Schielen BEI säuglingen

Schielen

Schielen (Strabismus) gehört zu den häufigsten Sehstörungen bei Kindern, etwa 7% aller Kinder sind betroffen. Es ist keinesfalls nur ein kosmetisches Problem – und in der Hälfte der Fälle ist es schon im Laufe des ersten Lebensjahres erkenn- und behandelbar!

Ein schielendes Kind kann die Sehachsen der beiden Augen nicht auf denselben Punkt richten. Die Augen stehen also „über Kreuz“. Dabei kann es sein, dass nur ein Auge schielt, aber auch dass beide Augen abwechselnd schielen. Ursache kann eine Fehlfunktion der Augenmuskulatur oder eine Anomalie des Sehnervs sein. Viele schielende Kinder sind auch weitsichtig oder haben auf den beiden Augen eine stark unterschiedliche Brechkraft, die sie durch Schielen auszugleichen versuchen.

Babys unter drei Monaten können ihre Augen noch nicht gleichzeitig als Paar, also synchron, bewegen. Dieses „physiologische Schielen“ ist also erst einmal ganz normal.

Später entdecken Sie das Schielen so: Wenn man dem Kind in die Augen schaut, spiegelt sich darin immer irgendein heller Punkt (Fenster, Lampe o.ä.). Wenn dies bei beiden Augen am gleichen Ort spiegelt (z. B. mitten in der Pupille), kann man davon ausgehen, dass das Kind nicht schielt, auch wenn es evtl. den Eindruck macht.

Schielen kann stärker werden nach einer Kinderkrankheit wie Scharlach, Masern oder Keuchhusten und bei Müdigkeit.

Weitere Informationen zum Schielen, zur Diagnosestellung und Behandlung.

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Silberblick oder ganz normal? | 10.07.2016

Alle Babys, bei denen der Verdacht auf Schielen besteht, oder in deren Familien Schielen vorkommt, sollten schon mit sechs bis zwölf Monaten beim Augenarzt vorgestellt werden. Darauf weist die Stiftung Kindergesundheit hin. In mehr als 90 Prozent der Fälle wird eine Schwachsichtigkeit vermieden und das Schielen geheilt. Die Behandlung mit dem Schielpflaster und evtl. Atropintropfen sei völlig schmerzlos. Ziel ist ein alternierendes Schielen zu erreichen, also abwechselnd beide Augen zum Sehen zu zwingen. Ergänzt werde die so genannte Okklusionsbehandlung durch eine Brille, um den mit dem Schielen meist gekoppelten Sehfehler – in der Regel eine Weitsichtigkeit – auszugleichen.

Letzte Aktualisierung : 06-11-19, BH

Mein Baby schielt – muss es zum Arzt?

Schielen kann gut behandelt werden

Kerstin Hornig ist Orthoptis­tin in Esslingen und beim Berufsverband der Orthoptis­tinnen Deutschland e. V. in Baden-Württemberg aktiv. Sie untersucht täglich ­Babys und Kleinkinder, ­die nicht sagen können, ob sie etwas schlecht oder gar nicht erkennen können. „Es gibt viele Möglichkeiten, die Augen­funktionen auch nonverbal zu tes­ten, zum Beispiel über Reflexe“, erklärt sie. ­Gerade, wenn der Schielwinkel sehr gering und mit bloßem Auge nicht zu sehen ist, hilft der sogenannte Brückner-­Test: Im Schein einer speziellen Lampe zeigen sich die Pupillen eines schielenden Kindes in unterschiedlichen Rottönen – stehen die Augen gerade, haben die Pupillen die gleiche Farbe. „Anderes können wir spielerisch diagnostizieren“, sagt Hornig.

Manchmal ist es nur Pseudoschielen

Auch meine Tochter findet die bunten Gegenstände der Orthoptistin ziemlich ­lustig und lässt sich brav in die Augen ­schauen. Paula fixiert das Licht auf dem Bauch eines quakenden Frosches und darf sich ein Pflaster aus­suchen, mit dem ihr abwechselnd ein Auge abgeklebt wird. Mit ­einer ­lila Prinzessin im Gesicht muss sie Formen erkennen, von Nahem und von Weitem. ­Alles klappt, die ­Augen sind in Ordnung. Das Pflas­ter darf sie behalten und klebt es mir auf den Arm. Der Augen­arzt testet noch ihre Sehkraft.

Die Okklusionstherapie, wie die Abklebebehandlung mit ­Pflaster heißt, soll das schwächere ­Auge trainieren. Das gesunde ­Auge wird, abhängig vom Alter und Grad der Schwachsichtigkeit tageweise oder für ­einige Stunden täglich abgeklebt.

Das schwächere ist so gezwungen, die Sehleistung zu übernehmen. ­Eine Brille kann in bestimmten Fällen den Schielwinkel verringern oder sogar komplett korrigieren. ­Einer Operation bedarf es meist nur bei größeren Schielwinkeln, wenn das beidäugige Sehen verbessert werden kann oder das Schielen große Beschwerden verursacht.

Meine Tochter hat übrigens ein sogenanntes Pseudo­schielen. Es wird verursacht durch den bei Kleinkindern häufig sehr breiten Nasenrücken und eine ­kleine Extra­falte des Augeninnenlids, die auch nicht unnormal ist. Schaut Paula zur Seite, scheint es, dass ein Auge schief guckt. Mein Mann murmelt wissend, ich bin erleichert.

