Schilddrüsenunterfunktion schwanger werden

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Schwangerschaft & Schilddrüsenentzündung

Etwa 6% der Frauen haben eine genetische Veranlagung, an einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung zu erkranken. Bei etwa 8% der Frauen vor den Wechseljahren (Klimakterium) lassen sich im Blut die für die Hashimoto-Thyreoiditis typischen Abwehrstoffe (MAK, TAK) nachweisen. Nach den Wechseljahren haben sogar etwa 16% der Frauen diese Antikörper im Blut. Gelangen sie über den Mutterkuchen (Plazenta) in das Blut des Kindes, kann sich beim Neugeborenen eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln.

Levothyroxin kann Entzündung stoppen

Frauen mit einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung haben ein etwa 3-mal so hohes Risiko wie gesunde Frauen, dass sie ihr Kind durch eine Fehlgeburt verlieren. Dieses Risiko ist vermutlich unabhängig davon, ob die Schilddrüsenhormon-Werte normal sind oder nicht. Sind diese geringer als normal, sollten die Frauen Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) einnehmen. Während der Schwangerschaft benötigen Frauen mehr Schilddrüsenhormone, die Dosis muss deshalb meist um 25-50% erhöht werden.

Doch auch wenn die Hormonwerte normal sind, können schwangere Frauen mit Hashimoto-Schilddrüsenentzündung von einer Levothyroxin-Einnahme profitieren: Die Schilddrüsenhormone scheinen auch bei normalen Schilddrüsenwerten zu verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet. Experten empfehlen daher auch Schwangeren ohne Schilddrüsenunterfunktion, Levothyroxin einzunehmen, wenn Antikörper gegen Schilddrüseneiweiße (TAK, MAK) im Blut nachgewiesen werden.

Auch das ungeborene Kind benötigt Jod

Zusätzlich zu ihrem eigenen Bedarf muss die Schwangere ihr ungeborenes Kind ausreichend mit Jod versorgen. Oft reicht der Jod-Gehalt der normalen Ernährung für die Mutter und ihr Kind nicht aus. Schwangere brauchen täglich etwa 230 Mikrogramm Jod pro Tag. Diese Menge können die meisten Frauen über die Ernährung nicht aufnehmen. Frauenärzte empfehlen Schwangeren daher, ab der 10.-12. Schwangerschaftswoche täglich 100-200 Mikrogramm Jod in Form von Jodtabletten zu sich zu nehmen. Nimmt die Schwangere nicht genügend Jod zu sich, kann sich das Kind im Mutterleib nicht richtig entwickeln. Bei der Mutter kann sich ein Kropf (Struma) bilden.

Leidet eine schwangere Frau mit Hashimoto-Schilddrüsenentzündung unter einer Unterfunktion der Schilddrüse, ist die Versorgung ihres Kindes mit Jod nicht sichergestellt. Experten empfehlen diesen Patientinnen, Jod einzunehmen, auch mit dem Risiko, dass sie möglicherweise eine Schilddrüsenüberfunktion entwickeln oder sich die Entzündung verschlimmert. Doch die Jodversorgung des ungeborenen Kindes ist in diesem Falle wichtiger.

Ob sich die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung mit der Jodtherapie verschlimmert, kann der Arzt an den MAK- bzw. Anti-TPO-Werten erkennen. Er wird daher regelmäßig Blut abnehmen, um die Werte zu kontrollieren. Zusätzlich sollten etwa alle 2 Monate die Schilddrüsenhormonwerte bestimmt werden.

Postpartale Schilddrüsenentzündung

Frauen, die gerade ein Kind geboren haben, haben ein erhöhtes Risiko für eine Schilddrüsenentzündung. 6-24 Wochen nach der Geburt entwickeln etwa 4% der Wöchnerinnen eine so genannte Post-Partum-Thyreoiditis. Die Schilddrüsenentzündung führt in den ersten 2 Monaten häufig zu einer Überfunktion der Schilddrüse, die dann nach etwa 6-8 Monaten in eine Unterfunktion übergeht. Es kann jedoch auch zunächst eine Unter- und später eine Überfunktion auftreten. Bei einer Unterfunktion verschreibt der Arzt Schilddrüsenhormone. Eine vorübergehende Überfunktion kann mit Betablockern behandelt werden.

Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis sollten regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen, am Anfang etwa alle 4-8 Wochen. Nimmt die Patientin wegen einer Schilddrüsenunterfunktion Schilddrüsenhormone (Levothyroxin) ein, kann nach etwa einem halben Jahr das Medikament probeweise abgesetzt werden. In den meisten Fällen normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion ein Jahr nach der Geburt wieder. Doch etwa 10% der Frauen mit einer postpartalen Thyreoiditis entwickeln eine chronische Hashimoto-Schilddrüsenentzündung. Einmal jährlich sollte der Arzt daher bei diesen Frauen Schilddrüsen- (TSH, T3 und T4) und Antikörperwerte (MAK, TRAK) kontrollieren und eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse durchführen.

Schwanger werden mit Hashimoto’s und Schilddrüsenunterfunktion

Wie sich Hypothyreose auf die Fruchtbarkeit auswirkt

Schilddrüsenhormone wirken auf alle Körperzellen und sind notwendig für nahezu alle Körperfunktionen.
Sie beeinflussen sowohl die weibliche als auch männliche Fortpflanzungsfähigkeit – die richtige Balance der Schilddrüsenhormone und ein gesundes Immunsystem bestimmen den Erfolg schwanger zu werden.

Schilddrüsenhormone und die Fertilität

Schilddrüsenhormone spielen eine wichtige Rolle in allen Phasen der Reifung der Eizelle und Spermien, sowie im Überleben der befruchteten Eizelle (1-3).
Das T3 Hormon trägt zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bei und ist somit entscheidend für die erfolgreiche Implantration der befruchteten Eizelle (Zygote). Außerdem hilft T3 der Zygote bei ihrer Wanderung entlang der Eileiter in die Gebärmutter, wo sie sich einpflanzen wird (1-4).

Eine unteraktive Schilddrüse stört den Stoffwechsel des Hormons Östrogen und führt zu erhöhten Werten von Testosteron, Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Luteinisierendes Hormon (LH). Dies ändert den Rhythmus des Eisprungs und kann unregelmäßige Monatszyklen auslösen (5).

7 von 10 Frauen mit nicht-diagnostizierter Hypothyreose haben unregelmäßige Menstruationszyklen. Nach der Diagnose, und nach Beginn einer Therapierung mit Levothyroxin, pendelt sich die Menstruation bei 5 von 10 Frauen in regelmäßigen Zyklen ein (6).

Etwa 4 von 10 Frauen, die Schwierigkeiten haben schwanger zu werden, leiden unter subklinischer Hypothyreose (7).
Bei Männern kann eine unteraktive Schilddrüse die Beweglichkeit der Spermien reduzieren, zu abnormaler Spermienform führen, und den Spiegel von Testosteron und anderen Geschlechtshormonen senken (8-10).

Hashimoto-Thyreoiditis und Fruchtbarkeit

Mit einer Hashimoto’s Diagnose und erhöhten Werten von TPO und TG Antikörpern verdoppelt sich das Risiko der Fertilitätsprobleme (7, 11).
Mangels Forschung in diesem Bereich gibt es weiter viele Unbekannte – jedoch beobachten einige Studien, dass erhöhte Antikörperwerte zu Schwierigkeiten beim Schwanger werden führen.

Künstliche Befruchtung, Schilddrüsenhormone und Hashimoto-Thyreoiditis

Bei Methoden der künstlichen Befruchtung, wie In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), injizieren sich Frauen hochdosiert Geschlechtshormone um die Reifung von Eizellen in den Eierstöcken zu stimulieren.

Diese ovarielle Stimulation bewirkt einen raschen Anstieg des Hormons Östrogen, welches den Bedarf an T3 und T4 erhöht und damit die Schilddrüse massiv belastet. Nimmt man gleichzeitig Levothyroxin ein, muss die Dosis erhöht werden, um diesen plötzlichen und hohen Bedarf an Schilddrüsenhormonen zu decken (12, 13). Außerdem sollte, am besten noch bevor Beginn der Behandlung, der TSH Spiegel unter 2.5mIU/L gehalten werden (14).

Was kann helfen?

