Schilddrüsenunterfunktion in der schwangerschaft

Inhalte

Hypothyreose

Synonyme oder assoziierte Erkrankungen

  • Schilddrüsenunterfunktion

Etwa 0,4% der Schwangeren sind von einer manifesten Hypothyreose (TSH erhöht, fT4 erniedrigt) betroffen und müssen behandelt werden. Häufigste Ursache ist eine Autoimmunthyreoiditis, wie z.B. die Hashimoto-Thyreoiditis. Auch nach Thyreoidektomie, Bestrahlung oder Radiojodtherapie kommt es zur Hypothyreose. Einige Arzneistoffe, wie z.B. Lithium, können ebenfalls zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Es ist seit langem bekannt, dass Jodmangel sowie eine manifeste mütterliche Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft die geistige Entwicklung des Kindes beeinträchtigen kann. Bei gut eingestellter mütterlicher Schilddrüsenfunktion konnten dagegen keine negativen Auswirkungen auf das ungeborene Kind nachgewiesen werden. Daher sollte eine Schilddrüsenunterfunktion möglichst frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.

Eine unbehandelte Hypothyreose kann ferner Ursache für eine unregelmäßige Menstruation, einen erhöhten Prolaktinspiegel und für Unfruchtbarkeit sein und ist mit einem höheren Risiko für Fehlgeburten und Frühgeburtlichkeit assoziiert; auch ein geringeres Geburtsgewicht und eine erhöhte perinatale Sterblichkeit beim Kind sind beschrieben. Kontrovers wird inzwischen diskutiert, ob es eine Assoziation zwischen Präeklampsie und Hypothyreose gibt.

Die Substitution einer manifesten Hypothyreose mit Thyroxin und eine ausreichende Jodversorgung (in der Regel 100-150 µg/d) sind essentiell für die Schwangerschaft.

Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft

Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen steigt in der Regel in der Schwangerschaft. Schilddrüsengesunde Frauen gleichen diesen Mehrbedarf durch eine gesteigerte Produktion von Schilddrüsenhormonen aus. Um bei hypothyreoten Schwangeren eine ausgeglichene (euthyreote) Stoffwechsellage zu erreichen, ist häufig eine Steigerung der Substitutionsdosis nötig. Mittel der Wahl ist Levothyroxin. Die fetale Schilddrüse beginnt Ende des dritten Schwangerschaftsmonats eigenständig zu arbeiten und ist erst zwischen der 18.-20. Schwangerschaftswoche voll funktionsfähig, so dass gerade bis dahin eine gute Einstellung der mütterlichen Schilddrüsenhormone wichtig ist.

Ob eine „latente” oder subklinische Hypothyreose (normaler fT4-Wert bei erhöhtem TSH-Wert) und eine Hypothyroxinämie (normaler TSH-Wert, verminderter fT4-Wert) in der Schwangerschaft zu einer Einschränkung der kognitiven Entwicklung der Kinder führt, ist mittlerweile umstritten. Ob mit Levothyroxin in diesen Situationen therapiert werden soll, wird kontrovers diskutiert.

85% der Frauen mit manifester Hypothyreose benötigen eine höhere Thyroxindosis in der Schwangerschaft. Im ersten Trimenon steigt der Thyroxin-Bedarf um ca. 30%, im 2. Trimenon ist meist eine weitere Dosiserhöhung erforderlich und zwar von 40-50% verglichen mit der Ausgangsdosis vor der Schwangerschaft. Zu empfehlen ist eine Einstellung nach Bestimmung der individuellen Werte. Eine Kontrolle wird alle 4-8 Wochen, sowie 4 Wochen nach einer Dosisanpassung empfohlen. Nach der Entbindung muss die Thyroxindosis auf das Niveau vor der Schwangerschaft reduziert werden und 4-6 Wochen später sollten die Schilddrüsenparameter (TSH, fT4) kontrolliert werden.

Mittel der Wahl

Thyroxin

Wir helfen Ihnen und Sie helfen uns

Viele Schwangere nehmen Medikamente während der Schwangerschaft ein. Kenntnisse zur Sicherheit von Arzneimitteln in der Schwangerschaft und damit letztlich auch die Qualität dieser Internetseite beruhen größtenteils auf der Auswertung von klinischen Erfahrungen.

Daher bitten wir Sie, wenn Sie diese Internetseite wegen einer konkreten Schwangerschaft lesen, uns Einzelheiten zu dieser Schwangerschaft einschließlich der verwendeten Medikamente mitzuteilen. Sie können dafür unseren Online-Fragebogen verwenden oder uns anrufen.

Auf diesem Wege können wir Sie auch individuell beraten, wenn Sie dies wünschen.

Hier finden Sie Angaben zum Datenschutz.

Die Beratung ist kostenlos.

Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft

Zusammenfassung

Schilddrüsenfunktionsstörungen können Fertilität, Schwangerschaftsverlauf und die kindliche Entwicklung ungünstig beeinflussen. Physiologische Veränderungen in der Schwangerschaft müssen von pathologischen Veränderungen der Schilddrüsenfunktion abgegrenzt werden.

Es handelt sich um eine Literaturrecherche (1990–2013) aus PubMed sowie um eine Auswertung der aktuellen Empfehlungen von Fachgesellschaften.

Es bestehen Trimenon-spezifische Unterschiede der Referenzwerte von TSH und T4 in der Schwangerschaft. Veränderungen der Schilddrüsenfunktion liegen in bis zu 15 % aller Schwangerschaften vor (0,4 % manifeste Hypothyreose, 0,1–0,4 % Hyperthyreose) und können zu vermeidbaren Komplikationen der Schwangerschaft und der Entwicklung des Kindes führen. Eine Hypothyreose erhöht das Risiko für Spontanabort, Früh- und Totgeburt, ferner für neurokognitive Defekte des Kindes, die auch bei einem gravierenden Jodmangel belegt sind.

In Ergänzung des Neugeborenenscreenings zur Früherkennung der angeborenen Hypothyreose (Inzidenz 0.03 %) sollte die Screening-Untersuchung auf Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft, insbesondere der Hypothyreose, fest in die Vorsorge nach den Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen werden. Bei Nachweis einer manifesten Hypothyreose ist unverzüglich eine Schilddrüsenhormon-Substitution einzuleiten. Bei latenter Hypothyreose sollte eine Schilddrüsenhormon-Therapie ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Eine Jodid-Supplementation ist bei allen Schwangeren und Stillenden zur Vermeidung einer fetalen bzw. neonatalen Hypothyreose und Struma zu empfehlen.

Einleitung

Während der Schwangerschaft kommt es zu physiologischen Veränderungen der Schilddrüsenfunktionsparameter, welche die Abgrenzung einer behandlungsbedürftigen Störung erschweren. Entsprechend kontrovers sind die Daten und Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlungsindikation einer Schilddrüsenfunktionsstörung in der Schwangerschaft. In verschiedenen Screening-Studien zeigte sich eine manifeste Hypothyreose bei etwa 0,4 % der Schwangeren, so dass alleine in Deutschland die Geburt und die Entwicklung von ca. 3500 Kindern pro Jahr durch eine gravierende mütterliche Schilddrüsenfunktionsstörung gefährdet sind.

Die vorliegende Arbeit fasst die verfügbare Evidenz entsprechend einer PubMed-Recherche (1990–2013) und die aktuellen Empfehlungen von Fachgesellschaften (Endocrine Society und American Thyroid Association) zusammen und bewertet Screening und Behandlung von Schwangeren mit Schilddrüsenfunktionsstörungen für Deutschland.

Physiologische Veränderungen der Schilddrüsenfunktionsparameter in der Schwangerschaft

Zur Interpretation von Schilddrüsenhormonparametern in der Schwangerschaft sind Kenntnisse physiologischer Veränderungen wichtig: Östrogen-induziert steigt die Konzentration des Thyroxin-bindenden Globulins (TBG) und hierdurch bedingt auch die Konzentration von Gesamt-Trijodthyronin (T3) und -Thyroxin (T4). Das Verteilungsvolumen der Schilddrüsenhormone nimmt zu, der T4-Metabolismus ist beschleunigt. Dies erklärt einen um bis zu 50 % gesteigerten Mehrbedarf an Schilddrüsenhormonen.

Der TSH-Referenzbereich ist bei Schwangeren im Vergleich zu Nicht-Schwangeren Frauen enger, mit einem physiologisch niedrigeren unteren und oberen Grenzwert. Dies hängt vor allem mit der partialagonistischen Wirkung des Schwangerschaftshormons Choriongonadotropin (HCG) am TSH-Rezeptor zusammen.

Methodische Schwierigkeiten in der Beurteilung der Schilddrüsenfunktion bei Schwangeren

TSH-Referenzbereiche für Schwangere sind für verschiedene Assays unterschiedlich, möglicherweise auch für verschiedene Populationen und lassen sich somit nicht allgemeinverbindlich festlegen. Beispielsweise wurden in der US-amerikanischen Studie von Haddow et al. Schwangerschafts-bezogene TSH-Referenzwerte von 0,1–5,2 mU/l im 1. Trimenon und 0,4–4,2 mU/l im 2. Trimenon ermittelt (5. bzw. 98. Perzentile). Wurden Schwangere mit positiven Thyreoperoxidase(TPO)-Antikörpern (Titer > 35 IU/ml) von der Analyse ausgeschlossen, lagen die TSH-Referenzwerte im 1. Trimenon bei 0,08–3,61 mU/l und im 2. Trimenon bei 0,39–3,71 mU/l. In der Studie von Stricker et al. wurden nach Ausschluss von Schwangeren mit TPO-Antikörpern trimenonspezifische TSH-Referenzbereiche von 0,09–2,8 mU/l im 1. Trimenon und 0,2–2,8 mU/l im 2. Trimenon berichtet (2,5. bzw. 97,5. Perzentile, Schwangere aus dem Raum Genf). In der Untersuchung von Panesar lagen die trimenonspezifischen TSH-Werte zwischen 0,03–2,3 mU/l im 1. Trimenon und zwischen 0,03–3,1 mU/l im 2. Trimenon (5. bzw. 95. Perzentile, Schwangere aus dem Raum Hong Kong). Basierend auf Ringversuchsdaten stehen in Deutschland zahlreiche TSH-Assays zur Verfügung (Ringversuch RfB 4/2013), wobei sich ca. 80 % der Proben auf TSH-Assays von 5 Herstellern konzentrieren.

Neben den Perzentilen-bezogenen Referenzwerten muss bei der Beurteilung der TSH-Werte die Korrelation mit Schwangerschaftsrisiken, insbesondere dem Frühabort berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund haben die Endocrine Society und die American Thyroid Association (ATA) Richtwerte für die Trimenon-spezifischen TSH-Werte formuliert, die zur Orientierung dienen sollen:

  • 1. Trimenon: 0,1–2,5 mU/l
  • 2. Trimenon: 0,2–3 mU/l
  • 3. Trimenon: 0,3–3 mU/l

Besondere Vorsicht ist bei der Interpretation der fT4-Werte geboten, da die fT4-Bestimmung in der Schwangerschaft mit gängigen Immunoassays störanfällig ist. Als alternative Strategien zur fT4-Bestimmung werden derzeit die Bestimmung des freien T4-Index oder die früher übliche Bestimmung des Gesamt-T4 diskutiert (unterer Referenzbereich im 2. und 3. Trimenon: T4-Wert Nicht-Schwangerer Frauen multipliziert mit 1,5). Der Laborbefund einer isolierten Hypothyroxinämie in der Schwangerschaft wird kontrovers diskutiert. Bislang gibt es keine überzeugenden Daten für eine Krankheitsrelevanz.

KURZGEFASST

In der Schwangerschaft gelten engere und niedrigere TSH-Referenzwerte, wobei Assay-spezifische Variationen beachtet werden müssen. Richtwerte, die lediglich zur Orientierung dienen können, sind ein TSH-Bereich von 0,1–2,5 mU/l im 1. Trimenon bzw. von 0,2–3 mU/l und 0,3–3 mU/l im 2. und 3. Trimenon.