Es mag zynisch klingen, doch Babys, die ganz offensichtlich schielen, haben Glück im Unglück. Die Eltern werden darauf aufmerksam und konsultieren meist schon im ersten Lebensjahr einen Augenarzt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Fällt die Augenfehlstellung kaum auf, wird sie häufig erst im Kindergarten bemerkt.

Für eine erfolgreiche Therapie ist es dann schon fast zu spät. Weil es wichtig ist, früh zu reagieren, raten Augenärzte allen Eltern, die Augen ihres Kindes zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag untersuchen zu lassen. Das Sehvermögen entwickelt sich erst nach der Geburt. Neugeborene nehmen die Welt ziemlich verschwommen wahr, sie können ihre Augenbewegungen noch nicht koordinieren und keine Gegenstände fixieren. Beides lernen sie in den ersten 4 bis 6 Monaten.

Dabei schielen fast alle gelegentlich. Hören sie damit wieder auf, sprechen Fachleute von „Bébéschielen“, eine Behandlung ist nicht nötig. Die Sehschärfe liegt nach der Geburt bei 3 bis 5 Prozent und nimmt bis zum Schulalter kontinuierlich zu. Bleibt das Schielen in dieser wichtigen Entwicklungsphase unbehandelt, beeinträchtigt es in 9 von 10 Fällen die spätere Sehleistung. Wenn die Augen nicht in dieselbe Richtung sehen, empfängt das Hirn zwei Bilder, die es nicht zu einem stimmigen dreidimensionalen Gesamtbild verarbeiten kann. Die Folge ist, dass eines der beiden Bilder unterdrückt wird.

Erfolg hängt vom Durchhaltewillen der Eltern ab

Bevorzugt das Hirn dabei immer das gleiche Auge, kann sich beim anderen die Sehschärfe nicht richtig entwickeln; es wird, wie es im Fachjargon heisst, amblyob oder sehschwach. Stoppen lässt sich diese Fehlentwicklung nur mit Massnahmen, die das Hirn dazu zwingen, auch das andere Auge zu gebrauchen. Als erstes bekommen viele schielende Kinder eine Brille, da sie häufig an einer ausgeprägten Weitsichtigkeit leiden.

Der nächste Schritt, das sogenannte Okkludieren, klingt komplizierter als es ist. Dabei wird das stärkere Auge über mehrere Stunden pro Tag mit einem speziellen Pflaster abgedeckt. Das Hirn passt sich dieser Veränderung blitzschnell an. Obwohl es Bilder aus dem nicht zugeklebten Auge normalerweise ausblendet, sieht es nun mit diesem: So kann sich seine Sehschärfe normal entwickeln. Wie lange das bessere Auge abgedeckt bleiben muss, bestimmt der Augenarzt.

Ungefähr alle sechs Wochen kontrolliert er die Fortschritte und passt den Behandlungsplan an. Ohne Mithilfe der Eltern geht dies allerdings nicht, der Erfolg hängt vor allem von ihrem Durchhaltewillen ab. Sie sind dafür verantwortlich, dass ihr Kind die Brille ununterbrochen trägt. Sie müssen es über Jahre hinweg immer wieder zum Arzt bringen, sieben Tage die Woche Pflaster aufkleben und wieder entfernen – und das oft gegen den Willen des Kindes, das viel zu klein ist, um den Sinn dahinter zu begreifen.

Operation erst, wenn Kind zuverlässig Brille trägt

Eine Operation wird bei rund der Hälfte aller schielenden Kinder empfohlen. Dabei handelt es sich in erster Linie um einen kosmetischen Eingriff, bei dem die Augenmuskeln auf der einen Seite verlängert und auf der anderen verkürzt werden. Kinder werden unter Vollnarkose operiert und zwar erst dann, wenn sie zuverlässig eine Brille tragen können. Das Auge sieht danach geradeaus, aber an der Sehkraft verändert die Operation nichts. Auf die Brille können die Mädchen und Buben danach ebenso wenig verzichten wie auf die Weiterführung der Behandlung mit Abdeck-Pflastern.

Schielen (Strabismus) im Kindesalter

Bereits Kleinkinder können von der Sehstörung betroffen sein. Das Schielen kann sich allerdings auch erst später entwickeln. In Deutschland sind etwa fünf bis sieben von hundert Menschen von dieser Sehstörung betroffen.

Ursachen des Schielens

Wenn ein Kind schielt, kann das verschieden Ursachen haben. Oft kann eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Das Schielen kann aber auch daher rühren, dass die Augenmuskulatur unterschiedlich starken Zug auf das Auge ausübt. Möglicherweise liegt bei einem Auge aber auch eine Sehschwäche vor.

Besonders häufig ist das Begleitschielen. Hierbei macht das schielende Auge die Bewegungen des gesunden Auges mit; es begleitet das gesunde Auge. Das Begleitschielen tritt speziell bei Kindern in den ersten vier Lebensjahren auf. Oft bleibt die Ursache dieses Schielens ungeklärt, doch werden Weitsichtigkeit und eine unterschiedlich starke Brechkraft der Augen für das Begleitschielen verantwortlich gemacht.

Das Lähmungsschielen wird durch eine Lähmung des Augenmuskels verursacht. Der Blick in bestimmte Richtungen ist nicht möglich. Das Lähmungsschielen kann in jedem Alter auftreten und viele Ursachen wie Durchblutungsstörungen oder Verletzungen des Augenmuskels haben.

