Schwangerschaft und schmerzmittel

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Sind Schmerzmittel in der Schwangerschaft erlaubt?

Viele Schwangere sind unsicher

Blöd nur, dass es gerade in der Schwanger­schaft besonders häufig irgendwo spannt und zwickt. Das zusätzliche Gewicht verursacht oft Rückenschmerzen, die Hormone begünstigen Kopfweh. Jetzt ein Schmerz­­mittel nehmen? Viele Schwangere sind da un­­sicher. Das beobachtet auch Christiane Tremel, Leiterin einer Apotheke in Dornburg-Camburg. Sie rät den Frauen: „In jedem Fall zuerst Rücksprache mit der Frauen­ärztin halten.“ Aber auch in der Apotheke können werdende Mütter nach­fragen, was sie nehmen dürfen.

Fest steht: Besser ist es, ohne Medikamente auszukommen, aber: „Wenn eine Schwangere Schmerz­mittel wirklich braucht, dann ist es sinnvoll, dass sie sie auch nimmt“, sagt Schäfer. Denn wer permanent starke Beschwerden habe und entsprechende Botenstoffe ausschütte, tue dem Kind im Mutterleib keinen Gefallen. „Auch für das Ungeborene be­deutet das Stress“, erklärt der Me­diziner. Wer an schmerzhaften chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn leide, brauche manchmal sogar sehr starke Mittel wie Opioide. „Sie sollten in der Schwanger­schaft zwar sparsam eingesetzt werden, aber der Embryo verträgt es normalerweise gut, wenn sie in Ausnahmefällen verwendet werden“, sagt Schäfer.

„So viel wie nötig, so wenig wie möglich“

Grundsätzlich sollten Schwangere Schmerzen solange wie möglich mit alternativen Maßnahmen lindern. Helfen sanfte Mittel nicht, gilt für Medikamente: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“, sagt Apothekerin Tremel. Das Problem ist nämlich: Ab welcher Menge und über welchen Zeitraum die Arzneimittel das Un­geborene beeinflussen, darüber ­können Forscher nur spekulieren. Medikamentenstudien werden an Schwangeren aus ethischen Gründen nicht durchgeführt – zu groß ist das Risiko, dass dem ungeborenen Baby dabei etwas passiert. Wissenschaftler können also keine statistischen Daten zurate ziehen, sie müssen sich auf die Beobachtungen und Erfahrungen der Ärzte verlassen.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Sind Paracetamol, Ibuprofen & Co. erlaubt?

Schmerzmittel in der Schwangerschaft sind ein besonderes Thema: Viele Frauen haben Angst, dass deren Einnahme zu Komplikationen führt. Diese Annahme ist nicht ganz unberechtigt, lässt sich jedoch immer nur im Einzelfall verneinen oder bestätigen. Es ist grundsätzlich empfehlenswert, die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft immer mit dem Arzt abzusprechen – das gilt auch für frei verkäufliche Medikamente.

In diesem Artikel lesen Sie:

  • Frei verkäufliche Schmerzmittel
  • Paracetamol wirklich unbedenklich?
  • Ist Ibuprofen empfehlenswert?
  • Opioide: Verschreibungspflichtige Schmerzmittel
  • Was ist bei der Einnahme von Schmerzmitteln zu beachten?

Frei verkäufliche Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Auch frei verkäufliche Schmerzmittel, die in der Schwangerschaft eingenommen werden, können Auswirkungen auf das ungeborene Kind und die Schwangerschaft haben. Deshalb ist es immer ratsam, sich vor der Einnahme mit dem Arzt und Apotheker abzustimmen und Schmerzmittel in der Schwangerschaft nur einzunehmen, wenn es bei Beschwerden unbedingt notwendig ist.

Acetylsalicylsäure (ASS)

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist eines der bekanntesten frei verkäuflichen Schmerzmittel. Er wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch fiebersenkend. Außerdem hemmt Acetylsalicylsäure die Blutgerinnung. Deshalb kann es in der Schwangerschaft Blutungen auslösen. Zudem sind Fehlbildungen des ungeborenen Kindes möglich. Im letzten Drittel der Schwangerschaft eingenommen, wirkt Acetylsalicylsäure wehenhemmend und wird deshalb auch bei der Tokolyse, der Wehenhemmung mit Medikamenten, angewendet.

Die Einnahme des Schmerzmittels Acetylsalicylsäure in der Schwangerschaft ist nur bedingt empfehlenswert. In den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln ist ASS nach Paracetamol das zweite Mittel der Wahl bis zur 28. Schwangerschaftswoche. Im letzten Drittel der Schwangerschaft erhöht Acetylsalicylsäure das Risiko eines vorzeitigen Verschlusses der Ductus arteriosus, der arteriellen Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie beim Baby.

Eine niedrige Dosis (sogenannte Low dose) von 100 bis maximal 300 Milligramm ASS pro Tag kann bei der Vorbeugung der schweren Schwangerschaftskomplikation Präeklampsie zum Einsatz kommen. Präventiv kann die Behandlung mit Acetylsalicylsäure bereits in der Frühschwangerschaft beginnen, wenn ein Risiko für diese Komplikation besteht. Die Behandlung wird vom Arzt angeordnet.

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Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen eine Reihe von Wirkstoffen. Die bekanntesten sind Ibuprofen, Diclofenac, Dexketoprofen und Naproxen. NSAR werden vor allem bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angewendet, da sie Entzündungsreaktionen im Körper hemmen. Außerdem wirken sie fiebersenkend.

