Rotaviren impfung baby

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Rotavirus-Impfung für Säuglinge empfohlen

Betroffene Kinder müssen oft ins Krankenhaus

Die Rotavirus-Infektion ist die häufigste meldepflichtige Krankheit bei Kindern unter fünf Jahren – bei den unter Ein- und Zweijährigen erkranken etwa 2000 von 100.000 Kindern pro Jahr. Kam die Empfehlung 2013 also nicht vergleichsweise spät? „Wir wissen heute mehr über die Sicherheit der Impfung und über die Häufigkeit schwerer Verläufe“, erklärt Dr. Jan Leidel, der zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender der STIKO war. „Eine Erhebung der ESPED, also der Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland, hat ergeben, dass das Rotavirus öfter schwere Verläufe nach sich zieht, als früher gedacht.“ Knapp die Hälfte aller betroffenen Unter-Fünfjährigen müssen stationär behandelt werden, etwa 50 pro Jahr sogar auf der Intensivstation.

Risiken der ersten Impfstoffgeneration sind minimiert

Weil die Krankheit in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich ist, sind die Anforderungen an die Impfung besonders hoch. Um lebensbedrohliche Krankheiten zu vermeiden, werden eher Nebenwirkungen in Kauf genommen. Anders bei der Rotavirus-Impfung. Sie wurde inzwischen eingehend geprüft. Der erste Impfstoff, der in den USA zugelassen wurde, geriet wegen des hohen Risikos für Darmeinstülpungen, sogenannte Invaginationen, in Verruf. „Bei der zweiten Impfstoffgeneration ist das Invaginationsrisiko sehr gering – falls überhaupt eines besteht“, sagt Leidel.

Momentan kommen auf 100.000 Säuglinge ohne Rotavirenimpfung im ersten Lebensjahr etwa 60 Fälle von Darmeinstülpungen. „Die Impfung erhöht diese Rate um höchstens ein bis zwei“, sagt Leidel. Außerdem wurde die Impfung früher mit dem Auftreten des sogenannte Kawasaki-Syndroms in Zusammenhang gebracht. Das konnten Studien jedoch nicht bestätigen. Auch Durchfall, Fieber oder Erbrechen treten im Anschluss an die Impfung nicht häufiger auf als normal.

Rotavirus-Impfung ist sehr effektiv

Die Immunisierung vermeidet zu mehr als 90 Prozent das Auftreten einer Rotavirus-Infektion, die stationär behandelt werden muss. Die Impfung gegen Grippe, Influenza, verhindert eine Einweisung ins Krankenhaus deutlich seltener.

Säuglinge können die erste Impfdosis gegen das Rotavirus ab der sechsten Lebenswoche bekommen. Es folgen – je nach Impfstoff – ein bis zwei weitere Dosen, die oral, also über den Mund, verabreicht werden. Die Impfung sollte vor dem sechsten Lebensmonat abgeschlossen sein. Zugelassen sind die beiden Impfstoffe nur bis zur vollendeten 24. beziehungsweise 32. Lebenswoche. Der Grund: „Zum einen sollen Säuglinge möglichst frühzeitig geschützt werden, denn besonders bei sehr kleinen Kindern treten auch schwerere Verläufe auf“, sagt Leidel. Außerdem steige das Risiko für eine Darmeinstülpung später an – bei geimpften wie bei nicht-geimpften Kindern.

Bei der Impfung werden die Eltern über das geringfügig erhöhte Invaginationsrisiko aufgeklärt. Es besteht am ersten bis siebten Tag nach der ersten Impfung. Bei entsprechenden Symptomen, die auf eine Darmeinstülpung hinweisen könnten, sollen sie sich sofort an den Arzt wenden. Zu den Symptomen zählen beispielsweise starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen und blutige Stühle.

In Deutschland ist kein Kinderarzt-Blog so erfolgreich wie Ihrer. Dennoch treffen wir uns inkognito in Ihrer Praxis in Süddeutschland. Warum wollen Sie anonym bleiben?

Weil ich so freier schreiben und sprechen kann. Außerdem könnten sich meine Patienten wiedererkennen und bloßgestellt fühlen – obwohl ich verfremde, Details ändere und ähnliche Vorfälle zusammenfasse. Hinzu kommt, dass meine Zunft sehr neiderfüllt ist. Das ist echt schlimm. Da schielt der eine Arzt danach, was der andere macht. Also bleibe ich lieber anonym. Ich will keinen Ruhm und mir nicht vorwerfen lassen, dass ich blogge, um Patienten zu ködern.

Wenn Sie keinen Ruhm wollen, was wollen Sie dann?

Ich will, dass die Eltern lockerer werden. Mehr ihrem Instinkt vertrauen und sich nicht von jeder Meinung aus dem Internet, den Erziehern und Schuhverkäufern verunsichern lassen.

Schuhverkäufern?

Viele Kinder neigen in den ersten Jahren zu einem etwas einwärts gedrehten Gang. Das ist normal und verläuft sich, spätestens bis zum Schulalter. Doch der Schuhverkäufer macht Panik und empfiehlt natürlich spezielle Lauflernschuhe oder medizinische Einlagen. Der Einzige, der hier was zu empfehlen hat, bin ich, der Kinderarzt.

Wie lange schreiben Sie schon?

Seit zehn Jahren. Zuerst wollte ich mich über meinen Praxisalltag auskotzen. Meine Gedanken loswerden für mein Seelenheil und für das meiner Frau. Sie war es, die alles abkriegte, wenn ich abends nach Hause kam. Am Anfang hat es kaum jemanden interessiert. Als vor sechs Jahren ein Artikel mehr als 1000 Leser hatte, habe ich eine Flasche Schampus aufgemacht. Heute lesen mich 5000 Menschen am Tag.

Passiert Ihnen das manchmal, dass Sie von Ihrem Arztstuhl aufspringen und die Eltern Ihrer kleinen Patienten so richtig durchschütteln wollen?

Ja, wenn ich eine Impfverweigerin vor mir habe. Oder eine Globuli-Gläubige, dann juckt es mich in den Fingern.

Der Kinderdoc

Unter kinderdoc.wordpress.com bloggt unser Interviewpartner seit 2006. Seine eigene Praxis führt er seit 14 Jahren, davor arbeitete er mehrere Jahre in der Neugeborenenstation einer großen Klinik.

Der„Kinderdoc“ lebt mit seiner Frau, zwei Kindern und einer Katze in Süddeutschland. Von ihm ist auch ein Buch erschienen: „Babyrotz & Elternschiss – Aus der Sprechstunde eines Kinderarztes“ (Eichborn).

Eltern sollten entspannter mit ihren Kindern und den Krankheiten umgehen.Foto: Niti/Fotolia

Warum reden Sie in der weiblichen Form?

Es sind zu 75 Prozent Frauen, die in meine Praxis kommen. Mütter machen Elternzeit. Mütter kümmern sich um die Versorgung, um die Gesundheit. Männer geben diesen Part gerne ab. Obwohl sich das langsam ändert.

Unterscheidet sich das Verhalten von Müttern und Vätern in der Praxis?

Der typische Vater ist lockerer, setzt sein Kind in die eine Ecke und sich auf den Stuhl. Er signalisiert dem Kind: Alles kein Problem, ist nur der Doktor. Die typische Mutter nimmt das Kind auf den Schoß. Sie signalisiert: Ich beschütze dich.

Wen mögen Sie lieber?

Das kommt auf die Familie an. Manchmal denke ich: „Hoffentlich kommt diesmal die Mutter“, oder aber: „Lass es heute bitte, bitte den Vater sein.“

Über Impfen und Globuli sprechen wir noch. Was ärgert Sie außerdem?

Uneinsichtigkeit. Ein Kind hat Neurodermitis. Ich verschreibe eine Salbe und gebe die Anordnung, dass jeden Tag eingecremt werden muss. Vier Wochen später ist das Kind erneut da und hat wieder offene Arme, nass und blutig gekratzt.

Wie kann das sein?

Ich frage die Eltern: „Haben Sie die Salbe nicht gegeben?“ Sie antworten: „Doch, aber es war dann gut und wir haben aufgehört.“ Bis zu diesem Punkt ist das okay. Aus Fehlern kann man lernen. Doch sie tun es nicht, und beim nächsten Mal hat das Kind wieder offene Arme. So etwas ärgert mich dermaßen, da muss ich autoritär werden.

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Warum sind Sie Kinderarzt geworden?

Die Chirurgie war mir zu blutig, beim Allgemeinmediziner wird mir zu viel gestorben. Multi-Morbidität. Kaum hat man die Prostata behandelt, braucht der Patient etwas gegen Bluthochdruck. Die Hälfte meiner Patienten ist dagegen gesund. Sie kommen zum Impfen oder zur Vorsorge. Wenn sie krank sind, kann ich sie noch richtig gesund machen. Kinder sind unverfälscht und lustig.

Ausschließlich?

Nein, sie sind auch schwierig, haben Angst vor dem Doktor und brüllen rum. Das gehört dazu.

Gehört Sterben nicht auch dazu?

Ja, das tut es. Als ich noch im Krankenhaus gearbeitet habe, hatten die Kinder Krebs oder schlimme chronische Erkrankungen. Auf der Kinder-Intensivstation waren sie Frühchen. Winzige 700-Gramm-Babys, die wir hochgepäppelt haben. Doch Eltern gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass ihr Frühchen sterben wird, daran konnte ich mich nicht gewöhnen. Die Hoffnung in ihnen zu zerstören. Oder mit Eltern zu besprechen, dass ihr Kind nach dem Unfall hirntot ist und sie darüber nachdenken sollten, die Maschinen abzuschalten. Der Schock. Das Endgültige. Das ist hart.

