Sprachentwicklung 2 jährige

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Sprachliche Entwicklung

Im zweiten Lebensjahr geht es mit dem Spracherwerb des Kindes auf einmal sehr schnell voran. Es lernt ständig neue Wörter dazu und beginnt, einfache Sätze zu bilden. Sie werden feststellen, dass Sie schon recht gut mit Ihrem Kind kommunizieren können. Und natürlich schreitet die sprachliche Entwicklung auch nach dem zweiten Lebensjahr immer weiter fort: Die Aussprache des Kindes verbessert sich, die Sätze werden länger, und das Kind lernt, mit abstrakten Begriffen wie „morgen“ oder Farbwörtern umzugehen.

Kleinkind spricht am Telefon

Sprachliche Entwicklung – WARUM LERNT EIN KIND SPRACHE?

Die sprachliche Kommunikation ist für ein Kleinkind aus zweierlei Gründen sehr nützlich: Zum einen erhält es über die Sprache wichtige Informationen („Mama holt dich gleich wieder ab“), zum anderen dient die Sprache dem Kind selbst als Kommunikationsmittel, mit dem es seine Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen kann („Ich will diese Puppe haben!“). Am Anfang kommuniziert das Kind aus Mangel an Wörtern noch hauptsächlich über Körpersprache: Zum Beispiel, indem es seinen Teller wegschiebt, wenn es nichts mehr essen will oder mit dem Finger auf ein Spielzeug deutet, das es haben möchte. Doch im Laufe des zweiten Lebensjahres wird es immer mehr Wörter sprechen und verstehen lernen.

EIN- BIS ZWEIJÄHRIGE KINDER

Im Alter von 12 Monaten kennt ein Kleinkind noch nicht viele Wörter. Aus dem niedlichen Baby-Gebrabbel beginnen sich erst nach und nach spezifische Laute herauszubilden. Das Kind wird vielleicht schon einige Wörter beherrschen („Mama“, Namen von Personen, die es kennt, Bezeichnungen interessanter Gegenstände wie „Ball“ oder „Keks“, „nein“). Die Aussprache macht dem Kind noch Mühe. Das Verstehen von Wörtern und Sätzen funktioniert schon besser. Kleine Kinder verstehen wesentlich mehr Wörter als sie selbst beim Sprechen benutzen. Im Alter von 18 Monaten kennt ein Kind im Durchschnitt ungefähr 20 bis 50 Wörter. In den darauffolgenden Lebensmonaten wird diese Zahl enorm steigen. Ein Kind im Alter von 18 bis 23 Monaten lernt durchschnittlich 6 neue Wörter am Tag!

ZWEI- BIS VIERJÄHRIGE KINDER

Im Alter von zwei bis vier Jahren lernt ein Kind immer besser sprechen. Die Sätze werden länger und komplexer. Die meisten Kinder können, wenn sie zwei Jahre alt sind, Sätze mit zwei bis drei Wörtern bilden, im Alter von 3 Jahren Sätze mit 3 bis 4 Wörtern. Ihr Kind versteht immer mehr. Es kann nun bereits abstrakte Begriffe wie „groß“ und „klein“ verstehen und richtig anwenden. Das Kind kennt die Namen der Farben, kann bereits ein bisschen zählen, versteht und stellt Fragen wie „Wo ist Papa?“, „Wer ist das?“. Das Zeitverständnis entwickelt sich. Das Kind lernt, sprachlich zwischen Vergangenheit und Zukunft zu unterscheiden und Zeitwörter wie „morgen“ und „gestern“ richtig anzuwenden. Es kann zum Beispiel abends zu Hause erzählen, was es tagsüber in der Kinderkrippe erlebt hat.

Im Alter von 4 Jahren kann ein Kind selbständig mit Familienmitgliedern und Bekannten kommunizieren. Auch Fremde können das Kinder immer besser verstehen. Das Kind möchte alles wissen und die Welt verstehen, die es umgibt. Daher stellen Kinder in diesem Alter ständig die Frage „Warum?“.

Sprachliche Entwicklung – WIE LERNT EIN KIND SPRACHE?

Eigentlich lernt ein sehr junges Kind die Sprache „von selbst“, einfach indem es den Menschen zuhört, die mit ihm sprechen. Dabei sind die ersten Lebensmonate bereits ausschlaggebend. In diesem Alter werden die Sprachregionen im Gehirn trainiert, die für das Erlernen jener Sprache zuständig sind, die von Eltern und Bezugspersonen gesprochen wird (die Muttersprache also). Infolge wird diese Sprache vom Kind besser verstanden als andere Sprachen, die es nicht oder weniger häufig zu hören bekommt. Denn so einfach wie in den ersten Lebensmonaten und -jahren wird der Spracherwerb im späteren Leben nie mehr sein.

Untersuchungen haben ergeben, dass ein Kleinkind vor allem viel aus den „Gesprächen“ lernt, die seine Eltern mit ihm führen. Wenn ein Elternteil auf liebevolle Weise in einfachen Wörtern mit dem Kind kommuniziert, lernt das Kind dabei viel mehr als wenn es Gesprächen zuhört, die Erwachsene miteinander führen oder hört, wie Menschen im Fernsehen sprechen. Denn wenn die Eltern mit ihm sprechen, fühlt sich das Kind direkt angesprochen und wird sich infolgedessen viel mehr für die Wörter interessieren, die es hört. Sie werden merken, dass Ihr Kind immer mehr von dem versteht, was Sie ihm sagen und bereits kleine Aufgaben lösen kann. Sie können zum Beispiel gemeinsam mit Ihrem Kind ein Bilderbuch anschauen und Ihr Kind fragen: „Wo ist die Kuh?“. Ihr Kind wird dann auf das richtige Bild deuten. Und wenn Sie Ihrem Kind die Frage stellen: „Was sagt die Kuh?“, dann wird es Ihnen mit einem enthusiastischen „muuuh“ antworten.

