Schwangerschaft zuckertest werte

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Schwangerschaftsdiabetes

Ein etwas erhöhtes Risiko haben Frauen, die bereits älter sind, in deren Verwandtschaft es Fälle von Diabetes mellitus gibt, sowie Frauen, die Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung oder Übergewicht haben und mehr als 80 bis 90 kg wiegen (Body Mass Index von mehr als 27).

Ein weiterer Grund für eine besonders intensive Betreuung besteht, wenn sich schon in einer vorhergegangenen Schwangerschaft ein Gestationsdiabetes entwickelte oder ein besonders schweres Kind (über 4000 g) geboren wurde. Auch Frauen, die schon mehrere Fehlgeburten hatten, scheinen ein höheres Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes zu haben.

Ein leichter Schwangerschaftsdiabetes verursacht keine Symptome oder Beschwerden und hat bei entsprechender Therapie normalerweise keine Folgen für die werdende Mutter und ihr Kind. Wird er jedoch übersehen und nicht genau kontrolliert und behandelt, kann er je nach Schweregrad zu Problemen führen. Schwangere mit GDM neigen zu Harnwegsinfektionen und Scheidenentzündungen, v.a. mit Pilzen, und entwickeln etwas häufiger einen Bluthochdruck und eine Präeklampsie.

Ein nicht gut eingestellter Schwangerschaftsdiabetes bedeutet eine Gefahr für die Gesundheit des Kindes. Es kann schlimmstenfalls zu angeborenen Fehlbildungen, Komplikationen bei der Geburt und Anpassungsstörungen nach der Geburt kommen.

Für die Entbindung sollten sich werdende Mütter mit GDM deshalb ein Spital mit angeschlossener Kinderklinik aussuchen. Ein gut eingestellter Schwangerschaftsdiabetes ist jedoch kein Grund für eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt.

Bei Ihrer ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung wird deshalb der Nüchternblutzuckerwert bestimmt und auch kontrolliert, ob Zucker (Glucose) im Urin vorhanden ist. Die Urinuntersuchung kann bei jeder weiteren Vorsorgeuntersuchung wiederholt werden, allerdings ist dieser Test nach neueren Erkenntnissen nicht allzu aussagekräftig. Bei auffälligen Werten wird der Verdacht dann durch weitere Tests abgeklärt. Auch wenn die Ultraschalluntersuchung besonders viel Fruchtwasser oder ein sehr großes Kind zeigt, muss genauer untersucht werden.

Empfehlenswert ist es, bei allen Schwangeren zwischen der 24. bis 28. SSW einen Zuckerbelastungstest (oraler Glukose-Toleranztest oGTT) durchzuführen. Dazu muss die Schwangere, die nicht nüchtern zu sein braucht, eine Zuckerlösung aus 200 ml Wasser mit 50 g Glukose trinken. Nach einer Stunde wird der Blutzuckerwert bestimmt. Ein normaler Wert liegt unter 7,0 mmol/l (126 mg/dl). Ist ein oGTT nicht möglich, wird erneut der Nüchternblutzucker (NPG) gemessen. Er sollte weniger als 4,8 mmol/l (86 mg/dl) betragen. Ist einer dieser beiden Suchtests (Screeningtests) auffällig, wird ein höher dosierter Zuckerbelastungtest mit 75 oder sogar 100 g Glukose und die Messung des Blutzuckers nüchtern, nach 1, 2 und evtl. noch nach 3 Stunden empfohlen.

Wichtig zur Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes ist auch eine Ernährungs- und Lebensumstellung:

Mehrere kleine Mahlzeiten anstatt weniger großer und Kalorienreduktion (weniger Fett und mehr Eiweiß, weniger aber höherwertige Kohlenhydrate) sind ein erster Schritt.

Regelmäßige körperliche Betätigung wie Schwimmen, Gehen, Treppensteigen lässt die Körperzellen besser auf das körpereigene Insulin ansprechen. Erst wenn Diät und Bewegung gegen Ende der Schwangerschaft hin keine Wirkung mehr zeigen, müssen Insulin gespritzt und die Blutzuckerwerte zu Hause selbst überprüft werden. Das ist etwa bei einem Viertel der Frauen mit Gestationsdiabetes erforderlich. Orale Antidiabetika (Blutzuckertabletten) dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet normalerweise schon kurz nachdem die Plazenta ausgestoßen wird. Bei manchen Frauen bleibt die Stoffwechselstörung jedoch auch noch nach der Geburt bestehen, und bei 30 bis 50 Prozent aller Mütter kommt es innerhalb von fünf bis zehn Jahren nach der Geburt zu einem echten Diabetes mellitus vom Typ I oder II. Fachleute empfehlen deshalb Blutzuckerkontrollen im Wochenbett, nach der Stillzeit und danach alle ein bis zwei Jahre.

Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, oGTT)

Einer schwangeren Frau wird Blut abgenommen. (09-21-08 © Astroid / iStockphoto)

Etwa 5–10 Prozent aller Schwangeren erkranken während der Schwangerschaft an einer Zuckertoleranzstörung, dem Schwangerschafts- bzw. Gestationsdiabetes. Unerkannt kann dies gefährliche Folgen für das ungeborene Kind haben.

Durch einen Zuckertoleranztest kann Schwangerschaftsdiabetes zuverlässig erkannt werden. Daher wird der Test im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen allen Schwangeren zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen, bei Vorliegen von Risikofaktoren für Diabetes unter Umständen auch schon zu einem früheren Zeitpunkt.

Der Test kann beim Hausarzt oder in einem Labor durchgeführt werden, die Kosten dafür werden von der Krankenkasse übernommen. Die Durchführung des Tests ist Voraussetzung für den Erhalt des vollen Kinderbetreuungsgeldes.

Um den Test durchführen zu können und ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, sollten bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Die Schwangere sollte

  • zum Zeitpunkt der Untersuchung keine akute Erkrankung haben (z.B. Fieber, Schwangerschaftsübelkeit oder -erbrechen)
  • in den letzten drei Tagen vor der Untersuchung ihre normalen Ess- und Trinkgewohnheiten nicht ändern
  • sich vor dem Test körperlich nicht anstrengen
  • am Vorabend vor der Untersuchung ab etwa 22 Uhr nichts mehr essen (eine Nüchternperiode von mindestens 8 Stunden wird empfohlen)
  • am Morgen der Untersuchung keine Medikamente einnehmen, die in den Insulinhaushalt eingreifen

Ablauf der Untersuchung

Der Test sollte am Morgen durchgeführt werden. Unmittelbar vor Testbeginn wird der Nüchtern-Blutzuckerspiegel gemessen. Zu diesem Zweck wird aus der Vene Blut abgenommen und die Glukosekonzentration im venösen Plasma bestimmt.

Danach bekommt die Schwangere 300 ml Wasser, in dem 75 g Glukose aufgelöst wurden, zu trinken (daher wird der Test auch als 75-g-oGTT bezeichnet). Nach einer sowie nach zwei Stunden nach dem Trinken der Lösung wird der Blutzuckerspiegel erneut bestimmt – insgesamt sind also drei Blutabnahmen notwendig.

Für den Test muss die Schwangere etwa zwei Stunden Zeit einplanen. In der Wartezeit zwischen den Zuckermessungen sollte sie sich in der Nähe des Testlabors aufhalten, sich nicht unnötig bewegen bzw. körperlich anstrengen und es sollten in diesem Zeitraum auch keine anderen Untersuchungen durchgeführt werden. Zudem darf in der Wartezeit zwischen den Messungen nichts gegessen werden.

Die Messung des Blutzuckerspiegels sollte im Rahmen des Zuckerbelastungstests immer aus venösem Plasma erfolgen. Die Bestimmung des Blutzuckerspiegels durch einen kleinen Stich in die Fingerkuppe (kapilläres Vollblut) ist für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes nicht zuverlässig, da sich alle Grenzwerte auf venöses Plasma beziehen.

Auswertung der Ergebnisse

Als Grenzwerte für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes gelten folgende Blutzuckerwerte aus venösem Plasma:

  • nüchtern (vor dem Trinken der Glukoselösung): < 92 mg/dl
  • eine Stunde nach Trinken der Lösung: < 180 mg/dl
  • zwei Stunden nach Trinken der Lösung: < 153 mg/dl

Die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ kann gestellt werden, sobald einer dieser drei Werte überschritten wird.

