Reittherapie für kinder

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Reiten für Kinder – ein Spaß mit hohem Risiko

Reiten für Fitness und Seele

Die meisten Sportmediziner halten viel vom Reitsport, oft empfehlen sie ihn sogar als Therapie, auch für Kinder. Die Gründe sind vielfältig: Reiten trainiert den ganzen Stütz- und Bewegungsapparat, vor allem die Lendenwirbelsäule und das Becken und wirkt deshalb vorbeugend und heilend bei Haltungsschäden. Da sich der Reiter den unterschiedlichen Gangarten des Pferdes rhythmisch anpassen muss, begünstigt das Reiten auch den Kreislauf und die Herzfunktion. Die inneren Organe werden intensiv durchblutet, sogar die Verdauung funktioniert besser.
Aber auch auf die seelische und soziale Entwicklung von Kindern hat das Reiten offenbar eine ausgleichende und fördernde Wirkung:

  • Im Umgang mit dem Pferd und bei seiner Pflege übt das Kind Verantwortung und Fürsorglichkeit.
  • In der verwirrenden Seelenlage der Pubertät dient das Pferd als guter Zuhörer und Objekt zum Liebhaben.
  • Da Reiten Gruppensport ist, lernt das Kind auch, sich in einer Gruppe zurechtzufinden.
  • Schließlich hebt es das kindliche Selbstbewusstsein ganz ungemein, mit einem so großen Tier umgehen und es lenken zu können.

Nach Statistiken der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) passieren hierzulande jedoch jedes Jahr zwischen 30 000 und 93 000 Unfälle mit Pferden. Reiten gehört zu den drei unfallträchtigsten Sportarten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Über 50 Prozent aller Patienten, die wegen eines Reitunfalls im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind unter 18 Jahre alt. Junge Reiterinnen sind besonders gefährdet: Mädchen unter 14 Jahren machen zwar nur etwa 18 Prozent der organisierten Reiterinnen in Deutschland aus, sie sind jedoch bei 40 Prozent aller Reitunfälle betroffen.

Beinahe so gefährlich wie Autounfälle

Dabei ist die Schwere der aus Reitunfällen resultierenden Verletzungen im Vergleich zu anderen Sportarten besonders hoch. Im Durchschnitt weisen lediglich Kinder und Jugendliche, die von einem Auto angefahren wurden, schwerere Verletzungen auf als diejenigen, die beim Reiten verunglücken.

Aktuelle Studien zeigen: Die Hälfte der Kinder (52,6%) erlitt Verletzungen an Armen und Händen, jedes Fünfte (18,4%) zog sich Verletzungen am Kopf zu. In jedem zehnten Fall (10,6%) wurden Wirbelsäule oder Rücken in Mitleidenschaft gezogen. Und dies, obwohl die meisten jungen Reiterinnen eine adäquate Schutzkleidung – in 87,7 Prozent der Fälle einen Helm – getragen haben.

Gefährliche Tritte und Bisse

Die Gefährlichkeit des Umgangs mit Pferden ergibt sich unter anderem aus der mit der Größe und Kraft eines Pferdes entstehenden kinetischen Energie und seiner Unkontrollierbarkeit. Die Stiftung Kindergesundheit rechnet vor: Ein Pferd besitzt eine Masse von ca. 500 kg und ist bis zu zwei Metern hoch. Der Kopf des Reiters befindet sich bis zu drei Meter über dem Boden.
Ein Pferd kann bis auf 65 km/h beschleunigen und bringt bei einem Tritt eine Kraft von bis zu einer Tonne auf. Es ist ein Flucht-, Herden- und Steppentier und benimmt sich oft entsprechend. Wird es in die Enge getrieben, verteidigt es sich mit Huftritten und Bissen. „Pferde sind keine Sportgeräte, sondern autonom denkende und dabei unberechenbare Lebewesen“, betont Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck.

Lieber Reithelm als Kappe!

Pferde haben ihre Eigenheiten. „Eltern sollten es sich deshalb gut überlegen, ehe sie ihr Kind zu Reitstunden anmelden“, so Professor Berthold Koletzko. „Selbst Zehnjährige sind nicht unbedingt schon in der Lage, mit einem großen Pferd auch in kritischen Situationen angemessen umzugehen. Hinzukommt, dass viele Kinder und Jugendliche als Anfänger ihre Reitfähigkeiten oft überschätzen“.
Um Verletzungen vorzubeugen, sollten Eltern pferdenärrischer Kinder darauf achten, dass ihr Kind

  • sorgfältig mit den Eigenarten des jeweiligen Pferdes umzugehen lernt;
  • nie allein ausreitet, wenn es nicht schon sehr sicher im Sattel sitzt; und
  • immer einen Reithelm trägt und zwar auch bei Arbeiten im Stall! Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ warnt davor, aus falschem Traditionsbewusstsein noch einfache Reitkappen zu tragen, die nicht vor Verletzungen schützen. Wichtig zu wissen: Die seit 1996 gültige Norm für Reithelme EN1384 wurde zum Ende 2014 außer Kraft gesetzt. Derzeit gültig ist die Übergangsnorm „VG1 01.040 2014-12“ (kurz auch „VG1“ genannt). Nach dieser Norm werden Helme so lange produziert, bis eine neue europäische Sicherheitsnorm (vermutlich noch in diesem Jahr) in Kraft getreten ist. Die neue Norm soll voraussichtlich EN 1384:2016 heißen.
  • Fahrradhelme sind keine echte Alternative. Sie werden nicht auf seitliche Quetschungen geprüft, die einen Hufaufschlag simulieren sollen. Für diesen Ernstfall kann kein Fahrradhelm Sicherheit bieten.
  • Wichtig sind auch passende Sattel, eine bequeme Reithose und feste Stiefeln ohne Profilsohle. Für Kinder empfiehlt sich auch das Tragen einer versteiften Reitschutzweste.

Ungeübte Reitende haben ein höheres Verletzungsrisiko. Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt deshalb sowohl erwachsenen Reitern als auch pferdebegeisterten Kindern eine kontinuierliche Teilnahme an Falltrainingsprogrammen, wie sie von der Reiterlichen Vereinigung (FN) deutschlandweit angeboten werden.

Eine gute Vorübung für das Reiten und zugleich auch für jüngere Kinder geeignet ist das Voltigieren. Dabei lernt das Kind das Turnen auf einem im Kreis laufenden Pferd, aber auch den richtigen Umgang mit dem Tier und – was besonders wichtig ist – das richtige Fallen, mit dem man Sturzverletzungen vorbeugen kann.

Ein letzter wichtiger Hinweis der Stiftung Kindergesundheit gilt erwachsenen Autofahrern: Seien Sie vorsichtig, wenn Sie reitende Kinder mit Ihrem Auto überholen! Falls Sie zu nahe an einem Pferd vorbeifahren, könnte das Tier scheuen und das Kind gefährden.

