Sport mit kindern

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Bewegung belebt und ermöglicht ein gesundes und vitales Leben. Nicht immer muss es gleich die sportliche Höchstleistung sein, die unserem Körper die nötige Basis für ein gesundes Leben ermöglich. Nein, auch einfache Bewegungsabläufe mit viel Spaß und Freude an der Aktivität reichen oftmals aus, um die Gesundheit zu fördern. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder von klein auf lernen, sich gerne zu bewegen und mit Bewegung und Sport etwas Positives zu verknüpfen. Denn Bewegung ist Leben.

Warum ist Bewegung bei Kindern so wichtig?

Sportliche Aktivität ist ein unverzichtbarer Bestandteil eines gesunden Lebens. Bewegung hält unseren Bewegungsapparat gesund, stärkt die Muskulatur und fördert wichtige Aspekte wie Ausdauer sowie das Immunsystem. Ob im Zuge einer sportlichen Aktivität oder aber während eines lustigen Bewegungsspiels, immer dann, wenn Bewegung und Sport unseren Kreislauf in Schwung bringen, ist dies gut für unsere Gesundheit.

Für Kinder ist die positive Wirkung sportliche Aktivität jedoch nicht nur auf die kurzfristige Wirkung begrenzt. Nein allem voran die Langzeitwirkung einer aktiven und sportlichen Kindheit sind es, die Bewegung für Kinder zu einem solch wichtigen Aspekt der kindlichen Freizeitgestaltung werden lässt.

Bewegung ist für Kinder wichtig weil:

  • Sie den Aufbau der Muskeln und Knochen fördert.
  • Sie das Immunsystem fördert und nachhaltig stärkt.
  • Sie das Herz-Kreis-Laufsystem sowie die Ausdauer fördern.
  • Sie Übergewicht und ähnliche ernährungsbedingte Erkrankungen vermeiden kann.
  • Sie positiv auf die kindliche Entwicklung (körperlich und emotional) einwirkt.

Je aktiver Kinder schon im Kleinkindalter sind. Je mehr sie durch Bewegungsspiele, Gruppenaktivitäten oder schlicht weg kreativer Freude an sportlicher Aktivität als etwas Positives erkennen, umso mehr kann die Bewegung eine positive Wirkung auf die kindliche Entwicklung nehmen. Starke Muskeln und Knochen, ein stabiler und gesunder Bewegungsapparat, Ausdauer und ein aktives Immunsystem. All dies sind Vorteile, die Kinder von sportlicher Aktivität und Bewegung im Alltag erhalten und die natürlich auch nachhaltig und positiv die Entwicklung des kindlichen Körpers beeinflussen.

Bewegungsspiele im Kindergarten, erste Schritte in ein aktives Leben

Bewegungsspiele im Kindergarten

Sport ist wichtig für ein Leben voller Gesundheit und Vitalität. Doch nicht immer lassen sich die lieben Kleinen so ganz ohne Widerstand an den Sport heranführen. Allem voran, wenn die Familie an sich nicht sonderlich sportlich ist und eher weniger Bewegung im Alltag genießt, ist der Kindergarten oftmals der erste Schritt hin zu einem aktiven und sportlichen Leben.

Bewegungsspiele wirken auf den ersten Blick hin nicht sonderlich sportlich, haben jedoch eine enorme pädagogische Wirkung auf ein Kleinkind. Wer kennt es nicht, das gute alte „Fangen Spielen“ oder Bewegungsspiele mit Bällen? Beinahe jedes Kind spielt sie im Kindergarten und doch ist es für die lieben Kleinen eher Spiel und Freude an der Bewegung, den Sport und genau so sollte es sein.

Kinder an ein aktives Leben mit Bewegung und Sport heranzuführen, bedeutet nicht, die Kinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt in einem Sportverein anzumelden. Nein es bedeutet die Kinder toben und spielen zu lassen, mit einfachen Bewegungsspielen die Lust an der Bewegung zu wecken und dem Kind so die Möglichkeit zu bieten, sportliche Vorlieben entdecken zu können.

Eltern sollten die Fähigkeiten ihrer Kinder fördern!

Talente der Kinder erkennen und fördern

Wenn es gilt, die sportliche Seite eines Kindes zu fördern, gilt es für Eltern die Fähigkeiten der lieben Kleinen zu erkennen und zu fördern. Denn nicht jedes Kind hat gleiche Talente. Mal liegen die Talente eines Kindes im Bereich von Ausdauersportarten wie Laufen, wieder andere Kinder haben am meisten Freude daran, wenn es darum geht, den Ball beim Fußball ins Tor zu schießen. So gilt es also, die richtige Form der Bewegung für das eigene Kind zu finden.

Eltern sollten in jedem Fall:

  • Früh die sportlichen Talente und Vorlieben der Kinder fördern.
  • Die Suche nach einer passenden Sportart gemeinsam mit dem Kind bestreiten.
  • Den Kindern keinen Druck aufbauen, da ansonsten der Spaß an der Bewegung verloren geht.
  • Den Kindern zugestehen, dass diese nicht jeden Tag Lust auf Bewegung und Sport haben.

Ein guter Tipp (allem voran in jungen Jahren) ist hier Abwechslung pur. Je mehr Sportarten Kinder in jungen Jahren zumindest einmal erproben dürfen, umso mehr vergnügen macht ihnen die Bewegung an sich. Probetage in Sportvereinen, Sportveranstalten mit der Möglichkeit spielerisch eine Sportart kennenzulernen oder aber Ferienangebote mit viel Bewegung und sportlichen Aktivitäten bieten sich hierbei an, um die kindliche Entwicklung zu fördern und die Talente des Kindes auszuloten.

Doch Vorsicht. Man sollte Kinder nicht überfordern. Sobald Bewegung und Sport für Kinder zu einer Last werden, sobald es ein Muss ist sich zu bewegen, beginnen Kinder zu blocken und das Vergnügen am Sport zu verlieren. Die Suche nach der perfekten Sportart, die den Fähigkeiten und Vorlieben des Kindes entspricht, sollte also kein Sprint sein, sondern vielmehr ein Marathon, bei welchem man sich Zeit nimmt und auch Pausen einmal ohne Wenn und Aber möglich sind. Denn nur so werden Kinder wirklich Freude an einem aktiven Leben mit Bewegung und Sport finden und ein gesundes Leben führen können.

