Rheuma teste dich

Inhalte

Juveniles Fibromyalgie-Syndrom

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Definition
  • 2 Epidemiologie
  • 3 Ätiopathogenese
  • 4 Klinik
  • 5 Diagnostik
  • 6 Therapie
  • 7 Prognose

1 Definition

Unter dem juvenilen Fibromyalgie-Syndrom versteht man diffuse Schmerzen im Bereich der Gelenke und der Muskulatur, die häufig von Störungen des vegetativen Nervensystem begleitet werden und bei Kindern auftreten, die mindestens das achte Lebensjahr vollendet haben.

2 Epidemiologie

Mädchen sind deutlich häufiger als Jungen betroffen.

3 Ätiopathogenese

Es wird vermutet, dass dem juvenilen Fibromyalgie-Syndrom eine herabgesetzte Schmerzschwelle oder eine zentrale Überempfindlichkeit zugrunde liegt. Belastungen, die von der Allgemeinbevölkerung ohne weiteres toleriert werden, führen bei Patienten mit dem Fibromyalgie-Syndrom zu Schmerzen.

Physische und psychische Überlastungen, Traumen sowie Entzündungen der Gelenke können als Auslöser wirken.

Das juvenile Fibromyalgie-Syndrom kann primär und sekundär auftreten. Bei der sekundären Manifestation stellt die juvenile rheumatoide Arthritis die Grunderkrankung dar.

4 Klinik

Das juvenile Fibromyalgie-Syndrom imponiert durch häufig symmetrische auftretende Schmerzen im Bereich der Gelenke. Die Erkrankung manifestiert sich vor allem an der oberen und der unteren Extremität sowie am Rumpf. Wenn die betroffenen Patienten von ihrer Umwelt nicht ernst genommen werden, verstärken sich die Symptome.

Die betroffenen Patienten werden durch die Schmerzen in ihrem Alltag stark eingeschränkt.

Hinzu kommen vegetative Beschwerden wie z.B. Müdigkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen.

Viele betroffene Kinder und Jugendliche zeigen Symptome einer Depression.

5 Diagnostik

Die Anamnese weist auf die Erkrankung hin. Die betroffenen Kinder und Jugendliche klagen häufig vollkommen emotionslos über ihre Beschwerden.

Die Inspektion der betroffenen Gelenke ergibt einen unauffälligen Befund. Die Schmerzen können die Beweglichkeit der Gelenke einschränken. Häufig können die Gelenke bei der Untersuchung jedoch ohne Einschränkungen bewegt werden.

6 Therapie

Die Behandlung des juvenilen Fibromyalgie-Syndroms ist nicht einfach. NSAR führen in der Regel nicht zur Besserung der Symptome. In einigen Fällen lindern trizyklische Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) die Beschwerden.

Multimodale Therapiekonzepte versprechen den größten Erfolg. Die Kombination aus Physiotherapie, Ergotherapie, psychologischer, ärztlicher und sozialpädagogischer Betreuung kann häufig die Symptome mildern.

7 Prognose

Das juvenile Fibromyalgie-Syndrom führt zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität. Viele Patienten ziehen sich zurück und schränken sportliche Aktivitäten und soziale Kontakte ein. Der Abbau von physischem und psychischem Stress führt häufig zur Besserung der Symptome. Sobald die Patienten jedoch wieder größeren Belastungen ausgesetzt sind, treten wieder neue Schmerzen auf.

Anzeige Teilen

Ganzkörperschmerz ist seit einigen Jahren ein gängiger Begriff geworden, insbesondere für Erwachsene. Ärzte und Fachleute sprechen bei dieser Erkrankung von der sogenannten Fibromyalgie. Die einschlägigen Fachgesellschaften haben im Frühjahr diesen Jahres eine überarbeitete Therapieleitlinie für die Diagnostik und Therapie der Fibromyalgie erstellt. Aber was ist, wenn Kinder unter Schmerzen am ganzen Körper leiden? Leiden sie dann auch unter Fibromyalgie?

Die Antwort ist gar nicht so leicht. Sicherlich können Kinder unter Schmerzen am ganzen Körper leiden; das steht außer Frage. Aber handelt es sich dann auch um eine Fibromyalgie, die durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und Druckschmerz in sogenannten Tender Points (Druckpunkte, z.B. am Ellenbogen) inklusive Müdigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet ist? Die ExpertInnen (insgesamt 50 aus 8 Arbeitsgruppen) sagen: „nein, nicht sicher“. Während die Diagnose im Erwachsenenalter gesichert ist, ist dies bei Kindern und Jugendlichen keinesfalls der Fall. Tatsächlich wurde bisher kaum überprüft, ob die Kriterien der Erwachsenen auch für Kinder und Jugendliche gelten, geschweige denn, ob man anhand dieser Kriterien tatsächlich Fibromyalgie bei Kindern sicher diagnostizieren kann. Die ExpertInnen sprechen daher vom „sogenannten juvenilen Fibromyalgie-Syndrom (sogenanntes JFMS)“, sogenannt, weil viele Forscher an die Existenz des Fibromyalgiesyndroms glauben und es so benennen.

Anzeige

Dieser Meinung konnten sich die deutschen Experten nicht anschließen. Federführender Autor der Leitlinie war der Lehrstuhlinhaber für Kinderschmerztherapie der Universität Witten/ Herdecke und Chefarzt des Deutschen Kinderschmerzzentrums, Prof. Dr. Boris Zernikow, er meint: „Trotz des Streites um den Namen der Krankheit, der eigentlich nebensächlich ist, dass diese Kinder an einem Ganzkörperschmerz leiden und einer spezialisierten Behandlung bedürfen, steht außer Frage“. Genau hinschauen, bevor man diagnostiziert, raten die ExpertInnen. Eine umfassende Diagnostik, die sowohl medizinische als auch psychologische Abklärungen einschließt, ist insbesondere bei Kindern unabdingbar. Andere Erkrankungen wie jugendliche (juvenile) Rheumaerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Psychische Erkrankungen, z.B. kindliche Angststörungen, die bei diesen Kindern sehr häufig zeitgleich bestehen können, müssen in der Therapie berücksichtigt werden. Erst bei der gesicherten Diagnose einer chronischen Schmerzstörung, so die ExpertInnen, wird eine multimodale spezialisierte Therapie empfohlen. Multimodal therapieren – d.h. nicht nur der Arzt behandelt, sondern ein Team aus KinderärztInnen, PhysiotherapeutInnen und Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen ist für die Behandlung verantwortlich.

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum hat sich auf die Behandlung von chronisch schmerzkranken Kindern und Jugendlichen spezialisiert, darunter auch Kinder, die unter Ganzkörperschmerzen leiden. Die Kinder lernen hier im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie unter anderem, ihren Schmerz zu verstehen, selbstständig damit umzugehen und sich trotz bestehender Schmerzen zu bewegen.

Auch das 12-jährige Mädchen Janine leidet vermutlich unter einer chronischen Schmerzstörung und kann mit der Bezeichnung juveniles Fibromyalgie-Syndrom wenig anfangen. Doch ihr kann geholfen werden, so die ExpertInnen. Denn laut ihrer Analysen (sie haben mehr als 150 wissenschaftliche Studien durchforstet) zeigen erste Studien, dass es betroffenen Kindern nach multimodalen Interventionen besser geht. Trotzdem besteht Bedarf nach weiteren Erkenntnissen, z.B. nach klaren Diagnosekriterien für chronische Schmerzstörungen bei Kindern und Jugendlichen, und nach weiteren Therapiestudien, die bestätigen, dass diesen Kindern geholfen werden kann.

Die Leitlinie ist online unter abrufbar.

Kontakt:

Deutsches Kinderschmerzzentrum
Ann-Kristin Ruhe, MScPH
Projektmanagement & Öffentlichkeitsarbeit
Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln – Universität Witten/Herdecke
Dr. Friedrich-Steiner-Str. 5, 45711 Datteln
Tel. 02363-975-193
E-Mail : [email protected]-kinderschmerzzentrum.de

Über uns:

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln – Universität Witten/Herdecke gilt als Referenzzentrum in der Versorgung chronisch schmerzkranker Kinder und Jugendliche. Es baut auf große Erfahrungen in der Behandlung schmerzkranker Kinder und Jugendlicher auf: Schon seit Jahren gibt es hier eine einzigartige Kinderschmerzstation und ein ambulantes Angebot in der Kinderschmerzambulanz.
Im Deutschen Kinderschmerzzentrum wird in Zukunft therapiert, geforscht und daran gearbeitet, die Situation von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen öffentlich zu machen und zu verbessern.

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.450 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Anzeige

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

idw 2012/068. Dezember 2016
Teilen Anzeige

Fibromyalgie

(PantherMedia / HighwayStarz) Greta, 57 Jahre

„Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, immer in der Hoffnung, dass jemand eine Idee haben könnte, wie man mir helfen kann. Ich habe viele Sachen probiert, auch Dinge, die ich selber bezahlen musste. Ich habe jeden Strohhalm gegriffen.“

Ich war ein eher kränkliches Kind, hatte oft Fieber und Schmerzen. Meine Mutter hat sich immer viele Sorgen um mich gemacht.

Ich war auch oft im Krankenhaus, zum Beispiel wegen der Entfernung des Blinddarms und der Mandeln. Schon als Kind habe ich beschlossen, Krankenschwester zu werden. Dieses Ziel habe ich verfolgt und es auch erreicht. In der Ausbildung war ich aber oft krank und habe gemerkt, dass ich nicht so belastbar wie die anderen war. Aber allzu viele Gedanken habe ich mir nicht darum gemacht, sondern mich irgendwie durchgeboxt. Ich hatte sehr viel Freude an meinem Beruf. Privat habe ich geheiratet und Kinder bekommen.

Ich war immer weniger belastbar

Meine Belastbarkeit wurde mit der Zeit jedoch immer geringer, im Beruf und daheim. Vor etwa zwölf Jahren hatte ich einen Bandscheibenvorfall, der operiert wurde. Die Schmerzen sind nach der Operation aber geblieben.

Ich habe alles mögliche ausprobiert, vor allem Schmerzmittel. Ich wollte unbedingt arbeiten. Ich hatte eine Leitungsposition übernommen und sehr lange Arbeitstage mit vielen Aufgaben. Ich hatte mittlerweile auch Schmerzen in den Händen, Füßen, Knien und ein „hämmerndes“ Gefühl im ganzen Körper. Dadurch fielen mir manche Arbeitsaufgaben immer schwerer.

Da muss etwas anderes sein

In der Zeit nach der Operation wurde mir bewusst, dass da noch etwas anderes sein musste. Die Schmerzen waren überall und gingen einfach nicht weg, es war merkwürdig. Die Ärzte waren aber zunächst auf den Rücken fokussiert. Ich bin auch zu einer Reha gefahren, aber dort ging es mir von Tag zu Tag schlechter. Der ganze Körper schmerzte.

Die Schmerzen sind bei mir wie ein Muskelkater, der nie verschwindet. Dazu kommt ein Gefühl der Enge und Muskelanspannung. Zusätzlich habe ich manchmal so einen einschießenden Schmerz, als ob mir ein Messer ins Gewebe gerammt wird. Manchmal habe ich auch eine Art Brennen an den Füßen und Knöcheln und das Gefühl, so eine Art Klumpfuß zu haben. Das schmerzt extrem stark. Manchmal sind die Füße tatsächlich ein klein wenig geschwollen, aber das geht dann wieder weg.