Stressabbau für Kinder durch Reiten

Grundsätzlich ist es für alle Menschen geeignet, die sich von Pferden angezogen fühlen.
Die Anziehung kann der Schlüssel dafür werden, dass die Kinder und Jugendlichen über ihren Schatten springen und sich auf Neues einlassen.
Außerdem können Pferde auch diejenigen erreichen, die im herkömmlichen Sinne „therapiemüde“ sind.
Unter anderem bewirkt das Kinder-Reiten:
* die Anregung aller Sinneswahrnehmungen und eine Steigerung des
* Selbstbewusstseins oder Selbstwertgefühls,
* ein besseres inneres und äußeres Gleichgewicht zu finden,
* dass die Kinder aktiver oder ruhiger werden,
* eine Erweiterung der Konzentrationsspanne,
*eine Verbesserung des Einfühlungsvermögens sowie ein besserer Umgang mit den eigenen Gefühlen.

Reiten für Kinder kann auch einfach ein positives und unbelastetes Erlebnis in einem ansonsten empfundenen belastenden Alltag sein.

Stress ist ein Thema, das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Immer mehr Menschen geraten jedoch in ein Hamsterrad, können sich nicht mehr entspannen und es fehlt ihnen die Möglichkeit der Regeneration.
Die Stressbewältigung ist für Sie eine Möglichkeit mehr über das Thema Stress zu erfahren und dadurch erste Schritte in die Stressbewältigung und den persönlichen Stressabbau zu unternehmen.
Pferde faszinieren uns, sie berühren uns durch ihre analoge Kommunikation besonders auf der emotionalen Ebene und halten uns zu ständiger geistiger und körperlicher Bewegung an.
Durch ihr unvoreingenommenes und wertfreies Wesen hilft der gemeinsame Freund Barrieren zu überwinden und Freundschaften zu knüpfen.
Wenn der Mensch mit dem Pferd arbeitet, von und mit ihm lernen und ihn zu seinem Partner machen möchte, muss er ihm diese Sicherheit geben.

Die Partnerschaft basiert auf 3 Grundregeln:
Aufmerksamkeit,
Vertrauen und
Respekt

Was kann in der Reittherapie gefördert werden?Körperwahrnehmung: Im Bewegungsrhythmus mit dem Pferd lernt der Mensch seinen Körper zu spüren, er erfährt Körperkontakt, lernt Nähe auszuhalten und zu geben.Emotionen: Das Pferd spiegelt Emotionen ganz direkt und unverfälscht wieder und macht dadurch innere Prozesse sichtbar.Sozialverhalten: Im Kontakt mit dem Pferd kann Vertrauen neu erlernt werden. Man kann sich willkommen fühlen:Das Reiten fördert Konzentration und Ausdauer.Pferde suchen in ihrem Gegenüber auch jemanden, der sie führt. Sie folgen ungern einer Person, die kein klares Gespür für sich selbst hat. Pferde reagieren auf Mensche, die Unsicherheit, Zwang und Aggression in sich tragen, zunächst eher abweisend d.h. sie sind nicht so leicht bereit zu folgen. Somit fordert das Pferd die Menschen auf, im Prozess des Miteinanders das eigene Verhalten zu überdenken. Die Zügel selbst „in die Hand“ nehmen bedeutet für viele einen wichtigen Entwicklungsschritt zu mehr: Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Man kann die Erfahrung machen,dass dieses große, respekteinflößende, 400 – 600 kg schwerer Lebewesen dahin geht, wo man möchte. Auf dem Pferd sitzen ermöglicht das intensive Erspüren der Bewegungen des Pferderückens.

Reiten fördert:
* die eigene Körperwahrnehmung,
* Koordination und Motorik
* lösen unter Umständen Verspannungen oder Rückenschmerzen
* und stimulieren das seelische Fühlen und Empfinden.
Putzen fördet:
* Beziehungsaufnahme
* Erwerb von praktischen Fähigkeiten
* Abbau von Berührungsängsten
* Förderung der Achtsamkeit
* Eingehen auf Bedürfnisse anderer

Es geht dabei nicht in erster Linie um ein „Sauber machen des Pferdes“, sondern vielmehr um eine Intensivierung des Körperkontaktes. Dabei können Emotionen entstehen von Wohlbefinden, Freude, aber auch Angst und Ekel. Es geht dabei auch um Berühren/Berührt werden, und um das Zulassen und Erleben von Körpernähe. Man lernt wahrzunehmen, wo und wie das individuelle Pferd sich gerne berühren und verwöhnen lässt – und wo es eigene Bedürfnisse gibt, sich dem Pferd zu nähern.
Dadurch wird das Fremd- und Selbstempfinden gestärkt.
(Quellen: menschundpferd.de; orenda-ranch.com; reittherapie.de)

11 Gründe, warum jedes Kind mit Pferden aufwachsen sollte

Zu Beginn muss natürlich gesagt werden, dass sich sicherlich nicht jede Familie ein eigenes Pferd leisten kann und dadurch auch nicht jedes Kind mit einem eigenen Pferd aufwachsen kann. Pferde sind ein teures Hobby und auch nicht jeder wird in eine Reiterfamilie geboren. Aber bereits der Besuch einer Reitschule oder ein Pflegepferd können die Kindheit um einiges bereichern. Und den Grundstein legen, sich im Erwachsenenalter schließlich selbst den Traum vom eigenen Pferd zu erfüllen.

Viele Kinder haben das Glück, dass sie mit den Pferden aufwachsen dürfen und ihre Eltern sie unterstützen können. Wissenschaftler haben festgestellt das Reiter von Natur aus entschlossener, enthusiastischer, durchsetzungsfähiger und belastbarer sind und starke Führungsfähigkeiten besitzen.

Aber eigentlich brauchen wir doch gar keine Wissenschaftler, die uns sagen, dass das Aufwachsen mit Pferden schöner ist als ohne. 😉

1. Pferde lehren, Verantwortung zu übernehmen

Wer sich ein eigenes Pferd anschafft, muss sich auch um das Tier kümmern. Kinder lernen hier sehr schnell, dass das Pferd sich nicht selber versorgen kann und man auch bei schlechtem Wetter raus in den Stall muss. Im Stall fallen sehr viele verschiedene Arbeiten an, die auch täglich erledigt werden müssen. Das beginnt beim Misten des Stalles bis hin zum Füttern des Pferdes.

2. Reiten ist ein Sport

Viel zu viele Kinder verbringen zu viel Zeit vor dem Fernseher, dem Computer oder dem Handy. Beim Reiten ist das Kind draußen in der Natur und hält sich körperlich fit.

