Späte schwangerschaft wahrscheinlichkeit

Inhalte

In dem Film „Buena Vista Social Club“ erzählt der seinerzeit 90-jährige Gitarrist Compay Segundo stolz von seinen fünf Kindern. „Im Moment setze ich alles daran, noch ein sechstes zu bekommen“, fügt der Kubaner mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. Was der legendäre Musiker vermutlich nicht wusste: Der neuerliche Nachwuchs hätte ein höheres Risiko, an einer schweren Erkrankung zu leiden. Denn immer mehr Studien erhärten eine im Grunde einleuchtende Theorie: Je älter der Vater bei der Zeugung ist, desto eher kommt sein Kind ungesund zur Welt oder erkrankt im Laufe seines Lebens. Und auch für die Mutter kann die Schwangerschaft offenbar gefährlicher sein, wenn der Vater nicht mehr der Jüngste ist. Doch wie groß ist die Gefahr für Mutter und Kind tatsächlich?

Gemeinhin wird angenommen, dass Männer ein Leben lang Kinder bekommen können, Frauen aber nicht. Und in der Tat – während Männer bis ins hohe Alter Spermien produzieren, versiegt bei der Frau mit den Wechseljahren der Vorrat an Eizellen. Außerdem häufen sich kindliche Erkrankungen mit steigendem mütterlichen Alter.

Das Risiko für eine Trisomie 21 – auch als Down-Syndrom bekannt – liegt für Kinder von 25-jährigen Müttern bei eins zu 1000. Bei 40-jährigen Gebärenden aber ist bereits jedes hundertste Kind betroffen, und bei 48-jährigen fast jedes Zehnte. Der Grund: Bereits im Jugendalter ist der gesamte Vorrat an Eizellen angelegt. Wenn es zur Befruchtung kommt, kann eine Eizelle also schon mehrere Jahrzehnte alt sein – mit einem entsprechend erhöhten Risiko für genetische Veränderungen und einer fehlerhaften Verteilung der erbguttragenden Chromosomen.

Die Probleme beginnen im Mutterleib

Aber auch beim Mann treten mit fortschreitendem Alter vermehrt genetische Defekte auf. Etwa 600 Zellteilungen hat eine Stammzelle bereits durchgemacht, die bei einem 50-Jährigen die Spermien bildet. Und „mit jeder weiteren Teilung steigt die Gefahr punktueller Fehlerbildungen im Erbgut“, sagt Peter Propping, Humangenetiker an der Universität Bonn und Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Humangenetik. Gleichzeitig versagen mit zunehmendem Alter immer häufiger die zellulären Reparaturmechanismen, die normalerweise solche Fehler beheben. „Damit steigt bei älteren Vätern das Risiko für Krankheiten, die auf einer solchen Punktmutation beruhen, um den Faktor zwei bis vier“, sagt Propping.

Zu diesen Erkrankungen zählt die sogenannte Chondrodysplasie, eine Fehlbildung des Skeletts mit Zwergwuchs, und auch das Apert-Syndrom, das mit Verformungen des Schädelknochens einhergeht. Auch ein bösartiger Tumor der lichtempfindlichen Netzhaut des Auges, das sogenannte Retinoblastom, ist auf eine solche Punktmutation im Erbgut zurückzuführen. Gleiches gilt für das Marfan-Syndrom, bei dem die Betroffenen hochgewachsen sind, lange, dünne Finger haben und stärker gefährdet sind, an einem plötzlichen Riss der Hauptschlagader zu sterben. Und auch eine seltene Verknöcherung der Muskulatur ist auf eine derartige Mutation zurückzuführen. Die Häufung dieser Erkrankungen bei den Kindern älterer Väter erklärt auch, warum für Samenspender in den meisten Ländern strenge Auflagen gelten: Nicht älter als 40 Jahre darf ein solcher Spender sein.

Mittlerweile erkennen Wissenschaftler, dass weit mehr Erkrankungen als bisher gedacht im Zusammenhang mit einem fortgeschrittenen Alter des Vaters stehen – auch wenn die Leiden insgesamt recht selten vorkommen. Sind die Väter älter als 40, so können die Probleme offenbar bereits im Mutterleib beginnen: Ein Forscherteam der New York Medical School hat beobachtet, dass Mütter unabhängig von ihrem eigenen Alter etwas häufiger an Schwangerschafts-Bluthochdruck litten, je älter ihr Mann war. Frauen mit dieser Erkrankung müssen meist im Krankenhaus überwacht werden, weil bei einer Verschlimmerung die Nieren der Mutter versagen können, innere Blutungen auftreten und das Kind im Mutterleib ersticken kann. Auch das Risiko einer Fehlgeburt war in der untersuchten Gruppe leicht erhöht.

Mediziner der dänischen Universität Aarhus konnten zudem zeigen, dass das Risiko für eine sehr frühe Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche doppelt so hoch lag, wenn die Väter die 50 Jahre schon überschritten hatten. Als Vergleich dienten Väter, die jünger als 25 waren. Für Kinder kann eine Frühgeburt folgenschwer sein: Sie leiden häufiger als die zum regulären Termin geborenen Kinder an Atemwegserkrankungen, an Herzrhythmusstörungen oder Hirnblutungen. Ihr Risiko, das erste Lebensjahr nicht zu überstehen, ist doppelt so hoch, schreiben die dänischen Mediziner.

Ersttrimesterscreening (NT-Screening)

Durch das Ersttrimesterscreening kann bei jeder Schwangeren zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche ein Profil erstellt werden, dass mit hoher Genauigkeit das individuelle Risiko für eine Erkrankung des Kindes an einem Down Syndrom ergibt. Diese Untersuchung ist absolut ungefährlich. Zur Berechnung des Risikos sind lediglich eine Blutabnahme (PAPP-A und das freie ß-HCG) und eine Ultraschalluntersuchung des Kindes in der 12. – 14. Schwangerschaftswoche notwendig. Dabei wird am Nacken des Kindes eine Messung („Nackenfalte“) vorgenommen. Bei einem vermehrten Nackenödem (englisch: „nuchal translucency“, abgekürzt NT) ist das Risiko für eine Trisomie 21 beim Kind deutlich erhöht. Der Messwert, die Laborwerte, das Alter der Mutter und die Schwangerschaftswoche lassen eine individuelle Risikoberechnung zu. Die Genauigkeit dieser Methode liegt bei bis zu 90 %. Wenn das Kind günstig liegt, kann auch das Nasenbein des Kindes mitgemessen werden. ( siehe auch im oberen Bild). Auch dieses Ergebnis kann in die Beurteilung des Risikos mit einbezogen werden. Durch eine Darstellung des kindlichen Nasenbeins wird die Aussagekraft der Untersuchung noch einmal verbessert. Beim Ersttrimesterscreening wird nur ein Risiko ermittelt. Es kann also nicht definitiv gesagt werden, ob das Kind eine Trisomie 21 hat oder nicht! Dies kann nur durch eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Chorionzottenbiopsie sicher geklärt werden.

Darüber hinaus findet man bei Kindern mit krankhaft erweiterter Nackentransparenz gehäuft Herzfehler, Skelettfehlbildungen und andere Krankheitssyndrome.
Aber: ganz wichtig zu wissen, die meisten der Kinder mit einer leicht verdickten Nackentransparenz sind völlig gesund!!
Diese Messung setzt ein hochauflösendes Ultraschallgerät sowie Erfahrung des Untersuchers voraus.
Dr. Coenen, Fr. Dr. Nemes-Coenen ,Fr. Schencking und Fr. Dr. Dömer sind von der Fetal Medicine Foundation Deutschland für das Ersttrimester-Screening zertifiziert (www.fmf-deutschland.info). Sie erfüllen somit alle erforderlichen Qualitätsstandards, (die auch jährlich überprüft werden) die zur korrekten Durchführung dieses wichtigen Testverfahrens notwendig sind! Dr. Coenen ist zusätzlich noch für die Messung des fetalen Nasenbeins zertifiziert, .

Alte Väter: Höheres Risiko für das Kind?

Eine Frau, die mit 40 noch schwanger wird, erntet nicht selten besorgte Blicke. Schliesslich setzt eine ältere Schwangere sich und ihr Kind einem erhöhten Krankheitsrisiko aus. Mehrere Studien sollen jetzt bewiesen haben, dass sich auch das Alter des Vaters negativ auf das Kind auswirken kann.

Die Eizellen einer Frau werden – im Gegensatz zu den männlichen Spermien – ausschliesslich in jungen Jahren angelegt. Werden die Eizellen erst spät nach der Jugend befruchtet, sind sie bereits mehrere Jahrzehnte alt. Dadurch steigt die Gefahr eines genetischen Defekts, v.a. einer zahlenmässigen Chromosomenstörung. Liegt das Risiko für ein Kind mit der Krankheit Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, bei einer 25-jährigen Mutter noch bei 1 zu 1000, ist bereits jedes hundertste Kind einer 40-Jährigen betroffen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Ein Mann hingegen kann ständig Spermien nachproduzieren und so bis in hohem Alter Kinder zeugen. Aber nicht ganz so problemlos, wie es aussieht. Zwar stimmt es, dass die Spermienproduktion eines gesunden Mannes bis zu seinem Tod nicht eingestellt wird, jedoch nicht, dass das Alter des Mannes keine gesundheitlichen Auswirkungen auf den Nachwuchs hat. Die Stammzellen, die die Spermien herstellen, haben bei einem 50-jährigen Mann bereits rund 600 Zellteilungen hinter sich. Sie sind also auch schon gealtert, und mit jeder weiteren Teilung steigt die Gefahr von Mutationen, d.h. punktueller Fehlerbildungen im Erbgut. Und diese sind nicht ohne Auswirkungen. In der Medizinforschung werden verschiedene Krankheiten auf Punktmutuationen in der DNA zurückgeführt, wie beispielsweise Fehlbildungen im Skelett. Aufgrund dieser Gefahren dürfen Samenspender in den meisten Ländern nicht älter als 40 Jahre sein.

Doch es gibt noch andere Auswirkungen des väterlichen Alters auf die Schwangerschaft bzw. das Kind. Forscher haben herausgefunden, dass Frühgeburten und Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht bei Kindern von Vätern über 45 wahrscheinlicher sind. Die Kinder der ältesten Väter benötigten deutlich häufiger eine Atemunterstützung nach der Geburt und mussten öfter auf eine neonatologische Intensivstation aufgenommen werden. Das Risiko für die Frau, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln, nimmt bei einem Vater im Alter zwischen 45 und 54 Jahren um 28 Prozent und bei einem Alter des Mannes ab 55 Jahre um 34 Prozent zu. Die gute Nachricht: Das Risiko für die schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen Präeklampsie und Eklampsie bei der Mutter ist mit alten Vätern nicht erhöht.

