Scharlach BEI erwachsenen

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Kasuistik ALL bei Kindern

Viele verbinden mit dem Begriff „Leukämie“ eine bösartige Krankheit mit geringen Heilungschancen. Noch in den siebziger Jahren überlebten nur wenige Kinder die Erkrankung. Heute jedoch kann fast jedes Kind mit akuter lymphatischer Leukämie durch neue und wirksamere Medikamente geheilt werden.

An einem verregneten Novembernachmittag kommt der elfjährige Martin Raabe früher als sonst aus der Schule. Er fühlt sich seit Tagen schlapp und lustlos. Seiner Mutter erzählt er von starken Halsschmerzen und Schmerzen im Bereich der Gelenke. Als sein Freund ihn zum Fußballspielen abholen kommt, hat er überhaupt keine Lust dazu. „Sonst kann er es doch kaum erwarten, auf den Fußballplatz zu gehen“, stellt Frau Raabe verwundert fest. „Er wird wohl eine Grippe haben, bei diesem nasskalten Wetter ist das auch kein Wunder.“ Als sie Fieber misst, zeigt das Thermometer eine Temperatur von 38,3°C. Sie beschließt, ihren Sohn vorerst zu Hause zu behalten. Martin fühlt sich müde und kraftlos. Er hat keinen Appetit und bleibt am liebsten im Bett liegen, selbst mit seinem Gameboy mag er nicht spielen. Als Martin nach drei Tagen immer noch fiebert und anfängt zu husten, geht Frau Raabe mit ihrem Sohn zum Kinderarzt.

Subfebrile Temperaturen und vergrößerte Lymphknoten

Dr. Joachim Lutz kennt Martin schon seit dem Säuglingsalter. Er hat einige der üblichen Kinderkrankheiten durchgemacht, war aber nie ernsthaft krank. Jetzt macht Martin auf Dr. Lutz einen sehr erschöpften Eindruck. Er sieht blass und geschwächt aus, immer wieder hustet er trocken und bellend. Der Kinderarzt untersucht den Jungen sorgfältig: Die Herzfrequenz liegt bei 90/min, der Blutdruck beträgt 125/80 mmHg. Die Tonsillen sind vergrößert und der gesamte Nasen-Rachen-Raum ist gerötet, aber ohne Beläge. Dr. Lutz tastet zervikal, axillär und inguinal mehrere bohnengroße, verschiebliche Lymphknoten. Die Milz ist unter dem Rippenbogen tastbar, die Leber von normaler Größe und Konsistenz. Der übrige abdominelle Befund ist unauffällig. Über der Lunge auskultiert er ein leicht verlängertes Exspirium mit Brummen und Giemen beidseits. Die Herztöne sind rein. Bei der neurologischen Untersuchung findet Dr. Lutz keinen pathologischen Befund. Die Gelenke sind frei beweglich ohne Schwellungen.

Ein Virusinfekt?

„Er hat wahrscheinlich eine Virusinfektion“, erklärt der Kinderarzt Frau Raabe, „vielleicht ist er aber auch an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt.“ Er nimmt Blut für ein Blutbild und die EBV-Serologie ab. Dann verordnet er Paracetamol, um das Fieber zu senken, und ein Broncholytikum zum Inhalieren. Am Abend erhält Dr. Lutz das Ergebnis der Blutuntersuchung: Die Leukozyten liegen bei 3.500/µl, die Thrombozyten bei 105.000/µl, der Hb-Wert bei 13,5 g/dl. Die EBV-Serologie wird am folgenden Tag vom Labor als negativ übermittelt. In den nächsten Tagen geht das Fieber unter der Behandlung mit Paracetamol zurück und Martin fühlt sich zunächst etwas besser. Obwohl er jeden Tag mehrmals inhaliert, wird der Husten zunehmend schlimmer, insbesondere bereitet ihm das Ausatmen Probleme. Dr. Lutz bestellt Martin erneut in seine Praxis. Der Junge atmet sehr schnell und stützt sich mit den Oberarmen ab, um das Atmen zu erleichtern. Dr. Lutz tastet einen Puls von 110/min, der Blutdruck liegt bei 95/60 mmHg. Die Lymphknotenschwellungen am Hals, axillär und in der Leiste haben deutlich an Größe zugenommen, die Milz ist jetzt drei Zentimeter derb unter dem Rippenbogen in der Medioklavikularlinie tastbar. Auch die Leber lässt sich unter dem Rippenbogen deutlich vergrößert palpieren. An beiden Beinen sieht der Kinderarzt einige stecknadelkopfgroße, dunkelrote, nicht wegdrückbare Flecken – so genannte petechiale Blutungen. Der Kinderarzt fasst in Gedanken die Hauptsymptome seines Patienten zusammen: subfebrile Temperaturen, Blässe, Blutungsneigung, Knochenschmerzen, Lymphknotenschwellung sowie Milz- und Lebervergrößerung. Bei diesen Symptomen hat er den dringenden Verdacht auf eine Leukämie und weist Martin in die kinderonkologische Abteilung des städtischen Klinikums ein.

Die Stationsärztin Dr. Sabine Kießling untersucht Martin sorgfältig, nimmt noch einmal Blut für ein Differenzialblutbild ab und bestätigt die Verdachtsdiagnose des Kinderarztes. Wegen der zunehmenden Dyspnoe von Martin veranlasst sie sofort eine Röntgenuntersuchung des Thorax. Darauf ist eine mediastinale Raumforderung sowie ein ausgeprägter linksseitiger Pleuraerguss zu erkennen (Abb. 1).

Abb. 1: Röntgen-Thorax-Bild mit mediastinaler Raumforderung durch Lymphome und linksseitigem Pleuraerguss.

Um dem Jungen das Atmen zu erleichtern und weitere diagnostische Hinweise zu bekommen, führt Dr. Kießling danach eine Pleurapunktion durch. Sie punktiert 450 ml gelbliche Flüssigkeit und schickt das Punktat zur Befundung an das Labor. Bereits während der Punktion bessert sich die Luftnot von Martin deutlich. Inzwischen liegt das Differenzialblutbild vor: 11.500 Leukozyten, davon 5% Lymphoblasten, d.h. unreife, abnorme Vorläuferzellen der Leukozyten. Auch im Pleuraerguss können Blasten nachgewiesen werden. Die Stationsärztin vermutet eine akute lymphatische Leukämie vom T-Zell-Typ. Um die Diagnose zu sichern, ist jetzt eine Knochenmarkspunktion unbedingt erforderlich. Im Ausstrich des Knochenmarks bestätigt sich ihre Vermutung: Das Knochenmark ist diffus mit Lymphoblasten durchsetzt, die normalen blutbildenden Zellen sind fast vollständig verdrängt (Abb. 2).