3. Pferde helfen Kindern, Freunde zu finden

Die meisten Reiter finden ihre wahren Freunde im Stall. Freunde, die nichts mit Pferden zu tun haben, haben oftmals kein Verständnis für Pferde und dass man so viel Zeit und Geld investiert.
Stallfreunde begleiten einen oft sein ganzes Leben lang und auch noch nach 20 Jahren erzählt man sich die lustigsten Geschichten aus dem Stall.

4. Erinnerungen aus dem Stall wirst du nie vergessen

Ob es die goldene Schleife ist, die man auf seinem ersten Turnier gewonnen hat. Die blauen Zehen, die man regelmäßig von seinem Pferd verpasst bekommen hat. Oder der gestreckte Galopp am Strand. Diese Erinnerungen und Geschichten sind Momente, die man niemals mehr im Leben vergisst und gerne mit seinen Freunden teilt.

5. Wer ein Pferd hat, braucht keinen Freund

Seht her Väter! Mädchen, die mit Pferden aufwachsen, brauchen keine Jungs. Sie haben ihre Pferde als Partner. Denn Reiterinnen verbringen einen Großteil ihrer Zeit im Stall – und wenn die Leidenschaft selbst nach der Pubertät nicht abreißt, kann man sich sicher sein: Einmal Pferdemädchen, immer Pferdemädchen.

6. Reiten erfordert eine starke Arbeitsmoral

Junge Reiter merken schnell, dass sie die meiste Zeit über, die sie im Stall verbringen, nicht unbedingt reiten. Die meiste Zeit geht für das Ausmisten, Putzen und Pflegen drauf. Während man eigentlich nur 30 – 40 min im Sattel sitzt. Kinder lernen im Stall schell: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

7. Pferde lehren, zu gewinnen und zu verlieren

Auf Turnieren kann man nicht immer nur gewinnen. Diese Erfahrungen machen Kinder sehr schnell. An manchen Tagen läuft es gut und an anderen weniger gut. Das ist aber kein Grund, um sich zu verkriechen. Wie sagt man so schön „Übung macht den Meister“. Auch lernen Kinder, gute Verlierer zu sein und den Erfolg einem anderen Reiter zu gönnen.

8. Mit einem Pferd hast du immer einen Freund

Alleine sein kann sehr einsam machen. Mit einem Pferd hat man immer einen treuen Freund an seiner Seite. Man kann ihm alles erzählen und sich bei ihm ausweinen. Das Beste ist, dass er niemals Widerworte gibt. 😉

9. Ein eigenes Pferd lehrt Kinder, mit Geld umzugehen

Pferde kosten Geld, das weiß jeder. Monatlich kommen regelmäßige Kosten, wie die Stallmiete, das Futter oder Impfungen zusammen. Da muss man sich zweimal überlegen, ob man sich diesen Monat lieber eine neue Hose kauft oder doch lieber das Geld in das Pferd investiert. So lange Kinder noch kein eigenes Geld verdienen, ist das natürlich schwierig. Aber sie bekommen schon sehr schnell mit, dass ein Pferd nicht umsonst ist.

10. Pferde lehren Empathie

Um ein guter Reiter zu sein, muss man sich mit den Tieren beschäftigen. Dazu gehört nicht nur das tägliche Kümmern. Geduld, Demut und Sympathie gehören vor allem dazu. Diese Eigenschaften machen einen nicht nur zu einem besseren Reiter, sondern auch zu einem besseren Menschen.

11. Kinder lernen, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen

Dreck reinigt den Magen? 😉 In unser übermäßigen sterilen und antibakteriellen Gesellschaft kann ein wenig Schmutz nie schaden. Wenn man mit Pferden zu tun hat, kann es auch nicht anders, dass man mit dreckigen Händen nach Hause kommt. Ansonsten hat man sein Pferd nicht richtig geputzt. 😉

Auf ehorses findet ihr bestimmt das passende Pferd für euch und eure Kinder. Schaut doch mal durch unsere Pferdeinserate!

  • 22 Fakten über das Zusammenleben mit einer Pferdefrau
  • 15 Gründe, warum Reiter im Winter mehr Spaß haben
  • 5 Gründe, deine Pferdeträume wahr zu machen

Die Initiative „Pferde für unsere Kinder e.V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder und Jugendliche mit dem Pferd in Berührung zu bringen. Wir finden die Initiative super!

Kostenübernahme

In Sonderfällen kann die Reittherapie von der Krankenkasse, der Pflegekasse, dem Sozialamt oder dem Jugendamt übernommen werden.

Alle Möglichkeiten zur Kostenübernahme der Reittherapie sind nachfolgend beschrieben.

Reittherapiekosten über die Krankenkasse abrechnen

Wenn ein Attest Ihres Hausarztes vorliegt, können Sie dieses bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Die Krankenkasse entscheidet dann, ob sie die Kosten übernimmt.

Reittherapiekosten nach §45b SGB XII abrechen

In bestimmten Fällen sind die Reittherapiekosten nach §45b SGB XII abzurechnen. Eine Reittherapie wird dann als niedrigschwelliges Betreuungsangebot bzw. als qualitätssichernde Betreuungsleistung verstanden. Hierfür ist im Vorfeld ein Pflegegutachten notwendig.

Reittherapiekosten über das Jugendamt abrechnen

Liegt ein ärztliches Gutachten vor und besteht ein Förderbedarf, kann das Jugendamt die Kosten für die Reittherapie übernehmen. Dies ist möglich, wenn die Reittherapie als Hilfe zur Erziehung herangezogen wird.

Reittherapiekosten über das Sozialamt abrechnen

Wenn eine Wiedereingliederungshilfe besteht, kann das Sozialamt die Kosten übernehmen.

Grundsätzlich ist das therapeutische Reiten eine freiwillige Leistung der Kostenträger.

Die Wirkung der Reittherapie

Durch dreidimensionale Schwingungen, die die behinderten Kinder und Erwachsenen auf dem Pferderücken wahrnehmen, werden Verspannungen gelöst und Blockaden überwunden. Das Körpergefühl, die Selbsteinschätzung und Wahrnehmung des Patienten werden so positiv beeinflusst. Weitere Kräfte bei der Beschleunigung und beim Bremsen wirken auf den Körper ein und stärken langfristig die Muskulatur. Es werden verschiedenste Muskelgruppen beansprucht und die Kondition verbessert. Gleichzeitig werden die Konzentrationsfähigkeit und der Gleichgewichtssinn gefördert.

Die Therapie mit Pferden sollte in regelmäßigen Abständen stattfindet und auf die individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Menschen mit Handicap abgestimmt werden. Keinesfalls darf eine Überbelastung stattfinden, weshalb in der Regel die Dauer der Hippotherapie-Übungen zwischen 30 und 60 Minuten je nach Leistungsfähigkeit variieren kann.