Jodbedarf bei Schwangeren und Stillenden

Um die Mehrproduktion von Schilddrüsenhormonen zu gewährleisten und vor dem Hintergrund einer erhöhten Jod-Clearance, ist eine ausreichende Jodzufuhr während der Schwangerschaft unverzichtbar. Hierüber wird auch die Jodversorgung für die fetale Schilddrüsenhormonproduktion sichergestellt. Mehrere aktuelle Studien zeigen eine unzureichende Jodversorgung von Schwangeren. Beispielsweise wurde in der britischen ALSPAC-Studie (Avon Longitudinal Study of Parents and Children) ein milder bis moderater Jodmangel bei mehr als 50 % der Schwangeren beschrieben, ein Jodexzess hingegen lag lediglich bei < 10 % der Schwangeren vor. Dabei korrelierte der mütterliche Jodmangel während der Schwangerschaft mit einer geringen Absenkung des Gesamt-IQ um 3 Punkte bzw. einer niedrigeren Lesegenauigkeit um 2 Punkte bei Kindern im 8 bzw. 9 Jahres-Follow-Up.

Die WHO empfiehlt seit langem bei allen Schwangeren eine tägliche Zufuhr von 250 µg Jodid/Tag. Praktisch bedeutet dies eine Supplementation von etwa 150 µg Jodid/d (enthalten z. B. in Folsäure-Jodid-Kombinationspräparaten), zusätzlich zur Zufuhr über die Nahrung. Wichtig ist die Fortsetzung der Jodid-Supplementation auch in der Stillzeit, um die Versorgung des Neugeborenen sicherzustellen. Die WHO-Empfehlungen gelten unter den o. g. Zusammenhängen auch für Frauen mit Autoimmunthyreoiditis oder Hypothyreose.

KURZGEFASST

Alle Schwangeren und stillenden Mütter sollten eine Jodid-Supplementation von 150 µg Jodid/d erhalten.

Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft

Hypothyreose

Die Prävalenz der manifesten Hypothyreose in der Schwangerschaft liegt bei etwa 0,4 %, die der latenten Hypothyreose bei 3–10 %. Die wichtigsten Ursachen sind eine Autoimmunthyreoiditis, ein (nicht adäquat substituierter) Zustand nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie und eine iatrogene Hypothyreose unter thyreostatischer Therapie. Die Diagnose einer Autoimmunthyreoiditis beruht auf sonographischen Kriterien und dem Vorliegen von Schilddrüsen-Autoantikörpern (Titer oberhalb des Assay-spezifischen Cut-Offs), wobei TPO-Antikörper die höchste Sensitivität und Spezifität für eine Autoimmunthyreoiditis haben. TPO-Antikörper sind bei 5–10 % der euthyreoten Frauen im reproduktionsfähigen Alter nachweisbar. Etwa 20 % der Frauen mit Autoimmunthyreoiditis entwickeln eine latente oder manifeste Hypothyreose (aufgrund der Erfordernis der gesteigerten SD-Hormonproduktion) in der Schwangerschaft. Zusätzlich sind erhöhte TPO-Antikörper mit dem Auftreten einer Postpartum-Thyreoiditis assoziiert.

Risiken einer unbehandelten Hypothyreose für Mutter und Kind

Es besteht ein erhöhtes Risiko für Spontanabort sowie Früh- und Totgeburt. Dies scheint für die manifeste und die latente Hypothyreose zu gelten. Darüber hinaus wird für die Mutter ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie und Anämie diskutiert. Eine aktuelle Cochrane-Analyse konnte die Ergebnisse bzgl. der Präeklampsie aufgrund einer unzureichenden Datenlage jedoch nicht reproduzieren.

Mögliche Risiken für das Kind sind eine erhöhte Rate an Frühgeburtlichkeit, ein niedriges Geburtsgewicht, eine leicht erhöhte perinatale Sterblichkeit und eine fetale/neonatale Struma. Wichtigste und irreparable Komplikation der unbehandelten Hypothyreose in der Schwangerschaft ist eine Beeinträchtigung der neurokognitiven Entwicklung des Feten. Tierexperimentelle und epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass das fetale zentrale Nervensystem gegenüber einer maternalen Hypothyroxinämie besonders vulnerabel ist. Eine unbehandelte schwere Hypothyreose der Schwangeren kann beim Kind schwerwiegende neuro-kognitive Defekte verursachen. Ein um 3–4 Punkte geringerer IQ wurde auch bei der latenten Hypothyreose beobachtet; ob dieser aber unabhängig von einer Autoimmunthyreoiditis oder den T4-Werten auftritt, ist noch ungeklärt.

Hyperthyreose

Die Prävalenz der manifesten Hyperthyreose in der Schwangerschaft beträgt 0,1-0,4 %. Eine latente Hyperthyreose liegt in etwa 4 % der Schwangerschaften vor. Häufige Ursachen sind der Morbus Basedow und die Gestationshyperthyreose. Selten handelt es sich um eine Schilddrüsenautonomie oder eine Hyperthyreosis factitia.

Der Morbus Basedow wird durch TSH-Rezeptorantikörper verursacht, die plazentagängig sind und zu einer fetalen/neonatalen Hyperthyreose führen können. Eine fetale/neonatale Hyperthyreose kann somit auch bei schwangeren Basedow-Patientinnen mit Z. n. Radiojodtherapie oder Z. n. Schilddrüsenresektion auftreten, wenn deutlich erhöhte TSH-Rezeptorantikörper vorliegen. Die Gestationshyperthyreose ist eine durch die partialagonistische Wirkung von HCG-bedingte passagere, nicht-behandlungsbedürftige Hyperthyreose, die typischerweise im 1. Trimenon auftritt und selbstlimitierend ist.

Risiken einer unbehandelten Hyperthyreose für Mutter und Kind

Wie bei der Hypothyreose besteht ein erhöhtes Risiko für Spontanabort sowie Früh- und Totgeburt. Risiken für die Mutter sind Präeklampsie, Herzinsuffizienz und sehr selten eine thyreotoxische Krise. Risiken für das Kind sind neben der Frühgeburtlichkeit, ein geringes Geburtsgewicht und Fehlbildungen (u. a. Ventrikelseptumdefekt) sowie beim Morbus Basedow eine neonatale Hyperthyreose bzw. eine iatrogene Hypothyreose unter thyreostatischer Therapie.

Bei Patientinnen mit Morbus Basedow sollte vor Schwangerschaftseintritt eine Remission nach Absetzen der thyreostatischen Therapie bzw. Euthyreose nach Schilddrüsenablation gewährleistet sein. Bei bestehendem dringenden Kinderwunsch und M. Basedow sollte eine Schilddrüsenablation mittels Radiojod aufgrund der postinterventionell ansteigenden TRAK möglichst nicht durchgeführt werden. Eine TRAK-Bestimmung sollte im 2. Trimenon (22.–28. SSW) erfolgen, um das Risiko für die Entwicklung einer fetalen/neonatalen Hyperthyreose abzuschätzen. Bei TRAK-Werten > 2–3-fach des oberen Referenzbereichs wird ein Monitoring auf eine fetale/neonatale Hyperthyreose empfohlen.

Aktuelle internationale Empfehlungen zur Behandlung von Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft

Im Jahr 2012 wurden die überarbeiteten Empfehlungen der Endocrine Society zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft publiziert. Bereits 2011 erschienen die Empfehlungen der American Thyroid Association zur Schwangerschaft. Die Empfehlungen der beiden Fachgesellschaften sind in weiten Teilen kongruent:

  • Die Therapie der manifesten Hyperthyreose bei M. Basedow oder Schilddrüsenautonomie erfolgt im ersten Trimenon mit Propylthiouracil (PTU) und im 2. und 3. Trimenon mit Thiamazol/Carbimazol. Die Missbildungsrate ist unter Thiamazol in der Frühschwangerschaft erhöht, sodass auf die zeitlich begrenzte PTU-Therapie nicht verzichtet werden kann. Allerdings zeigen neue Auswertungen eines dänischen Registers auch ein erhöhtes Risiko unter PTU. Eine PTU-Therapie während der gesamten Schwangerschaft wird aufgrund des erhöhten Risikos eines PTU-induzierten Leberversagens nicht mehr empfohlen. Angestrebt wird eine Einstellung der (f)T4/T3-Werte in den oberen Referenzbereich, keinesfalls eine TSH-Normalisierung (Box ).
  • Eine latente Hyperthyreose wird nicht behandelt.
  • Die manifeste Hypothyreose in der Schwangerschaft muss unverzüglich behandelt werden. Es erfolgt ausschließlich eine Substitution mit Levothyroxin (LT4). Es sind ausreichend hohe LT4-Dosen (etwa 100–150 µg LT4/d bei TSH-Werten > 10 mU/l) erforderlich. Nachfolgende TSH-Kontrollen erfolgen im 4–6 wöchigen Abstand. Die Autoren empfehlen den TSH-Wert in den Trimenonspezifischen Bereich einzustellen (orientierende Richtwerte: TSH < 2.5 mU/l im 1. Trimenon bzw. < 3 mU/l im 2. und 3. Trimenon; Box ).
  • Die Datenlage bei latenter Hypothyreose ist kontrovers. Die Endocrine Society spricht sich für die Behandlung aller Patienten mit latenter Hypothyreose in der Schwangerschaft aus. Dem gegenüber empfiehlt die ATA eine Levothyroxin-Substitution nur bei latenter Hypothyreose und TPO-Antikörper-Positivität bzw. bei latenter Hypothyreose mit TSH-Werten > 10 mU/l. Trotz der bisher unzureichenden Daten aus Interventionsstudien befürworten die Autoren dieses Artikels, eine Schilddrüsenhormon-Behandlung bei latenter Hypothyreose auch ohne TPO-AK-Positivität in Erwägung zu ziehen. Eine absolute Therapieempfehlung kann derzeit aber nicht ausgesprochen werden. Die Autoren-Empfehlung gilt vor dem Hintergrund der möglicherweise erhöhten Rate an Schwangerschaftskomplikationen bei einem TSH-Wert > 2,5mU/l und eines möglichen – aber nicht eindeutig bewiesenen – Vorteils der Vorbeugung maternaler Schwangerschaftskomplikationen, einschließlich des Frühaborts durch eine Levothyroxinbehandlung. Die Ursachen der latenten Hypothyreose müssen abgeklärt werden.
  • Eine Schilddrüsenautoimmunität geht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten einher. Bei euthyreoten, TPO-Antikörper-positiven Frauen mit Kinderwunsch wird eine generelle Levothyroxinsubstitution nicht empfohlen, solange der TSH-Wert < 2,5 mU/l liegt. Besondere Aufmerksamkeit und engmaschige Kontrollen sind aber bei Frauen vor/unter reproduktionsmedizinischen Maßnahmen erforderlich, da es unter ovarieller Hyperstimulation durchaus zum Eintritt einer die Fertilität beeinträchtigenden latenten Hypothyreose kommen kann.
  • Bei Frauen mit Levothyroxinsubstitution wegen einer benignen Schilddrüsenerkrankung sollte der präkonzeptionelle TSH-Wert < 2,5 mU/l liegen, bei einem großen Sicherheitsbedürfnis zur Vermeidung einer latenten Hypothyreose in der Frühschwangerschaft auch < 1,5 mU/l. Keinesfalls wird eine präkonzeptionelle Absenkung in den unteren TSH-Bereich empfohlen. Frauen mit Kinderwunsch sollten darüber aufgeklärt werden, dass die Mehreinnahme von 2 Tabletten Levothyroxin pro Woche ab Bekanntsein der Schwangerschaft zusätzlich zur täglichen LT4-Dosis eine praktikable Vorgehensweise zur Abdeckung des LT4-Mehrbedarfs in der Frühschwangerschaft darstellt. Zusätzlich sollten mit Bekanntsein der Schwangerschaft und danach TSH-Kontrollen alle 4–6 Wochen erfolgen.
  • Die Daten zur isolierten Hypothyroxinämie sind ebenfalls kontrovers und es liegen darüber hinaus keine Behandlungsstudien vor, so dass derzeit eine Behandlung einer Schwangeren mit grenzwertig niedrigem (f)T4 und normalem TSH-Wert nicht empfohlen wird.

