwickelt. Das bedeutet in vielen Fällen, dass sie ein relativ stummes Spiel (Puppe wird aus- und angezogen) zu einem sozialen Rollenspiel ausbaut (Puppe hat Fieber. Ein Arzt muss kommen. Medikamente müssen in der Apotheke besorgt werden. Der Papa kommt von der Arbeit und zeigt dem kranken Kind ein Bilderbuch…)

Auch bei der Schlichtung von Streitigkeiten müssen verbale Konfliktlösungen eingeübt werden.

Beispiele: Wenn jemand sagt: Ich will das nicht! muss der andere aufhören. Wer einem anderen weh getan hat, muss sich entschuldigen. Wer ein Spielzeug haben möchte, das gerade ein anderer hat, muss ihn fragen, wann er es haben kann.

Praktische Beispiele für ganzheitliche Sprachförderung:

Rose Götte: Sprache und Spiel im Kindergarten. Praxis der ganzheitlichen Sprachförderung in Kindergarten und Vorschule. Mit Lieder-CD. Beltz-Verlag 2002

Sprechen lernen: So fördern Sie den Spracherwerb der Kinder im Alltag

Leni ist 8 Monate alt und liegt lautierend auf ihrer Krabbeldecke. Der 2 Jahre alte Max läuft Ihnen hinterher, um Ihnen zu erzählen, wie er mit seinem Vater den Rasen gemäht hat. Auch der 18 Monate alte Pepe möchte sich Ihnen mitteilen. Diese Beispiele zeigen: In Ihrer Arbeit mit Kindern unter 3 Jahren sind die Entwicklungsunterschiede beim Spracherwerb besonders groß. Juchzen, Brabbeln, Gestikulieren, Zuhören, Nachahmen und schließlich Sprechen sind unterschiedliche Mitteilungsformen der Kleinkinder, die Sie wahrnehmen und fördern.

Hier sind Ihr aufmerksames Ohr und Ihr empathisches Erzieherverhalten gefragt, um jedes Kind, ausgehend von seinem aktuellen Entwicklungsstand, beim Spracherwerb zu fördern. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie die Kinder im Alltag dabei unterstützen können.

Nachahmung und Wiederholung fördern den Spracherwerb der Kinder

Der Schlüssel, um Sprache zu lernen, besteht aus Nachahmung und Wiederholung. Babys und Kleinkinder können sich aber nicht nur durch Brabbeln, sondern auch durch Gesten ausdrücken Ein wichtiger Teil von Gefühlen und Wünschen erfolgt zunächst durch Gesten, beispielsweise, wenn ein Kind mit dem Finger auf etwas zeigt. Es ist wichtig, dass Sie darauf reagieren und dem Kind somit nonverbal oder verbal mitteilen, dass Sie es verstehen können.

Beachten Sie, dass sich die Areale im Gehirn, die für die Bewegung zuständig sind, vor den Arealen entwickeln, die für die Sprachentwicklung notwendig sind. Die beiden Bereiche sind eng miteinander verknüpft und benötigen eine entsprechende Förderung.

Die Umgebung ist bedeutsam für die Sprachentwicklung des Kindes

Neben den biologischen Faktoren ist vor allem eine unterstützende Umgebung bedeutsam für die Sprachentwicklung des Kindes. Innerhalb der Lernumwelt „Kindertagesstätte“ sind das maßgeblich Sie als Erzieherin. Die Reaktionen der Umwelt entscheiden darüber, ob ein Kind sein angelegtes Sprachvermögen voll entwickeln kann oder ob es unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Es ist wichtig, dass Sie zu dem Kind eine Beziehung aufbauen. Der Beziehungsaufbau beginnt in der Eingewöhnungsphase des Kindes und wird in den darauf folgenden Wochen und Monaten intensiviert. Stück für Stück lernen das Kind und Sie sich kennen. Mehr und mehr kann das Kind Vertrauen und Sicherheit entwickeln.

Mit dieser Grundlage werden Sie auch zu einem sprachlichen Vorbild für das Kind. Sie erkennen immer mehr die Interessen und Vorlieben und können entsprechend auf das Kind eingehen.

Die Art und Weise der Interaktion zwischen Ihnen und dem Kind ist für den Spracherwerb sehr bedeutsam. Sind Sie dem Kind emotional zugewandt, beeinflusst dies das Interaktionsverhalten des Kindes positiv. Das Kind spürt, ob Sie an der gemeinsamen Handlung, beim Vorlesen oder dem gemeinsamen Spiel, emotional beteiligt und interessiert sind oder nicht.

