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Plötzlicher Kindstod & anscheinend lebensbedrohliches Ereignis

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Plötzlicher Kindstod: Schicksalsschlag aus heiterem Himmel

Fast immer passiert es während des Schlafs: im Kinderbett, im Kinderwagen oder im Tragetuch, während der Nacht oder beim Mittagsschlaf. Die Kinder sterben – unbemerkt, einfach so. Der plötzliche Säuglingstod trifft die Familien aus heiterem Himmel. Das Kind war nicht krank, und auch im Nachhinein findet neimand Ursache für seinen Tod.

Forscher rätseln nach wie vor, warum Babys ohne ersichtlichen Grund sterben können. Zwar sind für die Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod bekannt. Wissenschaftlerinnen haben auch Gene gefunden, die eine Rolle spielen könnten. Doch eine einzige wahre Ursache für das Geschehen, auch Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) genannt, kennen Fachleute bislang nicht. Offenbar kommen die körperliche Verfassung des Kindes und Einflüsse aus der Umgebung zusammen – und verursachen schließlich ein tödliches Finale.

Im ersten halben Jahr leben Säuglinge besonders riskant, gefährdet sind sie vor allem während des zweiten bis vierten Lebensmonats. Tendenziell sterben mehr Jungen am plötzlichen Kindstod als Mädchen. Ein großer Teil der Kinder war zum Zeitpunkt des Todes leicht krank: Sie waren erkältet, hatten Durchfall oder hatten sich erbrochen; viele Eltern berichteten, ihre Kinder seien irgendwie angeschlagen gewesen.

Heute warnen Poster in jeder Kinderarzt-Praxis

Fast nirgendwo in Europa starben Ende der achtziger Jahre so viele Kinder am plötzlichen Säuglingstod wie in Deutschland. Das veranlasste Wissenschaftler, die Lebensweise der gestorbenen Kinder zu vergleichen mit der von Überlebenden. Dank der damaligen Erkenntnisse schlagen seit Jahren Elterninitiativen Alarm, engagieren sich Ärzte und Hebammen gegen den Todesschlaf. So kennt heute fast jede Mutter und jeder Vater die Botschaft auf dem Poster im Wartezimmer der Kinderärztin: Das Schlafen in Rückenlage und im Schlafsack kann lebensrettend sein.

Durch die Aufklärungsarbeit ist die Anzahl der toten Kinder in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Vor Jahrzehnten starben etwa 1300 Kinder in Deutschland pro Jahr plötzlich ohne ersichtlichen Grund, jetzt sind es nur noch etwa 250. Dennoch: Der Krippentod ist noch immer die am häufigsten vorkommende Todesart bei Babys, die unter einem Jahr alt sind.

Ursachen

Die Kinder sterben fast immer während sie schlafen. Forscherinnen und Ärzte vermuten daher, dass eine Atemstörung während des Schlafens eine Rolle spielt: Offenbar vergessen die Kinder zu atmen. Dann können weitere äußere oder innere Einflüsse dazu führen, dass das Kind stirbt.

Fachleute versuchen das Geschehen so zu erklären: Die Atemschwäche führt zu Sauerstoffmangel und damit zu einem verlangsamten Herzschlag. Weil keine frische Luft eingeatment wird, steigt die Konzentration von Kohlendioxid im Blut. Normalerweise ist dies der stärkste Anreiz für den Körper, um aufzuwachen und weiter zu atmen.

Doch manche Kinder verfallen lediglich in eine Schnappatmung. Und nicht einmal dieses abrupte Schnappen nach Luft weckt die Kinder auf. Letztendlich ersticken sie, weil sie nicht aufwachen. Möglicherweise ist das Atemzentrum im Gehirn bei bestimmten Kindern noch nicht reif genug, um im Notfall richtig zu reagieren.

Viele Puzzlesteine ergeben noch kein Muster

In den vergangenen Jahren haben viele Wissenschaftler nach der Ursache für diese Atemschwäche geforscht – bislang erfolglos. Ein Mangel an Serotonin wurde von manchen angenommen. Dieser Gehirnbotenstoff spielt eine Rolle bei der lebensrettenden Weckreaktion des Körpers. Am Herzen betroffener Kinder fanden Forscherinnen Zellschäden – defekte Ionenkanäle -, die den Herzschlag verändern.

Doch keine der Ursachen ist allein verantwortlich. Die bisher gefundenen Puzzlesteine können nicht das gesamte Geschehen erklären. Es treffen immer mehrere Umstände zusammen, bevor der Säugling plötzlich stirbt: etwa bei einem Kind, das auf dem Bauch liegt, einen Mangel am Gehirnbotenstoff Serotonin aufweist und sich außerdem in einer kritischen Entwicklungsphase befindet.

Ein paar Umstände gelten als besonders gefährlich:

  • die Mutter raucht während der Schwangerschaft und danach,
  • sie nimmt Drogen;
  • das Kind wog bei der Geburt nicht mal zwei Kilo,
  • es war eine Frühgeburt oder Mehrlings-Geburt,
  • der Mutterkuchen war nicht in Ordnung;
  • die Mutter stillt zu früh ab oder stillt nicht.

Gefährdet sind auch die Kinder, deren Mütter jünger als 20 Jahre sind und die ein Geschwisterkind haben, das bereits am plötzlichen Kindstod gestorben ist.

Diagnose

Nicht immer liegt die Todesursache so klar auf der Hand wie bei den vernachlässigten und misshandelten Kindern, deren Fälle bisweilen an das Licht der Öffentlichkeit kommen. Den plötzlichen Kindstod feststellen kann letztlich nur ein Pathologe oder eine Gerichtsmedizinerin. Diese Todesart wird dann bescheinigt, wenn sich bei der Leichenschau keine andere Erklärung für den Tod findet.

Betroffene Eltern sollten die Leiche ihres Kindes von Fachkräften genau untersuchen, also obduzieren lassen. Denn Kinder können auch aus anderen Gründen sterben. Schließlich gibt es Ursachen, die vielleicht einfach nicht erkannt wurden, beispielsweise eine Lungenentzündung, eine Stoffwechselstörung oder ein falsch gewachsenes Herz.

Elternverbände, Ärzte und Rechtsmedizinerinnen empfehlen allen Eltern, deren Kind plötzlich gestorben ist, den Leichnam obduzieren zu lassen. Das schafft bis zu einem gewissen Umfang Klarheit. Die Untersuchung kann Schuldgefühle nehmen und möglichen Vorwürfen aus Familie und Nachbarschaft vorbeugen.

Vorbeugung

Das wohl größte Risiko für den plötzlichen Kindstod besteht dann, wenn Ihr Baby auf dem Bauch schläft. Fachleute vermuten, dass Babys in Bauchlage eher ersticken können, weil ihr Hustenreflex in dieser Position nicht so gut funktioniert.

Ende der 60er Jahre hatten vor allem Orthopäden die Bauchlage empfohlen – mit der Begründung, sie stärke die Rückenmuskulatur. Auch Kinderärzte und Hebammen hielten diese Lage lange Zeit für günstig: Die Kinder, so hieß es, könnten im Schlaf Erbrochenes nicht einatmen. Außerdem entwickelten sich Kinder, die auf dem Bauch schlafen, besser hinsichtlich ihrer Bewegungsabläufe.

