Reggio pädagogik sprechende wände

Projekte sind wichtig für Kinder, weil

Projektarbeit ist wie eine Busfahrt, –
bei der immer jemand ein- und aussteigen kann
Heidi Syassen

  • sie sich die Welt dadurch handelnd aneignen können
  • sie neue Ideen entwickeln
  • sie lernen, Kompromisse zu finden
  • sie dadurch Erkenntnisse gewinnen und lernen
  • sie erkennen, dass Fehler Teil der Lösung sind
  • sie nicht auf fertige Lösungen angewiesen sind,
    sondern lernen, Probleme selbst zu lösen

Wie sich ein Projekt entwickelt:

Impuls oder Themenfindung
Beobachten: Wie gehen die Kinder mit diesem Impuls um –

was genau sagen sie dazu; wie greifen sie den Impuls auf? Projektarbeit ist in unserer Kita von großer Bedeutung. Unsere Projekte entwickeln sich auf unterschiedliche Weise. Sie basieren auf den Interessen der Kinder, konkreten Erlebnissen (Bauernhofbesuch, Geburt eines Geschwisterkindes, dem plötzlichen Regenschauer), mitgebrachten Gegenständen (ein Regenwurm, ein gefundener Stein,
Fragen (Wie wird man eine Hexe? In welchem Land ist Schokoloade gesund?)

Auch die Erzieherinnen bringen gerne Themen als Gegenstand eines Projektes ein, andere werden von außen an uns herangetragen – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Austausch im Team/ Kleinteam
Fragen entwickeln, vielleicht ist ein weiterer Impuls wichtig…

Initialzündung „Die Kinder sind in das Projekt oder in die Idee verliebt“.
Sie entwickeln viele Fragen und Antworten und wollen aktiv werden.

Die Dauer eines Projektes ist ganz unterschiedlich (von kurzen Momenten bis zu einem Jahr), die Teilnahme der Kinder ist freiwillig, so das die Teilnehmerzahl je nach Interesse variiert.

Gruppenfindung/Gruppenbildung
Die Kinder sagen, mit wem sie in einer Gruppe arbeiten möchten

Der Morgenkreis bietet eine sehr schöne Gelegenheit, um Projektideen zu sammeln, über sie zu entscheiden, Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse von Projekten vorzustellen und zu diskutieren. Dabei ermutigen wir die Kinder, selbst Antworten auf Ihre Fragen zu finden.

Immer nur einen Schritt nach dem anderen
Wir verfolgen die Richtung, die von den Kindern vorgegeben wird.

In den Projektarbeiten hinterlasssen die Kinder ihre Spuren. So geben die Projektdokumentationen einen Einblick in Arbeitsweisen, Denkbewegungen, Vorstellungen und Gefühlen von Kindern und ermöglichen ihnen ein Bewusstsein für die eigene Entwicklung.

Auswertung des Projekts
„Sprechende Wände halten alles fest…“

Mithilfe großflächiger Wanddokumentationen – unseren „sprechenden Wänden“ – werden Projekte in allen Phasen dargestellt, von der Planung über die Durchführung bis zu den Ergebnissen und der kritischen Auswertung.

REGGIO-PÄDAGOGIK

Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik:

  • Individuelle Entfaltung
  • Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung
  • Wertschätzung
  • Lernen in Projekten
  • Dokumentation der pädagogischen Arbeit
  • Elternbeteiligung und deren Mitverantwortung

Von ihren individuellen Bedürfnissen aus starten Kinder die Entdeckungsreise in ihre eigene Welt. Auf diesem Weg werden sie wertgeschätzt, begleitet, ermutigt Neuem zu begegnen und sich selbst frei zu entfalten.

• Das Bild vom Kind

In der Reggio-Pädagogik wird das Kind als Konstrukteur seiner Entwicklung und seines Wissens und Könnens betrachtet. Es weiß am besten, was es braucht, und verfolgt mit Energie und Neugierde die Entwicklung seiner Kompetenzen. Das Kind wird verstanden als „eifriger Forschers“; denn es will Welt verstehen und in eine Beziehung zu sich bringen, und es will durch Experimente, durch Versuch und Irrtum seine alltagspraktische und soziale Handlungskompetenz erweitern.
Das Kind bildet sich selbst. D.h. es bestimmt selbst den Zeitpunkt wann es etwas über ein bestimmtes Thema lernt. Wir können uns sicher sein, das Kind weiß ganz genau wann es bereit für ein Thema ist.

• Unsere Rolle

Im Mittelpunkt des reggianischen Erziehungsmodells stehen wahrnehmende, forschende und lernende Kinder, deren Erfahrungen und Ausdrucksvielfalt sich in den 100 Sprachen äussern. Wir als ErzieherInnen sehen uns selbst als lernende und forschende Wegbegleiter der Kinder. Wir gehen ein Stück des Weges mit dem Kind gemeinsam auf Augenhöhe. Wir sehen uns als partnerschaftliche Begleiter/Begleiterinnen der Kinder. Wir zeigen nicht wie das Leben funktioniert, denn das wäre unsere Perspektive und nicht die der Kinder.