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Kinder brauchen Bewegung

Sobald Kinder sich bewegen können, haben sie Freude an z. B. Bällen. Sie erfahren, dass ein Ball immer wieder zur Erde fällt und dass er schräge Ebenen hinunter rollen kann. Sie lernen Bewegungen einzuschätzen und vorauszuahnen. Mit zunehmender Mobilität tragen Kinder scheinbar planlos Gegenstände durch die Wohnung und lassen sie irgendwo liegen. Dabei lernen sie, dass Gegenstände aus der Entfernung kleiner aussehen als aus der Nähe. Gleichzeitig erweitern sie ihre Raumerfahrung. Auch das Klettern auf, unter und in Möbel schult Raumwahrnehmung und Körperbewusstsein. Der Gleichgewichtssinn und die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft werden durch Schaukeln, sich drehen, hüpfen, Knie-Reiter-Spiele und in den Armen der Eltern fliegen gefordert. Eine Federkernmatratze oder ein Trampolin, eine schiefe Ebene (Rutsche), Hängematte, Punching-Ball, große Kissen, Materialien zum Höhlen bauen (Bettlaken, Klammern, Decken, Taschenlampe), Luftmatratze, Schaukel, Plastiktonne zum Rollen und hinein klettern – all dies sind Gegenstände, die nicht nur viele Körper- und Bewegungsreize bieten, sondern auch die Fantasie anregen.

Kinder in Bewegung: Warum Sport so wichtig ist

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Warum ist Bewegung für Kinder so wichtig?

Bewegung ist für Kinder ein essentieller Bestandteil ihres Lebens. Bereits bei Säuglingen stellt das Strampeln zunächst die einzige Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation dar. Das anfangs noch nicht vollständig ausgereifte Gehirn des Kindes braucht in den ersten Lebensjahren Anregungen, damit sich Nervenverbindungen aufbauen und vernetzen können. Je mehr Reize aus dem Bewegungsapparat im Gehirn ankommen, umso besser kann sich dieses entwickeln. Auch in der weiteren Entwicklung haben Kinder Freude an Bewegung und rennen, balancieren, klettern, hüpfen und toben, um ihre Umwelt zu entdecken. Somit kann die Bewegung an sich auch als unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen kindlichen Entwicklung betrachtet werden.

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Mangelnde Bewegung für Kinder schädlich

Ein Mangel an Bewegung kann für Kinder zu ernsthaften Problemen führen. Die Folgen reichen über eine schlechte körperliche Fitness, Übergewicht, Haltungsschäden, ein schwaches Immunsystem, eine geringere geistige Leistungsfähigkeit bis zu Krankheiten wie Typ-2-Diabetes. Diese Folgen würden sich durch mehr Sport im Alltag vermeiden lassen.

Kinder brauchen mehr Bewegung als Erwachsene

Während Erwachsene zum Erhalt ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eine zwei- bis dreimalige körperliche Belastung von ungefähr 60 Minuten in der Woche brauchen, sollten sich Kinder zum Aufbau ihrer organischen Funktionen täglich mindestens ein bis zwei Stunden bewegen.

Wie werden Kinder durch Bewegung gefördert?

  • Starke Knochen: Durch das Hüpfen, Springen, Klettern und Laufen in den ersten Lebensjahren wird die Knochensubstanz stabiler und dichter.
  • Haltung: Nur durch viel Bewegung kann sich die Wirbelsäule Deines Nachwuchses richtig entwickeln.
  • Muskulatur: Durch Sport entwickelt sich die Muskulatur, die Dein Kind beispielsweise braucht, um seinen Kopf zu heben oder seinen Rücken zu strecken.
  • Gesundheit: Kinder, die viel Bewegung im Alltag haben, haben mehr Energie und sind weniger krankheitsanfällig.
  • Motorik: Egal ob schaukeln, drehen, klettern oder hüpfen – durch vielfältige sportliche Aktivitäten bekommt Dein Kind eine Vorstellung von seinem Körper und seinen Fähigkeiten. Gleichzeigt entwickelt sich sein Gleichgewichtssinn.
  • Geistige Fähigkeiten: Da jede Bewegung über Sinnesorgane registriert wird, gelten die körperlichen Bewegungen auch als spezielle Sinnesaktivität. Das bedeutet, dass Bewegung und intellektuelle Entwicklung untrennbar miteinander verbunden sind. Beispielsweise haben Kinder, die gut rückwärts laufen können, im Rechenunterricht häufig weniger Probleme beim Subtrahieren.
  • Selbstbewusstsein: Durch Bewegung lernen Kinder, ihre körperlichen Kräfte richtig einzuschätzen. Wenn sich Dein Nachwuchs beispielsweise bei einem Wettkampf mit einem anderen Kind misst und gewinnt, wird sein Selbstbewusstsein gestärkt. Aber auch wenn Dein Kind verliert, kann dies sein Selbstbewusstsein stärken. Deine Ermutigung kann ihm helfen, nicht aufzugeben und es noch einmal zu versuchen.
  • Soziale Fähigkeiten: Beim Sport lernen Kinder, sich an Regeln zu halten und Rücksicht auf ihre Mannschaftskameraden zu nehmen. Sie müssen beispielsweise warten, bis sie an der Reihe sind und ihre Bewegungen und Handlungen aufeinander abstimmen, damit sie ein gutes Team ergeben.
  • Gute Laune: Bewegung sorgt für gute Laune – schon zehn Minuten Bewegung pro Tag heben die Stimmung. Laune und Befindlichkeit bessern sich proportional zum Ausmaß an Bewegung, denn dabei werden körpereigene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, freigesetzt. Beispielsweise macht Serotonin gute Laune und reduziert Angstgefühle.

In Sachen Bewegung ein Vorbild für Kinder sein

Als Elternteil hast Du den größten Einfluss auf das Bewegungsverhalten Deines Kindes. Wenn Du viel Sport treibst, Dich eher auf das Fahrrad schwingst oder läufst, anstatt das Auto zu benutzen und den Urlaub oder die Freizeit aktiv und mit viel Bewegung verbringst, dann wirkt sich das auch auf Deine Kinder aus. Es ist daher wichtig, dass Du den Spaß an gemeinsamen Unternehmungen förderst.

Aus: WWD 2002, Ausgabe 76, S. 3-4

Bewegung braucht das Kind … damit es sich gesund entwickeln und wohl fühlen kann

Dieter Breithecker

Der Stellenwert von Bewegung und gesunder körperlicher Entwicklung hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Vor dem Hintergrund zunehmender Rückenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer steigenden Anzahl übergewichtiger Mitmenschen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass gezielte Bewegungsangebote diese Krankheiten verhindern können. Während für den Erwachsenen zum Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit eine zwei- bis dreimalige körperliche Belastung von ca. 60 Min. in der Woche durchaus als ausreichend angesehen werden kann, benötigen Kinder zum Aufbau ihrer organischen Funktionen eine tägliche Belastungseinheit von mindestens (!) zwei Stunden. Der Heranwachsende braucht zum Aufbau seiner Gesundheit mehr Bewegung als der Erwachsene zum Erhalt der Gesundheit! Aber in der Bewegung steckt mehr als nur eine gesunde körperliche Entwicklung.