Doch bereits in den siebziger Jahren rieten Kinderärzte in der DDR, Säuglinge zum Schlafen auf den Rücken zu drehen. Babys wurden in Ostdeutschland schon in ihren ersten Lebenswochen in Krippen und Tagesheimen betreut; starb dort ein Kind, wurde es obduziert. So fanden Pathologen schnell heraus, dass die Bauchlage tödlich sein kann. Ab 1972 durften Kinder in die staatlichen Kindergärten der DDR nur noch auf dem Rücken liegen. Im Westen dagegen propagierten Mediziner und Hebammen weiterhin das Gegenteil – den Empfehlungen aus den USA folgend. Nach der Wiedervereinigung glichen sich die Zahlen zum plötzlichen Kindstod im Osten innerhalb weniger Jahre den höheren westlichen Zahlen an.

Babys können Erbrochenes nicht gut aushusten

Heute wissen Fachleute: Schläft jemand auf dem Bauch, liegt die Luftröhre unter der Speiseröhre. Der Schwerkraft folgend, fließt Erbrochenes also in die Luftröhre. Außerdem funktioniert bei Babys, die auf dem Bauch liegen, der lebensrettende Hustenreflex nicht so gut: Das Erbrochene wird dann nicht mehr aus der Luftröhre hinausgeschleudert. Hinzu kommt, dass Säuglinge auf dem Bauch viel tiefer schlafen als in der Rückenlage. Daher können sie Erbrochenes noch eher einatmen, ohne dass der Körper reagiert.

Dem Argument der schnelleren motorischen Entwicklung halten Kinderärzte heute entgegen, das sich das in den nächsten Lebensjahren von alleine korrigiere. Dass Bauchlagen-Kinder besser einschlafen und durchschlafen, ändert nichts daran, dass diese Lage das größte Risiko für den Krippentod darstellt.

Säuglinge sollten daher vor allem in den ersten sechs Lebensmonaten in Rückenlage schlafen. Trainieren Sie die Bauchlage und das Zurückdrehen auf den Rücken mit Ihrem Kind, wenn es wach ist. Das stärkt die Muskeln, die es dafür braucht.

Im Bett: Mütze ab, Kissen raus!

Kinder, die noch kein Jahr alt sind, sollten so im Bett liegen, dass ihr Kopf nicht durch Bettzeug verdeckt werden kann. Das erreichen Sie am einfachsten, indem Sie Ihr Kind in einen Schlafsack stecken. Denn es ist extrem gefährlich, wenn Kopfkissen, Kuscheltiere, Bettdecke, Fell oder Mullwindel das Atmen behindern. Die natürliche Neugier der Kinder steigert diese Gefahr: Säuglinge greifen nach allem, um es sich über den Kopf zu ziehen. Die erwähnten Gemütlich-Macher haben deshalb nichts im Kinderbett zu suchen.

Säuglinge brauchen im Bett kein Mützchen. Denn über den Kopf müssen sie Wärme abgeben. Die Temperatur im Schlafzimmer Ihres Kindes sollte zwischen 16° und 18° Grad Celsius liegen. Ob es Ihrem Kind warm genug ist, können Sie am besten zwischen den Schulterblättern oder im Nacken fühlen. Während des ersten Lebensjahres schläft Ihr Kind am besten in Ihrem Schlafzimmer, aber in seinem eigenen Bett. Lüften Sie das Schlafzimmer Ihres Kindes oft: Frischluft sorgt für ausreichend Sauerstoff.

Matratzen ohne Chemie sind für Babys am besten

Empfehlenswert sind Matratzen, die bestimmte Chemikalien nicht enthalten: Dazu gehören Flammschutzmittel sowie Weichmacher aus Arsen-, Antimon- oder organischen Phosphor-Verbindungen. Es gibt Matratzenhüllen aus Polyethylen, die vor diesen Schadstoffen schützen sollen.

Von solchen Hüllen raten Fachleute ab, weil die Atemluft dann schlechter zirkuliert: Das Kind atmet dann die Luft ein, die es zuvor ausgeatmet hat; zudem steigt das Risiko, dass sich die Atemluft übermäßig erwärmt. Aus den gleichen Gründen raten Experten von wasserdichten Unterlagen für Matratzen ab – es sei denn, Ihr Kind ist älter als zwei Jahre.

Stillen ist gut, rauchen nicht

Stillen Sie Ihr Kind möglichst bis zum sechsten Monat. Muttermilch schützt vor Infekten und Allergien. Bieten Sie Ihrem Kind ruhig einen Schnuller an. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass ein Schnuller das Risiko für den plötzlichen Kindstod verringert.

Mit jeder gerauchten Zigarette steigt das Risiko, dass Ihr Kind plötzlich stirbt. Das Nikotin und die anderen Giftstoffe lagern sich überall ab, auch im Schlafzimmer und im Babybett. Weder Sie als Eltern sollten rauchen, noch Familie oder Freunde, die zu Besuch kommen. Verzichten Sie deshalb möglichst ganz darauf.

Expertenrat

Professor Gerhard Jorch, Direktor der Kinderklinik der Universität Magdeburg, antwortet
Warum kommen Wissenschaftler den Ursachen für den plötzlichen Säuglingstod nicht auf die Spur ? Das liegt vor allem daran, dass der plötzliche Kindstod keine echte Diagnose ist. Vielmehr ist er ein Sammelbegriff, der den Umstand beschreibt, dass ein Säugling plötzlich und unerwartet tot aufgefunden wird. Deshalb wird man auch zukünftig vergeblich darauf warten, eine einzige Ursache zu finden. Immerhin konnten wir schon so viele Risikofaktoren identifizieren, dass die Todesrate drastisch gesunken ist. Waren es Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre noch an die 1300 Kinder, sterben jetzt nur noch um die 250 pro Jahr in Deutschland. Damit will ich keinesfalls sagen, dass wir aufhören sollten, nach weiteren Ursachen zu forschen. Jeder tote Säugling ist einer zu viel. Aber wir haben schon viel erreicht. In keinem anderen Bereich der Kindermedizin konnten wir die Anzahl der Todesfälle so drastisch senken wie hier.

Was soll ich machen, wenn mein Kind sich immer wieder von selbst auf den Bauch dreht?

Viele dieser Säuglinge sind schon älter und haben die gefährlichsten ersten sechs Monate überstanden. Die Eltern sollten sich nicht verrückt machen – und einfach versuchen, alle anderen Risikofaktoren wie Bettzeug mit Überdeckungsgefahr, überheiztes Zimmer und Rauchen zu vermeiden. Auf keinen Fall sollten sie das Kind festbinden. Durch einfache Säuglingsgymnastik im ersten Lebenshalbjahr mit Übung der Bauchlage im Wachzustand kann die Muskulatur gestärkt werden und das Kind vor Atemstörungen beim Umdrehen in die Bauchlage geschützt werden.