Unterscheidung zwischen Schwangerschaftsdiabetes und manifestem Diabetes

Die Unterscheidung zwischen Schwangerschaftsdiabetes und manifestem Diabetes erfolgt anhand der Höhe des Blutzuckerspiegels.

Bei Messung des Nüchtern-Blutzuckerspiegels gelten dabei folgende Grenzwerte:

Normalwert

< 92 mg/dl

Schwangerschaftsdiabetes

92-125 mg/dl

Verdacht auf manifesten Diabetes mellitus

> 126 mg/dl

Überschreitet der Nüchtern-Blutzuckerwert 126 mg/dl, besteht der Verdacht auf einen manifesten Diabetes mellitus. In diesem Fall muss der Wert in einer zweiten Untersuchung kontrolliert werden, das heißt, der Nüchternblutzucker muss erneut bestimmt werden.

Auch der 2-Stunden-Wert des Zuckerbelastungstests kann für die Diagnose eines manifesten Diabetes herangezogen werden: Liegt er über 200 mg/dl, kann die Diagnose gestellt werden.

+++ Mehr zum Thema: Manifester Diabetes mellitus in der Schwangerschaft +++

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Autoren:
Dr.med. Kerstin Lehermayr
Medizinisches Review:
Univ.Prof.Dr. Thomas Stulnig
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Stefanie Sperlich

Stand der medizinischen Information: November 2014

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Gestationsdiabetes mellitus (GDM) – Evidenzbasierte Leitlinie zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge; Klasse S3. AWMF Register-Nr.: 057/008; Stand: 31.08.2011, gültig bis 31.08.2016
Kleinwechter H.: Neue deutsche Leitlinie zum Gestationsdiabetes: Konsequenzen für die Praxis. In: Journal für klinische Endokrinologie und Stoffwechsel 2013; 6(4)

Der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist eine Zuckerstoffwechselstörung, die erstmalig in der Schwangerschaft mit einem oralen Glucosebelastungstest diagnostiziert wurde. Dieser Test ist fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaft. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

Häufigkeit des Schwangerschaftsdiabetes

Der Schwangerschaftsdiabetes ist in Deutschland mit einer Häufigkeit von etwas weniger als 10% eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen und wird in vielen Fällen zu spät oder überhaupt nicht diagnostiziert.

Test auf Schwangerschaftsdiabetes im Mutterpass vorgesehen

Der Test soll bei jeder schwangeren Patientin in der 24. – 28. SSW durchgeführt werden. Bei Risikopatientinnen sollte er bereits vor der 24. SSW erfolgen. Risikopatientinnen sind

  • Frauen mit einem Alter über 45 Jahren,
  • mit einem BMI über 30 kg/m²,
  • wenn Eltern oder Geschwister mit Diabetes in der Familie der schwangeren Frau vorkommen,
  • wenn bereits ein zu schweres Kind mit einem Gewicht über 4500 g geboren wurde,
  • wenn ein Bluthochdruck vorliegt oder wenn früher bereits grenzwertig erhöhte Blutzuckerwerte vorlagen,
  • oder wenn bereits Gefäßerkrankungen wie koronare Herzerkrankung, periphere Durchblutungsstörung oder Störung der inneren Durchblutung vorliegen.

Diese Risikopatientinnen sollten bereits vor der 24. SSW auf einen Gestationsdiabetes hin untersucht werden.

Die Diagnose muss nach den neuen Leitlinien anhand venöser Plasmawertbestimmungen erfolgen. Die Blutzuckermessung muss mit einer qualitätsgesicherten Blutzuckermessung erfolgen. Die Bestimmung der Blutzuckerwerte mittels kapillärer Blutwerte aus der Fingerbeere und Messung mit einem Blutzuckerteststreifenmessgerät ist wegen fehlender Genauigkeit nicht mehr zulässig.

Wie läuft der Test auf Schwangerschaftsdiabetes?

Zur Durchführung eines verwertbaren Zuckerbelastungstestes (OGTT) sind folgende Vorbedingungen zwingend einzuhalten:

  • Durchführung morgens
  • nach einer mindestens 8-stündigen Nahrungspause
  • mindestens drei Tage vor dem Test keine Einschränkung der Kohlenhydrataufnahme
  • Testlösung (75 g Glucose in 300 ml Wasser) wird innerhalb von 3 – 5 Min. getrunken
  • Schwangere soll während des Testes in der Praxis sitzen
  • Blutglucosemessung muss mit einer qualitätsgesicherten Methode durchgeführt werden
  • Handmessgeräte für Patientenselbstkontrolle sind nicht geeignet

Untersucht wird mit einem oralen Glucosebelastungstest. Hier trinkt eine nüchterne Patientin 75 g Glucose gelöst in 200 ml Wasser morgens in nüchternem Zustand. Blutzuckerwerte werden direkt vor dem Trinken dieser Lösung, also nüchtern, und dann jeweils 1 und 2 Std. danach gemessen. Üblicherweise wird eine Venenverweilkanüle aus Plastik (Braunüle) gelegt, durch die dann diese drei Blutzuckerwerte als venöses Blut entnommen werden und mittels eines aufwändigen qualitätsgesicherten Blutzuckermessgerätes direkt bestimmt werden können.

Wann liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor?

Die Diagnose eines Gestationsdiabetes ist zu stellen, wenn mindestens einer der drei gemessenen Werte über dem Normwert liegt. Als Normwert wird nach der neuen Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft von 2011 ein Nüchternwert von mehr oder gleich 92 mg/dl (5,1 mmol/l), ein Einstunden-Nachbelastungswert von mehr oder gleich 180 mg/dl (10 mmol/l) und ein Zweistunden-Nachbelastungswert von mehr oder gleich 153 mg/dl (8,5 mmol/l) angegeben.

Ist der Blutzuckerwert nüchtern bereits über 126 mg/dl (7 mmol/l), liegt nicht ein Gestationsdiabetes sondern ein in der Schwangerschaft neu aufgetretener Diabetes vor.

Risiko für Mutter und Kind erhöht

Das Risiko für das ungeborene Kind bei einem Gestationsdiabetes der Mutter ist in folgenden Punkten deutlich erhöht:

  • Erhöhtes Geburtsgewicht,
  • erhöhte Frühgeburtsrate,
  • erhöhte Notwendigkeit, per Kaiserschnitt entbunden zu werden,
  • Geburtstraumen wie Schulterverrenkung (Schulterdystokie) oder anderes,
  • Hyperbilirubinämie (zuviel gelber Blutfarbstoff durch unzureichende Leberfunktion) und die Notwendigkeit, nach Geburt auf Intensivstation behandelt zu werden.
  • Ebenso erhöhtes Risiko einer Unterzuckerung nach Geburt und den hieraus potenziell möglichen dauerhaften Hirnschäden.

Frauen mit Gestationsdiabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung). Langfristig haben sie ein ca. 50% erhöhtes Risiko, einen Typ 2 Diabetes zu entwickeln, wenn sie in der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes hatten.

Die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, ist umgehend eine Therapie in einer Diabetologischen Schwerpunktpraxis oder einer auf Behandlung von schwangeren Diabetikerinnen spezialisierten Klinik mit diabetologischer Abteilung erforderlich.

An erster Stelle steht die Erstellung eines individuellen Ernährungsplanes durch die Diabetesberaterin sowie das Erlernen der Blutzuckerselbstkontrolle durch die Patientin.

Regelmäßige Blutzuckerselbstkontrolle und die Dokumentation der gemessenen Werte in einem geeigneten Tagebuch sind die Basis für eine gute Stoffwechseleinstellung in der Schwangerschaft. Eine ausführliche individuelle Schulung in Einzelunterricht durch die Diabetesberaterin ermöglicht es der schwangeren Patientin, frühzeitig ihren Lebensstil an die Erfordernisse des Gestationsdiabetes anzupassen – die Voraussetzung für einen möglichst frühzeitigen therapeutischen Erfolg.

Sollten trotz aller Maßnahmen die Blutzuckerwerte nicht im Zielbereich liegen, ist eine Insulintherapie notwendig. Eine Therapie mit Tabletten ist in der Schwangerschaft nicht zulässig.

Blutzucker-Zielwerte bei Schwangerschaftsdiabetes

Zielwerte für eine gute Einstellung des Gestationsdiabetes sind:

Es gibt keinen Grenzwert, ab dem das Risiko für das Kind bei Gestationsdiabetes erhöht ist, sondern es besteht eine kontinuierliche Beziehung zwischen Blutzuckerhöhe und dem Risiko für eine Makrosomie (zu großes und zu schweres Kind) oder eine Hydramnion (zu viel Fruchtwasser).