Bislang ist nicht eindeutig geklärt, ob und wie Wirkstoffe aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinflussen. Trotzdem ist es ratsam, diese Schmerzmittel immer nur nach Absprache mit dem Arzt einzunehmen.

Da NSAR zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) führen können, ist es nicht empfehlenswert, sie im letzten Schwangerschaftsdrittel einzunehmen. Die Gefahr, dass das Kind einen Herzfehler (Ventrikelseptumdefekt, Persistierendes Foramen ovale, TGA, Fallot-Tetralogie, Aortenisthmusstenose) entwickelt, ist bei Einnahme im letzten Drittel der Schwangerschaft zusätzlich erhöht. NSAR wirken wie Acetylsalicylsäure wehenhemmend.

Nichtopioide Analgetika wie Paracetamol

Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als sicher und immer noch als erste Wahl bei der Behandlung von Schmerzen und Fieber. Vor allem hohes Fieber kann sich zum Beispiel negativ auf die Entwicklung des kindlichen zentralen Nervensystems auswirken. „Unbehandelt“ heißt demnach nicht „besser“. Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist Paracetamol sogar der einzige Wirkstoff zur Schmerzlinderung, der noch empfehlenswert ist.

„Empfehlenswert“ bedeutet aber nicht, dass Paracetamol in der Schwangerschaft gänzlich unbedenklich ist. Da an Schwangeren keine randomisierten Studien zur Erforschung von Arzneimitteln durchgeführt werden dürfen, beruhen solche Empfehlungen auf dem (umfangreichen) Erfahrungsschatz in der praktischen Anwendung. Daher ist es immer ratsam, Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Die maximale Tagesdosis von 2.000 bis 3.000 Milligramm pro Tag sollte nicht überschritten werden. Paracetamol ist plazentagängig, das heißt, der Wirkstoff überwindet die Plazentaschranke und gelangt vom mütterlichen Kreislauf auch in den kindlichen.

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Paracetamol in der Schwangerschaft wirklich unbedenklich?

Laut einer Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nehmen 47 Prozent der Schwangeren mindestens ein Mal in ihrer Schwangerschaft ein Schmerzmittel ein, davon 86 Prozent Paracetamol. Für die Studie wurden die Daten von 518 Frauen ausgewertet, die an der UKE entbunden hatten. Es zeigte sich aber auch: Die Dosis war durchschnittlich eher gering und die Einnahme kurzfristig, die Schwangeren hatten Paracetamol oder andere Schmerzmittel wirklich nur „im Notfall“ eingenommen. Gleichzeitig wurden Proben aus der Nabelschnur entnommen, um den Zusammenhang zwischen Hämatopoetischen Stammzellen und der Einnahme von Paracetamol zu erforschen. Aus den Hämatopoetischen Stammzellen entwickeln sich später die Immunzellen des Kindes. Es zeigte sich, dass die Anzahl dieser Zellen bei den Frauen niedriger war, die in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, vor allem im dritten Trimester.

Die jüngsten Studien zur Wirkung von Paracetamol in der Schwangerschaft:

  • Paracetamol könnte sich möglicherweise auf die Fruchtbarkeit von weiblichen Babys auswirken: In einer dänischen Studie mit Ratten und Mäusen hatten weibliche Nachkommen von Tieren, denen Paracetamol verabreicht worden war, später einen geringeren Vorrat an Eizellen. Diese werden wie beim Menschen bereits im Mutterleib angelegt. Am größten war der Rückgang bei der Gabe von Paracetamol kurz nach der Befruchtung, was beim Menschen etwa der 10. Schwangerschaftswoche entspricht. Ob und inwieweit diese Studie auf Menschen übertragbar ist, kann natürlich nicht genau gesagt werden. Es spräche aber einiges dafür, besonders in der Frühschwangerschaft beziehungsweise im ersten Schwangerschaftsdrittel von der Einnahme von Paracetamol abzusehen.
  • Paracetamol könnte mit einem größeren Risiko für ADHS und Verhaltensauffälligkeiten einhergehen: Gleich zwei Studien liefern Hinweise darauf. Laut einer Auswertung der dänischen Geburten-Kohortenstudie mit über 64.000 Frauen, nahm mehr als die Hälfte in ihrer Schwangerschaft Paracetamol ein. Von diesen Kindern hatten 37 Prozent ein höheres Risiko für eine hyperkenetische Störung und zeigten im Alter von sieben Jahren zu 13 Prozent häufiger ADHS-Symptome beziehungsweise erhielten zu 29 Prozent häufiger Ritalin als Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft kein Paracetamol eingenommen hatten.
  • Paracetamol erhöht möglicherweise das Asthmarisiko beim Kind: Norwegische Forscher stellten 2016 in einer Studie mit 100.000 Frauen fest, dass für Kinder, deren Mütter in den ersten sechs Monaten ihrer Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, etwas häufiger an Asthma erkranken als solche, deren Mütter den Wirkstoff nicht eingenommen hatten. Im Alter von drei sowie von sieben Jahren bestand bei den betroffenen Kindern ein um 13 Prozent erhöhter Anteil an Asthma-Erkrankten. Kinder, denen als Säuglinge Paracetamol verabreicht worden war, hatten übrigens zu 29 Prozent häufiger Asthma.