Haben Sie eine eigene Praxis aufgemacht, weil Sie den Tod im Krankenhaus nur schwer ertragen konnten?

Deswegen und weil ich nicht der anonyme Kinderarzt in der Klinik sein wollte. Ich wollte euer Kinderarzt sein. Wo ihr mit euren Babys hinkommt und ich sehe, wie sie größer werden. Vor Kurzem hatte ich zum ersten Mal eine Mutter im Sprechzimmer, die bei mir schon als Kind war und die jetzt ihr eigenes Kind bekommen hat.

Haben Sie einen Trick, wenn die Kinder Angst vor Ihnen oder der Spritze haben?

Ich versuche es mit Humor. Da kriegt schon mal die Puppe die Spritze zuerst. Grundsätzlich begrüße ich das Kind und spreche auch während der Untersuchung mit ihm, lenke es ab, auch wenn es schüchtern oder trotzig ist. Das vermittle ich auch den Eltern: Ich frage erst mal das Kind, was los ist.

Klappt das?

Meistens. Führt aber auch zu lustigen Situationen. Da gibt es zum Beispiel die Papageienmütter. Ich sage: „Dann höre ich dich mal ab.“ – Die Mutter: „Jetzt hört der Onkel dich mal ab.“ – Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“ – Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“ – Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“ – Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“ Wenn ich mich dann verabschieden und die Hand reichen will, versteckt sich das Kind hinter der Mutter. Mutter: „Na ja, das macht sie nicht so gern, sie ist immer sooo schüchtern.“

Welche Eltern mögen Sie?

Die Entspannten, die instinktiv und bodenständig mit ihren Kindern und den Krankheiten umgehen.

Woran erkennt man die?

So eine Erkältung dauert halt zehn Tage, da gehe ich einmal zum Doktor, lasse es abklären und wenn der sagt, „das ist okay, das passt schon“, dann brauche ich nicht noch einmal und noch einmal hin. Die machen Brustwickel mit Quark oder Kartoffeln, besitzen eine hohe familiäre Empathie und eine tolle emotionale Kompetenz. Die haben nicht tausend Hustensäfte, sondern einmal Kochsalzlösung für die freie Nase und das offene Fenster für die frische Luft in der Nacht. Das Kind kann gut schlafen. Das ist das Wichtigste.

So sind wahrscheinlich nur wenige Eltern?

Stimmt, dann gibt es Eltern, die stark verunsichert sind. „Ich habe doch gelesen, die Erzieherin hat gesagt, meine Mutter meint …“ Die gehen sehr ängstlich mit einer eventuellen Krankheit um. Diese Ängstlichkeit überträgt sich auch auf das Kind. Die kommen wegen kleinster Symptome. Das Pünktchen, das könnten doch Windpocken sein. Nein, es war ein Mückenstich. Diese Haut? Ist das vielleicht Neurodermitis? Nein, trocken. Der pupst so viel, hat er vielleicht Laktose-Intoleranz? Nein, nur die Bohnen. Da gehen die Mütter gleich immer in die Extreme.

Jetzt haben Sie schon wieder „Mütter“ gesagt.

Stimmt. Väter können das aber auch. Ich mache ja auch kinderärztliche Notdienste. Da kam gegen 21.30 Uhr ein Vater mit seinem Sohn, sieben, leichte Schürfwunde am Knie, drei Tage alt, am Verheilen. Ich: „Und warum sind Sie jetzt da?“ – Vater: „Na, Pflaster ist heute morgen abgegangen. Muss man neu machen.“ – „Da dürfen Sie gerne ein Pflaster draufkleben, aber eigentlich würde ich’s eher offen lassen.“ – „Machen Sie mal Pflaster.“ Ich hole ein einfaches Kinderpflaster aus der Schublade und gebe es dem Vater. Vater: „So etwas? Haben wir auch zu Hause.“ – „Genau. Mehr braucht’s nicht.“ – „Und warum bin ich gekommen?“

Welche Typen regen Sie richtig auf?

Eltern, deren Kinder alles dürfen. Ich komme ins Behandlungszimmer. Da räumt Jesse meine Schubladen aus. Oder Marie sitzt auf meinem Stuhl und klimpert an meiner Tastatur. Oder Friedrich-Gustav sieht sich meine Unterlagen an. „Was macht der denn da?“, frage ich. „Ach, das ist mir gar nicht aufgefallen. Darf der das nicht? Ich dachte, das wäre eine Kinderarztpraxis.“ – „Nein, das sind meine Unterlagen. Das ist meine Arztpraxis. Hier gibt es Dinge, die gefährlich sind“, sage ich. Verstehe ich nicht, das ist doch eine Erziehung für das Leben.

Gibt es immer noch viele autoritäre Eltern?

Auf jeden Fall. Die Kinder bekommen einen verhuschten Charakter, sagen nichts, und wenn du sie ansprichst, antwortet die Mutter. Oder bei der Vorsorge, wenn der Vierjährige auf einem Bein hüpfen, einen Turm bauen oder einen Ball fangen soll. Da gibt es Eltern, die sagen zu ihrem Kind: „Das kannst du aber besser.“ Oder: „Das hast du jetzt aber nicht schön gemalt.“ Oder: „Herr Doktor, das kann der eh nicht.“ So traut sich das Kind natürlich gar nichts mehr.

Was machen Sie dann?

Wenn es gar nicht geht, frage ich das Kind: „Sollen wir es mal ohne Mama probieren? Lassen wir die Mama mal vor der Tür?“ Wenn das für das Kind okay ist, schicke ich den Elternteil raus. Plötzlich geht alles: Es hüpft auf einem Bein wie ein Weltmeister und malt mir tolle Bilder. Wahnsinn.

Hatten Sie schon Fälle der Kindeswohlgefährdung?

Ich erinnere mich an einen Jugendlichen. Der war auch zur Vorsorge da. Wir waren schon fertig, plötzlich sieht er mich an und erzählt mir, dass sein Vater ihn immer wieder übel verdrischt. Ich habe ihn gefragt, ob wir das mit seiner Mutter besprechen können. Ich durfte. Es kam heraus, dass sich die Gewalt auch gegen sie richtete. Wir haben vereinbart, dass sie sich darum kümmern müssen, sich Hilfe holen, Kontakt zum Jugendamt aufbauen sollen.

Und?

Das hat tatsächlich dazu geführt, dass sie sich vom Vater getrennt haben und der Friede wieder in die Familie einkehrte. Ansonsten erlebe ich Fälle von Vernachlässigung. Da sind die Zähne schlecht, ist das Kind ungepflegt oder werden Krankheiten verschleppt. Ich versuche, den Kontakt zur Familie zu halten, darf sie nicht vor den Kopf stoßen oder mit dem Jugendamt drohen. Es ist wichtig, dass sie eine Bezugsperson haben, die ihnen da durchhilft, Türen öffnet und Möglichkeiten der Hilfe aufzeigt.

Gibt es Momente, in denen Sie nur wenig erreichen?

Immer wieder. Besonders schlimm finde ich die Raucher. Also Familien, in denen geraucht wird. Das geht durch alle Schichten. Bestimmte Migrantenfamilien rauchen mehr, weil sie anders sozialisiert sind. Wenn ich sie frage, rauchen alle immer nur auf dem Balkon, natürlich. Doch es ist Sommer und der Junge hustet schon konstant seit sechs Wochen, hat aber ansonsten keinen besonderen Infekt, die Lunge ist frei. Das sind schon eindeutige Indizien, dass die Eltern in der Wohnung rauchen.

Sprechen Sie es an?

Unbedingt. Ich kann da sehr deutlich werden. Passivrauchen spielt schließlich eine starke Rolle bei chronischem Husten, der Allergiebildung, bei Hausstaubmilbenallergien, Infektanfälligkeit.

Sprechen wir über ADHS. Wie viele Fälle haben Sie?

Zwei im Monat. Wenn das Kind in der Schulklasse nicht mehr funktioniert, wenn es aneckt oder wenn es die Noten nicht mehr bringt, dann fällt es auf. Wer nicht reinpasst, muss therapiert werden. Das ist auch eine gesellschaftliche Frage.

Wie überprüfen Sie das?

Ich teste die Konzentration und die Intelligenz. Ich überprüfe, ob das Kind vielleicht eher eine Teilleistungsschwäche oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat. Oder ein organisches Problem, eine Sehstörung, eine Hörstörung. In der Summe dieser Dinge kommt vielleicht raus: Ihr Kind könnte ADHS haben.

Ihre Therapie?

Das ist die entscheidende Frage. Wie geht man damit um? Reicht es aus, dass Eltern und Lehrer informiert sind und anders auf das Kind eingehen? Geht man einmal die Woche in den Wald und tobt sich aus? Steht eine Psychotherapie an? Gebe ich dem Kind Medikamente, damit es die ungefilterten Informationen besser verarbeiten kann?

Verschreiben Sie Ritalin?

Ritalin ist das Medikament. Der Wirkstoff heißt „Methylphenidat“. Aber ja. Nicht in jedem Fall, wie manche Kollegen. Aber ich verschreibe es, wenn der Leidensdruck zu hoch wird, wenn es ohne nicht mehr geht. Dann merken die: Aha, jetzt kann ich mich endlich konzentrieren und alles andere ausblenden – die Geräusche vor dem Fenster, die Gespräche meines Kumpels drei Bänke weiter.