Die Bewegungsimpulse, die vom Pferd ausgehen, werden auf Becken und Wirbelsäule übertragen und fordern den Patienten dazu auf, mit dem eigenen Körper zu reagieren und ihnen entgegenzuwirken. Die Rumpfmuskulatur wird mobilisiert und die Haltung der Wirbelsäule verbessert. Auch die Nähe zu den Tieren kann Motivation schaffen und das Selbstvertrauen positiv beeinflussen.

Wer trägt die Hippotherapie-Kosten?

Viele Betroffene und Angehörige fragen sich natürlich nach der Kostenübernahme einer Reittherapie. Fakt ist allerdings: In Deutschland müssen die Kosten für eine Pferde-Therapie nicht von den Krankenkassen finanziert werden wie beispielsweise in der Schweiz.

Da laut Bundesministerium für Gesundheit ein therapeutischer Nutzen nicht nachgewiesen werden kann, wird die Hippotherapie als nicht zu förderndes Heilmittel angesehen. Eine Reittherapie-Kostenübernahme ist demnach nur in gewissen Fällen möglich, beispielsweise werden die Kosten für eine Hippotherapie bei MS Patienten von den Krankenkassen übernommen. Auch infantile Zerebralparese Patienten erhalten Unterstützung bei der Pferdetherapie Finanzierung. Einige Reitvereine werden von privaten Spenden unterstützt, die teilweise die Kosten für Hippotherapie abdecken oder vergünstigte Beiträge je Reiteinheit ermöglichen.

Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR)

Das Kuratorium therapeutisches Reiten ist der bundesweit agierende Fachverband für therapeutisches Reiten in Deutschland mit Sitz in Warendorf. Der Verein für therapeutisches Reiten übernimmt seit seiner Gründung vor über 40 Jahren verschiedene wichtige Aufgaben und ist die wichtigste Anlaufstelle für alle Themen und Fragen rund um das Thema „Therapeutisches Reiten“.

Die Deutsche Gruppe für Hippotherapie e.V. (DGH) betreut ebenso wie das Kuratorium die Ausbildung zum Pferdetherapeuten sowie die Weiterbildung von Physiotherapeuten in der Hippotherapie. Eine generelle Förderung der Bekanntheit, Anerkennung und Qualitätssicherung obliegt dem Verantwortungsspektrum der Vereine.

Verein für therapeutisches Reiten und Reiturlaub für Behinderte finden

Eine geeignete Therapiestelle nach Postleitzahl zu finden, ist dank dem Reittherapie-Finder der Deutschen Gruppe für Hippotherapie e.V. leicht möglich.

Auch gibt es viele tolle Angebote für Reiterferien für behinderte Kinder auf integrativen Reiterhöfen im Internet, die garantiert den nächsten Urlaub zu einem unvergesslichen und gleichzeitig fördernden Erlebnis machen.

Beispielsweise möchte das Jugendamt/die Pflegekasse die schriftliche Ablehnung durch die Krankenkasse nachgewiesen bekommen, um eine Doppelzahlung (durch zwei oder mehr Kostenträger) auszuschließen.

Die Pflegekasse kann, nach §45b SGB XII, in manchen Fällen die Reittherapiekosten abrechnen.
Reittherapie wird dann als niederschwelliges Betreuungsangebot beziehungsweise als qualitätssichernde Betreuungsleistung angesehen. Zudem ist es ebenfalls möglich, laut § 45b Absatz 1 Satz 1, im Rahmen der Entlastungsleistung durchgeführte Reittherapie, die Kosten des therapeutischen Reitens nachträglich geltend zu machen.
Hierfür ist in jedem Fall im Vorfeld ein Pflegegutachten notwendig.

Das Jugendamt übernimmt in bestimmten Fällen auch die Kosten der Reittherapie, wenn ein Förderbedarf und ein ärztliches Gutachten bestehen.
Dann wäre die Reittherapie eine Hilfe zur Erziehung, nach §35a SGB VIII.

Ebenso kann das Sozialamt im Rahmen der Widereingliederungshilfe die Kosten übernehmen.

Grundsätzlich ist das therapeutische Reiten eine freiwillige Leistung aller potentiellen Kostenträger. Einem Antrag sollte möglichst eine ärztliche Verordnung, Stellungnahme von therapeutischer oder pädagogischer Seite sowie das Ziel der Therapie, mit einem Ausblick warum es Reittherapie sein sollte, beigefügt werden.

Bei der Beantragung der Kostenübernahme für die Reittherapie unterstütze ich Sie selbstverständlich tatkräftig und gerne!

Reittherapie

// Therapieangebote

Die Erfahrungen der Reittherapeuten der Nachsorgeklinik Tannheim sind eindeutig: Kinder und Jugendliche, die eine Beziehung zu Pferden auf­bauen können, lernen durch den Kontakt zu den Tieren mit den Folgen ihrer Krankheit besser umzugehen.

Keinesfalls steht dabei die reitsportliche Ausbildung an vorderer Stelle, vielmehr geht es im Rahmen der Therapie um eine günstige Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung insbesondere in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung, Lernen, Befindlichkeit sowie Verhalten.

Der Therapiestall der Nachsorgeklinik Tannheim besteht aus dem Stallgebäude, einem Reitplatz, einer Therapie-Reithalle mit Lifter für den Transfer auf das Pferd und mehreren Koppeln. Es stehen für das Reitangebot fünf Großpferde und zwei Ponys zur Verfügung. Außerdem beherbergt der Therapie­stall Hühner, Hasen, Meerschweinchen, Ziegen und die Eselin Clara.

Die Therapien werden als Einzel- (45 Minuten) und Gruppentermine (vier Kinder bzw. Jugendliche bei 90 Minuten) angeboten. Kindern unter vier Jahren kann leider keine Reittherapie verordnet werden, sie dürfen aber gerne am Freizeitangebot des Therapiestalles teilnehmen. Für den Unterricht steht ein Diplom-Reitpädagoge, eine Fachkraft für Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen sowie zwei Hippotherapeutin zur Verfügung.

Heilpädagogisches Reiten

Ein zentrales Anliegen bei der Reittherapie ist die Verringerung emotionaler Beeinträchtigungen und die Stabilisierung der seelischen Verfassung. Über die Beziehung zu dem Pferd kann die Bindungsfähigkeit insgesamt gestärkt werden und der Mensch ist wieder verbal wie nonverbal erreichbar für Bezugspersonen.

Jüngere Kinder können nicht wie Erwachsene ihre Sorgen und Wünsche aussprechen und teilen sich anderen oft nur in verschlüsselter Form mit. In ihrem Spiel und einer Aktivität wie dem Reiten spiegeln sie uns ihre innere Welt wieder. Das Reiten, die Begegnung mit Tieren, gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu öffnen. Mit Hilfe der Pferde kann Hoffnung und Lebensfreude geweckt werden und bei der Verarbeitung tragischer Erlebnisse wie einer schweren chronischen Erkrankung sind Pferde geduldige Zuhörer.