• Dokumentation

Die PädagogInnen sind lernende Beobachtende – sie bereiten die Forschungs- und Erfahrungsfelder für die Kinder vor: sie sind neugierig, offen und interessiert an den Handlungen der Kinder und sehen diese als jeweilige Grundlage für die offene Planung ihrer Arbeit und als Quelle für neue Ideen…

Die ständige Reflexion der Dokumente lässt Veränderung und Entwicklung erkennen und dient der Bewusstseinsbildung der PädagogInnen. Forschung wird verstanden als ein ständiges Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis. Theorien werden in der Praxis überprüft – neue entstehen in Verbindung mit der Praxis. Gegenstand der Forschungen sind die Gedanken und Handlungen der Kinder.

Die Dokumentation gibt Aufschluss darüber, über welche Möglichkeiten die Kinder verfügen. Es geht nicht um die Kultur dessen, was wir über Kinder wissen, sondern um die Kultur der Kinder.

Es lassen sich allgemein drei Arten der Dokumentation unterscheiden:

  • die Dokumentation von Projekten
  • die Dokumentation des Tagesverlaufs in der Gruppe
  • die Dokumentation der Entwicklungsschritte des einzelnen Kindes.

• Die Projekte

Die Projektarbeit ist das Herzstück der Reggio-Pädagogik. Durch die Be(ob)achtungen der ErzieherInnen werden die Selbstbildungsprozess der Kinder erkannt. Die Projekte entstehen zum größten Teil aus den Gedanken, Fragen oder Gesprächen, die die Kinder in die Einrichtung tragen. Es gibt aber auch Projekte, die wir an die Kinder tragen.

• Der Raum

Soll die Kinder anregen, provozieren, beschützen und/oder auffordern etwas zu tun. Wir nutzen den Raum um eine Atmosphäre des Wohlfühlens entstehen zu lassen. Der Raum wird als „dritter Erzieher“ gesehen.

Die Reggio-Pädagogik zählt weltweit zu den ambitioniertesten elementarpädagogischen Konzepten. Von einer Expertengruppe wurde sie 1991 als bester Ansatz für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen ausgezeichnet.

Welchen Ursprung hat das Konzept?

Die Reggio-Pädagogik zeichnet sich durch ein sehr positives Kinderbild aus und hat seine Wurzeln und seinen Namen aus der italienischen Stadt Reggio Emilia.

Welche Rolle nehmen Erzieher ein?

Im Fokus des Konzepts steht die freie und individuelle Entfaltung der Persönlichkeit ohne die Einmischung von außen. Erziehen ziehen sich in der Rolle des Beobachters zurück.

Wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus?

Die Praxis kennzeichnet sich durch viele unterschiedliche Experimente und Projekte. Musikalität und Kreativität stehen dabei im Vordergrund.

In unserem Ratgeber beschäftigen wir uns mit der Reggio-Pädagogik. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Welches sind die pädagogischen Methoden und wie ist das Konzept entstanden? Sie erfahren, was einen Reggio-Kindergarten ausmacht und warum es Kritik an der Reggio-Pädagogik gibt.

1. Die Entstehung der Reggio-Pädagogik

In der italienischen Stadt Reggio Emilia wird Reggio-Pädagogik gelebt.

Die ersten Reggio-Kitas entstanden bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Dabei bezieht sich Art und Weise auf die Fröbel-Pädagogik, die noch deutlich früher, bereits Anfang des 19. Jahrhunderts, entwickelt wurde.

Ausgangsort der neueren Reggio-Pädagogik war die italienische Stadt Reggio Emilia. Unter dem Einfluss des von Loris Malaguzzi wurden die Ziele der Reggio-Pädagogik in den 1970er Jahren weiterentwickelt.
Der Lehrer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern sehr viele Freiheiten zu lassen, um sich selbst zu finden.

Zwar wurde die italienische Stadt bereits in den 1980er Jahren vielfach von ausländischen Erziehern besucht, dass die Reformpädagogik letztlich Berühmtheit erlangte und heute in weiten Teilen der Welt bekannt ist, verdankt Sie jedoch dem Newsweek Magazine.

Pat Wingert erklärte die von Malaguzzi entwickelten pädagogischen Handlungskonzepte in einem Artikel aus dem Jahre 1991 als bestes Entwicklungskonzept für die frühe Kindheit.

2. Das Kind steht im Zentrum: Die wichtigsten Kernpunkte des Konzepts

Jedes Kind trifft seine eigenen Entscheidungen.

Im Wesentlichen zeichnet sich die Kindererziehung im Sinne von Reggio dadurch aus, dass es keine Kindererziehung gibt. Kinder sollen sich selbst so entwickeln, wie Sie es wollen. Sie sollen nicht nach starren Regeln lernen oder bestimmte Spiele spielen.

Weder Eltern noch Erzieher sollen ein Kind in eine bestimmte Richtung drängen. Dabei liegt die Überlegung zugrunde, dass jedes Kind wissbegierig ist und etwas lernen möchte. Das Bild vom Kind ist extrem positiv geprägt.

Die positiven Eigenschaften, die jedes Kind mitbringt, sollen gestärkt und gefördert werden. Daher existieren in einem reinen Reggio-Kindergarten keine klaren Kindergarten-Konzepte, denn jedes Kind hat andere Ideen und Vorstellungen, die es gerne umsetzen möchte.

Der Erzieher steht dabei am Rand und beobachtet das Verhalten. Bei Fragen und Anregungen, die von den Kindern selbst kommen, stehen die Erzieher hilfreich zur Seite.