Vorgehen bei erniedrigtem TSH-Wert (unterhalb der Trimenon-spezifischen Richtwerte) in der Schwangerschaft

  • Schilddrüsenanamnese
  • Kontrolle TSH, (f)T4, T3, TSH-Rezeptor Antikörper und Schilddrüsensonographie
  • Thyreostatische Therapie nur manifester Hyperthyreose bei M. Basedow oder Knoten (VD SD-Autonomie) mit Propylthiouracil im 1. Trimenon, danach Thiamazol/oder Carbimazol, ggf. passagere symptomatische Therapie mit Betablockern
  • Kontrolle TSH, (f)T4,T3 alle 4 Wochen, Therapie-Ziel = latente Hyperthyreose ((f)T4/T3 am oberen Referenzbereich, weiter supprimiertes TSH)
  • TRAK-Bestimmung in der 22.–28. SSW, engmaschige Kontrolle des Feten durch Gynäkologen und Einbezug eines Neonatalogen bei TRAK > 2–3-fach oberhalb des Referenzbereichs wegen des Risikos der fetalen/neonatalen Hyperthyreose.
  • Kontrolle Schilddrüsen-Funktion (TSH, fT4, T3) über 3 Monate (alle 4–6 Wochen) nach Entbindung wegen der Gefahr der Exazerbation des M. Basedow
  • Jodidsupplementation der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit

Vorgehen bei erhöhtem TSH-Wert (oberhalb der Trimenon-spezifischen Richtwerte) in der Schwangerschaft

  • Schilddrüsenanamnese
  • Kontrolle TSH, T4, TPO-Antikörper und Schilddrüsensonographie
  • bei manifester Hypothyreose: sofortiger Beginn einer Levothyroxinsubstitution mit 150 µg/d
  • bei latenter Hypothyreose: Beginn einer Levothyroxinsubstitution bei TSH > 2,5 mU/l und positiven TPO-Antikörpern, optional auch bei TSH > 2,5 mU/l und TPO-AK Negativität; TSH-abhängige Levothyroxin-Startdosis: 50 µg/d bei TSH > 2,5, 75 µg bei TSH > 5 < 10mU/l, 100–150 µg bei TSH > 10 mU/l
  • TSH-Kontrolle alle 4–6 Wochen in der Schwangerschaft
  • Ziel-TSH = Trimenon-spezifischer Bereich (Richtwert: < 2,5 mU/l im 1. Trimenon, < 3 mU/l danach)
  • Überprüfung der Substitutionstherapie nach Entbindung
  • bei TPO-AK positiven Frauen, Schilddrüsen-Labor (TSH), initial 4 Wochen nach Entbindung, danach alle 3 Monate im 1. Jahr wegen des erhöhten Risikos für eine Postpartum-Thyreoiditis
  • Jodid-Supplementation der Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit

KURZGEFASST

Eine manifeste Hyperthyreose in der Schwangerschaft wird thyreostatisch behandelt (Ausnahme Gestationshyperthyreose). Im ersten Trimenon erfolgt die Behandlung mit Propylthiuracil danach mit Thiamazol/Carbimazol. Eine manifeste Hypothyreose (erhöhtes TSH und erniedrigtes T4) in der Schwangerschaft ist unverzüglich mit Levothyroxin zu behandeln. Die Ursache der Hypothyreose muss abgeklärt werden. Bei einer latenten Hypothyreose kann eine Behandlung erwogen werden; insbesondere bei Anamnese eines vorrausgegangenen Aborts.

Risikoorientiertes oder generelles Screening?

Internationale Leitlinien

Vor- und Nachteile eines individuellen risikoorientierten Screenings versus eines generellen Screenings aller Schwangeren werden seit langem kontrovers diskutiert. In den EndocrineSociety Empfehlungen wurde zu diesem Punkt kein Konsens erreicht. Die ATA hält auch in ihren aktuellen Empfehlungen (noch) weiter an einem fallbasierten Screening fest.

Neue Gesichtspunkte zum Schilddrüsen-Screening

Negro et al. zeigten in einer randomisierten Studie an 4562 schwangeren Frauen im 1. Trimenon einen Vorteil des generellen vs. fallbasierten TSH-Screenings zur Reduktion der Rate maternaler Komplikationen bei Frauen mit einem anamnestisch niedrigen Risiko. Allerdings waren die Fallzahlen der beiden Gruppen sehr niedrig. In einer retrospektiven Analyse einer Bostoner Geburtsklinik, zeigte sich nur eine 20 %ige Diagnoserate bei Anwendung der ATA-Empfehlungen, d. h. bei 80 % der Schwangeren wäre eine Schilddrüsenfehlfunktion ohne generelles Screening nicht entdeckt worden. Von Lazarus et al. wurde im Jahre 2012 die bislang einzige Interventionsstudie zum Schilddrüsenscreening in der Schwangerschaft mit Ziel der Optimierung der kognitiven Entwicklung des Kindes veröffentlicht (Antenatal Thyroid Screening And Child Cognitive Function Study, CATS). In der CATS-Kohorte (21 846 Schwangere) wurde am Ende des 1. Trimenons eine Serumprobe gewonnen und nach Randomisierung die Screening-Gruppe bei einem TSH-Wert oberhalb der 97,5. Perzentile (2 Assays: Cut-Off 3,65 bzw. 3,5mU/l) und/oder bei fT4-Werten unterhalb der 2,5. Perzentile (2 Assays: Cut-Off 8,4 pmol/l bzw. 7,15 pg/ml) mit Levothyroxin (150 µg/Tag) behandelt. Unter Levothyroxin wurde ein Ziel-TSH-Wert zwischen 0,1 bis 1,0 mU/l angestrebt. Die Serumproben der Kontrollgruppe wurden eingefroren und erst nach Ende der Schwangerschaft untersucht. Alle Kinder der Mütter der Kontrollgruppe, die erhöhte TSH- und/oder erniedrigte fT4-Werte hatten, aber nicht behandelt wurden, wurden mit den Kindern der gescreenten und behandelten Mütter im Alter von 3 Jahren verglichen. Hierbei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im Intelligenzquotient (IQ) der beiden Gruppen. Methodische Einschränkungen der Studie waren zum einen der späte Screening-Zeitpunkt (Ende des 1. Trimenons). Zu diesem Zeitpunkt ist die Gehirnentwicklung schon fortgeschritten und die Intervention startete gegebenenfalls zu spät. Zum anderen wurden auch Schwangere mit isolierter fT4-Erniedrigung behandelt, deren Relevanz unklar ist. Desweiteren ist anzumerken, dass der IQ im Alter von 3 Jahren schwierig zu bewerten ist und die Daten nicht auf Kinder im Alter von 7–8 Jahren übertragbar sind.

Kosten-Nutzen-Analyse

Es besteht eine gewisse Evidenz dafür, dass eine manifeste Hypothyreose der Mutter mit deutlich erhöhten TSH-Werten zu einer erhöhten Abortrate und einem erniedrigten IQ der Kinder führen kann, und dass eine frühzeitige Substitution mit Levothyroxin deshalb nützlich und kosteneffektiv ist. Gleiches gilt vor dem Hintergrund der Ergebnisse der ALSPAC, der Generation R und weiteren Kohorten.

Empfehlungen für Deutschland

Die Autoren des Artikels empfehlen das Screening aller Schwangeren auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung zum Zeitpunkt der gynäkologischen Feststellung der Schwangerschaft. Das Screening sollte mindestens die Bestimmung des TSH-Wertes beinhalten, idealerweise auch die Bestimmung der TPO-Antikörper als Risikofaktoren für eine Schwangerschafts-assoziierte Hypothyreose und eine Postpartum-Thyreoiditis.

Diese Empfehlung fußt auf der hohen Prävalenz von Indikatoren für Schilddrüsen-Autoimmunität bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter, der hohen Prävalenz von Schilddrüsenfunktionsstörungen während der Schwangerschaft und der Verfügbarkeit einer kostengünstigen Behandlungsoption mit Levothyroxin bei maternaler Hypothyreose. Angesichts der sehr umfangreichen Vorsorgemaßnahmen bei Schwangeren in Deutschland ist nicht nur die jüngste Aufnahme des Screenings auf Gestationsdiabetes in die Vorsorge nach Mutterschaftsrichtlinien erfreulich, sondern die feste Implementierung eines Screenings auf Schilddrüsenfunktionsstörungen in der Schwangerschaft längst überfällig. Zusätzlich sollte die Jodid-Supplementation in der Schwangerschaft zur Optimierung der kognitiven Entwicklung der Neugeborenen eine erstattungsfähige Leistung werden

Nachtrag

In den aktuell publizierten Empfehlungen der European Thyroid Association (ETA) wird nun erstmals ein universelles Screening aller Schwangeren befürwortet. Ferner wird auf ethnisch bedingte Variationen der TSH und (f)T4-Werte in der Schwangerschaft hingewiesen und aufgrund neuer epidemiologischer Daten erstmals eine Öffnung zur Behandlung auch einer isolierten Hypothyroxinämie im 1. Trimenon diskutiert.

Aktuelle Literatur

Sind TSH-Konzentrationen im oberen Normalbereich mit ungeklärter Infertilität vergesellschaftet ?

Eine Infertilität unklarer Ursache besteht bei 10–30 % aller infertilen Paare. In dieser Untersuchung wurden TSH- und Prolaktin-Konzentrationen im Normalbereich im Serum von Frauen mit Infertilität unklarer Ursache (n = 187) mit gesunden Frauen verglichen, deren Partner an Azoospermie litt (n = 52).

Bei den Frauen mit Infertilität unklarer Ursache waren die TSH-Konzentrationen höher als in der Kontrollgruppe (TSH: 1,95 vs. 1,66 mU/l, p = 0,003). Doppelt so viele Frauen mit ungeklärter Infertilität hatten TSH-Werte über 2,5 mU/l.

Hat eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon bei suboptimaler Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft im langfristigen Verlauf einen Einfluss auf die Intelligenz der Kinder ?

Eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormon ist essentiell für die embryonale/fetale Hirnentwicklung. Da die kindliche Schilddrüse erst ab der 14.–18. Schwangerschaftswoche Hormone produziert, ist das fetale Hirn in der frühen Schwangerschaft völlig von der Versorgung durch die Mutter abhängig. Da die Auswirkungen einer moderaten Schilddrüsenfunktionsstörung der Mutter unklar sind, wurde in der CATS Studie untersucht, ob ein strukturiertes Screening und eine randomisierte Behandlung einen Effekt auf die kindliche Hirnfunktion haben. Fast 22.000 Frauen wurden um die 12. Schwangerschaftswoche gescreent. Bei niedrigem fT4 oder erhöhtem TSH wurde eine Behandlung mit 150 µg T4 oder Placebo begonnen. Ein IQ Test im 3. Lebensjahr der Kinder hatte keinen Effekt der Therapie gezeigt. Aktuell wurde die neurologische Entwicklung im 9. Lebensjahr der Kinder getestet und berichtet. Neben dem IQ wurden auch Gedächtnis und motorische Funktionen von Kindern 119 behandelter und 98 unbehandelter Frauen mit suboptimaler Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft sowie von 232 Kindern von Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion untersucht.

Insgesamt fanden sich keine Unterschiede zwischen diesen Gruppen, sodass sich kein Hinweis auf einen positiven Effekt einer Behandlung mit Schilddrüsenhormon bei suboptimaler Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft fand.

Ein wesentlicher Kritikpunkt im Studiendesign ist, dass ein Therapiebeginn in der 12.–13. Schwangerschaftswoche zu spät kommt, um die wichtige Hirnentwicklung in der Frühschwangerschaft zu fördern. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die hohe T4 Dosis, die zu einer Übertherapie mit potentiell negativem Effekt auf die Hirnentwicklung geführt haben könnte. Andererseits fand sich auch kein Unterschied zwischen dem IQ der Kinder von Frauen mit suboptimaler Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft und Frauen mit normaler Schilddrüsenfunktion. Damit dürfte eine milde Schilddrüsenfunktionssstörung der Mutter in der Schwangerschaft keinen relevanten Effekt auf die Intelligenz der Kinder haben.