Der Zusammenbruch

Etwa vor acht Jahren hatte ich einen Zusammenbruch, ich konnte einfach nicht mehr. Ich bin zu meinem Hausarzt gegangen. Er hat auf Rheuma getippt, konnte aber nichts Auffälliges finden. Ich habe mich dann in ein Krankenhaus einweisen lassen. Ich wollte unbedingt wissen, was mit mir los ist. Nach 14 Tagen bekam ich dann die Diagnose Fibromyalgie. Da fiel mir ein Stein vom Herzen. Da war wirklich etwas und ich hatte keine „Macke“.

Die Ärztin gab mir eine Informationsbroschüre und die Nachricht mit auf dem Weg, dass ich nicht an meiner Erkrankung sterben werde. Darum bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Aber in diesem Moment wusste ich, dass ich mit diesen Schmerzen alt werde, weil es nichts wirklich gibt, was dauerhaft hilft.

Verzweifelte Suche nach Hilfe

Ich bin von Arzt zu Arzt gerannt, immer in der Hoffnung, dass jemand eine Idee haben könnte, wie man mir helfen kann. Wieder habe ich viele Sachen probiert, auch Dinge, die ich selber bezahlen musste. Ich habe jeden Strohhalm gegriffen.

Diese Heilversprechen aus dem Internet und von vielen Anbietern sind immens. Die Hoffnung ist ja immer da, dass etwas helfen könnte. Gleichzeitig ist es schwer, Hilfe anzunehmen und sich einzugestehen, dass man vieles nicht mehr kann. Menschen mit Fibromyalgie sind oft Perfektionisten. Das macht das Ganze nicht einfacher.

Schließlich bin ich bei einer Schmerztherapeutin gelandet. Sie hat mir Opiate verordnet, die auch geholfen haben. Ich war glücklich und bin arbeiten gegangen. Aber der Effekt hielt nur etwa drei, vier Wochen an. Dann musste die Dosis erhöht werden. So ging das eine ganze Weile und die Dosis wurde weiter und weiter erhöht.

Meine Abhängigkeit von Opiaten

Als ich wieder in einer Rehaklinik in Behandlung war, wurde ich nach wenigen Tagen gefragt, ob ich den Aufenthalt nicht um 15 Wochen verlängern und in die Entzugsabteilung wechseln möchte. Ich war von den Opiaten abhängig geworden. Das war ein Schock für mich. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals von den Tabletten abhängig werden könnte. Ich hatte sie ja verordnet bekommen. Zuerst habe ich mich geweigert, das zu glauben – aber ich habe eingewilligt und war dort ein Vierteljahr in Behandlung. In dieser Zeit habe ich sehr viel für mich gelernt. Ich bin mit dem festen Willen nach Hause gegangen, nie wieder Opiate zu nehmen.

Ich habe wieder angefangen zu arbeiten, aber nach vier Monaten war ich wieder in derselben Schleife. Ich war zickig und verletzbar und irgendwie ein anderer Mensch. Ich nahm auch wieder Opiate. Ich dachte, ich hätte es im Griff – hatte es aber nicht. Ich bin erneut zur Entzugsbehandlung gefahren. Mir wurde dann endgültig klar, dass mir Opiate bei meiner Fibromyalgie nicht helfen, sondern eher schaden.

Die Rente war mein Weg

Noch während dieses Klinikaufenthalts habe ich beschlossen, eine Rente zu beantragen. Die Belastung war für mich zu groß. Ich bin aus meinem Beruf ausgestiegen, habe jedoch gleichzeitig begonnen, mich in der Selbsthilfe zu engagieren.

Der Kampf um Anerkennung schlaucht: in der Öffentlichkeit, beim Arbeitgeber und der Krankenkasse. Ich wollte auch finanziell unabhängig sein – das war ich mein Leben lang. Mein Mann meinte zwar, dass wir versorgt sind und ich mir keine Sorgen machen soll. Aber als der Rentenbescheid da war, war ich sehr erleichtert.

Mein Beruf fehlt mir trotz allem. Mein Mann ist auch vorzeitig berentet worden. Unser gemeinsamer Traum, mehr zu reisen, wenn wir älter werden, ist nicht möglich. Mir fällt langes Sitzen schwer und auch das Einleben in einer fremden Umgebung ist nicht einfach für mich.

Ich habe Zeit gebraucht, meinen Weg zu finden

Ich habe mittlerweile meinen Weg gefunden. Es gibt schon Medikamente, die mir kurzfristig helfen, aber langfristig muss ich selber aktiv werden. Ablenken, rausgehen, mich bewegen. Wichtig ist es, herauszufinden, was einem guttut. Ein Tagebuch zu führen, hilft mir dabei.

Lange habe ich Angst gehabt, mich bei Schmerzen zu bewegen. Ich dachte, die Schmerzen werden vielleicht durch die Bewegung stärker oder ich schade mir damit. Ich habe erst spät erkannt, dass ich meine Kondition stärken und in Bewegung bleiben muss. Es war für mich ein Aha-Erlebnis, dass nichts passiert, wenn ich mich trotz der Schmerzen bewege.

Am Anfang war immer in meinem Kopf: Wenn es mir heute Abend gut geht und ich tanzen gehe oder etwas anderes unternehme, dann wird es mir morgen schlecht gehen. Ich bin mit der Zeit nach und nach dazu übergegangen zu sagen, dass es egal ist, wie es mir morgen gehen wird. Ich lebe im Hier und Jetzt und es ist toll, heute Spaß zu haben. Wenn ich mir das verbiete, weil ich Angst vor morgen habe, dann habe ich gar keinen Spaß mehr im Leben.

Bewegung und Ablenkung sind wichtig

Ich versuche, mich jeden Tag mindestens 20 bis 30 Minuten zu bewegen. Ich gehe zweimal in der Woche zur Wassergymnastik, mache Nordic Walking und fahre Fahrrad, wenn es das Wetter erlaubt.

Wenn ich Sport gemacht habe, bin ich immer total stolz auf mich! Ich habe für mich gelernt: Wenn ich mich nicht bewege, habe ich Schmerzen. Wenn ich mich bewege, habe ich zwar auch Schmerzen, aber ich fühle mich wohler, erhalte meine Beweglichkeit und habe ein Erfolgserlebnis.

Ich weiß heute auch, dass mir Ablenkung gut hilft, mit den Schmerzen umzugehen. Ich musste lernen, dass da niemand ist, der mir die Schmerzen für längere Zeit nimmt und ich selber damit umgehen muss.

Ich kenne meinen Körper seit Jahren nur mit Schmerzen. Wenn ich mich ablenke, sind die Schmerzen zwar noch da, aber ich denke nicht mehr über sie nach. Zum Beispiel habe ich mir das Nähen beigebracht, ich nähe Schmink- und Kulturtäschchen. Wenn ich nähe, habe ich keine Schmerzen.

Einen guten Arzt zu finden, ist nicht einfach

Es gibt keine allgemeingültige Strategie für alle, das macht es auch schwierig für Ärzte. Bei den meisten Menschen mit Fibromyalgie sind die Beschwerden verschieden ausgeprägt. Und das Medikament, das dem einen etwas hilft, hat bei dem anderen oft keinen Effekt.

Ganz wichtig ist es, einen guten Arzt zu finden. Das ist nicht einfach, aber man sollte nicht aufgeben. Manchmal muss man vielleicht ein Stück weiterfahren, aber es gibt gute Ärzte! Das Problem ist ja, dass man bei Fibromyalgie nichts nachweisen kann. Es gibt keinen Labortest oder so. Wichtig ist daher eine gute Ausschlussdiagnostik, also verschiedene andere Erkrankungen zu testen und auszuschließen.

Fehlende Anerkennung

Menschen mit Fibromyalgie haben immer damit zu kämpfen, dass sie nicht krank aussehen. Da können schnell Vorwürfe von anderen kommen – zum Beispiel, man sei unzuverlässig. Oft können Verabredungen nicht eingehalten werden, weil es einem psychisch oder körperlich nicht gut geht. Da braucht es viel Verständnis von Angehörigen und Freunden.

Das ist auch im Berufsleben schwierig: Man kann oft nicht sagen, wie es einem am nächsten Tag geht. Geregelte Arbeitszeiten sind oft schwer einzuhalten. Flexible Arbeitszeiten und angepasste Aufgaben wären für Menschen mit Fibromyalgie super. Aber oft gibt es wenig Bereitschaft bei den Arbeitgebern, die Bedingungen anzupassen.

Auf sich selbst achten

Ich finde es wichtig, sich ernst zu nehmen und ehrlich zu sich zu sein. Vor ein paar Wochen war ich an einem Punkt, an dem es nicht mehr ging. Das anzuerkennen und sich schnell um Hilfe zu kümmern, ist wichtig.

Ich war dann zum Beispiel 14 Tage in einem Krankenhaus. Mir hilft oft eine multimodale Schmerztherapie. Wärme tut mir besonders gut. In den Kliniken wird das Hyperthermie genannt. Ich bekomme dann Bäder in richtig großen therapeutischen Wannen. Auch Moorpackungen helfen mir ganz gut und Yoga. Andere brauchen eher eine Behandlung mit Kälte. Manche Kliniken halten dafür Kältekammern vor. Das alles nimmt einem zwar nicht die Krankheit, aber es kann für eine gewisse Zeit helfen.

Ich finde es wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, für Bewegung und auch Entspannung. Atemübungen, Genusstraining, Aufmerksamkeitstraining … das alles hilft mir. Radfahren tut mir gut, laufen und Wassergymnastik.

Eine meiner Übungen ist, mir selber zu sagen, dass ich Schmerzen habe. Und dies dann so stehen zu lassen. Wenn ich anfange einzuschätzen, wie stark die Schmerzen gerade sind, wo genau sie herkommen, dann bekommen sie einen zentralen Platz in meinem Leben und schränken es ein. Das will ich nicht. Wichtig ist auch zu erkennen, was mir zu viel ist und was ich nicht mehr kann.

Oft denken wir, es sind die anderen, die uns den Druck machen. Ganz oft machen wir uns aber den Druck selbst. Es braucht Zeit, dies zu erkennen.

Meine Krankheit hat einen Namen

Ich habe meiner Krankheit einen Namen gegeben: Erwin. Erwin ist immer bei mir. Ich sage Erwin oft eher „Guten Morgen“ als meinem Mann. Und Erwin meint immer, dass wir heute doch lieber liegen bleiben sollen und besser nicht aufstehen. Dann sage ich: Nee, du kannst ja liegen bleiben. Ich stehe heute mal ohne dich auf. Dann rappelt er sich aber meistens auch mit hoch. Aber ich lasse Erwin nicht mehr vor mir laufen, wie lange Zeit. Entweder neben mir oder hinter mir.

Austausch, Verständnis und Lachen in der Selbsthilfe

Die Selbsthilfegruppe hat mir sehr geholfen. Dort musste ich mich nicht erklären. Dort wurde ich verstanden und ich konnte mich mit anderen austauschen – auch darüber, was anderen im Alltag hilft. Wir lachen auch viel.

Ich bin der Meinung, dass in jeder Krankheit auch eine Chance steckt. Wenn ich nicht krank geworden wäre, hätte ich so viele nette Menschen aus der Selbsthilfe nicht kennengelernt.

Oft besteht ja die Forderung an die Medizin und Wissenschaft, dass etwas gefunden werden muss, das hilft. Das wäre schön, aber ich habe auch eine Eigenverantwortung mir selbst gegenüber. Die Situation ist jetzt wie sie ist, und ich muss das Beste daraus machen.

Für mich war es wichtig zu schauen, was ich in meinem Leben ändern kann, um besser klarzukommen – privat wie beruflich. Das ist sehr hart, sich das ganz realistisch und ehrlich anzuschauen. An manchen Tagen ist es ein Kampf mit Zweifeln und Diskussionen mit mir selber.