2.1. Die Bausteine der Reggio-Pädagogik

  • Kunsterziehung: Die Kunsterziehung nimmt in der Reggio-Pädagogik eine zentrale Rolle ein. Es wird viel gemalt und handwerklich gestaltet. Spielzeug gibt es vor allem in Form von Materialien und Werkzeugen.
  • Raumgestaltung: Die Gestaltung des Raumes, der als “dritter Erzieher” gesehen wird, ist eine weitere wichtige Komponente im Konzept. Sie hat wesentliche Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Räume sollen einerseits Rückzugsmöglichkeiten bieten und andererseits zur Aktivität anregen. Oft sind an den Wänden Bilder, Fotos und Texte zu finden, die auch als Dokumentation für die Eltern dienen, die sich so über die Aktivitäten und die Entwicklung der Kinder informieren können.
  • Projektarbeit, Gemeinschaft und Austausch: Eine wichtige Funktion hat auch der Austausch der Kinder untereinander. So soll ein Miteinander geschaffen und gestärkt werden. Ergebnisse der Projektarbeiten werden zusammen kommuniziert und besprochen.

Achtung: Die meisten Kindergarten-Konzepte lehnen eine reine Reggio-Pädagogik ab. Es gibt deutschlandweit nur wenige Kitas, die die Reggio-Pädagogik anwenden.

3. Freies Lernen mit Hilfe

Erzieher mit besonderer Aufgabe:

Im Gegensatz zu vielen anderen pädagogischen Ansätzen, sieht sich der Erzieher in der Reggio-Pädagogik als Begleiter, der auf Augenhöhe agiert.

Selbstverständlich ist es nicht möglich, dass Kinder gänzlich ohne Aufgabe sind. Es ist auch nicht das Ziel Reggio Kindern im Kindergarten keinen Impuls zu geben. Vielmehr fehlen lediglich konkrete Lernprinzipien im Kindergarten.

Jedes Kind hat seine eigene Art und Weise, sich auszudrücken. Umso wichtiger ist es, nach Anschauung der Befürworter von Reggio, dieses Verhalten zu intensivieren. In einigen anderen Kitas wird alles, was von der Norm abweicht, ignoriert.

Auch in Reggio-Kitas existieren Regeln. Diese erarbeiten die Kinder sich jedoch gemeinschaftlich in der Gruppe. Die dahinterstehende Idee ist, dass Kinder selbst entwickelten Grundsätzen deutlich mehr Beachtung schenken als von oben aufgezwungenen Regeln.

Um sicherzustellen, dass Kinder auch die Möglichkeiten bekommen, etwas auszuprobieren, werden sehr viele Materialien benötigt. Jedes Kind soll sich schließlich bestimmte Bereiche ansehen können, die das eigene Interesse wecken.

Im Gegensatz zu sonstigen Einrichtungen sind dies jedoch keine klassischen Spielsachen oder Spiele, sondern Bastelmaterialien oder Bauklötze.

Die Eltern spielen in der Reggio-Pädagogik eine zentrale Rolle:
In der italienischen Stadt Reggio existiert eine über Jahre hinweg gewachsene Verbindung zwischen Eltern, Erziehern sowie den Bewohnern Stadt selbst. Kinder, die sich für das Backen interessieren, bekommen Unterricht beim örtlichen Bäcker. Der Schreiner hilft hingegen beim Bau eines Baumhauses.

Da die Kinder stets unter Beobachtung und Beaufsichtigung stehen, ist ein guter Austausch zwischen allen Beteiligten auch heute noch Pflicht. Nur so lässt sich das Konzept konsequent umsetzen.

4. Projekte und Experimente bestimmen den Alltag

Häufig werden Experimente durchgeführt.

In der Reggio-Pädagogik ist die Raumgestaltung etwas anders. Es gibt nicht viele Möbel, dafür jedoch zahlreiche Möglichkeiten, einen Raum zu nutzen.

Musik, Tanzen und kreative Arbeiten stehen dabei stets im Fokus. Es liegt jedoch an den Kindern selbst, welchen Teil sie entdecken möchten.

Werden Experimente oder Projekte durchgeführt, bestimmen die Kinder, warum es sich handeln soll. Dabei ist es völlig egal, ob es um Frösche, einen Vulkan, die Entstehung der Welt oder die Verfärbung der Blätter im Herbst geht.

Jedes Bild, jede Arbeit sowie jedes Projekt werden genau dokumentiert. Die Erzieher knipsen Fotos und halten Ihre Eindrücke zur Entwicklung des einzelnen Kindes fest.

5. Die Vor- und Nachteile der Reggio-Pädagogik

In der Gesamtschau bringt Reggio Vor- und Nachteile mit sich. Daher haben wir Ihnen im Folgenden eine kurze Pro-Contra-Liste der Reggio-Pädagogik zusammengestellt:

  • viel Freiheit, um eigene Entscheidungen zu treffen
  • kein strukturierter Tagesablauf, um die Spontanität zu fördern
  • ängstliche Kinder haben klare Bezugspersonen und verlieren bei gemeinsamen Aktivitäten schneller ihre Angst
  • enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern, um gemeinsame Ziele zu verfolgen
  • ohne Mithilfe von außen kaum umsetzbar
  • manche Kinder brauchen klare Strukturen, da sie ansonsten überfordert sind
  • häufig zu wenig Personal, um jedem Kind gerecht zu werden
  • Kinder lernen nichts kennen, was sie nicht sofort begeistert, sodass ein sehr eingeschränkter Blick auf die Welt entstehen kann
  • keine Beschäftigung mit den Schwächen der Kinder, da die Förderung der Stärken im Vordergrund steht