Hippotherapie

Die Therapie wird von zwei Physiotherapeuten mit der Zusatzausbildung Hippotherapie durchgeführt. So kann es auch schwerer beeinträchtigten Menschen ermöglicht werden zu reiten. Die Hippotherapie setzt ihren Schwerpunkt auf die körperlichen und motorischen Ziele, schließt die oben genannten Punkte jedoch mit ein. Auf den Patienten wirken therapeutisch besonders wertvolle dreidimensionale Schwingungsimpulse des Pferderückens, die fast identisch mit dem Bewegungsablauf des menschlichen Gehens sind. Hauptziele der Therapie sind Gleichwertig, Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Körperhaltung, Spannungsregulation der Muskulatur, Körperwahrnehmung.

Die Verbesserung dieser Funktion erleichtern die täglichen motorischen Handlungen. Physiotherapie auf dem Pferd ist für unsere Patienten oft eine neue Erfahrung und bringt neue Motivation und Freunde in den Therapiealltag.

Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung

Der Reitsport für Menschen mit Behinderungen ist ein Fachbereich des Therapeutischen Reitens. Er umfasst die reitsportliche Ausbildung von Menschen mit Behinderung. Die Zielgruppen sind körperbehinderte Reiter, sinnesgeschädigte Reiter und geistig beeinträchtigte Reiter. Vorraussetzung ist, dass die Reiter die körperlichen und gesundheitlichen Grundlagen besitzen um selbstständig das Reiten erlernen zu können und auf dem Pferd sitzen können. (Dazu gibt es je nach Beeinträchtigung verschiedene kompensatorische Hilfsmittel).

Ziel für das „Reiten für Menschen mit Behinderung“ sind die Vermittlung von (neuem) Selbstwertgefühl, Vorbeugung gegen Isolationstendenzen, Vorbeugung gegen Sekundärschäden, Wiederherstellung, Kompensation, erlernen neuer Bewegungsmuster, Linderung von Beschwerden und bei allem viel Spaß und Freude.

Information

Mukoviszidosepatienten und Patienten mit immunsuppresiver Therapie dürfen sich aus medizinischen Gründen nicht in den geschlossenen Räumen von Stall und Reithalle aufhalten, jedoch meist an der frischen Luft reiten.

Organtransplantierte Patienten unter Immunsuppression dürfen wegen der Gefahr der invasiven Pilzinfektion keinerlei Kontakt zu den Tieren haben.

Bei Einnahme von Medikamenten zur Blutverdünnung oder aus anderen medizinischen Gründen, kann es aus Sicherheitsgründen zur Einschränkung der Reittherapie kommen.

Reittherapie für Kinder

Geschrieben von equisoma-admin am 8. April 2017 in Angebote

Pferde sind ideale Therapiepartner

Pferde üben seit jeher eine gewisse Faszination auf den Menschen aus. Sie nehmen ihre Umwelt sehr sensibel und differenziert wahr. Sie reagieren auf kleinste Signale und Stimmungen und sind damit der ideale Spiegel für unser Verhalten. Besonders ihre Offenheit gegenüber dem Menschen und ihre Geduld machen sie zu einem wertvollen Therapiepartner.

Für Kinder und Jugendliche denen die Selbstregulierung schwer fällt, für Menschen mit einer autistischen Struktur ist es gerade die vorbehaltlose Akzeptanz der Pferde, die neue Welten eröffnet.

Reittherapie wirkt auf unterschiedliche Weise

Pferde geben dem Kind eine unmittelbare Rückmeldung auf ihr Verhalten.

Pferde sind nicht berechnend, sie rächen nicht und strafen nicht. Sie sind in ihrer Grundhaltung gutmütig, dies ist gerade für ängstliche, unsichere und/oder traumatisierte Kinder besonders wichtig.

Individuell angepasste Therapieinhalte ermöglichen körperliche, geistige, emotionale und soziale Förderung.

Über das gemeinsame Putzen, Führen des Pferdes und Reiten wird die Aufmerksamkeit und Kontaktfähigkeit geschult.

Die Therapieinhalte werden an den Bedarf des Kindes angepasst. D.h. je nach der Entwicklung des Kindes kann die Kontaktaufnahme zum Pferd mit Berührungen beginnen, von der Erkundung des Pferdekörpers über Fühlen und Riechen, bis hin zum Putzen des Pferdes oder sogar schon gemeinsamen führen.

Das Reiten folgt langsam, vielleicht wird das Kind erst nur auf dem Pferd sitzen und spüren wie hoch es ist, wie es atmet und wie die Atmung das Kind bewegt.

Auch ungewohnte Abläufe werden akzeptiert

Gerade Kinder und Jugendliche können in der Gegenwart des geduldigen Pferdes viel ausprobieren und bekommen über die Reaktion des Tieres sofort ein Feedback, was immens wichtig ist.

Durch therapeutisches Reiten können also neue psychische und soziale Entwicklungspotenziale ans Licht kommen.

Reittherapie – mehr als nur Bewegung

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“1 – dieses Glück können rheumakranke Kinder im Rahmen einer Reittherapie erfahren.

Unter dem Oberbegriff „therapeutische Reiten“, werden die Untergruppen Hippotherapie, heilpädagogische Förderung mit dem Pferd, ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd und Reitsport für Behinderte zusammengefasst.

Für Kinder mit Rheuma ist vor allem die Hippotherapie geeignet, da sie sich als eine Ergänzung der Physiotherapie versteht, die in das Gesamtbehandlungskonzept eingebunden wird.

Bewegungsförderung auf dem Pferd

Reiten und dabei speziell das Bewegungsmuster des Pferdes im Schritttempo, stärkt das Gleichgewicht, die Balance und Motorik, darüber hinaus vermindert es Haltungsschäden. Trotz der scheinbar statischen Sitzposition, ist der gesamte Körper in Bewegung. Während die Beine entlastet werden, wird die gesamte Beckenregion und Lendenwirbelsäule durch die aufrechte Haltung des Reiters positiv beeinflusst. Zusätzlich wird eine Vielzahl an Muskelpartien angesprochen und gekräftigt, Bänder und Sehnen hingegen schonend gedehnt. Das Körpergewicht des Reiters wird nicht nur vom Pferd getragen, sondern ist auch eine Möglichkeit für ihn, durch Verlagerung mit dem Pferd zu kommunizieren und Kontrolle auszuüben. Im Rahmen der Reittherapie findet jedes Kind seinen eigenen Rhythmus und baut mit der Zeit auch immer mehr Selbstvertrauen in das eigene Können auf.

Was macht das Besondere des Pferdes als Therapeuten aus?

