Schüchternheit BEI kindern

Inhalte

Kindern Mut machen

Ängste gehören zum kindlichen Aufwachsen dazu. Vieles, das ängstigt, muss erst neu gelernt, anderes muss erst verstanden werden. Hinzu kommt noch das sogenannte mythische Denken von Kindern, das das Auftreten von Geistern und Monstern für durchaus erwägenswert hält.
Das erfolgreiche Autorentandem Friedrich und Friebel beschreiben, was es mit Kinderängsten auf sich hat und wie Eltern reagieren sollten. Bei einem behutsamen Umgang mit Schlafstörungen, Ängsten vor bestimmten Situationen außer Haus und anderem, „verflüchtigen“ sich Ängste und Unsicherheit meist von selbst. Wo sie aber hartnäckig bestehen bleiben, ist es nötig, genauer hinzusehen und gezielt Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Dieses Buch gibt Rat und Mut, denn es greift die Probleme von Kindern aller Altersstufen auf und bietet viele Anregungen für den achtsamen Umgang mit Kinderängsten. Ebenfalls enthalten: ein Kapitel zu Jugendlichen und typischen Ängsten in der Pubertät.
Der zweite Teil des Buches bietet jede Menge mutmachende Vorlesegeschichten für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

Nur Mut: Das hilft schüchternen Kindern

Schüchterne Kinder stehen sich oft selbst im Weg. So gerne möchten sie die Welt erobern, aber trauen sich nicht. Zum Glück können Eltern schüchternen Kindern helfen, mutiger zu werden und soziale Ängste beherzt zu überwinden.

Erfahren Sie hier, wie Sie ein schüchternes Kind stärken können. Bild: nadia_bormitova, iStock, Getty Images Plus

  • 3

Von Sigrid Schulze

Es klingelt. Lars macht auf. Vor der Tür stehen drei Kinder aus der Nachbarschaft. „Kommst Du mit uns raus? Wir wollen auf den Spielplatz!“ Lars weicht zurück. Dann schüttelt er den Kopf. „Bleib lieber hier“, nuschelt er. Enttäuscht gehen die Kinder wieder. Enttäuscht ist auch die Mutter. „Den ganzen Nachmittag langweilt sich Lars bereits. Er wäre sicher gern auf den Spielplatz gegangen. Aber er traut sich nicht, mit den anderen mitzugehen.“

Schüchterne Kinder leiden unter ihrer Schüchternheit. Sie haben viele Ideen, trauen sich aber oft nicht, andere von ihnen zu überzeugen. Sie haben viel zu sagen, bringen aber nicht genug Mut auf, um zu reden. Sie träumen davon, mutig zu sein wie Kalle Blomquist oder Ronja Räubertochter, aber wagen nicht den ersten Schritt zu tun. Die Schüchternheit schränkt Ihre Kindheit ein.

Fast jeder ist mal schüchtern

Schüchternheit gilt hierzulande als wenig attraktiv. Weitaus cooler wirkt, wer Stimmung macht, Trends setzt und mitreissende Ideen hat. Dennoch ist fast jeder mal schüchtern, der eine nur ausgeprägter als der andere. „Rund 80 Prozent der Menschen geben an, zeitweise schüchtern zu sein“, so Doris Schüler, Autorin des Ratgebers „Schüchterne Kinder stärken“. „Diese zeitlich begrenzte Schüchternheit äussert sich beispielsweise als Lampenfieber vor einem Auftritt, als Aufgeregtheit bei einem Vorstellungsgespräch oder als Nervosität beim Vortrag vor der Schulklasse.“

Warum manche Kinder besonders schüchtern sind

Die Angst vor Kindergeburtstagen, vor einer Wortmeldung in der Schule und vor den Kindern im Turnverein ist Erwachsenen manchmal unverständlich. Hinter Schüchternheit steckt die Angst, von anderen schlecht beurteilt zu werden und auch die Sorge, aufgrund mangelnden Durchsetzungsvermögens die Kontrolle zu verlieren.

Aus einer kleinen Schüchternheit wird oft eine grosse Schüchternheit. Denn ein schüchternes Kind entwickelt unglücklicherweise oft Verhaltensweisen, die seine Ängste verstärken. Verstärkt wird Schüchternheit dann, wenn das Kind die angstauslösenden Situationen vermeidet.

Schüchternheit kann vererbt sein

Ursache von sozialen Ängsten kann eine genetische Veranlagung sein. Woran sich eine erblich bedingte Schüchternheit erkennen lässt, beschreibt Barbara G. Markway in dem Buch „Kinderängste und Schüchternheit überwinden“. Demnach kann die Schüchternheit des Kindes eine biologische Ursache haben, wenn viele der folgenden Faktoren auf das Kind zutreffen:

  • Es gibt in der Familie eine oder mehrere Personen, die schüchtern sind oder zum „nervösen Typ“ gehören.
  • Das Kind wird auch von anderen als schüchtern bezeichnet.
  • Das Kind reagiert gewöhnlich auf neue Situationen vorsichtig und zurückhaltend.
  • Das Kind war als Baby schnell überreizt.
  • Das Kind hat blaue Augen.

Die Angststörung könnte erlernt sein, wenn

  • das Kind in verschiedenen Situationen in extreme Verlegenheit gebracht oder gedemütigt wurde
  • das Kind Zeuge war, wie jemand anderes in Verlegenheit gebracht oder gedemütigt wurde
  • es nur wenig soziale Kontakte hat
  • die Eltern das Kind überbehüten

Das können Eltern tun

Gleichgültig, ob die Schüchternheit vererbt und/oder erlernt wurde: Zum Glück können Eltern viel dafür tun, damit ihr Kind mutiger wird:

Eigene Ängste überprüfen
Kinder haben ein feines Gespür für die elterlichen Ängste und übernehmen diese häufig. Sie spüren, wenn Eltern kein Vertrauen in sie haben und vertrauen dann auch nicht auf sich selbst und andere. „Eltern sollten sich bewusst machen, was sie selbst bedrückt und ängstigt und an ihren eigenen Ängsten arbeiten“, rät deshalb Doris Schüler.

Die Ängste des Kindes akzeptieren
Wichtig ist es, das Kind, so wie es ist, zu lieben und zu akzeptieren. Eltern, die dem Kind zu verstehen geben, dass sie sich ein forscheres oder extrovertierteres Kind wünschen, bringen es in grosse Bedrängnis.

Kind im Ganzen sehen
Die Ängste des Kindes sind nur ein Aspekt seiner Persönlichkeit. Schade, wenn ein Kind auf seine Schüchternheit reduziert wird. Besser ist es, sich an seinen Stärken und Interessen zu freuen.

Die richtigen Worte finden
Ungünstig ist es, dem Kind zu sagen: „Du bist schüchtern.“ Denn diese Worte führen dazu, dass sich das Kind in seiner vermeintlichen Schwäche bestärkt fühlt. Sie tragen nicht dazu bei, Ängste zu überwinden. Barbara G. Markway empfiehlt andere Sätze: „Bei Menschen, die du kennst, bist du richtig gesprächig“, „Bisher hast du oft eine gewisse Zeit gebraucht, um dich bei fremden Menschen wohl zu fühlen“ und „Du traust Dich nicht, Deine Meinung zu sagen? Mir ging es früher auch so. Aber mit der Zeit bin ich immer mutiger geworden.“ Wenn jemand anders das Kind als schüchtern abstempelt, lässt sich leicht kontern: „Warten Sie nur, bis Sie unser Kind richtig kennenlernen. Dann redet sie wie ein Wasserfall!“

Das Kind nicht drängen
Wer noch nicht schwimmen kann, darf nicht ins kalte Wasser geworfen werden – das weiss jeder. Genauso sollte ein Kind, das unter Fremden unterzugehen droht, ausreichend Zeit haben, mit ihnen vertraut zu werden. Schön, wenn Eltern Brücken bauen!: Sätze wie „Du kannst ruhig erst einmal zuschauen, das ist vollkommen normal“ und „Du willst erst wissen, was eigentlich passiert, bevor Du mitmachst“ helfen dem Kind, sein eigenes Tempo zu finden und ihm vertrauen zu lernen.

Das Kind auf neue Situationen vorbereiten
Das Kind kommt in den Kindergarten? Eine Untersuchung beim Kinderarzt steht bevor? Das Kind soll zum ersten Mal in den Turnverein? Auf solche Situationen lassen sich Kinder gut vorbereiten. Was geschehen wird, wie es dort aussieht, wer dabei ist – all das können Eltern ihrem Kind zuvor erzählen. Auch Bücher bereiten auf besondere Situationen der Kindheit vor. Gut recherchiert sind die „Conni“-Bücher. Gleichgültig ob Conni den Frisör besucht oder zum Ballett geht; immer wird die Situation kindgerecht beschrieben.

Kleine Ziele definieren
Wie lässt sich aus einem schüchternen Kind ein forsches Kind machen? Gar nicht! Wohl aber können Eltern ihrem Kind helfen, in bestimmten Situationen besser klar zu kommen. „Du möchtest mit den Kindern auf dem Campingplatz Fussball spielen, weisst aber nicht, wie du es schaffen kannst, sie zu fragen, ob du mitmachen darfst. Lass und mal gemeinsam überlegen“, so können Eltern ein Gespräch einleiten. Wichtig: Dem Kind nicht eigene Lösungsmöglichkeiten aufdrücken, sonder zuhören und seine Ideen aufgreifen.

Professionelle Hilfe

Nicht immer schaffen es Eltern allein, ihrem schüchternen Kind die Hilfe zu geben, die es braucht. Professionelle Hilfe ist wichtig und richtig, wenn die Angst das Kind länger als sechs Monate immer wieder stark packt, sie von Bauch- oder Kopfschmerzen oder anderen körperlichen Reaktionen begleitet wird und das Kind alles tut, um ihr aus dem Weg zu gehen. Der Kinderarzt und die Erziehungsberatung vor Ort helfen bei der Therapeuten-Suche.

Weiterführende Links:

  • Das soziale Fitnesstraining des Erziehungswissenschaftlers Georg Stöckli.
  • Buchtipp: Schüchterne Kinder stärken. Wie sie Ängste überwinden, ihre Gaben entdecken und die Persönlichkeit entfalten. Von Doris Schüler. Amondis-Verlag.
  • Kinderängste und Schüchternheit überwinden. Ein Praxisratgeber für Eltern. Von Babara G. Markway und Gregory P. Markway. Beltz-Verlag.

