Spielzeugfreier kindergarten konzept

Das Thema „Familie“ im Kindergarten aufgreifen – Warum die Umsetzung schwieriger sein kann als gedacht

Das Thema „Familie“ wird im Kindergarten regelmäßig aufgegriffen. Der Grund liegt auf der Hand: Jedes Kind ist Teil einer Familie – wie auch immer diese aussieht. Die Familie ist für Kinder identitätsstiftend, schenkt Geborgenheit und fungiert als eigener kleiner „Mikroskosmos“. Wer aber gehört überhaupt zu einer Familie? Sollten sich kreative Angebote zum Thema nur mit der Kernfamilie beschäftigen? Und wie lassen sich Projekte zu diesem Oberthema pädagogisch sinnvoll umsetzen?

Es gibt kein klassisches Familienmodell mehr

Vater, Mutter, Kinder: So ist die „klassische“ Kernfamilie aufgebaut. Allerdings gibt es heute viele weitere Familienmodelle. Das Lebensumfeld, in dem Kinder heute aufwachsen, unterscheidet sich in vielen Fällen stark von früheren Generationen. Um das zu belegen reicht ein Blick in entsprechende statistische Quellen.Im Jahr 1996 lebten rund 1,9 Millionen minderjährige Kinder bei nur einem Elternteil – heute sind es 2,3 Millionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kinder in der Realität wirklich nur von einer Person großgezogen werden. Häufig bleiben die Eltern nur kurz allein und haben dann neue Partner an ihrer Seite, die teilweise ebenfalls Kinder mit in die Beziehung bringen. Sogenannte „Pachtworkfamilien“ sind auf dem Vormarsch.

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Die Großfamilie hingegen, zu der neben Kindern und Eltern auch noch Großeltern gehören, stirbt aus. Aus beruflichen Gründen müssen oder wollen viele Paare ihre Heimat verlassen und ihre Kinder wachsen dann hunderte Kilometer entfernt von Oma und Opa auf. Das gilt natürlich insbesondere auch für Kinder mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskinder, die teilweise sogar Brüder, Schwestern oder sogar ein Elternteil in der Heimat zurücklassen mussten als sie vor Krieg und Verfolgung flohen. Und dann gibt da ja noch die sogenannten „Regenbogenfamilien“. Konservative Schätzungen, die bereits einige Jahre alt sind, gehen davon aus, dass mindestens 200.000 Kinder in Deutschland bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen. Vermutlich ist die Zahl heute viel höher, denn zumindest lesbischen Paaren werden jetzt weniger Steine in den Weg gelegt, wenn sie sich Kinder wünschen. Die Anzahl von Jungen und Mädchen, die ihren biologischen Vater zunächst nicht kennen und von zwei Frauen großgezogen werden, wächst stetig an. Schwule Paare haben es hingegen schwer sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Die Hürden für Adoptionen sind in Deutschland sehr hoch, Leihmutterschaft ist verboten. Alles in allem wird jedoch deutlich, dass sich die Gesellschaft verändert – und mit ihr die Familie. Das Thema lässt sich daher also möglicherweise gar nicht so leicht im Kindergarten umsetzen wie es zunächst scheint.

Kinder haben oft einen anderen Blick auf ihre Familie als außenstehende Erwachsene

Wer für ein Kind im Kindergartenalter zu dessen Familie gehört ist eine sehr individuelle Einschätzung. Wird es ohne weitere Erklärung dazu aufgefordert alle Familienmitglieder zu nennen könnte die Antwort aus der Sicht eines Erwachsenen durchaus seltsam ausfallen. Für manche Kinder gehören die Großeltern ganz selbstverständlich zum engeren Familienkreis dazu, für andere nicht. Macht das eine Kind keinen Unterschied zwischen dem leiblichen und dem Stiefvater, sieht ein anderes diese Dinge vielleicht schon sehr differenziert. Ein weiteres Kind hat vielleicht keinen Kontakt zu seinem Vater, dafür liebt es aber möglicherweise seinen Onkel heiß und innig. Für einige Kinder ist es ganz normal, dass Frauen auch Frauen und Männer auch Männer heiraten können, andere sind vielleicht irritiert, wenn sie dies hören. In diesem Fall spielen natürlich auch die Erziehung sowie andere Einflussfaktoren eine Rolle: Oft kennen Vorschulkinder den Begriff „schwul“ nur als Schimpfwort. Die genannten Beispiele zeigen eines ganz deutlich: Das Thema Familie kann im Kindergarten eigentlich nicht mal eben nebenbei aufgegriffen werden. Es ist ein komplexes, sensibles und sehr persönliches Thema und lässt sich nicht mit anderen Themenbereichen wie „Tiere im Zoo“ oder „Fahrzeuge“ vergleichen, denen man sich ganz sachlich nähern kann. Eine gründliche Vorbereitung ist daher ebenso wichtig wie ein gewisses Fingerspitzengefühl. Leider gibt es immer noch Eltern die alles andere als gelassen reagieren wenn sie hören, dass der kleine Tim aus der Gruppe ihres Sohnes zwei Mamas hat oder dass der Vater der kleinen Mara seit Kurzem einen „Freund“ hat. Kinder haben noch keine Vorurteile und nehmen diese Dinge einfach hin – bei Erwachsenen sieht das auch in vermeintlich toleranten Gesellschaften wie der unseren oft noch anders aus.

