Schlechte zähne BEI kindern

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Zahnpflege bei Kindern

Wie?

Die Milchzähne sollten beim Kleinkind mit einer Kinderzahnbürste, die speziell für die ersten vier Lebensjahre geeignet ist, gereinigt werden. Bei Kleinkindern kann anfangs auch ein Wattestäbchen verwendet werden. Die Zahnbürsten weisen einen besonders kleinen und abgerundeten Bürstenkopf mit weichen, endgerundeten Borsten auf. Verschiedene Farben und lustige Applikationen sorgen für Freude am Umgang mit der Zahnbürste. Als Zahnpasta sollte eine spezielle fluoridhaltige Kinderzahnpasta (Fluoridgehalt 500 ppm) verwendet werden. Das Kind sollte möglichst schnell in die Zahnpflege mit einbezogen werden. Anfangs tun sich Kinder beim Umgang mit der Zahnbürste häufig schwer und können noch nicht ordentlich putzen. Die Eltern sollten deshalb immer nachputzen. Die Reinigung erfolgt im Wesentlichen wie bei den eigenen Zähnen (siehe Zahnreinigung zu Hause). Wichtig ist, dass keine Zahnflächen vergessen werden. Vor allem Zahnhälse und Kauflächen sind besonders kariesanfällig.

Nach dem Kleinkindalter können auch elektrische Zahnbürsten zur Zahnreinigung verwendet werden. Sie bringen meist mehr Freude beim Putzen und erhöhen den Spieleffekt. Eine komplette Umstellung auf elektrische Zahnbürsten sollte allerdings vermieden werden. Der Umgang mit der normalen Handzahnbürste sollte in Fleisch und Blut übergehen und deshalb lange trainiert werden. Im Alltag ist man schnell wieder auf eine Handzahnbürste angewiesen, nämlich dann wenn die elektrische Zahnbürste auf Reisen zu Hause vergessen wurde oder die Batterien leer sind. Die Zahnpflege sollte darunter nicht leiden.

Zahnbürsten sollten ausgetauscht werden, wenn die Borsten gebogen sind, mindestens aber alle drei Monate. Das gilt sowohl für normale als auch für elektrische Zahnbürsten.

Zahnpflege bei Kindern

Gesunde Milchzähne sind wichtig für Ihr Kind. Mit gesunden Milchzähnen wächst der Kiefer richtig, das bleibende Gebiss und auch die Sprache Ihres Kindes entwickeln sich besser mit gepflegten Milchzähnen.
Um die Mundgesundheit Ihres Kindes weiter zu fördern, sollten Sie die zahnärztlichen Vorsorgemaßnahmen in der Zahnarztpraxis in Anspruch nehmen. Hier wird die Individualprophylaxe durchgeführt, Ihr Kind also gezielt untersucht und bei besonderen Risiken betreut. Mehr über die Untersuchungen sowie viele Tipps und Infos rund um die zahngesunde Ernährung und die richtige Zahnpflege bekommen Sie in Ihrer Zahnarztpraxis.

Mit dem Schutz der Zähne Ihres Kindes können Sie bereits vor dem ersten Zahndurchbruch beginnen. Denn im Körper Ihres Babys ist bereits ein ausreichendes Mineralienangebot im Blut. Mit diesen Mineralien wird eine widerstandsfähige Zahnsubstanz gebildet. Damit ein Mangel an Mineralien vermieden wird, sollten Sie Ihrem Kind regelmäßig kombinierte Vitamin D- und Fluorid-Tabletten geben. Fluorid ist notwendig zur Knochen- und Zahnbildung und verhindert die Zerstörung der Zähne durch Karies.

Von klein auf zum Zahnarzt

Jeder Zahnarzt kümmert sich auch um die ganz kleinen Patienten. Gehen Sie mit Ihrem Kind schon sehr früh und dann regelmäßig zum Zahnarzt. Oft ist noch keine Behandlung notwendig, aber Ihr Kind erlebt die Atmosphäre dort sehr unbeschwert und gewinnt Vertrauen, das für eventuell später auftretende Zahnprobleme wichtig ist. Gesunde Milchzähne sind die Grundlage für die „Erwachsenenzähne“.

Sechs Früherkennungsuntersuchungen
für Einhalb- bis Fünfjährige

6.-33. Lebensmonat

Es finden drei Untersuchungen statt, die sich an den Zeitintervallen der ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen U 5–U 7 orientieren. Der Zeitabstand zwischen den Untersuchungen beträgt mindestens vier Monate. Diese Früherkennungsuntersuchungen umfassen folgende Leistungen:

  • gründliche Untersuchung der Mundhöhle und Beratung der Eltern sowie Aufklärung über Ursachen oraler Erkrankungen
  • Erhebung der Anamnese zum Ernährungsverhalten (insb. zum Nuckelflaschengebrauch) sowie zu Fluoridierungsmaßnahmen durch die Eltern
  • Ernährungs- und Mundhygieneberatung der Eltern
  • Empfehlung geeigneter Fluoridierungsmittel
  • praktische Anleitung der Eltern zur Mundhygiene beim Kind

Zusätzlich haben Kinder im Alter vom 6. bis zum vollendeten 33. Lebensmonat zweimal je Kalenderhalbjahr Anspruch auf eine Anwendung von Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung.

34.-72. Lebensmonat

In diesem Alter gibt es drei weitere Früherkennungsuntersuchungen. Die erste Untersuchung sollte um das vollendete 3. Lebensjahr stattfinden, die beiden weiteren in einem Abstand von jeweils mindestens einem Jahr folgen. Die Früherkennungsuntersuchungen umfassen folgende Leistungen:

  • gründliche Untersuchung der Mundhöhle einschließlich Beratung der Eltern
  • Einschätzung des persönlichen Kariesrisikos des Kindes
  • Ernährungs- und Mundhygieneberatung der Eltern
  • Empfehlung von geeigneten Mitteln zur Härtung des Zahnschmelzes (Bsp.: fluoridhaltige Zahnpaste, fluoridiertes Speisesalz)

Kinder zwischen dem 34. und 72. Lebensmonat haben außerdem Anspruch auf folgende Vorsorgeleistungen:

  • einmal je Kalenderhalbjahr (bei hohem Kariesrisiko zweimal) die Übernahme der Kosten für das Auftragen von Fluoridlacken auf die Milchzähne (lokale Fluoridierung) zum Schutz vor Karies
  • Sind die ersten bleibenden Backenzähne schon vor dem sechsten Geburtstag da, trägt die Krankenkasse in diesen Fällen auch die Kosten für eine Versiegelung der Furchen (sogenannte Fissuren) der gesunden Backenzähne mit Kunststoff zur Abwehr der Kariesbakterien.

Zahnpflege für Säuglinge und Kinder

Schon vor Durchbruch der Zähne können Sie Ihr Kind auf das spätere Zähneputzen vorbereiten, z.B. indem Sie mit der sauberen Fingerkuppe über den Kieferkamm streichen. Regelmäßige und sorgfältige Pflege gehört spätestens mit Durchbruch des ersten Milchzahns zum A und O schöner und gesunder Kinderzähne:

  • Milchzähne sind besonders kariesanfällig, da ihr Zahnschmelz noch nicht vollständig ausgebildet ist. Zähne sollten daher regelmäßig mit Wasser gereinigt werden – z.B. nach den Mahlzeiten und vor allem nach süßen Speisen und Getränken. Anfangs kann dies mit einem sauberen Tuch (Mullläppchen), das um den Zeigefinger gewickelt wird und möglichst keine Fusseln bildet, geschehen. Mitunter sind dabei mehrere sanfte Versuche nötig, denn für manche Babys ist das „Putzen“ der Zähne sehr gewöhnungsbedürftig. Die Zähne können auch mit einer kleinen weichen Kinderzahnbürste vorsichtig einmal am Tag gesäubert werden.
  • Welche Kinderzahnpasten besonders gut geeignet sind, darüber berät Sie die Zahnärztin/der Zahnarzt. Auch bei den Mutter-Kind-Pass Untersuchungen wird auf das Thema Zähne und Zahnpflege eingegangen. Über die Einnahme von Fluoridtabletten bzw. die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasten informiert Sie zudem Ihre Kinderärztin/Ihr Kinderarzt bzw. Ihre Zahnärztin/Ihr Zahnarzt.
  • Zirka ab dem dritten Lebensjahr sollte zweimal täglich geputzt werden. Zähneputzen will allerdings gelernt sein. Zeigen Sie deshalb Ihrem Kind, wie man richtig putzt, und üben Sie z.B. das Ausspucken der Zahnpasta. Lassen Sie Ihrem Kind Zeit zum Üben. Mehr zum Thema Die Putztechnik.
  • Kinder möchten ihre Zähne oft selbst putzen. Ist das der Fall, sollten Sie trotzdem weiterhin beim Putzen dabei sein. Zudem ist es ratsam, die Zähne noch einmal nachzuputzen, vor allem vor dem Schlafengehen.
  • Ab dem Schulalter können Kinder die tägliche Zahnpflege meist selbstständig durchführen, sobald sie die Schreibschrift beherrschen. Erst dann sind die motorischen Fähigkeiten für selbstständiges Putzen ausreichend. Trotzdem gilt auch hier: regelmäßig überprüfen. Vor allem auf den sogenannten sechser Zahn, einen wichtigen bleibenden Backenzahn, sollten Sie zusätzliches Augenmerk legen, denn er hat tiefe Furchen und Grübchen und muss deshalb besonders gründlich gereinigt werden. Ab dem sechsten Lebensjahr können auch Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt verwendet werden.
  • Zahnärztliche Kontrolluntersuchung: Spätestens mit dem Durchbruch aller Milchzähne ist die regelmäßige Kontrolluntersuchung bei der Zahnärztin/dem Zahnarzt angesagt (ca. mit zwei bis drei Jahren). Aber auch schon vorher kann ein Besuch sinnvoll sein – um das Kind an einen „schmerzlosen“ Zahnarztbesuch zu gewöhnen. Mehr zum Thema Der Zahnarztbesuch.
  • Vermeiden Sie generell zuckerhaltige Getränke und Speisen, und bauen Sie Süßigkeiten nur selten in den Speisplan ein. Gewöhnen Sie Ihr Kind an ungesüßte Getränke wie Kräutertee oder Wasser. Praktische Beispiele zeigen immer wieder, dass ein Kind, das noch nie mit Süßem in Kontakt gekommen ist, auch nicht danach verlangt. Das heißt, die Lust auf Süßes ist anerzogen. Vermeiden Sie es außerdem, dass Ihr Kind ständig an der Flasche nuckelt.
  • Eine ausgewogene vollwertige Ernährung bildet eine gute Grundlage für gesunde Zähne. Mehr zum Thema Zahngesunde Ernährung.