Auch Hirntumore und Blutkrebs sollen nach einer schwedischen Studie häufiger vorkommen, wenn das Kind von einem Vater über 50 gezeugt wurde. Weitere Studien berichten von IQ-Gefällen zwischen Kindern jüngerer und älterer Väter sowie steigendem Schizophrenie- und Autismus-Risiko. Bislang existierten allerdings noch zu wenig Forschungsresultate, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen solchen genetisch bedingten Erkrankungen des Kindes und dem Alter des Vaters zu belegen.

Weitere Infos:

Alter Vater – Kind mit Psychoproblem?

Mehr Fehlgeburten bei älteren Vätern

Ist er älter, bekommt sie mehr Kinder

Kinderwunsch-Experte Leyendecker: Kinderwunsch nicht zu spät umsetzen!

Über die Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch, die Behandlungsmöglichkeiten und die Erfolgsaussichten auf dem Weg zum Wunschkind hat die Eltern-Redaktion von www.t-online.de mit dem Gynäkologen Gerhard Leyendecker gesprochen. Der Professor ist einer der Pioniere der Reproduktionsmedizin und „Vater“ von rund 5000 Kindern, außerdem ist Leyendecker Mitgründer des Kinderwunschzentrums Darmstadt. Im Interview kritisiert er die gesetzlichen, strukturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die mit zur Kinderlosigkeit führen.

Herr Leyendecker, ab wann spricht man von unerfülltem Kinderwunsch?

Wenn bei einem Paar, das eigentlich gesund ist und nicht verhütet, innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eintritt, kann man davon ausgehen, dass bei der Hälfte dieser Paare bei Mann oder Frau ein Sterilitätsgrund vorliegt. Normalerweise, wenn bei bei Mann und Frau alles in Ordnung ist, wenn die Zyklenphasen regelmäßig sind, wenn die Samen in Ordnung sind, und das Alter ungefähr bei 30 liegt, dann werden etwa 85 Prozent innerhalb eines halben Jahres schwanger. Das heißt, ein Paar sollte spätestens nach einem Jahr unerfüllten Kinderwunschs zum Experten gehen, um den Grund für ein Nicht-Eintreten der Schwangerschaft abzuklären (Wie Paare ohne Kinder glücklich werden können).

Fruchtbarkeitskalender – Wann sind Ihre fruchtbaren Tage?

Fruchtbarkeitskalender
Wann sind Ihre fruchtbaren Tage?

Frauen sind heute älter, wenn sie schwanger werden wollen. Wird dann das Zeitfenster nicht eng, in dem man eine Behandlung überhaupt erfolgversprechend durchführen kann?

Die Wahrscheinlichkeit pro Zyklus schwanger zu werden, nimmt mit dem Alter ab. Wir haben eine Grenze von 35 Jahren festgelegt. Bis 35 Jahren gelten bei Paaren, insbesondere natürlich bei Frauen die Möglichkeiten schwanger zu werden als nicht eingeschränkt. Aber ab dem 35. Lebensjahr wird die Chance einer Schwangerschaft deutlich geringer, pro Zyklus liegt die dann nur bei zehn Prozent. Damit sinken auch die Erfolgsaussichten für eine Kinderwunschbehandlung.

Welche Erfolgschancen können Sie den Paaren, die zu Ihnen kommen in Aussicht stellen?

Die Erfolgsraten haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Wir fanden früher eine viel deutlichere Altersabhängigkeit als heute. Die beste Schwangerschaftshäufigkeit bei Frauen ist im Alter von 30 Jahren, damit liegt in diesem Alter die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bei einer Kinderwunschbehandlung bei knapp 40 Prozent pro Zyklus. Bei Frauen zwischen 33 und 35 Jahren sinkt die Schwangerschaftsrate und die Fehlgeburtenrate steigt deutlich an, bei Frauen über 35 Jahren sinkt die Schwangerschaftsrate noch weiter. Da rechnen wir nur mit einer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 20 Prozent. Durch verbesserte Methoden der Reproduktionsmedizin, seit der Einführung der Blastozysten-Kultur in 2001 konnten wir die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bis zum Alter von 35 Jahren deutlich erhöhen; auf die Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent pro Behandlungszyklus. Außerdem konnte auch die Fehlgeburtenrate deutlich gesenkt werden.

Warum ist das Alter so wichtig?

In einem Alter von 35 Jahren wird der Faktor der schlechter werdenden Eizellen wirksam, so dass sich in diesem Alter eine deutliche Abnahme der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit vollzieht. Wir können im Mittel für Frauen zwischen 35 und 40 Jahren eine Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 30 Prozent erwarten. Allerdings dann mit einer Fehlgeburtenrate von etwa 25 Prozent.

Was könnte diese Wahrscheinlichkeit noch steigern?

Wir erwarten, dass durch eine moderne Auslegung des Embryonenschutzgesetzes die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nochmals deutlich ansteigt, auch bei Frauen jenseits der 35. Frauen sollten spätestens ab 35 versuchen, den Kinderwunsch zu realisieren. Allerdings ist mir natürlich völlig klar, wenn der Partner bis dahin fehlt und andere Faktoren eine Rolle spielen, dass dies nicht immer gelingt.

Häufig suchen Frauen den Sterilitätsgrund zuerst bei sich, aber inzwischen weiß man, dass immer öfter auch der Samen der Männer das Problem ist

Es ist natürlich für viele Männer ein Schock zu erfahren, dass ihr Samen nicht gut ist. Und da ist es unsere Aufgabe, dies rational und transparent darzustellen, was wir machen, um dennoch eine Befruchtung zu ermöglichen. Wir wollen unsere Paare, die wir behandeln, herzlich und wissenschaftlich mit in unserer Boot nehmen. Wir wollen eine Partnerschaft mit informierten Paaren, das beginnt damit, dass wir für jedes Paar ein Prognose-Profil erstellen, das die Chancen auf eine Schwangerschaft erfasst. Die Frauen wissen ab Beginn der Behandlung, mit einem Monat Vorlauf, wann sie – bei Erfolg – den Embryo eingepflanzt bekommen. Die Frauen können dann auch ihr Berufsleben darauf abstellen.

Was ist mit den Paaren, die trotz Therapie nicht schwanger werden? Wie geht man mit diesen Enttäuschungen um? Bräuchte man da nicht psychologische Betreuung?

Ja, auch dafür sind meine Kollegen ausgebildet, es gibt auch niedergelassene Ärzte, an die wir verweisen. Wir sind auch nach den Richtlinien verpflichtet, hier einen kompetenten Kollegen mit in das Team einzubinden. Wir sind nicht die Techniker, die dann sagen, hat nicht geklappt, geh wieder. Wir wollen den Patienten begleiten, bis zu dem Moment an dem wir sagen, jetzt ist wieder alles in Ordnung. Und dazwischen kann viel passieren, mit Erfolg oder leider Gottes auch mit Fehlgeburt. Die Paare wollen ja auch wissen, warum hat es nicht geklappt? Wenn die Patienten dies verstehen, wenn wir es mit ihnen durchsprechen, dann werden sie eher damit fertig. Da ist wieder diese Transparenz, die ist enorm wichtig. (Psychische Aspekte bei der Kinderlosigkeit)

Gibt es noch Möglichkeiten außerhalb Ihrer Behandlung?

Es gibt – und da machen Frauen immer mehr davon Gebrauch, besonders wenn sie älter sind – die Möglichkeit der Eizellenspende. Die ist in Deutschland nicht möglich, aber in anderen europäischen Ländern ist die Eizellenspende gesetzlich verankert und möglich, zum Beispiel in Spanien. Das wird seriös gemacht, die Frauen spenden freiwillig. Das wird in universitären Strukturen gemacht, wir arbeiten mit Valencia zusammen. Wir haben sehr gute Erfahrungen, besonders bei den Frauen, bei denen die Eierstocksreserve erschöpft ist, das sieht man daran, dass keine Blastozysten gebildet werden oder in der Therapie nur noch ein Follikel vorhanden ist. Dann deuten wir den Paaren diese Möglichkeit an. Manche haben sogar zwei Kinder auf diese Art bekommen, die sind extrem glücklich.

Stichwort „Fertilitätscheck“: Junge Frauen machen sich verrückt damit zu überlegen, wie lange habe ich noch Zeit, um den Babywunsch umzusetzen. Ist das sinnvoll? Steckt dahinter der Wunsch, alles kontrollieren zu wollen?

Was soll eine 37-Jährige machen, die dann weiß, dass sie nur eine geringe Eizellenreserve hat, aber sie hat nicht den passenden Partner? Soll sie jetzt den erstbesten heiraten? Die Initiative kam ein bisschen von den Gynäkologen, als Zusatzleistung. Ich meine, Kinder sollten früh kommen, aber es gehören immer zwei dazu, die Situation muss passen, beispielsweise die Ausbildung sollte abgeschlossen sein. Die Menschen sind heute sehr viel besser ausgebildet, aber sie rücken sehr viel später erst in die Verantwortung. Wenn jemand mit 30 Jahren sein Studium beendet hat, dann meint er ja, er hat noch gar nicht gelebt. Das ist das Dilemma, auch sich selbst etwas vorzumachen und das immer weiter hinauszuschieben: Wenn der Partner das noch nicht will? Wenn der Zeitgeist so ist, man kann Kinder immer noch später haben? Das ist das Problem. Zurück zum Fertilitätscheck: Ich persönlich fände es schon seltsam, wenn eine 34-Jährige Frau vor mir sitzen würde und sagen würde, ich möchte ein paar Eizellen auf Vorrat einfrieren. Sie kann natürlich ihre Eizellen einfrieren lassen, genauso wie ein Mann seine Samenzellen, bevor er sich sterilisieren lässt. Aber das ist ja schon fast wie in „Brave New World“, wenn das zu einer Methode würde, die sich Frauen ab dem 32. Lebensjahr überlegen. Aber ich glaube, das beste wäre ein Gesinnungswandel, nämlich zurück zur Schwangerschaft zwischen 30 und 35. Eine Schwangerschaft mit 22 als Regelfall ist heute nicht mehr denkbar. Und in Deutschland gehört es natürlich zur Problemlösung dazu, eine Lösung für die Ganztagsbetreuung zu finden. Die Kosten des Kinderkriegens müssen reduziert werden. Sie können nicht so hoch sein, dass die Frau auf ihre Lebensplanung verzichten muss.

