Schlaf kinder schlaf

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Wie lange müssen Kinder wirklich schlafen?

Wie lange Kinder wirklich schlafen müssen, ist schwer zu sagen, da das Schlafbedürfnis bei ihnen nur unzureichend erforscht ist.
© Techniker Krankenkasse

Di. 14. Februar 2012

Pssst – der Kleine muss schlafen! Mit diesen Worten versucht so manche Mutter für Ruhe zu sorgen, damit der Nachwuchs den Schlaf bekommt, den er benötigt. Doch, wie lange müssen Kinder wirklich schlafen? Australische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Schlafbedürfnis von Kleinkindern gar nicht ausreichend erforscht ist, um das zu sagen. Was Experten allerdings nicht daran hindert, immer neue Empfehlungen auszusprechen.

Die australischen Wissenschaftler haben die Empfehlungen für Schlafdauer und die Angaben über die tatsächliche Schlafenszeit von Kleinkindern aus den letzten hundert Jahren systematisch miteinander verglichen. Das Ergebnis: die Kleinen bekommen nicht genug Schlaf – aber das haben sie noch nie bekommen.

Über die letzten hundert Jahre gesehen schliefen die Kinder jedes Jahr etwa 0,73 Minuten weniger als im Vorjahr. Oder anders ausgedrückt: die Kleinen schlafen heute etwa 73 Minuten kürzer als noch vor hundert Jahren. In der gleichen Zeit fielen aber auch die Schlafempfehlungen um etwa 0,71 Minuten pro Jahr. Dabei überstiegen die Empfehlungen seit 1897 konsequent die tatsächlich im Bettchen verbrachte Zeit – es entsteht ein wenig der Eindruck, dass Kinder auf jeden Fall eine Extra-Portion Schlaf benötigen, unabhängig davon, wie lange sie tatsächlich geschlafen hätten, so die Autoren der Studie.

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Etwa seit dem 19. Jahrhundert ist ein möglicher Schlafmangel von Kindern ein Thema unter den Wissenschaftlern. Experten befürchten schon seit dieser Zeit, dass das moderne Leben die Kinder überfordern würde. Je nach technologischem Stand wurden dafür entweder das Lesen, das Radio, der Fernseher oder jetzt das Internet verantwortlich gemacht. Dabei gaben alle Experten zu, dass ihre Empfehlungen zum Schlafbedürfnis der Kinder nur unzureichend durch Studien und Untersuchungen gestützt seien. Aufwändige Untersuchungen etwa im Schlaflabor seien erst vor wenigen Jahrzehnten entwickelt worden und für solche Zwecke zu zeitraubend. Die Empfehlungen wurden also quasi ins Blaue hinein ausgesprochen.

KK

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Wie lange sollten Kinder schlafen ?

Wie lange sollten Kinder schlafen?

Viele Eltern fragen sich, wie viel Schlaf ihr Kind braucht. Dabei ist es sehr altersabhängig und unterschiedlich wie viel dein Kind schlafen sollte. Zum Beispiel brauchen Kinder im Alter zwischen 4 und 11 Monaten ungefähr 14 Stunden Schlaf. Hier erfährst du wie viel dein Kind durchschnittlich schlafen sollte.

Nicht alle Kinder brauchen gleich viel Schlaf

Es ist sehr altersabhängig wieviel dein Kind schlafen muss. Jedoch können gleichaltrige Kind sehr unterschiedlich schlafen, da auch genetisch bedingt ist. Deshalb gibt es eine ungefähre Zeitspanne, in der der Schlafbedarf als gesund angesehen wird.

Wenn dein Kind entsprechend der Empfehlung schläft, solltest du als Elternteil darauf achten, diesen Schlafrhythmus beizubehalten, so gut es möglich ist. Falls dein Kind abends nicht so müde ist, kannst du den Mittagsschlaf nach und nach verkürzen und irgendwann auf den Mittagsschlaf komplett verzichten.

Noch heute gibt es das Problem, dass Kinder in Kitas alle gleichzeitig schlafen gehen müssen, obwohl jedes Kind seinen eigenen Zeitpunkt finden sollte.

Gründe für Schlafprobleme

1. Dein Kind wacht nachts öfters auf

Bis zum 4. Lebensjahr deines Kindes sind Durchschlafprobleme nichts außergewöhnliches. Anzeichen für zu wenig Schlaf sind Wutanfälle und schlechte Laune.

Es kann verschiedene Ursachen haben, wenn dein Kind Durchschlagprobleme hat. Ist dein Kind ängstlich und angespannt, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass dein Kind noch nicht genügend Selbstberuhigungskompetenz hat. Als Elternteil solltest du dann dein Kind unterstützen und zum Beispiel die Hand deines Kindes halten. Trotz allem sollest du dein Kind nach und nach daran gewöhnen, alleine einzuschlafen.

2. Dein Kind könnte seine Grenzen testen

Sollte dein Kind nicht ängstlich sein, könnte es sein, dass es seine Grenzen testet. Wenn es auf einmal noch etwas zum Trinken oder Essen haben möchte, obwohl es gerade etwas gegessen hat, solltest du ihrem Liebling freundlich aufzeigen, wann Essens- und Schlafenszeit ist.

Empfehlenswert ist, wenn dein Kind sich vor dem schlafen gehen ein wenig austoben kann, damit es im Nachhinein besser einschlafen kann.

3. Dein Kind grübelt abends zu viel nach

Wenn Kinder Einschlafprobleme haben, kann es damit zusammenhängen, dass sie abends zu viel nachdenken. Es reicht schon nur ein kleiner Streit mit einem Freund oder der Gedanke, dass Mama morgen zur Arbeit fährt und weg ist. Aus diesen Gründen sollten Eltern ihrem Kind genug Gesprächsmöglichkeiten geben, um sich tagsüber darüber zu unterhalten und nicht erst abends vor dem einschlafen. Es ist einfach nicht gut, wenn dein Kind vor dem schlafen gehen mit Problemen beschäftig ist.