Symptome: ungewöhnliche Blickrichtung

Typisches Symptom des Schielens ist eine ungewöhnliche Blickrichtung, die häufig schon von den Eltern bemerkt wird. Schielende Kinder kneifen oft die Augen zusammen oder decken mit einer Hand ein Auge ab. Auch wenn das Kind den Kopf immerzu schief hält, gereizt reagiert und sich ungeschickt fortbewegt, können dieses Symptome des Schielens sein.

Durch das Schielen wird die dreidimensionale Wahrnehmung des Kindes gestört. Das liegt daran, dass beide Augen in die gleiche Richtung blicken müssen, um die Umgebung als Raum erkennen zu können. Die beiden einzelnen Bilder, die das rechte und das linke Auge sehen, werden im Gehirn zu einem einzigen Bild zusammengefügt. Bei einem schielenden Kind weichen diese beiden Bilder so stark voneinander ab, dass das Gehirn sie nicht zu einem einzigen Bild zusammenfügen kann. Das Kind sieht stattdessen Doppelbilder. Hält dieser Zustand an, schaltet das Gehirn die Seheindrücke des schielenden Auges aus. Das Kind sieht fortan nur noch mit dem gesunden Auge.

Diagnose Schielen

Schielt ein Kind stark, wird die ungewöhnliche Blickrichtung häufig schon von den Eltern bemerkt. In diesem Fall sollten Eltern das Kind bei einem Augenarzt untersuchen lassen. Dieser strahlt bei der Augenuntersuchung mit einer Lampe in das Auge des Kindes. Dadurch kann er testen, ob das Licht in beiden Augen von der gleichen Stelle auf der Pupille reflektiert wird. Bei älteren Kindern fällt die Untersuchung beim Augenarzt gründlicher aus. Sie werden unter anderem dazu aufgefordert, Gegenstände mit den Augen zu fixieren. Manchmal wird ein Auge dabei abgedeckt. Mit den Ergebnissen einer gründlichen Untersuchung kann der Arzt sogar leichtes Schielen diagnostizieren.

Therapie: je früher, desto besser

Je früher die Therapie des Schielens einsetzt, desto besser ist es für die Entwicklung des Kindes. Die Entwicklung des Sehens ist bis zum Alter von etwa drei Jahren noch beeinflussbar, da das Gehirn noch nicht ausgereift ist.

Als ersten Schritt der Behandlung bestimmt der Arzt, um welche Art des Schielens es sich im individuellen Fall handelt. Der Sehfehler kann dann häufig mithilfe einer Brille behoben werden. Im weiteren Verlauf der Behandlung muss die Brillenstärke immer wieder überprüft werden. Diese kann sich verändern, während sich das Kind noch im Wachstum befindet.

Oft ist es notwendig, das durch das Schielen geschwächte Auge zu trainieren. Hierzu wird in regelmäßigen Abständen das gesunde Auge abgeklebt. Diese Form der Behandlung erfordert sowohl von den Eltern als auch vom Kind ein hohes Maß an Disziplin und Geduld.

Gelegentlich kommt es vor, dass das Schielen des Kindes nur mit einer Operation behoben werden kann. Dabei öffnen die Ärzte die Bindehaut, um die Augenmuskeln zu regulieren. Die Bindehaut verheilt leicht. Jedoch kann bei vielen Kindern auch durch eine Operation kein dreidimensionales Sehen hergestellt werden.

Verlauf der Sehstörung

Wird das Schielen nicht rechtzeitig behandelt, kann es möglicherweise ein Leben lang nicht mehr korrigiert werden. Das Kind lernt nicht, mit beiden Augen zu sehen und kann somit auch nicht räumlich sehen. Als Begleiterscheinung des Schielens können Kopfschmerzen entstehen.

Auch mit Behandlung kann manchmal das Schielen nicht vollständig behoben werden. In diesem Fall müssen die betroffenen Kinder im späteren Leben mit Einschränkungen rechnen. Sie können sich beispielsweise nicht für einen Beruf oder eine Sportart entscheiden, die räumliches Sehen erfordert.

Wie kann man vorbeugen?

Bereits nach den ersten fünf bis sechs Lebensmonaten sollte der Kinderarzt das Kleinkind in regelmäßigen Abständen auf das Schielen hin untersuchen. Vorsorgeuntersuchungen sind besonders dann wichtig, wenn andere Familienmitglieder schon einen Sehfehler haben. Da Kinder ihre eigene Sehstörung nicht bemerken und lernen, sie als Normalzustand zu betrachten, sollte das Schielen unbedingt innerhalb der ersten zwei bis drei Lebensjahre erkannt und behandelt werden.

Oft mit Sehfehler gekoppelt:
Schiel-Erkrankungen schon bei Babys behandeln lassen

MEC öffnen

Die Verunsicherung ist gerade bei jungen Eltern groß: Das Kind ist gesund – doch sobald es die Augen öffnet, scheint etwas nicht zu stimmen. Ist das ein Silberblick oder schielt das Baby sogar? Auch bei älteren Babys oder Kleinkindern sind sich viele Eltern nicht sicher, was noch im normalen Rahmen liegt und was krankhaft sein könnte.