Wenn Schüchternheit zum Problem wird

Schüchterne Kinder und Jugendliche fühlen sich im Vergleich zu ihren lebhafteren Mitschülern häufig minderwertig. Sie empfinden sich als langweilig und unattraktiv und erleben sich selbst auch oft als wenig kompetent. Sie können sich im Unterricht nicht einbringen, haben Angst, in Prüfungen oder bei Referaten zu versagen und vermeiden daher Situationen, in denen sie sich vor der Klasse präsentieren und beurteilen lassen müssen. Sie erstarren in solchen Situationen regelrecht und sind nicht mehr in der Lage, die geforderte Leistung zu zeigen, auch wenn sie diese unter anderen Umständen spielend erbringen könnten.
Sozialangst
Die Begriffe Schüchternheit und soziale Angst werden oft synonym verwendet, doch nicht jeder der schüchtern ist, hat auch eine soziale Phobie. Sozialangst ist angeboren – wir Menschen sind soziale Wesen und wären ohne die Bindung an ein geborgenes soziales Umfeld lange Zeit nicht überlebensfähig gewesen. Die Sippe löste die anstehenden Aufgaben arbeitsteilig wie zum Beispiel die Nahrungsbeschaffung und den Schutz vor Feinden oder den Unbilden der Natur. Sich von der Sippe zu entfernen war unter Umständen ein tödliches Risiko. Das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit ist in unseren Genen und in unserem Artgedächtnis tief verankert. Eine gewisse Sozialangst – also die Angst, nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein ist also durchaus normal und auch sinnvoll.
Soziale Phobie
Immerhin etwa fünf bis zehn Prozent aller Schüler leiden unter extremen Formen sozialer Ängste, der sozialen Phobie, die zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter zählt. Sie ängstigen sich übermäßig in Beurteilungssituationen und machen sich unangemessen große Sorgen dahingehend, ihr Verhalten könne missbilligt werden. Eine Kombination von Faktoren kann für die Entstehung verantwortlich sein: Häufig sind die Kinder ohnehin schon von Natur aus zurückhaltend und eher ängstlich in ihrem Verhalten. Wenn dann auch noch traumatisierende Ereignisse hinzu treten, wie zum Beispiel Beschämung, Demütigung und Ausgrenzung durch andere, kann dies phobische Reaktionen auslösen. Als Krankheitswertig werden diese Symptome jedoch erst eingestuft, wenn sie bei dem betroffenen Kind zu einem dauerhaften, d. h. mindestens sechs Monate anhaltenden Leidensdruck führen, der den Lebensalltag massiv beeinträchtigt und die Lebensqualität spürbar in Mitleidenschaft zieht.
Schüchternheit
Die soziale Phobie wird häufig nicht als Krankheit erkannt, da schüchterne Kinder angenehme Zeitgenossen und durchaus sehr beliebtsind – unter anderem auch deswegen, weil sie im Gegensatz zu auffälligeren Kindern den Unterricht höchst selten stören. Sie sind eher überangepasst und fallen bestenfalls dadurch auf, dass sie sich nicht gerne freiwillig zu Wort melden. Sie zappeln nicht, drängen nicht in den Mittelpunkt und gehören auch nicht zu den Angebern, Clowns und Selbstdarstellern auf dem Schulhof. Sie pflegen meist nur wenige, aber dafür lieber intensivere Beziehungen und gelten daher oft als zuverlässige Freunde und gute Zuhörer. Schüchternheit kann sich unter günstigen Lebensbedingungen „auswachsen“, wenn das Selbstbewusstsein dieser Kinder entsprechend gestärkt und sie von Eltern und Lehrern dazu ermutigt werden, sich einzubringen und ihre sozialen Kontakte auszubauen. Schüchterne unterscheiden sich von den Sozialphobikern an einem Punkt gravierend: Sie sind trotz ihrer besonderen Wesensart selbstsicher und erfolgreich.
Soziale Phobie ist behandlungsbedürftig!
Schüchternheit kann jedoch, insbesondere wenn das Umfeld unsensibel mit den Betroffenen umgeht, sie vielleicht sogar auch noch bloß stellt und zu ihrer Ausgrenzung beiträgt, dazu führen, dass Kinder sich noch stärker von anderen zurück ziehen und daher wesentliche soziale Kompetenzen in dem dafür vorgesehenen Zeitfenster nicht erwerben können. Die Folgen können gerade in diesem Entwicklungsstadium schwerwiegend sein: Rückzug, soziale Isolation, schwindendes Selbstvertrauen, Schulversagen, oder sogar das Abbrechen der Ausbildung kennzeichnen nicht selten den ohnehin steinigen Weg solcher Schüler und können weitere psychische Symptome auslösen wie zum Beispiel Depressionen. Unbehandelt neigt die soziale Phobie zur Chronifizierung, mit der nicht selten auch der Missbrauch verschiedener Substanzen wie zum Beispiel Alkohol einhergeht, der als Angstregulativ eingesetzt wird.
Hier gilt eine einfache Faustregel: Je früher betroffene Kinder aufgefangen und angemessen pädagogisch betreut oder therapiert werden, desto größer sind die Chancen, die Symptome vollständig zu beheben und ihnen ein zufriedenes und erfolgreiches Leben zu ermöglichen.
Linktipps

  • Schüchternheit – wie viel ist normal?
    www.gesundheit.de/medizin/psychologie/selbsterkenntnis/schuechternheit-wie-viel-ist-normal
  • Informationen zur Sozialen Phobie und zu psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten
    www.sopho-net.de

Wie schüchterne Kinder selbstbewusster werden

Selbstvertrauen stärken

„Loben Sie es, wenn es eine Situation gut gemeis­tert hat“, empfiehlt Reuser. „Ist ­etwas hingegen nicht so gut ge­laufen, schimpfen Sie nicht, sondern reden Sie mit dem Kind über die Gründe und suchen Sie mögliche Zusammenhänge. Das fördert die Selbstkompetenz und stärkt das Kind.“

Gleichzeitig gibt es verschiedene Möglichkeiten, dem Nachwuchs zu helfen, etwas offener zu werden. Vor allem wenn es in den eigenen vier Wänden ausge­lassen und nur außerhalb schüchtern ist, kann es eine große ­Hilfe sein, wenn es Besuch von Spielkameraden bekommt. In vertrauter Umgebung kann das Kind entspannter spielen als in ­einer großen Gruppe ­außer Haus. So lernt es viele soziale Fertigkeiten und erfährt die Freude am Spiel mit anderen. Auch Kontakte mit Jüngeren sind für schüchterne Kinder wertvoll. Dann genießen sie es, als die ,Großen‘ bewundert zu werden.

Dem Kind beistehen

Wichtig ist zudem, dem Kind in Situa­tionen beizustehen, die ihm unangenehm sind. Traut sich das Kind zum Beispiel nicht, jemandem etwas zu sagen, sollten die ­Eltern das Gespräch eröffnen und das Kind später einbinden. Gerade bei kleinen Kindern helfen auch Fantasiereisen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln: Eltern können dem Kind dabei von ­einer Situation erzählen, in der es besonders mutig war – selbst wenn das Kind sich lediglich getraut hat, die Nachbarin zu grüßen. Indem es die Situation in der Fantasie noch einmal positiv durchlebt, wird es für spätere ähnliche Situationen gestärkt.

Auch Übungen, die ein kraftvolles Auftreten und Durch­setzungsvermögen verlangen, trai­nie­ren das Selbstbewusstsein. Etwa ein Schrei- oder Grimassen-Duell: Es gewinnt, wer am lautesten brüllt oder die verrücktesten Grimassen schneiden kann.

Mit Rollenspiel üben

Schwierige Alltagssituationen können Kinder am besten vorab zu Hause im Rollenspiel üben. So lernen sie zum Beispiel mit dem Einkaufsladen, im Geschäft eine Bestellung aufzugeben. Das Kind schlüpft dabei unbefangen in unter­schiedliche Rollen und probiert diese aus. Das hilft, ­offener und mutiger zu werden. „Ob die Schüchternheit fast verschwindet“, so Reuser, „hängt auch davon ab, welche Erfahrungen das Kind im Laufe der ­Jahre mit anderen Menschen macht und wie stark die Ängste sind, die zur Schüchternheit führen.“

Aber selbst, wenn jemand auch als Erwachsener zurückhaltend bleibt, bedeutet das nicht auto­matisch, dass er etwa im Beruf weniger erfolgreich ist als extro­vertierte Kollegen. Eine Langzeitstudie von Münchner und Würzburger Forschern, die Kinder über 20 Jahre lang begleiteten, ergab: Letztendlich sind Schüchterne ebenso erfolgreich wie ­ihre offener auftretenden Wettstreiter. Im Berufs­leben machen eben nicht nur die laut Polternden das Rennen. Wer ruhig und besonnen auftritt, strahlt Kompetenz und Serio­sität aus.

Ihr Kind ist schüchtern? 10 Tipps, wie es sich richtig entfalten kann

Das schüchterne Kind. Es versteckt sich hinter Mamas Bein, lässt Papas Hand auf gar keinen Fall los, heftet den Blick auf den Boden, wenn es von der netten Dame hinter der Wursttheke gefragt wird, ob es auch ein Stückchen Fleischwurst haben möchte. Schüchterne Kinder haben es oftmals viel schwerer, sich zu entwickeln, weil ihnen viele Erfahrungen verwehrt bleiben – gerade, weil sie sich vieles nicht trauen, weniger mit Gleichaltrigen spielen, immer auf ihr bekanntes Umfeld reduziert sind.

Woher kommt die Schüchternheit

Viele Familien, in denen mehr als nur ein Kind existiert, können ein Lied davon singen: Während das eine Kind ein kleines Energiebündel ist und vor nichts und niemandem Angst hat, ist das andere viel weniger temperamentvoll. Im Gegenteil: Es ist auffällig zurückhaltend und versteckt sich bei jeder Gelegenheit wie eine Schnecke in ihrem Häuschen oder eben hinter Mamas und Papas sicherem Rücken.

Schüchternheit ist dementsprechend oftmals eine Eigenschaft des Temperaments, das bei jedem Kind – und damit auch bei Geschwistern – anders ausgeprägt ist. Daneben gibt es jedoch noch die Form der anerzogenen und der erlernten Schüchternheit.

17 Bewertungen Starke Kinder: Gezielt und fantasievoll: Methoden für selbstbewusste und ausgeglichene Kinder

  • 176 Seiten – 26.02.2014 (Veröffentlichungsdatum) – TRIAS (Herausgeber)

19,99 EUR Bei Amazon kaufen

Was schüchterne Kinder brauchen

Ganz gleich, woher sie rührt, schüchterne Kinder brauchen besondere Tricks, mit denen sie jeden Tag ein klein wenig mehr lernen, auf sich selbst und vor allem auch auf andere zu vertrauen und nicht allem und jedem von vornherein ängstlich zu begegnen.

Dabei gilt es vor allem, die richtige Balance zu finden, mit denen das Kind gefördert, gleichzeitig jedoch nicht unter Druck gesetzt wird. Denn Druck bewirkt gerade bei schüchternen Kindern, dass sie sich noch mehr vor ihrer Umwelt verschließen als sie es ohnehin getan hätten. Denn etwas machen zu müssen, was sie sich nicht trauen, ist noch viel schlimmer, wenn Mama oder Papa, hinter denen das Kind sich in diesem Moment lieber verstecken würde, es verlangen. Und wer weiß schon, was ihnen dann morgen Schlimmes einfällt? Wie Sie als Eltern dennoch dafür sorgen können, dass Ihr schüchternes Kind fröhlich die Welt um sich herum entdeckt, verraten wir Ihnen hier.

Tipp 1 – Kontakte knüpfen

Der Scheu gegenüber Fremden und Fremdem können Sie frühzeitig entgegenwirken, indem Sie Ihr Kind von klein auf mit Gleichaltrigen zusammenbringen. Sei es in der Krabbelgruppe, beim Baby-Schwimmen, beim Kleinkind-Turnen oder auch, indem sie regelmäßig Freunde oder Nachbarn mit ihren Kindern zum Spielen einladen, oder sich mit ihnen zum Spielen verabreden. Sie werden dabei schnell herausfinden, mit wem ihr Kind klar kommt und mit wem nicht. Denn auch zwischen Kindern muss die Chemie stimmen – wenn nicht, springt auch der Funke nicht über.

Haben Sie es bisher versäumt, Ihr Kind mit Gleichaltrigen zusammenzubringen, dann fangen Sie ganz einfach direkt damit an. Sie wissen bestimmt, was Ihrem Kind am meisten Spaß macht, was es gerne spielt, oder worin es sich gerne erproben würde. Vielleicht findet sich ja ein attraktiver Kinderkurs, in dem es direkt auch noch ein paar gleichaltrige Kinder kennen lernen kann – ganz ungezwungen und in der Zeit, die Ihr Kind dafür braucht, versteht sich.