Beständiger Schlafmangel kann gefährlich werden

Schläft dein Kind zu wenig, kann es gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung haben. Andere Risikofaktoren sind, dass das Immunsystem geschwächt wird und sich in emotionaler Hinsicht sowie körperlichen oder psychischen Hinsicht verschlechtern kann.

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Über Sabine Engels

Die 4-fache Mutter ist eine echte Expertin auf dem Gebiet Muttersein und unterstützt unsere Leserinnen regelmäßig mit hilfreichen Tipps und Infos. Einmal die Woche nimmt sie sich die Zeit, um mit ihrem Mann Salsa tanzen zu gehen. Aber ihr Highlight ist der jährliche Sommerurlaub in Spanien mit der ganzen Familie.

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Ein gesunder Schlaf ist lebenswichtig. Wer wenig schläft, ist schlecht gelaunt und unkonzentriert. Studien haben gezeigt, dass Schlafmangel mit verschiedenen Gesundheitsproblemen wie Diabetes oder Herzkrankheiten in Zusammenhang gebracht werden kann.

Im Schnitt schlafen die Deutschen sieben Stunden pro Nacht. Dass Kinder mehr Schlaf brauchen als Erwachsene, ist vielen Eltern bewusst.

Doch wie viele Stunden Schlaf braucht ein Kind wirklich?

Die American Academy of Sleep Medicine (AASM) hat nun erstmals eine Empfehlung für Babys, Kinder und Jugendliche veröffentlicht. Demnach richtet sich das Schlafbedürfnis pro Tag nach dem Alter.

„Schlaf ist wichtig für ein gesundes Leben und es ist wichtig, gesunde Schlafgewohnheiten in der frühen Kindheit zu fördern“, sagt Dr. Shalini Paruthi, wie in einer Pressemitteilung der AASM zu lesen ist.

Ihrer Ansicht nach ist es obendrein besonders wichtig, bei Jugendlichen darauf zu achten, dass sie genügend Schlaf bekommen.

Ausreichend Schlaf ist für die geistige und körperliche Gesundheit unabdingbar. Wer genug schläft, verbessert Aufmerksamkeit, Verhalten, Lernen, Gedächtnis und emotionale Kontrolle.

Alter

Schlaf pro Tag (24 Stunden)

Babys

vier Monate bis 12 Monate

12 bis 16 Stunden

(mit Nickerchen)

Kleinkinder

ein Jahr bis zwei Jahre

11 bis 14 Stunden

(mit Nickerchen)

Kinder

drei bis fünf Jahre

10 bis 13 Stunden

(mit Nickerchen)

Schulkinder

sechs bis 12 Jahre

9 bis 12 Stunden

Teenager

13 bis 18 Jahre

8 bis 10 Stunden

US-Schlafexperten haben diese Leitlinien im Fachmagazin „Journal of Clinical Sleep Medicine“ veröffentlicht. Grundlage für ihre Empfehlungen war die Auswertung von 864 wissenschaftlichen Studien zum Thema Schlaf und Gesundheit bei Kindern.

Zu wenig Schlaf ist gefährlich

Schlafmangel hat nach Auffassung der Wissenschaftler einen negativen Effekt auf die Gesundheit der Kinder. Die Folgen sind demnach Verhaltens- und Lernprobleme. Zu wenig Schlaf erhöht das Unfall – und Verletzungsrisiko. Aber auch Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Depressionen können durch Schlafdefizite verursacht werden.

Gerade bei Jugendlichen ist der Schlafmangel gefährlich. Wer die Nacht zum Tag macht, neigt zu Selbstverletzungen, Suizidgedanken und Suizidversuchen.

Erwachsene brauchen übrigens nur sieben bis neun Stunden pro Tag. Allerdings klagt schon jeder Dritte über Schlafprobleme. Hier lesen Sie die besten Tipps zum Einschlafen.

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Warum genug Schlaf für Kinder so wichtig ist

Kinder sollten unbedingt genug schlafen. Denn ein ungestörter Schlaf ist von wesentlicher Bedeutung für Gesundheit, Lernfähigkeit und Wachstum.

Die verschiedenen Schlafphasen bei Kindern

Schlaf ist eine Art anderes Wachen. Körper und Geist sind aktiv, und das Schlafen gleicht eher einer Berg-und-Tal-Fahrt als einem gleichmäßigen Ruhezustand.
Die Psychologin Annette Kast-Zahn und der Kinderarzt Hartmut Morgenroth beschreiben den recht komplizierten nächtlichen Vorgang so: Beim Einschlafen fallen wir zunächst in den Leichtschlaf, dann in den ruhigen Tiefschlaf, der immer tiefer und tiefer wird. Die Atmung wird ruhig, das Herz schlägt gleichmäßig, das Gehirn kommt zur Ruhe, und wir können nur schwer geweckt werden. Dann wird der Tief- vom Traumschlaf abgelöst. Herzschlag und Atmung werden im Traumschlaf heftiger, die Augen bewegen sich schnell hinter den geschlossenen Lidern, der Körper verbraucht mehr Sauerstoff, das Gehirn wird aktiv. Das Kind träumt.

Bei Schulkindern wiederholt sich alle 65 Minuten eine Phase von Leichtschlaf, dem Tief- und Traumschlaf folgen. Zwischen den Phasen werden die Kinder kurz wach, drehen sich vielleicht um, reiben die Augen, murmeln etwas und schlafen dann weiter. Mindestens sechs mal pro Nacht wiederholen sich diese Schlafphasen bei Kindern.

Schlaf ist wichtig, denn Kinder wachsen im Schlaf

Haben Kinder lang genug geschlafen, sind sie morgens ein kleines bisschen größer. Denn im Tiefschlaf wird das Wachstumshormon produziert. Bei Erwachsenen regt es die Bildung neuer Körperzellen an. Bei Kindern lässt es jedes Organ und jeden Körperteil Nacht für Nacht einen winzigen, fein abgestimmten Teil wachsen.
Deshalb ist wichtig, dass Kinder viel Tiefschlaf abbekommen. Denn nur das Wachstumshormon lässt sie in die Länge schießen, und das wird fast ausschließlich im Schlaf ausgeschüttet. Was im Umkehrschluss bedeutet: Bei Kindern, die auf Dauer zu wenig schlafen, stellen sich bald Wachstumsstörungen ein.