„Meine Kleine ist bald neun Monate alt und schielt immer noch ab und zu, besonders wenn sie auf meinem Arm ist und mich fixiert“, erzählt zum Beispiel eine Userin eines Frauenforums im Internet. „Wie lange ist Babyschielen denn okay?“

Pseudoschieler

Klaus Rüther vom Berufsverband der Augenärzte kennt ähnliche Fragen von Eltern auch aus seiner Praxis. Doch gerade in den ersten Lebenswochen und -monaten müssten sich die meisten keine Sorgen machen. „In den ersten drei Monaten ist ein zeitweiliges Schielen durchaus bei vielen Kindern zu beobachten und, wenn es selten ist, nicht so bedeutsam.“

Auch bei einem älteren Baby kann der Augenarzt ab und zu Entwarnung geben. Denn manchmal führt einfach der Gesichtsschnitt des Kindes in die Irre. „Das ist dann der Fall, wenn der Nasenrücken relativ breit ist und deswegen die Augen näher beieinanderstehend aussehen und damit ein Innenschielen vortäuschen“, sagt Rüther. So ein „Pseudoschielen“ ist harmlos.

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Doch egal ob echtes oder nur scheinbares Schielen: Eltern sollten in jedem Fall mit dem Baby schnell zum Augenarzt gehen. Und zwar eher als noch vor einigen Jahren angenommen. Denn: Ob das Kind später gut oder schlecht sehen kann, entscheidet sich schon früh.

Gehirn muss sehen lernen

Das Gehirn muss das Sehen erst „lernen“. Bekommt es in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren aufgrund eines erkrankten Auges keinen vollständigen Seheindruck, so kann es den auch später nicht mehr erlernen.

„Wenn ein Auge schielt, dann kann es sein, dass dieses Auge vom Gehirn abgeschaltet wird. Die entsprechenden Gehirnteile reifen sich nicht aus“, erklärt Bettina Wabbels von der Augenklinik der Universität Bonn.

Zum Augenarzt

Deshalb sollten Babys in einem Alter von sechs bis zwölf Monaten einem Augenarzt vorgestellt werden – besonders wenn die Eltern den Eindruck haben, dass es schielt. Doch auch wenn die Eltern oder der Kinderarzt im Babyalter bislang nichts Auffälliges festgestellt haben, rät Augenärztin Wabbels dazu, im Kleinkindalter vorstellig zu werden: „Die Erfahrung zeigt: Die Kinder, die massiv auffällig schielen, fallen den Eltern und dem Kinderarzt bereits frühzeitig auf. Es gibt allerdings auch kleinwinkliges Schielen und Brechungsfehler, die man dem Auge nicht ansieht und als Laie normalerweise nicht erkennt.“

Die Stiftung Kindergesundheit schätzt, dass zwischen 5,3 und 7,4 Prozent der Kinder so stark schielen, dass sie behandelt werden müssen. Die Therapie besteht aus mehreren Bausteinen. Zunächst findet der Arzt heraus, ob eine Brille notwendig ist. Denn meistens ist das Schielen mit einem Sehfehler gekoppelt.

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Abkleben

Um das Schielen zu behandeln, müssen beide Augen zum Sehen animiert werden. Dazu wird in der Regel das nicht schielende Auge abgeklebt. Das Gehirn lernt auf diese Weise, das schielende Auge wieder einzusetzen. Doch diese Behandlung klingt leichter als sie in der Praxis ist: „Die Eltern schaffen es manchmal nicht, das Abkleben durchzusetzen. Wenn das nicht gelingt, gelingt auch die Therapie nicht“, sagt Rüther.

Am Aussehen des Kindes ändert sich jedoch dadurch erst mal nichts. „Viele Eltern denken, dass die Augen bei einer Schielerkrankung nach der Behandlung gerade stehen – und sind dann ganz verwundert, dass das die Augenärzte erst mal gar nicht so sehr interessiert“, sagt Wabbels. „Wichtig ist tatsächlich, die Sehentwicklung zu fördern.“

Der letzte Schritt wäre eine Operation am Auge. In den USA wird meist schon im Alter von zwei bis drei Jahren operiert, in Deutschland später, aber immer noch im Vorschulalter. „Je älter die Kinder werden, desto besser wird die Narkose verkraftet“, sagt Rüther.

Bis zur Einschulung

Außerdem verändert sich das Schielen im Laufe der Jahre. „Wenn sie sehr früh operieren, also im zweiten oder dritten Lebensjahr, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Vorschulalter noch mal operieren müssen, durchaus da“. Früh operiert wird deshalb nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel, wenn das Kind den Kopf ständig schief hält oder sehr stark unter seinem schielenden Auge leidet.

Die gute Nachricht für Eltern und Kind ist: Bis zur Einschulung ist eine Behandlung meist erfolgreich. Bis zu 90 Prozent der Kinder schielen anschließend nicht mehr oder können zumindest auf beiden Augen in etwa gleich gut sehen.

Schielen ist mehr als ein Schönheitsfehler

Ob ein Kind ein Leben lang gut oder schlecht sehen wird, entscheidet sich meist schon im frühen Babyalter. Sehstörungen und Augenfehler lassen sich fast immer korrigieren, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Das gilt insbesondere für das Schielen. Keine andere Augenerkrankung führt so häufig schon in der Kindheit zu einer verminderten Sehleistung, wie der so oft verharmloste „Silberblick“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der Stiftung Kindergesundheit. Wird der vermeintliche Schönheitsfehler nicht behandelt, droht jedem zweiten betroffenen Kind eine dauernde irreversible einseitige Sehverschlechterung. Wird die Störung dagegen rechtzeitig angegangen, stehen die Chancen überaus günstig: In mehr als 90 Prozent der Fälle wird die Schwachsichtigkeit vermieden und das Schielen geheilt.