Deshalb sind die Therapieziele nicht starr als die oben beschriebenen Werte anzusehen, sondern müssen zusätzlich individuell den jeweiligen Gegebenheiten der einzelnen Schwangerschaft angepasst werden. Hierzu ist profunde Sachkenntnis von ausgewiesenen Diabetesexperten (Diabetologen) erforderlich.

Der Bauchumfang des Kindes zählt

Als wichtigster Parameter dient der im Ultraschall gemessene Bauchumfang des ungeborenen Kindes. Dieser soll bei Schwangerschaftsdiabetes ab der 24. SSW alle zwei bis drei Wochen erfolgen. Dann wird unterschieden, ob er unter der 10. Perzentile oder über der 75. Perzentile liegt. So gelten bei den Kindern unter der 10. Perzentile liberalere Ziele, nämlich Nüchternblutzucker von unter 105 mg/dl (5,8 mmol/l) und 1 Std. postprandialer Blutzucker unter 160 mg/dl (8,9 mmol/l), für die Kinder im mittleren Bereich zwischen der 10. und 75. Perzentile gelten die oben erwähnten Werte von nüchtern unter 95 und 1 Std. postprandial unter 140 mg/dl (7,8 mol/l), für Kinder über der 75. Perzentile gilt ein Nüchternzucker von unter 85 mg/dl (4,7 mmol/l) und ein 1-Std.-postprandialer Wert von unter 120 mg/dl (6,6 mmol/l) als Therapieziel.

Insulin bei Schwangerschaftsdiabetes ist gut

Eine Insulintherapie ist in der Schwangerschaft völlig gefahrlos, da Insulin die Gebärmutterschranke nicht überschreitet und durch eine Senkung des mütterlichen Blutzuckers die Zuckerbelastung beim Kind spürbar reduziert, da dann weniger Glucose über die Gebärmutterschranke zum Kind überwandert.

Üblicherweise wird Altinsulin und normales Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) eingesetzt, in Ausnahmefällen können auch die schnell wirksamen Insulinanaloga Insulinaspart (NovoRapid) oder Lispro (Humalog) eingesetzt werden. Lang wirksame Insulinanaloga sollen nach der aktuellen Leitlinie nicht zum Einsatz kommen (Lantus und Levemir).

Ärzte arbeiten zusammen

In der Therapie ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem betreuenden Diabetologen und dem betreuenden Frauenarzt zwingend erforderlich, da für die Therapiesteuerung eine Abgleichung der selbst gemessenen Blutzuckerwerte der Patientin und den Wachstumsdaten des Kindes erforderlich ist.

Keine Gewichtsabnahme in der Schwangerschaft

Eine Gewichtsabnahme der Schwangeren sollte auf jeden Fall vermieden werden. Schwangere dürfen in der Schwangerschaft zwischen 11,5 und 16 kg zunehmen. Frauen mit einem BMI von 18,5 oder weniger vor Empfängnis sollten 12,5 bis 18 kg zunehmen. Leicht übergewichtige Frauen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9 sollten zwischen 7 und 11,5 kg zunehmen. Stark übergewichtige Frauen mit einem BMI über 30 kg/m² sollten in der Schwangerschaft lediglich 5 bis 9 kg zunehmen, um einen optimalen Verlauf für das Kind zu erreichen. Um dieses Punkte gut zu überwachen, sollte jedere Schwangere selbst eine Gewichtskurve führen.

Nach der Entbindung: Neuer Test auf Diabetes

6 – 12 Wochen nach Entbindung wird ein erneuter Zuckerbelastungstest empfohlen, um das Risiko für die Mutter, im weiteren Verlauf einen Diabetes zu entwickeln, genauer abschätzen zu können. Der Grund Auch wenn der Schwangerschaftsdiabetes meist nach der Entbindung verschwindet, läuft die Hälfte der Frauen läuft Gefahr, innerhalb von zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Am Helmholtz Zentrum München haben Wissenschaftler ein Punktesystem entwickelt, das Ärzten bei der Voraussage hilft, ob eine Frau mit Gestationsdiabetes später einen Typ-2-Diabetes bekommen wird. Der genaue Punktestand errechnet sich wie folgt:

5 x BMI (in der frühen Schwangerschaft) + 132 (falls der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt wurde) + 44 (bei familiärer Diabetesveranlagung der Mutter) – 35 (falls die Mutter ihr Kind gestillt hat).

Als niedrig gilt ein Wert von kleiner/gleich 140 und bedeutet rechnerisch ein Risiko von ca. 11%, innerhalb von 5 Jahren postpartum zu erkranken. Ein mittlerer Wert liegt zwischen 141 und 220 und das Risiko liegt bei etwa 29%. Erhöhte Werte (221-300) zeigen ein Risiko von 64 Prozent an und sehr hohe Werte (300 und darüber) bedeuten ein Risiko von etwa 80 %.

Zuckertest in der Schwangerschaft: Ablauf, Zeitpunkt & Resultate

Schwangerschaftsdiabetes gehört zu den häufigsten Begleiterkrankungen vor einer Geburt, deshalb ist der Zuckertest so wichtig. Wann steht der Test aber an? Und was verraten einem die Werte?

Immer mehr schwangere Frauen können den durch die Nahrung aufgenommenen Zucker bei der Verdauung nicht richtig umsetzen, ihre Körperzellen reagieren weniger auf das Hormon Insulin, das den Blutzucker senkt. Die Folge: Gestationsdiabetes, allgemein als Schwangerschaftsdiabetes bekannt, von der laut einer Studie, die 2017 im deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, über 5 Prozent aller Schwangeren betroffen sind. Damit diese schnellstmöglich behandelt werden können, gehört seit 2012 der Zuckertest standardmäßig zu den Voruntersuchungen dazu. Die Ergebnisse werden sogar im Mutterpass eingetragen.

Der Zuckertest für Schwangere gehört mittlerweile zur Voruntersuchung.

Ablauf und Zeitpunkt des Zuckertest?

Normalerweise findet die Untersuchung zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche statt – bei Risikopatientinnen mit erhöhtem Übergewicht bei einem BMI über 30, hohem Blutdruck und Diabetes in der Familie kann er schon früher passieren. Der Test startet ganz einfach: man trinkt einen Zuckersirup, das kann auf nüchternen Magen passieren, muss aber nicht sein. Eine Stunde später wird Blut abgenommen und der Blutzuckergehalt gemessen. Liegen die Werte bei unter 135mg/dl, liegt keine Gefährdung vor. Liegt er darüber, muss ein sogenannter Glukosetoleranztest gemacht werden.

Der Glukosetoleranztest

Dafür muss die Schwangere nüchtern zum Test kommen, was bedeutet, dass sie acht Stunden vorher nichts essen darf. Damit die Ergebnisse aussagekräftig sind, sollte sie auch drei Tage vorher nicht ihre normalen Ess- und Trinkgewohnheiten geändert haben. Auf körperliche Überanstrengung vor dem Test sowie Medikamente, die den Insulinhaushalt verändern können, sollte man ebenso verzichten.

Für den Test sollte man ein bisschen mehr als zwei Stunden einkalkulieren. Zunächst wird Blut abgenommen, um den nüchternen Blutzuckerspiegel zu bestimmen. Danach trinkt man 300 Milliliter Zuckersirup. Nach einer Stunde wird wieder das Blut abgenommen, um die Werte zu bestimmen und nach einer weiteren Stunde passiert es noch einmal.

Diese Werte sollten nicht überschritten werden:
• nüchtern (vor dem Trinken der Glukoselösung): < 92 mg/dl
• eine Stunde nach Trinken der Lösung: < 180 mg/dl
• zwei Stunden nach Trinken der Lösung: < 153 mg/dl

Allgemein gilt, dass es sich bei einem Wert beim Nüchternblutzuckerspiegel zwischen 92-125mg/dl um Schwangerschaftsdiabetes handelt. Liegt er sogar noch höher, könnte dies bedeuten, dass die Schwangere an Diabetes-Typ-2 erkrankt ist. Dann steht ein erneuter Test an.