Gesundheit

Schlafstörungen bei Kindern

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Schlafen macht Kinder schlau

Was besonders fasziniert: Während ein Kind schläft, wird es klüger. Ganz gleich, was das Kind am Tag gesehen, gehört, gelernt oder erfahren hat, ob bewusst oder unbewusst, im Schlaf wird alles noch einmal geübt, wieder und wieder, bis es aufwacht. Im Tiefschlaf kommen dabei eher Vokabeln dran, im Traumschlaf sind es Bewegungsabläufe wie Radfahren oder Schwimmen.
So schnell Kinder jedoch im Tiefschlaf lernen, so schnell vergessen werden die Vokabeln auch wieder vergessen. Fürs Speichern im Langzeitgedächtnis müssen schon mehrere Nächte folgen. Dann wird aus vielen Puzzleteilen ein Ganzes. Und plötzlich kommt es im Schlaf zu Lösungen, die einem vorher nicht eingefallen sind. Was immer wir lernen wollen, entscheidend sei es, in der darauffolgenden Nacht zu schlafen, sagt der Schlafforscher Zulley.

Schlafen unterstützt zudem die Abwehrkräfte

Wenn Kinder ausreichend schlafen, sind sie bestens geschützt gegen Infektionen. Auch wenn Kinder ganz gesund sind: Das Immunsystem arbeitet ununterbrochen und muss sich natürlich auch regenerieren. Das macht es nachts, vor allem, wenn Kinder im Tiefschlaf sind. Hat es dafür zu wenig Zeit, ist es geschwächt.
Jeder kennt diesen Zustand vor einer Erkältung: Man wird müde, schlapp und will nur noch ganz schnell ins Bett, um endlos zu schlafen. Nicht von ungefähr heißt es dann: „Schlaf dich gesund!“ Und es funktioniert, weil das Immunsystem im Tiefschlaf zu Höchstform aufläuft und Eindringlinge, wie Bakterien oder Viren, bekämpft.

Für diese und noch einige andere Fragen zum Thema Schlaf bei Kindern stand uns Schlafforscher Prof. Jürgen Zollney Rede und Antwort.

Sieben Fragen zum Thema Kinder und Schlaf

1. Wie viel Schlaf brauchen Grundschüler, um in der Schule fit zu sein?Prof. Dr. Jürgen Zulley: Die Schlafdauer ist auch bei Kindern recht individuell und kann je nach Typ schwanken. Grundsätzlich sollten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zehn Stunden schlafen, wobei Abweichungen von plus/minus zwei Stunden durchaus noch normal sind. Ob ein Kind genug geschlafen hat, merkt man gleich am nächsten Tag. Ist es fahrig, unkonzentriert und launisch, kann man davon ausgehen, dass es zu wenig Schlaf abbekommen hat. 2. Wie viele Stunden dauern jeweils Tief- und Traumschlaf?
Kinder haben noch viel mehr Lernschlaf als Erwachsene. Das hängt mit ihrer Hirnreifung zusammen. Ihr Schlafverhältnis ist so aufgeteilt: 60 Prozent Tiefschlaf, 40 Prozent Traumschlaf, was bei zehn Stunden Gesamtschlaf also einem Verhältnis von sechs zu vier Stunden entspricht.
Erwachsene haben übrigens 25 Prozent Traumschlaf.
4. Wann sollten Kinder spätestens ins Bett gehen, damit sie sich gut erholen?
Entscheidend ist, wie lange sie vor der biologischen Geisterstunde schlafen gehen. Wie bei Erwachsenen ist diese auch bei Kindern in der Regel um drei Uhr früh und nicht die Stunde zwischen Mitternacht und ein Uhr, die gern als Geisterstunde bezeichnet wird.
Die Erholungsfunktionen arbeiten stur bis um drei Uhr. Das heißt, die Zeit vor drei Uhr ist wichtig für die Arbeit des Wachstumshormons, für die Regeneration des Immunsystems und für die Erholung. Deshalb gehen Grundschulkinder am besten zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett.

Prof. Jürgen Zulley: Mein Buch vom guten Schlaf, erschienen im Goldmann Verlag

5. Können Kinder auch zu viel schlafen?
Ja, genauso wie Erwachsene es z.B. gern am Wochenende machen. Doch dann sind auch Kinder nicht fit, sondern träge und schleichen durch den Tag.
6. In Ihrem Schlafbuch schreiben Sie, Schüler, Studenten und studierende Senioren lernen besser, wenn sie einen Mittagsschlaf einlegen. Grundschüler auch?
Kinder in diesem Alter machen nicht gern ein Nickerchen. Für sie ist eine Ruhepause nach dem Essen besser, in der sie entspannen und Kräfte sammeln. 7. Müssen unsere Schulkinder zu früh aufstehen?
Ja, denn der Schulbeginn in Deutschland liegt mit acht Uhr einfach zu früh. Wenn wir einkalkulieren, dass nicht wenige Kinder lange Anfahrtswege zur Schule haben und mancherorts der Unterricht noch früher beginnt, kommen wir auf erschreckende Aufstehzeiten. Dabei brauchen Kinder unbedingt ihren Schlaf!
Für einen späteren Schulbeginn spricht außerdem die biologische Leistungskurve am Vormittag. Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass die Leistungsfähigkeit von Schulkindern um acht Uhr morgens so hoch ist wie um Mitternacht, also im Keller. Selbst wenn der Schulbeginn nur eine halbe Stunde später wäre, würde das schon viel verbessern, weil die Leistungskurve am Morgen relativ steil ansteigt.