schlechte Zähne trotz guter Pflege

RE: schlechte Zähne trotz guter Pflege
Hi samwitch,
Ich würde dir raten bei deinem Zahnarzt einen Prophylaxe Termin zu nehmen wo er dir genau erläutert, wie man seine Zähne am besten pflegen kann und wo er eine professionelle Zahnreinigung durchführt.
Man kann auch durch einen Speicheltest erfahren, ob bei dir die Anzahl der Bakterien (Mutans Streptococcen und Lactobazillen), welche das Kariesrisiko erheblich steigern, stark erhöht ist. Ist es der Fall so kann dein Zahnarzt durch Applikation von sogenanntem CHX-Gel innerhalb von 14Tagen den Bestand der Bakterien in der Mundhöhle erheblich reduzieren.
Auch kann man mit solch einem Test andere Speichelfaktoren untersuchen, die das Kariesrisiko bestimmen.
Eine Ernährungsberatung ist natürlich auch hier von Vorteil. Dein Zahnarzt kann mit dir einen Ernährungsplan erstellen um auch hier das Kariesrisiko so gering wie möglich zu halten. Viel zuckerhaltige Nahrung, welche klebrig ist und lange im Mund verweilt ist höchst kariogen!
Ich kann dir empfehlen, ausser natürlich nach jeder Mahlzeit die Zähne zu putzen auch nach jedem Essen xylithaltige Kaugummis zu kauen. Xylit ist ein Zucker, der die kariogenen Baterien in der Mundhöhle töten kann und ausserdem steigert das Kaugummi Kauen die Speichelsekretion was die Bakterien auch nicht besonders lieben.
Es gibt auch sicherlich in deiner Stadt prophylaxespezialisierte Zahnarztpraxen, die auch Dentalhygienikerinnen eingestellt haben.
Ich denke, dort bist du am besten aufgehoben.
Viel Glück und gute Besserung
Smibo (Stud.med.dent)

Trotz Vorsorge : Warum Frauen schlechtere Zähne haben als Männer

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Franziska M. glaubte nicht an das alte Sprichwort. Dass jedes Kind die Mutter einen Zahn kostet, konnte nicht wahr sein. Bis sie zwei Söhne bekam.

„Seither hab ich das Gefühl, meine Zähne sind eine einzige Baustelle.“ Ihre Besuche beim Zahnarzt häufen sich, mal muss hier eine Karies ausgebohrt werden, mal liegt dort ein Zahnhals frei.

Probleme mit den Zähnen sind für viele Frauen ein Dauerthema. Woran das liegt, war lange unklar.

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Eigentlich haben Frauen doch von Geburt an bessere Chancen, gesund zu überleben: Sie sind als Babys seltener krank, leiden in der Kindheit nur halb so häufig unter chronischen Krankheiten, ruinieren als Erwachsene seltener ihre Gesundheit durch Alkohol, Rauchen, Stress und Unvernunft als ihre männlichen Altersgenossen. Im Durchschnitt leben sie deshalb rund fünf Jahre länger als Männer.

Nur die Zähne der Frauen, die sind tatsächlich anfälliger als die der Männer. Wissenschaftliche Studien haben mittlerweile gezeigt, dass dafür nicht ihr Lebenswandel verantwortlich ist, sondern vor allem ihre weibliche Biologe.

Frauen sorgen vor, Männer eher nicht

Vom „kleinen Unterschied“ sind Mediziner heute überzeugt: Unterschiedliche geschlechtstypische Beschwerden, abweichendes Ansprechen auf Therapien und der differierende Bedarf an Medikamenten werden immer häufiger thematisiert und auch in der Forschung berücksichtigt.

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Frauen und Männer zeigen bei zahlreichen anderen Erkrankungen verschiedene Symptome und reagieren auf pharmakologische und invasive Therapien anders. Sie weisen oft andere Risikofaktoren für die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten auf. Auch ihr Gesundheitsverhalten ist verschieden: Frauen sorgen vor und gehen regelmäßig zum Arzt, Männer eher nicht.

Auch in der Zahnheilkunde gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Bislang sei das häufig vernachlässigt worden, bedauert Christiane Gleissner aus Friedberg.

Die Zahnärztin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitätszahnklinik Mainz und Präsidentin der 2011 gegründeten Deutschen Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde DGGZ. Im „Bundesgesundheitsblatt“ hat sie die geschlechtsspezifischen Daten über die Mundgesundheit zusammengetragen.

Frauen haben im Schnitt weniger Zähne

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48 internationale Studien aus den vergangenen 30 Jahren hat die Forscherin ausgewertet. Sie dokumentieren deutliche Geschlechtsunterschiede in allen Altersklassen und Lebensphasen.

Männer sind nachlässiger in der Mundhygiene, gehen seltener zum Zahnarzt und haben mehr Plaque auf ihren Zähnen. Deshalb leiden sie häufiger an entzündlichen Zahnfleischerkrankungen als Frauen.

Trotzdem haben Frauen in Deutschland in allen Altersgruppen im Durchschnitt weniger Zähne als Männer. Bereits bei 20-jährigen Frauen ist es im Durchschnitt ein Zahn weniger. Ähnliche Unterschiede werden auch aus anderen europäischen Ländern, den USA und aus Entwicklungsländern berichtet.

Im hohen Alter werden die Unterschiede sichtbarer

Das Problem beginnt schon im Kindesalter. Kleine Jungs und Mädchen leiden gleich häufig an Zahnfäule (Karies). Mit 15 Jahren haben Mädchen aber bereits deutlich häufiger Karies als Jungen.

Dieser Trend setzt sich im Erwachsenenalter fort: Während Männer im Alter zwischen 35 und 44 Jahren durchschnittlich 14 kariöse, fehlende oder gefüllte Zähne aufweisen, liegt dieser mit dem DMF-T-Index berechnete Anteil bei den gleichaltrigen Frauen bei 15,1.

Mit dem Bohren allein ist es oft nicht getan: Frauenzähne müssen häufiger gezogen werden als Männerzähne. „Bereits Frauen in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen haben im Durchschnitt weniger Zähne als Männer“, sagt Gleissner.

Zwar ist der Unterschied hier noch nicht so hoch – Männern fehlen im Durchschnitt 2,7 Zähne, Frauen 2,8. „Aber im Seniorenalter tritt der Unterschied sehr deutlich in Erscheinung.“

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Diese für Frauen ungünstige Situation wird auch von den Zahlen zur Zahnlosigkeit unterstrichen, denn 65- bis 74-jährige Frauen sind deutlich öfter zahnlos als Männer. Bei Männern liegt der Mittelwert der fehlenden Zähne in diesem Alter bei 13,3, bei Frauen dagegen beträgt er 15,0.

Wie eine Schwangerschaft den Zähnen schadet

Unterschiede in der Mundhygiene können diese Diskrepanz nicht erklären: Männer neigen beim Zähneputzen eher zum Schlendrian. Mädchen und Frauen pflegen dagegen ihre Zähne oft vorbildlich und gehen auch häufiger zur Kontrolle zum Zahnarzt als Männer und haben trotzdem schlechtere Zähne.

Ein Grund für die stärkere Anfälligkeit der Zähne bei Frauen dürfte im Hormonhaushalt liegen. Durch ihre schnellere Reifung setzen der Zahnwechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen und der Durchbruch der Backenzähne bei Mädchen früher ein als bei Jungen. Frauenzähne sind deshalb länger einem möglicherweise Karies verursachenden Milieu im Mund ausgesetzt.