Kinderwelt ist Bewegungswelt – was Kinder durch Bewegung lernen

Für die meisten Erwachsenen sind Gesundheit, Fitness sowie der Wunsch, einen schönen, trainierten Körper zu besitzen, wichtige Motive, sich zu bewegen und Sport zu betreiben. Für Kinder sind diese Attribute keine Triebfeder. Sie bewegen sich aus dem einfachen Grund, weil sie Freude, Spaß und Lust dabei erfahren wollen. Es liegt grundsätzlich in der Natur des Menschen, sich zu bewegen. Ohne diese natürliche Anlage ist eine Entwicklung vom unselbstständigen Säugling zu einer selbstständigen, selbstbewussten und gesunden erwachsenen Persönlichkeit kaum möglich. Dabei haben gerade die Bewegungserfahrungen und die Bewegungsmöglichkeiten in den ersten 11 bis 12 Lebensjahren eine besondere Bedeutung. Bewegung kann somit als Grundprinzip eines sich körperlich sowie geistig und seelisch entwickelnden Lebens angesehen werden: Ohne Bewegung kein Leben.

  • Ein Säugling strampelt vor Lust; Bewegung ist zunächst die einzige Möglichkeit der nonverbalen Kommunikation, des Ausdrucks von psychoemotionaler Befindlichkeit.
  • Ein Kind hüpft spontan vor Freude, rennt, klettert, schaukelt, springt und tobt; damit gelangt es zu immer mehr (Bewegungs-) Sicherheit, Selbstständigkeit und räumlicher Erkundung und somit Umwelterfahrung.
  • Ein Kind sowie ein Jugendlicher drängen nach Spiel mit anderen, nach Leistung und Wettbewerb. Heranwachsende lernen, unterschiedliche Rollen einzunehmen, Regeln zu akzeptieren, Konflikte auszutragen, Toleranz und Rücksichtnahme zu zeigen sowie Absprachen zu treffen, und sammeln somit grundlegende Erfahrungen mit Gleichaltrigen.

Uns Erwachsenen ist dies als Kindern damals nur nicht bewusst geworden. Grundlegende (Lern-) Erfahrungen, die für das Leben in der Gesellschaft, für die Entwicklung von Körper, Geist und Seele von entscheidender Bedeutung sind, haben wir vor allem durch die aktive, bewegte Auseinandersetzung mit der Umwelt erworben. Die Neugier des Kindes ist groß. Dies ist etwas ganz Natürliches und ein wichtiger Teil seiner harmonischen Entwicklung. Das Gehirn ist im Zuge seiner Ausdifferenzierung erfahrungshungrig; es nimmt Eindrücke leicht auf und lernt schnell, sie als komplexe Muster im Gedächtnis zu speichern. Und wie können Kinder mehr Angebote erfahren, als in der sinnlich aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt? Sinneserfahrungen und Körpererlebnisse sind z.B. unerlässlich, damit wir unseren Körper bewusst erfahren und mit ihm umgehen können. Körpererfahrungen sammeln beinhaltet:

  • verschiedene Positionen des Körpers und vielfältige Fortbewegungsarten (z.B. Laufen, Klettern, Springen, Kriechen, Hüpfen, Rutschen) auszuprobieren;
  • das Körpergleichgewicht in verschiedenen Lagen und auf verschiedenen Untergründen zu erproben (z.B. Schaukeln, Schwingen, Rollen, Drehen, Hüpfen, Balancieren auf schmalen und labilen Untergründen);
  • Spannung und Entspannung zu erfahren, körperliche Belastung mit ihren Wirkungen auf Herz, Atmung und Muskulatur zu spüren;
  • die Körpergrenzen durch Berührungsreize (z.B. Tastspiele) und Bewegung in begrenzten Räumen (Hindernisse durch- und überwinden) zu erfahren.

Beim Anfassen, Fühlen, Riechen, Hören und Sehen, beim Rangeln und Toben mit anderen, beim Balancieren, Klettern und Schubsen erfahren Kinder aktiv ihre Umwelt und ihren Körper. Sie trainieren damit ganz unbewusst, was sie ein Leben lang können müssen.

In einer Zeit des „Fern-Sehens“ und des „Fern-Hörens“ brauchen Kinder das „Greifbare“

Kinder brauchen eine Umwelt, die man anfassen, fühlen, hören, riechen, in der man sich bewegen und Erfahrungen sammeln kann. Das von ihnen so häufig praktizierte Greifen nach Gegenständen aller Art wird zu einem „Be-Greifen“, das Fassen zu einem „Er-Fassen“. Dieses Handeln ist als ein wichtiger Teil der Entwicklung von Wissen, Urteil und Einsicht, also von geistiger Entwicklung zu betrachten. Die Erfahrungen des „Selbst-Machens“, die Dinge im Spiel „selbst zu verändern“, „selbst zu entscheiden“ – auch wenn es mehrerer Anläufe bedarf, um erfolgreich zu sein – sind unerlässlich, um uns selbstständig und selbstbewusst zu entwickeln. Es ist anzunehmen, dass Erfolgserlebnisse im Bewegungsbereich zu einem größeren Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten beitragen.

Sich trauen macht selbstbewusst!

Der Reiz so manchen Tuns liegt häufig in der Ungewissheit begründet, inwieweit die selbst gesteckten Anforderungen bewältigt werden können oder auch nicht. Darüber hinaus lernen Kinder frühzeitig, unbekannte und manchmal auch gefährliche Situationen einzuschätzen und sich in ihrem Verhalten darauf einzustellen. Gerade Gefahrensituationen oder der Umgang mit gefährlichen Gegenständen vermittelt den Kindern nachhaltigere Erfahrungen und Kompetenzen, als wenn sie durch Verbote vom Tun abgehalten und jahrelang nur durch Belehrungen theoretisch auf Gefahren vorbereitet würden.

Kinder brauchen Freiräume, da sie sich aktiv an der Gestaltung ihres Lebens beteiligen wollen. Die kindliche Autonomie darf dabei nicht beschränkt werden. Erwachsene sollten auf dem Weg der Erziehung zur Selbstständigkeit und zur Eigenverantwortung zwar ein „Sicherheitsnetz“ spannen – dann aber müssen sie ihre Kinder auch alleine balancieren lassen. Pädagogen sehen hierin einen wesentlichen erzieherischen Ansatz, Kinder frühzeitig zu befähigen, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen, sich auf Gefahren einzustellen und ihr Handeln auf spezifische Situationen flexibel auszurichten.