Sind Matratzenüberzüge, Bewegungswächter und Monitoring sinnvoll?

Bisher gibt es keine Untersuchung, die den Nutzen von Monitoring und Bewegungswächtern bestätigt. Es sind auch schon Kinder bei eingeschalteten Monitor-Geräten gestorben. Dennoch kann es unter Umständen Sinn machen, ein Kind mit einem Monitor zu überwachen. Von Matratzen-Überzügen halte ich grundsätzlich nichts. Sie verhindern lediglich, dass die Ausatemluft des Kindes zirkuliert.

Kann eine Impfung Ursache für den Krippentod sein?

Ursprünglich hat man das Impfen verdächtigt, eine Rolle beim plötzlichen Kindstod zu spielen. Diesen Zusammenhang stellte man her, weil viele Kinder in der ersten sechs Lebensmonaten sterben – einer Zeit also, in der eine Vielzahl von Impfungen stattfindet. Mittlerweile hat man allerdings dieses Phänomen überprüft und festgestellt, dass geimpfte Kinder sogar seltener durch SIDS, den plötzlichen Kindstod, sterben. Ich empfehle Eltern dennoch, das Impfen in einen Zeitraum zu legen, in dem sie sich gut um ihr Kind kümmern können. In den ersten Tagen nach einer Impfung neigen die Kinder vermehrt zu leichtem Fieber, schlafen unruhiger und sind einfach nicht ganz auf der Höhe.

Forschung

Rauchen und zu viel Wärme erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neugeborenes am plötzlichen Kindstod stirbt. Das belegt eine Studie aus Kanada, die im Fachblatt „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht wurde. Danach ist es besonders gefährlich, wenn die Mutter bereits während der Schwangerschaft raucht.

Studienleiter Shabih Hasan von der Klinik für Kinderheilkunde der University of Calgary setzte für seine Studie schwangere Ratten Zigarettenrauch und erhöhten Temperaturen aus. War die schwangere Ratte Tabakrauch ausgesetzt, litten viele ihrer Nachkommen unter einer Schnappatmung. Im Vergleich zu normalen Ratten war das Risiko einer Schnappatmung fast dreimal so hoch. War die trächtige Ratte erhöhten Temperaturen ausgesetzt, war das Risiko zweimal so hoch.

Schwangere Ratten, die Zigarettenrauch ausgesetzt waren, gebaren zudem vermehrt Tiere, die Atemprobleme hatten. Setzte man diese Neugeborenen in einen Raum mit relativ wenig Sauerstoff, konnten sie schlecht atmen. Normale Ratten hingegen, deren Mütter Frischluft atmen durften, bekamen keine Atemprobleme bei Sauerstoffmangel.

„Offenbar ist die Atmung bei Sauerstoffmangel oder unter Wärmestress besonders instabil, wenn die Mütter schon während der Schwangerschaft rauchen“, sagt Hassan. Ob die Ergebnisse dieser Studie auf den Menschen übertragbar sind, ist allerdings noch nicht erwiesen.

Plötzlicher Kindstod vorbeugen: Auf freie Atemwege achten

Plötzlicher Kindstod – unfassbar, aus heiterem Himmel und aus immer noch ungeklärten Ursachen, sterben plötzlich Babys und Kleinkinder im Schlaf, die eigentlich völlig gesund sind. Was steckt hinter SIDS, dem Sudden Infant Death Syndrome? Was sind die Gründe für den Plötzlichen Kindstod? Mediziner suchen immer noch nach den Ursachen für dieses Phänomen. Wir stellen die aktuell diskutierten Theorien vor.

Betretene Gesichter im Geburtsvorbereitungskurs. Plötzlicher Kindstod – Das will man eigentlich gar nicht hören, dass ein gesundes Baby plötzlich zu atmen aufhört. Angst macht sich breit. Kann man wirklich nichts machen? Sind Eltern wirklich hilflos gegenüber dieser rätselhaften Todesursache? Eltern sollten wissen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen.

Die wichtigsten Tipps zur Vorbeugung

  • Nicht in der Umgebung des Kindes rauchen – dies gilt als wichtigster Vermeidungsfaktor
  • Wenn möglich sechs Monate stillen
  • Kinder bis zum Alter von einem Jahr in Rückenlage schlafen lassen
  • Schlafzimmertemperatur 16 bis 18 Grad
  • Der Kopf sollte nicht von Bettzeug bedeckt sein (Luftzirkulation)
  • feste, luftdurchlässige Matratze
  • Säuglinge im Elternschlafzimmer schlafen lassen
  • Unterkühlung und Überhitzung vermeiden
  • Sich informieren, was im Notfall zu tun ist

Was ist eigentlich SIDS?

Im Englischen heißt es Sudden Infant Death Syndrome, deshalb ist auch die Abkürzung SIDS gebräuchlich. Der Name sagt alles, es ist das plötzliche, unerwartete, unerklärliche Sterben eines Babys, meist nachts im Schlaf.

Forschung und Präventivmediziner in der Kinderheilkunde stehen immer noch vor einem Rätsel und vor einer große Herausforderung. Für viele junge Eltern bedeutet es eine Bedrohung, die ihnen Angst macht, für die Betroffenen Schock und Trauer. Denn das Kind ist ganz offensichtlich gesund gewesen, dann finden es die Eltern tot im Bettchen. Deshalb wird in solchen Fällen auch jede andere Todesursache ausgeschlossen, wie zum Beispiel Infektionen, Stoffwechselkrankheiten, Blutungen, Unfälle (Vergiftung, Stromschlag, Sturz) oder vorher bestehende Krankheiten.

Nach dem „Triple-Risk Model“ kann es zum SIDS kommen, wenn drei Bedingungen gleichzeitig auftreten: Das Kind befindet sich in einem verwundbaren Entwicklungsstadium des Nerven- und Immunsystems, es liegen genetisch bedingte Faktoren vor, und es kommen Stressfaktoren von außen dazu.

Plötzlicher Kindstod: Altersgruppen und Häufigkeiten

Im Jahr 2015 starben laut Statistischem Bundesamt 127 Kinder am Plötzlichen Kindstod. Die Mehrzahl von ihnen (109) war älter als 28 Tage und jünger als ein Jahr. Zwei Jahre zuvor war der Plötzliche Kindstod die Todesursache bei 152 Kindern. 2008 lag die Fallzahl in Deutschland bei 215 Kindern, teilt die Stiftung Kindergesundheit in München mit. Die Häufigkeit sinkt also. Trotzdem handelt es sich im ersten Lebensjahr um die häufigste Todesursache für Kinder, etwa eines von 1400 Neugeborenen stirbt in westlichen Industrieländern daran. Das ist deshalb so, weil es dank der guten medizinischen Versorgung und des relativ guten Lebensstandards hier kaum andere Todesursachen gibt.

Die größte Häufung liegt zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensmonat, selten vor dem zweiten oder nach dem sechsten Lebensmonat, fast nie nach dem ersten Lebensjahr. Jungs sind mit 60 Prozent häufiger betroffen als Mädchen, zwei Drittel aller Todesfälle ereignen sich in den Wintermonaten.