STIMULIEREN

Stimulieren Sie die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes, indem Sie gemeinsam Bilderbücher lesen, singen, Reime aufsagen. Vor allem aber sollten Sie viel mit Ihrem Kind sprechen. Verwenden Sie dabei einfache, kurze Sätze, und erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie gerade sehen oder tun.

Doch nicht nur das Sprechen mit Ihrem Kind ist wichtig. Ebenso essentiell für den Lernprozess des Kindes ist, dass Sie dem Kind zuhören und auf das reagieren, was Ihr Kind zu sagen versucht. Versuchen Sie zu verstehen, was Ihr Kind meint, wenn es etwas sagt oder zu sagen versucht und reagieren Sie entsprechend darauf. Lassen Sie Ihrem Kind genügend Zeit, um ein Wort oder einen Satz zu bilden oder eine Antwort zu formulieren. Fallen Sie ihm nicht ins Wort, wenn es versucht, eigenständig einen Satz zu bilden. Reagieren Sie nicht wütend oder ungeduldig, wenn es ein falsches Wort verwendet oder ein Wort falsch ausspricht. Auch sollten Sie Ihr Kind nicht ständig verbessern. Lassen Sie das richtige Wort bzw. die korrekte Aussprache des betreffenden Wortes einfach auf natürliche Weise in das Gespräch einfließen. Wenn Ihr Kind zum Beispiel mit dem Finger auf ein Flugzeug am Himmel zeigt und dabei „tietui“ sagt, antworten Sie ihm dann nicht, dass es nicht das richtige Wort verwendet, sondern reagieren Sie mit einem enthusiastischen „Oh ja! Ich sehe es, ein Flugzeug!“. Ihr Kind wird das Wort dann von selbst nachsprechen.

Mit dem Sprechen lernen ist es genau wie mit dem Laufen lernen: Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Mädchen lernen meistens schneller sprechen als Jungen, und schüchterne Kinder reden weniger als extrovertiertere Kinder. Bei manchen Kindern dauert es ziemlich lange, bis sie das erste richtige Wort von sich geben, doch kommt es vor, dass solche Kinder hinterher schneller Sätze bilden können, als Gleichaltrige, die schon früher damit angefangen haben, erste Wörter zu sprechen.

HÖRTEST

Ein gutes Gehör ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die sprachliche Entwicklung. Wenn Sie den Eindruck haben, dass mit dem Gehör Ihres Kindes etwas nicht stimmt oder dass die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes keine Fortschritte macht, sollten Sie sich an Ihren Kinderarzt oder eine Beratungsstelle wenden.

Lesen Sie weiter: Spracherwerb

Erste Schritte in der Sprachentwicklung

Über spielerisches Erproben der Stimme zum ersten Wort

So wie das Verständnis von Sprache zusehends zunimmt, so entwickelt ein Kind im Verlauf des ersten Lebensjahres auch enorme Fähigkeiten, Laute zu bilden und zu äußern:

  • Mit etwa zwei Monaten, vielleicht auch schon früher, beginnt Ihr Baby gurrend und schnalzend mit ersten, zunächst zufälligen „Stimmübungen“. Für Sie als Mutter oder Vater sind diese ersten Laute geradezu eine Einladung zu einem „wirklichen Gespräch“. Wahrscheinlich „antworten“ Sie Ihrem Kind, indem Sie seine Laute immer wieder nachahmen, variieren und abwandeln. Dabei beobachtet Ihr Kind mit zunehmender Aufmerksamkeit Ihren Mund und Ihre Lippenbewegungen. Es lernt nun, die anfangs zufälligen Muskelbewegungen in Mund, Hals und Kehlkopf immer besser zu kontrollieren.
  • Schon bald – ab etwa drei Monaten – antwortet Ihr Kind Ihnen quietschend, brummend und juchzend, wenn Sie es ansprechen oder mit ihm spielen. Es erprobt nun mit wachsender Begeisterung seine Stimme, lacht und brabbelt vergnügt vokalartige Laute wie „a“ und „i“ vor sich hin oder versucht, Sie damit zum Spielen aufzufordern.
  • Ab etwa fünf, sechs Monaten plappert Ihr Kind bereits erste Silben, indem es verschiedene Laute miteinander verbindet, sie zu Ketten aneinanderreiht und schließlich verdoppelt: „da-da-da-da“, „da-da“. Es hört sich dabei selbst zu und vermag seine Laute immer mehr der gehörten Sprache in seiner Umgebung anzupassen.
  • Im Rede- und Antwortspiel „antwortet“ Ihnen Ihr Kind nun mit verschiedenen Lauten und Tönen. Es lauscht, wenn Sie die Töne nachahmen und wiederholen, und ist begeistert, wenn es Ihnen erneut plappernd antworten kann.
  • Gegen Ende des ersten Lebensjahres oder etwas später – beginnt Ihr Kind schließlich die ersten Wörter zu plappern; meist sind dies „Mama“ und „Papa“ oder Wörter mit symbolischer Bedeutung, wie zum Beispiel „nam-nam“ für Essen.

Störungen der Sprachentwicklung

Wenn ein Kind die ersten Worte formuliert, wenn es „Mama“ oder „Papa“ sagen kann, sind alle Eltern begeistert.

Obwohl das Erlernen der Sprache ein sehr komplizierter Vorgang ist, scheint es manchmal, als ob es ganz nebenbei verlaufen würde.

Um sprechen zu lernen, müssen jedoch viele Voraussetzungen aufseiten des Kindes und aufseiten seiner Umgebung erfüllt sein.