Wann fühlen Sie sich hilflos?

Bei Magersucht. Ich habe pro Jahr vier bis fünf Mädchen, die ich alle zwei Wochen einbestelle. Gewicht messen, Blut überprüfen. Wiegen sie zu wenig, bleibt die Menstruation weg, stimmen die Blutwerte nicht, muss ich sie in die Klinik einweisen. Magensonde und das ganze Programm, das habe ich als Klinikarzt selbst gemacht und das ist grausig. So sitze ich dann in meiner Praxis, warte auf die Patientin und hoffe: Bitte, bitte, hab nicht noch mehr abgenommen.

Sprechen diese Patientinnen mit Ihnen?

Ich will die Gründe und die Wege des Abnehmens rausbekommen. Ein verschobenes Bild des eigenen Körpers, zu viel Sport, Essensverweigerung, autoritäre Eltern. Ich versuche immer, die ganze Familie zu einer Psychotherapie zu bewegen, denn es ist ja ein Familienproblem.

Aktuell diskutiert man über die Bezuschussung von Homöopathie durch Krankenkassen …

Ich bin überzeugt, dass die Kügelchen keinerlei Wirkung haben, abgesehen von dem Placebo-Effekt und der Placebo-by-Proxy-Wirkung.

Was ist das Letztere?

Es wirkt über das gute Gefühl der Eltern, die es dem Kind oder auch dem Tier geben. Was mich ärgert: Diese Kugeln stehen gleichberechtigt zur etablierten Medizin. Es gibt viele Kollegen, die sagen: „Dann mache ich ein bisschen Globuli, das wollen die Eltern.“ So argumentieren auch Krankenkassen. Außerdem wird den Kindern vermittelt, dass man immer was geben muss. Blauer Fleck? Kügelchen. Leichte Erkältung? Kügelchen. Immer wird etwas genommen. Das setzt sich fest.

In Berlin gibt es alle paar Jahre eine Masernwelle. Wie halten Sie es mit impfkritischen Eltern?

Wer alle Impfungen komplett verweigert, den versuche ich zu überreden, ich drücke mich einmal vorsichtig aus, einen Arzt zu suchen, der das mittragen kann. Sprich: Die schmeiße ich raus.

Jetzt werden Sie richtig sauer.

Impfen ist eine Elternentscheidung, ja, aber auch ich habe eine Verantwortung für das Kind. Ich habe bereits alle Impfkrankheiten erlebt. Ich kenne Kinder, die daran oder an Komplikationen danach gestorben sind. Ich kenne ihre Eltern. Das will ich in meiner Praxis nicht erleben. Ich will auch nicht, dass ein Masern-Kind im Wartezimmer Säuglinge ansteckt.

Sind Sie kein Stückchen kompromissbereit?

Doch. Bei Hepatitis B, bei Windpocken kann man diskutieren, ob man später impft, oder bei der Rotavirus-Impfung, ob man die weglässt. Ansonsten sollten alle Krankheiten geimpft werden, an denen ein Kind sterben kann.

Insgesamt ist es ein angstbesetztes Thema, bei dem eine rationale Diskussion unmöglich erscheint.

Die Leute haben den Respekt vor den Krankheiten verloren, weil sie so selten auftreten. Haben Sie mal ein Kind gesehen, das mit Neurodermitis Windpocken bekommen hat? Sie können sich nicht vorstellen, wie so eine Haut aussieht. Das Kind wird nicht daran sterben, aber ich verlange Respekt davor, wie sehr es darunter leidet. Am Ende bleibt eine Frage: Traue ich der Ständigen Impfkommission STIKO, die Impfungen empfiehlt – oder nicht. Mangelndes Vertrauen und Desinformationen verunsichern die Eltern.

Eine weitere Angst der Eltern ist, dass sich ihre Kinder im Wartezimmer mit Krankheiten anstecken. Wie handhaben Sie das?

Diese Angst ist berechtigt. Das Wartezimmer ist ein Bakterien- und Virenkarussell. Ich versuche das zu vermeiden, indem ich Zeiten habe, in denen ich die gesunden Kinder zum Impfen und zur Vorsorge kommen lasse, und andere Zeiten für die Kranken. Außerdem habe ich zwei Wartezimmer, in dem einen warten die Säuglinge und in dem anderen die Größeren. In das Seuchenzimmer kommen die Patienten mit Windpocken oder anderen ansteckenden Krankheiten.

Wie lange wartet man bei Ihnen?

Zehn Minuten. Die Eltern müssen einen Termin machen. Wenn es dringend ist, können sie noch am selben Tag kommen. Wenn nicht, am nächsten. So schleusen wir circa 120 Kinder am Tag durch meine Praxis.

Was machen Sie anders als die Berliner Kinderärzte, bei denen man trotz Termin mindestens eine Stunde warten muss?

Meine Arzthelferinnen führen ein strenges Regime, und ich rotiere wie ein Kreisel von einem Zimmer zum nächsten. Drinnen wartet schon der Patient, fertig ausgezogen, ich untersuche, rede, fälle Entscheidungen. Auf dem Computer habe ich eine Wartezimmerliste, dazu Icons, das Anliegen. Das geht nur mit Disziplin.

Eine Frage, die Eltern immer wieder umtreibt: Wie krank darf man noch in die Kita?

Solange es dem Kind gut geht, kann es in den Kindergarten. Außer, es hat was Ansteckendes. Aber wo fängt das an? Der Rotz ist natürlich auch ansteckend. Aber soll man alle Kinder mit Rotz zu Hause lassen? Nein, da kann man den Kindergarten zumachen und die Eltern kommen nicht mehr zum Arbeiten. Wenn es dem Kind aber schlecht geht, wenn es lethargisch ist und Schmerzen hat, wenn es über 38,5 Fieber hat, dann bleibt das Kind zu Hause. Erholung daheim ist das Wichtigste.

Wie halten Sie es mit Antibiotika?

Es gibt Ärzte, die verfahren nach dem Prinzip: „Hach, da schreibe ich jetzt einmal Antibiotika auf.“ Ich verschreibe die nur, wenn es notwendig ist, wenn also eine bakterielle Infektion vorliegt. Es sind aber auch die Eltern, die häufiger Diagnose und Medikament einfordern. Vor Jahren hieß es noch: „Antibiotika, muss das sein?“ Heute fragen die Eltern: „August hustet jetzt schon seit einer Woche, wann kriegen wir denn endlich Antibiotika?“ Oder: „Können wir nicht einmal ein Blutbild machen?“ Ein magischer Begriff. Viele Blutbilder, die wir hier machen, sind therapeutischer Natur, therapeutisch für die Eltern zur Beruhigung. In der Kinderheilkunde braucht es häufig kein Medikament. Gegen Erkältungsrotz, Husten und Durchfall reichen Omas Hausmittel völlig aus.

Sie schimpfen im Blog über ängstliche Eltern, die sehr häufig in die Praxis kommen. Aber gerade in der Erkältungs- und Grippezeit will ich mir doch sicher sein, dass es meinem Kind gut geht?

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Norovirus bei Babys und Kindern

Eine akute Magen-Darm-Infektion wird unter Medizinern als Gastroenteritis bezeichnet. Sie kann verschiedene Ursachen haben, die unter anderem bakterielle Ursachen oder eine Virusinfektion ausgelöst werden kann. Der erste medizinische Nachweis einer durch Viren ausgelösten Gastroenteritis konnte Anfang der 1970er Jahre erbracht werden. Dieses „Norwalk-like-Virus“, dessen Name auf die Epidemie im Jahre 1968 in Norwalk (USA) zurückgeht, wurde aus Stuhlproben von Freiwilligen gewonnen. Daher rührt wahrscheinlich der Name Norovirus. Noroviren sind auf der ganzen Welt verbreitet – und auf dem Vormarsch. Kinder unter fünf Jahren und ältere Personen sind besonders häufig betroffen.

Nach Rotaviren sind Noroviren die häufigste Ursache für Magen-Darm-Infekte bei Babys und Kindern. Bei Kindern sind sie insgesamt für ein Drittel aller Durchfallerkrankungen verantwortlich.

Aktuelle Norovirus-Welle im Dezember 2018

Aktuell (im November und Dezember 2018) wird in vielen Teilen Deutschlands wieder eine Zunahme der Fälle von Norovirus – vor allem bei Kindern – verzeichnet. In diesem Jahr wurden in Deutschland bis zur Kalenderwoche 47 (Ende November) schon knapp 65.000 Fälle registriert, das sind fast 5.000 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei handelt es sich allerdings nur um Fälle mit tatsächlich im Labor nachgewiesener Infektion. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Da die hauptsächliche Erkrankungszeit im Winter liegt, ist es nicht verwunderlich, dass gegen Ende des Jahres auch wieder vermehrt Fälle gemeldet werden.

Laut Berichten häufen sich aktuell die Fälle in:

  • Bayern (insbesondere Oberbayern)

  • Sachsen

  • Sachsen-Anhalt

  • Nordrhein-Westfalen

  • Thüringen

Zur Vermeidung von Ansteckung ist es unbedingt ratsam, sich häufig und gründlich die Hände mit Seife zu waschen, insbesondere, wenn man von draußen (Supermarkt, öffentliche Verkehrsmittel) nach Hause kommt, Hände geschüttelt hat, usw. Denn das Norovirus überträgt sich vor allem über die Hand. Betroffene sollten sich daher nach dem Toilettengang sehr gründlich die Hände waschen – und zwar bis zu zwei Wochen nach Abklingen der Erkrankung, den so lange kann das Virus noch ausgeschieden werden.