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Ist Ibuprofen in der Schwangerschaft empfehlenswert?

Unter den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), also den entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten, ist Ibuprofen in der Schwangerschaft ein geeignetes Medikament, das allerdings nur im ersten und zweiten Trimester eingenommen werden sollte. Im dritten Trimester angewendet kann Ibuprofen beim Baby zum vorzeitigen Verschluss der Ductus arteriosus führen, der arteriellen Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie. Laut Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin, wird auch ein Zusammenhang zwischen Ibuprofen in der Schwangerschaft und dem persistierendem pulmonalen Hypertonus (Lungenhochdruck) beim Neugeborenen diskutiert. Eindeutige Belege fehlen dafür aber bislang. Nachgewiesen ist dagegen, dass das Medikament, im letzten Drittel der Schwangerschaft von der Mutter verwendet, auch zur Schädigung der Nieren des Babys führen kann.

Unter den entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkstoffen ist Ibuprofen in den ersten beiden Dritteln der Schwangerschaft das Mittel der Wahl. Ab der 28. Schwangerschaftswoche sollte es nicht mehr angewendet werden. Obwohl es sich bei Ibuprofen um ein frei verkäufliches Arzneimittel handelt, sollte die Anwendung in der Schwangerschaft grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Ibuprofen könnte Fruchtbarkeit von Töchtern hemmen

Eine aktuelle französische Studie liefert Hinweise darauf, dass Ibuprofen, in der Schwangerschaft eingenommen, möglicherweise die Fruchtbarkeit von Töchtern hemmen kann. Untersucht wurde das Vorläufergewebe der Eizellen in weiblichen Feten, das bei denjenigen, deren Mütter in der Schwangerschaft Ibuprofen eingenommen hatten, beschädigt war. Ob sich das Gewebe wieder erholen kann, konnte im Rahmen der Studie nicht erforscht werden, da die Untersuchung außerhalb des Körpers der Mütter stattfand.

Opioide: Verschreibungspflichtige Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Bei opioiden Schmerzmitteln handelt es sich um starke Schmerzmittel, die bei starken und lang anhaltenden Schmerzen eingenommen werden. Alle Opioide sind verschreibungspflichtig. Grundsätzlich empfiehlt sich die Einnahme opioider Schmerzmittel in der Schwangerschaft nicht. Einige Wirkstoffe stehen in Verdacht, schädigende Auswirkungen auf das ungeborene Kind zu haben, während bei anderen eine fruchtschädigende Wirkung nicht erwiesen ist, aber vermutet wird.

Ist aus zwingenden Gründen eine Therapie mit Opioiden in der Schwangerschaft nötig, kann diese Behandlung vorübergehend erfolgen. Normalerweise hat eine vorübergehende Anwendung von Opioiden keine nennenswerten Auswirkungen. Das gilt besonders für Kodein. Das schwache Opioid kann zusammen mit Paracetamol angewendet werden, um die Wirkung des Paracetamols zu verstärken.

Vor allem die längerfristige Einnahme von starken Schmerzmitteln führt zu einer körperlichen Abhängigkeit. Zudem überträgt sich die Abhängigkeit auch auf das ungeborene Kind. Es ist deshalb mit Entzugssymptomen beim Neugeborenen zu rechnen.

Was ist bei der Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft zu beachten?

Schmerzmittel in der Schwangerschaft sollten immer nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. Gemeinsam mit ihm kann dann die genaue Dosis ermittelt werden. Es ist ratsam, die vorgegebene Maximaldosis nicht zu überschreiten, um unerwünschte Nebenwirkungen für sich selbst und das ungeborene Kind zu vermeiden. Weitere Informationen über Medikamente und Schmerzmittel in der Schwangerschaft erhalten Sie bei Embryotox.

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Ibuprofen in der Schwangerschaft

Ein Arzneimittelwirkstoff, der vor allem bei akuten Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt wird, ist Ibuprofen. In der Schwangerschaft sowie unter normalen Umständen hemmt es den Botenstoff Prostaglandin, der die Reizschwelle der Schmerzrezeptoren herabsetzt, sodass diese das Schmerzsignal schneller an das Gehirn weiterleiten können. Wird das Prostaglandin gehemmt, bleibt dieser Effekt aus, sodass die Schmerzen zurückgehen. Ibuprofen in der Schwangerschaft kann wie zu allen anderen Zeitpunkten oral als Tablette, rektal als Zäpfchen, intravenös sowie als Creme über die Haut angewendet werden.

Viele werdende Mütter fürchten sich bei Schmerzen, Entzündungen und plötzlichen Fieberschüben vor der Einnahme von Schmerzmitteln wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen. In der Tat gehen die Meinungen der Mediziner beim Thema Ibuprofen in der Schwangerschaft auseinander. So steht beispielsweise in der Packungsbeilage, dass Ibuprofen bis zur 30. Schwangerschaftswoche bedenkenlos eingenommen werden kann. Manche Ärzte empfehlen dagegen, Ibuprofen in der Schwangerschaft nicht länger als bis zur 27. SSW zu nehmen. Der Grund hierfür liegt in einer möglichen, durch die Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft ausgelösten Kreislaufumstellung des Babys, die es unter normalen Umständen nicht vor der Geburt erleben sollte.