Im Zahnfleisch befinden sich Hormonrezeptoren für Östrogene und Progesteron. Über diese Rezeptoren besteht eine Wechselbeziehung zwischen dem Hormonspiegel und dem Zahnfleisch. Hormonelle Schwankungen können deshalb direkte Auswirkungen auf die Zahn- und Mundgesundheit haben.

Derartige Schwankungen spielen zum Beispiel während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Die hormonelle Umstellung führt in dieser Zeit zu einer Lockerung des Bindegewebes. Die Folgen sind eine oberflächliche Zahnfleischentzündung, die zu Zahnfleischbluten und zu Schwellungen des Zahnfleisches führen kann.

„Bei einer vor der Schwangerschaft bereits bestehenden Entzündung des Zahnhalteapparats kann es im Zuge der hormonellen Veränderungen zu einer Verschlechterung im Sinne eines Knochenabbaus kommen“, erklärt Christiane Gleissner. Zudem könne das häufige Erbrechen während der Schwangerschaft den Zahnschmelz schädigen, was die Kariesgefahr erhöht.

Der Teufelskreis des Zahnfleischblutens

Dass nach der Geburt von Franziska M.s Söhnen ihre Zähne schlechter wurden, war also kein Zufall, sondern hormonell bedingt. Dass das alte Sprichwort recht hat, zeigte schon 2008 eine Studie der Yale-Universität in New Haven, wo Forscher um Stefanie L. Russel die Gesundheits- und Ernährungsdaten von 2635 Müttern ausgewertet haben.

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Das Ergebnis: Mit jeder Schwangerschaft steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einer Frau ein Zahn oder mehrere Zähne fehlen. Grob gerechnet war pro Geburt ein Zahn weniger vorhanden – und zwar unabhängig von der Zahnpflege, von psychosozialen Faktoren und davon, wie häufig die Mütter zum Zahnarzt gingen.

Auch die hormonellen Schwankungen während der Wechseljahre ziehen die Zahn- und Mundgesundheit von Frauen in Mitleidenschaft. Oberflächliche Zahnfleischentzündungen werden durch die Hormonumstellung häufiger.

Ist das Zahnfleisch geschwollen oder auch gerötet und blutet leicht, beginnt ein Teufelskreislauf. Viele Patientinnen putzen ihre Zähne wegen des Zahnfleischblutens weniger gründlich. Zahnbeläge bilden sich, und das Zahnfleisch reagiert darauf mit weiteren Entzündungen.

Speichel ist wichtig für gesunde Zähne

Nach der Menopause bereitet der Östrogenmangel den Zähnen Probleme. Frauen, die eine Hormonersatztherapie erhalten, haben im Schnitt mehr Zähne.

Nach dem Absetzen der Hormone geht es den Zähnen schlechter: Die Schleimhäute werden trocken, und es kann zu einem brennenden Gefühl auf der Zunge und in der Mundhöhle kommen. Ein hormonbedingter Knochenabbau kann sich auf den Kiefer auswirken, auch so droht Zahnverlust.

„Außerdem ist bekannt, dass Frauen ohnehin in jedem Lebensalter weniger Speichel als Männer bilden“, erklärt Zahnmedizinerin Gleissner.

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„Eine Vielzahl von Medikamenten, darunter beispielsweise die häufiger von Frauen eingenommenen Antidepressiva, bewirkt eine Verminderung des Speichelflusses, und auch bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, von denen Frauen deutlich häufiger als Männer betroffen sind, ist die Speichelproduktion vermindert. Der Speichel ist aber als Remineralisationsmedium ein wichtiger Schutzfaktor vor Karies; sein Mangel erhöht das Risiko, an Karies zu erkranken.“

Zahnprobleme können sich im Körper ausbreiten

Auch den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflussen Probleme mit den Zähnen mehr als bisher angenommen. Bakterien und deren Stoffwechselprodukte aus den tiefen Zahnfleischtaschen und lokal im Zahnbett freigesetzte Entzündungsmediatoren können in den Kreislauf gelangen und so Veränderungen an weiter entfernten Regionen des Körpers hervorrufen. Das Risiko von Allgemeinerkrankungen wird so erhöht.

So leiden Parodontitis-Patienten sechsmal häufiger unter einer rheumatischen Arthritis als Menschen mit einem gesunden Zahnfleisch. Diabetiker haben ein erhöhtes Parodontitisrisikos – und die chronische Zahnfleischentzündung wiederum kann die Gesundheit von Diabetikern und Adipösen verschlechtern.

Franziska M. hat immerhin noch alle ihre Zähne, fünf haben Plomben, einer ist überkront. „Meine Söhne würde ich trotzdem nicht mehr hergeben.“

Schlechte Zähne können viele Ursachen haben. Aber häufig sind es kleine, alltägliche Fehler in der Mundhygiene, die Karies, Parodontitis und Co fördern. Wir zeigen die neun wichtigsten versteckten Auslöser und was – wissenschaftlich bestätigt – dagegen hilft.

Wenn wir unsere Zähne pflegen, dann behalten wir nicht nur ein schönes Lächeln – wir schützen damit unseren ganzen Körper: Denn Zahnfleischentzündungen erhöhen das Risiko von Herzinfarkten und laut einer neuen Studie sogar das von Krebs.

Die schlechte Nachricht: Die Deutschen sind in Europa Schlusslicht, was die Zahngesundheit angeht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Better Oral Health in Europe Platform“, die das Marktforschungsinstitut IPSOS im Auftrag von GlaxoSmithKline und Wrigley durchgeführt hat. Die Forscher fanden heraus: Nur 44 Prozent der Deutschen haben ein vollständiges Gebiss. Damit liegen sie zusammen mit Frankreich auf dem vorletzten Platz – nur Polen ist schlechter.

Die gute Nachricht: Es gibt einfache Tricks um die Zähne effektiv zu schützen! Wir haben für Sie die besten gesammelt.

1. Käse statt Obst

Ein Stück Obst zwischendurch scheint gesund zu sein. Für die Figur mag das stimmen – für die Zähne nicht. Denn auch der im Obst enthaltene Fruchtzucker ist Zucker und damit schlecht für die Zähne. Er ernährt Bakterien, die Säure produzieren und so den Zahnschmelz schwächen. Wer zwischendurch etwas essen will, sollte zu einem kleinen Stück Käse greifen, der regt die Speichelproduktion an. Das neutralisiert die Säure der Bakterien, so das Ergebnis einer Studien-Review in der Fachzeitschrift Australian Dental Journal.

2. Kein Wasser nach dem Putzen

Viele spülen ihren Mund nach dem Zähneputzen mit Wasser aus. Doch genau das ist falsch. Zahnpasta enthält Fluorid, was den Zahnschmelz stärkt und vor Karies schützt. Dieser Effekt wurde von der renommierten Cochrane Collaboration klar bestätigt. Wenn wir nach dem Zähneputzen unseren Mund ausspülen, dann waschen wir auch das Fluorid heraus. Besser ist: Zähne putzen, bis sie sauber sind, und dann nur die Zahnpasta ausspucken.

Gegen Bakterien die Entzündungen verursachen, weil sie sich in Zahnzwischenräumen sammeln, hilft Zahnseide© Fotolia

3. Zahnseide

Jeder sollte mindestens einmal am Tag Zahnseide oder Interdentalbürsten benutzen. Das entfernt Essensreste und Bakterien. Gerade Letztere siedeln sich gerne in den Zahnzwischenräumen an und lösen dort Entzündungen aus. Zahnseide schützt davor.

4. Nach dem Weintrinken warten

Viele putzen ihre Zähne direkt nachdem sie Rotwein getrunken haben, um eine Verfärbung der Zähne zu vermeiden. Doch genau das schadet den Zähnen: Die Säure im Wein weicht den Zahnschmelz auf. Wer dann putzt, trägt seine Zähne ab. Stattdessen sollten Sie eine Stunde warten und dann erst die Zähne putzen.

5. Nach dem Essen warten

Aus dem gleichen Grund ist es übrigens besser, die Zähne vor dem Frühstück zu putzen und nicht danach. Wenn Bakterien vor dem Frühstück nicht entfernt wurden, produzieren diese mit dem Zucker, zum Beispiel aus Marmelade, Honig oder Müsli, Säure, die den Zahnschmelz aufweicht. Darum sollten Sie mit dem Zähneputzen auch nach dem Frühstück eine Stunde warten – oder eben vorher putzen.

6. Nicht zu stark drücken

Viele schaden ihrem Zahnfleisch, weil sie ihren Zähnen etwas besonders Gutes tun wollen: Sie drücken ihre Zahnbürste zu stark auf, weil sie denken, so werden diese besonders sauber. Mit der Zeit führt das dazu, dass das Zahnfleisch zurückweicht und die Zähne immer länger aussehen. Viele halten das für eine normale Alterserscheinung. Doch es ist ein Zeichen für eine falsche Zahnputztechnik. Auf lange Sicht legt das die Zahnhälse frei und kann sogar dazu führen, dass die Zähne ausfallen. Auch schadet das dem Zahnschmelz. Darum sollten Sie nur sanft aufdrücken, weiche Zahnbürsten verwenden und mit leicht kreisenden Bewegungen putzen. Elektrische Zahnbürsten können ebenfalls eine Alternative darstellen – zu diesem Schluss kommt auch eine Studie in der Fachzeitschrift Clinical Oral Investigation.