Gemeinsam mit deiner medizinischen Betreuung kannst du die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen (15-20):

  1. Bevor du versuchst schwanger zu werden, lass deine Schilddrüsenfunktion überprüfen und testen, ob du Hashimoto-Thyreoiditis hast

  2. Lass dich auf die richtige medizinische Dosis einstellen und halte deine TSH Werte unter 2.5mIU/L.

  3. Halte deine Vitamin D Werte in einem guten Bereich durch tägliche Einnahme von 37.5-50.0μg (1500-2000 IE)

  4. Ausreichende Einnahme von Selenium: täglich 200mcg

  5. Ändere deinen Lebensstil, um TPO und TG Antikörper zu reduzieren. Deine Ernährung sollte entzündungshemmend gestaltet sein, und körperliche Aktivität wird das „Glückshormon“ Serotonin erhöhen.

Mehr Informationen findest du auf unserer Website, und in der BOOST Thyroid App kannst du die Gesundheit deiner Schilddrüse verwalten.

Die BOOST Thyroid App ist in Englisher Sprache für iPhones erhältlich.

Schwangerschaft und Schilddrüse

Während der Schwangerschaft sollte man besonderes Augenmerk auf die Schilddrüse legen: Schilddrüsenerkrankungen können neu auftreten und bekannte Schilddrüsenerkrankungen müssen öfter kontrolliert werden.

Was passiert mit der Schilddrüse in der Schwangerschaft?

Von Beginn der Schwangerschaft an steigt bei der Mutter der Bedarf an Schilddrüsenhormon, da das Baby ja mitversorgt werden muss. Das Schwangerschaftshormon Beta-hCG stimuliert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Für die Bildung von Schilddrüsenhormon braucht der Körper Jod, daher steigt auch der Jodbedarf. Es ist in dieser Zeit außerdem ganz normal, dass sich die Schilddrüse ein bisschen vergrößert. Die gesunde Schilddrüse kann sich diesen Gegebenheiten anpassen.
Besonders bis zur 12. Schwangerschaftswoche ist das Baby von der Schilddrüsenhormonproduktion der Mutter abhängig. Erst dann kann das Baby selbst geringe Mengen Schilddrüsenhormon produzieren. Der Regelkreis zur Steuerung der Schilddrüsenhormonproduktion beim Kind ist aber erst Wochen nach der Geburt voll ausgereift.

Ich bin schwanger und muss plötzlich Schilddrüsenhormone nehmen – warum?

Die gesunde Schilddrüse kommt mit den besonderen Anforderungen der Schwangerschaft problemlos zurecht.
Besteht jedoch schon vor der Schwangerschaft eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Schwäche in der Hormonproduktion, die man ohne Schwangerschaft vielleicht gar nicht bemerkt hätte, braucht die Schilddrüse Unterstützung. Mithilfe von Schilddrüsenhormontabletten wird das heranwachsende Baby so mit lebensnotwendigem Schilddrüsenhormon versorgt, das Sie selbst eventuell nicht in ausreichender Menge bilden können.

Schilddrüsenunterfunktion und schwanger – was nun?

Wenn Sie bereits vor der Schwangerschaft Schilddrüsenhormontabletten eingenommen haben, dürfen Sie diese keinesfalls nach Eintreten einer Schwangerschaft absetzen. Bereits um die 8. Schwangerschaftswoche wird die Schilddrüse kontrolliert: Im Ultraschall wird die Größe der Schilddrüse und die Aktivität der Entzündung beurteilt und anhand der Blutwerte die Schilddrüsenfunktion ermittelt. So kann Ihr Schilddrüsenarzt bereits in der Frühschwangerschaft (falls nötig) die Medikamentendosierung anpassen. Danach sind meist engmaschige Kontrollen der Schilddrüsenblutwerte notwendig.

Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse kann in der Schwangerschaft jederzeit durchgeführt werden

Morbus Basedow und schwanger – was nun?

Wenn Sie Morbus Basedow haben und schwanger sind, sollten Sie am besten gleich einen Termin beim Schilddrüsenspezialisten vereinbaren. Regelmäßige Kontrollen und entsprechende Anpassungen der Medikamente sind während der Schwangerschaft immer wieder erforderlich.

Soll ich in der Schwangerschaft Jod nehmen?

Besonders zu Beginn der Schwangerschaft steigt bei der Mutter der Bedarf an Schilddrüsenhormon, zur Produktion wird Jod benötigt. Bei manchen Schwangeren mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse können Nahrungsergänzungsmittel mit Jod zwar den Krankheitsverlauf beschleunigen, die Vorteile für das Baby überwiegen aber fast immer.
Nur bei aktivem Morbus Basedow mit Überfunktion und einzelnen Patientinnen mit Hashimoto-Thyreoiditis ist ein Nahrungsergänzungsmittel ohne Jod besser. Fragen Sie am besten Ihren Schilddrüsenarzt.

Darf ich in der Schwangerschaft Schilddrüsenmedikamente nehmen?

Ja, im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten. Bei manchen Frauen sind Schilddrüsentabletten in der Schwangerschaft sogar unbedingt notwendig – natürlich nur nach ärztlicher Empfehlung und in der richtigen Dosierung.
In der Schwangerschaft gelten im Labor andere Zielbereiche. Die Schilddrüsenblutwerte müssen also nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch richtig interpretiert werden. In dieser Zeit ist daher eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Frauenarzt und dem Schilddrüsenexperten wichtig.

Wie wirken die Schilddrüsenmedikamente auf das Baby?

Schilddrüsenhormontabletten, die man bei Unterfunktion einnimmt, wirken genauso wie das im Körper der Mutter produzierte Schilddrüsenhormon: Das enthaltene Thyroxin (T4) wird ab Beginn der Schwangerschaft über die Plazenta zum Baby transportiert – so lange, bis dieses selbst genug Schilddrüsenhormon produzieren kann.
Thyreostatika, die man bei Überfunktion einnimmt, werden während der gesamten Schwangerschaft über die Plazenta zum Baby transportiert. Es sind engmaschige Blutkontrollen notwendig, keinesfalls dürfen gleichzeitig Schilddrüsenhormontabletten eingenommen werden. Thyreostatika dürfen während der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem betreuenden Schilddrüsenspezialisten abgesetzt werden.

In der Gebärmutter wächst das Baby und wird von der Plazenta mit Nährstoffen versorgt

Ist die Schilddrüsenerkrankung gefährlich für das Baby?

Eine unbehandelte Schilddrüsenfunktionsstörung in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für eine Fehlgeburt. Wenn das heranwachsende Baby zu wenig Schilddrüsenhormon bekommt, kann die geistige und körperliche Entwicklung beeinträchtigt sein.
Aber keine Sorge: Ist die Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft gut eingestellt, besteht keine Gefahr für das Baby. Lassen Sie die Schilddrüse regelmäßig kontrollieren und nehmen Sie die Schilddrüsenmedikamente so ein, wie es Ihr Arzt empfohlen hat.

Was passiert mit der Schilddrüse nach der Schwangerschaft?

Nach der Entbindung sinkt der Bedarf an Schilddrüsenhormon. Die gesunde Schilddrüse fährt ihre Hormonproduktion ganz von alleine wieder hinunter. Bei einer gestörten Schilddrüsenfunktion hingegen ist es nötig, die Medikamentendosis entsprechend anzupassen. Durch die hormonelle Umstellung nach der Entbindung kann es zum Beispiel in der Stillzeit außerdem zu vorübergehenden Funktionsschwankungen kommen, die erkannt und richtig behandelt werden müssen.

Autoimmunerkrankungen sind in der Schwangerschaft weniger aktiv als sonst. Nach Geburt kommt es regelmäßig zu einer Verschlechterung. In den ersten Monaten nach Entbindung wird durch Zellzerfall einige Wochen lang vermehrt Schilddrüsenhormon ins Blut ausgeschüttet und es kann zu einer meist einigen Wochen dauernden Überfunktion kommen, die dann recht schnell in eine Schilddrüsenunterfunktion übergehen kann. Es ist manchmal nicht ganz einfach, diese Post partum Thyreoiditis gegen einen beginnenden Morbus Basedow abzugrenzen.

Wenn Sie während der Schwangerschaft Schilddrüsentabletten nehmen müssen, wird Ihr Arzt Ihnen bei der letzten Kontrolle vor der Geburt sagen, in welcher Dosierung Sie die Medikamente bis zur Entbindung und gleich danach einnehmen sollen und wann wieder eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion notwendig ist.

Kinder begleiten gerne ihre Mütter zur Schilddrüsenuntersuchung

Schilddrüsenunterfunktion – Kinderwunsch

Latente Schilddrüsenunterfunktion: Kinderwunsch ebenfalls oft unerfüllt

Viele Frauen haben zwar einen erhöhten TSH-Wert im Blut, aber (noch) normale Blutspiegel an Schilddrüsenhormonen. Mediziner nennen dies eine latente Schilddrüsenunterfunktion. Kinderwunsch-Probleme können auch dann schon auftreten und nicht erst, wenn ein Mangel an Schilddrüsenhormonen nachweisbar ist.