6. Weiterführende Literatur zum Thema

Einführung in die Reggio-Pädagogik: Kinder, Erzieherinnen und Eltern als konstitutives Sozialaggregat

  • 106 Seiten – 11.03.2013 (Veröffentlichungsdatum) – Projekt (Herausgeber)

12,50 EUR Bei Amazon kaufenReggio-Pädagogik in der Kita. Pädagogische Ansätze auf einen Blick

  • 80 Seiten – 14.07.2017 (Veröffentlichungsdatum) – Verlag Herder GmbH (Herausgeber)

15,00 EUR Bei Amazon kaufenPädagogische Ansätze für die Kita: Reggio

  • 96 Seiten – 01.04.2017 (Veröffentlichungsdatum) – Cornelsen Scriptor (Herausgeber)

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Das Konzept der Reggio-Pädagogik

Reggio-Pädagogik sieht Kinder als eigenständige Persönlichkeiten

In der Reggio-Pädagogik werden Kinder als eigenständige Persönlichkeiten gesehen. Wenn Sie nach diesem Bild vom Kind arbeiten möchten, nehmen Sie die Rolle der Vertrauten, Begleiterin, Zuhörerin und Beobachterin ein, während sich die Kinder in der Rolle der Künstler und Forscher verwirklichen und ausleben können.

Forschungsdrang und Kreativität ist den Kindern angeboren. Sie können Kinder nur fördern und begleiten, wenn Sie sie verstehen. Um zu verstehen, sind in der Reggio-Pädagogik Beobachtungen sehr wichtig: Beobachten Sie, was Kinder sagen, was und wie sie spielen, tanzen, malen, singen und wie sie sich bewegen, insbesondere, wie sie an Dinge und neue Aufgaben herangehen. Wenn Sie Begleiterin und Vertraute der Kinder sind, ist es wichtig, dass Sie sich am Kind orientieren – nicht umgekehrt.

Statt statischer Planung sind in der Reggio-Pädagogik Improvisation und Mut zu einem offenen Ende gefordert. Wenn sich Kinder beispielsweise im Freispiel plötzlich die Frage stellen, wie ein Regenbogen entsteht, sollten Sie diese Frage ernst nehmen, aufgreifen und mit den Kindern gemeinsam bearbeiten. Auch wenn das Ihre Tagesplanung durcheinander bringt.

In der Reggio-Pädagogik lernen Kinder ganzheitlich

Reggio-Einrichtungen sind ganzheitliche Erfahrungsstätten. Ermöglichen Sie den Kindern daher, Erfahrungen im sozialen, emotionalen, körperlichen und geistigen Bereich zu sammeln. Erst durch die Wahrnehmung können die Kinder sich und die Welt erfahren. Die Reggio-Pädagogik sieht es als wichtig an, dass immer viele unterschiedliche Sinne des Kindes angesprochen werden.

Sie sollten den Kindern die Möglichkeit eröffnen, sich auf viele unterschiedliche Weisen auszudrücken. Wenn sich Kinder mit Themen wie Angst beschäftigen, regen Sie sie an, sich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen, indem sie auch alle Ausdrucksmöglichkeiten ausschöpfen. Beispielsweise können Kinder Angst durch Rollenspiele, Tanz, Gesang, Spiel verschiedener Instrumente, Singen bis hin zum Gestalten darstellen.

Künstlerisches Arbeiten hat in der Reggio-Pädagogik einen hohen Stellenwert. Gestaltung ist eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen und seinen Platz in ihr zu finden. Vermitteln Sie den Kindern neue Techniken der kreativen Gestaltung wie das Malen mit Ölfarben, Künstlerkreide, Tinte oder Kohlestift. Das Arbeiten mit Ton und Holz gehört auch dazu. Beherrschen die Kinder die Gestaltungstechniken, können Sie diese Angebote fest in das Freispiel integrieren.

Kinder haben einen angeborenen Forschungsdrang. Fordern Sie diesen heraus. Kinder benötigen dafür aus allen Bereichen Anregungen von Kunst über Mathematik bis zur Biologie. Selbst wenn es sich für Sie scheinbar um Themen der Erwachsenenwelt handelt: Sie können auch mit Kindern philosophieren, Gedichte interpretieren oder ihnen die Frage stellen, wie ein Computer funktioniert.

In der Reggio-Pädagogik werden Kinder als Forscher und Wissenschaftler betrachtet. Damit sie ihren Forschungsdrang ausleben können, sollten Sie den Kindern Dinge zur Verfügung stellen, mit denen sie experimentieren können. Rohre und Schläuche für Wasserexperimente, Taschenlampen und Spiegel für Lichtspiele, Lupen, Fernrohre, Mikroskope sind besonders gut geeignet, damit Kinder eigenständig Dinge und Sachverhalte untersuchen und Zusammenhängen nachgehen können.

In der Reggio-Pädagogik ist auch die Gestaltung der Räume wichtig

Ihre Räume haben Einfluss auf die Kinder und sollten deshalb ästhetisch und anregend gestaltet sein. Hängen Sie doch Kunstdrucke von Picasso oder Monet auf, und stellen Sie ansprechende Plastiken auf. Muscheln, schöne Tonkacheln und Steine sind weiterer ästhetischer Blickfang. Sorgen Sie für Sinne anregende Materialien wie Spiegel und farbige Lichtquellen.