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Schwangerschaftsdiabetes ist nicht zu unterschätzen, sie kann dazu führen, dass das Baby überproportional wächst und die Entbindung nur mit Kaiser-oder Dammschnitt oder Saugglocke vollzogen werden kann. Das Risiko einer Frühgeburt erhöht sich. Für die Mutter selbst kann es bedeuten, dass sie bei Nichtbehandlung Diabetes-Typ-2 entwickeln könnte.

Schuldgefühle bringen nichts

Bei all dem Schock, den die Schwangerschaftsdiabetes-Diagnose bringen kann, sollte man sich nicht in Schuldgefühlen ergehen, sondern sich auf das Positive konzentrieren. Gestationsdiabetes lässt sich nämlich gut im Zaum halten. Man bekommt ein Messgerät, mit dem man selbst den Blutzuckergehalt bestimmen kann und lernt so langsam, welche Gerichte die Wert hochschnellen lässt und welche nicht. Allgemein sollte man auf Zucker verzichten, ebenso auf Weißmehlprodukte. Vollkornprodukte sind angesagt. Quark mit Obst ist zum Beispiel eine gute Alternative für das Wurstbrötchen am Morgen. Mehr Bewegung schadet auch nicht.

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Bringt der Zuckertest die unliebsame Diagnose, bedeutet das nicht das Ende der Welt. Mit Disziplin kann man auch diese Klippe umschiffen und nach der Geburt stellt sich der Blutzuckerspiegel bei 90 Prozent der Frauen auch auf den Normalwert wieder ein.

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Zuckertest in der Schwangerschaft: Was bedeuten meine Werte?

von Claudia Galler
verfasst am 03.06.2017

Die Folgen einer Schwangerschaftsdiabetes können enorm sein! Ein Test für Gewissheit ist daher um so wichtiger (©Subbotina Anna-fotolia)Werdende Mütter können im Rahmen der Vorsorge an einem Diabetes-Screening teilnehmen, bei dem in einem zweistufigen Test der Blutzuckerspiegel der Schwangeren überprüft wird.

Etwa 5% der Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes

Erhöhte Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft können einen Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) anzeigen. Dabei handelt es sich um eine Verwertungsstörung von Glukose ähnlich dem Typ-2-Diabetes. Die Zellen können die Glukose trotz vorhandenem Insulin nicht vollständig aufnehmen, so dass der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht ist. Zu viel Blut im Zucker schädigt die Gefäße und Organe.

In der Schwangerschaft steigt dadurch die Gefahr für Harnwegsinfekte, Schwangerschaftshochdruck, vorzeitige Wehen, Früh- und Fehlgeburt. Die Kinder nehmen im Mutterleib rasch zu, als Erwachsene haben sie dann ein erhöhtes Risiko an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Welche Patientinnen tragen ein besonderes Risiko?

Die Veranlagung für einen Schwangerschaftsdiabetes wird vererbt. Zu den begünstigenden Faktoren für die Erkrankung gehören Verwandte ersten Grades, die Diabetiker sind,

Schwangerschaftsdiabetes während vorangegangener Schwangerschaften, Kinder mit hohem Geburtsgewicht von 4000g und mehr, eine erlebte Totgeburt, Alter über 30 und Übergewicht. Bei betroffenen Risikopatientinnen sollte der Zuckertest schon im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgen, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu bewahren.

So läuft der Zuckertest in der Schwangerschaft

Für den Vortest in der 24.-28. Schwangerschaftswoche braucht die Patientin nicht nüchtern sein, da der Test unabhängig von der letzten Mahlzeit durchgeführt wird. Dazu trinkt die Patientin in der Praxis eine Zuckerlösung aus 50g Glukose und 200ml Wasser, nach einer Stunde wird der Blutzucker gemessen. Beträgt der Wert 7,5 mmol/l (135 mg/dl) oder mehr, wird ein zweiter Test, der orale Glukosetoleranztest (OGTT) gemacht.

Hierzu erscheint die Patientin nüchtern, d. h. sie hat mindestens acht Stunden nichts gegessen. Die Patientin darf zum Zeitpunkt des Tests außerdem weder Fieber noch eine Entzündung haben, keine Diät machen und keine Medikamente wie Kortison oder wehenhemmende Mittel einnehmen. Für den Test wird zunächst der Nüchternblutzucker gemessen.

Danach trinkt die Patientin innerhalb von 3-5 Minuten 300ml einer Zuckerlösung, die 75g Glukose enthält. Der Blutzucker wird nochmals nach 60 und 120 Minuten gemessen. Die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes erfolgt, wenn ein oder mehrere Grenzwerte erreicht oder überschritten werden:

Nüchternwert: 5,1mmol/l (92mg/dl)

Nach 60 Minuten: 10mmol/l (180mg/dl)

Nach 120 Minuten: 8,5mmol/l (153mg/dl)

Diagnose Schwangerschaftsdiabetes

Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes sollten engmaschig von einer diabetologischen Praxis betreut werden. Sie lernen, ihren Blutzucker selbst zu messen, müssen ihre Ernährung auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Kost umstellen und den Insulin-Glukose-Stoffwechsel über ausreichend Bewegung günstig beeinflussen. Bringen diese Maßnahmen keine Besserung, spritzen sich die Patientinnen zusätzlich Insulin.

Nach der Schwangerschaft normalisieren sich die Blutzuckerwerte meistens wieder. Das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken, bleibt jedoch erhöht.

Wer zahlt den Zuckertest in der Schwangerschaft?

Die Krankenkassen übernehmen seit 2012 den zweistufigen Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Ob dabei die Glukoselösung von der Praxis hergestellt, ausgegeben und bezahlt wird oder die Glukose oder ein fertiger OGTT-Saft von der Patientin in der Apotheke gekauft wird, hängt von der Organisation der Arztpraxis ab.

In der 24. Woche soll ich zu einem speziellen Zuckertest kommen. Ist das wirklich nötig?

Wahrscheinlich soll ein Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, oGTT) durchgeführt werden. Ihr Nüchternblutzucker wird zunächst bestimmt. Dieser Nüchternzucker sollte unter 5,1 mmol/l (92 mg/dl) liegen. Dann müssen Sie auf nüchternen Magen (letzte Mahlzeit vor 22 Uhr) Zuckerwasser (75g Glukose auf 250 – 300 ml Wasser) innerhalb von 5 Minuten trinken. Wieder wird nach einer Stunde der Blutzuckerwert bestimmt. Die Grenzwerte beim oralen Glucose-Toleranztest mit 75 g Zucker: Nach einer Stunde sollte er niedriger als 10,0 mmol/l (180 mg/dl) und nach zwei Stunden niedriger als 8,5 mmol/l (153 mg/dl) sein.

Sofern einer der Werte erreicht oder überschritten wird, ist die Diagnose Gestationsdiabetes gesichert.

Dieser Zuckertest zwischen der 24. und 28. SSW wird seit 2009 von der Schweizerischen Gynäkologengesellschaft (gynécologie suisse) routinemässig bei allen Schwangeren empfohlen, um einen versteckten Schwangerschaftsdiabetes zu erfassen, auch wenn keine Risikofaktoren vorliegen, z.B. Übergewicht der Schwangeren, grosses Kind, viel Fruchtwasser, familiäre Belastung mit Diabetes mellitus oder mehrmals Zucker im Urin.

Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien): Einführung eines Screenings auf Gestationsdiabetes

Bekanntmachungen

Vom 15. Dezember 2011

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat in seiner Sitzung am 15. Dezember 2011 beschlossen, die Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien) in der Fassung vom 10. Dezember 1985 (BAnz. Nr. 60a vom 27. März 1986), zuletzt geändert am 19. Mai 2011 (BAnz. S. 2894), wie folgt zu ändern:

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I.

Der Abschnitt A Untersuchungen und Beratungen sowie sonstige Maßnahmen während der Schwangerschaft wird wie folgt geändert.

1. Nach Nummer 7 wird folgende Nummer 8 eingefügt:

„8. Jeder Schwangeren, die nicht bereits einen manifesten Diabetes hat, soll ein Screening auf Schwangerschaftsdiabetes mit nachfolgend beschriebenem Ablauf angeboten werden. Als Hilfestellung für die Information der Frau zu diesem Screening ist das Merkblatt mit dem Titel „Ich bin schwanger. Warum wird allen Schwangeren ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten?“ zur Verfügung zu stellen. Dieses wird der Schwangeren frühzeitig ausgehändigt, um eine informierte Entscheidung auch angesichts möglicher Therapieoptionen treffen zu können.