Abb. 2: Knochenmarksausstrich mit einem hohen Anteil an Lymphoblasten (Pfeile): abnorme, unreife Vorläuferzellen der Leukozyten

Zu einer kompletten Diagnostik gehört weiterhin eine Lumbalpunktion mit einer Liquoruntersuchung, um einen Befall des Zentral-nervensystems auszuschließen. Glücklicherweise lassen sich im Liquor von Martin keine leukämischen Zellen nachweisen. Frau Raabe und ihr Ehemann erschrecken sehr, als sie die Diagnose „Leukämie“ erfahren. „Ist das nicht eine Art von Blutkrebs?“, fragt Frau Raabe. Dr. Kießling erklärt ihnen die Krankheit, an der ihr Sohn erkrankt ist, genauer:

Das Krankheitsbild des „weißen Blutes

„Leukämie bedeutet wörtlich übersetzt „weißes Blut“. Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert von Rudolf Virchow geprägt. Bei der akuten lymphatischen Leukämie kommt es zu einem ungehemmten Wachstum von abnormen hämatopoetischen Vorläuferzellen. Diese verdrängen die gesunden blutbildenden Zellen im Knochenmark, sodass die normale Hämatopoese unterdrückt wird. Dadurch kommt es zu einem Mangel an Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten im peripheren Blut mit der Folge einer Anämie, einer Thrombozytopenie und einer Granulozytopenie. Warum genau es zu dem ungehemmten Wachstum der Blasten kommt, ist bisher nicht bekannt. Die akute lymphatische Leukämie ist mit 25 % aller Krebserkrankungen die häufigste maligne Krankheit im Kindesalter. Sie tritt am häufigsten zwischen drei und fünf Jahren auf. Die ALL wird nach der FAB-Klassifikation (French-American-British) zytomorphologisch in die Typen L1 bis L3 unterteilt. Hierzu werden Blut- oder Knochenmarksausstriche mit bestimmten Methoden angefärbt und unter dem Lichtmikroskop beurteilt.

Die Anamnese der ALL ist meist kurz und nur selten länger als einige Wochen. Die Kinder klagen über Müdigkeit, sie sind schlapp und appetitlos. Häufig tritt Fieber als Folge begleitender Infektionen auf. Die Kinder sind wegen der Anämie sehr blass und bekommen aufgrund der Thrombozytopenie schnell blaue Flecken oder Nasenbluten. Viele Kinder klagen über starke Knochenschmerzen. Insbesondere Kleinkinder wollen nicht mehr laufen und nur noch getragen werden. Ungefähr zwei Drittel der Kinder haben Lymphknotenvergrößerungen am gesamten Körper. Ein Befall mediastinaler Lymphknoten oder des Thymus kann zur Kompression der Trachea mit Dyspnoe und inspiratorischem Stridor führen. Leber und Milz sind durch die Infiltration mit leukämischen Zellen fast immer vergrößert (Hepatosplenomegalie). Ihre Konsistenz ist derb. Kopfschmerzen und Hirnnervenausfälle können Zeichen eines Befalles der Hirnhäute sein (Meningeosis leucaemica). Da die Blasten sich in allen extramedullären Organen wie Knochen, Nieren, Haut, Gastrointestinaltrakt oder im Herzmuskel absiedeln können, ergibt sich neben den typischen Symptomen einer Anämie, der gesteigerten Blutungsneigung und der Abwehrschwäche ein sehr buntes klinisches Bild.

Die Knochenmarkspunktion führt zur Diagnose

Nach Anamnese und körperlicher Untersuchung kann eine Verdachtsdiagnose oft schon durch das Blutbild gestellt werden. Die meisten Kinder haben eine normochrome Anämie mit Hb-Werten unter 10 g/dl. Meistens sind auch Thrombozyten und Neutrophile erniedrigt. Weitere Hinweise gibt das Blutbild mit Differenzierung der Leukozyten. Hierbei ist es wichtig, die Leukozyten manuell unter dem Mikroskop zu beurteilen. Die Leukozytenzahl kann im Normbereich liegen, aber auch Werte über 100.000/ml mit einem unterschiedlichen Anteil an Blasten zeigen. Beweisend für die Diagnose ist die Knochenmarkspunktion, die meist am Beckenkamm durchgeführt wird. Im Knochenmarksausstrich zeigt sich eine Verdrängung der normalen Hämatopoese mit einer diffusen Infiltration durch leukämische Blasten. Um einen Befall des ZNS auszuschließen, muss unbedingt der Liquor cerebrospinalis zytologisch untersucht werden. Dieser wird durch eine Liquorpunktion gewonnen. Zu einer vollständigen Diagnostik gehören eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens sowie ein Röntgen-Thorax. Im Ultraschall können eine mögliche Hepatosplenomegalie, intraabdominelle Lymphknoten-vergrößerungen und Niereninfiltrate diagnostiziert werden, im Röntgenbild lässt sich eine Mediastinalverbreiterung nachweisen. Ebenso wichtig sind Laboruntersuchungen: Zu Beginn der Therapie werden viele Zellen auf einmal zerstört. Hierdurch steigen im Serum Harnsäure, LDH, Kalium und Phosphat an, während der Kalziumspiegel sinkt. Diese Elektrolytkonstellation mit Hyperkaliämie bei Hypokalzämie kann unter Umständen zu einem irreversiblen Herzstillstand führen (Tumorlysesyndrom). Neben diesen metabolischen Störungen haben die Kinder eine erhöhte Blutungsneigung, da neben der Thrombozytopenie zusätzlich eine humorale Gerinnungsstörung vorliegen kann. Eine Behandlung mit Thrombozytenkonzentraten kann deshalb notwendig werden.

Da eine akute lymphatische Leukämie oft ein sehr buntes klinisches Bild aufweist, müssen andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden. Bei der Differenzialdiagnose muss der Untersucher an viele andere Erkrankungen denken, die vor einer endgültigen Diagnose ausgeschlossen werden müssen: reaktive Leukozytosen bei bak-teriellen oder viralen Infekten, hämatologische Erkrankungen wie idiopathische Thrombopenie oder Panmyelopathie, maligne Erkrankungen, die mit einer Knochenmarksinfiltration einhergehen können, wie Neuroblastom oder M. Hodgkin, insbesondere aber auch rheumatische Erkrankungen oder Infektionen wie Osteomyelitis, infektiöse Mononukleose oder Zytomegalie. Eine sichere Unterscheidung gelingt nur über die Knochenmarksuntersuchung.

Heilung mit Polychemotherapie

Ziel der Therapie ist die Heilung. In Deutschland werden Kinder mit einer ALL im Rahmen von klinischen Studien nach einem genauen Therapieplan behandelt. Es gibt zwei Studiengruppen, die Berlin-Frankfurt-Münster (BFM) und die Hamburger COALL-Studiengruppe. Die Therapie besteht aus mehreren Phasen: Zunächst wird im Rahmen der so genannten Induktionstherapie versucht, eine Remission zu erzielen: die Leukämiezellen sollen aus dem Knochenmark eliminiert und die normale Blutbildung wiederhergestellt werden. Dies gelingt in 98% der Fälle. Auch wenn eine Remission erreicht wurde, schließt sich immer eine Reinduktionstherapie an. Diese Therapie wird abhängig davon, wie hoch das individuelle Rückfallrisiko ist, mehr oder weniger intensiviert. Danach folgt eine Konsolidierungs- bzw. Erhaltungstherapie. Die Gesamttherapiedauer beträgt zwei Jahre. Die wesentlichen Parameter, um das individuelle Risiko einzuschätzen, sind das Ansprechen auf Kortison sowie die immunologische und genetische Charakterisierung der Leukämiezellen. Bei wenigen Kindern muss zusätzlich der Schädel prophylaktisch mit niedriger Dosis (12 Gy) bestrahlt werden, um einen Befall des ZNS zu vermeiden. Eine Knochenmarkstransplantation ist in erster Remission nur bei Hochrisikopatienten indiziert. Dagegen sollten Kinder, die ein Rezidiv während der Chemotherapie oder bis zu sechs Monaten nach deren Beendigung bekommen, eine allogene Knochenmarkstransplantation erhalten. Dadurch haben die Kinder noch eine Chance, geheilt zu werden. Bei späteren Rezidiven kann mit einer erneuten Polychemotherapie bei einem Drittel der Kinder eine zweite Langzeitremission erzielt werden. Neben der eigentlichen antileukämischen Therapie müssen die Kinder zusätzlich Medikamente bekommen, die Komplikationen der Leukämie und Nebenwirkungen der zytostatischen Therapie vorbeugen und behandeln, die so genannte Supportivtherapie. Wichtig sind ein ausreichender Infektionsschutz und Medikamente gegen Übelkeit.