Im Kopf habe ich meine Strategien parat. Im Alltag gelingt mir es aber nicht immer, sie umzusetzen. Das ist normal und auch in Ordnung. Wichtig ist es, immer dran zu bleiben, auch an den nicht so guten Tagen. Man sollte sich auch immer mal wieder einen „doofen Tag“ gönnen. Aber am nächsten Tag wieder aktiv zu sein, finde ich wichtig.

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Diese Seite kommentieren oder teilen

Schlagwörter: Chronische Schmerzen, Fibromyalgie, Kopf und Nerven, M79.7, Muskeln, Knochen und Gelenke, Muskelschmerzen, Psyche und Gemüt, Schmerzerkrankung Erstellt am 21. Februar 2018
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Über die Autoren und das Institut

Nervenschmerzen infolge von Stress: Symptome, Diagnose, Behandlung

Für das Auftreten von Nervenschmerzen bzw. Neuralgien kommen vielfältige Ursachen infrage. In der Regel sind sie durch eine Schädigung der peripher im Körper verlaufenden Nerven bedingt. Sie können beispielsweise durch heftigen Druck entstehen, wie bei einem Bandscheibenvorfall, oder durch Verätzungen, Entzündungen und Strahlung. Ebenso gehören Stoffwechselstörungen wie Fettsucht oder Diabetes mellitus zu den Auslösern. Weniger häufig, aber nicht minder schmerzhaft, ist eine Neuralgie durch Stress.

Symptome für Nervenschmerzen durch Stress

Neuralgien machen sich oftmals durch plötzliche, reißende Schmerzen im Versorgungsgebiet der jeweiligen Nerven bemerkbar. Ist der Trigeminusnerv betroffen, können bereits Bewegungen wie Zähneputzen, Kauen oder Sprechen blitzartig einschießende Schmerzen in einer Gesichtshälfte verursachen, die zwar nur wenige Sekunden andauern, sich dafür jedoch alle paar Minuten wiederholen. Typisch für die Interkostalneuralgie, eine Reizung der Nerven zwischen den Rippen, ist ein vom Rücken in die Brustregion ausstrahlender Schmerz, der zum Teil schon beim Atmen auftritt. Gereizte Halsnerven äußern sich durch Beschwerden in Schultern und Armen. Als häufigste Neuralgie gilt die Ischialgie, die, wie der Name bereits vermuten lässt, den Ischiasnerv betrifft. Hierbei strahlen die Schmerzen von der Lendenwirbelsäule über die Rückseite des Oberschenkels bis in die Kniekehle aus.

Diagnose und Verlauf von Neuralgien durch Stress

Oft wird die Diagnose einer Neuralgie erschwert, weil nicht immer eindeutig erkennbar ist, dass es sich um Nervenschmerzen handelt. In vielen Fällen geben die Patienten stechende, teilweise klopfende Schmerzen an, mit denen auch zuckende Muskelbewegungen verbunden sein können. Neuralgien durch Stress lassen sich jedoch anhand umfassender neurologischer Tests nachvollziehen. Bei der Diagnostik bezieht sich der Nervenarzt auf eine Untersuchung der Reizbarkeit der Nerven und der sogenannten Nervenleitgeschwindigkeit mithilfe von niedrig dosiertem elektrischem Strom. Von Vorteil ist es, wenn die Nervenschmerzen durch Stress bereits im Anfangsstadium diagnostiziert werden, da sie unbehandelt an Intensität stark zunehmen und wesentlich häufiger auftreten und damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.

Anzeige

Behandlung einer Neuralgie durch Stress

Auch wenn die Diagnose nicht ganz einfach ist, kann die anschließende Therapie rasch Linderung bringen. Die Behandlung stützt sich dabei auf mehrere Standbeine. Mit rein schulmedizinischen Verfahren lassen sich Nervenschmerzen durch Stress oder andere Ursachen indes häufig nur unzureichend und selten langfristig erfolgreich in den Griff kriegen. Zur Reduzierung der Schmerzhaftigkeit kommen gut dosierbare Analgetika zum Einsatz. Diese werden unterstützt durch verschiedene Psychopharmaka, insbesondere Antidepressiva. Ebenfalls typisch für die Behandlung von Neuralgien durch Stress sind Antiepileptika. Daneben haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

  • homöopathische Verfahren
  • Akupunktur
  • Osteopathie
  • TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation)
  • gezielt gesetzte Injektionen
  • auf Akupressur und Entspannungstechniken beruhende Behandlungsmethoden
  • verhaltensmedizinische Übungen

Insbesondere bei Nervenschmerzen durch Stress gilt es außerdem, die auslösenden Faktoren zu erkennen und dauerhaft zu beseitigen. Neben wirksamen Entspannungstechniken kann vor allem die Veränderung von Verhaltensweisen und eines eingefahrenen Lebenswandels eine erhebliche Besserung bringen und zukünftigen Schmerzattacken vorbeugen. Ebenso empfiehlt es sich, auf gesundheitsschädigende Genussmittel wie Nikotin und Alkohol zu verzichten.

Risiken und Folgen durch dauerhaften Stress

Die Symptome, die infolge chronischen Stresses auftreten, sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Während dem Einen die Überbelastung auf den Magen schlägt, bekommt der Nächste Herzbeschwerden oder andere Probleme. Neben den Nervenschmerzen durch Stress können sich durch eine dauerhafte Anspannung auch folgende Krankheitszeichen bemerkbar machen:

  • Herz- und Kreislaufbeschwerden
  • Störungen des Magen-Darm-Traktes
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Hautirritationen, Allergien
  • Konzentrationsstörungen, Wortfindungsprobleme, Denkblockaden, Vergesslichkeit
  • Muskelkrämpfe, unkontrollierbare Zuckungen
  • Nervosität, Ruhe- und Rastlosigkeit
  • Antriebslosigkeit, chronische Müdigkeit
  • Schluckbeschwerden, Zähneknirschen, Nägelkauen

Schmerzen durch Stress?!

Du fühlst dich getrieben!

Deine Energie ist erschöpft?

Viele Menschen stecken in einer Stress-Schmerz-Spirale! Dann ist der Lebensstil der Grund für körperliche Schmerzen!

Jede Stunden deines Tages ist super durchgeplant und optimiert. Trotzdem fühlt sich dein Akku irgendwie leer an.

Millionen von Menschen haben Stress und Schmerzen. Der Zusammenhang wird auch in der Wissenschaft erkannt. Andauernder Stress ist ein Indikator dafür, dass Schmerzen entstehen können.

Stelle dir vor: der Ausweg aus der Stress-Schmerz-Spirale ist die Veränderung deines Lebensstils!

Stelle dich den Fragen in diesem Artikel!

Ich werde dir zeigen wie du erkennst ob du in der Stress-Schmerz-Spirale steckst!

Schmerzen durch Stress – Die Antworten deines Körpers auf Stress

Jeder reagiert auf Stress mit einer körperlich programmierten Antwort. Doch nicht jeder reagiert auf das Gleiche. Was für den keinen Stress bedeutet, kann dem anderen die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Stress welcher Form auch immer, löst bestimmte Reaktionen im Körper aus.

Sicherlich hat jeder von uns diese Anzeichen des Körpers schon einmal beobachten können:

  • die Atmung wird schneller und flacht ab.
  • Der Herzschlag nimmt zu.
  • Die Haut wird rot und fängt an zu schwitzen, die Hände werden kalt und feucht.
  • Die Muskeln spannen sich an, besonders im Nacken, den Schultern und am Rücken.
  • Der Magen fühlt sich komisch und diffus an.
  • Ein unruhiges Gefühl und innere Unruhe breitet sich aus.

Unsere Antwort auf Stress ist ein normaler biologischer Vorgang. Dieses Programm hat sich evolutionär durchgesetzt. Es schützt uns.

Stress ist eigentlich nur eine mögliche Gefahr, vor der uns unser Körper zu schützen versucht. Es bereitet uns auf einen Kampf vor oder ermöglicht es und zu flüchten. Kampf oder Flucht. Diese beiden Optionen haben uns vor Millionen von Jahren überleben lassen.

Diese uralte Reaktion unseres Körpers auf Stress ist seit tausenden von Jahren die gleiche geblieben. Mit dieser Antwort werden alle Zellen, alle Muskeln und alle Organe deines Körpers beeinflusst.

Schmerzen durch Stress – wenn Gefühle weh tun

Stelle dir eine Situation vor der du dich nicht gewachsen fühlst. Ein Vortrag, ein Gespräch beim Chef oder Rollerfahren in Bangkok.

Es ist nicht die Situation die uns stresst, sondern was wir in der Situation fühlen. Emotionen können körperliche Schmerzen auslösen.

Die Angst einen Fehler zu machen, der Situation nicht gewachsen zu sein ist riesig.

Dein Körper reagiert mit der für dich typischen Stressantwort. Dein Kollege dagegen fühlt sich sicher beim halten des Vortrages. Deine Freundin hat nie Angst vor einem Chef. Dein Freund freut sich auf das Rollerfahren in Bangkok.

Manche sind ruhig und entspannt. Andere drehen in der gleichen Situation durch.

Unser Gehirn wägt in jeder Sekunde ab, ob etwas gefährlich sein könnte. Diese Einschätzungen werden mit allen Erfahrungen abgeglichen die wir gesammelt haben.

Dieser Prozess läuft innerhalb weniger Millisekunden in deinem Unterbewusstsein ab. Du nimmst nur bewusst wahr, was das Ergebnis dieses Prozesses ist. Auch wenn du weißt, dass die kleine Spinne dich nicht fressen wird, deine Angst wird trotzdem ausbrechen wenn sie über deinem Kopfkissen schwebt.

Es gibt einen Teil in deinem Gehirn, der jede Situation betrachtet und eine emotionale Bewertung vornimmt. Dieser Bereich nennt sich das limbische System, du kannst es nicht bewusst wahrnehmen und steuern.

Das limbische System kann auch als das emotionale Gehirn bezeichnet werden. Es liegt zwischen unserem Hirnstamm und den beiden Großhirnhemisphären. Bestehend aus einzelnen Anteilen, wird im limbischen System unsere emotionale Antwort gebildet.

Unsere Erfahrungen und einschneidenden Erlebnisse werden hier gespeichert. Kommt es zu ähnlichen Situationen die wir bereits erlebt haben, erkennt das emotionale Gehirn diese Parallelen. Eine wesentliche Bedeutung scheinen die Erlebnisse zu spielen, welche wir in den frühesten Lebensjahren sammeln.

Eine besondere Rolle nimmt der Teil des limbischen Systems ein der sich Mandelkern nennt. Dies ist das Angst-Zentrum. Hier werden alle wichtigen und gefährlichen Erfahrungen abgespeichert.

Kommen Sinnesreize an, die diesen alten Erlebnissen ähneln, werden Emotionen wie Angst, Wut oder Zorn ausgelöst.

Deshalb nimmt dieser Bereich (das Angstzentrum) eine wesentliche Rolle bei der Bildung von Stressreaktionen ein.

Das limbische System ist dein Emotionales Gehirn. Es bewirkt warum du dich manchmal sicher, ängstlich, verstanden oder nicht beachtet fühlst. Die Prozesse des limbischen Systems nimmst du allerdings nicht bewusst war, sie sind Teil deines Unterbewussten.

Nur ein kleiner Teil dieser Prozesse nimmst du bewusst war. Dieser bewusste Teil liegt in der äußeren Rinde deines Gehirns, dem Cortex oder der Großhirnrinde. Diese Rinde macht vielleicht 5-10 % deines gesamten Gehirns aus.

Die Erfahrung von Schmerzen und die chronische Entwicklung von Schmerzen basieren auf den emotionalen Bewertungen unseres emotionalen Gehirns.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass du deinen Körper und deinen Geist und die gespeicherten Emotionen betrachtest.