Eine Studie des Kaiser-Forschungsinstituts in Oakland hat sogar ergeben, dass die Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft zu einem um bis zu 80 Prozent erhöhten Fehlgeburtsrisiko führen kann. Auch wenn die Repräsentativität dieser Studie von vielen Seiten angezweifelt wird, werden viele werdende Mütter angesichts solcher Zahlen verständlicherweise hellhörig. Daher sollten Schwangere vor einer Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft wie bei jedem Medikament einen Arzt um Rat fragen. Er kann hilfreiche Alternativen aufzeigen, die bei der Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber ebenso erfolgreich sind wie Ibuprofen und die Gefahr für das Kind in Grenzen halten.

Alternativen für Ibuprofen in der Schwangerschaft

Frage unbedingt Deinen Arzt um Rat, bevor Du Ibuprofen einnimst!

Auch wenn man die Einnahme von starken Medikamenten während der Schwangerschaft möglichst vermeiden sollte, ist es ein Trugschluss, wenn man alle Schmerzen und Krankheiten aus lauter Angst vor einer Schädigung des Kindes ohne Arzneimittel überstehen möchte. Schwangere Frauen sollten daher stets ihren Arzt aufsuchen, wenn sie das Gefühl haben, an einer Erkrankung zu leiden, die stärkere oder verschreibungspflichtige Medikamente erfordert, oder wenn sie Schmerzen und Fieber haben.

Ein Arzt kann zur Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft Erfolg versprechende Alternativen benennen, die eine Schädigung des Kindes definitiv ausschließen. Die Einnahme von Paracetamol ist beispielsweise mit keinem Risiko für das noch ungeborene Baby verbunden. Dieser Wirkstoff kann in vorgeschriebener Dosis mit ruhigem Gewissen bis über die 27. Schwangerschaftswoche hinaus eingenommen werden. Auch homöopathische Mittel können je nach Diagnose und Intensität der Schmerzen als Alternative zu Ibuprofen in der Schwangerschaft dienen.

Neben der Einnahme von Medikamenten sollten Schwangere aber auch nicht vergessen, die richtigen Ausgangsbedingungen für eine erfolgreiche Heilung zu schaffen: Ausreichende Ruhe, eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr über Wasser und Tee sowie die Vermeidung von Stress und potentiellen Krankmachern.

Schmerzen und Fieber können Dich während der Schwangerschaft zurückwerfen und zusätzlich schwächen. Auch wenn Du gerne zu Schmerzmitteln greifen würdest, solltest Du die Einnahme von Medikamenten wie Ibuprofen in jedem Fall zuerst mit Deinem Arzt besprechen. Schließlich kann die Behandlung mit Ibuprofen in der Schwangerschaft vor allem im 3. Trimester ein Risiko für Dein Baby bedeuten: Studien setzen Ibuprofen in der Schwangerschaft beispielsweise mit einem erhöhten Fehlgeburtenrisiko in Verbindung. Du solltest daher darüber nachdenken, auf Paracetamol oder homöopathische Mittel auszuweichen.

Paracetamol bei Fieber: Das müssen Sie beachten!

Spätestens bei der ersten Impfung beim Kinderarzt erhalten Eltern anschließend ein Rezept. In der Regel werden Paracetamol Zäpfchen verordnet, die unter dem Namen „Ben-u-ron®“ vertrieben werden. Es handelt sich dabei um Paracetamol – das Mittel soll nicht nur gegen Schmerzen, sondern vor allem gegen Fieber und Fieberkrämpfe wirken. Paracetamol halten viele für unbedenklich – darf es doch sogar bei Beschwerden während der Schwangerschaft eingenommen werden. Doch so harmlos ist das Schmerzmittel Paracetamol nicht. Vor einigen Jahren ist sogar ein fünfjähriges Mädchen an einer Überdosis dieses Mittels gestorben.

Paracetamol: Ein Fiebersenker, der gefährlich werden kann!

Wie gefährlich Paracetamol sein kann, zeigt eine Studie der Universität Essen. Sie hat zum Ergebnis, dass Paracetamol der häufigste Auslöser für akutes Leberversagen bei Erwachsenen ist, das sogar tödlich enden kann. Die Betroffenen hatten das Medikament zum Teil versehentlich überdosiert. Andere hatten gerade einmal 4 Gramm Paracetamol in 24 Stunden eingenommen – das entspricht der erlaubten Höchstmenge. Früher war man der Meinung, dass noch mehr Paracetamol ungefährlich sei. Die erlaubte Höchstdosis lag zwischen 7,5 und 10 Gramm. Vor einigen Jahren wurde die Paracetamol-Menge pro Packung auf 10 Gramm begrenzt. Eigentlich sollten größere Mengen verschreibungspflichtig werden, dies wurde aber nicht umgesetzt.

So wenden Sie Paracetamol sicher an!