Wirksame Therapie nicht ohne Nebenwirkungen

Bei der Behandlung der ALL sind vielfältige unerwünschte Wirkungen zu beachten. So kommt es bei fast allen Kindern im Laufe der Therapie zu einem reversiblen Haarausfall, was von vielen Patienten als störend empfunden wird. Häufig treten Infektionen auf, da die Medikamente Tumorzellen zerstören und zu rezidivierenden Leukopenien führen. Weitere akute Nebenwirkungen sind ein iatrogenes Cushing-Syndrom durch die Gabe von Kortison und selten das oben erwähnte Tumorlyse-Syndrom. Unter der Kortison-Behandlung kann es darüber hinaus zu einer diabetischen Stoffwechsellage kommen, die sich normalisiert, sobald das Kortison abgesetzt wird. Daneben ist auf ein erhöhtes Thromboserisiko unter L-Asparaginase zu achten. Bevor Methotrexat verabreicht wird, muss darauf geachtet werden, dass eine normale Nierenfunktion vorliegt, da das Medikament nierenschädigend wirken kann. Bei der Therapie der ALL muss immer auch mit Spätfolgen gerechnet werden. Es kann beispielsweise zu Wachstumsstörungen nach Schädelbestrahlung oder zu kardialen Funktionsstörungen nach der Gabe von Anthrazyklinen kommen.

Schwere Krankheit mit guter Prognose

Die Prognose der ALL ist heute gut und umso besser, je früher die Patienten auf die Therapie ansprechen. Unbehandelt führt die Erkrankung immer zum Tod. Die Rate an kompletten Remissionen liegt über 95%, die Überlebenswahrscheinlichkeit nach 5 Jahren bei fast 80%. Kinder, die schlecht auf Kortison ansprechen bzw. mit bestimmten genetischen Veränderungen oder hohen Leukämiezellzahlen zum Zeitpunkt der Diagnose, haben eine schlechtere Prognose.

Nach einem ausführlichen Gespräch mit Familie Raabe über Therapieoptionen und Prognose beginnt Dr. Kießling die Behandlung. Zunächst erhält Martin Prednison sowie intrathekal Methotrexat. Bereits unter der alleinigen Gabe von Prednison bildet sich das mediastinale Lymphom zurück. Der Pleuraerguss muss zwar in den folgenden vier Tagen noch mehrmals abpunktiert werden, Martin bleibt aber hinsichtlich Atmung und Kreislaufparametern stabil. Er spricht gut auf Prednison an und erreicht innerhalb der ersten vier Wochen eine komplette Remission der ALL. Einen Monat nachdem die Therapie begonnen wurde, sind keine Blasten im Knochenmark mehr nachweisbar und der Mediastinaltumor ist im Röntgenbild nicht mehr zu sehen. Martin fühlt sich wieder fit und gesund. Aus der stationären Behandlung ist er bereits entlassen, zur Fortsetzung der Therapie muss er aber weiterhin regelmäßig in die Klinik. Zwei Jahre nachdem Dr. Lutz die Diagnose ALL gestellt hatte, kann die Therapie beendet werden. Mittlerweile ist Martin 17 Jahre alt. Sechs Jahre sind seit der Diagnose vergangen. Es liegt weiterhin eine anhaltende komplette Remission der Leukämie vor, Spätfolgen der Erkrankung und der durchgeführten Therapie sind nicht zu sehen. In seiner Fußballmannschaft ist er inzwischen der beste Stürmer.

Atemwegsinfektionen sind bei Kindern sehr häufig

1. Das Meiden von geschlossenen Räumlichkeiten, wo sich viele Menschen aufhalten

  • Einkaufszentren
  • Kinderspielplätze
  • Besuche von Krankenhäusern

2. Persönliche Hygiene:

  • häufiges Händewaschen mit Seife und Wasser
  • Niesen und Husten in ein Taschentuch oder in den Ellenbogen

3. Gesunder Lebensstil:

  • ausgewogene Ernährung (viel Saisonobst)
  • Bewegung an frischer Luft
  • ausreichend Schlaf

4. der wirksamste Schutz gegen Grippe ist die Impfung

Bei Kindern mit häufigen Atemweginfektionen lassen Sie sich am besten von einem Kinderarzt beraten, der Ihnen die notwendigen ergänzenden Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems empfehlen wird. Um das Immunsystem von Kindern zu fördern, können auch Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, Vor allem solche, die aus natürlichen Quellen stammen.

Man sollte unbedingt zum Kinderarzt, wenn

  • das Fieber mehr als 5 Tage dauert
  • die Haute des Kindes blass, aschengrau oder bläulich verfärbt ist
  • das Kind langsamer/schlechter reagiert
  • das Kind mit den Nasenflügeln atmet, das Grübchen unterm Hals beim Atmen absenkt oder mit dem Bauch atmet oder wenn es schneller atmet (6–12 Monate mehr als 50 Atemzüge/min, nach 1 Jahr mehr als 40 Atemzüge /min)
  • das Kind jammert
  • Nahrung und Flüssigkeit ablehnt, seltener uriniert und seine Schleimhaut trocken ist
  • die Gelenke und Glieder des Kindes geschwollen sind
  • das Kind einen Hausausschlag hat, welcher bei Druck nicht verblasst (Petechien)

Neugeborene und Säuglinge bis zum 6. Monat haben ein noch nicht ausgereiftes Immunsystem. Aus diesem Grund ist ein Besuch beim Kinderarzt erforderlich, wenn das Fieber über 39 Grad steigt oder eines der oben genannten Symptome gegeben ist.