Bist du immer wieder den Psycho-Spielchen deiner Kollegen ausgesetzt, ist das ein Stressfaktor.

Dein limbisches System springt an, wenn ein bestimmter Mensch in den Raum kommt. Er hat in dir seelische Schmerzen ausgelöst. Wut oder Angst wird in dir ausgelöst. Deine Muskeln spannen sich an.

Oft schieben wir diese unangenehmen Gefühle zur Seite. Bauen Mauern um uns auf und verdrängen die schmerzhaften Gedanken. Die Muskeln spannen sich trotzdem leicht an, der Herzschlag nimmt zu.

Stelle dir vor, dass sich diese und ähnliche Situationen Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr um Jahr wiederholen. An deinem Körper werden diese Zeiten nicht spurlos vorbei ziehen.

Die Antworten des Körpers auf Stress sind vielfältig: Rückenschmerzen, Knieschmerzen, Schlafstörungen, Hautprobleme, Herzerkrankungen und so weiter.

Schmerzen durch Stress – Rückenschmerzen am Arbeitsplatz

Bevor ein Schmerz dauerhaft unser Leben begleitet, muss der Körper zuvor einige Warnschüsse abgegeben haben.

Oft liegt der Fokus in unserem Alltag, nicht in der Wahrnehmung unseres Körpers und unserer Gedanken. Vielmehr sind wir darauf trainiert, im Außen alle Erwartungen und Wünsche zu erfüllen.

Die eignen Bedürfnisse existieren trotzdem, sie werden nur nicht erhört sondern in den Hintergrund geschoben. Was wir wirklich brauchen und wollen steckt tief in uns. Manchmal so tief, dass wir nicht mehr wissen was wir wirklich im Leben möchten.

Vielen Menschen fällt es schwer sich die Frage zu beantworten, was sie im Leben wirklich erfüllen und glücklich machen kann. Schieben wir diese Frage und unsere tiefen Bedürfnisse immer wieder weg von uns, gehen wir Wege die nicht wirklich zu uns passen. Diese Wege können uns sogar krank machen.

Wir erledigen Aufgaben, die uns keinen Spaß machen. Wir arbeiten in Teams, die uns nicht unterstützen. Wir verfolgen Projekte, die uns eigentlich egal sind. Arbeitest und lebst du nicht an einem Thema, dass dich mit Leidenschaft erfüllt, verlierst du Energie. Wahre Anerkennung wird dich nicht erreichen. Es kommt vielleicht zu ersten Problemen im Berufsalltag.

Wenn du spürst, dass deine Energie immer mehr abnimmt dann achte auf dich! Lerne es nein sagen zu können und Grenzen zu setzen. Es ist wichtig, dass du selbst auf dich achtest. Kein Anderer wird dies für dich übernehmen. Übernimm zu allererst Verantwortung für DICH selbst!

Stress am Arbeitsplatz – was dich belasten kann:

  • Du bist immer wieder mit monotonen Aufgaben beschäftigt. Der Sinn deiner Arbeit ist nicht zu erkennen und du fühlst eine Art Leere in dir.
  • Zu einfache Aufgaben ermüden dich.
  • Du gerätst immer wieder in Konflikte mit Kollegen. Das Betriebsklima fühlt sich unangenehm an.
  • Du fühlst dich von Kollegen nicht unterstützt. Du bist nicht ein Teil das Teams.
  • Du fühlst dich nicht wertgeschätzt und hast das Gefühl deine Arbeit wird nicht anerkannt. Das führt weniger Motivation.
  • Deine Aufgaben sind zu komplex und du hast das Gefühl den Erwartungen an dich nicht gerecht zu werden.
  • Durch die ständige Erreichbarkeit kannst du kaum wirklich abschalten.
  • Du kannst deine kreativen Ideen nicht einbringen und hast das Gefühl nichts bewirken und verändern zu können.

Ab wann macht Stress krank? Wann manifestieren sich die emotionalen Reaktionen in körperliche Beschwerden.

Es muss nicht immer der große Stress sein. Jeder reagiert anders. Dennoch müssen wir bei immer wiederkehrenden Schmerzen an die seelischen Ursachen denken. Bereits der Mix aus Traurigkeit, Angst, Unzufriedenheit, Antriebslosigkeit, Pessimismus kann ausreichen um Schmerzen auszulösen.

Schmerzen durch Stress – 15 Warnsignale erkennen

Körperliche Reaktionen auf Stress sind biologisch normal. Werden diese Reaktionen sehr stark und dauern an können sie belastend und sogar krankmachend empfunden werden.

Dem dauerhaften chronischen Schmerz, müssen bereits andere Symptome und Warnsignale voraus gegangen sein!

Wie reagierst du auf Stress – was ist die Antwort deines Körpers?

  1. Ich spanne den Kiefer an und beiße auf die Zähne.Mir wird sehr warm und ich fange an zu schwitzen.
  2. Mein Herz beginnt schneller und heftiger zu schlagen.
  3. Ich kneife die Augen zusammen und bilde eine faltige Stirn.
  4. Ich ziehe die Schultern zu den Ohren.
  5. Ich atme schneller und nicht mehr so tief in den Bauch.
  6. Die Muskeln der Beine spannen sich an.
  7. Mein Magen verkrampft sich.
  8. Ich muss häufiger auf Toilette.
  9. Ich bekomme Herpes.
  10. Ich kann nicht mehr gut ein – durch Schlafen.
  11. Ich habe Verdauungsprobleme.
  12. Ich habe kein Interesse an Sexualität.
  13. Ich fühle mich häufiger müde und schlapp.
  14. Es fällt mir schwer mich zu konzentrieren.

Dauerhafter Stress führt zu Erkrankungen und chronischen Schmerzen.Chronischen Schmerzen entstehen in der Regel nicht einfach von Heute auf Morgen. Sie entwickeln sich, wenn auch im Hintergrund langsam und stetig.

Schmerz ist eines der wichtigsten Warnsignale des Körpers. Es rettet uns in akuten Situationen, indem es uns blitz schnell reagieren lässt.

Dauerstress und die Körperlichen Folgen sind:

Gehirn: Unser Gehirn verliert langfristig unter Dauerstress. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, du kannst den Fokus auf einen Bereich kaum mehr als wenige Minuten halten. Die Kreativität geht verloren. Sich Dinge zu merken fällt immer schwerer.

Herz – und Gefäßsystem: Stress erhöht den Blutdruck. Dauerhaft wird so der Muskel des Herzens belastet, das Herz läuft einen Dauermarathon. Auch die Wände der Gefäße werden stark belastet. Es kann zu entzündlichen Prozessen an den Gefäßwänden und zu Ablagerungen kommen. Es wird vermutet, dass so Arteriosklerose entsteht. Diese Verkalkung und Schädigung trifft besonders die feinsten Gefäße (Kapillaren). Es kann zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen.

Muskeln: Durch Stress spannt sich die Muskulatur an. Dauerhaft verschlechtert sich so die Durchblutung und Stoffwechsellage im Muskel. Es kommt zu Verspannungen und Schmerzen. Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen sind sehr oft eine Folge. Besonders wichtig sind die Faszien, hier wirken die Stresshormone und Spannungen entstehen.

Verdauung: Stress führt zu einer Überaktivität des vegetativen Nervensystems. Dauerhaft wird die Funktion des Verdauungssystems negativ beeinflusst. Es können Magenbeschwerden, Sodbrennen, Verstopfungen oder Durchfälle entstehen.

Sexualität: Durch andauernden Stress wird die sexuelle Lust gehemmt. Es kann zu Potenzstörungen beim Mann kommen und zu Menstruations-und Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau.

Immunsystem: Ständige Aktivität des gesamten Körpers schwächt das Immunsystem. Es kann eher zu Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Erkältungen kommen. Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose verlaufen schwerer in Stressphasen.
name=“5″>

Schmerz: Ein hoher Spiegel an Stresshormonen erhöht das Schmerzerleben und reduziert die Schmerztoleranz.

Schmerzen durch Stress – 5 Dinge um aus die Stress-Schmerz-Spirale zu stoppen

Was die Wissenschaft über Schmerzen herausgefunden hat ist erstaunlich. Alte Traditionen wie Yoga wissen, das der Geist den Zustand des Körpers beeinflusst und auch anders herum.

Deine Gedanken beeinflussen dein Schmerzerleben

Mit der Kraft deiner Gedanken kannst du dein Schmerzerleben beeinflussen.

Ich habe zum Beispiel Angst davor, wenn mir Blut abgenommen wird. Wenn ich zusehen würde wie die Nadel ausgepackt, an meinen Arm angelegt und durch die Haut gestochen wird dann würde ich nicht im Stuhl sitzen bleiben. Meine Schweißproduktion würde sich um das dreifache erhöhen. Ich entwickelte eine Strategie um diese Prozedur zu überstehen. Ich gucke nicht hin und erspare mir den optischen Stress. Ich bringe meine Gedanken an einen schönen Ort und beeinflusse meinen Atem. Er wird ruhig und tief. Die Situation wird für mich so deutlich angenehmer und eigentlich fast schmerzfrei.

Wenn ich es schaffe in dieser zugegeben harmlosen Situation meinen Geist zu beeinflussen, kann auch eine andere Situation beeinflusst werden.

Die Kraft der Gedanken kann Schmerzen verstärken oder lindern. Wir sind Schmerzen nicht ausgeliefert – wir haben einen Einfluss auf das Erleben und die Schmerzintensität.

Die Erwartung, dass etwas weh tun wird führt dazu das wir eher Schmerzen empfinden.

Top 1 – Bedeutung der Schmerzen reduzieren

Wie stark Schmerzen empfunden werden, hängt auch davon ab wie viel Bedeutung wir ihnen geben. Wenn sich die Gedanken immer und immer wieder um die Gefahr eines Bandscheibenvorfalles drehen, steigt dir Wahrscheinlichkeit eines verspannten Rückens. Du nimmst aus Vorsicht eine Schonhaltung ein, was für den Rücken eher schlecht ist.

Bringe deine Aufmerksamkeit nicht Richtung Schmerz und dessen Bedeutungen der Einschränkung. Lenke dich mit positiven Dingen ab.

Wenn Kinder fallen weinen sie. Wir können als Mutter oder Vater die Aufmerksamkeit des Kindes noch stärker auf den Unfall und den Schmerz lenken. Das Kind wird noch mehr Schmerz empfinden und noch stärker weinen. Wir können es trösten und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf ein Spielzeug oder einen Schmetterling lenken. Das Kind wird sich ablenken lassen, wenn wir das Interesse geweckt haben.

Warum soll das erwachsene Gehirn nicht auch abzulenken sein? Reduziere die Aufmerksamkeit die du dem Schmerz beimisst. Wenn dir das schwer fällt, beginne mit wenigen Minuten jeden Tag.

Top 2 – Lachen und positive Gedanken

Beim Lachen werden Endorphine ausgeschüttet. Gute Laune und positive Gefühle unterstützen die Endorphine im Körper. Endorphine sind körpereigne Glückshormone die schmerzlindernd wirken. Sie werden auch als Glückshormone bezeichnet.

Top 3 – Danke deinen Körper jeden Tag

Du hast Schmerzen und trotzdem gibt es noch so viele andere Funktionen die dein Körper für dich erfüllt. Lehne ihn nicht ab und verurteile ihn dafür, dass er nicht perfekt funktioniert. Bedanke dich dafür, dass er der Tempel für deine Seele ist. Jeder Atemzug, dein Herzschlag, der Fluss deines Blutes, das Hören deiner Ohren und das Sehen deiner Augen. Es gibt so viele Dinge die selbstverständlich funktionieren.