Warum Schlaf so wichtig ist

Der Schlaf nimmt etwa 1/3 unseres Lebens ein. Im Groben kann man den Schlaf in 3 Phasen unterteilen: Den Leichtschlaf, den Tiefschlaf und die REM-Phasen, abgeleitet aus dem Englischen für Rapid Eye Movement, schnelle Augenbewegungen unter den Lidern.

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Gibt es einen Schlafzyklus?

Bei Erwachsenen beginnt etwa alle 90 Minuten ein neuer Schlafzyklus, bei dem jede dieser soeben erwähnten Phasen vorkommt. Die meiste Zeit des Schlafes befinden wir uns im Leichtschlaf, der uns den Übergang zu den erholsamen Schlafphasen ermöglicht. Zu Beginn der Nacht haben die Zyklen einen hohen Anteil an Tiefschlaf und wenige REM-Phasen. Die REM-Phasen nehmen allerdings im Laufe des Schlafes zu. Das bedeutet der Schlaf wird von Anfang bis hin zum Ende leichter.

Wie schläft man gut?

Über 30 Prozent der in westlichen Industrieländern lebenden Menschen haben Schlafstörungen oder Probleme mit dem optimalen Schlaf. Doch wie findet man zu einer erholsamen Nachtruhe? Wir haben ein paar Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Ein regelmäßiger Tagesrhythmus in Bezug auf Ihre Aktivitäten und Mahlzeiten, bieten eine gute Vorbereitung auf den Schlaf.
  • Ab dem Nachmittag sollten Sie keine koffeinhaltigen Getränke mehr konsumieren.
  • Ebenso verhält es sich am Abend mit schwerem Essen, das erst lange Zeit verdaut werden muss. Nehmen Sie lieber etwas Leichtes zu sich.
  • Körperliche Bewegung macht zu der richtigen Zeit müde und ist dazu noch gesund. Allerdings sollten Sie auch hier achtgeben, dass Sie am Abend nur Sport in Maßen treiben. Sport kann nämlich auch aktivierend wirken. Auch geistige Ertüchtigung kann uns im positiven Sinne erschöpfen und für einen ausgeglichenen Schlaf sorgen.
  • Ein kurzer Mittagsschlaf bis zu 30 Minuten ist gesund. Doch auch hier gilt: Wenn Sie ohnehin an Schlafproblemen leiden, dann sollten Sie lieber darauf verzichten, es sei denn die Schlafprobleme treten nur in der Nacht auf.
  • Von Appetitzüglern wird abgeraten, da diese das Nervensystem anregen und das wiederum stört bei der Nachtruhe.
  • Eine halbe Stunde vor dem ins Bett gehen sollten Sie zur Ruhe kommen (durch ruhige Gespräche, entspannende Musik, spazieren).
  • Ein Einschlafritual finden, dass Ihrem Körper vermittelt wann geschlafen werden soll.
  • Beim Einschlafen an etwas Schönes denken, negative Gedanken sollten Sie möglichst aus Ihrem Kopf verbannen.
  • Eine für Sie angenehme Temperatur und Lichtverhältnisse schaffen.
  • Das Bett nur zum Schlafen nutzen, da der Körper dann einen Zusammenhang erkennt und sich für den Schlaf „bereit macht“, wenn Sie ins Bett gehen.

Was ist wenn ich mal wenig schlafe?

Wenn man den Schlaf reduziert, fallen zunächst Teile des Leichtschlafes weg. Deshalb kann man seine volle Leistungsfähigkeit noch nach nur 5-6 Stunden Schlaf ausschöpfen. Eine geeignete Nachtruhe variiert allerdings zwischen 7 und 8 Stunden und ist zu Beginn der Nacht von langen Tiefschlafphasen gekennzeichnet. Die Tiefschlafabschnitte ermöglichen es, uns zu erholen und weiterhin auch zu Lernen. Für unsere Gesundheit ist Schlaf von großer Bedeutung. Er stärkt unser Immunsystem und trägt so dazu bei, möglichst viele Krankheiten von uns fernzuhalten.

Der Schlaf und das Lernen

Schlafen ist auch wichtig, um unser Gehirn zu verbessern, also Informationen zu verarbeiten und somit zu lernen. Im Tiefschlaf werden viele Informationen in das Langzeitgedächtnis übergeführt und abgespeichert. Das hat einen besonderen Grund. Während wir wach sind werden die uns ständig umgebenen aktuellen Reize verarbeitet. Wenn nun auch noch langfristige Informationen verarbeitet werden müssten, so würde diese Verarbeitung, der aktuellen Informationen im Weg stehen, da beide Reizformen an der gleichen Stelle des Gehirns vorübergehend abgespeichert werden.

Vorerst werden also die Informationen vom Tag temporär abgespeichert. Wenn wir dann eingeschlafen sind werden sie jedoch neu aktiviert und ein Teil der Informationen gelangt von einem zwischenzeitlichen Speicher des Gehirns, in einen Langzeitspeicher. Man könnte den Schlaf also als eine Art Transformator für erlangte Informationen ansehen.

Was gelangt in den Langzeitspeicher?

Ganz besonders werden emotionale Informationen und Informationen, über die wir bereits ein Vorwissen haben, in das Langzeitgedächtnis transferiert. Spezielle Lerninhalte wie etwa Vokabeln, Daten oder auch mathematische Regeln, können gut abgespeichert werden.

Viele Menschen kennen das sicherlich noch aus der Schulzeit. Man hat wieder einmal zu spät mit dem Lernen angefangen und sitzt am Abend vor den Vokabeln.

“ Besser lernen mit Gehirntraining

Nachdem man zu müde ist um noch weiter zu lernen, hat man sich bei weitem noch nicht alle Vokabeln eingeprägt. Man ging ins Bett. Und es erschien fast jedes Mal wie ein Zauber – als man dann aufstand, waren nahezu alle Vokabeln abrufbar. Wir haben also im Schlaf gelernt.