Das Kind muss hören und sehen können, es muss Reize im Gehirn verarbeiten können und es muss in der Lage sein, seine Mundmuskulatur zu steuern. Darüber hinaus braucht jedes Kind Menschen in seiner Umgebung, die viel mit ihm sprechen und ihm so beispielsweise beibringen, welche Namen die Dinge haben, wie ihre Eigenschaften bezeichnet werden und wie Sätze richtig formuliert werden.

Die meisten Eltern tun ganz automatisch genau das Richtige, damit ihr Kind Sprache richtig erlernen kann.

Beim Sprechenlernen hat jedes Kind sein eigenes Tempo

Deshalb können erhebliche Unterschiede bestehen, die jedoch noch keinen Anlass zur Sorge geben. Allerdings gibt es Erfahrungswerte, mit welchem Alter Kinder bestimmte sprachliche Fähigkeiten haben sollten.

Äußert etwa ein Kleinkind Sätze wie „Mama Lade“, was soviel heißt wie „Mama, ich hätte gern noch ein Stück Schokolade!“, ist das völlig altersentsprechend. Trägt jedoch ein Vorschulkind seine Wünsche noch regelmäßig in dieser Art an Sie heran, liegt sicherlich eine deutlich verzögerte Sprachentwicklung vor.

Welche Störungen gibt es?
Warum hat mein Kind Schwierigkeiten beim Sprechen?
Wie kann ich meinem Kind helfen?
Welche Behandlungs- und Fördermöglichkeiten gibt es?

Welche Störungen gibt es?

Vier unterschiedliche Bereiche der Sprache können von Störungen betroffen sein:

Aussprache:

  • Aussprachefehler stellen die häufigste Sprachstörung dar. Die betroffenen Kinder bilden einen oder mehrere Laute falsch. Meist handelt es sich um die Laute „s“, „z“, „sch“, „ch“, „r“ oder „k“.

  • Eine Störung der Aussprache liegt ebenfalls vor, wenn bestimmte Laute immer oder nur in Kombination mit anderen Lauten ausgelassen werden. Diese Kinder sagen beispielsweise statt „Schnuller“ immer „Nuller“.

  • Manche Kinder ersetzen bestimmte Laute regelhaft durch andere und sprechen zum Beispiel statt einem „r“ immer ein „l“.

  • Zu Beginn der Sprachentwicklung sind die beschrieben Aussprachefehler völlig normal, sollten aber behandelt werden, wenn sie auch im Kindergartenalter noch fortbestehen.

Sprachverständnis:

  • Ein vermindertes Sprachverständnis äußert sich darin, dass ein Kind Wörter und Sätze nicht versteht, die es aufgrund seines Alters kennen sollte.

  • Manche betroffenen Kinder versuchen diese Schwäche zu verheimlichen, indem sie probieren, nur aus der Situation heraus den Inhalt des Gesprochenen zu erschließen.

Wortschatz:

  • Kinder mit eingeschränktem Wortschatz wissen oftmals nicht die richtige Bezeichnung für verschiedene Dinge, die sie eigentlich kennen müssten. Benennt jemand den Gegenstand, wird häufig klar, dass der Begriff eigentlich bekannt ist.

  • Oftmals sprechen sie von einem „Dingsda“ oder benutzen ähnliche Ersatzwörter.

Satzbau und Grammatik:

  • Die betroffenen Kinder wenden grammatikalische Regeln nicht oder nicht richtig an, weshalb diese Störung auch als Dysgrammatismus bezeichnet wird.

  • Sie lassen Wörter oder ganze Satzteile aus, bilden Mehrzahl („die Hünde“) oder Vergangenheitsformen („Ich hang an der Stange“) falsch, verwechseln männliche und weibliche Form („der Haus“), verwenden nicht die richtigen Wortendungen („du gehe in die Schule“) oder beachten nicht die richtige Reihenfolge der Wörter im Satz.

Sind in allen vier Bereichen Verzögerungen feststellbar, spricht man von einer Störung der Sprachentwicklung. Ist nur ein einzelner Bereich betroffen, wird dies als Sprachentwicklungsverzögerung bezeichnet.

Etwas anders gelagert ist die Störung beim Stottern. Es handelt sich dabei nicht um eine Sprachstörung oder -schwäche, sondern um eine Störung im Redefluss. Die Betroffenen sind meist in der Lage, sämtliche Laute richtig auszusprechen, haben keine Verständnisprobleme, Wortschatzstörungen und grammatikalischen Schwierigkeiten.

Warum hat mein Kind Schwierigkeiten beim Sprechen?

Da beim Erlernen der Sprache sehr viele Faktoren beteiligt sind, können Verzögerungen oder Störungen der Sprachentwicklung vielfältige Ursachen haben.

Es lassen sich jedoch vier Ursachengruppen zusammenfassen:

Organische Ursachen:

Bei allen Sprachstörungen sollte zunächst geklärt werden, ob eventuell organische Ursachen wie etwa eine Hörschwäche, Fehlbildung der beteiligten Sprechorgane oder neurologische Störungen und Schädigungen vorliegen.

Psychische Ursachen:

Da Sprache immer im Zusammenhang mit zwischenmenschlichen Kontakten verwendet wird, können sich Ängste, Aggressionen oder Unsicherheiten auch auf sprachliche Fähigkeiten auswirken.

Unzureichende Lernmöglichkeiten:

Kinder brauchen zum Erlernen der Sprache Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Die ersten und wichtigsten Gesprächspartner Ihres Kindes sind natürlich Sie, die Eltern.

In manchen Familien bleibt oft zu wenig Zeit für Gespräche und ausreichend Unterstützung beim Erlernen der Sprache. Wenn Kinder kaum Gelegenheit haben, sich zu äußern, weil der Gesprächspartner zu viel, zu schnell oder zu kompliziert spricht, verlieren sie leicht die Motivation, selbst mehr zu sprechen.