Hormonmessungen und Suche nach Antikörpern

Die Messung der Schilddrüsenwerte gehört bei jeder Patientin, die nicht schwanger werden kann, zur Basisdiagnostik. Bestimmt werden der basale TSH-Wert sowie die Blutspiegel der freien Schilddrüsenhormone Thyroxin (fT4) und Trijodthyronin (fT3).

Außerdem kann der Arzt das Blut auf Antikörper gegen die Schilddrüse untersuchen. Der Nachweis solcher Schilddrüsenautoantikörper (TPO-Antikörper oder TAK) spricht für eine Hashimoto-Thyreoiditis. Diese Autoimmunerkrankung verursacht eine chronische Entzündung der Schilddrüse und ist die häufigste Ursache einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen dem Arzt, ob und welche Störung der Schilddrüse als Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit infrage kommt. Handelt es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion, wird er eine Substitutionstherapie einleiten: Der Mangel an Schilddrüsenhormonen wird durch die tägliche Einnahme von Hormontabletten ausgeglichen. Bei ausreichend substituierter Hypothyreose können dann auch Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion schwanger werden.

Kinderwunsch und Schilddrüse

Schilddrüse und Fruchtbarkeit

Die Schilddrüse beeinflusst die Fruchtbarkeit. Besteht eine Schilddrüsenüberfunktion (zu niedriges TSH) oder Schilddrüsenunterfunktion (zu hohes TSH), kann das zu Zyklusstörungen führen: Bleibt die Regelblutung zeitweise oder vollständig aus, ist die Fruchtbarkeit herabgesetzt, und die Chancen für eine Schwangerschaft verringern sich.
Kommt es trotzdem zur Empfängnis, ist bei einer unbehandelten Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion das Risiko für eine Fehlgeburt besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten erhöht. Schilddrüsenhormone spielen in der Schwangerschaft eine wesentliche Rolle bei der geistigen und körperlichen Entwicklung des Babys – und zwar schon ab dem Zeitpunkt der Befruchtung.

Ich bin Schilddrüsenpatientin und möchte schwanger werden.

Selbstverständlich können auch Schilddrüsen-Patientinnen genauso wie andere Frauen schwanger werden. Sie sollten allerdings ihre Schilddrüsenfunktion vor und während der Schwangerschaft regelmäßig kontrollieren lassen und die Schilddrüsenmedikamente wie vom Arzt empfohlen einnehmen.
Wenn Sie bereits wegen einer Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenunterfunktion in Behandlung sind und jetzt schwanger werden wollen, sollten Sie einen Termin bei Ihrem behandelnden Schilddrüsenarzt vereinbaren. Dieser kontrolliert, ob die Schilddrüsenblutwerte im geeigneten Bereich liegen oder ob die Medikamentendosierung angepasst werden muss, um optimale Bedingungen für eine Empfängnis zu schaffen: Bei einer Unterfunktion ist es vielleicht nötig, etwas mehr Schilddrüsenhormon einzunehmen. Die richtige Dosis Schilddrüsenhormone trägt dazu bei, dass sich das wachsende Baby gut entwickelt. Bei einer Überfunktion versucht man, die zugrundeliegende Krankheit so zu behandeln, dass die Einnahme von Thyreostatika während der Schwangerschaft nicht mehr nötig ist bzw. nur ganz geringe Mengen eingenommen werden müssen.

Informationen für Schilddrüsenpatientinnen mit Kinderwunsch sind wichtig

Unerfüllter Kinderwunsch – muss man die Schilddrüse behandeln?

Die Schilddrüse kann eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch sein. Bei jeder Frau mit unerfülltem Kinderwunsch sollte daher auch die Schilddrüse untersucht werden. Liegt eine Schilddrüsenfunktionsstörung vor, muss diese entsprechend erkannt und behandelt werden.
Viele unserer Patientinnen wurden vom Gynäkologen im Rahmen der Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch zur Schilddrüsenuntersuchung überwiesen. Bestätigt sich der Verdacht der Schilddrüsenfunktionsstörung, empfehlen wir eine passende Therapie und begleiten Patientinnen auch während der Schwangerschaft. Aber auch bei einer Hormongabe oder einer künstlichen Befruchtung kann es nötig sein, die Schilddrüse regelmäßig zu kontrollieren, um eine stabile normale Schilddrüsenfunktion zu gewährleisten. In dieser Zeit ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Schilddrüsenarzt und Gynäkologen wichtig.

Gerne betreuen wir Ihre Schilddrüse nicht nur bei Kinderwunsch, sondern auch während der Schwangerschaft

Nahrungsergänzungsmittel bei unerfülltem Kinderwunsch und Schilddrüsenerkrankung – mit oder ohne Jod?

Besonders in der Frühschwangerschaft steigt bei der Mutter der Bedarf an Schilddrüsenhormon, zur Produktion wird Jod benötigt. Aber auch schon vor der Empfängnis sollten die Jodspeicher des Körpers gut aufgefüllt sein. Bei einigen Patientinnen mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse können Nahrungsergänzungsmittel mit Jod zwar den Krankheitsverlauf beschleunigen, die Vorteile für Empfängnis und Schwangerschaft überwiegen aber meist.
Nur in Einzelfällen (z.B. bei aktivem Morbus Basedow mit Überfunktion) ist ein Nahrungsergänzungsmittel ohne Jod besser. Die Jodzufuhr über die Ernährung spielt in der Regel keine Rolle. Fragen Sie dazu am besten Ihren Schilddrüsenarzt.

Mein TSH-Wert ist normal. Warum muss ich trotzdem Schilddrüsenhormon nehmen?

Generell gilt: Bei Frauen im gebärfähigen Alter soll der TSH-Wert unter 2.5 uU/ml liegen. Beim unerfüllten Kinderwunsch kann es aber sinnvoll sein, diesen Schilddrüsen-Zielwert niedriger anzusetzen. Oft finden sich bei Patientinnen mit Kinderwunsch nämlich nur ganz diskret ausgeprägte Schilddrüsenfunktionsstörungen.
Das bedeutet: Manche Menschen haben eine leichte Schilddrüsenfunktionsstörung, die man normalerweise nicht behandeln müsste und bei der sogar das TSH im Normalbereich liegt. Bei einzelnen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch jedoch kann diese leichte Schilddrüsenfunktionsstörung der Grund für die herabgesetzte Fruchtbarkeit sein. In dieser speziellen Situation kommt es bei einem Teil der Patientinnen zu einer Schwangerschaft, wenn man eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon einleitet.

Ich nehme Schilddrüsenmedikamente, werde aber nicht schwanger.

Zuerst muss untersucht werden, ob Ihre Schilddrüse richtig eingestellt ist: Ist das TSH im Normalbereich? Muss vielleicht die Dosis verändert werden, um einen niedrigeren TSH-Zielbereich zu erreichen? Fragen Sie am besten Ihren Schilddrüsenspezialisten.
Bei unerfülltem Kinderwunsch ist eine Schilddrüsenfunktionsstörung nur eine mögliche Erklärung von vielen. Zahlreiche andere Erkrankungen können die Fruchtbarkeit ebenfalls beeinträchtigen. Daher gibt es natürlich (leider) keine Garantie dafür, dass Sie durch eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon schwanger werden.

Wir arbeiten mit allen renommierten Kinderwunschzentren im Raum Wien eng zusammen, die Ursachen für unerfüllten Kinderwunsch sollten unbedingt von auf Kinderwunsch spezialisierten Gynäkologen abgeklärt werden.

Die Schild­drüse während der Schwan­ger­schaft

Daher vergrößert sich die Schilddrüse der Schwangeren, was in gewissem Maße ganz normal ist. Schon die alten Ägypter bewerteten die Zunahme des Halsumfangs als Schwangerschaftszeichen. Normalerweise treten Schilddrüsenfehlfunktionen in der Schwangerschaft nicht auf.

Sehr wichtig ist die ausreichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft, da der Jod-Bedarf pro Tag mit 200 Mikrogramm deutlich höher liegt als bei Nicht-Schwangeren. Eventuell ist nach Rücksprache mit dem Arzt sogar eine zusätzlich Gabe von Jod in Tablettenform notwendig, wenn der Bedarf über die Nahrung (jodiertes Speisesalz, Seefisch) nicht gedeckt werden kann.