Was für die Zukunft relevant ist wird abgespeichert

Ein Forscher der Universität Lübeck fand weiterhin heraus, dass wir vor allen Dingen Sachen im Langzeitgedächtnis abspeichern, die uns wichtig für die Zukunft erscheinen. In einem Experiment sollten die Probanden sich Wörter einprägen. Einer Gruppe der Probanden wurde daraufhin gesagt, dass die Wörter später nochmals abgefragt werden. Der anderen Gruppe hingegen nicht. Aus dem Ergebnis wurde ersichtlich, dass die Gruppe welcher vorher vermittelt wurde, dass die Wörter später abgefragt würden, besser abgeschnitten hat.

Wie Sie sehen, ist das Schlafen nicht nur so unglaublich wichtig dafür, dass wir am nächsten Tag wieder leistungsbereit sind. Er ist weiterhin erforderlich, damit wir gesund bleiben und noch sehr viele Dinge lernen können.

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Quellen:

Werner Stangls Arbeitsblätter, (2012), Der Schlaf-Grundlagen, http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SCHLAF/

Wieso ist Schlaf so wichtig?

Schlafforscher haben herausgefunden, dass die Menschen, die regelmäßig ungefähr acht Stunden in der Nacht schlafen eine ca. fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben. Wie wichtig ausreichender und „gesunder“ Schlaf ist, erforschen Wissenschaftler immer wieder aufs Neue, er wirkt sich aber in jedem Fall positiv auf unseren Alltag und unser Leben aus. Für unser physisches und psychisches Wohlbefinden ist eine erholsame Nacht mit ausreichendem Schlaf enorm wichtig. Im Schlaf verarbeiten wir unter anderem neu gewonnene Erfahrungen intensiver als am Tag. Wer nicht zu viel und nicht zu wenig schläft, nimmt leichter ab, dazu kommt,dass sich unsere geistige und körperliche Fitness verbessert. Zudem sorgt erholsamer Schlaf für ein gestärktes Immunsystem, seelische Ausgeglichenheit und bessere Organ- und Stoffwechselfunktionen.

Wie viel Schlaf braucht der Mensch?

Grundsätzlich lässt sich keine Faustregel für den „richtigen“ Schlaf finden. Jeder Mensch hat bezüglich Schlaf und Schlafrhythmus seine eigenen Bedürfnisse. Die durchschnittliche Schlafdauer bei Erwachsenen liegt zwischen sieben und neun Stunden pro Nacht – diese kann jedoch stark nach unten oder nach oben variieren.

Das Wichtigste für jeden Menschen ist, den Schlaf als erholsam zu empfinden, ohne dabei auf eine Normierung zu achten. Letztendlich ist entscheidend, wie fit man sich am Tag fühlt und ob man konzentriert arbeiten kann.

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Zum Weltschlaftag: 5 Gründe, warum Schlaf so wichtig ist

Im letzten Jahr untersuchten Forscher das weltweite Schlafverhalten. Fazit: Deutschland liegt in puncto Schlafdauer unterhalb des Durchschnitts. Schlafexperten empfehlen 7 bis 9 Stunden Schlaf, typabhängig natürlich. Jede halbe Stunde zusätzlicher Schlaf steigert die Leistungsfähigkeit und Konzentration tagsüber um ein erhebliches. Warum also vernachlässigen so viele Deutsche das Thema Schlaf? Keine Zeit, Stress, viel zu tun … Alles keine Ausreden! Nachfolgend die wichtigsten Gründe, warum Schlaf nicht unterbewertet werden sollte:

Immunsystem

Forscher in Großbritannien und den Niederlanden haben vor kurzem die weißen Blutzellen von Menschen mit gesundem Schlaf und Menschen mit Schlafentzug untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei Schlafentzug deutliche Veränderungen im Immunsystem eines Individuums gibt. Personen, die mindestens 7 Stunden pro Nacht schlafen, können besser Infektionen bekämpfen und sind somit weniger krank.

Gewicht

Die Medizinische Universität von Wisconsin untersuchte den Zusammenhang zwischen Schlaf und Gewichtszunahme/ -verlust. Fazit: Menschen, die weniger schlafen, haben im Durchschnitt ein höheres Gewicht als Menschen, die ausreichend schlafen. Ein Grund dafür liegt darin, dass die Leute mit wenig Schlaf wenig Leptin, dafür aber mehr Ghrelin im Blut haben. Beide Hormone kontrollieren die Nahrungsaufnahme. Ein ausreichender Schlaf kann also helfen, ein gesundes Körpergewicht zu erhalten.

Schmerztherapie

Die empfohlene Menge an Schlaf trägt zur Schmerzlinderung bei. Forscher haben entdeckt, dass eine gute Nacht mit ausreichend Schlaf eine Schmerzbehandlung mit Medikamenten sinnvoll ergänzen kann. Schmerzen mit Schlaf zu bekämpfen ist natürlich viel gesünder für den Körper, da es ein natürliches Heilmittel ist.

Herzkrankheit

Medizinische Studien belegen, dass ein Mangel an Schlaf mit einer erhöhten Herzfrequenz verbunden ist. Eine niedrige Herzfrequenz ist jedoch wichtig, um den Blutdruck niedrig zu halten und eine unnötige Herzbelastung zu vermeiden.

Kognitive Funktion

Das menschliche Gehirn braucht Schlaf, um „seinen Akku aufzuladen“. Ohne Schlaf verlieren Menschen ihre Leistungsfähigkeit und leiden an Konzentrationsschwäche. Jodi A. Mindell, PhD Professor für Psychologie an der Universität St. Joseph’s, bestätigt: „Schlafmangel beeinflusst unser Denken. Es beeinträchtigt die Aufmerksamkeit, die Auffassungswahrnehmung sowie die Entscheidungsfindung.“

Kürzlich veröffentlichte Daten besagen, dass ein Mangel an Schlaf die gleiche Wirkung wie Betrunkenheit auf den menschlichen Körper hat. Die Studie zeigt, dass Wachsamkeit und Konzentration nach 17 Stunden Schlafentzug mit einer 0,05% Blutalkoholkonzentration gleichzusetzen sind. Nach 24 Stunden ohne Schlaf erhöht sich diese Zahl auf 0,1%.