Erbliche Ursachen:

Möglicherweise bestehen erblich bedingte Anlagen für die Entwicklung von Sprachstörungen.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Unabhängig davon, welche Sprachschwierigkeiten Ihr Kind hat, gibt es einige Dinge, die Sie im alltäglichen Umgang mit Ihrem Kind tun können, um ihm zu helfen:

  • Sprechen Sie langsam mit Ihrem Kind und schauen Sie es dabei an, damit Ihr Kind die richtige Aussprache beobachten kann.

  • Wenn Sie Ihr Kind bei Fehlern auslachen, tadeln oder kritisieren, helfen Sie ihm nicht. Es wird nur frustriert werden.

  • Loben Sie Ihr Kind für richtig gesprochene Laute, Wörter und Sätze.

  • Vergessen Sie dabei aber nicht, dass der Inhalt des Gesprochenen im Mittelpunkt steht. Wenn Sie nur noch auf Sprachfehler oder richtig gesprochene Wörter achten, kann Ihr Kind das Gefühl bekommen, dass die eigentliche Mitteilung Sie nicht interessiert.

  • Sie können Ihrem Kind am besten helfen, indem Sie die Aussagen des Kindes in richtiger Aussprache oder Formulierung wiederholen oder ihm Fragen in richtiger Form stellen. Sagt Ihr Kind beispielsweise „da große Baum“, könnten Sie etwa antworten „Ja, da steht ein großer Baum. Und da hinten stehen ganz viele kleine Bäume.“ Auf diese Art lernt Ihr Kind die richtige Formulierung, ohne das Gefühl zu haben, etwas falsch gemacht zu haben.

  • Sie können Ihrem Kind helfen, seinen Wortschatz zu erweitern, indem Sie mit Ihm gemeinsam Bilderbücher anschauen und darüber sprechen, bei gemeinsamen Spielen – wie etwa Memory – die abgebildeten Gegenstände benennen oder einfach gemeinsam mit Ihrem Kind die Vorgänge um sich herum beobachten und darüber sprechen.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Erlebnisse und helfen Sie ihm durch geeignete Nachfragen und Zusammenfassungen, Erzählungen so aufzubauen, dass andere sie nachvollziehen können.

  • Bei Aussprachefehlern ist es meist notwendig, dass Sie auch zu Hause spezielle Sprechübungen mit Ihrem Kind durchführen.

Sie können diese Übungen angenehmer für Ihr Kind und sich selbst gestalten, wenn Sie sie spielerisch auflockern.

Welche Behandlungs- und Fördermöglichkeiten gibt es?

Wenn Sie den Verdacht haben, Ihr Kind leidet an einer Sprachentwicklungsstörung oder -verzögerung, sollten Sie in jedem Fall frühzeitig mit Ihrem Kinderarzt sprechen.

Er wird zunächst beurteilen, ob tatsächlich Auffälligkeiten vorliegen oder die Sprachentwicklung Ihres Kindes im Normbereich liegt.

Anschließend werden gegebenenfalls weitere Untersuchungen durchgeführt, um die Ursachen der Störung herauszufinden. Je nach Ergebnis werden entsprechende Behandlungs- und Fördermöglichkeiten mit Ihnen besprochen.

Oftmals wird eine gezielte logopädische Behandlung verordnet. Daneben bieten Sprachheilkindergärten und Sprachheilschulen geeignete Fördermöglichkeiten für betroffene Kinder.

Sprachentwicklung bei Kindern und Babys: Gemeinsam sprechen lernen

Die Sprachentwicklung unserer Kinder beginnt direkt nach der Geburt. Wir erklären euch, welche sprachlichen Fortschritte euer Kind im ersten, zweiten, dritten und vierten Lebensjahr macht und wie ihr es beim Sprechenlernen unterstützen könnt.

Sprachentwicklung bei Kindern geht am besten im Dialog mit Mama und Papa (und Oma, Opa, Schwester, Bruder, Onkel, Tante, etc.)

Was ist am Sprechen lernen so schwierig? Ganz einfach: Alles! Das, was da an Tönen aus eurem Mund herausquillt, ist für euer Baby erst einmal nur ein langer Strom von Stimm-Geräuschen. Sie alle stammen aus einem Vorrat von 150 verschiedenen Lauten, aus denen alle Sprachen aufgebaut sind – wobei jede Sprache nur einen Teil davon benutzt.

Doch die hohe Kunst bei der Sprachentwicklung liegt woanders: Im Filtern, Sortieren und Erkennen der Sprache im für das Baby noch unverständlichen Töne-Wasserfall aus Mamas Mund. Es muss Sprache völlig neu entdecken: Wo fängt ein Wort an? Welche Wortarten gibt es? Wie werden sie zusammengesetzt? Was ist dabei erlaubt und verboten? Wie wird betont? Und schließlich: Was bedeutet ein Wort genau und wann kann man es benutzen? Das alles sind Fragen, die eurem Baby keiner beantwortet – bzw. ohne das Verständnis für Wörter versteht es eure Erklärung nicht. Und trotzdem wird euer Kind in den nächsten fünf Jahren all diese Rätsel beinahe perfekt gelöst haben und sprechen können. Was für eine Meisterleistung!

Die Voraussetzungen für die Sprachentwicklung von Kindern

Unser Hirn ist so eingerichtet, dass es das Sprechenlernen zwischen der Geburt und dem 4. Lebensjahr erwartet – danach lassen seine Fähigkeiten diesbezüglich stark nach. Um ihre Sprache zu entwickeln, brauchen Kinder verschiedene Voraussetzungen:
Sprechwerkzeuge als Grundvoraussetzung zum Sprechen
Für die Sprachentwicklung müssen zunächst einmal die organischen Voraussetzungen geschaffen sein. Denn zum Sprechen muss der Mensch bestimmte Mund- und Zungenbewegungen ausführen und er muss die anderen beteiligten Organe, wie die Zwerchfellmuskulatur und die Muskulatur der Stimmbänder, beherrschen. Auch für diesen Teil der Sprachentwicklung beginnt das Training bereits im Säuglingsalter. Selbst wenn es zunächst nur wichtig für die Nahrungsaufnahme scheint: Mit Saugen, Schlucken, Kauen oder Lecken machen sich die Babys gleichzeitig auch fit fürs Sprechenlernen. So trainieren sie nämlich Bewegung und Muskulatur.