Die Reggio-Pädagogik regt an, dass Ihre Einrichtung die Kultur Ihrer Umgebung und die Alltagserfahrungen der Kinder widerspiegeln sollte. Dadurch können sich die Kinder mit Dingen auseinander setzen, die sie erleben und angehen. Wenn Sie im Ruhrgebiet wohnen, können Sie beispielsweise Kohle, Erz, Grubenlampen und Fotos von Fördertürmen ausstellen.

Statt teurer Möbel und Spielzeuge aus dem Katalog können Sie Gegenstände aus dem Alltag der Kinder zusammentragen, wie Töpfe, eine alte Schreibmaschine und Porzellangeschirr zum Spielen. Ein schöner Stuhl oder ein alter Nachttisch sorgen für Gemütlichkeit und Identifikation. Außerdem tragen diese Gegenstände zur einzigartigen Gestaltung Ihrer Einrichtung bei. Sie verleihen Ihrem Kindergarten ein besonderes Gesicht.

Reggio Pädagogik kurz & knapp

Konzept: Was macht die Reggio Pädagogik aus?

  • die Reggio Pädagogik ist gemeinschaftlich in Italien entstanden
  • Loris Malguzzi gilt dennoch als Begründer, da er die wesentlichen pädagogischen Inhalte konzipiert hat
  • in der Reggio Pädagogik setzt man auf eine Hierarchie freie Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kind und Erzieher
  • man ist hier der Annahme das die Erziehung eine gemeinschaftliche Aufgabe ist

Ziele der Reggio Pädagogik (geltende Grundsätze)

  • Erziehung zur Demokratie
  • Erziehung zur Gerechtigkeit
  • Erziehung zur Solidarität

Das Bild vom Kind in der Reggio Pädagogik

  • das Bild vom Kind ist von Grund auf positiv
  • das Kind wird als aktiver Lernen gesehen
  • das Kind steht als selbstständiger Akteur im Mittelpunkt
  • das Kind entscheidet selbstständig womit es sich beschäftigen möchte
  • das Kind hat ein Recht auf Bildung und Erziehung
  • das Kind ist ein soziales Wesen

Aufgaben des Erziehers

  • der Erzieher soll ein Partner für das Kind sein
  • er soll es beobachten und seine Entwicklung dokumentieren
  • er soll dem Kind Zeit und Raum für seine eigenständige Entwicklung geben
  • er soll für die geeigneten Rahmbedingungen und Spielangebote sorgen

Raumgestaltung

  • der Raum ist der „dritte Erzieher“
  • man geht davon aus das eine gute Raumgestaltung die Entwicklung des Kindes positiv beeinflusst
  • in Reggio-Einrichtungen steht eine große Halle im Mittelpunkt der Einrichtung, von ihr aus gehen alle weiteren Räume ab
  • die Halle dient als Treffpunkt und Ausstellungsstelle
  • überall findet man „Sprechende Wände“ auf den Bildern, Berichte und Kommentare ausgehangen sind
  • es gibt überall Bodentiefe Fenster und Bodentiefe Spiegel
  • es wird mit vielen Unterschiedlichen Ebenen gearbeitet damit sich die Kinder alles selbstständig erschließen können

Spielzeug/Materialien

  • traditionelles Spielzeug hat einen untergeordneten Rang
  • gesammelte Fundstücke und Alltagsmaterialien sind der Hauptbestandteil

Quellen

  • BUMANN, Gregor. Bildungsprozesse in Kindertageseinrichtungen-Pädagogische Ansätze: Situationsansatz, Reggio-Pädagogik und das Infans Konzept im Vergleich. Diplomica Verlag, 2008.
  • KNAUF, Tassilo; DÜX, Gislinde; SCHLÜTER, Daniela. Handbuch pädagogische Ansätze. Praxisorientierte Konzeptions-und Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen. Berlin, 2007.

Schlagwörter: 3. Erzieher, Aufgaben, Erziehung, Loris Malguzzi, Pädagogik Letzte Aktualisierung: 27. März 2017 Laura R

Reggio-Pädagogik

Die einzige Pflicht: selbst entscheiden. Das und noch viel mehr steckt hinter der italienischen Erziehungsphilosophie der Reggio-Pädagogik.

Die Idee der Reggio-Pädagogik: Kinder als Forscher

„Unsere Einrichtungen sind vor allem Werkstätten, in denen Kinder die Welt untersuchen und erforschen.“ (Loris Malaguzzi, Mitbegründer der Reggio-Pädagogik)

Reggio ist kein festes Pädagogik-Modell, sondern eine Erziehungsphilosophie, die nach 1945 in den Krippen und Kindergärten der norditalienischen Stadt Reggio Emilia entstand. Inzwischen ist der Reggio-Ansatz weltweit verbreitet. Zentrales Prinzip ist, dass Kinder durch ihre Wissbegierde und Kreativität die eigene Entwicklung maßgeblich bestimmen und dabei von Erwachsenen begleitet – und nicht angeleitet – werden sollen. In Kunstateliers und Projekten ohne feste Vorgaben und Ziele haben die Kinder Zeit, ihre Fantasie zu entwickeln und zu forschen. Alle Aktivitäten im Reggio-Kindergarten werden durch Fotos oder auf Plakaten dokumentiert. So können die Kinder ihre Lernprozesse nachvollziehen und überdenken. Teil des Reggio-Ansatzes ist auch, den Kindergarten in der Kommune fest zu verankern.