Nach diesen ganzen Fakten, vielleicht ist es gar keine schlechte Idee am Samstag einfach noch für ein Weilchen im Bett liegen zu bleiben. Oder am Sonntagmorgen, oder am Montagmorgen, oder … 😉

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Der kleine Magnus* verzieht das Gesicht. Kräftig. Seine Mutter nimmt ihn hoch, tröstet ihn. Er schreit. Sie versucht, ihn mit Worten zu beruhigen. Er schreit. Sie streichelt ihm den Rücken. Er schreit. Wie immer hilft nur das eine. „Stört es Sie?“, fragt Maria Müller, 32, leise. Nein. Sie legt Magnus auf ihren Schoß. Schlagartig ist er ruhig. Er weiß: Jetzt gibt’s die Brust. Ziel erreicht.

„Es ist das Einzige, was ihn beruhigt“, erzählt Maria Müller. „Nur so schläft er.“ Magnus ist 16 Monate alt. Läuft, brabbelt. Ein ganz gewöhnliches Kleinkind. Aber er schläft kaum. Im Schnitt neun Stunden täglich, das ist wenig für ein Kind seines Alters (siehe Grafik). Nur selten schafft er mehr als zwei Stunden am Stück. Dann ist er wach, auch mitten in der Nacht. Schreit. Manchmal ist er da putzmunter, will spielen. Das kann dann zwei Stunden lang gehen – und treibt Maria Müller und ihren Mann Ben, 31, zur Verzweiflung. Die Nerven liegen blank, manchmal werden da auch die Eltern lauter. „Ich versuche, mich zu beherrschen“, sagt Maria Müller.

Manche Kinder halten nur Nickerchen

So wie den Müllers geht es vielen Eltern. Gut: Es gibt die Traum-Kinder, die in den ersten Wochen bis zu 19 Stunden täglich schlafen. Oder 16 Stunden, wenn sie zwei Jahre alt sind, durchaus mit längeren Schlafphasen am Stück. Und dann gibt es die anderen. Die, die gar nicht erst einschlafen wollen. Und ganz schnell wieder aufwachen – und wach bleiben. Die praktisch nur Nickerchen halten. Und ihre Eltern gar nicht zur Ruhe kommen lassen.

Jedes fünfte Kind leidet unter Schlafstörungen. Das heißt, es braucht länger als 30 Minuten zum Einschlafen und wacht öfter als einmal pro Nacht auf. Das kann viele Gründe haben, und wer will, kann dazu die gesammelten Erkenntnisse aus 30 Studien im „Handbuch Kinderschlaf“ (Schattauer Verlag, 44,95 Euro) auf 342 Seiten nachlesen, einem Medizin-Fachwerk.

Die Herausgeber, der Kinder- und Jugendarzt Dr. Alfred Wiater sowie der Psychiater Prof. Gerd Lehmkuhl, haben – außer möglichen Erkrankungen, die ein Arzt feststellen muss – noch eine andere wichtige Ursache für Schlafstörungen von Kindern gefunden: die Eltern. Deren Verhalten trägt „häufig zu einem längeren Anhalten der Schlafprobleme der Kinder bei“, schreiben sie – da die Kinder „keine Unterstützung bei der Erlangung angemessener Schlafgewohnheiten“ erhalten. Will heißen: Eltern müssen Kindern das Schlafen beibringen.

Aber wie? Maria Müller weiß: „Wir haben unserem Kind das Verhalten angewöhnt.“ Sie suchte Rat – und ging zum kbo-Kinderzentrum München in Großhadern, einer Anlaufstelle für Familien, die Schlafstörungen plagen. Dort helfen Ärzte und Psychologen in einer Schreibaby-Ambulanz. Die Kinder- und Jugendärztin Dr. Margret Ziegler, 48, leitet diese Stelle, die sogar ein kostenloses Krisentelefon für Eltern von Schreibabys eingerichtet hat mit der Rufnummer 0800-71 00 900. Besetzt ist es mittwochs, freitags und am Wochenende jeweils von 19 bis 22 Uhr, derzeit rufen sieben Eltern pro Monat an. Wenn gar nichts mehr geht bei den Eltern, weil sie etwa der Schlafentzug irgendwann aggressiv macht, werden die kleinen Schreihälse sogar mal über Nacht in einer Kinderklinik aufgenommen – damit Mama und Papa Kraft schöpfen können.

So weit war es bei Magnus und seinen Eltern nie. Aber sie kamen in die Ambulanz, dort haben die Ärzte den Bub untersucht. Krankheiten können ein Grund für Schlafstörungen sein. Sind sie behoben, sollten die Kinder wieder normal schlafen können. Magnus hat als Säugling normal geschlafen. Mit einer Bronchitis im Januar fingen dann die Probleme an. „Oft frage ich mich: Was hat denn dieses Kind bloß?“, gibt Maria Müller zu, wenn sie versucht, Magnus zu beruhigen. Ist er immer noch krank? Nein, das schlossen die Ärzte aus. Magnus hat eine nichtorganische Schlafstörung. Nun sollen die Müllers bei einem Psychologen lernen, wie das Kind besser schläft. Magnus könnte zum Beispiel einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus haben. Andere Kinder haben einfach Albträume.

So viel ist bei Magnus schon raus: Er ist ein Wenig-Schläfer. Neun Stunden reichen ihm. „Der Schlafbedarf ist sehr individuell“, sagt die Ärztin Ziegler. Manche Kinder brauchen eben weniger Gesamtschlaf. Die Differenz ist von Kind zu Kind sehr groß, das zeigt das „Handbuch Kinderschlaf“. Kinder im Alter von ein und zwei Jahren schlafen 14 beziehungsweise 13,2 Stunden – im Schnitt. Dahinter steckte bei beiden Altersgruppen eine Bandbreite von 11 bis 16 Stunden. Vier Prozent der Kinder liegen sogar drunter oder drüber.