Baby

Wann fangen Kinder an zu sprechen: Neue Welten

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Hören ist wichtig für die Sprachentwicklung

Ohne Hören kein Sprechen, bzw. ist es für ein Kind sehr viel schwieriger ohne Gehör seine Sprache zu entwickeln. Eure Kinder werden bei den U-Untersuchungen immer auf ihre Hörfähigkeit geprüft. Solltet ihr dennoch das Gefühl haben, dass euer Kind schlecht hört, weil es z. B. ohne Grund immer sehr laut spricht, sprecht euren Kinderarzt noch einmal darauf an und lasst gegebenenfalls separat checken, ob mit dem Gehört eures Kindes alles in Ordnung ist.

Ohne Dialog gerät die Sprachentwicklung von Kindern ins Stocken

Die zweite Voraussetzung, der Dialog, ist ebenso bedeutsam. Das Baby möchte mit seinen Liebsten beisammen sein, Mimik und Gestik beim Sprechen beobachten und im Wechsel Töne von sich geben. So lernt es rasch die emotionale Bedeutung von Sprache. Noch während des ersten Lebensjahres begreifen die Kleinsten, wie praktisch Sprechen ist – dass sie das Sprechen nutzen können, um andere Menschen dazu zu bringen, ihnen das zu geben, was sie brauchen und später auch das zu tun, was sie gerne möchten.

Die Sprachentwicklung beginnt direkt nach der Geburt

Bereits am vierten Lebenstag kann ein Säugling die Stimme seiner Mutter erkennen. Im Laufe der nächsten Wochen lernen unsere Babys nun in die Richtung zu gucken, aus der Geräusche kommen. Bald können sie diese auch unterscheiden und sich sogar auf bestimmte Laute konzentrieren. Dabei werden andere Geräusche, die an ihr Ohr dringen, unwichtig und einfach ausgefiltert. Dies ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg der Sprachentwicklung, denn nur so können später aus einer Vielzahl von Geräuschen einzelne Wörter herausgehört werden.

Baby

Babys verstehen erste Worte früher als bisher angenommen

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Sprachentwicklung von Babys im ersten Lebensjahr

Was das Baby selbst zu sagen hat, beginnt mit einem Gurren. Mit wenigen Wochen fängt es an, schnurrend-säuselnde Töne zu machen. Dieses erste Training seines Stimmapparates bereitet es auf das Selber-Sprechen vor: „Die Kinder experimentieren mit ihrer Stimme und der Sprechmuskulatur“, erklärt Dr. Monika Rausch, Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie: „Das tun sie eine Zeit lang, dann hören sie auf, und nach einer Pause beginnen sie von Neuem, Töne zu machen. Dann aber auf andere Art: Denn nun hören sie sich selbst zu und versuchen, ihr Sprechen zu kontrollieren.“

Ersten Gurren, dann Dada, dann Mama (oder Papa)

Bis zum Alter von etwa einem halben Jahr ist die Sprache eines Menschen international. Das erste Lallen klingt immer gleich, egal, ob ein Kind in Japan, Grönland, Russland oder Deutschland aufwächst. Erst dann beginnen Babys, die Laute ihrer Muttersprache zu imitieren – der erste Schritt zum Sprechen lernen.

Das berühmte „Dadada“ mit häufigen Silbenwiederholungen ist sehr typisch für die Zeit um den 8. Monat. Eltern sagt es, dass sich das Sprechen normal entwickelt. Denn das sogenannte „kanonische Lallen“ fehlt nur bei Kindern, die sich nicht selbst hören können. Dann sollte das Gehör noch einmal sehr genau untersucht werden.

Während das Baby für einige Wochen fleißig „gagaga“ und „bababa“ macht, reifen die ersten Wörter heran – im mentalen Lexikon, unserem inneren Vokabelspeicher, sind sie längst mit ihrer Bedeutung abgelegt. Um sie herauszubringen, muss aber noch jeden Tag geübt werden.

Im 10. oder 11. Monat können Babys dann kleine Handlungsanweisungen der Eltern verstehen – weil sie gelernt haben, bestimmten Begriffen, die sie hören, entsprechenden Dinge zuzuordnen. Sie kennen das richtige Wort für Ball und suchen zum Beispiel bei der Frage „Wo ist der Ball?“ mit ihren Augen nach diesem Gegenstand.

Hören und Sehen sind für die Sprachentwicklung von Babys wichtig. Euer Kind lernt so die passenden Lippenbewegungen zum gesprochenen Wort.

Sprachentwicklung: Das erste Wort

Welch ein Erfolg, euer Baby hat sein erstes Wort gesagt! Um den ersten Geburtstag herum ist dieser Moment bei den meisten Babys soweit. Darauf haben sich die Kleinen die letzten Monate hart vorbereitet. Denn bevor sie ihre ersten Laute und Worte bilden können, ist die Sprachentwicklung schon in vollem Gange. Von Anfang an nämlich funktionieren die fünf Sinne des Babys – es hört, sieht, riecht, fühlt und schmeckt. Diese Fähigkeiten bilden allesamt Grundlagen, die das Kind für die Sprachentwicklung braucht.
In den ersten Lebensjahren erwerben Babys die entscheidenden Grundlagen für ihre Sprachentwicklung und ihre spätere Lese- und Schreibkompetenz.