Rechtzeitig heißt frühzeitig, und zwar frühzeitiger als man noch vor einigen Jahren geglaubt hat, betont die Stiftung Kindergesundheit mit Nachdruck. Alle Babys, bei denen der Verdacht auf Schielen besteht, oder in deren Familien Schielen vorkommt, sollten schon mit sechs bis zwölf Monaten beim Augenarzt vorgestellt werden. Besteht bei einem Baby nach dem dritten Lebensmonat immer noch eine ständige einseitige Fehlstellung, so sollte eine Frühbehandlung eingeleitet werden.

Das Schielpflaster tut nicht weh

„Diese Behandlung ist völlig schmerzlos und belastet das Baby in einem wesentlich geringeren Maße, als es manchen Eltern erscheinen mag“, so Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Das Ziel der Behandlung ist es, ein so genanntes alternierendes Schielen zu erreichen, also abwechselnd beide Augen zum Sehen zu zwingen. Dazu wird das gesunde Auge entweder mit Hilfe von Atropintropfen in seiner Sehkraft zeitweilig geschwächt oder stundenweise mit einem Pflaster abgedeckt und damit ausgeschaltet.

Ergänzt wird diese so genannte Okklusionsbehandlung durch die Verschreibung einer Brille, um den mit dem Schielen meist gekoppelten Sehfehler – in der Regel eine Weitsichtigkeit – auszugleichen. Die augenärztliche Untersuchung, mit der die richtige Brillenstärke ermittelt wird, ist ebenfalls einfach und schmerzlos.

In vielen Fällen reichen diese Maßnahmen allein schon aus, um das Schielen vollständig zu beseitigen und ein stereoskopisches Sehen zu erreichen. Bei größerem Schielwinkel ist jedoch immer eine Operation notwendig.

Über den richtigen Zeitpunkt dieses Eingriffs gibt es unterschiedliche Ansichten unter den Augenärzten: Während die einen (besonders in den USA) für eine operative Korrektur bereits im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren plädieren, halten die anderen einen Operationstermin zwischen dem dritten und fünften Geburtstag noch für ausreichend. In Deutschland wird die Operation üblicherweise im Jahr vor der Einschulung durchgeführt. So lässt sich vermeiden, dass das Schielen den Schulerfolg behindert.

Wurde früher der Anteil schielender Kinder auf vier bis fünf Prozent geschätzt, weiß man heute, dass in Mitteleuropa zwischen 5,3 und 7,4 Prozent aller Kinder an einem behandlungsbedürftigen „Strabismus“ (so die Fachbezeichnung) leiden.

An dieser Zunahme sind jedoch ausnahmsweise nicht die Umwelteinflüsse Schuld, sondern die verbesserten medizinischen Bedingungen, sagt Professor Berthold Koletzko: Die Kinder- und Jugendärzte schauen heute genauer hin und die Augenärzte können Sehfehler auch schon bei Babys besser erkennen“.

Wie entsteht das Schielen?

Während die Sinneszellen des Auges erst durch die Reifung des Sehnervs mit dem Gehirn „verkabelt“ werden, sind die jeweils sechs Muskeln der beiden Augen (vier gerade, zwei schräge) bereits bei der Geburt voll entwickelt. Das Baby kann seine Augen also in alle Richtungen bewegen. In den ersten Lebenstagen geschieht das meist noch ruckartig und unkoordiniert.

Bei manchen Babys bleibt aber auch danach ein „Engelsblick“ bestehen. Wenn die Synchronisation der sechs Muskeln durch falsche Gehirnimpulse gestört ist, richtet das Kind nur ein Auge auf den fixierten Gegenstand, während das andere Auge abweicht. Dieses Auge oder abwechselnd beide Augen wandern entweder nach innen (das kommt am Häufigsten vor) oder nach außen: Das Kind schielt.

Räumliches (zweiäugiges, binokulares, 3D-) Sehen ist nur dann möglich, wenn die Bilder bei beiden Augen auf die Stelle des schärfsten Sehens, den so genannten „gelben Fleck“ fallen. Beim schielenden Auge ist das jedoch nicht der Fall.

Die Folge: Das Gehirn kann die Bilder aus den beiden Augen nicht zu einem einzigen dreidimensionalen Seheindruck verschmelzen und wird durch Doppelbilder irritiert. Es beginnt deshalb sehr schnell, das vom schielenden Auge übermittelte Bild dauerhaft zu unterdrücken, und schließt dieses Auge vom aktiven Sehen aus. Das arbeitslose Auge verlernt immer mehr das Sehen, es wird schwachsichtig und das Kind ist praktisch einäugig.

Was sind die Ursachen?

Die Ursache des Schielens lässt sich fast nie eindeutig herausfinden. Viele Faktoren können eine Rolle spielen. Am häufigsten ist eine Weitsichtigkeit: Dabei sind die Augen des Kindes um ein winziges Stück zu kurz geraten. Das Gehirn veranlasst deshalb die Augenmuskeln, die Augenlinse stärker zu krümmen, wenn sie scharf sehen soll. Diese Krümmung (die so genannte Akkommodation) bewirkt jedoch gleichzeitig, dass sich beide Augen nach innen drehen.