Top 4 – Behandle deinen Körper wie deinen Königspalast

Stelle dir vor dein Körper ist dein Tempel den du ein Leben lang erhalten darfst. Benutze nur gute Materialien: gutes Essen, klares Wasser, frische Luft und angenehme Musik. Verwöhne deine Augen indem du in die Ferne schaust. Verwöhne deine Haut mit gute Ölen und Massagen. Verwöhne deine Muskeln und Gelenke mit Bewegung. Entspanne deine Muskeln mit Entspannungsübungen. Atme jeden tag mindestens 10x tief ein und aus.

Schmerzen durch Stress – Fazit

Die Rolle unserer Gedanken und unserer Emotionen sind scheinbar größer als wir uns eingestehen wollen. Schmerz ist nicht einfach nur ein Körperlicher Faktor dem wir schutzlos ausgeliefert sind.

Es geht nicht darum selbst an den Schmerzen Schuld zu sein. Es geht nicht darum dir selbst die Schuld zu geben. Es geht nicht darum, das du einfach den Schalter im Kopf umlegst und dann ist alles ganz einfach und wieder gut.

Der Weg und die Möglichkeit besteht für uns alle mit unserer Gedankenkraft ein neues weniger schmerzhaftes Leben zu beginnen. Lege den Fokus auf die positiven Momente und umgebe dich mit Menschen die dir gut tun.

QUELLEN:

Schmerzpsychotherapie: Grundlagen-Diagnostik-Krankheitsbilder-Behandlung, Springer, 2017, S. 121

http://www.leading-medicine-guide.ch/Psyche-Nerven/Psychosomatische-Erkrankungen

https://www.palverlag.de/Psychosomatik.html

Weniger Schmerzen – mehr Lebensfreude!

  • 11 Anteile des Schmerzes (was Ärzte nicht immer beachten)
  • Die 3 Grundpfeiler der Gesundheit (und wie du sie nutzt)
  • Die eine Wahrheit die niemand mit Schmerzen hören will
  • Faszien – die Leitungen deiner Schmerzen (verstehe deinen Schmerz)
  • In 3 Schritten weg vom Schmerzmittel

Trage jetzt deinen Namen und deine Email Adresse ein und klicke auf Kostenfrei eintragen. Dann startet dein kostenfreies Email Training.

100 % Datenschutz, kein Spam, vollkommen kostenfrei und über 3000 aktive Leser.Sollten die Techniken für dich nicht passen, kannst du dich jederzeit mit einem Klick wieder austragen.

Der Mensch ist ein echtes Nervenbündel. Etwa 100 Milliarden Nervenzellen hat jeder von uns, und die jagen mit einem Tempo von bis zu 100 Metern pro Sekunde unaufhörlich Informationen durch den Körper.

Sie übermitteln, was wir riechen, fühlen, schmecken oder melden sich, wenn wir Schmerzen empfinden. Aber was ist, wenn die Nerven selbst Auslöser für Schmerzen sind? Knapp fünf Millionen Deutsche kennen diesen Zustand: Sie leiden dauerhaft unter Nervenschmerzen. In BILD am SONNTAG erklären Experten, wie sich erste Signale dieser neuropathischen Beschwerden erkennen lassen, und wie sie therapiert werden.

Patienten-Schicksal

  • Cornelia Lange „Gürtelrose zerstörte Nerven an Schulter und Bein“

    Der große Ratgeber in BILD am Sonntag: Betroffene berichten hier von ihren Symptomen, ihrem Weg damit umzugehen und was ihnen schließlich geholfen hat.

  • Klaus Frederick „Mich quälen stechende Gesichtsschmerzen“

    Der große Ratgeber in BILD am Sonntag: Betroffene berichten hier von ihren Symptomen, ihrem Weg damit umzugehen und was ihnen schließlich geholfen hat.

  • Wolfgang Franzkowski „Durch Diabetes sind meine Nerven geschädigt“

    Der große Ratgeber in BILD am Sonntag: Betroffene berichten hier von ihren Symptomen, ihrem Weg damit umzugehen und was ihnen schließlich geholfen hat.

  • Uwe Folgner „Ständig falle ich hin. Schuld ist mein Ischiasnerv“

    Der große Ratgeber in BILD am Sonntag: Betroffene berichten hier von ihren Symptomen, ihrem Weg damit umzugehen und was ihnen schließlich geholfen hat.

  • Sylvia Ballach „Die Hand schlief ein, dann kamen Schmerzen“

    Der große Ratgeber in BILD am Sonntag: Betroffene berichten hier von ihren Symptomen, ihrem Weg damit umzugehen und was ihnen schließlich geholfen hat.

grafik

  • Grafik So macht der Trigeminus Schmerzen im Gesicht

    Nervenschmerzen können auch im Gesicht entstehen. Was dabei im Gehirn passiert, zeigt diese Grafik. Auslöser für den stechenden, attackenartigen Gesichtsschmerz ist meist der Trigeminusnerv.

Wie sind Nerven aufgebaut?

„Ein Nerv ist vergleichbar mit einem isolierten Kupferkabel, durch das Dutzende von Drähten laufen. Er ist umgeben von einer Isolierschicht aus Fett und Eiweiß“, sagt Dr. Walter Raffauf, Bundesverband Deutscher Neurologen in Berlin.

Auch Interessant

Wie kommt es zum Nervenschmerz?

Dr. Raffauf: „Bei Neuralgien, wie Mediziner diese Erkrankungen nennen, entstehen die Schmerzen durch Schäden am Nerv selbst. Etwa, wenn diese Drähte eingeklemmt oder eingeschnitten werden. Dabei können entweder einzelne Nerven oder Nervenwurzeln betroffen sein oder auch mehrere. Das wird dann als Polyneuropathie bezeichnet. Weil Nerven immer ein bestimmtes Körpergebiet versorgen, kann der Schmerz in diesen Bereich ausstrahlen.“

Welche Nerven können betroffen sein?

„Grundsätzlich alle Nerven unseres Körpers. Sowohl die im Zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn und Rückenmark, als auch die außerhalb, im Peripheren Nervensystem (PNS),“ sagt Dr. Raffauf.

Was schädigt die Nerven?

Dr. Raffauf: „Die Ursachen sind vielfältig. Sehr häufig sind Schäden, wenn Nerven zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall eingequetscht werden, was zum Ischiasschmerz führt. Viren können Entzündungen der Nerven verursachen. Das ist etwa bei Herpes Zoster, der die Gürtelrose auslöst, der Fall. Auch Tumore, die ungehemmt wachsen, können auf Nerven drücken. Weitere Ursachen sind Diabetes und übermäßiger Genuss von Alkohol.“

Was kennzeichnet einen Nervenschmerz?

Dr. Raffauf: „Er ist genauso vielfältig, wie seine Ursachen. Er kann brennen wie Feuer, stechen wie Nadeln oder kribbeln, als würden Ameisen über die Haut laufen. Er kann anfallsweise auftreten, scheinbar ohne äußeren Reiz, oder auch dauerhaft. Oft ist auch die Haut weniger empfindlich gegenüber Reizen durch Berührungen, Kälte, Hitze oder Druck.“

Empfindet jeder Mensch Nervenschmerzen gleich?

Dr. Raffauf: „Nein, kürzlich wurde in einer deutschen Studie herausgefunden, dass jeder Mensch Schmerzen unterschiedlich stark empfindet. Das liegt auch an verschiedenen Varianten von Rezeptoren, die für die Verarbeitung äußerer Reize wie Hitze und Kälte eine wichtige Rolle spielen. Durch diese Erkenntnis hofft man, Neuralgien in Zukunft besser therapieren zu können als bisher. Immer noch müssen viele Patienten sehr lange von Arzt zu Arzt gehen, bis einer die richtige Diagnose stellt.“

Wie kann der Patient diese Ärzte-Odyssee vermeiden?

Dr. Raffauf: „Indem er schon bei den ersten Anzeichen einen Experten, also Neurologen und/oder Schmerztherapeuten, aufsucht. Sehr wichtig ist die genaue Krankheitsgeschichte. Dazu nutzen Ärzte auch einen Schmerzfragebogen. So soll der Patient beispielsweise beschreiben, wie sich der Schmerz anfühlt oder wo er sitzt. Anschließend lässt sich mit der Elektroneurografie die Nervenleitungsgeschwindigkeit messen und feststellen, wie stark die Schädigung ist.“

Wie wird therapiert?

Dr. Raffauf: „So früh wie möglich, um chronische Schmerzen zu vermeiden. Das Ziel muss sein, für jeden Patienten die wirksamsten Medikamente zu finden. Klassische Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure helfen selten bei sehr starken Schmerzen, wie sie eine Trigeminusneuralgie auslöst. Linderung versprechen vielmehr Anti-Epileptika, die nicht nur bei Krampfanfällen helfen, sondern auch Schmerzreize hemmen.“

Sehr häufig ist das Karpaltunnelsyndrom. Wie entsteht es, und wie wird es behandelt?

Dr. Raffauf:„Der Karpaltunnel ist eine natürliche Engstelle im Handgelenk zwischen Daumen- und Kleinfingerballen, durch die der wichtige Handnerv Nervus medianus führt. Der Kanal kann sich verengen, der Nerv hat dann zu wenig Platz – häufig als Folge einer Überbelastung. Hier hilft oft schon eine Handlagerungsschiene für die Nacht. Eine gerade Handhaltung entlastet die Nerven. Eventuell kann Kortison in unmittelbarer Nervennähe gespritzt werden. Tritt keine Besserung ein, wird in einer OP der Nerv wieder freigelegt.“

Was wird getan, wenn der Ischiasnerv eingeklemmt ist?

Dr. Raffauf: „Das passiert häufig durch einen Bandscheibenvorfall. Der Schmerz strahlt dann meist über den Po bis zum Fuß. Hier können antientzündliche Mittel wie Diclofenac die Schmerzen lindern, zusätzlich helfen Physio- und Ergotherapie. Auch lässt sich durch Schwachstrom die Leitung des Schmerzsignals zumindest für mehrere Wochen überdecken. Bleibt die Besserung aus, helfen oft Kortisonspritzen an die geschädigte Nervenwurzel. Zum Schluss bleibt die OP, die den Bandscheibenvorfall und damit die Nervenreizung beseitigt.“

Lässt sich die Polyneuropathie, an der 20 Prozent aller Diabetiker leiden, operieren?

Dr. Gerd Benesch, Neurologe aus Berlin: „Nein. Diese Schädigung der Nerven, die sich durch Missempfindungen in den Armen und Beinen bemerkbar macht, ist nicht heilbar. Die wichtigste Maßnahme ist bei diesen Patienten ein optimal eingestellter Blutzucker. Außerdem helfen Physiotherapie und Medikamente gegen die Schmerzen. Dazu werden auch Antidepressiva eingesetzt, weil sie Botenstoffe wie Serotonin wieder ins Gleichgewicht bringen und so die Schmerzen bremsen.“

Können kaputte Nerven von selbst wieder heilen?

Dr. Raffauf: „Ja, Nerven haben immer die Tendenz, sich zu regenerieren und nachzuwachsen. Voraussetzung ist aber, dass der Zellkern noch gesund ist.“

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Werden Sie Fan von BILD.de-Ratgeber!

Die wichtigsten Rheuma-Symptome in der Checkliste

Ist es Rheuma? Wer Schmerzen in Muskeln und Gelenken hat, stellt sich diese Frage. Dabei ist Rheuma nur ein Oberbegriff für hunderte verschiedene Krankheiten. Die Symptome bei Rheuma in seiner Vielfalt sind aber immer ähnlich. Worauf Sie achten sollten.