In der Interaktion mit dem Kind gibt es eine didaktisch-methodische Basis. Impulse, die maßgeblich für den Spracherwerb sind, werden in der folgende Tabelle auf beispielhaft dargestellt.

Um den Spracherwerb der Kinder zu unterstützen, ist es über den Inhalt der Tabelle hinaus jedoch auch wichtig, den Kindern immer wieder möglichst spielerische und spaßbetonte Angebote zu machen. Fingerspiele, Reime, Berührungsspiele und Lieder sind die idealen Begleiter auf dem Weg zum Spracherwerb.

Welche Bedeutung haben Fingerspiele?

  • Sie unterstützen die Sprachentwicklung und regen zum Sprechen an.
  • Sie regen die Sinne der Kinder an. Die Kinder können die Bewegungen beobachten, den gesprochenen Text hören und diesen nachsprechen.
  • Sie lassen die Kinder Freude am Hören und Sprechen verschiedener Klangmelodien entdecken, beispielsweise leise und laut, ruhig und schnell, hoch und tief.
  • Sie fördern die Konzentration der Kinder, da Text und Bewegung den Inhalt verdeutlichen.
  • Sie erweitern den Wortschatz der Kinder.
  • Sie regen dazu an, Reimwörter zu verwenden.
  • Sie können die Beziehung zwischen Ihnen und dem Kind intensivieren.
  • Sie haben einen ganzheitlichen Charakter.
  • Sie fördern die Fingerfertigkeit der Kinder.

Welche Bedeutung haben Berührungsspiele?

  • Durch die Verbindung von Berührung und Sprache erlebt das Kleinkind diese Art der Zuwendung als etwas ganz Besonderes, das sich gut einprägt.
  • Sie festigen die emotionale Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem.
  • Sie unterstützen die Ausbildung von Denkstrukturen des Kindes, die für sein weiteres Sprachverständnis wichtig sind. Die Bedeutung des gesprochenen Wortes erklärt sich durch die entsprechende Berührung und kann somit leichter im Gehirn gespeichert werden.

Welche Bedeutung haben Reime?

  • Reime können von Kindern besonders leicht verinnerlicht werden.
  • Die Reime für Kinder können gemeinsam gesungen, gesprochen oder gespielt werden.
  • Sie beinhalten oft Fantasieworte/Quatschworte, die keinen Sinn ergeben und aus Lautmalerei bestehen, die Kinder aber gerade dadurch in besonderem Maße ansprechen.

Welche Bedeutung haben Lieder?

  • Lieder können gesungen, getanzt oder gespielt werden – der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
  • Beim Singen werden immer mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen.
  • Die Sprache kann von den Kindern als kommunikatives und spielerisches Element erlebt werden.
  • Durch die vielfältigen Bewegungen zum Liedtext kann der Inhalt der Worte verstanden werden – auch wenn das Wort selbst noch unbekannt ist.
  • Sie sorgen für emotionales Wohlbefinden in der Krippengruppe.

Die Entwicklung der Sprache ist ein Meilenstein in der kindlichen Entwicklung. Darum ist es wichtig, vor allem im Alltag Ihren professionellen Blick auf die individuelle Sprachentwicklung der Kinder zu legen und diese entsprechend zu unterstützen.

Die wichtigste Grundlage für eine gut ausgebildete Sprache ist eine differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit.

Die Sprachförderung ist im Kinderbildungsgesetz ( § 13 Absatz 6) fest verankert. Sie ist im Hinblick auf die Bildung im frühen Kindesalter eine zentrale Aufgabe des Elementarbereiches. Unser einrichtungsspezifisches Bildungskonzept und unser Sprachförderkonzept beinhalten Ausführungen zur Sprachförderung in unserer Einrichtung und macht somit unser Bildungsangebot für Eltern transparent.

Die Sprachförderung nimmt einen breiten Stellenwert ein, sie ist in alle anderen Bildungsbereiche integriert. Eine gut entwickelte Sprachkompetenz ist deshalb der Schlüssel für erfolgreiche Lern- und Bildungsprozesse. Die wichtigste Grundlage für eine gut ausgebildete Sprache ist eine differenzierte Wahrnehmungsfähigkeit. Ein Kind kann nur dann richtig sprechen lernen, wenn die Bewegungs- und Sinneskoordination gut ausgebildet sind. Dazu gehören z.B.:

  • Deutlich und klar sehen, z.B. Umrisse, Entfernungen, Höhen und Tiefen, abschätzen und benennen können (Augen)
  • Gut und differenziert hören: Klänge, Töne, Melodien, Rhythmen (Ohren)
  • Singen, Sprechen, Geräusche, Pfeifen (Mund)
  • Gut riechen und Gerüche differenzieren (Nase)
  • Bewegungen planen und erfolgreich umsetzen, Bewegungsfreude und -sicherheit entwickeln, den eigenen Körper im Raum erfahren und steuern (Motorik)
  • Bewegungen des Mundes: schnalzen, kauen, pusten (Fein- Mundmotorik)