Infektionsweg: Wie überträgt sich das Norovirus?

Noroviren können sich über Schmierinfektionen oder Aerosole, die beim Erbrechen entstehen, ausbreiten. Auch über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel werden sie übertragen. Aufgrund der hohen Erregeranzahl im Erbrochenen oder im Stuhl ist ohne strenge Hygiene eine Ansteckung leicht möglich. Noroviren sind dafür bekannt, dass sie sich in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Alten- und Pflegeheimen schnell verbreiten können, genauso wie in Kindergärten oder Herbergen. Auch durch ihre Fähigkeit, ständig in neuen Virusvarianten aufzutreten, die unterschiedlich starke Symptome auslösen, sind Noroviren immer wieder für jeden gefährlich.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt besondere Maßnahmen, um die rasche Ausbreitung von Noroviren zu verhindern:

  • Kontakt zu Erkrankten meiden und auf sorgfältige Händehygiene (sorgfältiges Händewaschen) achten
  • Bei der Betreuung von erkrankten Personen zuhause muss ebenfalls eine gute Hände- und Toilettenhygiene (regelmäßige Reinigung der Kontaktflächen, personenbezogene Hygieneartikel/Handtücher) eingehalten werden.
  • Mit Erbrochenem oder Stuhl in Berührung kommende Gegenstände und Flächen (zum Beispiel Waschbecken, Toiletten, Türgriffe, Böden) sollten nur mit Gummihandschuhen gründlich gereinigt werden. Damit dabei keine weitere Verbreitung der Viren stattfindet, sollten Einwegtücher verwendet werden, die danach entsorgt werden. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln ist in der Regel nicht erforderlich. Vielmehr kommt es auf die konsequente Einhaltung der oben genannten Maßnahmen an.

Noroviren werden sehr leicht übertragen, da eine minimale Infektionsdosis (10-100 Viruspartikel) ausreicht. Deshalb verbreitet sich eine Noroviren-Infektion innerhalb von Gemeinschaften (wie z. B. im Kindergarten) rasend schnell. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage, jedoch zeigen sich nach einer Ansteckung die ersten Symptome oft schon nach zehn bis 48 Stunden. Die akute Phase dauert zwei bis vier Tage.

Norovirus: Symptome

Häufig kommt es bei Noroviren nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Tagen aus heiterem Himmel zu plötzlichem, schwallartigem Erbrechen, oft mit heftigen Durchfällen verbunden. Diese Symptome halten meist einige Tage an. Die Erreger im Stuhl können allerdings noch mehrere Wochen nach Erkrankung noch nachgewiesen werden. In dieser Zeit sollten auf strenge Hygiene geachtet werden.

Norovirus beim Baby

Babys, die am Norovirus erkrankt sind, verweigern oft zu trinken, weinen viel und leiden ebenfalls an starken Durchfällen und Erbrechen. Durch den Flüssigkeitsverlust kann die Fontanelle leicht eingefallen sein. Der Windelinhalt ist häufig wässerig-schleimig, grünlich oder gelblich. Besonders wenn zusätzlich Fieber auftritt, besteht die Gefahr eines Flüssigkeitsmangels. Durch den Durchfall kann es zusätzlich zu einer Windeldermatitis kommen.

Wann zum Arzt mit dem Baby?

Für Eltern ist nicht zu erkennen, ob es sich bei der Magen-Darm-Infektion um das Norovirus handelt, oder ob andere Erreger die Ursache sind. Wenn es in der Umgebung jedoch Hinweise auf Noroviren gibt und das Baby unter Durchfall und Erbrechen leidet, kann der Arzt eine Stuhlprobe untersuchen. Unbedingt ausgeglichen werden muss der massive Flüssigkeitsverlust. Eltern sollten in folgenden Fällen UNBEDINGT einen Arzt aufsuchen:

  • Durchfall und Erbrechen halten länger als zwei Tage an
  • Baby/Kind trinkt nicht ausreichend
  • begleitend zum Magen-Darm-Infekt tritt hohes Fieber auf
  • kleinste aufgenommene Mengen werden umgehend wieder erbrochen
  • Fontanelle fällt ein
  • Gewichtsverlust erkennbar

Natürliches Pektin gegen Norovirus

Zur natürlichen Unterstützung der Darmschleimhaut eignen sich natürliche Pektine, wie sie vor allem in Äpfeln und Karotten enthalten sind. Sie können das Wachstum krankmachender Keime im Darm hemmen und tragen gleichzeitig durch ihre natürliche Fähigkeit zur „Eindickung“ zu festerem Stuhlgang bei. In der Apotheke kann auch natürliches Pektin zur Einnahme gekauft werden. Weisen Sie Ihren Apotheker auf jeden Fall darauf hin, dass die Arznei für ein Baby/Kind gedacht ist.

Was hilft Babys und Kindern bei Norovirus?

  • Trinken, trinken, trinken: ausreichend trinken ist die wichtigste Maßnahme, Stillkinder weiterstillen und häufig anlegen zum Flüssigkeitsausgleich, ältere Kinder können Fenchel-, Kamillentee mit Traubenzucker und Wasser trinken und ggf. mit einer Rehydrationslösung aus der Apotheke versorgt werden
  • häufig Windeln wechseln, um einen wunden Po zu vermeiden
  • getrocknete Heidelbeeren (keine frischen!) in Quark
  • rohen geriebenen Apfel zwei- bis dreimal täglich, Karottensuppe, wenn das Kind mag mit Ingwer (1 Pfund Möhren mit 1 l Wasser 1h kochen, pürieren und 1 TL Salz dazu)
  • Kinder ab einem Jahr: 2-3 Mal täglich Blutwurz (Pulver aus der Apotheke). Eine Messerspitze unter den geriebenen Apfel oder in den Tee mischen. Hilft besonders bei krampfartigem Durchfall.
  • Schüßler-Salze: Nr. 7 Magnesium phosphoricum als heiße Sieben alle 15 Minuten zusammen mit Nr. 3 Ferrum phosphoricum gegen Durchfall
  • Homöopathie: Arsenicum album (D6) im Wechsel mit Veratrum album (D4), 5 Globuli stündlich (4-mal), danach 4-mal täglich

Norovirus – Diagnose und Meldepflicht

Der Nachweis einer Infektion durch Noroviren lässt sich mittels einer Stuhlprobe erbringen. Da Noroviren gehäuft bei Menschen auftreten, die mit anderen Menschen oder mit Lebensmitteln oder ähnlichem arbeiten, unterliegt der Arzt einer Meldepflicht, ebenso wie der Laborleiter, der die Viren in der Stuhlprobe entdeckt hat.

Tipps und Hausmittel gegen Windeldermatitis

Das sagt die Kinderärztin Dr. med. Nadine McGowan

Impfungen sind ein vieldiskutiertes, emotionales Thema. Insbesondere, wenn es um die eigenen Kinder geht. Schließlich möchte man wirklich alles richtig machen, geschützt sollen sie sein, aber niemand möchte dem Kind mehr zumuten, als nötig und vertretbar.

Kinderärzte sind Impf-Experten

Spricht man das Thema im Freundes- und Bekanntenkreis an oder schaut im Internet – man bekommt von jedem eine andere Meinung. Wie soll man da noch zu einer Entscheidung kommen? Die Sorgen und Fragen sind mehr als verständlich. Helfen kann da nur eine gute Aufklärung durch den Kinderarzt. Wenden Sie sich also diesbezüglich vertrauensvoll an ihn – keiner hat so viel Erfahrung mit Impfungen wie Kinderärzte. Und er wird auch auf kritische Fragen eine Antwort haben, scheuen Sie sich also nicht, auch solche zu stellen.

Wie verträglich sind die Impfungen?

Die drei Impfungen, die ab der achten Lebenswoche anstehen, schützen vor acht Erkrankungen. Zwei der Impfungen werden in den Oberschenkel gespritzt (in jede Seite eine Spritze), die dritte Impfung ist eine Schluckimpfung. Das klingt viel, aber wird in der Regel gut vertragen. Selbst Frühgeborene werden ab der achten Woche nach ihrer Geburt geimpft, sind also dann noch viel kleiner und jünger als reifgeborene Kinder bei der ersten Impfung. Und auch die Frühchen vertragen die Impfungen gut. Viele Eltern möchten lieber erst nach einen halben Jahr die ersten Impfungen durchführen lassen, weil sie der Meinung sind, die Impfung belaste den Säugling zu sehr. Aber viele der Erkrankungen, gegen die die Impfungen schützen, wie zum Beispiel Keuchhusten, Hämophilus influenza B, Pneumokokken oder Rotaviren sind besonders für die Kleinsten gefährlich und darum macht es Sinn, sie so früh wie möglich davor zu schützen.

Wovor schützen die ersten Impfungen?