Zu den Hoffnungen gehören auch die Risiken …

Die Risiken sind eigentlich sehr gering. Zunächst einmal haben wir es mit einer Hormontherapie zu tun, das schreckt natürlich viele, das hat einen schlechten Ruf. Aber wir nutzen ja ein Hormon, das normalerweise die Hirnanhangsdrüse abgibt. Was dann im Körper ansteigt, sind eigentlich nur die körpereigenen Östrogene. Dann reift vielleicht nicht nur ein Follikel, sondern vielleicht fünf oder sieben, das heißt, der Hormonspiegel an Östrogenen ist zur Zeit der Eizellengewinnung drei bis viermal höher. In der Schwangerschaft haben sie diese Hormone hundertfach höher, ganz natürlich. Das zweite ist: die Überstimulation. Wir können ziemlich genau definieren, welche Frauen dieses Risiko tragen. Diese Frauen haben eine riesige Reserve an bereiten Eizellen, aber da können wir die Dosis anpassen und es gibt Möglichkeiten, um das weitgehend zu verhindern. Das Risiko der Überstimulierung, die einen Krankenhausaufenthalt nach sich zieht, kann man reduzieren. Natürlich spürt man das, wenn da statt einer gleich acht Eizellen heranreifen. Früher war das ein großes Risiko. Aber man hat das heute doch deutlich besser im Griff.

Kann jeder eine Kinderwunschbehandlung durchführen lassen?

Hier in Darmstadt haben wir etwa 5000 Schwangerschaften erzielt. Wir haben also etwa dreimal die jährliche Geburtenrate der Stadt Darmstadt produziert, wobei wir ja einen großen Einzugsbereich haben. Leider sind die Kassenpatienten durch die hälftige Finanzierung in einen gewissen Nachteil geraten. Was sehr schade ist, denn diese Therapie ist so effektiv und führt zu Kindern. Gerade dass es an der Finanzierung scheitern könnte, ist sehr schade. Dann können sich junge Leute keine Kinder beziehungsweise keine Therapie leisten, nur weil sie vielleicht arbeitslos sind, vielleicht nur kurzfristig und es wäre doch schön, genau diese Phase zur Familienplanung zu nutzen. Und gerade dann ist es erschwert. Kassen zahlen auch keine Kryokonservierung. Und die privaten Kassen zahlen Kryo-Zyklen nur deshalb, weil sie dann billiger wegkommen. Eine normaler Zyklus kostet pro Patient etwa 5000 Euro, ein Kryozyklus kostet 800 Euro.

Was ist, wenn die Frau dann schwanger ist?

Wenn das Paar das Gefühl hat, die Behandlung ist hier abgeschlossen, dann kehren sie zu ihrem normal behandelnden Arzt zurück, mit dem sicheren Gefühl schwanger zu sein. Wir sagen: Vergessen sie alles, was vorher gewesen ist, sie sind jetzt total normal schwanger. Natürlich ist statistisch das Risiko, eine Mehrlings-Schwangerschaft zu haben, größer, aber in der Regel verläuft eine Einlingsschwangerschaft völlig normal und komplikationslos. Diese Bürde einer künstlichen Befruchtung müssen die gar nicht mit sich herumschleppen.

Was ist, wenn eine Frau zu lange gewartet hat? Wenn die Gynäkologen nicht frühzeitig zu einer Kinderwunsch-Therapie geraten haben?

Grundsätzlich haben wir zu den Kollegen ein gutes Verhältnis. Natürlich ärgern wir uns schon, wenn ein Kollege ein Myom übersieht oder Dysmenorhoe, also starke Schmerzen bei der Regelblutung über Jahre hinweg als normal abtut. Endometriose, also die versprengte Gebärmutterschleimhaut ist ja eine der wichtigen Krankheiten der Frauenheilkunde. Wenn das jahrelang ignoriert wird und Grund ist für jahrelange schwerste Beschwerden und wir dann eine massive Endometriose feststellen, die der Grund für das Ausbleiben einer Schwangerschaft ist, dann werden wir schon ein bisschen grantig. Denn das Gebärmutter-Bett muss intakt sein. Myome und Endometriose sind große Risiken. Bei ausbleibender Schwangerschaft, bei unerfülltem Kinderwunsch, wenn starke Schmerzen bei der Regelblutung auftreten, sollte eine Abklärung erfolgen, ob eine Endometriose vorliegt. Ein Kinderwunschpaar sollte auch darauf drängen, dass die Untersuchung des Samens des Mannes sehr früh erfolgt, das ist mit eine der wichtigsten Untersuchungen.

  • Namensfinder: Den passenden Vornamen finden

Vielen Dank für das Gespräch!

Kinderwunsch ab 35

Ferticheck – Ein neuer Test zur Bestimmung der ovariellen Reserve (biologisches Alter)

Zunehmend mehr Paare verschieben ihre Familienplanung in ein höheres Alter. Dabei stellen sich viele Frauen die Frage, ob ihre biologische Uhr schon bald abläuft oder ob sie noch genug Zeit für ihren Kinderwunsch haben. Häufig wird der Zeitraum der Fertilität (Fruchtbarkeit) der Frau überschätzt. Die Wahheit ist: die fruchtbare Periode endet bei etwa 40% der Frauen mit etwa 40 Jahren. Bereits ab dem 35. Lebensjahr sinkt die Chance den Kinderwunsch zu realisieren (siehe Abb.).

Abhängigkeit der Fruchtbarkeit vom Alter

Die „ovarielle Reserve“ der Frau ist die Anzahl der vorhandenen Eizellen aus denen sich befruchtungsfähige Eizellen entwickeln können. Leider ist diese Anzahl nicht unbegrenzt. Mit zuehmendem Alter sinkt nicht nur die Anzahl, auch die Qualität der Eier wird schlechter. Diese Entwicklung kann man nur sehr ungenau alleine durch Angabe des chronologischen Alters feststellen, da die Anzahl der Eier bei allen Frauen unterschiedlich schnell abnimmt. Pro Zyklus werden mindestens 40, möglicherweise sogar über 100 Eier verbraucht, letztendlich reift nur 1 Ei zur Sprungreife, die übrigen Eier degenerieren.

Wodurch wird die Fertilität noch beeinflusst?

Übergewicht mit einem BMI > 27 kg/m² senkt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden erheblich. Dazu kommt eine um den Faktor 1,7 erhöhte Fehlgeburtenrate. Aber auch zu dünne Frauen haben schlechtere Chancen ihren Kinderwunsch zu realisieren.

Auch Rauchen senkt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft um fast 30%. Die Fehlgeburtenrate ist bei Raucherinnen deutlich erhöht (21,4% gegenüber 16,4%). Als Faustregel gilt: Jedes Jahr Rauchen vermindert die Chance auf eine Schwangerschaft um 4%. Auch bei Passivraucherinnen verschlechtert sich, wenn auch nicht im gleichen Maße, die Chance. Wenn der Partner raucht hat dies ebenfalls einen negativen Effekt, erklärbar durch die bei rauchenden Männern nachweisbare schlechtere Spermienqualität.

Was sagt der neue Test „Ferticheck“ aus?

Der „FertiCheck“ macht eine Aussage darüber, ob die ovarielle Reserve der Frau es wahrscheinlich macht, dass eine vorzeitige Menopause (Wechseljahre) eintritt. In diesem Fall sollte man einem Kinderwunsch möglichst bald mit medizinischer Hilfe nachgehen. Aber auch mit einer ausreichenden ovariellen Reserve läuft die biologische Uhr weiter.

Wie funktioniert der Test?

Der FertiCheck besteht aus

  • einer Blutentnahme zur Hormonbestimmung und
  • einer Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken.

Alle Hormone (Ausnahme: Anti-Müller-Hormon, AMH) bieten nur in der frühen Follikelphase, d.h. in der ersten Zyklushälfte, eine optimale Aussagekraft. Daher muss die Frau den Frauenarzt in zwischen dem 3.-5. Zyklustag aufsuchen.

Welche Hormone werden bestimmt und was sagen die Werte aus?

  • FSH (Hypophysenhormon) und Estradiol (Östrogen):

Die beiden Hormone sind für sich alleine genommen keine guten Indikatoren der Fertilität. Ein hoher FSH-Wert (>8 mIU/l) kombiniert mit einem niedrigen Estradiol-Spiegel (<50 pg/ml) in der ersten Zyklushälfte gelten jedoch als auffällige Werte für einen Rückgang der Fertilität.

  • Anti-Müller-Hormon (AMH):

Das AMH ist ein Marker für die Größe der heranwachsenden Follikeln und damit der ovariellen Reserve. Der AMH Spiegel ist weitgehend unabhängig vom Zyklustag und muss daher nicht zwangsläufig am 3.-5. Tag bestimmt werden. Er fällt mit dem Alter der Frau ab. Dieser Abfall ist schon einige Zeit vor einem FSH-Anstieg zu erkennen. Bei einem Wert unter 1,0 ng/ml verringert sich die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt erheblich.

Ultraschalluntersuchung

Im Ultraschall benutzt man die Methode des Antralen Follikelcount (AFC). Hierbei werden alle zum Wachsen in diesem Zyklus vorgesehenen Eier beider Eierstöcke in der frühen Follikelphase mit einem Durchmesser von 2 mm-10mm zusammengezählt. Als gut ist ein AFC von 13 einzustufen. Allerdings ist der Normalwert von der Empfindlichkeit des Ultraschallgeräts und auch vom untersuchenden Arzt/Ärztin abhängig. Dieser Wert wird in Zukunft mit besseren Ultraschallgeräten noch steigen. Dennoch ist diese Methode für sich alleine zur Zeit die aussagekräftigste für die Einschätzung der ovariellen Reserve.

Der Test ist eine Wahlleistung und wird nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Späte Schwangerschaft: Hat das Alter der Frau Einfluss?

Mutter mit 40? Noch in den 1960er Jahren war das die große Ausnahme. Mit durchschnittlich 23 Jahren bekamen Frauen damals Kinder. Mittlerweile beträgt das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes 29,5 Jahre. Auch sogenannte Spätgebärende sind keine Seltenheit mehr. Mit steigendem Alter tritt allerdings auch das Problem Risikoschwangerschaft auf.

Wurden in den 60er Jahren alle Frauen jenseits der 30 so bezeichnet, trifft das heutzutage auf die Frauen ab 35 zu. Dabei ist eine späte Schwangerschaft mit mehr Risiken verbunden. Doch was genau heißt spät? Welche Risiken gibt es? Und welches ist das beste Alter, um Kinder zu bekommen?

Erst Karriere, dann Kinder?

Jedes vierte Baby in Deutschland wird von einer Frau zur Welt gebracht, die 35 Jahre oder älter ist. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich im veränderten Zeitgeist:

  • Viele Frauen wollen erst ihr Studium oder ihre Ausbildung abschließen, bevor sie Mutter werden.
  • Sie wollen berufliche Ziele erreichen und Karriere machen.
  • Frauen streben finanzielle Unabhängigkeit an.
  • Sie suchen länger nach einem geeigneten Partner.
  • Ein Leben ohne Kinder ist gesellschaftlich anerkannter als früher.

Früher waren die Ausbildungszeiten deutlich kürzer. Zwischen 1958 und 1977 gab es sogar noch einen Paragraphen im Gesetz, der die Berufstätigkeit von Frauen regelte. Frauen durften nur arbeiten gehen, wenn das mit ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter vereinbar war. Heutzutage definieren sich Frauen oft nicht mehr nur über die Familie, weshalb sich die Einstellung zum Kinderkriegen verändert hat.