Durch die ansteigenden Schwangerschaftshormone Östrogen und Humanes Choringonadotropin (HCG) verändern sich auch die Schilddrüsenhormonwerte. Daher reicht es zur Kontrolle der Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft nicht aus, nur das Hormon Thyroidea stimulierendes Hormon (TSH) der Hirnanhangsdrüse zu bestimmen, sondern es müssen die freien Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) im Blut gemessen werden. Außerdem können Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse stattfinden.

Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion, zum Beispiel durch ein zu starkes Wachstum der Schilddrüse oder knotige Veränderungen, dann muss dies zum Wohl des Kindes dringend abgeklärt werden. Wichtig ist, dass alle Schilddrüsenwerte sehr engmaschig überwacht werden, da sich durch das wachsende Baby auch der Schilddrüsenstoffwechsel stetig verändert. Die wichtigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Struma, auch Kropf genannt
  • „Post-Partum“-Thyreoiditis, Schilddrüsenentzündung nach der Entbindung

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Ursachen einer mangelnden Bildung von Schilddrüsenhormonen sind vielfältig. Die Gründe liegen meist in einer Schilddrüsenentzündung. Die Beschwerden einer Unterfunktion beginnen oft langsam, uncharakteristisch und schleichend. Bei vermehrter Müdigkeit, Verstopfung, Muskelschmerzen, verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und vermehrtem Kältegefühl ist das Vollbild einer Unterfunktion erreicht. Bei einer nicht behandelten Schilddrüsenunterfunktion kommt es häufig zu Empfängnisproblemen, sodass vor einer geplanten Schwangerschaft auf jeden Fall eine adäquate Therapie eingeleitet werden muss. Durch eine Schilddrüsen-Hormonbestimmung aus dem Blut können auch leichte Formen einer Unterfunktion festgestellt werden.

Therapie: Eine Unterfunktion kann sicher mit Schilddrüsenhormonen (Tabletten) behandelt werden und die Therapie schadet dem Kind in keiner Weise. Im Gegenteil, nur wenn die Therapie sofort nach Diagnose begonnen wird, besteht keine Gefahr für das Baby. Wird eine Frau schwanger, die bereits wegen einer Unterfunktion behandelt wird, so kann eine geringfügige Dosissteigerung der Medikamente erforderlich werden.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine überaktive Schilddrüse und eine vermehrte Produktion an Schilddrüsenhormonen beruht in der Schwangerschaft zumeist auf der sogenannten Basedow-Krankheit. Aber auch schon vorher bestehende überaktive Schilddrüsenknoten können Auslöser sein. Frauen, die an einer Überfunktion der Schilddrüse leiden, haben meist kein Problem, schwanger zu werden. Daher ist es wichtig, vor einer geplanten Schwangerschaft, den Schilddrüsenhormonhaushalt zu normalisieren.

Eventuell sind im Vorfeld neben der medikamentösen Therapie auch eine Operation oder eine Radiojodbehandlung zu erwägen, denn beide Therapien können in der Schwangerschaft nicht mehr durchgeführt werden. Da sich in der Schwangerschaft auch die Abwehrlage der werdenden Mutter ändert, beobachtet man häufig ein Aufflammen von Autoimmunerkrankungen wie auch der Basedow-Krankheit in der Frühschwangerschaft. In der Spätschwangerschaft hingegen nimmt die Erkrankungsaktivität ab, manchmal heilt sie sogar aus, und die Therapie kann oft beendet werden.

Bei der Basedow-Krankheit handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper aus bisher nicht geklärten Gründen Antikörper gegen körpereigenes Gewebe produziert. Diese Antikörper stimulieren die Zellen der Schilddrüse und regen deren Vermehrung an, wodurch es zu einer gesteigerten Schilddrüsen-Hormonproduktion kommt. Da diese sich nicht am Bedarf des Körpers orientiert und sich durch körpereigene Signale nicht unterdrücken lässt, kann es zu Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, erhöhtem Pulsschlag, Schlaflosigkeit, vermehrter Darmtätigkeit, Nervosität und Müdigkeit kommen. Da diese Symptome zum Teil auch schwangerschaftsbedingt sein können, ist die Diagnosestellung manchmal schwierig.

Therapie: In der Schwangerschaft und auch Stillzeit können bestimmte lang erprobte Schilddrüsenblocker wie die Wirkstoffe Thiamazol und Carbimazol sicher gegeben werden. Da sie jedoch auch in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertreten, sollte die niedrigste notwendige Dosis unter engmaschigen Laborkontrollen gegeben werden. Eine Einnahme von Jod sollte auf keinen Fall erfolgen!

Post-Partum-Thyreoiditis

Dies ist eine Entzündung der Schilddrüse, die vier Prozent aller Frauen nach der Entbindung betrifft. Bei dieser Sonderform kommt es im Anschluss an die Geburt (post partum) bei der Mutter zu einer temporären Schilddrüsenunter- oder auch -überfunktion. Sie heilt im Allgemeinen ohne Folgen aus. Manchmal lassen sich auch hier Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen wie bei einer anderen chronischen Schilddrüsenentzündung, der Hashimoto-Thyreoiditis.

Struma (Kropf)

Ein Kropf ist eine gutartige, meist knotige Vergrößerung der Schilddrüse. Diese bildet sich meist aufgrund von Jodmangel: Liegt in der Schilddrüse zu wenig Jod zur Hormonproduktion vor, so versucht der Körper dies auszugleichen, indem übersteigert Schilddrüsenzellen gebildet werden. Diese sollen so lange wie möglich die Funktion der Schilddrüse aufrechterhalten. Somit vermehrt sich das Schilddrüsengewebe langsam und es kommt zum Kropf. Zur Diagnose werden Laborwerte, Ultraschalluntersuchungen und eventuell eine Szintigraphie herangezogen.

Therapie: Zur Vorbeugung einer Struma und auch zur Therapie werden zum einen Jod und zum anderen auch niedrig dosiertes Schilddrüsenhormon in Tablettenform verabreicht. Dadurch wird die Vergrößerung der Drüse gestoppt und nach einer gewissen Zeit sogar vermindert. Beide Medikamente sind in entsprechender Dosierung unbedenklich für das Ungeborene und sollten daher, wenn notwendig, auch eingenommen werden.

Jede Schilddrüsenstörung der Mutter gefährdet das Wachstum des Kindes und auch die Funktion der kindlichen Schilddrüse! Eine adäquate Therapie ist daher unumgänglich.

TSH bei Kinderwunsch

Der TSH-Wert ist ein wichtiger Parameter zur Bestimmung der Schilddrüsenfunktion. TSH wird von der Hirnanhangsdrüse produziert und spielt eine wichtige Rolle bei Kinderwunsch, da es die Bildung verschiedener Hormone anregt.

TSH-Normwerte

Die Normwerte für den TSH haben sich in den letzten Jahren verändert. Viele Labore arbeiten jedoch noch mit den veralteten Referenzwerten (0,4 – 4,0 mU/l). So liegt der Normbereich für die Kinderwunschbehandlung aktuell bei 0,5 – 2,0 mU/l. Bei Kinderwunsch sollte der TSH idealerweise um oder unter 1 mU/l liegen. Zusätzlich sollten immer auch die freien Schilddrüsenwerte T3 und T4 bestimmt und kontrolliert werden. Zum Ausschluss der Hashimoto-Thyreoiditis sollten auch die Antikörper Anti-TG (TAK) und Anti-TPO (MAK) bestimmt werden. Bei unerfülltem Kinderwunsch gehört die Bestimmung des TSH-Werts bereits zur Routine.

TSH in der Schwangerschaft

Für Schwangere galten früher TSH-Werte bis zu 4 bis 5 mU/l als normal, insbesondere wenn keine Schilddrüsenantikörper vorhanden waren. 2007 wurde dieser obere Grenzwert von einigen Fachgesellschaften für Schwangere, die schon unter einer T4-Behandllung standen, auf 2,5 mU/l herabgesetzt, da nachgewiesen wurde, dass Fehlgeburten bei Frauen mit einem TSH über 2,5 mU/l deutlich häufiger auftreten. Bei einer bekannten Schilddrüsenfunktionsstörung müssen die Werte in der Schwangerschaft regelmäßig kontrolliert werden. Es wird diskutiert, eine Routine-Untersuchung des TSH in der Schwangerschaft einzuführen.