Werbung

30 Bewertungen Schüchterne Kinder stärken: Wie sie Ängste überwinden, ihre Gaben entdecken und die Persönlichkeit entfalten

  • 224 Seiten – 03.12.2018 (Veröffentlichungsdatum) – amondis Verlag (Herausgeber)

19,95 EUR Bei Amazon kaufen

Tipp 2 – Positive Erfahrungen sammeln lassen

Kinder, die schüchtern sind, trauen sich meistens selbst wenig zu. Deshalb sollte ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden. Der Tagesablauf bietet dafür viele Anreize. So sollte Ihr Kind seine eigenen Entscheidungen treffen dürfen – beispielsweise, was es zum Mittagessen geben soll, was es anziehen möchte (ganz gleich, wie kunterbunt die Zusammenstellung dann auch ausfallen wird), was abends vorgelesen werden soll, womit es den Nachmittag verbringen möchte. Entscheidungen helfen, Ihrem Kind zu vermitteln, dass es für sich selbst denken und damit auch handeln darf.

Und sie zeigen, dass die eigene Meinung wichtig ist. Positive kleine Erlebnisse, die das Selbstbewusstsein ganz einfach steigern. Dazu können und sollten Sie Ihrem Kind zudem kleine Aufgaben im Haushalt übertragen, die es nicht überfordern, aber seine Fähigkeiten fördern. Das kann das Tischdecken sein oder die Dekoration dessen, das Blumengießen, die Post aus dem Briefkasten zu holen, oder auch ans Telefon zu gehen. Denn gerade letztere Übung lässt die Kleinen in gesicherter Distanz immer wieder mit Fremden und vor allem mit Unvorhergesehenem in Berührung kommen. Und ganz nebenbei zeigt sich in der übertragenen Verantwortung, dass Mama und Papa ihrem kleinen Sprössling schon ganz viel zutrauen.

Tipp 3 – Freiräume und Zeit geben

Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Deshalb: Geben Sie gerade Ihrem schüchternen Kind Zeit. Oftmals muss es sich erst nur in eine Situation einfinden, die Personen darin beobachten und das Für und Wider abwägen können. Je länger Ihr Kind eine ihm fremde Situation beobachten darf, desto besser wird es sich später in dieser zurechtfinden. Vor allem, wenn ihm Zusammenhänge kindgerecht erklärt werden.

Beispielsweise, dass die Dame hinter der Wursttheke jedes Kind fragt, ob es ein Stückchen Fleischwurst haben möchte. Weil das ein unschlagbares Privileg ist, wenn man noch ein Kind ist. Denn Erwachsene werden nie gefragt – und dass, obwohl Mama oder Papa doch gerade Fleischwurst so sehr mögen. Oh, wie gerne würden sie gefragt werden. So merkt Ihr Kind ganz einfach, dass es – so wie es ist – etwas Besonderes ist.

Tipp 4 – Einfach mal die Rollen tauschen

Kinder lieben bekanntlich Rollenspiele. Für schüchterne Kinder bieten sie den unschlagbaren Vorteil, dass sie sich darin geben können, wie sie eigentlich gar nicht sind, aber vielleicht gerne sein würden. Denn schüchterne Kinder stehen sich bekanntlich oft genug selbst im Weg. Mit Mama einfach mal die Rollen beim Einkaufen, im Café oder auch Zuhause zu tauschen, kann dabei Wunder wirken. Denn plötzlich ist die Mama ganz klein, traut sich wenig und muss in allem unterstützt werden.

Und wer macht das? Ganz genau: Mr. oder Mrs. Schüchtern. Anhand dieser vertauschten Rollen können schüchterne Kinder wachsen – und zwar ganz weit über sich hinaus. Und schon bald wird Ihr Kind im Café dann vielleicht selbst für sich bestellen. Bei extrem schüchternen Kindern empfiehlt es sich, diesen Rollentausch im Vorfeld zu trainieren. Beispielsweise beim Spiel im Kaufladen, in der Kinderküche oder auch der Kinderwerkstatt. Je selbstsicherer Ihr Kind hier wird, desto einfacher wird es den spielerischen Rollentausch irgendwann auch in realen Situationen gerne vornehmen und vor allem umsetzen können.

Tipp 5 – Das Körpergefühl fördern

Ein bekanntes Sprichwort sagt: „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist!“. Deshalb ist Bewegung für Kinder wichtig. Denn hier entdecken sie ihr Körpergefühl. Wer seine Stärken und Schwächen kennt, muss keine unbegründeten Ängste haben. Deshalb kann die Kissenschlacht am Morgen, das Wettrennen im Park, das Erklimmen des Klettergerüstes als auch das Fangen spielen mit Mama oder Papa das Körpergefühl und damit auch das Selbstwertgefühl des Kindes ganz erheblich steigern.

Nebenbei löst die Bewegung, vor allem aber das ausgelassene Toben, im Kind vorhandene Ängste und Spannungen. Durch viel Bewegung wird es also nicht nur gelenkig, sondern auch stark, selbstsicher und selbstbewusst. Und versuchen Sie dabei gleichzeitig, so oft wie möglich gemeinsam mit Ihrem Kind zu lachen oder es zum Lachen zu bringen. Denn Lachen befreit, schickt Glückshormone durch den Körper und speichert sich als positives Erlebnis.

Werbung

17 Bewertungen Nur Mut, du bist stark! Drei ungekürzte Bilderbücher über Selbstvertrauen und wie man eigene Stärken entdeckt in einem Band!

  • 96 Seiten – 04.01.2013 (Veröffentlichungsdatum) – Albarello (Herausgeber)

12,90 EUR Bei Amazon kaufen

Tipp 6 – Demotivierende Formulierungen vermeiden

Schüchterne Kinder brauchen vor allem positive Bestärkung und Eltern, die an sie glauben. Deshalb sind Formulierungen wie: „Du schaffst das!“, „Versuch es einfach“, „Das kannst Du allein!“, „Probier es einfach aus!“ oder „Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst!“ wesentlich sinnvoller als Formulierungen, die dem Kind von vornherein den Mut nehmen. Dazu gehören neben: „Das schaffst Du nicht!“ oder „Das kannst Du noch nicht!“ vor allen Dingen auch Aussagen wie „Dazu bist Du noch zu klein!“. Auch wenn letztere sehr beliebt ist, bei allem, was man Kindern nicht begründen kann.

Dennoch: Das Selbstvertrauen von schüchternen Kindern erschüttern sie umso mehr. Auch sollten sie vermeiden, im Beisein Ihres Kindes immer wieder zu erklären, dass es nur schüchtern ist. Denn durch die ständige Bestätigung lernt das Kind nur eines, nämlich: Dass es so ist, wie es ist – eben schüchtern – und fühlt sich dementsprechend bestärkt. Am besten erklären Sie das Verhalten Ihres Kindes in seinem Beisein gar nicht. Wenn Sie jedoch nicht umhin kommen, dann achten Sie auf die Verwendung des Wortes “noch“. Es ist NOCH schüchtern, es traut sich NOCH nicht, es ist NOCH etwas zurückhaltend. Denn so lernt ihr Kind, dass es anscheinend ganz natürlich ist, NOCH ein wenig schüchtern zu sein, dass sich dieser Zustand aber auch ändern kann – und vor allem ändern wird.

Tipp 7 – Die Schüchternheit Geschichte werden lassen

Geschichten, die Sie selbst erfinden und in denen sich Ihr Kind schnell wieder erkennt, können ebenfalls dazu beitragen, im Alltag ein wenig mutiger zu werden. Keine Panik, dafür müssen sie kein Geschichten-Genie sein, sondern nur bereits mit Ihrem Kind erlebte Situationen als Erzählung umgestalten. Erzählen Sie doch beispielsweise einfach mal die Geschichte vom kleinen Mädchen, das auf dem Spielplatz immer alleine spielt, oder das ohne die Mama nicht im Kindergarten bleiben möchte. Oder die Geschichte von dem kleinen Jungen, dessen Sandburg immer von einem anderen Kind zerstört wird und von dem er sich auch immer sein Spielzeug wegnehmen lässt.

Ihr Kind wird sich nicht nur selbst in der Geschichte wieder finden, sondern auch hochmotiviert versuchen, gemeinsam mit Ihnen eine Lösung zu finden, wie man dem “fremden“ Jungen oder Mädchen in der Geschichte helfen, und was dieses Kind beim nächsten Mal vielleicht anders machen könnte.

Tipp 8 – Den Zauber des Mutes nutzen

Kinder glauben an Magie, Zauber und Wunder. Für schüchterne Kinder bietet sich mit dieser fantasievollen Welt die Möglichkeit, sich von Mama oder Papa einfach mal verzaubern zu lassen. Mit Zaubertränken, Zaubersprüchen oder Tarnumhängen à la Harry Potter, die aus Ihrem schüchternen Kind ein ganz mutiges machen.

So kann die Frühstücksmilch ein Zaubertrank sein, der – morgens getrunken – bis zum Abend hin viel mehr Mut verleiht. Beim Lieblingspullover oder auch einem eigens für diesen Anlass neu gekauften Shirt kann es sich um einen geheimnisvollen Tarnumhang handeln, der die Schüchternheit schluckt und für alle unsichtbar versteckt. Verzaubern Sie Ihr Kind, um ihm spielerisch Mut zu machen und ihm ungeahnte Kräfte zu verleihen.

Tipp 9 – Den Spiegel vorhalten

Natürlich sieht Ihr Kind nicht das, was Sie in ihm sehen. Deshalb sollte Sie ihm des Öfteren die Gelegenheit geben, sich mit Ihren Augen zu entdecken. Dazu zählt auf der einen Seite die regelmäßige Bestärkung dessen, was Ihr Kind gut kann und worauf es auch stolz sein sollte. So können Sie ihm beispielsweise sagen, das Sie kein Kind kennen, das so toll malen kann, kein Kind, das so schön den Tisch decken kann, kein Kind, das so toll schreiben kann, kein Kind, das so ausgelassen lachen kann, kein Kind, das bei einer Kissenschlacht die Kissen höher schmeißen kann. Was auch immer es ist, dass Ihr Kind ganz toll kann: Damit es Selbstvertrauen gewinnt, müssen Sie es ihm sagen.

Ebenfalls zur Entdeckung der eigenen Persönlichkeit gehört auch, dass Ihr Kind sich im Spiegel betrachten können sollte. Deshalb sollte es mindestens einen Spiegel in der Wohnung geben, in dem sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter komplett sehen kann. Und wenn es dann zwischendurch mit Mama oder Papa ausgelassen davor tanzt, tobt und lacht, wird diese Lebhaftigkeit und Ausgelassenheit vielleicht auch ganz bald schon mit in den Alltag genommen.

Tipp 10 – Liebe ist die beste Unterstützung

Wichtiger als alles andere ist jedoch, dass Sie Ihrem Kind zeigen, dass Sie es bedingungslos lieben. Dazu gehört vor allem Ihre liebevolle und geduldige Unterstützung in allem, was Ihr Kind macht und vor allem, worin es sich erproben möchte. Denn mit der bedingungslosen Liebe von Mama und Papa geht alles gleich noch viel einfacher und leichter.

30 Bewertungen Schüchterne Kinder stärken: Wie sie Ängste überwinden, ihre Gaben entdecken und die Persönlichkeit entfalten

  • 224 Seiten – 03.12.2018 (Veröffentlichungsdatum) – amondis Verlag (Herausgeber)

19,95 EUR Bei Amazon kaufen

Mein Kind ist schüchtern

Obwohl viele Kinder schüchtern sind, beunruhigt es einige Eltern – insbesondere, wenn sie großen Wert auf soziale Kontakte legen. Die meisten Kindern brauchen einfach etwas länger, um mit jemanden „warm zu werden“ und nur wenige schüchterne Kinder leiden unter dieser Charaktereigenschaft…

Einige Kinder werden aufgrund ihrer Erfahrungen schüchtern, bei den meisten Kinder ist es aber ein angeborener Persönlichkeitszug. Für einige dieser Kinder können gesellschaftliche Ereignisse sehr unangenehm sein. Wenn sie in Kontakt mit neuen und fremden Kindern bzw. Menschen kommen, fühlen sie sich selten entspannt. Typischerweise machen diese Kinder auch selten den ersten Schritt. Sie verzichten lieber auf eine mögliche Freundschaft, als sich auf „unbekannten Boden“ zu begeben. Sie brauchen einfach etwas länger, um mit jemanden „warm zu werden“. Aber nur ganz wenige schüchterne Kinder leiden unter dieser Charaktereigenschaft.