Stereotype Familienbilder sollten vermieden werden

Grundsätzlich gilt: Jedes Kind verdient es, dass seine Familienkonstellation Wertschätzung erfährt. Zudem sind pädagogische Fachkräfte verpflichtet allen Kindern und Eltern mit Respekt zu begegnen und sich inhaltlich auch auf vermeintlich ungewöhnlichen Familienformen einzulassen – in Deutschland gilt das Antidiskriminierungsgesetz.Es scheint also nicht ratsam zu sein sich dem Thema Familie zu nähern, indem irgendwelche vorgefertigte Arbeitsblätter zum Einsatz kommen. Auch zu viele Vorgaben an die Kinder gilt es zu vermeiden. Wenn der Onkel oder die Patentante auf das Familienbild gemalt werden, der Papa aber nicht, so ist das zu akzeptieren. Eine Kita kann nur so offen sein, wie Eltern es sind – möglicherweise erfahren die Fachkräfte erst während eines Projektes von den Kindern selbst mit wem sie eigentlich zusammenleben und welchen Platz sie sich innerhalb der Familie einnehmen. Dabei könnten Erzieherinnen und Erzieher besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingehen, wenn sie über deren Familiensettings Bescheid wüssten. Weil das Thema aber für Kinder wichtig ist und für pädagogische Fachkräfte gleichzeitig die Chance bietet Werte wie Toleranz zu vermitteln, sollte es aufgegriffen werden, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Im Idealfall passiert das ganz unverkrampft und ohne vorgefertigte Materialien, die keine situative und individuelle Herangehensweise an die Thematik ermöglichen. Meist kommen die entscheidenden Impulse ohnehin von den Kindern selbst, beispielsweise wenn sie während des Erzählkreises vom Wochenende im Kreis der Familie berichten. Wenn ein größeres Projekt zum Thema Familie geplant ist, könnte ein Elternabend den Müttern und Vätern die Gelegenheit geben von sich aus Auskunft über die jeweiligen familiären Verhältnisse zu geben. Gerade gleichgeschlechtliche Paare sind für diese Möglichkeit die Initiative ergreifen zu können häufig dankbar, weil so andere Eltern die Chance haben ganz offen ihre Fragen zu stellen.

Initiiert vom Luzerner Verein „Akzent“, der sich mit der Unterstützung von Kanton und Gemeinden für nachhaltige Prävention und Suchttherapie einsetzt, macht der Kindergarten Wartegg zusammen mit anderen Deutschschweizer Kindergärten beim Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“ mit.
Spielen, insbesondere das freie Spiel, ist für viele Pädagogen die wichtigste Grundlage für eine gesunde Entwicklung eines Kindes, wie auch Professor André Frank Zimpel, Professor an der Uni Hamburg und Autor von mehreren Büchern zum Thema, betont. „Spielen ist die Arbeit des Kindes und seine wichtigste Tätigkeit.“ Für Zimpel ist Spielen das Beste, was ein Kind tun kann.
In ihrem Sammelband „Play = Learning“ zeigen die US-Forscherin Dorothy Singer und ihr Team auf, dass Kinder, denen zu Hause und in der Schule genügend Zeit zum Spielen gegeben wird, sich später durch bessere schulische Leistungen, durch Kreativität, Widerstandsfähigkeit (Resilienz), Selbstvertrauen und soziale Fähigkeiten auszeichnen.
Kinder sollen nicht nur so viel wie möglich spielen, sie sollen es auch so frei wie möglich machen: Das Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“ geht deshalb noch einen Schritt weiter: weg vom Konsumzwang, weg von vorgegebenen Spielideen, hin zum konzentrierten, kreativen, vertieften Spielen, so die Grundidee der Aktion, die 1993 von Elke Schubert und Rainer Strick von der Aktion Jugendschutz München gegründet wurde. Ihr Credo:
Die Stärkung der Lebenskompetenzen ist die wirksamste Form der
Suchtprävention.

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Kinder spielen. Sei es zu Hause, im Kindergarten, allein oder gemeinsam mit anderen Kindern – nichts prägt den Alltag der Kinder so sehr wie das Spiel. Gemeint ist dabei ein freies Spielen, bei dem die Kinder allein entscheiden, womit sie sich zu welchem Zeitpunkt beschäftigen möchten.

Sie folgen dabei ihren Wünschen und ihrem eigenen Tempo und können ihre kindliche Fantasie und Kreativität ausleben. Die Kinder erkennen so vielfältige Zusammenhänge, nehmen Wissen auf und machen eigene Erfahrungen – sie erforschen und entdecken die Welt im Spiel.

Spielen ohne Spielsachen

Zum Spielen gehören natürlich auch Spielsachen. Ob Puppen, Bausteine, Kuscheltiere, Puzzle oder Steckspiele, es gibt eine breite Palette an Spielzeug, das den Kindern im Alltag zur Verfügung steht und mit dem sie ganz wunderbar spielen können. Allerdings können auch nicht vorgefertigte, oft wertlos erscheinende Gegenstände und Materialien, wie Papprollen, Stoffe, Steine, Hölzer und Verpackungsmaterialien, den Kindern zum Spielen dienen.

Die Materialien können auf unterschiedlichste Art und Weise von den Kindern genutzt, kombiniert und verändert werden. Sie eignen sich deshalb ausgezeichnet, um die kreativen und einzigartigen Spielideen der Kinder weiterzuentwickeln. Ob eine Gruselhöhle, ein Labyrinth aus Tischen und Stühlen, ein Turm aus Steinen oder eine Ritterburg, den Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.