Führt die Therapie einer subklinischen Hypothyreose oder Hypothyroxinämie in der Schwangerschaft zu einer besseren Intelligenz der Kinder?

Diese Studie untersuchte ebenfalls, ob eine Levothyroxintherapie bei schwangeren Frauen mit latenter Hypothyreose oder Hypothyroxinämie die kognitive Funktion ihrer Kinder verbessert. Die CATS Studie (Controlled Antenatal Thyroid Screening Study) hatte ja bereits 2012 gezeigt, dass die kognitive Funktion der 3‑jährigen Kinder, deren Mütter aufgrund subklinischer Hypothyreose oder Hypothyroxinämie Levothyroxin erhielten, nicht besser war als die der Kontrollkinder. In der Studie von Casey et al. erhielten Kinder bis zum Alter von 5 Jahren jährliche Entwicklungs- und Verhaltenstests mit dem IQ als primären Endpunkt. Auch hier zeigte sich kein Unterschied im kognitiven Outcome zwischen Kindern, deren Müttern Levothyroxin erhielten oder nicht. In dieser Studie erfolgte der Einschluss noch später als in der CATS Studie, durchschnittlich in der 17. Schwangerschaftswoche. Das ist insofern ein bedeutender limitierender Faktor dieser Studie, da die fetale Schilddrüse bereits zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche ihre Funktion aufnimmt. Es gibt zwei weitere relevante Unterschiede zwischen dieser Studie und der CATS Studie. Erstens bestand in dieser Studie eine ausreichende Jodversorgung der Schwangeren (mittels Jodausscheidung im Harn bestimmt). Weiters wurden hier – im Gegensatz zu CATS – auch die TPO-Antikörper bestimmt, wobei eine Positivität keinen Effekt auf das Studienergebnis hatte.

Führt eine Thyroxintherapie von schwangeren Frauen mit latenter Hypothyreose ohne erhöhte Peroxidase Antikörper (TPO-AK) zu einer Reduktion von geburtshilflichen Komplikationen?

In dieser Untersuchung wurden 366 schwangere Frauen mit normalen TPO-AK und latenter Hypothyreose (TSH >2,5 mU/l) mit 1092 euthyreoten schwangeren Frauen verglichen. Die Frauen mit erhöhten TSH wurden randomisiert mit T4 behandelt oder erhielten keine Schilddrüsenhormone.

Bei Frauen mit einem TSH-Wert >2,5 (ATA Leitlinie 2011) fand sich kein Unterschied in der Frühgeburtlichkeit zwischen der behandelten und der nicht-behandelten Gruppe. Jedoch in der Subgruppe der Frauen mit TSH >4 mU/l (entsprechend ATA Leitlinie 2017) war die Frühgeburtlichkeit in der behandelten Gruppe deutlich niedriger (RR: 0,38). Bei einem TSH-Grenzwert von >4 mU/l war die „number needed to treat“ lediglich 3,8 um eine Frühgeburt zu verhindern! Diese Arbeit unterstützt somit den von der aktuellen Leitlinie propagierten höheren TSH-Grenzwert (siehe unten).

Gibt es eine Zusammenhang zwischen der mütterlichen Schilddrüsenfunktion in der Frühschwangerschaft und den neurospychologische Leistungen der Kinder im 5. Lebensjahr ?

Im Rahmen einer Kohortenstudie wurden 1153 Frauen und ihre Kinder untersucht. Die Schilddrüsenfunktion der Mütter in der Frühschwangerschaft (TSH und fT4, um die 9. Schwangerschaftswoche) wurde aus eingefrorenen Serumproben bestimmt und die neuropsychologischen Leistungen der Kinder (Intelligenz, motorische Funktionen) wurden mit validierten Methoden gemessen.

Bei 145 Frauen (12,5 %) fand sich eine abnorme Schilddrüsenfunktion. Erhöhte TSH-Werte (>10 mU/l) und erniedrigte fT4 (0,78 ng/dl) Konzentrationen werden mit einem niedrigen verbalen IQ assoziiert. Bei Frauen mit TSH-Konzentrationen von <0,1 oder in den Bereichen von 2,5–5 mU/l bzw. 5–9,99 mU/l fand sich kein Unterschied in der verbalen Intelligenz der Kinder verglichen mit euthyreoten Frauen (TSH <2,5 mU/l). Die Kinder von Müttern mit niedriger fT4 Konzentration zeigten eine schlechtere motorische Funktion sowie Verhaltensauffälligkeiten.

Während eine verminderte Intelligenz mit einer deutlichen Hypothyreose vergesellschaftet war, scheint für die Entwicklung der Motorik und der exekutiven Funktionen die T4 Konzentration wichtig zu sein. Diese Daten bestätigen die Studie von Haddow et al. , die zeigte, dass 48 Kinder von Müttern mit undiagnostizierter Hypothyreose (TSH 5–90 mU/l) im Alter von 7–9 Jahren einen leicht erniedrigten IQ hatten.

Hier war erst ab einem TSH >10 mU/l ein Einfluss auf den IQ nachweisbar, was die in der aktuellen Leitlinie empfohlene Anhebung des TSH-Grenzwerts in der Schwangerschaft unterstützt. Leider wurden die Schilddrüsenantikörper in dieser Studie nicht gemessen.

Interessanterweise fand sich eine nicht signifikante U‑förmige Assoziation zwischen fT4 und kindlicher verbaler Intelligenz. Diese Daten erinnern an die Ergebnisse der „Generation R Study“, die einen Zusammenhang zwischen niedrigen und sehr hohen fT4 Konzentrationen der Mutter mit einem verminderten nichtverbalen IQ sowie einem reduzierten Volumen der grauen Substanz zeigten .

Haben subklinische Veränderungen der mütterlichen Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft Auswirkungen auf das fetale Wachstum ?

Manifeste Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft sind bekanntermaßen ein Risikofaktor für eine abnormale fetale Entwicklung und Wachstumsstörungen. Untersuchungen der Auswirkung milderer Schilddrüsenfunktionsstörungen auf das fetale Wachstum waren bisher weniger konklusiv. Diese Studie schloss 439 Schwangere ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung ein und erhob in vier Visiten, die erste vor der 15. Schwangerschaftswoche, Schilddrüsenparameter (TSH, fT4, T3, T4) sowie fetale Maße wie Kopfumfang, Abdomenumfang, Femurlänge und geschätztes Gewicht sowie tatsächliches Geburtsgewicht. Es zeigte sich eine inverse Assoziation zwischen fT4 und Geburtsgewicht. Die stärkste Assoziation fand sich in der 10. Schwangerschaftswoche; zu diesem Zeitpunkt war ein um 10 % erhöhtes fT4 mit einer Abnahme des Geburtsgewichts von 8,5 g verbunden. Auch weitere biometrische Daten des Fetus wie intrauterines Wachstum, Bauch- und Kopfumfang waren negativ mit fT4 korreliert. Die Autoren diskutieren die Bedeutung des mütterlichen fT4 für das Wachstum der Weichteile als auch möglicherweise für das der Knochen. Eine supprimierte Deiodinaseaktivität der Plazenta könnte den Fetus höheren T4 und/oder T3 Konzentrationen aussetzen und dadurch Wachstum und Entwicklung beeinflussen.

Keine Assoziation hingegen zeigte sich in dieser Studie zwischen TSH und Geburtsgewicht oder Wachstumsmessungen. Vorliegende andere große Studien zeigten jedoch bei subklinischer Hypothyreose einen Zusammenhang mit kleinerem fetalen Kopfumfang und Körperlänge bei der Geburt sowie eine intrauterine Wachstumsretardierung im dritten Trimester und ein niedriges Geburtsgewicht (<2500 g) .

Diskussion und Überblick über die aktuelle Leitlinie der Amerikanischen Schilddrüsengesellschaft 2017

Während in älteren Leitlinien ein generelles TSH-Ziel von <2,5 mU/l empfohlen wurde, wird die Problematik in der aktuellen Empfehlung der amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA; ) deutlich differenzierter betrachtet und ein individuelles Vorgehen empfohlen, was die Situation für den Behandler leider nicht übersichtlicher macht.

Die zentrale Neuerung, basierend auf den Empfehlungen der aktuellen Leitlinien, besteht in der Einbeziehung des möglichen Vorliegens einer Autoimmunthyreoiditis in die Entscheidung, ob in der Schwangerschaft eine Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormon (T4) eingeleitet werden soll.

Physiologie der Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft

Die um die 10. Schwangerschaftswoche maximale Freisetzung des Schwangerschaftshormons HCG führt, bedingt durch die (schwache) Bindung dieses Hormons an den TSH-Rezeptor, zu einer Stimulation der Schilddrüsenfunktion der Mutter. Dadurch sinkt im ersten Trimenon der Schwangerschaft die mütterliche TSH-Konzentration ab, während die Konzentration von freiem T4 passager leicht ansteigt. Rezente Studien haben gezeigt, dass dieser Mechanismus bei Frauen mit erhöhten TPO-Antikörpern als Marker einer bestehenden Autoimmunthyreoditis gestört ist (zusammengefasst in ). Erhöhte Schilddrüsen-Autoantikörper finden sich bei 2 bis 17 % aller Schwangeren. Durch die verminderte funktionelle Reserve der Schilddrüse bei Autoimmunthyreoiditis kann der in der Schwangerschaft erhöhte Bedarf an Schilddrüsenhormon nicht immer gedeckt werden. Dadurch kann es trotz initial normalem TSH in ca. 20 % zu einem Anstieg des TSH >4 mU/l (latente Hypothyreose) kommen.

Für die klinische Praxis ergibt sich daher, dass bei euthyreoten Schwangeren mit erhöhten Schilddrüsenautoantikörpern regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft (initial alle 4 Wochen) empfohlen werden.

Wie oben erwähnt, sinkt die TSH-Konzentration in der Schwangerschaft normalerweise vor allem im ersten Trimenon etwas ab. Viele Leitlinien empfehlen daher bei Kinderwunsch und im ersten Trimenon der Schwangerschaft einen TSH-Zielwert von <2,5 mIU/L. Neuere Studien legen aber nahe, dass bei vielen verwendeten Assays und in vielen Populationen der obere TSH-Normalwert in der Schwangerschaft etwas höher liegen dürfte.

Die aktuelle Leitlinie der amerikanischen Schilddrüsengesellschaft empfiehlt daher das Erstellen von trimesterspezifischen Normalwerten auf Basis von Daten aus der lokalen Bevölkerung. Falls diese nicht verfügbar sein sollten, könnte vom oberen Normalwert für nicht-schwangere Erwachsene 0,5 mIU/l abgezogen werden. Dies entspricht in vielen Fällen einem Wert von ca. 3–4 mU/l.

Aus den beiden genannten Neuerungen ergibt sich ein im Gegensatz zu den bisherigen Empfehlungen deutlich komplexeres Bild, das in der Abb. 1 zusammengefasst wird. Letztlich wird die Indikation zur Einleitung einer Thyroxintherapie in der Schwangerschaft durch Anwendung dieser Empfehlungen etwas zurückhaltender gestellt werden. Neue Daten, die eine Assoziation nicht nur von erniedrigten, sondern auch erhöhten Konzentrationen von freiem T4 der Mütter mit einem minimal geringeren Intelligenzquotienten der Kinder zeigen, unterstützen möglicherweise diese Vorgangsweise oder zumindest eine vorsichtigere bedarfsgerechte Dosierung von Thyroxin .

Abb. 1

Behandlung einer Schilddrüsenfunktionsstörung in der Schwangerschaft. (Modifiziert nach . *Siehe Erklärung im Text)

Schilddrüse und Schwangerschaft

von Prof. Dr. med. Hans Udo Zieren

SCHILDDRÜSE UND SCHWANGERSCHAFT

Welchen Einfluss hat eine Schwangerschaft auf die Schilddrüse?