7. Diabetiker müssen besonders aufpassen

Zungenschaber entfernen Bakterien, die Mundgeruch und Parodontitis verursachen können© Fotolia

Studien weisen darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Diabetes und Zahnfleischerkrankungen gibt. Diabetiker sollten also besonders aufpassen. Für sie ist es sinnvoll, besonders auf regelmäßige Zahnarztbesuche zu achten und mindestens alle sechs Monate zur Vorsorge zu gehen.

8. Zunge putzen

Belag auf der Zunge kann zu schlechtem Atem führen und bildet einen optimalen Nährboden für Bakterien. Die Zunge können Sie mit einer Zahnbürste oder einem speziellen Zungenschaber reinigen. Dieser Effekt wird sogar von einer Cochrane-Review bestätigt. Es reicht dabei nur leicht zu putzen, um die Bakterien loszuwerden.

9. Stoff als Zahnbürstenersatz

Haben Sie schon einmal mit einem Finger die Zähne geputzt, weil sie keine Zahnbürste hatten? Das nächste Mal wickeln Sie besser ein Stück Stoff um den Finger – und streichen etwas Zahnpasta drauf. Gut eignet sich zum Beispiel ein frisches Handtuch. Es wirkt besser als der Finger, weil die Oberfläche rauer ist und darum den Zahnbelag besser entfernt.

Hamburg, 25. Februar 2015

Mundpflege bei Kindern

Wie kann ich meinem Kind helfen, seine Zähne zu pflegen und Karies vorzubeugen?
Indem Sie Ihrem Kind die richtige Mundpflege in einem jungen Alter beibringen, tätigen Sie eine Investition in seine Gesundheit, die sich lebenslang auszahlt. Sie können damit anfangen, indem Sie selber ein gutes Beispiel geben. Indem Sie Ihre eigenen Zähne richtig pflegen, zeigen Sie, dass Mundpflege wichtig ist. Alles, was aus der Zahnpflege ein Vergnügen macht, wie gemeinsames Zähneputzen mit Ihrem Kind oder die Auswahl seiner eigenen Zahnbürste, fördert die richtige Mundpflege.

Um Ihr Kind beim Schutz seiner Zähne und seines Zahnfleisches zu unterstützen und das Risiko von Karies deutlich zu verringern, bringen Sie ihm bei, die folgenden einfachen Schritte zu befolgen:

  • Putzen Sie die Zähne zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, um Plaque zu entfernen, der die Hauptursache für Karies darstellt.
  • Verwenden Sie täglich Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten, um die Plaque zwischen Ihren Zähnen und unterhalb des Zahnfleischsaums zu entfernen, bevor sie sich zu Zahnstein verhärtet. Wenn sich bereits Zahnstein gebildet hat, kann dieser nur in der Zahnarztpraxis entfernt werden.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten, die von Plaquebakterien in Säuren umgewandelt werden und damit zu Karies führen können. Wenn Sie diese Nahrungsmittel zu sich nehmen, versuchen Sie, diese zusammen mit den Hauptmahlzeiten statt als Zwischenmahlzeit zu essen.
  • Kontrollieren Sie den Zahnputzerfolg täglich (bis zu einem Alter von 6 bis 10 Jahren)
  • Lassen Sie Ihr Kind regelmäßig an zahnmedizinischen Vorbeugemaßnahmen teilnehmen: Vorsorgeuntersuchungen und Fluoridierungsmaßnahmen in der Schule und in der Praxis.

Welche Putztechniken kann ich meinem Kind zeigen?
Es wird empfohlen, Ihr Kind zu beaufsichtigen, bis es diese einfachen Schritte ganz von allein ausführt:

  • Verwenden einer erbsengroße Menge einer fluoridhaltigen Zahnpasta.
  • Folgen Sie bei Zähneputzen der KAI-Methode (erst die Kauflächen dann die Außen- und danach die Innenflächen) zuerst am Oberkiefer danach am Unterkiefer in kleinen rüttelnden Hin- und Herbewegungen. Verwenden Sie eine Zahnbürste mit weichen Borsten und kleinem Bürstenkopf.

Ab wann soll mein Kind Zahnseide verwenden?
Lassen Sie sich zuerst den Umgang mit einer Zahnseide von Ihrem Zahnarzt oder einer entsprechend fortgebildeten Fachkraft erklären und demonstrieren. Da bei Kindern mit Milchzähnen meist die Zähne ausreichend weit voneinander entfernt stehen, dass Speisereste oder Plaque in den Zahnzwischenräumen allein durch eine Zahnbürste entfernt werden kann, ist eine Verwendung von Zahnseide bis zu einem Altern von etwa 8 Jahren in der Regel nicht notwendig. Erfahrungen zeigen, dass auch erst ab diesem Alter ausreichende manuelle Fähigkeiten vorhanden sind, dass das Kind auch mit einer Zahnseide umgehen kann ohne das Zahnfleisch zu verletzen.

Was sind Zahnversiegelungen und wie weiß ich, ob mein Kind diese benötigt?
Eine Zahnversiegelung stellt eine wirkungsvolle und in vielen Fällen notwendige zahnärztliche Vorsorgemaßnahme dar, mit der Schlupflöcher für Bakterien auf den Kauflächen der bleibenden Backenzähne verschlossen werden. Damit wird ein wirksamer zusätzlicher Kariesschutz bewirkt. Die Versiegelung erfolgt mit einem gut verträglichen Kunststoff, der direkt auf die Kauflächen angebracht wird. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft und kann nur in der Zahnarztpraxis durchgeführt werden. Ihr Zahnarzt kann Ihnen Auskunft darüber geben, ob eine Zahnversiegelung für Ihr Kind empfehlenswert ist.

Was ist Fluorid und wie weiß ich, ob mein Kind die richtige Menge erhält?
Fluorid gehört zu den Spurenelementen ohne die eine gesunde Entwicklung der Knochen und Zähne nicht möglich wäre. Gleichzeitig stellt eine optimale Versorgung mit Fluorid durch die Nahrung oder über Mundpflegeprodukte eine der besten Maßnahmen zum Schutz gegen Karies dar.

Wie wichtig ist die Ernährung für die Zahngesundheit meines Kindes?
Für die gesunde Entwicklung der Zähne, ist eine ausgewogene Ernährung notwendig. Milchprodukte beispielsweise sind gute Lieferanten für Kalzium und Phosphat, der Bedarf an Fluorid kann z. B. durch fluoridiertes Speisesalz gedeckt werden. Alle drei Mineralien werden gebraucht, wenn sie über die Nahrung aufgenommen werden und über den Speichel wieder den Zähnen zur Verfügung stehen, um die Zähne gesund zu halten und vor Karies zu schützen. Häufiges Essen (und nicht nur Naschen) ist der größte Feind der Zähne. Denn Zucker ist fast überall versteckt, z.B. in Schokolade, Keksen, Bonbons, Trockenfrüchten, Erfrischungsgetränken, Brezeln und Chips, aber auch in Brot, Ketchup und Senf ist Zucker zu finden. Plaquebakterien wandeln den Zucker in Säuren um, welche den Zahnschmelz angreifen und ihn langsam auflösen. Jeder „Säure-Angriff“ kann bis zu 20 Minuten nach einer Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit anhalten. Selbst ein kleiner Happen kann zur Bildung von Plaquesäuren führen. Aus diesem Grund ist es ratsam, die Zwischenmahlzeiten möglichst zu begrenzen.

Was soll ich machen, wenn mein Kind sich einen Zahn abschlägt, abbricht oder ausschlägt?
Bei einer Verletzung im Mund Ihres Kindes sollten Sie sofort mit dem Zahnarzt Kontakt aufnehmen. Der Zahnarzt wird den betroffenen Bereich untersuchen und eine geeignete Behandlung festlegen.
Hat Ihr Kind aufgrund eines abgebrochen, abgeschlagenen oder ausgeschlagenen Zahns Schmerzen, sollten Sie sofort den Zahnarzt aufsuchen. Falls möglich, bewahren Sie den abgebrochenen Teil des Zahns auf und nehmen Sie diesen mit zum Zahnarzt.
Falls ein Zahn komplett durch eine Verletzung aus dem Mund herausgeschlagen wurde, bringen Sie den Zahn so schnell wie möglich zu Ihrem Zahnarzt. Gehen Sie mit dem Zahn so vorsichtig wie möglich um und reinigen Sie ihn nicht. Bewahren Sie den Zahn in Wasser oder Milch auf, bis Sie zum Zahnarzt gehen. Der Zahn kann möglicherweise wieder in den Mund Ihres Kindes eingefügt, also reimplantiert werden.

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Welche Arten von Zahnseide gibt es?

Gewachste Zahnseide

Gewachste oder teflonbeschichtete Zahnseide ist vor allem für Anfänger, die den korrekten Umgang mit dem Faden noch erlernen müssen, geeignet. Auch bei sehr eng zusammenstehenden Zähnen lassen sich die Zahnzwischenräume gut reinigen. Gewachste Zahnseide gleitet, fasert nicht und hat einen guten Reinigungseffekt.