Ein lohnenswertes Experiment

Bei dem Konzept einer spielzeugfreien Zeit soll es nicht darum gehen, alle vorgefertigten Spielsachen für immer zu verbannen oder gar zu verteufeln. Sondern vielmehr darum, den Kindern eine Pause von den unzähligen Spielsachen zu gönnen und ihnen neue Anregungen zu bieten. Häufig ist das Angebot an Spielzeug in den Kinder- und Spielzimmern sehr groß und damit auch überfordernd für die Kinder, da sie zwischen vielen verschiedenen Spielsachen wählen können, sie häufig austauschen und dadurch vielen Dingen nur kurz Aufmerksamkeit schenken.

Auch im Kinderzimmer zu Hause kann es sich lohnen, das Spielzeug für einige Zeit wegzuräumen.

Werden die Regale und Schränke einige Zeit von all diesen Spielsachen befreit und stattdessen zum Beispiel mit Tüchern, Kartons, Wäscheklammern, Seilen und Fäden gefüllt, können die Kinder zahlreiche eigene, fantasievolle Spielideen entwickeln.

Der FRÖBEL-Kindergarten Farbkleckse in Hürth hat diese Erfahrung der spielzeugfreien Zeit bereits gemacht. Nach anfänglicher Irritation über das Fehlen der gewohnten Spielsachen fingen die Kinder an zu planen, zu entdecken und neue Materialien auszuprobieren. Durch die vielfältigen Wege und Möglichkeiten, die Materialien zu nutzen, sprechen sich die Kinder ab, äußern ihre eigenen Bedürfnisse, treffen Entscheidungen, lösen Konflikte und werden kreativ sowie erfinderisch.

„Wir beobachten bereits in der ersten Woche, dass die Kinder sehr kreativ sind und ihre Entscheidungsspielräume aktiv nutzen. Im Vordergrund steht der Einfallsreichtum für neue, selbst erdachte Spiele, die Fähigkeit, andere Kinder für Spielideen zu begeistern oder sich in die Spielideen der anderen einzubringen“, berichtet Carina Dreyer, Leiterin im Kindergarten Farbkleckse.

Auch im Kinderzimmer zu Hause kann es sich lohnen, das Spielzeug für einige Zeit wegzuräumen. Begibt man sich gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach anderen Materialien, kommt man ins Staunen, welche Ideen die Kinder dabei entwickeln, wie stolz sie auf ihre eigenen Werke sind und wie ausdauernd und konzentriert sie sich damit beschäftigen.

Es werden tolle und fantasievolle Spiele entstehen, ob Kostüme aus Kartons und Tüchern, Parcours aus Stühlen und Tischen oder Kunstwerke aus verschiedenen Materialien – die Liste der Möglichkeiten ist endlos.

ÜBER FRÖBEL BILDUNG UND ERZIEHUNG GEMEINNÜTZIGE GMBH

FRÖBEL ist Deutschlands größter überregionaler freigemeinnütziger Träger von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten mit Geschäftsstellen in mehreren Bundesländern Deutschlands. Über 13.000 Kinder werden bundesweit von knapp 3.000 Mitarbeiter(inne)n betreut. Darüber hinaus betreibt FRÖBEL in Australien, Polen und in der Türkei Kindertageseinrichtungen.

Spielzeug

Jeder von uns war auch einmal ein Kind, das am liebsten den ganzen Tag mit Spielzeugen gespielt hat. Besonders Puppen, Autos, Lernspiele, Kuscheltiere und Ausmalbücher sind sehr beliebt bei den Kleinen. Doch haben Sie sich schon einmal Gedanken über ein Spielen ohne Spielzeug gemacht? Funktioniert dies überhaupt? Bisherige Erfahrungen damit sind positiv und es stellt sich heraus, dass die Langweile und der Streit unter den Kindern geringer sind als mit Spielzeug. Besonders wirkt sich dies auch auf die Entwicklung der Kinder aus, da die Fantasie angeregt und die Eigeninitiative gefördert wird. Die Kinder werden dadurch aktiv, setzen ihre Fantasien ein und denken sich neue Ideen für Spiele aus, die sie selber erfinden. Somit werden Tischtücher, Laken, Möbelstücke, Seile und andere Alltagsgegenstände schnell zu interessanten Spielzeugen. Des Weiteren kann ein viel engerer Kontakt untereinander aufgebaut werden. Dadurch festigen sich die Beziehungen der Kinder und ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und Sicherheit kann gewonnen werden. Durch die eigenen Ideen, die die Kinder umsetzen möchten, müssen sie sich untereinander mitteilen, wodurch die Sprachentwicklung enorm gefördert wird. Aus diesen Gründen sollten Kinder nicht zu viel Spielzeug besitzen.

Vorgehensweise

Die Vorgehensweise für Spielen ohne Spielzeug ist ganz einfach. Zuerst müssen die Kinder eingeweiht werden, da ansonsten der Schock zu groß ist, wenn die Spielzeuge von heute auf morgen verschwunden wären. Erklären Sie Ihrem Kind welchen Sinn es hat die Spielzeuge für eine gewisse Zeit zum Beispiel in den Keller zu räumen. Beantworten Sie alle Fragen des Kindes dazu ausführlich, damit es dies nachvollziehen kann und nennen Sie einen Termin, an dem die Spielzeuge wieder hervorgeholt werden. Zusammen mit dem Kind können die Spielsachen dann in Kartons gepackt und in den Keller oder auf den Speicher gestellt werden. Besitzt Ihr Kind allerdings ein Lieblingsspielzeug, wie zum Beispiel eine Puppe, Feuerwehrauto oder Kuscheltier, muss das natürlich im Kinderzimmer bleiben. Sind Sie sich nicht sicher an welchem Dingen das Kind besonders hängt, dann lassen sie es sich ein bis zwei Sachen aussuchen, die dableiben dürfen. Um den Kindern das Wegräumen zu verdeutlichen, kann Ihnen gesagt werden, dass die Spielzeuge in den Urlaub fahren für 2 Wochen.