In der Schwangerschaft erfahren werdende Mütter viele hormonelle Veränderungen. Der Körper befindet sich in Umstellung. Auch die Schilddrüse passt sich der neuen Situation an.

Durch die erhöhten Stoffwechselvorgänge kommt es zu einem um bis zu 50 Prozent gesteigerten Bedarf an Schilddrüsenhormonen. Um eine ausreichende Produktion der Schilddrüsenhormone zu gewährleisten, liegt der Jod-Bedarf mit 200 Mikrogramm pro Tag deutlich höher liegt als bei Nicht-Schwangeren.

Die normale Funktion der kindlichen Schilddrüse setzt eine hinreichende Jodzufuhr durch die Mutter voraus. Dies gilt vor allem für die Frühschwangerschaft: Ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft ist die kindliche Schilddrüse zwar in der Lage Jod aufzunehmen und selbst Schilddrüsenhormone zu produzieren. Bis dahin ist der Fötus allerdings vollständig auf die Hormone der Mutter angewiesen. Eine ausreichende Jodzufuhr sowie eine gute Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels sind für eine normale körperliche und geistige Entwicklung des Babys daher unbedingt erforderlich.

Eine gestörte mütterliche Schilddrüsenfunktion kann dem Ungeborenen großen Schaden zufügen, vielleicht sogar zu gesundheitlichen Problemen führen, die das gesamte Leben anhalten. Zudem ist das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie Frühgeburten durch eine unbehandelte Erkrankung der Schilddrüse erhöht. Schilddrüsenerkrankungen der Mutter können im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft zum ersten Mal auftreten. Besonderes Augenmerk muss jedoch auf Schilddrüsenerkrankungen gelegt werden, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden.

Welche Schilddrüsenprobleme gibt es?

Die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind:

  • Kropf und/oder knotige Schilddrüsenvergrößerung
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schilddrüsenentzündung nach der Geburt („Post-Partum-Thyreoiditis“)

Kropf:
Zu einer relevanten Kropfbildung (Struma) zum Ausgleich eines akuten Jodmangels kommt es heutzutage nur noch selten. Die meisten Schwangeren sind durch die Einnahme von Jodtabletten gut versorgt.

Knoten:
Häufiger ist dagegen die Entstehung neuer oder die Vergrößerung bekannter Knoten (Schilddrüsenknoten). Diese Veränderungen sollten mit Ultraschall engmaschig kontrolliert und bei Verdacht auf Bösartigkeit mit eine feinen Nadel punktiert werden. Diese Untersuchung ist absolut harmlos für das Ungeborene. Eine Szintigrafie darf aufgrund der Strahlenbelastung während Schwangerschaft und Stillzeit nicht durchgeführt werden.

Unterfunktion:
Eine Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse kann während einer Schwangerschaft neu auftreten oder bereits behandelt sein. Eine Hypothyreose kann zu schweren geistigen und körperlichen Schäden des Fötus führen (Kretinismus). Häufig steckt eine Autoimmunthyreoiditis vom Typ Hashimoto dahinter. Im Blut können dann typische Antikörper nachgewiesen werden. Bei dieser Erkrankungen können auch vermehrt Schwangerschaftskomplikationen wie Fehl- oder Frühgeburten auftreten. Unabhängig von der Ursache wird die Schilddrüsenunterfunktion der Mutter mit Schilddrüsenhormon-Tabletten (L-Thyroxin ) behandelt. Die Schilddrüsenhormondosis wird im Verlauf der Schwangerschaft an den steigenden Bedarf angepasst und nach der Geburt entsprechend reduziert. Schilddrüsenhormone können von der Mutter ohne Bedenken eingenommen werden, da sie – richtig dosiert – keine Nebenwirkungen erzeugen. Wenn diese Therapie sofort begonnen wird, besteht meist auch keine Gefahr für das Baby.

Überfunktion:
Eine milde (latente) schwangerschaftsbedingte Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist nicht selten und normalisiert sich meist im Verlauf der Schwangerschaft von selbst. Eine manifeste, d.h. deutliche und relevante Hyperthyreose kann sich allerdings dramatisch auf eine Schwangerschaft auswirken und Fehlgeburten, Frühgeburten oder Missbildungen des Kindes zur Folge haben. Die häufigsten Ursachen für eine mütterliche Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft sind die Basedowsche-Krankheit oder die funktionelle Autonomie. Wenn solche Erkrankungen vor einer Schwangerschaft bekannt sind, ist gut zu überlegen, ob es nicht besser ist, diese Erkrankungen vor Eintritt der Schwangerschaft durch eine sogenannte ablative Therapie, d.h. Operation oder Radiojod, zu sanieren. Hierzu wird vor einer geplanten Schwangerschaft in der Regel wegen der Strahlenbelastung eher eine Operation befürwortet.

Post-Partum-Thyreoiditis:
Die wichtigste Ursache für eine Schilddrüsenstörung im Wochenbett ist die „Post-Partum-Thyreoiditis“. Etwa vier Prozent der Frauen leiden im Anschluss an die Entbindung an einer Entzündung der Schilddrüse. In den meisten Fällen verursacht sie keine Schmerzen und wird daher auch als „stille Schilddrüsenentzündung“ bezeichnet. Bei dieser Sonderform kommt es typischerweise zu einer Überfunktion. Im Allgemeinen heilt sie ohne Folgen aus. Sie kann jedoch auch in eine Phase der Unterfunktion übergehen. Manchmal lassen sich auch Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis.

Schilddrüsen­unterfunktion in der Schwangerschaft: Gefährlich fürs Baby?

Kaum sind wir schwanger, wird unser Körper von einer höheren Macht regiert: den Hormonen! Denn von ihnen brauchen wir auf einmal mehr als sonst. So kann es auch nicht selten zu einer Unterfunktion der Schilddrüse in der Schwangerschaft kommen.

Nicht selten werden bei werdenden Mamas Probleme mit der Schilddrüse, besonders eine Unterfunktion, festgestellt. Das liegt laut Wissenschaft daran, dass viele von uns schon vor der Schwangerschaft eine minimale Unterfunktion haben, die sich nicht in Symptomen bemerkbar macht. Soll unser Organismus dann unser Baby mitversorgen, entsteht oft ein Engpass. Aber was bewirkt eine Unterfunktion der Schilddrüse, welche Risiken gibt es und was bedeutet das für unser Kleines?

Was ist die Funktion der Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das unter dem Kehlkopf sitzt. Sie produziert Hormone, die an allen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt sind und so z. B. Herz, Gehirn und Verdauung mit steuern. Eine Unter- oder Überfunktion kann sich also auf viele verschiedene Bereiche auswirken, zum Beispiel auch auf den Energiestoffwechsel und die Hormonproduktion, die beide in der Schwangerschaft optimal laufen müssen.

Wie entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?

Mit dem wachsenden Baby im Bauch erhöht sich auch unser täglicher Bedarf an Thyroxin, dem Hormon, das die Schilddrüse bildet – manchmal sogar, wenn wir vorher nie Probleme mit der Schilddrüse hatten. Bei manchen Mamas reagiert der Körper hier mit einer Überproduktion – geht sprichwörtlich in Overdrive. Eine Schilddrüsenüberfunktion ist die Folge. Bei anderen reicht die körpereigene Thyroxinproduktion nicht mehr aus. Der niedrige Wert zeigt sich dann im Blutbild. Verwirrend: Ärzte sprechen von einem erhöhten Schilddrüsen–Wert, wenn eine Unterfunktion vorliegt.

Schwangerschaft

So kannst du Eisenmangel in der Schwangerschaft behandeln

Weiterlesen Schwangerschaft Weiterlesen

Schilddrüsen­unterfunktion: Symptome

Die Hypothyreose kann so geringfügig sein, dass kaum oder keine Symptome auftreten. Typische Anzeichen sind:

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Verstopfung
  • Frieren
  • Gewichtszunahme
  • trockene Haut

Richtig, alles Symptome, die für die meisten von uns ohnehin mit einer Frühschwangerschaft einhergehen. Wenn ihr schon vor der Schwangerschaft Verdacht auf eine Hypothyreose habt, ist ein Bluttest sinnvoll. Generell ist er Teil der regulären Schwangerenvorsorge im 1. Trimester, sodass eure Ärzte die Werte routinemäßig kontrollieren.

Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft: Gefährlich fürs Baby?

Da die Unterfunktion der Schilddrüse in Stoffwechselprozesse und die Hormonbildung eingreift, kann sich das auch auf die Entwicklung des Babys und den Verlauf der Schwangerschaft auswirken. Das ist aber meist nur bei einer fortgeschrittenen Unterfunktion der Fall. Die Unterfunktion kann auch so gering sein, dass eine Behandlung nicht unbedingt notwendig ist: Studien zufolge scheint eine minimale Schilddrüsenunterfunktion keine Auswirkungen aufs Baby – und auch eine geringfügige medikamentöse Behandlung hier keinen positiven Einfluss zu haben.

Langjährige Studien zeigen aber auch, dass eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft Auswirkungen auf die geistige Entwicklung des Kindes haben – und sogar zu einer Fehlgeburt führen kann. Auch Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht des Babys sind häufiger, wenn die Mutter an Hypothyreose leidet.

Ab wann ist der TSH-Wert zu hoch?

Der normale TSH-Wert liegt je nach Alter und Geschlecht zwischen 0,40 und 4,0 mU/l, der gängige Schwellenwert für Frauen im gebärfähigen Alter ist 2,5 mU/l. In einer US-Studie stieg die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine kognitive Einschränkung hat, mit dem TSH-Wert der Mutter: So lag die Wahrscheinlichkeit bei unter 3,8 mU/l bei rund 2,5 %, bei 3,8 bis 8 mU/l bei 7 % und bei über 8 mU/l bei 15 % – also das Sechsfache einer Mama mit gesundem TSH-Wert. Einige Mediziner raten aber, dass nicht der Wert selbst, sondern eine unterliegende Erkrankung und Symptome das Problem sind und eine Behandlung deshalb nicht immer nötig bzw. sinnvoll ist, weil sie stark in den Hormonhaushalt eingreifen kann und nicht immer Vorteile bringt.

Schilddrüsen­unterfunktion in der Schwangerschaft: Behandlung

Wird eine behandlungsbedürftige Unterfunktion festgestellt, wird dir deine Frauenärztin L-Thyroxin-Tabletten verschreiben und deinen TSH-Wert überwachen. Dabei ist es wichtig, dass du dich genau an die Dosierung hältst: L-Thyroxin ist schnell über- oder unterdosiert. Oft dauert es aber ein paar Wochen, manchmal sogar Monate, bis die perfekte Dosis gefunden wurde. Deswegen ist es gut, wenn du (noch!) genauer auf deinen Körper achtest. Fühlst du dich nicht besser, ist die Dosis ggf. zu gering. Treten Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auf, sollte die Dosis vielleicht verringert werden:

  • Hitzewallungen
  • Gewichtsverlust
  • innere Unruhe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Magen-Darm-Probleme

Gut zu wissen: Du musst nicht auf den nächsten Termin beim Frauenarzt warten und kannst dich z. B. auch kurzfristig hausärztlich untersuchen lassen. So kann die Dosis schnell angepasst werden, wenn bei dir Nebenwirkungen auftreten.

Einnahme von L-Thyroxin: Timing ist alles!

Deine Ärztin wird die Einnahme der Tabletten genau mit dir besprechen, aber meist wird das Hormon morgens auf leeren Magen eingenommen. Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten sind möglich. Gut zu wissen: Eisen- und Kalziumpräparate, wie viele Mamas sie während der Schwangerschaft einnehmen müssen, blockieren die Aufnahme und sollten mit einigen Stunden Abstand eingenommen werden.

Schilddrüse-Schwangerschaft

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Jod und Schilddrüsenhormonen

Schwangere brauchen durch die Zunahme vieler Stoffwechselvorgänge 30-50 % mehr Schilddrüsenhormone.