Auch Virusinfektionen vor und nach der Geburt und Entwicklungsstörungen in diesem Zeitraum können eine Rolle spielen. Deshalb sollten Frühgeborene und andere Risikobabys, bei denen der Verdacht auf eine Entwicklungsverzögerung oder eine Bewegungsstörung besteht, auch auf Schielen und andere Sehstörungen untersucht werden, betont die Stiftung Kindergesundheit. Denn bei jedem zweiten dieser Babys ist auch mit Augenstörungen zu rechnen. Und umgekehrt: Bei schielenden Kindern ist auch eine genaue kinderärztliche Überwachung nötig, damit eventuelle andere Störungen rechtzeitig entdeckt werden.

Ist Schielen erblich?

Schon vor 2400 Jahren meinte Hippokrates, der Urvater aller Ärzte: „Wenn von Blauäugigen Blauäugige gezeugt werden, was hindert da, dass von Schielenden wiederum Schielende gezeugt werden?“ Recht hatte er: Wenn beide Eltern schielen, beträgt die Wahrscheinlichkeit über 50 Prozent, dass ihre Kinder ebenfalls schielen. Sie liegt bei über 20 Prozent, wenn ein Geschwister schielt, und verdoppelt sich bei zusätzlichem Schielen eines Elternteiles.

Früher wurde Schielen lediglich als niedlicher Schönheitsfehler angesehen und erst mit etwa zwölf Jahren operiert. Heute weiß man: Wenn die Krankheit nicht behandelt wird, bleibt das schielende Auge in mehr als 50 Prozent der Fälle mehr oder weniger schwachsichtig. Je früher das Schielen im Leben des Kindes auftritt und je später es behandelt wird, desto schwerer wird die Sehbehinderung sein. Es gibt zwei drohende Folgen: Die Schwachsichtigkeit (Amblyopie) und der Verlust des räumlichen Sehens.

Probleme in der Schule und im Beruf

Menschen, deren 3D-Sehen beeinträchtigt ist, sind im späteren Leben von bestimmten Berufen (besonders im Verkehr, z. B. bei der Bahn oder in der Luftfahrt) ausgeschlossen. Nach aktuellen Untersuchungen kommen aber auch Verhaltensstörungen, Leistungsschwäche, Lese-Rechtschreib-Probleme und Legasthenie bei Kindern mit Schielen oder Sehschwäche häufiger vor.

Schielen kann sogar zu psychischen Problemen führen: Hinter dem erkennbaren „Anderssein“ vermuten viele Menschen fälschlicherweise einen wenig sympathischen Charakter oder halten das Schielen für den „bösen Blick“. So ergab eine Untersuchung in der Schweiz, dass schielende Kinder von Gleichaltrigen viel seltener zum Kindergeburtstag eingeladen werden. Für die Vermittler von Führungskräften („Headhunter“) gilt Schielen als ein schlimmerer Makel als Akne oder fehlende Frontzähne.

Besonders dramatische Folgen gibt es, wenn im späteren Leben das „gute“ Auge durch Unfall oder durch eine Erkrankung geschädigt wird. In diesem Fall muss das schwachsichtige Auge die Hauptfunktion übernehmen. Sein Sehvermögen beträgt meist jedoch höchstens zehn Prozent der normalen Sehleistung, was zu erheblichen Sehproblemen führen kann.

Bei rechtzeitiger Behandlung kann bei mehr als 90 Prozent der Kinder das Schielen geheilt oder zumindest die Schwachsichtigkeit wesentlich gebessert werden. Die frühzeitige Therapie führt in etwa 80 Prozent der Fälle zum normalen oder nur leicht herabgesetzten beidäugigem Sehen.

Bei vielen Schielkindern ist jedoch eine Operation erforderlich, um das Schielen zu beseitigen. Die Chirurgie der Augenmuskeln gilt als ein sehr sicheres Verfahren. Entgegen vielen Schauermärchen wird bei der Operation weder das Auge „herausgenommen“, noch der Augapfel aufgeschnitten, betont die Stiftung Kindergesundheit. Der Arzt öffnet lediglich die Bindehaut, die auf dem Augapfel liegt. Die darunter liegenden Augenmuskeln werden verkürzt oder so versetzt, dass beide Augen möglichst gerade stehen. Danach wird die Bindehaut mit einer hauchfeinen Naht wieder verschlossen.

Die Brille wird weiter benötigt

Eltern sollten wissen: Durch die Operation wird nur die Augenstellung verändert, nicht aber der Brechungsfehler der Augen. Das bedeutet, dass ein Kind, das vor der Operation eine Brille tragen musste, sie in den meisten Fällen auch nach dem Eingriff weiter tragen muss.

Übrigens glauben junge Eltern häufig, bei ihrem Baby ein Schielen zu erkennen – zum Glück meist ohne Grund. Oft entsteht nämlich schon durch einen bei Babys häufig vorkommenden breiten Nasenrücken („Epikanthus“) der Eindruck, dass ein Auge von der symmetrischen Gesichtslinie abweicht. In solchen Fällen sprechen Ärzte vom „Pseudoschielen“.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt allen Eltern, sich bei jedem Verdacht auf eine Sehstörung ihres Babys von ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten zu lassen und, falls nötig, einen Augenarzt aufzusuchen.

Fast jedes Neugeborene schielt gelegentlich. Doch bis zum Ende des vierten Lebensmonats sollte sich die zeitweise Fehlstellung der Augen ausgewachsen haben. Stehen nach dieser Zeit die Augen immer noch nicht parallel, spricht man in medizinischer Sicht von „Schielen“.

Schielen tritt in unterschiedlichen Formen auf. Die Augenfehlstellung kann dauerhaft sein oder nur sporadisch auftreten, etwa bei Müdigkeit. Manche Schielvarianten betreffen immer das gleiche Auge, andere wechseln von einem aufs andere Auge. Die häufigste Form ist das Innenschielen, gefolgt vom Schielen nach aussen. Eher selten ist das sogenannte Höhenschielen.