Zu hoher TSH kann Ursache für Fehlgeburt sein

Ein zu hoher TSH kann sowohl durch eine Über- als auch durch eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorgerufen werden. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sind oft die freien Werte fT3 und fT4 erhöht, wohingegen der TSH-Wert der Norm entspricht. Schilddrüsenantikörper TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) sollten bei einer Untersuchung mitbestimmt werden, denn sie geben Auskunft über autoimmunologische Prozesse der Schilddrüse, wie beispielsweise bei Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow.

TSH bereits bei Kinderwunsch kontrollieren

Wird die Frau schwanger und es erfolgt keine Behandlung, so ist das Risiko für eine Fehlgeburt deutlich erhöht. Außerdem wird ein zu hoher TSH-Wert mit Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Lungenversagen beim Neugeborenen in Verbindung gebracht. Deshalb sollte die Einstellung der Schilddrüsenwerte bereits bei Kinderwunsch erfolgen. Bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten (habituellen Aborten) sollten die Schilddrüsenwerte überprüft werden. Daneben kann der niedrige TSH aber auch ein Grund für den unerfüllten Kinderwunsch sein, da die Eizellreifung gestört sein kann.

Ich sitze im Behandlungszimmer meines Endokrinologen und denke: Sch… Schilddrüsenüberfunktion! Denn seit Wochen geht es mir einfach nur schlecht: Herzrasen, Schlaflosigkeit, Zittern, Übelkeit, Stimmungsschwankungen, um nur einige der zahlreichen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion zu nennen. Auch an meiner langen Kinderwunschzeit war meine Schilddrüse nicht unbeteiligt. In diesem Beitrag will ich dir von meinen Erfahrungen mit meiner Schilddrüsenüberfunktion erzählen. Von meinen Symptomen, den Tests, meiner Behandlung und wie ich versuche, trotzdem möglichst gut damit zu leben.

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Schilddrüsenüberfunktion: Mich hat es erwischt!

Nach einer wirklich schlimmen Nacht mit starken Herzrhythmusstörungen habe ich mich bei meiner Hausärztin vorgestellt, die sehr schnell den Verdacht hatte, dass meine Schilddrüse für all diese Symptome verantwortlich sein könnte. Also ab zum Endokrinologen, Blut abnehmen und mich innerlich mit den vielen Fragen auseinandersetzen, die mir durch den Kopf schießen.

Da ich weiß, dass viele Leserinnen meines Kinderwunsch Blogs sich ebenfalls mit einer Schilddrüsenüberfunktion auseinandersetzen müssen, möchte ich kurz die Basics beschreiben und gleichzeitig weiter von meinen Erfahrungen berichten.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine Fehlfunktion der Schilddrüse, bei der die Schilddrüse zu viele Botenstoffe, die sogenannten Schilddrüsenhormone, ausschüttet. Genauer gesagt handelt es sich dabei um die Hormone Thyroxin (freies T4) und Trijodthyronin (freies T3), die sich in zu hoher Konzentration durch den Blutkreislauf bewegen und sehr viele Körperfunktionen wie beispielsweise den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag, den Zyklus, die Verdauung, aber auch dein seelisches Wohlbefinden beeinflussen. Nach all meinen Erfahrungen der letzten Jahre habe ich gelernt, dass man die Schilddrüse, die sich unterhalb deines Kehlkopfes befindet und wie ein Schmetterling geformt ist, nicht unterschätzen sollte. Sie ist an fast allen Körperfunktionen beteiligt und dementsprechend kann eine Über- oder auch Unterfunktion die Lebensqualität eines Menschen extrem einschränken.

Neben T3 und T4 spielt das Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) bei der Hyperthyreose eine wichtige Rolle. TSH wird im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse gebildet und stimuliert die Iodaufnahme und die Hormonbildung der Schilddrüse. Damit steuert TSH die Produktion der Schilddrüsenhormone und wird deshalb gerne zur Diagnoseerstellung bestimmt:

Dein Endokrinologe vermutet bestimmt eine Schilddrüsenüberfunktion, wenn bei dir ein zu niedriger TSH Wert und gleichzeitig eine Erhöhung deines freien T3 und /oder (nur eine Erhöhung ist ausreichend!) deines freien T4 im Rahmen einer Blutuntersuchung festgestellt werden konnte.

Eine erst beginnende (subklinische oder latente) Schilddrüsenüberfunktion liegt vor, wenn nur dein TSH erniedrigt ist, gleichzeitig aber deine freien T3 und T4 Werte noch im Normalbereich liegen.

Schilddrüsenwerte Normbereich

Bestimmt fragst du dich jetzt, welche Schilddrüsenwerte denn als „normal“ gelten. Aus diesem Grund findest du in der folgenden Tabelle einen Überblick über die Normbereiche der Schilddrüsenwerte. Bitte bedenke, dass die Normwerte von Labor zu Labor unterschiedlich sein können.

Wert Normbereich
TSH 0.34 – 4.82 uIU/mL
freies T3 (fT3) 2.3 – 4.2 pg/mL
freies T4 (fT4) 0.59 – 1.61 ng/dL

Schilddrüsenüberfunktion Werte

Wie können die Schilddrüsenwerte bei einer Schilddrüsenüberfunktion aussehen? Dazu möchte ich Dir einige meiner eigenen Werte vorstellen. Nach Wochen, an denen ich mich wirklich heftig krank gefühlt habe und der beginnenden Behandlung sahen meine Schilddrüsenwerte so aus:

Diagnose: Schilddrüsenüberfunktion. Mein TSH lag unterhalb des Referenzbereichs, meine freien T3 und T4 Werte über oder noch im Normbereich. Dieser Befund hat mich anfangs sehr verwirrt, weil ich nicht verstehen konnte, dass eine Schilddrüsenüberfunktion mit Werten im normalen Referenzbereich so starke Beschwerden machen kann. Meine freien T3 und T4 Werte waren schnell wieder „normal“, trotzdem habe ich mich sehr krank gefühlt. Erst der Austausch mit anderen Betroffenen hat mich verstehen lassen, dass ich hierin kein Einzelfall bin und dass es sehr viele Frauen und Männer gibt, deren Symptome aufgrund normaler Schilddrüsenwerte entweder nicht ernst genommen oder irgendeiner anderen Erkrankung zugeschrieben werden.

Schilddrüsenhormone: Normal bedeutet nicht immer optimal

Mittlerweile habe ich gelernt, dass es offenbar sinnvoll ist zwischen normalen und optimalen Schilddrüsenwerten zu unterscheiden. Hierbei geht es darum, dass normale Schilddrüsenwerte, also Werte, die im definierten Referenzbereich liegen, nicht unbedingt auch deine „Wohlfühlwerte“ sein müssen. Es gibt viele Patienten, die trotz vermeintlich normaler TSH oder freier T3 und T4 Werte an schilddrüsenbedingten Symptomen leiden. Offenbar sind die Normwerte der Schilddrüse ganz individuell verschieden und es ist ein wichtiger Schritt herauszufinden, welche Werte Du ganz persönlich brauchst, um dich wohl zu fühlen.

Als generelle Formel habe ich bei vielen Betroffenen die Empfehlung gefunden, dass sich das freie T3 in der oberen Hälfte des normalen Referenzbereiches befinden sollte, das freie T4 ungefähr in der Mitte des von deinem Labor angegebenen normalen Referenzbereiches.

Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüse ist ein kleines und deshalb oft komplett unterschätztes Organ. Ihr Einfluss auf fast alle deine Organe führt bei einer Überfunktion zu einer langen Liste an möglichen Symptomen.