Ursachen von Plötzlichem Kindstod ungeklärt

Es gibt einige Theorien über dieses Phänomen, doch abschließend geklärt ist es immer noch nicht. Die Schlafposition, eigenes Bett oder Familienbett, Gifte in Matratzen, Weichmacher, ein gestörter Blutfluss oder Impfreaktionen wurden verantwortlich gemacht. Mediziner und Wissenschaftler versuchen die Ursachen durch Befragungen, durch Statistiken und Ausschlusskriterien zu finden, doch sie stochern im Nebel.

Insgesamt gibt es über 200 Theorien. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, beispielsweise eine Infektion (äußerer Faktor) und innere Faktoren, wie eine Veranlagung. Neben der Bauchlage sei derzeit das Rauchen das wichtigste vermeidbare Risiko für den Plötzlichen Kindstod. Raucht die Mutter bis zu zehn Zigaretten am Tag, erhöhe sich das SIDS-Risiko um das Dreifache, bei mehr als 20 Zigaretten sogar um das Neunfache.

Eine australische Studie zeigte zudem, dass Babys, die am Plötzlichen Kindstod gestorben sind, eine biologische Gemeinsamkeit aufweisen. Die untersuchten Babys hatten alle einen niedrigen Level an Orexin, einem protein-ähnlichen Botenstoff. Dieser ist bei Menschen unter anderem dafür da, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren. Der Stoff sorgt darüber hinaus dafür, dass jemand aufwacht, wenn sein Schlaf gestört wird, zum Beispiel weil die Sauerstoffzufuhr zu gering ist. Ein Mangel an diesem Stoff könnte laut den Ärzten der Kinderklinik in Westmead eine Störung des Babys darstellen, die verhindere, dass die Botschaft aufzuwachen im Körper richtig weitergegeben wird.

Riskante Phase: Übergang von Wachzustand zum Schlaf

Andere Ansätze gehen davon aus, dass eine Störung der Steuerung von Atmung und Herztätigkeit im Gehirn der Auslöser ist. Hintergrund: Das Gehirn von Säuglingen entwickelt sich im ersten Lebensjahr ziemlich rasch, ständig passiert etwas in der Entwicklung und neu gebildete Strukturen im Gehirn werden „zugeschaltet“.

Dazu kommt, dass die Phase zwischen Schlafen und Wachen ein sehr sensibler Übergang ist und für das Gehirn das Umschalten zwischen Tiefschlaf und Traumphase (REM-Schlaf) sehr intensiv ist. In diesen kritischen Phasen arbeitet das Gehirn etwas instabil. Man merkt dies gelegentlich in einem kurzen, aber heftigen Zucken beim Einschlafen oder einer kurzen Atempause. Dieses Stocken oder Zucken ist auch bei Erwachsenen normal.

Atmung und Herzschlag setzen kurz aus

Wenn bei Babys nun diese Übergangsphase und das Zusammenschalten von Gehirnstrukturen zusammentreffen, kann es zu Anpassungsschwierigkeiten kommen. Diese Anpassungsprobleme wiederum können die Funktion des Gehirns so stark stören, dass die Steuerung der Atmung und des Herzschlags für eine kurze Zeit aussetzt.

Normalerweise ist diese Zeit so kurz, dass ein Kind von diesem instabilen Zustand wieder in einen ungestörten Ablauf findet. Findet es jedoch nicht rechtzeitig zurück, dann setzen Atmung und Herzschlag zu lange aus und es führt dies zum Plötzlichen Kindstod. Je älter das Kind ist, desto reifer ist das Gehirn und arbeitet stabiler, damit nimmt das SIDS-Risiko immer weiter ab.

Weitere Risikofaktoren für den Plötzlichen Kindstod

Auch Kinder, die zu früh oder unreif geboren wurden, scheinen stärker gefährdet zu sein, vermutlich weil ihr Gehirn auch weniger weit entwickelt ist. Dazu gehören Kinder mit geringem Geburtsgewicht, Mehrlingsgeburten und Babys mit mehreren älteren Geschwistern. Eine erbliche Veranlagung scheint ebenfalls möglich zu sein, genauso wie rauchende Eltern und fehlendes Stillen das Risiko erhöhen. Auch scheint es Kinder drogenabhängiger Mütter öfter zu treffen. Ebenso wird diskutiert, ob das Schlafen in Bauch- und Seitenlage eine Ursache sein könnte oder die Überhitzung des Babys. Allerdings sind nicht alle dieser Erklärungsversuche wissenschaftlich ausreichend belegt.

Schlafen im Elternbett nicht ratsam

Es ist nicht ratsam, dass das Baby mit im Elternbett schläft. Eine niederländische Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Teilen des Betts mit dem Kind bei Babys im Alter zwischen einem und zwei Monaten das Risiko für den Kindstod um den Faktor neun erhöht, so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVKJ. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät zum eigenen Kinderbett – insbesondere, wenn ein Elternteil oder beide Raucher sind.

Ein Säugling braucht kein Kissen. Die Ärzte vom BVKJ raten, in den ersten zwei Lebensjahren darauf zu verzichten. Mit einem Kissen besteht der BZgA zufolge das Risiko, dass der Kopf einsinkt und es zu Überhitzung oder Atemrückstau kommt. Am besten übernachte das Baby in einem Schlafsack, wobei der Halsumfang nicht größer als der Kopf sein darf. Eine Decke berge die Gefahr, dass das Kind darunter rutscht. Die Matratze sollte nicht dicker als zehn Zentimeter und eher fest sein, damit das Kind nicht mehr als zwei Zentimeter einsinkt.

Plötzlicher Kindstod: Risikogruppen

Rein statistisch gesehen gelten auch Kinder sehr junger Mütter, aus sozial benachteiligten Familien, Kinder Alleinerziehender oder von drogenabhängigen Müttern oder Babys, die im Schlaf stark schwitzen, als stärker gefährdet. Jedoch ist der Kindstod nicht vorhersehbar und kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen vor. Dies sind nur statistische Häufigkeiten.

Alarmzeichen deuten

Gelegentlich können Symptome einer leichten Erkältung dem Plötzlichen Kindstod vorangehen. Das beschriebene Stocken der Atmung ist normal; wenn die Eltern allerdings beobachten, dass dieses gelegentlich länger als 20 Sekunden andauert, dann ist dies ein ernstes Warnsignal. Ebenso wenn ein Kind in dieser so genannten Apnoe-Phase an Armen und Beinen blau anläuft oder schlaff im Bett liegt, sollte es eingehend untersucht werden. Die Atmung und Herzfrequenz dieses Kinder kann – so eine Empfehlung – während des Schlafens mit einem Monitor überwacht werden. Die Eltern würden in solch einem Fall mit dem Gerät vertraut gemacht werden. Der Nutzen dieser Monitor-Überwachung ist allerdings umstritten.