  • Lassen Sie eine Halsentzündung mit Fieber und einem Hautausschlag immer ärztlich abklären.
  • Scharlach wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Das verkürzt die Ansteckungszeit und mindert Komplikationen. Befolgen Sie unbedingt die empfohlene Einnahmedauer, auch wenn sich die Beschwerden zwischenzeitlich bessern. Wird die Therapie vorzeitig abgebrochen, kann es zu Rückfällen oder Spätfolgen kommen.
  • Halten Sie für die Dauer der Ansteckungszeit Bettruhe ein und schränken Sie den Kontakt mit anderen Personen möglichst ein.
  • Achten Sie auf warme Getränke und weiche Nahrung wie Brei oder Suppe, um die Schluckbeschwerden erträglich zu machen.
  • Trinken Sie viel, vor allem bei Fieber. Am besten Wasser oder verdünnte Säfte oder Kräutertees.
  • Verhindern Sie, dass sich die Erreger weiterverbreiten indem Sie beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Personen halten bzw. sich von diesen abwenden. Husten und niesen Sie nicht in die Handfläche, sondern in ein Einmaltaschentuch oder notfalls in die Ellenbeuge. Entsorgen Sie Taschentücher direkt in einen Abfallbehälter mit Deckel.
  • Wichtig: Die Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen!
  • Kinder oder Jugendliche, die an Scharlach erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine Scharlach-Erkrankung besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Die Eltern müssen die Einrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren.
  • Auch erkrankte Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, also z.B. Lehrkräfte oder Erzieherinnen und Erzieher, dürfen dort keine Tätigkeit ausüben, bei denen sie Kontakt zu den Betreuten haben, solange sie ansteckend sind.
  • Wann die Tätigkeit wieder aufgenommen bzw. die Gemeinschaftseinrichtung wieder besucht werden kann, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt. Nach einer Antibiotika-Gabe ist das in der Regel am zweiten Tag möglich, ansonsten nach Abklingen der Beschwerden. Ein ärztliches Attest ist nicht erforderlich.

Schar­lach – wenn die Zunge himbeerrot wird

Jeder fünfte bis zehnte Mensch trägt Scharlacherreger im Körper, ohne selbst zu erkranken. Dennoch können diese Menschen die Bakterien an andere weitergeben. Die Erreger besiedeln den Rachenraum. Beim Sprechen, Husten oder Niesen gelangen sie über feinste Speichel-Tröpfchen in die Luft und setzen sich beim Einatmen an der Schleimhaut anderer Personen fest.

Besonders kleine Patienten niesen und husten ohne Schutz, sodass oft mehrere Kinder im Kindergarten gleichzeitig erkranken. Damit sich die Infektion nicht in der gesamten Einrichtung ausbreitet, müssen kranke Kinder vorübergehend zu Hause bleiben.

Säuglinge reagieren empfindlicher

Kinder erkranken viel häufiger an Scharlach als Erwachsene. Säuglinge können sich bis zum sechsten Lebensmonat in der Regel nicht anstecken. Sie besitzen einen „Nestschutz“ durch die Antikörper ihrer Mutter. Erkrankt ein Baby dennoch an Scharlach, reagiert es viel empfindlicher. Die Bakterien können sich schnell in die Mittelohren oder Lungen ausbreiten.

Scharlach – Daten und Fakten:

Scharlach bricht hauptsächlich zwischen Oktober und März aus. In diesen Monaten ist es in Deutschland am kältesten. Durch die niedrigen Temperaturen ist das Immunsystem anfälliger für Infektionen. Auf der Grundlage skandinavischer Daten schätzen Wissenschaftler, dass es jährlich zu 1 bis 1,5 Millionen Scharlachinfektionen kommt.

Welche Beschwerden verursacht Scharlach?

Scharlach beginnt sehr plötzlich: Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden, hohes Fieber und Husten sind die ersten Krankheitszeichen. Gaumen und Rachen sind rot, die Mandeln entzündet und unter Umständen weiß belegt. Die Lymphknoten am Hals schwellen stark an.

Typische Scharlachsymptome bringen Gewissheit

Typisch für eine Scharlach-Erkrankung ist die „Himbeerzunge“: Zuerst ist die Zunge weiß belegt, nach einigen Tagen nimmt die die rote Farbe einer Himbeere an.

Der fleckige, scharlachrote Hautauschlag entsteht am zweiten oder dritten Krankheitstag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und überzieht dann mehr oder weniger den gesamten Körper. Die Haut fühlt sich rau an. Typischerweise bleibt die Partie um den Mund ausgespart. Der Ausschlag verschwindet nach etwa eine Woche (sechs bis neun Tage). Einige Zeit später schält sich die Haut, vor allem an den Handinnenflächen und Fußsohlen.

Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Erkrankung liegen meist ein bis drei Tage. Wird Scharlach mit Antibiotika behandelt, besteht schon 24 Stunden nach der ersten Einnahme keine Ansteckungsgefahr mehr. Ohne Antibiotikabehandlung sind Erkrankte bis zu 3 Wochen nach den ersten Beschwerden ansteckend.

Scharlach sicher erkennen:

Durch die typischen Symptome erkennen Ärzte in der Regel sofort, dass es sich um eine Scharlachinfektion handelt. Zur Sicherung der Diagnose nimmt der Arzt einen Rachenabstrich, in dem die Erreger nachgewiesen werden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen einer Scharlacherkrankung sind Entzündungen des Mittelohres, der Nebenhöhlen und der Lunge. Es können sich außerdem Abszesse im Rachenbereich bilden.

Eine gefürchtete Spätfolge ist das akute rheumatische Fieber mit Entzündungen der großen Gelenke (Kniegelenke) sowie Entzündungen am Herzen und der Nieren. Komplikationen entstehen zum Beispiel, wenn Scharlach nicht mit Antibiotika behandelt wird oder die Antibiotikatherapie vorzeitig abgebrochen wird.

Die gefährlichste Komplikation besteht in dem Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom. Die Scharlachsymptome sind von Anfang an sehr viel stärker ausgeprägt. Betroffene leiden unter Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Krämpfe und Kreislaufversagen können auftreten.

Scharlach in der Schwangerschaft:

Wird eine Scharlachinfektion in der Schwangerschaft schnell erkannt und behandelt, besteht kein Risiko für das ungeborene Kind. Gefährlich ist Scharlach in der Schwangerschaft nur dann, wenn die Infektion nicht behandelt wird. Dann können Entzündungen an Herz und Nieren der Mutter auch die Schwangerschaft belasten: Ist die Funktion dieser Organe eingeschränkt, gefährdet dies auch das Wachstum des Kindes.

Wie wird Scharlach behandelt?

Scharlach wird mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Schon 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikatherapie besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Die Scharlachbeschwerden bessern sich sehr schnell. Trotzdem ist es sehr wichtig, das Antibiotikum genau nach ärztlicher Anordnung einzunehmen – in der Regel für zehn Tage. Andernfalls entsteht ein hohes Komplikationsrisiko.

So können Sie die Therapie unterstützen:

  • Bei hohem Fieber ist es wichtig, Bettruhe einzuhalten. Fiebersenkende Medikamente oder Wadenwickel können die Behandlung unterstützen.
  • Trinken Sie viel, vor allem bei Fieber.
  • Durch warme Getränke und weiche Nahrung wie Brei oder Suppe sind die Schluckbeschwerden erträglicher.
  • Halten Sie Abstand zu anderen Personen, solange sie ansteckend sind.
  • Husten und Niesen Sie in ein Taschentuch (Taschentücher sofort entsorgen) oder notfalls in die Ellenbeuge.
  • Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen!
  • Kinder oder Jugendliche, die an Scharlach erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine Scharlachinfektion besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Eltern müssen die Einrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren.

Gibt es eine Impfung gegen Scharlach?

Nein, eine Schutzimpfung gibt es nicht. Es ist außerdem möglich, mehrmals im Leben an Scharlach zu erkranken.