Die Philosophie der Reggio-Pädagogik

Kinder durch Experimente die Welt für sich entdecken zu lassen, ihnen keine fertigen Lösungen zu servieren, das ist Reggio-Pädagogik. Pflichtprogramme gibt es hier ebenso wenig wie eintönige Schablonen-Kunstwerke. Zur Reggio-Philosophie gehört es, jedes Kind seine eigene Ausdrucksform finden zu lassen und ihm die Materialien dafür bereitzustellen. Reggio-Kinder dürfen – und müssen – selbst entscheiden, was sie machen möchten. Sicher gebe es mal Langeweile, sagt Eleonore Zenthoefer, Leiterin der ‚casa fantasia‘, einem Kindergarten der Fröbel-Gruppe in Berlin-Mitte und einer der wenigen zertifizierten Reggio-Kindergärten in Deutschland. „Aber das ist selten. Kindern fällt eine Menge ein, wenn sie sich selbst darüber Gedanken machen, was sie wissen wollen.“ Oft wird ein Projekt daraus. Auch das ist Reggio-Pädagogik.

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Reggio-Pädagogik liefert ungewöhnliche Ergebnisse

Thema wird, was die Kinder interessiert. Schnee, Indianer, afrikanische Musik oder Igel-Winterschlaf – unterstützt durch ihre Erzieher sind die ‚casa fantasia‘-Kinder diesen Themen nachgegangen. Was hier zählt sind nicht die Lehrbuchfakten, sondern die Gedanken und Beobachtungen der Kinder. Wie klingt das? Wie fühlt es sich an? Warum ist etwas so und nicht anders? Die Ergebnisse sind für Erwachsene oft ungewöhnlich philosophisch, aber meist sehr stimmig.

Oberste Regel der Reggio-Pädagogik: Entscheidungsfreiheit

Entscheidungsfreiheit bedeute aber nicht, dass es keine Regeln gibt, stellt Zenthoefer klar. „Da wir eine Gemeinschaft sind, legen wir sie aber gemeinsam fest.“ In Gesprächskreisen wird Zuhören geübt und wie man sagt, was man möchte. „Selbst aufgestellte Regeln werden viel eher eingehalten“, sagt sie. „Wir sagen den Kindern nicht, ‚Schaut her, so müsst ihr es machen‘. Wenn sie es selbst herausfinden, lernen sie mehr.“

Jede Menge Raum für Kreativität. Im Verständnis der Reggio-Pädagogik entscheiden Kinder selbst, was sie damit anfangen.

Einblick in den Reggio-Kindergarten

Die 69 Kinder und neun Erzieherinnen im Berliner Reggio-Kindergarten ‚casa fantasia‘ teilen sich in drei Gruppen mit italienischen Namen. Der Raum mit dem rot gepunkteten Teppich im zweiten Stock ist das Reich der „cuccioli“, der Tierkinder. Hier können sich die Zwei- bis Dreijährigen zurückziehen, wenn es ihnen bei den großen „arcobaleno“, den vier- bis sechsjährigen Regenbogenkindern, zu wild wird. Jedes Kind, ganz gleich ob zwei oder sechs, darf selbst entscheiden, wo es sein möchte. Es muss nur Bescheid sagen, wo es hingeht: In den Bauraum etwa, wo gebastelt und gemalt wird und wo große, mit Bausteinen gefüllte Körbe stehen; in den Theaterraum, wo eine Bühne und ein Fundus an Instrumenten und Verkleidungssachen warten. Dann ist da noch der lange Flur, dessen Wand als Tafel dient. Oder das Kunstatelier im Erdgeschoss mit unzähligen Materialien.
Nur die Ein- bis Zweijährigen bleiben im „nido“ – im Nestchen, zwei großen Räumen im Erdgeschoss. „Sobald es wärmer wird, treffen wir uns alle im Garten“, erzählt Eleonore Zenthoefer und meint damit den Innenhof mit Sand- und Wasserspielplatz, Tischen und einem Kaninchenstall, in dem zwei Hasen hopsen.

Werkeln und toben im Reggio-Kindergarten

Warme Farben und natürliche Materialien wecken im Reggio-Kindergarten die Bau- und Experimentierlust. „Fertige“ Spielsachen und Möbel gibt es hier kaum. Der Maltisch der „cuccioli“ etwa besteht aus einer großen Platte, die auf flache Stapelboxen gelegt wird. Gewerkelt wird im Knien. Ist Toben angesagt, kommt die Platte an die Wand und die Stapelboxen werden zu Turngeräten. Ebenfalls Reggio ist das Prinzip der „sprechenden Wände“. Überall hängen Plakate, digitale Bilderrahmen und Projektmappen, die Kindergartenleben und Forschungsergebnisse zeigen. „Das zeigt auch den Eltern, womit wir uns beschäftigen“, sagt Eleonore Zenthoefer.