Legende: Verschiedene Schielformen SRF/D. Mojon

Diagnose

Ein grosswinkliges Schielen (manifester Strabismus) ist auch als Laie leicht erkennbar. Einen kleinen Schielwinkel aber können selbst Experten nur anhand von Tests erkennen.

Gerade bei kleinen Kindern ist das jedoch nicht leicht. Wegen ihrer kindlichen Gesichtsgeometrie wirkt es häufig nur so, als würden sie nicht geradeaus sehen. Augenärzte sprechen dann von Pseudoschielen. Ursache dafür ist oft eine kleine Hautfalte vor dem Lidwinkel bei der Nase, der sogenannte Epikanthus. Das Augenweiss bei der Nase erscheint dadurch viel kleiner als das im äusseren Augenwinkel oder es verschwindet ganz. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Kind nach innen schielt. Der Eindruck verwächst sich jedoch mit der Zeit.

Beim Mikroschielen dagegen ist genau der gegenteilige Effekt der Fall: Der Schielwinkel ist zu klein, um von aussen erkennbar zu sein. Dennoch hat er deutliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Augen. Nur wenn Mikroschielen frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, entwickelt das schielende Auge seine volle Sehkraft. Bleibt es unbehandelt, kann das Auge schwachsichtig werden. Selbst eine Brille kann den Blick dann nicht mehr schärfen. Zuständig für die Untersuchung, Diagnose und Behandlung sind die Orthoptisten.

Ursache

Fachärzte wissen noch immer sehr wenig über die Ursachen des Schielens. Was sie aber wissen: Frühkindliches und kindliches Schielen ist kein mechanisches Problem des Auges oder des Augenmuskels, sondern eines der zentralen Steuerung im Gehirn.

Beim gesunden Sehen fixieren beide Augen denselben Gegenstand, dadurch entsteht auf jeder Netzhaut ein Bild, das von den Sehnerven ans Gehirn weitergeleitet und dort zu einem dreidimensionalen Bild zusammengeführt wird. Schielt ein Auge, entstehen unterschiedliche Bilder auf der Netzhaut. Das Gehirn kann die verschiedenen Bildinformationen nicht richtig lesen und blendet kurzerhand das Auge aus. Jetzt übernimmt das gesunde Auge alleine das Weiterleiten der Bilder. Geschieht dies bei kleinen Kindern, kann das Gehirn das dreidimensionale räumliche Sehen nicht entwickeln.

Therapie

Wird nun das gesunde Auge täglich während mehrerer Stunden am Tag abgedeckt, beginnt das schielende Auge gezwungenermassen, mit der Zeit wieder geradeaus zu sehen. Dadurch werden die Hirnzellen reaktiviert. Diese Therapie ist aber nur im Kindesalter möglich, da sich die Sehstärke nur zwischen null und sieben Jahren, maximal bis zum zehnten Lebensjahr entwickelt.

Operation

Das Schielen selber kann nur durch einen operativen Eingriff an einem der Augenmuskeln beseitigt werden, bei der die Position des Augapfels am Muskel korrigiert wird. Da Schielen kein mechanisches Problem ist, sondern eine Frage des Parallelstandes der beiden Augen im Verhältnis zueinander, können die Augenchirurgen frei entscheiden, welche Muskeln sie versetzen.

Am Ende muss sich die zentrale Steuerung im Gehirn, die für die Augen und ihre Muskulatur zuständig ist, auf die neue Situation einstellen.

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Schielen bei Kindern: Ursachen, Symptome und Maßnahmen


Dass bei Säuglingen gelegentlich die Augen in verschiedene Richtungen blicken, ist kein Grund zur Sorge. Allerdings gibt es verschiedene Formen des sogenannten Strabismus, und je länger schielende Augen unbehandelt bleiben, desto schwerwiegender die Folgen. Hier erfahren Sie, was beim Schielen genau im Auge des Kindes passiert und was man dagegen tun kann.

Ursachen: Warum schielt das Kind?

Schielen betrifft immerhin 3-8 Prozent aller Kinder. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind schielt: Möglich ist einerseits eine angeborene Augenerkrankung, zum Beispiel grauer Star. Andererseits kann dem Schielen auch ein Sehfehler zugrunde liegen, besonders häufig ist es Weitsichtigkeit. Eine weitere Ursache sind neurologische Störungen oder eine verfrühte Geburt.

Wenn Schielen durch eine Schädigung der Hirnnerven bedingt wird, welche die Augenbewegungen ermöglichen, spricht man vom sogenannten Lähmungsschielen. Es äußert sich eher im Erwachsenenalter und ist oft das Anzeichen einer speziellen Erkrankung. Manchmal kann es aber auch in der Kindheit auftreten.

Was ist Strabismus?

Bei normalem Sehen fixieren beide Augen parallel einen bestimmten Punkt. Die Distanz der beiden Bilder ist dabei nur minimal. Das Gehirn fügt beide Einzelbilder zu einem scharfen Gesamtbild zusammen und wir nehmen den Raum dreidimensional wahr. Das binokuläre Sehen wird bis zum 9. Lebensjahr entwickelt.