Die drei Impfungen, die ab der achten Lebenswoche anstehen, schützen vor acht Erkrankungen. Zwei der Impfungen werden in den Oberschenkel gespritzt (in jede Seite eine Spritze), die dritte Impfung ist eine SchluckimpfungFoto: Fotolia

Die Sechsfachimpfung schützt gegen Diphtherie, Tetanus (=Wundstarrkrampf), Poliomyelitis (=Kinderlähmung), Pertussis (=Keuchhusten), Hämophilus influenza B (Bakterium, was schwere Kehlkopfentzündungen mit Erstickungsgefahr auslösen kann) und Hepatitis B. Die zweite Impfung, die in den anderen Oberschenkel geimpft wird, ist gegen Pneumokokken, also Erreger von schweren bakteriellen Infekten, die insbesondere bei Kindern unter zwei Jahren tödlich verlaufen können. Pneumokokken können unter anderem zu fatalen Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen oder einer Sepsis (=Blutvergiftung) führen. Beide Impfungen, die Sechsfach- und die Pneumokokkenimpfung, müssen drei Mal im Abstand von vier Wochen und dann ein viertes Mal sechs Monate nach der dritten Impfung verabreicht werden. Nach der zweiten Impfung ist bereits von einem gewissen Schutz auszugehen. Die dritte Impfung betrifft die Rotaviren, Erreger von Magen-Darm-Infekten, die häufig bei Kindern unter zwei Jahren dazu führen, dass die Kinder aufgrund von Austrocknung durch das massive Erbrechen und den Durchfall ins Krankenhaus müssen und eine Infusionsbehandlung benötigen. Diese Impfung ist eine Schluckimpfung und muss zwei, bzw. drei Mal (je nach Impfstoff) im Abstand von je vier Wochen verabreicht werden. Ganz verhindern kann die Impfung die Erkrankung leider nicht, aber wenn ein Kind doch erkrankt, ist der Verlauf nicht so schwer, dass eine Krankenhausbehandlung notwendig wird.

Sind Nebenwirkungen der Impfung zu erwarten?

Nach meiner Erfahrung werden die Impfungen gut vertragen. Manchmal sind die Kinder am Tag der Impfung etwas unruhiger als sonst. Nur selten kam es innerhalb der ersten 48 Stunden nach den Impfungen zu Fieber um 38,5°C. Dann spricht nichts dagegen, ein Paracetamol-Zäpfchen in altersangepasster Dosierung (75mg) zu verabreichen. Die Rotavirusimpfung kann in einigen Fällen zu Bauchweh führen, ich habe das jedoch in meiner Praxis noch nicht erlebt. Wichtig hierbei ist zu wissen, dass Rotavirenpartikel über circa sieben Tage (mit jeder Impfung weniger) mit dem Stuhl ausgeschieden werden können, so dass eine Ansteckung der Eltern (die ja das Kind wickeln) grundsätzlich möglich ist, auch wenn mir persönlich kein Fall bekannt ist. In den Tagen nach der Impfung sollten Sie trotzdem besser doppelt gut auf anschließende Handhygiene achten.

Rotavirus-Impfung und Nebenwirkungen

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Impfstoff

Bereits 1998 wurde erstmals ein Rotavirusimfstoff in den USA zugelassen (Rotashield®). Die Impfung mit diesem Impfstoff führte jedoch zu Fällen von Darmeinstülpung (Invagination), worauf der Impfstoff vom Markt genommen wurde.

Ab 2006 gibt es 2 neue Rotavirusimpfstoffe auf dem Markt:

Rotarix®:

Rotarix enthält einen attenuierten humanen Rotavirusstamm, der von einem Kind in den USA herstammt. Der Impfstamm ist ein Serogruppe A, G1P Virus.

Dosierung(Beipackzettel): Die Impfserie besteht aus 2 Dosen. 1. Dosis ab einem Alter v. 6 Wo. Zw. den einzelnen Dosen Zeitabstand v. mind. 4 Wo. einhalten. Die Impfserie sollte vorzugsw. vor dem Alter v. 16 Wo. verabreicht werden, muss aber auf jeden Fall bis zum Alter v. 24 Wo. abgeschlossen sein.

Rotateq®:

Der im Frühjahr 06 in den USA und seit Juni 06 in Europa zugelassene Impfstoff enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus, das menschlich-bovinen (vom Rind stammend) Ursprungs ist (WC3-Stamm). Der Impfstoff wird gentechnisch hergestellt(http://www.p-e-g.org/print/aktuelles/168)

Das gentechnisch veränderte Virus vermehrt sich im Darm nicht so gut wie das Konkurrenzprodukt und muss deshalb höher dosiert werden. Der Impfstoff wird auch oral verabreicht, man kann ab der 5.Lebenswoche impfen, es werden 3 Dosen im Abstand von etwa 4 Wochen verabreicht.

Immunität

Die Impfung kann nur vor Magen-Darm-Infektionen, die durch Rotaviren ausgelöst werden, schützen. Andere Durchfallerkrankungen (die durch andere Erreger als Rotaviren verursacht werden) können auch bei geimpften Kindern weiterhin vorkommen.

Die Wirkung des Rotavirus-Impfstoffes wird mit 80 bis 95% angenommen.
Gegenanzeigen: Invagination in der Anamnese. Patienten mit angeborener Fehlbildung des Gastrointestinaltrakts, die zu einer Invagination prädisponiert sind. Säuglinge. mit einer bekannten od. vermuteten Immunschwäche. Bei akuten Erkrankungen wie Durchfall und Erbrechen.

Die StIKO empfiehlt, „kurz vor und kurz nach der Schluckimpfung nicht zu stillen oder eventuell auf die Gabe anderer Flüssigkeiten auszuweichen“ (STIKO: Epid. Bull. 2013Nr. 35: 345-61). Der Hintergrund für diese seltame Empfehlung ist das ungewöhnliche häufige Auftreten von Rotavirusinfektionen bei vollständig geimpften Säuglingen in Mecklenburg-Vorpommern, wo diese Impfung bereits seit 2009 empfohlen wird (Adljoch. C. et.al. Pediatr. Infect. Dis. J. 2013; 32: e82-9). .Als „Risikofaktor“ wurde von der zuständigen Gesundheitsbehörde das Stillen ausgemacht, da die Antikörper in der Muttermlich möglicherweise die Viren im Impfstoff neutralisieren.

Nebenwirkungen, Impfkomplikationen und Impfschäden der Rotavirus Impfung

Nebenwirkungen des Impfstoffes Rotarix (www.gelbe-liste.de):
Infektionen und parasitäre Erkrankungen: Selten: Infektionen der oberen Atemwege.
Psychiatrische Erkrankungen: Sehr häufig: Reizbarkeit. Gelegentlich: Schreien, Schlafstörungen
Erkrankungen des Nervensystems: Gelegentlich: Somnolenz.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums: Selten: Heiserkeit, Schnupfen.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Sehr häufig: Appetitverlust. Häufig: Durchfall, Erbrechen, Blähungen, Bauchschmerzen, Aufstoßen. Gelegentlich: Verstopfung. Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes: Selten: Dermatitis, Hautausschlag.
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- u. Knochenerkrankungen: Selten: Muskelkrämpfe.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort: Häufig: Fieber, Müdigkeit

Seltenheitsschlüssel der Beipackzettel:
Häufig = mehr als 10 %
Gelegentlich = 1-10 %
Selten = bis 1 %
Sehr selten = 0,1 %
Einzelfälle = einzelne Fallmeldungen

Eine schwere Nebenwirkung, die der RotaTeq-Hersteller Merck in den USA in den Beipackzettel aufnehmen musste, ist das Kawasaki-Syndrom. Das Risiko liegt gemäß den Ergebnissen der Zulassungsstudie von RotaTeq bei 1:9000 (http://www.fda.gov/cber/label/rotateqLBinfo.htm ).

Nach den Studien, mit denen GlaxoSmithKline die Zulassung von Rotarix in den USA beantragt hat, steigt durch den Impfstoff das Risiko für Bronchitiden und Pneumonien. In der Verum-Gruppe starben 7 von 31673 Kindern an einer Pneunmonie, in der Placebogruppe 3 von 31552. Die Gesamtsterblichkeit lag nach Rotarix bei 0,184% (66:36755), nach Placebo bei 0,158% (55:34739)(http://www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/08/briefing/2008-4348b1-03.htm).

Eine Studie im New England Journal of Medicine (2010; 362: 314-319) berichtet über drei Säuglinge, die nach der ersten oder der zweiten Dosis des Impfstoff RotaTeq® an einer schweren Diarrhöe mit Dehydrierung erkrankten. Durch die Analyse der Virusgene konnte eine Wildtyp-Infektion mit Rotaviren ausgeschlossen werden. Die Säuglinge litten an einer schweren angeborenen kombinierten Immunschwäche (SCID), die eigentlich eine Kontraindikation für die Lebendimpfung darstellt. SCID-Erkrankungen werden typischerweise erst später diagnostiziert, so dass die Impfung bereits durchgeführt wurde. Ob Patienten mit anderen Immunschwächen ebenfalls gefährdet sind, ist bisher nicht bekannt.

Selbst das PEI schreibt: „Daten aus Beobachtungsstudien zur Sicherheit, die in mehreren Ländern durchgeführt wurden, zeigen, dass Rotavirus-Impfstoffe mit einem erhöhtem Risiko für eine Invagination hauptsächlich innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung verbunden sind.“(http://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit-vigilanz/archiv-sicherheitsinformationen/2015/ablage2015/2015-05-11-sicherheitsinformation-rotavirus-darminvagination.html)

Rotaviren-Impfung

Rotaviren-Impfung: Beschreibung

Schutz vor einer Rotavirus-Infektion bieten zwei Impfstoffe. Die Rotaviren-Impfung ist eine sogenannte Schluckimpfung, das bedeutet, dass bei der Rotavirus-Impfung Baby oder Kleinkind den Impfstoff oral zu sich nehmen. Der Impfstoff enthält lebende aber abgeschwächte Rotaviren. Diese abgeschwächten Erreger führen nicht zu einer Erkrankung. Sie regen aber das Immunsystem des Körpers dazu an, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Erreger zu bilden. Kommt es dann zu einer Infektion mit dem Rotavirus, kann der Körper sie besser bekämpfen. Der Ausbruch der Erkrankung kann so oft verhindert oder zumindest abgeschwächt werden.