Kinder brauchen vor allem Zeit und Gelegenheit für Experimente und eigene Aktivität, die nicht durch ein zu enges „Regelwerk“ und Bevormundungen seitens der Erwachsenen eingeschränkt werden dürfen. Wir müssen uns vor Augen führen, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Kinder brauchen spezifische Rahmenbedingungen, damit sie erwachsen werden, ihre Persönlichkeit entwickeln können. Das Kind braucht geeignete Hilfen und Anreize aus seiner sozialen Umgebung, die darauf ausgerichtet sind, seine natürlichen „Grundbedürfnisse“ zu befriedigen und auszubauen, damit diese Bedürfnisse langfristig erlebt werden können. Neben Liebe, Zuneigung, Anerkennung, Lob, Wertschätzung und sozialer Bindung stellt das Bedürfnis nach Bewegung und Spiel ein solch grundlegendes Bedürfnis dar.

Autor

Dr. Dieter Breithecker, Jahrgang 1953, ist Sport- und Bewegungswissenschaftler. Er leitet die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V. in Wiesbaden und ist Vorstandsmitglied des Forums „Gesunder Rücken – besser leben e.V.“. Er ist Autor und Mitautor zahlreicher Veröffentlichungen und Videoproduktionen.

Klettern, toben, rennen: Wie Ihr Kind von Bewegung profitiert

Die meisten Kleinkinder sind ständig in Bewegung

Stillhalten – und sei es nur zum Wickeln – ist gar nicht nach ihrem Geschmack. Doch je älter Kinder werden, umso mehr Zeit verbringen sie im Sitzen. Schottische Forscher ermittelten, dass Dreijährige nur 2 Prozent der Zeit, die sie wach sind, mit intensiver Bewegung verbringen, 79 Prozent aber sitzend. Fünfjährige bewegen sich immerhin 4 Prozent ihrer wachen Zeit intensiv und verbringen 76 Prozent im Sitzen.

Experten fordern, dass Kinder sich 60 Minuten täglich bewegen sollten. Leider sieht die Realität anders aus: Bewegung findet nur 20 Minuten pro Tag statt. So verwundert es nicht, dass Kinder einerseits immer dicker und andrerseits auch immer ungeschickter werden.

Bewegung fördert die Gesundheit und Entwicklung bei Kindern

Kinder unter drei Jahren können kaum zwischen Denken, Fühlen und Bewegen unterscheiden. Alles zusammen bildet eine relativ übergangslose Einheit. Aus diesem Grund reagieren bereits Babys auf vielfältige Bewegungs- und Berührungsreize wie Babymassage, Tragen im Tragetuch oder Babyschwimmen so positiv.

Doch Bewegung ist auch später ein wahres Wundermittel. Sie

  • trainiert Herz und Kreislauf,
  • regt den Stoffwechsel an,
  • steigert die Atemleistung,
  • verbessert die Ausdauer,
  • kräftigt die Muskeln,
  • verbessert die Haltung,
  • stärkt die Knochen,
  • regt das Gleichgewichtssystem an,
  • fördert Bewegungskoordination und Geschicklichkeit,
  • steigert die Reaktionsfähigkeit,
  • schult die Wahrnehmung,
  • fördert die Entwicklung der Sinnesorgane durch mehr Anregung.

Bewegung an der frischen Luft stärkt die Abwehrkräfte

Findet die Bewegung im Freien statt, stärkt sie eindeutig das Immunsystem. Es gilt als erwiesen, dass Kinder, die sich täglich im Freien bewegen, seltener krank sind. Das weiß man z. B. aus zahlreichen Untersuchungen, die im Umfeld der so genannten Waldkindergärten angestellt wurden.

Gehen Sie deswegen täglich mit Ihrem Kind an die frische Luft. Wenn es zu einem Spaziergang keine Lust hat, kann es bestimmt ein Spielplatzbesuch locken. Und vergessen Sie nicht den bekannten Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung! Natürlich werden Sie z. B. im Winter bei strengen Minusgraden nur 20 Minuten draußen bleiben statt einer ganzen Stunde und im Sommer bei großer Hitze die Mittagsstunden lieber im Haus verbringen.

Hüpfen, Rennen und Toben: Viel Bewegung macht Kinder schlau

Würden deutsche Kinder sich mehr bewegen, wären sie klüger und hätten in der PISA-Studie besser abgeschnitten. Davon ist so mancher Sportmediziner felsenfest überzeugt. Bewegung steigert die Leistungs- und Lernfähigkeit von Kindern.

Je mehr Reize aus dem Bewegungsapparat im Gehirn ankommen, umso besser kann sich dieses entwickeln. Das anfangs noch nicht voll ausgereifte Gehirn eines Kindes braucht in den ersten Lebensjahren vielfältige Anregungen, damit sich Nervenverbindungen aufbauen und vernetzen. In einer bewegungsarmen Umgebung würden sich wichtige Nervenverbindungen gar nicht erst ausbilden. Das zeigt sich auch in der sprachlichen Entwicklung.

Motorische und sprachliche Entwicklung hängen voneinander ab und bedingen sich gegenseitig. Deswegen verbessert viel Bewegung die Sprachentwicklung Ihres Kindes. Da das Sprachzentrum im Gehirn mit der Steuerungszentrale für die Feinmotorik (und damit auch die Fingerfertigkeit) verzahnt ist, kann Ihr Kind z. B. erst dann sprechen lernen, wenn es eine gewisse Fingerfertigkeit erworben hat.

Kinder, die über Körperbeherrschung und motorische Geschicklichkeit verfügen, bewegen sich nicht nur in realen Räumen sicher. Wer sich im Raum sicher orientieren und bewegen kann, hat auch im Zahlenraum keine Schwierigkeiten. So haben Kinder, die gut rückwärts laufen können, häufig weniger Probleme im Rechenunterricht beim Subtrahieren.

Kinder begreifen ihre Umwelt aus der Bewegung heraus. Gleichgewicht oder Beschleunigung sind sowohl körperliche als auch physikalische Grunderfahrungen, die sich nur über Bewegung erfahren lassen. Kinder, die sich nicht genügend bewegen, tun sich schwer damit, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was wirklich ist. Sie haben Probleme, wichtige Dinge in ihrer Umgebung richtig einzuschätzen. Kinder, die sich ausreichend bewegen, sind konzentrierter, aufnahmefähiger und wacher.