Beim sogenannten Strabismus weicht eine Achse von dem fixierten Punkt ab. Schielende Säuglinge und kleine Kinder sehen zwar noch nicht doppelt. Sobald sie aber in ein Alter kommen, in dem das doppelte Bild theoretisch wahrgenommen werden könnte – wie es bei Erwachsenen der Fall ist –, unterdrückt das kindliche Gehirn dieses abweichende Bild. Durch den Unterdrückungsmechanismus wird mit der Zeit das schielende Auge immer schwächer. Die räumliche Wahrnehmung ist gestört.

Die Abweichung der Blickrichtung bei einem Auge kann in verschiedenen Ausprägungen auftreten:

  • Latenter Strabismus / Heterophorie: Das Kind schielt nur zeitweise.
  • Manifester Strabismus: Das Kind schielt pausenlos.
  • Esotropie: Ein Auge weicht nach innen.
  • Exotropie: Ein Auge weicht nach außen.
  • Strabismus verticalis: Das Auge weicht nach oben oder unten ab. Es kann gleichzeitig Eso- bzw. Exotropie auftreten.
  • Wechselndes Schielen: Das linke und rechte Auge schielen abwechselnd.

Es handelt sich beim Schielen um weit mehr als nur ein optisches Merkmal. Wenn Sie über längere Zeit eine ungewöhnliche Augenstellung bei Ihrem Kind bemerken, sollten Sie daher möglichst bald ärztliche Beratung suchen.


Warum muss man Schielen behandeln?

Egal, warum und wie Ihr Kind schielt: Die Fehlstellung der Augen sollte so früh wie möglich behandelt werden. So können Sie eine dauerhafte Sehschwäche (Amblyopie) bei Ihrem Kind verhindern.

Umso wichtiger sind deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinder- und Augenarzt. Denn zum Beispiel Mikroschielen erkennen Eltern oft gar nicht selbst, trotzdem kann eine Sehschwäche daraus entstehen. Wenn Ihr Kind deutlich schielt, sollte möglichst sofort die Behandlung erfolgen, spätestens aber in den ersten 2-3 Lebensjahren.

Schielen bei Kindern erkennen: die Symptome

Nicht immer ist es offensichtlich, dass ein Kind schielt. Ist der Strabismus nicht auf den ersten Blick sichtbar, können folgende Merkmale darauf hinweisen:

  • Das Kind hält den Kopf schief oder eine Hand vor das Auge, da es versucht, den Raum besser wahrzunehmen.
  • Das Kind kneift die Augen zusammen.
  • Das Kind ist oft gereizt, lichtempfindlich und leidet an Kopfschmerzen.
  • Das Kind ist aufgrund von schlechtem räumlichen Sehen ungeschickt.
  • Die Augen des Kindes tränen oder es hat eine chronische Lidrandentzündung.
  • Bei Müdigkeit schielt das Kind stark.

Suchen Sie im Zweifelsfall lieber einen Kinder- oder Augenarzt auf, und das mehr als nur einmal. Nur so können Sie sicher sein, dass alles in Ordnung ist bzw. Ihr Kind die nötige Behandlung bekommt.

Brille, Operation und weitere Maßnahmen gegen Schielen bei Kindern

Je nachdem, in welchem Ausmaß und Stadium das Schielen festgestellt wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Fehlstellung der Augen auszugleichen.

1. Brillen für schielende Kinder

Eine Brille gegen Fehlsichtigkeit kann helfen, das Schielen zu mindern. Da sich Kinder stetig im Wachstum befinden, muss die Entwicklung der Sehkraft entsprechend häufig kontrolliert werden. Es ist auch nicht damit getan, die Brille einige Stunden am Tag zu tragen: Idealerweise trägt Ihr Kind die Sehhilfe dauerhaft und geht zudem regelmäßig zum Training für das schielende Auge.

2. Augenpflaster bei Kinderschielen

Eine oft eingesetzte Methode, um Schielen bei Kindern zu heilen, sind Augenpflaster. Bei der sogenannten Okklusionstherapie wird das nicht schielende Auge mit einem Pflaster abgedeckt. Das schielende Auge bleibt frei und muss lernen, gerade zu blicken.

Damit diese Behandlung erfolgreich ist, muss das Kind mehrere Stunden oder Tage das Pflaster tragen. Das erfordert einiges an Geduld bei Eltern und Kind. Damit das Kind mehr Gefallen an der „Augenklappe“ findet, gibt es aber auch Pflaster mit kindgerechten Motiven darauf.

3. Operative Behandlung von schielenden Kindern

Wenn der Schielwinkel sehr ausgeprägt ist und keine andere Behandlungsmethode Erfolge zeigt, ist es manchmal auch nötig, das Schielen operativ zu behandeln. Das Kind ist dabei unter Vollnarkose und spürt nichts, während der Arzt die Bindehaut öffnet und die äußeren Augenmuskeln so reguliert, dass sie wieder richtig eingesetzt werden können.

Dieser Eingriff korrigiert die Augenstellung, eine Sehschwäche wird dadurch aber nicht ausgeglichen. Deshalb sind auch nach der Operation entsprechende Behandlungsmethoden bzw. Sehhilfen nötig.

Schielen lässt sich weder bei Kindern noch bei Erwachsenen von einem Tag auf den anderen heilen. Wenn Sie aber schon bei Ihrem Kleinst- oder Kleinkind Schielen bzw. die ersten Anzeichen davon feststellen, besteht eine gute Chance auf Heilung. Schauen Sie also genau hin – und gehen Sie im Zweifelsfall lieber einmal zu oft mit den Kleinen zum Augenarzt.

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