Bei Kindern liegt die Höchstmenge Paracetamol, die eingenommen werden darf, natürlich deutlich niedriger. Für Babys können Mengen über 500 mg Paracetamol gefährlich werden, bei Kleinkindern kann eine Dosis über 2 Gramm tödlich sein. Dennoch können Sie Ihrem Kind bei Erkrankungen mit Fieber oder nach einer Impfung, wenn Fieber und Schmerzen auftreten, Paracetamol-Zäpfchen geben. Sie sollten nur Folgendes beachten:

  • Dosieren Sie die Paracetamol-Zäpfchen auf keinen Fall höher, als im Beipackzettel angegeben.
  • Halten Sie den Abstand von mindestens sechs Stunden zwischen zwei Zäpfchen ein.
  • Geben Sie Paracetamol nicht länger als drei Tage ohne den Arzt um Rat zu fragen.
  • Geben Sie noch weitere Medikamente, schauen Sie in den Beipackzettel. Ben-u-ron®, Talvosilen®, Rubiemol®, aber auch andere Erkältungsmittel enthalten Paracetamol. Sie können so aus Versehen eine Überdosierung herbeiführen.
  • Beachten Sie die Wirkzeit: Paracetamol braucht rund eine Stunde, bis es wirkt. Seien Sie daher nicht ungeduldig, wenn die Schmerzen Ihres Kindes nicht sofort verschwinden – das ist kein Zeichen dafür, dass das Medikament nicht angeschlagen hat.

Schmerzmittel für Kinder: Vorsicht bei Paracetamol

Paracetamol kann bei Kindern die Herausbildung einer Allergie bewirken – das legt eine international angelegte Studie nahe. Laut der neuseeländischen Untersuchung mit mehr als 200.000 Kindern weltweit erkranken Babys, die das Schmerzmittel Paracetamol bekommen haben, später deutlich häufiger an Asthma, allergischen Schnupfen und Hautausschlägen als Babys, die dieses Medikament nicht bekommen haben.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Studie auf den möglichen Zusammenhang zwischen Paracetamol und Allergierisiko hinweist. 1999 hatte eine Forschergruppe im US-amerikanischen Boston nachgewiesen, dass Kinder, die mit Paracetamol behandelt wurden, eine deutlich größere Asthmaneigung entwickelt hatten als Kinder, die zur Fiebersenkung den Wirkstoff Ibuprofen bekommen hatten.

Asthma, allergischer Schnupfen, Hautausschläge

Laut der aktuellen Studie, die gerade im britischen Fachblatt „Lancet“ veröffentlicht worden ist, war bei Kindern, die Paracetamol im ersten Lebensjahr bekamen, das Risiko für Asthma-Symptome im Alter von sechs bis sieben Jahren um 46 Prozent höher als bei Gleichaltrigen, die das Arzneimittel nicht bekommen hatten. Das Risiko für allergischen Schnupfen lag 48 Prozent höher und das für Hautausschläge 35 Prozent. Außerdem beobachteten die Forscher, dass das Asthma-Risiko von Kindern, die in dem Jahr vor der Untersuchung Paracetamol genommen hatten, von der Höhe der Dosis abhing.

Die Studie reicht allerdings trotz der hohen Teilnehmerzahl nicht an den Stellenwert der Bostoner Untersuchung heran, da nur ein statistischer aber kein ursächlicher Zusammenhang hergestellt werden konnte. „Wir sollten aber diesen Hinweis ernst nehmen, und eine weitere bundesweite Studie auflegen, die auch den kausalen Zusammenhang gründlich untersucht“, forderte der Vertreter der Kinderärzte bei der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, Prof. Eckard Hamelmann.

Immer mehr Kinder bekommen Asthma

Auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) forderte, den Hinweisen aus der Studie dringend nachzugehen und die Ursachenforschung stärker voranzutreiben. „Denn der Trend, dass immer mehr Kinder Asthma bekommen, ist ungebrochen“, sagte DAAB-Mitarbeiterin Silvia Pleschka.

Das erhöhte Allergie- und Asthmarisiko durch die Einnahme von Paracetamol besteht wahrscheinlich nicht nur im Kindes-, sondern auch im Erwachsenenalter. Seit mehreren Jahren häufen sich insbesondere in den USA und Großbritannien Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme und Allergien existiert. Laut einer im Juni veröffentlichten EU-Studie im „European Respiratory Journal“ ist bei Erwachsenen, die mindestens einmal pro Woche eine paracetamolhaltige Schmerztablette schlucken, die Wahrscheinlichkeit Asthma zu bekommen, um das Dreifache erhöht. Andere Schmerzmittel hatten laut der vom „Global Allergy and Asthma European Network“ initiierten Studie, für die 1000 Personen untersucht worden sind, diese Nebenwirkung nicht.

Paracetamol als Ursache für Leberversagen

Die Forscher am Imperial College London vermuten als Ursache für die erhöhte Allergieneigung, dass Paracetamol die Wirkung von Oxidationshemmern in der Lunge vermindert. Dadurch können die Schleimhäute der Atemwege gegen Tabakrauch und Luftschadstoffe nicht mehr so gut geschützt werden. Zu einer ähnlichen Erklärung kommt auch die „Acute Liver Failure Study Group“ an der Universitätsklinik Essen. Die Forscher hatten im Frühjahr mit einer Studie, die eine Überdosis Paracetamol als eine wichtige Ursache für akutes Leberversagen nachgewiesen hat, für Aufsehen gesorgt. „Das Prinzip von Paracetamol ist in allen Organen dasselbe“, sagte der Studienleiter Aliekber Canbay. Der Wirkstoff verbrauche in den Zellen Glutathion, das schädigende Moleküle in den Zellen binde. „Organe wie Leber und Lunge haben dann nicht mehr die Möglichkeit, sich gegen die Gifte aufzubäumen und werden geschädigt.“