Rheuma und seine Symptome: so wird unterschieden

Zahlreiche Krankheiten fallen unter den Begriff Rheuma, darunter

  • Arthrose
  • Arthritis
  • Gicht
  • Weichteilrheuma (Fibromyalgie)
  • Morbus Bechterew (chronische Entzündung der Wirbelsäule)
  • Osteoporose
  • Lyme-Borreliose (durch Zeckenstich)
  • Polymyalgia rheumatica (Entzündung der Blutgefäße, jedoch eher selten)

Die häufigsten rheumatischen Erkrankungen sind chronische rheumatoide Arthritis und Arthrose. Die Anzeichen beschränken sich nicht nur auf allgemeine Gelenkprobleme. Es gibt wesentlich differenziertere Alarmsignale, die Sie mit unserer Liste abfragen können.

Elf typische Anzeichen für Rheuma

Wenn Sie auch nur eine der folgenden Fragen längerfristig – also länger als ein paar Tage – mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie zum Arzt gehen, am besten zu einem Rheumatologen, und sich einmal gründlich durchchecken lassen:

  1. Tut Ihnen morgens beim Aufwachen alles weh – Muskeln und Gelenke?
  2. Sind Ihre Gelenke morgens steif und wird das nach etwas Bewegung besser?
  3. Betrifft das vor allem Ihre Fingergelenke?
  4. Wachen Sie nachts regelmäßig auf, weil Sie Rückenschmerzen haben im Bereich der Lendenwirbelsäule?
  5. Sind manche Gelenke immer wieder geschwollen, etwa Fingergelenke, Handgelenk, Ellenbogen oder Knie?
  6. Beobachten Sie, dass einige Gelenke sich heiß anfühlen?
  7. Haben Sie Gelenkschmerzen?
  8. Betrifft das auch die Zehengelenke?
  9. Wenn Sie länger gesessen haben und dann gehen: Schmerzen Ihre Knie, die Hüften oder Füße?
  10. Sind Ihre Hände besonders empfindlich gegen Kälte und schmerzen dann gleich?
  11. Haben Sie viel weniger Kraft in den Händen als früher?

Werden diese Symptome beachtet und ernstgenommen, lässt sich Rheuma früh genug behandeln. Jede Form von Rheuma, auch rheumatoide Arthritis und Arthrose, kann mit frühzeitiger Behandlung gelindert werden. Die richtige Therapie verhindert in den meisten Fällen schlimme Folgeschäden wie etwa Gelenkzerstörung.

Hilfreich ist es auch, sich etwa über Gicht-Ursachen zu informieren und schnell handeln zu können, wenn es zu Anfällen kommt.

Rheuma bekommen auch Kinder und Jugendliche

Übrigens betreffen rheumatische Erkrankungen nicht nur ältere Menschen. Auch junge Menschen, sogar Kinder, bekommen Rheuma und sollten deshalb auf Symptome achten. Die Rheuma-Liga nennt folgende Zahlen dazu:

  • Pro Jahr erkranken 1500 Kinder neu an entzündlichem Rheuma.
  • Vor allem junge Männer erkranken an Morbus Bechterew.
  • Fibromyalgie betrifft besonders Frauen ab 35 Jahren.

Rheumatische Beschwerden lassen sich manchmal mit der richtigen Ernährung lindern. Jedoch muss hier jeder Patient individuell schauen, was ihr oder ihm gut tut.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen Weitere Artikel zum Thema Arzt erklärt Gründe & Risiken – Ein Speiseröhrenriss ist IMMER lebensgefährlich! Ein Speiseröhrenriss ist IMMER lebensgefährlich! Ursachen und Behandlung – Einseitige Halsschmerzen? Daran kann’s liegen! Einseitige Halsschmerzen? Daran kann’s liegen! Männer und Klimakterium – Wechseljahre beim Mann – die sieben wichtigsten Symptome Wechseljahre beim Mann – die sieben wichtigsten Symptome Machen Sie den Test – Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko? Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko? Orthopäde klärt auf – Wie Bänderriss am Fuß oder Knie behandeln? Wie Bänderriss am Fuß oder Knie behandeln?

Anzeichen dafür, dass du unter Rheuma leiden könntest

Rheuma ist ein Überbegriff für über 400 sehr komplexe Erkrankungen. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist in irgendeiner Form betroffen, Frauen sogar dreimal häufiger als Männer. Die gefährlichste Form sind entzündliche Rheumatismen. Das Tückische daran: Bei entzündlichem Rheumatismus wie Psoriasis-Arthritis richten sich die Abwehrzellen des Immunsystems gegen den eigenen Körper, sind hyperaktiv und greifen gesunde Gelenkinnenwände und Sehnen an. Diese Fehlsteuerung muss gestoppt werden, bevor Schäden entstehen. Dank moderner Therapiemöglichkeiten gelingt das heutzutage sehr gut. Wird eine rheumatische Erkrankung innerhalb der ersten drei Monate erkannt, ist die Chance groß, die Krankheit noch vor dem Auftreten bleibender Gelenksschäden zu erwischen.

„Es gibt heutzutage ausgezeichnete therapeutische Möglichkeiten und Medikamente, mit denen man die Krankheit bei einem hohen Prozentsatz der PatientInnen stoppen kann.“ Diese Früherkennung bedeutet in der Folge keine Probleme im Alltag, im Job und beim Sport. Das erspart den PatientInnen jahrelange Therapie und Schmerzen und sorgt dafür, dass sie selbst dazu beitragen können, den Krankheitsverlauf erheblich zu verbessern. Genau da liegt nämlich die Krux: Kaum eine Krankheit kann man durch gesunden Lebensstil so positiv beeinflussen wie Rheuma. Wie wir uns ernähren und ob wir uns bewegen, ist nämlich mindestens so wichtig wie die Medikamente selbst.

Dr. Schwingenschlögl erklärt, was jede/r von uns tun kann:

1. RAUCHSTOPP

An einem Rauchstopp führt bei Rheuma kein Weg vorbei, weil sich das Rauchen vor allem bei rheumatoider Arthritis doppelt negativ auswirkt. Schwingenschlögl: „Bei jungen Frauen, die rauchen, ist die Wahrscheinlichkeit, an einer rheumatoiden Arthritis zu erkranken, 16-fach erhöht. Rauchen fördert die Bildung spezieller Rheumafaktoren, der CCP-Antikörper. Wenn die vorhanden und positiv sind, kann man davon ausgehen, dass in den nächsten fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit so eine rheumatische Entzündung beginnt.“ Das gilt übrigens auch für das Passivrauchen: „Neue Studien zeigen, dass auch das passive Rauchen einen schlechten Einfluss hat. Es genügt schon, eine Stunde am Tag dem Qualm ausgesetzt zu sein.“ Außerdem wirkt sich Rauchen auf den Krankheitsverlauf ungünstig aus.

2. BEWEGUNG

Damit unsere Gelenke geschmeidig bleiben, müssen sie bewegt werden. Schwingenschlögl: „Sport ist essenziell, weil er die Muskeln stärkt und damit die Gelenke entlastet und stabilisiert werden.“ Jede/r RheumatikerIn sollte Sport machen. Wenn die Gelenke zu sehr schmerzen, sind gelenksschonende Sportarten wie Schwimmen oder Walken eine gute Lösung.

3. ERNÄHRUNG

Eines vorweg: Es gibt keine Rheumadiät, aber Lebensmittel, von denen man annimmt, dass sie sich ungünstig auf die Krankheit auswirken könnten. Schwingenschlögl: „Das sind in erster Linie tierische Fette in Wurst-und Fleischwaren, aber auch in Milchprodukten. Diese fördern im Körper die Bildung der Arachidonsäure, einer bestimmten Fettsäure, die Entzündungen begünstigt. Das ist bewiesen.“ Und auch Süßigkeiten und Softdrinks sind nicht hilfreich: „Süßigkeiten bestehen oft aus billigem Fett, das sich entzündungsfördernd auswirkt. Frauen, die statt Wasser einen Softdrink am Tag trinken, verdoppeln ihr Rheumarisiko sogar.“ Lightprodukte sind da nicht ausgenommen: „Wenn man ständig Softdrinks trinkt, wird das Gehirn auf süß konditioniert und verlangt immer mehr. Lightprodukte haben zwar keine Kalorien, aber eben diesen Gewöhnungseffekt, was langfristig zu einer vermehrten Zuckeraufnahme und damit zu mehr Fettgewebe und Übergewicht führen kann.“ Kommt dann auch noch eine genetische Vorbelastung durch die Familie dazu, ist es sehr wahrscheinlich, dass man im Laufe des Lebens mit einer Form von Rheuma zu tun haben wird.

Mehr zum Thema: Mit diesem Trick schafft ihr es, eure schlechten Gewohnheiten loszuwerden.

4. NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL

„Man weiß, dass Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken. Auch Prooxidantien im Salat und Vitamine im Obst helfen dem Körper, mit der Entzündung fertigzuwerden.“ Fischölkapseln und hochwertige Nahrungsergänzungsmittel mit guter Bioverfügbarkeit sind eine Möglichkeit. Für starke Knochen und viele Stoffwechselprozesse im Körper brauchen wir außerdem Vitamin D. Osteoporose, also Knochenschwund, ist besonders bei Frauen weit verbreitet. Gerade im Winter entwickeln viele einen Vitamin-D-Mangel, der unser Schmerzempfinden erhöht und die Krankheit fördert. Tropfen aus der Apotheke helfen gegen den Mangel.

5. EINS NACH DEM ANDEREN

Die wichtigste Botschaft für RheumapatientInnen: „Sie können nicht alles auf einmal ändern“, so Schwingenschlögl. „Schritt eins wäre, mit dem Rauchen aufzuhören, Schritt zwei regelmäßige Bewegung, um die Gelenke geschmeidig zu halten; Schritt drei eine gesunde, ausgewogene Ernährung.“

Fibromyalgie erkennen – wenn der ganze Körper schmerzt

Wenn der ganze Körper schmerzt, ist oft eine Fibromyalgie schuld daran. Doch Fibromyalgie zu erkennen, ist wegen unterschiedlicher Symptome dennoch schwer.

Wenn der ganze Körper schmerzt, sollte man an eine Fibromyalgie denken. Denn für das Fibromyalgie-Syndrom sind im Grunde genommen vor allem wechselnde Muskel-, Gelenk- sowie Skelettschmerzen typisch. Und die können jahrelang auftreten. Allerdings ist es schwierig, das Fibromyalgie-Syndrom zu erkennen beziehungsweise die Diagnose zu bekommen. Im Grunde genommen begleiten auch Müdigkeit, kognitive Störungen, psychiatrische und multiple somatische Symptome die chronischen Schmerzen.

Patienten wandern von Arzt zu Arzt

Wer von uns kennt das nicht. Brennende Muskelschmerzen, dumpfe Knochenschmerz sowie ziehende Sehnenschmerzen. Oder wenn einfach viele berührungsempfindliche Punkte an Gelenken und Muskeln das Leben schwer machen. Vielfach verstecken sich hinter diesen Beschwerden einfache Krankheitsbilder. Und zwar solche, die durch Über- oder Fehlbelastung der genannten Strukturen verursacht werden.

Die Beschwerden können am ganzen Körper mit wechselnder Intensität und Ausdehnung vorkommen. Doch recht häufig reichen einfache Maßnahmen wie das Auftragen von schmerzstillenden Salben oder Gelen nicht aus, dass sie verschwinden. Stattdessen sind die Beschwerden hartnäckig und bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen.

Die betroffenen Patienten wandern dann von Arzt zu Arzt. Serhalten eine Vielzahl von unterschiedlichen Therapien und werden dennoch nie beschwerdefrei. Da auch der Arzt diesem Krankheitsbild oft ratlos gegenübersteht, werden die Patienten oft als sogenannte „Psycherln“ eingestuft. Man glaubt dann, dass man ihnen nicht wirklich helfen kann, weil sie sich manche Schmerzen einbilden. Dann kommt es oft zur Überweisung zum Nervenarzt oder Psychiater.