Rotaviren-Impfung: Baby und Kleinkind

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Rotaviren-Impfung bereits im Säuglingsalter. Brechdurchfälle treten meist im Alter von sechs bis 24 Monaten auf, daher sollte eine Impfung so früh wie möglich stattfinden. Je nach verwendetem Impfstoff werden zwei oder drei Dosen verabreicht.

Je nach Impfstoff gelten verschiedene Empfehlungen für den Beginn der Impfung: Die Rotaviren-Impfung mit einem zwei-Dosen-Schema sollte bis zu 16. Lebenswoche und muss bis zur 24. Lebenswoche abgeschlossen sein. Die Rotavirus-Impfung mit dem drei-Dosen-Schema sollte bis zur 22. Lebenswoche und muss bis zur 32. Lebenswoche abgeschlossen sein.

Die einzelnen Impfdosen müssen mit jeweils einem Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht werden. Am einfachsten ist es, die Rotavirus-Impfung zwischen den drei Vorsorgeuntersuchungen U3, U4 und U5 durchführen zu lassen. Die Rotaviren-Impfung kann dabei zeitgleich mit anderen Impfungen erfolgen.

Bei Säuglingen und Babys besteht die Gefahr, dass sie den Impfstoff nach der Impfung wieder aushusten oder erbrechen. Sollte nur ein kleiner Teil ausgehustet werden, so muss keine neue Impfung erfolgen. Sollte der Säugling jedoch den größten Teil des Impfstoffs wieder ausgewürgt haben, kann eine erneute Impfung stattfinden.

Sie sollten bei der Rotavirus-Impfung kurz vor und kurz nach der Impfung nicht Stillen. Mediziner vermuten, dass bestimmte Bestandteile der Muttermilch die Wirksamkeit der Impfung herabsetzen und es trotz Impfung zu einer Rotaviren-Erkrankung kommen könnte.

Rotaviren-Impfung: Erwachsene

Eine Rotaviren-Impfung für Erwachsene steht nicht zur Verfügung. Die beiden derzeit bekannten Impfstoffe sind nur für Kinder bis zu einem Lebensalter von 24 beziehungsweise 32 Wochen zugelassen. Eine Rotaviren-Impfung für Erwachsene ist aber auch nicht so wichtig, wie für Kinder. Erwachsenen erkranken meist viel leichter an dem Rotavirus, eine Infektion wirkt sich demnach nicht so dramatisch aus. Außerdem entwickeln Erwachsene im Laufe ihres Lebens ein gewisses Kontingent an Abwehrstoffen (Antikörpern) gegen Rotaviren. Mit jeder neuen Infektion werden erneut Antikörper gebildet. Erwachsene sind somit auch ohne Rotaviren-Impfung in der Kindheit besser vor einer Infektion geschützt als ungeimpfte Kinder und Säuglinge.

Rotaviren Impfung bei Babys und Kindern

Die einfach zu verabreichende Schluckimpfung enthält abgeschwächte Erreger, so dass das kindliche Immunsystem Antikörper gegen die Viren bilden kann, ohne seinen Körper der Gefahr einer echten Infektion auszusetzen. Auch frühgeborene Babys, deren Risiko im Krankenhaus stationär behandelt werden zu müssen besonders hoch ist, können bereits 6 Wochen nach ihrer Geburt geimpft werden.2

Warum ist die Rotaviren-Impfung sinnvoll und warum soll ich mein Baby schon so früh impfen?

Gerade in den ersten Lebenswochen sind Säuglinge von einer Rotavirus-Infektion gefährdet. Das ist auch der Grund, warum die Impfung bereits so früh empfohlen ist. Gibt es noch ein älteres Geschwisterkind, das die Kita besucht? Möchtest du mit deinem Baby in die Krabbelgruppe gehen? Dann ist die Impfung besonders wichtig. Denn Kinder entwickeln erst im Laufe der ersten Lebensjahre einen Immunschutz. Dieser hält aber nicht lebenslang an. Deshalb kann sich auch an Rotaviren jeder mehrfach anstecken. Während bei gesunden Erwachsenen die Krankheit meistens weniger schlimm, manchmal sogar ohne jegliche Anzeichen verläuft, kann sie bei Babys mangels der entsprechenden Abwehrkräfte unter Umständen einen schweren Verlauf nehmen. Dasselbe gilt für Senioren und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Auch sie sind besonders von einer Infektion gefährdet.3

Wie lange schützt die Impfung?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass nach einer vollständigen Grundimmunisierung ein Schutz gegen Rotavirusinfektionen für eine Dauer von 2–3 Jahre besteht – genau der Zeitraum, in dem das Risiko für eine Infektion und einen schweren Krankheitsverlauf am höchsten ist. In Ausnahmefällen können Kinder auch trotz Impfung erkranken – die Infektion verläuft dann in der Regel jedoch weniger schwer.

Was muss ich nach der Impfung beachten?

Nach der Rotavirus-Impfung scheidet das Baby die Impfviren noch für ca. 7 Tage über den Stuhl aus. Da eine Übertragung von Impfviren möglich ist, solltest Du beim Wickeln in diesem Zeitraum auf eine besonders sorgfältige Hygiene achten. Immungeschwächte Personen sollten den Kontakt zu frisch geimpften Säuglingen lieber meiden.2

Können Nebenwirkungen bei der Rotaviren-Impfung auftreten?

Häufige Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung können milde Magen-Darm-Beschwerden und eine allgemeine Reizbarkeit sein. Auch Bauchschmerzen und Blähungen oder Infektionen der Atemwege können gelegentlich auftreten. Wenn dein Baby akut an einer fieberhaften Erkrankung oder Durchfall und Erbrechen leidet, sollte die Impfung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.1

Darf mein Baby nach der Impfung gestillt werden?

Es besteht der Verdacht, dass Stillen die Wirksamkeit der Rotavirus-Impfung durch in der Muttermilch enthaltene Antikörper vermindern kann. Die STIKO empfiehlt deshalb, jeweils eine Stunde vor und nach der Impfung nicht zu stillen. Danach kannst du dein Baby aber wie gewohnt weiter stillen.1

Heftiger Durchfall und Erbrechen, manchmal auch Fieber und Schmerzen: So macht sich in der Regel bei Babys und Kleinkindern eine Rotaviren-Infektion bemerkbar. Jährlich werden in Deutschland 20.000 Kinder in ein Krankenhaus eingewiesen, weil sie auf Grund der Erkrankung zuviel Flüssigkeit und Mineralstoffe verlieren. Etwa 50 Kinder pro Jahr müssen auf Intensivstationen behandelt werden, bilanziert die Ständige Impfkommission (Stiko). Todesfälle sind nur sehr selten.

Dieser Tage hat Stiko ihre Empfehlungen erweitert, und rät allen Eltern, ihre Säuglinge mit einer Schluckimpfung vor den Rotaviren zu schützen.

Wie effektiv dieser Schritt sein kann, zeigen Daten, die Mediziner der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC am Dienstag veröffentlichten (Jama, online). In den USA wurde die Impfung 2006 eingeführt. Von 2008 an sank die Zahl der Kinder, die wegen der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten, deutlich. Bei Kindern unter fünf Jahren lag die Rate in den Jahren 2008 bis 2010 um 80 Prozent niedriger als in den Jahren vor Einführung der Impfung.

Auch ältere Kinder und junge Erwachsene bis 24 Jahre litten nach Einführung der Immunisierung seltener an schweren Verläufen. Je nach Alter nahm die Rate zwischen 70 bis 53 Prozent ab.

Da die Rotavirenerkrankung nicht immer erkannt und oft nur als unspezifische Gastroenteritis diagnostiziert wird, bezogen die Forscher auch diese Diagnose in den Vergleich ein. Dabei zeigte sich ebenfalls eine signifikante Abnahme der Krankenhauseinweisungen bis zum Alter von 44 Jahren.

Ob die geringere Komplikationsrate bei ungeimpften älteren Kindern und Erwachsenen auf die Schluckimpfung der Babys zurückgeht, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Dennoch gehen die Forscher offensichtlich von einem indirekten Schutz auch für Ungeimpfte aus. Die Impfung kleiner Kinder verhindere nicht nur, dass sie erkranken, sondern auch, dass sie das Virus an Geschwister und Eltern übertragen und habe so einen sehr breiten Effekt, sagte Studienautor Ben Lopman. Auch die Stiko hält es aufgrund internationaler Erfahrungen für wahrscheinlich, dass die Impfung der Kleinsten einen Schutz für weite Teile der Bevölkerung bietet.

Laut Robert-Koch-Institut hält der Impfschutz etwa zwei bis drei Jahre an. Ältere Kinder und Erwachsene müssten sich daher durch Hygiene, vor allem regelmäßiges Händewaschen, schützen. Bei ihnen sind schwere Verläufe jedoch seltener.

Die Impfung ist gut verträglich, es bestehe allerdings „ein möglicherweise geringfügig erhöhtes Risiko“ für Darmeinstülpungen, so das Robert-Koch-Institut. Auf 100.000 geimpfte Kinder kommen ein bis zwei, die an dieser Komplikation leiden; sie ist mit schweren Bauchschmerzen, Erbrechen und blutigem Stuhl verbunden. Da das Risiko mit dem Alter der Impflinge zunimmt, sollte so früh wie möglich mit der Schluckimpfung begonnen werden. Ab dem Alter von sechs Wochen kann die erste Impfung verabreicht werden, vier Wochen dann die zweite Dosis. Je nach verwendeten Impfstoff kann weitere vier Wochen später noch eine dritte Gabe nötig sein. Insgesamt sollte die Imfpserie bis zum Ende der 32. Lebenswoche abgeschlossen sein.