Hilfe im Notfall

Eltern eines gefährdeten Kindes sollten sich mit Wiederbelebungstechniken, beispielsweise Herzmassage oder Mund-zu-Mund-Beatmung auseinandersetzen. Mit dem behandelnden Arzt sollte ein Alarmplan ausgearbeitet und geübt werden. Erster Schritt wäre, das Kind durch Ansprechen oder einen Reiz (Zwicken, Piksen) zu wecken. Erste Hilfe-Kenntnisse sollten sich sowieso alle Eltern aneignen.

SIDS: Wichtigste Vorbeugung

Stillen, kein Passiv-Rauchen und eine unaufgeregte, möglichst stressfreie Umgebung scheinen die beste Vorbeugung gegen den Kindstod zu sein. Außerdem sollte das Baby nicht in Bauch- oder Seitenlage schlafen, die Rückenlage halbiert das Risiko. Im Bettchen sollte möglichst wenig liegen, keine Kuscheltiere oder dicke Decken oder Kissen.

Am besten schläft das Baby im Babyschlafsack, der wie ein Strampler angezogen wird und nicht verrutschen kann. Decken oder Kissen können über das Köpfchen rutschen. Auch Lammfell, Wärmeflasche oder isolierende Decken sollten nicht ins Kinderbett. Zudem sollten Eltern darauf achten, dass die Atemwege des Babys beim Schlafen frei sind. Dazu ermahnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unter Berufung auf einen Fachbeitrag in der „Monatszeitschrift Kinderheilkunde“.

Seit 1991 wird auch in Deutschland in den Entbindungskliniken und von Hebammen die Rückenlage als Schlafposition empfohlen, dadurch hat die Zahl der SIDS-Fälle drastisch abgenommen (von 1285 Fällen in 1991 auf 367 Fälle in 2002, also von 1,55 auf 0,51 pro 1000 lebendgeborener Kinder).

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Rauchen ist Hauptrisikofaktor für den Plötzlichen Kindstod

Raucht eine Mutter während der Schwangerschaft, kann sich dies schädlich auf das Blutdruck-Kontrollsystem des heranwachsenden Kindes auswirken. Hierdurch steigt nach der Geburt die Gefahr des Plötzlichen Kindstodes, glauben schwedische Forscher vom Karolinska Institut. Sie analysierten Blutdruck und Herzrate von Babys, deren Mütter während der Schwangerschaft durchschnittlich 15 Zigaretten am Tag geraucht haben.

Dabei sind unnormale Herzschlagraten und Blutdruckverläufe bei den Babys im Alter von einer Woche aufgefallen. Haben die Wissenschaftler die Säuglinge im Schlaf aufgerichtet, ist der Blutdruck der Kinder um bis zu zehn Prozent in die Höhe geschnellt. Bei gleichaltrigen Neugeborenen von nicht rauchenden Müttern hat der Blutdruckanstieg dagegen nur etwa zwei Prozent betragen. Im Alter von einem Jahr reagieren die Babys der rauchenden Mütter mit einem zu geringen Anstieg des Blutdrucks, was für das Herz-Kreislauf-System ebenfalls schädlich sein kann. Aus diesen Ergebnissen schließen die Experten, dass die Herzen von Raucherkindern stärkeren Belastungen ausgesetzt sind, was offenbar zu einem plötzlichen Versagen der Pumporgane führen kann.

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Eltern werden von Schuldgefühlen geplagt

Die betroffenen Eltern werden meist von schrecklichen Schuldgefühlen geplagt. Oft stürzt die gesamte Familie in eine tiefe seelische Krise, bis hin zu schweren Depressionen, auch Geschwister leiden darunter. Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen hilft. Oft ist auch eine psychologische Betreuung wichtig. Zur Trauer kommt auch noch die Untersuchung durch die Polizei, die ausschließen muss, dass Misshandlung oder Verwahrlosung zum Tod geführt haben könnte. Die rätselhafte Diagnose „Plötzlicher Kindstod“ hilft den Eltern nicht in ihrer Trauer und dem Abschiednehmen, sie bleiben allein mit ihrer Suche nach der Ursache.

Medizinisch spricht nichts gegen eine neue Schwangerschaft nach dem Verlust eines Kindes durch SIDS. Auch wenn kein Kind durch ein anderes zu ersetzen ist, bringt eine weitere Schwangerschaft doch vielen Familien wieder neuen Mut.

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender.

Vorsorge

90% der Todesfälle können verhindert werden, wenn die folgenden Empfehlungen befolgt werden:

Stillen schützt

Idealerweise sollten Mütter ihr Baby in den ersten sechs Monaten voll stillen. Stillkinder haben einen leichteren Schlaf und wachen nachts häufiger auf. Damit sinkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die das Kind braucht, aber auch wertvolle Abwehrstoffe. Darüber hinaus profitiert das Kind von der Nähe zur Mutter. Wird das Kind gerade nicht gestillt, kann es am Schnuller nuckeln.

Sicher im Schlaf

Meist sterben Kinder im Schlaf am plötzlichen Kindstod, daher können die richtige Schlafposition, die richtige Auswahl von Matratze und Zudecke sowie das eigene Bett im Zimmer der Eltern das Risiko senken.

  • Rückenlage
    Im ersten Lebensjahr sollten Säuglinge immer in Rückenlage schlafen. So wird verhindert, dass das Kind auf Nase und Mund zu liegen kommt und auf diese Weise erstickt. Eltern müssen deshalb nicht befürchten, dass die Kleinen in Rückenlage beispielsweise an Erbrochenem ersticken könnten. Studien haben gezeigt, dass das Risiko hierfür in Bauchlage größer ist.
  • Matratze
    Die Schlafunterlage sollte fest und luftdurchlässig sein. Ein Kopfkissen, ein Polster (Nest) oder ein Fell brauchen die Kinder nicht. Diese erhöhen vielmehr das Risiko fürs Ersticken. Auch auf Kuscheltiere sollte im Bett idealerweise verzichtet werden.
  • Schlafsack
    Überhitzen Säuglinge im Bett, erhöht dies das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Fachleute bevorzugen für Säuglinge daher Schlafsäcke. In der Regel wärmt ein Schlafsack das Baby im Schlaf ausreichend. Auf eine zusätzliche Decke oder Mütze sollte verzichtet werden, damit das Kind überschüssige Wärme an die Umgebung abgeben kann. Einzig auf die Größe des Schlafsacks kommt es an:
    – Der Halsumfang des Schlafsacks sollte nicht größer sein als der Kopf. So rutscht das Kind nicht in den Schlafsack hinein.
    – Der Schlafsack sollte etwa 15 cm länger als Oberkörper und Beine zusammen sein und so breit, dass das Kind Platz zum Strampeln hat, ohne dass es sich darin verfangen kann. Mit zunehmendem Alter des Säuglings kann das Pucken das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöhen – insbesondere ab einem Alter von 6 Monaten.
    – Unter dem Schlafsack braucht das Kind nicht mehr als eine Windel und den Schlafanzug.
  • Bett im Elternschlafzimmer
    Es muss unbedingt versucht werden, das Bett des Säuglings im Elternschlafzimmer unterzubringen. So kann auch die schlafende Mutter evtl. Unregelmäßigkeiten bei der Atmung des Säuglings registrieren und eventuell einen Atemstillstand verhindern.
  • Raumtemperatur
    Die optimale Raumtemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad Celsius.