Spielideen ohne Spielzeug

Es gibt unzählige Spiele, die ohne Spielzeug gespielt werden können. Nachfolgend nennen wir Ihnen einige Ideen und Anregungen für Ihre Kinder. Stehen den Kleinen zum Beispiel Stoffreste zur Verfügung, können sie hieraus Armbänder, Stirnbänder, Mützen, Schals, Röcke und viele weitere Kleidung und Accessoires basteln. Die tollen Kreationen können die Kinder den Erwachsenen bei einer Modenschau vorstellen. Ist es wieder einmal ein verregneter dunkler Tag, dann bieten sich vor allem Schattenspiele an. Die Kinder sammeln zuerst kleine Gegenstände im Haus. Dazu gehören unter anderem Plastikflaschen, Stifte, kleine Handtücher und Löffel. Der Rollladen im Zimmer wird heruntergelassen und eine Lampe angeschaltet. Jetzt können die Kinder lustige Schattenspiele mit denen von ihnen gesammelten Dingen veranstalten. Wenn ein Blatt mit einem Pin an der Wand befestigt wird, können die Schattenbilder sogar abgezeichnet und später ausgemalt werden. Sie kennen sicher auch noch Pipi Langstrumpf? Pipi hat damals mit Annika und Tom auch immer ohne Spielzeuge gespielt. Eines ihrer Lieblingsspiele war es den Boden nicht zu berühren. Hierbei müssen Stühle, Sofas, Tische, Pappteller, Kissen und große Töpfe in einer Art Parcours aufgestellt werden. Ziel der Kinder ist es den Parcours zu besiegen ohne den Boden zu berühren. Der Parcour lässt sich durch Ideen der Kinder durch das komplette Haus erweitern. Ein weiteres tolles Spiel ist „Merken“. Zuerst nimmt man ein großes Tablett und ein Tuch, das größer ist als das Tablett. Die Kinder suchen dann mehrere kleine Gegenstände und legen diese auf das Tablett. Alle merken sich die Dinge, die sie auf dem Tablett sehen. Danach wird das Tuch darüber gelegt. Jetzt packt ein Kind unter das Tuch und entnimmt einen Gegenstand ohne das die anderen diesen sehen. Das Tuch wird weggenommen und alle müssen raten was auf dem Tablett fehlt. Sehr bliebt ist auch das Spiel „Schmecken“. Dazu benötigen Sie einen Teller, ein Tuch und verschiedene essbare Sachen. Hierzu eigenen sich vor allem Salz, Zucker, Ketchup, Mayonnaise, Senf, Butter, Joghurt, Frischkäse und Marmelade. Diese Sachen werden klecksartig auf dem Teller verteilt. Jetzt bekommt ein Kind die Augen mit dem Tuch verbunden. Der Teller wird gedreht, das Kind muss mit dem Zeigefinger auf den Teller tippen und an seinem Finger schmecken. Dann muss es erraten, was es geschmeckt hat. Sehr lustig ist dabei der Gesichtsausdruck des Schmeckers, der die anderen Kinder zum lachen bringt. Eine weitere tolle Beschäftigung sind Naturmandallas. Hierzu müssen lediglich Steine in verschiedenen Größen und Farben in der Natur gesammelt werden. Später lassen sich diese zu schönen Naturmandallas zusammensetzen wie ein Puzzlespiel. Ihnen und Ihren Kinder fallen bestimmt noch weitere Sachen ein, die sich als Spielzeug umgestalten lassen.

Spielzeug selber basteln

Allerdings lässt sich Spielzeug auch ganz einfach selber basteln. So können zum Beispiel die Papierrollen von Toilettenpapier und Küchenrolle gesammelt werden. Hieraus lassen sich sehr schnell Ferngläser basteln, indem zwei Rollen aneinander geklebt werden. Als Glas kann Frischhaltefolie genommen werden, damit es zu keiner Verletzung kommt. Besonders zur Winterzeit können durch das Fernglas Vögel beobachtet werden. Im Herbst können bei der Beobachtung der Vögel gleichzeitig Blätter gesammelt werden. Aus den Blättern lassen sich später schöne Bilder basteln, indem die Blätter verschieden gestaltet auf ein Papierbogen geklebt werden.

  • Der spielzeugfreie Kindergarten wurde in erster Linie als Suchtprävention ins Leben gerufen. Ziel ist es, einen Überfluss an Spielzeug zu verhindern und damit die Fantasie anzuregen.
  • Durch dieses Konzept verändert sich die Rolle der Erzieher. Sie treten nun nicht mehr als „Animateur“, sondern lediglich als Beobachter und Begleiter auf.
  • Der Tagesablauf folgt keiner klaren Struktur, sondern besteht aus vielen Freiräumen.

In unserer Vorstellung gehört eine Menge Spielzeug in den Kindergarten. Bei Spielzeug handelt es sich jedoch um ein beliebtes Konsumgut, welches mittlerweile im Überfluss vorhanden ist. Ein spielzeugfreier Kindergarten stellt dabei ein Modell dar, welches weitestgehend auf Spielsachen verzichtet.