Sport verbessert die sozialen Fähigkeiten von Kindern

Speziell beim Turnen mit anderen oder auch bei Mannschaftsspielen lernen Kinder fürs Leben. Damit ein Spiel gelingen kann, sind Spielregeln notwendig. Fairness steht hoch im Kurs. In der Gruppe üben Kinder, Regeln einzuhalten und Rücksicht auf andere zu nehmen. Sie müssen z. B. warten, bis sie an der Reihe sind, einander im Spiel ausweichen und Bewegungen aufeinander abstimmen, damit ein gutes Team entsteht. Sie lernen, gemeinschaftlich für etwas verantwortlich zu sein, und verbessern ihre Kooperationsbereitschaft. Auch das Durchhaltevermögen wird gestärkt. Doch selbst pure Bewegung nützt Ihrem Kind: So lernt es beispielsweise durch das Toben, seine Aggressionen abzubauen, es wird mutiger und traut sich mehr zu.

Bewegung sorgt für gute Laune

Schon Kindergartenkinder sind oft lustlos, ängstlich, schüchtern oder hilflos. Nicht selten klagen sie bereits über Kopf- oder Bauchschmerzen. Hätten Sie gedacht, dass der Grund dafür ein Mangel an Bewegung sein kann?

Schon zehn Minuten Bewegung pro Tag heben die Stimmung. Laune und Befindlichkeit bessern sich proportional zum Ausmaß an Bewegung, denn dabei werden körpereigene Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter, freigesetzt:

  • Serotonin macht gute Laune und reduziert Angstgefühle.
  • Noradrenalin stärkt das Selbstbewusstsein und kontrolliert den Erregungszustand.
  • Dopamin fungiert als körpereigenes Belohnungssystem und verursacht Glücksgefühle.

Ein gemütlicher Spaziergang reicht aus, um die Hirndurchblutung um 20 Prozent zu steigern, die Sauerstoffversorgung zu verbessern und Dopamin, den „Glücksbotenstoff“, auszuschütten. Außerdem werden schädliche Stresshormone abgebaut.

Seien Sie selbst ein gutes Vorbild

Sportliche Eltern haben meist auch sportliche Kinder. Und daran sind beileibe nicht nur die Gene schuld. Wenn Kinder immer wieder zur Bewegung angeregt werden und sich schon früh in verschiedenen Sportarten versuchen können, entwickeln sie ganz selbstverständlich eine gute Körperbeherrschung. Angesichts der Tatsache, dass bereits 50 Prozent der Schulkinder Haltungsfehler aufweisen, ist das gute Vorbild der Eltern besonders wichtig. Kleinkinder bewegen und halten sich meist intuitiv richtig. Leider orientieren sie sich aber stark an unserem Vorbild und ahmen so auch unsere Haltungsfehler nach.

  • Mein Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie zum Anheben von Lasten nicht den Rücken beugen, sondern mit gestrecktem Rücken in die Hocke gehen, um etwas aufzuheben. Verteilen Sie beim Tragen das Gewicht möglichst gleichmäßig auf beide Arme, ohne sich dabei zurückzubeugen und ins Hohlkreuz zu gehen. Sehr schwere Lasten sollten am besten auf der Schulter oder auf dem Rücken getragen werden.

So klappt es mit mehr Bewegung im Alltag

Wo können Kinder heute noch ungestört auf einer Wiese oder in einem Innenhof toben und spielen? Weil die Spielräume für den Nachwuchs immer knapper werden, sollten Sie bei Ihrem Kind gezielt auf Bewegung achten.

  • Erledigen Sie kürzere Wege zu Fußund nicht mit dem Auto. Es müssen keine Gewaltmärsche sein, doch sollten Sie versuchen, kleine Bewegungsmuffel auf Trab zu bringen.
  • Gehen Sie jeden Tag mit Ihrem Nachwuchs an die frische Luft – notfalls regendicht verpackt mit Gummistiefeln und „Friesennerz“. Ideal ist natürlich ein Spielplatzbesuch, jedoch wegen Rutschgefahr nicht bei Regen oder Schnee!
  • Richten Sie zu Hause eine Tobe-Ecke ein. Das geht auch in einer kleinen Wohnung, etwa mit mehreren preiswerten Schaumstoff-Matratzen oder einem Trampolin.
  • Gehen Sie mit einem Kleinkind regelmäßig zum Eltern-Kind-Turnen oder überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kindergartenkind, welche Sportart ihm gefallen könnte, und melden Sie es im Sportverein an.
  • Bremsen Sie den Bewegungsdrang Ihres Kindes nicht durch ständige Ermahnungen. Falls Sie in gefährlichen Situationen einschreiten müssen, klingt z. B. ein „Vorsicht, hier wird es rutschig!“ viel besser als ein „Fall nicht hin!“ So hat Ihr Kind nicht das Gefühl, dass Sie ihm nichts zutrauen.

Warum Bewegung für unsere Kinder so wichtig ist

Gründe, warum sich Kinder ausreichend bewegen sollten, gibt es viele. (Foto by: anatols / )

Aus eigenem Antrieb erlernen Kinder im ersten bis zweiten Lebensjahr selbstständig ohne fremde Hilfe zunächst das Drehen, dann das Robben und Krabbeln und schließlich das freie Laufen. Im Laufe der Zeit kommen viele weitere körperliche Fähigkeiten, wie hüpfen, klettern oder Fahrrad fahren hinzu. Im wahrsten Wortsinn sind Fortschritte – gerade in den ersten Lebensjahren – nur mit ausreichender Bewegung möglich.

Runter vom Sofa – ab nach draußen

Durch zunehmenden Fernseh-, Computer- oder Spielekonsolenkonsum sowie einer damit häufig verbundenen ungesunden und übermäßigen Ernährung verkümmert der natürliche Bewegungsdrang von Kindern zunehmend. Natürlich erscheint eine Trickfilmserie oder das animierte PC-Spiel für den Nachwuchs zunächst einmal spannender als die Radtour oder der Spaziergang.

Kinder wissen noch nicht, was gut für sie und ihren Körper ist. Deshalb ist es Aufgabe der Eltern, ihre Kinder stets zu Bewegung, Sport und Spiel – idealerweise an der frischen Luft – zu bestärken. Zeigen Sie ihnen, wie viel Spaß ein gemeinsames Ballspiel macht, ein Besuch auf dem Abenteuerspielplatz oder bei schlechterem Wetter der Ausflug ins Schwimmbad!

Wichtig ist darüber hinaus, dass Sie selbst als gutes Vorbild vorangehen und zum Beispiel aktiv Sport treiben oder kürzere Wegstrecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß anstelle des Autos zurücklegen.