Das Fibromyalgie-Syndrom als eigenständiges Krankheitsbild

Dieses Syndrom ist ein eigenständiges Krankheitsbild, welches durch großflächige Schmerzen am ganzen Körper mit zusätzlichen typischen Druckschmerzpunkten charakterisiert ist. Fibromyalgie ist eine typische rheumatische Erkrankung und wird zum Formenkreis des Weichteilrheumatismus gezählt.

Die Krankheit befällt vorwiegend Frauen, hauptsächlich im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Aber auch Männer werden von dieser heimtückischen Erkrankung immer häufiger befallen. So leiden 10 bis 20 % der Gesamtbevölkerung immer wieder an Beschwerden der Weichteile. Darunter versteht man unsere Muskeln, Sehnen, Schleimbeuteln und das Bindegewebe. Die Dunkelziffer der Betroffenen dürfte allerdings wesentlich höher liegen, da viele Menschen nicht zum Arzt gehen oder nicht ernst genommen werden. Eine aktuelle Studie entdeckte übrigens, dass Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom weniger dermale Nervenfasern in Kontakt mit Blutgefäßen haben.

Charakteristische Fibromyalgie-Beschwerden

Großflächige Schmerzen: Wenn der ganze Körper schmerzt, sind meistens ausgedehnte, flächenhafte Muskelschmerzen an oft wechselnden Körperstellen daran schuld. Hauptsächlich treten die Schmerzen aber an der Wirbelsäule und den Extremitäten auf. Ursache dafür, wenn der ganze Körper schmerzt, sind häufig Stress, Kälte und körperliche Betätigung. Die Patienten leiden auch unter Steifheit sowie subjektiv wahrgenommenem Anschwellen der Extremitäten. Zusätzlich treten brennende Hautschmerzen auf.

Typische Druckpunkte (Tender Points): durch mäßigen Fingerdruck an bestimmten Punkten wird ein starker Schmerz ausgelöst. Charakteristisch sind Punkte am Hinterhaupt und unterem Nackenbereich, an der Schultermitte, am Brustbein, an den vorstehenden Punkten am Ellbogengelenk, an der Gesäßmuskulatur, über dem Hüftknochen sowie im Bereich des Kniegelenkspaltes.

Müdigkeit und Erschöpfung: sie sind verschieden stark ausgeprägt. Oft sind sie extrem und treten häufig bereits nach minimalen körperlichen und geistigen Belastungen auf.

Schlechter Schlaf mit Schwierigkeiten beim Einschlafen, oftmaliges Aufwachen in der Nacht, so daß man am Morgen völlig erschöpft erwacht.

Schmerzen und Müdigkeit sind oft so stark, daß die Betroffenen kaum noch arbeitsfähig sind. Viele Patienten können die normalen Arbeiten im Haushalt nicht mehr verrichten oder müssen ihren Job aufgeben.

Psychische Störungen wie depressive Verstimmung, Angstgefühle, emotionale Labilität.

Mannigfaltige Begleitsymptome: Kopfschmerzen, Reizdarm, kalte Extremitäten, trockener Mund, Herzklopfen, Zittern, Engegefühl beim Schlucken, Reizblase und Kreislaufschwierigkeiten. Viele dieser Beschwerden weisen auf eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems hin.

Wenn der ganze Körper wegen der Fibromyalgie schmerzt, so ist natürlich die Lebensqualität des Patienten in einem sehr hohen Maß beeinträchtigt.

Labor, Röntgen oder Ultraschall völlig unauffällig

Das Tückische an der Fibromyalgie ist aber, dass selbst bei oft sehr ausgeprägten Beschwerden alle Untersuchungen wie Labor, Röntgen oder Ultraschall völlig unauffällig sind.

Weichteilrheumatismus läßt sich nur durch eine gründliche klinische Untersuchung eindeutig feststellen. Der Arzt muß den Patienten angreifen, die Funktionsfähigkeit von Muskeln und Gelenken prüfen und die Tender Points testen. Diese Untersuchungen in Kombination mit der Krankengeschichte der Betroffenen ergibt die Diagnose. Natürlich müssen ähnlich verlaufende Erkrankungen aus dem entzündlich rheumatischen Formenkreis oder Stoffwechselstörungen der Muskulatur ausgeschlossen werden.

Ursache und Entstehung der Fibromyalgie

Über Ursache und Entstehung der Fibromyalgie sind zurzeit nur wenige Fakten bekannt. Es wird angenommen, dass verschiedene genetische und familiäre Faktoren eine Rolle spielen. Es konnte bereits nachgewiesen werden, dass Gene, die für die Hormonproduktion im Gehirn verantwortlich sind, bei dieser Erkrankung nicht richtig funktionieren.

Therapeutische Ansätze

Für die Behandlung der Fibromyalgie gibt es leider immer noch kein Wundermittel, aber dennoch eine Vielzahl von durchaus erfolgreichen Therapien. Die Kombination unterschiedlicher Behandlungen wie der Einsatz diverser Medikamente, physikalische Therapien, psychologische Maßnahmen sowie eine Patientenschulung und Erziehung im Umgang mit ihrer Erkrankung hat sich am besten bewährt.

Schmerztherapie

Schmerzstillende Medikamente wie Antirheumatika und Analgetika sind in allen Phasen der Fibomyalgie unverzichtbar. Antirheumatika wirken zugleich auch entzündungshemmend. Eine breite Palette von Medikamenten steht für die orale Anwendung (also zum Schlucken) oder als Zäpfchen zur Verfügung.

Bei akuten Schüben hat sich die zyklische Gabe von Schmerzinfusionen kombiniert mit hochdosiertem Vitaminkomplex besonders bewährt.

Wer längerfristig Antirheumatika einnimmt und magenempfindlich ist, sollte immer einen Magenschutz gleichzeitig zu sich nehmen. Auch die neue Generation der Antirheumatika, die sogenannten Coxibe, kommt bei Magenproblemen zum Einsatz.

Muskelentspannungsmittel eignen sich besonders bei starken Verkrampfungen und Verspannungen der Muskulatur. Diese Medikamente sollten abends eingenommen werden, da sie müde machen können. Als positiver Nebeneffekt kommt es zu einer deutlichen Schlafverbesserung.

Wenn mit den genannten Präparaten keine ausreichende Schmerzreduktion erzielt wird, kann durchaus die Verwendung und schwachen und starken Opioiden erwogen werden. Speziell die Applikation von morphinhältigen Schmerzpflastern wird gut toleriert.

Antidepressiva

Chronische Schmerzen führen jedenfalls zu einer Verarmung verschiedener hormonähnlicher Substanzen in unserem Gehirn. Und damit machen sie die betroffenen Patienten auf lange Sicht auch depressiv. Damit ist der Einsatz von Antidepressiva seit Jahren erfolgreich etabliert. Behandelt wird nicht, weil die Fibromyalgie die Folge einer Depression ist. Sondern weil der Hormonmangel die Beschwerden noch verstärkt.

Die Schmerzlinderung, die Stimmungs- sowie Schlafverbesserung treten nach zirka drei Wochen ein. Einerseits setzt man stimmungsaufhellende und antriebssteigernde Medikamente ein, die man morgens einnimmt. Und andererseits sollen schlaffördernde und entspannende Substanzen helfen, die man vorwiegend abends anwendet.

Lokale Infiltrationen mit Lokalanästhetika

Bei dieser Therapie wird an entzündete Sehnenansätze, an die Tender Points oder in stark verhärtete Muskeln eine kleine Menge eines entzündungshemmenden Medikaments gespritzt. Diese Therapie ist speziell bei ausgeprägten Druckschmerzpunkten äußerst effizient.

Tropisetron und Pregabalin

Beim Wirkstoff Tropisetron handelt sich um einen Serotonin-Rezeptorenblocker, der seit kurzem bei Fibromyalgie-Patienten mit gutem Erfolg eingesetzt wird. Über die Anhebung des Serotoninspiegels im Gehirn werden die Symptome leichter. Die Gabe erfolgt intravenös als Zyklus von zehn Injektionen, anschließend nach Bedarf.

Der Wirkstoff Pregablin verhindert die Freisetzung von schmerzstimulierenden Botenstoffen im Gehirn und beruhigt hyperaktive Schmerzsysteme. Eine Dosierung von 150 bis 600 mg pro Tag, auf zwei Gaben aufgeteilt, wirkt sich auf Schmerz, Müdigkeit, Schlaf- und Lebensqualität laut neuesten Studien gut aus.

Central sensizitation: Intravenöse Behandlung bei Fibromyalgie

Dieses neue Konzept sieht die intravenöse Verabreichung von Lokalanästetika oder schwachen Narkosemitteln in kleiner Dosierung über mehrere Tage vor. In Studien war darauf eine deutliche Schmerzerleichterung feststellbar.

Bewegung, Heilgymnastik

Auch wenn der ganze Körper schmerzt, ist dennoch Bewegung ein wichtiger Teil des Rehabilitationsprogramms. Denn dieerstärkte Bewegung erhöht die Muskelkraft sowie auch die Beweglichkeit. Sie hilft auch bei der Verbesserung der Körperhaltung, stärkt die körperliche Fitness und fördert das Wohlbefinden.

Während Trockenübungen sich auf die Muskelstärke positiv auswirken, ist die Unterwassergymnastik für seine ausgezeichnete Wirkung auf Schmerz und Psyche bekannt. Die Kombination beider Maßnahmen ist daher äußerst sinnvoll. Wobei jedes Training immer ganz behutsam begonnen werden sollte, um Überlastungen der Patienten zu vermeiden.

Da Fibromyalgie-Patienten sehr empfindlich sind, sollte stets einer Einzelheilgymnastik oder Kleingruppen der Vorzug gegeben werden. Programme zur Selbstwahrnehmung des Körpers haben zuletzt äußerst gute Erfolge erzielt. Der Patient lernt hierbei mit seinem Körper und seiner Energie besser umzugehen.

Physikalische Therapien

Lokale Wärmebehandlungen mit Packungen, Galvanisation, Ultraschall und Massagen können den Heilungsprozess erheblich beschleunigen.

Da Fibromyalgie-Patienten zudem immer wieder Wassereinlagerungen im Gewebe aufweisen, kann man durch manuelle Lymphdrainagen den Gewebedruck verringern. Und damit kann man dann auch die Schmerzen erheblich reduzieren. Starke Massagen und Strombehandlungen werden in vielen Fällen nicht gut vertragen. Bei der Fibomyalgie gilt oft: weniger ist mehr!

Thermalkuren

Heilwässer haben durch die im Wasser gelösten besonderen Elemente als auch durch ihre natürliche Wärme einen Heileffekt bei vielen rheumatischen Erkrankungen. Die kurmäßige Anwendung in Verbindung mit physikalischen Therapiemaßnahmen und Unterwassergymnastik bringt den Betroffenen oft große Fortschritte.

Akupunktur

Die Akupunktur ist ja ein seit Jahrtausenden bestehendes Heilverfahren. Wobei es sich auch bei der Behandlung der Fibromyalgie hervorragend bewährt. Im Sinne der Ganzheitsmedizin wird ein Ausgleich im Gesamtenergiehaushalt des Körpers und damit eine Schmerzlinderung bewirkt. Begleitende diätetische Maßnahmen stärken die Grundenergie im Körper. Auch andere alternativmedizinische Therapien wie Neuraltherapie und Chiropraktik können die Beschwerden oft deutlich lindern.

Magnetfeldtherapie

Über die verbesserte Sauerstoffversorgung des Körpers und Abtransport von Stoffwechselschlacken ergibt sich oft eine erstaunliche allgemein wohltuende Wirkung. Und das bringt dann auch eine effektive Linderung der Schmerzen.