Magnus mit seinen neun Stunden zählt dazu – was aber nicht schlimm ist. Denn er ist tagsüber glockenwach. „Wir waren anfangs besorgt, ob es Auswirkungen auf ihn hat, dass er so wenig schläft“, erzählt seine Mutter. Doch ihr Sohn ist tagsüber weder weinerlich noch schlecht drauf. Problematisch wird es, wenn schlafgestörte Kinder tagsüber unter Müdigkeit leiden. Magnus empfindet die oft nicht einmal nachts – für ihn kein Problem. Für die Eltern schon. „Nachts nur zweimal aufwachen, das wär’s“, seufzt Müller.

Manchmal kommt es knüppeldick für Magnus’ Eltern – zum Beispiel, wenn sie auswärts bei den Schwiegereltern schlafen. „Da hat er die ganze Nacht nie länger als 15 Minuten geschlafen.“ Ein Extremfall. Meistens kommt Maria Müller auf fünf Stunden Schlaf. Das muss reichen.

Ziegler kennt das. Zu ihr kommen Eltern, denen ihre Kinder nur drei bis vier Stunden gönnen – Tag für Tag. Die Folge: Sie werden im Schlafrhythmus gestört – oft sogar im Tiefschlaf. Und das geht über Monate. Das heißt: „Die Eltern haben am Tag nicht genug Kraft.“ Und: „Durch Schlafmangel können sogar aggressive Gefühle wie Wut gegen das Kind entstehen.“ Und werden im schlimmsten Fall am Kind ausgelassen.

Ziegler sieht vor allem in Großstädten eine weitere Bürde: „In einer Stadt wie München ist es seltener, dass Großeltern in der Nähe sind. Die Eltern haben dann oft niemanden, der ihnen hilft.“ Das ist auch bei Müllers der Fall – Oma und Opa wohnen in einer anderen Stadt. Ben Müller, der im Schichtdienst arbeitet, und seine Frau müssen es alleine schaffen.

Den Rat, sich Hilfe zu holen, haben die Müllers bereits im Januar bekommen. „Wir wollten es alleine versuchen“, erzählt Maria Müller. Sie sprach mit anderen Eltern, las Bücher. Fast ein Jahr lang ging das so. Erst im Dezember kamen sie ins Kinderzentrum. Nichts Neues für die Kinderärztin. Wer zu ihr kommt, versucht häufig schon seit Monaten, dem Kind das Schlafen beizubringen. Oft spielt Scham eine Rolle: „Die Eltern sind verzweifelt, weil sie das Gefühl haben zu versagen.“ Bei vielen führe das zu „echtem Leidensdruck“. Den will die Ärztin den Betroffenen nehmen.

Eines müssen Kinder vor allem lernen: alleine einzuschlafen. Das durchzusetzen, fällt vielen Eltern schwer. „Ich glaub, er braucht zum Schlafen unsere Nähe“, sagt Maria Müller über Magnus. Ist sie nicht da, „dann weint er so bitter, dass er kaum Luft kriegt“. Dann kommen die Kullertränen, dann schlägt er die Hände vors Gesicht. Schreien lassen? Kommt nicht in Frage für Müller – auch wenn sie weiß, dass das nicht immer richtig ist. „Wir sind weiche Eltern.“ Professor Lehmkuhl nennt das „inkonsequentes Erziehungsverhalten“. Die Folge: Kinder weigern sich, ins Bett zu gehen, und können nicht ein- und durchschlafen. Das Ziel bei den Müllers ist klar: „Wir wollen, dass er künftig alleine einschläft.“ Richtig so, meint Ziegler. „Wenn das Kind es abends kann, dann kann es das in der Regel auch, wenn es mal kurz in der Nacht aufwacht.“

Das Eheleben darf nicht kopfstehen

Um das zu lernen, braucht Magnus eigene Einschlaf-Rituale. Für ihn ist klar: Gibt’s die Brust, ist Zeit zu schlafen. Das funktioniert auf Dauer nicht – weil es von den Eltern abhängt. „Kinder mit Schlafstörungen haben in der Regel keine eigenen Einschlafstrategien“, sagt Ziegler. Sie können sie aber lernen – sofern sie älter als sechs Monate sind. Dafür brauchen sie andere Dinge, die ihnen Routine bringen: das Einkuscheln in eine bestimmte Decke oder den Teddy neben sich. Andere Gewohnheiten müssen abgeschafft werden: zum Beispiel, dass das Kind nachts Essen fordert. Das aber, so betont die Ärztin, gehe nur in Schritten.

Hinzu kommt: Sind die Eltern nervös, merkt das Kind das. Und kann nicht schlafen. Eltern müssen dem Kind laut Ziegler diese Sicherheit geben: „Ich trau’ dir das zu, ich bin für dich da.“ Auch Streit der Eltern kann das Kind aus dem Rhythmus bringen. Das ist bei Müllers kein Problem. Trotzdem schlafen sie getrennt – weil Magnus den Platz vom Papa im Bett eingenommen hat. Die Kinderärztin bestätigt, dass es nicht grundsätzlich falsch sei, wenn Kinder bei den Eltern schlafen. Das Eheleben darf aber nicht auf den Kopf gestellt werden.