Sprachentwicklung im 2. und 3. Lebensjahr

Im zweiten und dritten Lebensjahr kennt die Sprachentwicklung nur noch ein Gesetz: immer und immer schneller. Mit ungeheurer Geschwindigkeit wächst der Wortschatz, wobei das Verstehen dem Sprechen vorausgeht. Mit zwei Jahren ist euch euer Kind bei Geschwindigkeit und Genauigkeit, mit der es neue Wörter aus dem Strom der Sprache fischt, schon ebenbürtig.

Nach den ersten Zwei- und Dreiwortsätzen, die euer Kind von sich gegeben hat, scheint seine Sprachentwicklung häufig wieder ungenauer zu werden. Was ist da los? „Interessieren Sie sich in diesem Alter in erster Linie für das, was Ihr Kind zu sagen hat, und weniger dafür, wie es etwas sagt“, rät Logopädin Monika Rausch.
Der scheinbare Rückfall resultiert aus der immensen Geschwindigkeit, mit der gelernt und im Gehirn „verdrahtet“ wird. Typisch für Zweijährige sind auch die klassischen Kinderfehler wie der „Lufttablon“ – die Silben purzeln durcheinander. Richtig wiederholen ist dann in Ordnung, rigides Korrigieren bringt hingegen nichts: Später präzisieren sich die Wörter automatisch.

Mama, Papa, Auto

Sprachförderung: 8 Tipps für kleine Plappermäulchen

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Die Sprachentwicklung bei Babys und Kleinkindern richtig fördern

Vorlesen, gemeinsames Singen oder Lieder hören – schon die Allerkleinsten profitieren davon. Ihr Gehör und Gedächtnis werden geschult, ihre Sprachfähigkeit wird gefördert. Wichtig ist, dass Eltern ihre Babys nicht überfordern und das Angebot der Entwicklung anpassen. Nur auf PLAY drücken reicht übrigens nicht: Für die Sprachentwicklung von Kindern ist es wichtig, dass wir Erwachsenen dabei mitmachen, mitsingen, vorlesen, erklären und zeigen. Denn unser Kinder brauchen auch den optischen Reiz unserer Lippenbewegungen, um selbst sprechen zu lernen.

Und nur durch stetiges Wiederholen der immer gleichen Wörter lernen die Kleinen die Zusammenhänge zwischen dem, was sie sehen, und dem, was sie hören. „Es entstehen neuronale Netzwerke im Gehirn“, erklärt der Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort. „Dafür ist es notwendig, alle Sinne anzuregen, weil sie auf verschiedenen Orten im Gehirn liegen. Hören, Sehen, Fühlen, Tasten, Lutschen, all dies gehört dazu, damit Kinder sich gesund entwickeln. Also sind Bilder und Musik gleichwertig mit Sprache und Bewegung.“

Hilft es die Sprachentwicklung in diesem Alter gezielt zu unterstützen? Ja, aber nicht mit teuren Lernprogrammen, sondern mit viel Austausch im Dialog, Vorlesen und Nachfragen. Konkrete Tipps findet ihr bei unseren 8 Tipps zur Sprachförderung kleiner Plappermäulchen.

Sprachentwicklung von Kindern im 3. und 4. Lebensjahr

Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich Sprache und Wortschatz eures Kindes rasant entwickelt: Zum zweiten Geburtstag spricht ein Kind im Durchschnitt 100 Wörter. Zwei Jahre später sind es bereits 2.000. Darüber hinaus verstehen Dreijährige schon den Sinn vieler Wörter, die sie noch gar nicht aussprechen können.
Der Satzbau entsteht fast ebenso flink wie ein Fertighaus: Aus einzelnen Begriffen im zweiten Lebensjahr werden im dritten und vierten Jahr Zwei- und Mehrwortsätze. Zum vierten Geburtstag bilden einige Kinder schon mehrkettige Haupt- und Nebensätze. Kein Grund zur Sorge, wenn euer Kind noch nicht soweit ist. Die Sprachentwicklung ist eine sehr individuelle Entwicklung und bis zum frühen Schulkind-Alter können die meisten Kinder, sofern keine Entwicklungsstörungen oder Behinderungen vorliegen, richtig sprechen.

Gemeinsam sprechen ist die perfekte Förderung für die Sprachenwicklung eures Kindes.

Sprachentwicklung ermöglicht den Weg zur Identität

An der Sprachentwicklung zeigt sich auch ein großer Sprung im Ich-Verständnis, denn im Laufe des dritten Lebensjahres wechselt das Kind von der dritten in die erste Person – jetzt ist es nicht mehr “Lina”, die ihre Puppe begehrt, sondern „ich“ bin es, die „meine“ Puppe haben will.
Und ebenfalls im dritten Jahr entdecken Kinder das Zauberwort, die Frage aller Fragen, die das Tor zu so vielen Geheimnissen der Welt aufstößt: „Warum?“. In dieser Zeit lernen auch wir Eltern unglaublich viel über die Welt. Wir lernen mit Hilfe unserer Kinder Dinge neu zu hinterfragen (Warum essen wir mit Messer und Gabel?) und zu entdecken (Warum gibt es den Wind?).

Sprechen ist Ausdruck

Sprache zu entdecken heißt auch, sie umfassend auszuprobieren. Dabei erkennen Kinder schnell, dass man mit Worten nicht nur Dinge benennen, sondern auch seine Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken kann. Und so reden und plappern sie oft den ganzen Tag – und bringen uns damit manchmal an den Rande eines Nervenzusammenbruchs oder in peinliche Situationen: ab jetzt hört immer jemand mit, auch wenn er zu unseren Füßen völlig unbeteiligt mit Bauklötzen spielt, während wir über Onkel Willi lästern. Die Gefahr, dass beim nächsten Familientreffen von unserem Kind ein Kommentar – natürlich direkt in Anwesenheit von Onkel Willi – kommt, ist sehr, sehr hoch. Also Vorsicht!