Ungewachste Zahnseide

Im Vergleich zur gewachsten Variante besitzt die ungewachste Zahnseide durch ihre raue Oberfläche einen besseren Reinigungseffekt. Sie ist dicker als gewachste Zahnseide und damit in der Handhabung etwas schwieriger, da sie fasert und weniger gut gleitet. Bei Verwendung von ungewachster Zahnseide ist darauf zu achten, dass keine kleinen Fäden hängen bleiben. Ansonsten fasert die Zahnseide schnell aus.

Interdentalbürste/Zahnzwischenraumbürste

Interdentalbürsten sind eher für große Zahnzwischenräume geeignet. Ihr Vorteil liegt in der einfachen Handhabung bei gleichzeitig gutem Reinigungseffekt. Sie sind zudem ideal für Zahnspangenträger oder zur Reinigung von festem Zahnersatz. Die Bürste ist nach jeder Anwendung mit Wasser zu säubern und nach ungefähr zehn Anwendungen zu wechseln.

Flauschzahnseide

Die flauschige Zahnseide verfügt über flauschige Fadenanteile. Sie ist vor allem für die Reinigung von Zahnspangen oder unter Brückengliedern geeignet. Der breite ausgefranste Mittelteil der Zahnseide kann größere Lücken von Bakterien befreien, was mit „normaler Zahnseide“ nicht möglich ist. Die Flauschzahnseide ist allerdings vergleichsweise teurer.

Tapes

Bei Zahnseide Tapes handelt es sich um bandförmige Zahnseide, die sowohl bei größeren als auch bei engen Zahnzwischenräumen gut angewendet werden kann. Durch die einfache Handhabung ist die bandförmige Zahnseide vor allem bei Anfängern beliebt.

Flossetten

Flossetten bezeichnen die Halterungen, in welche Zahnseide eingespannt werden kann. Meistens sind diese Halterungen bereits mit Zahnseide bespannt und funktionieren als Einwegprodukt. Die Halterung ist an einem Griff aus Plastik befestigt. Am Ende der Flossette befindet sich häufig eine Art Zahnstocher.

Gibt es Alternativen?

Mit AirFloss werden Zahnbeläge in den Zahnzwischenräumen durch einen gezielten Wasserstrahl entfernt. Das Zahnreinigungsgerät besitzt einen Tank, der mit Wasser gefüllt wird. Der spezielle Düsenkopf wird an die Zahnzwischenräume gehalten und gibt einen mehrfachen Wasserstrahl ab. So werden Mikrotröpfchen durch den Zwischenraum geschossen und Beläge entfernt, die mit der Zahnbürste nicht zu erreichen sind. Ebenso kann der Tank mit einer Mundspülung gefüllt werden. Die Anwendung sollte einmal am Tag erfolgen. Studien haben ergeben, dass sich AirFloss ebenso gut wie Zahnseide für die Entfernung von Zahnbelägen in den Zahnzwischenräumen eignet.

Warum es wichtig ist, Zahnseide zu benutzen

Die Reinigung der Zahnzwischenräume ist neben dem Zähneputzen ein wichtiger Bestandteil der Mundhygiene, denn ein Drittel der gesamten Zahnflächen sind Zahnzwischenräume. Die Pflege von Zähnen und Zahnfleisch durch Entfernen von Plaquebakterien ist der beste Weg zum Schutz gegen Zahnfleisch-Erkrankungen.

Jeder Zahn hat mindestens vier Seiten. Die Backenzähne mit ihren Kauflächen haben sogar fünf. Die Seiten, an denen die Zähne aneinander stehen werden als Zahnzwischenräume bezeichnet. Die Zahnbürste erreicht die Zahnzwischenräume beim Putzen meistens nur unzureichend. Es gilt also, diese extra zu reinigen, denn in den Zahnzwischenräumen sammeln sich Essensreste an, die zu Belägen und Karies führen können. Diese Essensreste lassen sich mit der Zahnbürste sowie gründlichem Putzen alleine nicht entfernen.

Zahnseide richtig verwenden

Damit Zahnseide die Plaque effektiv von Ihren Zähnen entfernen kann, müssen Sie die korrekte Technik anwenden. Mit diesen Tipps gelingt die richtige Anwendung für umfassende Mundhygiene:

Hände waschen: Immer zuerst die Hände waschen, bevor Sie Zahnseide benutzen. Sie greifen sich schließlich in den Mund.

Ausreichend Zahnseide verwenden: Reißen Sie ein ungefähr 45 cm langes Stück Zahnseide ab, so dass Sie für jeden Zahn einen neuen sauberen Bereich verwenden können.

C-Technik:

Zahnseide zwischen die Zähne gleiten lassen: Halten Sie zweieinhalb bis fünf Zentimeter Zahnseide straff zwischen den Fingern gespannt. Führen Sie die Zahnseide mit sanften Zick-Zack-Bewegungen in die Zahnzwischenräume.

„C“ bilden: Legen Sie die Zahnseide in Form eines „C“ um den Zahn. Ziehen Sie die Zahnseide vorsichtig an den Seiten des Zahns entlang.

Zahnseide abrollen: Während Sie von einem zum anderen Zahn gehen, rollen Sie ein neues Stück Zahnseide von dem Finger der einen Hand ab und rollen die benutzte Zahnseide auf den Finger der anderen Hand auf. Der Daumen dient als Orientierung.

Schlaufen-Technik:

Verknoten: Nehmen Sie etwa 30 cm gewachste Zahnseide. Verknoten Sie beide Enden miteinander, so dass Sie eine etwa 10 cm lange Schlaufe erhalten, die sich ziemlich eng über vier Finger führt. Sie können die Zahnseiden-Enden nicht nur einmal, sondern auch zweimal durch die Schlaufe führen.

Spannen: Spannen Sie die Zahnseide über den Daumen der einen Hand und den Zeigefinger der anderen. Spannung erzielen Sie mit den Kleinfingern beider Hände. Zwischen Daumen und Zeigefinger ist nur ein minimaler Abstand. Auf diese Weise lässt sich die Zahnseide kontrolliert, sicher und einfach führen, ohne dass sie ins Zahnfleisch schneidet.

Reinigen: Führen Sie die Zahnseide mit kleinen horizontalen Bewegungen über den Punkt, an dem sich zwei Zähne berühren. Verschieben Sie Daumen und Zeigefinger so, dass sich so viel Zahnseide wie nötig um den Zahn legt. So vergrößern Sie automatisch die Fläche, die gereinigt wird. Führen Sie die Zahnseide zwei- bis dreimal über die Zahnfläche hoch und wieder runter bis zum Zahnfleischsaum. Wiederholen Sie die Putzbewegung an jedem Zahnzwischenraum.

Wie oft und wann sollte man Zahnseide benutzen?

Zahnseide sollte man mindestens einmal täglich benutzen. Hier gilt: Je öfter, desto besser. Die Anwendung sollte am besten abends erfolgen. So entfernt man alle Beläge und Essensreste aus den Zwischenräumen, die sich über den Tag angesammelt haben.

Zahnseide vor oder nach dem Zähneputzen?

Zahnseide sollte vor dem Zähneputzen verwendet werden. Studien belegen, dass bei der „Erst Zahnseide, dann Zähneputzen“-Variante eine signifikant höhere Fluoridkonzentration und ein deutlicher Plaque-Rückgang festzustellen sind.

Wer dennoch lieber erst nach dem Zähneputzen zur Zahnseide greift, sollte den Mund hinterher mit einem antibakteriellen Mundwasser ausspülen.

Wussten Sie schon?

Zahnseide, wie wir sie heute kennen, wurde von dem amerikanischen Zahnarzt Levi Spear Parmly (1790–1859) erfunden. Als junger Zahnarzt empfahl er bereits im Jahr 1819 die Zahnreinigung mit ungezwirntem Seidengarn.

Die Firma Johnson&Johnson erwarb im Jahr 1898 das Patent auf Zahnseide.

Den kommerziellen Durchbruch schaffte die Zahnseide erst nach dem Zweiten Weltkrieg als elastische Nylonfäden anstelle der Seide traten. Das Material rieb sich nicht so schnell ab und erwies sich damit insgesamt als reißfester. Heutzutage wird neben Nylon und Seide auch Polyethylen zur Herstellung von Zahnseide verwendet.

Sollte man mal keine Zahnseide zur Hand haben, kann man auf Frischhaltefolie ausweichen. Dazu muss man einen schmalen Streifen von der Rolle reißen, doppelt legen und mit beiden Händen auf Spannung ziehen. Mit der doppelt gelegten und gespannten Folie kommt man in die Zahnzwischenräume.

FAQs zum Thema Zahnseide

Ab wann Zahnseide bei Kindern?

Kinder sollten ab einem Alter von etwa 10 Jahren möglichst täglich Zahnseide benutzen. Das fördert die Zahngesundheit, gewöhnt Kinder schon in jungen Jahren an Zahnpflege und beugt Karies vor.

Welche Zahnseide für Kinder?