Besorgniserregende Zurückgezogenheit
In einzelnen Fällen kann Schüchternheit jedoch das Kind stark einschränken. Äußerst schüchterne Kinder können sich oft nicht so gut wie ihre Altersgenossen beim Spielen und in der Schule anpassen. Je länger dieses Verhaltensmuster anhält, um so schwieriger ist es für die Kinder, sich zu verändern. Ihre Schüchternheit kann dazu führen, dass sie immer mehr alle gesellschaftlichen Ereignisse meiden und sich zurückziehen. Als Erwachsene haben sie schließlich Probleme. sich zu behaupten und zurechtzufinden. Deshalb sollten Eltern, wenn sie bemerken, dass die Schüchternheit das Leben ihres Kindes beeinträchtigt, einen Kinder- und Jugendarzt bzw. einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchen.

Jedes Kind braucht seine Zeit, um „aufzutauen“
Die meisten Kinder kommen nach einer Phase der Orientierung, die bei jedem unterschiedlich lang ist, recht gut mit anderen zurecht. Kinder, die Schwierigkeiten haben, länger anhaltende Freundschaften zu schließen, sollten näher beobachtet werden. Die meisten zürückhaltenden Kinder meistern auch den Kontakt zu fremden Kindern, sobald das erste Eis gebrochen ist. Ihre Eltern können sie dabei unterstützen, indem sie sie bei gesellschaftlichen Ereignissen mitnehmen oder teilhaben lassen (z.B. Kindergeburtstag), bei denen die Kindern lernen können, erfolgreich mit anderen Kontakt aufzunehmen.

Ungeliebte Außenseiter
Alle Kinder wollen gemocht werden, doch haben Einzelgänger keine Erfahrung darin, wie man Freunde gewinnt. Manche Kinder werden von der Gruppe ausgeschlossen, sei aus aufgrund ihrer Kleidung, mangelnder Körperhygiene, Fettleibigkeit, oder sogar einer Sprachbehinderung. Auch Kinder, die störendes oder aggressives Verhalten zeigen, werden oft von Gleichaltrigen abgelehnt. Unauffällige Kinder dagegen können aber ebenso ins Abseits geraten, da sie nie wirklich bemerkt werden. Diese vernachlässigten Kinder verbringen ihre Zeit dann meist alleine.
Manche Kinder, die ständig das Gefühl haben, nicht willkommen zu sein, tendieren dann zu aggressivem oder störendem Verhalten. Sie sind auf der anderen Seite aber sehr empfindsam. Mal tyrannisieren sie andere und verletzten Regeln, mal sind sie unsicher und provozieren die Ablehnung der anderen, u.a. auch durch ihr impulsives und störendes Verhalten. Einige von ihnen leiden möglicherweise unter einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) .

Wie Eltern helfen können
Erfolgreiches Interagieren mit Gleichaltrigen erfordert viele Fähigkeiten. Eltern sollten ihren Kindern helfen, diese zu entwickeln. Dazu gehören u.a.:

  • Das Zurechtkommen mit Misserfolg und Frustration
  • Anpassung an Änderungen und Übergangssituationen
  • Die Kontrolle von Zorn und Ärger
  • Das Einsetzen von Humor
  • Die Fähigkeit zu vergeben
  • Die Fähigkeit, sich zu entschuldigen
  • Das Selbstbewusstsein, Mutproben auch zu verweigern
  • Das Ausdrücken von Zuneigung
  • Das Fähigkeit sich zu verteidigen, sich zu behaupten
  • Die Fähigkeit, jemanden zu trösten
  • Die Fähigkeit, mit jemanden zu teilen
  • Die Fähigkeit, Forderungen zu stellen
  • Die Fähigkeit, Komplimente zu machen
  • Die Fähigkeit, jemanden einen Gefallen zu tun
  • Die Fähigkeit, jemanden um etwas oder um Hilfe zu bitten
  • Die Fähigkeit, jemanden anderen zu helfen
  • Die Fähigkeit, Geheimnisse für sich zu behalten

So unterstützen Sie ein schüchternes Kind

Während manche Kinder sich voller Selbstbewusstsein und Neugierde in unbekannte Situationen wagen, sind andere deutlich zurückhaltender. Sie beobachten lieber von der sicheren Warte aus, was vor sich geht. Werden sie angesprochen, schauen sie unsicher zu Boden, auf Fragen antworten sie nicht oder nur sehr leise. Ihre Schüchternheit hindert sie daran, anderen Menschen und Situationen mit Offenheit und kindlicher Neugierde zu begegnen. Dies ist nicht nur für die betroffenen Kinder belastend, auch die Eltern machen sich oft Sorgen.

Beachten Sie!

Interview

Jesper Juul: Sind Kinderkrippen Kinderparkplätze?

Die Schüchternheit ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich den betroffenen Kindern in der Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen in den Weg stellt. Schüchterne und unsichere Kinder können in ihrer Entwicklung im sozialen Bereich etwas verzögert sein. Sie verfügen (noch) nicht über allgemein akzeptierte Reaktionsmuster, weil sie diese wegen ihrer Zurückhaltung kaum austesten und üben konnten. Kontakt aufzunehmen und sich ihre sozialen Fertigkeiten in der Interaktion mit verschiedenen Personen anzueignen, müssen sie erst mühsam erlernen. Wie schnell dies einem schüchternen Kind gelingt, kann ganz unterschiedlich sein. Als Eltern müssen Sie jedoch nicht untätig dabei zusehen, sondern Sie können es aktiv in diesem Lernprozess unterstützen.

Sicherheit bieten
Für ein unsicheres, schüchternes Kind ist eine verlässliche, klar strukturierte Umgebung sehr wichtig, einerseits für sein Wohlbefinden, andererseits auch für seine Entwicklung. An Vertrautem kann es sich am besten orientieren. Unbekanntes hingegen verunsichert es. Ängstliche oder für andere befremdliche Reaktionen können die Folge sein.

Gute Umgangsformen ohne Druck
Schüchterne Kinder haben häufig Problem mit der Höflichkeit. Ihr Kind traut sich vielleicht nicht, um etwas zu bitten, sich zu bedanken oder sich von jemandem zu verabschieden. Für Sie als Eltern kann dies bisweilen sehr peinlich sein. Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder, Sie machen Druck und verlangen die Einhaltung gewisser Höflichkeitsformen. Die zweite Möglichkeit ist, den Druck wegzunehmen, im Vertrauen darauf, dass das Kind die guten Umgangsformen im Laufe der Zeit mit Ihrer Unterstützung lernen wird.

Das Problem bei der ersten Möglichkeit ist, dass sich gute Umgangsformen nicht einfach erzwingen lassen. Anstand und Höflichkeit sind nicht bloss antrainierte Floskeln. Es geht vielmehr darum, andere Menschen und ihre Gefühle zu achten und zu respektieren. Höflichkeit ist also in erster Linie eine innere Wertehaltung, die Eltern ihren Kindern vermitteln. Von Ihnen als Eltern ist eine enorme Gelassenheit gefordert, wenn Sie gute Umgangsformen ohne Druck vermitteln wollen. Situationen, in denen sich Ihr Kind nicht so verhält, wie man es von ihm erwartet, dürfen Ihnen nicht peinlich sein.

Statt sich für ein unfreundliches Kind immer wieder entschuldigen zu müssen, besteht die Möglichkeit, das Grüssen, Bedanken oder Nachfragen für Ihr Kind zu übernehmen, bis es das selber kann. Gehen Sie dabei auf die gleiche Höhe wie Ihr Kind und fragen Sie es, ob es das selber oder zusammen mit Ihnen machen möchte. So sind Sie ein gutes Vorbild, verlieren Ihr Gesicht nicht und Ihr Kind macht wiederholt positive Erfahrungen durch die angenehmen Reaktionen der anderen Menschen.

Anstand – warum überhaupt?
Wichtig ist, dass Eltern überzeugend begründen können, wozu es überhaupt Anstandsregeln braucht. Argumentieren Sie also nicht nur, dass sich das einfach so gehört, oder dass man das halt einfach tut. Erklären Sie stattdessen, welche Gefühle ein gewisses Verhalten bei der anderen Person auslösen könnte.

Das eigene Vorbild überdenken
Kinder schauen sich von ihren Eltern ab, wie man mit anderen Menschen umgeht. Sind die Eltern ängstlich und zurückhaltend, kann sich dieses Verhalten auch auf die Kinder übertragen. Wenn Ihr Kind mit Schüchternheit zu kämpfen hat, sollten Sie deshalb auch Ihr eigenes Verhalten kritisch hinterfragen.

Loben, aber richtig
Hat das Kind den Mut aufgebracht, eine Frage zu beantworten oder sich bei jemandem zu bedanken, hat es ein Lob verdient. Wichtig ist, dass das Lob aufrichtig, aber nicht übertrieben ist. Sagen Sie nicht, Sie seien stolz auf Ihr Kind, weil es sich „getraut“ hat, sondern weisen Sie es darauf hin, welche positive Reaktion es bei seinem Gegenüber das ausgelöst hat. Zum Beispiel so: „Sieh nur, wie sehr sich die Frau gefreut hat, weil du sie so nett gegrüsst hast.“

Auf die Wortwahl achten
Es ist so schnell herausgerutscht, wenn dem Kind kein „Danke“ über die Lippen kommen will: „Nun hab’ dich doch nicht so! Trau dich einfach. Ist doch wirklich nicht so schwer…“ Solche Worte machen alles nur noch schwieriger für das Kind. Es ist ja nicht so, dass es nicht will. Es kann nicht, weil ihm seine Schüchternheit im Wege steht. Drängen Sie nicht, sondern versuchen Sie, Ihr Kind zu unterstützen. Zum Beispiel, indem Sie gemeinsam mit ihm ein realistisches Ziel setzen und dann zur Belohnung etwas Kleines unternehmen, was dem Kind besonders viel Freude bereitet.

Freunde finden trotz Schüchternheit
Schüchternheit gegenüber anderen Kindern hat in vielen Fällen zur Folge, dass das Kind Mühe hat, Freunde zu finden. Für Eltern ist dies oft nur schwer auszuhalten. Dennoch sollten Sie erst einmal zuwarten und Ihr Kind nicht dazu drängen, auf andere zuzugehen. Dadurch könnte es nämlich erst recht verunsichert werden und sich noch mehr zurückziehen. Wenn das Kind andere erst einmal in Ruhe beobachten kann, fällt es ihm möglicherweise leichter, erste Annäherungsschritte zu machen, sobald es sich dazu bereit fühlt.

Grössere Gruppen stellen für viele schüchterne Kinder eine Überforderung dar. Vermutlich kann Ihr Kind besser Kontakt knüpfen, wenn Sie einen Spielkameraden zu sich nach Hause einladen. In seiner vertrauten Umgebung fühlt sich Ihr Kind sicherer. Damit die Kinder leichter zueinander finden, ist es am besten, wenn das andere Kind etwa gleich alt ist und möglichst ähnliche Interessen hat.

Das Kind nehmen, wie es ist
Es hilft nichts, sich gegen die Schüchternheit aufzulehnen. Sie ist nun mal ein Merkmal der Persönlichkeit Ihres Kindes. Akzeptieren Sie Ihr Kind so, wie es ist und bieten Sie ihm die Unterstützung, die es braucht, um sich in sozialen Situationen zu bewähren. So wird es ihm am ehesten gelingen, seine Schüchternheit zu überwinden, wenn es dazu bereit ist.