Familie Müller will sich die Ratschläge im Kinderzentrum zu Herzen nehmen. Die Eltern wissen, dass es noch ein langer Weg ist. Wütend auf ihr Kind sind sie nicht. „Er kann doch nichts dafür“, sagt Maria Müller. Magnus schlummert bereits seit einer halben Stunde selig an ihrer Brust. Müller will aufstehen und ihn ins Bett bringen. Ein Fehler: Der Bub wacht auf. Er schreit kurz, dann steht er putzmunter auf. „Also nur ein Nickerchen“, sagt seine Mutter. „Vielleicht schläft er ja am Nachmittag länger.“ Magnus steht neben ihr und strahlt sie an. „Mama“, brabbelt er. Die lächelt: „Solche süßen Momente überwiegen. Dann ist alles vergessen.“

(* Namen der Familie geändert)

Von Katrin Martin

Wieviel Schlaf brauchen Kinder? Eine Übersicht und Tipps aus der Schlafforschung

Das abendliche ins Bett gehen ist in vielen Familien ein tagtägliches Marthyrium. Es wird getrödelt, gequengelt und um jede 5 Minuten hin- und hergefeilscht. Morgens sind die Kids müde und die Laune oft im Keller. Die meisten Eltern haben das Gefühl, ihre Kinder kommen zu spät ins Bett und haben somit zu wenig Schlaf. Aber wieviel Schlaf brauchen Kinder wirklich in welchem Lebensalter? So kannst Du feststellen, ob deine Kinder genug Schlaf bekommen.

Die Faustregeln: So viel Schlaf brauchen Kinder

Wieviel Schlaf Kinder brauchen, ist tatsächlich sehr individuell. Das bestätigt auch Prof. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Uni Regensburg. Dennoch gibt es gewisse Richtwerte, an denen man sich orientieren kann. Demnach sollten Kinder unter 6 Jahren pro Nacht noch mindestens elf Stunden schlafen. Erst ab dem Grundschulalter sind zehn Stunden und weniger ausreichend. Allerdings sollte man auch Rücksicht auf die unterschiedlichen Schlaftypen nehmen, denn die sind auch schon bei Kindern recht ausgeprägt. Dazu unten mehr. Generell git:

Kleinkinder

  • 2 Jahre: ca. 13 Stunden
  • 3 Jahre: ca. 12 Stunden

Kindergartenkinder

  • 4 Jahre: ca. 11,5 Stunden
  • 5 Jahre: ca. 11 Stunden

Grundschulkinder

  • 6 Jahre: ca. 10,75 Stunden
  • 7 Jahre: ca. 10,5 Stunden
  • 8 Jahre: ca. 10,25 Stunden
  • 9 Jahre: ca. 10 Stunden
  • 10 Jahre: ca. 9,75 Stunden

Ältere Schulkinder und Teenager

Generell kann man sagen: Je jünger das Kind, desto mehr Schlaf braucht es.

Wieviel Schlaf brauchen Kinder und schläft mein Kind genug?

Wie findet man nun heraus, ob ein Grundschüler genug schläft? Man lässt ihn am Wochenende oder in den Ferien so lange schlafen, wie er will, und vergleicht diese Ruhezeiten mit denen an Wochentagen. Dieses Experiment machten der Freiburger Schlafforscher Ulrich Rabenschlag und sein Team vor mehr als zehn Jahren mit 1000 Grundschulkindern aus Freiburg und rund 7000 Grundschulkindern aus dem gesamten Bundesgebiet.

Ihr Ergebnis: Innerhalb der Schulwoche finden Kinder ein bis zwei Stunden weniger Schlaf als in der Ferienzeit und am Wochenende. Schon eine Stunde weniger Schlaf jedoch, das haben auch israelische Schlafforscher herausgefunden, kann erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Kindern haben. Ihre Aufmerksamkeit lässt schneller nach.

Die Folgen: Sie sind öfter nervös, ängstlich oder haben sogar Probleme mit Mitschülern.

Eine unguter Zustand also, der Erwachsenen beileibe nicht fremd ist. Je länger wir wach sind, desto mehr nimmt unser Schlafbedürfnis zu, wir werden schlaftrunken. Eine treffende Beschreibung. Denn „nach 24 Stunden ohne Schlaf verhalten wir uns wie mit einem Promille Alkohol im Blut, inklusive Selbstüberschätzung“, sagt Jürgen Zulley.

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Diese unterschiedlichen Schlaftypen gibt es

  • Langschläfer
  • Kurzschläfer
  • Morgentypen, auch „Lerchen“
  • Abendtypen, auch „Eulen“

Bei Experminenten haben Forscher festgestellt, dass der menschliche Körper selbst ohne natürliches Licht oder sonstige Hinweise auf die wahre Zeit ungefähr im 24-Stunden-Takt bleibt. Ausnahmen: Frühaufsteher und Spätschläfer. Bei ihnen tickt die innere Uhr schneller beziehungsweise langsamer als bei den meisten Menschen.

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Von Eulen und Lerchen: Frühaufsteher und Langschläfer

Wissenschaftler gehen davon aus, dass rund ein Viertel aller Deutschen entweder ausgeprägte Früh- oder Spättypen sind. Sie nennen diese Typen Lerchen und Eulen. Lerchen wachen beim ersten Morgengrauen voller Elan auf, werden aber meist schon am frühen Abend träge. Eulen hingegen kommen nur schwer aus den Federn und in die Gänge, lassen aber am Ende des Tages umso eifriger die Puppen tanzen.

Ob, und wenn ja welcher dieser Fraktionen wir angehören, bestimmen auch unsere Gene. „Frühaufsteher gibt es genauso wie lustigere oder ruhigere Menschen. Das sind ganz normale Variationen“, sagt Jürgen Zulley. Das heißt, Eule, Lerche oder Normalschläfer sind wir von Geburt an. Allerdings geht Ulrich Rabenschlag, Freiburger Kinderpsychiater und Gründer der ersten deutschen Kinderschlaf-Ambulanz davon aus, dass sich Eulen und Lerchen frühestens ab dem 8. Lebensmonat und etwa bis zum 3. Geburtstag herausschälen.

Übrigens: „Umerziehen“ lässt sich der Schlaftyp nicht. Denn die jeweilige Eigenschaft ist im Wesentlichen genetisch vorgegeben. Es lässt sich aber schon beobachten, dass Kinder in jungen Jahren zur Lerche tendieren würden und in der Pubertät dann eher zur Eule, erklärt Schlafforscher Zulley. „Außerdem gibt es einen gewissen Lernanteil. Wenn Vater und Mutter Eulen sind, gehen die Kinder automatisch später ins Bett.“, so Zulley weiter.

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