Schutz durch eine rauchfreie Umgebung

Der Nachwuchs von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, hat ebenso wie Säuglinge mit mindestens einem in der Wohnung rauchenden Elternteil, ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. Deshalb sollten Eltern im ersten Lebensjahr des Kindes in seiner Umgebung auf das Rauchen verzichten. Das Rauchen sollte besser in der Umgebung von Kindern generell unterlassen werden.

Das Kind beobachten

Beobachten Sie Ihr Kind sorgfältig

  • Ist es manchmal blass oder schlaff?
  • Macht das Kind im Schlaf Atempausen?
  • Lässt es sich schwer aufwecken?
  • Hat es manchmal blaue Lippen?
  • Schwitzt es im Schlaf?
  • Verschluckt es sich oft oder erbricht es immer wieder?
  • Schreit das Kind manchmal schrill?
  • Beobachten Sie nach dem Füttern ein blasses Munddreieck?
  • Ist das Kind im Wachstum zurückgeblieben?

Wenn Ihnen etwas Derartiges auffällt, sollten Sie sich umgehend an Ihren Kinder- und Jugendarzt wenden. Er wird, falls erforderlich, das Kind für weitergehende Untersuchungen in eine spezielle Kinder- und Jugendklinik mit einem Schlaflabor überweisen. Dort kann das Kind im Schlaf genauer überwacht und untersucht werden, um abzuklären, wie hoch das Risiko ist. Falls Ihr Kind zu der Risikogruppe gehört, wird der Arzt eventuell eine medikamentöse Einstellung vornehmen oder/und ein Gerät (Monitor) verschreiben, mit dem das Kind beim Schlafen überwacht werden kann. Allerdings bieten auch Monitore keine absolute Sicherheit. Sie sollten sich daher unbedingt über Notfallmaßnahmen informieren oder besser an entsprechenden Schulungen teilnehmen, die von den Kinderkliniken bzw. niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten durchgeführt werden.

Auch wenn Ihr Säugling länger als drei Tage an Schnupfen und Fieber oder Fieber ohne weitere Symptome leidet, sollten Sie vorsichtshalber einen Kinder- und Jugendarzt aufsuchen. Im Falle einer Erkältung ist es wichtig, die Atemwege frei zu halten.

Überwachung durch Monitore

Bei Risikokindern mit Fehlbildungen der Atemwege, Atemregulationsstörungen oder einer anderweitig bedingten Anfälligkeit für anscheinend lebensbedrohliche Ereignisse kann in dieser risikoreichen Phase eine Überwachung durch einen Monitor erfolgen, der idealerweise die Sauerstoffsättigung im Blut (Pulsoxymetrie), die Herztätigkeit und die Atmung aufzeichnet. Tritt dann ein weiteres Ereignis ein, kann mit Hilfe der gespeicherten Daten geklärt werden, ob ein Zusammenhang mit anderen Befunden besteht oder nicht. Unter Umständen können die Ergebnisse des Monitorings auch dazu beitragen, dass die Eltern sich weniger Sorgen machen, wenn sich etwa herausstellt, dass das Ereignis gar nicht so bedrohlich war, wie es den Anschein hatte. Vier bis sechs Wochen nach dem letzten, zurückliegenden Ereignis sollte die Überwachung jedoch beendet werden.

Plötzlicher Kindstod: Das raten Experten zur Vorbeugung

Der plötzliche Kindstod (engl. SID, sudden infant death) ist für betroffene Familien eine Tragödie. Aus den bisher vorliegenden Daten haben Wissenschaftler einige Vorsichtsmaßnahmen abgeleitet, mit denen Sie das Risiko im ersten Lebensjahr senken können.

Plötzlicher Kindstod: So schläft Ihr Kind sicher

  • Das Kind in Rückenlage schlafen legen, so bleiben die Atemwege frei. Zur Schlafenszeit tabu sind große Kuscheltiere, Kissen, gepolsterte Babynestchen, Wärmflaschen und Schaffelle.
  • Nichtrauchen: Rauchen schadet dem Kind nicht nur während der Schwangerschaft. Wenn die Eltern rauchen, ist das generell ein Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod.
  • Wenn möglich stillen. Zum Einschlafen einen Schnuller anbieten, diesen aber nach dem Einschlafen nicht wieder in den Mund stecken.
  • Babys schlafen am besten in einem Babyschlafsack, der am Hals so geschnitten ist, dass er nicht über den Kopf rutschen kann.
  • Überwärmung vermeiden: Die Zimmertemperatur sollte idealerweise um die 18 Grad Celsius betragen. Das Babybett nicht in die pralle Sonne oder neben die Heizung stellen. Im Zweifelsfall zwischen den Schulterblättern prüfen, ob sich die Haut warm, aber nicht verschwitzt anfühlt.
  • Viele Experten raten dazu, das Baby zum Schlafen zwar mit ins Elternschlafzimmer, aber in ein eigenes Bett zu legen. Die Empfehlung gilt vor allem für die ersten drei Lebensmonate, heißt es in der Leitlinie „Prävention des Plötzlichen Säuglingstods“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Wenn Ihr Baby mit bei Ihnen im Bett schläft, achten Sie darauf, dass es mit dem Gesicht nicht unter oder auf eine weiche Bettdecke, ein Kissen oder ein loses Laken gerät. Wenn Sie Alkohol getrunken haben oder Raucher sind, sollten Sie nicht mit dem Baby zusammen in einem Bett schlafen.

Sichere Matratze ohne Schadstoffe finden

Im Babymatratzen-Test haben wir 14 Produkte in der Größe 70 mal 140 Zentimeter getestet, die für Babys und Kinder bis zum Vorschulalter geeignet sind. Im Mittelpunkt standen Sicherheit, Verarbeitungsqualität und Schadstoffbelastungen.

Das Ergebnis: Nur vier können wir mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlen. Knapp die Hälfte der getesteten Matratzen fällt mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch. Bei vier Babybettmatratzen im Test besteht eine mögliche Erstickungsgefahr für Babys.

Plötzlicher Kindstod: Hilft Technik bei der Vorbeugung?

Vor dem plötzlichen Kindstod soll auch Technik schützen. Die Industrie bietet Sensormatten an, die Alarm schlagen sollen, wenn sich die Babys nicht mehr bewegen – als keine Bewegungen mehr registriert werden. In unserem Baby-Sensormatten-Test wollten wir wissen, ob gängige Überwachungssets für Babys (Babyfone und Babysensormatten) zuverlässlich sind und wie viel Elektrosmog sie in der Nähe eines Babys produzieren.

Ergebnis: Alle drei Sensormatten erfassen die Atembewegungen, die ein Speziallabor simuliert hat, zuverlässig. Bleiben sie aus, schlägt das Wächtersystem Alarm. Um auszuschließen, dass beispielsweise Erschütterungen durch eine schleudernde Waschmaschine im Nebenraum fälschlicherweise dem Baby zugeordnet werden, müssen Eltern einen sorgfältigen Funktionstest durchführen und die Sensibilität der Sensormatte entsprechend anpassen. Belastend für die Eltern können mögliche Fehlalarme der Matten sein.