Letzte Aktualisierung : 24-01-20, JL / TV

Warum so schüchtern? So können Eltern das Selbstvertrauen ihrer Kinder fördern

Die meisten Menschen haben in ihrer Kindheit schon mit Schüchternheit ihre Erfahrungen gemacht: Wer kann sich nicht an das mulmige Gefühl erinnern, wenn er vor der Klasse ein Referat halten oder vor der versammelten Familie an Weihnachten ein Gedicht vortragen musste. Nicht selten reagieren Kinder aber schon bei wesentlich geringeren Anlässen ängstlich, wenn sie etwa beim Bäcker eine Bestellung aufgeben oder einen Klassenkameraden wegen einer Verabredung ansprechen wollen. Viele schüchterne Jungs und Mädchen leiden sehr unter ihrer zurückhaltenden Art. Doch es gibt Strategien, mit denen Eltern ihren Kindern helfen können, die Schüchternheit zu überwinden. Das sind die zehn wichtigsten Tipps für mehr Selbstvertrauen.

In unserer leistungsbezogenen Ellenbogengesellschaft sind vor allem Menschen gefragt, die sich behaupten können, selbstbewusst und extrovertiert sind. Deshalb wird Schüchternheit heute eher als charakterlicher Nachteil bewertet. Dass diese Eigenschaft aber ursprünglich nichts Negatives war, wird bei einem Blick auf unsere Urahnen deutlich. Sie waren nämlich ausgeprägt schüchtern. Vorsicht, Zurückhaltung und Skepsis gehörten in grauer Vorzeit zu ihrem Überlebensmechanismus. In Bruchteilen von Sekunden mussten die ersten Menschen bei einer Begegnung oder angesichts einer unbekannten Situation zwischen Freund und Feind beziehungsweise zwischen gefährlich und ungefährlich entscheiden.

Diese Strategie hat im Laufe der Jahrtausende in der Verarbeitung des menschlichen Gehirns besondere Aktivitätsmuster erzeugt. Die Veranlagung zur Schüchternheit gilt deshalb zu einem großen Teil als angeboren. Forscher der Harvard-Universität fanden bei Aufzeichnungen im Kernspintomographen heraus, dass Schüchterne angesichts fremder Menschen oder unbekannter Situationen eine höherer Reizbarkeit der Amygdala besitzen. Dieser sogenannte Mandelkern ist diejenige Stelle im Gehirn, die Angstgefühle, aber auch Abenteuerlust und Mut steuert. Die erhöhte Sensibilität Fremdes als Gefahr zu registrieren und Unbekannten zaghaft aus dem Weg zu gehen, ist also von Geburt an vorhanden und bleibt schüchternen Kindern auch ein Leben lang erhalten.

„Normale“ Schüchternheit schon in frühen Kindheitsphasen

Bis zu einem gewissen Grad ist Schüchternheit normal und spielt vor allem in der Kindheit eine wichtige Rolle. Wie ein roter Faden zieht sich diese Eigenschaft durch bestimmte Altersstufen und gehört als normale Verhaltensweise zur Entwicklung eines jungen Menschen: Schon bei den Kleinsten funktioniert die Überlebensstrategie unserer Vorfahren wie eine Art instinktive Kindersicherung: So ist zum Beispiel das Fremdeln typisch für Kinder am Ende des ersten Lebensjahres. Mit diesem scheuen Verhalten intensivieren die Kleinen die Bindung zu Mama und Papa, halten dabei am Vertrauten fest und gehen zu allem Fremden auf Distanz. Im zweiten Lebensjahr schützen sich die Kleinen ebenfalls durch Zurückhaltung. „Nein“ ist nun das Lieblingswort, um Abstand zu unbekannten „Gefahrenzonen“ zu schaffen. Und jedem Blickkontakt mit weniger vertrauten Menschen wird ausgewichen, indem der Kopf weggedreht oder die Deckung hinter den elterlichen Beinen gesucht wird.

Auch beim Eintritt in den Kindergarten oder beim Wechsel in die Schule haben Kinder besonders große Hemmschwellen zu bewältigen. Das ist nur natürlich, denn dabei werden sie mit einem unbekannten sozialen Umfeld konfrontiert, müssen sich mit der neuen Umgebung arrangieren und Kontakte knüpfen, ohne die Eltern an ihrer Seite. Für viele Kinder ist dies eine echte Herausforderung, sie reagieren ängstlich und zurückhaltend. Doch dies ist noch nicht besorgniserregend, solange es sich nur um eine überschaubare Eingewöhnungsphase handelt.

Wenn die Ängste überhand nehmen

„Unnormal“ wird Schüchternheit erst, wenn sie über längere Zeit das Leben beeinträchtigt. Das ist dann der Fall, wenn Ängste in fast allen Lebenslagen Aktivitäten und Selbstinitiative lähmen. Extrem schüchterne Kinder entwickeln dann mehr als andere ein negatives Selbstbewusstsein, weil sie überall Gefahren wittern, auch dort, wo keine sind. So bauen sie unbewusst Mauern auf, die sie alleine nicht mehr überwinden können. Ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist und zur Folge hat, dass sich scheue Kinder noch mehr zurückziehen und einigeln.

Schüchternheit hat viele Gesichter

Schüchternheit äußerst sich in vielerlei Gestalt, die Psychologen in drei Kategorien einteilen: Zum einen gibt es die körperliche Reaktion, auf bestimmte „ängstigende“ Situationen, die sich durch Erröten, Herzklopfen, erhöhte Lärmempfindlichkeit oder ein flaues Gefühl in der Magengegend äußert. Zum Zweiten gibt es Reaktionen im Sozialverhalten, die durch Gehemmtheit, Unbeholfenheit und Rückzugsverhalten zu erkennen sind. Und zur dritten Kategorie zählen schließlich die sogenannten kognitiven Symptome, die sich durch negative Selbsteinschätzung, Minderwertigkeitsgefühl, Selbstablehnung und eine erhöhte kritische Selbst-Beobachtung auszeichnen.

Nicht nur die Gene spielen eine Rolle

Bei der Ausprägung von Schüchternheit spielen neben den Genen auch Lernprozesse eine Rolle: Psychologische Studien zeigten, dass schüchterne Kinder in der Regel in Familien leben, in denen sich Vater, Mutter oder beide Elternteile eher durch zurückgezogenes und vorsichtiges Verhalten auszeichnen. Doch auch dominante und eloquente Eltern, die die Leistungsbereitschaft ihrer Kinder ständig im Auge haben, können Schüchternheit begünstigten. Denn ohnehin gehemmte Kinder werden durch zu hohen Erwartungsdruck zusätzlich verunsichert und fühlen sich ungeliebt, weil sie das Gefühl haben, es ihren Eltern nicht recht machen zu können.

Wie ein Verstärker wirken auch negative Erfahrungen mit anderen Kindern, vor allem dann, wenn die scheuen Jungs und Mädchen aufgrund ihres passiven und ängstlichen Verhaltens aus einer sozialen Gruppe ausgegrenzt werden. Dies formulieren auch Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge und Pädagogin Bettina Mähler in ihrem Buch „Irgendwie anders: Kinder, die den Rahmen sprengen… und wie man damit umgeht“: „Sie haben Probleme ihre eigene Meinung in einer Gruppe zu äußern und sie erleben soziale Situationen als stressreich. Daher ist es für schüchterne Kinder schwierig Anschluss zu finden und soziale Erfahrungen genießen zu können.“ Außerdem, so die Autoren, werde durch diese ängstliche Zurückhaltung kreatives Denken blockiert und die Lernfähigkeit vermindert. So könnten sich die negative Selbsteinschätzung und ein geringes Selbstwertgefühl bei den betroffenen Kindern weiter verfestigen.

Den Teufelskreis mit elterlicher Unterstützung durchbrechen

Vom inneren Kampf der Schüchternen, sei es in der Schule oder im privaten Bereich, bekommen Außenstehende meist nicht viel mit. Denn zaghafte „Leisetreter“ gelten eher als pflegeleicht und ziehen die Aufmerksamkeit weniger auf sich als auf lautstarke „Draufgänger“. So leiden schüchterne Kinder oftmals unbemerkt im Stillen und können aufgrund ihres Charakters anderen schlecht ihre Nöte und Ängste mitteilen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Eltern Initiative ergreifen und ihre scheuen Kinder fördern, um das kindliche Selbstvertrauen zu steigern. Hier sind die zehn wichtigsten Tipps.

Warum ist mein Kind so schüchtern?

Entscheidend für dein Handeln als Elternteil ist die Frage, ob dein Kind leidet: Wenn du merkst, dass dein Kind trotz seiner Schüchternheit Anschluss findet, es zufrieden und ausgeglichen wirkt und den Alltag gut bewältigen kann, dann kannst du dich ziemlich entspannt zurücklehnen und die Zeit für dein Kind arbeiten lassen. Bleib locker und stärke dein Kind einfach immer wieder, indem du es konkret für das lobst, was du an ihm magst (nicht nur bzgl. des Themas Schüchternheit/Mut) und es ermutigst, sich neuen Herausforderungen zu stellen – anfangs mit Begleitung, dann nach und nach selbstständiger.
Wenn dein Kind jedoch unter seiner Schüchternheit leidet, wichtige Ziele nicht erreicht und gestresst und belastet wirkt, wäre professionelle Unterstützung wichtig, um eine soziale Ängstlichkeit abzuklären. Auch, wenn die Schüchternheit plötzlich aufgetreten ist, ist professionelle Hilfe wichtig, um herauszufinden, was Ursachen sein können. Dazu kannst du dich am besten an eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutische Praxis oder eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz wenden – Adressen im Internet oder beim Kinderarzt. Manchmal hat man lange Wartezeiten, dann kann eine Erziehungsberatung bei der Überbrückung helfen (www.dajeb.de)
Auch Bücher können dir weiterhelfen: Buchtipps:

  • Doris Schüler: Schüchterne Kinder stärken
  • Elisabeth Zöller: Ich will mutig sein!
  • Jüngling, Spathelf, Volmer: Nur Mut, du bist stark!

Wichtig ist, deinem Kind immer wieder zu signalisieren: „Dass du noch nicht so mutig bist, wie die anderen, ist nicht schlimm! Jeder hat Stärken und Schwächen – du kannst dafür anderes gut, zum Beispiel… Du bist wertvoll, so, wie du bist! Ängste wie du sie hast, haben viele Kinder! Und man kann daran arbeiten. Es gibt gute Tricks, die einem helfen, langsam mutiger zu werden. Gemeinsam schaffen wir das!“.

„Wir sind auch noch da!“ Hören Sie auch die stillen und schüchternen Kinder?

Sie sind still, oftmals zurückgezogen und unauffällig. Manche sprechen nur dann, wenn sie angesprochen werden, manche nicht einmal dann: leise Kinder, die schüchtern sind und sich nicht trauen, sich und ihre Persönlichkeit in einer Gruppe einzubringen. Aber natürlich haben auch sie, genauso wie andere Kinder, das Bedürfnis, gehört zu werden, sie haben Wünsche und Bedürfnisse, die gestillt werden wollen.

„Wir sind auch noch da!“, kann für uns Erzieherinnen zu einer Aufforderung werden, diese Kinder bewusst wahrzunehmen. Im lauten Alltag auf das Leise zu achten und uns dieser Kinder, auf eine besondere Art und Weise, anzunehmen. Damit wir uns dafür öffnen können, ist es wichtig, dass wir versuchen, uns in schüchterne Kinder hineinzufühlen. Empathie heißt das Zauberwort: „Warum bist du so, wie du bist?“ Wenn uns das gelingt, dann fühlen sich leise Kinder ernst und wahrgenommen und nur dann können sie sich uns gegenüber öffnen.