Screeningablauf:

Im Zeitraum zwischen 24 +0 und 27 +6 Schwangerschaftswochen Bestimmung der Plasmaglukosekonzentration eine Stunde nach oraler Gabe von 50g Glucoselösung (unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Mahlzeit, nicht nüchtern).

Schwangere mit Blutzuckerwerten größer oder gleich ≥ 7,5 mmol/l (≥ 135 mg/dl) und kleiner oder gleich ≤ 11,1 mmol/l (≤ 200 mg/dl) erhalten zeitnah einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75g Glukoselösung nach Einhaltung von mindestens 8 Stunden Nahrungskarenz. Bei Erreichen bzw. Überschreiten eines oder mehrerer der nachfolgend genannten Werte soll die weitere Betreuung der Schwangeren in enger Zusammenarbeit mit einer diabetologisch qualifizierten Ärztin bzw. einem diabetologisch qualifizierten Arzt erfolgen. In die Entscheidung über eine nachfolgende Behandlung sind Möglichkeiten zur Risikosenkung durch vermehrte körperliche Betätigung und einer Anpassung der Ernährung einzubeziehen.

Grenzwerte:

Nüchtern: ≥ 5,1 mmol/l (92 mg/dl)

nach 1 Stunde: ≥ 10,0 mmol/l (180 mg/dl)

nach 2 Stunden: ≥ 8,5 mmol/l (153 mg/dl)

Empfehlungen zur Qualitätssicherung gemäß § 135 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB V

Die Blutzucker-Bestimmung erfolgt im Venenblut mittels standardgerechter und qualitätsgesicherter Glukosemessmethodik. Das Messergebnis wird als Glukosekonzentration im venösen Plasma angegeben. Dabei sind geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Verfälschungen der Messwerte durch Glykolyse vorzusehen.

Werden zum Screening und zur Erstdiagnostik des Gestationsdiabetes Unit-use-Reagenzien und die entsprechenden Messsysteme in der patientennahen Sofortdiagnostik angewendet, müssen diese nach Herstellerempfehlungen für die ärztliche Anwendung in Diagnose und Screening vorgesehen sein.

Geräte, die lediglich zur Eigenanwendung durch den Patienten bestimmt sind, sind damit ausgeschlossen.

Neben diesen Regelungen zur Qualitätssicherung gelten unverändert die Regelungen der Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen. Dabei ist insbesondere auf die Vorgaben zur regelmäßigen Qualitätskontrolle der Messsysteme Teil B1, Abschnitte 2.1.5 und 2.1.6 der genannten Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer hinzuweisen.“

2. Die bisherige Nummer 8 wird Nummer 9.

II.

Nach Anlage 4 wird folgende Anlage angefügt:

„Anlage 5

(zu Abschnitt A. Nr. 8 der Mutterschafts-Richtlinien)

Ich bin schwanger. Warum wird allen schwangeren Frauen ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten?

Liebe Leserin,

Dieses Merkblatt erläutert, warum allen Schwangeren ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) angeboten wird. Sie erfahren unter anderem, wie der Test abläuft, welche Folgen ein Schwangerschaftsdiabetes haben kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Die wichtigsten Informationen:

  • Bei einem Schwangerschaftsdiabetes sind die Blutzuckerwerte erhöht. Damit nimmt das Risiko für bestimmte seltene Geburtskomplikationen etwas zu. Das Risiko kann aber meist schon durch eine Umstellung der Ernährung wieder normalisiert werden.
  • Wenn Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird, eröffnet dies die Möglichkeit, selbst etwas dagegen zu tun.
  • Die weitaus meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben eine ansonsten normale Schwangerschaft und bringen ein gesundes Kind zur Welt.
  • Schwangerschaftsdiabetes bedeutet nicht, dass Sie dauerhaft zuckerkrank sind (Diabetes Typ I oder Typ II).

Sie haben Anspruch auf einen Test auf Schwangerschaftsdiabetes.

Sie haben selbstverständlich auch das Recht, diesen Test abzulehnen.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Bei den meisten Frauen bleiben die Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft normal. Wenn der Blutzucker während der Schwangerschaft jedoch bestimmte Werte übersteigt, sprechen Fachleute von Schwangerschaftsdiabetes. Sehr hohe Blutzuckerwerte können ein Zeichen sein, dass eine Frau schon vor der Schwangerschaft einen Diabetes aufwies, ohne davon zu wissen. Diesen Frauen wird eine besondere Betreuung angeboten, über die Ärztinnen und Ärzte dann informieren.

Erhöhte Blutzuckerwerte treten häufiger bei Frauen mit starkem Übergewicht, mit Verwandten mit Diabetes oder einem früheren Schwangerschaftsdiabetes auf. Vielleicht wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie schon zu Beginn der Schwangerschaft nach solchen Faktoren fragen und dann zu einem Test raten.

Welche Folgen kann ein Schwangerschaftsdiabetes haben und was ändert eine Behandlung?

Wohl jede Schwangere wünscht sich eine normale Schwangerschaft und Geburt. Wichtig ist deshalb zu wissen, dass sich auch bei den meisten Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes das Kind ganz normal entwickelt. Es gibt jedoch Frauen, bei denen eine Behandlung Vorteile hat.

Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind bei Geburt im Durchschnitt etwas schwerer. Das alleine ist kein Grund zur Beunruhigung. Bei größeren Kindern kommt es aber nach Austritt des Kopfes häufiger zu einer Verzögerung der Geburt. Bei einer solchen „Schulterdystokie“ müssen Hebammen/Entbindungspfleger und Ärztinnen/Ärzte dann ohne Verzögerung reagieren, dabei kommt es manchmal zu Verletzungen bei Mutter oder Kind. Auch wenn diese Verletzungen nur selten bleibende Folgen haben – Schulterdystokien sind seltener, wenn ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt wird. In Studien zeigte sich: Während es ohne Behandlung bei 3 bis 4 von 100 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zu einer Schulterdystokie kam, war dies nach einer Behandlung nur bei 1 bis 2 von 100 der Geburten der Fall.

Bei erhöhtem Blutzucker steigt zudem das Risiko für eine ebenfalls seltene Schwangerschaftserkrankung: die sogenannte Präeklampsie. Diese Schwangerschaftserkrankung geht mit einer erhöhten Eiweißausscheidung im Urin einher, der Blutdruck steigt, und es kommt zu Wassereinlagerungen im Körper. Ohne Behandlung kann eine Präeklampsie Mutter und Kind schaden. Dem kann eine Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes nach heutigem Kenntnisstand vorbeugen.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?

Die beste Methode, einen Schwangerschaftsdiabetes festzustellen, ist ein Zuckertest (Glukosetoleranztest). Der Test misst, wie der Körper auf eine größere Menge Traubenzucker (Glukose) reagiert. Für die Mutter und das Baby bringt der Test keine Risiken mit sich, aber manche Frauen empfinden die süße Flüssigkeit als unangenehm.

Der Zuckertest wird im 6. oder 7. Schwangerschaftsmonat angeboten. Wenn Sie sich dafür entscheiden, machen Sie zunächst einen Vortest, bei dem Sie ein Glas Wasser mit 50 Gramm Zucker trinken. Für diesen Vortest müssen Sie nicht nüchtern sein. Nach einer Stunde wird Ihnen Blut aus einer Armvene abgenommen und die Höhe des Blutzuckers bestimmt. Liegt der Wert unter 7,5 Millimol pro Liter (mmol/l, das entspricht 135 mg/dl), ist das Ergebnis unauffällig und der Test beendet.

Wird im Vortest ein erhöhter Wert gefunden, ist das noch keine Diagnose. Der Vortest dient dazu, die Frauen zu erkennen, denen dann ein zweiter, entscheidender Zuckertest angeboten wird. Dieser zweite Test ist aufwändiger: Für diesen „Diagnosetest“ muss die Schwangere nüchtern sein, das heißt, mindestens acht Stunden nichts gegessen oder getrunken haben, nur Wasser ist erlaubt. Der Test beginnt damit, dass der Frau nüchtern Blut abgenommen wird. Erst dann trinkt sie eine Zuckerlösung mit 75 Gramm Glukose. Nach einer und nach zwei Stunden wird erneut Blut aus einer Armvene abgenommen. Wenn einer der drei folgenden Blutzuckerwerte erreicht oder überschritten ist, wird die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ gestellt:

Nüchtern: 5,1 mmol/l (92 mg/dl), nach einer Stunde: 10,0 mmol/l (180 mg/dl), nach zwei Stunden: 8,5 mmol/l (153 mg/dl).