Für Kinder empfehlen sich vor allem Zahnseide Sticks, in denen die Zahnseide im Halter eingespannt ist. Diese gibt es in bunten Formen und Farben. Ebenso können Kinder aber auch die ganz einfache Variante in Form der losen Zahnseide verwenden. Um Kinder an die Zahnpflege zu gewöhnen, sollten Eltern zunächst Hilfestellung leisten. Das funktioniert bspw. gut, wenn man auf der Couch sitzt. Das Kind legt den Kopf auf den Schoß des Elternteils. Die Zunge des Kindes fällt leicht nach hinten in den Rachen und der Kopf wackelt kaum. Somit erhalten Eltern eine gute Übersicht und es fällt deutlich leichter, die Zähne der Kinder zu reinigen.

Gewachste oder ungewachste Zahnseide?

Ob man gewachste oder ungewachste Zahnseide benutzt, ist Geschmackssache. Ungewachste Zahnseide fächert sich in den Zahnzwischenräumen etwas auf, gewachste Zahnseide gleitet besser. Gewachste Zahnseide ist also vor allem für eng stehende Zähne und Anfänger gut geeignet.

Welche Zahnseide bei Retainer?

Wenn man nach einer kieferorthopädischen Behandlung einen Retainer trägt, empfehlen sich Interdentalbürsten zur täglichen Zahnpflege. Diese sind in unterschiedlichsten Größen erhältlich. Die Bürsten können mehrmals verwendet werden. Nach jedem Zwischenraum sollte die Bürste unter fließendem Wasser ausgespült und am Ende an der Luft getrocknet werden.

Welche Zahnseide bei Parodontitis?

Bei einer Zahnfleischentzündung müssen die Bereiche zwischen den Zähnen vorsichtig gereinigt werden. Daher empfiehlt sich eher eine glatte, leicht gleitende und sanfte Zahnseide.

Gibt es Zahnseide in verschiedenen Stärken oder sind alle gleich dick?

Die Dicke der Zahnseide variiert. Je nach Gebiss sind die Zahnzwischenräume unterschiedlich groß sein. Dementsprechend gibt es Zahnseide in dünnerer und dickerer Stärke.

Alle Angaben ohne Gewähr.

Interview mit Jugendzahnärztin

Nordsachsens Kinder haben schlechte Zähne

Wenn es um die Zahngesundheit der nordsächsischen Kinder geht, weiß Jugendzahnärztin Dr. Babette Nicht vom Gesundheitsamt am besten, wie es um die bestellt ist. Vor allem Kleinkinder haben oftmals Karies. Welchen Beitrag Eltern leisten können, damit es erst gar nicht zu schlechten Zähnen kommt und warum das Zähneputzen in vielen Kitas vernachlässigt wird, erzählt die 43-Jährige im Interview.

Frau Dr. Nicht, gehen Sie eigentlich gern zum Zahnarzt?

Ich habe damit nicht das Problem, weil ich ja gute Zähne habe und weiß, wie man die gesund erhält. Also Angst habe ich auf keinen Fall. Bei meinen Kindern ist das natürlich etwas anderes, weil die immer erst einmal denken, dass irgendetwas ist. Da haben wir auch schon einiges durch.

Wie versuchen Sie Kindern bei Ihren Reihenuntersuchungen an Kitas und Schulen die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen?

Es gibt Kinder, die wirklich total ängstlich sind, mich auch schon ängstlich angucken oder auch gar nicht erst den Mund aufmachen wollen. Ich versuche ihnen mit Ablenkung die Angst zu nehmen, indem ich ihnen den Spiegel und die Lampe zeige und gut zurede. Andere Angsthäschen dürfen zunächst auch zuschauen, was bei der Untersuchung passiert. Und meistens machen sie dann den Mund auch auf.

Was passiert bei Ihren Untersuchungen?

Wir haben Spiegel, Sonde und Lampe dabei. Und die Assistentin mit dem Laptop, die dann gleich den Befund eingibt. Ich führe eine Stichprobe durch, ob die Kinder Karies haben, ob die Zähne schief stehen, sie eine Zahnspange brauchen oder ob sie Zahnfleischerkrankungen haben.

Wie oft Sind Sie und Ihr Team im Laufe eines Jahres im Landkreis unterwegs?

Fast täglich, es ist selten, dass wir einen Tag nicht rausfahren. Dann haben wir Schreibarbeiten zu erledigen. Im Schnitt untersuchen wir im Altkreis Delitzsch zirka 10 000 Kinder pro Jahr. Bei etwa 5000 Kindern führen wir im Jahr Gruppenprophylaxe durch, das ist der pädagogische Teil unserer Arbeit. In der Gruppenprophylaxe bringen wir den Kindern spielerisch das Zähneputzen am Krokodil nach der KAI-Methode, also Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen, bei, erklären den Zahnaufbau und thematisieren zahngesunde Ernährung. Im gesamten Landkreis Nordsachsen werden jährlich ungefähr 20 000 Kinder untersucht.

Wie groß ist Ihr Team?

Frau Tänzer, das ist meine Assistentin, und ich sind für den Altkreis Delitzsch zuständig. In Torgau und Oschatz sind es die Zahnärztin Frau Uischner und die Assistentin Frau Winkler. Das sind im Prinzip zwei Zahnärzte für recht große Bereiche.

Warum sind solche Untersuchungen wichtig?

Ich persönlich halte Vorsorge für sehr wichtig. Aufgrund meiner jahrelangen Berufserfahrung als Assistenzzahnärztin habe ich gesehen, wie schlecht die Kinderzähne mitunter sind, vor allem auch die Milchzähne. Wenn die kaputt gehen, hat das schlimme Folgen. Die Kinder brauchen dann später meistens Zahnspangen, und das sieht man heutzutage sehr häufig. Durch den frühzeitigen Zahnverlust entstehen Engstände oder die Zähne brechen nicht ordentlich durch. Das will ich vermeiden und die Kariesquote so gering wie möglich halten.

Wie läuft so eine Untersuchung in der Kita oder Schule ab?

Wir haben einen Koffer, in dem unser ganzes Instrumentarium drin ist. Das alles bauen wir auf, brauchen einen Tisch, eine Steckdose, zwei Stühle – da geht es manchmal ganz schön beengt zu. Die Kinder kommen dann in Fünfergruppen an, eines setzt sich hin, wird untersucht, dann sage ich den Befund an und die Assistentin nimmt diesen gleich in das Programm auf, das wir dafür nutzen. Wir können auch vergleichen, wie es im Vorjahr war, also, ob sich etwas verbessert oder verschlechtert hat.

Was passiert dann mit den Untersuchungsergebnissen?

Wir geben den Eltern eine Empfehlung, dass sie mit ihrem Kind zum Zahnarzt gehen sollen oder dass sie mehr auf Prophylaxe wert legen sollten, also auf Fluoridierung und Versiegelung, damit kein Loch entsteht. Wenn Kinder schiefe Zähne haben, empfehlen wir die Vorstellung beim Kieferorthopäden.

Wie ist es um die Zahngesundheit der nordsächsischen Kinder bestellt?

Das kommt darauf an, in welchem Bereich man unterwegs ist. Es gibt soziale Brennpunkte, wo es schlechter aussieht und man merkt, dass die Kinder nicht so optimal aufwachsen und sich ernähren, wie es wünschenswert wäre.

Welche Entwicklung beobachten Sie?

In den Gymnasien sieht es gut aus. Die Zwölfjährigen haben wirklich gute Zähne, meistens ist diese Altersklasse komplett versorgt und hat Versiegelungen. Aber im Einschulungsalter und auch bei ganz kleinen Kindern bis 3 Jahre häuft sich schon eher die Karies. Es handelt sich hier um die sogenannte „Nuckelflaschenkaries“. Diese entsteht, wenn die Kinder frühzeitig süße beziehungsweise kohlenhydratreiche Getränke in den Nuckelflaschen zu trinken bekommen.

Was führt noch zu schlechten Zähnen?

Das ist nach meinem Empfinden das Überangebot an Zucker in unserem Essen allgemein und in den Getränken. Es gibt ja kaum Getränke, die ohne Zucker sind. Da bleibt nicht viel übrig: Wasser und Tee. Alles andere hat Zucker, selbst Schorle und Wasser mit Geschmack.

Wie putzt man die Zähne richtig?

Besser vor oder nach dem Frühstück? Besser vor oder nach dem Frühstück? Nach dem Essen, weil dann die Zähne wieder sauber werden und der Speichel die Zähne remineralisieren kann, also wieder fest macht. Sind die Zähne noch schmutzig, wirkt der Speichel nicht an der Oberfläche.

Wie lange sollte man Zähne putzen? Bei den elektrischen Zahnbürsten in der Regel zwei Minuten und bei der Handputztechnik drei Minuten.

Wie oft am Tag sollte man Zähne putzen? Im Kindergarten dreimal. Da geht es auch nicht um das perfekte Zähneputzen, sondern um das Ritual an sich und das Lernen. In der Schule zweimal, möglichst nach dem Frühstück, und abends nach dem Essen.

Wie putzt man Zähne richtig? Nach der KAI-Methode (Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen).

Zähne putzen mit Hand- oder Elektrozahnbürste? Handzahnbürste reicht aus. Sind die Kinder gar nicht zu motivieren, dann eine elektrische, die gibt es zum Beispiel auch mit Timer.

Ab wann sollte man bei Kleinkindern mit dem Zähneputzen beginnen? Ab dem ersten Zahn. Für dieses Alter werden im Handel kleine Fingerlinge mit Noppen oder Lernzahnbürsten angeboten.