Reggio-Kindergarten: Eltern erwünscht

Erziehungspartnerschaft ist für sie nicht nur ein Wort. „Die Eltern sind hier ausdrücklich erwünscht“, sagt sie. Es gibt sogar einen Chor, in dem Erzieher und Eltern singen. Köchin Kristina Weise und Hausmeister Jürgen Trojan, der mit seinen roten Handwerkerhosen wie ein Magnet auf die Kinder wirkt, sind ebenfalls selbstverständliche Mitglieder des Kindergarten-Teams. Reggio Philosophie ist, den Kindergarten als Teil der ganzen Gesellschaft zu sehen und für „die Welt da draußen“ offen zu sein. Dass die italienische Erzieherin Valentina Colla mit den Kindern nur in ihrer Muttersprache spricht, sei allerdings ein besonderer Pluspunkt, der den Reggio-Schwerpunkt des Kindergartens ideal ergänzt und Teil des Fröbel-Konzepts ist, sagt die Leiterin. „Bilinguale Erziehung durch die ständige Begleitung von Muttersprachlern wird es bald in allen Fröbel-Kindergärten geben. Kinder lernen die Grundlagen einer Fremdsprache auf diese Art spielerisch.“
Mehr zum Reggio-Kindergarten unter www.froebel-gruppe.de

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Materialien für Kinder. Impulse der Reggio-Pädagogik

Tassilo Knauf

Die Reggio-Pädagogik geht von einem Bild des Kindes als forschendem Wesen aus, das sich „100 Sprachen“ bedient, um sich mit der Welt auszutauschen, sich mit ihr auseinander zu setzen und um sich selber auszudrücken. In diesem Bild vom agierenden und interagierenden Kind hat Material als Medium der forschenden Aktion, sozialer Interaktion und des Selbst-Ausdrucks einen hohen Stellenwert. In der Literatur zur Reggio-Pädagogik erfährt die Bedeutung des Materials allerdings keine angemessene Würdigung. Dies liegt vielleicht daran, dass Material nur in der Dreiecksbeziehung zwischen Kind, seinem Handeln und seiner Umwelt zu verstehen ist.

Material und – in einem erweiterten Sinn – Medien haben jedoch in der Ideengeschichte der Pädagogik seit langem eine große Rolle gespielt: In der Mitte des 17. Jahrhunderts hat z.B. Comenius mit seinem Orbis Pictus Sensualium ein didaktisches Medium geschaffen, dessen großformatige, textlich kommentierte Bilder Kindern Ausschnitte aus der natürlichen und kulturellen Welt präsentierten. Kinder erhielten die Möglichkeit, über didaktisch komponiertes Bildmaterial, das die Komplexität der Wirklichkeit vereinfacht, zum Entdecken, Erforschen und vor allem zum Einordnen der Dinge angeregt zu werden.

Zwei Jahrhunderte später verfolgte Friedrich Fröbel mit seinem Material für den Kindergarten, den so genannten „Fröbel-Gaben“, ein ganz anderes Ziel: Kinder sollten mit Kugel, Ball, Walze und Würfel sinnlich tätig werden, experimentieren und dabei (physikalische) Ordnungen der natürlichen Welt im eigenen Tun erfahren.

Sinnlich-gegenständliches Agieren mit verschiedenartigen Materialien sind auch zentrale Elemente der Lernkonzepte Maria Montessoris im ersten Drittel und Jean Piagets im dritten Viertel des 20. Jahrhunderts. Deren Unterschiede sind dabei beachtlich: Montessoris Material ist didaktisch konzipiert und eindeutig für bestimmte Lernschritte definiert; seine Benutzung soll pädagogisch angeleitet werden. Dabei übernehmen Farbigkeit, Materialcharakter, Größe, Form und Oberflächenstruktur die Funktion, einen sinnlich-ästhetischen Reiz auszulösen, der zum tätig Werden mit dem Material führt. Die Gegenstände, mit denen nach Piaget das Kind experimentell und entdeckend tätig wird, sind vorgefundene Dinge, die aus dem Alltagsleben, dem Spiel oder der Zufälligkeit der jeweiligen Umgebung stammen.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat Donald Winnicott in seiner Spieltheorie die Bedeutung von Gegenständen für die Entwicklung von Kindern neu beschrieben, indem er ihre von den Kindern selber definierte Subjektivität betonte; Kinder wählen Gegenstände aus, die ihnen wichtig sind, laden sie mit einem oft nur für sie verständlichen Sinn auf und verwenden sie als Mittler zwischen der eigenen subjektiven Welt und der äußeren Welt der von ihnen nicht oder nur teilweise beeinflussbaren Dinge.

In der Reggio-Pädagogik wird Material vor allem nach der von Piaget und Winnicott umrissenen Bedeutung eingeschätzt und verwendet. Gegenständliches Material dient den Kindern,

  • sich forschend mit den Dinge, Strukturen und Prozessen der Welt auseinander zu setzen,
  • Beziehungen zu Objekten (z.B. zu einer Pflanze, einem Haus) und zu Phänomenen (z.B. Geburt, einem Fest im Jahreskreis) aufzubauen und ihnen Bedeutung zu geben,
  • Beziehungen zwischen der inneren Welt (Erinnerungen, Vorstellungen, Einschätzungen, Phantasien) und der äußeren Welt (Entdeckungen, Beobachtungen, anderen Informationen) herzustellen,
  • Beziehungen zu anderen Personen aufzunehmen oder zu intensivieren (z.B. durch gemeinsame gegenstandsbezogene Aktionen, durch Tauschen oder Schenken).