In unserem Ratgeber beschäftigen wir uns näher mit diesem speziellen Konzept. Wir zeigen Ihnen, welche Auswirkungen diese Pädagogik auf den Tagesablauf hat und wie sich das Bild vom Kind und Erzieher verändert. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wie Sie den Alltag nach diesem Prinzip gestalten können. Zuletzt bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Vor- und Nachteile dieser Konzeption.

1. Spielzeugfreier Kindergarten als Suchtprävention

Der Überfluss von Spielzeug kann später zu einem erhöhten Suchtverhalten führen.

„Kinder haben einen viel zu vollen Terminkalender“, so lautet die Aussage der Projektinitiatoren des spielzeugfreien Kindergartens. Dadurch, dass keine Langeweile aufkommt, gebe es keinen Spielraum für Fantasie und Kreativität. Das meiste Kinderspielzeug ist bereits so vorgefertigt, dass es den Kindern keinen Freiraum bei der Gestaltung lässt.

Ausgangspunkt für die Entstehung des spielzeugfreien Kindergartens stellt die Beschäftigung eines Arbeitskreises mit dem Thema Sucht dar. Im Jahr 1993 entstand daraufhin das erste Projekt zum Thema „spielzeugfreier Kindergarten“.

Diese Art der Kindererziehung wird also als Präventionsmaßnahme gegen Suchtverhalten genutzt. Denn laut Forschern sei es wichtig, bereits im Kindergartenalter mit der Suchtprävention zu beginnen, damit Kinder später in kein Suchtverhalten fallen und Lebenskompetenz erwerben können.

Welt-Drogenreport

Laut Welt-Drogenreport können Projekte zur Stärkung der Lebenskompetenz einen präventativen Einfluss auf den späteren Suchtmittelkonsum haben. Das Risiko kann dadurch um etwa 20% gesenkt werden.

Lebenskompetenz bedeutet, dass Kinder

  • Partizipation erfahren.
  • Probleme eigenständig lösen können.
  • sich selbst kennenlernen.
  • kritisch denken und Entscheidungen treffen können.
  • sich in andere hineinversetzen können.
  • lernen, Stress zu bewältigen.

Wichtig: Spielen stellt ein Grundbedürfnis von Kindern da und sollte gefördert werden. Da sich bei diesem Modell in den meisten Fällen lediglich um ein Projekt handelt, ist die Entfernung des Spielzeugs für einen begrenzten Zeitraum angedacht.

2. Erzieher treten lediglich als Begleiter und Helfer auf

Ein spielzeugfreier Kindergarten fördert die soziale Kompetenz.

Die Art der Kinderbetreuung verändert sich sehr stark in einem spielzeugfreien Kindergarten. Diese Veränderung bezieht sich sowohl auf die Rolle der Erzieher und Kinder als auch auf die der Eltern. Dadurch, dass die Erzieher Spielideen und Aktivitäten nicht mehr vorgeben, sind die Kinder dazu angehalten, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Statt zu lenken, sollen Erzieher die Kinder lediglich unterstützen und bei ihren Aktivitäten begleiten. Dabei spielt auch die Beobachtung der Kinder eine wichtige Rolle. Wird ein Kind beispielsweise von der Gruppe schlecht behandelt oder ausgegrenzt, ist es wichtig, dass die Erzieher eingreifen und Unterstützung bieten.

Ein spielzeugfreier Kindergarten setzt sich außerdem zum Ziel, die Interaktion der Kinder untereinander zu fördern. Dadurch, dass sich kaum noch Materialien in der Einrichtung befinden, ist es nicht mehr möglich, sich mit einem Spielzeug in eine Ecke zurückzuziehen. Das führt dazu, dass die Kinder mehr miteinander reden und gemeinsam kreative Spiele entwickeln.

Das Konzept kann zudem nur dann sinnvoll durchgezogen werden, wenn die gesamte Familie miteinbezogen wird. Verschiedene Workshops und Elternabende sorgen dafür, dass die Eltern einen umfassenden Überblick über dieses Kindergartenkonzept bekommen. Zudem können Sie entscheiden, ob sie dieses Projekt auch Zuhause fortführen möchten.

3. Der Tagesablauf in einem spielzeugfreien Kindergarten

Spielmaterialien wie Kissen, Decken oder Tücher sind erlaubt.

Kinder müssen lange im Voraus auf dieses Projekt bzw. Modell vorbereitet werden. Das bedeutet, dass Erzieher ihnen mithilfe von Spielen oder Geschichten die Ziele des Konzepts näherbringen. So können die Kinder beispielsweise gemeinsam überlegen, was man alles mit verschiedenen Gegenständen, wie beispielsweise einem Stuhl oder einem Tisch, anfangen kann.

Daraufhin wird das Kinderspielzeug nach und nach aus den Räumen entfernt. Dass jedoch gänzlich auf Spielmaterial verzichtet wird, ist eine falsche Annahme. Vielmehr geht es vor allem darum, dass das Spielzeug im Kindergarten bewusst ausgewählt wird. Während Fertigspielzeug verboten ist, sind Naturmaterialien, Tücher, Decken und das Mobiliar durchaus erwünscht.

Die Gesamtdauer des Projekts kann mit Vor- und Nachbereitung beispielsweise etwa ein Jahr betragen. Um diese Art der Kinderbetreuung sinnvoll zu gestalten, müssen die Kinder auch hier grundsätzliche Regeln beachten. Feste Strukturen und Rituale sollten Sie hingegen für diese Zeit aussetzen, da diese dem Prinzip nicht entsprechen würden.