Scharlach bei Erwachsenen: Schwere Form der Kinderkrankheit

Plötzlich starke Halsschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen: Wenn Sie diese Beschwerden bei sich spüren, denken Sie vermutlich, dass Sie sich erkältet haben – aber bestimmt nicht, dass es sich um eine typische Kinderkrankheit handeln könnte. Doch auch bei Erwachsenen kann Scharlach auftreten.

Scharlach bei Erwachsenen: Auslöser Streptokokken

An der Infektionskrankheit Scharlach erkranken vor allem Kinder zwischen vier und sieben Jahren, denn deren Immunsystem ist gerade in diesem Alter sehr anfällig für Infektionen. Doch die die Krankheit auslösenden Streptokokken können auch Erwachsene in sich tragen. Scharlach wird durch Streptokokken der Gruppe A verursacht, in erster Linie die Spezies Streptococcus pyogenes.

Tatsächlich können die Bakterien bei jedem zehnten Menschen nachgewiesen werden, im Winter sogar bei jedem vierten – auch wenn es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommen muss. Das Immunsystem erwachsener Menschen ist – bei gesundem Körper – meist in der Lage, Strepktokokken zu bekämpfen. Doch wenn das Immunsystem sowieso schon geschwächt ist, können sie angreifen.

Scharlach gefährdet das Herz und den ganzen Körper – auch später noch

Besonders schlimm daran: Das Risiko für Komplikationen und Spätfolgen dieser Kinderkrankheit ist bei Erwachsenen besonders hoch. Dazu gehören etwa:

  • Gelenkbeschwerden (Polyarthritis)
  • Lungenentzündung
  • Herzmuskelentzündung (Endokarditis)
  • Nierenschäden
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • rheumatisches Fieber (tritt vier bis sechs Wochen nach der Scharlach-Erkrankung auf, wenn sie unbehandelt bleibt)
  • Mittelohrentzündung
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • toxisches Schocksyndrom mit Multiorganversagen

Das toxische Schocksyndrom wird von Giftstoffen ausgelöst, die die Scharlach-Bakterien produzieren.

Scharlach: Ansteckung erfolgt über die Luft

Die Ansteckung mit Scharlach erfolgt manchmal über symptomfreie Keimträger, meist jedoch über akut Erkrankte. Die Bakterien gelangen beim Sprechen und Husten in die Luft, beim Übertragungsweg handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion. Die Streptokokken werden jedoch auch per Händedruck weitergereicht oder haften etwa an Griffen und anderen Gegenständen. Gerade wenn jemand im Haushalt akut erkrankt ist, gilt es daher: möglichst Abstand halten, Hände richtig waschen, Gegenstände und Türgriffe desinfizieren.

Symptome von Scharlach: Halsschmerzen, Ausschlag, Himbeerzunge

Zwei bis vier Tage nach der Ansteckung treten dann die ersten Symptome auf:

  • starke Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • geschwollene Mandeln und Lymphknoten
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost
  • manchmal auch Bauchschmerzen
  • Husten
  • Erbrechen
  • die Zunge ist anfangs weiß belegt, nach wenigen Tagen glänzend rot mit hellen Erhebungen („Himbeerzunge“)
  • dunkelroter, stecknadelgroßer Hautausschlag, der an den Leisten und Achseln beginnt und sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Mund und Kinnpartie bleiben verschont und sehen neben dem roten Ausschlag sehr weiß aus. Deshalb wird dieses Phänomen auch als „Milchbart“ bezeichnet.

Das Fieber steigt bei Scharlach schnell an. Währenddessen entzündet sich auch der Rachenraum, meist schwellen die Mandeln und Lymphknoten stark an. An den Mandeln ist ein weißer Belag erkennbar, der dann auf die Zunge übergeht und sich dann zur „Himbeerzunge“ entwickelt.

Ursache für den Hautausschlag sind die bakteriellen Toxine, Stoffwechselprodukte der Streptokokken. Diese Giftstoffe sind auch schuld daran, wenn es zu Komplikationen wie Kreislaufzusammenbruch und Schock kommt. Nach gut einer Woche verschwindet der Ausschlag normalerweise wieder und die Haut beginnt zu schuppen, vor allem an Handflächen und Fußsohlen.

Vorsicht: Es zeigen sich aber nicht immer alle Symptome, sogar die typischen wie „Himbeerzunge“ oder Ausschlag können ausbleiben. Daher sollten Sie auch einen Arzt aufsuchen, wenn Sie nur ein paar der Symptome entdecken. Sowieso sollten Sie nie versuchen, Scharlach – egal ob beim Erwachsenen oder beim Kind – selbst zu Hause und dann auch noch mit Hausmitteln behandeln zu wollen. Denn unbehandelt oder nicht richtig behandelt kann Scharlach schnell zu den oben genannten Komplikationen und Spätfolgen führen.

Scharlach mit Antibiotika sicher behandeln

Starke Halsschmerzen und Fieber sollten Sie deshalb am besten gleich vom Arzt abklären lassen, womöglich noch bevor Scharlach als Vollbild ausbricht. Mit einem kurzen Rachenabstrich stellt der Arzt fest, ob es sich um einen Streptokokken-Befall handelt. Bestätigt sich der Verdacht, ist meist eine Behandlung mit Antibiotika nötig, um die Bakterien abzutöten.

Die verschriebenen Antibiotika greifen in der Regel gut und nebenwirkungsfrei , die Beschwerden klingen ab. Schon 24 Stunden nach Beginn der Einnahme sind Scharlachpatienten übrigens nicht mehr ansteckend – unbehandelt besteht dieses Risiko noch drei bis vier Wochen. Dennoch sollte sich der Erkrankte auch nach erfolgreicher Behandlung viel Ruhe gönnen, um dem Körper genügend Zeit zu geben, sich mitsamt der Darmflora wieder aufzubauen.

In der Regel verschreiben Ärzte bei Scharlach eine zehntägige Therapie mit Penicillin.

Scharlach in der Schwangerschaft – was tun?

Sogar in der Schwangerschaft kann Scharlach auftreten. Auch wenn jemand früher bereits Scharlach hatte, besteht keine lebenslange Immunität gegen die Kinderkrankheit.

Es gibt mehrere Streptokokken-Typen, die Scharlach auslösen. Nur, wenn Sie wieder mit der gleichen Bakterienart konfrontiert werden, erkranken Sie nicht nochmal. Handelt es sich jedoch um eine andere, können Sie erneut Scharlach bekommen. Eine Impfung gegen Scharlach wurde bis jetzt nicht entwickelt – anders als bei anderen Kinderkrankheiten wie Masern, die auch Erwachsene befallen können. Warum Kinderkrankheiten oft besonders gefährlich für Erwachsene sein können, lesen Sie auch bei uns.

Für Schwangere bedeutet das: Bei Krankheitsanzeichen auf jeden Fall zum Arzt gehen! Werden Streptokokken festgestellt, verordnet der Arzt Antibiotika, die dem Kind nicht schaden, die Erkrankung bei der Mutter verkürzen und Komplikationen verhindern. Und keine Angst: Wenn die Mutter Scharlach hat und die verordneten Medikamente einnimmt, muss sie keine Fehlbildungen beim Kind befürchten. Auch ist das ungeborene Kind normalerweise nicht gefährdet, sich anzustecken.