Veränderte Umstände bei unveränderter biologische Fruchtbarkeit

Auch die Medizin hat sich verändert und bietet Paaren mit Fruchtbarkeits-Problemen die Option künstlich nachzuhelfen. Denn genau hier liegt der Knackpunkt: Während sich viele äußere Umstände und auch die Möglichkeiten verändert haben, hat sich die biologische Fruchtbarkeit von Frauen nicht verändert. Je älter eine Frau ist, desto schwieriger wird es für sie, schwanger zu werden.

Alter der Frau Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft (innerhalb eines Jahres)
20 bis 24 Jahre 86 Prozent
25 bis 29 Jahre 78 Prozent
30 bis 34 Jahre 63 Prozent
35 bis 39 Jahre 52 Prozent
40 bis 44 Jahre 36 Prozent
45 bis 49 Jahre 5 Prozent
50 Jahre und älter weniger als 1 Prozent

Umfragen haben gezeigt, dass etwa die Hälfte aller Paare zwischen 30 und 39 keine Zweifel daran hat, dass es bei ihnen mit einer Schwangerschaft klappt. Wie die Tabelle zeigt, wären Zweifel aber durchaus angebracht. Zwar achten viele Menschen heutzutage mehr auf ihre Gesundheit als noch vor einigen Jahrzehnten. An der Fruchtbarkeit ändert das aber nichts.

  • Bei einer Frau im Alter von 25 bis 30 liegt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden pro Zyklus im Schnitt bei 23 Prozent.
  • Mit 35 Jahren liegt diese durchschnittliche Wahrscheinlichkeit pro Zyklus nur noch bei 16 Prozent.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es deutlich länger dauert bis eine Frau schwanger wird – wenn es überhaupt klappt. So haben einige Frauen ab 35 zum Beispiel nicht mehr in jedem Zyklus einen Eisprung. Ihr Körper produziert weniger Hormone. Da der Eisprung eine wichtige Voraussetzung ist, kommt dann unter Umständen schon gar nicht mehr jeder Zyklus in Frage, um schwanger zu werden.

Welches ist das beste Alter um schwanger zu werden?

Ihre fruchtbarste Phase haben Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren. Am besten geeignet um schwanger zu werden sind die frühen 20er. Allerdings fühlen sich in diesem Alter viele Frauen noch nicht dafür bereit, stecken mitten in der Ausbildung und haben keine ausreichende finanzielle Absicherung für ein Kind. Die Angst vor einer ungeplanten Schwangerschaft in diesem Alter ist bei vielen größer als die Sorge, dass es irgendwann zu spät sein könnte.

Mit dem richtigen Timing die Fruchtbarkeit optimieren

Frauen können ihre Fruchtbarkeit nicht verlängern. Sie können sie aber optimal ausnutzen. 70 Prozent aller Babys entstehen am Tag des Eisprungs oder in den zwei Tagen davor. Wenn Frauen diese Tage genau kennen, können sie sie gezielt für Geschlechtsverkehr nutzen. Mit der Temperaturmethode können diese fruchtbaren Tage genau identifiziert werden. Dennoch gibt es auch dann keine Garantie für eine Schwangerschaft. Viele komplexe Vorgänge müssen dafür zusammenspielen.

Wenn Frauen nach einem Jahr regelmäßigem Sex ohne Verhütung immer noch nicht schwanger sind, sollten sie einen Arzt aufsuchen. Frauen ab 35 Jahren wird dieser Schritt sogar schon nach einem halben Jahr empfohlen. Falls eine Kinderwunsch-Behandlung nötig ist, stehen die Chancen dafür höher, je jünger die Frau ist.

Je länger Paare schon versuchen schwanger zu werden, desto unwahrscheinlicher wird eine natürliche Schwangerschaft. Eine 35 Jahre alte Frau hat nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch nur noch eine Chance von 6 Prozent pro Zyklus, auf natürliche Weise schwanger zu werden. Künstliche Befruchtung kann dann ein Thema werden – die Möglichkeiten sind heutzutage vielfältig.

Ernährung in der Schwangerschaft: Das sollten Schwangere beachtenWas dürfen Schwangere essen? Bei der Ernährung in der Schwangerschaft gibt es einige Einschränkungen – vor allem ausgewogen sollte sie sein. › mehr lesen

Risikoschwangerschaft: Das Alter ist ein entscheidender Faktor

Mit steigendem Alter sinkt nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Das Risiko für Fehlgeburten und Schwangerschaftskomplikationen nimmt zu. Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bei Frauen zwischen 20 und 29 liegt bei 10,4 Prozent. Im Alter von 35 bis 39 Jahren verdoppelt es sich fast und steigt auf 19,3 Prozent.

Je älter eine Frau in der Schwangerschaft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Chromosomenschäden beim Kind. Das Down-Syndrom ist die wohl bekannteste Ausprägung dieser Chromosomenschäden. Aufgrund eines Fehlers im Erbgut sind Kinder mit Down-Syndrom sowohl körperlich als auch geistig beeinträchtigt.

Alter der Frau Anzahl der mit Down Syndrom geborenen Kinder
20 bis 24 Jahre 1 von 1.400 Kindern
25 bis 29 Jahre 1 von 1.100 Kindern
30 bis 31 Jahre 1 von 900 Kindern
32 Jahre 1 von 750 Kindern
35 Jahre 1 von 350 Kindern
37 Jahre 1 von 225 Kindern
40 Jahre 1 von 100 Kindern
43 Jahre 1 von 50 Kindern
45 Jahre und älter 1 von 25 Kindern

Risiken einer späten Schwangerschaft

Im Mutterpass von Frauen, die während einer Schwangerschaft 35 oder älter sind steht der Vermerk “Risikoschwangerschaft”. Schwangere Frauen in diesem Alter sollten deshalb aber keine Panik bekommen. Die Risiken sind höher, müssen aber selbstverständlich nicht zwangsläufig auftreten. Die meisten Kinder kommen problemlos und gesund zur Welt.

Spätgebärende werden aber während der Schwangerschaft medizinisch intensiver überwacht. Der Vermerk im Mutterpass ist der Hinweis für Frauenärzte, auf Risikofaktoren zu achten und das Alter der Mutter bei ihren Untersuchungen zu berücksichtigen. So können einige Chromosomenschäden oder Fehlbildungen beim Kind schon während der Schwangerschaft festgestellt werden. Eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Untersuchung des Plazentagewebes kann Aufschluss geben – die Kosten werden bei einer Risikoschwangerschaft von der Krankenversicherung übernommen.

Weitere mögliche Schwierigkeiten einer Risikoschwangerschaft:

  • höhere Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt (7 Prozent im Alter von 20 bis 24 Jahren, 17 Prozent ab 35 Jahren)
  • Bluthochdruck
  • Thrombosen
  • Beschwerden des Nervensystems
  • eine tiefliegende Plazenta
  • Blutungen im letzten Schwangerschaftsdrittel
  • ältere Frauen leiden häufiger unter chronischen Krankheiten als jüngere
  • ältere Frauen sind eher übergewichtig als jüngere

All diese Umstände können sich auf die Schwangerschaft auswirken. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaftsdiabetes ist im Alter erhöht. Diese entsteht, wenn der Körper nicht genug Insulin produziert. Der Bedarf an Insulin ist in der Schwangerschaft doppelt so hoch wie sonst. Je älter die Frau ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper nicht genug Insulin produziert. Nur 1 Prozent der unter 25-jährigen sind von einer Schwangerschaftsdiabetes betroffen. Bei Schwangeren ab 35 Jahren sind es 6,5 Prozent.

Je älter die Frau, desto komplizierter kann die Geburt werden

Auch für die Geburt steigen die Risiken ab dem Alter von 35 Jahren:

  • künstliche Einleitung der Geburt
  • mehr Geburten mit Saugglocke oder Geburtszange
  • ein Kaiserschnitt wird wahrscheinlicher

Die Vorteile einer späten Mutterschaft

Der Großteil der Babys kommt ohne Komplikationen auf die Welt, auch bei Spätgebärenden. Mit 35 oder später Mutter zu werden, hat auch Vorteile:

  • Frauen sind finanziell oft besser abgesichert als in jungen Jahren.
  • Ihre Lebenserfahrung hilft ihnen, die Herausforderungen der Elternrolle besser zu bewältigen. Sie sind gelassener und “stehen mit beiden Beinen im Leben”.
  • Viele Frauen haben in diesem Alter bereits ein oder mehrere Kinder und verfügen dadurch bereits über Erziehungserfahrung.

Risikoschwangerschaft: Welche Rolle spielt das Alter des Mannes?

Nicht nur das Alter der Frau kann für eine Risikoschwangerschaft sorgen. Auch Männer können theoretisch zu alt für Kinder sein. Zwar können sie rein biologisch gesehen auch mit 70 oder 80 Jahren noch Kinder zeugen. Das Risiko für Krankheiten wie Schizophrenie oder Autismus bei den ungeborenen Kindern ist bei Männern ab 50 aber höher als in jüngeren Jahren.

Zwar sind diese Zusammenhänge deutlich komplexer als beim Down Syndrom, da nicht nur eine Genmutation dafür verantwortlich ist. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für Mutationen bei älteren Männern höher als bei jungen. Neue Spermien entstehen im Hoden durch die Teilung von Stammzellen und je häufiger sich diese teilen, desto höher ist das Risiko, dass dabei Fehler passieren.

Zwar ist es immer noch eine ziemliche Seltenheit, doch die Anzahl der Frauen, die mit 50+ schwanger werden und das späte Mutterglück erfahren dürfen, steigt heutzutage mehr und mehr an. In Deutschland lag im Jahr 1985 das Durchschnittsalter in der ersten Schwangerschaft noch zwischen 21 und 25 Jahren.

Im Gegensatz dazu liegt das durchschnittliche Alter heute zwischen 29 und 31 Jahren. Gründe für diese Entwicklung gibt es durchaus. Nicht selten liegt es daran, dass immer mehr Frauen studieren, den Kinderwunsch erst einmal hinter ihre Karriere anstellen oder dieser schlicht und ergreifend erst später einritt.

Auch der finanzielle Aspekt spielt eine immer größer werdende Rolle. Häufig sind beide Partner beruflich voll eingespannt, um den Lebensunterhalt bestreiten und sich überhaupt ein Kind leisten zu können.

Möglichkeit der medizinischen Reproduktion bei einem Kinderwunsch ab 50 – Schwanger werden mit 50 Jahren – Ist es möglich?

Im Alter zwischen 40 und 45 nimmt die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, stark ab. Die Anzahl der Eizellen sinkt kontinuierlich und auch die Qualität lässt im Alter nach. Die fortgeschrittene Medizin und die künstliche Befruchtung machen es jedoch möglich, auch mit 50 ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen. Bei einer künstlichen Befruchtung gibt es verschiedene Methoden. Allgemein verhält es sich so, dass das Baby nicht durch einen natürlichen Geschlechtsakt gezeugt wird, sondern das Ei der Frau mit dem Samen des Mannes, entweder innerhalb oder außerhalb des weiblichen Körpers, zusammengebracht und befruchtet wird.