Zwei von drei Geräten funkten im Test mit gepulster elektromagnetischer Strahlung. Studien zeigen, dass diese Funkwellen Hirnströme verändern und das Krebsrisiko erhöhen können.

Aber bevor Sie jetzt zu Hause technisch aufrüsten: Viel wichtiger als eine Sensormatte ist, die Risikofaktoren für den Plötzlichen Kindstod zu vermeiden. Auch eignen sich Sensormatten nicht für die Überwachung von Risikokindern, weil sie keine Vitalfunktionen am Körper messen.

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Plötzlicher Kindstod: Wie kann man vorbeugen?

Ab auf den Rücken

„Babys immer in Rückenlage schlafen legen“, rät Ekkehart ­Paditz. Andernfalls sei das Risiko sechsfach erhöht. Er empfiehlt ausdrücklich, das Kind im wachen Zustand auch auf den Bauch zu legen: „Die Kinder nehmen mehr wahr, trainieren ihre Motorik sowie die Nacken-, Hals- und Schultermuskulatur.“ Letzteres scheint wichtig für die Zeit, in der die Kleinen anfangen, sich zu drehen – auch nachts. Paditz: „Wahrscheinlich haben Babys, die ihre Muskulatur trainieren konnten, einen Vorteil, da sie ihren Kopf heben oder drehen können.“

Nicht rauchen

Zigarettenqualm ist für Babys nie gut, egal ob vor oder nach der Geburt. „Besonders gravierend scheint aber die Zeit in der Spätschwangerschaft zu sein, ­also ab der 30. Woche“, erklärt Paditz. „Das Gehirn macht ab da einen­ Wachstumsspurt. Es wird vermu­tet, dass Tabakrauch die Bildung von Strukturen stört, die für die Atemregulierung oder für den Aufwachreflex wichtig sind.“ Raucht die Mutter in dieser ­Phase aktiv oder passiv, erhöht sich das SIDS-Risiko mindestens um das 3,4-Fache. „Da gibt es eine ­klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr geraucht wird, desto höher das Risiko“, so der Experte.

Besser ohne Kissen

„Im ersten Lebensjahr sollte auf Kopfkissen im Babybett verzichtet werden“, meint Ekkehart Paditz. Studien lassen auf ein 3,4-fach erhöhtes SIDS-Risiko schließen, wenn das Kind auf einem Kissen schläft. Als einen möglichen Grund nennt Paditz die Temperaturregulation, die bei Kindern stark über die Kopf- und Gesichtshaut laufe. Deshalb rät er auch davon ab, dass Babys in der Wohnung Mützen tragen: „Die Gefahr eines Wärmestaus scheint einfach zu groß.“

Das Kind stillen

Wenn Babys nur zwei Wochen oder kürzer gestillt werden, erhöht sich das Risiko 1,7-fach. „Stillen scheint das SIDS-Risiko zu senken“, sagt Paditz. Möglicher Grund: Gestillte Kinder wachen in der Nacht leichter und öfter auf und haben oft ­eine ­bessere Immunabwehr. In ­ihrer Leit­linie rät die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin daher, Kinder zu stillen, solange es für die Mutter möglich ist.

Schnullern schützt

„Meta-Studien zeigen, dass regelmäßiger Schnuller-Gebrauch das Risiko um 30 Prozent senkt“, sagt Paditz. Er rät dazu, dem Kind einen Schnuller anzubieten, ­sobald das Stillen klappt. Dass der Schnuller dem Stillerfolg nicht im Wege steht, wie manche Eltern befürchten, hätten mehrere Studien belegt.

Plötzlicher Kindstod – Zahlen, Risikofaktoren, Vorsichtsmaßnahmen

Wohl nur wenige Themen werden so kontrovers diskutiert wie der plötzliche Kindstod. Eine aktuell erschienene Studie wird diese Diskussion sicherlich weiter anheizen. Sie kommt zum Schluss, dass das Risiko des plötzlichen Kindstods um das Dreifache steigt, wenn das Baby im Elternbett schläft. Babys, die jünger als drei Monate sind, erliegen sogar einem fünffachen Risiko. Doch die Analyse bietet nicht nur Schreckensmeldungen, sondern zeigt darüber hinaus auf, was Eltern tun können, um dem Horror des plötzlichen Kindstods zu entgehen.

Wenn nach der Übermüdung der Tod kommt

Die Nächte mit einem Baby können hart sein. Junge Eltern müssen mit einem 24-Stunden-Tag leben und kratzen oft genug an der Grenze des Machbaren bzw. sind der totalen Erschöpfung gefährlich nahe. Da kann es kaum verwundern, dass, wenn das Baby mitten in der Nacht schreit, viele Eltern sich dafür entscheiden, es nach dem Stillen im gemeinsamen Bett weiterschlafen zu lassen. Doch genau hier liegt die große Gefahr. Die Gründe allerdings lagen bisher im Bereich der Spekulation. Im „British Medical Journal“ haben nun Wissenschaftler um James Carpenter von der London School of Hygiene & Tropical Medicine untersucht, in welchem Maße das Risiko des Kindstods allein dadurch steigt, dass das Baby gemeinsam mit den Eltern in einem Bett schläft.

Das ewige Rätsel

Auch James Carpenter und seine Kollegen konnten die Frage nach den genauen Gründen für den plötzlichen Kindstod nicht abschließend klären. Zumindest aber gewisse Risikofaktoren lassen sich nun aufzeigen:

  • Alkoholgenuss oder das Rauchen begünstigen den plötzlichen Kindstod.
  • Wird das Baby in Decken statt eines Schlafsacks gehüllt, steigt das Risiko ebenfalls.
  • Auch die aufgedrehte Heizung in der Nacht stellt einen Risikofaktor dar.
  • Babys, die nicht gestillt werden, sind eher gefährdet als solche, die die Mutterbrust bekommen.

Die Wissenschaftler haben einen recht großen Aufwand für ihre Studie betrieben. Das Forscherteam mit Experten aus Großbritannien, Neuseeland, Irland und Deutschland nahm sich die Daten von 4.700 Kontrollfällen vor und nutzte als Grundlage für ihre Forschungen 19 unterschiedliche Studien zum Thema, die in Europa, Asien, Großbritannien und Australien durchgeführt wurden.

Das empfindliche Kind

Die Studie des Wissenschaftlers James Carpenter macht deutlich, dass vornehmlich sehr junge Babys dem Risiko des plötzlichen Kindstods ausgesetzt sind. Mediziner haben auch ihre Vermutungen und sind beispielsweise der Meinung, dass der Temperaturausgleich bei Babys noch nicht entwickelt genug ist. Damit steigt die Gefahr der Überwärmung bei Babys. Als weiterer Punkt kommt der Atemantrieb infrage, der in den ersten Monaten des Kinderlebens noch nicht voll ausgeprägt und entsprechend unausgereift ist.