Immer wieder hört man vom Nicht-Zähneputzen in den Kitas. Was hat es damit auf sich?

Das ist seit vielen Jahren ein Problem – und zwar bundesweit. In vielen Kindergärten werden die Zähne nicht mehr geputzt. Meistens liegt es an der Überlastung der Erzieher, weil Kollegen fehlen. Dann wird das Zähneputzen zu einer Zeitfrage. Leider ist es nicht Pflicht und oftmals nicht verankert im Kindergartenvertrag, was aber wünschenswert wäre. Die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege Sachsen arbeitet gerade daran. Vorstellbar ist, dass Kitas, in denen die Kinder Zähne putzen, ein Zertifikat erhalten, sozusagen als Auszeichnung, mit der sie sich schmücken können.

Sprechen Sie dann in den Kitas so ein Problem offen an?

Wenn ich sehe, dass keine Becher dastehen, frage ich nach.

Ein viel gebrauchtes Argument seitens der Kitas ist, dass die Kinder mit ihren Zahnbürsten lieber die Waschbecken schrubben, was unhygienisch sei und man deshalb das Zähneputzen abgeschafft hat.

Das wird häufig als Grund angebracht. Allerdings haben wir aussagekräftige Unterlagen vom Robert-Koch-Institut, dass keine erhöhte Infektionsgefahr besteht, also nichts passiert. Das ist, wie ein Spielzeug in den Mund nehmen.

Um eine Zahnputz-Routine in den Kitas zu etablieren, hieß es zuletzt, dass in Nordsachsen verstärkt Gruppenprophylaxen angeboten werden. Wie wollen Sie da vorgehen – Stichwort Patenschaftszahnärzte?

Ja, die Patenschaftszahnärzte führen die Gruppenprophylaxen durch. Aber viele ältere Zahnärzte haben diese Aufgabe inzwischen abgegeben, weil sie in Rente gehen und keinen Nachfolger gefunden haben. Trotzdem gibt es auch junge Kollegen, die offen sind für Gruppenprophylaxe und Einrichtungen im Landkreis übernommen haben.

Wie viele Patenschaftszahnärzte gibt es in Nordsachsen?

Im Altkreis Delitzsch sind es derzeit 18, im Altkreis Torgau-Oschatz 6. Besonders für Schulen und Kitas in Delitzsch, Eilenburg und Schkeuditz bräuchten wir noch Patenschaftszahnärzte.

Mit welchem Arbeitsaufwand muss so ein Patenschaftszahnarzt rechnen und wie bekommt er die Arbeit vergütet?

Der Arbeitsaufwand ist unterschiedlich. Es bietet sich aber an, wenn die Praxis in der Nähe der Schule oder Kita liegt. Die Patenschaftszahnärzte erhalten von der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege Sachsen eine Aufwandsentschädigung für ihre Arbeit.

Abschließende Frage: Was kann jeder selber tun, damit die Zähne gesund bleiben?

Eltern können sich bei der Zahnpflege vorbildlich verhalten. Sie können auch bei der Ernährung auf viel Gemüse und Obst achten. Kinder mögen Fingerfood, also vorbereitete Stücke von Obst und Gemüse. Die nehmen die Kinder sehr gern. Auch pure Joghurts mit kleinen Obststücken sind nicht so süß wie gekaufte Joghurts.

Interview: Nico Fliegner

Zahlen & Fakten

Die Zahngesundheit der Drei- bis Sechsjährigen Nordsachsen ist im Sachsenvergleich unzureichend. Der Trend des Nicht-Zähneputzens in der Kita könnte eine Ursache für die schlechte Zahngesundheit der Kinder sein. Im Schuljahr 2017/18 hat der Kinder- und Jugendzahnärztliche Dienst bei 53,2 Prozent der Sechsjährigen ein naturgesundes Gebiss diagnostiziert. Untersucht wurden im Landkreis 1094 von 1360 Kinder in diesem Alter. Bei 27,9 Prozent wurde Behandlungsbedarf festgestellt, 18,9 Prozent hatten bereits einen oder mehrere sanierte Zähne.

89,1 Prozent der Dreijährigen, die untersucht wurden, wiesen ein naturgesundes Gebiss auf. Bei 8,8 Prozent gab es Behandlungsbedarf, 2,1 Prozent hatten schon sanierte Zähne.

Die Zwölfjährigen schneiden am besten ab – im Sachsenvergleich liegen sie im oberen Drittel. Konkret wurden 970 Zwölfjährige mit bleibenden Zähnen untersucht – bei 699 wurde ein naturgesundes Gebiss festgestellt, bei 67 gab es Behandlungsbedarf, 204 hatten sanierte Zähne.

Ziel der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege Sachsen ist insgesamt ein Wert von 90 Prozent an naturgesunden Gebissen – das wird in Nordsachsen nicht erreicht.

Die Anzahl der Patenschaftszahnärzte, die in Kitas und Schulen Gruppenprophylaxen durchführen, ist rückläufig. Im Schuljahr 2016/17 gab es im Altkreis Delitzsch noch 22 Zahnärzte, die die Gruppenprophylaxe betreuten (entsprach: 4938 Kinder = 48 Prozent). Die übrigen Kinder (5361 = 52 Prozent) wurden durch das Gesundheitsamt (Dr. Nicht und Frau Tänzer) betreut.

Patenschaftszahnärzte werden insbesondere für folgende Kitas und Schulen gesucht: Kita „Heinzelmännchen“, Eilenburg; Kita „Villa Kunterbunt“, Schkeuditz; Grundschulen Delitzsch-Ost, Diesterweg-Grundschule, Ehrenberg-Gymnasium, Artur-Becker-Oberschule, Oberschule Delitzsch-Nord, jeweils Delitzsch; Sonnenblumen-Grundschule, Radefeld; Rinckart-Gymnasium, Eilenburg.

Wenn sich ein niedergelassener Zahnarzt oder eine Zahnärztin für eine offen Einrichtung interessiert, bitte bei Frau Dr. Nicht unter Tel. 03421 7586336 melden.

Von Nico Fliegner

Schlechte Zähne von Anfang an

Der Zahnschmelz hat weiße oder gelblich-braune Flecken, ist dünn und instabil, an manchen Stellen kann er eingebrochen sein oder er fehlt ganz:
„Gerade bei uns, weil wir halt sehr viele Kinder haben, sehen wir immer wieder solche Diagnosen.“
Ali Mokabberi arbeitet als Kinderzahnarzt in Berlin, Prenzlauer Berg. Immer wieder sieht er Zähne, die bereits mit beschädigtem Schmelz aus dem Zahnfleisch kommen. Zahnärzte sprechen dann von einer Strukturstörung des Zahnschmelzes.
„Da sind Veränderungen im Zahnschmelz zu sehen, die sich in Form von unterschiedlichen Farben und auch Schmelzdefekten zeigen und das führt auch zu Ablagerungen von Plaque und Entstehung von Karies und Hypersensibilität der Zähne. Das heißt, die Zähne tun einfach weh.“
Aus fast allen europäischen Ländern gibt es mittlerweile Berichte über dieses Krankheitsbild – fast alle berichten von hohen Fallzahlen. Jan Kühnisch, Leiter der Sektion Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum München, hat jetzt für Deutschland aktuelle Zahlen vorgelegt. Über 1000 Kinder hat er untersucht – und eine alarmierend hohe Verbreitung festgestellt.
„Wenn man schaut, wie viele Kinder einzelne Strukturstörungen haben, so waren das in dem Alter von zehn Jahren, wo wir die Kinder untersucht haben, so 30, 40 Prozent.“
Schon lange weiß man, dass bestimmte genetische Defekte oder auch Verletzungen zu den genannten Symptomen führen können. Und auch zu viel Fluor verändert den Zahnschmelz – allerdings lässt sich diese sogenannte Fluorose klar von der beschriebenen Störung abgrenzen. Das Verblüffende: Solche Strukturstörungen ganz ohne erkennbare Ursachen waren bis Mitte der 80er-Jahre praktisch unbekannt.
„Das Thema ist in den 80er-Jahren in Schweden erstmals beschrieben worden, wo mit dem beobachteten Kariesrückgang diese Strukturstörungen immer mehr sichtbar wurden und dann dementsprechend auch erstbeschrieben worden sind.“
Seitdem ist die Zahl der diagnostizierten Fälle dramatisch angestiegen. Galt das Phänomen noch vor 30 Jahren als sehr selten, so ist heute etwa jedes dritte Kind betroffen. Ein Teil dieses Anstieges dürfte allerdings ein Artefakt sein. Denn viele Fälle, die man heute erkennt, hätte man früher schlicht für Karies gehalten. Dass die Strukturstörungen aber vor 30, 40 Jahren genauso häufig waren wie heute, halten die meisten Fachleute für unwahrscheinlich. Das hätte man trotz Karies bemerkt, meint Jan Kühnisch.
„Es muss sicherlich irgendwann einen Sprung gegeben haben, auch wenn man die Literatur und vielleicht noch mal ältere Kollegen befragt, ist das einhellige Bild, dass es eigentlich früher nicht so das Thema war.“
Ob neu oder schon immer da gewesen: Die große Frage ist, was die Störung auslöst. Denn ohne dieses Wissen gibt es auch keine Präventionsstrategie für die häufige Krankheit. Die Ursachenforschung erweist sich allerdings als schwierig. Denn der Zahnschmelz entwickelt sich in den ersten Lebensjahren, zum Teil auch schon im Mutterbauch. Wenn die bleibenden Zähne mit sechs bis zehn Jahren sichtbar werden, liegt der Störfaktor also schon mehrere Jahre zurück.
„Man braucht dazu eigentlich Studien, die von Geburt an potenzielle Ursachen mit abdecken und im voraus dokumentieren. Und diese Studien gibt es weitestgehend nicht heutzutage. Was es gibt, sind Studien, bei denen man versucht hat, mit dem Durchbruch der bleibenden Zähne die Ursachen rückwirkend zu klären. Und sie können sich vorstellen, dass das schwierig ist.“
Fehl- oder Mangelernährung schließen die Fachleute aus. Denn selbst in extremen Hungerzeiten, zum Beispiel nach dem zweiten Weltkrieg, habe der Zahnschmelz kaum gelitten, so der Forscher aus München. Klar ist, dass irgendetwas die Zellen schädigt, die den Zahnschmelz bilden: die sogenannten Ameloblasten. Was das sein könnte – da gehen die Meinungen auseinander. Von Dioxin in der Umwelt über Sauerstoffmangel bei Frühgeburten oder Asthmatikern bis zu PCB-belasteter Muttermilch wird alles verhandelt. Der Forscher aus München hat vor allem Antibiotika als möglichen Störfaktor im Visier.
„Aber auch dazu gibt es noch keine Studie, die das in vivo belegen könnte, sondern ausschließlich eine tierexperimentelle Studie aus Finnland“
Die zeigt, dass bestimmte Antibiotika die Ameloblasten schädigen – zumindest bei Mäusezähnen im Labor. Diese These würde auch erklären, warum immer nur einzelne Zähne oder Zahngruppen betroffen sind und nicht das ganze Gebiss.
„Da das Antibiotikum zu einem bestimmten Lebenszeitpunkt eingenommen wird, in dem sich auch eine bestimmte Gruppe von Zähnen in der Mineralisation befindet, und diese werden zu diesem Zeitpunkt oder können zu diesem Zeitpunkt mitgestört werden.“
Handfeste Beweise für diese These gibt es aber noch keine. Es wird also weiter ermittelt. In alle Richtungen.