Betreuung

Sprachförderung im Kindergarten

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Sprachentwicklung im fünften Lebensjahr

Im Laufe des fünften Lebensjahres feilt das Kind an den letzten Feinheiten seiner Sprachentwicklung. Es lernt weiterhin neue Wörter – was hoffentlich nie aufhören wird, schließlich lernen auch wir Eltern immer noch neue Wörter – baut immer komplexere Sätze und kann je nach Sprachtalent schon richtige Debatten führen (besonders wenn es etwas will).
Mit etwa fünf Jahren ist die Sprachentwicklung eures Kindes dann im Groben abgeschlossen. Euer Kind kennt Ober- und Unterbegriffe, verschiedene Namen für einen Gegenstand, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Jetzt heißt es darauf aufbauen – mit ganz vielen Dialogen, Spielen, Büchern, Hörspielen und täglicher Kommunikation. Sprecht mit gutem Beispiel voran!

Hallo meine Lieben,

das Finn in seiner Sprachentwicklung massiv hinterher hinkt und ehr dem Sprachstand eines 1,5 Jährigen, statt eines 5 Jährigen Kindes entspricht, ist kein Geheimnis. Im Gegenteil. Bereits in den Autismusbeiträgen zu ihm, kam auch dieser Aspekt seiner Behinderung immer wieder zur Sprache.

Das dieser Zustand sowohl ihn, als auch uns und sein gesamtes Umfeld massiv in der Kommunikation einschrenkt, dürfte wohl kaum wundern.

Angefangen bei täglichen Kleinigkeiten, wie dem Wunsch nach einem Getränk, wurden bei uns zu einem Quiz. Denn Junior stand lediglich in der Küche und fing an zu grunzen und zu schreien. Hier und da zeigte er dann in die gewünschte Richtung. So stand er vor uns und wir zeigten der Reihe nach auf alles Mögliche in der gezeigten Richtung und warteten darauf, dass er mal nickte oder ein leises „ja“ von sich gab.

Was bei anderen Familien binnen Sekunden geregelt werden kann, konnte bei uns schon mal ein paar Minuten dauern.

Eine Geduldsprobe für beide Seiten. Denn natürlich, nach dem 10. erfolglosen Versuchs des Kleinen sich mitzuteilen, stieg sein Frust stetig an. Bishin zu einem ausgewachsenen Wut- & Schreianfall mit verletzendem und selbstverletzendem Verhalten.

Aber es gibt natürlich nicht nur diese Alltäglichen Situationen in denen die Kommunikation essentiell ist. Gehen wir mal aufs Thema Schmerzen, oder Unfälle ein. Jedes andere Kind kann einem sagen, dass es Bauchweh hat. Unser Sohn konnte das nicht. Er lag einfach nur schreiend und lautierend auf dem Sofa.

Es gab sogar Situationen in denen wir einfach auf Verdacht in die Notaufnahme gefahren sind. Denen wiederum zu erklären warum man nun eigentlich da ist, war für die meisten schon Grund genug uns als Helicopter Eltern abzutun und stundenlang mit dem Kind warten zu lassen. Ja, wir wurden sogar mal separiert, weil Finn zu laut geschrien hat.

Kommunikation, ist im Alltag so unglaublich wichtig und für die meisten Menschen, absolut normal. Wir hingegen fühlten uns einfach vollkommen hilflos. Und ich kann euch sagen, es ist wirklich ein Scheiß Gefühl, wenn man weiß das eigene Kind möchte etwas, ja es fleht dich regelrecht an und du kannst nichtverstehen was es will oder was ihm fehlt.

Aber was soll man machen wenn das Kind nicht sprechen kann?

Nun, als erstes musste natürlich abgeklärt werden was die Ursache des nicht-Sprechens ist. In den meisten Fällen, reicht dafür schon ein Termin beim Ohrenarzt, der vielleicht Flüssigkeit findet wo sie nicht sein sollte, und diese das Gehör beeinträchtigt.

Dies war bei uns nicht der Fall.

Wir wurden weiter überwiesen in die Päd-Audiologie, dort wurden weitere Tests gemacht aber ebenfalls ohne Ergebnis.

Finn hört gut, heißt es. Damals war Finn 2. Er habe einfach keine Lust zu sprechen und das würde sich im Kindergarten sicherlich geben. Immerhin wären dort nicht Mama und Papa die auch ohne Sprache wissen, was das Kind will. Die Worte des Professors in Gottes Ohren… nein, es änderte sich auch im Kindergarten nichts. Im Gegenteil, das Frustpotential stieg ehr noch an. Wir als Eltern wussten immerhin allmählich wie wir Sprachbarrieren überbrücken konnten. Die Erzieher standen hingegen völlig hilflos vor dem Kind und das Kind ebenso hilflos vor ihnen.

Aber wir wussten zumindest: Es liegt nicht am Gehör.

Klar, als nächster Schritt ging es also Richtung Logopädie „Late Talker“ nannte man sein Nicht-Sprechen.

Mittlerweile ist Finn 5 Jahre alt, bald 6 und kommenden Sommer soll er eingeschult werden. Aber nach knapp 3 Jahren Logopädie (mit kleiner Pause zwischenzeitlich), ist er sprachlich auf dem Stand eines ca 2 Jährigen.

Seine bisherige Logopädin hat eingesehen, dass sie mit ihm nicht weiterkommt und hat uns an eine Kollegin übergeben, die auf Unterstütze Kommunikation spezialisiert ist.

Was ist Unterstützte Kommunikation?

Nun, jeder kennt Gebärden- / Zeichensprache. Diese ist bereits eine Form der Unterstützten Kommunikation. Gut an ihr ist natürlich, dass sie international Funktionieren kann. Haken jedoch, man ist natürlich darauf angewiesen, dass der Gegenüber diese auch beherrscht.