In der Reggio-Pädagogik kann zwischen verschiedenen Materialgruppen unterschieden werden, auch wenn diese sich in der Praxis immer wieder überlappen:

  • Alltags- oder zufällig vorgefundene Gegenstände,
    • die Kinder entdecken (innerhalb oder außerhalb ihrer Einrichtungen),
    • die ihr Erstaunen erregen,
    • die sie anderen (in Worten, Bildern oder im Rollenspiel) mitteilen wollen,
    • mit denen sie experimentieren,
    • die sie sammeln, ordnen, auseinander nehmen,
    • über die sie Hypothesen aufstellen und Informationen einholen (vgl. die Beispiele in Reggio Children 2002, S. 54 ff.)
  • Gegenstände, die Kinder in ihrer Einrichtung vorfinden und die sie zum experimentellen und gestalterischen Handeln anregen sollen. Dies sind z.B.
    • optische Geräte wie Overhead- und Diaprojektoren oder Leuchttische,
    • Gegenstände zum Messen und Untersuchen wie Metermaß, Zollstöcke und Lupen,
    • Ressourcen zum Experimentieren wie Werkbänke, Waschbecken und andere Nassbereiche,
    • Gegenstände zum Malen und Plastizieren wie Staffeleien, Pinsel, Farben, Tische, Trockenregale, Brennöfen, Ausstellungsflächen,
    • Gegenstände zum darstellenden Spiel wie Puppentheater, Hand- und Stockpuppen, Leinwände und Lampen für Schattenspiel und Diaprojektionen, Verkleidungsbereiche („Verkleidungsschnecke“), Kleidungsstücke, Podeste als Bühnen, Verstecke, Spiegel zum sich Betrachten und sich Verändern (Zerrspiegel),
    • Ressourcen zum Bauen wie Podeste oder andere abgegrenzte Zonen, „Baumaterial“ wie Lego-, LegoDuplo- und anderes Steckmaterial, Holzbauklötze,
    • Ressourcen zum Musizieren wie elementare Instrumente, vor allem Schlag- und Blasinstrumente,
    • Ressourcen zum Lesen, Schreiben und Kommunizieren wie Bilderbücher, Bücher zum Vorlesen, Lexika, Computer mit ausgewählten Programmen, Schreibmaschinen, Briefkästen, Röhrentelefone.
  • Materialien, die Kinder von zu Hause, von ihren Großeltern oder anderen Personen mit bekommen oder die sie bei Besuchen in Einrichtungen oder Betrieben (z.B. im Museum, bei der Feuerwehr oder in einer Bäckerei) erhalten und die sie in ihre Spielhandlungen, Projekte und in Dokumentationen integrieren können.

Für die zweite Gruppe von Materialien ist ihre Präsentation in der Einrichtung von besonderer Bedeutung. Dabei spielen die schon von Montessori entwickelten Prinzipien

  • Offenheit und Transparenz,
  • Ordnung und Auswahl,
  • Ästhetik und Anregungscharakter

eine wichtige Rolle. Kinder sollen durch die Vielfalt an Materialien zum Entdecken, Experimentieren, Konstruieren und Gestalten stimuliert werden, aber nicht durch Reizüberflutung ihre Orientierung verlieren. Daher werden Funktionsbereiche in den Einrichtungen geschaffen, in denen Kinder Dinge, die miteinander zu tun haben, auch nebeneinander auffinden können. Die Trennung der (gruppenbezogenen oder gruppenübergreifenden) Funktionsbereiche ist allerdings nicht starr. Sie unterliegt vielmehr den sich verändernden Bedürfnissen und Entscheidungen der beteiligten Personen, vor allem auch der Kinder. Dies ist ein bemerkenswerter Unterschied zur Montessori-Pädagogik, in der es Aufgabe und Privileg der Erzieherin ist, eine didaktisch reflektierte „vorbereitete“ Umgebung zu schaffen. Nicht vorrangig Klarheit und Ordnung, wie bei Montessori, sondern auch Lebendigkeit und Unverwechselbarkeit sind Charakteristika des Materialarrangements in der Reggio-Pädagogik.

Parallelen und Unterschiede zur Montessori-Pädagogik prägen die Materialpräsentation in der Reggio-Pädagogik auch in anderer Hinsicht. So beobachten in den ersten Wochen des Kindergartenjahrs (in Anlehnung an das Montessorische Beobachtungskonzept) Erzieherinnen und Atelierista die Aktionsschwerpunkte der Kinder und überlegen, welche Materialien für die Stabilisierung und Weiterführung der Kinderaktionen besonders geeignet sind und daher im Mini-Atelier der Kita-Gruppe präsentiert werden sollte (siehe hierzu meinen Beitrag „Das Atelier in der Reggio-Pädagogik“).

Eine wichtige Quelle für die Materialauswahl durch Pädagog/innen wie auch durch die Kinder ist in Reggio die „Remida“. Das ist eine Einrichtung, in der Gewerbebetriebe der Stadt wieder verwendbare Holz-, Metall- und Kunststoffabfälle deponieren können. Das Material wird von den Remida-Beschäftigten geprüft, gereinigt und sortiert und kann in der zentral gelegenen Sammelstelle für die Verwendung im Kindergarten in beliebigen Mengen von Erwachsenen und Kindern abgeholt werden.

Literatur

Reggio Children (Hrsg.): Hundert Sprachen hat das Kind. Neuwied 2002

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