Vorsichtsmaßnahmen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einige Maßnahmen formuliert, die dem plötzlichen Kindstod vorbeugen helfen sollen. Diese sehen folgendermaßen aus:

  • Babys sollten grundsätzlich in Rückenlage schlafen. Die Bauch- oder Seitenlage ist möglichst zu vermeiden.
  • Wie schon weiter oben erwähnt, ist ein Schlafsack besser als eine Bettdecke. Nicht ins Babybett gehören Kuscheltiere, Fell, Kissen oder Nestchen.
  • Nichts spricht dagegen, dass das Baby mit im elterlichen Schlafzimmer schläft. Allerdings im eigenen Babybett, nicht im Elternbett.
  • Die Raumtemperatur ist auf ein angenehmes Schlafmaß zu bringen. Optimal ist laut BZgA eine Temperatur, die zwischen 16 und 18 Grad liegt (auch die Eltern schlafen übrigens besser, wenn es nicht zu warm im Schlafzimmer ist).
  • Babys sollten nachts keine Kopfbedeckung tragen. Diese erhöht die Gefahr des plötzlichen Kindstods und ist zudem sowieso überflüssig.
  • Es ist naheliegend, dass die Eltern auf das Rauchen verzichten sollten. Nikotin ist in jeder Hinsicht ein Gefahrenpotenzial.
  • Babys sollten möglichst sechs Monate lang gestillt werden. Experten konnten nachweisen, dass gestillte Kinder nachts leichter aufwachen. Was für gestresste Eltern mit massivem Schlafentzug eher nach einem Nachteil klingt, ist letztlich vorteilhaft. Denn die Gefahr eines Atemstillstands ist geringer, wenn das Kind leichter wach wird.

Die ersten Monate sind die gefährlichsten

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby den plötzlichen Kindstod stirbt, ist insgesamt als gering einzuschätzen. Dennoch: In den Industrienationen ist dieser plötzliche Tod bei Babys zwischen dem zweiten und zwölften Lebensmonat die häufigste Todesursache. Die gefährlichste Phase ist der Zeitraum zwischen dem zweiten und sechsten Monat. Die Tatsache, dass 80 Prozent der Fälle des plötzlichen Kindstods vor Erreichen des sechsten Monats passieren, belegt das deutlich.

In Deutschland starben allein im Jahr 2010 insgesamt 164 Babys (bei 678.000 Neugeborenen), völlig unerwartet und ohne erkennbaren Grund. Für die betroffenen Familien ist das eine Katastrophe, die nicht zu fassen ist. In der Folge quälen die Fragen nach den Gründen und womöglich die über eigenes Verschulden die Eltern zusätzlich zum Verlust des geliebten Kindes. Was letztlich genau zum plötzlichen Kindstod führt, bleibt nach wie vor ungewiss. Doch die genannten Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, kann kein Fehler sein. Lieber ein wenig zu viel machen als eine Kleinigkeit zu wenig. Auch wenn es hundertprozentige Sicherheit leider nicht gibt.

„Die genauen Ursachen sind noch immer nicht vollständig erforscht. Kinder sterben aus scheinbar voller Gesundheit heraus im Schlaf. Studien weisen auf ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren hin – es gibt die Theorie des ‚dreifachen Risikos‘ (‚Triple-Risk‘-Modell): SIDS trifft Kinder mit einer bestimmten Gefährdung bzw. genetischen Veranlagung, wenn – während einer kritischen Phase ihrer Entwicklung – ein äußerer Einfluss hinzukommt, wie z.B. Behinderung der Atmung durch Schlafen auf dem Bauch oder Bettdecke usw. Vermeiden Eltern die bekannten Risikofaktoren in der Umgebung ihres Säuglings, lässt sich das Risiko für ihr Kind für SIDS auf nahezu Null verringern“, erklärt Dr. Werner Sauseng, Leiter der AG Schlafmedizin und Schlafforschung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).

Hauptrisikofaktoren: Bauchlage, Passivrauchbelastung und Überwärmung

Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt, dass das Baby in seinem eigenen Kinderbett, das sich im Schlafzimmer der Eltern befindet, auf den Rücken in einem passenden Kinderschlafsack zum Schlafen gelegt wird.

Die ideale Temperatur zum Schlafen beträgt etwa 18 bis 20 °C. Wärmere Temperaturen können zu einer Überhitzung des Kindes führen, was ebenso als Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod gilt. Übermäßige Wärme beeinträchtigt anscheinend die natürlich Aufwachreaktion des Säuglings, wenn er unter Atemnot leidet bzw. wenn seine Atemwege durch etwas, wie z.B. eine Decke, bedeckt sind.
Bettzeug und Kissen u.Ä. müssen aus dem Kinderbett verschwinden, da sich das Kind darin leicht verheddern, sich nicht mehr selbstständig befreien und ersticken kann. Weiche Matratzen bergen die Gefahr, dass das Baby mit dem Gesicht darin versinkt und nicht mehr richtig atmen kann. „Verzichten Eltern auf das Rauchen, schließen sie einen weiteren Risikofaktor aus. Denn Babys, die im Mutterleib und/oder nach der Geburt Zigarettenrauch ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes SIDS-Risiko. Auf der anderen Seite weisen Säuglinge, die gestillt werden, ein relativ geringes SIDS-Risiko auf“, ergänzt Dr. Sauseng, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Kumberg.

Zusammengefasst rät die ÖGKJ zu folgenden Vorsorgemaßnahmen:

  • Rückenlage im Schlaf.
  • Vermeidung jeglicher Nikotinbelastung.
  • Schlaf des Säuglings im Zimmer der Eltern, aber im eigenen Bett.
  • Feste gut luftdurchlässige Matratze, keine luftundurchlässigen Auflagen, kein Kopfpolster, keine sonstigen Gegenstände wie Stofftiere im Bett.
  • Vermeidung von Überwärmung. Raumtemperatur 18–20 °C.
  • Schlafsäcke (der Größe bzw. dem Alter des Kindes entsprechend, ohne Bänder).
  • Stillen – wenn möglich bis zum 6. Lebensmonat.
  • Evtl. Schnuller (wenn das Stillen bereits klappt), da er auch vorbeugend wirken kann.
  • Bei Erkältungen sollten Eltern besonders aufmerksam sein, da diese auch das Atmen erschweren.

In Hongkong, Neuseeland sowie in den USA machen Kampagnen auch auf die Bedeutung der Impfungen im Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod aufmerksam, denn diese haben neueren Erkenntnissen zufolge ebenso eine mögliche Schutzwirkung gegen SIDS.

Letztes Jahr (2018) starben in Österreich immer noch 8 Säuglinge aufgrund des plötzlichen Kindstods (2017: 9 Todesfälle). Vor dreißig Jahren (1988) – vor Einführung der Kampagnen zur sicheren Schlafumgebung – waren es noch 149 Todesfälle.
Quellen: Monatsschrift Kinderheilkunde, Journal of Community Health, Pediatrics, Archives of Disease in Childhood, Medizinischen Universität Graz , STATISTIK AUSTRIA
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Dies ist eine Pressemeldung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.at. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des ÖGKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

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