  • Herz: Die Hormone der Schilddrüse haben Einfluss auf dein Herz-Kreislauf-System. Mögliche Symptome einer Überfunktion sind deshalb ein beschleunigter Puls, Herzrasen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck (Hypertonie).
  • Nervensystem: Die Schilddrüsenüberfunktion beeinflusst dein Zentralnervensystem und führt zu zitternden Händen, Muskelschmerzen, Unruhe, Stimmungsschwankungen, Bewegungsunruhe und Schlafstörungen. Auch ein schnelles Schwitzen ist charakteristisch für eine Schilddrüsenüberfunktion.
  • Psyche: Dein seelisches Wohlbefinden gerät aus dem Gleichgewicht und deine Fähigkeit dich zu konzentrieren kann nachlassen. Du bist innerlich unruhig, nervös oder aggressiv, die Angst zieht bei dir ein und kann zu Panikattacken oder gesteigerter Schreckhaftigkeit führen. Es fällt dir schwer dich zu entspannen, vielmehr bist du leicht irritierbar, schwach und schreckhaft. Auch deine Fähigkeit dich zu konzentrieren ist eingeschränkt.
  • Haut, Haare, Nägel: Die Schilddrüse steuert auch das größte Organ des Menschen, die Haut und ihre Anhangsgebilde (Haare, Nägel). Bei der Schilddrüsenüberfunktion kommt es zu trockener, schuppender und juckender Haut, die Nägel werden brüchig, die Haare fallen vermehrt aus und werden strohig, glanzlos und sehr trocken. Die Nägel splittern oder brechen schneller ab, manchmal treten auffällige Längs- und Querfurchen auf.
  • Darm: Auch die Funktion des Darms wird von der Schilddrüse reguliert. Bei einer Überfunktion ist die Darmtätigkeit gesteigert, es kann zu Übelkeit, Appetitverlust, Gewichtsverlust, Blähungen und auch Durchfall kommen.
  • Knochen und Muskeln: Auch auf die knochenaufbauenden und knochenabbauenden Zellen hat die Schilddrüse Einfluss. Zu viele Schilddrüsenhormone im Blut fördern nicht nur den gesamten Stoffwechsel im Körper, sondern erhöhen auch den Calciumstoffwechsel im Knochen. Langfristig überwiegt der Abbau von Knochenmasse; es kann zu Osteoporose kommen.
  • Sexualität & Fruchtbarkeit: Die Schilddrüse steuert deine Lust auf Sex und spielt deshalb beim Thema Kinderwunsch eine entscheidende Rolle. Zudem reguliert sie die Reifung von Ei- und Samenzellen. Zyklusstörungen treten oftmals auf, die Fruchtbarkeit ist herabgesetzt.
  • Stoffwechsel: Durch den Einfluss der Schilddrüsenhormone auf deinen Stoffwechsel, kann die Schilddrüse für Gewichtsschwankungen verantwortlich sein. Den Impuls, wie schnell dein Stoffwechsel arbeitet, geht von deiner Schilddrüse aus.
  • Drüsen & Hormone: Hormone beeinflussen sich gegenseitig. Lebenswichtige Hormone wie Insulin, Kortison und Adrenalin sind direkt von den Schilddrüsenhormonen abhängig. Aus diesem Grund macht es oftmals Sinn auch die Funktion der Nebennierenrinde zu untersuchen.

Mir persönlich haben vor allem das Herzrasen und die Herzrhythmusstörungen sehr zugesetzt. Insbesondere am späten Abend und in der Nacht hatte ich oft das Gefühl, dass mein Herz jeden Moment aus meinem Brustkorb springt, so massiv und unregelmäßig schnell war es am schlagen. Zudem litt ich an Schlafstörungen. Auch wenn mir mein Kardiologe nach intensiven Untersuchungen bestätigt hat, dass mein Herz gesund ist, sind diese Symptome sehr unangenehm und führen zu der Angst einen Herzinfarkt zu erleiden. Generell sind bei der Hyperthyreose Gefühle der inneren Unruhe, diffuse Ängste und Panikattacken ein großes Problem und nicht selten werden Patienten fälschlicherweise mit Psychopharmaka behandelt oder einer Psychotherapie zugeführt.

Schilddrüsenüberfunktion: Ursachen

Welche Symptome bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, hängt vom jeweiligen Auslöser der Schilddrüsenüberfunktion ab:

  • Schilddrüsenautonomie: Die sogenannten „heiße Knoten“ sind fast immer gutartige Adenome, die eigenständig zu viele Schilddrüsenhormone produzieren.
  • Morbus Basedow: Bei Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Schilddrüse vom körpereigenen Immunsystem angegriffen wird. Dein Körper bildet Antikörper, die zu einer Aktivierung der Hormonproduktion führen.
  • Zu hohe Dosis an Schilddrüsenhormonen: Bei der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion oder eines Schilddrüsenkarzinoms kann es zu einer Überdosierung kommen.

Diese Ursachen für eine Überfunktion sind sehr selten:

  • Angeborene Überfunktion: Sehr selten ist eine Überfunktion der Schilddrüse genetisch bedingt (Veränderung des Erbgutes).
  • Anfangsphase einer Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis): Hierbei handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse, die durch das körpereigene Immunsystem hervorgerufen wird und die spontan abklingen oder in eine Unterfunktion der Schilddrüse übergehen kann.

In Deutschland ist meist eine autonome Funktionsstörung der Schilddrüse die häufigste Ursache der Überfunktion gefolgt vom Morbus Basedow.

Wie sieht die Behandlung aus?

Dein Endokrinologe wird dir drei Behandlungsmöglichkeiten einer Schilddrüsenüberfunktion vorstellen:

Medikamentöse Therapie

Die zu hohe Produktion von Schilddrüsenhormonen wird mit Schilddrüsenhemmern (Thyreostatika) eingeschränkt. Gebräuchliche Thyreostatika sind Carbimazol, Thiamazol und Propylthiouracil. Nachdem mit einer höheren Dosis die Normalisierung des Stoffwechsels erreicht wurde, wird dein Arzt versuchen dich auf eine niedrigere Erhaltungsdosis einzustellen. Begleitend werden bei Herzbeschwerden oftmals vorübergehend Beta-Blocker gegeben, um dem beschleunigten Herzschlag oder dem Zittern der Hände entgegenzuwirken.

Schilddrüsenüberfunktion Medikamente

Radiojodtherapie und Operation

Durch eine Operation und damit Entfernung der Schilddrüse oder durch eine Radiojodtherapie soll die Masse an aktivem Schilddrüsengewebe verringert werden. Allerdings kann es im Nachgang zu einer Schilddrüsenunterfunktion und damit zu der Notwendigkeit einer lebenslangen Therapie mit Schilddrüsenhormonen kommen. Viele Betroffene fürchten damit eine Erkrankung gegen eine andere einzutauschen und auch ich persönlich möchte eine Operation oder eine Radiojodtherapie unter allen Umständen vermeiden.

Alternative Wege

Während sich die Schulmedizin auf die beschriebenen 3 Wege der medikamentösen Therapie, der Operation oder der Radiojodtherapie beschränkt, gibt es viele Schilddrüsenpatienten, die versuchen mithilfe einer umfassenden Umstellung ihrer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten bessere Schilddrüsenwerte zu erzielen. Ich werde dir in weiteren Artikeln die verschiedenen Optionen zeitnah vorstellen.

Herzliche Grüße

Silke

Die Schilddrüse beeinflusst die Fruchtbarkeit

Eine Patientin wird mit dem Ultraschallgerät an der Schilddrüse untersucht. (01-10-12 © Enrico Fianchini / iStockphoto)

Frage: Welche Aufgaben erfüllt die Schilddrüse in unserem Körper?

Stulnig: Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist es, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 zu produzieren. Dafür benötigt sie das Spurenelement Jod, das wir aus der Nahrung aufnehmen müssen. Jod ist beispielsweise in Fisch oder jodiertem Speisesalz enthalten. Aus dem Jod produziert die Schilddrüse dann in genau dosierten Mengen Hormone, die im ganzen Körper wirken.

Die Schilddrüse wird über das Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon; der die Schilddrüse stimulierende Botenstoff; Anm.) von der Hirnanhangdrüse gesteuert, einer erbsengroßen Drüse, die in einer Vertiefung an der Hirnbasis liegt und wichtige Teile unseres Hormonsystems kontrolliert.Schilddrüsenunterfunktion

Frage: Welche Beschwerden können im Zusammenhang mit der Schilddrüse auftreten?

Stulnig: Prinzipiell muss man Funktionsstörungen der Schilddrüse – also Über- und Unterfunktion – von Knotenbildungen unterscheiden. Diese beiden Erkrankungen gehören zu den häufigsten.

Es gibt dazu auch Entzündungen der Schilddrüse. Diese können sehr langsam und chronisch verlaufen und sich dann in einer Schilddrüsen-Unterfunktion äußern. Entzündungen können aber auch relativ rasch auftreten und starke Schmerzen bereiten.

Frage: Kommen wir zu den Funktionsstörungen der Schilddrüse. Welche Symptome sind denn typisch für die Unterfunktion bzw. die Überfunktion?

Stulnig: Die Schilddrüsenunterfunktion zeigt sich oft in wenigen, typischen Symptomen, die jedoch erst bei starkem Fortschritt der Störung ersichtlich werden.

Aber es gibt auch Beschwerden, die man nicht unbedingt der Schilddrüse zuordnen würde, jedoch mit ihr in engem Zusammenhang stehen. Das können bei der Unterfunktion Müdigkeit, Leistungsabfall, Haarausfall, Zyklusunregelmäßigkeiten, Kältegefühl oder Verstopfung sein. Bei der Überfunktion wären dies unter anderem Herzklopfen, Herzstolpern, vermehrtes Schwitzen, weicher Stuhl bis hin zu Durchfall oder Gewichtsabnahme.