Wie gefällt dir der Artikel bisher?Loading…

Um das Heranreifen der Eizellen zu gewährleisten und um diese zu stimulieren, wird die künstliche Befruchtung häufig mit einer vorangehenden Hormonbehandlung verbunden. Durch die verabreichten Hormone lassen die Eierstöcke mehrere Eibläschen – auch Follikel genannt – gleichzeitig reifen. Dies ist wichtig für die weitere künstliche Befruchtung, da es die Anzahl der befruchtungsfähigen Eizellen erhöht.

Hier weiterlesen: Schwanger mit 45

Doch eine künstliche Befruchtung birgt auch gewisse Risiken und Probleme. Nicht nur, dass eine künstliche Befruchtung seelische und physische Probleme mit sich bringt und dem Paar in ihrer Beziehung viel abverlangt – eine solche Behandlung wird bei Frauen über 50 zudem nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt. Das heißt, die vollen Kosten der künstlichen Befruchtung sowie der Hormontherapie, welche insgesamt mehrere Tausend Euro betragen, müssen komplett selbst übernommen werden.

Wenn die Frau gar keinen Eisprung mehr hat oder die Qualität der Eizellen nicht mehr ausreichend ist, bleibt nur noch die Möglichkeit einer komplizierten Eizellspende. Hier wird der Frau eine befruchtete Eizelle eingesetzt, welche sich dann in der Gebärmutter entwickeln kann. Diese spezielle Methode der künstlichen Befruchtung ist in Deutschland jedoch nicht zulässig.

Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft mit 50 auf natürlichem Weg

Wird eine Frau über 50 schwanger, ist das interessanterweise häufig ihr erstes Kind. Oft haben betroffene Frauen den Gedanken an eine mögliche Schwangerschaft schon längst verworfen und werden bei der Verhütung nachlässiger. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit ein Kind mit über 50 durch den natürlichen Geschlechtsakt zu bekommen relativ gering, jedoch ist es nicht unmöglich.

Wenn Frauen mit 50+ schwanger werden, dann nicht selten deshalb, weil sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass sie sich in der Menopause befinden und daher unfruchtbar sind. Paare vernachlässigen dann häufig die Verhütung und eine späte Schwangerschaft kann die unbedachte Folge sein.

Bei den Wechseljahren handelt es sich um einen komplizierten Prozess im weiblichen Körper, bei dem die Produktion der Eizellen eingestellt wird und letztendlich zur Unfruchtbarkeit führt. Doch auch wenn die Monatsblutung nur noch sehr unregelmäßig und in langen Zeitabständen wiederkehrt, kann eine Schwangerschaft nicht komplett ausgeschlossen werden. Erst wenn die Blutung mindestens ein Jahr vollständig ausbleibt und die Frau somit keinen Eisprung mehr hat, kann von einer Unfruchtbarkeit ausgegangen werden.

Auch interessant: Unerfüllter Kinderwunsch: Was könnt ihr tun?

Um festzustellen, ob noch eine Fruchtbarkeit vorliegt, kann der Frauenarzt eine spezielle Ultraschalluntersuchung oder einen Hormontest durchführen. Beide Methoden sind zuverlässig und erlauben Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit sowie den Eisprung.

Gefahren einer Schwangerschaft ab 50+

Wenn Frauen bei ihrer Schwangerschaft über 35 Jahre alt sind, wird dies im Mutterpass bereits mit einer sogenannten Risikoschwangerschaft vermerkt. Heutzutage wirkt dieser Begriff jedoch etwas überholt, denn Frauen mit Mitte 30 haben in der Regel, vor allem bei einer guten Vorsorge, keinen Grund zur Beunruhigung. Anders sieht es aus, wenn Frauen ab 50 schwanger werden. Hier steigen die Gefahren für Mutter und Kind rapide an und es wird von einer Hochrisikoschwangerschaft gesprochen.

Die Gefahren von extremen Frühgeburten und sogar Totgeburten sind statistisch gesehen deutlich höher, als bei jüngeren Schwangeren. Dadurch, dass die Durchblutung der Gebärmutter im höheren Alter immer mehr nachlässt, kann es zudem zu einer Unterversorgung des Embryos im Mutterleib kommen.

Mögliche Komplikationen einer Schwangerschaft mit 50 Jahren

Eine Folge davon ist, dass das Baby oft zu klein und mit einem zu geringen Gewicht das Licht der Welt erblickt. Auch Gendefekte wie Trisomie 21, treten bei Spätgebärenden deutlich häufiger auf. Bei Trisomie 21, welches auch Down-Syndrom genannt wird, handelt es sich um ein überzähliges Chromosom. Normalerweise ist das Chromosom 21 zweimal vorhanden, bei Kindern mit Down-Syndrom kommt dieses Chromosom jedoch dreimal vor.

Die Folgen für das Kind sind körperliche sowie geistige Einschränkungen und häufig eine Störung der Organfunktionen. Äußerlich unterscheiden sich die Kinder hauptsächlich mit ihrer kleinen Körpergröße sowie einem flachen Gesicht. Bei einer ausgeprägten Trisomie 21 kann es zudem zu Herzfehlern sowie einer Muskelschwäche kommen. Eine Blutuntersuchung in den ersten Schwangerschaftswochen, bei der genetische Auffälligkeiten festgestellt werden, gibt Aufschluss über ein mögliches Down-Syndrom des Kindes. Die frühzeitige Erkennung kann den werdenden Eltern dabei helfen, nötige Vorbereitungen zu treffen und um sich Beratung zu suchen.

Frauen mit einer Risikoschwangerschaft sind außerdem häufiger von einer Gestose betroffen. Diese äußert sich zuerst durch starke Übelkeit, Bauchschmerzen, einen erhöhten Blutdruck sowie unangenehmen Wassereinlagerungen in Händen und Beinen. Im schlimmsten Fall kann eine unerkannte Gestose, welche früher auch Schwangerschaftsvergiftung genannt wurde, zu einer Frühgeburt führen.

Auch bilden Frauen über 50 häufiger eine Schwangerschaftsdiabetes. Durch den dauerhaft überhöhten Blutzuckerspiegel kann es unter anderem dazu kommen, dass Mutter und Kind nach der Schwangerschaft an Diabetes 2 erkranken und das Kind aufgrund seines Gewichtes und der Größe, mit einem Kaiserschnitt entbunden werden muss.

Weitere Komplikationen können sein:

  • Bluthochdruck
  • Thrombosen
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Verschlechterung der Leberwerte
  • Störungen der Plazenta, welche eine Unterversorgung des Kindes mit sich bringen kann
  • Vaginale Blutungen durch eine tief liegende Plazenta

Durch die intensive Betreuung des Frauenarztes, vermehrten Vorsorgeuntersuchungen, verschiedenen Bluttests sowie zusätzlichen Ultraschalls, können eventuelle Komplikationen frühzeitig festgestellt und in den Griff bekommen werden.

Wie könnt ihr einen positiven Verlauf der Schwangerschaft unterstützen?

Eine späte Schwangerschaft bedeutet nicht zwingend, dass Komplikationen bei Mutter oder Kind auftreten müssen. Um das Risiko von möglichen Komplikationen jedoch zu reduzieren, sind für werdende Mamis ab 50 neben den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, auch eine ausgewogene Ernährung sowie Bewegung an der frischen Luft von größter Bedeutung.

Auf Extremsport sollte hingegen während der kompletten Schwangerschaft auf jeden Fall verzichtet werden. Hier ist das Verletzungsrisiko für Mutter und Kind zu groß. Außerdem sollte jeglicher Stress, sei es beruflich oder privat, stark reduziert und auf genügend Schlaf geachtet werden.

Damit ihr Körper in der Schwangerschaft mit den nötigen Nährstoffen versorgt wird, ist es wichtig vorwiegend Folsäure, Vitamin B12, Jod, Zink, Eisen, Magnesium, Vitamin A und Vitamin C sowie Omega-3-Fettsäuren und Kalzium in den Speiseplan mitaufzunehmen. Durch einen Mangel an Folsäure ist die Gefahr für das ungeborene Kind erhöht, das es mit einem offenen Rücken zur Welt kommt. Folsäure ist unter anderem in Tomaten, grünem Salat, Kohl und Hülsenfrüchten enthalten. Da der erhöhte Bedarf an Folsäure, vor und während der Schwangerschaft, kaum durch die Ernährung gedeckt werden kann, sollten täglich zusätzlich hochdosierte Folsäure-Tabletten eingenommen werden.

Um die Blutbildung sowie den Eiweiß- und Nervenstoffwechsel zu unterstützen, sollten Vegetarier und Veganer unter Umständen auf Vitamin-B-Zusatzpräparate zurückgreifen. Allerdings sollte vor jeder Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit dem Frauenarzt gesprochen werden.

Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, jodiertes Speisesalz, Milchprodukte, Avocado, Kartoffeln sowie frisches Obst und Gemüse, sind besonders wichtig für eine gesunde Entwicklung des Kindes. Bereits vor der Schwangerschaft sollte auf Alkohol sowie das Rauchen verzichtet werden.

Vorteile einer späten Schwangerschaft

Natürlich ist Spätgebärenden bewusst, dass ihr aufgrund eures Alters besonders auf den Körper achten geben müsst. Deshalb legt am besten von vornherein sehr viel Wert auf eure Gesundheit und eine nährstoffreiche Ernährung. Auch sind ältere Frauen, was ihren generellen Lebensstil angeht, gelassener und entspannter sowie in ihrer seelischen Verfassung gefestigt. Ein weiterer Vorteil ist, dass ältere Paare finanziell meist bessergestellt sind, als jüngere Paare. Somit könnt ihr euer Kind absichern und eine sichere Zukunft sowie eine gute Ausbildung ermöglichen.

Egal wie alt eine Frau während ihrer Schwangerschaft ist – das Wichtigste ist und bleibt, dass das Kind gesund zur Welt kommt sowie geliebt und umsorgt wird. Egal ob jung oder alt, jede Mutter will das Beste für ihren Schützling und wird alles in ihrer Macht Stehende tun, damit das Kind in einer liebevollen Umgebung groß wird.

Schwanger mit 40: Risiken des späten Mutterglücks

Früher war es normal, in jungen Jahren Kinder zu bekommen.
Heutzutage wollen viele Frauen erst mit beiden Beinen fest im Leben stehen, bevor sie eine Familie gründen.
Dies kann daran liegen, dass sie erst ihre beruflichen Ziele verwirklichen wollen.
Andere haben vielleicht noch nicht den richtigen Partner gefunden.
Wenn sie eine Schwangerschaft aufgeschoben haben, hören sie vielleicht jetzt ihre biologische Uhr ticken. Die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, verringert sich tatsächlich mit zunehmenden Alter. Dies liegt an der Anzahl der Eizellen, die sich verringert.
Es bedeutet jedoch nicht, dass es dem späten Wunschkind nicht genauso gut gehen kann, wie dem Kind einer jungen Mutter.