„Es gibt einfach nichts Anderes“

Die Hersteller von paracetamolhaltigen Medikamenten für Kinder bleiben dagegen gelassen: Angesichts der aktuellen Studienlage sehe man keinen Anlass für irgendwelche konkreten Maßnahmen, teilte etwa die Stada Arzneimittel AG mit. Paracetamol bleibe weiterhin das Mittel der ersten Wahl gegen Schmerzen und Fieber bei Kindern. Ähnlich sieht es die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA): „Sollte es zu einem Ansturm besorgter Eltern in Apotheken kommen, werden die Apotheker die Eltern darüber informieren, dass Paracetamol und Ibuprofen nach wie vor die Schmerz- und Fiebermittel der ersten Wahl für Kinder sind“, stellte ABDA-Sprecherin Ursula Sellerberg klar. „Es gibt einfach auch nichts Anderes.“

Rezeptpflicht für Paracetamol

Seit April 2008 gibt es eine Rezeptpflicht für Paracetamol bei höheren Dosen ab 20 Tabletten zu je 500 Milligramm. Canbay hält die Anwendung von Paracetamol aber nach wie vor für zu unkritisch und fordert, dass Apotheker beim Verkauf stets auf mögliche Organschäden durch zu lange Einnahme hinweisen sollen. „Schließlich handelt es sich nicht um Lutschbonbons, sondern um Medikamente. „Ärzte und Eltern sollten genau prüfen, ob Kinder mit 38,5 Grad Fieber bereits Paracetamol oder andere Schmerzmittel bekommen müssen“, mahnte Canbay.

Dass Fieber bei Kindern mit Medikamenten behandelt werden muss, steht dagegen für Hamelmann außer Frage: „Wenn ein Kind unter dem Fieber leidet und in dem Alter ist, einen Fieberkrampf bekommen zu können (4 Monate bis 4 Jahre – Anm. der Red.), sollte zur Behandlung ein Medikament eingesetzt werden“, rät der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum. Mütter, die in Sorge sind, dass Paracetamol das Asthmarisiko ihres Kindes erhöht, könnten unbesorgt auf Ibuprofen umsteigen, weil dieser Wirkstoff mit einem geringeren Asthmarisiko verbunden sei.

Medizinmarketing ist ein ganz besonderes Geschäft – das wussten schon die Ärzte der Antike. Scribonius Largus, Leibarzt des chronisch kränkelnden Kaisers Claudius, musste im ersten Jahrhundert n. Chr. gegen den Verdacht ankämpfen, Ärzte würden mit ihren brachialen Therapien und giftigen Tinkturen wenig Nutzen und zuweilen den Tod bringen. Um das schlechte Image aufzupäppeln, empfahl Largus den Leitspruch „primum nil nocere“: Der Arzt soll vor allem nicht schaden. Den griffigen Slogan, den der Medicus von der hippokratischen Schule abgekupfert hatte, verwenden Ärzte und Pharmafirmen bis heute – vor allem dann, wenn Risiken und Nebenwirkungen ihren Ruf in Gefahr bringen.

Nirgendwo ist die Furcht vor Nebenwirkungen so präsent wie in der Pädiatrie. Kinder reagieren besonders empfindlich auf Medikamente, und Kinderkrankheiten verschwinden meistens auch von selbst. Wer Medizin für die Kleinsten vermarkten will, hat es deshalb mit zwei mächtigen Gegnern zu tun: Der Angst vor Nebenwirkungen und dem Glauben an die Selbstheilungskräfte der Natur. Kein Wunder, dass pädiatrische Mittel fast immer als „sanft“, „schonend“ und „nebenwirkungsarm“ angepriesen werden.

Bis in die 1980er Jahre war Aspirin das Paradebeispiel eines „guten“ Medikaments, das vor allem keinen Schaden anrichtet. Eltern und Ärzte verfütterten den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) jahrzehntelang an die Kleinsten. Doch dann häuften sich Berichte einer seltenen Krankheit, bei der plötzlich das Gehirn und die Leber zugrunde gehen. Es stellte sich heraus, dass die Zunahme dieses „Reye-Syndroms“ bei Kindern auf ASS zurückzuführen war.

Für Kinder mit Schmerzen oder Fieber ist seitdem nicht mehr ASS, sondern Paracetamol die weltweite Nummer eins. Ein Paracetamol-Zäpfchen etwa wird hierzulande für seine „sanfte Kraft“ gepriesen und als „eines der nebenwirkungsärmsten Arzneimittel der Welt“ vermarktet. Dass Paracetamol bei Überdosierung mitunter tödliche Leberschäden verursacht und in Großpackungen deshalb seit 2009 unter Rezeptpflicht steht, findet sich nur im Kleingedruckten. Doch Paracetamol hat, wenn die neusten Studien stimmen, noch eine andere Nebenwirkung, von der im Beipackzettel kein Wort steht.

Mit dem Austausch von ASS gegen Paracetamol in den 1980er Jahren ist das Reye-Syndrom zurückgegangen. Dafür nahm jedoch eine andere Krankheit dramatisch zu: Die Zahl der Asthmafälle bei Kindern hat sich in 30 Jahren mehr als verdoppelt. Neben der „Hygiene-Hypothese“, wonach eine saubere und keimarme Umwelt dafür verantwortlich ist, wird schon seit längerem spekuliert, dass Paracetamol die Entwicklung von Asthma begünstigen könnte.