Es spricht nichts dagegen, den Tag mit einem Morgenkreis zu beginnen. Danach sollten die Kinder jedoch selbst entscheiden, wann sie beispielsweise frühstücken oder etwas spielen möchten. Wahrscheinlich wird es in dieser spielzeugfreien Zeit auch zu Langeweile kommen. Diese sehen Befürworter jedoch eher als Vorteil, da Langeweile die Kreativität enorm fördern kann.

Tipp: Turnen, Bewegungsspiele, Lieder singen oder Kreisspiele können so umfunktioniert werden, dass sie ohne viel Material auskommen und somit dem Prinzip entgegenkommen.

4. Vor- und Nachteile von spielzeugfreien Kindergärten

Mittlerweile gibt es deutschlandweit viele Kindertageseinrichtungen, die dieses Projekt bereits erfolgreich durchgeführt haben. Das Konzept zählt insgesamt zu den effektivsten Modellprojekten in ganz Europa. Dennoch wurde natürlich auch Kritik laut, die sich sowohl auf das theoretische Konstrukt als auch die Umsetzung bezieht.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wichtigsten Vor- und Nachteile einer spielzeugfreien Kita auf:

  • Förderung der Fantasie und Kreativität
  • erfolgreiche Möglichkeit der Suchtprävention
  • Befriedigung der individuellen Bedürfnisse der Kinder
  • Kinder erhalten Freiräume, um ihre Persönlichkeit zu entfalten
  • Stärkung der Lebenskompetenzen
  • nicht für jedes Kind geeignet
  • aktive Erziehung und Bildung rücken in den Hintergrund
  • Kinder beschäftigen sich nur mit ihren Stärken, nicht mit ihren Schwächen
  • einige sinnvolle Kindergarten-Spiele können nicht mehr umgesetzt werden

Wichtig: Jeder Kindergarten kann für sich entscheiden, in welchem Maße dieses Konzept in der Einrichtung Anwendung findet. Sie können es sowohl als Projekt als auch als Leitbild der Kita nutzen.

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Der Ursprung dieses Projektes findet sich im Suchtarbeitskreis Weilheim-Schongau. Hier entwickelte in der Unterarbeitsgruppe Kindergarten eine Mitarbeiterin des örtlichen Gesundheitsamtes, Elke Schubert, und ein Mitarbeiter des örtlichen Jugendamtes, Rainer Strick, 1992 das Konzept „Spielzeugfreier Kindergarten“ in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Kindergarten Penzberg.

Die dritte Herausgeberin dieses Sammelbandes, Ingeborg Becker-Textor, lernte die beiden Initiatoren in der Kooperation mit der Aktion Jugendschutz Bayern kennen und konnte so die Entwicklung des Projektes „hautnah“ verfolgen. Sie überzeugte das Konzept eines suchtpräventiven Projektes für den Kindergarten, das an der Lebenskompetenzförderung ansetzt. Studien aus der Präventionsforschung zeigten auf, dass diejenigen Maßnahmen am wirksamsten sind, die Lebenskompetenzen zu stärken versuchen. Wo könnte das wohl besser erfolgen als im Kindergarten? Hier sind die Kinder nicht an einen Lehrplan gebunden; sie können ihre Aktivitäten und ihre Themen frei wählen. Sie leben in einem Erfahrungsraum, den sie selbst gestalten können und in dem sie in ihren Fähigkeiten gefördert werden.

In dem Sammelband beschreiben die drei Herausgeber/innen gemeinsam mit Wegbegleiter/innen ihre Gedanken, Zielsetzungen und Erfahrungen aus den verschiedensten Blickwinkeln. Das Thema „Spielzeugfreier Kindergarten“ hat in der Folgezeit heftige Wellen geschlagen: Erzieher/innen meinten, dass Kinder sich langweilen könnten, so ohne das herkömmliche Spielmaterial. Eltern hatten Angst, ihre Kinder könnten nicht genug lernen und würden nur unzureichend auf die Schule vorbereitet. Die Spielzeugindustrie befürchtete wirtschaftliche Einbrüche, sollte sich die Idee flächendeckend durchsetzen. Das eigentliche Konzept, die Lebenskompetenz der Kinder als Prävention gegen Konsum und Sucht zu stärken, wurde von den pädagogischen Mitarbeiter/innen in Kitas, Lehrer/innen, Eltern und Dozent/innen in der Ausbildung nur unzureichend verstanden. Es wurde an anderer Stelle folgendermaßen dargestellt:

„Die Projektinitiatoren setzten sich, im Sinne einer ursachenorientierten Prävention, mit der Lebenswelt von Kindern und den sie umgebenden Konsumgütern auseinander. Eines der beliebtesten Konsumgüter von Kindern ist das Spielzeug. Spielzeug regt Kinder zu vielem an, aber wir wissen alle, dass Spielzeug heutzutage oftmals im Überfluss vorhanden ist und sich mit dem Kauf von Spielzeug Frustrationen und unbefriedigte Bedürfnisse verdrängen lassen können. Bezogen auf die Fülle der Angebote, die teilweise aufkommende Langeweile trotz oder gerade wegen des Überflusses ging es darum, wieder Spielraum zu schaffen für Phantasie und Kreativität und damit auch für Selbstbestätigung und Selbstbewusstsein. Wenn Spielen immer weniger von kindlichen Bedürfnissen und Phantasien und immer mehr von Fertigprodukten geprägt wird, die das Spiel schon vorgeben, ist es wichtig, Kindern wieder den Freiraum zu verschaffen, ‚zu sich selbst zu kommen‘, für einen begrenzten Zeitraum eine ‚Gegenerfahrung‘ zu machen. Dass sich viele Kinder diesen Freiraum nicht nehmen lassen, ist klar, aber primärpräventive Ansätze wenden sich bewusst nicht nur an eine Gruppe von im engeren Sinne Gefährdeten, sondern an alle Kinder, um auch die zu erreichen, die zunächst vielleicht nicht die Möglichkeit haben, die o.g. Kompetenzen zu entwickeln“ (http://www.spielzeugfreierkindergarten.de/fr_konzept.html)