Welche Bewegung ist am sinnvollsten?

Wie und auf welche Arten sich Kinder bewegen ist dabei zunächst zweitrangig – Hauptsache aktiv. Im Kindergartenalter sind regelmäßige Betätigungen, wie springen, rennen, toben, klettern, fahren von Lauf- und Fahrrad, aber auch balancieren ausreichend.

Es sollte zudem immer möglich sein, auch in den Alltag Bewegungen einzubauen: Bereits ein Kind kann beispielsweise die Treppe benutzen und nicht den Aufzug.

Etwa ab dem Grundschulalter empfehlen Experten den Eintritt in einen Sportverein. Kinder sind nun in ihrer geistigen Entwicklung soweit, dass sie die Technik einer bestimmten Sportart erlernen können. Die Auswahl an Sportarten ist dabei heute sehr groß und orientiert sich im Idealfall an den Interessen und Wünschen der Kinder.

Ob es nun ein Mannschaftssport ist, wie Fußball oder Badminton, ein musikorientierter Sport, zum Beispiel Tanz- oder Ballettunterricht, oder ein Kampfsport, darunter Judo und Taekwondo, sollte der Nachwuchs selbst bestimmen können.

Auch schwimmen, reiten oder Inlineskaten kommen in Frage. Entscheidend ist, den Sport regelmäßig und intensiv auszuführen. Die Weltgesundheitsorganisation rät sogar, dass sich jedes Kind mindestens eine Stunde täglich so sehr bewegt, dass es ins Schwitzen kommt.

Bewegung ist für Kinder für die motorische, geistige, soziale und emotionale Entwicklung wichtig. (Foto by: apid / )

Viele Gründe, sich zu bewegen

Bessere Körperhaltung und Kondition

Wer sich ausreichend bewegt, legt den Grundstein für ein gesundes Leben. Eine ausreichende und dauerhafte Bewegung trägt nicht nur bei Erwachsenen dazu bei, die Muskeln zu kräftigen sowie die Knochen zu stärken und somit zu insgesamt einer besseren Körperhaltung und Kondition beizutragen.

Bessere Konzentrationsfähigkeit

Sind Kinder trainiert, fällt es ihnen durch ein gutes Körperbewusstsein auch leichter, in der Schule auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben. Auch die Konzentrations- und Lernfähigkeit wird deutlich gesteigert, genauso wie die Koordination und Geschicklichkeit. Nicht zuletzt ist dies auf die erhöhte Durchblutung, auch des Gehirns, zurückzuführen.

Gesündere Kinder

Kinder, die regelmäßig Sport treiben, sind in der Regel weniger krank als sogenannte Couch-Potatoes. Ihr Immunsystem ist gestärkt. Eltern wird es zudem freuen, wenn ihr ausgepowerter Nachwuchs schneller ein- und sogar durchschläft.

Bewegung macht gute Laune

Auch in emotionaler Hinsicht profitieren sportliche Kinder: Mit der Bewegung steigt die gute Laune. Ängste, Aggressionen oder Stress werden leichter abgebaut. Bei vielen Kindern wird der Ehrgeiz geweckt, wenn sie sich mit Freunden messen müssen: Wer schießt mehr Tore? Wer kann weiter springen? Auch dadurch kann das Selbstbewusstsein gestärkt werden.

Stoffwechsel wird angeregt

Ein weiterer positiver Bewegungseffekt wird durch die optimale Anregung des Stoffwechsels erzielt. Da Heißhungerattacken meist nicht aufkommen, können sich Fettreserven erst gar nicht aufbauen. Überflüssige Kalorien werden durch die Bewegung verbrannt. Das Risiko bereits im Kindes- oder erst im Erwachsenenalter übergewichtig zu werden, ist somit nur noch minimal.

Wie wichtig Sport für Kinder tatsächlich ist

Sport ist für die Entwicklung von Kindern ganz entscheident. Doch oft bleibt er auf der Strecke. So vermittelst du deinen Kindern Spaß an Bewegung.

Die gute Nachricht: Um die Bewegung unserer Kinder ist es gar nicht so schlecht bestellt. 95 Prozent der Vier- bis 17-jährigen Kinder treiben Sport, mehr als die Hälfte sind sogar in einem Verein. Und wer die Hofpause in einer Grundschule miterlebt, wird feststellen: Auch im Jahr 2007* toben, rennen, hüpfen Kinder sehr, sehr gern. Diese positiven Prozentzahlen über die Bewegung von Kindern kommen vom Robert-Koch-Institut und wurden im Rahmen einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugend-Gesundheits-Survey KiGGS) ermittelt. Prima, denn wenn Kinder Sport treiben fördert das die Entwicklung der Motorik, und damit Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Bewegungskoordination.

Sport: Wichtig für Kinder!

Heißt das, um die motorischen Fähigkeiten der Kinder muss man sich keine Sorgen mehr machen? Leider nein. „Es stimmt schon, dass viele Kinder in einem Sportverein angemeldet sind, doch nur 13,6 Prozent von ihnen trainieren dreimal oder häufiger die Woche. Noch problematischer ist, dass die Kinder sich im Alltag immer weniger bewegen. Das kann auch eine Stunde Vereinssport in der Woche nicht ausgleichen“, sagt Dr. Elke Opper von der Universität Karlsruhe, die am Motorik-Modul (MoMo) der KiGGS-Studie mitarbeitet.
So zeigten sich bei den über 4500 untersuchten Kindern und Jugendlichen auch motorische Defizite: Fast die Hälfte kommt bei der Rumpfbeuge mit gestreckten Beinen nicht mehr mit den Fingerspitzen bis zum Boden. Und 86 Prozent schaffen es nicht, eine Minute einbeinig auf einer Schiene zu balancieren, ohne den Boden zu berühren.

Draußen Spielen – Gesundheit fördern

Was kann der Grund sein? Auch wenn viele Kinder angeben, Sport zu treiben: Es geht vor allem um die Intensität, mit der sie etwas tun. So geben nur 21 Prozent der Kinder an, sich beim Sport so stark anzustrengen, dass sie auch ins Schwitzen kommen. Und erst dann zeigt die Bewegung Wirkung, baut zum Beispiel Muskeln für eine gute Körperhaltung auf und sorgt für gute Ausdauer.