Das klassische Therapiepferd an sich gibt es nicht. Vielmehr sind der Charakter und zu einem Teil auch die Größe ausschlaggebend für die Eignung. Es verlangt vom Reittherapeuten viel Erfahrung, sowohl in der gewissenhaften Ausbildung des Pferdes, wie auch in der Einschätzung und, im Laufe der Therapie auch Neubewertung dessen, was dem Patienten zugemutet werden kann. So kann die Überwindung, ein so großes und unbekanntes Tier anzufassen, bereits ein großes Erfolgerlebnis sein.

Die Interaktion mit einem lebenden Wesen macht die Therapie aber nicht nur physisch, sondern auch psychisch effektiv. Denn wie auch im Alltag, sind die rheumakranken Kinder auf viel Unterstützung angewiesen. Doch fällt ihnen die Annahme von Hilfe im Umgang mit dem Pferd leichter, zumal es im Reitstall selbstverständlich ist, dass man sich gegenseitig hilft. Sie können zudem die Erfahrung machen, dass sie in der Lage sind, auch anderen zu helfen. Und sei es mit Kleinigkeiten wie das Putzzeug aus der Sattelkammer zu holen. Sie erleben in einem völlig ungezwungem Umfeld, dass es kein Zeichen von Schwäche ist Hilfe anzunehmen, sondern erleben, dass auch Kinder ohne Rheuma Unterstützung brauchen, z.B. weil sie noch nicht groß genug sind, um ohne Hilfsmittel auf das Pferd aufzusteigen. Auf der anderen Seite werden Kinder, die noch etwas zögerlich sind, von der Gruppendynamik motiviert, ihre Grenzen auszutesten und Neues zu wagen.

Ein Pferd ist von Natur aus ein Fluchttier. Es ist daher sehr empfänglich für Stimmungen, da es sich in der freien Wildbahn keine Unaufmerksamkeiten leisten könnte. Es ist in der Lage, die Gemütslage des Reiters zu spüren und dementsprechend zu reagieren.

Es ist aber trotzdem nicht leicht, dem Pferd seinen Willen mitzuteilen, denn es setzt eine gewisse Durchsetzungsfreudigkeit und auch Beharrlichkeit voraus, was am Anfang eine große Herausforderung darstellt, die die meisten Kinder aber innerhalb kurzer Zeit bewältigen. Umso größer ist das Erfolgserlebnis wenn sie dann in Lage sind, die gewünschte Reaktion des Tieres mit eigenem Körpereinsatz zu erreichen.

Auch die Pferdepflege ist ein effektiver und wichtiger Bestandteil der Therapie. Beim Striegeln wird mit den Händen Druck ausgeübt, beim Flechten der Mähnen die Fingerbeweglichkeit gefördert. Da der Pferdekörper immer eine gewisse Wärme ausstrahlt, erleichtert es diese Tätigkeiten und hilft dabei, Vertrauen aufzubauen.

Dadurch, dass die Konzentration auf das Pferd gerichtet ist und nicht so sehr auf den Therapeuten, tritt der doch oft anstrengende Therapiealltag in den Hintergrund und das Reiten nimmt so etwas wie Freizeitcharakter an. Dies wirkt sich besonders auf therapiemüde Patienten sehr motivierend aus. Viele Kinder berichten, dass sie während des Reitens keine Schmerzen spüren bzw. diese nicht mehr als so schlimm empfinden. Und auch Stunden später ist das allgemeine Wohlbefinden noch deutlich besser als vor der Therapiestunde.

Die Deutsche Kinderrheuma-Stiftung unterstützt verschiedene Reittherapie-Projekte, in Baden-Baden, Berlin und in Zusammenarbeit mit der Rheuma-Liga auch in Nordrhein-Westfalen.

1 Das Sprichwort geht auf den Schriftsteller Friedrich von Bodenstedt zurück.

Therapeutisches Reiten: Reittherapie als Behandlungsmethode

Das Therapeutische Reiten für Kinder: Durch eine Reittherapie können psychische und physische Probleme behandelt werden.

Reittherapie: Mittel zur Behandlung psychosozialer Probleme bei Kindern

Lisa steht in der Box einer braunen Hannoveranerstute und streichelt ihr liebevoll den Hals. Das Tier wirkt neben der Achtjährigen riesengroß, blinzelt mit seinen langen Wimpern und schnaubt sanft durch die Nüstern. Das Mädchen stellt sich auf die Zehenspitzen und flüstert ihm etwas ins Ohr. Auf einmal sind Schritte zu hören und eine groß gewachsene Frau erscheint in der Boxentür. Es ist Lisas Reittherapeutin. „Moin, Lisa! Du bist ja schon da! Möchtest du Grace wieder striegeln?“ Die Kleine strahlt und macht sich mit großem Eifer an die Arbeit. Gleich bekommt sie ihre wöchentliche Therapiestunde. Die wohltuende Wirkung des Reitens für Körper und Seele ist schon seit dem Altertum bekannt. Aber erst seit rund 50 Jahren nutzen Therapeuten diesen Effekt: Die Hippotherapie lindert und heilt physische Erkrankungen und das Heilpädagogische Reiten hilft bei psychosozialen Störungen. Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten kann nicht nur verhaltensauffälligen, lernbehinderten oder entwicklungsverzögerten Menschen helfen, sondern auch psychisch Kranken oder geistig Behinderten. Diese Therapieform hat auch schon vielen Kindern geholfen – vielleicht, weil die sich von den Tieren besonders angezogen fühlen.

Finanzierungsmöglichkeiten einer Reittherapie

In der Schweiz wird die Hippotherapie von der Krankenkasse bezahlt. In Deutschland sieht es leider anders aus. Das Bundesministerium für Gesundheit sieht den therapeutischen Nutzen des Reitens als nicht erwiesen an. Die Therapie muss von den Eltern bezahlt werden. Das gilt auch für Österreich. Das Heilpädagogische Reiten für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten wird in keinem der drei Länder von einer Krankenkasse finanziert. Wenn man sich für sein Kind eine Hippotherapie oder Heilpädagogisches Reiten wünscht und es sich nicht leisten kann, gibt es noch eine Chance: Einige Stiftungen ermöglichen Kindern diese besonderen Reitstunden. Informationen dazu erhalten Sie beim Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten. Neben der Hippotherapie und dem Heilpädagogischen Reiten wird auch der Behindertensport zum Therapeutischen Reiten gezählt. „Bei uns reiten zum Beispiel Blinde, Menschen, denen ein Bein amputiert wurde, aber auch Querschnittsgelähmte,“ erzählt Jenny Renner. „Wer sich normalerweise nur im Rollstuhl bewegen kann, lebt auf, wenn er auf einem Pferd sitzt. Vielleicht liegt es daran, dass man hier gar nicht als behindert wahrgenommen wird. Beim Reiten gibt es keine Vorurteile und kein falsches Mitleid.“, meint Jenny Renner. „Alle sind gleich.“