Im Bildungsbereich Sprache geht es also nicht nur darum, eine formale Sprachkompetenz zu entwickeln. Die Kinder sollen befähigt werden, ihr eigenes Denken sinnvoll und differenziert sprachlich auszudrücken. Nach der gesprochenen Sprache rückt im Vorschulalter die geschriebene Sprache ins Interessenfeld der Kinder. Sie entdecken, das sich die Sprache mit Hilfe von Zeichen, nämlich Buchstaben, abbilden lässt. Kinder interessieren sich z.B. für Autokennzeichen, Werbeschriften oder Produktnamen. Sie lernen, ihren eigenen Namen zu schreiben. Zur Förderung dieses komplexen Bereiches werden die Kinder in unserer Einrichtung ermutigt, ihre Kenntnisse quer durch alle Bildungsbereiche zu erproben, zu entwickeln und anzuwenden.

Warum ist Sprachförderung so wichtig:

  • Die Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel im Umgang mit unseren Mitmenschen.
  • Sprache erweitert körpersprachliche Möglichkeiten wie Gebärden, Mimik und Gestik.
  • Sprache erklärt Welt und Umwelt.
  • Sprache strukturiert das Denken.
  • Die Sprache ist das charakteristischste Merkmal unserer Intelligenz.
  • Mit Sprache erklären wir Erfahrungen und Zusammenhänge.
  • Sprache erfordert ein komplexes Zusammenspiel von geistigen und motorischen Fähigkeiten.
  • Sprache ist das Medium für die Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen.
  • Sprache ist ein selbstverständlicher und notwendiger Bestandteil aller alltäglichen Abläufe

Mit der Sprachförderung in unserer Einrichtung legen wir eine wichtige Grundlage für die Lese- und Schreibkompetenz und damit eine wichtige Voraussetzung für den Schulerfolg.

Ein Wort, das ein Kind
nicht kennt, ist ein Gedanke,
den es nicht denken kann!
Wolfgang Maier

Sprachförderung für Kinder unter drei Jahren

Schon im Alter von zwei bis drei Jahren haben Kinder die wichtigsten Strukturen und ‚Baupläne‘ ihrer Erstsprache erfasst. Wachsen Kinder von klein auf mit mehr als einer Sprache auf, sind sie in diesem Alter bereits mehrsprachig, denn sie verfügen dann über entsprechend mindestens zwei grammatische Systeme.

Die Kinder stecken dann mitten im Spracherwerbsprozess und nutzen dafür unterschiedliche Strategien und Voraussetzungen. Die Förderung der Sprache und des Sprechens im Erwerbsalter unter drei Jahren in Familie und Kindergarten kann damit als Begleitung und Unterstützung des normalen Spracherwerbs angesehen werden.

Fast alle alltäglichen Situationen können genutzt werden, um den Kindern sprachlichen Input zu geben. Gerade in Alltagssituationen lernen Kinder einen wichtigen Grundwortschatz kennen und erfahren, wie ganze Sätze entstehen. Begleiten Sie alle Handlungen, die Sie ausführen, sprachlich und beziehen Sie die Kinder aktiv mit ein.

Machen Sie beispielsweise die Kinder auf Spaziergängen oder auf dem Spielplatz auf Tiere aufmerksam: „Siehst du die Katze am Haus?“, „Wie bellt der große Hund?“. Geben Sie den Kindern kleine Aufträge: „Bitte hole mir den Ball!“, „Wer findet die Puppe?“, „Bitte räume den Baustein in die große Kiste!“.
Eine Unterstützung und Förderung des Spracherwerbs kann und sollte auf allen sprachlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Methoden erfolgen. Im Folgenden finden Sie Informationen, Anregungen und Vorschläge zur Unterstützung und Förderung des Spracherwerbs im Deutschen von Kindern im U3-Bereich für den Einsatz in Ihrem (pädagogischen) Alltag.

Rezension

Werner Knapp, Diemut Kucharz, Barbara Gasteiger-Klicpera: Sprache fördern im Kindergarten. Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Weinheim, Basel: Beltz 2010, 167 Seiten, EUR 26,95 – direkt bestellen durch Anklicken

In den letzten Jahren haben die Autor/innen die Sprachförderungsangebote im Rahmen des Programms „Sag‘ mal was“ der Landesstiftung Baden-Württemberg untersucht. In ihrem Buch präsentieren sie nun ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und Praxishinweise.