Schüchternheit, was ist das?

Schüchternes Verhalten kann zweierlei Ursachen haben:

  • das angeborene Temperament, damit ist Schüchternheit eine Charaktereigenschaft und / oder
  • eine anerzogene und damit erlernte Schüchternheit.

Schüchternheit zeigt sich in ängstlichem Verhalten bei Kindern, die wenig sprechen und in größeren Gruppen ganz verstummen. Oft braucht es viel Zeit, bis sich diese Kinder Ihnen als Bezugsperson anvertrauen können. Schüchterne Kinder sehen Mauern, wo keine sind, und haben damit oftmals (Versagens-) Ängste vor Dingen, die für andere Kinder überhaupt kein Problem darstellen. Solche Kinder hören von Erwachsenen oft gut gemeinte Sprüche wie: „Ach komm, jetzt stell dich doch nicht so an. Du bist doch schon so groß. Die anderen Kinder haben das doch auch geschafft.“ Doch diese Sätze bewirken, dass sich diese Kinder noch kleiner fühlen und sich mehr zurückziehen. Das hat damit zu tun, dass ihr Selbstbild so gering ist, dass sie sich etwas eben nicht einfach so zutrauen. Sie denken: „Ja, der andere hat das geschafft. Aber ich kann das sicherlich trotzdem nicht. Ich traue mich das einfach nicht“.

So sollten Sie vorgehen

Wenn Sie bemerken, dass ein Kind sich sehr zurückhaltend und auffällig leise verhält, dann sollten Sie Ihr Augenmerk darauf lenken. Beobachten Sie das Kind in den verschiedensten Situationen
über einen längeren Zeitraum. Hierbei merken Sie schnell, wie ausgeprägt die Zurückhaltung ist. Ob es Situationen gibt, in denen das Kind es auch schafft, sich zu überwinden, ob es in kleinen Gruppen auch zu sprechen beginnt etc. Beobachten Sie zudem, wie die Eltern mit ihrem Kind umgehen. Wenn Sie wenig verständnisvolles Verhalten bemerken und Sätze fallen, die ähnlich sind, wie die oben angeführten, dann müssen Sie das Gespräch mit diesen Eltern suchen!

Berichten Sie im Gespräch von Ihren Beobachtungen und warten Sie ab, wie die Eltern darauf reagieren. Es kann sein, dass die Schüchternheit tatsächlich eine angeborene Eigenschaft ist. Das
zeigt sich dann in Sätzen wie: „Ich war als Kind genauso! Meine Mutter sagt, dass meine Tochter sich genauso verhält wie ich früher.“

Wichtig ist allerdings, wie Sie, also die Bezugspersonen in der Kita und auch die Familie, damit umgehen und welche Botschaften Sie dem Kind senden. Nachfolgend finden Sie Verhaltenstipps, die bei leisen und schüchternen Kindern beachtet werden sollten. Thematisieren Sie diese gegebenenfalls im Elterngespräch und wenden Sie diese in Ihrer Arbeit mit dem Kind an. In der Übersicht finden Sie zudem noch einmal alle Tipps in „Kurzversion“. Kopieren Sie sich die Übersicht unten und hängen Sie sie an einem gut sichtbaren Platz im Gruppenraum auf. So werden
Sie immer wieder daran erinnert!

Oberste Priorität: Selbstvertrauen

Damit zurückhaltende Kinder lernen, sich mehr und mehr zu öffnen, benötigen sie eine gute Portion Selbstvertrauen. Dies gewinnen sie nur durch Lob und Anerkennung nach Erfolgserlebnissen
sowie durch ermutigende Sätze. Ganz wichtig sind folgende Grundsätze: schüchterne Kinder nie bedrängen, das zurückhaltende Verhalten nicht tadeln und auch nie vor anderen ansprechen.

Stattdessen müssen Bezugspersonen auch auf kleine Erfolgserlebnisse achten und diese wertschätzend dem Kind rückmelden: „Ich habe bemerkt, wie gut dir das gelungen ist. Ich freue mich mit dir, dass du das kannst!“ Erinnern Sie diese Kinder immer wieder, gerade auch in schwierigen Momenten, an Dinge und Situationen, die gelungen sind.

Übertragen von kleinen Aufgaben

Vermitteln Sie diesen Kindern immer wieder kleine Aufgaben, die sie bewältigen können. Solche Aufgaben können sein: die Blumen gießen, die Soße im Topf umrühren, einen Info-Zettel in der
Nachbargruppe abgeben. Zeigen Sie dem Kind auf, wie hilfreich Ihnen diese Unterstützung ist: „Es hilft mir sehr, dass du den Zettel rüberbringst. Dann kann ich in dieser Zeit mit Helene auf die Toilette gehen.“ Dadurch, dass Sie das Kind immer wieder beobachten, können Sie gut einschätzen, was Sie dem Kind schon alles zutrauen und übertragen können und wo es sich vermutlich noch überfordert fühlen würde. Wichtig ist, dass diese Art von „Zutrauen“ langsam und behutsam geschieht und auch nicht jeden Tag eingefordert wird.

Eingestehen von Zeit

Schüchterne Kinder werden oft unterschätzt. Es ist ja nicht so, dass sie nicht in der Lage wären, sich in eine Gruppe aktiv einzubringen, es ist nur so, dass sie dafür einfach etwas mehr Zeit brauchen. Daher sollten sich die Erwachsenen immer wieder bewusst machen, dass sie das Kind nicht drängen und ihm sein eigenes Tempo zugestehen. Das erfordert gerade von Eltern viel Geduld. Versuchen Sie, die dahinterstehenden Sorgen wahrzunehmen, aber auch aufzuzeigen, was das Kind schon alles kann und in den letzten Monaten bereits gelernt hat. Schauen Sie auf die Entwicklung und bitten Sie die Eltern darum, gemeinsam mit Ihnen Geduld mit dem Kind zu haben.

Tauschen Sie die Rollen

Gerade wenn zurückhaltende Kinder sehr leise sind und sich weniger zutrauen, so ist es doch so, dass sie sich oftmals wünschen, jemand anders zu sein oder anders handeln zu können. Bieten Sie
den Kindern Rollenspiele an, in denen sie eine andere Seite in sich entdecken. Wie wäre es mit dem Riesen, der unheimlich stark ist und durchs Land der Zwerge stapft, dem mutigen Feuerwehrmann, der Menschenleben rettet, oder dem Clown, der jeden Tag im Rampenlicht steht? Sie können gemeinsam mit dem Kind solche Rollen entwerfen und sich ausmalen, was diese Person alles macht und kann. Zudem können Sie die Praxisanregungen und die Geschichte auf den Seiten 6 und 7 in diesem Heft nutzen.

Indem die Kinder diese andere Rolle: den Starken, den Lauten, den Lustigen, den, der im Rampenlicht steht, spielen, erleben sie, wie sich das anfühlen kann. Selbst wenn die Kinder noch nicht den Mut haben, diese Rolle zu spielen, so sind schon allein das Reden darüber und die Vorstellung davon für schüchterne Kinder hilfreich. Mit jedem Rollentausch, sei es nur in der Vorstellungskraft oder auch im realen Spiel, begeben sich die Kinder spielerisch in eine andere Persönlichkeit hinein. Wenn das immer und immer wieder ausprobiert wird, ist es irgendwann so vertraut, dass das Kind sich traut, eine solche Eigenschaft für sich auszuprobieren, eventuell sogar zu übernehmen.

Bieten Sie Kontakte an

Was die Kontaktpflege angeht, benötigen stille Kinder mehr Unterstützung als andere. Beziehen Sie in Spielsituationen immer wieder Kinder mit ein, von denen Sie denken, dass sie gut dazupassen. Wenn Sie spüren, dass die Spielsituation von alleine weiterläuft, ziehen Sie sich mehr und mehr zurück. Berichten Sie auch den Eltern von diesen Kontakten und bitten Sie darum, dass das Kind auch außerhalb der Kita Kontakt zu diesen Kindern hat, natürlich nur, wenn das vom Kind gewünscht ist.

In der Regel wird es zuerst sinnvoll sein, dass das schüchterne Kind ein Kind zu sich nach Hause einlädt. Zu einem späteren Zeitpunkt ist es vielleicht auch schon in der Lage, das andere Kind zu besuchen.

Rituale für mehr Sicherheit

Feste Abläufe, Regelmäßigkeiten und schöne Rituale geben Kindern Sicherheit. Dies benötigen schüchterne Kinder ganz besonders. Fragen Sie zum einen bei den Eltern nach, welche Rituale sie zu Hause pflegen. Ganz wichtig ist vor allem ein Ritual am Morgen, vor der Trennung in der Kita, und vor dem Zubettgehen. Weitere Rituale können sein, dass sich ein Elternteil nach dem Abholen mindestens 10 Minuten Zeit nimmt und das Kind von seinem Tag berichten lässt.

Vielleicht erfinden Kind und Eltern auch gemeinsam eine Art „Zauber“, der dem Kind das Gefühl von Kraft und Mut vermittelt, es den Tag über begleitet und unterstützen kann: Der Krafttrunk, der auf dem Frühstückstisch steht und dem Kind Kraft für den Tag verleiht, ein Segen, der dem Kind zugesprochen wird, bevor gemeinsam das Haus verlassen wird, wären hierfür Beispiele.

Auch in der Kita können Sie solche Rituale einführen: Zu jedem Gesprächskreis gestalten einige Kinder die Mitte mit bunten Tüchern und Naturmaterial sowie einer Kerze, die immer von einem
Kind angezündet werden darf. Im Morgenkreis werden zuerst von einem Kind alle anwesenden Kinder gezählt usw. Mit diesen Tipps ausgerüstet können Sie nun ermutigend auf leise und schüchterne Kinder zugehen!

Praxistipps

Die wichtigste Voraussetzung, um das Kind zu stärken, ist Ihre offene und unvoreingenommene Grundhaltung gegenüber dem Kind!

Übersicht: Tipps zum Umgang mit schüchternen Kindern

Sie wissen nicht, wie Sie das Problem den Eltern schildern sollen?

Elterngespräche gehören zum Kerngeschäft jeder Kita. Sie streben natürlich danach, dass die Elterngespräche in Ihrer Einrichtung auf einem hohen qualitativen Niveau geführt werden. Nutzen Sie für die Vorbereitung und Durchführung des Gespräches die nachfolgende Mustervorlage.

Schüchterne Kinder – Selbstvertrauen bei Kindern stärken und soziale Ängste überwinden

Schlussbetrachtung

Einleitung

Schüchternheit – was ist das eigentlich? Warum erwecken einige Kinder den Eindruck, sehr verschüchtert und scheu im Umgang mit Menschen zu sein? Können und sollten Eltern ihren Kindern helfen, Schüchternheit abzubauen? Diese und mehr Fragen soll Ihnen das Buch beantworten.

Dabei soll der Begriff Schüchternheit von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtet und genauer definiert werden. Denn ab wann gilt man eigentlich als schüchtern? Ist Schüchternheit eine „Störung“?

Schüchternheit, so viel kann bereits hier gesagt werden, ist per se kein behandlungswürdiges Problem. Nur, wenn für das betroffene Kind ein Leidensdruck entsteht, weil es zum Beispiel ausgeprägte soziale Ängste entwickelt, sollten Eltern handeln. Handeln, das kann auf vielen Ebenen geschehen. Zum Beispiel können Eltern versuchen, das Kind positiv zu bestärken und zu ermuntern.

Um das Phänomen der Schüchternheit von Störungen im autistischen Spektrum abgrenzen zu können – die auch mit starker Verschüchterung und Hemmung zur sozialen Interaktion einhergehen können – wird hier als Beispiel das Asperger Syndrom angeführt. Im Gegensatz zu schweren Formen des Autismus leiden Kinder dabei nicht unter Entwicklungsstörungen; sie haben lediglich Probleme, sich in das soziale Gefüge einzuordnen – weil sie Emotionen nicht „lesen können. Das Asperger-Syndrom wird hier nur erläutert, um deutliche Kriterien der Abgrenzung von „normaler Schüchternheit oder Zurückgezogenheit zu bieten.