Fieber als eines der Hauptanzeichen für Scharlach kann aber noch viele weitere Ursachen haben. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Mehr Infos zu Scharlach sowie eine Bürgerinformation finden Sie auch auf der Scharlach-Seite von infektionsschutz.de.

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Verräterische Himbeerzunge?

Die Krankheit stellt sich plötzlich ein: Von der Leiste her breitet sich ein Ausschlag aus, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen treten auf und der Rachen ist geschwollen und gereizt. Schluckbeschwerden, allgemeines Unwohlsein und Übelkeit bis hin zu Erbrechen gesellen sich dazu: Scharlach ist eine sehr unangenehme Krankheit, vor allem für Kinder, die am häufigsten von ihr heimgesucht werden.

Immer wieder aufs Neue krank

Doch Dr. Jan Cahlik, Vizepräsident der Kinderärzte Schweiz, relativiert: „Scharlach äussert sich bei jedem Patienten anders. Nicht alle typischen Symptome sind immer gleich stark ausgeprägt. Selbst die bekannte Himbeerzunge kann, muss aber nicht zwingend vorhanden sein.“

Der Kinderarzt aus Affoltern a. A. kann Scharlach dennoch recht einfach diagnostizieren: Das Miteinander der Symptome, bei Unsicherheiten noch ein Rachenabstrich und der Befund steht: Scharlach ist eine Infektionserkrankung, die – wie auch eine bakterielle Mandelentzündung – von Streptokokken verursacht wird.

„Von diesen Bakterien gibt es etwa 80 Untergruppen“, erklärt Dr. Cahlik. „Weil es so viele Erreger gibt, ist eine Impfung gegen Scharlach und Angina unmöglich – und Betroffene können immer wieder neu erkranken.“

Scharlach: einfache Behandlung möglich

Die Krankheit selbst beutelt zwar den Körper ordentlich, ist allerdings bei frühzeitiger Behandlung schnell überstanden: Mit einem Antibiotikum wird den Bakterien der Kampf angesagt, weitere Medikamente wie fiebersenkende Mittel oder Präparate gegen Schluckbeschwerden lindern die Symptome.

„Scharlach wird durch Tröpfchen übertragen. Mit Antibiotika nimmt die Ansteckungsgefahr sehr schnell ab“, so Dr. Cahlik. „Kinder, die ein Antibiotikum einnehmen, sind nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend und oft bereits ohne Beschwerden. Sie könnten sogar schon wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, ohne andere zu gefährden.“ Allerdings schwächt die Krankheit den Körper der Kleinen mitunter sehr, sodass eine mehrtägige Erholungsphase eingeräumt werden sollte.

Heftige, aber seltene Komplikationen

Scharlach gilt heutzutage als vergleichsweise harmlose Kinderkrankheit. Selbst in der Schwangerschaft geht von ihr – bei rechtzeitiger Behandlung – kein spezielles Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind aus.

Dennoch können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Rheumatisches Fieber, Blutvergiftung, Herzschädigung, Entzündung von Niere, Lunge, Mittelohr und Nasennebenhöhle: Die Liste an möglichen schwerwiegenden Folgeerkrankungen ist lang.

Der Kinderarzt gibt jedoch Entwarnung: „Derartige Komplikationen sind in den letzten Jahren sehr selten geworden. Man ist sich nicht einig, ob das daran liegt, dass sich die Bakterien verändert haben und harmloser geworden sind, oder ob das ein mittelfristiger Behandlungserfolg ist.“

Ausbreitung verhindern

Was auch immer den Scharlach harmloser werden lassen hat, unterschätzt werden darf er dennoch nicht. „Betroffene sollten sich Ruhe gönnen und jeden unnötigen Kontakt zu anderen Menschen meiden, solange sie ansteckend sind“, empfiehlt Dr. Cahlik. „Umgekehrt sollten erkrankte Kinder schnellstmöglich isoliert werden, um eine Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden. Hier sind nicht nur Eltern gefragt, auch Erzieherinnen und Lehrer sollten ein wachsames Auge auf ihre Schützlinge haben.“

Mein Kind hat Scharlach ohne Symptome

20. November 2015

  • Autor Sabine Láng
  • Thema Elternsein, Gesundheit

Viele kennen die typischen Anzeichen für Scharlach. Doch was tut man, wenn keine Symptome festzustellen sind, aber dennoch mit dem Kind etwas nicht stimmt?

Scharlach ohne Symptome erkennen, aber nicht über-besorgt sein

Fast jeder, der Kinder hat, kennt die typischen Anzeichen für Scharlach. Doch was tut man, wenn keinerlei Symptome festzustellen sind, aber dennoch mit dem Kind etwas nicht stimmt?

Vielleicht kann sich jemand an meinen Artikel vom Beginn dieses Jahres erinnern, in dem ich beschrieb, dass zwei Kinderärzte den fieberlosen Ausschlag meiner Tochter verkannt haben und erst der dritte Arztbesuch die Diagnose Scharlach ans Licht brachte. Eine beunruhigende Erfahrung, besteht doch eine ernste Gefahr an gefährlichen Folgeerkrankungen bei Scharlach.

Unwissen ist beängstigend

Fast noch beängstigender ist es jedoch, wenn sich erst gar keine Symptome zeigen, die auf Scharlach oder eine andere Erkrankung hinweisen. Den einzigen Hinweis hatten wir, dass unsere Tochter seit Wochen müde und abgeschlagen war. Schließlich fing sie sich die Hand-Fuß-Mund Krankheit ein und wir hatten Hoffnung, dass dies der Ursache Kern war.

Aber nein, nach Abklingen der Krankheit änderte sich nichts am fehlenden Wohlbefinden unseres Kindes. Mit unserer Kinderärztin dachten wir sämtliche Möglichkeiten, die Müdigkeit bedingen können, durch. Schließlich machte sie auf Grund einer Rötung von Ohren und Hals einen Rachenabstrich, bevor wir mit einer Blutuntersuchung zum nächsten Schritt übergehen wollten.

Scharlach ohne Symptome: Augen und Ohren offenhalten

Der Rachenabstrich ist wohl etwas umstritten, da er nicht immer richtig zu liegen scheint; schlägt er jedoch positiv aus, so sind in jedem Fall Streptokokken – die Erreger von Scharlach – nachzuweisen. Und das tat er nach nur wenigen Monaten schon wieder. Wir wissen natürlich nicht, wie lange unser Mädchen die Erkrankung bereits mit sich herumtrug, ob die vorangegangene Hand-Fuß-Mund Krankheit Auslöser oder Folge für die Scharlach-Erkrankung war.

Aber wir haben dazu gelernt, dass es offensichtlich Krankheiten gibt, die sich nicht an das zu erwartende Krankheitsbild halten, und dass Augen und Ohren stets offen zu halten sind, um keinen Hinweis zu übersehen.

Eine schwierige Aufgabe, gibt es doch gerade bei Kindern nur wenige Konstanten, da sich die verschiedensten Phasen – durch Entwicklung, Wachstum oder ähnliches hervorgerufen – gerne abwechseln. Andererseits ist eine ständige über-besorgte Beobachtung des eigenen Kindes auf Dauer belastend und lässt einen mitunter auch Signale sehen, wo keine sind.