Dementsprechend skeptisch ging ich an das Thema Unterstützte Kommunikation heran.

Die Unterstützte Kommunikation soll Finn die Möglichkeit geben, ohne Sprache mit anderen kommunizieren zu können. Sie soll ihm ein großes Stück Selbstständigkeit geben. Und sei es nur, dass er so in der Lage sein könnte beim Bäcker selbst ein Brötchen zu bestellen.

Aber genau da, würde er mit der Gebärdensprache schnell, vor die nächste Wand laufen. Ich kenne keinen Bäcker in der Umgebung der Gebärden beherrscht.

Glücklicherweise gibt es unterschiedliche Formen der Unterstützen Kommunikation. Und diese sollen es den Betroffenen eben Ermöglichen jederzeit, mit anderen in Kontakt treten und Kommunizieren zu können.

Unsere Wahl der Unterstützten Kommunikation

Wie bereits erwähnt, waren wir sehr skeptisch und wir sahen zu eingeschränkte Möglichkeiten in der Kommunikation mit Hilfe der Gebärdensprache.

Unsere Wahl, fiel in Rücksprache mit unserem Autismus Frühförderzentrum daher auf ein Flipbuch welches mit selbsterklärenden Metacom Symbolen bestückt ist.

(Gerne verlinke ich euch beide Seiten für weitere Informationen und ggf. Rückfragen. Das Flipbuch z.B. gibt es meines Wissens nach auch nur über diese Website zu kaufen und ist nicht im Buchhandel erhältlich.)

Ja, ich gebe zu, ich habe mich erstmal auf den Hintern gesetzt als ich die Preise sah. Bislang haben wir alles in Eigenleistung finanziert und nicht als Hilfsmittel über die Krankenkasse. Wir wollten diese Form der Unterstützten Kommunikation erstmal für uns testen ehe wir uns darauf festlegen und ggf. ein Ipad bei der Krankenkasse anfragen oder ähnliches. Zumal ich irgendwo die Befürchtung habe, dass Finn es in einem Wutanfall auch einfach gegen die nächste Wand pfeffern und zertrümmern könnte.

Dennoch, haben wir nun einige Wochen mit unserem Flipbuch gearbeitet. Finn hatte das Prinzip binnen wenigen Augenblicken verstanden und ist damit tatsächlich in der Lage sich im Restaurant z.B. eine Limo zu bestellen.

Dies war sein erster Tag mit dem Flipbuch, und selbst wenn es nur die Bitte ums Handy zum spielen ist, zeigt das Video wie schnell er das Prinzip des Flipbuchs verstanden hat.

Oder aber:

Zu der Situation: Finn wollte mit eigentlich das Bild von einem Butterbrot zeigen, welches seine Heilpädagogin am Morgen eingeklebt hatte. Da dies mit Flüssigkleber auf den beschichteten Seiten nicht geht, habe ich das Bild wieder entfernt. Nun, das Bild war für ihn verschwunden und er konnte nicht verstehen warum. Das ist etwas, das er von sich aus, mir nie hätte sagen können. Mit Hilfe des Buches, jedoch war er in der Lage mir seine Verwirrung kundzutun. Für uns also ein riesen Schritt nach vorn.

Während er mir zeigt was er sagen will, verbalisiere ich das gezeigte und er soll so gut es geht versuchen dies nachzusprechen. Denn man sieht, in der Theorie kann er es. Zwar sehr undeutlich und es kostet ihn regelrecht Anstrengung die einzelnen Worte zu bilden und rauszupressen. Aber er schafft es dann eben doch. Und egal wie undeutlich es ist, mit Hilfe der Bilder, kann sich sein Gegenüber es dennoch zusammen reimen.

Wie geht die Unterstützte Kommunikation für uns weiter?

Bisher haben wir also eigentlich gute Erfahrungen mit dem Thema Unterstützte Kommunikation sammeln können. Jedoch ist Finn grade in einer Phase, in der er sein Buch ablehnt. Warum auch immer. Noch dazu, besteht das Buch aus beschichtetem Papier und einer Ringbindung und wird von einem 5 Jährigen ständig überall mit hin genommen. Wer 1 +1 zusammen zählen kann, wird sich also denken können, dass das Buch nach einem halben Jahr nun nicht mehr so toll ausschaut. Ich bin jedenfalls gespannt wie lange das Buch noch heile bleibt.

Ewig werden wir mit dem Buch also nicht weiter arbeiten können. Hinzu kommt das unsere aktuelle Logopädin die auf Unterstütze Kommunikation spezialisiert ist, im Mai in den Mutterschutz gehen wird und wir noch nicht wissen wo die Reise dann hingehen wird. Ich schiebe diesen Gedanken grade noch ganz weit weg.

Wenn die aktuell akute Fußbaustelle und seine anstehende OP geregelt sind, werde ich mich um einen Beratungstermin zum Thema Unterstützte Kommunikation speziell bei Autisten in Köln bemühen. Die können uns dann hoffentlich auch langfristige Möglichkeiten für Finn geben.

Uff…

dieser Bericht ist nun schon wieder wesentlich länger geworden als eigentlich geplant. Obwohl ich extra nicht zu sehr auf die Einzelheiten des Flipbuches eingehen wollte… Falls ihr Fragen haben solltet zum Thema Unterstützte Kommunikation bei Finn, stellt sie! Keine Angst, ich beiße nicht. Sofern es in meinen Möglichkeiten liegt, beantworte ich diese dann gerne in einem zweiten Beitrag in dem ich z.B. auf die Vorurteile zur Unterstützten Kommunikation, mit denen wir konfrontiert wurden eingehen werde. Natürlich bin ich keine Fachkraft zum Thema Unterstützte Kommunikation, aber falls es hilfreich sein könnte, teile ich gerne unsere gemachte Erfahrungen.

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