Patientinnen mit einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma diffusa) oder mit Schilddüsenknoten (Struma nodosa) müssen deshalb auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. Die Schilddrüse braucht Jod, um die Schilddrüsenhormone T3 und T4 produzieren zu können. Schwangere brauchen etwa 230 µg Jod pro Tag, so dass in der Regel die zusätzliche Einnahme von Jodtabletten sinnvoll ist.
Bei Schwangeren mit Hashimoto-Thyreoiditis gibt es unterschiedliche Empfehlungen zur Jodzufuhr. Durch eine zu hohe Jodzufuhr kann die Schilddrüsenentzündung sich verschlimmern. Auf der anderen Seite steht die Gefahr negativer Folgen einer zu geringen Jodzufuhr für das ungeborene Kind. Wir empfehlen in diesen Fällen die individuelle Jodversorgung durch die Bestimmung des Jods im Urin zu messen. Allerdings kann mit dieser Messung die Jodversorgung der Schwangeren nur tendenziell erfasst werden. Deshalb raten wir Schwangeren und Patientinnen mit Kinderwunsch dazu, ihre Jodzufuhr zu erhöhen. Es besteht zwar die potentielle Gefahr, dass sich dadurch die Schilddrüsenentzündung verschlechtert. Dies stellt aber bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und entsprechender Anpassung der Thyroxindosis in der Regel kein wirkliches Problem dar. Die Auswirkungen einer zu geringen Jodzufuhr für das Kind können aber fatal sein und oft erst nach der Geburt festgestellt werden. Untersuchungen konnten zeigen, dass die Intelligenz des Kindes, gemessen anhand des Intelligenzquotientens und anhand der Lesefähigkeit sowie des Leseverständnisses eindeutig von der Jodversorgung der Mutter, insbesondere im 1. Drittel der Schwangerschaft, abhängig ist. Während der Schwangerschaft sind Laborkontrollen alle 4 Wochen sinnvoll.

Wichtig ist auch, dass die Hormondosis frühzeitig angepasst wird und dies nicht erst geschieht, nachdem eine Unterfunktion der Schilddrüse in den Laborwerten nachgewiesen wurde. Nur so kann verhindert werden, dass das ungeborene Kind über einen längeren Zeitraum einer mütterlichen Schilddrüsenunterfunktion ausgesetzt wird. Wir empfehlen deshalb, sofort beim Feststellen der Schwangerschaft die Thyroxindosis um 25 µg zu erhöhen Nach unserer Erfahrung sollten die Schilddrüsenwerte während der Schwangerschaft wie folgt sein: T3 und T4 im Normbereich sowie TSH zwischen 0,3 und 1,0.

Eine Schwangerschaft vermindert die Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis

Auf der anderen Seite führt eine Schwangerschaft bei Patientinnen mit Hashimoto-Thyreoiditis meist zu einem Rückgang der Beschwerden. Während der Schwangerschaft wird besonders das sogenannte Schwangerschaftshormon Progesteron gebildet. Progesteron führt zu einer Abschwächung des Immunsystems. Es ist aus verständlichen Gründen sinnvoll, dass während der Schwangerschaft Fremdes (wie z. B. das ungeborene Kind) nicht mehr in gleicher Weise als fremd wahrgenommen wird. Die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis werden deshalb während der Schwangerschaft geringer.

Schilddrüsen-Antikörper schädigen das ungeborene Kind nicht

Die Antikörper von Müttern mit Hashimoto-Thyreoiditis werden zwar über die Plazenta übertragen. Diese Antikörper können die gesunde Schilddrüse des Kindes aber nicht angreifen, da sie nicht in die Schilddrüsenzellen des Kindes kommen. Deshalb haben hohe Schilddrüsen-Antikörper keine Auswirkungen auf das Kind.

Reduktion der Hormondosis nach der Entbindung

Nach einer Geburt sollte die Schilddrüsendosis sofort um 25 µg gesenkt werden. Auch nach der Schwangerschaft sollten für ein halbes Jahr etwa alle 4 Wochen die Schilddrüsenwerte kontrolliert werden, da es nach einer Schwangerschaft durch den Rückgang des Progesterons nicht selten durch Hashimoto-Schübe zu einer Zunahme der Symptome kommt, die dann kurzfristige Kontrolluntersuchungen erforderlich machen.

Stillen bei Hashimoto-Thyreoiditis unbedenklich

An Hashimoto-Thyreoiditis erkrankte Mütter können ihre Kinder stillen, da nur die Vormilch in den ersten Wochen des Stillens Schilddrüsenantikörper enthält, diese Mengen sind jedoch klein. Sie können beim Kind keine chronische Hashimoto-Thyreoiditis verursachen.
Stillen erhöht den Bedarf an Thyroxin. Nach dem Abstillen muss die Dosis des Thyroxins meistens gesenkt werden.

Thyreoiditis im Anschluss an eine Schwangerschaft (Postpartale Thyreoiditis)

In den ersten sechs Monaten nach der Entbindung erkranken etwa 10 % der Frauen erstmals an einer Schilddrüsenentzündung. Diese auch als postpartale Thyreoiditis bezeichnete Form der Hashimoto-Thyreoiditis führt häufig nicht zu einer anhaltenden Schilddrüsenfunktionsstörung. Dennoch sollten die Schilddrüsenwerte auch in diesen Fällen jährlich überprüft werden.

Optimale Schilddrüsenwerte während einer Kinderwunschbehandlung

Bei einer Kinderwunschbehandlung sollten T3 und T4 im Normbereich sein, wobei das T4 dabei eher im oberen Normbereich liegen sollte. Der TSH-Wert wird von uns bei Kinderwunsch meist zwischen 0,3 und 1,0 eingestellt.Diese TSH-Werte streben wir auch während der Schwangerschaft an.

Schwangerschaft und Schilddrüsenunterfunktion

Bei bekannter Unterfunktion und laufender Therapie vor der Schwangerschaft ist zu beachten, dass der Bedarf während der Schwangerschaft steigt und die Levothyroxin-Dosis erhöht werden sollte. Am besten sollten die Schilddrüsenhormone alle 4 bis 8 Wochen kontrolliert werden.

Sollte eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) während der Schwangerschaft neu auftreten, ist sie nicht leicht zu erkennen. Häufig werden die Symptome als Beschwerden der Schwangerschaft interpretiert. Genaue Kenntnisse über die Symptome helfen Ihnen, rechtzeitig mit ihrem Arzt darüber zu sprechen.

Die häufigsten körperlichen Beschwerden bei Unterfunktion sind:

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwäche

  • Gewichtszunahme

  • Niedriger Blutdruck und niedriger Puls

  • Heiserkeit

  • Kälteüberempfindlichkeit

  • Verstopfung

  • Trockene Haut, vermehrter Haarausfall und brüchige Nägel

  • Erhöhte Blutfettwerte

Die häufigsten psychischen Beschwerden bei Unterfunktion sind:

  • Depressive Verstimmung

  • Gedächtnisschwäche

  • Desinteresse und Unlust

Therapie:

Levothyroxin: Durch eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen werden mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft beseitigt. Bei bestehender Unterfunktion und laufender Hormontherapie steigt der Bedarf während der Schwangerschaft und deshalb sollte besonders in den ersten 20 Wochen das TSH in Abständen von 4 Wochen kontrolliert werden. Nach der Entbindung sinkt der Bedarf wieder – das TSH sollte dementsprechend eingestellt werden.

Jodzufuhr: Ab der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche ist die kindliche Schilddrüse in der Lage, Jod aufzunehmen und Schilddrüsenhormon zu produzieren. Aus diesem Grund steigt der Jodbedarf während der Schwangerschaft. Eine ausreichende Jodzufuhr von 200 µg täglich und eine unauffällige Stoffwechsellage sind für eine normale körperliche und geistige Entwicklung des Fetus unbedingt notwendig.

Bereits bei der gesunden Schilddrüse kommt es während der Schwangerschaft zu deutlichen Veränderungen. Das Organ nimmt etwas an Volumen zu. Eine übermäßige, krankhafte Vergrößerung jedoch weist auf ein Schilddrüsenproblem hin, das genau abgeklärt werden muss.

Schilddrüsenfunktionsstörungen (ein zuviel oder zuwenig an Schilddrüsenhormonen) treten in der Schwangerschaft normalerweise nicht auf. Die Konzentration der Schilddrüsenhormone kann jedoch von den Normbereichen, die sich ja auf „Nicht-Schwangere“ beziehen, gering abweichen.

Der Bedarf an Jod ist erhöht, so dass mindestens 200 µg Jod pro Tag mit der Nahrung zugeführt werden sollen. Der Mutterkuchen produziert ein Hormon, das Choriongonadotropin, das ebenfalls stimulierende Auswirkungen auf die Schilddrüsenhormonproduktion hat. Insgesamt werden während der Schwangerschaft erhöhte Anforderungen an die Schilddrüse gestellt, die gesunde Menschen ohne weiteres bewältigen können. Bei Frauen mit klinisch noch stummen Schilddrüsenerkrankungen können diese erhöhten Anforderungen während der Schwangerschaft aber zu einer manifesten Erkrankung führen.

Die wichtigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind

  • die Schilddrüsenunterfunktion
  • die Schilddrüsenüberfunktion
  • der Kropf (diffuse und/oder knotige Schilddrüsenvergrößerung)
  • die „Postpartum“-Thyreoiditis

Ein Zuwenig an Schilddrüsenhormon wird als Unterfunktion oder Hypothyreose bezeichnet. Die Gründe liegen meist in einer Schilddrüsenentzündung. Die Beschwerden einer Hypothyreose beginnen meist langsam, uncharakteristisch und schleichend. Bei vermehrter Müdigkeit, Verstopfung, Muskelschmerzen, verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und vermehrtem Kältegefühl ist das Vollbild einer Unterfunktion erreicht. Durch eine einfach durchzuführende Hormonbestimmung aus dem Blut können auch leichte Formen einer Unterfunktion festgestellt werden.

Glücklicherweise kann eine Unterfunktion absolut sicher mit Schilddrüsenhormon, das in Tablettenform eingenommen wird, behandelt werden. Wenn diese Therapie sofort begonnen wird, besteht keine Gefahr für das Baby. Richtig dosiertes Schilddrüsenhormon führt zu keinen Nebenwirkungen. Tritt bei einer Frau, die bereits wegen einer Unterfunktion in Behandlung steht, eine Schwangerschaft ein, so kann eine geringfügige Dosissteigerung erforderlich sein.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine überaktive Schilddrüse kann zu Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, erhöhtem Pulsschlag, Schlaflosigkeit, vermehrter Darmtätigkeit, Nervosität und Müdigkeit führen. Da diese Symptome zum Teil auch schwangerschaftsbedingt sein können, ist die Diagnosestellung manchmal schwierig. Die häufigsten Ursachen der Überfunktion während der Schwangerschaft sind die Basedow’sche Krankheit und die Choriongonadotropin-bedingte Hyperthyreose. Während die erstere Form eine sofortige medikamentöse Behandlung erfordert, verläuft die zweite Form meist weniger ausgeprägt und heilt fast immer spontan aus.

Bei Frauen die an einer Überfunktion erkrankt sind und eine Schwangerschaft planen, sollte zuvor eine dauerhafte Behandlung der Schilddrüsenerkrankung durchgeführt werden. Zur Auswahl stehen hier die Schilddrüsenoperation oder die Therapie mit radioaktivem Jod. Welche der beiden Therapieformen gewählt wird, muss im Einzelfall entschieden werden.

Schilddrüsenvergrößerungen während der Schwangerschaft (Struma)

Eine diffuse Schilddrüsenvergrößerung kann Zeichen eines grenzwertigen Jodmangels sein, der während der Schwangerschaft aufgrund des vermehrten Jodbedarfs manifest wird. Nach einer Blutabnahme zum Ausschluss einer Schilddrüsenfunktionsstörung wird vom Arzt eine Therapie mit Jodid-Tabletten oder einer Kombination eines Schilddrüsenhormons mit Jodid eingeleitet werden. Wird ein Knoten in der Schilddrüse entdeckt, muss dieser mittels Ultraschall und meistens auch durch eine Punktion genau abgeklärt werden. Diese Untersuchung ist absolut harmlos und kaum schmerzhaft.