Das Ergebnis wird im Mutterpass dokumentiert. Die Kosten beider Tests werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Wie kann ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt werden?

Meist kann der erhöhte Blutzucker allein durch eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung ausreichend gesenkt werden. Betroffene Frauen erhalten dazu eine spezielle Beratung. Nur wenigen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben so anhaltend hohe Zuckerwerte, dass sie Insulin spritzen sollten. Andere Diabetes-Medikamente sind für schwangere Frauen nicht zugelassen.

Nach der Geburt wird Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ein erneuter Zuckertest angeboten, um sicher zu sein, dass sich die Blutzuckerwerte wieder normalisiert haben. Dann ist keine weitere Behandlung erforderlich. Allerdings entwickeln Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes später im Leben häufiger einen Typ-2-Diabetes.

Der Umgang mit der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes

Die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ kommt oft aus heiterem Himmel. Es sind ja keine Beschwerden spürbar. Die Sorge um das Wohlbefinden des Kindes und um die eigene Gesundheit kann dann die Schwangerschaft belasten. Auch die zur Behandlung gehörenden Umstellungen sind anfangs gewöhnungsbedürftig. Sie können aber schnell zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags werden. Und es ist wichtig, eins nicht aus dem Blick zu verlieren: Auch mit Schwangerschaftsdiabetes kommen die allermeisten Kinder gesund zur Welt.

Stand:
Dezember 2011

Das Merkblatt ist eine Anlage der Mutterschafts-Richtlinien.

Herausgeber:

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss (G-BA)
Wegelystraße 8
10623 Berlin
Telefon: 030 275838-0
Telefax: 030 275838-990

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) ist ein Gremium der Gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Zahnärztinnen und Zahnärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen in Deutschland, in dem seit 2004 auch Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter aktiv mitwirken.

Erstellung:

Dieses Merkblatt wurde im Auftrag des G-BA vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (www.iqwig.de) entwickelt.“

III.

Die Änderung der Richtlinie tritt am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die tragenden Gründe zu diesem Beschluss werden auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses unter www.g-ba.de veröffentlicht.

Berlin, den 15. Dezember 2011

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss
gemäß § 91 SGB V

Der Vorsitzende

Hess

OGTT: Blutzuckertest für Schwangere

Wie läuft der OGTT ab?

Der Test wird üblicherweise zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche gemacht, bei besonderen Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck auch früher. Im Regelfall führt der Arzt zunächst eine vereinfachte Variante durch: Die Schwangere trinkt einen Sirup, der 50 Gramm Glukose enthält. Eine Stunde später wird ihr Blutzucker bestimmt. Ist dieser dann nur noch leicht erhöht, besteht kein Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes. Bei deutlich erhöhten Werten kann die Diagnose im Prinzip schon gestellt werden. Bei mäßiger Blutzuckererhöhung hingegen soll die Patientin zur Kontrolle einen vollständigen OGTT machen.

Dazu muss sie nüchtern sein, was bedeutet, dass sie zuvor mindestens acht Stunden nichts gegessen haben darf. Der Nüchternblutzucker wird vor Testbeginn erhoben, um einen Ausgangswert zu erhalten. Außerdem lässt sich so ausschließen, dass die Schwangere bereits erhöhte Zuckerwerte hat, was bei dem folgenden Provokationstest gefährlich werden könnte.

Nach Bestimmung des Nüchternblutzuckers trinkt die Probandin innerhalb weniger Minuten 75 Gramm Glukose. Eine und zwei Stunden danach wird der Zucker im Venenblut der Testperson gemessen. Ihr Körper sollte während der Zeit in der Lage sein, die getrunkene Glukose in einem bestimmten Umfang aus dem Blut in die Körperzellen zu überführen. Schafft der Organismus das aber nicht, zeigen das erhöhte Blutzuckerwerte an. Es besteht eine gestörte Glukosetoleranz.

Welche Werte sind krankhaft?

Der Nüchternblutzucker sollte unter 92 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Blut liegen, beziehungsweise unter 5,1 Millimol pro Liter Blut (mmol/l) – in den alten und neuen Bundesländern werden unterschiedliche Einheiten verwendet. Eine Stunde nach dem Zuckertrunk muss der Blutzucker wieder auf unter 180 mg/dl (10 mmol/l) gefallen sein, nach zwei Stunden auf unter 153 mg/dl (8,5 mmol/l). Ist nur ein Wert erhöht, stellt der Arzt die Diagnose Gestationsdiabetes. Liegt der Nüchternzucker bereits über 126 mg/dl (7 mmol/l) sollte kein Belastungstest erfolgen.

Was bedeutet die Diagnose Gestationsdiabetes?

Gestationsdiabetes bedeutet, dass der weibliche Körper bedingt durch eine Schwangerschaft die Zuckeraufnahme aus dem Blut nicht mehr ausreichend schnell bewältigt. Nach der Geburt normalisiert sich die Stoffwechselsituation oft wieder. Allerdings zeigt die Störung gewissermaßen eine Belastungsschwäche als Ausdruck einer beginnenden Zuckerkrankheit an. Die betroffenen Frauen haben ein sieben- bis achtfach erhöhtes Risiko, in den folgenden Jahren einen bleibenden – sogenannten manifesten – Diabetes vom Typ II zu entwickeln. Daher sollten entsprechend gefährdete Frauen Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck möglichst reduzieren und regelmäßig kontrollieren lassen. In jedem Fall muss der Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft überwacht und normalisiert werden, um negativen Folgen für Mutter und Kind vorzubeugen. Oft reichen diätetische Maßnahmen aus. Falls nicht, muss die Schwangere Insulin spritzen. Andere Medikamente zur Blutzuckersenkung, sogenannte orale Antidiabetika, sind für Schwangere nicht geeignet.

Was kann den Test verfälschen?

Einige Medikamente wie Kortison oder Schilddrüsenhormone verändern den Blutzuckerspiegel und können den Test verfälschen. Die Medikation muss daher nach Absprache mit dem Arzt gegebenenfalls ausgesetzt werden. Die Schwangere sollte außerdem übermäßige körperliche Aktivität vor oder während der Untersuchung vermeiden und nicht rauchen.

Glukosetoleranztest: Wie ist der genaue Ablauf?

Ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) soll messen, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Er wird daher auch Glukosebelastungstest genannt. Übersteigt der Blutzucker im Rahmen des Tests bestimmte Werte, kann es sein, dass der Zucker nicht ausreichend in die Körperzellen aufgenommen wird. Möglicherweise liegt dann ein Diabetes mellitus oder ein Schwangerschaftsdiabetes vor.

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes ist der Blutzuckerspiegel erhöht, meist durch einen veränderten Stoffwechsel in der Schwangerschaft. Nach der Geburt des Kindes normalisiert sich der Blutzuckerspiegel meistens wieder.

Welche Formen des Glukosetoleranztests gibt es?

Es gibt zwei Formen des Glukosetoleranztests: Eine Kurzvariante, den sogenannten Glukose-Challenge-Test, und einen vollen Glukosetoleranztest. Die Kurzvariante ist weniger aufwendig und dient als Vortest, um ein Risiko für Diabetes oder Schwangerschaftsdiabetes zu bestimmen. Beide Tests werden oft auch einfach Zuckertest genannt.

Glukose-Challenge-Test

Der Glukose-Challenge-Test (von engl. challenge = Herausforderung) ist eine Kurzvariante des Zuckertests. Der Test kann zu jeder Tageszeit gemacht werden. Dazu trinkt man ein großes Glas konzentrierte Zuckerlösung: 50 g Glukose (Traubenzucker) aufgelöst in 250 bis 300 ml Wasser. Nach einer Stunde wird Blut abgenommen, um die Höhe des Blutzuckers zu bestimmen.

Glukosetoleranztest

Für den Glukosetoleranztest ist es wichtig, morgens mit nüchternem Magen in die Arztpraxis zu kommen. Nüchtern bedeutet, dass man nicht gefrühstückt und die letzte Mahlzeit am Abend zuvor eingenommen hat. Dies gilt auch für Getränke mit Ausnahme von Wasser.