Mehrere Studien erhärten jetzt den Verdacht. Die größte wertete Daten von 520 000 Kindern in 54 Ländern aus. Es zeigte sich eine eindeutige, dosisabhängige Korrelation zwischen der Einnahme von Paracetamol und dem Auftreten von Asthma. Kinder, die mindestens einmal monatlich Paracetamol bekamen, hatten ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko, an Asthma zu erkranken.

Die Pharmaindustrie hält dagegen, Asthmatiker hätten öfter Fieber und bekämen deshalb öfter Paracetamol. Auch könnten Virusinfekte, bei denen Paracetamol verabreicht wird, als solche die Entstehung von Asthma begünstigen. Deshalb sah es die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) noch im Februar nicht als bewiesen an, dass Paracetamol Asthma verursacht. Nicht erklären konnte die EMA allerdings, warum Asthma bei anderen Fiebermitteln (wie Ibuprofen) nicht vermehrt auftritt. Mehrere Studien, die Paracetamol direkt mit anderen Fiebersenkern verglichen, fanden nur für Paracetamol ein erhöhtes Asthma-Risiko. Zudem zeigen Viren und Bakterien typische Verteilungen nach Altersgruppen und geografischen Regionen – der Zusammenhang zwischen Paracetamol und Asthma ist davon jedoch unabhängig.

Paracetamol, das nur ein mäßig effektives Fiebermittel ist, wird in der Pädiatrie verwendet, weil es angeblich „vor allem nicht schaden“ soll. Man darf gespannt sein, wie lange das Pharmamarketing das Asthma-Risiko noch übertünchen kann.

Auch für Scribonius Largus hat sich das Image des „primum nil nocere“ offenbar ausgezahlt: Als Claudius mit Gift ermordet wurde, verdächtigte man dessen Ehefrau Agrippina und einen anderen Leibarzt.

Der Autor ist Mikrobiologe und Direktor des Instituts für Biologische Sicherheitsforschung in Halle. Foto: J. Peyer

Schmerzmittel in der Schwangerschaft? Das dürfen Sie nehmen

Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Beinschmerzen: Tut der Körper weh, liegt der Griff zu Ibuprofen, Paracetamol und ASS nahe. Doch dürfen Sie diese Schmerzmittel in der Schwangerschaft weiterhin einnehmen?

Welche Schmerztabletten dürfen Schwangere nehmen?

„Die erste Wahl fällt nach wie vor auf Paracetamol. Schwangere dürfen bis zu drei Mal ein Gramm pro Tag nehmen“, erklärt Prof. Christof Schaefer, der sich an der Charité in Berlin mit den Auswirkungen von Medikamenten auf ungeborene Kinder beschäftigt. Er betont aber auch, dass Paracetamoltabletten keine Bonbons sind, die Schwangere über Wochen einnehmen sollten.

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten angewendet, sollen diese Schmerzmittel keine Fehlbildungen beim Embryo auslösen. Zwar gibt es laut einiger Studien einen Zusammenhang zwischen der Einnahme dieser Medikamente und der Erkrankung des Babys an Asthma, Hodenhochstand oder ADHS, der Embryotoxleiter gibt allerdings Entwarnung. „Für keines der erörterten Symptome beim Kind gibt es halbwegs plausible Erklärungen, wie Paracetamol diese verursacht haben könnte“, erklärt er.

Dürfen Schwangere Ibuprofen einnehmen?

Schmerztabletten mit dem Wirkstoff Ibuprofen oder auch Naproxen sollten nur in der ersten Schwangerschaftshälfte eingenommen werden. Ab der 28. Schwangerschaftswoche kann es schwerwiegende Fehlbildungen beim Ungeborenen auslösen. Hierzu zählen beispielsweise Nierenschäden oder der Verschluss lebenswichtiger Gefäße.

Dürfen Schwangere ASS einnehmen?

Acetylsalicylsäure zählt zu den beliebtesten Schmerzmitteln. Dennoch sollte dieses blutgerinnungshemmende Medikament mit besonderer Vorsicht eingenommen werden: Die Tageshöchstdosis von 100 Milligramm pro Tag sollte nicht überschritten werden. Zudem ist auch von der Einnahme kurz vor dem Geburtstermin abzuraten, da es zu erhöhtem Blutverlust bei der Geburt führen kann.

„In der Schwangerschaft werden die Weichen für Jahrzehnte gestellt“, erläutert Dr.med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. „Mit einer gesunden, bewussten Lebensführung kann die Schwangere viel dazu beitragen, dass ihr Baby mit einer stabilen Gesundheit in sein eigenes Leben startet.“

Schmerzen bekämpfen ohne Schmerzmittel

Bei Schmerzen hilft werdenden Müttern vor allem

  • Ruhe,
  • Schlaf und
  • frische Luft.