Der Sammelband verfolgt dieses ganz besondere Konzept. Es lässt alle Betroffenen zu Wort kommen: das Kind, die Eltern, die Erzieher/innen und die Wissenschaft. Jede/r Autor/in setzt andere Schwerpunkte und regt zur Reflexion an. Die Publikation ist heute aktueller denn je. Stellen wir uns die Frage: Was brauchen unsere Kinder für die Zukunft? Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten machen sie fit für die Zukunft? Wie können wir sie vorbereiten auf ein Leben, das höchste Flexibilität, Kreativität und Ideenreichtum von ihnen verlangen wird? Die Antworten könnten lauten:

  • Förderung der Lebenskompetenz
  • Strategien zur Alltags- und Lebensbewältigung
  • Selbständigkeit und Fähigkeit zur Selbstentscheidung
  • kreative Denkstrukturen und Ideenreichtum
  • Gestaltungsfreiräume und hohes Verantwortungsbewusstsein
  • Einsatzbereitschaft und Fähigkeit des „Querdenkens“
  • Erkennen und Erfassen von Zusammenhängen als Weg zu Lösungen
  • Kommunikation, Dialogfähigkeit und Partnerschaft
  • Durchhaltevermögen, Einsatz- und Durchsetzungskraft etc.

Das Projekt startete im Jahr 1992; das Buch erschien in erster Auflage 1997 und ist inzwischen vergriffen. Aber die Website der Aktion Jugendschutz mit Hinweisen über die Entstehung des Projekts und mit den Konzeptbausteinen ist bis zum heutigen Tag gefragt. Hier heißt es noch ergänzend:

„1999 wurde dem ‚Network for Mental Health Promotion for Children up to 6 years‘ das Projekt ‚Spielzeugfreier Kindergarten‘ in Brüssel präsentiert. Dieses Netzwerk von Experten und nationalen Ländervertretern im Bereich der europäischen Gesundheitsförderung erstellte in den vergangenen zwei Jahren eine Sammlung von Projekten im Bereich der Gesundheitsförderung für Kinder bis 6 Jahre. Bei dem erstellten ‚Directory of Projects in the European Union‘ wurde das Projekt ‚Spielzeugfreier Kindergarten‘ bei über zweihundert eingereichten Projekten aus ganz Europa in die ausgewählte Liste der ‚effektiven Modellprojekte‘ ausgewählt und aufgenommen“ (http://www.spielzeugfreierkindergarten.de/fr_konzept.html).

Deshalb: Das Konzept „Spielzeugfreier Kindergarten“ ist wohl schon ein alter, aber auch für die Zukunft bedeutsamer pädagogischer Ansatz!

Inhalt

Ingeborg Becker-Textor: Einleitung

Elisabeth Seifert: Kinder stark machen – Suchtvorbeugung im Kindergarten

Anna Winner: Zum Begriff Lebenskompetenzen

Rainer Strick: Kindheit ist kein Kinderspiel – Kindheit heute

Rainer Strick: „Spielzeugfreier Kindergarten“ – von der Analyse zum Konzept

Praxisberichte aus dem Kindergarten

  • Ingeborg Heigl: Neue Wege
  • Gudula Brunner: „Spielzeugfreier Kindergarten“ – Projekt im Kindergarten Hochstand
  • Iris Hepp, Dagmar Köhler, Maria Schlögel: Spielzeugfreie Zeit im Städtischen Kindergarten Penzberg
  • Regula Schenker: Die Reise über die sieben Berge – ein Erlebnisbericht
  • Wilfried Heuser: Natu(e)rliches Spielen – der Intuition eine Chance
  • Dietmar Ahl: „Spielzeugfreier Kindergarten“ – Erfahrungsbericht eines Vaters
  • Nannette und Norbert Meyer-Sand: Elternbericht „Spielzeugfreier Kindergarten“ – unsere Erlebnisse
  • Natalie Dunkl: Natalie, 8 Jahre, blickt zurück; „Spielzeugfreier Kindergarten 1995“
  • Mirjam Kaiser: Spielzeugfreie Krabbelstube Weihenstephan
  • Ingrid Steinmüller: „Spielzeugfreier Hort“, eine Zielgruppe nach dem Kindergarten
  • Edith Bieri: „Spielzeugfreier Kindergarten“ – Erfahrungsbericht aus der Schweiz
  • Ingeborg Becker-Textor: Spiele aus dem Nichts – Beispiele eines Elternabends und einer Familienfreizeit

Anna Winner: Ergebnisse der Begleitstudie: Der „Spielzeugfreie Kindergarten“ – ein Projekt zur Förderung von Lebenskompetenzen bei Kindern?