Eine Szintigraphie kann aufgrund der Strahlenbelastung während der Schwangerschaft und der Stillperiode nicht durchgeführt werden.
Die meisten Knoten sind gutartig. Selten jedoch besteht der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung der Schilddrüse. Falls unbedingt erforderlich, kann eine Schilddrüsenoperation am ehesten im mittleren Schwangerschaftsdrittel erfolgen. Meist wird erst nach der Entbindung operiert.

Postpartum Thyreoiditis

5-9 Prozent aller Frauen erleiden während der ersten sechs Monate nach der Geburt eine Postpartum Thyreoiditis. Da die Erkrankung meist keine Schmerzen verursacht, wird sie auch als „stille Schilddrüsenentzündung“ bezeichnet.

Gewöhnlich sind die Schilddrüsenantikörper erhöht. Betroffen sind vor allem Frauen, bei denen während der Schwangerschaft bereits erhöhte Schilddrüsenantikörper festgestellt wurden oder die bereits bei einer vorangegangenen Schwangerschaft erkrankt sind. Typischerweise besteht zu Krankheitsbeginn eine Überfunktion, die einige Wochen dauert und in eine drei bis neun Monate dauernde Phase der Unterfunktion übergeht. Manchmal kann diese Unterfunktion auch länger bestehen bleiben.

Charakteristische Symptome sind Müdigkeit, Schlaflosigkeit. Gereiztheit, Nervosität, Depression. Es können auch andere Erkrankungen die gleichen oder ähnliche Symptome hervorrufen. Bei den entsprechenden Beschwerden muss jedoch eine genaue Schilddrüsenabklärung durchgeführt werden um – falls erforderlich – eine Behandlung einleiten zu können.

Zusammenfassung

Bereits in der gesunden Schwangerschaft kommt es im Schilddrüsenstoffwechsel zu Veränderungen. Für eine optimale Entwicklung des Kindes ist eine ausreichende Jodversorgung der Mutter wichtig. Um Schilddrüsenstörungen der Mutter rechtzeitig diagnostizieren zu können, sollte zumindest bei gefährdeten Frauen (Schilddrüsenerkrankung bereits bekannt, familiäre Belastung) am Anfang der Schwangerschaft eine Schilddrüsenfunktions- und Schilddrüsenantikörperbestimmung durchgeführt werden

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.at

Autoren:
OA Dr. Wolfgang Buchinger

Aktualisiert am: 01.07.2000 | 00:00

Weitere Artikel zum Thema

Schilddrüse und Fruchtbarkeit

Hat frau einen unerfüllten Kinderwunsch, sollten unbedingt die Schilddrüsenwerte untersucht werden.

Abnehmende Lust durch Schilddrüsenproblem?

Frage:Ich habe seit drei Jahren einen Freund. Am Anfang der Beziehung hatten wir täglich Sex. Seit etwa einem Jahr habe ich eine Unterfunktion der … zur Antwort

Haarausfall durch Schilddrüsenunterfunktion?

Frage: Ich habe seit vielen Jahren eine Schilddrüsenunterfunktion und nehme seitdem L-Thyroxin.und Seit ein paar Monaten fallen mir immer mehr Haare … zur Antwort

Schilddrüsenunterfunktion bei Schwangeren

Müdigkeit und Haarausfall bei Unterfunktion

Gerade eine leichte Unterfunktion bleibt oft lange unentdeckt und macht sich in vielen Fällen erstmals in der Schwangerschaft bemerkbar. Anzeichen sind starke Müdigkeit, Haarausfall und Konzentrationsschwäche. „Bei Frauen, deren Schilddrüse vorher am unteren Rand der Normwerte arbeitete, kann mit Beginn der Schwangerschaft ein Mangel an Schilddrüsenhormonen auftreten“, sagt Prof. Dr. Matthias M. Weber, Leiter der Abteilung für Endokrinologie am Universitätsklinikum Mainz.

Das ist für die Mutter nicht akut bedrohlich. „Für die Entwicklung des Kindes kann es aber gravierende Folgen haben und sollte deshalb frühzeitig festgestellt und behandelt werden“, so der Endokrinologe. Die Auswirkungen eines Mangels reichen von einem erhöhtem Fehl- und Frühgeburtsrisiko über die Ausbildung einer Verdickung der Schilddrüse (Struma oder Kropf genannt) bis hin zu geistigen Entwicklungsstörungen des Kindes. Laut Weber sind etwa drei Prozent aller Schwangeren von einer latenten Unterfunktion betroffen. Seltener (0,1 bis ein Prozent) tritt eine Überfunktion auf, die sich aber im Verlauf der Schwangerschaft oft von selbst bessert.

Blutuntersuchung gibt Aufschluss

Um eine Schilddrüsenunterfunktion festzustellen, wird bei einer Blutuntersuchung zunächst der TSH-Wert ermittelt. Das Steuerungshormon TSH veranlasst die Ausschüttung von Boten­stoffen in der Schilddrüse und kann erste Hinweise auf eine Erkrankung geben. „Sind die Werte auffällig, werden weitere Schilddrüsenwerte im Blut ge­messen, das Organ im Ultraschall begutachtet und eine geeignete Therapie eingeleite“, sagt Weber. Im Zweifel überweist der Gynäkologe oder der Hausarzt die Patien­tin an einen Endokrino­logen. Eine Unterfunktion behandeln Ärzte mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform. Aller­dings verändere sich der Normbereich des TSH-Wertes während der Schwangerschaft, was bei der Diagnostik und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen dann berücksichtigt werden müsse, so Weber.

Einteilung von Schilddrüsenfunktionsstörungen

Die Produktion von Schilddrüsenhormonen hängt sowohl von einer ordnungsgemäßen Funktion der Schilddrüse selbst als auch von einer korrekten Regulation der Drüsenaktivität ab. Zuständig für die Steuerung der Schilddrüsenaktivität sind Hormone der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und einer bestimmten Hirnregion, des sog.Hypothalamus.

Störungender Schilddrüsenfunktion werden nach der jeweiligen Ursache unterschieden. Ist die Schilddrüse selbst Ausgangspunkt der Störung, wird von einer primären Schilddrüsenerkrankung gesprochen. Geht die Funktionsabweichung hingegen auf eine fehlerhafte Regulation der Drüsenaktivität zurück, wird diese als sekundäre oder zentrale Schilddrüsenerkrankung bezeichnet.

Funktionsstörungen der Schilddrüse führen entweder zu einem Mangel an Schilddrüsenhormon, einer sog. Hypothyreose, oder zu einem Überschuss, einer sog. Hyperthyreose. Störungen der Schilddrüsenfunktion im Kindesalter können dabei angeboren (permanent), angeboren vorübergehend (transient) oder erst nach der Geburt entstanden sein.

Vor der Geburt wird der kindliche Bedarf an Schilddrüsenhormonen zumindest teilweise durch die Mutter gedeckt. Kommt es im Umfeld der Geburt zu Funktionsstörungen der Schilddrüse, muss daher auch der Schilddrüsenstoffwechsel der Mutter als mögliche Ursache der Erkrankung in Betracht gezogen werden.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Der Mangel an Schilddrüsenhormonen

Eine unzureichende Versorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen wird als Schilddrüsenunterfunktion oder Hypothyreose bezeichnet.

Krankheitszeichen der Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern

Die Erkrankung führt zu vielfältigen Krankheitszeichen (Symptomen), die in Abhängigkeit vom Alter des Kindes unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Dazu gehören beispielsweise eine verzögerte Knochenentwicklung, ein hohes Geburtsgewicht, große Zunge im Säuglingsalter, Antriebsschwäche, Verstopfung, trockene Haut, niedriger Blutdruck, langsamer Puls, Kälteunverträglichkeit oder Schulleistungsstörungen.

Neugeborenen-Screening zum Ausschluss einer Schilddrüsenunterfunktion

Der Schilddrüsenunterfunktion kommt insbesondere bei Neugeborenen große Bedeutung zu, da ein Mangel an Schilddrüsenhormonen während und nach der Schwangerschaft zu schweren, unter Umständen bleibenden Schäden der Gehirnentwicklung führen kann. Um solche schweren Entwicklungsstörungen auszuschließen, wird in Deutschland seit den 1980er Jahren jedes Neugeborene auf das Vorliegen einer primären, d.h. von der Schilddrüse selbst ausgehenden Hypothyreose untersucht („gescreent“).

Eine Unterfunktion der Schilddrüse liegt zur Geburt bei etwa jedem 4000. Neugeborenen vor. Es besteht ein Mangel an Schilddrüsenhormonen im Blut. Diesen Mangel versuchen der Hypothalamus und die Hirnanhangdrüse auszugleichen, indem sie die Hormonproduktion in der Schilddrüse durch Freisetzung des Schilddrüse (Thyreoidea) stimulierendem Hormons (TSH) zu vermehrter Hormonabgabe anregen. Ist dies aufgrund einer Funktionsstörung des Schilddrüsengewebes nicht möglich und steigen die Schilddrüsenhormone im Blut nicht an, wird die Abgabe von TSH durch Hypothalamus und Hirnanhangdrüse dauerhaft fortgesetzt. Es kommt zu stark erhöhten TSH-Spiegeln im Blut des Kindes.

Direkt nach der Entbindung werden jedem Neugeborenen wenige Tropfen Blut aus der Ferse abgenommen und auf den Gehalt an TSH untersucht. Liegt ein erhöhter TSH-Wert vor, werden weitere Untersuchungen zur genaueren Bestimmung der Störung durchgeführt und sofort eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen eingeleitet. Dadurch können bleibende Schäden am Gehirn der betroffenen Kinder in der Regel verhindert werden. Ein eventuell bestehender Entwicklungsrückstand wird unter der Behandlung mit Schilddrüsenhormon von den Kindern zumeist vollständig aufgeholt.

Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern

Die nachfolgende Tabelle gibt eine kurze Übersicht über wichtige Ursachen von Schilddrüsenunterfunktion im Kindesalter:

Tab.1: Wichtige Ursachen von Schilddrüsenunterfunktion im Kindesalter

Einordnung der Hypothyreose

Art der Störung

Erläuterung

Primär, angeboren, permanent

Schilddrüsenfehlbildung

Fehlen, Unterentwicklung oder Fehllage der Schilddrüse

Hormonbildungsstörung

Störungen der an der Schilddrüsenhormonbildung beteiligten Enzyme; die Schilddrüse des Kindes ist zumeist stark vergrößert

Sekundär, angeboren, permanent

Entwicklungsstörung von Hypothalamus und/oder Hirnanhangdrüse

Steuerung der Schilddrüsenaktivität durch Hypothalamus oder Hirnanhangdrüse ist unzureichend

TSH-Mangel

Unzureichende Anregung der Schilddrüse zur Hormonabgabe

TSH-Rezeptordefekt

Steuersignale von Hypothalamus und Hirnanhangdrüse werden von der Schilddrüse ungenügend wahrgenommen

Angeboren, vorübergehend

Vorgeburtlicher Jodmangel

Ohne ausreichend Jod können Schilddrüsenhormone nicht in der erforderlichen Menge gebildet werden; es kommt zur Vergrößerung der Schilddrüse (Struma bzw. Kropf)

Mütterliche Medikamente

Mütterliche Medikamente (beispielsweise auch eine Überversorgung mit Jod) können die Hormonproduktion beim neugeborenen Kind stören

Mütterliche Antikörper gegen die Schilddrüse

Nach der Geburt noch vorhandene mütterliche Schilddrüsen-Antikörper im Blut des Kindes beeinträchtigen vorübergehend die Schilddrüsenfunktion des Neugeborenen

Hormonmangel bei Frühgeborenen

Frühgeborene weisen unter Umständen noch keinen ausreichenden Hormonstoffwechsel in der Schilddrüse auf, daher kann es zu einem Hormonmangel kommen

Erworben

Schilddrüsenentzündung durch Antikörper

Eine Fehlreaktion des Abwehrsystems löst eine Entzündung und Schädigung des Schilddrüsengewebes aus, z.B. Hashimoto-Thyreoiditis

Jodmangel bzw. Jodüberschuss

Jodmangel ebenso wie Jodüberschuss können die Bildung von Schilddrüsenhormonen stören und zu einer Unterversorgung führen

Operation oder Bestrahlung

Wenn Schilddrüsengewebe im Rahmen einer Operation oder durch Bestrahlung verloren geht, kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Folge sein

Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern

Die genaue Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion wird aufgrund von Blutuntersuchungen (Schilddrüsenhormone, Schilddrüsensteuerungshormone, Transporteiweiße für Hormone), durch bildgebende Verfahren (Ultraschall der Schilddrüse, Nachweis von Schilddrüsengewebe durch radioaktiv-markierte Substanzen im Rahmen einer sog. Szintigraphie) sowie durch feingewebliche Untersuchung (Histologie) des Schilddrüsengewebes gestellt.

Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern

Die Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion im Kindesalter sollte von einem Spezialisten durchgeführt werden: entweder von einem auf Hormonerkrankungen spezialisierten Kinderarzt (endokrinologisch orientierter Pädiater) oder von einem auf Kinder spezialisierten Facharzt für Hormonerkrankungen (pädiatrisch orientierter Endokrinologe).

Die Behandlung besteht in der Regel aus der medikamentösen Gabe des wichtigsten Schilddrüsenhormons, des Thyroxins (T4). Je nach Ursache der Unterfunktion ist eine vorübergehende oder dauerhafte, d.h. lebensbegleitende Therapie erforderlich.

Die Behandlungsaussichten sind sehr gut. Lediglich wenn auch die Mutter selbst während der Schwangerschaft an einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen gelitten hat (z.B. durch Jodmangel), können beim Kind bleibende Entwicklungsrückstände nicht immer ausgeschlossen werden.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Der Überschuss an Schilddrüsenhormonen

Eine Überversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen wird als Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose bezeichnet.

Krankheitszeichender Schilddrüsenüberfunktion bei Kindern

Zu den typischen Krankheitszeichen bei Schilddrüsenüberfunktion gehören eine vergrößerte Schilddrüse, Schwirren der Schilddrüse aufgrund eines vermehrten Bluteinstroms, schneller Puls, hoher Blutdruck, feinschlägiges Zittern der Extremitäten sowie – weniger ausgeprägt als bei Erwachsenen – das Hervortreten der Augen.

Ursachen von Schilddrüsenüberfunktion

Die wichtigsten Ursachen der Hyperthyreose im Kindesalter sind:

  • Vermehrte Einnahme von Schilddrüsenhormonen: Im Rahmen der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion kann es zu ein Überdosierung kommen. Ebenso ist eine versehentliche Einnahme durch das Kind denkbar, etwa wenn ein Elternteil eine entsprechende Behandlung durchführt.
  • Schilddrüsenknoten: Innerhalb der Schilddrüse können sich (zumeist gutartige) Gewebeknoten (Adenome) bilden, die unabhängig von den normalen Regulationsmechanismen Schilddrüsenhormon freisetzen.
  • Stimulation der gesamten Schilddrüse durch Antikörper: Im Rahmen einer fehlgeleiteten Abwehrreaktion des Immunsystems können Abwehrkörper (Antikörper) entstehen, die nicht der Bekämpfung von Krankheitserregern dienen, sondern auf die Empfangsstellen (Rezeptoren) der Schilddrüsenzellen für das Steuerungshormon TSH reagieren. Dort lösen sie die unkontrollierte Freisetzung von Hormonen aus. Die vermehrte Hormonfreisetzung betrifft dann – im Gegensatz zum Vorliegen einzelner Drüsenknoten – die gesamte Schilddrüse. Beispiele für diese Form der Schilddrüsenüberfunktion sind die Basedowsche Krankheit (Morbus Basedow) sowie einige Formen der Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis).
  • Übertragung von TSH-stimulierenden Antikörpern auf das ungeborene Kind: Weist eine Schwangere Antikörper auf, die zu einer Freisetzung von Schilddrüsenhormonen führen, können diese beim Kind eine Hyperthyreose hervorrufen.

Diagnose der Schilddrüsenüberfunktion

Die Diagnose einer Hyperthyreose wird durch Blutuntersuchung gestellt. Dabei finden sich erhöhte Werte für die Schilddrüsenhormone bei gleichzeitig vermindertem Steuerungshormon (TSH). Ergänzend werden eine Ultraschalluntersuchung und eventuell eine Szintigraphie (Aktivitätsuntersuchung der Schilddrüse auf Basis radioaktiver Substanzen) durchgeführt, um genauen Aufschluss über die Ursache der Erkrankung zu erhalten.

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüsenüberfunktion wird im Kindesalter durch Medikamente, die die Hormonproduktion blockieren, chirurgische Entfernung eines Teils oder der gesamten Schilddrüse oder auch mittels Bestrahlung der Schilddrüse durch Einnahme von radioaktivem Jod behandelt.

In Abhängigkeit von Art und Umfang der Therapie kann es in der Folge der Behandlung zu einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen kommen. Diese muss dann durch Einnahme von künstlichem Schilddrüsenhormon ausgeglichen werden.

Bei der operativen Behandlung ist besonders darauf zu achten, dass weder die in unmittelbarer Nachbarschaft der Schilddrüse anzutreffenden Nebenschilddrüsen (wichtig für die Regulation des Knochenstoffwechsels) noch der Stimmbandnerv verletzt werden.

Schilddrüsenunterfunktion: Symptome bei Frauen und Behandlung

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann angeboren sein oder erworben werden. Sie ist die häufigste angeborene Stoffwechselstörung in Deutschland. Etwa doppelt so viele neugeborene Mädchen wie Jungen leiden an einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion.

Bei der erworbenen Form ist das Geschlechterverhältnis noch differenzierter: Frauen leiden etwa vier Mal so häufig unter einer Schilddrüsenunterfunktion wie Männer.

Wie entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion?

Bei der Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse weniger Hormone, als der Körper braucht. Die Schilddrüsenhormone sind jedoch wichtig für den Stoffwechsel. Sind zu wenig Hormone verfügbar, wird der Körper unterversorgt – die Stoffwechselvorgänge laufen nun langsamer ab als normal. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Schilddrüsenunterfunktion: die primäre und die sekundäre.

Primäre und sekundäre Unterfunktion der Schilddrüse

Liegt die Ursache für die zu geringe Produktion in der Schilddrüse selbst, spricht man von einer primären Schilddrüsenunterfunktion. Dazu gehört die angeborene Störung. In etwa zwei Dritteln der Fälle ist eine falsche Lage der Schilddrüse (Schilddrüsenektopie) die Ursache. Dadurch ist sie in ihren Funktionen eingeschränkt.

Häufig fehlt die Schilddrüse auch völlig (Schilddrüsenaplasie). Störungen im Schilddrüsenstoffwechsel sind ebenfalls ein häufiger Grund für eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion.

Die Ursachen für eine erworbene primäre Schilddrüsenunterfunktion liegen oft in einem Gewebeverlust. Durch verschiedene Krankheiten wird Schilddrüsengewebe zerstört oder abgebaut. Die Schilddrüse ist dann nicht mehr in der Lage, eine ausreichende Menge Schilddrüsenhormone zu produzieren. Mögliche Ursachen sind:

  • Chronische Entzündungen der Schilddrüse (z.B. durch Autoimmunerkrankungen)
  • Schilddrüsenoperationen, bei denen bereits Gewebe entfernt wurde
  • Radiojodtherapie
  • Überdosierung von produktionshemmenden Medikamenten wie Thyreostatika

Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird von der Hirnanhangsdrüse gesteuert und reguliert. Treten hier Störungen auf, wird die Schilddrüse nicht mehr ausreichend angeregt, die benötigten Hormone zu produzieren. Als Ursachen für diese sekundäre Schilddrüsenunterfunktion kommen Tumoren oder häufige Bestrahlungen in Betracht.

Zu wenig über die Nahrung zugeführtes Jod ist ebenfalls eine mögliche Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Schilddrüsenunterfunktion?

Die Beschwerden der Schilddrüsenunterfunktion liegen alle dem durch den Hormonmangel verlangsamten Stoffwechsel zugrunde. Sie entwickeln sich häufig über mehrere Jahre und werden oft erst spät bemerkt. Die unterschiedlich ausgeprägten Symptome sind:

  • Unser Darm hat einen Fulltime-Job, da kann es schnell zu einer Verstopfung kommen. Was hilft?

    mehr erfahren

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Muskelschwäche
  • Mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • Schlafbedürfnis
  • Verstopfung (Obstipation)
  • trockene, schuppige Haut
  • geschwollene Augenlider und Hände
  • Heiserkeit

Bei Babys mit einer angeborene Schilddrüsenunterfunktion zeigen sich bereits früh Hinweise auf einen langsamen Stoffwechsel: Trinkfaulheit, Verstopfung, motorische Störungen und geringe Bewegung sind deutliche Anzeichen.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?

Zu den Standard-Untersuchungen bei Neugeborenen gehört mittlerweile auch die Bestimmung der Schilddrüsenhormone im Blut. Die Bestimmung wird bei der Vorsorgeuntersuchung U2 durchgeführt. Dadurch lässt sich eine Schilddrüsenunterfunktion bereits frühzeitig erkennen und behandeln.

Auch bei Erwachsenen gehört die Bestimmung der Hormonwerte zur Diagnostik. Der TSH-Wert zeigt außerdem die Funktionsfähigkeit der Hirnanhangsdrüse an. Das Thyreoidea-Stimulierende Hormon (TSH) reguliert die Produktion der Schilddrüsenhormone. Ist dieser Wert erhöht, deutet das auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin.

Weitere Diagnostik-Verfahren sind die Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der Schilddrüse und die Schilddrüsenszintigraphie. Eine leicht radioaktive, jodhaltige Flüssigkeit wird dabei in die Vene injiziert. Speichert die Schilddrüse diese Flüssigkeit nur ungenügend, weist das auf eine Unterfunktion hin. Auf einem Szintigramm lässt sich die Verteilung in der Schilddrüse erkennen.

Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt medikamentös

Zur Therapie der Schilddrüsenunterfunktion ist die lebenslange Einnahme von Medikamenten die einzige Möglichkeit. Die fehlenden Schilddrüsenhormone werden dabei meist als Tabletten eingenommen.

Für die richtige Dosierung der Schilddrüsenhormone ist es ratsam, den Hormonspiegel in regelmäßigen Abständen vom Arzt überprüfen zu lassen.

Welchen Verlauf hat eine Schilddrüsenunterfunktion?

Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird, ist die Lebensqualität nicht eingeschränkt. Vor allem die Früherkennungsmaßnahmen bei Neugeborenen sind dabei entscheidend, da eine nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern zu Entwicklungsstörungen führen kann.

Eine seltene Komplikation ist das Myxödem, das besonders durch die für die Schilddrüsenunterfunktion charakteristischen Hautveränderungen gekennzeichnet ist. Diese schwere Form der Schilddrüsenunterfunktion kann zum Koma führen. Besonders eine unzureichende Behandlung gilt als Risikofaktor für die Entstehung eines Myxödems.

Schilddrüsenunterfunktion: Wie kann man ihr vorbeugen?

Um einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion vorzubeugen, ist es ratsam, die Therapie mit Thyreostatika während der Schwangerschaft genau zu beobachten. Eine Überdosierung in der Schwangerschaft schadet dem ungeborenen Kind.

Eine jodreiche Ernährung kann einer Schilddrüsenunterfunktion vorbeugen. Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Das bedeutet, dass über die Nahrung meist nicht genügend Jod aufgenommen wird. Seefisch, Meeresfrüchte und bestimmte Fleischsorten enthalten besonders viel Jod. Es ist empfehlenswert, mit Jod angereichertes Speisesalz zu verwenden.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.