So sollten Schwangere zunächst spazieren gehen oder zu Hause das Licht dimmen und sich ausruhen. Helfen diese Maßnahmen nicht oder kommt zum Kopfschmerz auch noch Übelkeit, kann sie aber auch zu Tabletten greifen. Weitere Tipps sind:

  • Bei Kopfschmerzen hilft Pfefferminzöl.
  • Rückenschmerzen lassen sich mit leichten Sportübungen, Schwimmen und Spaziergängen lindern.
  • Schmerzen durch Prellungen oder andere Verletzungen behandeln Sie am besten mit kühlenden Umschlägen.
  • Fieberschmerzen und Erkältungen bekämpfen Sie mit einfachen Hausmitteln. Eine Linderung bieten notfalls auch Medikamente für Säuglinge.
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Schmerzmittel in der Schwangerschaft reduzieren hämatopoetische Stammzellen

/dpa

Hamburg – Jede zweite Frau nimmt während der Schwangerschaft Schmerzmittel ein. Das hat eine im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) laufende Studie ergeben, die in EBioMedicine publiziert wurde (2017, doi: 10.1016/j.ebiom.2017.10.023). Danach bevorzugen die meisten Frauen (86 Prozent) den Wirkstoff Paracetamol. Die Einnahme erfolge meist nur über einen kurzen Zeitraum und in geringer Dosierung. Gleichwohl weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass bei unbedachter und gewohn­heitsmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft Neben­wirkungen nicht ausgeschlossen sind.

Paracetamol ist ein Schmerzmittel, das während allen drei Trimestern der Schwanger­schaft als Medikament zugelassen ist. Generell sorgten die rezeptfreie Verfügbarkeit sowie der hohe Bekanntheitsgrad für eine hohe Rate an Selbstmedikation. Aktuelle Studien deuten zudem auf ein erhöhtes Asthmarisiko nach Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft. „Daher war es dringend erforderlich, belastbare Daten zur Ein­nahme von Paracetamol während der Schwangerschaft vorzulegen“, erläutert Studien­leiterin Anke Diemert aus der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des UKE.

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Die Wissenschaftler werteten im Rahmen der PRINCE-Studie (Prenatal Determinants of Childrens Health) Daten aus Befragungen von 518 schwangeren Frauen aus. „Die Studienteilnehmerinnen, die im UKE entbunden haben, wurden außerdem um eine Nabelschnurblutprobe gebeten, sodass wir die Möglichkeit erhielten, in einer Unter­gruppe von Frauen den Zusammenhang zwischen Paracetamol-Einnahme und Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen zu analysieren“, sagte Gisa Tiegs, Leiterin des Instituts für Experimentelle Immunologie und Hepatologie.

Aus diese Zellen entwickelten sich die Immunzellen. Die Studie zeigt, dass die Anzahl der hämatopoetischen Stammzellen im Nabelschnurblut nach mütterlicher Paraceta­mol-Einnahme verringert ist, besonders wenn die Einnahme im dritten Trimester der Schwangerschaft erfolgte. Welche Auswirkung die reduzierte Zahl dieser Stammzellen hat und wie sich das Immunsystem der Kinder weiterentwickelt, ist Gegenstand der aktuellen Forschung.

Diemert weist darauf hin, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwanger­schaft bei Schmerzen und Fieber durchaus angezeigt sein kann. „Kritisch sind lediglich Fälle zu sehen, in denen Paracetamol gewohnheitsmäßig und gegebenenfalls bedenkenlos eingenommen wird. Hier sollten mögliche Neben­wirkungen für das ungeborene Kind bedacht werden.“ © gie/EB/aerzteblatt.de

Gibt es ein Mittel gegen Kopfweh oder Migräne, das man auch in der Frühschwangerschaft nehmen darf?

Sie dürfen bei starken Schmerzen wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder anderen Beschwerden während der gesamten Schwangerschaft ein Schmerzmittel nehmen, das den Wirkstoff Paracetamol oder Acetaminophen (z.B. die Präparate Dafalgan, Ben-u-ron, Panadol) enthält.

In manchen Medikamenten ist Paracetamol mit Codein kombiniert; dieses Mittel sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Codein zählt zu den Opioiden und wird im Körper zu Morphin umgewandelt.

Auch Acetylsalicylsäure (z.B. AspirinS) ist bis einschliesslich des 6. Monats erlaubt. In den letzten zehn Wochen vor dem Geburtstermin sollte man es nur noch in besonderen Fällen nach ärztlicher Rücksprache einsetzen, weil es eine leicht blutverdünnende Wirkung hat. Das kann unter der Geburt wegen des erhöhten Blutungsrisikos möglicherweise zu Komplikationen führen. Ausserdem hemmt Acetylsalicylsäure im letzten Schwangerschaftsdrittel – wie auch die häufig in Schmerzmitteln enthaltenen anti-entzündlichen Stoffe Ibuprofen und Diclofenac – die normale Entwicklung des kindlichen Herzens, v.a. den Verschluss des Ductus arteriosus. Diese Empfehlungen gelten allerdings nur für die Dosierung bis max. 2 g Aspirin/Tag. Die sogenannte „Low dose Therapie“ mit Acetylsalicylsäure (40-150 mg/Tag) ist ohne Risiko für das Kind.

Gegen die mit der Migräne verbundene Übelkeit können Sie die Wirkstoffe Metoclopramid (z.B. Paspertin), Meclozin (z.B. Itinerol B6) und – wenn Sie nicht zu vorzeitigen Wehen neigen – auch Dimenhydrinat (z.B. Trawell Kaugummi) einnehmen. Alle drei Medikamente sollen nicht während dem Stillen eingenommen werden oder während der Einnahme das Stillen aussetzen bzw. die abgepumpte Milch verwerfen.

Mutterkornalkaloide (Ergotamin, z.B. Cafergot, Effortil, Dihydergot, Ergotonin) werden häufig in der Behandlung von Migräne eingesetzt, sollten aber in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da sie zu Gefässverengungen und Minderdurchblutung führen.

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