Schweizer Eltern sind Weltmeister im Kinderzähneputzen. Zumindest sagt das die Statistik. Leider sieht man das den Kinderzähnen nicht an: Bereits jeder zehnte Zweijährige hat Milchzahnkaries, im Kindergartenalter finden sich bereits bei 40 Prozent der Mädchen und Buben Löcher. Es wäre aber zu einfach, das Problem nur auf eine schlechte Zahnpflege und ungünstige Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen. „Meist kommen verschiedene Faktoren zusammen“, sagt die Kinderzahnärztin Barbara Gretener. „Es kommt auch auf die Speichelqualität, die Zusammensetzung der Bakterienflora im Mund, die Mineralisierung des Zahnschmelzes oder die Zahnstellung an.“ In vielen Fällen entstehe die Karies wegen einer weit verbreiteten, schlechten Angewohnheit: „Da es heute kaum noch feste Essenszeiten gibt, essen und trinken wir andauernd – ein absoluter Härtetest für den Schmelz.“

In ihrer Praxis für Kinderzahnmedizin in Regensdorf ZH behandelt Barbara Gretener immer wieder Kleinkinder, deren Zahnschäden eindeutig vom Dauernuckeln am Milchschoppen kommen. „Dass ein Fläschchen mit gesüsstem Tee tabu ist, wissen die meisten“, so die Kinderzahnärztin. Milch gelte hingegen als vergleichsweise harmlos, was so nicht stimme. Fakt ist: Der im Schoppen enthaltene Milchzucker wird von Bakterien in Säure umgewandelt, die den Zahnschmelz angreift. „Deswegen sollten Eltern ihren Kindern kein Fläschchen mit ins Bett geben und den Kleinen so früh wie möglich das Trinken aus dem Becher beibringen.“

Es gibt immer noch Erwachsene, die glauben, die ersten Zähne seien unbedeutend und müssten nicht behandelt werden. Ein Trugschluss. Sobald die Karies den Zahnschmelz überwunden hat und ins Zahnbein eingedrungen ist, sollten die Milchzähnchen repariert werden. Die kleinen Perlen sind wichtige Platzhalter für die zweiten Zähne. Fallen sie vor ihrer Zeit aus, kann das Kieferwachstum beeinträchtigt werden. Ausserdem kommt es oft zu Verschiebungen im Gebiss, die nicht selten Jahre später kieferorthopädisch korrigiert werden müssen. „Abgesehen davon kann Milchzahnkaries sehr weh tun“, gibt Barbara Gretener zu Bedenken. „In meinen Augen das wichtigste Argument, etwas zu unternehmen.“ Leider haben viele Erwachsene in Sachen Zahnbehandlung schlechte Erfahrungen gemacht. Das übertragen sie – oft unbewusst – auf die Kleinen.

Wortwahl anpassen

Öffnet das Kind beim Zähneputzen den Mund nicht richtig, erzählt Mami gerne vom Zahnteufelchen, das Löcher in Zähne frisst und sich dort einnistet. Als ob das noch nicht bedrohlich genug wäre, droht sie dann auch noch mit dem Zahnarzt, der ein ganzes Arsenal an riesigen Bohrern hat. Parallel dazu gibt es eine Vielzahl an pädagogisch ungenügenden Bilderbüchern zu eben diesem Thema. Da kann es einem wirklich angst und bange werden. Wie soll eine Vierjährige verstehen, dass der Zahnarzt nun plötzlich zu den Guten gehören soll? Spezialistinnen wie Barbara Gretener wissen, dass der erste Zahnarzt-Besuch oft prägend für das ganze Leben ist. Deswegen ist beim Kinderzahnarzt vieles anders: Das fängt schon bei der Wortwahl an. Barbara Gretener flickt keine Zähne, sie „wäscht“ sie gründlich. Logischerweise gibt es bei ihr keine Bohrer, sondern nur viele verschiedene „Bürsten“. Die einen sirren, die anderen rumpeln.

Bevor es losgeht, erklärt die Zahnärztin den Kindern alle Geräte. Aus der einen Düse kommt Wasser, aus der anderen Luft und das Häkchen, mit dem die Zähne gleich gekitzelt werden, darf erst über die Handflächen der kleinen Patienten wandern. „Kinder haben sehr viel Fantasie“, sagt Gretener. „Deswegen funktionieren auch magische Geschichten gut.“ Wenn ein Zähnchen gewaschen werden muss, dann arbeitet die Kinderzahnärztin oft mit der „Zauberluft“, wie sie das Lachgas nennt (siehe Infobox). „Unser Ziel ist immer eine schmerzfreie Behandlung“, erklärt Barbara Gretener. Es gehe darum, negative Erlebnisse zu vermeiden. Wenn die Eltern, die meist anwesend sind, während der Behandlung ruhig und gelassen bleiben, dann überträgt sich das übrigens auf die kleinen Patienten.

„Es wäre gut, wenn wir alle Kinder bereits im Alter von zwei und nicht erst mit vier, fünf Jahren sehen könnten“, so die Kinderzahnärztin. „Wir verpassen viele Kariesfälle, die wir frühzeitig mit vergleichsweise wenig Aufwand hätten behandeln können.“ Abgesehen davon sei es doch gut, wenn die Kleinen bereits die Zahnärztin und die Praxis kennen würden, bevor Handlungsbedarf bestehe. „Schliesslich haben wir vor allem Angst vor Dingen, die wir nicht kennen.“

„Zauberluft“ Lachgas

Lachgas kommt immer dann zum Einsatz, wenn kleine Kinder (ab zirka drei Jahren) oder besonders ängstliche behandelt werden müssen. Bevor die Zahnreparatur beginnt, atmen die Patienten ungefähr drei Minuten lang ein geruchloses Lachgas-Sauerstoffgemisch über eine Nasenmaske ein. Das Lachgas gelangt direkt über das Blut zum Gehirn und wirkt dort angstlösend und beruhigend. Ausserdem setzt es die Schmerzempfindlichkeit herab. In dieser Phase kann die Ärztin den zu behandelnden Zahn meist problemlos lokal betäuben. Obwohl die Kinder die ganze Zeit über ansprechbar sind, bemerken die meisten den Einstich nicht und geben später an, geschlafen zu haben. Erinnerungslücken sind ebenfalls weit verbreitet, ein positiver Nebeneffekt. Sobald der Zahn schläft, kann die Maske abgesetzt werden. Nun beginnt die eigentliche Behandlung. Bei korrekter Anwendung ist die Lachgas-Sedierung praktisch nebenwirkungsfrei. Die Schweizerische Vereinigung für Kinderzahnmedizin führt eine Liste der Kinderzahnärzte, die einen Weiterbildungsausweis für die Lachgas-Sedierung haben.

➺ www.kinderzahn.ch

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