Für den Test wird zunächst Blut abgenommen, um den Nüchternblutzucker zu bestimmen. Das Blut wird aus der Vene, der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen gewonnen. Anschließend trinkt man ein großes Glas konzentrierte Zuckerlösung. Beim Glukosetoleranztest werden dafür 75 g Glukose in 250 bis 300 ml Wasser aufgelöst. Für Kinder wird die Menge je nach Körpergewicht berechnet. Geht es darum, einen Verdacht auf Diabetes mellitus abzuklären, wird nach zwei Stunden erneut Blut abgenommen und der Blutzucker gemessen. Beim Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes wird eine Stunde nach dem ersten Test und dann noch einmal nach zwei Stunden Blut abgenommen.

Es wird empfohlen, den Test im Liegen oder Sitzen durchzuführen und bis zur letzten Blutabnahme weder zu essen, noch zu trinken oder zu rauchen. Wichtig ist, sich in den Tagen vor dem Test normal und ausgewogen zu ernähren. Starke Änderungen der üblichen Ernährung, wie etwa eine Diät, können das Ergebnis des Tests beeinflussen und seine Aussagekraft schwächen. Auch bestimmte Medikamente können das Ergebnis verzerren. Auf was genau zu achten ist, kann jeder im Vorfeld mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Quellen

Andreae S. Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Stuttgart: Thieme; 2008.

Longo DL, Fauci AS, Kasper DL, Hauser SL, Jameson JL, Loscalzo J. Harrison’s Principles of internal medicine. New York: McGraw-Hill Companies. 18th ed; 2011.

Pschyrembel W. Klinisches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter; 2014.

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Schlagwörter: Diagnosemethoden, Drüsen und Hormone, Glukose-Toleranz-Test (oGTT), oraler Glukose-Toleranz-Test (oGTT), R73, R94, Verdauung und Stoffwechsel, Z13, Zuckertest Aktualisiert am 28. Dezember 2016 28. Dezember 2016
Erstellt am 1. März 2011
Nächste geplante Aktualisierung: 2020
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Schwangerschaftsdiabetes

In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft kann es auch bei Nicht-Diabetikerinnen zu einer meist leichteren, weniger gravierenden Form der Zuckerkrankheit kommen, die als Gestationsdiabetes (GDM) bezeichnet wird. Dieser Schwangerschaftsdiabetes tritt wahrscheinlich bei 5-10% aller Schwangerschaften auf und gehört damit zu den häufigsten Komplikationen. Zum einen führen die verschiedenen Schwangerschaftshormone (z.B. Östrogene, humanes Plazentalaktogen) zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels, zum andern spielt auch die in der Schwangerschaft meist nicht optimale Ernährung (wie Lust auf Süsses) eine Rolle.

Welche Schwangeren haben ein Diabetesrisiko?

Ein etwas erhöhtes Risiko haben Frauen, die bereits älter sind, in deren Verwandtschaft es Fälle von Diabetes mellitus gibt, sowie Frauen, die Bluthochdruck, eine Fettstoffwechselstörung oder Übergewicht haben und mehr als 80 – 90 kg wiegen (Body Mass Index von mehr als 27). Ein weiterer Grund für eine besonders sorgfältige Betreuung besteht, wenn sich schon in einer vorhergegangenen Schwangerschaft ein Gestationsdiabetes entwickelte oder ein besonders schweres Kind (über 4000 g) geboren wurde. Auch Frauen, die schon mehrere Fehlgeburten hatten, scheinen ein höheres Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes zu haben.

Wie bemerkt man einen Schwangerschaftsdiabetes?

Ein leichter Schwangerschaftsdiabetes verursacht keine Symptome oder Beschwerden und hat bei entsprechender Therapie normalerweise keine Folgen für die werdende Mutter und ihr Kind. Wird er jedoch übersehen und nicht genau kontrolliert und behandelt, kann er je nach Schweregrad zu allerlei Problemen führen. Schwangere mit GDM neigen zu Harnwegsinfektionen und Scheidenentzündungen, v.a. mit Pilzen, und entwickeln etwas häufiger einen Bluthochdruck und eine Präeklampsie. Und das wiederum erhöht das Risiko für eine Frühgeburt.

Interview

Jael Grillo zum Thema „Gut beraten bei Gestationsdiabetes“

Warum ist ein Diabetes in der Schwangerschaft so gefährlich?

Vor allem die Gesundheit des Kindes ist in Gefahr, wenn ein Schwangerschaftsdiabetes nicht gut eingestellt wird. Ist dies schon zu Beginn der Schwangerschaft der Fall, kann es schlimmstenfalls zu angeborenen Fehlbildungen, später zu Komplikationen bei der Geburt und Anpassungsstörungen nach der Geburt kommen. Die vermehrte Zuckerzufuhr über die Nabelschnur löst beim Ungeborenen eine Überfunktion der Bauchspeicheldrüse (Hyperinsulinismus) aus, was zu einem deutlichen Wachstumsschub führt. Dies ist deshalb bedenklich, weil Kinder mit solch einer „Makrosomie“ bei einer vaginalen Geburt Komplikationen bis hin zum Geburtsstillstand auslösen können. Regelmässige Ultraschallkontrollen können eine Makrosomie rechtzeitig erkennen.

Für die Entbindung sollten sich werdende Mütter mit GDM deshalb ein Spital mit angeschlossener Kinderklinik aussuchen. Ein gut eingestellter Schwangerschaftsdiabetes mit einem geschätzten Kindsgewicht im Normalbereich ist jedoch kein Grund für eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt.

Welche Untersuchungen erkennen eine Zuckerkrankheit?

Bei Ihrer ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung wird der Nüchternblutzuckerwert bestimmt. Er sollte unter 5,1 mmol/l (unter 92 mg/dl) liegen. Ausserdem wird kontrolliert, ob Zucker (Glucose) im Urin vorhanden ist. Die Urinuntersuchung kann bei jeder weiteren Vorsorgeuntersuchung wiederholt werden, allerdings ist dieser Test nach neueren Erkenntnissen nicht allzu aussagekräftig. Bei auffälligen Werten wird der Verdacht dann durch weitere Tests abgeklärt. Auch wenn die Ultraschalluntersuchung besonders viel Fruchtwasser oder ein sehr grosses Kind zeigt, muss genauer untersucht werden.

Seit 2009 wird von der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (gynécologie suisse) empfohlen, bei allen Schwangeren in der 24.-28. SSW einen Zuckerbelastungstest (oraler Glukose-Toleranztest oGTT) durchzuführen. Dazu muss die Schwangere eine Zuckerlösung aus 250 – 300 ml Wasser mit 75 g Glukose innerhalb von 5 Minuten trinken. Nach einer und zwei Stunden wird der Blutzuckerwert bestimmt. Ein normaler Wert liegt unter 10,0 bzw. 8,5 mmol/l (180 bzw. 153 mg/dl). Der Nüchternblutzucker wird zu Beginn der Untersuchung bestimmt (s.o.).

Wie behandelt man einen Schwangerschaftsdiabetes?

Durch eine Ernährungsumstellung kann man in 85% der Fälle den Schwangerschaftsdiabetes für längere Zeit sehr gut behandeln. Das Körpergewicht ist regelmässig zu kontrollieren, um einer starken Gewichtszunahme vorzubeugen. Mehrere kleine Mahlzeiten anstatt weniger grosser und Kalorienreduktion (weniger Fett und mehr Eiweiss, weniger aber höherwertige Kohlenhydrate) sind ein erster Schritt.

Regelmässige körperliche Betätigung wie Schwimmen, Gehen, Treppensteigen lässt die Körperzellen besser auf das körpereigene Insulin ansprechen.Empfohlen wird, täglich je eine halbe Stunde spazieren zu gehen.

Erst wenn Diät und Bewegung gegen Ende der Schwangerschaft hin keine Wirkung mehr zeigen, müssen Insulin gespritzt und die Blutzuckerwerte mehrmals täglich zu Hause selbst überprüft werden. Das ist etwa bei einem Viertel der Frauen mit Gestationsdiabetes erforderlich. Orale Antidiabetika (Blutzuckertabletten) dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Wenn die Geburtswehen einsetzen, ist das Insulin sofort abzusetzen, da sonst – sowohl bei der Mutter als auch beim Kind – schwere Unterzuckerungen (Hypoglykämien) drohen könnten.

Und was ist mit dem „Zucker“ nach der Geburt?