Im Zweifelsfall auf das Bauchgefühl hören

Daher zusammenfassend noch ein kleiner Überblick:

  • Untypisches Verhalten eines Kindes muss noch kein Grund zur Sorge sein. Hält dieses aber länger an als zu erwarten ist, sollte man doch wachsam werden.
  • Wie wir nun aus eigener Erfahrung gelernt haben, ist Scharlach eine Kinderkrankheit, die nicht nur mehrmals auftreten, sondern sich von Mal zu Mal in ihrem Erscheinungsbild verändern kann. Auch unsere Kinderärztin bestätigte, dass sie immer wieder Fälle von Scharlach behandelt, die ohne eindeutige Symptome ablaufen.
  • Man sucht die berühmte Nadel im Heuhaufen, ein Arzt des Vertrauens kann da natürlich eine große Unterstützung sein. Ein Rachenabstrich bedeutet keinen großen Aufwand, brachte aber in diesem Fall eine schnelle Abklärung.
  • Wie gesagt: Man muss aufpassen, dass man nicht anfängt, das Gras wachsen zu hören und sich Krankheiten einbildet – aber im Zweifelsfall sollte man auf sein Bauchgefühl hören und lieber einmal öfter auf verdeckte Krankheiten testen lassen, selbst wenn manche Symptome vermisst werden…

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gesunde und sorgenfreie, kalte Jahreszeit!

Scharlach: So erkennt man Symptome bei Erwachsenen und Kindern

Scharlach ist vor allem für Erwachsene gefährlich. Die Symptome rechtzeitig zu erkennen und behandeln ist deshalb so wichtig. Zudem wird an einer Scharlach-Impfung gearbeitet.

Vor allem in den Wintermonaten kommt es zu ausgeprägten Scharlach-Ausbrüchen. Meist grassiert die Infektionskrankheit in Kitas und Schulen. Denn eigentlich ist Scharlach eine Kinderkrankheit und tritt vor allem im Alter zwischen drei und neun Jahren auf. Allerdings schützt die überstandene Krankheit nicht immer auch in Zukunft vor einer erneuten Ansteckung. Deshalb bekommen auch Erwachsene Scharlach, medizinisch Scarlatina oder Streptococcus pyogenes-Infektion.

Scharlach ist nicht harmlos

Zwar gibt es keine genauen Zahlen über die Häufigkeit der Infektionskrankheit, denn eine Meldepflicht für Scharlach gibt es nur in einigen Bundeländern, etwa Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Doch Schätzungen der Stiftung Kindergesundheit zufolge sind es in Deutschland rund 50.000 Scharlachfälle pro Jahr, darunter befindet sich immerhin ein Viertel an Erwachsenen. Gerade bei ihnen kann Scharlach zu gravierenden Komplikationen führen, etwa

• rheumatisches Fieber
• Gelenkentzündungen (Polyarthritis)
• Herzmuskelentzündung („Scharlachherz“)
• akute Nierenentzündung
• Lungenentzündung
• Sepsis mit toxischem Schock und Multiorganversagen
Diese Komplikationen drohen jedoch meist nur dann, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei Kindern wird Scharlach dabei nur selten übersehen, weil es sich um eine typische Kinderkrankheit handelt. Anders ist das bei Erwachsenen. Sie denken bei den Symptomen oft nicht daran, dass es sich um Scharlach handeln könnte und gehen deshalb nicht gleich zum Arzt.

Symptome von Scharlach

Die Anzeichen für Scharlach ähneln denen für Erkältung. Die wichtigsten Symptome sind:

• Halsschmerzen, typisch für Scharlach ist, dass sie plötzlich einsetzen und sehr massiv sind, dabei Mandelentzündung und Rachenentzündung
• hohes Fieber
• Gliederschmerzen
• Erbrechen
• anfangs weißlicher Zungenbelag, später wird die Zunge rot mit hellen Erhebungen – die typische “Himbeerzunge” bei Scharlach
• Typischer Hautausschlag bei Scharlach

Die Rötung der Zunge bildet sich etwa am dritten Krankheitstag. Zuvor entwickelt sich bereits ein Hautausschlag (Exanthem). Zuerst handelt es sich nur um stecknadelgroße rote Punkte. Sie vergrößern sich und breiten sich aus, vor allem Oberkörper, Achseln und Leisten sind betroffen, während Handflächen und Fußsohlen frei bleiben. Entsteht der Ausschlag auch im Gesicht, wird bei Scharlach ein dreieckiger Bereich um den Mund herum ausgespart. Umgeben vom roten Ausschlag sehen die weißen Stellen aus wie ein Milchbart. Typisch für das Exanthem bei Scharlach: Der Ausschlag juckt nicht und verändert unter Druck seine Farbe nicht, wie das bei Ausschlag mit anderen Ursachen oft der Fall ist.

Das Exanthem dauert nur wenige Tage und verschwindet dann wieder. Danach beginnt sich die Haut vor allem an den Innenflächen der Hände und den Fußsohlen zu schuppen. Die leuchtend rote Farbe des Ausschlags gab der Infektionskrankheit übrigens ihren Namen (von mittellateinisch scarlatum für „roter Stoff“). In alten Schriften wird Scharlach auch als “Purpurkrankheit” bezeichnet,.

Streptokokken sind Ursache

Ausgelöst wird die Infektionskrankheit durch bestimmte Bakterien, Streptococcus pyogenes (A-Streptokokken). Die Erreger gelten als Schleimhautparasiten und siedeln vor allem im Rachenraum. Jeder fünfte bis zehnte Mensch trägt diese Keime in sich, ohne zu erkranken, berichtet das Robert-Koch-Institut. A-Streptokokken lösen unter anderem auch Mandelentzündung (Angina tonsillaris) und Wundrose aus. Die Streptokokken produzieren mitunter Giftstoffe (Toxine), die die Blutgefäße durchlässiger machen und die für Scharlach typischen Symptome wie Rötung von Schleimhaut und Rachen auslösen.

Scharlach – Ansteckung über Tröpfchen- und Schmierinfektion

Scharlach gilt als besonders ansteckend. Die Streptokokken werden über den Speichel, also per Tröpfcheninfektion etwa durch Niesen, Küssen, Sprechen oder Ausatmen weitergegeben. Wer engen Kontakt mit einem Erkrankten hat, muss damit rechnen, nach ein bis drei Tagen – so lange dauert die Ansteckungszeit (Inkubationszeit) bei Scharlach – ebenfalls zu erkranken. Neben dieser direkten Ansteckung gibt es noch eine indirekte über Gegenstände wie etwa Türgriffe. Bei einer solchen Schmierinfektion gelangen die Bakterien auf die Hände und bei Berührung von Augen, Mund oder Nase in den Körper.

Übrigens ist Scharlach bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend: Bevor die ersten Symptome auftreten, können die Bakterien weitergegeben werden. Das erklärt, warum sich Scharlach so rasch ausbreiten kann und ganze Kitas deshalb geschlossen werden müssen. Nur wenn Scharlach mit Antibiotika behandelt wird, erlischt dieses hohe Ansteckungsrisko 24 Stunden nach der ersten Einnahme. Unbehandelt besteht diese Gefahr viel länger, bis zu drei Wochen nach Ausbruch der Krankheit.

Wer Scharlach überstanden hat, ist nur bis zu einem gewissen Grad immun. Weil es mehrere Arten von Streptokokken gibt, die Scharlach auslösen und unterschiedliche Toxine produzieren, ist eine erneute Infektion aber möglich.