Rotavirus-Impfung

Es stehen zwei Lebendimpfstoffe gegen Rotaviren zur Verfügung, die beide als Schluckimpfung verabreicht werden. Sie sind seit 2006 in Europa zugelassen.

Einer der Impfstoffe enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus menschlichen Ursprungs. Der andere Impfstoff enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus, das menschlich-bovinen (vom Rind stammend) Ursprungs ist.

Anwendung des Impfstoffs

Säuglinge können ab einem Alter von sechs Wochen gegen Rotaviren geimpft werden. Die Impfung kann gleichzeitig mit anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden. Je nach verwendetem Rotavirus-Impfstoff wird entweder zwei oder drei Mal im Abstand von jeweils mindestens vier Wochen eine Dosis Schluckimpfstoff verabreicht. Die STIKO empfiehlt, die Impfserie möglichst früh – spätestens bis zum Alter von 12 Wochen – zu beginnen und am besten bis zum Alter von 16 Wochen (bei Impfstoff mit Zwei-Dosen-Schema) bzw. 20 bis 22 Wochen (bei Impfstoff mit Drei-Dosen-Schema) abzuschließen. Spätestens bis zum Alter von 24 Wochen bzw. 32 Wochen (je nach Impfstoff) muss die Impfserie beendet sein.

Stillen zum Zeitpunkt der Rotavirus-Impfung kann möglicherweise die Wirksamkeit der Schluckimpfung vermindern. Daher empfiehlt die STIKO, jeweils eine Stunde vor und nach der Impfung nicht zu stillen, wenn der Stillrhythmus des Kindes dies zulässt. Die STIKO weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass wegen der Rotavirus-Impfung nicht generell auf das Stillen verzichtet werden sollte.

Falls das Baby Impfstoff ausspuckt, berät Sie Ihr Kinderarzt bzw. Ihre Kinderärztin, ob eine erneute Dosis verabreicht werden sollte.

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Rotavirus-Impfung bietet vor allem einen Schutz vor schweren Rotavirus-Erkrankungen. Studiendaten zeigen, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Impfung mehr als 90 Prozent der Fälle verhindert werden können, die im Krankenhaus behandelt werden müssten.

Studienergebnisse belegen, dass nach einer vollständigen Immunisierung ein Schutz über zwei bis drei Jahre und damit für die am meisten gefährdete Altersgruppe besteht. Durchfallerkrankungen, die durch andere Erreger verursacht werden, können bei Kindern, die gegen Rotaviren geimpft sind, weiterhin vorkommen.

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Rotaviren ist eine allgemein, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Säuglinge ab einem Alter von sechs Wochen (weitere Informationen siehe „Anwendung des Impfstoffs“).

Wer nicht geimpft werden sollte

Nicht geimpft werden sollte bei Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, bestimmten Störungen des Immunsystems sowie einer Darmeinstülpung (Darminvagination) in der Krankenvorgeschichte bzw. Fehlbildungen des Verdauungstrakts, die das Risiko für eine Darmeinstülpung erhöhen.

Bei Säuglingen, die akut an einer schweren, fieberhaften Erkrankung oder Durchfall und Erbrechen leiden, sollte die Impfung verschoben werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter „Besondere Situationen & Erkrankungen“.

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Rotaviren zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Nach der Rotavirus-Impfung kommt es häufig bis sehr häufig zu Durchfall, Erbrechen und Reizbarkeit, gelegentlich zu Bauchschmerzen und Blähungen. Infektionen der Atemwege können ebenfalls auftreten.

Mögliche Komplikationen

Sehr unreife Frühgeborene könnten unter Atempausen leiden und sollten deshalb eventuell unter Überwachung geimpft werden, denn für sie ist der Impfschutz besonders wichtig.

Innerhalb der ersten Woche nach der ersten Rotavirus-Impfung besteht ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine Darminvagination (ein bis zwei zusätzliche Fälle pro 100.000 geimpfte Kinder), das mit dem Alter des geimpften Säuglings zunimmt. Daher sollte die Impfserie unbedingt frühzeitig begonnen und rechtzeitig abgeschlossen werden (siehe „Anwendung des Impfstoffs“).

Bei Symptomen wie starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen und blutigen Stühlen, die auf eine Darmeinstülpung hinweisen könnten, sollte das Kind umgehend ärztlich vorgestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter „Mögliche Nebenwirkungen“.

  • Halten Sie in der akuten Erkrankungsphase Bettruhe ein und schränken Sie nach Möglichkeit den Kontakt zu anderen Menschen ein
  • Bei Durchfall-Erkrankungen ist es wichtig, viel zu trinken! Bei schweren Verläufen kann eine Infusion nötig werden.
  • Achten Sie vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auf genügend Flüssigkeitszufuhr, am besten in kleinen Portionen. Geeignet sind zum Beispiel verdünnte Kräutertees. Ist der Wasserverlust zu hoch, müssen die Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Gestillte Säuglinge können weiter gestillt werden.
  • Um den Verlust von Salzen auszugleichen, kann gegebenenfalls der Einsatz von sogenannten Elektrolyt-Ersatzlösungen aus der Apotheke sinnvoll sein.
  • Achten Sie auf leicht verdauliche Nahrung mit ausreichender Salzzufuhr.
  • Bereiten Sie nach Möglichkeit keine Mahlzeiten für Ihre Angehörigen zu, wenn Sie selbst erkrankt sind.
  • Es gibt keine ursächliche Behandlung gegen Rotaviren, daher werden nur die Beschwerden gemildert. Antibiotika sind unwirksam gegen Krankheiten, die von Viren verursacht wurden. Auch stopfende Medikamente gegen Durchfall sind nicht empfehlenswert. Sie können den Krankheitsverlauf sogar mitunter verlängern.
  • Kleinkinder, Schwangere, geschwächte oder ältere Menschen sollten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, vor allem wenn Durchfälle oder Erbrechen länger als 2 bis 3 Tage anhalten und zusätzlich Fieber auftritt.
  • Bei Erkrankungen durch Rotaviren gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Kinder unter 6 Jahren, die an ansteckendem Erbrechen oder Durchfall erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine solche Erkrankung besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Eltern müssen die Gemeinschaftseinrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren. Der Besuch einer Einrichtung ist frühestens 2 Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder möglich. Ein ärztliches Attest ist meistens nicht erforderlich.
  • Betroffene, die beruflich mit Lebensmitteln zu tun haben, dürfen ihre berufliche Tätigkeit frühestens 2 Tage nach dem Abklingen der Krankheitszeichen wieder aufnehmen. Ob und wann die Tätigkeit wieder aufgenommen werden kann, entscheidet die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt.
  • Die Erreger werden noch einige Tage nach dem Abklingen der Krankheitszeichen mit dem Stuhl ausgeschieden. Achten Sie daher auch in dieser Phase ganz besonders auf sorgfältige Hände- und Sanitärhygiene.

Rotavirus: Impfung gegen Rotaviren für Babys empfohlen

Schätzungsweise 90 Prozent aller Kinder haben in Deutschland bis zu ihrem dritten Lebensjahr bereits eine Rotaviren-Infektion durchgemacht. Babys und Kleinkinder sind besonders anfällig, weil ihr Immunsystem noch keinen spezifischen Schutz gegen diese Erreger aufbauen konnte. Am häufigsten betroffen sind Kinder unter fünf Jahren und ältere Menschen über 79 Jahre. Durch das Rotavirus verursachte Magen-Darm-Infektionen treten das ganze Jahr über auf, saisonal gehäuft von Februar bis April.

In Deutschland waren im Jahr 2017 Durchfallerkrankungen aufgrund von Rotaviren mit 36.547 Fällen über alle Altersgruppen die dritthäufigste meldepflichtige Erkrankung nach dem Norovirus und der Campylobacter-Infektion. Im Vergleich zum Vorjahr stieg zwar die Zahl der gemeldeten Fälle – doch noch immer ist die Zahl der Erkrankungen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 niedriger als davor. Das ist vermutlich auch auf die zunehmende Inanspruchnahme der Impfung beim Baby zurückzuführen.

In diesem Artikel lesen Sie:

  • Rotaviren: Ansteckung
  • Rotavirus: Symptome
  • Diagnose nur im Labor möglich
  • Therapie erfolgt symptomatisch
  • Rotaviren: Impfung beim Baby
  • Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung
  • Sind Erwachsene immun gegen Rotaviren?

Rotaviren: Ansteckung

Die Ansteckung mit Rotaviren erfolgt von Mensch zu Mensch durch fäkal-orale Schmierinfektion: Mit dem Stuhl Betroffener ausgeschiedene Erreger gelangen über kleinste Stuhlreste an den Händen weiter zum nächsten Menschen, von dort in den Mund und in den Verdauungstrakt (Stuhl-Hand-Mund). Auch an Toilettenspülungen, Türklinken, gemeinsam benutzten Handtüchern oder Spielzeug können die Erreger haften. Eine Ansteckung über Lebensmittel oder Wasser ist zwar eher selten, aber möglich.