Der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet normalerweise schon kurz nachdem die Plazenta ausgestossen wird. Bei manchen Frauen bleibt die Stoffwechselstörung jedoch auch noch nach der Geburt bestehen, und bei 30-50% aller Mütter kommt es innerhalb von fünf bis zehn Jahren nach der Geburt zu einem echten Diabetes mellitus vom Typ I oder II. Fachleute empfehlen deshalb Blutzuckerkontrollen mit einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT, s.o.) im Wochenbett, nach der Stillzeit und danach alle ein bis zwei Jahre.

Häufige Fragen zum Thema

Ich bin in der 22. Woche und muss manchmal einfach ganz viel Süsses essen. Ist das gefährlich?

In der 24. Woche soll ich zu einem speziellen Zuckertest kommen. Ist das wirklich nötig?

In meiner Urinprobe wurde Glukose festgestellt. Heisst das, ich bin zuckerkrank?

Wird mein Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt wieder völlig verschwinden?

Ich versuche, meinen Schwangerschaftsdiabetes mit Diät und Bewegung in den Griff zu kriegen. Was passiert, wenn ich das nicht schaffe?

Mein Kind (34. Woche) ist laut Ultraschall zwei Wochen zu gross, obwohl mein Diabetes gut eingestellt ist. Muss ich mit einem Kaiserschnitt rechnen?

Wissen

Schwangerschaftsdiabetes: Urintest bringt nichts!

Diabetes mit Folgen

Newsticker

Erst Zucker, dann Depression | 03.06.2019

Der sog. Gestationsdiabetes ist die häufigste Begleiterkrankung in der Schwangerschaft und kann zu ernsten Komplikationen für Mutter und Kind vor und bei der Geburt führen. Aber auch nach der Geburt: Die frischgebackene Mutter entwickelt nicht selten eine Wochenbett-Depression, wie eine Meta-Studie mit ca. 2 Mio. Frauen ergab. Im Gegensatz zu einem kurzzeitig anhaltenden „Baby-Blues“ birgt sie das Risiko für eine dauerhafte Depression oder für Bindungsstörungen zum Kind, bei dem es zu Verhaltensauffälligkeiten sowie Entwicklungsstörungen kommen kann. Es ist daher wichtig, betroffene Wöchnerinnen schnell zu identifizieren, z.B. mit einem Fragebogen, der eine Einschätzung der Stimmungslage ermöglicht, und entsprechend zu behandeln.

Bewegung gegen Zucker | 11.07.2018

Übergewichtige Schwangere können mit regelmässigem Sport ihr erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes fast halbieren. Durch die Bewegung werden zudem Komplikationen reduziert, wie übermässige Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Präeklampsie, Frühgeburt, Kaiserschnittentbindung sowie niedriges Geburtsgewicht, wie eine neue Studie ergab. Die Teilnehmerinnen nahmen ab der 13. Schwangerschaftswoche bis kurz vor der Geburt dreimal pro Woche an einem je 30-minütigen Fahrrad-Ergometertraining teil. Die Intensität war so bemessen, dass sich die Frauen dabei noch unterhalten konnten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Sport trat deutlich seltener ein Schwangerschaftsdiabetes auf. Die Neugeborenen profitierten ebenfalls durch ein günstigeres Geburtsgewicht.

Schwangerschaftsdiabetes | 12.04.2017

Mütter, die in den Jahren vor der Schwangerschaft stetig an Gewicht zunehmen, entwickeln später öfter einen Schwangerschaftsdiabetes. Eine neuseeländische Studie beobachtete jahrelang über 3000 Frauen. Bei 4,4% trat ein Schwangerschaftsdiabetes auf. Aber: Im Vergleich zu Frauen, deren Gewicht stabil blieb, entwickelten Frauen, die jedes Jahr mehr als 2,5 Prozent ihres Körpergewichts zunahmen, dreimal so häufig einen Schwangerschaftsdiabetes. Sogar eine Gewichtszunahme von 1,5 bis 2,5 Prozent des Körpergewichts pro Jahr verdoppelte die Wahrscheinlichkeit. Das zeigte sich auch dann, wenn das Gewicht (der BMI) insgesamt noch im gesunden Bereich lag. Die Forscher vermuten, dass Frauen, die stetig etwas an Gewicht zunehmen, schleichend eine Insulinresistenz entwickeln, die sich unter der Belastung der Schwangerschaft bemerkbar macht.

Baby mit Rekordgewicht: Ein besonders schweres Mädchen mit einem Geburtsgewicht von 6110 Gramm und einer Grösse von 57,5 cm wurde Ende Juli im Uniklinikum Leipzig geboren. Ursache war ein unentdeckter Schwangerschaftsdiabetes bei der stark übergewichtigen Mutter. Bis zur Geburt war das Kindsgewicht zwar vermutet, aber nicht genau eingeschätzt worden. Denn bei Schwangeren mit hohem Übergewicht funktionieren der Ultraschall und die üblichen Berechnungsformeln deutlich schlechter. Die Ärzte versuchten eine natürliche Geburt, weil ein Kaiserschnitt mit noch höheren Risiken verbunden gewesen wäre. (swissmom Newsticker, 20.8.2013)

„Zucker“ immer häufiger: Der Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes (GDM) gehört zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen und betrifft inzwischen mehr als vier Prozent aller Schwangeren. Zu den bekannten Risikofaktoren der „Zuckerkrankheit“ gehören Übergewicht, höheres Lebensalter, Bewegungsmangel und ein hoher Konsum von Softgetränken sowie rotem Fleisch. Die Hälfte aller betroffenen Mütter entwickelt acht bis zehn Jahre nach der Geburt einen manifesten Diabetes Typ 2. Die Kinder von Frauen mit Gestationsdiabetes kommen häufig mit zu hohem Gewicht und weiteren Problemen zur Welt. Frauen mit Kinderwunsch und Übergewicht sollten möglichst schon vor dem Schwangerwerden abnehmen. (swissmom Newsticker, 20.7.15)

Stillen beugt Diabetes vor: Frauen mit Gestationsdiabetes entwickeln nach der Geburt in mehr als der Hälfte der Fälle einen Typ-2-Diabetes (sog. Altersdiabetes). Je länger aber diese Mütter ihr Kind stillten, desto geringer war ihr Risiko dafür in den zwei Jahren nach der Geburt, wie eine amerikanische Studie jetzt herausfand. Bei 1035 Teilnehmerinnen mit Gestationsdiabetes war binnen neun Wochen sowie zwei Jahre nach der Geburt ein oraler Glukosetoleranztest vorgenommen worden. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, war bei Frauen, die ausschliesslich gestillt hatten, um über 54 Prozent niedriger als bei Frauen, die die Kinder nur mit Säuglingsnahrung gefüttert hatten. Und das Risiko sank umso mehr, je länger die Mütter ausschliesslich stillten. Mehr über die Vorteile des Stillens…(swissmom Newsticker, 18.2.16)

Letzte Aktualisierung : 26-08-19, BH

Test Schwangerschaftsdiabetes – Ablauf und Kosten?

Hallo Simone,
also ich musste den Test machen, weil ich Glucose im Urin hatte. Ich habe den Test (bis auf die Rezeptgebühr von 5€) nicht bezahlen müssen, da ich Risiko Schwangere bin.
Ich musst morgens früh in die Praxis meines FA nüchtern kommen. Da habe ich erst mal Blut abgenommen bekommen. Dann habe ich diese Glucoselösung getrunken (die habe ich einen Tag vorher verschrieben bekommen und dann mit in die Prxis gebracht). Nach genau einer Stunde habe ich wieder Blut abgenommen bekommen und dann nach 2 Stunden wieder.
Manche FA haben ein Blutzuckermssgerät direkt in der Praxis, da bekommst du die Werte gleich gesagt. Bei meiner FA wurde das Blut ins Labor geschickt und ich bekam die Werte 2 Tage später gesagt. Nun ja, es hat sich bei mir auch bestätigt. Ich habe Schwangerschaftsdiabetes. Mein Wert nach 1 Stunde war erhöht. Jetzt bin ich bei einem Diabetologen in Behandlung. Ich muss sogar abends vor dem Schlafen gehen Insulin spritzen. Aber ich kann allen Frauen die Angst nehmen. Es ist wirklich nicht schlimm. Man gewöhnt sich an alles.
Also habt keine Angst.
Es ist wirklich nicht so schlimm, wie alle sagen.
Liebe Grüße
Sissischatz + inside 34+2

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