Im ersten Kapitel werden Videoaufzeichnungen von Sprachfördereinheiten an verschiedenen Kindergärten analysiert. Hier geht es z.B. um typische Abläufe, Arbeitsformen (Gruppe, Kleingruppe, Einzelarbeit), Förderbereiche und Aktivitäten. Besonders fokussiert werden Erweiterung des Wortschatzes, Erzählen und dialogisches Vorlesen. Im zweiten Kapitel werden diagnostische Verfahren zur Beurteilung des sprachlichen Entwicklungsstandes von Kindern diskutiert (Ziele, diagnostische Bereiche, Testkriterien, diagnostischer Prozess usw.).

Das dritte Kapitel befasst sich mit der Planung und Konzeption der Sprachförderung. Hier geht es z.B. um Besonderheiten des Zweitsprachenerwerbs und um die Erstellung von Förderplänen. Das vierte Kapitel liefert dann die pädagogisch-didaktischen Grundlagen zur Gestaltung der Fördersituation (Ziele, Methoden, Gruppierung der Kinder, Inhalte), während im fünften Kapitel 11 Förderprogramme (z.B. Denkendorfer Modell von Lumpp, situationsorientierter Ansatz von Jampert, Lernszenarien von Hölscher, Kon-Lab-Programm von Penner, interaktionsorientierter Ansatz von Kolonko, Würzburger Trainingsprogramm) vorgestellt, miteinander verglichen und kritisch kommentiert werden. Im letzten Kapitel wird die Einbeziehung von Eltern in die Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund erörtert, wobei traditionelle Modelle, Multiplikatorenmodelle und Modelle, die ein kommunales Netzwerk als Basis haben, unterschieden werden.

Das Buch ist in erster Linie für Wissenschaftler/innen und für Fachleute relevant, die auf überörtlicher Ebene für die Konzeption der Sprachförderung von Migrantenkindern verantwortlich sind oder die als Fortbildner arbeiten.

Martin R. Textor

Sprache f̦rdern im Kindergarten РUmsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Szenen der Sprachförderung im Kindergartenalltag

1.1 Übersicht über das Kapitel

1.2 Wie erwerben Kinder eine Sprache – und wie beeinflussen Erwachsene dies?

1.3 Wie sehen inszenierte Sprachlernsituationen aus?

1.4 Videoanalysen von Sprachfördereinheiten

1.5 Wie sind Sprachfördereinheiten aufgebaut?

1.6 Die Vermittlung von Wortschatz und von grammatischen Strukturen

1.8 Die Sprache der Erzieherin

1.9 Erzählen

1.10 Dialogisches Vorlesen

1.11 Organisationssequenzen nutzen

1.12 Zusammenfassung

2 Diagnostische Verfahren zur Beurteilungdes sprachlichen Entwicklungsstandes von Kindern

2.1 Einleitung

2.2 Diagnostische Ziele

2.3 Diagnostische Bereiche: Was soll diagnostiziert werden?

2.4 Auf welche Weise soll diagnostiziert werden? Wie sieht dasdiagnostische Vorgehen aus?

2.5 Überblick über aktuelle Sprachstandserhebungsverfahren

2.6 Prototypisches Vorgehen in einem diagnostischen Prozess:Interpretation des Testergebnisses und Förderplanung

2.7 Zusammenfassung

3 Die Planung und Konzeption von Förderung

3.1 Vorbemerkungen

3.2 Besonderheiten des Zweitspracherwerbs

3.4 Stufen des Zweitspracherwerbs

3.5 Kind-Umfeld-Analyse

3.6 Von der Diagnose zur Förderplanung

3.7 Erstellen eines Förderplans

3.8 Zusammenfassung

4 Pädagogisch-didaktische Grundlagen zur Gestaltung der Fördersituation

4.1 Vorbemerkungen

4.2 Ziele in der Sprachförderung

4.3 Zum Lernen beim Spracherwerb

4.4 Didaktisch-methodische Überlegungen und Prinzipien für die Gestaltung von Sprachfördersituationen

4.5 Inhalte der Sprachförderung

4.6 Zusammenfassung

5 Konzepte der Sprachförderung

5.1 Ziele und Zielgruppen der vorschulischen Sprachförderung

5.2 Vorstellung einzelner Konzepte

5.3 Typologie der Konzepte der Sprachförderung

5.4 Umgang mit den Konzepten der Sprachförderung

6 Einbeziehung von Eltern in die Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund

6.1 Einleitung

6.2 Besondere Probleme in der Zusammenarbeit mit Eltern mitMigrationshintergrund

6.3 Voraussetzungen einer gelungenen Zusammenarbeit

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