Schwanger zu werden mit 40 ist möglich, allerdings steigt das Risiko für Fehlgeburten und für Gendefekte an.

Schwanger jenseits der 30. – Eine gesunde Schwangerschaft ist möglich!

Prominente, wie Carla Bruni, oder Greena Davis machen es vor, dass es möglich ist, auch mit über 40 ein spätes Mutterglück zu erleben.
Während Carla Bruni mit 43 Jahren ihrer Tochter das Leben schenkte, bekam Greena Davis ihr erstes Kind sogar erst im Alter von 46 Jahren.
Im Alter von 48 Jahren bekam sie sogar noch einmal Zwillinge.

Immer mehr Frauen treffen bewusst die Entscheidung, erst jenseits der 30. ihr erstes Kind zu bekommen.
Studien zeigen, dass Mütter, die erst spät Kinder kriegen, ebenfalls gelassener im Umgang mit ihnen sind. Sie verfügen schon über Lebenserfahrung, sind meist unabhängiger, selbstbewusster und auch finanziell bessergestellt. All diese Faktoren können zu einer entspannten Schwangerschaft beitragen, da Stress und Sorgen sich auf das ungeborene Kind auswirken können. Vielleicht ist man mit 40 nicht mehr köperlich so fit, wie eine junge Mutter, dennoch hat man Ihnen etwas voraus.
Nämlich die psychische Stärke, die es braucht, um ein Kind großzuziehen.

Sind also die Bezeichnungen „Spätgebärende“ und „Risikoschwangerschaft“ überflüssig, oder gibt es immer noch Risikofaktoren einer späten Schwangerschaft, die trotz der fortschreitenden, medizinischen Technik bedacht werden sollten?

Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt mit 30 Jahren langsam ab. Die Chancen einer Frau, mit über 40 schwanger zu werden, liegen innerhalb eines Jahres bei 40 bis 50 Prozent, während eine Frau in den Dreißigern mit zu 75 % Wahrscheinlichkeit im gleichem Zeitraum Mutter wird.

Mit zunehmenden Alter sinkt der Prozentsatz weiter, weshalb es ab 45 Jahren sehr unwahrscheinlich wird, nochmal auf natürlichem Wege schwanger zu werden.
Jedoch gibt es immer noch die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung.

Risiken während der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ab einem Alter von 40 Jahren führt häufiger zu Komplikationen, wie Bluthochdruck und Diabetes. Das Risiko für Fehlgeburten steigt auf 34 %, etwa jede dritte Schwangerschaft endet also mit einer Fehlgeburt. Im Alter von 45 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt sogar auf 53 % an, jede zweite Schwangerschaft endet also ungewollt. Im Vergleich dazu, endet bis zum 30. Geburtstag nur jede zehnte Schwangerschaft in einer Fehlgeburt.

Neben dem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind einen Gendefekt hat und z.B. mit Trisomie 21 geboren wird. Dies liegt an dem Alter der Eizellen, die nicht neu gebildet werden, sondern immer so alt sind, wie die Frau.

Risiken für das Kind

Wird man erst mit 40 oder älter Mutter, haben die Kinder ein höheres Risiko für Gendefekte, oder können z.B. selbst unter hohen Blutdruck leiden.
Man sollte die Häufigkeit der auftretenden Krankheiten allerdings nicht überdramatisieren, auch junge Mütter können Kinder auf die Welt bringen, die nicht gesund sind.

Späte Vaterschaft

Während die Frau mit steigenden Alter auch mit einer sinkenden Eizellenzahl zu kämpfen hat, bilden sich die Spermien des Mannes immer wieder neu.
Das Alter kann allerdings die Anzahl, die Qualität und die Beweglichkeit dieser beeinflussen und damit dem Kinderwunsch im Wege stehen.
Jedoch kann man(n) mit einer gesunden Ernährung, Sport und z.B. dem Verzicht auf Nikotin die Spermienqualität verbessern.

Fazit

Das Alter der Frau kann durchaus einen Risikofaktor darstellen, allerdings sollte es auch nicht überbewertet werden. Wichtig ist, dass man realistisch bleibt, in Bezug auf die Möglichkeit, noch ein eigenes Kind zu bekommen. Wenn man nicht zu lange wartet, stehen die Chancen günstiger, da man mit 40 eben noch eine bessere Prognose hat, als mit 45 Jahren.
Bei allen prognostizierten Komplikationen ist also durchaus eine natürliche, entspannte Schwangerschaft möglich.

Vielmehr spielt jedoch die körperliche und seelische Verfassung der Frau eine Rolle, wie es uns all die Mütter zeigen, die noch mit über 40 Kinder bekommen.
Mit einer durchgehenden Schwangerschaftsvorsorge, steht prinzipiell dem späten Mutterglück nichts im Weg.

Bewertung: Unbewertet 1 Stern 2 Sterne 3 Sterne 4 Sterne 5 Sterne Bewertungen: 676 Ihre Bewertung: {{rating}}

Schwanger (werden) mit 35: Was du wissen solltest

Im Durchschnitt bekommen Frauen in Deutschland heute laut Statistischem Bundesamt ihr erstes Kind, wenn sie 29,6 Jahre alt sind. Für viele Frauen steht nämlich vor der Familiengründung erst noch die Ausbildung und der Erfolg im Beruf. Wenn sie schließlich angekommen sind im Job und auch privat, dann machen sie sich Gedanken über Kinder.

Dank der (Fortpflanzungs-)Medizin, aber auch aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen, ist es heute für Frauen jenseits der 30 seltener ein Problem, ein Kind zu bekommen. Aber auch wenn man gesellschaftlich nicht als ‚alte Mutter‘ wahrgenommen wird, so gilt man medizinisch tatsächlich mit 35 Jahren als Risikoschwangere. Was das genau bedeutet, welche Vor- und Nachteile es hat, mit 35 schwanger zu sein, wollen wir euch verraten.

Schwanger mit 35: Warum gelte ich als Risikoschwangere?

Frauen, die mit 35 Jahren oder später ihr erstes Kind bekommen, werden nach medizinischen Richtlinien als Risikoschwangere geführt, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass die Schwangerschaft auch eine Risikoschwangerschaft ist.
Lasst uns das näher erklären: Das Alter einer Schwangeren ist erst einmal ein theoretisches Risiko, welches auch so im Mutterpass festgehalten wird. Wenn keine anderen (chronischen) Erkrankungen vorliegen, ist der Vermerk ‚Risikoschwangerschaft‘ also lediglich ein Hinweis für den behandelnden Frauenarzt. So wird sicher gestellt, dass er bestimmte Werte und Befunde genauer beobachtet.

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Frauen, die zum ersten Mal schwanger werden mit 35, das Risiko genetischer Fehlbildungen des Kindes leicht erhöht ist. So liegt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen ab 35 Jahren ein Kind mit Downsyndrom bekommen bei einer Quote von 3 zu 1000, bei einer 30-jährigen Frau bei eins zu 1000. Das bedeutet aber auch, dass von den angenommenen 1000 Frauen, die mit 35 Jahren zum ersten Mal schwanger sind, durchschnittlich 997 gesunde Kinder bekommen.

Gesunde Frauen, die ein normales Gewicht haben, sich ausgewogen und gesund ernähren und die körperlich fit sind, können auch mit 35 Jahren oder älter ein gesundes Kind bekommen. Das Alter der Frau kann eine Rolle in der Schwangerschaft spielen, aber dank der engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, sollte ihm keine zu große Rolle beigemessen werden.

Schwanger mit 35: Was sind die Vorteile einer ’späten‘ Schwangerschaft?

Wer schwanger ist, wird generell auf Herz und Nieren untersucht. Und wer schwanger mit 35 ist, noch ein bisschen darüber hinaus. Die Kosten für pränataldiagnotische Untersuchungen, wie beispielsweise eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Gewebeuntersuchung des Mutterkuchens, werden bei einer Risikoschwangeren von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Das bedeutet, das theoretisch erhöhte Risiken für beispielsweise eine Schwangerschaftsdiabetes, Schwangerschaftsvergiftung oder Bluthochdruck so gründlich kontrolliert werden, dass die eigentlichen Risiken auf ein Minimum reduziert werden.
Ein weiterer Vorteil einer ’späten‘ Schwangerschaft ist, dass Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, schwanger mit 35 oder später zu werden, in ihrem Leben meist gefestigt sind. Sie sind angekommen, wie man so schön sagt. Sie entscheiden sich an diesem Punkt ganz bewusst für ein Kind und sind sich im Klaren darüber, welche Veränderung das mit sich bringt.

Viele haben sich auch eine finanzielle Absicherung erarbeitet und wissen, dass sie sich und das Kind ohne Einschränkungen versorgen können. Sie gehen gelassen und ohne Zweifel in den neuen Lebensabschnitt. Sie fühlen sich reif Mama zu sein und die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen.

Schwanger mit 35: Was sind die Nachteile einer späten Schwangerschaft?

Mit 35 Jahren nimmt die Fruchtbarkeit bei Frauen ab, denn der monatliche Eisprung fällt nun auch mal aus. Das heißt, dass es schwerer sein kann mit Mitte 30 schwanger zu werden, muss es aber auch nicht.

Schwanger werden mit Mitte 30: Mit diesen Tipps klappt’s endlich!

Ein Nachteil, den eine Schwangerschaft mit 35 Jahren haben kann ist, dass man sich in diesem Alter bereits an gewisse Routinen gewöhnt hat und das Leben mit dem Partner eingespielt ist. Vielleicht ist man auch ein bisschen unflexibler geworden.
Doch mit einem kleinen Baby ist viel Flexibilität gefragt. Schlaflose Nächte, schwerer planbare Verabredungen, liegen gebliebene To-dos, das kann das Nervenkostüm sehr strapazieren. Und gerade wenn man über einen längeren Zeitraum eine gewisse Routine hatte, kann einem eine solche Umstellung schwerer fallen als beispielsweise einer Frau mit Mitte 20.

Frauen, die mit 35 Jahren oder später schwanger werden, neigen außerdem dazu, ein bisschen besorgter zu sein als jüngere Frauen. Das liegt zum einen daran, dass ihnen (zwar erst mal nur theoretisch) eine Risikoschwangerschaft attestiert ist, aber auch an ihrem Glauben, dass ihre Schwangerschaft vermutlich die letzte Chance auf ein eigenes Baby sein könnte. Doch der Druck und auch die Sorgen, die sich die Frauen damit machen, sind alles andere als förderlich für eine unkomplizierte Schwangerschaft.

Quellen & Informationen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.

6 Tipps, um endlich schwanger zu werden

Dein Browser kann dieses Video nicht abspielen.