Denn das Magnetfeld bewirkt eine Harmonisierung aller Stoffwechselvorgänge im Organismus und greift günstig in unser Immunsystem ein. Die Kombination von lokalen Infiltrationen mit anschließender Applikation eines Magnetfeldstabes (= konzentriertes lokales Magnetfeld) erhöht die Ansprechrate beider Therapien.

Stressbewältigung für PatientInnen mit Fibromyalgie

Im Grunde genommen kann der Stress in der Entstehung der Krankheit eine Schlüsselrolle spielen. Die Patienten sollten jedenfalls auch selbst an der Bewältigung von Stress und anderen widrigen Umständen arbeiten. Oftmals ist es dabei auch wichtig, dass man die Familienmitglieder ebenfalls in die Behandlung einbezieht.

Gut sind auch begleitende psychotherapeutische Behandlungen, wobei im Vordergrund die Patientenaufklärung sowie die Schulung stehen. Auch diese Maßnahmen verbessern die Akzeptanz der eigenen Erkrankung.

Homöopathie

Der Einsatz von stark verdünnten und pflanzlichen Essenzen hat zunehmend mit großem Erfolg in unsere Praxen Einzug gehalten. Auch bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom werden die homöopathischen Substanzen verwendet. Und sie stellen dann sowohl eine Ergänzung als auch eine Alternative zur klassischen Schulmedizin dar.

Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga und Qi Gong unterstützen eine erfolgreiche Behandlung.

Jeder Fibromyalgie-Patient braucht ein individuell geschneidertes Therapieprogramm. In den meisten Fällen ist eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen erforderlich. Dabei ist das enge Zusammenarbeiten zwischen Arzt und Patient von großer Bedeutung.

Fazit. Dank einer Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten kann den Betroffenen heute effektiv geholfen werden.

Literatur:

Juhi Bhargava; John A. Hurley. Fibromyalgia. StatPearls . Last Update: November 29, 2019.

Burtscher A. Fibromyalgie.MMW Fortschr Med. 2019 Feb;161(2):45-48. doi: 10.1007/s15006-019-0132-5.

  • vonPamela Dörhöfer schließen

Das Fibromyalgie-Syndrom verursacht Schmerzen am ganzen Körper, lässt sich aber nicht nachweisen. Viele Betroffene rennen von einem Arzt zum nächsten.

Schmerzen über den gesamten Körper verteilt. Doch der Arzt findet nichts. Die Blutuntersuchung zeigt keine ungewöhnlichen Werte, kein Befund im Röntgenbild, nichts Auffälliges bei der Kernspintomographie. Auch der nächste Mediziner kann keine Ursache ausmachen, der übernächste ebenfalls nicht. Freunde und Angehörige reagieren allmählich genervt ob des ständigen Wehklagens, man selbst fühlt sich unverstanden, zu den quälenden Schmerzen gesellen sich zunehmend psychische Probleme – die wiederum dazu führen, dass die körperlichen Beschwerden noch stärker empfunden werden. „Patienten, die unter einem Fibromyalgie-Syndrom leiden, durchleben oft diesen Teufelskreis“, sagt Michael Stimpel, Professor für Innere Medizin an der Universität Köln und Chefarzt der Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg, einer Fachklinik für Orthopädie, Psychosomatik und Innere Medizin.

Das Fibromyalgie-Syndrom ist eine Erkrankung, die – obwohl keineswegs selten – auch viele Ärzte nicht richtig kennen und deren Ursachen längst nicht vollständig erforscht sind. „Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose“, sagt Michael Stimpel – eine Diagnose, die dann gestellt wird, wenn andere Erkrankungen, die mit vergleichbaren Symptomen einhergehen, aufgrund der Befunde nicht in Frage kommen. Im Falle des Fibromyalgie-Syndroms wären das etwa eine im Röntgenbild gut sichtbare Arthrose oder rheumatische Erkrankungen, die meist mit erhöhten Entzündungswerten im Blut verbunden sind.

Viele unterschiedliche Beschwerden

Typisch ist ein Potpourri an Beschwerden: Im Vordergrund stehen über den Körper ausgebreitete Schmerzen vorwiegend an Muskeln und Sehnen, die unterschiedlicher Stärke und Natur sein können, sagt Stimpel: „Sie können als ziehend, dumpf, brennend oder als ein Spannen empfunden werden. Bei manchen Patienten ist die Intensität so schlimm, dass sie sich nicht mehr anfassen lassen können.“ Häufig betroffene Partien sind Schulter, Rücken, Arme und Beine.

Zu den Schmerzen gesellen sich meist Begleitsymptome wie Müdigkeit, Schlafstörungen und psychische Probleme bis hin zu Depressionen. Als überholt werden indes die „Tenderpoints“ angesehen, über den Körper verteilte, genau festgelegte Stellen. Löste schon sanfter Druck auf elf von 14 dieser Punkte Schmerzen aus, so galt das jahrelang als sicheres Indiz für ein Fibromyalgie-Syndrom. Heute wird die Aussagekraft der Untersuchung bezweifelt, in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin spielt sie keine Rolle mehr. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist aber die Dauer der Beschwerden: Sie müssen seit mindestens drei Monaten bestehen.

Allerdings können die schmerzenden Stellen auch „wandern“ und sich zudem in ihrer Art verändern, sagt Michael Stimpel – was die Diagnose noch schwieriger macht. Zudem differieren die Schweregrade bei den Patienten stark: „Manche leiden nur unter leichten Schmerzen, mit denen sie gut umgehen könnten, andere hingegen büßen extrem an Lebensqualität ein“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin und ärztliche Psychotherapeut. Und auch das ist unterschiedlich: Die Erkrankung kann schleichend beginnen oder auch quasi „über Nacht“ plötzlich da sein.

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen, damit sich ein Fibromyalgie-Syndrom ausbildet. Eine genetische Disposition scheint demnach eine Voraussetzung zu sein, aber auch körperliche und seelische Auslöser spielen eine Rolle. Nicht selten hätten Patienten in ihrer Kindheit Traumatisches erlebt, hat Michael Stimpel beobachtet, der bereits viele Menschen mit Fibromyalgie-Syndrom behandelt hat. Auch Probleme am Arbeitsplatz oder in der Familie können das Entstehen der Erkrankung begünstigen. Forscher haben zudem festgestellt, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn der Patienten gestört ist. Ihre Schmerzschwelle ist gesenkt – und kann im Krankheitsverlauf durch falsche Therapie und die stetige Beschäftigung mit dem Schmerz noch weiter herabgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es umso fataler, dass die Mehrzahl der Patienten oft über einen langen Zeitraum hinweg ergebnislos von einem Arzt zum nächsten rennt. „Im Schnitt vergehen sieben bis acht Jahre bis zur richtigen Diagnose“, sagt Michael Stimpel. Das allein ist dramatisch genug. Verschlimmernd kommt aber noch hinzu, dass den Patienten ihre Beschweren häufig nicht geglaubt werden, andere sie für „eingebildet“ oder „psychosomatisch“ halten, wie Oliver Emrich, Leiter des Schmerzzentrums Ludwigshafen und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, erklärt. So werde das Fibromyalgie-Syndrom vor Sozialgerichten, Behörden und medizinischen Diensten immer noch nicht „als eigenständige definierte Krankheit angemessen gewürdigt“.

Über die Zahl der Menschen, die unter einem Fibromyalgie-Syndrom leiden, gibt es keine genauen Angaben, Schätzungen gehen davon aus, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Die meisten von ihnen sind Frauen. Häufig macht sich die Erkrankung erstmals im Alter zwischen 35 und 40 Jahren bemerkbar.

So komplex das Krankheitsbild, so schwierig die Diagnose – so wenig existiert eine Therapie, die für alle passt. Einen „Goldstandard“ gebe es nicht, sagt Oliver Emrich, die Behandlung müsse individuell ausgerichtet werden. Grundsätzlich gilt aber: Herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac, die sonst bei Weichteil- oder Muskelschmerzen gerne verordnet werden, bringen beim Fibromyalgie-Syndrom oft nichts, sagt Michael Stimpel. Obwohl bisher in Deutschland kein Medikament für die Behandlung des Fibromyalgie-Syndroms zugelassen ist, werden in den Leitlinien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie bei begleitender Depression und/oder Angststörung die zeitlich begrenzte Gabe von Antidepressiva empfohlen. In Frage kommen etwa Duloxetin, ein sogenannter Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, und Amytryptilin, ein „trizyklisches Antidepressivum“. Helfen diese Mittel nichts, kann das Antiepileptikum Pregabalin eine Alternative sein.

Medikamente haben oft Nebenwirkungen

Allerdings können all diese Medikamente natürlich auch Nebenwirkungen haben, je nach Präparat unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden und Gewichtszunahme. Abhängig mache aber keines der Mittel, betont Michael Stimpel. Er sieht eine „multimodale Therapie“ als am wirksamsten an. Eine solche Behandlung beinhaltet „aktivierende Komponenten“ – Physiotherapie, Ergotherapie, Entspannung und körperliches Training – ebenso wie Psychotherapie. Medikamente könnten in diesem Konzept einen „zeitlich begrenzten Stellenwert“ einnehmen und eine Selbsthilfegruppe den Patienten zudem dabei helfen, soziale Bindungen wiederaufzunehmen.

Als umstritten indes gilt die Wirkung verschiedener komplementär-medizinischer Therapien. „Das Internet ist voll mit solchen Angeboten“, sagt der Mediziner. Die Orientierung und Unterscheidung von seriös und nicht-seriös fällt Menschen auf der verzweifelten Suche nach Hilfe oft schwer. Die deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin warnt vor den oft dargebotenen Heilsversprechen, für pflanzliche und homöopathische Tabletten oder Diäten gebe es keinen Wirknachweis. Manchen Patienten könne Akupunktur Linderung verschaffen, sagt Michael Stimpel, anderen Wärme oder Kälte – „ein Heilmittel sind diese therapeutischen Möglichkeiten jedoch nicht“.

Eine wichtige Rolle bei der Therapie spiele aber in jedem Fall Bewegung. Ein sensibles Thema für die Patienten: Denn die Mehrheit vermeidet sie aus Angst vor Schmerzen – und bewirkt damit das Gegenteil, wie der Mediziner erklärt: Schonung führe zu einer Verschlechterung des Zustands, weil sich dadurch unter anderem Muskeln verkürzen und Fehlstellungen durch die unterschiedliche Belastung der Gelenke entwickeln könnten. Es gelte, das richtige Maß zu finden, denn Überforderung durch Sport sei ebenfalls kontraproduktiv. Michael Stimpel empfiehlt, „mit kleinen Schritten in Bewegung zu kommen“, etwa mit Spaziergängen oder Fahrradfahren anzufangen.

Doch gleich ob Tabletten, Psychotherapie oder Bewegung – heilen lässt sich ein Fibromyalgie-Syndrom in der Regel nicht, wohl aber erheblich bessern, sagt der Arzt. „Patienten müssen akzeptieren, dass die Erkrankung sie vermutlich ein Leben lang begleiten wird und dass es auch immer wieder Rückschläge geben kann. Sie müssen deshalb lernen, sich nicht von den Schmerzen beherrschen zu lassen und sie in ihr Leben zu integrieren.“

Und ein Trost mag es für alle Leidgeplagten sein, dass die Erkrankung sich nicht fortschreitend verschlechtert „und nur bei Vemeidungsverhalten, Schonung und Fehlhaltung“ degenerative körperliche Veränderungen mit sich bringt. „Eine der typischen Ängste ist es, im Rollstuhl zu enden“, sagt Michael Stimpel: „Doch dazu führt ein Fibromyalgie-Syndrom nie.“

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.