Reittherapie: Wer, wie, wo

Wenn Sie Interesse an einer Reittherapie oder Reiten als Behindertensport haben, wenden Sie sich ans Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten. Dort sagt man Ihnen auch, wer eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann: Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten
Tel.: 02581/9279191

Was therapeutisches Reiten bewirken kann

Was sie in den vergangenen 14 Jahren erlebt hat, findet Jenny Renner teilweise selber unglaublich. „Oft kommen Eltern mit ihrem Kind zu uns, die schon vieles ausprobiert haben. Mit Hilfe der Pferde machen einige Kinder dann Fortschritte, mit denen niemand mehr gerechnet hat,“ erzählt Jenny Renner. Das Therapiezentrum liegt am Rande des Dorfes Ihlowerfehn im westlichen Teil der ostfriesischen Halbinsel und strahlt eine entspannte Atmosphäre aus. Die flache Moorlandschaft um den Hof ermöglicht einen weiten Blick. Hier können Kinder und Erwachsene mit und ohne Handycap abschalten, die Sorgen zur Seite schieben, Kraft tanken und eintauchen in eine andere, unbelastete Welt. Das gilt auch für Jan. Er ist zehn Jahre alt und beidseitig spastisch gelähmt. Er kann Beine und Becken nicht bewegen und seinem Pferd daher kaum reiterliche Hilfen geben. Dafür hat er eine souveräne Ausstrahlung. Die Art, wie er seinen Oberkörper beim Reiten aufrichtet, und die Entschlossenheit in seiner Stimme beeindrucken sogar das Pferd, das auf seine Kommandos prompt reagiert. Jan hat seine Form der Kommunikation mit ihm gefunden und kann selbstständig reiten. Seit einem halben Jahr kommt er inzwischen zur Reittherapie. Sie wird jungen Menschen mit körperlichen Problemen oft zusätzlich zur Physiotherapie empfohlen – besonders dann, wenn herkömmliche Methoden nichts mehr bewirken können.

Warum die Reiththerapie hilft

Vom Pferderücken aus übertragen sich Impulse auf den Reiter, die die Haltungs-, Gleichgewichts- und Stützreaktionen trainieren. Der Reiter lernt, seine Muskeln gezielt anzuspannen und wieder zu entspannen. Die Arbeit mit den meist speziell ausgebildeten Pferden fördert unter anderem Koordination, Balance und Motorik. Viele Patienten erhalten dadurch ein völlig neues Körpergefühl. Das gilt auch für Jan. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt,“ sagt seine Mutter, die am Nachmittag auf einer Bank in der Sonne sitzt und ihren Sohn bei seiner Reitstunde beobachtet. Neben ihr sitzt Jasmins Mutter. Jasmin ist neun Jahre alt und reitet mit stolzer Miene auf dem Wallach Antares hinter Jan her. „Die Hippotherapie ist Teil der Reha-Maßnahmen,“ erklärt ihre Mutter. „Nach einem Autounfall spielte ihr Nervensystem verrückt, sie hatte Lähmungserscheinungen im linken Bein und muss nun wieder laufen lernen. Aber das hat sie schon fast wieder im Griff.“ Keine Wunder: Im Schritt gehende Pferde haben einen Gangrhythmus, der dem menschlichen nahezu identisch ist. „Genau das ist ein wichtiger Trick bei der Reittherapie,“ erklärt Jenny Renner, „Patienten mit Bewegungsstörungen können ihre verloren gegangene Gehfähigkeit mit Hilfe der Impulse der Pferde wieder zurück gewinnen oder auch ganz neu erlernen.“

Therapeutisches Reiten: Erfahrungsbericht

Auch die kleine Lisa hat dank Grace, der sie gerade gewissenhaft die dunkle Mähne kämmt, viel von ihrer alten Lebensfreude zurück gewonnen. Ihre Eltern hatten sich getrennt, Lisas Leistungen in der Schule sich seither verschlechtert. Die Lehrerin sprach von Konzentrationsproblemen. Lisa wurde immer verschlossener und hatte kaum noch Lust, sich mit ihren Freundinnen zu treffen. Ihre Mutter befürchtete, dass Lisa sich die Schuld an der Trennung gibt. Eine Kinderpsychologin fand kaum Zugang zu dem Mädchen. Da entschied Lisas Mutter, es mit dem Therapeutischen Reiten zu versuchen. „Schon nach ein paar Stunden war Lisa ganz verändert,“ erinnert sich Lisas Reittherapeutin Jenny Renner. „Lisa und Grace verstanden sich von Anfang an. Lisa war von der Stute fasziniert, von ihrer Größe und ihrer Kraft. Und Grace ging neugierig auf sie zu und gab ihr das Gefühl, gemocht zu werden so wie sie ist – auch mit ihrer Traurigkeit.“ Bei den Reittherapiestunden und im Stall vergaß das Mädchen seine Sorgen und wirkte nicht mehr so in sich gekehrt. Da sie das Pferd bald selbstständig reiten konnte, wurde ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Lisas Mutter berichtete von besseren Schulnoten, davon, dass ihre Tochter fröhlicher sei und sich wieder für andere Kinder interessiere. „Auch auf dem Reiterhof hat Lisa Freundschaften geschlossen,“ erzählt Jenny Renner. Die 45-Jährige ist staatlich anerkannte Physiotherapeutin und arbeitete acht Jahre lang in diesem Beruf, bis sie 1993 ihr eigenes Hippotherapiezentrum gründete. Nach zahlreichen Weiterbildungen gehört sie zu den wenigen Therapeutinnen, die sowohl Heilpädagogisches Reiten als auch Hippotherapie anbieten können. Das macht Sinn, schließlich gibt es viele Patienten, bei denen körperliche und seelische Probleme zusammenhängen.

Therapeutisches Reiten: Bedeutung des Therapeuten

Der Reittherapeut muss pädagogisch und psychologisch geschult sein. Patient und Tier sollte er behutsam aufeinander zugehen lassen. Wenn dieser erste Schritt gemacht ist, wird das Pferd meist longiert: Der Reittherapeut steht in der Mitte eines Kreises mit etwa 15 Metern Durchmesser und bewegt das Pferd an der Longe, einer Leine, um sich herum. Oft nehmen mehrere Kinder gleichzeitig an einer Voltigierstunde teil. Der Reittherapeut ermutigt sie zu Bewegungen und Übungen auf dem Pferderücken. Es sind vor allem die Erfolgserlebnisse und die schönen gemeinsamen Erfahrungen, die den Kindern das Selbstbewusstsein und die Kraft geben, die sie so dringend brauchen. Das Reiten zu erlernen, ist nicht das Ziel, aber ein schöner Nebeneffekt, der den Kindern zusätzlichen Auftrieb gibt. Der Kontakt zu „ihrem“ Pferd ist bei der Reittherapie wichtig. Es tut gut, jemandem vertrauen zu können. Die Tiere helfen den Kindern, mit Ängsten und Frustrationen umzugehen. Und das stärkt ihr soziales Verhalten.