Auch auf gofeminin.de:

Das richtige Alter zum Kinderkriegen: Mit 20, 30 oder 40?

Verrückt, aber wahr: 9 Dinge, die einen Einfluss auf deine Fruchtbarkeit haben

Eisprungrechner: So ermittelt ihr eure fruchtbaren Tage

Drittes Kind: zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Noch im Kreißsaal – quasi direkt nach Zunähen der frischen Kaiserschnittnarbe – hat ein Arzt zu meinem Mann gesagt: „Na, das 3. wird gleich ein Kaiserschnitt.“ Und ich weiß nicht, wie oft ich entweder gehört habe: „Doro, du möchtest schon gerne noch ein 3, oder? Ihr bekommt noch eins.“

Oder: „Wie sieht es denn mit einem dritten Kind aus? Sei es die Hebamme, eine Freundin oder grad neulich erst: ein Bekannter. Nur meine Mutter hat bisher immer vehement abgewiegelt. Gefühlt mit einem: „Neeeeeeeeeeein.“ Ach, neee. Noch jemand: mein Mann. Sie wissen, wie ich jetzt schon manchmal routiere zwischen Alltag, Job, Mamasein, Familie, Ich-Sein. Und wie K.O. ich oft bin.

Drittes Kind? Da ist dieses Gefühl. Immer wieder

Warum ich darüber schreibe? Weil ich im Inneren nicht abgeschlossen habe. Also, nein. Anders. Ich weiß schon, dass wir kein drittes Kind mehr bekommen werden. Aber: da ist immer wieder dieses Gefühl. Dieses Gefühl, dass da oben noch jemand wartet. Mal ist es da. Mal auch wieder weg. Mal stärker. Mal schwächer. Kennt ihr das?

Wenn ich ans Schwanger-Sein denke, dann weiß ich: no. Please. Bitte nicht noch einmal. Aber wenn ich Neugeborene oder kleine Babys sehe, dann denke ich: Diese Zeit. Ich würde sie so gerne noch einmal erleben. Sie ist so so schön. So intensiv. So emotional. Und dann, ja, dann fühle ich mich manchmal ’noch nicht komplett‘.

Neulich hat meine dreijährige Tochter plötzlich zu mir gesagt: „Mama, du musst nicht traurig sein. Du hast 2 Kinder – und du hast Thorsten (mein Mann). Und noch mehr Kinder brauchst du nicht.“ Höh, kann sie Gedanken lesen? May be.

Ich persönlich fühle mich zu alt.

Und, nein. Wenn ich den Zauber, den Wunsch, das Träumen weglasse, dann weiß ich auch: Es geht nicht. Ich bin nicht nur müde. Ich fühle mich zu alt für einen erneuten Neuanfang – also, ich mich ganz persönlich. Ich bin froh, dass ich trotz Endometriose zwei gesunde Mädchen bekommen konnte. Mit 34 habe ich meine erste Tochter bekommen. Mit 36 die zweite. Und nun, mit 38, möchte ich endlich mal wieder schlafen. Und wieder ein bisschen mehr Doro sein. Zeit für mich haben. Und für meine Freundinnen. Und, ehrlich: Ich meckere jetzt schon oft genug und fühle mich zwischen ge- und überfordert im Alltag: Kinder, Familie, Job, Freunde…ICH?

2 Kaiserschnitte. 3. Kind? NEIN!

Dazu kommt: 2 Kaiserschnitte reichen mir. 2 Mal hätte ich gerne natürlich entbunden. 2 Mal hat es nicht geklappt. Und ich würde davon ausgehen, dass das nächste gleich ein geplanter Kaiserschnitt werden würde. Das fühlt sich für mich zu diesem Zeitpunkt, in diesem Leben, nicht gut an.

Ein paar Jahre jünger. Ich glaube, ich hätte es mir ernsthaft überlegt. Sehr ernsthaft. Denn: Das Mamasein ist der wundervollste und anstrengendste Job der Welt zugleich. Klar, dazu gehören immer 2. Und mein Mann will ja nicht…mehr. Aber: wisst ihr was? Ich höre mal auf zu reden, sonst schläft mein Mann noch woanders. Denn der hat damals im Kreißsaal schon gelacht und gesagt: „Noch ein 3.? Neee!“ Aber: träumen…Tue ich gern.

Und, bitte: Das hier sind einzig und allein meine Gedanken, meine Gefühle. Jeder ist anders. Manche Frauen haben erst sehr spät die Chance, überhaupt Mama zu werden. Und dieser Text soll niemanden diskreditieren.

3. Kind? Ein Thema, über das ich auch mit meiner MutterKutter-Frauenärztin Judith gesprochen habe:

Liebe Judith, du kennst meine Geschichte. Und du hast selbst drei leibliche Töchter: Wie sehr kannst du die Sehnsucht nach einem dritten Kind nachvollziehen? Ich tippe auf sehr!

Ach, Doro, sogar mehr als das. Ich kann es wahnsinnig gut verstehen, ich kann es unheimlich gut nachempfinden. Und ich denke, genau das ist der Punkt: Es ist häufig kein

MutterKutter-Autorin & Frauenärztin Dr. Judith Bildau.

‚rationaler‘ Wunsch, sondern ein Herzenswunsch, sehr tief emotional verankert.

Ich selbst komme aus einer großen Familie.

Bevor meine dritte Tochter Filippa auf die Welt kam, waren wir eigentlich ‚komplett‘. Aber eben nur eigentlich. Sowohl mein Mann, als auch ich hatten bereits Kinder mit in unsere Ehe gebracht- er zwei Töchter, ich eine Tochter, gemeinsam bekamen wir eine weitere Tochter. Vier Mädchen.

Ich selbst komme aus einer großen Familie, habe vier Schwestern, zu denen ich ein sehr inniges Verhältnis habe. Nach der Geburt von unserer gemeinsamen Tochter Rosa arbeitete ich als Assistenzärztin im Kreißsaal und auf der Wochenbettstation. Nicht selten kam es vor, dass ich nach einer schönen Geburt mit den Eltern vor Freude weinte, bei der Visite schaute ich immer völlig verliebt in die kleinen Bettchen zu den Neugeborenen und mein Herz schlug schneller. Ich spürte den inneren Wunsch nach einem dritten Kind.

Wir bekamen tatsächlich noch ein drittes Kind.

Als ich dann tatsächlich schwanger wurde, war ich zunächst überrascht und habe mich auch das ein oder andere Mal gefragt, ob das denn jetzt alles ‚so richtig‘ sei. Aber für mich und uns und unsere Familie hat es sich als goldrichtig heraus gestellt- auch wenn die äußeren Umstände nicht unbedingt danach ‚geschrien‘ haben. Nach der Geburt von Filippa habe ich dann als Assistenzärztin in einer gynäkologischen Praxis gearbeitet. Ich habe mich über jede schwangere Patientin gefreut, über jedes geborene Kind. Ich habe die Frauen immer gebeten, wenn es irgendwie möglich war, ihr Baby zur Wochenbettkontrolle mit in die Praxis zu bringen, weil ich die kleinen Wunder unbedingt einmal sehen wollte. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich, dass meine Aufgabe war, diese wunderbaren Mädchen, die wir nun hatten, großzuziehen. Der Wunsch, Mutter ‚zu werden‘ war befriedigt, jetzt wollte ich einfach nur noch ‚Mutter sein‘.

Bei mir spielen ja 2 Faktoren bei der Entscheidung ‚Wir sind Komplett‘ eine Rolle: 1. Ich fühle mich zu alt und zu müde. 2. Meine beiden Kaiserschnitte. Konkret zum Kaiserschnitt, wie hoch sind die Risiken bei mir? Ich gehe davon aus, dass nach zwei Kaiserschnitten ein dritter geplant werden würde, oder?

Das ist tatsächlich so. Von einer natürlichen Geburt rate ich dir, aus rein medizinischer Sicht, nach zwei Kaiserschnitten ab. Das Risiko, das es zu, möglicherweise sehr gefährlichen, Komplikationen unter dem Versuch einer natürlichen Geburt kommen könnte, ist zu hoch. Ich weiß, dass viele Frauen über eine solche Aussage sehr enttäuscht sind, dennoch muss ich als Frauenärztin medizinische Entscheidungen wirklich nach bestem Wissen und Gewissen treffen und für mich steht an aller höchster Stelle, dass Mutter und Kind nach der Geburt wohlauf sind.

Ein dritter Kaiserschnitt ist nicht frei von Risiken.

Auch ein dritter Kaiserschnitt ist nicht frei von Risiken. Nun zu deiner Frage, inwieweit eine Re-Re-Sectio (so nennen wir das medizinisch) gefährlich für dich sein könnte. Vorab möchte ich dir sagen, dass es natürlich einige Frauen gibt, die drei (oder sogar noch mehr) Kaiserschnitte hatten. Ich kann dir zunächst nur ganz objektiv die Risiken und möglichen Komplikationen nennen; letztendlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, ob eine
dritte Schwangerschaft nach zwei Kaiserschnitten der Weg ist, den sie gehen möchte, auch wenn es im Zweifel eben vermehrt Risiken gibt. Ich unterstütze meine Patientin, wenn es ihr Wunsch ist, darin auf jeden Fall.

Mögliche Probleme: Verwachsungen im Bauchraum oder chirurgische Probleme

Doro, wir Mediziner halten uns bei solchen Fragen ja gerne an ‚Zahlen’, die durch verschiedene Studien oder Untersuchungen erfasst werden können. Zu diesem Thema, mögliche Komplikationen nach mehreren Kaiserschnitten, werteten 2012 zwei Gynäkologinnen und eine Statistikerin der Universität Oregon insgesamt 936 Arbeiten aus. Sie fanden heraus, dass in allen Arbeiten gezeigt wurde, dass es nach mehreren Kaiserschnitten bei den Frauen eine höhere Quote von starken Blutungen, damit verbundenen Bluttransfusionen, Verwachsungen in Bauchraum und auch chirurgische Verletzungen gab. Weiter nahm die Zahl der Gebärmutterentfernungen mit steigender Anzahl von Kaiserschnitten zu. Die Hauptgründe dafür waren eine Lageanomalie des Mutterkuchens, eine fehlende Rückbildung des Gebärmutter nach der Entwicklung des Kindes (‚Uterusatonie‘) und Rupturen und Risse der Gebärmutter.

Mein Tipp: Sucht euch eine erfahre Geburtsklinik.

Das heißt, deine Frage, ob es Risiken bei einer ‚Re-Re-Sectio‘ geben würde, muss ich dir mit ‚ja‘ beantworten. Ich rate meinen Patientinnen in einem solchen Fall gerne, sich eine erfahrene Geburtsklinik auszusuchen, wo Ärzte arbeiten, die geburtshilflich und in diesem Fall auch operativ sehr geschult und versiert sind. Das minimiert mögliche Risiken.