Frage: Um die Schilddrüse zu untersuchen, muss ja das Hormon TSH im Blut bestimmt werden. Jedoch existieren unterschiedliche Referenzbereiche. Manchmal ist eine obere Normwertgrenze des TSH von 4 – 4,5 mU/l angegeben, manchmal auch darunter. Immer wieder im Gespräch ist eine Absenkung der Normwertgrenze auf 2 – 2,5 mU/l. Bei Kinderwunsch sollte der TSH-Wert noch niedriger sein. Was gilt jetzt eigentlich?

Stulnig: Über das Hormon TSH, das von der Hirnanhanggdrüse gebildet wird, wird die Schilddrüse gesteuert. Insofern stellt der TSH-Wert einen guten Anker dar, wie viele Schilddrüsenhormone der Körper braucht, da er sie ja über das TSH anfordert. Der genaue Referenzbereich ist schon länger in Diskussion.

Die obere Grenze des Referenzbereichs liegt üblicherweise bei 4 mU/l, aber es stellt sich die Frage, ob TSH-Werte darunter nicht für den Patienten günstiger wären. Es gibt spezielle Situationen, in denen auf alle Fälle ein niedriger TSH-Wert anzustreben ist, ich denke da an Kinderwunsch und Schwangerschaft. Hier sollte man auf jeden Fall in Richtung 1,5 mU/l oder sogar darunter gehen, ansonsten halte ich Werte um 2,5 mU/l für optimal.

Frage: Warum müssen die TSH-Werte gerade bei Kinderwunsch und Schwangerschaft niedriger sein?

Stulnig: Die Schilddrüse hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Sowohl Über- als auch Unterfunktion können Zyklusstörungen verursachen, es kann sogar die monatliche Periode ausbleiben. Die Fruchtbarkeit ist dann stark eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden. Sollten betroffene Frauen dennoch schwanger werden, kommt es besonders bei der Unterfunktion gehäuft zu Fehlgeburten.

Bleibt ein Kinderwunsch also unerfüllt, sollte unbedingt die Funktion der Schilddrüse genau abgeklärt werden. Auch in der Schwangerschaft ist der TSH-Wert von großer Bedeutung. Werdende Mütter benötigen mehr Jod, denn der Hormonbedarf steigt automatisch in der Schwangerschaft. Bereits eine latente Schilddrüsenunterfunktion kann die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen.

Frage: Was bedeutet eine latente Schilddrüsenunterfunktion?

Stulnig: Von einer latenten Hypothyreose spricht man, wenn der TSH-Wert erhöht ist, aber die Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Normbereich sind. Auch das kann das ungeborene Kind negativ beeinflussen. Daher sollte von Beginn der Schwangerschaft an oder besser noch davor die Schilddrüsen-Funktion kontrolliert werden.

Frage: In einer aktuellen Meta-Analyse (BMJ 2011; 342:d2616) hat man festgestellt, dass ein Zusammenhang zwischen erhöhten Schilddrüsen-Autoantikörpern und vermehrten Fehl- bzw. Frühgeburten besteht. Was genau kann man sich unter Schilddrüsen-Autoantikörpern vorstellen?

Stulnig: Bei Schilddrüsen-Autoantikörpern handelt es sich um Auswirkungen einer Immunreaktion, die spezifisch gegen Bestandteile der Schilddrüse gerichtet sind.

Frage: Und wie beinflussen diese Schilddrüsen-Autoantikörper die weibliche Fruchtbarkeit?

Stulnig: In der aktuellen Meta-Analyse konnte gezeigt werden, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen erhöhten Schilddrüsen-Autoantikörpern und einer erhöhten Rate von Fehl- und Frühgeburten gibt. Der wirkliche Mechanismus dahinter ist bislang aber nicht geklärt und steht nach wie vor in Diskussion.

Man kann sich zwei Gründe vorstellen: einerseits könnte die Schilddrüse tatsächlich die Ursache sein. Erhöhte Antikörper können eine etwas geringere Schilddrüsen-Funktion sichtbar machen, das bedeutet, dass die Schilddrüse in einer Stresssituation, wie beispielsweise einer Schwangerschaft, mehr angetrieben werden muss, um noch genügend Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Die zweite Variante ist, dass die Schilddrüsen-Autoantikörper nicht unbedingt alleine auftreten, sondern Teil einer Immunreaktion darstellen, die auch gegen andere Teile des Körpers gerichtet ist. Somit wären die Schilddrüsen-Auto-Antikörper nur Anzeichen einer gewissen Reaktionsbereitschaft des Immunsystems.

Frage: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Stulnig: Bei der ersten Erklärung, also, dass die Schilddrüse die Ursache für die erhöhten Antikörper ist, können Schilddrüsen-Hormone helfen. Tatsächlich gibt es aber nur zwei kleinere Studien dazu, die eine Behandlung mit Thyroxin untersucht haben. Die Rate von Fehlgeburten war demnach vermindert.

Diese Studien darf man momentan nur als Hinweis deuten, dass bei Anwesenheit von Schilddrüsen-Auto-Antikörpern die Gabe von Schilddrüsen-Hormon günstig für den Verlauf der Schwangerschaft ist.. Es läuft aber gerade eine große randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie zu der Thematik.

Frage: Im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen ist keine routinemäßige Untersuchung der Schilddrüse während der Schwangerschaft vorgesehen. Warum ist das so?

Stulnig: Ich würde es mir wünschen, dass es im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen eine verpflichtende Untersuchung der Schilddrüsen-Funktion gäbe. Jeder Frau, die schwanger werden möchte, rate ich, diese Untersuchung selbstständig vornehmen zu lassen. So steigen ihre Chancen, schwanger zu werden: selbst wenn frau nur an einer minimalen Unterversorgung leidet und diese dann entsprechend behandelt wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig ist Internist und Hormon- & Stoffwechselexperte. Er leitet unter anderem die spezielle Bluthochdruck-Ambulanz und die Ambulanz für Fettstoffwechselstörungen und angeborene Stoffwechselstörungen am AKH Wien.

Zur Website von ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Stulnig

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Autoren:
Karin Jirku, Mag.a, Mag.a (FH)

Aktualisiert am: 01.01.2011 | 00:00

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Schilddrüse und Kinderwunsch

Die Schilddrüsenhormone sind wichtig für die Reifung der Eizelle. Ohne ausreichende Reifung kann der Eisprung eventuell nicht stattfinden. Sowohl die Überfunktion als auch die Unterfunktion können zu Zyklusstörungen führen und dadurch die Fruchtbarkeit einschränken. Schilddrüsenuntersuchung und Schilddrüsenhormonbestimmung wie fT3, fT4 und TSH sind bei Zyklusstörungen und Kinderwunsch unbedingt notwendig. Sollte eine Funktionsstörung der Schilddrüse bekannt sein, ist eine rasche Behandlung und engmaschige Kontrolle während der Schwangerschaft notwendig.

Bei bestehender Unterfunktion und Kinderwunsch sollte eine Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormon (Levothyroxin) begonnen werden. Das Ziel ist die Normalisierung der Schilddrüsenfunktion und idealerweise ein TSH-Spiegel rund um 1 µU/l.

Bei bestehender Überfunktion und kleineren Schilddrüse ist eine medikamentöse Therapie mit Tabletten zu empfehlen. Sollte bei der Überfunktion hingegen eine sehr große Struma vorliegen, ist eine operative Entfernung der Schilddrüse die erste Wahl. Danach wird das fehlende Schilddrüsenhormon lebenslang medikamentös (Levothyroxin) ersetzt.

Gründe für Unfruchtbarkeit: Warum die Schilddrüsenfunktion bei Kinderwunsch wichtig ist

Wer nicht schwanger wird, denkt nicht automatisch an den Hals als mögliche Ursache. Doch eine gesunde Schilddrüsenfunktion ist bei Kinderwunsch unablässig. Ist die Schilddrüse durch Unter- oder Überfunktion durcheinandergekommen, kann dies Auswirkungen auf eine zukünftige Schwangerschaft haben.

Eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann Grund für unerfüllten Kinderwunsch sein. Foto: Fuse, Thinkstock

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Von Julia Wohlgemuth

Schon jedes Kind weiss, dass Babys im Bauch der Mutter wachsen. Wenn es mit einer Schwangerschaft nicht klappen will, ist es deshalb nicht verwunderlich, wenn die Ursachen zunächst auch dort gesucht werden. Nicht immer sind jedoch die eigentlichen Fortpflanzungsorgane für einen unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich. Manchmal steckt das Problem im Hals und zwar in der Schilddrüse.