Wie also lässt sich Schüchternheit definieren? Was genau versteht man darunter?

Was ist Schüchternheit?

Schüchternheit ist nicht vergleichbar mit einer psychischen Störung – oder als solche zu klassifizieren. Bei Schüchternheit handelt es sich um eine Angst oder „Unfähigkeit“, sich anderen Menschen zu nähern oder mit diesen soziale Kontakte zu knüpfen.

Im engeren Sinne könnte man sagen, dass Schüchternheit eine Form des Temperamentes ist. So, wie es Menschen gibt, die scheinbar unmittelbar und ohne Scheu (der alte Begriff für Schüchternheit) zu anderen Menschen Kontakte knüpfen können, gibt es Menschen, die das nicht können.

Schüchternheit muss bei betroffenen Kindern oder Erwachsenen keinen Leidensdruck erzeugen. Solange ein Kind sich relativ unproblematisch durch seine Welt bewegen kann, stellt Schüchternheit kein Hindernis dar. Schwierig wird es dort, wo Schüchternheit soziale Kontakte unmöglich macht, und eine ernste Bedrohung zum Beispiel des Schulerfolges darstellt.

Schüchternheit und Ängstlichkeit sind eng miteinander verknüpft bzw. bedingen einander. Ebenso gehören Introversion und Schüchternheit zusammen. Introvertierte Menschen betrachten die Welt anders als extrovertierte Menschen: Das eigene Innenleben steht im Vordergrund. Introvertierte Menschen sind insgesamt ruhiger, weniger interessiert daran, neue Menschen kennenzulernen. Vielmehr pflegen sie Kontakte zu einem begrenzten Kreis von Menschen.

Um also das Phänomen Schüchternheit detailliert erläutern zu können, wird der vorliegende Text das Phänomen der Introversion, Ängstlichkeit aber auch Themen wie Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein genauer beleuchten. All diese Aspekte sind Teil von Schüchternheit und Unsicherheit, im Bezug auf soziale Interaktion.

Anmerkung: Im Buch finden Sie sowohl die Begriffe Extraversion und Extroversion bzw. extravertiert und extrovertiert. Beides bezeichnet die nach außen gewandte Haltung aus. Man kann also beide Begriffe verwenden, die Bedeutung ist identisch.

Muss Schüchternheit behandelt werden?

Wenn sich Schüchternheit zu starken sozialen Ängsten auswächst, und das Kind daran hindert, sich in ein soziales Umfeld zu integrieren, erzeugt das bei seinen Eltern nicht selten Sorgen. Muss das Kind nun behandelt werden?

Da es sich bei Schüchternheit um keine Störung oder Fehlentwicklung des Kindes handelt, muss sie prinzipiell

Schüchterne Kinder fördern: Diese Fehler sollten Eltern vermeiden

Wir leben in einer Gesellschaft, die die Mutigen und die Selbstdarsteller liebt. Ob auf Youtube oder in der Politik – extrovertierte Menschen kommen einfach gut an, sie scheinen mehr Erfolg zu haben und insgesamt leichter durchs Leben zu kommen, während die Vorzüge und Talente zurückhaltender Menschen eher übersehen werden.

Eltern von schüchternen Kindern machen sich darum oft Sorgen. Wird mein Kind zu sehr untergebuttert? Hat es wegen seines Temperaments später Nachteile? Leidet es unter seinen Ängsten?

Die Autorin und psychologische Beraterin Doris Schüler hat selbst ein Kind, das sehr schüchtern war und dem es gelungen ist, seine Ängste zu überwinden. In ihrem Buch „Schüchterne Kinder stärken“ gibt Doris Schüler Eltern Tipps, wie sie ihren Kindern helfen und sie besser verstehen können. Sie beschreibt auch einige typische Fehler, die wir wahrscheinlich alle schon im Umgang mit schüchternen Kindern gemacht haben (oder die wir selbst als schüchterne Kinder erlebt haben).

Fehler 1: „Du bist aber schüchtern.“

Man kann es sich eigentlich denken, trotzdem machen Erwachsene es immer wieder: dem Kind den Stempel „schüchtern“ geradezu aufdrücken. Womöglich noch vor einer großen Runde anderer Menschen. „Den meisten Kindern ist es äußerst unangenehm, wenn sie hören, dass Erwachsene sie als schüchtern bezeichnen“, so Doris Schüler. Hilfreich ist das nicht, im Gegenteil: So könnten so Scham und Minderwertigkeitsgefühle ausgelöst werden – das Kind zieht sich noch mehr zurück. Im schlimmsten Fall kommt das Kind dadurch erst zu der Annahme, dass Schüchternheit ein fester Wesenszug von ihm sei und dass es immer schüchtern bleiben werde. Doris Schüler empfiehlt Eltern darum, den Begriff ganz zu vermeiden und andere Worte zu finden. Wenn andere Menschen das Kind als „schüchtern“ bezeichnen, könne man auch reagieren, indem man zum Beispiel sagt, dass es nur ein bisschen Zeit brauche.

Fehler 2: „Jetzt gibt der Tante doch mal die Hand!“

Eine Situation, die vielen Eltern bekannt vorkommen dürfte. Verwandte, die das Kind nicht so gut kennt, laden zur Familienfeier. Bei der Begrüßung reagiert das Kind nicht so, wie sich das die Verwandten vorstellen. Es gibt kein Küsschen, es schüttelt nicht die Hand oder sagt einfach gar nichts. Um zu verhindern, dass die Verwandten eingeschnappt sind, drängen viele Eltern ihre Kinder, sich doch gefälligst adäquat zu verhalten.

Ein Fehler, so Doris Schüler. „Das Kind befindet sich dann in dem Dilemma, ob es den Erwartungen der Eltern und der Familie entsprechen soll, oder ob es zu seinen eigenen Gefühlen stehen darf.“ Wenn es gedrängt werde, seine eigenen Gefühle zu übergehen, könnte es zum Schluss kommen, dass seine Gefühle nicht in Ordnung seien. „Damit verliert das Kind sein Vertrauen in die eigenen Empfindungen und entwickelt ein schwaches Selbstgefühl“, schreibt Schüler.

Erwachsene sollten dem Kind also stattdessen vermitteln, dass es „Nein“ sagen und zu seinen Gefühlen stehen darf. Der Tante kann man stattdessen klarmachen, dass das Kind schon noch auftauen werde – wenn man es eben nicht bedrängt.

Fehler 3: „Geh doch mal zu den anderen Kindern und spiel mit!“

Gerade introvertierte, schüchterne Kinder brauchen mehr Zeit, um sich an neue Umgebungen und andere Menschen zu gewöhnen. Sie konzentrieren sich auch lieber auf eine Sache, als tausend Dinge gleichzeitig zu tun. Sie sind nachdenklicher und beobachten eine Situation oft erstmal, ehe sie sich darauf einlassen. Laut Doris Schüler ist es wichtig, dass Eltern diese Bedürfnisse respektieren und dem Kind das Gefühl geben, dass es in Ordnung ist, wenn es sich so verhält.
Akzeptiert es also, wenn euer Kind mal lieber allein zuhause spielen möchte, statt sich zu verabreden. Und wenn ihr auf einem Kindergeburtstag seid und euer Kind möchte bei den Spielen der tobenden Meute nicht mitmachen, bedrängt es nicht, sondern lasst es in Ruhe. Es wird schon mitmachen, wenn es so weit ist.

Fehler 4: „Musst du zuhause immer so laut sein?“

Zugegeben: Es gibt Angenehmeres als ein laut rumtobendes Kind im Nebenzimmer – oder gar mehrere. Aber gerade bei schüchternen Kindern ist es laut Doris Schüler wichtig, dass sie auch mal lärmen dürfen. Denn während sie außer Haus meist ruhiger sind als andere, fällt die Schüchternheit zuhause oft ab. „Sie verbieten sich das Laut-Sein oft genug selbst aus Angst davor anzuecken. Eltern unterstützen ihr Kind sehr, wenn es zu Hause geräuschvoll sein, toben und herumalbern darf“, schreibt Schüler. Schön sei es auch, wenn die Eltern gemeinsam mit dem Kind mal so richtig laut sind – man kann ja abwarten, bis die Nachbarn aus dem Haus sind.

Fehler 5: „Das kannst du doch noch gar nicht.“

Eine positive Sicht auf die Fähigkeiten des Kindes ist sehr wichtig, das gilt besonders bei schüchternen Kindern. Statt immer nur das zu erwähnen, was das Kind nicht kann oder falsch macht, sollten Eltern Fähigkeiten und mutiges Verhalten anerkennen. Spart nicht an Lob, wenn euer Kind es geschafft hat, ein Referat zu halten oder sich selbst eine Kugel Eis zu kaufen. Stärkt die Eigenverantwortung, indem ihr ihm Aufgaben im Haushalt übertragt und zum Beispiel bestimmte Einkäufe erledigen lasst. Hilfreich ist es auch, seine Meinung im Familienalltag einzubeziehen, so Schüler. „Eine Beteiligung an Entscheidungen stärkt das kindliche Selbstbewusstsein.“ Voraussetzung ist natürlich, dass diese Beteiligung dem Alter entspricht und es nicht komplett überfordert.

Buchempfehlung:

5 Tipps, mit einem schüchternen Kind umzugehen

Viele Kinder sind phasenweise sehr schüchtern, reagieren besonders ängstlich auf Fremde oder lassen Mamas Hand gar nicht mehr los. Solche Phasen sind normal in der Entwicklung. Manche Kinder sind jedoch grundsätzlich ruhiger, zurückhaltender oder schüchterner als andere. Fünf Tipps, wie Sie Ihr Kind für soziale Situationen stärken können.

Selbstbewusster im Umgang mit anderen Menschen

Schüchternheit definiert die Eigenschaft, sich im Umgang mit anderen Menschen, vor allem fremden Personen, unwohl fühlt. Zudem sind schüchterne Menschen häufig unsicher, ängstlich und treffen zögerlicher Entscheidungen. Natürlich ist nicht jedes Kind super selbstsicher, denn das ist niemand immer und überall. Doch sehr schüchterne Kinder neigen dazu, sich aus für sie schwierigen Situationen zurückzuziehen, Konfrontationen auszuweichen und so ein Verhalten zu erlernen, das zwar für den Moment leichter scheint, aber letztendlich Blockaden errichtet. Viele Kinder haben Angst, sich vor anderen Kindern lächerlich zu machen oder im Gespräch nicht die richtigen Worte zu finden. Steht zum Beispiel ein Kindergeburtstag an, wo das Kind ausschließlich den Gastgeber kennt, braucht es schon mal eine große Portion Mut, die Feier trotzdem zu besuchen. So eine Situation kann ein schüchternes Kind sehr herausfordern. Wenn die erste Hürde aber einmal überwunden ist, ist die gemeinsame Party dafür umso schöner.

Solche Erlebnisse sind es, die Ihrem Kind Selbstvertrauen geben. Es hat bewusst oder unbewusst gelernt, dass erstens nichts passiert, wenn es sich in eine herausfordernde Situation begibt und zweitens auch noch etwas Tolles entsteht, wenn es seine Schüchternheit überwindet.