Die Risiken, die du aufzählst, hören sich für mich hoch an. Wozu rätst du mir: Wie kann ich mit diesem Gefühl ‚Da oben wartet noch jemand‘ gut umgehen lernen?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Um es rein medizinisch zusammenzufassen: Ein dritter Kaiserschnitt birgt gewisse Risiken, ist medizinisch aber machbar und wird auch tagtäglich in Deutschland und weltweit durchgeführt. Es gibt Frauen, die ein sehr hohes Sicherheitsdenken haben und sagen: „Ich habe zwei Kinder, ich möchte überhaupt kein Risiko eingehen. Meine Kinder sind gesund, ich bin es, es ist alles gut. Meinem immer wieder aufkeimenden Wunsch kann ich rational entgegen halten.“

Es gibt aber auch Frauen, die sagen: „Mein Wunsch nach einem dritten Kind ist so groß, ich vertraue auf eine gute medizinische Betreuung und darauf, dass alles gut wird.“ Beides ist für mich persönlich absolut verständlich, nachvollziehbar und sind gangbare Wege. Wie oben schon gesagt empfehle ich als behandelnden Frauenärztin bei einem dritten Kaiserschnitt immer gerne erfahrene Geburtshelfer und Operateure.

Ich kann jede Frau, jedes Paar, verstehen, die sagen: „Ja, wir wagen es noch einmal.“

Ich denke, der andere Punkt, den du angesprochen hast, ist auch ein sehr wichtiger, Doro: Fühle ich mich mit zwei Kindern nach zwei Kaiserschnitten (aber selbstverständlich auch
nach natürlichen Geburten) bereit und ’stark’ genug für ein drittes Kind? Möchte ich noch einmal eine Schwangerschaft, eine operative Schnittentbindung/ eine Spontangeburt, das Wochenbett, die Neugeborenenzeit etc.? Das kann nur jede Frau, jedes Paar für sich selbst entscheiden. Da gibt es kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘, da kann ich als Frauenärztin nur zuhören, versuchen, die Frau darin zu unterstützen, sich ‚innerlich zu ordnen‘. Ist das Gefühl, dass ein drittes Kind noch ‚dazu gehört‘ so präsent, ist es irgendwie ‚machbar‘, was die äußerlichen Umstände angeht, dann kann ich jede Frau, jedes Paar, verstehen, die sagen: „Ja, wir wagen es noch einmal.“

Jede Frau sollte bei dieser Entscheidung gerade vor sich selbst stehen, denke ich.

Übrigens auch bei jedem vierten oder fünften Kind (natürlich nur, wenn keine medizinischen Kontraindikationen vorliegen)! Ich kenne aber auch Frauen, die sagen, der Wunsch nach einem dritten Kind ist tendenziell da oder er keimt immer mal wieder auf, dennoch ist das Gefühl, dass die Kraftreserven ausgeschöpft sind oder auch auch andere Prioritäten im Leben gewichtiger sind, größer. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass jede Frau bei dieser Entscheidung, gerade vor sich selbst stehen kann und weiß, warum sie sich sie sich so entschieden hat. Natürlich kann man ‚lernen‘, mit nicht-erfüllten Wünschen umzugehen. Hilfreich ist dabei, sich für sich selbst klar zu sein und sich das auch in zweifelnderen Momenten selbst sagen zu können, warum man diesem Wunsch nicht nach gegangen ist und dass es dafür gute Gründe gab. Und dann kann man auch grundsätzlich seinen persönlichen Frieden damit machen, denke ich.

Ihr braucht Judiths Hilfe? Für allgemeine Fragen könnt ihr sie hier in der Online-Sprechstunde. kontaktieren.

Schwangerschaft über 35: Das Glück der späten Jahre

Von Barbara Kerbel 21.04.2016

In Berlin ist inzwischen jede vierte Frau bei der Geburt älter als 35. Früher galt das als problematisch Doch Studien zeigen: Wenn Mütter in etwas reiferem Alter sind, kann das sogar von Vorteil sein

Wenn man zum Beispiel an eine 23-jährige Raucherin denkt, übergewichtig, seit kurzem erst mit einem neuen Partner zusammen – und schon schwanger. „Diese Frau geht mit weniger Ressourcen in die Schwangerschaft als eine gesunde 40-Jährige in einer stabilen Partnerschaft“, sagt Hebamme Katrin Merke. Dem stimmt auch Gynäkologe Wolfgang Henrich zu, der exakt dasselbe Beispiel nennt, um seine These zu illustrieren: „Es kommt nicht auf das biologische Alter an, sondern auf den tatsächlichen Gesundheitszustand.“ Frauen über 35 rät der kommissarische Direktor der Geburtshilfe der Charité: „Sie müssen sich von dem Damoklesschwert des Alters befreien.“
Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden liegt laut Statistischem Bundesamt bei 29. Frauen über 35 gelten als spätgebärend – in Berlin trifft das inzwischen auf jede vierte Schwangere zu. Auch der Anteil der Frauen, die beim ersten Kind älter sind als 40, ist in Berlin höher als im Bundesdurchschnitt, 2008 lag er bei 3,4 Prozent der Geburten. Was noch vor zehn Jahren eine Besonderheit war, ist längst gesellschaftliche Normalität geworden.
Auch aus medizinischer Sicht ist eine Schwangerschaft jenseits der 35 heute nichts Besonderes mehr. Die Definition in den Mutterschaftsrichtlinien, wonach Schwangerschaften ab 35 automatisch als Risikoschwangerschaft bewertet werden, sei in den 70er-Jahren willkürlich festgelegt worden, sagt Henrich – um das Budget für die teuren Vorsorgeuntersuchungen zu limitieren. Das Risiko, dass ein Kind mit einer Behinderung zur Welt komme, wachse mit 35 nicht plötzlich und sprunghaft, sondern steige vielmehr mit den Jahren kontinuierlich leicht an. „Die 35 als Grenze sind auch aus medizinischer Sicht Unsinn.“
Stattdessen habe eine aktuelle kanadische Studie ergeben, dass Frauen über 35 im Vergleich zu jüngeren Frauen viele Vorteile mitbringen: sie sind häufig besser gebildet, arbeiten mehr, verfügen über ein höheres Einkommen und nehmen häufiger an Geburtsvorbereitungskursen teil. Und: Die Kinder der älteren Mütter waren genauso gesund wie die der Jüngeren. „Es gab in dieser Gruppe weder mehr Frühgeburten noch war das Geburtsgewicht niedriger.“
Was die Studie wissenschaftlich untersucht hat, beobachtet auch Katrin Merke in ihrem Hebammenladen in Prenzlauer Berg. Rund zwei Drittel ihrer Klientinnen sind älter als 30, viele sind Ende 30. „Ich empfinde viele der über 35-Jährigen als gelassener“, sagt Merke. „Die meisten wissen genauer als Jüngere, was auf sie zukommt.“ Auch dass die älteren Schwangeren ein größeres Bedürfnis nach Information haben, hat die 33-Jährige beobachtet. 80 Prozent der Schwangeren in ihrem Einzugsbereich, schätzt sie, nehmen an einem Geburtsvorbereitungskurs teil. Katrin Merke betreut im Hebammenladen bis zu 50 werdende Mütter pro Jahr, genauso wie jede ihrer neun Kolleginnen. Zu den Kursen kommen rund 2000 Paare. „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Eine Schwangerschaft mit Ende 30 verläuft nicht komplizierter.“
Warum macht das Alter von 35 vielen Frauen dann so eine Angst? „Weil das der einzige Faktor ist, den man nicht beeinflussen kann“, sagt die Hebamme. Dazu kommt, dass viele späte Mütter, vor allem wenn sie jenseits der 40 das erste Kind bekommen, eine längere Zeit unerfüllten Kinderwunsches hinter sich haben und lange wegen Unfruchtbarkeit behandelt wurden. Auch Vorerkrankungen seien häufig, sagt Wolfgang Henrich, etwa Gerinnungsstörungen oder Myome, also gutartige Wucherungen der Gebärmuttermuskulatur. Diese erhöhten das Risiko von Komplikationen; so steige das Risiko einer Frühgeburt – und die Kaiserschnittquote.
Einer Studie der Krankenversicherung KKH-Allianz zufolge kam 2010 jedes dritte Baby von fast 17 000 Versicherten per Kaiserschnitt zur Welt. In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen waren es 28 Prozent, bei den Frauen über 40 fast 45 Prozent. An den beiden Standorten der Charité, der größten Geburtsklinik Berlins, kommen rund 5000 Kinder pro Jahr zur Welt – 35 bis 40 Prozent per Kaiserschnitt. Wolfgang Henrich nennt das eine „dramatische Entwicklung“. Denn jeder Kaiserschnitt erhöhe das Risiko für eine spätere Schwangerschaft.
Ein Grund für die hohe Kaiserschnittquote ist das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis. „Die Frauen wollen Risiken unbedingt vermeiden, etwa einen Sauerstoffmangel während der Geburt“, sagt Henrich. Und Ärzte seien „extrem defensiv“ geworden – auch aus Furcht vor juristischen Konsequenzen. Um Risiken zu minimieren, werde oft präventiv ein Kaiserschnitt gemacht, auch wenn er medizinisch nicht unbedingt notwendig ist.
Risiken erkennen: Das ist das Ziel der Pränataldiagnostik, die viele der über 35-Jährigen in Anspruch nehmen. Die Kassen zahlen Risikoschwangeren etwa das Spezialultraschall und die Fruchtwasseruntersuchung, womit sich unter anderem Chromosomenschäden wie Trisomie 21 (Down-Syndrom) und Fehlbildungen von Organen feststellen lassen. „Frauen ab 35 werden viel intensiver betreut“, sagt Henrich, der für ein Spezialultraschall für alle Schwangeren plädiert. Es gehe dabei nicht um das Aussortieren, auch wenn sich de facto Frauen gegen ein Kind mit einer schweren Behinderung entscheiden. Doch Babys mit einem Herzfehler könnten enorm von der Pränataldiagnostik profitieren, indem man etwa die Geburt in eine Spezialklinik verlegt.
Hebamme Katrin Merke sieht die Pränataldiagnostik kritisch. „Ich habe den Eindruck, dass viele Frauen nicht bis zur letzten Konsequenz durchdenken, was ein Befund bedeuten kann“, sagt sie. Die letzte Konsequenz, das heißt: Entschließt sich eine Frau zu einem Spätabbruch, wird das Kind im Mutterleib getötet und die Geburt eingeleitet. Das sei vielen Frauen nicht bewusst.
Die Hebamme plädiert für eine engere Zusammenarbeit von Gynäkologen und Hebammen und für eine verstärkte Diagnostik „mit den Händen auf dem Bauch“. Wenn das Baby strampelt, sagt sie, und sich die Bewegungsmuster nicht ändern, dann geht es ihm auch gut. Und dann ist es auch egal, wie alt die Mutter ist.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.