Die Schilddrüse ist für viele Stoffwechselvorgänge im Körper verantwortlich. Dies geschieht durch das Schilddrüsenhormon TSH (Thyreoidea Stimulierendes Hormon), das von der Schilddrüse ins Blut abgegeben wird. Steigt der TSH-Wert über eine bestimmte Grenze, bedeutet dies eine Unterfunktion der Schilddrüse. Bei zu niedrigem TSH-Wert kommt es zu einer Überfunktion. Beide Schilddrüsenfunktionsstörungen können eine ganze Reihe von Krankheiten hervorrufen. Die Liste ist lang und reicht von Gewichtsverlust über Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zu Rastlosigkeit und Schlafstörungen. Längerfristig kann eine unbehandelte Schilddrüsenfunktionsstörung zu Herzproblemen führen.

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann auch bei Kinderwunsch eine Rolle spielen. Die Schilddrüsenhormone und die Sexualhormone beeinflussen sich gegenseitig. Bei einer Fehlfunktion gerät der ganze hormonelle Haushalt aus dem Gleichgewicht und es kommt meist zu Zyklusstörungen. Dies kann sich beispielsweise darin zeigen, dass die Regelblutung sehr spät kommt oder ganz ausbleibt. Auch ein verkürzter Zyklus kann ein Hinweis auf ein gestörtes hormonelles System sein. Eventuell bleibt der Eisprung aus. Damit wird es schwierig für eine erwünschte Schwangerschaft.

Haben Sie Probleme damit, schwanger zu werden, sollte Ihr Frauenarzt auch die Funktionsfähigkeit Ihrer Schilddrüse sicherstellen. Dabei wird der TSH-Wert im Blut gemessen. In den meisten Fällen, in denen eine gestörte Schilddrüsenfunktion für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich ist, liegt es an zu hohen TSH-Werten und damit an einer Unterfunktion der Schilddrüse. Ihr Arzt wird Ihnen in diesem Fall Schilddrüsenhormone verschreiben, die dabei helfen, das hormonelle Gleichgewicht wieder herzustellen. In vielen Fällen kommt es dann zum ersehnten Wunschkind. Allerdings kann es durchaus einige Monate dauern, bis das Zusammenspiel der Hormone wieder richtig funktioniert.

Die männliche Fruchtbarkeit kann ebenfalls von einer Schilddrüsenfunktionsstörung betroffen sein, indem die Über- oder Unterfunktion zu Potenzproblemen führt. Zudem kann das Liebesverlangen stark vermindert sein. Allerdings ist bei Männern selten eine Störung der Schilddrüse der alleinige Grund für Sterilität. Meist steckt noch eine andere Krankheit dahinter.

Gestörte Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft

Nicht nur bei der Empfängnis spielt die Schilddrüsenfunktion eine Rolle. Kommt es während der Schwangerschaft zu Funktionsstörungen, kann dies zum Teil zu einem dramatischen Verlauf mit einem erhöhten Risiko auf Missbildungen des Kindes und Fehl- oder Totgeburten führen. Dies gilt insbesondere bei einer Überfunktion der Schilddrüse. Es handelt sich hierbei um eine Risikoschwangerschaft, die eine engmaschige Überwachung durch den Arzt notwendig macht. Hatten Sie bereits eine Fehlgeburt, sollte Ihr Arzt deshalb unbedingt auch Ihre Schilddrüsenwerte untersuchen, um bei einer weiteren Schwangerschaft eventuellen Risiken vorzubeugen.

Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse kann den Schwangerschaftsverlauf negativ beeinflussen. Haben Sie schon vor der Schwangerschaft Schilddrüsenhormone eingenommen, so wird Ihnen Ihr Arzt diese weiterhin verschreiben. So wird sichergestellt, dass sich Ihr Embryo gesund entwickeln kann, denn besonders für die Reifung des Gehirns ist ein normaler mütterlicher TSH-Wert wichtig.

Vergessen sollten Sie auch nicht, dass in der Schwangerschaft ein erhöhter Jodbedarf besteht. Jod wird zum Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt und ist von daher für die Entwicklung Ihres Babys sehr wichtig. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, aber auch wenn Ihre Schilddrüsenwerte normal sind, sollten Sie darauf achten, dass Sie genügend Jod zu sich nehmen, indem Sie beispielsweise viel Fisch essen oder mit Jod angereichertes Salz verwenden. Dies gilt allerdings nicht für eine Überfunktion der Schilddrüse. Hier sollten Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen, denn ein Zuviel kann Ihrem Baby schaden.

Weiterführende Links

Mehr Informationen finden sich auf den folgenden Websites:

  • Mit anderen Betroffenen können Sie sich auch in unserem Familienleben-Forum austauschen

von Prof. Dr. med. Hans Udo Zieren

SCHILDDRÜSE UND KINDERWUNSCH

Macht eine Schilddrüsenstörung unfruchtbar?

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch unternehmen nicht selten eine wahre Behandlungsodyssee. Die Ursachen für eine mögliche Unfruchtbarkeit müssen aber nicht zwingend im weiblichen oder männlichen Unterleib liegen. Wenn die Schwangerschaft ausbleibt, kann auch eine Störung der Schilddrüse vorliegen.

Sowohl eine Überfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) können die Empfängnis negativ beeinflussen und bewirken, dass das lang ersehnte Wunschkind ausbleibt. Denn die Schilddrüsenhormone steuern alle wichtigen Vorgänge im Körper, auch die Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Schilddrüsen- und Sexualhormone wie das Östrogen stehen miteinander in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Geraten die Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf die Eizellreifung und den Zyklus. Die betroffenen Frauen werden seltener schwanger. Kommt es trotzdem zur Empfängnis, führt insbesondere eine Überfunktion in den ersten Monaten häufig zu einer Fehlgeburt.

Insgesamt sind etwa zehn Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen von einer Schilddrüsenstörung betroffen.

Meist handelt es sich dabei um eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Auch schon diskrete oder schlafende Unterfunktionen (latente Hypothyreose) können sich negativ auswirken auf die Fruchtbarkeit auswirken. Schilddrüsenantikörper und Hashimoto-Thyreoiditis können bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch signifikant häufiger festgestellt werden als bei Frauen, die problemlos schwanger werden.

Ungewollte Kinderlosigkeit (Infertilität) liegt vor, wenn …

… nach 1 Jahr ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt (bei Frauen unter 35 Jahren).
… nach 6 Monaten ohne Verhütung keine Schwangerschaft eintritt (bei Frauen über 35 Jahren).
… eine Schwangerschaft nicht ausgetragen werden kann.

Eine Schilddrüsenuntersuchung ist angezeigt, wenn …

… in der Familie Schilddrüsenprobleme bekannt sind.
… eine unregelmäßige Periode besteht.
… nach 6 Monaten keine Schwangerschaft eintritt.

Eine Schilddrüsenuntersuchung sollte einen festen Platz in der Fertilitätsdiagnostik haben.

Welche Behandlungsmethoden bieten sich an?

Bei einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse wird von den meisten Endokrinologen eine großzügige Einstellung der Schilddrüsenhormone propagiert, deren Wert inzwischen auch wenig umstritten ist, da ein Zusammenhang zwischen subklinischer Hypothyreose und Infertilität bei Frauen nach Studiendaten wahrscheinlich ist und ein Zusammenhang mit Fehlgeburten gesichert. Die angestrebten Grenzwerte sind jedoch umstritten und in keiner Richtlinie eindeutig geregelt, empfohlen wird jedoch oft ein Grenzwert für das TSH von 2,5 mU/l. Im Falle von Schilddrüsenantikörpern gilt der weiter oben erwähnte Wert von 1,0 mU/

Die Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) wird durch die medikamentöse Gabe von Schilddrüsenhormonen behandelt. Die anzustrebenden Grenzwerte für die genaue Dosierung der Medikamente sind in der Fachwelt zum Teil umstritten. Normalerweise wird für das TSH ein Grenzwert zwischen etwa 1.0 bis 2,5 mU/l empfohlen.

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) wird zunächst durch Thyreostatika behandelt. Diese Medikamente können bei einer Schwangerschaft sehr schädlich für Mutter und Kind sein. Daher sollte vor einer möglichen Schwangerschaft eine definitive Sanierung der Schilddrüsenerkrankung erwogen werden, wobei sich bei den einzelnen Erkrankungen (Morbus Basedow, Autonomie) unterschiedliche Gesichtspunkte ergeben.

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