Mit Schnelltest diagnostizieren

Der Arzt erkennt Scharlach meist bereits durch einen Blick in den Rachen. Sicherheit gibt dann ein Rachenabstrich. Mit einem Schnelltest liegt das Ergebnis bereits nach wenigen Minuten vor. Den Schnelltest gibt es übrigens rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen. Allerdings sollten so massive Symptome, wie Scharlach sie auslöst, nicht selbst untersucht, sondern auf jeden Fall von einem Arzt abgeklärt werden. Er kann andere Erkrankungsursachen ausschließen (Viruserkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen) und entsprechende Medikamente verschreiben.

Die richtigen Antibiotika zur Behandlung

Antibiotika, vor allem Penicillin, bekämpfen die Streptokokken verlässlich. Die Medikamente müssen in der Regel zehn Tage eingenommen werden. Bei Penicillin-Unverträglichkeit gibt es noch eine Reihe anderer Wirkstoffe, etwa:
• Cephalosporine
• Erythromycin
• Roxithromycin

Wichtig ist, die Einnahmedauer auf jeden Fall einzuhalten – auch wenn bereits nach ein oder zwei Tagen eine deutliche Besserung eintritt. Wer die Tabletten früher absetzt, riskiert einen Rückfall (Rezidiv) und fördert Resistenzen. Eine Resistenz gegen Penicillin ist bei Scharlach bisher aber nicht bekannt. Anders ist das bei den Ersatzantibiotika, etwa Erythromycin. Hier warnt das Robert-Koch-Institut vor hohen Resistenzraten. Die Medikamente wirken dann nicht mehr richtig gegen Streptokokken.

Scharlach in der Schwangerschaft

Weil auch eine überstandene Scharlach-Infektion nicht vor einer erneuten Erkrankung schützt und es (noch) keine Impfung gegen Scarlatina gibt, ist es durchaus möglich, auch in der Schwangerschaft Scharlach zu bekommen. Setzt die Behandlung dann sofort ein, besteht kein Risiko für Mutter und Kind. Penicillin gehört zu den Antiobitika, die auch in der Schwangerschaft gut vertragen werden und erfahrungsgemäß das Kind nicht gefährden.

Impfung gegen Scharlach in Sicht

Doch vielleicht schon in wenigen Jahren könnten sich Frauen mit Kinderwunsch gegen Scharlach impfen lassen. Australische Wissenschaftler haben einen Impfstoff entwickelt, der gleichzeitig gegen die verschiedenen Arten von A-Streptokokken schützen könnte. Autor: Monika Preuk

NEU-ISENBURG. Scharlach zählt heute noch zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern. Mindestens 50.000 Menschen erkranken nach Angaben der Stiftung Kindergesundheit jährlich in Deutschland an typischem Scharlach.

Nach einer aktuellen Statistik der Barmer GEK wird in einem Jahr bei 6,27 Prozent aller Kinder, die jünger als fünf Jahre sind, Scharlach diagnostiziert.

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Scharlach ist eine Sonderform der Streptokokken-A-Infektion und wird von Streptococcus pyogenes verursacht.

Die Erreger erzeugen eine große Anzahl von extrazellulären Produkten, von denen man annimmt, dass sie eine Bedeutung für die lokale und systemische Toxizität besitzen und die Ausbreitung der Infektion im Gewebe erleichtern, so das Robert Koch-Institut in seinem Ärztemerkblatt zu der Krankheit. Pyrogene Exotoxine verursachen dabei das makulöse Exanthem beim Scharlach.

Betroffene Kinder produzieren Antikörper gegen die Toxine, sodass sie anschließend gegen Scharlach immun sind. Mittel der Wahl ist Penicillin.

Sollte das Antibiotikum nicht anschlagen oder nicht gut vertragen werden, kann zum Beispiel auf orale Cephalosporine ausgewichen werden.

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Eltern muss eingeschärft werden, dass das verordnete Antibiotikum ausreichend lange gegeben wird, also in den meisten Fällen zehn Tage lang, betont Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Mit Hilfe der Penicillin-Behandlung geht es dem Kind zwar schon nach 24 bis spätestens 48 Stunden wieder gut. Das Verschwinden der Beschwerden bedeutet aber nicht, dass damit auch die Erreger eliminiert sind.

Risiken oft unterschätzt

Die Behandlungsdauer von zehn Tagen ist notwendig, um alle Bakterien abzutöten. Bleiben Reste im Organismus, könnte es zu Rezidiven kommen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Erreger Resistenzen entwickeln.

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In Ausnahmen kann Penicillin auch in einer einzigen Injektion verabreicht werden. Diese Spritze in den Muskel ist jedoch schmerzhaft und wird Kindern nur ungern zugemutet. Penicillin beeinträchtigt übrigens nicht die Fähigkeit des Organismus, gegen die Scharlacherreger Antikörper zu bilden.

Das Risiko von Scharlach wird heute oft unterschätzt. Durch die gute Prognose bei Antibiotikatherapie gerät zunehmend in Vergessenheit, welche gefährlichen Folgen die Krankheit haben kann.

Einige Eltern lehnen daher eine Antibiotikabehandlung ab. Zum Nachteil der Patienten, meint die Stiftung Kindergesundheit. Die Keime können zu Komplikationen wie Otitis media, Sinusitis, Lymphdrüsen-Schwellungen und Rachenmandel-Abszessen führen.

Gefürchtet sind die Folgekrankheiten von Scharlach: Mit drei bis fünf Wochen Verzögerung nach der Infektion kann rheumatisches Fieber auftreten. Es führt zu Gelenkveränderungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.

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Ein hohes Risiko besteht beim sogenannten Scharlachherz, eine Entzündung von Herzmuskel und Endokard, manchmal auch der Herzklappen. Auch akute Nierenentzündungen sind möglich.

Kita- und Schulverbot

„Eine übertriebene Angst vor Antibiotika ist deshalb gerade bei dieser Krankheit völlig unangebracht“, betont Koletzko.

Bevor es Antibiotika gab, wurden scharlachkranke Kinder sechs Wochen lang völlig isoliert. Die Wohnung musste gründlich desinfiziert werden, ebenfalls alle Gegenstände, die das kranke Kind benutzt hat.

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Bücher und Spielsachen mussten verbrannt werden. Heute ist ein mit Penicillin behandeltes Kind dagegen schon am Tag nach Behandlungsbeginn nicht mehr ansteckend. Wenn es sich wieder wohl fühlt, kann es meist schon nach wenigen Tagen wieder in den Kindergarten oder zur Schule.

Im Ärztemerkblatt des RKI heißt es dazu: „Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen kann bei einer Antibiotikatherapie und ohne Krankheitszeichen ab dem zweiten Tag erfolgen, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.“

Scharlachkranke Kinder ohne Penicillinbehandlung gelten dagegen drei Wochen lang als „infektiös“.

Nach Paragraph 34 des Infektionsschutzgesetzes IfSG dürfen sie die Kita oder die Schule so lange nicht besuchen, „bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit durch sie nicht mehr zu befürchten ist“. Das ist erst nach etwa drei Wochen der Fall.

www.kindergesundheit.de Ärztemerkblatt Scharlach: www.rki.de, Infektionskrankheiten A-Z

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