Therapeutisches Reiten

Therapeutisches Reiten

Indikation

ADHS-Therapie

Therapieform

symptomatisch

Wirksamkeit

noch unzureichend belegt

Wirkung

k.A.

Als therapeutisches Reiten, Reittherapie oder Pferdetherapie werden psychologische, pädagogische, pschotherapeutische, rehabilitative, sozial-integrative, aber auch beispielsweise ergotherapeutische Maßnahmen bezeichnet, welche über das therapeutische Medium Pferd umgesetzt werden. Das therapeutische Reiten findet bei vielfältigen körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen Anwendung, darunter zunehmend auch bei ADHS.

Gegenwärtig bestehen vielfältige Wirkannahmen, jedoch sind empirische Evaluationsstudien zur Wirksamkeit des therapeutischen Reitens bei ADHS noch selten. Die bisherige Untersuchungslage setzt sich überwiegend aus Einzelfallstudien oder Studien mit geringen Teilnehmerzahlen zusammen. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand kann sich therapeutisches Reiten ergänzend zur Integration in ein multimodales Therapiekonzept eignen. Als Monotherapie ist es weniger geeignet.

Therapeutisches Reiten bei ADHS

ADHS-spezifische Konzepte therapeutischen Reitens haben in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung bei Anbietern von Reittherapien gefunden. Solche Therapien scheinen besonders für Kinder geeignet, die größere Schwierigkeiten im Beziehungsaufbau und Bindungsverhalten sowie im Sozialverhalten in der Gruppe haben. Als maßgebliche mögliche Vorteile der ADHS-Reittherapie werden genannt:

  • Förderung der Handlungsplanung und -steuerung der Kinder durch das Putzen und Satteln
  • Möglichkeit der Konzentrationsförderung aufgrund der Gangqualitäten des Pferdes
  • wenig regulatorisches Eingreifen durch den Therapeuten notwendig. Dies ist vorteilhaft insbesondere bei häufigen negativen Vorerfahrungen von Kindern mit externalisierenden Verhaltensstörungen gegenüber Autoritätspersonen
  • Förderung von Anpassungsleistungen des Kindes an das Pferd, darüber hinaus werden Respekt und Verständnis für die Reaktionen und Eigenheiten des Pferds gefördert. Das Kind macht die Erfahrung, dass letztlich nur einfühlsames, kooperatives Verhalten des Reiters im Umgang mit dem Pferd zum Erfolg führt.
  • im Gegensatz zu herkömmlichen Gruppenprogrammen erleichterte Integration auch „hoch aggressiver“ und „massiv auffälliger“ Kinder in die Reitergruppen.
  • wenig bis kein „Therapiecharakter“, was vor allem für therapiemüde Kinder vorteilhaft sein kann sowie
  • hohe Teilnahmemotivation von Kindern.

Wirksamkeit therapeutischen Reitens bei ADHS

Die gegenwärtig vorliegenden Studien liefern unterschiedliche und teils widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit von Reittherapien auf die ADHS-Symptomatik, individuelle Verhaltensprobleme und einzelne Bereiche wie Familie und Schule.

In einer qualitativen Einzelfalldarstellung von Hamsen, in welcher sechs Kinder mit ADHS-Diagnose über eine Zeitraum von 15 Wochen zweimal wöchentlich am therapeutischen Reiten teilnahmen, konnten positive Auswirkungen der Reittherapie auf die motorischen sowie die Aufmerksamkeitsleistungen der Kinder festgestellt werden. Die Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistungen konnte dabei auch laut Lehrer-Feedback bestätigt werden.

Eine methodisch aufwändigere Untersuchung von Riedel, welche 30 Kinder mit ADHS-Diagnose mit einschloss, die über 15 Wochen zweimal wöchentlich an der Reittherapie teilnahmen, konnte eine Verbesserung der motorischen Retardation sowie der Ausdauerleistungsfähigkeit und ein ruhigeres Verhalten aufgrund einer Veränderung der Aktivität des vegetativen Nervensystems aufzeigen.

Positive Effekte bei Kindern mit ADHS zeigte auch eine Pilotstudie von Cuyper, de Ridder und Strandheim mit fünf ADHS-diagnostizierten Kindern.

Eine Untersuchung der Technischen Universität Braunschweig (N=19) konnte die genannten Verbesserungen der psychischen Symptomatik in Teilen bestätigen, fand jedoch keine weiteren positiven Effekte hinsichtlich Selbstwert und Empathiefähigkeit. Daneben konnten, entgegen der bisherigen Untersuchungsergebnisse, keine generalisierten positiven Verhaltenseffekte auf den familiären oder schulischen Bereich festgestellt werden.

Heilpädagogisches Reiten und andere reittherapeutische Angebote sind meist privat zu tragen. Bei einigen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe gehören sie zum methodischen Angebot und können Teil ambulanter Hilfen sein oder über den Pflegesatz bezahlt werden.

Siehe auch

  • ADHS bei Tieren
  • Behandlung
  • Musizieren
  • Sport

Studien

Literatur

  • Gomolla, A. (2009). Forschungsstand und Forschungsperspektiven pferdegestützter (Psycho)Therapie.Vortragsskript XIII. Intern. Kongress für Therapeutisches Reiten. Münster.

Weblinks

  • Website des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten e.V. (DKThR)
  • Website der Deutschen Gruppe für Hippotherapie e.V. (DGH)

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Einzelnachweise

  1. vgl.
  2. Hamsen, R. (2006). Möglichkeiten der Evaluation des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen. In Institut für Therapeutisches Reiten e.V. in Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen (Hrsg.), Heilpädagogik und Soziale Arbeit (S. 36-44). Hildesheim: Eigenverlag.
  3. vgl. S.38:
  4. Gomolla, A. (2009). Forschungsstand und Forschungsperspektiven pferdegestützter (Psycho)Therapie.Vortragsskript XIII. Intern. Kongress für Therapeutisches Reiten. Münster.
  5. Hamsen, R. (2006). Möglichkeiten der Evaluation des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen. In Institut für Therapeutisches Reiten e.V. in Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der FH Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen (Hrsg.), Heilpädagogik und Soziale Arbeit (S. 36-44). Hildesheim: Eigenverlag.
  6. Riedel, M. (2005). Eine sportmedizinische Wirkungsanalyse des Heilpädagogischen Voltigierens bei Kindern mit dem Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätssyndrom(Dis.). Bielefeld: Eigenverlag.
  7. Cuyper, K., Ridder, K. & Strandheim, A. (2011) The effect of therapeutic horseback riding on 5 children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder: A Pilot Study. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 17(10), 901-908
  8. www.dkthr.de; Fachhochschule Hildesheim 2006

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