Aufgrund der leichten Ansteckung sind häufiges Händewaschen und strikte Hygiene (regelmäßiges Reinigen von Oberflächen, Handtücher, Waschlappen, Unter- und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius waschen) bei Erkrankten in der näheren Umgebung sehr wichtig. Das gilt vor allem für Eltern von infizierten Kindern, die sich zwar nicht mehr so leicht anstecken, das Virus aber weitertragen können. Auch nach dem Entsorgen von Windeln ist Händewaschen empfehlenswert, denn selbst im eingetrockneten Stuhl sind Rotaviren noch mehrere Tage lang infektiös.

Da das Rotavirus während der gesamten Krankheitsdauer über den Stuhl ausgeschieden wird, besteht die Ansteckungsfähigkeit während dieser Zeit ungebrochen fort, in der Regel aber nicht länger als acht Tage. Nur in schweren Fällen wie sie zum Beispiel bei Frühgeborenen sowie Kindern und Erwachsenen mit einer Immunabwehrschwäche oder älteren Menschen auftreten können, werden noch länger Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden.

Die Inkubationszeit, also die Dauer von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, ist bei Rotaviren mit ein bis drei Tagen recht kurz.

Rotavirus: Symptome

Ob das Rotavirus oder andere Erreger für eine Magen-Darm-Infektion, auch Brechdurchfall genannt, verantwortlich sind, lässt sich anhand der Symptome nicht wirklich unterscheiden. Nach durchschnittlich zwei bis sechs Tagen klingen die Symptome ab. Typische Beschwerden sind:

  • plötzlich einsetzender, wässriger Durchfall (oft mit Schleimspuren im Stuhl)
  • akutes Erbrechen
  • oft einhergehend mit Bauchschmerzen
  • leichtes bis mäßiges Fieber

Im Vergleich zu anderen Magen-Darm-Infekten verläuft die Rotaviren-Infektion bei Babys und Kleinkindern bis zu zwei Jahren oft schwerer – etwa 20.000 betroffene kleine Kinder werden in Deutschland jährlich im Krankenhaus behandelt. Todesfälle aufgrund sehr schwerer Verläufe sind aber eher selten und betreffen in der Regel meist ältere Menschen.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Diagnose nur im Labor möglich

Rotaviren lassen sich anhand einer Stuhlprobe im Labor nachweisen. Da es sich um eine in Deutschland meldepflichtige Erkrankung handelt, wird diese Diagnostik bei Verdacht auf das Rotavirus durchgeführt.

Therapie erfolgt symptomatisch

Aufgrund des Flüssigkeitsverlusts durch Erbrechen und Durchfall sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eventuelle Gabe von Elektrolyten geachtet werden. Eine antivirale Behandlung existiert nicht und Antibiotika können gegen Viren nichts ausrichten. Von Selbstmedikation und Mitteln, die die Darmbewegungen hemmen, sollte abgesehen werden, vor allem bei Kindern.

Voll gestillte oder voll flaschenernährte Säuglinge erhalten weiter nach Bedarf Muttermilch oder die Flasche. Bieten Sie Ihrem Baby öfter etwas zu trinken an, zwingen Sie es aber nicht dazu, mehr zu trinken als es möchte.

Eine Behandlung im Krankenhaus ist bei zu starkem Flüssigkeitsverlust angezeigt. Besonders Babys und Kinder trocknen bereits innerhalb von Stunden aus, weshalb auch etwa die Hälfte der betroffenen Kinder unter fünf Jahren im Krankenhaus behandelt wird. Dort verabreicht man ihnen intravenös Flüssigkeit und Elektrolyte.

Rotaviren: Impfung beim Baby

In Deutschland sind zwei Wirkstoffe zur Impfung gegen Rotaviren zugelassen, die im Rahmen einer Grundimmunisierung im Abstand von vier Wochen mehrere Male als Schluckimpfung gegeben werden. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse die Kosten, bei privat Krankenversicherten richtet sich das nach dem entsprechend abgeschlossenen Vertrag.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt den Beginn der Impfung gegen Rotaviren ab der vollendeten sechsten Lebenswoche bis spätestens zur zwölften Lebenswoche im Rahmen einer Grundimmunisierung. Auch Frühgeborene werden der Empfehlung nach bereits in der sechsten Lebenswoche geimpft, da das Rotavirus bei ihnen zu schwereren Infektionsverläufen führen kann.

Gegen eine Immunisierung spricht eine aktuelle Infektion oder Unwohlsein des Kindes. Dann sollte die Impfung auf einen späteren Termin verschoben werden.

Für die Schluckimpfung mit Lebendimpfstoff sind je nach Impfstoff zwei bis drei Dosen nötig, die im Abstand von mindestens vier Wochen gegeben werden. Empfohlen wird, die Impfung gegen Rotaviren beim Baby bis zum Alter von 16 Wochen (beim verwendeten Impfstoff Rotarix®) beziehungsweise bis zum Alter von 20 bis 22 Wochen (beim verwendeten Impfstoff RotaTeq®) abgeschlossen zu haben, da die Wahrscheinlichkeit der seltenen Nebenwirkung Darminvagination mit zunehmendem Impfalter steigt.

Nach der Grundimmunisierung besteht in der Regel ein Schutz für zwei bis drei Jahre beziehungsweise Saisons. Danach steht die Prävention im Vordergrund. Trotz Impfung besteht jedoch kein hundertprozentiger Schutz vor dem Rotavirus. Die Verläufe scheinen bei geimpften Kindern jedoch weniger schwer zu sein. Es kann natürlich weiterhin Brechdurchfall auftreten, der durch andere Viren verursacht wird.

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Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung

Nebenwirkungen wie Fieber (bis 39,5 Grad Celsius bei der rektalen Messung), leichter Durchfall und/oder Erbrechen können nach einer Impfung gegen Rotaviren auftreten. Viele Kinder sind nach einer Impfung leicht reizbar, „quengelig“ und zeigen ein Unwohlsein. In sehr seltenen Fällen kommt es zur sogenannten Impfkrankheit, bei der die Symptome der eigentlichen Erkrankung in sehr abgeschwächter Form einige Tage lang auftreten.

Zu den seltenen Nebenwirkungen der Rotaviren-Impfung gehört die Darmeinstülpung (Invagination). Sie tritt bei ein bis zwei je 100.000 geimpfter Kinder auf. Anzeichen einer Invagination sind starke Bauchschmerzen und blutiger Stuhl sowie möglicherweise Erbrechen. Die Beschwerden werden dadurch hervorgerufen, dass sich der Darm ein Stück weit in sich selbst einstülpt. Wenn Sie diese Symptome bei Ihrem Kind beobachten, sollten Sie umgehend den Kinderarzt beziehungsweise ein Kinderkrankenhaus aufsuchen. Berichten Sie dort auch von einer eventuell gerade durchgeführten Impfung gegen das Rotavirus. Mittels Abtasten und Ultraschall kann eine Darmeinstülpung diagnostiziert werden. Mit einem Einlauf wird der Darm durchgespült und kann sich dadurch wieder „entstülpen“, wodurch eine Operation nur in den seltensten Fällen nötig wird.

Was Eltern nach der Rotaviren-Impfung beachten sollten

Es gibt Hinweise darauf, dass der Impferfolg bei gestillten Kindern kleiner ist als bei nicht gestillten. Möglicherweise wird dies durch bestimmte Antikörper gegen das Rotavirus in der Muttermilch verursacht, die gleich nach der Impfung zur Neutralisierung der Impfdosis führen. Die aktuelle Empfehlung lautet daher, Kinder eine Stunde vor und nach der Schluckimpfung nach Möglichkeit nicht zu stillen. Umgekehrt könnte das natürlich auch ein Hinweis darauf sein, dass Muttermilch „echte“ Rotaviren inaktiviert und gestillte Kinder somit besser vor den Erregern geschützt sind. Wissenschaftliche fundierte Studienergebnisse hierzu liegen aber nicht vor.

Nach den Impfterminen werden die Impfviren – genau wie die „tatsächlichen“ Rotaviren – mit dem Stuhl ausgeschieden. Beim Wickeln kommen also auch die Eltern mit dem Rotavirus in Kontakt. Wenn Ihr Immunsystem gerade geschwächt ist, sollten Sie entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich nicht anzustecken. Sind Sie gesund, stellt das kein Problem dar.

Sind Erwachsene immun gegen Rotaviren?

Eine Infektion mit Rotaviren kann auch Erwachsene treffen, sie sind nicht automatisch immun. Sie sind zwar selten vom Virus betroffen, allerdings steigt das Infektionsrisiko mit zunehmendem Alter wieder. Die Erkrankung verläuft bei Erwachsenen jedoch wesentlich milder und oft so unspezifisch, dass sie gar nicht als solche wahrgenommen wird. Trotzdem scheiden sie während einer Infektion das Rotavirus mit dem Stuhl aus und sind so potentielle Überträger. Erst mit zunehmendem Alter oder bei einer Immunschwäche ändert sich das. So verläuft die Erkrankung bei Menschen über 70 Jahren und solchen mit einer Grunderkrankung oft ähnlich heftig wie bei Säuglingen und Kleinkindern.

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Das Rotavirus ist die häufigste Ursache von Magen-Darm-Infektionen weltweit. Bei Säuglingen und Kleinkindern verläuft die Erkrankung oft sehr schwer und geht mit großem Flüssigkeitsverlust einher, weshalb in Deutschland jährlich bis zu 20.000 Kinder im Krankenhaus behandelt werden. Symptome sind starker, wässriger Durchfall und Erbrechen, Bauchschmerzen und gelegentlich Fieber. Behandelt wird die Erkrankung symptomatisch, eine antivirale Therapie existiert nicht. In Deutschland empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Rotaviren beim Baby ab der sechsten Lebenswoche.

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