Schüchtern sein ist eine Frage des Temperaments

Dabei kann Schüchternheit verschiedene Ursachen haben: Die einen „erlernen“ scheues Verhalten aufgrund schlechter Erfahrungen. Sie sind eher eingeschüchtert als schüchtern.
Bei vielen Kindern aber ist die Schüchternheit schlichtweg eine Frage des Temperaments. Das Merkmal wird von ihnen nicht sozial erworben, sondern ist wahrscheinlich bereits vor der Geburt festgelegt. Sie halten sich immer dann im Hintergrund, wenn sie unbekanntes Terrain betreten. Schüchterne Kinder verhalten sich grundsätzlich vorsichtiger, geraten nicht so schnell in Gefahr und verletzen sich seltener. Schüchternheit ist also eine Art natürliche Kindersicherung.
Man spricht hier von einem „Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt“: Das heißt, die Kinder wollen zwar gern Kontakt zu anderen aufnehmen, trauen sich aber nicht. Doch sobald die fremden Menschen zu Bekannten werden, tauen die Kleinen auf und beginnen, sich wohlzufühlen. Dann kann man die anfänglichen Leisetreter kaum noch von den Mutigeren unterscheiden.

Ob sehr schüchtern oder nicht, natürlich will jedes Kind in seiner Gänze angenommen und akzeptiert werden. Schüchternheit gehört genauso in die wunderbare Vielfalt der Eigenschaften wie alles andere und hat auch seinen Platz.

Fünf Tipps, wie Sie Ihr schüchternes Kind unterstützen können:

1. Sie kennen Ihr Kind am besten – vertrauen Sie darauf!

Als Elternteil wissen Sie genau, welche Situationen Ihrem Kind schwer fallen oder wo es gerne ausweicht oder sich zurückzieht. Dieses Wissen ist Gold wert, denn genau da können Sie Ihrem Kind zur Seite stehen und es zum Beispiel einmal mehr ermutigen und bekräftigen. Achten Sie daher darauf, in welchen Situationen Ihr Kind besonders schüchtern reagiert. Ein gutes Indiz, dass sich Ihr Kind unwohl fühlt, ist die Körpersprache: Angezogene Schultern, der Blick auf den Boden oder wenn Ihr Kind nervös mit seinem Ärmel o.ä. spielt, sind Anzeichen, dass im Inneren Ihres Kindes gerade ein emotionaler Sturm tobt. Auch, wenn Ihr Kind nicht deutlich sagt „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin unsicher und habe Angst, dass die anderen mich auslachen“, können Sie hier proaktiv reagieren und Ihr Kind zum Beispiel an die Hand nehmen und es zu der Gruppe fremder Kinder begleiten. So gehen Sie voll auf die Gefühle Ihres Kindes ein und helfen ihm, seine Unsicherheit zu überwinden.

2. Geben Sie Ihrem Kind Raum für seine Gefühle

Es ist von großer Bedeutung, dass sich Kinder im Elternhaus sicher genug fühlen, ihre Gefühle ungefiltert zeigen und ihre Erfahrungen mitteilen zu dürfen. Wie bereits oben angedeutet, ist die Unterstützung im Moment der Unsicherheit am Wichtigsten. Daher ist es wichtig, dass sich Ihr Kind bei Ihnen anvertrauen darf, ohne für seine Gefühle verurteilt zu werden. Kindliche Ängste sind nicht immer realistisch und rational begründbar. Dennoch sind sie da und wollen beachtet werden. Seine Angst zuzugeben ist von sich aus schon schwer – für jeden. Gerade für kleine Kinder ist es auch oft schwierig, ihre Emotionen in Worte zu fassen. Umso wichtiger ist eine Atmosphäre, die all das zulässt, egal wie realistisch und begründert diese Ängste und Unsicherheiten Ihres Kindes sind.

Kleinkind

Kleine „Vielfühler“: Hochsensibilität bei Kindern

Weiterlesen Kleinkind Weiterlesen

3. Bemühen Sie sich, die Probleme Ihres Kindes zu verstehen und anzuerkennen

Möglicherweise tun Sie sich manchmal sehr schwer damit, das Verhalten Ihres Kindes nachzuvollziehen. Wenn man selbst überhaupt keine Probleme hat, auf Menschen zuzugehen und Ihrem Kind genau das schwer fällt, ist es für uns Eltern manchmal schwierig, dem Kind den richtigen Rat zu geben. Gerade deshalb ist das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Kind so wichtig. Versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Kind so fühlt, in welcher Situation die Nervosität kommt und welche Ängste dahinter stecken. Hat Ihr Kind Angst sich zu blamieren? Nicht für voll genommen zu werden? Nicht zu genügen? Auch, wenn es Ihnen in der gleichen Situation anders gehen würde, hören Sie genau zu, bereits das hilft schon enorm. Interesse und sichtbare Empathie zeigen Ihrem Kind, dass es nicht allein ist und es in Ordnung ist, sich ab und zu unsicher zu fühlen oder Angst zu haben.

4. Helfen Sie Ihrem Kind in konkreten Situationen

Unsicherheit und Angst lassen sich am besten mit einem guten (Schlacht)plan begegnen. Steht zu Beispiel die Geburtstagsparty an, wo Ihr Kind kaum jemanden kennt und deshalb nervös ist hinzugehen, überlegen Sie sich gemeinsam konkrete Handlungsmöglichkeiten. Es könnte entweder erstmal beim Spielen zusehen, die anderen Kinder einschätzen und nach zwei Spielen einsteigen oder alternativ festlegen, dass Sie in Reichweite bleiben. Falls etwas ist, kann Ihr Kind sicher sein, dass Sie da sind. Wie die Möglichkeiten auch aussehen, es geht immer darum, die Gefühle Ihres Kindes ernst zu nehmen und sich gemeinsam der Lösung anzunähern.

5. Sammeln Sie Erfolge

Wir Menschen neigen dazu, Misserfolgen viel Aufmerksamkeit zu geben und tagelang an einer Niederlage zu knabbern, während wir Erfolge häufig gar nicht groß bemerken oder sie als selbstverständlich hinnehmen. Doch genau wie uns Niederlagen weiterbringen, haben erfolgreich gemeisterte Situationen eine große Triebkraft für die Zukunft. Deshalb ist es enorm wichtig, dass Sie und Ihr Kind sich bewusst machen, wenn es seine Schüchternheit überwunden hat. Das ist ein Erfolg! Je bewusster Ihrem Kind das wird, desto nachhaltiger wirkt dies für die Zukunft, denn Ihr Kind weiß: Das hab ich schon einmal geschafft! Loben Sie Ihr Kind bewusst, wenn es etwas getan hat, wovor es Angst hatte. Schlagen Sie ein, wenn es beim Kindergeburtstag, wo es nicht hinwollte, am Ende sogar viel Spaß hatte. Jeder Erfolg, sei er noch so klein, bringt Ihr Kind weiter!

Eine Lebensaufgabe

5 Wege, eurem Kind zu einem gesunden Selbstvertrauen zu verhelfen

Weiterlesen Eine Lebensaufgabe Weiterlesen

Haben es schüchterne Kinder schwerer im Leben?

Wir sehen es im Supermarkt, im Kindergarten oder auf dem Spielplatz: es gibt Kinder, die deutlich Ellenbogen zeigen und Kinder, die durch Schüchternheit oder Zurückhaltung auffallen. Allgemeinhin wird behauptet, dass es ängstliche oder schüchterne Kinder schwerer im Leben haben. Dennoch kann man mit gutem Gewissen behaupten: dem ist nicht so!

  • Liegt die Schüchternheit in den Genen?
  • Bringt Schüchternheit meinem Kind später Nachteile?
  • Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Liegt die Schüchternheit in den Genen?

Wenn wir der Wissenschaft glauben dürfen, dann stimmt diese These. Rund 50% der Schüchternheit können wir auf die Veranlagung schieben. Schon bei Babys können wir unterschiedliche Reaktionen festmachen. Während sich einige Kinder über fremden Besuch freuen, verziehen andere nur das Gesicht. Und auch bei älteren Kindern erkennen wird das Phänomen: während ein neues Kind im Kindergarten eher distanziert in der Ecke steht, sich nicht traut auf andere Kinder zuzugehen und mitzuspielen, stürzen sich wiederum andere Kinder mit Wonne ins Vergnügen und kennen das Wort Schüchternheit überhaupt nicht.

Bringt Schüchternheit meinem Kind später Nachteile?

Nicht unbedingt. Studien über mehrere Jahren erbrachten die Kenntnis, dass schüchterne Kinder zwar den mutigeren, aufgeschlosseneren Kindern etwas hinterher hinken, jedoch im Schulalter ebenso erfolgreich sein können. Kinder, welche schüchtern sind brauchen einfach etwas mehr Zeit zum Eingewöhnen.

Tipps zur Hilfe: So helfen Sie Ihrem Kind die Schüchternheit zu überwinden

Bleiben Sie ruhig: Natürlich wäre es schön, wenn Ihr Kind sich über den Besuch von Oma und Opa oder Freunden freuen würde, anstatt sich zu verstecken. Je ruhiger und gelassener Sie jedoch bleiben und Ihr Kind nicht zwingen, desto schneller traut sich das Kind aus seinem Versteck auch wieder hervor.

Laden Sie öfters Kinder ein: Kinder lernen von Kindern. Je vertrauter die Kinder sind, desto schneller fällt von ihnen auch die Schüchternheit ab.

Geben Sie eigene Schwächen zu: Auch uns Erwachsenen fällt es oftmals nicht leicht, neue Bekanntschaften zu schließen. Seien Sie Ihrem Kind gegenüber offen und erzählen Sie von Ihren Ängsten in dieser Hinsicht. Damit kann sich das Kind identifizieren und lernt schneller mit seinem Problem fertig zu werden.

Kleine Schritte zum großen Erfolg: Machen Sie Kompromisse. Wenn Ihr Kind sich nicht traut, z.B. ein Eis in der Eisdiele zu bestellen, weil es einfach nicht mit dem fremden Eisverkäufer sprechen möchte, dann teilen Sie sich die Arbeit. Der Papa bestellt, das Kind bezahlt. So erkennt das Kind, dass Angst hier nicht nötig ist.

Rückblick: Versuchen Sie sich zu erinnern. Wann haben Sie zum ersten Mal ein Kind zu sich nach Hause eingeladen? Wann gingen Sie zum ersten Mal allein zum Bäcker? Mit sechs oder sieben Jahren? Versuchen Sie nicht zu hohe Erwartungen an Ihr Kind zu haben. Oftmals versuchen wir aus unseren Kindern zu schnell Erwachsene zu machen. Dabei ist Kindheit die schönste Zeit des Lebens.

Loben: Vergessen Sie niemals das Kind für seine Erfolge zu loben. Jedes Kind ist sehr empfänglich für Lobpreisungen und das ist auch gut so. Je mehr man es in seinem Tun bestärkt, desto selbstbewusster wird es auch.

Zurückhaltung positiv sehen: Sehr schüchterne Kinder sind einfach vorsichtiger. Und wer vorsichtig ist, braucht weniger Pflaster. Vor Unbekannten Vorsicht zu üben ist evolutionsbiologisch ebenso sinnvoll und kein Grund zur Besorgnis.

Wie kann ich mein Kind unterstützen?

Wichtig ist vor allem, dass Sie Ihr Kind zu nichts zwingen. Damit würde man über kurz oder lang nur den nachteiligen Effekt erzielen. Einige Kinder brauchen eben länger, um „warm“ zu werden, als andere. Diese Zeit sollte man seinem Kind ruhig gönnen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Es muss allein und mit freiem Willen auf andere Kinder in dem Kindergarten oder auf den Spielplatz zugehen. Drängen bringt hier nichts, sondern wird nur Widerstand hervorrufen.

Seien Sie lieber diplomatisch, belassen Sie das Kind bei sich, anstatt es zu anderen zu setzen, wo es sich vielleicht nicht wohlfühlt. Zeigen Sie ihm die anderen Kinder, auch die, welche es vielleicht schon kennt. Irgendwann wird die Neugier das Kind besiegen und es wird allein loslaufen und mitspielen wollen.

Fotocredit: Patricia Marks, kitty /.com

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.