Elke Schubert: „Spielzeugfreier Kindergarten“ – ein Projekt zur Suchtprävention und Lebenskompetenzförderung sowie der Gegensätze. Resümee und Ausblick

Ingeborg Becker-Textor: Nachwort – oder Impulse für die Zukunft

Elisabeth Seifert: Zusammenstellung von weiterführendem Material

Anhang: Autorinnen und Autoren

Spielzeugfreie Zeit

Projektthema: Spielzeugfreie Zeit im Kindergarten oder Hort
Projektinhalte: Ausräumen des klassischen Spielmaterials, Bereitstellung „wertloser“ Materialien
Materialien: Pappkartons, Pappröhren, Papier, Farben, Holzmaterialien, Werkzeuge, Behälter in unterschiedlichen Größen, Sortiermaterial (Knöpfe, Wäscheklammern, Steine, Eisstiele, usw.), Kissen, Decken, Tücher, Matratzen usw.
Alter: 1 – 10 Jahre
Vorbereitung: Eltern und Kinder im Vorfeld informieren, Abstellmöglichkeiten für das Spielzeug gewährleisten, früh genug mit dem Sammeln von Materialien beginnen

Ziele des Projektes: Förderung der Kreativität und Phantasie: Durch das Wegfallen herkömmlicher Spielzeuge finden Kinder neue Wege, sich mit Alltagsmaterialien zu beschäftigen und Ideen zu den neuen Materilien zu entwickeln. Förderung der Kommunikation und des Sozialverhaltens: In der Auseinandersetzung mit den neuen Materialien wird der Dialog unter den Kindern gefördert. Es müssen neue Spielregeln ausgehandelt, Ideen formuliert und Verteilungsprozesse geregelt werden.</td Stärkung des Selbstbewusstseins Die Kinder lernen eigene Stärken und Schwächen kennen, kreative Prozesse und Erfindungen rufen Stolz hervor und zudem lernen die Kinder Frustrationen im Umgang mit den Materialien auszuhalten.

Alle Ziele führen dazu, die Kinder stark zu machen und sie damit vor potentiellen Suchtgefahren zu schützen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass vor allem die Kinder gefährdet sind, die in ihrer Kindheit/Jugend überwiegend Passivität und Konsum erfahren haben.


Eine Höhle aus Kartons und Pappe.

Eine Stromanlage aus Eierkarton und Strohhalmen.

In der Zeit ohne Spielzeug diskutieren die Kinder intensiv miteinander, es finden sich neue Spielpartner und Spielgruppen und die Tätigkeiten und Spielideen der Kinder gehen oft über mehrere Tage.

Durchführung

Wenn ihr zum ersten Mal das Projekt „spielzeugfreie Zeit“ in eurer Einrichtung durchführt, solltet ihr auf jeden Fall im Vorfeld einen Elterabend zum Thema anbieten.

Spielzeugfrei heisst nicht ohne alles:
Daher müsst ihr prüfen, ob ihr genug Alltagsmaterial im Haus und im Garten im Angebot habt. Wenn nicht, so müsst ihr früh genug anfangen zu sammeln. Natürlich sollen die Kinder im Laufe der Zeit auch eigenständig überlegen, was sie alles noch benötigen um eigene Ideen und Erfindungen umsetzen zu können.

Beginn des Projektes:
Nachdem ihr mit den Kindern über das anstehende Projekt gesprochen habt, solltet ihr mit ihnen gemeinsam das Spielzeug aus den Räumen tragen. So können sich die Kinder besser auf die neue Situation einstellen.

Dauer des Projektes:
3 -4 Wochen sollte das Projekt schon dauern. Es kann zu Startschwierigkeiten kommen, denn die Kinder müssen sich ja zunächst an die neue Situation gewöhnen. Gebt euren Kindern genug Zeit zur Entwicklung neuer Spielideen. Hilfreich ist es, wenn während der spielzeugfreien Zeit nicht zu viele Termine außer Haus stattfinden.

Morgenkreise, Kinderkonferenzen und AG´s,
können weiterhin stattfinden. Diese Rituale geben vielen Kindern Sicherheit und eine Orientierung über den Tag.

Häufige Beobachtungen während der spielzeugfreien Zeit:

  • Zu Beginn sind einige Kinder zuweilen unsicher und ohne Ideen. Die Lautstärke in den Räumen kann ansteigen.
  • Einige Kinder stecken vom ersten Tag an voller Tatendrang und zeigen sich sehr kreativ.
  • Die Ideen und Erfindungen der Kinder werden von Tag zu Tag umfassender: komplexe Maschinen, Häuser und Höhlen werden gebaut.
  • Häufiger als sonst entwickeln die Kinder neue Rollenspiele in kleinen und großen Gruppen.
  • Die Kinder reden viel miteinander: Regeln werden ausgehandelt, Ideen diskutiert, die Verteilung von Materialien besprochen und Erfahrungen ausgetauscht.
  • Auch die ErzieherInnen haben anfangs Schwierigkeiten sich von der Rolle der Anleiter/Motivierer/Ideengeber in eine rein beobachtende Rolle zu begeben.
  • Nach wenigen Tagen entwickeln die Kinder immer neue Ideen und es herrscht eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Fast alle Kinder können nun mit dem reduzierten Materialangebot gut umgehen.
  • Den meisten Kindern gefällt die spielzeugfreie Zeit zunehmend. Auch viele Eltern geben positives Feedback.
  • Nach Beendigung der spielzeugfreien Zeit wird das alte Spielzeug wieder dankbar angenommen.

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