Mindestens eine Stunde pro Tag sollten Kinder sich so stark bewegen, das sie ins Schwitzen kommen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation. Das tut gerade einmal ein Drittel der Kinder und Jugendlichen. Und auch die Bewegung unter freiem Himmel kommt bei Kindern zu kurz. „Mit dem Schuleintritt spielen Kinder immer weniger im Freien“, sagt Opper. So sind Vier- bis Fünfjährige noch an sechs Tagen pro Woche draußen aktiv, Schulkinder einen Tag weniger. Den Tagesablauf von Grundschülern hat Frank Obst von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) dokumentiert: „Von 24 Stunden verbringen die Kinder zehn Stunden mit Schlafen, neun Stunden im Sitzen in der Schule, bei Hausaufgaben, Essen, Computer und Fernsehen, vier Stunden mit Stehen und normalem Gehen“, sagt der Diplom-Sportwissenschaftler.

Bleibt noch eine Stunde am Tag für Bewegung und Sport. „Und die wichtige intensive Bewegungszeit, in der sich Kinder wirklich anstrengen, liegt gerade mal bei 15 bis 30 Minuten.“ Diese kurze Zeit in der Kinder Sport treiben reicht nicht aus, um motorische Basiskompetenzen wie Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen zu trainieren.

Mit gutem Vorbild voran

Also hilft nur: Weg vom Computer und Fernseher? „Der erste Schritt für eine Bewegungsförderung ist tatsächlich, den Medienkonsum einzuschränken“, rät Obst. Zum Beispiel Fernsehen direkt nach der Schule oder aus reiner Langeweile. Aber Playstation, Gameboy & Co. sind nicht allein Schuld am Bewegungsmangel. „Früher eroberten sich Kinder ihre Umgebung in konzentrischen Kreisen“, sagt der Experte für motorische Entwicklung. So haben sie zuerst in der Nähe des Elternhauses gespielt, dann in der weiteren Nachbarschaft und haben schließlich den ganzen Ort erkundet. „Heute lebt das Kind auf verschiedenen ,Inseln‘: Wohnung, Schule, Musikunterricht, Freunde. Die Brücken zwischen diesen Inseln sind inhaltslos, weil meistens jemand das Kind fährt“, sagt Obst. Früher verabredeten sich Kinder auf dem Schulweg oder gingen einfach raus, es fand sich ja meist ein Spielkamerad in der Nachbarschaft. „Heute muss ein Kind nach der Schule erst einmal telefonieren. Und nicht immer haben seine Freunde Zeit, weil die auch einen Terminplan mit Musikschule, Verein etc. haben.“

Gesundheit

Kinderfüße brauchen Bewegung

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Was Kindern sicher zu mehr Bewegung im Alltag verhilft: gute Vorbilder. Da sind Eltern gefragt! Egal, ob es bequemer ist, schnell mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren oder den Feierabend auf der Fernsehcouch zu verbringen: Gehe lieber zu Fuß, fahre mit dem Rad und spiele nach dem Abendessen noch eine Runde Federball mit deinen Kleinen. Das macht Spaß – nicht nur Kindern!

*von 2009 bis 2012 fand eine zweite Datenerhebung statt. Die Ergebnisse:
„Mehr als drei Viertel (77,5 Prozent) der drei bis 17-Jährigen treiben regelmäßig Sport. Knapp 60 Prozent davon sind in einem Sportverein aktiv. Etwas mehr als ein Viertel erreichen die WHO-Empfehlung und sind täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. Jüngere Kinder erfüllen diese Empfehlung eher als ältere Kinder und Jugendliche.“- Pressemitteilung zur Verföffentlichung der KiGGS-Studie 2014.

Kreativer Kindersport: So lernt dein Kind die Freude am Sport

Beim Kindersport geht es vor allem darum, die Freude an der Bewegung zu vermitteln. Kinder haben von Hause aus einen natürlichen Bewegungsdrang, dem sie beim Spielen nachgehen.

Gerade bei den jüngeren Kindern ist es wichtig, dass ohne Spielregeln gespielt wird. So können die Kinder ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Ein wesentlicher Bestandteil des kreativen Kindersports ist es, den Kindern genügend Freiraum zu geben, um eigene Erfahrungen mit dem Körper und den Lehrgegenständen zu machen.

Welcher Sport für welches Alter?

1. Die Kinder im Alter von 2-3 Jahren gehen mit Hilfe der Eltern auf Reisen und entdecken so gemeinsam die Welt der Großen. Durch Gruppenspiele, Fantasiereisen und Bewegungsparcours werden alle Sinne der Kinder angesprochen, um sie bei der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten bestmöglich zu unterstützen.

2. Bei den 3-5 Jährigen steht die Entwicklung der allgemeinen Koordination im Mittelpunkt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, diese spielerisch zu fördern, zum Beispiel mit Beweglichkeits-, Reaktions- oder Konzentrationsspielen. Bewegungsparcours und Stopptänze gehören genauso zum Kursinhalt wie Fang- oder Wurfspiele.

3. Die Kinder im Alter von 5-8 Jahren bekommen die Möglichkeit, ihre bisher erlernten Fähigkeiten zu testen. Komplexe Spiele werden aus Koordinations-, Kraft-, Ausdauer- und Beweglichkeitsübungen zusammengestellt, deren Spielregeln gemeinsam erarbeitet und deren Spielaufbau besprochen wird. Eine Kurseinheit besteht aus 3 Teilen: Anfangsritual, Hauptteil und Abschlussritual.

Für Kinder ist es wichtig, dass sie Rituale haben, die ihnen Sicherheit, Halt und Geborgenheit geben.

Ein guter Aufbau für einen Sportkurs für Kinder

  • Begrüßungsritual
  • ein gemeinsamer Tanz zum Ankommen
  • Ausdauerspiel zur Steigerung der Kondition
  • Koordinationsspiel
  • Bewegungsparcours
  • Entspannungsübung / Abschlussritual

Für die Kurse sind folgende Lehrmaterialien zu empfehlen: Kastanien, Tannenzapfen, Steine, Holzelemente, Edelsteine und Konzentrationsspiele.

Bei Tierbildern ist es wichtig, auf die richtige Darstellung (Form und Farbe) zu achten. Bei Konzentrationsspielen sollte auf die Auswahl der Materialien wie zum Beispiel Holz, Wert gelegt werden.

Beispiel: Kinderkurs zum Thema Fußgymnastik

  • die Kinder versuchen, barfuß die kleinen Steine, die im Raum verteilt sind, mit den Füßen zu greifen
  • erst wird versucht, mit jedem Fuß einzeln die Steine zu greifen
  • wenn das funktioniert, können die Kinder probieren, mit beiden Füßen gleichzeitig die Steine zu greifen und ans Ziel zu bringen
  • ältere Kinder können dabei zum Beispiel zum Ziel hüpfen, auf der Ferse laufen oder kriechen

Warum ist Kindersport so wichtig?

Durch angeleitete Übungen und Gruppenspiele trainieren die Kinder ihre Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination. Die regelmäßige Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit, die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder.

Am Ende jeder Kurseinheit sorgen Entspannungsübungen für ruhige Minuten. Die Kinder massieren sich gegenseitig, malen oder träumen einfach nur zusammen. So haben die Kinder etwas Zeit für sich, um vom Alltag abzuschalten.

Der Kindersport findet ohne Schuhe statt. So haben die Kinder die Möglichkeit, in einem Barfußparcours die verschiedenen Untergründe mit ihren Füßen zu ertasten.

Das Barfußlaufen ist gerade im Kleinkindalter sehr wichtig, damit sich die Muskulatur der Füße optimal entwickeln kann. Viel zu oft tragen Kinder zu enge oder kleine Schuhe. Dies kann zu Fehlstellungen der Kinderfüße führen und spätere Folgen am gesamten Bewegungsapparat hervorrufen.

Die Füße sind unser Fundament, auf dem wir das ganze Leben lang stehen.

Wo kann man Sport mit Kindern machen?

Kindersport wird überwiegend in Sportvereinen angeboten. Die Kurse finden meist in Turnhallen statt, in denen ein Kletterparcours zusammen aufgebaut wird. Hier können sich die Kinder austoben, klettern und balancieren.

Aber auch kleine selbständige Unternehmen bieten Kurse in kleineren Gruppen an. Hier werden die Kurse durch ausgebildete Pädagogen und Trainer angeleitet. Die Teilnehmerzahl liegt zwischen 8-10 Eltern-Kind-Paaren oder Kindern.

Es empfiehlt sich immer, zunächst eine Schnupperstunde zu besuchen. So kann man schnell herausfinden, ob der Kurs für das Kind geeignet ist.

Einzelne Anbieter bieten zusätzlich ihre Kurse von Mai bis Oktober im Freien in ausgewählten Grün- und Parkanlagen an.

Was benötigt mein Kind für den Kindersport?

  • bewegungsfreundliche Kleidung
  • eine kindgerechte Trinkflasche mit Wasser
  • eventuell Stoppersocken oder Gymnastikschlappen

Auch Ruhephasen sind wichtig für Kinder

Wenn dein Kind mal nicht so aktiv ist, lass es etwas träumen, malen oder – wenn es das möchte – instrumentale Musik hören.

Instrumentale Musik muss nicht gleich Klassik bedeuten, auch Filmmusik, die Piano-Version von einem bekannten Lied oder der Titelmusik von Pippi Langstrumpf können sehr beruhigend und inspirierend auf das Kind wirken.

Es ist für Kinder sehr wichtig, dass sie regelmäßige Pausen machen. Unsere Kinder werden bereits ab der Geburt mit Einflüssen von außen konfrontiert – bunte, blinkende Lichter, Geräusche (Straßenverkehr, laute Musik) oder Menschenmassen sind da nur einzelne Beispiele.

Kinder lernen sehr schnell, dennoch solltest du darauf achten, dass man sie nicht überfordert. Lass dein Kinder ruhig etwas entspannen.

Expertin: Manjulali Manjulali ist Tänzerin, Choreografin und Tanzlehrerin im Bereich Bauchtanz und Bollywood Dance. Sie bietet Bauchtanz- & Sportkurse für Schwangere und Mütter mit ihren Babies in Berlin an und kreativen Kindertanz unterrichtet sie liebevoll für Kinder ab 2 Jahren. Buchtipp Inspirierende Spielideen

Was sollten Kinder mit Asthma beim Sport beachten?

Viele Eltern von Kindern mit Asthma reagieren besorgt, wenn es darum geht, dass das Kind am Schulsport teilnehmen soll. Denn körperliche Betätigung kann die Symptome von Asthma verstärken. Allerdings gibt es keine Sportarten für Kinder mit Asthma, die grundsätzlich ungeeignet wären. Einige können sogar einen positiven Effekt auf die Asthmaerkrankung haben. Darüber hinaus ist es für das an Asthma erkrankte Kind auch in psychosozialer Hinsicht wichtig, dass es sich nicht ausgegrenzt fühlt. Ein kategorischer Ausschluss vom Schulsport ist daher in der Regel nicht empfehlenswert.

Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten bei Kindern mit Asthma

Damit Kinder mit Asthma am Sportunterricht teilnehmen oder auch einem Sportverein beitreten können, ist eine Rücksprache mit Lehrern bzw. Trainern wichtig. Die Eltern sollten sich zuvor mit dem behandelnden Kinderarzt beraten, welche Risiken es geben könnte und die Ergebnisse mit dem zuständigen Trainer bzw. Lehrer besprechen. In der Regel soll das Kind vor der körperlichen Betätigung sein Basismedikament inhalieren und stets ein Spray zur Akutbehandlung bei sich tragen.

Der behandelnde Kinderarzt führt in der Regel einen Lungenfunktionstest bei Belastung durch, um den Grad des Belastungsasthmas zu ermitteln und die Dosis der Medikamente vor dem Sport darauf auszurichten. Es ist hilfreich, wenn auch die Lehrer/Trainer den Notfallplan des Kindes erhalten, um bei einem möglichen Asthmaanfall rasch reagieren zu können.

Empfehlungen für Sport bei Kindern mit Asthma

Grundsätzlich können Kinder mit Asthma alle sportlichen Aktivitäten durchführen wie gesunde Kinder, sofern sie basistherapeutisch optimal eingestellt sind. Allerdings sind einige Sportarten für die Asthmaerkrankung provokativer als andere. Beim Schulsport sind beispielsweise klassisches Wettrennen oder auch der 50 m-, 100 m- oder auch 800 m-Lauf für Kinder mit Asthma häufig problematisch. Eine ausreichende Aufwärmphase hilft den meisten an Asthma erkrankten Kindern bei solchen Sportarten.

Regelmäßiger Ausdauersport stärkt die körperliche Fitness des Kindes, fördert die Atemmuskulatur, unterstützt das Immunsystem und sorgt für ein seelisches Gleichgewicht. Kindern mit Asthma sollten deshalb alle Sportarten ermöglicht werden, die sie gerne ausprobieren möchten. Wichtig ist dabei, dass immer auf eine gute Aufwärmphase geachtet wird und sich das Kind nicht überfordert. Es ist wichtig, dass ein an Asthma erkranktes Kind seine Erkrankung versteht und sich beim Sport auch kurze Erholungsphasen gönnt.

Sabrina Mandel

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